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Daß

Preußifche münzwefen
im l8. Jahrhundert.
münzgefäï¬chtlicher Teil. Dritter Land. Daß Geld des fieben-
jährigen Ariegez und die mijnzreform nach dem Frieden.
1755-1765.
W
Darï¬eflung von Friedrich Freiherr von Ychrötter.
K xx!
Akten bearbeitet v011 S. Ichmoller und Friedrich Freiherr *
von Zchrötter. 7 -
Berlin.
Verlag von paul parey.
877.. Hedemcmnï¬tqße l0.
1910.
/X
Vorwort.
Der vorliegende Band behandelt das bisher bekanntefte Er-
eignis der prenßifchen Münzgefchichte; denn wo immer wir in all-
gemeinen Werken über den fiebenjährigen Krieg oder über das
preußifche Münzwefen etwas lefen. da finden wir auch die unter-
wertigen Prägungen jener Kriegszeit. die fogenannten Ephraimiten
erwähnt. woran fich meift einige AngabenÖüber die Münzver-
fchlechterung und über die dadurch veranlaßten Verlufte der Be-
völkerung knüpfen.
Einige aktenmäßige Mitteilungen über diefen höchft merk-
würdigen Vorgang hat fchon im 18. Jahrhundert Kloßfch. im 19.
Riedel gegeben. und zuleßt hat der mitnnterzeichnete R. Kofer den
Münzgewinn für die einzelnen Jahre aus den Treforakten zu be-
rechnen verfucht. ohne die einfchlägigen technifchen Fragen erörtern
zu wollen.
Die Münzverfchlechterung war eine zwar nicht zu umgehende-
aber doch nur kurze. mit ihren Nachwehen nicht über fechs Jahre
(1759-1765) dauernde Epifode. Denn für fo unvermeidlich der
König fie hielt. für ebenfo notwendig erkannte er die fchnelle Rück-
kehr zu geordneten Zuftändeu nach dem Frieden: er erklärte' ruhig
fterben zu wollen. nachdem er das Münzwefen oerbeffert und die
Kriegsfchulden abgetragen haben würde. Die ungeheuer fchwierige
Aufgabe. aus einem zerrütteten Münzwefen ein gutes zu ['chaffen.
einen leichten Münzfnß in einen fchweren zu verwandeln. ift immer
nur felten energifchen Politikern wie Diocletian. Bipin und Karl.
Ferdinand und Jfabella. Sigismund 1. von Polen. Elifabeth von
England. Richelieu gelungen. Unfer Band wird zeigen. welch inten-
five Arbeit und zähe Energie Friedrichs und feiner Beamten nötig
waren. um diefe Aufgabe nach dem fiebenjährigenKric-ge zu bewältigen.
l7] Vorwort.
Darum kommt denn auch diefer zweiten preußifcheu Münz-
reform des 18. Jahrhunderts eine ungleich größere Bedeutung zu
als der Prägung der Ephraimiten. War diefe ein kurzer. fchnell
wieder befeitigter Notbehelf. fo hat die von 1768 bis 1765 aus- _
geführte Reform das Graumanfche Shft-em unter Befeitigung feiner
Übertreibungen und Fehler wieder eingeführt und damit den Unter-
grund des preußifchen Münzwefens gefchaffen. der ftandgehalten
hat bis auf nnfere Tage.
Die Publikation ift nach denfelbeu Grundfc'ißen wie in den
beiden erften Bänden erfolgt; auch diesmal hat Frhr. 1)!: v. Schrötter
die wefentliche Arbeit getan. und hat Herr 1)r. Regling durch forg-
fames Lefen der Korrektur dankenswerte Hilfe geleiftet.
Berlin) Anfang Januar 1910.
Die akademifche A0mmiffi0n
für Heraußgabe der Z618- 1301-1188joa.
Guftav Zehmoller. 22. Llofer. Otto Hinize.
Inhalt.
Erfte Abteilung. Oarftellung.
(Zrfteß Buck).
Die ?rägungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . _ . . .
l. Kapitel. Der Generalpachtkontrakt von 1755 . - - - - -
Die Verpachtung der Münze zu Aurich - -
Die Verpachtung der Münze zu Cleve - . - - - - . - . . . . .
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755 - - - - - - - - -
Die Clevifche Scbeidemünzprägung
Die Clevifche 6-Kreuzerprägung . . . . . . . . . . . . . . . .
Änderung des Generalkontrakts am 2. April 1756 - - - - - - - -
Remedium
11
14
18
21
. Kapitel. Die einzelnen Münzftätten 1756 bis 1759 - - -
Die Miinzfta'tte Berlin
Die Mijnzftätte Königsberg - - - - - - - - - - - - . - - - - .
Die Münzfiätte Magdeburg
Die Nachprägung der polnifch-fächfifchen Thmpfe
Die Miinzftätie Breslau - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Die Leipziger Münzftätte 1756. 1757
Die Dresdener Münzftätte 1757 bis 1759
Polnifche Kupfermünzen - - - - - - - - - - _ - - - - - - - -
ll!. Kapitel. Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen
Münzfuße 1759 bis 1763
Die Mittelfriedrichsdor und Mittelauguftdor
Der Miinzkontrakt vom 15. Januar 1760
Die Prägungen des Jahres 1761 - - - - - - - - - - - - - - -
Die neuen Auguftdor
Das polnifche Münzedikt vom 12. Auguft 1761 - - - - - - - - -
Die Prägungen des Jahres 1762 - - - - - - - - - - - - - - -
Beurteilung der preußifchen Nachprägungen - - - - - - - - ' - -
l7. Kapitel. Die außer'preußijchen Münzverfchlerbterungen
in DeutfGland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Der Weften (Neuwied) - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Die Bernburgifcben Münzen
51
55
58
62
69
78
78
81
7U( Jnhalt.
Seite
Mecklenburg-Schwerin - - - - - . - . . . . . . . . . . . . 87
Holftejn-Plön . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
Hildburghqufeu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
(Zweiteß Buch. _
Yet Verkehrswert des Kriege-gelbes - - - - - - - - - - - - - - - - 99
l. Kapitel. Der Verkehrswert der Münzen preußifchenGe-
präges . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
Verfuche, das Gold im Lande feftzuhalten - - _ - - - - - - - - 102
Die Tarifierung des Kriegsgeldes; der Wechfelkars - - - - - - - 104
Verordnungen über Schuldenzahlung - - - - - - - . . . . . . 109
Die Sammlung und Einfchtnelzung des alten Geldes - - - - - - 110
11. Kapitel. Der Verkehrswert der Münzen fremden Ge-
yräges . . . . . _ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
Die fächï¬fchen Drittel - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 115
Der Mangel an Scheidemünzen - - - - - - - - - - - - ' - - 122
Die fc'jchfifchen Grofchen und Doppelgrofchen 1761 bis 1763 . . - 125
Die mecklenburgifchen) holfteinfchen und fchwedifchen Sorten - - - 129
Die neuen Auguftdor - - - - _ - - - - - - - - - - - - - - - 134
lll. Kapitel. Die Geldverhältniffe im Weften und die Ab-
wehr der preußifchen Kriegsmünzen in den benachbarten
Gebieten Norddeutfchlands - - - - - - - - - - - . - - . 139
Minden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mark . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Oftfrjesland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144
Lingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . _. . . .
Hannover) Braunfcvweig. Hamburg. Bremen. der Reichstag - - - 149
DritteZ Bucky.
Yie Yeorganijation 1763 bis 1765 (1770) - . - . . . . . . _ . . . 153
l. Kapitel. Der Übergangsrnünzfuß von 1763 - - - - - - 155
Der Kontrakt vom 17. Dezember 1762 - - - - - - - - - - - - 156
Der Kurs der älteren Sorten im Jahre 1763 - - - - - - - - - 159
Das Edikt vom 18. Mai 1763 - - - - - - - - - - - - - - - - 162
Geldmangel und Werhfelei - - - - - - - - - - - - - - - - - 163
Die Beendigung des Pachtfhftems . - - - - - - - - - - - . - 168
Die Königsberger Münzverhältniffe 1763 - - - - - - - - - - - 169
Das Geldwefen im Welten - - - - - - - - - . - - - - - - - 175
ll. Kapitel. Das Edikt vom 29. März 1764 - - - - - - - - 178
Entftehung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178
Der verbefferte Graumanfche Fuß - - - - - - - - - - - - - - 179
Erlaubte fremde Sorten - . - . - - - - - - - . - - - - - - 181
Seite
Scheidemünzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Reduzierung des Kriegsgeldee - - - - - - - - - - - - - - 183
lll. Kapitel. Tarifierungen; Steuergeld; Unifövreibung der
Obligationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Wertverhältnis zwifchen Gold- und Silbermünzen - - - - - 187
Tarifierung fremder Goldmünzen - - - - . - - - - - - - - - - 191
Abgabenzahlung in Gold. Kurant und Scheideniüuzen - - - - - - 195
Die rote" Sechfer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Abzahlung älterer Obligationen mit neuem Gelde - - - ' - 198
l7. Kapitel. Die Umprägung des Kriegsgeldes - - - - - - 203
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Der Schmelzwert des Kriegsgeldes - - - - - - - - - - - - - - 205
Die Umprägung der geringhaltigen Treforbeftände - - - - - - - 207
Die Verhütung der Ausfuhr des Kriegsgeldes - - - - - . - - - 209
7. Kapitel. Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764
in den weftlichen Landen und die Münzftätten zu Cleve
und Aurich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Tarifierung der fremden Sorten - - - - - . - - - - - - - 214
Die Abzahlung der Obligationen - - - - - - - - - - - - - - - 219
Die Unmöglichkeit eines autonomen preußifchen Münzwefens im Weften 221
Das Ende der clevifchen Miinzftätte - - - - - - - - - - - - - 226
Das Ende der oftfriefifchen Miinzftätte - - - - - - . - - - - - 227
Schluß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235
Zweite Abteilung. Akten - - - - - - - - - - 237
Dritte Abteilung. Tabellen - - - - - - - - 503
Regjfter . . . . . . . . . . . . . . . . . .7 . . . . 534
Gedruckte Literatur.
J. F. Kloyfch) Verfnch einer churfächfifchen Miinzgefchichte. Chemniß 1779-
S. 840-859.
A. F. Riedeh Der brandenbnrgifch-prenßifche Staats-haushalt. Berlin 1866.
R. Ko_ier) Friedrich der Große. ll. 1. n. 2. Anfl.. 1903) S. 310-312) 353-354;
3. Anfl. 1905 ebenda.
R. Kofer ) Die prenßijiben Finanzen im fiebenjährigen Kriege. (Forfchungen zur
brandenburgifchen und prenßifchen Gefchichtß Bd. 13.) Leipzig 1900-
S. 158-217) 329-875. -
Erft nach vollendetem Druck der Darftellnng ift mir die Differtation von
K. Arnhold: Anhaltifches Miinzwefen im fiebenjährigen Kriege) Halle a. S. 1908.
bekannt geworden. Jm ganzen weicht der Jnhalt diefer Schrift von nnferer
Darftellung nicht ab) ift aber naturgemäß detaillierter. Jch möchte daraus an-
fiihren) daß die Rethwifcher Münze bis Ende Februar 1762 betrieben wurde) und
dort im ganzen für 2 Millionen Ntlr. Kriegsmünzen geprägt worden find (unfere
Darftellung S. 94) zweiter Abfaß). Ein befonderes Kapitel fchildert die erfolg-
reichen Beftrebungen. die Maßnahmen des Kaifers gegen die Anhaltifchen
Prägnngen unwirkfam zu machen. Arnholds allgemeine Bemerkungen iiber das
deutfche Miinzwefen bedürfen der Berichtigung.
Aktenbezeiehimngen.
Nr. : Nummer der in diefem Bande abgedrnckten Akten.
11 : Geheimes Staatsarchiv Berlin) Repofitur.
Tit. : Geheimes Staatsarchiv Berlin Generaldirektorium) Miinzdepartement)
Titulns.
. B. : Staatsarchiv Breslau.
. C. : Staatsarchiv Coblenz.
. K. : Staatsarchiv Königsberg.
. M. :Staatsarchiv Magdeburg.
. S. : Staatsarchiv Stettin.
. Schl. : Staatsarchiv Schleswig.
. D. :Haupftaatsarchiv Dresden.
. Schw. :Geheimes nnd Hauptarchiv Schwerin.
. Z. : Haus- und Staatsarchiv Zerbft.
NORMAL-*NYSE
Zerichtigungen.
S. 46) Note 1: lies „Keffenbrink" ftatt „Kettenbrim'k“.
S. 217) Note 2: lies „Nr. 102“ ftatt „_Nr. 103".
(Zrfte Abteilung.
Öarftellung.
(Zrfteß Buch.
Die [Irägungen.
Roto 801-11881e91. Münzwefen 11l.
Erï¬e- Kapitel'.
Der (Zeneralpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755.
Hatte der Generalmünzdirektor Grauman feine Verfprechungen
nicht zu erfüllen vermocht..fo mußte der König auch bald einfehen.
daß er felbft es mit feiner Verwaltung des Mtinzwefens nicht weiter
brachte. Nicht weiter in der Erreichung des Zieles. das er einer
guten und klugen Münzverwaltung und Münzpolitik gefteckt hatte:
der Gewinnung eines großen Schlagfchaßes. Jndem Friedrich aber
bemerkte. daß die feiner Meinung nach am günftigften gelegenen
Münzftätten. wie Aurich. Cleve. wenig leifteten. die am ungünftigften
gelegenen zu Breslau und Königsberg aber aufbltihten. mußte er
die Urfache dafür darin erblicken. daß leßtere verpachtet waren.
Die Verpachtung der Münzftätten war in den Münzgefeßen
des Deutfchen Reichs arg verpönt nnd mit Recht. denn bei nicht
fehr ftrenger nnd intenfiver Aufficht war Jntegrität in diefem Ver-
waltungszweige fowiefo fchon nicht durchzuführen. bei der Verpachtung
aber gaben die Regierungen die Münzverwaltung ganz oder teilweife aus
der Hand. Doch immer wieder hatten der Mangel an Kontroll-
organen und Scheu vor Ausgaben zu der Verpachtung geführt. was
fich dann faft ausnahmslos durch eine mehr oder weniger ftarke
Münzverfchlechterung rächte. Jndem aber Friedrich bei der Ver-
pachtung der Münzftätten die beftehende Verwaltung beibehielt. die
Verantwortung für Münzfuß. Gepräge und das ganze Rechnungs-
wefen weiter dem Münzdirektor und deffen Beamten auferlegte.
machte er den P'achtern eine Ãœberfchreitung der erlaffenen Ver-
ordnungen. eine ungefeßliche Bereicherung. eine ungefeßliche Münz-
verfchlerhterung fehr fchwierig. Er fcheint fich auch bei dem Ãœber-
gange zur Generalpacht genau davon überzeugt zu haben. daß die
eigene Staatsverwaltung der Münzftätten nicht fo vorteilhaft wie
1*
4 Erftes Buch. Erftes Kapitel.
ihre Verpachtung war. indem -er fich die Münzkoften zufammenftellte
und fie mit dem bis dahin gewonnenen und dern durch die Ver-
pachtung zu erwartenden Schlagfchaße verglich1)
Und nicht auf einmal. fondern allmählich wurden die andern
Münzftätteu den Pächtern der Königsberger übergeben. erft Breslau.
dann Aurich und Cleve. endlich Berlin und Magdeburg. Und wenn
einmal alle Münzen verpachtet wurden. fo war es zur Verhütung
gegenfeitiger Schädigung durch Höhertreiben der Edelmetall-
preife beffer. die Verpachtung gefchah an einen Unternehmer oder
an eine Gefellfchaft als an mehrere. Wir fahen. wie üble Er-
fahrungen man mit den vielen Lieferanten in diefer Beziehung ge-
macht hatte.
Aber dennoch. in leßter Hinficht hätte troß aller Vorficht die
Verpachtung auch diefes Mal nicht fegensreich gewirkt; beweifen
können wir das nicht. weil der fiebenjährige Krieg ausbrach und
ganz abnorme Verhältniffe fchnf. Aber aus den Erfahrungen des
einen Pachtjahres vor dem Kriege oder vielmehr vor dem Jahre 1757
können wir doch fo viel fchließen. daß. wäre Friede geblieben. die
Verpachtung nicht lange gedauert haben würde. Der große Schlag-
fchaß. den die Unternehmer dem Könige verfprochen hatten. wurde
zwar gezahlt. aber doch nur unter ftarker Schädigung des Landes
durch eine übergroße Herftellung von Scheidemünze und die an
einer Stelle fchon vor dem Kriege vorgenommene Verfchlechterung
des Graumanfchen Miinzfußes.
Während der Graumanfchen Periode war die Königsbergfche
Münzftätte an die Juden Mofes und Abraham Fränckel. nach des
Abraham Tode an Mofes Fränckel allein verpachtet gewefen. Der
Großvater des Abraham. Benjamin Mirelis Fränckel' war von
Wien nach Berlin gezogen. wo auch fein Vater Naphtali Hirfch lebte.
1) Nach Berechnung der Münzdirektoren betrugen die jährlichen Münzkoften
- Löhne und Betriebskoften ohne Kupfer - für Berlin 16778) Breslau 12170.
Magdeburg 10184) Aurich 18503. Königsberg 10200) Cleve 13250 Rtlr.. wenn
überall die gleiche Quantität im Nennwert auszuprügen gewefen wäre; und von
der Hand des Königs findet fich eine Notiz. wonach - wahrfcheinlich inkl. Kupfer-
koften - diefe Zahlen 30000) 25000) 16.000) 20000) 23000. 22000 waren.
11. 96) 409 a. Jm.-Ber. Diefts. Cleve) 15. Nov. 1755. K. 96) 409 L'.
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 5
Mofes und Abraham hatten noch zwei Brüder. David. den Lehrer
Mofes Mendelsfohns. und Salomon. fowie eine Schwefter Elka.
die den Nathan Veitel. genannt Veitel Ephraim heiratete.
Diefer Veitel Ephraim war der dritte Sohn des Hamburger
Juden Chajim. genannt Heine Ephraim. der nach Berlin gezogen
und hier 1747 geftorben war. Die reiche Familie Fränckel hat
wohl bald den kühnen Unternehmungsgeift des Ephraim erkannt:
mit dem Jahre 1755 wurde er ihr Gefchäftsteilhaber und bald ihr
fie weit überflügelnder Nachfolger in den Münzgefchäften.
Seit Anfang des Jahres 1755 hatte Mofes Fränckel. wahr-
fcheinlich von Ephraim unterftüßt. die beiden öftlichen Münzftätten
der Monarchie. Königsberg und Breslau gepachtetI) Bald darauf
kamen dazu die beiden weftlichen. Aurich und Cleve. Die Ver-
anlaffung dazu gab die Verhütung von Konkurrenzunternehmungen
an beiden Orten. Jn Aurich wollte der uns bekannte Meher
Salomon2) eine Million Tlr. in Mariengrofchen und Schillingen
münzen und dafür 16000 Rtlr. Schlagfchaß geben. Das hielt
Fränckel für eine große Beeinträchtigung feiner Unternehmung. Er
habe durch den verbefferten Fuß der Thmpfe deren Kredit in Polen.
Rußland und Kurland wieder angebahnt. er habe den Wechfelkurs
auf Holland und Hamburg und damit den Silberpreis um 11/2 bis
20/0 herabgebracht. Wenn nun Salomon einen halben Taler mehr
für die Mark Feinfilber gebe. was er bei dem geringen Schlagfchaß
und der Nähe von Hamburg und Amfterdam leicht könne. fo würden
dadurch die andern Münzftätten äußerft gefchädigt.
Der Berliner Münzdirektor Knöffel. feit Graumans Ver-
drängung der monetäre Berater des Königs. ftellte fich ganz auf
Seite Fr'cinckels) behauptete fogar. daß der Wechfelkurs um -2-3 0/0
gefallen fei. ohne freilich näher zu begründen. daß diefes das Ver-
dienft Fränckels fei.8) Er rechnete aus. daß Salomon 35949 Rtlr.
gewinnen würde und konnte nur den Vorfchlag Fränckels befür-
warten. daß diefem und deffen Schwager Ephraim die in Aurich zu
münzende Million in Mariengrofchen gegen einen Schlagfchaß von
1) S. Bd. n. S. 255.
2) S. Bd. ll. S. 108) 5.15.
3) Die Gültigkeit der Thmpfe in Wechfelzahlungen hatten die Königsberger
Kaufleute und Behörden durchgefeßt. (S. Bd. ll) S. 182-184.)
6 Erftes Buch. Erftes Kapitel.
35000 Rtlr. überlaffen würde. Am 3. Juli 1755 überreichte er
den Kontrakt dem Könige. der ihn vollzog.1) Diefer Kontrakt
lautete nun nicht auf Fränckel und Ephraim. fondern auf Ephraim
und Kompagnie.2) Die Million war in Schillingen und Marien-
grofchen zu münzen. die) foweit es bisher üblich war. in Wechfel-
und Kaffenzahlungen weiter gelten follten. Die Unternehmer hatten
aber alle nach Berlin zu fendenden Staatseinkünfte in 2-. 4- und
8-Gr.-Stücke umzuwechfeln. Endlich wurden fie dem Schuß der
Behörden anempfohlen.
Ob diefer Vertrag den Unternehmern zu ungünftig erfchien
oder andere Hinderniffe eintraten. fo viel ift gewiß. daß fie über-
haupt kein Silber nach Aurich geliefert haben. Vielmehr wurde bis
zum 1. November 1755 auf königliche Rechnung gemünzt.3) wenn auch
Anfang Oktober die Auricher Münzftätte von Ephraim auf Gumperts
und Jßig übertragen worden war.*) Wir wiffen des weitern
aus Wiardm5) daß bis dahin die Schillinge die Bezeichnung 1)(
Lldllüdl ALUMNI. feit dem Beginn der Gumpertsfchen Pacht aber
die: llll litt-XXL. (NWZ trugen und nach altem Graumanfchen Fuß
fabriziert waren.6) 1757 wurde der Auricher Münzfchlag durch die
feindliche Jnvafion beendet. Sonft ift von der dortigen Münze nur
noch bekannt . daß bis April 1757 auch clevifche 6-Kreuzer geprägt
worden find.
Die Übertragung des Kontrakts auf Gnmperts und Jßig
führt uns auf die Clevifche Münze. über die wir ungleich beffer
unterrichtet find. Wie in Aurich den Meher Salomon. fo hatten
die Ephraim in Cleve die Gumperts und Jßig abzuwehren. von
denen fie aber auch hier endlich übertrumpft wurden. Die Familie
Gumprecht oder Gumpel oder Gumperts oder Gomperz war fchon
1) Kontrakt fehlt. Antrag Fränckels Königsberg. 28. Mai; Gutachten
Knöffels. Berlin. 29. Juni 1755. Lt. 96. 408 &7.
2) MO. an Kammerpräf. Lenß) Potsdam) 22. Juli 1755) Tit. U7. 2.
iüoüem an Studniß 11. 11u!. 1.
3) .id-O. an Studniß. Potsdam' 21. Oktober 1755. lt. Ull) 1. Wiarda
irrt) wenn er fagt. Ephraim habe ca. 1/2 Million dort gemünzt. W. nennt auch
keine Mariengrofchen.
4) KW. an Studniß. Potsdam. 2. Oktober 1755. Lt. Zlll. 1.
5) J. V. Wiarda. oftfriefifche Gefäz. lÄ. Bd. Aurich 1798) S. l4.
6) Münzbefchreibung Nr. 1309-1318.
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 7
zurzeit des Großen Kurfürften in Cleve und Emmerich angefeffen-;
ein Elias Gumperts war Lieferant des Großen Kurfürften. deffen
Sohn Ruben der bekannte Hoffaktor Friedrichs l. Einen anderen
Verwandten Mofes Levin Gumperts haben wir als Öberhoffaktor
und Münzlieferant Friedrich Wilhelms l. kennen gelernt. und deffen
Sohn Herz Mofes Gumperts wurde nun der Generalmünzpächter
Friedrichs des Großen. Er hatte eine Schwefter Klara des
Veitel Ephraim zur Frau. was ihn nicht hinderte. der grimmigfte
Feind desfelben zu werden)) Daniel Jßig endlich war als Sohn
des Gräßer Pferdehändlers Jßig Ben Daniel Jafe 1722 in Berlin
geboren;?) er war es gewefen. der mit Gumperts und Jfaac jene
überaus fchlechten Thmpfe in Stettin hatte fchlagen laffen. die die
Regierung hernach felbft in Preußen verbieten mußte; allerdings
fcheint er dabei nur eine Nebenrolle gefpielt zu haben. Ãœber die
Perfon des Mofes Jfaac. des dritten der fpäteren Generalmünz-
pächter. ift nichts bekannt. Seit Gumperts im Mai 1755 ein An-
gebot für die Clevifche Münze machte. wurde bald Jßig. bald Jfaac
als fein Gefellfchafter genannt. die jedenfalls noch lange ein ge-
meinfames Gefchäft hatten; fie unterzeichneten immer „Mofes Jfaac
und JßigN
Gumperts fchlug damals vor. für die holländifchen Garnifonen
in Venlo. Nimwegen. Arnheim und Dusberg holländifche 3- oder
clevifche 5-Stüberftücke in Cleve münzen zu laffen. 70 aus der
6-lötigen Mark. was ganz dem preußifchen Fuß der Doppelgrofchen
entfpreche. den clevifchen Grofchenfuß aber um 40/0 an Güte über-
treffe. Dadurch werde der Wechfel. der auf 43-*449/0 ftünde. auf
39 fallen. Von einer Million Tlr. wolle er 30000 _Rtlr. in
Berliner Geld als Schlagfchaß zahlenN")
Gegen diefen Plau fprachen fich aber die beiden Münz-
direktoren Knöffel und v. Dieft aus. Jener wies nach. daß der
vorgefchlagen'e Münzfuß nicht nur fchlechter als der der Doppel-
grofchen. fondern fogar um 22/8 0/0 fchlechter als der der clevifchen
1) Fränckels Schwefter Elka war alfo verheiratet mit Ephraim. deffen
Schwefter Klara die Frau des Gumperts. Angaben der Herren 1)1-. Freudenthal
in Königsberg und 1)1-. Braun in Breslau.
Z) M. Freudenthal. aus der Heimat Mendelsfohns. Berlin 1900. S. 143.
3) Angebot Berlin) 16. Mai 1755. 1X 96) 408 k1'. daher auch das Folgende.
8 Erftes Buch. Erftes Kapitel.
Grofchen war. Gumperts und Jßig hätten dabei einen Reingewinn
von 27857 Rtlr.. fie könnten das Geld unmöglich in Holland in
Kurs bringen. es würde vielmehr in Cleve bleiben und den Wechfel-
kurs noch mehr erhöhenl)
Dieft urteilte ähnlich und gab noch an. daß der Kurs nicht
43-44. fondern 37-380/0 fei. daß die damaligen Lieferanten
dann auf immer verloren fein und die Zwölftel ganz vertrieben
werden würden.i) Obgleich Gumperts und Jfaac ihr Angebot am
8. Juni wiederholten. wandte fich die Regierung lieber an die
Königsberger und Breslauer Pächter.
Ephraim und Fränckel wollten zunächft 50000 Rtlr. Schlagfchaß
zahlen. fobald eine Million Tlr. gemüuzt wäre. Knöffel fang ihr
Lob in gleicher Weife wie kurz zuvor. als er fie für Aurich ge-
winnen wollte. Nach Ausfagen Berliner Kaufleute fei befonders
das Ephraimfche Haus eins der vermögendften und renommierteften
in Berlin. feine Wechfel würden gleich den beften akzeptiert. alle
feine Unternehmungen gelangten zur Blüte. Ephraim wollte 8-. 4-.
2-Ggr. und Stüber in Cleve um fo lieber münzen. weil fonft feine
bisherigen Bemühungen durch Gumperts und Jßig vereitelt würden.
die durch ihre fchlechte und ungleichmäßige Prägung in Stettin
Geldkurs und Silberpreis fehr verteuert hättenFZ)
Nach dem Projekt der Ephraim und Fränckel vom 4. Juli
1755 follten eine halbe Million Rtlr. in 8-. 4-) 2-Ggr.. die andere
halbe in Stübern. mit 35000 Rtlr. Schlagfchaß jährlich gemünzt
werden. Sie wollten wie in Aurich die ankommenden fchlechten
Sorten bis auf 2-300000 Rtlr. in 2- und 4-Ggr. umwechfeln.
was die Regierung bisher 60/0 gekoftet habe. Dafür wollten fie
außer der Million noch ebenfoviel an Stübern ohne Erlegung eines
Schlagfchaßes münzen. als fie umwechfelten. ein Punkt. deffen Un-
fegen man leider viel zu fpät erkannte.
Lange hat die Tätigkeit der Ephraim und Fränckel auch in
Cleve nicht gedauert. Erft am 16. Auguft kam Ephraims Sohn in
Cleve an. Zwei Monate fpäter fchon befahl der König. auch die
1) Gutachten Knöffels. Berlin) 27. Mai 1755.
2) Gutachten Diefts. Cleve. 7. Juni 1755.
3) Jna-Berichte Knöffels vom 4. und 7. Juli 1755.
Der Generaipachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 9
Clevifche Münzftätte dem Gumpertsfchen Konfortinm zu übertragen.
Damals wurden auch endlich die Verhiiltniffe der Clevifchen Münz-
beamten geregelt. Nach Küfters Abgang hatte Dieft den Münz-
meifterpoften durch den jungen Andreae verfehen laffen. den er am
8. November 1755 zum Münzmeifter vorfchlug) was der König ge-
nehmigte. Da aber bald darauf über Andreae fehr nngünftige
Nachrichten einliefen.l) wurde auf feine Anftellung verzichtet. Cle-
vifcher Münzmeifter wurde vielmehr auf Rat Jafters der frühere
Anricher Münzkontrollenr Pommer. der fich im Münzwefen zu
Breslau nnd Berlin vervollkommnet hatte.?)
Den Rendantenpoften wollte Dieft mit verfehen und diefes
Gehalt genießen. nur 50 Rtlr. davon an den Kontrolleur und 50
an einen Kaffierer abgeben. Das fchlug der König aber ab. denn
er fagte mit Recht. daß die wichtigen Poften des Direktors und
Rendanten unmöglich in einer Perfon vereinigt werden dürften.3)
Auch mit dem Wardein wechfelte man. Dieft hatte fchon öfter über
Selcke zu klagen gehabt. Als diefer dann einen großen Silber-
barren um 3 Lot zu fein probierte wodurch eine 4 Gr.-Schmelze
nm 4 Grän zu fchlecht ausfiel. ein Fehler. der durch einen Nachfaß
von 14 Mark 12 Lot 17 Grän fein redreffiert werden mußtext)
wurde er abgefeßt. Jn feine Stelle kam der frühere Wardein der
Berliner neuen Münze Overmann))
Die Herabfeßung der Gehälter. wie fie der König im Oktober
vorgenommen hatte.6) erfuhr keine Änderung. Dieft fnchte zwar
dem tüchtigen Graveur Marme. der 8 unmündige Kinder hatte. das
alte Einkommen zu erhalten. der König ließ es aber bei der Herab-
feßung auf 400 Rtlr.7) Friedrich hatte bei allen Münzftätten die
Stellen der zweiten Wardeine geftrichen und vorgehabt. ftatt ihrer
Ü“hfJhwBer. des Kammerpräfidenten v. Beffel. Cleve. 2. Dezember 1755.
1596. 409 .4.
xti) Jm.-Ber. Reßows. Potsdam) 23. Febr. 1756. 1T. 96. 409 13.
3) K.-O. an Dieft) Potsdam. 14. Nov. 1755. 11. 96. 409 .4. Wer Rendant
wurde) ift ungewiß.
4) Ber. Diefts. Cleve. 6. Jan. 1756. lt. 96) 409 13.
5) .Im-Ber. Reßows) Potsdamr 23. Fehr. 1756. ebenda.
6) S. Bd. ll) S. 556 ï¬.
7) Jun-Ber. Diefts' Cleve) 16. Jan. 1756; K.-O. an Dieft vom 24. Jan.
1756) ebenda. Marnie hatte gehabt 600 Rtlr. und 200 Rtlr. fiir einen Affiftenten-
er bekam jeßt alles in allem 400 Rtlr.
[0 Erftes Buch. Erftes Kapitel.
einen einzigen Generalwardein anzuftellen. Da er den dafür von
Reßow in Vorfchlag gebrachten Wardein Siemens aber für nicht
zuverläffig genug hielt.1) man aber keine andere geeignete Perfön-
lichkeit dafür wußte. blieb die Stelle unbefeßt.
Wieviel die Ephraim in Cleve haben münzen laffen. ift un-
bekannt. aber da fchon im September die Machinationen ihrer
Nebenbuhler begannen. werden fie in dem ihnen gänzlich unbekannten
Lande nicht viel mehr als in Aurich erreicht haben. Es begann
nun ein erbitterter Kampf. befonders zwifchen den Häuptern beider
Parteien Herz Mofes Gnmperts und Veitel Ephraim. der erft mit
dem Tode des erfteren erlofch. Mitte September 1755 hörten
Ephraim und Fränckel wohl zuerft von einem großen neuen Angebot
der Gumperts nnd Genof en. Sie fuchten nun wieder darzutun.
welchen Schaden deren Stetttiner Prägungen verurfacht hätten. fie
wiefen auf ihre eigenen Verdienfte hin. daß fie mehr Schlagfchaß
als jene für Cleve geboten hätten. obwohl fie den Weften der
Monarchie nicht kannten. daß fie fich fogar auf die Prägung von
Speziestalern eingelaffen hätten. fie als die einzigen.2) Dazu
komme. daß die Unternehmung in Königsberg ein fehr großes Rifiko
fei. weil alles Silber dorthin von weither befchafft werden müffe;
nur die Gewinne der Breslauer Münze ermöglichten die Pachtung
der Königsbergfchen. Wenn jeßt Gumperts vorgezogen würde.'feien
fie ruiniert. 'da fie Beftellungen und Anfchaffnngen nicht mehr rück-
gängig machen könnten. Sie feien bereit. einen mindeftens ebenfo
hohen Schlagfchaß zu geben wie jene.3)
Unangenehm war es ihnen gewiß. daß fie den Gumperts
weichen mußten. aber ihre Angabe. daß fie nun ruiniert wären.
war natürlich ebenfo falfch. wie daß die Pachtung der Königsberger
Mi'mzftättte ein großes Rifiko war. Die Breslauer mochte er-
giebiger fein. aber jene wäre doch nicht von Fränckel Jahre lang
allein betrieben worden. wenn er Verluft davon gehabt hätte. Damals
war der König zu dem Entfchluß gelangt. fämtliche Münzftätten
1) K.-O. an Reßow. Potsdam. 16. Oktober und 6. November 1755.
11. 96. 409 11.
2) Darüber f. Bd. ll) S. 126.
3) Jnn-Ber. der Ephraim und Fränckel. Berlin. 18. und 26. Sept. 1755.
lt. 96) 409 n. Daher auch das Folgende wenn nicht anders bemerkt.
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. - 11
der Gumpertsfchen Gefellfchaft zu verpachten. Warum er diefe
vorzog. ift nicht recht erfichtlich; vielleicht mag ihn der Umftand .
etwas dazu bewogen haben. daß Fränckel nicht im Lande angefeffen
war. Friedrich hatte befohlen. mit den Gumperts abzufchließen.
wenn diefe im Verhältnis mehr Schlagfchaß böten als die Ephraim.
Weil es ihm felbft dazu an Zeit gebrach. hatte er diefe ganzen
Verhandlungen feinem treuen. klugen und tätigen Armeeintendanten.
dem Generalmajor von Reßow übertragen. Sämtliche Münz-
beamten follten ihn als ihren Chef refpectieren. was fpäter noch
einigemal ihnen einzufchärfen nötig wurde.1) Wenn Reßow fich
der fchwierigen Arbeit auch mit allen Kräften hingab und dabei be-
harrte. troßdem er wie fo viele feiner Vorgänger erleben mußte.
eine wie dornenvolle und undankbare Mühe das war. fo müffen
wir doch geftehen. daß er eine richtige Münzpolitik nicht immer
vertrat. ja in einem Falle Unternehmungen gut hieß und. verteidigte)
die änßerft unheilvolle Zuftände über einen Landesteil herbeiführten.
Daß den Gumperts von Cleve her ein ungünftiges Zeugnis aus-
geftellt wurde?) beirrte ihn ebenfowenig wie ihre früheren fchlechten
Stettiner Prägungen. er vertrat ihre Sache unbedingt.
Der Generalpachtkontrakt wurde zu Potsdam am 6. Oktober
1755 zwifchen Reßow und dem Konfortium abgefchloffen' das aus
Herz Mofes Gumperts und Konforten. Mofes Jfaac und Daniel
Jßig beftand.3) Zugleich erhielt jede Münzftätte ihren Spezial-
kontrakt. ratifiziert wurden alle Kontrakte vom Könige am 14. Ok-
tober. Drei von den fechs Münzftätten follten nur Provinzialgeld
herftellen. Königsberg und Breslau polnifch-preußifches oder. wie
es in Schlefien genannt wurde. Kreuzergeld. Aurich aber nur
Schillinge oder 4-Mariengrofchenftücke. Auch follte Cleve eine
halbe Million in 1- und 2-Stüberftücken. die andere halbe Million
aber in brandenburgifchen 3-. 4- und 2-Ggr.-Stücken aus-
prägen. Die Münzen zu Berlin und Magdeburg follten jede 7/10
1) Nr. 22.
2) Kammerdirektor v. Mehen meldete Cleve. 4. Oktober 1755. die Familie
Gumperts fei ganz ohne Vermögen; ihr Hauptmitglied Cosman Gumperts habe
vor einigen Jahren boshaft falliert und fiße noch im Gefängnis. Dadurch fei
ihr Kredit ruiniert.
3) Nr. 1.
12 Erftes Buch. Erftes Kapitel.
ihrer Million in brandenburgifchen Scheidemünzen. 3/10 in 8-) 4-' und
2-Ggr. herftellen. Jede der 6 Anftalten hatte jährlich für eine
Million Tlr. zu münzen.
Scheidemünzen waren die brandenburgifchen Grofchen und
6-Pf.-Stücke. die preußifchen 3-. 2- und 1-Gr.-Stücke. die fchlefifchen
8-. 2--. 11/2-. &Ur.-Stücke. die clevifchen 2- und 1-Stüber. Die
Auricher nach 16-Talerfuß gemünzten 4-Mariengrofchen wurden
ebenfowenig wie die preußifchen und breslaufchen Thmpfe und
Szoftake für Scheidemünzen angefehen. da fie zwar nur in ihren Her-
ftellungsprovinzen galten. aber doch Wechfelgeld waren))
Für Königsberg und Breslau beftimmt der Kontrakt. daß die
dortigen Scheidemünzen nur zu fchlagen feien. wenn fie dem Lande
zuträglich oder wenn fie exportiert werden könnten. Da nun aber
lediglich die 8-) 4- und 2-Gr.-Stücke in Berlin als Kaffen- und
Steuergeld galten. fo ift unfraglich. daß deren herzuftellende
Quantität gegenüber dem Provinzialgelde und den Scheidemünzen
eine viel zu kleine war. nämlich nur 1.10 Millionen gegen
4.90 Millionen. Dem wurde auch nicht genügend durch die Be-
ftimmung abgeholfen. daß jährlich eine Million Rtlr. in Friedrichsdor
zu münzen fei. denn diefes Geld gelangte nur zum kleinften Teile
ins Publikum. Die Regierung wollte diefe Million den Unter-
nehmern mit 2- und 4-Ggr. abkaufen und ihnen dabei 11/20/0 Agio
zugute kommen laffen. Der König hatte ja wie fein Vater erkannt.
wie begehrt und zweckmäßig Goldgeld im Kriege und Handel war.
Wir fahen. daß er bemüht war. die Beftände feines Schaßes
möglichft ganz in Gold anzufammelnD) Aus demfelben Grunde
wurde nun im Kontrakt beftimmt. daß der Schlagfchaß. der im
ganzen 310000 Rtlr. oder 5.60/0 betrug. nur in Königsberg und
Magdeburg mit Silberkurant. fonft mit Gold abzutragen fei.
Der Kontrakt enthielt ferner alle die Begünftigungen. die den
frühern Unternehmern gewährt worden waren: Akzifefreiheit der
Materialien. Gewicht-. nicht Wertporto für diefelben. Zuweifung der
nötigen Räume und Wohnungen in den Münzftätten. Zubilligung
des alten Kaufpreifes von 11 Rtlr. 9 Ggr. für das Mansfelder
1) S. Bd. n. S. 182 ff.
2) S. Bd. n. S. 136. 137.
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 13
Silber. die Befchränkung des Edelmetallhandels auf die Unternehmer.
Freipäffe für fie und ihre Leute. Diefe trugen dagegen die Münz-
koften. wie Gehälter. Löhne. Stempelkoften; fie hatten das Pro- .
vinzialgeld von Preußen nnd Cleve vor deffen Abfendung zu den
Generalkaffen in 8-. 4- und 2-Ggr.-Stücke nmzuwechfeln. wofür
ihnen nur in Cleve 30/0 Agio gezahlt wurde. Sie hatten die
8-Ggr.-Stücke gut juftieren zu laffen. es wurde ihnen 1 Grän
Remedium im Schrot und im Korn zugeftanden. Doch waren die
Kaffenbeutel genau egalifiert abzulieferu. Die 2 Grän Vorbefchickung
blieben wie bisher beftehen.
Es wurde noch beftimmt. daß nicht gerade jede Münzftätte
jährlich eine Million zu münzen brauche. wenn nur das jährliche
Gefamtquantum von 6 Millionen erfüllt würde. Der Kontrakt galt
2 Jahre und länger. wenn er nicht 6 Monate vorher von einer
Partei gekündigt wurde. Am _1. Dezember 1755 follte die Unter-
nehmung beginnen. Nur dem Könige und Reßow waren die Unter-
nehmer verantwortlich. leßteren follten fie getreu über die Edel-
metallpreife informieren; fielen diefe. fo follte mehr Gold gemünzt
werden.
Gleich nach Abfchluß des Kontrakts hatten die neuen Unter-
nehmer von der Feindfeligkeit der von ihnen verdröngten Vorgänger
zu leiden. die überall ausfprengten. die Gnmperts hätten zu viel
geboten und würden ihre Zufagen nicht halten können. Obgleich
die Regierung diefen Gerüchten in den Zeitungen entgegentrat.
indem als Urfache für den Wechfel angegeben wurde. Ephraim und
Fränckel hätten die Silberpreife zu hoch getriebenI) fo wollten jene
Ausftreuungen nicht aufhören. Gumperts und Konforten gaben aller-
dings ihren Nebenbuhlern Dinge fchuld. die jenen nicht zur Laft fielen.
Ob Ephraim durch Ausmünzung einiger 100000 Rtlr. in Stübern den
clevifchen Kurs von 3-40/0 auf 7-80/0 verfchlechtert habe. läßt fich
nicht nachweifen.?) Wenn die Gnmperts aber behaupteten. daß
Ephraim und Fränckel in Königsberg in 4 Monaten über 400000 Rtlr.
an Scheidemünze nach 16-. 18- und 20-Talerfuß geprägt hätten.
1) Jm-Ber. Reßows. Potsdam) 14. Oktober 1755 und K.-O. an den
Polizeidirektor Kircheifen) Bots-dam) 16. Oktober 1755.
2) Vorftellung der Gumperts und Konforten. Berlin) 25. Dezember 1755.
f4 Erftes Buch. Erftes Kapitel.
fo war das eine Verleumdung. denn es ftellte fich heraus. das jene
dort bis zum 30. September 1755 nur ein ganz kleines Quantum
folcher Scheidemünzen hergeftellt hatten)) Dem ganzen Getriebe
machte der König fchließlich dadurch ein Ende. daß er den Unter-
nehmern verbot. ihn weiter mit ihren Prozeffen gegen Ephraim und
Kouforten zu behelligen?)
Wenn Gnmperts dem Ephraim vorwarf. er habe in Cleve zu
viel Scheidemünze geprägt. fo follte er es gerade fein. der dadurch
jenes Land auf das fchrecklichfte fchädigte. Mit den Scheidemünz-
prägungen. wie wir fie eben angegeben haben. war es nämlich nicht
getan. Schon Ephraim hatte in feinem Clevifchen Kontrakt (vgl. S. 8)
zur Entfchädigung des Wechfelverluftes bei Annahme der einlaufenden
Scheidemünzen das Zugeftändnis erworben. daß er fo viel Stüber-
münze ohne Erlegung eines Schlagfchaßes mehr münzen dürfe. als
er Provinzialgeld in Berliner Kurant umtanfche. Diefen Vorteil
ließen fich feine Nachfolger natürlich nicht entgehen. Der Kontrakt
geftand ihn zunächft für Cleve und Königsberg zu. Als dann in Breslau
geklagt wurde. daß das viele polnifche Geld die 4- und 2-Ggr.-
Stücke verdränge. erboten fie fich._ unter denfelben Bedingungen wie
in Königsberg auch den Breslauer Kaffen jährlich 4-500000 Rtlr. in
gutes Geld umzuwechfelwZ) Nach einigen Weiterungen wegen der
von den Unternehmern zu zahlenden Kaution wurde den Direktoren
zu Königsberg. Breslau und Cleve mitgeteilt. daß das Nachfuchen
bewilligt fei;- in Königsberg follten fie immer bis 25000 Rtlr. er-
halten und diefe binnen 4 Wochen umwechfeln. Auf von ihnen
vorzulegende Kammerattefte über das ausgewechfelte Geld war ihnen
1) Jm.-Eingabe der Gumperts und Jßig. Potsdam. 24. Oktober und Jni.-
Eingabe des Gumperts. Potsdam) 11. Nov. 1755. Nach Berichten der Königs-
berger Miinzdirektion waren bis zum 30. Sept. 1755 dort gemünzt an
Thmpfen für 145102 Rtlr. - _
Szoftaken „ 263988 „ 22 Ggr. 42m. i 409090 NULL G9r.4Pf'
Düttchen „ 497 „ 20 „ l
Doppelgrofchen „ 2924 „ 4 „ 4674 „ 11 „ 8 „
Schillingen „ 1252 „ 11 „ 8 „ j
Von diefen Sorten überfchritten nur die 3 leßteren den 16-Rtlr.-Fuß und waren
Scheidemünzen.
2) K.-O. an Gumperts und Konforten) Berlin. 27. Dez. 1755.
3) Jnc-Eingabe der Gumperts und Konforten) Berlin) 25. Dez. 1755.
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 15
zu erlauben. ein gleich großes Quantum an Scheidemünze ohne
Schlagfchaß ausprägen zu laffenI) .
Jn welch eine münzverderbende Zwickmühle gerieth aber da-
durch das Land! Nehmen wir einmal an. die Unternehmer wechfelten
den Clevifchen Kaffen jährlich 500000 Rtlr. Scheidemünzen in
Berliner Kaffengeld um. Mit diefen 500000 Rtlr. Scheidemünzen
ließen fie durch ihre Agenten im Lande Berliner Kaffengeld auf-
kaufen. das dann wieder nach -Berlin floß. Gaben die Berliner
Generalkaffen das meifte davon'auch wieder als Gehälter aus. fo
brauchten die Unternehmer das Kurantgeld doch auch. um das
Silber zu bezahlen. aus dem fie dann natürlich beftrebt waren. zu-
nächft immer fo viel Scheidemünze zu fchlagen. als fie im Jn- und
Auslande abfeßen durften und konnten. Allein durch diefe Er-
laubnis des vermehrten Scheidemünzfchlages wuchs das Verhältnis
der Münzproduktion zugunften der Scheidemünze ganz bedeutend.
Deren Herftellung befchränkte fich zuleßt freilich felbft. da fie den
Kredit verlor und befonders im Auslande nicht weiter unter-
zubringen war. Bis dahin hatte die Bevölkerung aber fchon große
Einbußen gelitten.
Diefelben waren in Preußen und Schlefien darum geringer.
weil diefe Länder größer waren und an das fehr münzaufnahme-
fähige Polen grenzten. weil hier ja auch nicht nur kleines Scheide-
geld ausgeprägt wurde. Das alles fehlte in Cleve. Das Land
war klein. die Nachbarn mußten fehr bald deffen Münzprodukte ver-
bieten. die Herftellung von mindeftens 800000 Rtlr. in 2- und
1-Stüberftücken mußte fehr bald eine ungeheure Laft werden.
Warnungen vor dem kommenden Unheil fehlten nicht. Graumans
Stimme fand zwar nicht mehr das Ohr des Königs. dafür trat
nun aber der Clevifche Münzdirektor Friedrich Wilhelm v. Dieft in
die Schranken. Leider war er bei feinen Berechnungen nicht ganz
genau. worauf hinweifend Reßow die Hauptfache übergehen konnte.
Der Clevifche Münzd'irektor berechnete durch die fchlagfchaßfreie
Scheidemünzprägung von 450000 Rtlr. in Cleve einen Gewinn von
81000 Rtlr. für die Unternehmer. Es würden dort jährlich
1) K.-O. an die Königsberger Kammer. Potsdam. 27. Februar und an
Kröncke und Bude. Potsdam. 20. April 1756.
16 Erftes Buch. Erftes Kapitel.
1083855 Rtlr. an Stübergeld und eine halbe Million in Berliner
Kaffengeld gemünzt. alfo das Land mit Scheidemünze überfüllt und
der Kurs verdorben.* Beffer fei. man hebe die fchlagfchaßfreie
Scheidemünzprägung auf und laffe den Unternehmern nicht_ nur 8-
fondern die ganzen 60/0 Agio für die Umtaufchung erfeßen.1)
Reßow fagte dagegen. der König habe feftgefeßt. daß. wenn
Gumperts 180000 Rtlr. mehr als Ephraim böte. alfo in 4 Jahren
720000 mehr. mit ihm unter denfelben Bedingungen abzufchließen
fei._ Damit nun aber das fchl*agfchaßfreie Scheidemünzquantum
nicht zu groß werde. habe er feftgefeßt. daß die Unternehmer doch
nicht mehr ohne Schlagefchaß prägen dürften. als fie den Kaffen
umtaufchten. Seien das nach Dieft 450000 Rtlr.. fo gewännen fie
dadurch nicht 81000. fondern nur 55000 Rtlr. Reßow behauptete.
die Unternehmer dürften höchftens 300000 Rtlr. fchlagfchaßfrei
ausprägen. Das aber ftand im Widerfpruch mit dem General-
kontrakt! Nehme man. rechnet er. ihren Gewinn von 300000 Rtlr.
auf 66666 Rtlr. an. fo gingen davon ab 100/0 für Münzkoften
und 60/0 [l] für umzutanfchende 500000 Rtlr.. fo daß ihnen_ nur
6666 Rtlr. Gewinn bleibe. Wenn Dieft ein ehrlicher Mann
wäre. würde er bei dem Wechfel der Unternehmer gemeldet haben.
daß die Ephraim viel mehr gewonnen hätten. Mit Heftigkeit
forderte Reßow. daß der Ehrlichkeit und Subordination wegen Diefts
Verfahren ftreng gerügt würde?) was denn auch gefchahï¬Ã¶)
Unzweifelhaft waren Reßows Angaben unklar) wenn nicht un-
richtig; Dieft blieb mit Recht dabei. daß die Summe der ohne
Schlagfchaß zu prägenden Stüber nicht beftimmt wäre.4) War das
aber doch der Fall. fo wußte Dieft nichts davon. was ein großer
Fehler Reßows war. denn wer als Dieft konnte die Kontrolle
darüber führen. daß Gumperts nicht mehr münzte? Wie dem aber
auch fei. in der Sache hatte Dieft unzweifelhaft recht: das Land
mußte mit Scheidemünze überfchwemmt werden))
1) Nr. 4.
2) Nr. 5.
il) K.-O. an Dieft. PotsdamX 21. Februar 1756.
4) Nr. 6.
5) Einer fcbalt dort immer über den andern. Gnmperts hatte über Dieft
zu klagen) der wieder iiber das unverfchc'imte Benehmen Jfaacs empört war. Ein
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 17
Vor der Hand ließ fich der König davon aber nicht über-
zeugen. Schon am' 13. Februar 1756 taten fich die Kaufmann-
fchaften von Cleve. Wefel und Emmerich zufammen und behaupteten.
daß feit Etablierung der Münze zu Cleve alles gute Geld erftaun-
lich im Kurfe geftiegen fei. Dann hätten Berliner Zeitungen be-
hauptet. Gumperts würde den Kurs herunterbringen. aber das
Gegenteil fei eingetroffen. So habe der holländifche Gulden früher
31 clevifche Stüber. vor Gumpertfens Pacht 341/2 gegolten. jeßt
ftehe er auf 36 Stüber; ebenfo fei der holländifche Wechfel von
128 auf 138 geftiegen und gelte jeßt 143. d. h. 100 Fl. holländifch
Banko 143 Fl. clevifches Geld. Die clevifchen 1- und 2-Stüber
hätten auswärts keinen Kurs gefunden und feien auch nicht in den
andern preußifchen Landen gangbar. alfo alle im Lande geblieben.
wodurch es gefchehen fei. daß die 8-. 4- und 2-Ggr.-Stücke kaum für
6"/0 Agio erhältlich feien. Womit folle man alfo die Magdeburger
und Berliner Fabrikate. womit die andern fremden Waaren be-
zahlen? Die Kaufmannfchaften prophezeiten den Ruin. wenn dem
nicht abgeholfen werdeI) Obgleich dem allem die Kammer zu-
ftimmte. ließ fie der' König wiffen. das feien nur Jntriguen des
Ephraim. und er wundere fich. daß fie fich durch fo unbegründete
Angaben täufchen ließen.2) Der König follte zu fpät einfehen. daß
er felbft der getäufchte war.
Bald war es kaum mehr möglich. die clevifchen Einkünfte
nach Berlin zu fenden. weil es an 2- und 4-Ggr. mangelte. Das
Land war bis zum Sommer mit Scheidemünze fchon fo überfüllt.
daß Kaffengeld 7-8 0/0 Agio koftete. der Louisdor war von 5 auf
51/2 Rtlr. geftiegen. Die ganze Nachbarfchaft hatte die clevifchen
Stüber um 1/4 des Nennwertes herabgefeßt. fo daß die Bewohner
von Eleve beim Kauf dortfelbft ebenfoviel verloren.3)
früherer Beamter der Stettiner Münze Embcke (nicht Eimbcke) fuchte die Gegen-
fäße auszugleichen und befonders Dieft klar zu machen. daß Reßow doch einmal
ihr Chef fei. womit auch Dieft zu rechnen habe; er müffe ihn nicht weiter durch
Unfolgfamkeit reizen. Embcke an Dieft o. D„ wahrfcheinlich vom Ende Februar
1756. 11. 96) 408 1'.
1) Lt. 96. 409 13.
I) K.-O. an Kammerpräfident v. Beffel und Kammerdirektor v. Mehen.
Potsdam. 15. März 1756. lt. 96. 409 13.
3) Ber. der Gen.-Direktoriums vom 12. Juli 1756. Lt. 96) 408 "1'. -
seta Zorueeiea. Münzwefen lil. * 2
18 Erftes Buch. Erftes Kapitel. _
Da fuchten denn die Unternehmer) die felbft in arge Be-
drängnis gerieten. durch eine neue Münzoperation zu helfen. Sie
wollten Scheidemünze im Reich abzufeßen fnchen. Da die
2-Stüberftücke nach demfelben 'Fuß gemünzt würden wie die früheren
4-)(r. oder Baßen - wir erinnern uns jener unheilvollen Prägung
für van der Nüll -. fo rieten fie. ftatt der 2-Stüber fortan
&Ur.-Stücke zu münzen.1)
So viel war ja ficher. daß die &Un-Stücke überall im Reich
gang und gebe waren. Schon ein Jahrhundert lang münzten die
Kaifer diefe Kaifergrofchen. in Schlefien Böhm genannt. zeitweife in
großen Maffen. die Süddeutfchen taten es ihm nach; und die
polnifch-prenßifchen Dreigröfcher oder Düttchen waren die all-
gemeinfte Scheidemünze des Oftens und allmählich auf ziemlich den-
felben Gehalt herabgefunken. wie die &Zr-Stücke. Die Unter-
nehmer gaben nun an. daß die neuen 3-. 6- und 12-Ur. zwar nach
18-Talerfuß gemünzt werden. aber weniger Kupfer als die Stüber
enthalten follten. denn fonft feien fie gegen die im Reich üblichen
zu fchwer; auch fei das Kupfer zu teuer?)
Auch gegen diefen Vorfchlag fprachen fich Dieft und die
clevifche Kammer aus. Diefe Kreuzergelder würden um den minderen
Kupfergehalt wertlofer. worin natürlich ein großer Vorteil der
Unternehmer liege. Die 12-Kreuzerftücke. ein Geldftück etwa 3 Ggr.
wert. werde der König doch nicht nach 18-Rtlr.-Fuß ausmünzen
laffen. fonft würden die Unternehmer fie unter die beffern Königs-
berger und Breslauer Münzen mifchen; Ende Auguft feien fchon
32000 Rtlr. in Kreuzergeld mit Extrapoft von Cleve nach Schlefien
abgegangenZ)
Das aber war es gerade. was die Unternehmer ohne Zweifel
beabfichtigten. Reßow geftattete ihnen jeßt nämlich. &Zr-Stücke. die
polnifchen Szoftake. auszuprägen. aber nicht nach dem in Preußen
und Schlefien vorgefchriebenen 16-. fondern nach dem von ihnen
vorgefchlagenen 18-Talerfnß. Das Gepräge war ganz das der
polnifchen Kronfechfer.4) Es war die erfte gefeßmäßige Abweichung
1) Jm.-Ber. Relzows. Potsdam. 10. April 1756. Lt. 96) 409 13.
2) Nr. 8.
3) Remonftration o. D. und ohne Unterfchrift; Kammerbericht Cleve.
4. September 1756. K. 96) 408 L'.
4) MünzbefGreibung Nr. 1729-1738.
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 19
vom Graumanfchen Münzfuße! Und wie wußten die Unternehmer
fie auszubeuten! Das Glück war ihnen günftig. denn faft zugleich
mit der erhaltenen Erlaubnis1) brach der fiebenjährige Krieg aus.
der den König verhinderte. fich wie bisher nm das Münzwefen zu
kümmern. Sie taten zunächft alles. den König zufrieden zu ftellen.
Weil fie die clevifchen Einkünfte nicht zurzeit umgewechfelt hatten.
war diefes durch clevifche Kaufleute beforgt worden. und der König
hatte befohlen. das Agio aus der Berliner Münzkaffe zu zahlen.
die Quittungen aber den Unternehmern als Baargeld auszuhändigen?)
Das werde. verficherten diefe nun. fortan nicht mehr vorkommen.
denn fie könnten jeßt. da die Prägung des Kreuzergeldes erlaubt
fei. wieder Silber kommen laffen. Ende Auguft wollten fie auch
den ganzen Schlagfchaß des dritten Quartals abzahlen.8)
Dem Kontrakt nach brauchten fie das nicht früher als im Sep-
tember. denn ihre Schlagfchaßzahlung fing am 1. Dezember an.
Friedrich befahl aber Reßow. fie möglichft dahin zu bewegen. das
laufende Münzjahr vom 1. November 1755 an zu rechnen. denn er
habe das Geld jeßt höchft nötig.4) Die Juden gingen darauf ein.
Dafür münzten fie nun aber in Cleve mit Macht 6-)(r.-Stücke.
die zwar nur im Reich umlaufen follten. die fie aber in Menge
nac h Schlefien und Sachfen zur Armee -und nach Preußen fchickten.
Der fchlefifche Oberpräfident v. Schlabrendorff verhörte darüber den
Breslauer Agenten des Gumperts. der fich damit ausredete. er wolle
die 6-)(r. nach Böhmen fendenF') Nun nahm fich das General-
Direktorium den Gumperts vor. Der fagte. die 6-)(r. würden nach
Danzig und Königsberg nur für den ruffifchen. polnifchen und
lievländifchen Handel gefchickt; wenn einige. wie Schlabrendorff be-
hauptete. in der Provinz Preußen umliefen. fo gefchehe das ohne
ihr Vorwiffeu. Uebrigens fei ihnen gar nicht verboten. diefe Sorten
nach Orten. wo fie gang und gebe feien. zu verfenden. Die 2 Taler.
um die der Münzfuß fchlech'ter fei. kämen nicht ihnen. fondern. wie
1) Ein Kontrakt oder eine königl. Order darüber ift nicht erhalten.
2) K.-O. an Knöffel. Potsdam. 16. Auguft 1756. 11. Lilll) 1.
3) Jm.-Ber. Reßows. Potsdam. 9. Auguft 1756. 11. 96. 409 13.
4) K.-O. an Reßow) Potsdam. 10. Auguft 1756. ebenda. S. auch Nr. 9.
c*) Schlabrendorff an das Gen.-Dir.. Breslau. 3. Oktober 1756.
Tic. 11ln11. 3.
2*'
2() Erftes Buch. Erftes Kapitel.
Reßow wiffe. dem Könige zugut. Auch litten die Kaffen dadurch
keinen Schaden. denn die fchlechten Sorten würden ihnen ja um-
getaufcht. Werde jeßt die Ausfuhr der 6-Ur. aus dem Clevifchen
gehemmt. fo müßten diefe Münzen dort bleiben. und die Clever
würden weiter 25-300/0 verlieren. die Prägungen einer Million
jährlich aufhören müffen))
Man kann eigentlich keinem diefer von Gnmperts vorgebrachten
Punkte fchlechthin widerfprechen; man kann nur dahingeftellt fein
laffen. ob der König mit der Verfchlechterung des Münzfußes ein-
verftanden war oder vielmehr. ob ihm die Folgen der Gumpertsfchen
Betriebfamkeit in Cleve richtig dargeftellt worden find.
Über diefe Angelegenheit hatte fich ein längerer Schriftw'echfel
zwifchen den Miniftern von Borcke. von Schlabrendorff und dem
Armeeintendanten von Reßow entfponnen. dem einzigen der höheren
Beamten. fo viel ich fehe. der damit einverftanden war und die
Prägung für ungefährlich hielt. Wir müffen dabei bedenken. daß
damals niemand einen 7 Jahre dauernden Krieg und die Not-
wendigkeit der Münzverfchlechterung vorausfehen konnte. Endlich
wurden die 6-Kreuzer in Sachfen .aber fo häufig. daß man gegen
fie Edikte erlaffen mußte. Zwei Fäffer mit 2400 Rtlr. folcher
Sorten. die von Berlin nach Leipzig beftimmt waren und das
Siegel der Magdeburger Münzftätte trugen. ließ Borcke im Juni
1757 konfiszieren.2)
Die 6-Kreuzerftücke wurden nämlich feit Ende 1756 nicht nur
in Cleve und Aurich. fondern auch in Berlin. Magdeburg. ja felbft
in Königsberg geprägt. Am 18. Dezember 1756 fchon teilte der
Münzdirektor Knöffel dem Geheimrat Köppen mit. daß fie feit dem
1. Dezember in Berlin gefchlagen würden. was Reßow den Unter-
nehmern „der Clevifchen Münze zu Hülfe“ erlaubt hätte. Sie
würden zwar in verfiegelten Fäffern nach Danzig. Polen. Kurland.
Lievland gefandt. doch würde unmöglich zu verhindern fein. daß fie
über kurz oder lang zurückkommen und das Kurant vertreiben
möchten.3) Und feitdem der Einbruch der Franzofen im April 1757
1) Ver--hör des Gumperts Berlin. 13. Oktober 1756. Tit. rm11. 3.
A) Borcke an das General-Direktorium. Torgau. 29. Juli 1757.
Tit.. Lilll. 24.
3) Treforakten K168. l. 75. Ãœber diefe Akten im allgemeinen vgl. Kofer)
Finanzen S. 336. 337.
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 2]
die clevifche Münze zum Stillftand gebracht hatte. wurden die
6-Kreuzerftücke auch in Magdeburg geprägt.1) _
Der König wurde endlich doch auch. wahrfcheinlich durch
feinen Sekretär Eichel. davon überzeugt. daß durch die ftarke
Prägung des fchlechten Geldes felbft die Kaffen kein anderes be-
kämen. wie „zu feinem Leidwefen das Beifpiel im Clevifchen dar-
getan habe“. Er konnte aber nur fagen. daß. wenn nicht Krieg
wäre) er das längft abgeftellt haben würde?) Soviel erreichte nun
aber Schlabrendorff bei Reßow. daß die clevifchen 6-Kreuzer in
Schlefien verboten werden durften. Doch follte ihr Abfnß in
Böhmen wegen des Schlagfchaßes auf alle Weife befördert werden.8)
Diefe Prägung der clevifchen 6-Kreuzer nach 18-Talerfuß
bildete den Ãœbergang von dem Graumanfchen Gelde zu den gering-
haltigen Kriegsmünzen. Denn damals war deren Schlag in den
fächfifchen Münzftätten gerade ins Werk gefeßt worden.
Während die Regierung in Cleve der ftarken Scheidemünz-
prägung nicht entgegen gewefen war. wurde diefe in der Mitte der
Monarchie eingefchränkt. Den Anftoß zu diefer Veränderung gab
fehr wahrfcheinlich der Vorteil. den die Prägung der polnifchen
Münzen mit fächfifchem Stempel in Königsberg und Breslau
brachte (f. S. 28). Am _2. April 1756 wurden nämlich die
beiden Kontrakte wegen Berlin und Magdeburg dahin geändert.
daß in Magdeburg jährlich 50000 Mark in Thmpfe und
25000 Mark in Szoftake mit fächfifchem Gepräge vermünzt werden
follten. Dagegen waren dort außerdem nur 12858 Mark in
8-. 4-. 2-Ggr. und 25000 Rtlr. in 6-Pf.-Stücken zu prägen. Jn
Berlin follten außer dem Golde nur 30000 Mark in 8-. 4-. 2-Ggr.-
Stücke vermünzt werden. Die Juden wollten jährlich 30000 Rtlr.
mehr an Schlagfchaß geben. alfo im Jahre 340000 Rtlr. Davon
gingen ab 15000 Rtlr.. die fie als Agio auf die von ihnen jähr-
Kz* 1) Verfügung Schlabrendorffs an die Breslauer und Glogauer Kammer
vom 9. Juni 1757: Wegen zeffierender Prägung in Cleve und Aurich würden
die 6-Kreuzer nun in Berlin und Magdeburg gefchlagen. A. B. lil. 11.17.
31. l7. Die clevifche Münze hat dann während des ganzen Krieges geruht) die
Gebäude dienten als Lazarett.
2) Nr. 15. 16 und 20.
3) Verfügung Schlabrendorffs an die fchlefifchen Kammern vom 9. Juni
1757. A. B. ill. lt. 17. 31) l7.
22 Erftes Buch. Erftes Kapitel.
lich zu liefernde eine Million Rtlr. Friedrichsdor zu beanfprucheu
hatten. Es blieben demnach 325000 Rtlr. SchlagfchaßI)
Es wurden alfo nunmehr in Berlin und Magdeburg zu-
fammen nicht 142858 feine Mark nach dem alten Kontrakt zu 3/10
in Kurant. 7/10 in Scheidemünzen verprägt. fonderu das Verhältnis
war nun fo. daß herzuftellenwaren etwa 43000 Mark in 8-. 4-)
2-Ggr.. 25000 Mark in 6-Pf. und 75000 Mark in poln. Sorten.
Da die leßteren nicht im Lande vorausgabt wurden. war das
für das Land auszuprägende Geldquantum viel kleiner. aber es
wurde das Verhältnis des Kurants zur Scheidemünze ein viel
richtigeres. -
Noch einmal kam damals die Frage nach dem Remedium im
Schrot zur Verhandlung. Wir wiffen. daß es Graumau nur mit
vieler Mühe gelungen war. den König. der darin eine Gefährdung
des Münzfußes erblickte. von der Notwendigkeit des Remediums zu
überzeugen. Ähnlich wehrte Friedrich fich auch jeßt dagegen. Die
Gumperts hatten in ihrem anfänglichen Münzplan als Remedium
im Schrot auf die in fämtlichen Münzftätten zu prägenden Scheide-
münzen 40000 Rtlr. angegeben. Auch Reßow führte an. daß
früher bei der Adminiftration das Remedium im Schrot dem Könige.
bei der Pacht den Unternehmern zugut gekommen fei; in Berlin
habe es vom 1. Mai 1755 bis 4. Auguft 1755 von der Scheide-
münze 4080 Rtlr. 8 Gr. betragen?)
Die Gumperts und Reßow gebrauchten für „Remedium im
Schrot“ den Ausdruck „Überfchuß der Stückelung." Diefer Aus-
druck erklärt fich fo: Nach Beendigung der Prägung eines Werkes
ergab fich eine größere Anzahl von Scheidemünzen als nach dem
legierten Quantum Silber und Kupfer hätten herauskommen müffen.
ein Teil der einzelnen Stücke war zu leicht. Diefes Plus an Zahl
und Minus an Gewicht repräfentierte alfo das Remedium im Schrot
und follte bei den Scheidemünzen für die ganze Unternehmung im
Jahre 40000 Rtlr. nicht überfchreiten. Daß auch einmal ein Minus
1) Der Kontrakt vom 2. April 1756 liegt zwar nur iu einem Konzept vom
1. April vor. Nr. 7. es ift aber eine Bemerkung des Königs über die Ge-
nehmigung vorhanden.
2) Jm.-Ber. Neßows. Potsdam. 9. Februar und der Gumperts Potsdam.
24. Februar 1756. Z. 96) 409 8.
Der Generalpachtkontrakt vom 6. Oktober 1755. 23
an Zahl und Plus an Gewicht herauskommen könnte. wird gar
nicht erwähnt. was darauf fchließen läßt. daß Unternehmer und auc
h
Beamte das Gewicht immer mit möglichfter Knappheit bemaßen.
Der König hatte mit feinem Mißtrauen alfo fo Unrecht nicht.
Für das Kurantgeld der 8-. 4- nnd 2-Ggr. wollte er ein Re-
medium im Schrot überhaupt nicht zugeftehen)) Da die Münz-
direktoren nun danach verfuhren. fo beriefen fich die Gumperts
auf eine Verordnung vom 13. Dezember 1753. in der es wahr-
fcheinlich feftgefeßt worden war. und klagten. die Direktoren
chikanierten fie.2) Da fuhr der König auf: fie follten fich nicht
unterftehen. es Chikane zu nennen. wenn feine Direktoren auf Be-
folgung des Münzfußes hielten! Wenn früher anders verfahren
fei. fo fei das gegen feinen Willen gefchehen. Er erlaubte nur.
daß bei den Scheidemünzen und den ins Ausland gehenden Thmpfen
etwas. aber mit Maß. nachgelaffen werden dürfe. Sonft fei der
Münzfuß ftreng zu beobachten 3)
Wir brauchen nicht hinzuzufügen. daß ein Remedium im
Schrot natürlich auc h bei den Kurantmünzen unumgänglich nötig
war; es wird vielleicht nac h den früheren Granmanfchen Be-
ftimmungen geregelt worden fein.4)
1) K.-O. an die Gumperts vom 25. Februar 1756. Lt. 96) 409 13.
2) Jm.-Ber. der Gumperts. Potsdam. 4. März 1756. ebenda.
3) K.-O. an Reßow) Potsdam. den 5. März 1756. 11. 94) 409 13. -
Jni Kontrakt vom 2. April 1756 genauer beftimmt: Auf die Bruttomark Tpmpfe
l14 Stückr Szoftake 3/4-1 Stück. Thmpfe und Szoftake nach fächï¬fchem Fuß wie
in Leipzig. Stiiber ein Stück. Auricher Schillinge 3/5-1/2 Stück.
4) S. Bd. ll) S. 89.
Zweite- eKapitel'.
Die einzelnen münzftätten 1756-1759.
Über die Tätigkeit der einzelnen Münzftätten während des
fiebenjährigen Krieges ift äußerft wenig erhalten. was zum Teil
daher kommt. daß den König die Politik und der Krieg ganz in
Anfpruch nahmen. er dafür feine Kräfte und Zeit freihalten mußte.
und nur ganz wenige Jmmediatberichte über die innere Verwaltung
an ihn erftattet wurden.1) Als der erfte Feldzug begann. teilte er
den Münzdirektoren mit. daß er jeßt keine Zeit mehr habe. fich um
die Münzverwaltung zu kümmern; um fo genauer müßten fie bei
Pflicht und Ehre und bei Vermeidung fchwerfter Verantwortung
für Ordnung forgen und befonders darauf fehen. daß unter keinerlei
Vorwand der Münzfuß verändert oder mehr Scheidemünze an-
gefertigt würde. als der Kontrakt vorfchreibe; vielmehr müßten fo
viel gute Kaffenforten geprägt werden. als der Verkehr erfordere
und die Unternehmer zu prägen verpflichtet feien?) Auch fpäter
ging der König auf die Münzverwaltung nicht ein. Friedrich hat
nur noch um die Jahreswende notgedrungen deswegen fich um die
Nenanfftellung der Kontrakte gekümmert. weil er fich den notwendigen
Schlagfchaß für das kommende Jahr fichern mußte. Jm übrigen wurden
die Münzfachen zuerft von Reßow. nach deffen Tode Ende 1758
von dem Kriegszahlmeifter und Rendanten der General-Kriegskaffe
Geheimrat Köppen und den Münzdirektoren beforgt. wobei ab und
zu andere bedeutende Perfönlichkeiten. wie der Kabinetsfekretär
Eichel. der General v. Tauenßien. dem befonders die Breslauer
1) Darüber R. Kofer. König Friedrich d. Gr„ ll) S. 161. 202.
I) Nr. 19 und K.-O. an Knöffel. Hauptquartier bei Prag. 2. Juni 1757.
n. 11111) 1.
--
Die einzelnen Münzftätten 1756-1759. 25
Münze unterftandM) und der Minifter von Schlabrendorff ihren
Rat erteilten. Das Berliner General-Direktorium blieb auf die
Münzfabrikation felbft nach wie vor ohne Einfluß; nur die dadurch
bewirkten Änderungen im Geldwefen erforderten fein Eingreifen. -
Jn der Berliner Münze deren Prägeftatiftik bis Ende 1758
erhalten ift)L) wurde bis zum Schluß des Jahres 1757 nach Grau-
manfchem Fuße gearbeitet. 1758 find dort zwar noch nach demfelben
Grofchen gefchlagen. in der Hauptfache aber polnifch-preußifche
Sorten gemünzt worden.
Die Prägung von Szoftaken nach 18-Talerfuß hatte. wie wir
hörten. in Berlin fchon am 1. Dezember 1756 begonnen.3) Diefe
Prägung fand auch nach 1756 ftatt. wie das unfere ftatiftifche
Tabelle zeigt. Daneben ging in diefem Jahre eine Prägung
von Thmpfen.4) Es waren nämlich im großen Trefor bis Ende
i753 1 Million ganze Talerftücke gefammelt worden. welcher Be-
ftand bis Ende 1757 auf 1064000 gewachfen war. Diefe befahl
nun der König in Thmpfe nach 15-Talerfuß zu vermünzen. Warum
ein fo guter Münzfuß gewählt wurde. - der bis dahin befolgte
war etwas geringer5) - ift nicht erfichtlich. Jedenfalls wurden in
den Münzftätten von Berlin6) bis zum 17. April 1758 400000. in
Breslau 664000 Tlr. in folche Thmpfe umgemünzt. Der Gewinn
daraus betrug nach Abzug der Münzkoften 74248 Rtlr. 18 Gr.
3 Pf. Man hatte fo bis Auguft 1758 für 1134248 Rtlr. 18 Gr.
3 Pf. Thmpfe geprägt. Man muß damit aber in Berlin fort-
gefahren haben. da unfere Tabelle 2280433 Rtlr. 10 Gr. angibt.7)
1) Tauenßien follte eigentlich Reßows Nachfolger in der Münzdirettion
fein) in der Tat war es Köppen.
2) S. die Tabelle l.
3) S. S. 20.
4) Attefte des Münztontors. Berlin. 6. März und 17. April 1758. Bericht
des Nentmeifters Cölfch. Berlin. 10. Auguft 1758. Treforakten 1ten. 163. l. 93.
Jafter an Klippen. Berlin) 5. Januar 1762. Ebenda ll) 16.
5) Bd. 11. S. 548. 549.
6) Die Neue Münze war dazu oder vielleicht fchon früher wieder in Betrieb
gefeßt worden. denn Landeshut. 22. März 1758 äußerte Reßow gegen Knöffel
feine Zufriedenheit. daß die Prägung der Achtzehner in beiden Berliner Münzen
fo gut von ftatten gehe und die Unternehmer den ftipulierteu Schlagfchaß zahlen
könnten. 12. Z111) 2.
7) S. Tabelle Nr. l.
26 Erftes Buch. Zweites Kapitel.
Es könnte allerdings fein. daß in den leßten Monaten des
Jahres 1758 die Berliner Thmpfe fchon geringer ausgebracht
wurden. Unzweifelhaft beweifen die von uns gebrachten Valvationen.
daß die Berliner Thmpfe von 1759 nach mindeftens 18-Talerfuß.
der damals der allgemeine preußifche war. ausgebracht find.1)
Später hat man den Unternehmern vorgehalten. daß fie an der
Thmpfprägung von 1759 großen Vorteil gehabt hätten. was fie
auch nicht leugneten?) Jhr Gewinn war gewiß deshalb ein fo
hoher. weil die Sorten damals noch in Polen ihren vollen Kredit
genoffen und derfelbe nicht wie fpäter mit koftbaren künftlichen
Mitteln zu erhalten war.
Die Berliner Münztätigkeit wurde 1760 von dem Feinde
unterbrochen. die Beamten flüchteten ; im November wurde fie wieder
aufgenommen.Z) -Seitdem fand hier die Prägung der neuen
Auguftdor. feit Juli 1761 auch die von Sechfern und Dreiern ftatt.4)
endlich 1762 die der kontraktmäßigen fremden Sorten. befonders
auch der fächfifchen Doppelgrofchen. von all welchen Münzen wir
fpäter Näheres hören werden.
Die Königsberger Münze arbeitete bis zur Einnahme der
'Stadt durch die Ruffen im Januar 1758 ebenfalls nach Grau-
manfchem. Clevifchem und Leipziger Fuß. außer einigen Rechnungen
ift über ihre Tätigkeit in diefen Jahren nichts erhalten.5)
Von der Magdeburger Münzprägung im allgemeinen können
wir nur fagen. daß fie wahrfcheinlich diefelbe wie die Berliner
war. von dem Einzelnen haben wir gar keine Kunde. Man kann
1) Tabelle 4. 0.
2) Ephraim und Jßig an Köppen. Berlin. 17. Dezember 1763. Trefor-
akten keep. 163. l. 99. - Vielleicht find die erften von 1758.die ohne Krone-
Münzbefchr. Nr. 1724) die dann alfo beffer wären) doch ift darüber nichts Be-
ftimmtes zu fagen.
3) Tit. L711. 15.
4) Tit. L711) 15. Es find bisher wohl Sechfer und Dreier von 1760)
auch Dreier der folgenden Jahre (Miinzbefchreibung 1711. 1746 ff.). aber noch
keine Sechfer von 1761 zum Borfchein gekommen.
5) Von Jntereffe ift ein Bericht der Feldkaffenrendanten der oftpreußifchen
Armee von 1757 (Nr. 21). aus dem hervorgeht. daß das kleinere Berliner Kurant
von den Truppen nicht gebraucht werden konnte und in preußifches Provinzial-
geld umgewechfelt werden mußte.
Die einzelnen Mijnzftätteu 1756-1759. 27
nur aus den Kaffenüberfchlägen Köppensl) fchließen. daß die Prä-
gung zeitweife. befonders 1760. als die Berliner Münze ftill ftand.
eine fehr umfangreiche war. Es kommen dort viele Schlagfchaß-
zahlungen der Unternehmer vor. die zwar. da die Zitadelle von
Magdeburg der Sammelplaß der Kriegseinkünfte war. von-allen
Münzftätten dort zufammenfloffen; aber alle Pofteu. bei denen be-
merkt wird. daß fie von der Magdeburger Münze oder dem
dortigen Münzdirektor Wanner) zu zahlen waren. find gewiß als
Schlagfchaß jener Münzftätte zu betrachten; und diefe Poften be-
liefen fich oft auf mehrere 100000 Rtlr.i)
Neben den Prägungen nach Granmanfchem Fuß bis 1759
liefen auch hier noch andere. zunächft die fchon erwähnte der Cle-
vifchen 6-Kreuzerftücke.3) Sodann ift vorgreifeud die Monetifierung
des Silberfchaßes des Berliner Schloffes zu erwähnen. zu der
Friedrich nach der Niederlage von Kolin veranlaßt wurde. Er ge-
dachte diefe „argenterie“. deren Wert er auf 400000 Rtlr. fchäßte.
in Magdeburg unter Ausfchluß der Unternehmer fo geringhaltig
ausmünzen zu laffen. daß 800000 Rtlr. herauskämen. „da es in
den jeßigen verworrenen Kriegeszeiten fo genau auf einen ordent-
lichen Münzfuß und Gehalt nicht ankommen kann.“ 4) Dann aber.
1) Treforakten 11. 163. 1. 97. 98.
2) Hier einige jener Magdeburger Poften:
1760: 1. Januar . . . . . . 100000 Rtlr.
7. Juni. . . . . . . . 350000 „ -
19. Juli . . . . . . . . 400000 „
9. Auguft . . . . . . . 500000 ..
22. November . . . . . . 550000 „
1761: 12. September. . . . . . 20000 „
28. November . . . . . . 145000 „
1762: 23. Januar. . . . . . . 150000 „
27. November . . . . . 80000 „
Diefe Poften find freilich für eine Statiftik ganz unbrauchbar) weil man nie weiß.
ob einer in dem vorhergehenden oder folgenden mitenthalten ift oder noch andere
nicht verzeichnete gezahlt wurden; wir führten fie nur an. um zu zeigen. wie
hoch im allgemeinen der Schlagfchaß der Magdeburger Münze damals war.
3) S. S. 20.
4) K.-O. an Gr. Finckenftein vom 27. September 1757. Polit. Corres-
pondenz Friedr. d. Gr. Bd. 15) S. 380. 381.
28 Erftes Buch. Zweites Kapitel.
am 11. November 1757. -befchränkte er jenen Befehl dahin. daß die
„als Möbel jeßt unnüße“ argenterie nach dem clevifchen Fuß. aber
nicht in 6-Kreuzer. fondern in Grofchen und Sechfer ausgemünzt
werde. was 600000 Rtlr. zu ergeben habe. Da der Feingehalt
der Silbergeräte aber 28560 Mark 7 Lot betrug und 18 Rtlr. aus
der Mark ermünzt werden follten. hätte man nur 514080 Rtlr. be-
kommen. Nach fpäteren Angaben find aber in der Tat 600000 Rtlr.
herausgebracht worden)) Der Fuß war alfo etwa 21 Rtlr.. vielleicht
etwas fchlechter bei den Grofchen. beffer bei den Dritteln. denn
auch folche wurden gemünzt?)
Sodann wurde der Graumanfche Fuß nicht befolgt bei der fchon
angeführten Nachprägung der polnifch-fächfifchen Thmpfe. auf die wir
nunmehr kommen. Wir haben gehört) daß es die Königsbergfche Thmpf-
prägung war. die den König von Polen veranlaßte. diefe Münz-
forte in Leipzig für Polen münzen zu laffen. wir haben ferner er-
fahren. einen wie guten Fortgang diefes Werk nahm.8) Jmmer
war eine Hauptbedingung dafür. daß die Durchfuhr der Thmpfe
durch prenßifches Gebiet. das Sachfen von Polen trennte. frei blieb.
Sie wurde nun zwar von Preußen Anfang 1755 verboten. es
fcheint indeffen. daß dadurch Sachfen zwar gefchädigt wurde.4) aber
das Verbot doch durchaus nicht durchzufeßen war. denn in Schlefien
waren die polnifchen und fächfifchen Thmpfe eben das einzige Geld.
das man beim Handel mit Polen benußen konnte. befonders feit die
preußifchen Thmpfe wegen des preußifchen Durchfnhrverbots in
Polen verboten und die holländifchen Dukaten im Kurfe bedeutend
geftiegen waren.5)
1) Kufer ) Finanzen S. 343.
2) Nach Jm.-Ber. Köppens vom 25. Februar 1761 waren von den 600000 Rtlr.
des Jahres 1758. die er gegen Einziehung anderer Sorten hatte nach Sachfen
fchicken müffen) noch 21900 in Grofchen und 6621 Rtlr. in Dritteln übrig.
_ u. 96. 409 a.
3') S. ii. Bd. S. 124 ff.
4) Ber. Unruhs) Dresden. 12. Mai 1755: Verbot der Durchfuhr fächfifcher
Thmpfe in Breslau und Königsberg habe fehr gefchadet. Hoffentlich werde man
die Aufhebung erlangen. A. D. 1.0e. 2265) lll.
5) Ber. Unruhs) Leipzig) 13. Oktober 1755: Die Nachfrage nach Thmpfen
uud Szoftaken hält an. Ebenda.
Die einzelnen Münzftätten 1756-1759. 29
Der Unternehmer Gumperts kam daher auf den Gedanken. ob
es wohl nicht beffer fei. die Durchfuhr der Leipziger Thmpfe wieder
frei zu geben. wonach man in Sachfen doch immer fehr verlange.1)
und dadurch die Geltung der eigenen in Polen zu gewinnen. denn
die Quantität der preußifchen übertreffe weit die der fächfifchen
Thmpfe und dann fei auch zu hoffen. daß die um 11/20/0 filber-
reicheren preußifchen nicht weiter 6-7 0/0 im Kurfe unter den
fächfifchen ftehen würden.2) Gumperts erblickte einen ferneren Vor-
teil darin. daß er dann das Knrant in Preußen fefthalten und
mit den Thmpfen viel Gold von Polen nach Preußen ziehen könne.
Reßow und die Breslauer Kammer waren ganz derfelben
Anficht. Befonders meinte diefe. würde durch den freien Münz-
verkehr zwifchen Polen. Schlefien und Sachfen der große Viehhandel
fehr befördert werden. denn die bis dahin dafür benußten Gold-
münzen würden von Tag zu Tag feltener.'-i) Wir wiffen. daß der
preußifche Trefor damals eifrig daran war. folche zu fammeln.
Der König wollte das Durchfuhrverbot aber nicht gern zurück-
ziehen. wie er denn Sachfen gefällig zu fein damals fchon längft keinen
Grund mehr hatte. fuchte fich aber in anderer Weife zu helfen.
Denn konnte man nicht zwei Fliegen mit einer Klappe fchlagen.
indem man Thmpfe mit fächfifchem Stempel herftelltef> Dann blieb
das Verbot der Leipziger Thmpfe beftehen. und man verforgte die
eigenen Kaufleute und auch die Polen mit ihnen. ohne des Schlag-
fchaßes an Sachfen verluftig zu gehen. Man hatte fchon verfucht.
die Leipziger Thmpfe möglichft genau. aber doch mit preußifcher
Umfchrift. nachzuahmen.4) doch fcheint das wenig geholfen zu haben.
Die völlige Nachmünzung der polnifch-fächfifchen Thmpfe nach
fächfifchem Fuß und mit Leipziger Gepräge hatte der König fchon
1) Man hoffte in Dresden noch nach Beginn des Krieges. die freie Durch-
fuhr wieder zu erhalten und war bereit. zur Beftechung preußifcher Beamten
einige hundert Dukaten zu opfern. Unruh an Brühl. Dresden. 30. Oktober 1756.
A. D. [10e. 2265. 701. lil.
K) Nr. 2.
3) .Im-Ber. Repows. Potsdam. 23. Oktober 1755 und Kammer-Ber.
Breslau. 1. November 1755. ebenda.
4) S. Bd. ll. S. 270. Münzbefchr. Nr. 1469-1472. 1485-1488. 1088
bis 1092.
Z() Erftes Buch. Zweites Kapitel.
im Juli 1755 ins Auge gefaßt. als ihm vorgeftellt wurde. daß
polnifche Viehhändler ohne diefe Münzen nichts tun könnten. er
aber fürchtete. fie würden dann gleichfam Kommiffionäre der
Leipziger Münzftätte werden)) Am 12. November befahl er dann
den Münzdirektoren zu Breslau und Königsberg. fie nachzumünzen.
wofür die Unternehmer 10000 Rtlr. mehr jährlichen Schlagfchaß
geben müßten. weil die fächfifchen Thmpfe fchlechter als die preu-
ßifchen wären. Ju Preußen feien diefe Münzen aber nac h wie vor
verboten?)
Als dann im Januar 1756 das Königsberger Handelshaus
Schwindt u. Ko. den König bat. 100000 Rtlr. in fächfifchen
Thmpfen nach Riga führen zu dürfen.Z) befahl Friedric h über eine
derartige Prägung mit den Unternehmern zu verhandeln.4) Diefe
gingen gern darauf ein und wollten vorgeben. fie hätten des Königs
Erlaubnis. die - in Königsberg gemünzten -- Leipziger Thmpfe aus
Leipzig kommen zu laffen. womit Friedrich einverftanden war.s) Als
er bald darauf von einem andern Haufe um ähnliches angegangen
wurde. antwortete er. man werde die verlangten 25000 Rtlr. in
fächfifchen Thmpfen in Breslau beforgen und nach Königsberg
fchicken.6)
Endlich wurde der Königsberger und Memeler Kaufmannfchaft
allgemein bekannt gemacht. daß die Unternehmer das Benefiz hätten.
diefe Sorten aus Leipzig kommen zu laffen.7)
1) K.-O. an Kröncke und Bude) Potsdam. 14. Juli 1755. Lt. nur. 1.
2) K.-O. an Becker) Kröncke und Babe. Potsdam. 12. November 1755.
11. U11. 1.
3) Königsberg) 16. Januar 1756. Ebenda.
4) Nr. 3. .
5) Jm.-Ber. Reßows) Berlin) 24. Januar 1756. Ebenda. - K.-O. an
Becker, Berlin) 26. Januar 1756. Lt. Z111. 1: Soll allen Eklat vermeiden und
forgen) daß nicht mehr als 100000 Rtlr. davon gemünzt werden. - K.-O. an
Reßow) Berlin. 26. Januar 1756. Bei Bahrfeldt. Berliner Münzblätter 1901.
S. 2881) 2882. -
6) K.-O. an Samuel Büttner und Gürgens in Königsberg. 12.96) 409 13.
7) K.-O an Reßow) Potsdam) 11. Februar 1756. Ebenda. - Der offizielle
geheime Name der Thmpfe mit nachgemünztem fächfifchen Gepräge war
„Thmpfe 0“. Jn Breslau wurden davon bis Mai 1756 für 109472 Rtlr. ge-
prägt. kL. 96) 408 2.
Die einzelnen Münzftätien 1756-1759. 31
Hiergegen vermochte natürlich nichts eine Eingabe des General-
Voftmeifters. der. um die Ausfälle feiner Kaffen zu decken. das
am 11. Februar 1756 wiederholte Durchfuhrverbot der Leipziger
Thmpfe aufgehoben wiffen wollte.1)
Während nun aber die Prägung der Thmpfe'mit preußifchem
Gepräge in Königsberg und Breslau weiter ging. wurde die der
fächfifchen am 1. Mai 1756. wohl zur befferen Bewahrung des Ge-
heimniffes. nach Magdeburg verlegt. Dennoch wurde die Sache
bald ruchbar. Am 30. Oktober meldete der fächfifche General und
Geheimrat Graf v. Unruh dem Premierminifter Grafen v. Brühl.
daß der Leipziger Münzunternehmer Bankier Frege einen Thmpf
und Szoftak mit Leipziger Stempel vorgezeigt hätte. der nicht in
Leipzig gefchlagen wäre. Man vermutete gleich richtig eine preu-
ßifche Münze als Urfprnngsort. zweifelte aber daran. daß diefe
Nachmünzung mit Vorwiffen des Königs von Preußen ftattfinde.
Gleichwohl fürchtete man davon für die Leipziger Münzftätte das
Schlimmfte.2)
In Breslau wurden. außer den Sorten nach Granmanfchem
Fuß in den erften Monaten des Jahres 1756 auch. wie eben erwähnt.
Thmpfe mit polnifch-fächfifchem Gepräge gefchlagen. diefe Münzung
aber am 1. Mai nach Mageburg übertragen. Die Prägeftatiftik
vom 1. Januar bis 31. Juli 1756 ift erhalten.3)
' Aus der Zeit des fiebenjährigen Krieges ift über die Breslauer
Münztätigkeit faft nichts zu erfahren; ich kann nur fagen. daß
fpäter zeitweife wieder befonders viel polnifche Thmpfe gefchlagen
worden find.4) Da diefe Münzen von den polnifchen Magazin-
lieferanten und andern Kaufleuten fo fehr begehrt wurden. daß fie
1758 50/0 Aufgeld genoffen. wies Schlabrendorff die Münze an.
1) .Im-Ber. des Grafen Gotter. Berlin. 26. Februar 1756. Lt. 96. 408 13.
2) Unruh an Brühl. Dresden. 30. Oktober und 6. November 1756.
A. D. [10e. 2265. 701. lil. Starke Rimeffen feien davon von Berlin nach
Danzig gegangen. An den Säcken feien fogar die kleinen Leipziger Münzfiegel
nachgeftochen und auf den Begleitzetteln die Handfchrift des fächfifchen Beamten
nachgemacht. '
3) S. Tabelle ll.
4) Schlabrendorff an Kröncke. 29. Januar. an die Glogauer Kammer.
12. April 1758. A. B. in. n. ln. 31. 17.-
32 - Erftes Buch. Zweites Kapitel.
fie Tag und Nacht zu prägen. die Abnehmer follten fie gegen 2o/0
Aufgeld erhalten. *
Diefe Nachfrage hielt an: wir hören. daß während des Jahres
1760 die Getreidelieferanten fie begehrten und Steinfalz nur mit
ihnen erkaufbar war. Tauenßien wurde von Schlabrendorff wieder-
holt erfucht. ihre Prägung in Breslau zu befchleunigenI)
_ Jm Jahre 1761 aber. als die noch näher zu erörternde Reduzierung
der Thmpfe in Polen gefchah. kamen diefe in Menge nach Schlefien
zurück. wo die Juden fie nur mit 8-100/0 Verluft gegen fächfifche
Drittel annehmen wollten. Schlabrendorff fprach darüber mit dem
General von Tauenßien. der nur verfichern konnte. der König habe
ihren Umlauf im Lande nie gewollt?) Man fuchte fich dadurch zu
helfen. daß man ihren Kurs und ihre Annahme den Staatskaffen
verbot.3) die Kaufleute aber anwies. von den Polen höhere Preife
zu fordern. falls diefe mit fächfifchen Thmpfen zahlten.
Wir möchten hier noch erwähnen. daß. da die Prägung nach
Graumanfchem Fuße 1758 aufhörte. die feitdem geprägten Thmpfe
mit preußifchem Stempel von den früheren befferen fich befonders
dadurch unterfchieden. daß fie nicht mehr gerändelt wurden.4) Ju-
deffen find es nur wenige. 5) die Breslauer Münzftätte hat feit Ende
1758 nur noch poluifche geprägt.
Mit geringen Unterbrechungen waren während des ganzen
Krieges die Münzftätten zu Berlin. Magdeburg und Breslau in
Tätigkeit. Da aber die Clevifche feit 1757 ganz. die Auricher lange
Zeit ausfiel. die Königsberger fogar vom Feinde benußt wurde.
fand Friedrich Erlaß dafür in den beiden fächfifchen.
1) Schlabrendorff an Tauenßien 5. Februar. Tauenßien an Schlabrendorff
16. November 1760. A. B. lil. K. 17) 31. 701. 7.
2) Kammer-Ber. Breslau. 27. November 1761 und Refkript Schlabren-
dorffs vom 1. Dezember 1761. A. B. Ill. Lt. lll. 33 a. 701. ll.
3) Kammerverfügung an den Kreis Namslau. Breslau. 2. Dezember 1761
und 27. September 1762. A. B. 1). .4. 71) 81 e.
4) Ein Rezeß der Königsberger Kaufmannfchaft vom 29. Juni 1763 nennt
vollhaltig alle Thmpfe mit 1?. und 0c fowie die gerändelten bis 1758 mit 13) da-
gegen nicht vollhaltig' im Durchfchnitt nur 15 Gr. wert alle mit .4) 1J' und die
randlofen mit ki von 1758. A. K. Lt. 1L. L0. llit. lil. Tit. 98) Nr. 3. 701. l.
5) S. Münzbefchreibung Nr. 1725) 1726.
Die einzelnen Münzftätten 1756-1759. ZZ
Bei Beginn des Krieges okkupierte Friedrich Sachfen und be-
hielt es während des ganzen Feldzuges zum größten Teile in feiner
Gewalt. Es ift bekannt. wie bedeutende Geldfummen er dort als
Kriegsfteuer beigetrieben hat; nebenher lief eine indirekte Befteuerung
durch Einziehung eines fehr großen Schlagfchaßes aus den beiden
Münzftätten Dresden und Leipzig.
Preußen hat die fächfifchen Prägungen zuerft unter Bei-
behaltung des dortigen Münzfußes und Gepräges. wogegen ftaats-
rechtlich gar nichts einzuwenden gewefen wäre. fortfeßen wollen.
Aber daß der König fehr bald ohne des Kurfürften Einwilligung
und gegen deffen Einfpruch unter fächfifchem Gepräge den Münzfuß
verfchlechterte. wird. da hiermit eine Täufchung der Bevölkerung be-
abfichtigt war. nicht gebilligt werden können. Eine nähere Be-
urteilung diefer Nachmünzungen werden wir aber erft geben können.
nachdem wir fie ganz kennen gelernt haben werden.
Die Leipziger Münzftätte war es zuerft. in der Preußen eine
umfangreichere Produktion fächfifcher Münzen unternahm. weil hier
fchon feit 1752 fowohl fächfifches Kurant nach geringerem Fuß als
dem Leipziger und auch polnifch-fächfifches hergeftellt worden war.
Der fächfifche Kriegsrat und Münzkommiffar Elfaffer fuchte diefe
Münzftätte mit aller erfinnlichen Mühe dem Kurfürften zu erhalten.
Als der preußifche Geheimrat Cautius von ihm Nachrichten über fie
verlangte. fchüßte er Unwiffenheit vor: nicht der König von Polen.
fondern die Republik hätte das Münzrecht. mit der darüber wahr-
fcheinlich etwas ausgemacht fei. Zunächft gehöre der Schlagfchaß
dem Unternehmer Frege. dem man Vorfchüffe fchulde. Wenn wie
bisher weiter gemünzt werden folle. fo müßten die Lieferungen un-
behindert bleiben und die Münzdurchfuhr durch Preußen wieder er-
laubt werden.1)
Elfaffer machte weiter Schwierigkeiten. er behauptete ein
Kontrakt exiftiere nicht - freilich hieß er in Sachfen nicht Kontrakt.
fondern Konzeffion -. und der Bankier Frege wollte mit Berechnung
des Schlagfchaßes nichts zu tun haben. ließ aber aufs eifrigfte weiter
münzen. Da der König aber am 5. November befohlen hatte. die
1) Ber. Elfaffers. Leipzig. 11. Oktober 1756. A. D. 110e. 2265. 701.111.
daraus auch das Folgende.
seta Zorne8iea. Münzwefen 111. 3
34 Erï¬es Buch. Zweites Kapitel.
Münzftätte dem Frege abzunehmen und den preußifchen Juden zu
verpachten.1) fo ging dem preußifchen General-Feld-Kriegsdirektorium
endlich die Geduld aus. und es erließ am 23. November den Befehl
an Cautius. dem Elfaffer fofort die vollftändigen Akten über die
Verhandlungen mit der Republik Polen und die Berechnungen mit
den Pächtern abzufordern. bei fernerer Weigerung ihm jedoch einen
Unteroffizier und 6 Mann ins Haus zu legen. nach 3 Tagen
12 Mann. ihn felbft zu arretieren. Da half kein Stränben mehr.
Gleich darauf. am 27. erhielt Frege den Befehl. bei Vermeidung
prompter Exekntion die Münze fofort abzutreten und mit dem In-
ventar dem preußifchen Kammerdirektor Fiedler zu übergeben.
Frege mußte fodann die fämtlichen Stempel ausliefern. er
mußte von feinen Münzmaterialien hergeben. Jhm befonders war
Preußen wenig gewogen. da man ihn mit Recht für einen treuen
Anhänger des Knrfürften hielt.2) Er-hat auch in der Folge alles_
getan. diefem weiter zu nüßen. fo das ftellungslofe Leipziger
Münzperfonal. das nicht in preußifche Dienfte trat. faft während des
ganzen Krieges aus eigenen Mitteln unterhalten. er felbft mußte
von einem Ort zum andern flüchten. Wir müffen die Treue.
mit der diefer Bankier ebenfo wie die fächfifchen Münzbeamten
an ihrem Herrn fefthielten. und lieber fich große Entbehrungen
auferlegten. als daß fie in den Dienft des Feindes traten. rühmend
anerkennen.
Die Leipziger Münze follte nach dem Wunfch des Königs
verpachtet werden. Ephraim und Söhne. die fortwährend auf eine
Gelegenheit warteten. ihre Dienfte als Münzlieferanten wieder an-
zubieten. verfprachen. fobald das Gerücht von der beabfichtigten Ver-
pachtung der Leipziger Münze nach Berlin kam. 200000 Rtlr. Schlag-
fchaß zu zahlen. wenn ihnen erlaubt würde. eine Million nach clevifchem
Fuße in Thmpfe. Szoftake und Düttchen zu vermünzenk) Sie
fagten. diefe 200000 Rtlr. feien doch viel mehr als die Gumperts
gäben. die jährlich 7-8 Millionen münzten und davon faft den
1) K.-O. an Borcke. Sedliß. 5. November 1756. Polit. Korrefpondenz
Friedr. d. Gr. Bd. 14. S. 18. 19..
2) Unruh an Brühl. Dresden. 5. Januar 1757.
3) Nr. 12 und K.-O. an Borcke. Sedliß. 13. November 1756. Polit.
Korrefpondenz Bd. 14. S. 42.
Die einzelnen Münzftätten 1756-1759. 35
dritten Teil nach 18-Rtlr.-Fuß. Sie baten auch. einen der beiden
Breslauer Münzdirektoren nach Leipzig zu verfeßen. damit man fo
den Schein vermeide. als ob die Münze in Pacht gegeben fei.1)
So vollzog denn der König den Kontrakt. Jndeffen ging er
auf weitere Forderungen der Juden nicht ein; er wollte. daß die
Leipziger Münzftätte als fremde zu betrachten fei. deren Produkte
in Preußen ungültig wären. Daher erlaubte er zwar den Unter-
nehmern. Leipziger Münzen nach Polen und Ungarn unter Ver-
günftigung des Viktualienportos?) und Metalle durch die preußifchen
Lande zollfrei nach Leipzig zu fchaffen. aber nicht. folche in Preußen
aufzukaufen und fo deffen Münzftätten zu fchädigen. Ebenfowenig
willfahrte er dem Wunfche des Ephraim. ein Verbot der Münzung
polnifch-fächfifcher Sorten an die preußifchen Münzdirektoren zu
erlaffenKi)
Aber die Prägung polnifcher Sorten in Leipzig ftieß auf
Schwierigkeiten. Jm März 1757 meldete der General von Unruh
dem Grafen Brühl. Thmpfe feien noch nicht gemünzt worden.4) und
am 23. Mai klagten die Unternehmer. fie hätten faft gar keine
polnifchen Sorten bisher fchlagen können. weil deren Durchfuhr
durch Schlefien troß königlicher Erlaubnis verhindert werde. Daß
war eine Folge davon. daß die fächfifchen Münzftätten für Preußen
fremde blieben. Es war ja auch gar nicht zu leugnen. daß die
Leipziger nach 18-Talerfuß gefchlagenen Sorten die weitere Prägung
der befferen Königsberger und Breslauer fehr fchwierig gemacht
hätten. Wahrfcheinlich feßte die Herftellung der polnifchen Sorten
in Leipzig erft wieder 1759 ein. als der Graumanfche Fuß in
Preußen verlaffen wurde.6)
1) Vorftellung der Ephraim und S.. Torgau. 19. November '1756. n. 96)
425 0. Wahrfcheinlich kam damals Bude nach Leipzig.
2) K.-O. an Schlabrendorff) Dresden) 21. Dez. 1756. Tit. Ä7ll) 24.
3) KO. an Borcke. Dresden. 28. November 1756) 11. 96. 425 0 und
Polit. Korrefpondenz Friedrichs d. Gr. Bd. 14) S. 84) 85.
4) Dresden) 15. März 1757. A. D. [i0o. 2265. 701. lll.
5) Lt. 96) 425 1).
6) Daß. wie Kofer. Finanzen) S. 13 fagt. die Thmpfe und Szoftake in Breslau
nach 14-) in Königsberg nach 18-Rtlr.-Fuß gemünzt worden feien. ift ein Jrrtum.
Nach 14-Rtlr.-Fuß find fie nie gemünzt worden. Die preußifchen wurden 1757
nach 15- bis 16-Rtlr.-Fuß gemiinzt. S. oben S. 25 und Bd. ll) S. 548) 549.
3*
86 Erftes Buch. Zweites Kapitel.
Jn Leipzig wurden feit Januar 1757 Grofchen mit den
fächfifchen Stempeln der Jahre 1753. 1754 und 1756 und 8-Gr.-
Stücke mit den Stempeln des Jahres 1753 geprägt und zwar war
der Münzuß von Anfang an geringer als der bis dahin dort be-
obachtete. Während der Fregefche Fuß der 8-Gr.-Stücke etwas
über 14 Rtlr. gewefen war. ftieg man nun bis 18 und 19 Rtlr..
und während Frege die Grofchen zu 15 Rtlr. ausgebracht hatte.
tat es Ephraim zu 18 bis 20 Rtlr. Uuzweifelhaft find damals auch
Leipziger Taler mit polnifchem Gepräge unter Benußung der vor-
gefundenen Stempel früherer Jahre mit den Buchftaben 17.11)() und
auch fchlechter als die Fregefchen gemünzt wordenM)
Die Ephraim planten noch andere Prägungen. Am 23. Mai
1757 ftellten fie vor. es würde fehr bequem fein. da jeßt die Armee '
in Böhmen ftehe. die Regimenter mit öfterreichifchen 7-. 10-. 17-
und 20-Kreuzerftücken zu bezahlen; fie wollten für 1 Million Rtlr.
davon nach den Bedingungen ihres Leipziger Kontrakts in Dresden
fchlagen und 200000 Rtlr. Schlagfchaß dafür geben. Da der Vor-
fchlag Borckes Befürwortung fand. weil man mit diefen in Böhmen
heimifchen Sorten dort billiger kaufen werde. fo war der König
damit einverftanden. verlangte aber 350000 Rtlr. Schlagfchaß.
Auch darauf gingen die Ephraim ein. wenn fie 11/2 Millionen
prägen dürften. alle einlaufenden böhmif chen und anderen guten Sorten
ihnen abgeliefert und die Ausfuhr der Metalle aus Böhmen ver-
hindert würde. Ju 6 Monaten hofften fie mit den 11/2 Millionen
fertig zu fein. Nachdem der König noch befohlen hatte. daß nichts
von diefen Sorten nach Preußen gelangen dürfe. gab er diefe
Prägung in Dresden und Prag zu?)
Die. leßte Kabinettsorder darüber unterfchrieb Friedrich im
Lager vor Prag. Bald darauf traf ihn der Schlag von Kolin.
Prag fiel nicht in feine Hände. er mußte Böhmen zum größten
1) Der Fregefche Leipziger Talerfuß war 14 Rtlr. 2 Gr. 216/199 Pf.. der
der Ephraimfchen Taler 14 Rtlr. 5 Gr. 4 Pf.. 8 Stück aus der 12-lötigeu Mark.
Verfchiedene fächfifche Probierungen. A. D. 2265. 701.111; eine Notiz. wahr-
fcheinlich Zeitungsinferat. Leipzig. 16. März 1757. gibt den Fuß noch fchlechter an:
14 Rtlr. 6 Gr. 816/255 Pf.; ebenda 110c. 514. -- Münzbefchr. Nr. 1835.
2) Promemoria der Ephraim. Torgau. 23. Mai und 2. Juni 1757. K.-O.
an Borcke. Lager bei Prag. 2. Juni 1757. lt. 36. 425 1:'.
Die einzelnen Münzftätten 1756-1759. 37
Teile räumen. An eine Ausführng diefer Prägung war alfo nicht
weiter zu denken. Jmmerhin ift es intereffant zu erfahren. daß
man mit dem eroberten Böhmen monetär ebenfo zu verfahren ge-
dachte. wie mit Sachfen. -
Die fächfifchen 8-Gr.-Stücke wurden nun bald die Hauptkriegs-
münze. fie und die fächfifchen Thmpfe waren die eigentlichen
Ephraimiten. wie das Volk fie nannte. Unter diefem Namen
gingen zwar auc h die feit dem Sommer 1757 in Dresden gemünzten
preußifchen Drittel und Äll-Mariengrofchen und die fpäter mit den
Geprägen anderer und von anderen Herren gefchlagenen Drittel
und Sechstel. aber jene Thmpfe und fächfifchen Drittel waren die
erften und blieben auc h immer die bei -weitem zahlreichften. Wir
bemerken hier gleich. daß diefe fächfifchen Drittel fämtlic h mit der
Jahrzahl 1753 verfehen wurdenI) erft von 1760 an fchlug man
folche mit der Jahreszahl des Entftehungsjahres. indeffen nur
wenige. da es bei dem heruntergebrachten Münzfuß nicht mehr gut
gelang. fie abzufeßen. -
Seit Auguft 1757 gingen aus der Münze zu Leipzig fächfifche
8-Gr.-Stücke hervor. die nicht wie bis dahin ohne Münzmeifterbuchftaben
waren. fondern die Jnitialen 1s() trugen. - Wenn der Dresdener
Münzmeifter 6 Feral meinte. das bedeute Ephraim und Compagnie
oder Conforten.2) fo irrte er gewiß. Es follten vielmehr die
Initialen des fächfifchen Münzmeifters Ernft Dietric h Croll fein.
wie fie diefer ebenfo auf die polnifchen Sorten und auc h die
fächfifchen Grofchen gefeßt hatte.
Noc h einige Worte über Schlagfchaß und Münzfuß. Jm
Februar 1757 kamen die Unternehmer der preußifchen Münzftätten
Gumperts und Jßig .nac h Dresden und Leipzig. wahrfcheinlic h um
1) Brühl behauptete in einem Entwurf. für ein Zeitungsinferat von 1757)
daß für die fächfifchen 8-Gr.-Stü>e in Leipzig die fächfifchen Stempel von 1756
benußt feien) auf denen man „die Zahl 6 durc h eine übel gerathene und daher
ganz fichtbare Rafur in die Zahl 3 verwandeln wollen) zu defto ehender Hinter-
gehung derer von dem vormaligen beffern Gehalt unterrichteten Abnehmer".
A. D. 1.0e. 514. Auf den fehr vielen Stücken) die mir vorlagen. war eine der-
artige Rafur nicht zu bemerken. Jedenfalls ift eine folche nur in der erften Zeit
gefchehen. - Münzbefchreibung Nr. 1763 ff.
2) Ber. 6 Ferals. Dresden) 20. Auguft1757. A. D. 1.0e. 514. - Münz-
befchreibung Nr. 1785-1802.
38 Erftes Buch. Zweites Kapitel.
zu verfuchen. ihre Konkurrenten wieder aus dem Sattel zu heben.
Das gelang ihnen diefes Mal aber nicht. Ephraim beklagte fich
bitter über fie: fie kauften Silber auf. brächten die Leipziger
Sorten in Verrnf. bewirkten eine Nachprüfung derfelben durch den
Wardein des oberfächfifchen Kreifes; das werde noch weiter gehen.
wenn man erft nach clevifchem Fuße münze. Anf ihr Gefuch
wurden Gumperts und Jßig ans Sachfen ausgewiefen.i)
Die Ephraim bemerkten zugleich. fie würden die 2 Millionen
in Dresden und Leipzig nicht in einem. fondern einem halben Jahre
fertig haben. Jn der Tat war in Leipzig 1 Million nach 4 Monaten
geprägt und die 200000 Rtlr. Schlagfchaß abgeliefert?) Und wenn
man den Unternehmern glauben darf. fo waren fie dabei durch
große Schwierigkeiten beim Transport des in England und Holland
erkauften Silbers nach Sachfen behindert. Wenn fie aber am
7. Februar 1757 behaupteten. in Leipzig würde nach Berlinifchem
Fuße geprägt. und am 2. Juni. daß ihr Leipziger Münzfuß den
preußifchen „wo 'nicht übertrifft. doch auch nicht fchlechter ift.“ fo
war das eine Unwahrheit. denn in den preußifchen Münzftätten
wurde damals nach 14-Rtlr.-Fuß gearbeitet. die polnifchen Sorten
nicht geringer als nach 16-Rtlr.-Fuß und nur die clevifchen Szoftake
nach 18-Rtlr.-Fuß ausgebracht. während. wie wir fahen. die 8-Gr.-
Stücke in Leipzig fchon um die Mitte des Jahres 1757 dem
19-Rtlr.-Fuß fich näherten.
Unausbleiblich war bei diefen Vorgängen eine ftarke Er-
bitterung auf fächfifcher Seite. Der König von Preußen ließ dazu
durch die Zeitungen in dem übertreibenden Stil der Kriegsmanifefte
verfichern. daß er wünfche. der König von Polen möchte. wenn er
wieder in Befiß feiner fächfifchen Lande käme. diefe anf eine vor-
teilhaftere Art verwaltet finden. als das in den leßten fünf Jahr-
hunderten gefchehen fei. Unermeßliche Mißbräuche. die man wie in
andern Zweigen. fo auch in dem der Münzverwaltung entdeckt
habe. hätten den Befehl veranlaßt.. die Stempel zu verwahren und
die Münzen vorläufig zu fchließen. Empört über diefe Befchuldigung
1) Jm.-Ber. Borckes. Torgau. 7. Februar 1757. K.-O. an die Dresdener
Kommandantur. Dresden. 10. Februar 1757. 11. 96. 425 1).
2) Jm.-Ber. Borckes vom 23. Mai 1757. ebenda.
Die einzelnen Münzftätten 1756-1759. 39
fchrieb der Vizebergdirektor Frhr. v. Gartenberg. da fehe man. daß
der König von Preußen ehrlichen Dienern Brod und Ehre zu
nehmen fuche; die Welt werde eiuft-fehen. daß alle von Preußen
beim Berg- und Münzwefen vorgenommenen Veränderungen nur
von Betrügern und Verbrechern gemacht worden feien. als welche
fie der König von Preußen wohl tenne.1)
Die Erbitterung wuchs. aber es war in der Folge nicht ge-
raten und auc h nicht möglich. etwas gegen diefe Maßnahmen des
Feindes zu unternehmen.
Wie mit der Leipziger verfnhr Preußen bald auch mit der
Dresdener Münze. Vom 11. September bis zum 21. Dezember 1756
arbeitete die Dresdener Münze in bisheriger Weife. aber auf Rechnung
Preußens; an diefem Tage aber wurde fie von Preußen verfiegelt.
und am 31. Dezember nahm der preußifche Kammerdirektor Fiedler
das Jnventar auf und ließ die Silberbeftände in den nächften
Wochen in fächfifche Grofchen vermünzen. Auch diefe Münze wurde
an Ephraim verpachtet. der das Freibergifche Ausbeutefilber genau
nac h dem bis dahin beobachteten Fuße in Speziestaler und Gulden
vermünzen follte. worauf das preußifche General-Feld-Kriegs-
Direktorium zu achten hatte.?)
Es gelangte nämlich nach der alten fächfifchen Bergverfaffung
die Silberausbeute des Erzgebirges nach der in Freiberg vollendeten
Generalfchmelze in die Dresdener Münze. damals jährlich etwa 25
bis 26000 Mark. jede feine Mark wurde mit 11 Rtlr. 4 Gr. 3 Pf.
bezahlt. Die Ausbeute mußte nac h der Bergordnung für die Berg-
leute in fteuerbare Sorten. für die Jntereffenten aber in feine
Speziestaler vermünzt werden. Von diefer Verfaffung hingen. wie
Minifter v. Borcke feinem Herrn berichtete. faft allein die Nahrung
des Gebirgkreifes und beträchtliche Revenüen von 300000 Rtlr.
jährlich ab. Dagegegen war der Schlagfchaß felbft in Dresden nie
groß gewefen. obgleich noch für 50-60000 Rtlr. Silber dazu ge-
kauft worden war.
Bei diefer Verfaffung wollte man deshalb vor der Hand
bleiben; aber es dauerte nicht fehr lange. fo ward fie über den
1) Nr. 17.
2) Nr. 13. 14 und Relation des Berggemachs vom 10.Januar 1757.
A. D. 1t0(c. 514 und Nr. 18.
4() Erftes Buch. Zweites Kapitel.
Haufen geworfen. Nachdem die fächfifchen Münzbeamten ihre
Wohnungen den preußifchen hatten räumen müffen und die Münz-
arbeiter der neuen Verwaltung verpflichtet worden waren. begann am
24. Januar 1757 die Münzung nach altfächfifchem Fuße unter
Leitung des Münzdirektors Hhnitfch und Münzmeifters Biller. Über
andere preußifche Münzbeamte ift. da die Detailakten zerftört find.
nichts bekannt. Es hat aber der fächfifche Wardein Knauft anfäng-
lich auch für die preußifche Verwaltung gearbeitet.
Obgleich der „einäugigte Jude Ephraim“ und der preußifche
Kammerdirektor Fiedler fic h bemühten. den Dresdener Münzmeifter
und Generalwardein des oberfächfifchen Kreifes 6 Feral zum
Weiterarbeiten zu bewegen. fchlug diefer es ab und proteftierte auch
gegen die Benußung der Dresdener Stempel. die feine Namens-
initalen trugen. was denn auc h von Fiedler abgeftellt wurde. 1) Die
Dresdener Münzen der erften Monate des Jahres 1757 tragen die
Buchftaben des preußifchen Münzmeifters Biller?) Ein Probier-
zettel des fächfifchen Wardeins Knauft beweift. daß der alte Dresdener
Fuß von Preußen eingehalten worden ift.3) Aber es find wohl
nur fehr wenig Münzen nach diefem Fuße gefchlagen worden. was
auch die wenigen vorhandenen Stempelverfchiedenheiten beweifen.
Schon Ende 1756 hatte Ephraim verfprochen. in Dresden
200000 Rtlr. Schlagfchaß zu zahlen. wenn er außer der ver-
faffungsmäßigen Ausbeute noc h eine Million in fächfifchen Sorten
nac h demfelben Fuß wie in Leipzig. d. h. zu 18 Rtlr. die feine
Mark. prägen laffen dürfe. Wegen des fchwierigen Transportes
und Handelskurfes in Dresden follte ihm aber freiftehen. einen Teil
diefer Summe in Leipzig zu fchlagen.4) Da der König diefen
Plan „ganz aämirabel" nannte. fo kam es unter den von Ephraim
angegebenen Bedingungen zum Kontrakt)) Dennoc h fcheint es. daß
l) Ber. 6 Ferals. Dresden. 15. Februar 1757. A. D. 110e. 514.
A) S. Münzbefchreibung Nr. 1752-1759.
3) Taler: 8 aus d. 14 L. 4 Gr. f. M.. aus d. f. M. 12 Rtlr.
Zweidrittel: 17 aus d. 15 L. 2 Gr. f. M.. aus d. f. M. 12 Ntlr.
Grofchen: 1171/2-118 aus d. 5 L. 4 Gr. f. M.. aus d. f. M. 15 Rtlr.
Sechfer; 215-21595 aus d. 4 L. 11 Gr. f. M.. aus d. f. M. 15 Rtlr.
14 Gr. 44/5 Pf.
4) Jm.-Ber. Borckes. Dresden. 14. Dezember 1756. n. 96. 425 0.
5) Am 19. Dezember 1756 von Borcke überreicht. Der Kontrakt felbft fehlt.
Die einzelnen Münzftätteu 1756-1759. 41
die Prägung geringhaltigen Geldes in Dresden. wahrfcheinlich durch
die Vorftellungen der fächfifchen Behörden verzögert. nicht vor Juni
1757 begann.
Mittlerweile fuchte Ephraim. weil er in Dresden bei der
Prägung nach dem guten Münzfuße nichts gewann. befonders die
Leipziger Münzung zu befördern. Sechs der beften Stoßwerke mit
allem Zubehör ließ er von Dresden nach Leipzig fchaffen.1) Er
fuchte fich der Verpflichtung. das Freiberger Ausbeutefilber mit
guten Münzen zu bezahlen. auf alle mögliche Weife zu entziehen;
er bezahlte mit den in Leipzig gemünzten 8-Gr.-Stücken und be-
wirkte. als der Oberberghauptmann v. Schönberg fich darüber be-
fchwerte. einen Befehl an diefen. daß. da in Dresden nur Gold-
und Kupfermünzen hergeftellt werden follten. das Freiberger Silber
in die Leipziger Münze zu fenden fei.2) womit denn eigentlich die
bisherige fächfifche Münz- und Bergverfaffung aufgehoben war.
Am 12. Juni 1757 endlich teilte Ephraim dem Wardein
Knauft mit. daß er Erlaubnis erhalten habe. nun auch in Dresden
nach feinem Leipziger Kontrakt zu münzen. und am 15. Juni wurde
dort mit 8- und 1-Gr.-Stücken mit Leipziger Stempel begonnen.3)
Am 26. Juli meldete der Vizebergdirektor Frhr. von Gartenberg
nach Warfchau. in Dresden werde nun auch troß aller Vorftellungen
Tag und Nacht nach fchlechtem Fuße gemünzt. Darauf verbot man
fächfifcherfeits dem Wardein Knauft die weitere Arbeit für die
Dresdener Münze. dem diefer auch folgte.
Die Dresdener Münzprägung unterfchied fich feitdem nicht
mehr wefentlich von der Leipziger. Es wurden aber die fächfifchen
8- und 1-Gr. Stücke in Dresden nicht länger als bis zum Anfange
des Jahres 1758 gemünzt. als Ephraim diefe Münze an Gumperts
und Konforten abtreten mußte.4) jedenfalls weil diefe ihre Prä-
gungen auf der ihnen damals allein unbefchränkt zu Gebote
1) Nr. 18.
2) Befchwerde des Bergkollegs vom 10. März. Verfügung des Gen.-Feld-
Kr.-Dir. an Schönberg. Torgau. Z0. März 1757. A. D. 110e. 514.
3) Meldung Knaufts vom 13. Juni 1757. ebenda.
4) Valvation des 6 Feral. Dresden. 5. Juli1758. der dabei fagt. die
preußifchen Drittel feien in Dresden von Gumperts und Konforten geprägt.
A. D. (.oc. 514.
42 -Erftes Buch. Zweites Kapitel.
ftehenden Breslauer Münze nicht bewältigen konnten. Denn in der
Magdeburger Münze wurde. wie wir wiffen. damals der königliche
Silberfchaß zu Geld gemacht. die Berliner aber follte wahrfcheinlich
für die Vermünzung der englifchen Subfidiengelder und der Million
ganzer Taler in Thmpfe vorbehalten bleiben)) Daher hat Gumperts
wohl die Überlaffung der Dresdener Münzftätte gefordert und er-
halten.
Über die folgende Prägung dafelbft find wir nun ausnahms-
weife gut unterrichtet. Als nämlich Dresden 1759 vom Feinde er-
obert wurde.-fielen die preußifchen Münzbücher in deffen Hände.
aus denen Auszüge im Dresdener Staatsarchiv aufbewahrt werden?)
Daraus geht hervor. daß vom 15. Februar 1758 bis zum 31. Mai
1759 in Dresden gemünzt find '
an prenß. 1(11- und l7l-Mariengr. für. . 1252444 Rtlr. 16 Gr.
„ „ 8-Gr.-Stücken für . . . . . 4825105 „ 16 „
„ Bernburger 8- und 4-Gr.-Stücken für. 2010624 „ 20 „
zufammen für 8088175 Rtlr. 4Gr.
wofür ein Schlagfchaß von . . . 2404338 Rtlr. 0 Gr. 11 Pf.
abgeliefert worden ift.
Laut Verordnung vom 24. Januar 1756 follte das Marien-
geld nach 182/3-Rtlr.-Fnß gemünzt werden; die Juden haben es
aber nach einem folchen von 19 Rtlr. 5 Gr. 10 Pf. ausgebracht und
waren nach den fächfifchen Probierungen bei den preußifchen Dritteln
im _Juli 1758 auf 19 Rtlr. 8 Gr. 11 Pf.. im März 1759 auf
20 Rtlr. 19 Gr. 2 Pf.. bei den Bernburger Dritteln von 1758
auf 25 Rtlr. 18 Gr. 1 Pf. gegangen.3)
Diefe erhaltene Statiftik reicht alfo bis Ende Mai 1759. Da
aber bis Ende Juli eifrig gearbeitet worden ift. fo kann man wohl
annehmen. indem man die Monate Februar. März. April 1759 zu-
grunde legt. als monatlich für etwa 1 Million Rtlr. hergeftellt
1) K.-O. an Knöffel) Breslau) 3. Februar 1758) u. 11111. 1. Die Gnmperts
hatten geklagt. wenn das Silber des Königs in Berlin vermünzt werde) fo ftände
ihnen nur die Breslauer Münze zur Verfügung. Damals wurde ihnen noch
Berlin gelaffen nnd des Königs Silber zu 15 Rtlr. die feine Mark verkauft.
S. auch S. 25.
2) Nr. 30 und A. D. [10e. 1334. lZ.
3) S. auch Tabelle Nr. l7.
Die einzelnen Miinzftätten 1756-1759. 43
wurde. daß das Quantum der Bernburger und andern fremden
Münzen etwa 4 Millionen Rtlr. betrug. Man erfah nämlich aus
den Büchern. daß auch mit Stempeln von Sachfen-Weimar. Sachfen-
Eifenach und Stolberg gearbeitet worden wan1)
Noch ift zu bemerken. daß der Dresdener Münzbetrieb feit
Anfang 1759 nicht mehr durch Gumperts gefchah. der damals ftarb.
fondern wie der aller andern Münzen an das neue Konfortium
Ephraim. Jfaac und Jßig übergegangen war.
Seit der Einnahme Dresdens am 4. September 1759 blieb
die Stadt während des weiteren Krieges in der Gewalt der Öfter-
reicher. fo daß die dortigen preußifchen Prägungen damit abfchloffen.
Wir haben aber noch über die Herftellung einer anderen Münzart
in Dresden. kupferner Grofchen _und Schillinge für Polen. die
Sachfen feit 1749 eifrig betrieben hatte. zu berichten. Jhre Prä-
gung hatte in Guben und in der Saigerhütte zu Grünthal an der
böhmifchen Grenze ftattgefunden und war 1755 fiftiert worden. weil
Polen damit überfchwemmt war und man fie nicht mehr hatte ab-
feßen können?) Anfang 1756 wurde die Kupferprägung in Grün-
thal aber wieder verpachtet und zwar an den Vizebergdirektor von
Gartenberg. Doch follte er den erhofften Gewinn nur zum Teil
haben. Jm Januar 1757 bekamen die Ephraim Wind davon und
meldeten es Borcke. der vorfchlug. obgleich nun Gartenberg monat-
lich 600 Rtlr. Schlagfchaß geben wollte. ihm die Münze abzunehmen.
weil er das Werk verheimlicht hätte und Grünthal nahe der Grenze
nicht genügend überwacht werden könnte. Sie fei nach Dresden zu
übertragen und an die Ephraim zu verpachten. die jährlich 12000 Rtlr.
Schlagfchaß geben wollten. Der Kontrakt über die nach Dresden
und Leipzig zu verlegende Kupfermünze ift wahrfcheinlich zuftande
gekommenÄ) Denn am 1. Februar 1757 wurden Gartenberg in
Grünthal Kupfer für 7000 Rtlr. und die Mafchinen konfisziert und
nach Dresden gefchafft.4) Bald darauf wurde er felbft arretiert. doch
l) Nr. 30.
2) Darüber Kirmis. Handbuch der polnifchen Münzkunde. S. 197 und unfer
Bd. ll. S. 161. .
3) Jm.-Ber. Borckes. Torgau. 19. Januar 1757. Am 3. Februar fchickte
Borcke den nicht mehr vorliegenden Kontrakt dem Könige. 11. 96. 425 1).
4) Gartenberg an Brühl. Canicz. 8. Februar 1757.
44 Erftes Buch. Zweites Kapitel.
gelang es ihm. feine Unfchuld wegen der ihm vorgeworfenen Unge-
hörigkeit der Münzunteruehmung und anderer Befchuldigungen zu
beweifenl) Sein Kupfer aber hat er wahrfcheinlic h nicht erfeßt
erhalten.
Wieviel Kupfergrofche'n die Ephraim in Dresden und auc h in
Leipzig?) geprägt haben. ift völlig unbekannt. Solche mit den
Jahreszahlen 1756 und 1757 liegen gar nicht vor. fie haben die
Stempel früherer Jahre benußt und erft 1758 folche mit dem wirk-
lichen Entftehungsjahr anfertigen laffen.3)
1) Als nac h der Schlacht bei Kolin die Laudonfchen Truppen das füdliche
Sachfen befeßten. gelang es Gartenberg unter ihrem Schuß 7091 Mark Freiberger
Brandfilber über Prag nac h Wien zu fchaffen. wo er es in öfterreichifches Geld
verniünzen ließ. Da war feines Bleibens in Sachfen natiirlich nicht länger. -
Später fchrieb Eichel über ihn an den Minifter Graf v. Finckenftein (23. Mai
1760) wohl nicht ganz zutreffend: er fei nac h den Zeitungen jüngft zum Ober-
bergdirektor befördert worden. Er habe bei der Kupfermünze fo viel gewonnen)
daß er „als vorhin fchlechter Menfc h und armer Laquais" fic h bei Wittenberg ein
oder zwei beträchtliche Güter habe kaufen können. Polit. Corr. Bd. 19) S. 369.
2) Daß fie auc h in Leipzig geprägt wurden) geht aus einem Gefuc
h
der Ephraim) Leipzig) 11. Juni 1757) hervor) es möchte die Glogauer Kammer
angehalten werden) ihre in Leipzig geprägten Thmpfe und Kupfergrofchen frei-
zugeben und über die Grenze zu laffen (f. oben S. 35)) im Preußifchen nehme
leßtere ja niemand. A. B. lil. 11. 17. 31. l7.
3) S. Münzbefchreibung Nr. 1831-1834. Wenn fie in den Akten oft
Schillinge genannt werden) fo war das irrig. es waren 3 Schillinge geltende
Grofchen.
Dritter. CKapitel'. -
Der allgemeine Abgang vom (Zraumanfchen Wünzfuße
(759-1765.
Jm Jahre 1758 hat der Schlagfchaß der preußif>1en Münz-
ftätten. da Cleve. Aurich und Königsberg weggefallen waren.
1 Million kaum überfchritten)) Dazu kamen aus der Dresdener
Münzftätte über 1 Million.2) aus der Leipziger wohl mindeftens
ebenfoviel. Diefe 3 Millionen genügten aber nicht mehr. Unter
den Mitteln. die pekunären Bedürfniffe für den Feldzug von 1759
ficher zu ftellen. fpielte die Erhöhung des Schlagfchaßes eine be-
deutende Rolle.
Die Veränderung wurde dadurch vereinfacht. daß. wie be-
merkt. Herz Mofes Gumperts Ende 1758 ftarb und es Ephraim
gelang. deffen beide Gefellfchafter Jfaac und Jßig für fich zu ge-
winnen. Damals war auch Reßow geftorben; in deffen Stelle trat
der Geheimrat Köppen. der Rendant der Generalkriegskaffe. mit
dem der König die ganzen Beratungen über die Geldbedürfniffe
und deren Deckung führte. Köppen war es auch. der fortan die
Kontrakte mit den Münzlieferanten zuftande brachte.
Wenn man gefagt hat. die Verfchlechterung der Silbermünzen
habe erft Ende 1758 begonnen. fo ift das nicht richtig. Denn ab-
1) In einem Schreiben vom 1. Juli 1758 fagt Grauman. der Schlag-
chaß der preußifchen Münzftätten betrage „nach zuverläffigen Nachrichten“ 4 bis
500000FR'tlr. in 4 Monaten. 1D. 96. 408 14). - Nach einer Berechnung betrug
der-der Berliner Münze für das Jahr 1758 feit dem 1. Februar etwa 376 000 Rtlr.
11.111. B. Nr. 28. 1. .
'4) S. S. 42. Die Angabe bei Kofer. Finanzen S. 344. der Schlagfchaß aus
den"- fächï¬fchen Münzen habe 1758 400000 Rtlr. betragen. ift alfo nicht aufrecht
zu erhalten.
46 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
gefehen von den fächfifchen und polnifchen Sorten. fo haben. wie
bemerkt. auc h die 8-Gr.-Stücke mit preußifchem Stempel feit dem
1. April 1758 einen 19-Rtlr.-Fuß überfchritten)) Aber fo viel ift
gewiß. daß diefe Abweichung vom Graumanfchen Fuß fich bezüglic
h
der preußifchen Kurantmünzen nur auf die Dresdener und Magde-
burger?) Münzftätte befchränkt hatte. Allerdings find in Berlin
und wohl auc h in Breslau 1758 keine preußifchen Kurantmünzen
mehr gefchlagen worden.3) Jeßt änderte fich das. Anfang De-
zember 1758 gefta'nd der König den Ephraim und Söhnen den
193/4-Rtlr.-Fu.ß zu4) und kontrahierte mit ihnen über eine Aus-
münzung von 100000 Mark Feingold in Friedrichsdor. deren
Münzfuß in demfelben Verhältnis wie jener der Silbermünzen zu
verringern wäre. alfo um 4'10/z.5) .
Diefe Friedrichsdormünzung fand in Berlin ftatt; damit wurde
jene Münze gefchaffen. die fpäter unter dem Namen der Mittel-
friedrichsdor bekannt wurde. Jhr Münzfuß war: 35 Stück aus der
15 Karat 4 Grän feinen Mark. Diefe Mittelfriedrichsdor. es wird
angezeigt fein. diefen Namen beizubehalten. obwohl fie zuerft „neue
Friedrichsdor“ genannt wurden. find durc h ihr Gepräge von den
alten nicht zu unterfcheiden. Zwar fuchten fremde Staaten. wie
Hannover. als fie erfchienen. verfchiedene Erkennungszeichen auf-
zuftellen. aber weil daneben immer weiter gute alte Friedrichsdor
gemünzt wurden. fo brauchte man diefelben Stempel für beide Arten.
Anc h durc h das Gewicht ift es nicht möglich. die eine oder andere
Sorte zu unterfcheiden. denn was die Mittelfriedrichsdor an Gold
weniger enthielten. feßte man ihnen an Kupfer zu. Wir erkennen
die Mittelfriedrichsdor nur daran. daß fie röter und dicker als die
1) Das wußte auc h Grauman. der freilic h glaubte. alle 8-Gr.-Stücke nach
191/9-Rtlr.-Fuß feien in preußifche Münzftätten gefchlagen. Kofer. Finanzen
S. 344. - (v. Kettenbrinck) des Pommerfchen Patrioten gemeinnüßiger Unterricht.
1764. S. 33. hat alfo ganz Recht. wenn er fich wundert. daß das preußifche
Edikt von 1764 die fchlechten Münzen erft vom 1. März 1759 beginnen läßt; er
meint. die Drittel mit Jahreszahl 1758. aber vom Münzfuß von 1759. müßten
die Jahreszahl 1758 fälfchlic h tragen.
2) S. oben S. 28 und 42.
3) Tabelle 1.
4) Nr. 25.
5)14;193/4-100:11;8-141.- Nr. 24.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. 47
guten find; fie .tragen die Jahreszahlen 1755. 1756 und 1757.1)
Wieviel überhaupt geprägt worden find. ift unbekannt. die fehr
große Zahl der Stempel läßt aber vermuten. daß mindeftens die
anfänglic h ftipulierte Maffe von 100000 Mark Feingold oder an
11/2 Millionen Stück zur Ausmünzung kam.
Es follten nach demfelben Fuße auch Anguftdor und Louisdor
angefertigt werden. es fcheint aber aus den fpätern Nachrichten und
den erhaltenen Münzen hervorzugehen. daß nur Mittelfriedrichsdor
und wenige Mittelauguftdor gefchlagen worden find; Mittellouisdor
werden nie mehr genannt.
So nüßlich und bequem aber auch die Goldmünzen für den
Transport und die Bezahlung der Lieferungen waren. ihre Prägung
durfte die von Silberkurant nicht zurückdrängen. Schon im Juni
1759 wurde bei der fchlefifchen Armee geklagt. die Kapitäne be-
kämen das Gold nur mit Verluft gewechfelt.i) Es mußte daher
die Produzierung von Silbergeld doc h immer an erfter Stelle ftehen.
Bald nach der Herabfeßung des Münzfußes. jedenfalls noch
im Jahre 1758. wurde die Verpachtung fämtlicher preußifchen und
fächfifchen Münzftätten an Vettel Ephraim und Söhne. Mofes
Jfaac und Daniel Jhig zur Tatfache. Alle preußifchen. fächfifchen
und polnifchen Sorten follten nach 193/4-Talerfuß ausgebracht
werden. Und zwar waren in Berlin zu münzen Taler. Halbtaler.
8-. 4-. 2-Grofchenftücke. Grofchen und Thmpfe.Z)
Die andern Bedingungen diefes nicht erhaltenen Kontrakts
fcheinen ähnliche gewefen zu fein wie die früheren: ein Remedium
im Korn von 11/2 Grän. im Schrot von 20/0. worin 'man alfo
weiter ging als vordem.4) eine Vorbefchickung von 2 Grän. Bei
der Silberlieferung waren die fremden Sorten zu einem Preife an-
1) S. Miinzbefchreibung Nr. 1652-1662. 1760. 1761. Edikt vom 29. März
1764. Z 5. - Nr. 87.
2) Ber. Sieberts (Regimentsquartiermeifter7). Landeshuth. 14. Juni 1759.
11. 96. 425 0c.
3) Es fei hier erwähnt. daß von preuß. Talern aus dem fiebenjährigen Kriege
bisher nur ein einziges Stück von 1761 (Münzbefchr. Nr. 1663). von halben noch
keins zum Vorfchein gekommen ift. Auch .Grofchen find von 1758-1762 nicht
bekannt.
*) S. oben S. 13.
48 (rt-fies Buch. Drittes Kapitel.
zunehmen. der ihrem Feingehalt im Verhältnis zu dem der Piafter
als des Hauptmünzmaterials entfprach; diefe waren zu 14 Lot
12 Grän fein angenommen worden. Wie hoch die Mark in Piaftern
bezahlt wurde. ift leider nicht angegeben.1)
Diefer Kontrakt trat wahrfcheinlich am 1. Februar 1759 in
Kraft. denn bis dahin lief der frühere mit Gumperts. Jfaac und
Jßig für die Preußifchen Münzftätten; in die Stelle des ver-
ftorbenen Gumperts war deffen Witwe getreten. mit der Jfaac und
Jßig nun abrechneten. fo daß auch fie Ende Januar 1759 vonder
Münzunternehmung zurücktreten konnte?)
Von den Akten über die Münzung des Jahres 1759 find
außer den erwähnten der Dresdener Münze alle andern fo gründ-
lich vernichtet worden. daß wir faft gar keine Kunde über diefe
Zeit haben. Nur wiffen wir. daß der in diefem Jahre ermünzte
Schlagfchaß mindeftens 5650000 Rtlr. betragen follte. wozu noch
90000 Rtlr. aus 1758 und 1759 für 260000 Rtlr. geprägten
Friedrichsdor kamen)) Er wurde aber noch etwas höher. denn nach
dem Kaffenüberfchlage vom 22. März 1760 betrug er bis zum
31. Januar 1760 6518000 Rtlr.4)
Die finanzielle Lage erforderte in den nächften Jahren einen
noch höheren Schlagfchaß. Vom 1. Februar bis 22. November
1760 betrug er 9 Millionen Rtlr.5) Der König drang nämlich
fchon im April diefes Jahres darauf. daß die Prägung forciert
würde. damit ihm der Schlagfchaß bald zukomme. Die Unternehmer
fagten _das Mögliche zu. glaubten aber fechs Monate dazu nötig zu
haben; in der Tat brauchten fie noch 7. im ganzen 10 Monate.6)
_-lpK-O. an Knöffel. Breslau. 26. Dezember 1758. lit. Z111. 1.
2) K.-O. an Knöffel. Kröncke und Studniß. Breslau. 12. und 29. Januar
1759. das Material für die Abrechnung an den König und Tauenßien ein-
zufenden. 11. 11111. 1.
3) Kofer. Finanzen S. 346. gibt dabei an. es feicn alte Friedrichsdor ge-
wefen. Diefe brachten aber noch nicht 1"/0 Schlagfchaß. es werden alfo gewiß
Mittelfriedrichsdor gewefen fein. Die betr. Notiz habe ich an der von Kofer an-
geführten Stelle nicht finden können.
4) 1e. 163. 1. 97. 98.
5) Kofer. Finanzen S. 347.
6) Jm.-Ber. Köppens. Berlin. 18. April 1760. Die Unternehmer fprachen
dabei von „Bezahlung der extraordinären 360000 Rtlr.“. Lt. 96. 409 0. Es ift
nicht erfichtlich. was damit gemeint ift.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. -49
Diefen enormen Münzüberfchuß zu gewinnen. gelang aber nur
durch weitere Münzverfchlechterung. Am 15.Januar 1760 war mit den
Unternehmern von neuem abgefchloffen worden)) Es waren die-
felben Sorten genannt wie im vorigen Kontrakt. dazu noch 17 Kreuzer
und Sechspfennigftücke. aber den Münzfuß feßte man von 193/4 auf
30 Rtlr. herab. Die genannten Sorten follten jeßt nur polnifches.
fächfifches und anderes fremdes Gepräge tragen. für die preußifchen
Kurantmünzen blieb der 193/4-Rtlr.-Fnß beftehen.
Da die fächfifchen Münzen noch immer mit der Jahreszahl
1753 geprägt wurden - erft im Laufe des Jahres 1760 ging man
davon ab -- fo war es dem Publikum unmöglich. die nach 193/4-
nnd 30-Rtlr.-Fuß gemünzten voneinander zu unterfcheiden. Dazu
wurde ihre Annahme den Kaffen verboten. während fie irn Verkehr
erlaubt waren. was begreiflicherweife höchft unerquickliche Znftände
hervorrief; darüber werden wir noch eingehend zu-reden haben.
Für die preußifchen Kurantmünzen aber wurde der 193/4-Rtlr.-Fuß
auch darum beibehalten. weil mit ihnen und mit Mittelfriedrichsdor
die Unternehmer den Schlagfchaß abführen mußten.
Der Kontrakt für 1760 nennt als herzuftellende Sorten „aller-
hand fächfifche. polnifche und andere“. Diefe „anderen" Münzen
waren fchon 1759 gefchlagen worden. denn wir hörten. daß in
Dresden vom 15. Februar 1758 bis 31. Mai 1759 an Bernburger 8-
und 4-Gr.-Stücken für über 2 Millionen Rtlr.. und zwar nach einem Fuß
von 25 Rtlr. 18 Gr. geprägt worden find. ebenfo auch Weimarer*.
Eifenacher und Stolberger Münzen?) Der Fürft von Anhalt-Bern-
burg hatte zuerft felbft eine Prägung fchlechter Münzen unter-
nommen. dann hatte Preußen fie nachgemünzt; fie follten befonders
in Kurfachfen umlaufen. während die befferen preußifchen Ull- und
lil-Mariengrofchenftücke im Brandenburgifchen zu verausgaben waren))
Noch fchlechtere derartige Sorten follten die Unternehmer alfo
1760 fchlagen. Der Kontrakt erlaubte ihnen. auch preußifche. pol-
nifche und fächfifche Kupfermünzen „wie bisher“ anzufertigen. Das
„wie bisher" kann fich nur auf polnifche Grofchen und Schillinge
1) Der Kontrakt ift nicht erhalten) fein Jnhalt erfichtlich aus Nr. 29.
2) S. oben S. 42. 43.
3) Ber. der kurfächfifchen Geh. Räte. Dresden. 14. April 1760. A. D.
1.0e. 1334. 701. l7.
sata Zoru88lea. Münzwefen 11k. 4
5() Erftes Buch. Drittes Kapitel.
aus Kupfer beziehen. die fie ja fchon 1757 hatten prägen dürfen;l)
* die leßten preußifchen Kupfermünzen waren aber 1755 entftanden.
Sachfen hatte überhaupt noch keine hergeftellt. Die Juden wollten
nun wieder Berliner Kupferdreier fabrizieren. aber nicht für
300000 Rtlr.. wie man ihnen vorgefchlagen hatte. denn das fei zu
viel. Sodann müffe ihnen ein Plaß gefchenkt werden. wo fie anf eigene
Koften eine neue Münze errichten könnten. da in der Neuen Münze
kein Raum mehr wäre. Münzgerät hätten fie in den Münzftätten
zu Bernburg. Harzgerode und im Köthenfchen. wohin es von Stettin
und Leipzig gefchafft worden fei?) Der König war damit fowie
mit dem zu zahlenden Schlagfchaß von 20000 Rtlr. einverftandenk)
Wenn jedoch Köppen fchrieb. die Juden wollten „wie früher“
20000 Rtlr. Schlagfchaß dafür geben. fo kann fich diefes nur auf
die Prägung der Kupferdreier in den Jahren 1752. 1753 und
1755 beziehen. oder auf die der polnifchen Schillinge 1757. für die
fie jedoch nur 12000 Rtlr. verfprochen hatten.
Wo die Kupferdreier zunächft geprägt worden find. ift un-
gewiß. Die Juden wollten das dem Geheimrat Köppen gehörige
Haus am Mühlendamm kaufen. der es aber nicht hergab. Erft am
14. März 1762 konnten die Ephraim melden. daß fie es erftanden
hätten. worauf ihnen erlaubt wurde.. dort die nötige Wafferftrecke
anzulegen.i) 1760 hatte das Generaldirektorium vorgefchlagen. die
Kupferdreier in Quedlinburg prägen zu laffen; diefen Plan nahm
der König aber fehr übel. indem er. wohl mit Unrecht. meinte. daß
die Münzung auf Rechnung der Äbtiffin gefchehen follte.5) Die
Dreier find jedenfalls in Berlin. wahrfcheinlich in der dritten Münz-
ftätte. die die Juden vor dem Königstore anlegten.6) gefchlagen worden.
1) S. oben S. 43. 44.
2) Jm.-Ber. Köppens. Berlin. 22. April 1760. 11. 96. 409 0.
3) K.-O. an Köppen. Schlettau. 27. April 1760. Ebenda. Siehe auch
Kofer. Finanzen. S. 347.
4) Konzefï¬on. Berlin. 2. Mai 1760. Tit. Älilll. 4.
5) K.-O. an d. Gen.-Direktorium. Lager bei Neiße. 27. Mai 1760. Gen.-
Dep. 81.11. 7a. n01. u.
6) Jmmediatvorfchlag der Unternehmer vom 5. Januar 1764. lt. 163. 1.
99. - Diefes Grundftück mit Haus hatten die Unternehmer dem Münzrendanten
Schaß abgekauft. 1796 kam es deshalb zum Prozeß zwifchen der Generalmünz-
direktion. die es für Staatseigentum hielt. und den Erben der Ephraim und Jßig.
Der allgemeine Abgang vom Granmanfchen Münzfuße 1759-1763. 51
Der König hatte fchon im April 1760 Köppen befohlen. daß.
da der Kontrakt vor Ablauf des Jahres erfüllt fein werde. dann
fofort ohne weitere Rückfrage mit den Juden auf die Hälfte des
für 1760 ftipulierten Quantums Gold und Silber von neuem kon-
trahiert werden follte. Wegen möglicher Unficherheit der Poft follte
er den Kontrakt nicht einfendeu. das könne fpäter gefchehen)) Der
fhriftliche Verkehr über diefe Dinge felbft wurde feitdem immer in
Ehiffrefchrift geführt.
Die Unternehmer machten nun aber zum erften Male ernft-
liche Schwierigkeiten. Als Köppen ihnen im Auguft die Prolongation
des Kontraktes vorfchlug. wollten fie darauf nicht eingehen.2) denn
da der Silberpreis von 19 auf 28 Rtlr.. der holländifche und ham-
burgifche Wechfel von 180 auf 3000/0 geftiegen fei. fo münzten fie
die feine Mark jeßt mit 5-6 Rtlr. Schaden aus.
Die Unternehmer fchlugen nun vor. den Silberpreis dadurc
h
herunter zu bringen. daß nac h Ablauf des Kontraktes einige Monate
gar nicht oder vielmehr nur Scheidegeld gemünzt werden möchte.
wofür fie wie bis dahin 7 Rtlr. Schlagfchaß auf die vermünzte
feine Mark zahlen wollten. Sie klagten dabei über die Schwierig-
keit des Münzabfaßes: in .Hannover) Braunfchweig und Caffel fei
auf den Verkehr mit fächfifchen Sorten Feftungsftrafe gefeßt; ihr
befter Abfaß. der bei der alliierten Armee. fei durc h den Krieg ab-
gefchnitteu. die Wege feien höchft unficher. bei Leipzig und-Lingen
habe der Feind ihnen Geldtransporte aufgehoben. die Münze zu
Leipzig ftehe jeßt ftill.
Das alles rührte den König aber nicht. Er fchrieb an Köppen
und Tanenßien. Geld fei nötig. fie follten abfchließen. wenn auc
h
nur fächfifche Drittel und Scheidemünzen gefchlagen werden müßten.''*)
Im November meinte er. die Offizinen zu Magdeburg. Leipzig.
Berlin und Breslau könnten jeßt ficher münzen. im Juni das ver-
die den-Prozeß durc h 3 Jnftanzen 1796-1799 gewannen. Man einigte fich
endlic h auf einen Kaufpreis von 12000 Rtlr.. den der Staat den Erben zahlte.
K.-O. an Heiniß vom 17. Juni 1800. Tit. ZZ. 27.
1) K.-O. an Köppen) Freiberg. 22. April 1760. Lt. 96. 409 0.. daher
auc h das Folgende.
2) Jm.-Ber. der Ephraim und Jßig) Berlin) 26. Auguft 1760.
3) K.-O. an Köppen und Tauenßien) Dittersdorf. 21.September 1760.
Jpig befand fic h wahrfcheinlic h meift in Breslau.
4*
52 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
langte Quantum fertig fein. auf 3-4 Millionen Taler Schlagfchaß
müffe es berechnet werden))
Aber der Rendant der Generalkriegskaffe erklärte. mit der
jüdifchen Art nicht fertig werden zu können; die Unternehmer wollten
nun einige Millionen der damals gemünzten Mittelauguftdor gegen
121/2 0/0 Agio an fich bringen. um damit billiger Silber einkaufen
zu können?) Erft Ende November kam man weiter. Der
Kontrakt follte vom t. Oktober 1760 bis zum 31. Januar 1761.
eventuell bis Ende Mai laufen. aber die Unternehmer wollten fich
auf die Zufage eines beftimmten Schlagfchaßes noch immer nicht
einlaffen. Sie wollten ihn auch nicht mehr in preußifchen nach
193/4-Rtlr.-Fuß gemünzten Sorten oder in den fchlechteren fächfi-
fchen. unter Anrechnung des Agio. fondern in leßteren n1 parj be-
zahlen. Sie blieben endlich bei ihrer Hanptbedingung. Goldmünzen
eintaufchen zu dürfen. wovon Köppen aber ein Verfchwinden des
Goldvorrats befürchtete. 3)
Dagegen blieb der König bei feiner Forderung: wenn die
Juden wegen der geringhaltigen Münzen. mit denen fie das Silber
bezahlten. auch etwas weniger Gewinn hätten. müffe man mit ihnen
doch nicht fo viel Umftände machen.() Bald darauf berichtete
Tauenßien. in Breslau könnten jährlich 20000 feine Mark in
Thmpfe vermünzt werden. was bis zum Juni 1761 600000 Rtlr.
Schlagfaß bringe.5) Damit war ein Ausweg gefunden.
Denn gleich darauf gelang es. den Kontrakt für das ganze
Jahr 1761 abzufchließen. indem der König den Unternehmern ge-
ftattete. fo viel Thmpfe zu prägen. wie fie wollten. und zwar nicht
3) Nr. 40. - Um wieviel leichter und billiger der Transport von Gold-
geld als der von Silbergeld war. erhellt aus folgender Notiz: Jm Jahre 1760
waren zum Transport einer 5monatigen Geld-Verpflegung von 36 Bataillonen.
36 Schwadronen Küraffieren und 2 Regimentern Hufaren. nämlich 750155 Rtlr..
nötig -
20 Wagen. wenn die Summe ganz aus Silber beftand.
11 „ „ „ „ halb aus Gold-. halb aus Silbergeld beftand.
16 „ „ „ „ zu 1/4 aus Gold-. 3/4 aus Silbergeld beftand.
4) K.-O. an Köppe Meißen. 26. November 1760.
5) Breslau. 7. Dezember 1760.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. 53
wie bisher nac h 30-. fondern nac h 40-Rtlr.-Fuß.1) Die andern zu
prägenden Sorten waren weiter nac h 30-Rtlr.-Fuß auszubringen.?)
doc h follten von den in diefem Jahre zu vermünzenden 850000 Mark
Feinfilber 10000 Mark in Scheidemünze nach 35-Rtlr.-Fuß her-
geftellt werden. wofür die Unternehmer 50000 Rtlr. mehr Schlag-
fhaß geben wollten.3)
Das wurde aber noc h geändert. Nachdem zu Leipzig im
Dezember 1760 aufgefeßten Hauptkontrakt follte der Schlagfchaß
3965000 Rtlr. betragen. was aber zunächft in 4100000 korrigiert
wurde. Dann aber follten die Unternehmer ihn auf 5 Millionen
bringen. wozu fie fic h auc h im März 1761 verftanden. indem fie
noch 1/4 mehr als im Hauptkontrakt beftimmt war. und zwar
162500 feine Mark in fächfifche Drittel und 50000 in Thmpfe zu
vermünzen fic h verbanden. Da jedoch die Thmpfe wegen deren Ver-
bots in Polen fchwer anzubringen waren. wollten fie ftatt ihrer auc
h
Grofchen oder höchftens 2-Mariengrofchenftücke nach 40-Rtlr.-Fuß
münzen dürfen. Nac h Ablauf des Hauptkontrakts wollten fie dann
noch 1025000 Rtlr. Schlagfchaß in fächfifchen Dritteln dazu zahlen.
Damit war der König einverftanden.4) Der ganze Schlagfchaß be_-
trug demnac h 4990000 Rtlr.. dazu vielleicht noc h die 50000 Rtlr.
von der im Januar ausgemachten Scheidemünzprägung.
Es muß aber im Jahre 1761 noch ein zweiter Nebenkontrakt
zuftande gekommen fein. denn die Treforakten nennen einen erften.
zweiten und dritten Kontrakt.5) und der bis zum 22. März 1762
für das Jahr 1761 gezahlte Schlagfchaß betrug 6 Million Rtlr.6)
Man hatte. um das alles zu erreichen. den Unternehmern noc
h
einige andere Zugeftändniffe machen müffen. Zunächft hielt man
ihnen. fo viel es möglic h war. die Konkurrenz fern. Wir werden
fehen. wie die Fürften von Anhalt von Preußen mit Gewalt am
1) 8 Rtlr. 1 Gr. 4 Pf. aus der 3 Lot 4 Gr. feinen Mark. Knöffel an
Wardein Graff. Berlin. 3. Januar 1761. Bahrfeldt. a. a. O. S. 2902.
2) Kontrakt fehlt. S. Nr. 41.
3) Jm.-Ber. Köppens. Magdeburg. 18. Januar 1761. am 21. vom Könige
genehmigt.
4) Jm.-Ber. Köppens. Magdeburg. 7. März 1761. lt. 96. 409 0 und Nr. 44.
5) kt. 163. l. 98.
6) Jnt-Ber. Köppens. Magdeburg. 22. März 1762. 1X. 96. 409 0. ebenfo
Koftenüberfchlag vom 27. März 1762. Lt. 163. l. 98.
54 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
".
Münzen gehindert wurden. wie 1761 die Schweriner Münzftätte mit
Gewalt aufgehoben wurde. Als man erfuhr. daß einige Magde-
burger Kaufleute in der Münze der Äbtiffin von Quedlinburg eine
Prägung unternehmen wollten und fchon einen Kontrakt abgefchloffen
hatten. wurde ihnen diefe Unternehmung fcharf verbotenI)
Sodann erwies man den Unternehmern noch einen perfönlichen
Gefallen. Ein Mecklenburg-Strelißer Jude Abraham Marcufe. der
100000 Rtlr. befaß. hatte. wie Köppen verficherte. fich dadurch fehr
um Preußen verdient gemacht. daß er die Harmonie zwifchen den
drei Münzunternehmern aufrecht erhielt. Der König gewährte ihm
daher die Niederlaffung in Berlin mit den Freiheiten chriftlicher
Bankiers. wofür er 2000 Rtlr. zahlte.2) Ein Gleiches beantragten
nun Ephraim und Jßig - Jfaac hatte fic h damals von ihnen ge-
trennt - auch für fich. Sie hätten feit einigen Jahren den Schlag-
fchaß auf 12 Millionen gebracht und über 50 Millionen Rtlr. an
Gold aus Polen. Rußland und Ungarn mit leichtem Gelde. be-
fonders Thmpfen. gezogen.3) Sie ftellten die Gewährung ihrer
Bitte als eine Bedingung für die_ Zahlung des Schlagfchaßes von
5 Millionen hin.4) Jhr Gefuch wurde gewährt.-5)
Daß fie den Schlagfchaß auf 12 Millionen gebracht hatten.
kam der Wahrheit ziemlich nahe;6) ob fie 50 Millionen an Gold
aus dem Often hereingezogen hatten. ift natürlich nicht zu beweifen.
aber foviel ift gewiß. daß fie in eigenftem Jntereffe das Gold des
Oftens aufkaufen mußten. um damit das nötige Silber billig er-
handeln zu können. Denn im Lande felbft wurde gutes Goldgeld
immer feltener. felbft die Mittelfriedrichsdor und Mittelaugufidor
1) K.-O. an den Kammerpräfidenten v. Blumenthal. vom 27. Mai 1760.
Jm.-Ber. Blumenthals. Magdeburg. 29. Mai 1760.
2) Jm.-Ber. Köppens. Magdeburg. 18. Januar 176l. K.-O. an Köppen.
21. Januar 1761. - Die Strelißer Münzftätte ftand mit der Berliner fchon
Jahre lang in einer gewiffen Verbindung. (v. Kettenbrinck). Des pommerfchen
Patrioten gemeinnüßiger Unterricht 1764. S. 32 fagt. der in Preußen 1755 be-
obachtete 152/3-Tlr.-Fuß [fo] fei der fogenannte Strelißer. denn Streliß habe diefelben
Lieferanten wie Berlin und die Graumanfche Einrichtung völlig angenommen.
3) Jm.-Ber. der Unternehmer. Magdeburg. 6. März 1761.
4) Jm.-Ber. Köppens. Magdeburg. 7. März 1761.
5) K.-O. an das Gen.-Direktorium. Leipzig. 9. März 1761. A. K. 99. b.
6) S. oben S. 48. -
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. 55
wurden begehrter. als eine neue noch fchlechtere Goldmünze ge-
fchaffen worden war.
Am 3. Juli 1758 hatte die Zahlung der englifchen Subfidieu
angefangen. Jm Jahre 1758 wurden an Gold für 1367626 Rtlr.
und an Silber für 2655388 Rtlr. geliefert. Wahrfcheinlich wurden
daraus Kriegsmünzen für 5300000 Rtlr. gemünzt. ebenfo 1759.
Jm Jahre 1760 erzielte man aus den Subfidien 6312432. 1761
10738192 Rtlr. Seit 1759 wurden fie aber nur in Gold ver-
einnahmt. indem die Berliner Bankhäufer Splittgerber und Daum *
und Friedrich Wilhelm Schüße den ganzen Betrag der Subfidien
gegen die Lieferung von 19500 Mark Feingold übernahmen)) Die
Vermünzung diefes Goldes wurde nicht Unternehmern überlaffen.
fondern gefchah auf Rechnung des Staates. 1759 und 1760
wurden daraus wohl.meift Mittelfriedrichsdor und Mittelauguftdor.
wahrfcheinlich nur wenig alte Friedrichsdor geprägt. Dann aber
gedachte der König die Subfidien in höherem Nennwert auszu-
bringen. Am 11. November 1760 teilte er Köppen mit. es habe
Jemand ein Verfahren entdeckt. Kupfer fo zu raffinieren. daß die
damit legierten Friedrichsdor weit mehr Feingehalt hätten als bis-
her: fie würden dann nicht 21/2. fonderu 4 Rtlr. wert fein. Es
follte. wenn eine Probe gut ausgefallen wäre. alles Subfidiengold
ohne Teilnahme der Unternehmer. damit legiert werden. Sofort
feien der Berliner Münzdirektor und Münzmeifter. wenn fie vor der
Jnvafion geflüchtet wären. zurückzurufen und mit ihnen geheim das
Nötige vorzubereiten. Bankier Schindler. fo fchrieb Friedrich bald
darauf. werde 4000 Pfund diefes euirre roeat beforgen; alles fei
ganz geheim zu behandeln?)
1) Kofer. Finanzen. S. 352ff.
“) K.-O. an Köppen. Meißen. 11. November 1760 (Nr. 38) und o. D.
(28. November 1760). Am 3. Januar 1761 meldete Schindler. die 4000 Pfund
„fchwedifch Kupfer r0eette" würden in 8 Tagen in Magdeburg fein.
Diefe Verwendung des euirre roent war durchaus nichts Neues. Jin
Jahre 1626 fagte ein Luxemburgifcher Falfchmüuzer. befragt. wie er die Münzen
den echten fo ähnlich mache. aus: man nimmt Weinftein und Arfenik und gießt
fie in das „euirre (1e roeete“. das dadurch fo weiß wie 3-Solftücke wird; und
wenn man diefes Kupfer dann zum Silber gießt. wird diefes noch weißer.
A. Pinchart. (juelquee pnrrieularitee nur lee nteliere (le inußeee in0unaiee an
17. eieele etc. (lnne le buxeind0urg; [terne (le ln uuraiamatigue belge. 1848.
56 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
,K
Köppen ließ Knöffel und Jafter fofort ans Hamburg. wohin
fie geflohen waren. über Magdeburg. wo er fich mit ihnen beredete.
nach Berlin zurückkehren. 1) Friedrich beorderte aber beide Beamte
zu -fich nach Leipzig. Doch wurde die Goldmünzung nicht dem
Berliner Münzmeifter Jafter übertragen. fondern dem Königsberger
Münzmeifter Nelcker. der damals Münzmeifter in Leipzig war.
Nelcker hatte eine Probe gemacht. ehe Jafter eintraf. und diefer
wurde wieder nach Berlin zurückgefchickt. Wahrfcheinlich hatte der
König zuerft vor. diefe Prägung unter feinen Augen in Leipzig
vornehmen zu laffen?) Endlich entfchied er fich doch für Berlin.
wohl weil das Werk dort ficherer und heimlicher als in Leipzig ge-
fchehen konnte; er befahl Knöffel. den Nelcker. der dazu nach Berlin
komme. dort alles nach der diefem mündlich erteilten Jnftruktion
beforgen zu laffen. Jafter folle ihn in Leipzig vertreten.3) Da die
Unternehmer diefen aber für ihre Silberprägungen nicht miffen
wollten. war der König es zufrieden. daß der Berliner Münzmeifter-
affiftent Stephani nach Leipzig gefandt würde.t)
Am 18. Januar 1761 feßte der König Köppen noch einmal
genau auseinander. was gemünzt werden follte. Es waren 2 Mill
Reichstaler in englifchem Golde vorhanden. Davon follte 1 Million
in alte Friedrichsdor vermünzt werden. die zur Bezahlung anderen
Guides. das Schickler beforgte. zu benußen wären. Aus diefem
Golde waren neue Friedrichsdor - Mittelfriedrichsdor nennen wir
fie -- herzuftellen. Aus der andern Million des Subfidiengoldes
follten 2 Millionen in Auguftdor ermünzt werden)) Friedrich ver-
fügte bald darauf noch einmal) daß aus der zweiten Million „abfolut“
2 Millionen in Auguftdor fabriziert würden.6)
x749. 50. - Die heutige franzöfifche Jnduftrie kennt den Ausdruck euirre roeette
nicht mehr) fie fagt: eiiie-re pur. claim-e roeat oder roeette war wohl nur gut
gereinigtes Kupfer. Mitteilung der Herren 1)r. H. Janfen in Berlin und
1)r. V. E. Schmitt in Paris (Redaktion des Technolexikon).
1) Nr. 40.
2) KO. an Köppen) Leipzig. 24.Dezember 1760: Knöffel und .Jafter
können wieder nach Berlin. „Die Goldmünzung foll der von Königsberg künftig
alleine unter fich habeiu auch deshalb noch etwas hier bleiben."
3) Nr. 43.
4) K.-O. an Knöffeh Leipzig. 17. Januar 1761. Lt. Z111) 1.
5) K.-O. an Köppen. Leipzig. 18. Januar 1761. lt. 96. 409 0.
6) K.-O. an Köppen) Leipzig) 10. Februar 1761.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Müuzfuße 1759-1763. 57
. Nach einer Berechnung Nelckers konnten. wenn 2 Millionen
in 11 karätigen Neuen Auguftdor gemünzt wurden. wozu 5238 Mark
l Lot 10 Grän Feingold nötig waren. aus dem Reft des Goldes.
nämlich 2052 Mark 14 Lot 8 Grän. noch 559277 Rtlr. 101/2 Gr.
in 15 Kar. 5 Gr. feinen Mittelfriedrichsdor hergeftellt werden))
Er konnte täglich 100000 Rtlr. oder 20000 Stück neue Auguftdor
prägen?)
Es ift wohl ganz gewiß. daß die 2 Millionen in neuen
Auguftdor im Frühjahr 1761 ausgeprägt worden waren. denn fchon
die Kaffenüberfchläge vom 19. und 21. März gaben an. daß
1600000 Rtlr. davon eingekommen feien.Z)
Von diefer erften Ausprägung Neuer Auguftdor haben wir
keine weiteren Nachrichten. wohl aber von einer zweiten. die vom
15. Juni 1761 bis zum 1. Juni 1762 währte.4)
Danach wurden in diefem Zeitraum die Neuen Auguftdor nicht
mehr 11. fondern nur 7 Karat 73/4 Grän fein gemünzt. und zwar
wurden aus 19498 Mark 83/4 Grän Feingold. alfo diefes Mal der
ganzen englifchen Subfidie5) und 36921 Mark 3 Lot Kupfer
10783156 Rtlr. in neuen Auguftdor geprägt. fo daß die gefamte
Ausmünzung an Neuen Auguftdor bis zum 1. Juni 1762
12783156 Rtlr. oder 2556631 Stück betrug. Es läßt fich an-
nehmen. daß auch in der zweiten Hälfte des Jahres 1762 folche
Münzen geprägt find. wahrfcheinlich aber nur für 38192 Rtlr. oder
7638 Stück.6) Jm ganzen wären alfo 2564269 Stück geprägt
worden. und überhaupt feit dem 15. Juni 1761 2964269 Stück.
Wenn der König wirklich geglaubt haben follte. daß durch das
cnirre roeat der Gehalt der Goldmünzen verbeffert würde. fo war
das natürlich ein Jrrtum. Auch äußerlich ift diefe wohl fchlechtefte
Goldmünze neuerer Zeiten von fehr häßlichem Anfehen. Die Ver-
l) Promemoria Nelckers. Berlin. 22. Januar 1761.
2) .JW-Ber. Köppens. Magdeburg. 5. Februar 1761
3) 1e. 163. 1. 97. 98.
4) Nr. 61.
k) S. oben S. 55.
6) Nach Kofer. Finanzen. S. 353. war die Ausmünzung der 3. Subfidie
(1761) 10738192 Rtlr.. alfo ziemlich unferer obigen Angabe entfprechend. die
der 4. ergab 1762 noch 38192 Rtlr. (S. 357).
58 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
legenheiten. welche durc h fie der Bevölkerung erwuchfen. werden
wir fpäter eingehend zu betrachten haben.
Das Jahr 1761 war noc h in anderer Weife ein münzgefchicht-
lic h intereffantes. Kofer hat kurz von der Gefahr erzählt. in der
damals die Unternehmer fchwebten. ihr Hauptabfaßgebiet zu ver-
lieren)) Sie nannten Polen die Hauptftüße ihres Münzwefens
und meldeten im Frühjahr 1761. daß Briefe aus Königsberg und
Danzig. ebenfo ein Verbot fremder Szoftake in Polen. davor
warnten. zu viel polnifches Geld zu fchlagen. fonft liefe man Gefahr.
es alles wieder einfchmelzen zu müffen. Das einzige Mittel) die
Prägung fortzufeßen. fei die Herftellung gangbaren Geldes für
Deutfchland. wobei die andern fürftlichen Lieferanten immer im Vor-
teil vor ihnen wären?) Deshalb war ihnen die Herftellung deutfcher
Sorten nac h 40-Tlr.-Fuß erlaubt worden (f. S. 52. 53).
Jn der Tat begannen die fchlechten Thmpfe nachgerade in
Polen böfes Blut zu machen. zumal da fie nicht nur von Preußen.
fondern auc h von der eigenen Regierung hergeftellt fein follten.
Es erfchienen nämlic h im Herbft 1760 in Warfchau fehr fchlechte
Thmpfe mit der Jahreszahl 1754. die faft ganz aus Eifen waren.
einer wurde ftatt 38 nur 7 polnifche Grofchen wert gefchäßt. Es
verbreitete fic h das Gerücht. fie feien unter Gartenbergs Verwaltung
in Zips gefchlagen worden.3) manche behaupteten das. wie der
preußifche Gefandte in Warfchau. Benoit fchrieb. „a vor er a eri.“
Darüber zeigte fic h nun Brühl empört. ließ in die Warfchauer
Zeitung feßen. jene Thmpfe ftammten weder aus Sachfen noch aus
Zips. und lenkte fo den Verdacht auf Preußen. Wenn er aber
gegen Benoit äußerte. es feien Erzkanaillen. die behaupteten. diefe
Thmpfe feien in Zips gefchlagen. fo antwortete diefer. es feien Erz-
fpißbuben. die ihre Eutftehung nac h Preußen verlegten. Ju einem
Jnferat der Breslauer Zeitung vom 24. Dezember wurde dann ge-
i) Kofer) Finanzen) S. 348-350.
2) Reflexion der Unternehmer o. D. (Anfang März 1761). 11. 96) 409 (7.
3) Später wurde Gartenberg wegen Prägung falfcher Thmpfe verklagt) floh
deshalb nach Sachfen) wurde hier aber nach dem Tode Friedrich Augufts auf den
Königftein gefangen gefeßt. Sehr wahrfcheinlic h waren es unfere Zipfer Thmpfe.
um die es fic h dabei handelte. Kirmis) S.204. Ebenda auc h die weiteren
Schickfale diefes gewandten Mannes.
Der allgemeine Abgang vom Granmanfchen Münzfuße 1759-1763. 59
-fagt. jeder müffe doch das Lächerliche der Behauptung einfehen. das
preußifche Fuhrleute fo fchlechte Münzen bei den polnifchen Kaffen
hätten anbringen können))
Wie dem aber auch war. jene eifernen Thmpfe find in Bres-
lau oder einer andern preußifchen Münzftätte jedenfalls nicht ge-
fchlagen worden. da damals in Preußen noch der 30-Tlr.-Fuß für
die Thmpfe beftand. Mißtrauen aber hatten fie erregt: vom
12. Anguft 1761 datierte ein großes Warfchauer Münzedikt des
Krongroßfchaßmeifters Theodor von Weffel. der darin. wie es fchon
durch ein Univerfale des litauifchen Kronfchaßmeifters gefchehen war.
die Reduktion der fremden Münzen verfügte. Die Tarifierung war
im ganzen eine richtige. dem Feingehalt entfprechende.ö) Befonders
war die Herabfeßung der polnifch-fächfifchen von Preußen ge-
fchlagenen Thmpfe von 38 auf 15 Grofchen nicht falfch. da wir
wiffen. daß fie von einem 16- allmählich auf einen 40-Tlr.-Fuß ge-
|) Beri>1te Benoits. Warfchau. Dezember 1760. an den König und
Schlabrendorff. A. B. 16. 11. 17. 31. 7. - Nr. 42.
2) Wir geben hier den Jnhalt kurz an. weil wir fo auch erfahren. welche
Sorten damals. befonders in Polen. umliefen. Die Grundlage. die eigentliche
Währung. bildeten die alten polnifchen und die bis 1751 in Königsberg gemünzten
Thmpfe zu 38 Grofchen. Danach wurden valviert: die fächfifchen Thmpfe 1753
bis 1756. die ruffifchen und die preußifchen mit polnifchem Thp 1755 und 1756
auf 35 Gr.. die Danziger von 1759 nnd 1760 auf 33. die preußifchen feit 1752
geprägten auf 30 Gr.. endlich die polnifch-fächfifchen von Preußen geprägten auf
15 Gr. Von Szoftaken wurden die fächfifchen und preußifchen mit ('- 1753-1756.
fowie die ruffifchen 1759. 1760 auf 11. die Danziger auf 10 Gr. valviert. Die
unlängft erfchienenen Düttchen wurden ganz verboten. - Sodann wurden die in
Polen Doppelgulden genannten 8-Grofchenftücke herabgefeßt. Die bis 1758 nach
Granmanfchem Fuße geprägten und gerändelten behielten die Geltung von
2 Gulden oder 60 Grofchen; ebcnfo galten die bis 1755 gefchlagenen 1/6-Taler
und ill-Mariengrofchen. fowie die bis 1757 in Cleve und Aurich geprägten (0 1))
weiter 30 Grofchen. Auf 48 Grofchen feßte man /die Drittel von Berlin (.4) 1759.
Dresden (kein Buchftabe) 1758. 1759. und Magdeburg (14') 1759. auf 46 die Bres-
lauer (13) 1759 und die Zll-Mariengrofchen 1759. Die 1/6-Taler von Berlin.
Breslau. Magdeburg (11. 13. 14') 1756-1759 reduzierte man auf 22. die ill-Marien-
grof>1en1758 auf 26 Gr. Unverftändlich ift. daß weiterhin gefagt wird. die bis
1755 gcmünzten 1/6-Taler follten nur 15 Gr. gelten; gewiß muß es heißen: „die
bis 1755 gemünzten Zwölftel“. - Vgl. Münzbefchreibung. befonders das Kriegs-
geld. - Warfchau. 12. Auguft 1761. Überfeßung ins Deutfche. 11. 96. 409 0.
Die Erlaffe Weffels in polnifäjer Sprache bei J. Zagorski. monat)- (lau-nei
roma et0. Warfchau 1845. p. 171-177.
6() Erftes Buch. Drittes Kapitel.
funken waren. Man kannte in Polen von diefem flachen und un-
förmlichen Gepräge 10 Arten und fandte Blechabfchläge den Zöllen
und Gerichten. Zum Schluß erging man fic h in dem bekannten
hochtrabenden polnifchen Staatsftil über das Wohl des Vaterlandes.
ftrenge Beftrafung der zuwiderhandelnden Übeltäter.
Der erfte. der diefem Edikt entgegen handelte. war der Kron-
fchaßmeifter felbft. Sein „Hofjude“. ein gewiffer Jfaak Jakob
von Pilß. fchrieb dem Breslauer Münzjuden Heumann. Weffel wolle
aus Ehrfurcht vor dem Könige von Preußen alles tun. daß es bei
der alten Geltung der Thmpfe bleibe und auf den Grenzen bei
ihrer Einfuhr keine Revifion ftattfinde. Er benötige dazu aber
8000 Dukaten. nicht für fich. fondern um denen die Mäuler zu
ftopfen. die deswegen fo viel Unruhe erregten. Würde man ihm
die 8000 vollwichtigen Dukaten nicht zahlen. fo würden die Thmpfe
beftimmt nicht länger in Polen hineingelaffen werden. Wenn iin
März 1762 endlic h die Thmpfe wieder auf ihren alten Wert ge-
feßt feien. dürfe er wohl auf die ihm verfprochene Donation hoffen.1)
Die 8000 Dukaten wurden Weffel fofort von den Juden ge-
zahlt.2) die Donation betrug außerdem 80000 Rtlr.. fo daß er im
Ganzen durch diefen unfaubern Handel 100000 Rtlr. gewann.3)
Weffel ließ fic h noch entfchuldigen. daß er nicht felbft gefchrieben
habe. aber wenn der Brief von den Kofakeu aufgefangen würde.
gehe es ihm an Ehre und Leben.4)
Ãœbrigens war das Edikt in Polen felbft auf heftigen Wider-
ftand geftoßen: aus allen Teilen der Republik liefen Protefte ein;
der Sieradfche Adel erließ ein Manifeft. in dem das Edikt an-
nulliert wurde. denn die Reduktion hätte früher gefchehen müffen.
'nicht erft. nachdem Millionen über Millionen des fchlechteu Geldes
eingeführt worden feien. So erließ denn Weffel am 19. Oktober
1761 ein neues Patent. in dem er fagte. unter den Thmpfen feien
doch_ auc h viele beffere. z. B. die fogenannten Breslaufchen. die fort-
1) Nr. 45.
2l) Meldung der Ephraim. Magdeburg. 22. November 1761.
iz) Mitteilung Schlabrendorffs. Breslau. 16. November 1761.
4) Nr. 46. - Garantiefchein Schlabrendorffs (Konzept) in A. B. dll. 11. 17.
31. l7. worin diefer dafür fteht. daß Graf Weffel die 100000 Rtlr. binnen einem
Jahre in vier Quartalen erhalte. wenn er die Thmpfe wieder in Polen zum
Umlauf bringe.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Miinzfuße 1759-1763. 61
an wie in Lithauen 2 Szoftake oder 25 Grofchen 1 Schilling gelten
follten)) Dies ftimmte zwar infofern nicht. als der lithauifche Groß-
fhaßmeifter es im Gegenteil am 17. Februar 1762 bei der Tari-
fierung der Breslauer auf l5 Grofchen beließ. aber für Polen blieb
es doc h bei Weffels Befehl2)
Um fic h aber. bis die Wiederannahme der Thmpfe in Polen
durchgefeßt fei. fogleic h zu helfen. fchlug Schlabrendorff vor. die in
Polen nur fehr wenig herabgefeß_ten ruffifchen und Danziger Thmpfe
uachzuprägen. und zwar fchnell. da man diefe Münzforte zum Getreide-
kaufe in Polen unumgänglic h nötig habe; das fei das einzige Mittel.
aus der Verlegenheit zu kommen. Weffel felbft halte das für gut.
nur müßten diefe Thmpfe nicht unter der Hälfte ihres jeßigen Fein-
gehalts ausgebracht werden. Und dann fei eine reine gute Prägung
niht genug anzuempfehlen; die elende der Auricher und Berliner
Thmpfe habe in Polen den meiften Spektakel erregt. denn faft kein
Gepräge wäre kenntlic h und viele Stücke auf einer Seite blind;
wegen ihrer befferen Prägung hätten die Breslauer Thmpfe 100/0
mehr gegolten. Schlabrendorff bat noch. ihn gegen Tauenßien nicht
als Urheber diefes Vorfchlages zu nennen. damit diefer nicht denke.
er trachte nac h der Münzdirektion. wovor ihn Gott behüten folle.3)
Sofort geht Friedric h darauf ein und befiehlt. in Magdeburg.
Breslau und Berlin mit aller Force Tag und Nacht ruffifche und
Danziger Thmpfe anszumünzen. Ju Breslau foll fofort über einige
100000 Rtlr. Schlagfchaß aus diefer Prägung abgefchloffen werden.
Gutes Gepräge wird eingefchärft.4)
Schon am 18. November 176l konnte Tauenßien melden. daß
znnächft die Prägung von Szoftaken eifrig betrieben werde; er fchlug
vor. etwa 100000 Mark fein in Thmpfe nac h 40 Min-Fuß zu ver-
münzen.5) Am 30. November waren die Matrizen für die ruffifchen
und Danziger Thmpfe fertig. Tauenßien wollte auc h die alten
1) Alle bis 1760 geprägten fächfifchen und preußifchen Szoftake follten
12 Gr. 2 Schilling gelten.
2) A. B. n. n. 17. 81. i7.
3) Nr. 46.
4) K.-O. an Tauenßien. Strehlen. 17.November 1761. abgedruckt bei
Preuß. Urkundenbuch 7. B.. S. 139-141.
l') Jm.-Ber. Tauenßiens. Breslau. 18. November 1761.
62 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
fächfifchen von 1753 mit '1' nachmünzen. was der König „ganz gut“
nannte))
Damit war die Gefahr des behinderten Münzabfaßes in Polen
abgewendet; fofort aber begann wieder das Feilfchen um den 1762
zu zahlenden Schlagfchaß. Es war ja gewiß. daß die Unternehmer
ganz bedeutende Unkoften hatten. Mit der Summe von 100000 Rtlr.
für den polnifcheu Kronfchaßmeifter war es lange nicht getan. Sie
gaben an. daß fie jährlich für Präfente nach Polen 1500000 Rtlr.
nötig hätten. und der preußifche Gefandte v. Borcke in Kopenhagen
bezeugte. daß fie die Hemmung der Münze zu Rethwifch bei Plön
mit einer Sendung von 250000 Rtlr. nach Dänemark erkauften
oder erkauft hätten. Wenn fie ferner angaben. das jährlich nötige
Kupfer kofte fie 800000 Rtlr.. die Affekuranz für die Metalle
400000. Transport derfelben fowie Unkoften und Gehälter
600000 Rtlr..2) fo war das gewiß übertrieben. groß waren ihre
Unkoften aber ohne Zweifel. Jndeffen doch nicht fo groß. daß fie
nicht noch ein Erkleckliches erübrigten. Denn troß vielen Lamen-
tierens fügten fie fich doch endlich den Forderungen des Königs.
Zuerft fagten fie. in dem damals ruffifchen Königsberg und
in Danzig feien nur 1 oder 200000 Rtlr. in polnifchen Sorten.
und zwar viel beffer als in den preußifchen Münzftätteu geprägt.
Die Ruffen würden fich wegen des Mißbrauchs ihres Stempels an
ihnen rächen. Ju Mecklenburg. Stralfund. Plön und Hildburg-
haufen münze man dagegen die Drittel um 30 bis 400/0 fchlechter
als die fächfifchen. und kaufe das Silber zu dem enormen Preife
von 34 Rtlr. weg.3) Der König glaubte aber nicht an ihre Nöte;
die vorgegebene Furcht wegen des nachgemünzten ruffifchen Stem-
pels fei frivol. Beifpiele für folche Nachprägung feien aus früheren
Kriegen vielfältig vorhanden.t) Gegen das Eindringen fremder -
1) Jm.-Ber. Tauenßiens. Breslau. 30. November 1761. - Stempel der
Danziger. ruffifchen und '1'-Thmpfe f. Münzbefchreibung Nr. 1841. 1842. 1861
bis 1876. .
Z) Zettel o. D.
3) Die Unternehmer an Tauenßien. Magdeburg. 24. November 1761.
4) Dennoch war die Furcht der Unternehmer groß; Köppen fchrieb am
6. Dezember 1761 dem Könige. fie wollten fofort nach Breslau. wenn fie es mit
Sicherheit könnten. denn fie „fürchten fich ganz ungemein vor perfönlicher Nach-
ftellung und Aufhebung".
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. 63
Sorten follten aber das Geueraldirektorinm und Feldkriegsdirektorium
mit Köppen und Tauenßien Maßregeln beraten)) Da Köppen
600000 Rtlr. in fchlechten fremden Sorten vereinnahmt hatte. fo
wurde auch der Herzog Ferdinand von Braunfchweig erfncht) diefe
Sorten bei der alliierten Armee zu verbieten?)
Der König drängte unterdeffen fortwährend auf Abfchließung
des Koutrakts; obgleich die Unternehmer fagten. fie könnten nicht
unter 40 Rtlr. ansmünzen. da die Berliner Conrtiers einen Siber-
preis von 30 Rtlr. atteftierten.3) fo verlangte Friedrich die pofitive
Erklärung. ob fie unter Beibehaltung des 30-Rtlr.-Fußes für die
fächfifchen Drittel den erforderlichen Schlagfchaß zahlen wollten oder
nicht. Sie könnten und müßten es.4)
Da erklärten fie denn. 3 Millionen Rtlr. Schlagfchaß zahlen
zn wollen. aber unter dem Könige fehr nnwillkommenen Be-
dingungen?) Wenn der Hauptkontrakt für 1761 die zu ver-
münzende Quantität Feinfilber auf 850000 Mark mit 4100000 Rtlr.
Schlagfchaß gefeßt hatte. fo follte fie 1762 nur 700000 Mark mit
3 Millionen. aber binnen 6 Monaten zu zahlendem Schlagfchag)
betragen. Die fächfifchen Drittel wollten die Unternehmer zu 35.
die Thmpfe zu 40 Rtlr.. die anderen fremden Sorten zu 40 bis
43 Rtlr. prägen. Sie verlangten. daß die fächfifchen Grofchen
weiter von den königlichen Kaffen genommen würden. die Bern-
burger 8- und 4-Grofchenftücke wenigftens im Verkehr gültig feien.
Kupfermünzen fowie 1- und 2-Mariengrofchen und Stüber wollten
fie weiter prägen. alle diefe Sorten nach 40-Rtlr.-Fuß.
Den Schlagfchaß wollten fie mit fächfifchen Dritteln bezahlen.
doch diefe frei. ohne Schlagfchaß prägen dürfen. oder es follten
die 3 Millionen in Neuen Auguftdor gemünzt werden nach dem
1) K.-O. an Köppen und Tauenßien. Strehlen) 29. November 1761.
2) Eingabe der Ephraim und Jyig. Berlin. 14. Dezember 1761. Schreiben
an Ferdinand von Braunfchweig) Breslau) 21. Dezember 1761. - Am 16. De-
zember 1761 baten die Unternehmer. fämtlicheu Armeechefs zu befehlen) daß die
Kontribution fortan nur in preußifchen) fächfifchen und bernburger Silbermünzen
fowie in Gold. den Dukaten zu 6. den neuen Friedrichsdor zu 7. den alten zu
10 Rtlr. gerechnet. angenommen würde. Ob das gefchah. ift nicht erfichtlich.
3) Jnn-Ber. Köppens vom 18. Dezember 1761.
4) K.-O. an Köppen) Breslau. 26. Dezember 1761.
5) Nr. 47.
64 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
Fuß des Vorjahres. Auch wenn die Wege unficher wären. wollten
fie den Schlagfchaß in diefen Goldmünzen abführen dürfen. Sie
verpflichteten fich auch. zum Beften der Bevölkerung Silbermünzen
nach dem 193/4-Rtlr.-Fuß und Mittelfriedrichsdor herftellen zu
laffen. Jm Fall der Reduzierung der neuen Sorten. wie fie mit
den fächfifchen Thmpfen und fremden Szoftaken in Polen fchon vor-
genommen fei. follte deren Ummünzung in fächfifche Grofchen oder
unter Verkauf des darinfteckenden Silbers gegen Gold in neue
Auguftdor ohne Erlegung eines Schlagfchaßes gefchehen. Endlich
verlangten fie wieder den Plaß für eine neue Berliner Wafferftrecke
und die darauf auf ihre Koften zu errichtenden Gebäude zum
Eigentum.
Der König w'ar über die meiften diefer Forderungen äußerft
ungehalten. und Köppen bekam zu hören. daß er zu „faible“ fei.
der König verftehe in diefen Dingen gar keinen Scherz; der neue
Kontrakt müffe ganz wie der alte fein; Köppen folle den Juden
nur fagen. daß man über die Silberlieferung fchon mit andern
Kaufleuten verhandle)) Ob das der Fall war. wiffen wir nicht.
es ift aber fehr wahrfcheinlich. daß man andere Unternehmer wohl
bekommen hätte. da fchon 1758 Grauman fich verbindlich gemacht
hatte. chriftliche Münzlieferanten zu beforgen. die unter billigeren
Bedingungen hatten abfchließen wollen als die Juden?)
Jedenfalls half die Drohung. Nachdem der König Köppen
mitgeteilt hatte. daß er auf 4. noch beffer 6 Millionen Schlagfchaß
abfchließen müffe. wobei die Einzelheiten feiner Gewiffenhaftigkeit
überlaffen werden follten. daß aber alle Sorten. die fchlechter als
nach 30-Rtlr.-Fuß gemünzt würden. kein Kaffengeld fein dürften.
und die in Breslau zu prägenden Thmpfe derartige fein mußten.
daß fie in Polen nicht reduziert würden.3) kam der Kontrakt zu-
ftande. Freilich hatte Köppen fchon Gewalt anwenden und fo viel
von dem Silber der Juden in der Magdeburger Münze befchlag-
nahmen müffen. daß davon noch im Januar 1/2 Million Rtlr.
Schlagfchaß zu erheben waren. Die Bitte der Unternehmer. die
Bernburger 4-Gr.-Stücke in Preußen kurfieren zu laffen. fchlug
l) K.-O. an Köppen. Nr. 48 uud vom 26. Januar 1762.
2) Jm.-Ber. Graumans. Berlin. 13. Juni und 1. Juli 1758. 11. 96. 408 1K.
3) Nr. 49.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. 65
Friedric h rund ab.1) Doc h befahl er dem Generaldirektorium gegen
falfche Sorten 'fcharf vorzugehen. da die Unternehmer geklagt hatten.
daß nac h Knöffels Anzeige in Berlin falfche preußifche Drittel nac
h
55 Rtlr. 9 Gr.- und falfche fächfifche Drittel nac h 79 Rtlr.-Fuß.
alfo faft ganz kupferne. kurfierten?)
Der mit Ephraim und Jßig im Februar 1762 abgefchloffene
Kontrakt. enthält folgende Punkte. Die Unternehmer follten
200000 Mark Feinfilber in fächfifche Drittel nac h dem bisherigen
30-Rtlr.-Fuß vermünzen. Nac h 40-Rtlr.-Fuß waren in Thmpfe
und fremde Sorten 650000 Mark zu verarbeiten. An Thmpfeu
aber brauchten fie doc h nur foviel herzuftellen. als der König ihnen
abnehmen und fie felbft auswärts abfeßen könnten. Unter den
fremden Münzen waren auc h neue Auguftdor begriffen. _deren
Prägung der Staat nun anc h ihnen überließ. Die andern fremden
Sorten follten kein Kaffeugeld fein. fondern wie die polnifchen
außerhalb des Landes veransgabt werden.
Der Schlagfchaß wurde wie der im vorjährigen Hauptkontrakt
auf 4100000 Rtlr. gefeßt. die von ihnen gemachten Bedingungen
über deffen Zahlungsart geftand man zu.3) Sie wollten alles mög-
liche tun. den Schlagfchaß auf 6 Millionen zu bringen. doc h ver-
langten fie auc h Nachficht) wenn Münzftätten außer Betrieb kämen.
Bei der Ansmünzung nach 193/4--Rtlr.-Fuß war kein Schlagfchaß
zu erlegen. Die ihnen von den Kaffen zu übergebenden fremden
fchlechten Sorten hatten fie in neue Auguftdor oder fächfifche Grofchen
umzutaufchen. wogegen fie für Ummünzung der von Polen redu-
zierten Thmpfe keinen Schlagfchaß bezahlten. Der Plaß endlic h für
die Wafferftrecke war ihnen anzuweifen und die dort errichteten.
Gebäude wurden ihr Eigentum.4)
Jndem der König noch Köppen befahl. den Unternehmern bei
Androhung fchwerer Verantwortung einzufchärfen. daß fie keine
1) Nr. 50.
i) Jm.-Ber. Köppens) Magdeburg. 6. Februar 1762. - K.-O. an das
Generaldirektorium) Breslau) 11. Februar 1762.
3) S. oben S. 63) 64. - Sie durften außerdem für fich felbft. ohne Er-
legung eines Schlagfchaßes) ein gleiches Metallquantum. als in diefen 4 100000 Rtlr.
fteckte. in neue Auguftdor oder fächfifche Grofchen vermünzen.
4) Nr. 52.
.4cm Karner-tier.. Münzwefen. 1]l. 5
66 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
Bernburger oder andere fremde fchlechte Sorten in die Kaffen ein-
brächten. und befonders die fächfifchen Drittel und andere beffere
Sorten nicht verdrängt oder eingefchmolzen würden. ließ er ihn den
Kontrakt ratifizieren. 1)
Nach diefem Kontrakt wurde das Jahr 1762 über in Berlin.
Magdeburg. Breslau und Leipzig fowie Aurich -gemünzt und
4900333 Rtlr. Schlagfchaß gewonuenÖi) Wir hören noch. daß in
Berlin. Breslau und Leipzig ftatt der bisher geprägten fächfifchen
Grofchen. Doppelgrofchen von gleichem Gehalt gemünzt werden
follten.i) die außer in der Provinz Preußen bei allen Kaffen zn
gelten hatten. aber nicht in Wechfelzahlung. auch follte feit Juli mit
der Prägung des Bernburger Geldes möglichft angehalten werden.4)
Jedoch waren. wie wir fpäter zeigen werden. die Doppelgrofchen
fchlechter als die Grofchen. und ging die Bernburger Prägung mit
ungefchwächten Kräften bis zum 1. März 1763 weiter.
Die Berechnung über die Ausmünzung im Jahre 1762. d. h.
bis Ende Februar 1763. wurde kompliziert. Wie wir fehen werden.
wurde am 17. Dezember 1762 ein neuer Kontrakt abgefchloffen.4)
der einen befferen Münzfuß fchnf. Weil man damals mit den für
1762 beftimmten Quantitäten nicht fertig geworden war. auf den
Schlagfchaß aber nicht verzichten wollte. fo wurde in dem Kontrakt
beftimmt. wie es mit dem von 1762 ftammenden Reft zu halten fei.
Man fagte den Unternehmern nämlich zu. daß fie den Rück-
ftand an auszumünzenden fächfifchen Sorten in den nächften drei
Monaten fchlagen dürften. und wenn noch ein Reft wäre. diefeu in
Grofchen nach dem neuen 25-Tlr.-Fuß. Dafür waren 1450000 Rtlr.
Schlagfchaß zu entrichten. die fie mit neuen Auguftdor und fächfi-
1) K.-O. an Köppen. Breslau. 28. Februar 1762.
i) Es wurden alfo 800333 Rtlr. mehr Schlagfchaß gewonnen. als im
Kontrakt ausgemacht war. Woher diefes Mehr ftammte. wiffen wir nicht. Nur
von 100000 Rtlr. haben wir Nachricht (f. S. 67). Daß die 200000 Rtlr. wegen
der Königsberger Prägung. wie Kofer annehmen möchte. dazu gehören. könnte
wohl fein. obgleich fie erft am 22. Januar 1763 begann. Kofer. Finanzen. S. 351.
3) Seit dem 2. Juli 1762. Denn da die Berliner Wardeine fie probieren
und ihren Gehalt an diefem Tage atteftieren. fcheinen fie bis dahin in Berlin
nicht gefchlagen zu fein. Tit. 11711. 15. Münzbefchr. Nr. 1803-1807.
4) Nr. 56.
Der allgemeine Abgang vom Graunianfchen Münzfuße 1759-1763. 67
fchen Doppelgrofchen abtragen durften. Der Schlagfchaß für 1762
wurde dann richtig folgendermaßen bezahlt:
1794000 Rtlr. in fächfifchen Dritteln.
1896000 „ „_ „ 2- und 1-Grofchen.
410000 .. „ neuen Auguftdor
4100000 Rtlr..
ferner 100000 Rtlr. wegen erlaubter Bezahlung der leßteu
1450000 Rtlr. mit fächfifchen Doppelgrofchen und neuen Auguftdor.
ftatt mit fächfifchen Dritteln))
Nac h einer Schlußberechnungk) waren in diefem leßten Jahre
1762 bis zum 1. März 1763 zu vermünzeu:
nac h 30-Tlr.-Fuß 200000 Mk. f..
es wurden aber
nur vermünzt „ „ 100740 „ „ 4 L. 8 Gr.
demnach Reft: 99259 Mk. f. 11 L. 10 Gr.
nach 40-Tlr.-Fuß 849615 Mk. f. 3 L. 3 Gr.
es wurden aber
nur vermünzt „ „ 640286 „ „ '7 „ 2 „
demnac h Reft: 209328 Mk. f. 12 L. 1 Gr.
Diefe beiden Reftfummeu betrugen in Geld 11350941 Rtlr.
19 Gr. 4 Pf. und durften 1763 und 1764 in preußifche Grofchen
nac h 25-Tlr.-Fuß vermünzt werden. was nicht mehr als 448419 Mk.
5 L. 8 Gr. fein an Material verlangte. Da nun aber. wie wir
fehen werden. feit dem 1. März 1763 die Herftellung der Sorten
nach dem neuen Fuß die M-ünzftätten ganz in Anfprnc h nahm. fo
blieb nac h der endgültigen Decharge vom 24. Mai 1764 jenes Reft-
quantum von 1762 bis auf die geringe Summe von etwa 3000
Mark ganz ungemünzt. obgleic h der volle Schlagfchaß im voraus
bez'ahlt worden war.
Wie oben angeführt. war die Summe des nach den Berec-
h-
nungen auszuprägenden Feinfilbers in Sorten nach 40-Tlr.-Fuß
849 615 Mark 3 Lot 3 Grän. während der Kontrakt nur 650000 Mark
angegeben hatte. Dies theoretifche- Mehr war verurfacht worden
M90.
2) Berechnung mit Ephraim und Jßig. Berlin. 24. Mai 1764; Entwurf
zur Decharge o. D. ebenda.
5*
68 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
erftens durc h 102500 Mark. die die Unternehmer in 'die zur Be-
zahlung des Schlagfchaßes nötigen Sorten frei vermünzen durften.
fodann durc h 97115 Mark 3 Lot 3 Grän. die fie ebenfo wegen
ihrer koftenlofen Umwechfelung fchlechter fremder Sorten in Geld zu
verwandeln die Erlaubnis erhalten hatten.
Als fpäter Ephraim und Jßig um Decharge baten. fragte
Köppen bei Tauenßien an. ob es mit der leßteren Summe feine
Richtigkeit habe. worauf diefer die Attefte über die Umwechfelung
fchickte.1) Aus diefen erfehen wir. daß die Unternehmer ver-
fchiedeneu Zivil- und Militärkaffen meift fchwedifche. mecklenburgifche
und Zerbft-Plönfche Sorten. der Breslauer Oberfteuerkaffe polnifche
Thmpfe für 2387610 Rtlr.. im ganzen für 3834652 Rtlr. ein-
getaufcht hatten?)
So endete die zweite Münzperiode des Krieges und es be-
gann jene dritte. die über den Friedensfchluß hinaus bis zum
1. März 1764 reichte. Sie wurde um die Mitte des Jahres 1762
mit Verhandlungen über die Wiederaufnahme der Königsberger
Prägung eingeleitet. 3)
Zum Schluß noc h ein Wort über den Abzug der Unternehmer
aus Sachfen. Während der Friedensunterhandlungen wurde die
Leipziger Münze mit einer Gründlichkeit geräumt. die noc h einmal
die Sachfen äußerft erbitterte. Die Unternehmer packten binnen
24 Stunden alles was transportabel war. ein. nicht nur alle Ma-
fchinen und Geräte. fondern auch. wie man fagte aus Bosheit. alles
Holzwerk und fuhren damit von dannen. Eine Bitte an den fächfi-
fchen Friedensunterhändler. Geheimrat von Fritfch. das zu ver-
hindern. war erfolglos. Der fagte. er könne nicht helfen. man
müffe fich künftig an den Juden zu entfchädigen fuchen. die Leipzig
nicht würden vermeiden können.4)
_- 1) Köppen an Tauenßien. Berlin. 8. Sept. 1763. Zen. 163. l. 99. -
i1) Nämlich dem Feldkriegskommiffariat zu Roftock 300000 Rtlr.. den
Berlin paffierenden Truppen 425 668 Rtlr.. der Stettiner Feldkriegskaffe 92879 Rtlr..
der Stettiner Landrentei 55000 Rtlr.. der Stettiner Oberfteuerkaffe 181735 Rtlr..
der Breslauer Garnifon 391760 Rtlr. n. 163. 1. 99 und Tit. Li1171. 2. Nach
Schreiben Köppens vom 8. September 1763 war die Hauptfumme noch etwas
höher: 3884 608 Rtlr.
iz) Über die Königsberger Verhältniffe fpäter.
4) Extrakt eines Schreibens aus Leipzig vom 16. Februar 1763. A. D.
1100. 2265. 701. 17.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. 69
Die Prägung fchlechter Sorten mit fremdem Stempel hörte
bald nach dem Frieden auf. Der am 17. Dezember 1762 mit den
Unternehmern abgefchloffene Kontrakt verpflichtete fie. vom 1. April
1763 an nur preußifches Geld nach befferem Fuß zu münzen.
Suchen wir nun noch die Nachprägungen Friedrichs im fieben-
jährigen Kriege im allgemeinen zu beurteilen. Der erfte Gebrauch
fremder Stempel in Preußen war das nicht: wir hörten. daß der
König feit 1753 holländifche Dukaten hat nachmünzen laffenB) ein
damals nicht einzeln daftehendes Vorkommnis. und daß er fchon
vor dem Kriege die Leipziger Thmpfe nach dem fächfifchen Münz-
fuße hergeftellt hat?)
Eine Nachahmung fremder Gepräge. wofern fie als Erzeug-
niffe des eigenen Staates kenntlich gemacht find. indem fie das durch
Bild und Wort anzeigen. ift durchaus gerechtfertigt. die Einführung
einer neuen Münze ift in den meiften Fällen eine Nachahmung einer
fremden. Grote fpricht fich dahin aus. daß folche Nachmünzung
unter dem Stempel des eigenen Staates des Handels wegen nur
empfehlenswert ift. Er verurteilt es aber auch nicht fchlechtweg.
wenn ein Staat dabei das fremde Gepräge nachahmt. und nennt
folche Beifpiele pine t'rauäe8 oder nicht-dolofe Fälfchungen. Denn
fo lange nur der Münzfuß derfelbe bleibt wie der der Vorbilder.
liege keine betrügliche Abficht oder Gefährdung des Münzfhftems
vor; nur wäre diefes Vorgehen der Strenge des Grundfaßes wegen.
dem keine Regierung im Münzwefen untreu werden follte. zu tadeln.
Er führt dafür eine Menge von Beifpielen bis in die Gegenwart
hinein aus) Unfere eben angezeigten Fälle der nachgemünzten
Dukaten und Thmpfe gehören mit darunter.
Wenn aber Grote weiter annimmt. mit Nachbildung zwar der
nichtcharakteriftifchen Teile des Thpus. jedoch unter Wiedergabe der
wahren Münzherren und Münzftätten. wäre derfelbe Umlauf ge-
fichert gewefen. fo müffen wir diefes bezweifeln. Wir erinnern hier
1) S. Bd. '11. S. 217. 218.
I) S. S. 28 ff. -
3) H. Grote. Die Geldlehre. Leipzig 1865. S. 161-163. 178-185.
7() Erfies Buch. Drittes Kapitel.
nur daran. mit welcher minutiöfen Genauigkeit die Araber das
Detail des Maria-Therefientalers noch heute prüfen.1) und daß eine
im Grotefchen Sinne erfolgte Nachahmung der fächfifchen Thmpfe
in Preußen keinen Erfolg hatte?)
Darüber läßt aber Grote keinen Zweifel. daß eine Nach-
ahmung fremder Münzen. unter Verfchlechterung des Münzfußes.
ftaatliche Falfchmünzerei ift. Selten dachte man anders.3) Da nun
König Friedrich im fiebenjährigen Kriege hiervor nicht zurückfchreckte.
müffen wir diefe feine Maßnahmen etwas näher beleuchten. Er
hat einmal gefagt. derartige Nachmünzungen feien in Kriegszeiten
immer vorgenommen worden.4)
Wir können weiter gehen und fagen: in Kriegs- und Friedens-
zeiten. Dem Numismatiker ift das nur zu bekannt5) und fo wollen
wir uns hier nur auf wenige prägnante Fälle befchränken. Daß
folche Nachmünzung meift Hand in Hand mit Münzverfchlechterung
ging. erleidet gar keinen Zweifel. denn den kleinen Herren wenigftens
war es anders gar nicht möglich. die Münzkoften herauszufchlagen.
Daß fie ziemlich häufig vorkam. beweifen die feit alters er-
laffenen Gefeße und Verordnungen dagegen. die bis ins 18. Jahr-
hundert wiederholt werden mußten?) Für das Einzelne können
wir auf die vorhandene Literatur hinweifen. auf die Nachmünzung
der englifchen Sterliuge in den Niederlanden und Weftfalen. be-
fonders in Lippe. auf die von mohamedanifchen Münzen durch füd-
franzöfifche Grafen und Bifchöfe?) auf die wie es fcheint faft all-
gemeinen Nachprägungen in den Niederlanden. befonders durch die
Herren von Batenbnrg. die im 16. Jahrhundert faft aller Herren
1) Peeß und Raudniß. Gefchichte des Maria-Therefientalers. Wien 1898.
S. 135-137.
il) S. oben S. 29.
3) S. z. B. Bd. ll. S. 200.
4) S. oben S. 62.
5) H. Dannenberg. Grundzüge der Münzkunde. 2. Aufl. S. 172.
6) Für Kaifer Friedrich ll.. f. Menadier. Deutfche Münzen l. Berlin 1891.
S. 217. - Fiir Kaifer Rudolf l. und Albrecht 1.. Thoman ll. S. 118. - Ferner
Sachfenfpiegel. Buch ll. Art. 26. und Peinliche Halsgerichtsordnung Karls 7..
Thoman ll. S. 111. 112. 115. - Diefe Beftimmungen öfter wiederholt. z. B.
1666 und im Leipziger Rezeß 1690. Thoman 11. S. 268. 368.
7) J. Michelet. bictoire (1e [rnnde 11. Paris 1872. p. 432.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. 7)
Europas Gold- und Silbermünzen nachgefchlagen haben. und zwar.
wie es für einige Sorten bewiefen. für alle wahrfcheinlich ift. unter
Verfchlechterung des MünzfußesK) Auch auf die Nachbildungen
Johannes von Luxemburg?) und der Freiherrn von Reckheim fei
hingewiefen. welch leßtere unter fremdem oder nachgeahmtem Stempel
unglaublich große Maffen von Kupfergeld gemünzt haben. Genau
unterrichtet find wir über ftarke Falfchmünzerei im Luxemburgifchen
und in der gräflich Leiningifchen Münzftätte zu Cramberg bei
Schaumburg a. d. Lahn um 1625.3) und bedeutende Nachprägungen
franzöfifcher Goldmünzen längs der ganzen franzöfifchen Grenze.
befonders in den öfterreichifchen Niederlanden von 1718-1726. wo-
bei auch die öfterreichifche Regierung beteiligt war. 4)
Ganz bekannt ift ferner die Münzfabrikation der kleinen ober-
italienifchen Defpoten. die ihre Haupteinnahmequelle bildete; fie er-
richteten eine Münze oft in der einzigen Abficht. fremde Sorten
für die Länder nachzuprägen. wo fie gerade kurfiert-en; von einigen
diefer Herren kennt man nur Nachfchläge. Die Herren von Dezana.
Frinco. Pafferano. Lavagna. Mafferano. Montanaro. Macagno u. a.
haben diefes Gefchäft zum Teil durch Jahrhunderte betrieben5)
Endlich gehört auch hierher die Nachmünzung verfchiedener
deutfcher Gulden durch Naffau-Weilburg am Ende des 17. Jahr-
hunderts.6) die maffenhafte Nachprägung fpanifcher Kupfermünzen
l) J. Erbftein. Zur Münzgefch. d. leßten Freiherrn v. Batenburg und
Stein aus d. Haufe Bronckhorft. Münz- u. Medaillenfreund. Dresden 1900.
Nr. 17-24.
“) Grote. Münzftudien 7. S. 165 ff. - Dannenberg. Zeirfchr. f. Numis-
matik L7. Berlin 1887. S. 309 ff. und Numism. Zeitfchr. 111. Wien 1872. S. 212 f.
3) A. Pinchard in Kerne (1e uuiujem. belge 1848. x). 46-54; und
P. Jofeph i. d. Numism-. Zeitfchr.. Wien 1884. S. 182ff.
4) G. Bigwood in Kenne belge (1e nurnjemntiqne 1903. j). 77-97. 207
bis 224. 356-367.
5) A. Morel-Fatio. imitatione 0n contret'aeoue (1e lo- mono1rie 811i886.
fnbriqueee 8 l'eu-nnger nur( Z71 et Z711 e1eele. Zürich 1862 und A. Morel-
Fatio. mounaiee iueäitee (1e 082811a. b'rineo. Varel-.rau0 in rei-ue unmiematigue.
Paris 1865. fowie andere Auffäße desfelben. Sehr bezeichnend ift ein Wort des
favoiifchen Münzdirektors in einem Bericht von 1532. wo er die umliegenden
Münzftätten charakterifiert: ...le ue eompte point Den8n-z.. lllontanar. 0r8178e0r.
qui 8011i 01'1101111ee8 ö. 1a tromperie“.
6) S. Bd. l. S. 82-85
72 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
in den Niederlanden und die Verfertigung falfcher faft ganz kuuferner
Grofchen für 2 Millionen Rtlr. mit Gepräge Friedrichs des Großen
durch englifche Spekulanten am Ende des 18. Jahrhunderts))
Wohl am intereffanteften für uns find eben diefe Nachprägnngen
zu Ende des 18. Jahrhunderts. Aktenmäßige Nachrichten haben
wir darüber bis jeßt zwar erft wenige. doch werden die Tatfachen
nicht ganz abzuftreiten fein. Die große englifche Fabrik fremder
Münzen war die zu Birmingham. Hier wurden in großem Um-
fange fpanifche Piafter geprägt. 1792 wöchentlic h für 100000 reanrr
äe rellon. fpäter auc h franzöfifche Münzen und Affignaten herge-
ftellt?) Dann hat Wellington während des phrenäifchen Feldzuges.
wie berichtet wird. 1813 und 1814. Goldftücke mit dem Bilde
Napoleons l. fchlagen laffen.3) nnd es prägte die englifche Regierung
1815 in London zur Befoldung der Okkupationsarmee in Frank-
reic h vollhaltige Louisdor.4)
Endlic h erzählen uns der Graf von Garden und Engen
de Vitrolles. daß Napoleon l. zur Bezahlung feiner in fremden
Gebieten ftehenden Heere das Geld diefer Länder geringhaltig nac-
h-
prägen ließ) z. B. Friedrichsdor; befonders aber habe er Wiener
Banknoten. preußifche Staatsobligationen. englifche Banknoten und
ruffifche Papierrubel in Paris herftellen laffen.5)
Über die Nachprägnngen während des fiebenjährigen Krieges
möchte vielleicht ein Apologet fagen. fie feien von Friedric h als dem
Eroberer Sachfens zu Recht gefchehen. Aber dem ift nicht fo. Jn-
1) Genaueres hierüber wird der l7. Bd. bringen.
2) P. Bordeaux in der Kerne uumiem. Paris 1903) p. 383-395.
3) Brialmont. Gefch. Wellingtons; zitiert in der 11erne (1e ln- nnmieln.
belge 1857. p. 313: pour eriter ln (1epreejntion (lee pieces nnglnieee et tneiliter
ler irnuenetione eommereiirlee (1e 8011 armee.
4) P. Bordeaux in der Kerne belge (1e uumiem. 1904) p. 163-174.
5) M. Comte de Garden) nn eelair (1'bietorie) 0n l'emperenr blapoleou l.
tanrc-monnnyeur. Zruxellee 1877; zitiert in der 11erne (le lo- numiem. belge
1877. p. 459. - Eugen de Ditrolles. Gedenkfchriften; zitiert v. d. Antiquitäten-
Zeitung v. 7. Oktober 1903 und danach von 'l'jj(leelirit't 7001* blank-en Leaving-
lcun(1e, Amfterdam 1904) p. 79. - Uber die Fälfchung der englifchen und ruffi-
fchen Banknoten durc h Napoleon l. im Jahre 1810 ï¬nden fich fehr genaue und
detaillierte Angaben durch den Graveur Laie in [.88 papiere eeerete (1n eee0n(1
empire di0. 4. Bruxelles 1871.
Der allgemeine Abgang vom Graumanfchen Münzfuße 1759-1763. 73
dem der König feine preußifchen Sorten viel langfamer verfchlechterte.
fo geringe preußifche Sorten wie die neuen Auguftdor. fächfifchen
Drittel und Grofchen fowie Thmpfe überhaupt nicht prägen ließ.
ift die Behauptung gar nicht abzuweifen. daß er das Odium dem
Kurfürften von Sachfen wie den Herren. deren Gepräge er fonft
nachahmte. dem Mecklenburger. Rnffen. Danziger aufzubürden fuchte
und feinen eigenen Ländern die Verlufte. welche durch die herbei-
geführte Preisfteigerung und fpätere Einziehung diefer Münzen ver-
anlaßt wurden. erfparen wollte. Aber ohne daß wir den König
durch den Hinweis auf die Beifpiele anderer Regierungen. früherer
und fpäterer. entfchuldigen wollen. müffen wir dennoch die Momente
hervorheben. die diefes Verfahren in das rechte Licht zu -rücken ver-
mögen. Denn fo nur können wir der Wahrheit genügen.
Die Nachmünzung im fiebenjährigen Kriege wurde von
mehreren Umftänden veranlaßt und begünftigt. Znnächft war es
die politifche Zerriffenheit Deutfchlands und die Schwäche Polens.
die es erlaubte. wenn der eine Stempel wegen des geringen Münz-
fußes feinen Kredit verlor. den einer andern Hoheit nachzuahmen.
zweitens die Notwendigkeit großer Mengen Baargeldes im Kriege.
Die Münzverfchlechterung aber war eine nnansbleibliche Folge länger
dauernder Kriege. Wir haben fchon bei Befprechnng der europä-
ifchen Münzverfchlechterungen zu Anfang des 18. Jahrhunderts ge-
zeigt. wie diefelben bei der. damaligen Schwierigkeit der Steuer-
erhöhung oder größerer Staatsanleihen eine indirekte Kriegsfteuer
darftellten)) Der Staat ftellte aus den umlaufenden Münzen
durch ftärkeren Kupferzufaß ein viel größeres Geldquantum her. wo-
bei das einzelne Stück feinen Nennwert behielt oder behalten follte.
Indem nach dem Frieden aber die Umwandlung diefes Kriegsgeldes
in Geld nach dem früheren guten Münzfnße nicht etwa aus Staats-
mitteln. d. h. den allgemeinen ordentlichen Steuern. beftritten.
fondern die Koften dafür dem Volke neben diefen Steuern auf-
erlegt wurden. war “die ganze Unternehmung nicht eine Anleihe.
fondern vielmehr eine Kriegsfteuer. Der Hauptgegner Friedrichs.
Maria The-refia. hat von diefem Mittel. foviel wir bis jeßt wiffen.
keinen Gebrauch gemacht. Aber durch Auferlegung vieler Kopf-.
1) Bd. 1. S. 93.
74 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
Vermögens-. Erbfchafts-. Eiukommen- und Luxusfteneru; durch
Nichtbezahlung der Getreide- und andern Lieferungen; durc h Vor-
erhebung der Steuern auf 3. 4. 5 Jahre im voraus; durc h große
Anleihen. die bei einem Staatseinkommen von 24 Millionen Fl.
' jährlic h feit 1756 die Staatsfchuld von 49 bis auf 136 Millionen
vergrößerten. hat Maria Therefia ihre Untertanen unzweifelhaft
mehr gefchädigt. als Friedric h durc h feine Münzverfchlechterung))
Wie gefagt. verlangt der Krieg bedeutend mehr Baargeld als
der Friede. Man glaube nicht. daß diefe Behauptung durc h die
heutige Kreditwirtfchaft ganz befeitigt werde. Der Krieg verlangt
auc h heute Baargeld. nicht nur Papier. Denn erftens werden die
Einwohner befonders der Partei. die im Unglück ift. ihr Baargeld
möglichft zu verbergen. feftzuhalteu. einzuziehen fuchen - man rechnet
fchou bei jeder Mobilmachung mit einem Sturm auf die Vorräte
der Banken -. zweitens verlangen die Armeen ein ganz bedeutendes
Mehr an Baargeld. Die Urfachen dafür hier des weiteren aus-
einanderzufeßen. geht nicht an. doc h wollen wir daran erinnern. wie
in den meiften Fällen die Ökonomie des Friedens im Jntereffe der
Schnelligkeit und Kampffähigkeit aufgegeben werden muß. wie be-
fonders früher vor der Zeit der .Eifeubahneu und Dampffchiffe.
als ein fchneller Ausgleic h zwifchen Angebot und Nachfrage fehr
fchwierig war. der Kriegsfchauplaß eine viel größere Menge von
Meufchen als im Frieden allein verpflegen mußte. wie dadurc h alfo
die Preife ftark ftiegen und viel mehr Zahlmittel als vorher ver- .
langt wurden. Wie fehr man dem auc h durc h Magazine vorzu-
beugen fuchte. die Quartierverpflegung' ift nie ganz ausgefchloffen
gewefen und fie eben ift ohne Baargeld nicht zu ermöglichen. Fehlt
es. fo bleibt nur die Land und Heer verderbende Requifition übrig.?)
Diefes Baargeld zu fchaffen war alfo unumgänglich nötig.
Öfterreic h prägte zwar feit 1759 eine Menge Kupfergeld. konnte
damit aber nur wenig ansrichten. und fo kam es. daß den öfter-
l) A. Ritter v. Arneth. Maria Therefia u. d. fiebenjährige Krieg. ll.
Wien 1875. S. 254ff. - Ofterreich edierte 1762 fein erftes Papiergeld.
Th. Rohde. Ãœber Papiergeld in Ofterreich. Monatsbl. der numismat. Gefell-
fchaft in Wien. Mai 1907.
2) Darüber f. d. ausgezeichnete Arbeit v. Engelhard. Beiheft z. Militär-
Wochenblatt 1901. 11. Heft. yaeeiiu.
Der allgemeine Abgang vom Graumaufchen Miinzfuße 1759-1763. 75
reichifchen Heeren immer ein großer Jndentroß folgte. der alles
Gold- und beffere Silbergeld gegen preußifche Kriegsmünzen auf-
wechfelte. 1) ohne die auc h die Öfterreicher nicht Krieg führen konnten.
Ja. die öfterreichifchen Behörden wechfelten felbft das für die _Armee
- beftimmte Geld. ehe es abgefchickt wurde. in verrufenes preußifches
um und förderten fo. wie der fächfifche Gefandte am Kaiferhofe
klagte. deffen weitere Prägung?)
Friedric h münzte das fchlechte Kriegsgeld oder ließ vielmehr
die Verfchlechterung des Münzfußes zu. weil anders die Münz-
pächter ihm keinen fo hohen Schlagfchaß gezahlt hätten. wie er ihn
zur Fortfeßung des Krieges benötigte. Sie hätten ihn aber wahr-
fcheinlic h nicht zahlen können. wenn die fremden Heere das Kriegs-
geld zu entbehren imftande gewefen wären. Diefe konnten das
aber nicht. fie brauchten es ebenfo notwendig wie die Preußen.
Dazu kam noc h ein anderes Moment. Ein fächfifches Prome-
moria vom Oktober 1760 erwähnt. der König von Preußen kaufe
polnifches Korn für feine Magazine mit feinem fchlechten Gelde.
das der polnifche Edelmann. da Polen gar keine Münzverfaffung
habe. in viel zu hohem Wert annehmeN) Wir erwähnten. wie die
preußifcheu Münzunternehmer Polen die Hauptftüße ihres Münz-
wefens nannten und enorme Mengen Edelmetalls dort mit ihren
fchlechten Münzen aufkauften. Seitdem eben Polen jedes Münzen
aufgegeben hatte. mußte man dort alles nehmen. was das Ausland
bot; fo auc h für fein Hauptprodukt. das Getreide. Die Unent-
behrlichkeit des polnifches Getreides war es aber wiederum. die bald
die preußifche Verwaltung vor keinem Mittel zurückfchrecken ließ.
ihre Münzen in Polen knrsfähig zu erhalten.
Das alfo find in Kürze die Punkte. welche gegen und für die
Münzverfchlechterung angeführt werden können. Wir verdammeu
weder die Nachmünzung fremder Sorten zugunften des Handels an
fich. wie die der holländifchen Dukaten oder fächfifchen Thmpfe. noc
h
die Münzverfchlechterung als Kriegsfteuer an fich. Nicht aber
1) Schreiben an die fächfifche Gefandtfchaft in Wien. Dresden. 15. April
1760. A. D. 110e. 1334. 701. 17.
2) Ber. Paezolds. Wien. 13. September 1760. ebenda.
3) 7 preuß. Thmpfe für 1 ruffifchen Rubel. obwohl in jenen nur 31/9. in
diefem 5 Thmpf Silber fteckten. Ebenda 110c. 1334. 701. 17.
76 Erftes Buch. Drittes Kapitel.
können wir die Nachmünzung fremden Gepräges unter gleichzeitiger
Verfchlechterung des Münzfußes billigen. Aber auch dabei werden
wir im Auge behalten müffen. daß. was der König tat. von
zahlreichen andern Staatsgewalten und Fürften gefchah. ohne daß
fie die gleiche Entfchuldigung hatten wie er. nur um ihre augen- .
blicklichen Einnahmen zu fteigern. Friedrich glaubte ohne einige
Millionen jährlicher Schlagfchaßeinnahme den Krieg nicht führen zu
können. Er fah klar die unheilvolleu Nachwirkungen des fchlechten
Geldes. Diefe Folgen wollte er. fo weit es ging. von Preußen ab-
halten. fie auf fremde Staaten ableiten. Und fo fchlug er immer
leichtere Münze. die allein großen Schlagfchaß gab. mit fremden
Stempeln; diefes Geld ließ er in Preußen nicht zu. fondern lenkte
es in die Gebiete feiner Feinde und nach Polen; der König von
Polen gehörte als Kurfürft von Sachfen zu diefen; und Polen war.
da es längft kein eigenes Geld fchlug. das große Gebiet. in dem
fremde gute oder fchlechte Münze relativ am leichteften Eingang fand.
Und endlich unter der Vorausfeßung. daß nicht nur das Wohl.
fondern die Exiftenz des Staates an dem Siege hing und demnach der
Sieg errungen werden mußte. fo war der große König auch da-
durch groß. daß er das Odium wegen der Nachmünzung zu tragen
nicht fcheute. Einen Sündenbock dafür hat er niemals gefucht. Es
diente alfo Friedrich auch diefes Mittel zur Rettung feines Staates.
Für die Nachmünzungen und Münzverfchlechterungen anderer
Fürften der damaligen Zeit könnte man als Entfchuldigung an-
führen. daß. wenn fie nicht mitgemacht hätten. das fchlechte preußi-
fche Geld ihr befferes verfchlungen haben würde. fowie daß der
ermünzte Schlagfchaß eine Entfchädignng für die preußifche Kontri-
bution war. Aber welche Entfchuldigung hatten Holftein und
Dänemark zu der großen Heckenmünzerei in Plön. Schweden zu
der 'in Stralfund. welche der Trierer. Neuwieder. Ottinger. Hild-
burghaufener. Ansbacher. Bahreuther? Manche von ihnen litten
ja auch unter dem Kriege. aber es kann doch gar keine Rede da-
von fein. daß fie durch die Gefährdung der Exiftenz ihrer Lande
zu der Münzverfchlechterung gezwungen worden wären.1)
1) Die preußifchen Ephraimiten - 1f3- und 1/6-Taler - wurden von
folgenden deutfchen Staaten nachgemünzt: Mecklenburg-Schwerin. Mecklenburg-
Der allgemeine Abgang vom Graunianfchen Miinzfuße 1759-1763. 77
Da auch diefe fremden Münzverfchlechterungen zeit- und
ftellenweife auf das Geldwefen Preußens einwirkten. müffen wir
ihnen nun einige Worte widmen.
Streliß. Braunfchweig. Schwedifch-Pommern. Anhalt-Bernburg. Anhalt-Zerbft.
Oldenburg. Holftein-Plön. Sachfen-Hildburghaufen. Ansbach. Bahreuth. Württem-
berg. Kurtrier. Fulda. Bentheim-Tecklenburg. Sahn-Wittgenftein-Altenkirchen.
Neuwied. Wied-Runkel. Hanau-Lichtenberg. Montfort. Dortmund. Ottingen.
Außerdem prägten viele diefer Staaten eine Unmenge von Scheidemünzen. Jn
den Jahren 1759 und 1760 verriefen nicht weniger als 12 Kaifcrliche Edikte
diefe Sorten. Ein Ediki der Stadt Frankfurt vom 15. Auguft 1763 zählt diefe
Verrufe auf. A. C. Churtrier. Münzwefen Nr. 9. 701.1. S. auch Hirfch 7111.
Nr. 62. 63. 65. 69-72. 79. 81. 82. 84. 85. 88-90 und Berliner Münz-
blätter 1881. S. 210. Die Kurtrierifchen Ephraimiten in Frhr. v. Schrötter.
Die Münzen von Trier. Befchreibung der neuzeitlichen Münzen. Bonn 1908.
Nr. 1155-1173.
Unter den Miinzabbildungen des Wiener Plakats vom 16. Auguft 1759
findet fich auch ein preußifcher Szoftak mit 0. neben dem nachläffigerweife fteht:
„6 einen Reichstaler". obwohl deren 15 einen Taler ausmachten!
-..2'
Viertes eKapitel.
Die außerpreußifchen münzverfchlechterungen in Dentfchland
während des fiebeujäbrigen Arieges.
Der regiereude Graf von Wied. Bruder des preußifchen Gene-
rals. ift wahrfcheinlich der erfte. gewefen. der die preußifche Münz-
verfchlechterung nachahmte. Schon am 26. April 1757 berichtete
der preußifche Gefandte in Frankfurt a. M.. Frehtag. er habe er-
fahren. daß in Neuwied eine Menge fchlechter 4-Grofchenftücke ge-
prägt würden. wofür die Unternehmer wöchentlich 100 Lonisdor
Schlagfchaß zahlten und dabei doch 80/0 gewönnen. Zwei Juden.
Cappelkaan nnd Meher Flörisheim brächten fie im Auftrage der
Frankfurter Juden Gebrüder Maas nach Leipzig; auf diefe und
andere Transporte müffe man dort ein Auge habenI)
Zugleich begann auch der Markgraf von Ansbach in Ansbach
fowie als Fürft von Sahn-Witgeuftein-Altenkirchen in Sahn fchlechtes
Geld in ftets zunehmender Menge zu prägen. Ansbach war auch
derjenige Staat. in dem große Nominale. wie Taler und Gulden
nach fchlechtem Fuß in bedeutender Menge hergeftellt wurden. Jm
Berliner Königlichen Münzkabinett befinden fich eine überaus große
Menge von Stempelverfchiedenheiten diefes Kriegsgeldes.
Gegen die Ansbacher Münzen wollte das Geueral-Feld-Kriegs-
Direktorium in Sachfen erft vorgehen. wenn fie in Preußen verboten
worden wären; die Neuwieder Sorten wurden jedoch fofort durch
Proklamation in Leipzig verrufen. Die beiden Frankfurter Juden
konnte man nicht erwifchen?) Da die Neuwieder Sechftel nun aber
über Hamburg und Hannover nach Preußen einzuftrömen drohten. fo
1) Ber. Frehtags. Frankfurt. 26. April 1757. 18. [n. 167. daher auch
das Folgende.
2) Gen.-Feld-Kriegs-Dir. an d. Auswärt. Depart. Torgau. 11. Juni 1757-
Die außerpreußifchen Münzverfchlechterungen in Deutfchland 2c. 79
wurden fie am 5. Auguft in ganz Preußen verboten.1) Aber diefes '
fowie eine energifche Exekution durc h den Kaifer vermochte die Neu-
wieder Münzprägung nur kurze Zeit zu hemmen. Denn ein Jahr
fpäter. begann fie wieder. Da um diefe Zeit die ganzen Lande
am Rhein. Weftfalen und Oberdeutfchland mit Trierifcher. Wied-
Runkeler. Sahn-Alteukircher und Bahreuther fchlechter Münze über-
fchwemmt waren. warum follte. wird der Graf von Neuwied ge-
dacht haben. er da nicht weiter mitmachen? Eine Menge Frank-
furter Juden. Kölnifche Kaufleute. befonders unfer alter Bekannter
van der Nüll) boten fic h als Lieferanten an?) So begann es denn
wieder in Neuwied mit frifchen Kräften. Dnrc h die Verdrängung
und Bernichtung des guten Geldes. das in die Schmelztiegel wanderte.
ftieg natüriic h der Wechfelkurs; die Piftolen ftanden auf 6 ftatt auf
5 Rtlr. und die preußifchen 8-. 4- und 2-Grofchen erzielten 120/0
Aufgeld. Ammon. der prenßifche Gefandte in Cöln. fagte mit Recht.
daß die Münzen fchwer zu erkennen feien; alle glichen einander wie
ein Ei dem andern. die darauf angebrachten Buchftaben oder ver-
fhlungenen Jnitialen waren fehr fchwer zu entzifferirii) Anfang
1759 arbeitete man in den Wefterwälder Münzftätten mit 100 Pferden-
und Ammon fürchtete. daß man fic h dort nächftens auc h an die Ein-
fhmelzung der brandenburgifchen Sorten machen werde. da das Ge-
fhäft fo vorteilhaft fei; denn der Friedrichsdor kofte in branden-
burgifchem Gelde nur 51/3 Rtlr.. in Neuwieder Münze aber 6 Rtlr.4)
Wie bedeutend konnte der Graf alfo fparen. wenn er feine Aus-
gaben in eigener Münze bezahlte!
Die kaiferlichen Edikte gegen derartige Münzen wären gewiß
ganz erfolglos geblieben. wenn der Kaifer nicht gegen einen. eben
den Grafen von Neuwied) der es mit am fchlimmften trieb. abermals
exekutorifc h vorgegangen wäre und durc h Kurpfalz und Kurköln
deffen Münze aufheben und ftrenge Unterfuchung gegen alle Be-
teiligten hätte verfügen laffen.5) Ob eine Beftrafung wirklic h aus-
1) Avertiffement. Berlin. 5. Auguft 1757. Mhlius) li. 0. ll) Nr. 43.
2) Nr. 23.
3) S. z. B. Miinzbefchreibung Tafel 35. Nr. 1837) 1840.
4) Ber. Ammons) Köln) 2. Februar 1759. Tit. 8711) 9.
5) Extrakt des Reichshofratsprotokolls vom 19. Auguft 1760 gegen Neu-
wied. Hirfc h &7111. Nr. 99. Der Extrakt gibt ein anfchauliches Bild von dem
8() Erftes Buch. Viertes Kapitel.
geführt wurde. ift aus der gedruckten Literatur nicht erfichtlich.
Wahrfcheinlich wurde die Neuwieder Prägung aber 1760 eingeftellt.
denn fpäteres fchlechtes Geld exiftiert kaum. Auch auf die andern
fcheint diefe Exekution gewirkt zu haben. Es könnte ja fein. daß
mit den alten Stempeln hie und da weiter gemünzt wurde. aber viel
wird es nicht gewefen fein.- man hört nur noch wenig von diefen
fchlechten Münzprägungen.
Den größten Gewinn davon hatte immer. wer die Münzen
der andern dem eigenen Lande am beften fernzuhalten. die eigenen
aber in andern Ländern unterzubringen verftand. Da nun Preußen
im Weftcn die große alliierte Armee hatte. fo konnte es hier die
fremden Gepräge verbieten. wonach fich die von der Armee okku-
pierten Landesteile zu richten hatten. Leider reichte diefer Einfluß
nur felten bis zum Rhein. nie bis auf deffen linkes Ufer. Be-
greiflicherweife drangen die preußifchen Münzunteruehmer immer
darauf. daß Ferdinand von Braunfchweig die fremden Sorten von
feinen Truppen nicht annehmen ließ. _
Da die Geldremiffen aus England für die alliierte Armee
durch holländifche Wechfel über Hamburg bewirkt wurden. 'fo be-
nußten diefe Gelegenheit Hamburger Kaufleute. Neuwieder. Ans-
bacher. Bahreuther n. a. fchlechte fremde Sorten dahin zu fchaffen.
Die Bitte der Unternehmer. diefes zu verbieten und die Wechfel an
fie adreffieren zu laffen. wurde vom Könige warm befürwortet und
von Ferdinand wahrfcheinlich zugeftauden.i) Als dann fpäter die
fehr fchlechten Münzen von Plön. Schwedifch-Pommern. Mecklen-
burg nnd Hildburghaufen den Norden Deutfchlands überfluteten.
erließ Ferdinand ein fehr fcharfes Verbot derfelben für die Armee
und die okkupierten Gebiete. das nur die preußifchen. braunfchweig-
fchen. fächfifchen und be'rnburgfchen Kriegsmünzen erlaubte. alle
andern zu konfiszieren befahl. und die dagegen handelnden Wucherer
mit der Strafe der Karre bedrohte.?)
Jene eben genannten Sorten waren es. die den preußifchen
Unternehmern am meiften zu fchaffen machten. Der Weften und
ausgedehnten Betriebe und dem fehr großen Agenten- und Lieferantenperfonal
ener Münzftätte.
1) K.-O. an Ferdinand v.Braunfchweig.Breslau.10.Febr.1759. 11.21.1117.
2) Hauptquartier Hildesheim. 4. Januar 1762. 11. 1(l. 167.
Die außerpreußifchen Münzverfchlechterungcn in Deutfchland 2c. 81
Süden Deutfchlands war für fie freilic h verloren und wurde von
den Neuwieder. Sahner. Trierer. Ansbacher.'Bahreuther u. a. Sorten
beherrfcht; die von der alliierten Armee befeßten Landftriche aber.
d. h. meift die Lande an und öftlic h der Wefer fahen fie für ihre
Domäne an und kämpften hier für das Münzmonopol mit größter
Energie.
Am beften erreichten fie das dadurch. daß fie die Münzftätten
felbft pachteten. Zuerft gefchah das mit der Anhalt-Bernburger.
Schon im Mai 1758 bot ein Münzunternehmer dem Fürften
und dem Erbprinzen von Anhalt-Bernburg die Prägung fchlechten
Kriegsgeldes an.i) Am 1. Juni erhielt der Erbprinz die Münz-
ftätte zu Harzgerode zu perfönlicher Nußung und kontrahierte mit
einem Unternehmer. der fic h Johann Friedrich Martini zeichnete.
Es follten 100000 Mark Feinfilber in 8-. 4- und 2-Grofchen nach
19-Talerfuß unter Ablieferung von 11/4 Rtlr. Schlagfchaß von der
feinen Mark vermünzt werden.
Die preußifche Münzverwaltung war von diefen Vorgängen
wohl unterrichtet: am 22. Juni fchrieb Reßow dem Bernburgifchen
Geheimrat v. Sonnenthal. bei 19-Talerfnß und 1 Rtlr. (fo) Schlag-
fchaß könne der Unternehmer das Silber fo hoch bezahlen. daß die
preußifchen Münzftätten nicht beftehen würden. Der Unternehmer
in Harzgerode. Wulff - diefer hatte den Kontrakt „im Names
feines Principals“ vollzogen - fei nur ein Agent eines wegen feiner
Malverfationen bekannten Mannes; die preußifchen Unternehmer.
wollten in den Kontrakt eintreten und mehr Schlagfchaß zahlen.
Jc h glaube nicht fehl zu gehen. wenn ic h in diefem Manne.
der fic h Martini nannte. den Mofes Jfaac erkenne. Der Fürft
fügte fic h und verhandelte nun mit Mofes Jfaac. zwei Leuten
Namens Wulff und Daniel Jßig. Dennoc h blieb Jfaac die Seele
des Ganzen. er wollte fic h in Bernburg niederlaffen. das Material
beforgen und die Münzen verlegen. Die Bedingungen blieben die
fchon angegebenen. nur feßte man die zu verprägende Quantität auf
200000 Mark Feinfilber. Am 17. Auguft fandte Viktor Friedric
h
den Jfaac an Reßow mit einem Briefe. der die Abmachungen
1) Das Folgende über die Anfänge der Harzgeroder Münze nach gütigen
Mitteilungen des Herrn Archivrats 01-. Wäfchke aus dem Archiv Zerbft. Ab-
teilung Bernburg 0 13 o-. Nr. 5-12.
&etc-r 1301-11881ea. Münzwefen 111. 6
82 Erftes Buch. Viertes Kapitel.
meldete. und fchrieb 3 Tage fpäter in fein Tagebuch: „Jc h und
mein Land. auc h alle. fo mir gut fein (aber ic h insbefondere) habe
Urfach. Gott zu danken vor die außerordentliche Gnade. fo er mir
und meinen Sohn gethan hat“.
Daß aber Preußen auf diefe Unternehmung einging. ift wohl
folgendermaßen zu erklären. Um den Fürften zu den großen
Magazinlieferungen willig zu erhalten. war ihm ein Zugeftändnis
zu machen; außerdem mußte viel daran liegen. daß diefe nahe ge-
legene Münzftätte nicht an einen felbftändigen Unternehmer kam. der
den preußifchen Konkurrenz machen konnte. Eine Verpachtung -an
Jfaac und Jßig erfchien um fo weniger bedenklich. als nac h dem
Tode des Gumperts Ende 1758 Ephraim fic h mit jenen beiden ver-
band. und diefes Konfortium nun fämtliche preußifchen und fächfi-
fchen Münzftätten in Pacht nahm. Die Bernburger Münzung
wurde alfo von ihnen befonders betrieben. um hier keine Konkurrenz
entftehen zu laffen. Sie haben dann ja Bernburger Münzen in
Dresden und Leipzig in großen Mengen geprägt.
Gefährlic h wurde die Bernburgifche Münzftätte aber ein Jahr
fpäter. Mofes Jfaac hielt es nämlic h für vorteilhafter. allein
dortiger Pächter zu fein. Er hatte die Bernburger Gefchäfte wohl
fchon bis dahin im Auftrage feiner Genoffen beforgt. nun gelang
es ihm am 2. Januar 1760 einen Kontrakt für fic h allein abzu-
fchließen. zugleic h legte er außer der Münze von Harzgerode noc
h
eine zweite an. Als Ephraim und Jßig dagegen Lärm machten.
ließ der Fürft den Jßig nac h Bernburg kommen und nahm ihn
wieder neben Jfaac an. Viktor Friedric h behauptete. nur Jßig
liefere noc h Silber. und zwar zu preußifchen Preifen.1)
Diefe Bernburger Mißhelligkeiten waren die Veranlaffung.
daß die Vereinigung des Jfaac mit Ephraim und Jßig bezüglic
h
der preußifchen Münzftätten auseinanderging: feit dem Anfange
des Jahres 1760 war jener endgültig aus dem Konfortium aus!
gefchieden?) Und es fcheint. daß auc h im Bernburger Münzwefen
1) Gefuch der Ephraim und Jßig. Berlin. 24. Januar 1760. Schreiben
'Viktor Friedrichs. Bernburg. 2. Februar 1760. 11ey. 111. 167.
2) Jfaac fcheint feitdem eigene Wege gegangen zu fein. 1765 klagte Ephraim
gegen ihn wegen einer Summe von 80000 Rtlr. Geiger. Gefch. der Juden in
Berlin. 11. 1871. 7. 140.
Die außerpreußifchen Miinzverfchlechterungen in Deutfchland 2c. 83
unfer Triumvirat nicht lange wirkte. denn Ende 1760 -ließ der
König die Münze von Harzgerode mit Gewalt fchließen. verfiegelu
und dem Fürften fagen. daß er zum Münzen gar kein Recht habe.
Das war ein Jrrtum: die Fürften von Anhalt hatten nac h Reichs-
recht das .ine moneternäi ebenfo wie die Markgrafen von Branden-
burg. Viktor Friedrich betonte außerdem. daß er zu Bernburg. wie
ihm vorgeworfen wurde. nie gemünzt habe. und die 'große Menge
der Bernburger Stempel nicht in feinem Lande entftanden fei. wo-
mit er. wie wir wiffen. nicht unrecht hatte. Er bat. die Harz-
geroder Münze zu entfiegeln. anfonft er feine Beifteuer zu den
Kriegserforderniffen nicht mehr vollftändig werde abführen können.1)
Da der Fürft fic h wieder dazu bequemte. Ephraim und Jßig als
Unternehmer anzuftellen. fo wurde feinem Gefuc h gewillfahrt und
die Harzgeroder Münze wieder eröffnet.k) Ob Jfaac weiter daran
beteiligt war. ift ungewiß.
Ju Preußen aber hielt man auf das Verbot der Bernburger
Gepräge zunächft mehr als auf das der fächfifchen. Sogleich. nach-
dem man von Eröffnung der Harzgeroder Münze Kenntnis erhalten
hatte. verrief man diefe den preußifchen fehr ähnlichen Produkte.3)
Alle Frachtwagen follten auf preußifche Sorten unterfucht werden.
da man fürchtete. daß diefe in Harzgerode eingefchmolzen werden
würden.4) Auc h beforgte man. daß andere dem Bernburger folgen
würden; aber es ergab fich bald. daß in Köthen zwar eine Münze
angelegt. wegen des Einfpruchs des Fürften von Bernburg als
Senior des Haufes Anhalt aber nicht betrieben wurde. die Grafen
von Stolberg überhaupt keine Münze errichteten.5)
1) Viktor Friedric h an den König. Bernburg. 5. Januar 1761. Lt. 96. 98 dl.
2) Jm.-Eingabe der Ephraim und Jßig. Magdeburg. 20. Februar 1761.
Gefchieht durch K.-O. an Oberftleutnant v. Marwiß vom Reg. Gendarmes.
Leipzig. 23. Februar 1761. 11. 96. 409 e.
3) Sie trugen wie die Breslauer den Münzbuchftaben 13; f. Münzbe-
fchreibung Nr. 1836. 1837.
4) Verfügungen an alle Kammern. den Generalfiskal. den Minifter v. Katt
und den preußifchen Vertreter in Quedlinburg. Frhrn. v. Schellersheim. 5. und
24. Oktober 1758. Patent des Gen.-Feld-Kriegs-Direktoriums. Torgau. 27. Okt.
1758. Refkript an die Kammern v. 2. November 1758. Tit. 31117. 11.
5) Berichte des Kriegsrats Lamprecht. Halle. 14.Dezember 1758. und des
Landrats von Werthern. 5. Januar 1759. Ebenda. 6*
84 Erftes Buch. Viertes Kapitel.
Bei dem Verruf der Bernburger blieb man nicht ftehen. man
befchrieb in einem Patent die 8- und 4-Grofchenftücke und feßte auf
jedes angetroffene Stück 8 und 4 Rtlr. Strafe. Befonders follte
der Anfkauf preußifchen Geldes damit beftraft werden. Ebenfo
follten die neuen württembergifchen 4 Gr.. Neuwieder u. a. Sorten
verboten fein. Weil aber gleich darauf der Bernburger das Ge-
präge änderte und an Stelle feines Bildes die verfchlungenen
Namensinitialen feßen ließ. fo wurde ein Zirkular nötig. das diefes
neue Gepräge und zugleich die württembergifchen 4 Gr. befchrieb.
Der Jnhalt beider Verordnungen wurde in den Zeitungen abge-
druckt. 1) Hannover folgte diefem Beifpiele?)
Damit aber nicht genug. wurde auf Rat des Landrats
v. Dacheroeden zu Quedlinburg dem Fürfteu vom Weitermünzen
abgeraten; aber wie Minifter v. Podewils fogleich erwartet hatte.
entfchuldigte fich Viktor Friedrich damit. daß er wiederholt fcharf
befohlen habe. den preußifchen Münzfuß einzuhalten.3) Man
mußte fich alfo weiter darauf befchränken. die Bernburgifchen Münzen
fernzuhalten. .
Und obgleich fie in Leipzig und den preußifchen Münzftätten
in immer größeren Quantitäten und fchlechterem Gehalte. feit 1761
nach 40-Talerfuß. gemünzt wurden.4) erreichten die Juden. daß fie
im Handel und Verkehr auch der preußifchen Lande Geltung er-
hielten. Die Unternehmer hatten mehr Gewinn davon als von der
Herftellung preußifcher und auch fächfifcher Sorten. die Bevölkerung
aber widerfeßte fich der Annahme. Außer daß die Unternehmer fie
an die Armeen abfeßten. ließen fie 1762 den Vertrieb ins Publikum
durch vier Hauptagenturen in Berlin. Magdeburg. Braunfchweig
und Minden beforgen.
Die Mindenfche Kammer führte nun dagegen an. daß der
Landmann. der diefe Sorten nehmen müffe. hernach für branden-
burgifches Steuergeld 60 bis 70 0/0 Aufgeld zu geben habe. Da das
1) Patent vom 16. Dezember 1758 und Zirkrilar an die Kammern vom
28. Dezember 1758. Mhlius. 17. 0. ll. Nr. 55. 57.
2) Gedruckte Verordnung. Hannover. 13. November 1758. Tit.L11.17.11.
Die 4 Gr. feien kaum 3 Mariengr. 3 Pf. wert.
3) 4. Dezember 1758. Tit. 81117. 11.
4) S. S. 65.
Die außerpreußifchen Münzverfrhlechterungen in Deutfchland 2c. 85
Militär bei der Löhnung den Louisdor gegen diefe Münzen zu 12
bis 13. den Dukaten zu 7 bis 71/3 Rtlr. angerechnet bekomme und
für das fchlechte Geld wenig Ware zu haben fei. fo entftehe Kra-
wall und Blutvergießen. Die Kammer -nahm an. daß fich jene
die Erlaubnis der Bernburger Sorten nur auf kleine Poften im
Verkehr erftrecke. nicht auf die Ausgabe im großen. weil fonft da-
mit die fächfifchen Drittel aufgekauft würden. die bei Benußung als
Steuergeld nur das halbe Aufgeld der Bernburger erforderten.
Daher ließ fie den 4 jüdifchen Kommiffionärs 12000 Rtlr. Bern-
burger Geld befchlagnahmen. 1) .
Diefe Klagen und Maßnahmen beantworteten Ephraim und
Jßig in unfachgemäßer und hochfahrender Weife: Sr. Majeftät Er-
leuchtung im Münzwefen übertreffe gar weit die der Mindenfchen
Kammer. Sie müßten mit Bernburgifchen Sorten die Wechfel auf
Holland und Hamburg kaufenzum Silber zu bekommen. Alfo
müßten die Leute fie unweigerlich annehmen. fonft ginge der Kredit
der Münzen zugrunde?) Leßtere Angabe war zwar unwahrfchein-
lich. da die Unternehmer für den Silberkauf durch Wechfel fich
beffere Sorten refervierten und diefe neu fchlagen ließen. aber ihre
Gelder in Minden mußten doch freigegeben werden. Jndeffen er-
ließ das General-Direktorium am 16. März 1762 ein Refkript an
alle Kammern. daß keine Sorten. die fchlechter als die fächfifchen
Drittel wären. in die Kaffen fließen dürften. fie feien vielmehr außer
Landes zu fchaffen; befonders follten damit keine befferen Münzen
zum Einfchmelzen aufgewechfelt werden. -
Kaum aber war diefes Refkript erlaffen. fo liefen von überall
her Befchwerden über die Bernburger ein. aus Berlin. Magdeburg.
Halberftadt. Pommern.3) denn die Annahme der preußifchen. fächfi-
fchen und Bernburger Münze. leßtere freilich nur im Verkehr. war
noch einmal auf Veranlaffung Tanenßiens bei Androhung härtefter
Strafe publiziert worden.i) Unter anderem fagten die Berliner
1) Nr. 51.
2) Eingabe der Ephraim und Jßig. Berlin. 22. März 1762. Tit. 81117. 11.
3) Eingaben der Magdeburger Kammer vom 17. April. 10. Mai. 18. Juni.
10.. 28. Juli. der Halberftädter vom 17. Mai. 7. Juni. 20. September. der
Stettiner vom 6. September 1762. Tit. 111117. 12.
4) Nr. 54. '
86 Erftes Buch. Viertes Kapitel.
Kaufleute. die neuen Bernburger Drittel feien zu 42. die Sechftel
zu 44 Rtlr. ausgebracht; eine ganz wahrfcheinliche Angabe. da die
Juden ja nie den verordneten Münzfuß eingehalten haben. Die
Kaufleute meinten ferner ganz richtig. wenn in dem Refkript vor
den fchlechteren Zerbfter. mecklenburgifchen und fchwedifchen Sorten
gewarnt werde. fo feien diefe doc h um 331/30/0 beffer als die
Bernburgifchen. Jene Münzen feien nun alle in die Hände der
Juden geraten. wobei der arme Mann 10-120/0 verloren habe.
Den Juden kofte die Mark Feinfilber aber. die 12 0/0 Verluft ge-
rechnet. etwa 27 bis 28 Rtlr.. wofür fie nun das ganze Land mit
Scheidemünze nac h 56-Rtlr.-Fnß überfchwemmt und das Doppelte
verdient hätten. Alle Fabrikanten würden zugrunde gehen. da die-
Fremdeu nur auf den Gehalt fähen. die Warenpreife enorm ftiegen;
die Einkünfte des Königs verringerten fich))
Das mochte alles zutreffen. doc h konnte das General-Direk-
torium nichts tun. als die Einfender unmittelbar an den König weifen.
Ju die größte Verlegenheit kam man in Magdeburg. denn
das Publikum weigerte fic h fchlechterdings. die Bernburgifchen
Münzen im Nenuwerte anzunehmen. Da der Soldat fie aber
nicht anders empfing. fo entftanden überall Zwiftigkeiten und
SchlägereienFi) Ähnlich ging es in Stettin. wo man glaubte. die
Bernburgifchen Münzen würden gar nicht auf Rechnung des Königs
geprägt.3) Auf Knöffels Rat wurde auc h der pommerfchen Kammer
anheimgeftellt. beim Könige oder bei Tauenßien anzufragen. wo fie-
gemünzt feien.4)
Zum Glück dauerte die Kriegsgeldfabrikation nicht mehr lange.
Ju wie enormer Weife diefe Bernburgifchen Münzen verfchlechtert
waren. erfieht man aus einer Probierung des Wardeius Graff. der
fand. daß die mit den Jahreszahlen 1754 und 1758 verfehenen.
_ 1)'Nr. 55. - Ähnliche Eingaben des Magiftrats von Magdeburg vom
14. April. von Halle vom 6. Mai) von Ellric h vom 9. Mai) Hornberg vom
28. Mai. der Brauer zu Calbe vom 15. Juni. der Magdeburger Kaufleute vom
3. Juli (100 Rtlr. in Hamburger Banko - 400 Rtlr. in Bernburgifchen Sechfteln).
der Kaufleute und Handwerker zu Burg vom 24. Juli 1762.
i1) Kammerbericht) Magdeburg. 10. Juli 1762.
3) Kammerbericht. Stettin) 6. September 1762.
4) 7. Oktober 1762. -
Die außerpreußifchen Münzverfchlechterungen in Deutfchland 1c. 87
aber 1758 bis 1762 gefchlagenen Dritteli) 7 Lot 16. 7 Lot 2.
5 Lot 12. 4 Lot 8 und 2 Lot 14 Grän. die Sechftel aber 7 Lot.
6 Lot 15. 6 Lot 8. 3 Lot 6 und 2 Lot 4 Grän Feinheit hatten.
Viel größere Gefahr erwuchs den Unternehmern aus der
Münzftätte zu Mecklenburg-Schwerin. deren Verpachtung an fie
der Herzog niemals zugab. Da diefer an Preußen eine fehr be-
trächtliche Kontribution zahlen mußte. fo fuchte er feine Verlufte auf
gleiche Weife wie der Fürft von Anhalt-Bernburg wieder einzu-
bringen. wobei er immer noc h die Entfchuldigung hatte. daß fonft
ja doch fein gutes Geld von den Juden aufgefammelt und einge-
fchmolzen würde. Er ließ nun aber nicht unter der laufenden
Jahreszahl prägen. fondern alle Münzen vom 16 bis 4 Schilling-
ftück (8 bis 2- Ggr.) mit dem Gepräge von 1754 herftellen. Wahr-
fcheinlich begann man damit 1758. Der Münzfuß wurde in dem-
felben Verhältnis verfchlechtert. wie es mit den von Preußen ge-
münzten Sorten gefchah; er war:
1758 . . . 16-18 Rtlr.. 1761 . . 83 und 34 Rtlr..
1759. . . 19-21 „ 1762. . 36 „ 40 ..
1760. . . 22-32 „ endlic h in denDritteln 50 „
welche Höhe die preußifchen Unternehmer doch auc h in den fremden
deutfchen Sorten nicht erreicht haben2)
Da war den Ephraim und Jßig natürlic h äußerft daran ge-
legen. daß diefe Münzftätte gefchloffen würde. Schon im Januar
1760 willigte der König in ihre Zerftörnng ein. fie gefchah aber
nicht. Jm November desfelben Jahres meinte Köppen. daß es nun
an der Zeit fei: die Unternehmer wollten 30000 Rtlr. zahlen.
wenn die Münzanftalten in Mecklenburg und Harzgerode durch
Militär zum Stillftand gebracht würdenfei) Aber diefe Bitte wurde
1) S. Münzbefchreibung Nr. 1838. 1839.
2) Evers. Mecklenb. Münzverfaffung l. S. 130-133. Evers fagt. Herzog
Friedrich habe mit dem Stempel feines Vorgängers geprägt. weil „das zarte
Gemüt des fo religiöfen als rechtfchaffenen Herzog Friedrich fich zu einem offenen
Bckc'inntniffe der von ihm geprägten fchlechte Münze fich nicht entfchließen konnte".
Das gewählte Mittel fei aber das fchiiklichfte doch nicht gewefen. - Ahnliche
Münzfüße hat Ketienbrink. Des pommerfchen Patrioten gemeinnüßiger Unterricht.
1764. in feiner Tabelle 11 für Mecklenburg-Schwerin 1752-1763.
3) Jm.-Ber. Köppens. Magdeburg. 15. November. und Leipzig. 24. Dezem-
ber 1760. Lt. 96. 409 0.
88 Erftes Buch. Viertes Kapitel.
wieder nicht fogleic h gewährt; Mecklenburg-Streliß wollte man über-
haupt nicht fchädigen und auc h gegen die Schweriner Münze vor-
läufig nicht einfchreiten. weil. wie der Minifter Finckenftein meinte.
dadurc h nur Repreffalien veranlaßt und der Handel gefchädigt
würde)) Jndeffen flüchtete die Schweriner Münze im November 1760
vor dem preußifchen Einfall nach Hamburg. kehrte aber bald zurück?)
Zum zweitenmal floh die Münze im März 1761 nac h Lübeck. 3)
denn damals hatten die preußifchen Unternehmer ihren Willen durh-
gefeßt: die Aufhebung der Schweriner Münzftätte ging vor fih.
Auf 150 Wagen führte man Material. Mafchinen und Geräte da-
von. Gleichwohl foll der Herzog auf einem Klippwerk zu
Schwartau. einem bifchöflic h lübifchen Flecken. weiter täglic h Drittel
für 12000 Rtlr. hergeftellt haben.4)
Vor allem aber gelang es Mecklenburg-Schwerin. in Eutin
weiter zu münzen.5) Schon im Herbft 1760 hatte der Jude Herz
Philipp bei dem mecklenburg-fchwerinfchen Poftmeifter Wilhelm
Meinecke in Hamburg angefragt. ob die Schweriner Münze wegen
der Unruhennicht beffer nac h Rethwifc h in Holftein-Plön zu ver-
legen fei. Obgleic h dies zunächft abgelehnt wurde. fah fic h das
Münzdirektorium im Dezember wegen der „alle Grenzen des Be-
griffs der Billigkeit und Möglichkeit überfchreitenden Brand-
fchaßungen“ Preußens doc h genötigt. darauf einzugehen. zumal da
„der Fonds der Münze als das faft einzige bisherige Rettungs-
mittel größtenteils zur Unterhaltung des Herzoglichen Etats und
anderer vor Augen liegenden unermeßlichen Ausgaben darauf gehen
und für die Zukunft ohne einige oder doc h fehr langfame ressouree
fein könnte“.6) Aber auc h diesmal kam es nicht dazu. wenn auch
der Plönfche Juftizrat Schröder weiter mit Meinecke verhandelte.
Erft nac h der Aufhebung der Schweriner Münze durc
h
Preußen wandte fic h Herzog Friedric h im Mai 1761 an den Bifchof
1) Finckenftein an die Unternehmer. Berlin. 2. Februar 1761. 11.111. 167.
2) A. Schw. 8. 88. 4. 701. L817.
31 Ebenda.
4) A. Schl. .4. 711. 701. 8. - Evers 1. Z 133.
5) Das Folgende nac h A. Schw. 8. 88. 4. 701. 11817.
6) Promemoria des Münzdirektoriums (Müller. Wachenhufen). Schwerin.
14. Dezember 1760.
Die außerpreußifchen Münzverfchlechterungen in Deutfchland 2c.- 89
von Lübeck. den Herzog Friedric h Auguft von Oldenburg. um Über-
laffung der Münzftätte zu Eutin. Gleich darauf verabredeten die
Schweriner Kammerräte v. Müller und v. Wachenhufen mit den
Eutiner Beauftragten in Travemünde den Vertrag. Nac h längerem
Herumfeilfchen kam derfelbe zu Lübeck am 8. Juni 1761 zuftande.
Ju dem Hauptvertrage wurde Schwerin zugeftanden. in der
Eutiner Münze und in einem andern Gebäude auf einer Jnfel fo
viel Schweriner Geld zu prägen. als beliebt werde. Die Lieferanten
durften fic h in Eutin einmieten. Von dem Schweriner Geld follte
nichts in Holftein ausgegeben werden. Die andern Punkte betreffen
Gerichtsbarkeit. Lieferung von Materialien. Der Vertrag dauert
bis zum Frieden oder bis kaiferliche ln11ibitm-ia oder der Krieg die
Ausführung unmöglic h machen.
Ju einem Separatartikel wurde beftimmt. daß Schwerin an
Eutin monatlich 3350 Rtlr. in Piftolen zahlt. folange gemünzt
wird. außerdem am Dreikönigstage 1762 einen Vorfchuß von
19000 Rtlr. in Piftolen. der dadurc h abzuzahlen fei. daß Schwerin
19 Monate lang niht 3350. fondern nur 2350 Rtlr. Pacht er-
legte. Die andern Punkte enthalten Rückzahlung des Vorfchuffes
bei Verhinderung der Münzung. Bei allem wurde vorausgefeßt.
daß Dänemark und Rußland das ganze Gefchäft zuftande kommen
ließen.
Da Minifterium und Münzdirektorium rieten. auf diefe Weife
das Münzwefen als einziges Rettungsmittel zu betreiben. „wenn
die Göttliche Barmherzigkeit das liebe Vaterland mit anderweitigen
barbarifchen preußifchen Überzügen auf das ängftliche Gebet fo
vieler armer und unfchuldiger Untertanen nicht verfchonen wollte“.
fo ratifizierte der Herzog.
Die fchwerinfche Prägung ging in der Eutiner Münze von
Herbft 1761 bis Ende 1762 vor fich. Nac h Abfchluß des Friedens
zwifchen England und Frankreich. und da der zwifchen Preußen und
Ofterreic h in Ausficht ftand. fchien es nämlic h geratener. nicht weiter
fchlechtes Geld zu fchlagen. was auc h Friedric h Auguft von Olden-
burg einfah. Ende des Jahres wurden die Geldverhältniffe ver-
tragsmäßig geregelt: Eutin erhielt für die Zeit vom 1. Oktober 1761
bis zum 31. Dezember 1762 50250 Rtlr.
9() Erftes Buch. Viertes Kapitel.
Aber fchon im Juni 1762 war der Münzbetrieb zum größten
Teile wieder nac h Schwerin zurückverlegt worden. Am 11.November
meldete das Münzdirektorium. daß. wenn auch noch ein preußifcher
Überfall käme. die Transportkoften „nac h der Eutiner politique“
doch zu große wären.
Es fchien den preußifchen Unternehmern das befte Mittel zu
fein. die Schweriner Konkurrenz zu unterbinden. indem fie die
Münzen nachprägten. Da diefelben in Oftfriesland und dortiger
Umgegend ftark umliefen. feßten fie 1760 die Auricher Münzftätte
wieder inftand und ließen dort fächfifche und mecklenburgifche Drittel.
diefe wie in Mecklenburg felbft mit der Jahreszahl 1754. fowie
preußifche Mariengrofchen. deren 3 fo gut wie ein alter waren.
ausprägen.. Obgleich man Tag und Nacht arbeitete. mußte noch
eine zweite Münzftätte im Schloffe angelegt werden. Die fächfi-
fcheu Drittel gingen befonders zur alliierten Armee. die mecklen-
burgifchen an Ephraims Agenten. den Schußjuden Arend Hehmann
in Emden. Später entftanden in Aurich auc h noch fehr fchlechte
Thmpfe für Polen.
Durch die enorme Produktion der mecklenburgifchen Drittel
und der Mariengrofchen wurde in Oftfriesland eine große Preis-
fteigerung veranlaßt. Die Erbitterung des Volkes entlud fich end-
lich in einem Tumult zu Emden am 13. Februar 1761. bei dem
Hehmanns Wohnung ruiniert wurde. der fic h aus dem Staube
machte; 4 andere Judenhäufer wurden rein ausgeplündert. Ein
Jahr fpäter. am 30. Mai 1762. brach ein zweiter Aufftaud los. der
fchlimmer als der erfte zu werden drohte. weil die Bürgerwehr fih
weigerte. gegen die Tumultuauten vorzugehen. Jndeffen begnügten
diefe fich wieder damit. bei den Juden alles kurz und klein zu
fchlagen. Bevor der Pöbel auf die chriftlichen Kaufleute losging.
gelang es. ihn auseinanderzutreiben. worauf. die drei Rädelsführer
ins Zuchthaus oder auf Feftung kamen.
Die Wirkung der mecklenburgifchen Drittel und der Marien-
grofchen. der fogenannten „Hehmännchen". war auf Handel und
Wandel ebenfo verderblich wie die des andern Kriegsgeldes. wovon
noch eingehender gehandelt werden foll; die Schuldner beeilten fih.
ihre Ausftände mit dem fchlechten Gelbe abzuzahlen. nur wenige
Die außerpreußifchen Münzverfchlechterungen in Deutfchland 2c. 91
Gläubiger hatten die den meiften unbekannte Vorficht gebraucht. mit
Vorbehalt des Agios zu quittieren. Befonders aber fchadete die
große Preisfteigerung den Lohn- und Gehaltsempfängern. die ihr
Leben kaum zu friften wußten und zum Teil auswandertenK)
Weil Preußen alfo das mecklenburgifche Geld nachmünzte.
weil es ferner große Mengen davon als Kontribution aus Mecklen-
burg empfing. hören wir von einer Konfiskation desfelben nur ein-
mal: 1761 wurden in Minden 23665 Rtlr. mecklenburgifches Geld
in 31 einzelnen Sendungen befchlagnahmt. Diefe Münzen blieben
dort bis 1764 liegen. dann wurden 16 Poften. die fremden Unter-
tanen gehörten. eingefchmolzen. während die 15 andern. preußifchen
Untertanen zuftehenden diefen als Gefchenk unter der Bedingung
zurückgegeben wurden. daß fie nicht im Lande verausgabt würden?)
Jm Juni 1762 bot fich den Unternehmern Gelegenheit. die
Strelißfche und Plönfche Münzftätte zu pachten. wo fie Bern-
burgifche Münzen. fächfifche 2- und 1-Grofchenftücke fowie neue
Auguftdor prägen und dafür 100000 Rtlr. Schlagfchaß geben
wollten.3) Sehr wahrfcheinlich kam es zu diefer Prägung. aber
unter preußifchem Stempel. Denn nach dem am 17. Dezember 1762
gefchloffenen Kontrakt follten fie auch „in den kombinierten Münzen"
zu Bernburg. Plön und Mecklenburg nur noch nach 193/4-Talerfuß
unter preußifchem Gepräge münzen.4) Wir fügen hier gleich bei.
daß. wie die Scheidemünzen in den preußifchen Münzanftalten 1763
nach 25- und 30-Talerfuß ausgebracht worden find. dies auch in
den kombinierten der Fall war. Die hier entftehenden Grofchen
und Sechfer trugen den Münzbuchftaben (4.5)
Mit der dritten für uns wichtigen Münzart. die aus der eben
genannten Holftein-Plönfchen Prägftätte hervorging. hatte es eine
ganz eigene Bewandtnis. Eins der bedeutendften kaufmännifchen
Genies. die das 18. Jahrhundert hervorgebracht hat. war Heinrich
Karl Schimmelmann. der fich vom Stettiner Ladendiener zum
1) Wiarda. Oftfriefifche Gefchichte. ue. S. 15. 16. 73-77. 92-93.
2) K.-O. an Graf Reuß mit Defignation. Potsdam. 11. Februar 1764.
Tit. 117. 3.
3) Jm.-Ber. Köppens. Magdeburg. 16. Juni 1762. 11. 96. 409 0.
4) 1s. 163. l. 99.
ö) Münzbefchreibung Nr. 1710. 1712. Note.
92 Erftes Buch. Viertes Kapitel.
dänifchen Minifter und Grafen emporgearbeitet hat und 1782 mit
Hinterlaffung eines Vermögens von 14 Millionen Rtlr. ftarb. Er
fchloß nach der Schlacht bei Kolin mit Friedrich dem Großen be-
deutende Lieferungskontrakte. wobei er 11/2 Millionen Rtlr. ge-
wonnen haben foll. und pachtete die Meißener Porzellanfabrik.
1758 aber ging er nach Hamburg.l)
Hier befchäftigte er fich auch mit Münzfachen. Jm Auguft
1758 ließ er den fächfifchen Wardein Knauft kommen und fich von
ihm einen Auffaß über alle Erforderniffe einer Münzftätte aii-
fertigen. Man wußte in Dresden. daß er fie unter dänifchem
Schuße betreiben wollte?) Damals aber fcheint es noch nicht zum
Prägen gekommen zu fein. Er verfchrieb vielmehr 1759 10000 Rtlr.
in fächfifchen Thmpfen von den preußifchen Unternehmern und ließ
fie von Hamburg nach Danzig gehen. wo fie aber konfisziert wurden.
Minifter Finckenftein machte wenig Hoffnung. fie wieder los zu be-
kommen. da felbft die Durchfuhr folcher Münzen der Magiftrat
nicht geftattete. Die Thmpfe blieben denn auch konfisziert. nur
wurde den Empfängern. den Danziger Kaufleuten de Cuhper und
Stolterfoth. die weitere Strafe von 100/0 des Wertes erlaffen.3)
Anfang 176l kam es dann zu einem_ Kontrakt zwifchen
Schimmelmann und dem Herzoge Friedrich Karl von Holftein-Plön;
zwar trat Schimmelmann davon zurück. doch widmete er feine ver-
mittelnden Dienfte weiter diefer Sache.4) Am 11. März 1761
fchloß der Herzog einen andern Kontrakt mit den Hamburger
Bankiers Sehler und Tillemann; aber auch diefer mußte am 1. Mai
aufgehoben werden. weil der König von Dänemark von gering-
haltigem Gelbe Schaden für fein Land befürchtete.5) Erft als Fried-
rich Karl erklärte. er werde unter dem Stempel eines fremden
1) J. G. Hunger. Denkwürdigkciten zur Finanzgefchichte von Sachfen.
Leipzig 1709. S. 165-168; J. D. Preuß. Friedrich d. Gr.. 11. Berlin 1833.
S. 391. 445.
i) Unruh an Brühl. Dresden. 22. Auguft 1758. A. D. 110e. 451.
3) Jfaac und Jßig an Minifter v. Blumenthal. Breslau. 20. Juni 1759.
- Finckenftein an d. Gen.-Direktorium. 3. Juli 1759. Tit. Z711. 12. - Un-
ruh an Brühl. Dresden. 5. Oktober 1759. A. D. 110e. 451.
4) Friedrich Karl an den -preußifchen Refidenten in Hamburg. Hecht. Plön.
19. Januar 1761. 11. 81. 104.
5) Das Folgende nach A. Schl. 41. 711. 583. 701. l-111.
Die außerpreußifchen Münzverfchlechterungen in Deutfchland 2c. 93
Fürften prägen und das Geld bei den Armeen in Deutfchland aus-
geben laffen. er müffe fonft auf einen Gewinn von 360000 Rtlr. ver-
zichten. gab der König die Unternehmung zu.
Schon im März 1761 war man darüber einig geworden. die
Prägung im Schloß zu Rethwifc h vorzunehmen. und im Juli und
Auguft wurden die Vorbereitungen unter fortwährender Vermitte-
lung Schimmelmanns beendet. Der Kommis des Haufes Sehler
und Tillemann. Johann Wieger aus Straßburg. trat als Unter-
nehmer ein; es wurde mit dem Anhalt-Zerbfter Geheimrat Cappel-
mann in Hamburg über Gebrauch des Zerbfter Stempels ver-
handelt. und am 23. Auguft konnte Wieger aus Zerbft melden. daß
der Kontrakt fertig fei.
Ju dem Kontrakt Wiegers mit dem Herzog von Plön wurde
zuuächft ausgemacht. daß diefer in Rethwifc h auf eigene Koften und
unter eigenem Stempel Speziestaler und Gulden nac h Reichsfuß
prägen follte)) Auf'Schimmelmanns Rat wurden diefe in Ham-
burg ausgegeben. um dem Publikum jeden Verdacht zu nehmen.
Viel ift davon aber nicht gemünzt worden. Sodann aber follte
Wieger jährlich 300000 Mark Feinfilber in geringe Kriegsmünze
verarbeiten laffen und dem Herzog als Schlagfchaß für jede ver-
münzte feine Mark eine Mark dänifc h Kurant. außerdem noch
andere hohe Abgaben zahlen.
Jn dem Kontrakt mit der Anhalt-Zerbfter Kammer wurde
dem Wieger erlaubt. unter Zerbfter Stempel zu Rethwifc h 8- und
4-Grofcheuftücke fowie Scheidemünze nac h Anhalt-Bernburger Fuß
fchlagen zu laffen. wofür er auf die feine Mark der Kammer
1 Taler in Rethwifcher Münze zu fenden hatte. Wenn Bernburg
feinen Fuß verringerte. durfte er das auch. aber erft nac h Be-
willigung der Kammer. Er war befugt. das Gepräge zu ändern.
aber nicht des Herzogs Bildnis anzubringen; es follte ihm freiftehen.
die Jahreszahl von 1754 an zu wählen. die ihm am günftigften
erfchien?)
1) Darüber habe ic h gehandelt in den Berliner Münzbl. 1905) Nr. 40.
2) Entwurf beider Kontrakte ohne Datum. A. Schl. it. kill) 583. 70l. lil.
- Die Anhalt-Zerbfter zu Rethwiic h gemünzten Drittel- und Zwölfteltaler mit
der Jahreszahl 1758 f. bei J. Mann. Anhaltifche Münzen und Medaillen.
Hannover 1907) Nr. 364) 367.
94 Erftes Buch. Viertes Kapitel.
Am 16. September 1761 wählte man einen 41-Talerfuß.
Herzog Friedrich Karl ftarb fchon am 18.0ktober 1761. mit welchem
Ereignis die Schleswiger Archivalien abfchließen. Sein Nachfolger
in Plön wurde infolge eines Vergleichs vom 29. November 1756
der König von Dänemark. Friedrich 7. Der preußifche Gefandte
in Kopenhagen. von Borcke. meldete. daß die Kontrakte übergeben
und die Münze im Gange fei. und vermutete. daß Dänemark fich
den Extragewinu daraus nicht entgehen laffen werde. Zu einem
Einfpruch dagegen hatte er kein Recht. doc h follte er fic h indirekt
um Siftierung jener Münze bemühen))
Die preußifchen Unternehmer taten alles. fie zum Stillftand
zu bringen. und fchickten zu dem Zweck 250000 Rtlr. nac h Kopen-
hagen?) Sie erreichten ihn. wie es fcheint. damit. denn die Reth-
wifcher Prägung ift wohl kaum über den Januar 1762 auf dänifche
Rechnung fortgefeßt worden. Natürlic h fuchten Ephraim und Jßig
auc h den Abfaß der Rethwifcher Produkte in-Deutfchland mit allen
Kräften zu vereiteln. bis fie felbft 1762 diefe Münze pachteten.
(S. S. 91).
Schon Anfang Oktober. alfo 14 Tage nac h Beginn ihrer
Prägung. waren die Zerbft-Plönfchen Münzen in Leipzig im Um-
lauf.3) Sie waren nicht zu 41 Rtlr.. fondern fchlechter: wie der
Rethwifcher Münzmeifter Georg Anton Schröder fpäter angab. zu
41 Rtlr. 18 Schilling ausgebracht worden. Schröder war im Jahre
1761 Wardein in Schwerin geworden. aber noc h in demfelben Jahre
> von Schimmelmann nac h Rethwifch gerufen worden. wo er 'bis zum
Tode des Herzogs amtierte. worauf er Münzmeifter in Danzig
wurde.4) Wer fein Nachfolger in Rethwifch war. wiffen wir nicht.
Schröder erzählte fpäter noch. daß die Rethwifcher Münzen
wöchentlich in vier Wagen nach Hamburg gefahren worden feien.
und das preußifche General-Direktorium erfuhr. daß wöchentlic h große
1) Ber. Borckes. Kopenhagen. 30. Oktober. Finckenftein an Borcke.
7. November 1761. 11. 1(l. 167 (Dänemark 58 11).
2) Atteft Borckes o. D. 11. 96. 409 0.
3) Ber. der Ephraim und Jßig. Berlin. 12. Oktober 1761. lt. 111. 167.
4) Schröder war in Danzig bis 1765. feitdem Münzmeifter in Warfchau
bis zum Jahre 1795. Er war der Sohn des hannöverfchen Münzmeifters Johann
Anton Schröder. Ber. Schröders an Minifter v. Heiniß. Warfchau. 2. März
1796. Tit. M111. 13.
Die außerpreußifchen Münzverfchlechterungen in Deutfchland 2c. 95
Transporte diefer Sorten von Hamburg über Braunfchweig nac
h
Berlin unter Adreffe der Kaufleute Klunder und Schwarß gingen))
Die braunfchweigifche Regierung behauptete aber. davon nichts zu
wiffen. fie hätte mit der Münze zu Rethwifch nichts zu tun. geftand
aber zu. daß fie Zerbfter-Drittel aus Hamburg für eigene und
fremde Rechnung habe kommen. in Braunfchweig und Berlin davon
aber nichts habe ausgeben laffenFi)
Schon am 7. November 1761 wurden außer den mecklen-
burgifchen. Stralfunder und Hildburghaufenfchen auc h die Zerbft-
Plönfchen fchlechten Sorten verboten. da fie 30 bis 400/0 fchlechter
als die fächfifchen Drittel feien.-9*) Der König befahl dann auf Be-
treiben der Unternehmer. diefe Gelder ohne jede perfönliche Rück-
fihtnahme zu konfiszieren; alle Mitglieder des General-Direktoriums
feien dafür verantwortlich; ein Beamter. der dabei fäumig fei.
werde mit fofortiger Kaffation beftraft.4) .
Es kam gleic h darauf zu einigen Konfiszierungen. z. B. iu
Stettin von 12000 Rtlr. in fchwedifchem (Stralfunder) Geldeä")
Ferner wurden dem bekannten Kaufmann Goßkowskh 50000 Rtlr.
Zerbft-Plönfcher Sorten. die er bei der alliierten Armee anzubringen
fuhte. in Bielefeld angehalten und troß aller feiner Proteftationeu
und Uufhuldsbeteuerungen konfisziert.6) Wenn Goßkowskh auc h den
Juden alle Schuld zuzufchieben fucht. fo fagt er doc h ausdrücklich.
daß er nac h dem Verbot diefer Münzen Order gegeben habe. „eine
Probe von 50000 Rtlr. nac h der alliierten Armee zu fenden. ob
folhe dafelbft nicht anzubringen ftünden". Die Juden hätten dann
erft ein Durchfuhrverbot erwirkt und feine Münzen konfisziereu
laffen.7) Dem mohte fo fein; als „patriotifcher Kaufmann" hätte
W “ fll Finckenftein an das Gen.-Direktorium. 17.November 1761. Tit. 117. 1.
2) Schreiben der Regierung. Braunfchweig. 2. Januar 1762. Ebenda.
3) Avertiffement. Tit. 111. 167.
4) K.-O. an das Gen.-Dir.. Strehlen. 6. Dezember 1761. und Breslau.
2. Januar 1762. Tit. 117. 1.
l5) Gen.-Poftamt an das Gen.-Dir.. 27. Dezember 1761. Lt. 96. 409 0..
und 10. Januar 1762. Tit. 117. 1. Das Geld war für einen Stettiner Kauf-
mann Frifener beftimmt.
6) K.-O. an d. Gen.-Dir.. Strehlen. 6. Dezember 1761. Ebenda.
7) Gefchichte eines Patriotifchen Kaufmanns. Schriften des Ver. f. d.
Gefch. d. Stadt Berlin. Heft 7. Berlin 1873. S. 68-76. 81. - Die 50000 Rtlr.
wurden in Berlin eingefchmolzen und ergaben:
96 Erftes Buch. Viertes Kapitel.
Goßkowskh fic h aber von folchem Handel mit verbotenem Gelde
doc h wohl fernhalten müffen.
Man- erfährt dabei auch. daß der Berliner Polizeidirektor
Kircheifen in Berlin 12000 Rtlr. Plönfcher_ Münzen konfiszierte.
die in einem Wagen mit doppeltem Boden dahin eingefchleppt
waren)) Endlic h ertappte man wieder in Bielefeld einen Trans-
port von 20000 Rtlr. in Zerbfter Münze an einen dortigen Kauf-
mann von Laer. dem es ebenfo ging wie Goßkowskh. Darunter
waren auc h 71831/2 Rtlr. in mecklenburgifchen Sorten; gegen alle
Bitten wurden diefe Gelder 1764 eingefchmolzen?) Man fand bei
der Einfchmelzung der Goßkowskhfchen Münzen einen Fuß von
421/2 Rtlr..8) während bei einer Probierung in Dresden fic h ein
folcher von 42 Rtlr. 1 Gr. 2 Pf. ergeben hatte.4)
_ Gerade als die preußifchen Unternehmer erlangt hatten. daß
ihr Bernburger Geld in Schlefien erlaubt wurde. fingen die Hild-
burghaufenfchen Sorten mit Bernburger Stempel an fic h auszu-
breiten. und Ephraim und Jßig forderten nun. daß die Einfuhr
von neuen Bernburger Geprägen verboten würde. was auc h gefchahö)
Jn Hildburghaufen prägte man zuerft unter eigenem Stempel.
aber feit 1761 äußerft fchlecht. nämlic h Grofchen nac h einem Fuß
von 41 Rtlr. 7 Gr. 8 Pf.. dann 44 Rtlr. 7 Gr. 4 Pf.. dem Bei-
fpiele Sachfeu-Saalfelds folgend. das folche Sorten fchon 1760 zu
43 Rtlr. 2 Gr. 9 Pf. und 44 Rtlr. 5 Gr. 3 Pf. ausgebraht
hatte.6) Dann aber fchien es bei den fortwährenden Verboten in
Preußen und anderswo geraten. ein anderes Gepräge zu wählen.
Silber . . . 3927 Mark 6 L. zu 4 L. 16 Gr. f. - 1200 Mk. 9 Gr. fein.
Kupfer . . . 2727 „ 8 „ -13633/4c Pfd.;
die Mark Feinfilber zu 28 Rtlr.. das Pfd. Kupfer zu 8 Gr. gerechnet. ergab
34055 Rtlr. 11 Gr.. wovon 1/4 als Denunziantenanteil. 3/4 an die Staatskaffe
fielen. Berlin. 6. Januar 1762. Tit. 117. 1.
1) Patr. Kaufmann. S. 73.
2) Ber. des Gen.-Dir.. Berlin. 29.März 1764. Bitte des von Laer durch
K.-O. vom 11. April 1764 abgefchlagen. Tit. 117. 3.
3) n. 96. 409 0.
4) A. D. 1.00. 1Z34. n01. ln.
5) Ephraim und Jßig an Schlabrendorff. Berlin. 9. Auguft 1762. Aver-
tiffements vom 12. Auguft für die Kurmark. vom 17. für Schlefien. A. B.
n. n. ln. 33 n. i701. 11. *
6) A. D. [1oe. 1334. 701. 111.
Die außerpreußifchen Münzverfchlechterungen in Deutfchland 2c. 97
Als der Kaifer den Kurfürften von Sachfen mit der Exekution gegen
Hildburghaufen beauftragte. die jener unter den damaligen Um-
ftänden natürlic h nicht ausführen konnte. die den Herzog aber doc
h
wegen der Zukunft beforgt gemacht haben wird. verfprac h er. feine
Münze zu fchließen. Er tat das auch. legte aber eine neue in
Klofter Veilsdorf an und ließ hier im Namen feines Bruders unter
fremdem Stempel. befonders Bernburgifchem. nac h „unerhört“
fchlechtem Münzfuße Drittel und Sechftel prägen)) Diefer Unter-
nehmung hat wahrfcheinlic h erft der Friede ein Ende gemacht.
Vielleicht wurde hier ein 51-Rtlr.-Fuß befolgt. da die Dresdener
Balvationen einen folchen höchften Fuß für Bernburger Sechftel
mit der Jahreszahl 1758 als der am fpäteften. ficher nicht vor 1761
erfchienenen Münzen erwähnen?)
Auf Betreiben der preußifchen Unternehmer. die erfahren
hatten. daß auc h Schwarzburg-Sondershanfen fchlechtes Geld fchlagen
wollte. fchrieb man preußifcherfeits dem Fürften. er möchte es lieber
unterlaffen. da der König das nicht gleichgültig anfehen würde.
Der Fürft verteidigte fic h aber damit. daß er nur dem Mangel an
Scheidemünzen abhelfen wollte und diefe beffer als die meiften um-
laufenden prägen laffen werde.3) Wenn überhaupt. fo hat er doch
nicht viel fchlechtes Geld hergeftellt. weil Klagen darüber nicht
einliefen.
1) Promemoria ohne Unterfchrift. Leipzig. 8. Dezember 1762. kt. 96. 409 1).
2) A. D. l1oe. 1334. 701. 111. S. auch Tabelle l7. c.
3) Minifter Graf Finckenftein an den Fürften. 10. November 1761. Ant-
wort: Sondershaufen. 24. November 1761. 11. Zi. 167.
seW. 1301-11881en.. Münzwefen lil. 7
Zweites Zach.
Der Verkehrswert des Ariegsgeldes.
Erftes :Kapitel':
Der Verkehrswert der Ariegsmünzen preußifchen Sepräges.
Wenn man von der Wirkung des Kriegsgeldes oder gering-
haltiger Münzen überhaupt auf Handel. Verkehr und Volkswirtfchaft
fpricht. fo verfteht man darunter befonders ihren Einfluß auf die
Steigerung der Wareupreife und des Wechfelkurfes. Es ift nun
unfere Aufgabe nicht. eine Gefchichte der Preife zu geben. und wir
können uns auc h nicht auf die fehr intereffante und fchwierige Unter-
fuchung einlaffen. wieviel bei der Preisfteigerung auf die Münz-
verfchlechterung und wieviel auf andere Umftände. wie die gewaltig
zunehmende Kriegsnachfrage und das mit ihr nicht gleichen Schritt
haltende Angebot. kam.1) Wir müffen uns darauf befchränken.
erftens das Material zur Beantwortung diefer Fragen infoweit her-
beizufchaffen. als es die Münzverfchlechterung betraf. was in den
vorigen Kapiteln gefchehen ift; zweitens zu erörtern. wie -fic
h
Regierung und Bevölkerung dabei verhielten.
So fehr wir die Lückenhaftigkeit der Nachrichten über die
Münzprägungen zu beklagen hatten. fo vollftändig find die umfang-
reichen Akten der inneren Verwaltung über die Wirkungen des
Kriegsgeldes erhalten.
König Friedrich hat während des ganzen Krieges. folange es
nur möglic h war. feinem Lande das gute Geld zu bewahren gefucht.
Schon bei Beginn des Krieges forgte er dafür. Die Feldkriegs-
kaffe gab die Friedrichsdor mit 1/2 bis 1/Z 0/0 Aufgeld oder gar parj
aus. Als das die Ephraim hörten. wollten fie 10/0 geben. wenn
fie die Friedrichsdor erhielten. womit fie die zum Silberkauf nötigen
englifchen und holländifchen Wechfel zu bezahlen vorhatten?) Kaum
1) Ãœber die Steigerung der Wareupreife f. Kofer. Finanzen. S. 373. 374.
2) Jm.-Ber. Borckes. Torgau. 1. März 1757. Lt. 96. 425 1:'.
102 Zweites Buch. Erftes Kapitel.
hörte der König davon. fo erkundigte er fic h nac h diefem Agio und
vernahm. daß es ihm gar nicht berechnet worden war. Er unter-
fagte dem Kommiffariat diefen Handel. und befahl. die Friedrichsdor
nur an preußifche Lieferanten zu bezahlen. während in Sachfen
alles nur „mit geringer Silber- undScheidemünze" bezahlt werden
müffe. 1)
Das begehrte Goldgeld. das der König in feinem Schaß an-
gefammelt hatte. mußte bei der Mobilmachung und im Laufe des
Krieges in den Verkehr fließen. Um zu verhindern. daß es fogleic
h
ausgeführt würde. fuchte Friedric h die Nachfrage nach Gold im
Lande zu fteigern. Er befahl ein Edikt zu erlaffen. demzufolge die
Zölle und Lehnpferdegelder ganz. die Domänenpachten. Poft-.
Akzife-. Chargen- und Stempelabgaben zum Teil mit Friedrichsdor
bezahlt werden follten?) Daraufhin feßte das General-Direktorium
feft. daß die Lehnpferdegelder und Domänenpachten - nicht die
Pachten der einzelnen Bauern - ganz. die Zölle. Chargen- und
Stempelgelder. wenn der Betrag 5 Rtlr. und mehr. die Poft- und
Akzifeeinkünfte. wenn er 10 Rtlr. und mehr betrug. mit Friedrichs-
dor zu entrichten wärenjöi) _
Auf Vierecks Rat fprac h man nicht von der zu verhindernden
Ausfuhr. fondern nur von der zu befördernden Zirkulation der
Friedrichsdor.4) Wenn man auf feinen Rat von andern Sorten
nichts erwähnt hatte. weil er fonft unzählige Klagen erwartete. fo
liefen doc h gleic h eine ganz ungeheuere Menge von Gegenvor-
ftellungen ein. die das General-Direktorium zunächft abwies. da es
nicht befugt fei. das Edikt zu ändern))
Auc h Schlabrendorff war gegen das Edikt gewefen und hatte
den König fowie Reßow dringend gebeten. davon abzufehen und
1) K.-O. an das Feld-Kriegs-Kommiffariat. Dresden. 11. März 1757. Ebenda.
2) Nr. 10.
3) Edikt vom 21. Auguft 1756. Mhlius di. 0. 11. S. 159.
4) Vierecks Bemerkungen vom 5. September 1756. ebenda; das Edikt
wurde auf den 21. Auguft zurückdatiert.
5) 1756 fandten Gegenvorftellungen: Mindenfche. Königsberger. Pommer-
fche. Neumärkifche. Halberftädtifche Kammer; Berliner. Kolberger. Frankfurter
Kaufmannfchaften; Stettiner Kommerzkolleg; Hinterpommerfche Stände; Kreis
Friedeberg. Kreis Schievelbein. Hohenfteinfche Ritterfchaft. - S. auc h A. M.
Halberftädt. Kammer 1. 156.
Der Verkehrswert der Kriegsmünzen preußifchen Gepräges. 103
das einzig erfolgreiche Mittel anzuwenden. nämlic h den Friedrichsdor
auf 5 Rtlr. 6 Gr. zu feßen.- da er fchon 5 Rtlr. 4 Gr. gelte.
Der König aber meinte. es fei damit zu viel gewagt. er fürchtete
wohl für das Silbergeld1) Dennoch hatte Schlabrendorff recht. er
war es. der 7 Jahre fpäter den hier gemachten Vorfchlag durchfeßte.
Die meiften der einlaufenden Klagen betonten. daß viel zu
wenig Friedrichsdor vorhanden feien und man für einen 5 bis 60/0
Aufgeld geben müffe. Sodann wurde geltend gemacht. daß viele
Adlige keine 5 Rtlr.. ja nicht einmal 21/2 Rtlr. an Lehnpferdegeld
zahlten. worauf für diefe Fälle die Zahlung mit Silbergeld er-
laubt wurde.2)
Eine größere Ausnahme erfuhr das Edikt zuerft im Minden-
fchen. Da das Hauptlandesprodukt. die Leinwand. nicht über die
Wefer durfte. fo war es fehr fchwer. Friedrichsdor zu erhalten. man
mußte fie fic h wie eine Ware. die nicht im Lande hergeftellt wurde.
mit fchweren Koften kommen laffen. Deshalb wurde erlaubt. daß
vorläufig alle Mindenfchen Abgaben mit Sechfteln und Zwölfteln
bezahlt würden. Jm Jahre 1757 mußte dasfelbe für die pommer-
fchen und Magdeburgifchen Pferdegelder zugeftanden werden. und
1758 wurden. da die Friedrichsdor durch das Kriegsgeld verdrängt
waren. weitere Ausnahmen nötig.3) Überhaupt war es damals
nicht mehr möglich. das Edikt ftreng durchzuführen; der kurmärkifchen
Kammer wurde mitgeteilt. fie brauche darauf nicht mehr fo genau
zu halten. Aufgehoben wurde es aber nicht. Als im Jahre 1759
die Mittelfriedrichsdor erfchienen. follte die Zahlung mit folchen
gefchehen.
1) Jm.-Ber. Schlabrendorffs. Breslau. 24. Auguft; K.-O. an ihn vom
27. Auguft 1756. ri. B. n. u. ln. 31. in und Nr. 11.
i1) Übrigens erforderte der Krieg auch große Mengen von Silbergeld. über
deffen Mangel Köppen wiederholt klagte. was der König aber nicht recht glauben
wollte. da ja neulic h noch behauptet fei. es laufe nur Silbergeld um und die
Friedrichsdor gewönnen Aufgeld. Köppen müffe nur die Grofchen und Sechfer
mitnehmen. die er. der König. gern los werde. und fic h mit dem General-
Direktorium darüber in Verbindung feßen. K.-O. an Köppen. Dresden. 15. und
23. Dezember 1756. Treforakten Lt. 163. 1. 75.
3) Refolution für d. Mindenfche Kammer vom 21. Dezember 1756. Tit.
1171. 17. - Die Wafferzölle und Akzife im Magdeburgifchen follten gar nicht.
in Berlin nur zur Hälfte mit Friedrichsdor gezahlt werden.
104 Zweites Buch. Erftes Kapitel.
An diefe Verhandlungen knüpften fic h andere fehr wichtige
über die Auseinanderfeßung zwifchen Gläubigern und Schuldnern.
wie fie bei jeder Münzveränderung nötig werden. zunächft wegen
der auf Goldzahlung lautenden Obligationen. Die pommerfche
Regierung gab an. „daß die Goldmünzen wegen des bequemen
Transports und da fie nur halbes Porto zahlen. einen großen Vor-
zug haben“.1) So richtig das an fic h ift. fo ift uns doc h bekannt.
daß das Agio auf Friedrichsdor in erfter Linie durc h die zu
niedrige Bewertung des Goldes hervorgerufen worden ift. .Gleic-
h-
wohl hielt die Regierung für Recht. daß der Schuldner die Sorte
fchaffe. in der er bezahlt worden wäre. oder das Agio nac h dem
Kurfe der nächften Handelsftadt dazulege. Die Kaufleute müßten.
werde ein Wechfel auf fie traffiert. die verfchriebenen Sorten zahlen.
es kofte was es wolle.
Jndeffen konnten doc h Fälle vorkommen. die eine Ausnahme
von den Gefeßen angezeigt erfcheinen ließen. Nac h Ausfage der
pommerfchen Landftände liefen befonders Grofchen und Sechfer um.
Nun war es möglich. daß der Landmann mit einem Kaufmann
einen Getreideverkaufskontrakt auf Scheidemünze fchloß. weil er
diefe zur Lohnzahlnng brauchte und er dabei diefelben Sorten ein-
nehmen und ausgeben konnte. ohne Agio zu bezahlen. Das war
ungefeßlich. weil nac h dem Wechfeledikt keine Kontrakte auf Scheide-
münze abgefchloffen werden durften. Das Juftizminifterium war
daher zwar damit einverftanden. daß der Gläubiger das Agio nac
h
dem Kurs der nächften Handelsftadt oder die verfchriebenen Sorten
zahlte. verwies die Regierung wegen der Kontrakte auf Scheide-
münzen aber auf den Jmmediatweg?) Ob diefer betreten wurde.
ift ungewiß.
Die Dinge ließen fic h folange ganz erträglic h an. als der
Graumanfche Fuß eingehalten wurde. Als diefer aber feit Ende
1758 ganz allgemein aufgegeben wurde. entftanden große Verlegen-
heiten. Am 20. März 1759 meldete das mittelmärkifche Pupillen-
1) S. auc h S. 52. Note 3.
2) Regierungsbericht. Stettin. 5. November 1756. Tit. 37l. 12. - Refkript
des Juftizminifteriums. Berlin. 8. Januar 1757. Grauman wurde auc h befragt.
fagte in einem Gutachten vom 4. Dezember 1756 aber gar nichts zur Sache.
Tit. Z71. 12.
Der Verkehrswert der Kriegsmünzen preußifchen Gepräges. 105
kollegium. daß dem Kafpar Ernft Friedrich v. Bredow auf Senske
faft fämtliche Gläubiger feines Schüßlings (0urnnäi) wegen des
täglich fteigenden Agios die Kapitalien gekündigt hätten. Ähnliche
Vorfälle ereigneten fich in Menge. Deswegen bat das altmärkifche
Kreis-Direktorium um Abhilfe. Konnte diefe auch nicht gewährt
werden. weil das General-Direktorium während des Königs Ab-
w-efenheit darüber nichts beftimmen wollte. fo find jene Angaben
des Kreis-Direktoriums doch fehr bezeichnend für die damalige
Sachlage.1)
Die alten guten. im Refkript vom 12. Januar 1751 genannten
Sorten: Dukaten. Friedrichsdor. Louisdor und Zweidrittel waren
verfchwunden. für Piftolen mußte der Schuldner fchon 10 bis 15 0/0
Agio zahlen. Um diefes zu gewinnen. kündigten alfo manche
Gläubiger ihre Kapitalien oder ließen fie in Silbergeld umfchreiben.
Davon. fo klagte man. hätten die Gutsbefißer den größten Schaden.
könnten kaum kümmerlich leben und ihren im Kriegsdienfte ftehen-
den Söhnen kein Geld fchicken. Der Getreidepreis fei wegen der
verbotenen Ausfuhr fchlecht. und die Gerichte hielten fich an die
Befcheinigungen der Parteien. die diefe fich von Bankiers und Kauf-
leuten über das Agio ausftellen ließen. Das Direktorium bat des-
halb um Fixierung des Agios.
Ganz richtig war diefe Auffaffung wohl nicht. Die Getreide-
preife mochten damals durch die verbotene Ausfuhr etwas gefallen
fein. das wurde aber doch wohl bald durch die ftark vermehrten
Zufuhren zum Heere paralhfiert. Und jene Attefte der Kaufleute
über das Agio werden in den meiften Fällen richtig gewefen fein.
denn in den Städten gab es ebenfo Gläubiger und Schuldner wie
auf dem Lande.
Über die Verh'ciltniffe in den Städten kam es auch bald zu
eingehenden Verhandlungen. die durch einen befonderen Fall hervor-
gerufen wurden. Die Fabrikanten Wegelh und Söhne waren den
Kaufleuten Gregorh und Caquot 10000 Rtlr. in Friedrichsdor
fchuldig und bezahlten mit Mittelfriedrichsdor. was diefe fich nicht
gefallen laffen wollten?) Das Staatsminifterium fand fich nun
1) Nr. 27 und Refkript des General-Direktoriums. Berlin. 3. April 1759.
11. 92. Grauman 3.
2) Meldung- von Präfident. Bürgermeifter und Rat von Berlin. 22. März
1759. 11. 92. Grauman 3. Daher auch das Folgende.
106 Zweites Buch. Erftes Kapitel.
doch bewogen. wegen diefes und vieler andern Prozeffe über die
Bezahlung mit den neuen Gold- und Silbermünzen dem König
Vorfchläge zu unterbreiten. befahl aber zunächft Grauman. mit den
angefehenften Kaufleuten und Ephraim das Agio der alten gegen
die Mittelfriedrichsdor und der Gold- gegen die Silbermünzen in
Ãœberlegung zu nehmen))
Zunächft ift Graumans Urteil über den Streit zwifchen
Wegelh und Gregorh bemerkenswert und jedenfalls richtig. Er gab
Wegelh unrecht. weil er. da er am Verfalltage keine Mittelfried-
richsdor bekommen konnte. die 3 Refpekttage hatte ablaufen laffen.
in denen er fich Mittelfriedrichsdor verfchaffte und mit diefen zahlte.
wodurch er 200/0 gewann und Gregorh ebenfoviel verlor. Das
tue an großen Pläßen kein rechtfchaffener Kaufmann?)
Was nun die allgemeinen Gutachten Graumans und der
Kaufleute angeht.3) fo jagen diefelben etwas ganz anderes aus. als
man vielleicht erwarten dürfte. Sollten fie mit ihrer wahren
Meinung hinter dem Berge gehalten haben. wenn fie behaupteten.
daß Geld keine Ware fei. fondern ein Ding. dem der König den
Wert gebe? Sie ftanden damit auf demfelben nationalökonomifchen
Standpunkte wie jener Ruffe Paffofchkow ein halbes Jahrhundert
früher.*) Oder führte der Patriotismus die Feder. als fie das
fchrieben und meinten. der König werde feine Gründe haben. den
Gehalt zu verringern? Wir können das nicht entfcheiden. Gewiß
ift nur. daß damals. alfo im April 1759. außer zwifchen alten und
Mittelfriedrichsdor der Unterfchied im Kurfe zwifchen altem und
neuen Gelde noch kein fehr großer war. Die Kaufleute behaupteten.
die alten Friedrichsdor hätten vor 6 Monaten ebenfoviel in Silber-
geld gegolten wie nun die Mittelfriedrichsdor. Ferner: man könne
heute für 1000 Rtlr. in neuen Silbermünzen ebenfoviel mobile und
immobile Güter wie vor 6 Monaten kaufen; Getreide und andere
Waren feien nicht im geringften im Preife geftiegen. Diefe Wahr-
1) Verfügung des Staatsminifteriums an Grauman. Berlin. 9. April 1759.
2) Gutachten Graumans o. D.
3) Gutachten der Kaufleute Martin Schulz. Reitmeher u. Co.. Leveaux u.
Thuillah. Whlich u. Co.. Joh. Georg Wegelh u. Sohn. Ephraim u. S.. vom
12. April 1759.
4) S. Band 1. S. 95
Der Verkehrswert der Kriegsmünzen preußifchen Gepräges. 107
nehmungen werden es mit gewefen fein. die zu der Behauptung
führten. daß der Staat dem Gelde den Wert gebe.
Die Kaufleute folgerten weiter. daß der Gläubiger nicht ver-
liere. da er jährlic h für Mittelfriedrichsdor wie für neue 50/0 Zinfen
erhalte; ihr Gehalt gehe ihn alfo nichts an. Wie aber erklärten
ï¬e dann die von ihnen zugegebene Tatfache. daß alle ausländifchen
Produkte durc h Steigen des Wechfelkurfes teurer geworden waren?
Sie f-agten. das liege gar nicht am Gelde. Denn wenn der preußi-
fhe Handel nicht fo gefährdet wäre. würde der Wechfelkurs nie fo
hoh geftiegen fein; wenn Friede würde und man nur 3 bis 4 Monate
mit Münzen paufiere. werde der Wechfelkurs mit den neuen Münzen
fo ftehen. wie vor einiger Zeit mit den alten.
Zum Schluß wird bemerkt. daß eine gefeßliche Reduktion des
Nennwertes die übelfte Wirkung auf die Fremden haben würde. die
die neuen Münzen weit über ihrem Edelmetallwert annehmen. Und
da die Mittelfriedrichsdor die Jahreszahlen der alten trügen' fo
deute diefes doc h darauf hin. daß der König ihnen denfelben Kurs
wie den alten habe geben wollen; in Schlefien fei das ausdrücklic
h
befohlen und die Kaffen handelten danach. Wenn man von früherem
Agio fpreche. fo denke man dabei meift an einen Vergleic h von
preußifchem Gelde mit fremdem. Dafür. daß. wie Gregorh wollte.
das Agio auf die Hälfte der Differenz im Edelmetallgehalt gefeßt
würde. war die Mehrzahl nicht. fie wünfchte nur. daß der Schuldner
dem Gläubiger etwas vergüten mußte. wenn er von der Bezahlung
mit dem Kriegsgelde Gewinn habe.
Grauman fchloß fic h dem Gutachten der Mehrheit an: Ge-
brauc h und Kurs des Geldes im Lande hänge von der Willkür des
Landesherren ab. Da alles damit bezahlt werden könne. dürfe fic
h
niemand darüber beklagen. Zwifchen dem alten und neuen Gelde
fei ein Agio unftatthaft. Nur zwifchen Mittelfriedrichsdor und
neuem Kurant erlaube der König es. da Akzifezahlungen über
5 Rtlr. in Friedrichsdor gefchehen müßten. wodurc h diefe mehr ge-
fucht würden. Er machte dann einige Vorfchläge über die Höhe
diefes Agio. wollte etwas Beftimmtes aber auc h nicht angeben))
l) Gutachten Graumans vom 25. April 1759. - Es ift noc h ein Gut-
achten des Joh. Georg Eimbcke) Goßkowskh und Streckfuß vorhanden. das von
dem der Mehrzahl aber kaum abweicht.
108 Zweites Buch. Erftes Kapitel.
Sehr wahrfcheinlic h ift darauf über das Agio keine Be-
ftimmung erlaffen worden. 'Ein Hauptfehler jener Gutachten liegt
darin. daß fie den inländifchen Kurs ganz ifolieren und eine
Wirkung des ausländifchen auf ihn faft unbeachtet laffen. Man
kann zugeben. daß bei den damaligen fchwierigen Transport- und
Verkehrsverhältniffen fich ein folcher Einfluß viel langfamer geltend
machte als heute. Man muß auch zugeben. daß der Krieg an und
für fic h den Handel erfchwerte. unficher machte und den Kurs drückte.
Unmöglich aber wird man glauben. daß eine Steigerung des Kurfes
fremden Geldes gegen preußifches von 146 in den Jahren 1755
bis 1758 auf 173 am 1. Mai 1759 lediglich diefen Urfachen bei-
zumeffeu ift. Denn erftens führte nicht nur Preußen Krieg. fondern
faft ganz Europa. und zweitens fiel der Kurs nicht mit dem Frieden.
fondern erft dann auf feine alte Höhe zurück. als der Graumanfhe
Münzfuß wiederhergeftellt war. Den Kulminationspunkt erreihte
der Wechfelkurs Ende 1762 mit 231. ftand aber troß des Friedens
Ende Oktober 1763 noc h auf 230 und fiel erft nach der Münz-
reform von 1764 auf feine alte Höhe zurück. 1)
Der Minifter v. Schlabrendorff erkannte den Hauptfehler im
Gutachten 'der Kaufleute wohl;2) er wollte dagegen. daß das Agio
des alten Kurantgeldes gegen alle Kriegsmünzen feftgeftellt würde.
Dann müffe man alle auf Breslau gezogenen Wechfel auf Preußifh
Kurant ftellen und damit den hohen Kurs auf den Stand von
Oktober 1758 herunterbringen. Daß fehr wenig davon erhältlich
fei. fpreche nicht dagegen. denn in Leipzig und andern Orten fei
Wechfelgeld der Louisblanc. den man faft nie zu fehen bekomme.-9')
Diefe Anficht des fchlefifchen Provinzialminifters war ganz
richtig: man hätte das alte Kurant wohl als eine ideale Handels-
münze gelten laffeu können. Allerdings das Aufgeld derfelben gegen
die fchlechter werdenden Kriegsmünzen gefeßlic h zu fixieren. hätten
l) S. d. Wechfelkurstabelle Nr. 711.
7*) Daß man mit neuen Friedrichsdor ebenfoviel wie mit alten ausrichtete.
diefe Behauptung fei fehr falfc h und „wider alle Kaufmannsnotice. denn es auf
die Waren einen großen Unterfchied macht. wenn der Wechfel auf 140. 142 und
156 ftehet". A. B. n. n. rr. 37v
3) Verfügung an die Breslauer Kaufmannfchaft vom 10. April 1759.
A. B. lil. Lt. l7. 31. 701. lil.
Der Verkehrswert der Kriegs-münzen preußifchen Gepräges. 109
die Zeitumftände wohl kaum zugelaffen: den wirklichen Verkehrswert
desfelbeu gelten zu laffen. lag auc h gar nicht im Jntereffe des
Staates. der natürlic h immer wünfchte. den Kurs der von ihm ge-
prägten Münzen fo hoc h wie möglic h zu halten.
Eine Verordnung über die Schuldenzahlung wurde aber. je
mehr Preußen von dem Kriegsgelde. befonders den fächfifchen
Dritteln überflutet wurde. doc h nötig. Wann ift nicht gewiß. aber
wohl 1759 oder 1760 wurde vom Staatsrat. General-Direktorium
und Departement der auswärtigen Affairen feftgefeßt. daß kein
Gläubiger angehalten werden dürfe. fächfifche Drittel. auc h nicht
mit Agio. anzunehmen. Vielmehr war. wenn das Kapital in alten
Friedrichsdor beftand. mit neuen; wenn in Silber. mit branden-
burgifchen Dritteln zu zahlen. und zwar unter Beifügung eines
Reverfes und Beftellung genügender Sicherheit wegen des künftig
feftzufeßenden Agios - d. h. bei zukünftiger Tarifierung des
Kriegsgeldes gegen vollhaltigesl)
. Aber auc h über neuere Verpflichtungen kamen Zweifel vor. be-
fonders feit die fächfifchen Drittel die faft befte habhafte Münze ge-
worden waren. Man beftimmte. da alles damit angefüllt war und
die Edikte vom 14. Juli 1750 und 27. März 1752 unmöglic h Ver-
bindlichkeit haben konnten. daß ein Kauf oder Wechfel in fächfifchen
Dritteln gültig fei. Wenn keine Sorte ausgemacht wäre. follte
möglichft eine gütige Verftändigung zwifchen den Parteien ange-
ftrebt werden?)
Unter vielen Entfcheiden intereffiert der folgende. Ein Ver-
käufer liegender Gründe wollte die Hälfte der Kauffumme in fächfi-
fhen. die andere in preußifchen Dritteln annehmen. wogegen der
Käufer nur fächfifche zahlen wollte. indem er fic h auf die Forderung
des Kontrakts: „unverrufener gangbarer Münze“ und „euiue 7n101-i8
monetae“ bezog. Jn feinem Entfcheid gab das Juftizruinifterium
aber dem Käufer Unrecht. denn feine Befchwerde fei fo ungerecht
1) Gutachten des Großkanzlers Jariges. Berlin. den 23. September 1761.
Gutachteu des Etatsminifteriums vom 19. Dezember 1761. Zuftimmung des
General-Direktoriums vom 31. Dezember 1761. Tit. 1171. 12. Zirkular vom
12. Januar 1761. Mhlius di. (l. 111. S. 119.
2) Refkript an die Breslaufche Oberamtsregierung. Berlin. 5. Auguft 1761.
Mhlius di. 0. 111. S. 57.
(1,() Zweites Buch. Erftes Kapitel.
wie irgend möglich. weil jene Formel fic h nicht auf „tewpne 80111-
tionis“. fondern ..eontrnetu8“ beziehe. und nicht im Detailhandel
gangbare Münze gemeint fei. fondern folche des Jmmobilienhandels.
„welche bei allen nur möglichen Münzveränderungen fic h in alle Wege
verintereffiereu. für .ufuell und gangbar anzufehen". Die fächfifchen
Drittel feien aber von ealennitae temporie hervorgebracht und nur
aus Gnade würden fie von den Staatskaffen angenommen. Wenn
Verkäufer fic h mit der Hälfte in preußifchen Dritteln begnügen
wolle. fo fei das fehr billig))
. Endlic h wurde beftimmt. daß als Zinfen keine befferen Sorten
als fächfifche Drittel gefordert werden dürften. wofern nicht beide
Parteien etwas anderes ausmachten. Unterfchiede zwifchen Mobilien
und Jmmobilien. zwifchen mehr und weniger Gefchädigten follten
während des Krieges dabei nicht gemacht werden?)
Mußte man fic h derart mit dem Kriegsgelde. fo gut es eben
ging. abzufinden fuchen. fo taten die Behörden doc h alles. die Be-
völkerung gegen die Beraubung durch die Münzunternehmer* zu
fchüßen. Diefen ftanden nämlich. um das nötige Münzmaterial zu
bekommen. drei Quellen zu Gebote: erftens der Bezug von Paga-
ment und Rohedelmetall von auswärts. zweitens die Umwechfelung
guter fremder Münzen. drittens die guter einheimifcher mit dem
fchlechten Kriegsgelde.
Ãœber ihren Bezug fremden Goldes und Silbers wiffen wir
äußerft wenig. So viel fteht aber feft. daß fie dafür um fo mehr
zahlen mußten. je fchlechter die Münzen wurden. mit denen fie die
hamburgifchen und holländifchen Wechfel bezahlten. Wir haben fie
genug darüber klagen gehört. Sie beftanden darum in den leßten
Kriegsjahren fo hartnäckig darauf. preußifche Goldmünzen einwechfeln
zu dürfen. die ja immer. ausgenommen die neuen Auguftdor. ver-
hältnismäßig beffer waren als die fächfifchen Drittel und andere
Silberforten. und für die fie die Wechfel alfo billiger bekamen.Z)
1) Refolution für die oftfriefifche Regierung. 25. Juni-1762. Mhlius
dl. 0. 111. S. 147.
2) Refkript an die Breslaufche Oberamtsregierung. Berlin. 17. Oktbr. 1762;
ging an alle Regierungen und Kammern zur Nachachtung. Tit. 371. 12.
3) 1762 ftanden gegen 100 brandenburgifche Drittel die Mittelfriedrichsdor
auf 165. die Mittelauguftdor auf 163 bis 164. die neuen Auguftdor auf 95 bis 78.
Der Verkehrswert der Kriegsmünzen preußifchen Gepräges. 111 .
Die zweite Quelle floß befonders in Polen und deffen öftlichen
Hinterländern. die fie die Hauptftüße ihres Münzwefens nannten
und woher fie bis 1761 für 50 Millionen Rtlr. Gold gezogen
haben wollten. 1) Dem mochte fo fein. dennoc h fcheint es nach allem.
was wir hören werden. daß das Heimatsland ein-e mindeftens ebenfo
reihfließende Quelle war. was die Unternehmer öffentlich natürlic
h
niht eingeftehen durften.
Obgleic h nämlic h Friedric h ohne Unterlaß und fo lange es
nur möglic h war. darauf drang. daß feine eigenen Länder von dem
fhlechten Gelde verfchont blieben. machte fic h die _Sache in der Tat
doc h fo. daß die Juden fortwährend auc h in Preußen die gerade
umlaufenden Sorten mit den fchlechteren neuen aufkauften und in
diefe ummünzten. Dann wurde der Münzfuß verringert und die
eben ausgegebenen neuen Sorten wurden mit noc h fchlechteren ein-
gefammelt; fo ging es weiter bis zum Ende des Krieges. Anders
wäre es ihnen auc h gar nicht möglic h gewefen. jährlic h 6 bis 10
Millionen Schlagfchaß abzuführen.
Diefe Umwechfelung war zwar gegen alle Gefeße. mußte aber.
da der König den Schlagfchaß nicht entbehren konnte. zugegeben
werden. Das erfte Erfordernis dazu war. daß die Poft- und
Frachtpakete der Münzunternehmer von Akzife. Poft und Zoll nicht
eröffnet wurden. denn fonft hätten die Beamten bemerkt. daß die
Juden zum Einfchmelzen gute Sorten fammelten und ihrer Pflicht
gemäß dagegen mit Strafen einfchreiten müffen. Schon die früheren
Kontrakte hatten den Juden diefes Zugeftändnis gemacht. ausdrück-
lih wiederholt wurde es in dem abgeänderten Generalkontrakt vom
2. April 1756?) Danac h blieben ihre Geldpakete uneröffnet und
brauchten nur Gewichts-. nicht Wertporto zu zahlen; die Poft nahm
fie mit einem vom Münzdirektorium unterfchriebenen und numer-
ierten Atteft an. das von dem Grenzzollamte dem General v. Reßow
zugefchickt wurde. Sodann war den Gumperts fchon am 11. Februar
die fächfifchen Drittel 145. die fächfifchen Grofchen auf 97 bis 92. Nach Berliner
Kurszetteln. A. St. Tit. lil. Polizei. Generalia. Münzwefen Nr. 8. Der
Stand der fächfifchen Drittel ift mir hiernach nicht erklärlich. da fie fchlechter als
preußifche waren.
1) S. S. 54.
2) Nr. 7. Poften 3 bis 5.
112 Zweites Buch. Erftes Kapitel.
1756 erlaubt worden. die nachgemünzten fächfifchen Thmpfe durch-
zuführenI)
Hieran knüpften fich nun Weiterungen. die durch den ganzen
Krieg fortliefen. Als die Poft in Stettin Anfang 1757 einige
Fäffer öffnete. fand' fie. daß darin nicht nur die zur Durchfuhr er-
laubten fächfifch'en Thmpfe und Szoftake. fondern auch große Maffen
preußifcher Szoftake und Sechspfennigftücke fich befanden. jene offen-
bar das uns bekannte Produkt der Clevifchen und vielleicht auch
Magdeburgifchen und Berliner Münzftätte?) Als der Generalpoft-
meifter fich darüber bei Reßow befchwerte. antwortete diefer nur.
er halte darauf. daß der Kontrakt richtig befolgt werde und bat
Gotter. die Juden vielmehr zu fchüßen. die man neulich wegen der
nüßlichen Ausprägung der Aurichfchen 4-Schillingf1ücke zur Verant-
wortung gezogen hätte.3)
Bald darauf fandte Eichel feine Meinungsäußerung über jene
Clevifchen Münzen. in der er andeutete. daß er es gewefen fei. der
größeres Unheil verhütet hätte.4) Mit diefem größeren Unheil ift
fehr wahrfcheinlich ein Plan der Unternehmer vom 9. Januar 1757
gemeint.5) in dem fie vorfchlugen. außer der im Generalkontrakt
beftimmten Summe noch 80000 feine Mark in 1100000 Rtlr.
6-Kreuzer oder 6- und 3-Mariengrofchenftücke nach Clevifchem
18-Talerfuß zu verwandeln. Damit die guten Münzen erhalten
blieben. wollten fie diefe neuen Sorten an Köppen gegen Kurant-
geld zur Verpflegung der Armee abliefern.
Die darin fteckende Sophifterei war es nun wohl. auf die
Eichel. der kleine Daniel. wie er fich nennt. den König aufmerkfam
machte. Denn wenn die Kriegskaffen fich mit diefen Münzen füllten.
fo breiteten diefe fich doch früher oder fpäter durch die Armeen im
Lande aus und verdrängten die guten. Und was hätten die Unter-
nehmer mit den guten eingewechfelten Sorten gemacht? Sie hätten
fie wohl zum Teil zur Abführung des Schlagfchaßes benußt. be-
"- 1) Reßow an das General-Direktorium. Juni 1756. Tit. L711. 12.
2) S. S. 19-21.
3) Gen.-Poftmeifter Gr. v. Gotter an das General-Direktorium. Berlin.
14. Januar 1757. Antwort Reßows. Klein Boorten. 29. März 1757. Tit.
11711. 12. Gemeint waren die 4-Mariengrofchen.
4) Nr. 20.
5) Nr. 15.
Der Verkehrswert der Kriegsmünzen preußifchen Gepräges. 113
fonders aber gewiß auch zur Bezahlung des fremden Silbers. aus
dem fie wieder fchlechte Münzen fabrizierten. fo daß der ganze
Plan lediglich auf eine Münzverfchlechterung hinauslief. Daher
fagte der König. der Plan fei für ihn „fchlechterdings nicht an-
ftändig“; diefes „infame Geld“ folle in den alten Provinzen durch-
aus nicht verausgabt werden. wie es in Cleve gefchehen fei. Solche
Münzung gehe erft an. wenn die Armee in Feindesland ftehe und
man jenes Geld dort ausgeben könneI) So war diefe Münz-
verfchlechterung noch einmal abgewendet worden.
Jn Berlin glaubte man aber doch nicht. daß das Uneröffnet-
bleiben der Geldpakete fich auf die Akzifevifitation beziehe. und die
Berliner Kammer befahl im Juli 1757 der Akzife. kein zum Ein-
fchmelzen beftimmtes Geld ohne Knöffels Atteft freizugeben. der ge-
klagt hatte. daß verbotene Münzen eingeführt würden?) Noch im
Dezember 1757 bemerkte das General:Direktorium. die Kabinetts-
ordres vom 17. Dezember 1755 und 6. Dezember 1756 bewilligten
uur Akzifefreiheit der Edelmetalle und des Kupfers. nicht der
MünzenMi) Mit der Prägung von Münzen fremden Stempels
wurde die Sachlage aber eine andere. noch kompliziertere.
1) Nr. 16.
2) Tit. L711. 12.
3) General-Direktorium an Minifter v. Borcke. 3. Dezember 1757. Tit.
11711. 24.
seta 1301-11881e8. Müuzwefen 111.
Zweites Kapitel'.
Der Verkehrswert der münzen fremden Sepräges.
Schon 1758 in Sachfen. feit 1759 allgemein. wurde der
Graumanfche Fuß aufgegeben und die nicht mit preußifchem Ge-
präge verfehenen Sorten. befonders die fächfifchen Drittel und Beru-
bnrgifchen Münzen. noc h fhlechter als nac h 18-Talerfuß ausgebracht.
Wie es nun im Jntereffe der Unternehmer lag. all diefen Münzen
einen möglichft allgemeinen Umlauf zu verfhaffen. fo waren im
Gegenteil die Behörden nnd das Publikum in Preußen beftrebt. fih
die fchlechten Sorten vom Leibe zu halten. Als Ephraim. Jfaac und
Jßig Ende 1758 alle preußifchen und fächfifchen Münzftätten in
Pacht genommen hatten. erwirkten fie den Befehl. daß nicht nur
die Pakete mit Münzen und Barren uneröffnet mit Gewichtsporto
paffierten. fondern daß ihre Münzen auc h als Kurant. fowohl im
Verkehr wie auc h von den Staatskaffen angenommen würden und
alle Metalle und Materialien zoll- und akzifefrei feien)) Wohl-
gemerkt aber. der König erklärte fpäter ausdrücklich) daß die Bern-
burgifchen und fchlechten fächfifchen Münzen ein für allemal nicht
in Berlin geprägt. nicht von den preußifchen Kaffen angenommen
und auc h nicht im dortigen Verkehr umlaufen follten))
Zunächft aber handelte es fic h um die Mittelfriedrichs- und
Auguftdor. die. wie der Kommis des Ephraim. Ephraim Markus.
klagte. weder von den Staatskaffen noc h von den fächfifchen und
anderen Kaufleuten auf der Frankfurter Meffe angenommen würden.
Dagegen ließ man die Kaufleute verwarnen. den Kaffen die An-
1) Wenn die fächfifchen Drittel kein Kaffengeld wären) würde das Agio
der erlaubten Sorten zu hoch. Köppen an das General-Direktorium. Berlin)
13. Dezember 1758. Tit. L711) 24. K.-O. an das General-Direktorium) Bres-
lau) 26. Dezember 1758. Tit. L711) 12.
2) Köppen an das General-Direktorium. Berlin) 7. Juli 1759. Tit. ill/ll. 24.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 115
nahme befehlen. ließ die Ausfuhr der guten Geldforten aber unbe-
fchränkt. weil das Edikt vom 21. Auguft 1756 den Meßhandel nicht
begreife. bei dem keine geplante Münzausfuhr vorliege. 1)
Sodann wurde verkündet. daß allgemein in Preußen die
Bernburgifcheu_ und fchlechten fächfifchen Sorten nicht zu dulden
feien?) Diefem Befehl nachzukommen. ging ftellenweife aber fchon
nicht mehr an. Denn die Erlaubnis des Königs. die fächfifchen
8-Grofcheuftücke in Sachfen und dem Reich in fo großer Menge.
als fie wollten. auszugebenßi) wurde von den Unternehmern un-
zweifelhaft überfchritten.
Die Stettiner Kammer meldete nämlich am 29. Juli 1759. die
fächfifchen Drittel feien fchon faft das einzige habhafte Geld. und die
hinterpommerfchen Stände klagten (10. Auguft). die Agenten der
Juden fammelten alle guten Sorten ein. indem fie dafür nur Bern-
burgifche Drittel gäben. Das mochte übertrieben fein. wie diefe
Klagen denn als unbegründet vom General-Direktorium abgewiefen
wurden. aber ganz unwahr waren fie doch nicht.
Nun machte das General-Direktorium aber einen Unterfchied
zwifchen fchlechten und nicht fchlechten fächfifchen Sorten. oder fuchte
ihn zu machen. Als fchlechte wurden die Drittel mit 14)() bezeich-
net.4) die andern waren nac h Verfügungen vom 19. Dezember 1758
und 7. Auguft 1759 anzunehmen. Die beiden Berliner General-
kaffen hingegen verftanden unter auzunehmeuden fächfifchen Sorten
nur die mit preußifchem Gepräge in Dresden und Leipzig gefchlagenen
Drittel und Äll-Mariengrofcheuftücke. Diefe Auffaffung entfprac
h
gewiß der des Königs. wogegen die Berliner Kammer einen dritten
Standpunkt vertrat: lieber auch die fächfifch geprägten ohne und mit
1:() anzunehmen. da fie voneinander zu fchwer zu nnterfcheiden und
1) Bericht und Entfcheid der Meßkommerzienkommiffion. Frankfurt a. O..
11. März 1759. vom General-Direktorium genehmigt am 15. März 1759. -
Gleiche Befehle am 20. März 1759 an die Kaffen und am 4. April 1759 an den
Mindenfchen Kammerpräfidenten v. Maffow. der jene Goldmünzen den Preußen
der alliierten Armee nicht auszahlen wollte.
2) Refkript an die Kammern. Kaffen._ Gotter und Kircheifen. Berlin.
11. Juli 1759. Vgl. S. 114. Note 2.
3) K.-O. an das General-Direktorium. Landshut. 21. Mai 1759.
4) Refkript an die neumärkifche Kammer vom 26. Juni 1759. Diefes
und das Folgende aus Tit. 11711. 12. S. Münzbefchreibung Nr. 1785-1802.
8*
116 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
die einen fo fchlecht wie die andern feien)) Das General-Direk-
torium hielt fic h aber an den königlichen Befehl?) fo daß die
fchwankende Auffaffung. was eigeutlic h unter guten fächfifcheu
Münzen zu verftehen wäre. weiter beftand: die Generalkaffeu wiefen
alle mit fächfifchem Bilde verfeheneu Drittel zurück.
Dadurc h kamen nun die Provinzialkaffen. die die einlaufenden
fächfifchen Drittel nicht nac h Berlin fenden durften. und die Be-
völkerung in die größte Verlegenheit. Der Jntendaut. General-
leutnant v. Maffow bezahlte die Lieferungen für die Armee faft nur
mit diefen Sorten. und felbft die Bernburgifcheu Drittel wurden fo
häufig. daß ftellenweife die ganzen Kriegsgefälle (Kontribution) in
keinem andern Gelde abgeführt werden konntenFi) So ging es denn
nicht anders: man mußte ein Auge zudrückeu und es mit der An-
nahme nicht fo genau halten. befonders wenn die Gelder iu der
Provinz blieben.4) Zugleic h aber wurde in Pommern verfügt. daß
. die Polizeiausreuter deu jüdifcheu Agenten alle andern als preußi-
fche Sorten konfiszierten. wenn fie mit folchen das erhandelte
Silber bezahlten?)
Ähulic h wurde die Lage bald überall. Wie der Magdeburgifche
Kriegsrat Cellarius zum Getreide- und Mehltransport nac h Sachfen
vom Feldkriegskommiffariat 13000 Rtlr. in fächfifchen Dritteln er-
hielt. Köppen aber deren Annahme verweigerte.6) ebenfo verlangte
jede Behörde von den andern gute Sorten. fuchte felbft aber die
fächfifchen abzufchieben. wodurc h dann die preußifchen im Publikum
immer feltener wurden.
Als Anfang 1760 der neue Kontrakt mit den Unternehmern
zuftande gekommen war. wurden ihnen auc h alle früheren Benefizien
weiter gewährt?) Da machte das General-Direktorium den Juden
neue Schwierigkeiten. indem es fic h weigerte. ihnen und ihren Be-
1) Nr. 28. '
2) Refkript an die kurmärkifche Kammer vom 2. Januar 1760.
3) Kammerbericht. Berlin. 11. September. und Bericht des Amtmanns
Leveßow. Amt Suckow. 17. November 1759.
4) Refkript an die pommerfche Kammer. Berlin. 13. Dezember 1759.
5) Pommerfche Kamnierverfüguug. Stettin. 29. November 1759. Bahr-
feldt a. a. O.. S. 3000. 3001.
6) Kammerber. Magdeburg. 11. Januar 1760.
7) K.-O. an das General-Direktorium. Freiberg. 26. Januar 1760.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 117
anftragten Freipäffe zum Aufkauf von Edelmetall zu geben. Diefe
beklagten fic h deswegen bitter: mit vielem Verdrnß und Zeitverluft
müßten fie alles Nötige einzeln erbitten; laut ihren Privilegien von
1755 dürften ihre Münzen frei in ganz Preußen kurfieren. die Ein-
und Durchfuhr fremder fchlechter Gelder hänge von ihrer Zu-
ftimmung ab. Sie könnten umnöglic h für jeden einzigen ihrer
Agenten. von denen bald diefer. bald jener in Tätigkeit trete. jedes-
mal um einen neuen Paß bitten. vielmehr müffe ein mit ihrem
Münzfiegel verfehener Paß genügen. Wenn fie weiter fo wenig
unterftüßt und felbft von den Kanzeln gegen den Kurs ihrer Münzen
gepredigt werde. fo könnten fie dem Könige unmöglic h den be-
ftimmten Schlagfchaß abliefern))
Die leßtere Drohung fchlug durch. Wenn das General-
Direktorium noc h am 13. Februar 1760 der kurmärkifchen Kammer
befohlen hatte. nur Münzen preußifchen Gepräges anzunehmen. fo
wurde auf ein Gutachten Köppens 5 Tage fpäter allen Kammer-
präfidenten gefchrieben. daß die Gelder der Juden unter der Hand
und eonnirenäo anzunehmen feien. was aber nicht förmlic h publi-
ziert werden dürfe. Zugleic h wurde den Unternehmern erlaubt.
Päffe auszuftellen. denen nur ihr eigener vidimierter Paß beizu-
fügen fei.
Mit alledem war aber nicht gefagt. daß nun auc h die Steuern
mit nichtpreußifchen Münzen abgetragen werden durften.2) Das ließ
fich aber. je länger. um fo fchwerer vermeiden. Als die Halber-
ftädtifche Kammer das Feldkriegskommiffariat in Wittenberg erfuchte.
die Vorfchüffe in kaffenmäßigem Gelde abzuzahlen. erfolgte die
Antwort (11. Februar). in den Kaffen feien nur fächfifche und Bern-
burgifche Drittel. der König habe ausdrücklic h befohlen. daß fie von
den Feldkriegskaffen angenommen werden müßten. Doc h war das
den Kaffen des Heimatlandes nicht erlaubt. denn wie Knöffel am
18. Februar der pommerfchen Kammer fchrieb. fei den Unter-
nehmern im neuen Kontrakt zwar erlaubt. die fächfifchen und Bern-
burgifchen Sorten in allen Landen frei auszugeben. doc h dürften
1) Eingabe der Ephraim und Jßig. Berlin. 13. Februar 1760.
2) Mehrere Refkripte des General-Direktoriums. z. B. vom 4. März 1760
an Steuerrat v. Rcßdorff in Perleberg.
118 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
die Kaffen fie nicht annehmen. Das General-Direktorium konnte
nur raten. fic h in die Zeit zu fchickenl)
So konnte es aber unmöglic h weiter gehen. Wenn die Kriegs-
lieferungeu faft nur mit fächfifchen und Bernburgifchen Münzen
bezahlt wurden. wenn diefe freien Kurs im Lande genoffen. wenn
die Juden troß aller Verbote die befferen Sorten aufkauften. fo
war das Gefeß. daß die Steuern nur mit diefen befferen Sorten
zu bezahlen waren. nicht mehr aufrecht zu erhalten. Jn der Er-
kenntnis diefer Sachlage beriet endlic h das General-Direktorium mit
Köppen. was zu tun fei.
Am 27. März und 6. Mai 1760 wurde darüber verhandelt.
Die zweite Sitzung am 6. Mai wurde nötig. weil die Unternehmer
am 28. April alle ihre ihnen gemachten Zugeftändniffe mit den Be-
legen einfandten. Demnach wurde am 6. Mai folgendes beftimmt
und allen Behörden zur Nachachtung zugefandt:
Die Unternehmer dürfen Gold und Silber und die vor dem
1. Januar 1759 gemünzten preußifchen Sorten mit preußifchen und
fächfifchen Münzen aufkaufen.2) Die Agenten. welche Freipäffe er-
halten. find den Kammern namentlic h anzuzeigen. Laut Kabinetts-
ordre vom 2. Januar 1759 hat es bei der Nichtöffnung der Sen-
dungen der Unternehmer fein Verbleiben. Die andern früheren
Zugeftänduiffe bleiben gleichfalls in Kraft.
Noc h ein fehr wihtiger Punkt kam zur Sprache: der große
Mangel an Scheidemünze. Da die Herftellung kleiner Sorten. be-
fonders wenn deren Münzfuß nicht billiger als der der großen ift.
viel mehr Koften als die des Kurantsverurfacht. fo läßt fic h denken.
daß die Juden zu deren Prägung nicht zu bewegen waren. Sie
bezeichneten _das als ein Nebenwerk. das fic h nur ausführen ließe.
wenn Silber übrig fei. doc h wollten fie alles mögliche tun. dem
Mangel abzuhelfen. Köppen ftand deshalb mit Tauenßien in Korre-
fpondenz. Endlich verfprachen die Unternehmer. monatlic h 20000 Rtlr.
an preußifchen Münzen für die Provinzen zu liefern. befonders für
Minden. wo daran der größte Mangel herrfchte.i)
1) A. M. Halberftädtifche Kammer 1. 156.
2) Damit ward der Graumanfche Fuß ofï¬ziell vernichtet.-Das Folgende
aus Tit. 11711. 13.
3) Nr. 31.
-Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 119
Die Hauptfawe für die Juden aber war: fie hatten erreicht.
daß ihnen alle Münzen nach Graumanfche-m Fuß preisgegeben
waren. Die nach dem 1. Januar 1759 gefchlagenen follten fie zwar
nicht zum Einf>jmelzen aufwechfeln. aber. wie das General-Direk-
torium noch am 22. Mai beftimmte. fie durften fie zur Bezahlung
an die Kaffen und für ihren Handel fammeln. Erinnern wir uns.
daß fie dem Könige den Schlagfchaß in diefen Sorten zahlen mußten
und wahrfcheinlich das fremde Silber mit ihnen kauften. fo erhellt
fofort. daß der Mangel auch an diefen Sorten immer größer wurde.))
Um fo weniger ift zu verftehen. daß das General-Direktorium
noch immer auf dem Verbot der Annahme der fächfifchen Drittel bei
den Kaffen beftand. Es ift wahr. der König wünfchte mit der-
gleichen Dingen nicht behelligt zu werden. aber es fragte fich doch.
ob eine fo brennende Frage nicht entweder vom Geueral-Direkz
torium eigenmächtig zu löfen oder troß allem dem Könige zur Ent-
fcheidung vorzulegen gewefen wäre.
Denn den ganzen Sommer über ftieg die Verlegenheit. Be-
fonders fchlimm fcheint es im Magdeburgifcben gewefen zu fein.
Das Magazingetreide wurde mit fächfifchen Dritteln bezahlt. und
die Bürger und Bauern mußten wie Bettler von Tür zu Tür laufen.
um preußifches Geld für Akzife und Kontribution zu bekommen.
Wenn ein Soldat ein Maß Bier kaufte. fo verlangte er auf ein
Drittelftück 7 Gr. 6 Pf. zurück; der Bauer konnte aber wegen
Mangel an Scheidemünze nicht wechfeln. weshalb es zu Streitig-
keiten kam. Eine Sendung von 1000 Rtlr. in Sechfern durch
Köppen war ein Tropfen auf einen heißen Stein?) Die Juden
jedoch entfchuldigten fich damit. daß preußifches Geld erft gefchafft
werden könnte. nachdem die neue Prägeftätte für Scheidemünzen in
Berlin angelegt fein werde.3) und daß eigennüßige Kaufleute die
kleinen Sorten aufwechfelteu und zur alliierten Armee fchickten.
Übrigens begann damals die Prägung der fächfifchen Grofchen?)
l) Jm Juni 1760 eine Menge Klagen der Einnehmer. Amtleute. Jnnungen
im Halberftädtifchen über Mangel an kaffenmäßigem Gelbe. A. M. Halberftädt.
Kammer 1. 156.
2) Nr. 33.
3) Bericht Köppens vom 1. Juli 1760.
4) Ebenfo vom 5. Juli 1760. Vgl. S.522.
12() Zweites Buch. Zweites Kapitel.
Kaum beffer ftand es im Halberftädtifchen. Die Kammer er-
innerte daran. daß. weil ihr Bezirk von lauter fremden Landen
umgeben. ohne Verkehr mit den andern preußifchen Provinzen fei.
eine Kabinettsorder vom 26. Mai 1755 fremde Sorten im Verkehr
erlaubt habe)) Jeßt aber wandere alles kaffenmäßige Geld nach
Berlin oder falle in die Hände der Juden. die damit auf das fchänd-
lichfte wucherten und für diefe befferen Münzen 3 bis 4 Gr. Auf-
geld pro Taler nähmen. Da die fchärffte Exekution doch kein gutes
Geld mehr hervorbringen würde. hätten die Kaffen auch fächfifche und
Bernburgifche Sorten genommen. wovon nun in der Domänen-
rentei und Oberftenerkaffe für 387000 Rtlr. lägen. Die wiederholte
Bitte. diefe in Berlin anzunehmen. fand dort aber kein Gehöng)
Mittlerweile beftürmten die Kammern. die Kaufmannfchaften
.von Magdeburg. Berlin. Stettin. Potsdam. Kottbus und andere.
die Städte Königsberg. Halle. Kroffen. Landsberg a. d. W. weiter
das General-Direktorium mit Bitten. die fächfifchen Drittel zum
Steuergelde zu erklären. felbft Minifter v. Katt bat am 18. Juli.
die Hauptkaffen möchten fie den Poftämtern abnehmen. Aber alles
war vergebens. Die Zentralbehörde raffte fich nur zu halben Maß-
regeln auf und verhandelte mit Köppen. ob man den Juden vielleicht
das Einfchmelzen und die Ausfuhr der guten Drittel und preußi-
fchen Scheidemünzen verbieten follte;“) doch ehe man deshalb an
den König fich wende. wollte man den Juden das Haufieren ver-
bieten. Diefe waren nun zwar bereit. das Haufieren auf dem Lande
aufzugeben. nicht aber in den Städten. worauf-am 26. Auguft 1760
das Verbot des Landhaufierens an die Kammern verfügt wurde.
Aber wie gefagt. das waren Mittel. die wenig halfen. Da
glaubte denn die kurmärkifche Kammer die Not des Landes nicht
länger mit anfehen zu dürfen. zumal da fie fchon die Akzife ftunden
mußte. und bat um pofitiven Entfcheid. ob das General-Direktorium
die Sachlage dem Könige anzeigen werde oder fie es felbft tun
folle. Die Zentralbehörde aber verfagte fich wieder. fie fand es
l) Das war noch durch Refkript vom 2. März 1757 beftätigt worden.
A. M. Halberftädt. Kammer 1. 156.
4) Nr. 34 und Refkripte. Berlin. 15. und 22. Juni 1760. A. M. Halber-
ftädtifche Kammer 1. 156.
3) Das Folgende aus Tit. 11711. 14.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 121
bedenklich. den König jeßt zu behelligen. erlaubte es aber der
Kammer. wenn fie fic h nicht anders beruhigen könne))
So ftellte diefe denn dem Könige vor. wie die Unternehmer
gutes Gold- und Silbergeld mit den fchlechten Leipziger Sorten auf-
wechfelten. wie dadurc h jenes von den Steuerzahlern mit 20 bis 300/0
Aufgeld zu befchaffen fei. Friedric h war höhft erzürnt über diefe
Verhältniffe und nannte es eine eigenmächtige Unbefonnenheit des
General-Direktoriums. derartige Wechfelei zuzulaffen. Wenn anc
h
der Krieg nicht erlaube. Kaffenforten zu befchaffen. fo follten doch.
um „das mehr als jüdifche Agio“ zu befeitigen. die Leipziger Drittel
von den Kaffen angenommen werden. unbefchadet der auf beffere
Sorten lautenden Kontrakte oder der verfchiedenen Zollkaffen. auf
die diefe Erlaubnis fic h nicht erftrecke. Alle Schikanen beim Ein-
ziehen der Kontribution verbot der König))
Noch eine Behörde war von diefen Verfügungen ausge-
nommen: die Poft; da demzufolge Köppen deren Zufendungen in
fächfifchen' Dritteln nicht annahm. fo ließ der General-Poftmeifter
Graf Gotter von Bemittelten. befonders Juden und Kaufleuten. die
Hälfte des Portos in brandenburgifchen Sorten fordern. Freilic
h
fürchtete er davon einen großen Einnahmeverluft. weil die meiften
Leute wegen des hohen Agios ihre Sendungen zurückhalten würden.ö)
Ebenfowenig wurde Gefuchen. den Zoll mit fächfifchen Dritteln be-
zahlen zu dürfen. nachgegeben))
Eine große Wohltat für die Bevölkerung war es ferner un-
zweifelhaft. daß das General-Direktorium fic h nun durc h die König-
liche Ordre für befugt erachtete. den Unternehmern alles Haufieren
durc h deren mit Päffen verfehene Kommiffionärs zu verbieten und
den einmal erlaubten Einkauf der befferen Sorten auf ihre Woh-
nungen zu befchränken.5)
1) Nr. 35. -
2) Nr. 37. Dementfprechende Verfügungen an die Behörden. Berlin.
13. September 1760.
3) Gotter an das General-Direktorium. Berlin. 3. November 1760.
Tit. L711. 14.
4) Tit. 8711. 15.
5) Köppen an das General-Direktorium. Magdeburg. 19. Juli 1762. er-
innert an diefe Verfügung. Tit. ÄLlll. 6.
122 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
Kaum aber war die Sache wegen der fächfifchen Drittel be-
hoben. fo drängte fic h eine andere mit womöglich noch größerer
Heftigkeit an die Behörden: der Mangel an Scheidemünze. Wir
hörten eben von den dadurc h erzeugten Schwierigkeiten in Magde-
burg und Halberftadti) im Sommer 1760; auch aus Schlefien liefen
maffenhaft Klagen darüber einc?) Wie dort die Glogauer Kammer
Mord und Totfchlag befürchteteZ) fo beforgte man in Brandenburg
eine Hungersnot. weil Kaufleute und Handwerker keine Grofchen.
Sechfer. Dreier zum Herausgeben hätten und daher die Bevölkerung
darben ließen.4) Nur ftellenweife fcheint man fich mit Zeichengeld
geholfen zu haben.5)
Zwar beruhigte Köppen damit. daß die Unternehmer im
Oktober zu Berlin und Magdeburg foviel fächfifche Grofchen prägen
laffen würden. als nur immer möglic h fei.*i) und verfprach Tauenßien
aus den Silberreften „Böhmen“ fchlagen zu laffen.7) aber das gefhah
doc h nicht in genügender Menge. Obgleic h bis zum 14. Februar
1761 in Berlin für 160900. in Magdeburg für 136971 Rtlr. fertig
wurden. forderten doch die Wechfler gegen fächfifche Drittel für
fächfifche Grofchen 7. für brandenburgifche Sechfer 180/0 Aufgeld.8)
1) S. 119. 120. und Nr. 33.
2) Vom März bis September 1760 aus Hirfchberg. Glaß. Löwenberg.
Glogau. Breslau. meift wiederholt. A. B. 11. n. l7. 31. 7.
3) 8. Januar 1761; ebenda.
4) Bericht des Magiftrats. Brandenburg. 4.September1760. Tit. 1(711. 14.
5) So gab das Berliner Materialgefchäft Stengel: und Müller Papier-
marken zu 4 Grofchen aus. Die Kammer glaubte das nicht verhindern zu dürfen.
(Nr. 36.) Hierher gehören auc h die in unferer Münzbefchreibung unter Nr. 1952
bis 1955 verzeichneten und abgebildeten Blechmarken der Garnifon Kofel. fowie
Marken mit dl-Z. die der Dresdener Kaufmann Nauße damals wahrfcheinlich aus-
gab. Vergl. A. Braufe. Feld-. Not- und Belagerungsmünzen. Berlin 1897. S. 27
bis 29. Neumann. Kupfermünzen l. S. 487 und Göße. Grofchenkabinett lil. S. 952.
Auch in einigen Gegenden des Erzgebirges waren an Stelle des faft ganz ver-
fchwundenen Metallgeldes befiegelte und befchriebene Papierftreifen im Umlauf.
Th. Flate. Gefch. des Kurftaates und Königreichs Sachfen. ll. Bd.. Gotha 1870.
S. 497.
6) Sißung des General-Direktoriums. des Kammerpräfidenten v. Groeben.
des Kammerdirektors Grofhopp und Köppens am 24. September 1760. Schreiben
Köppens vom 1. Oktober 1760. Tit. L711. 14.
7) Tauenßien an Schlabrendorff. 16. Nov. 1760. A. B. lil. n.17.31. 7.
Z) Kammerber.. Berlin. 15. Jan. 1761. Tit.L7ll.15. daher auch d.Folgende.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 123
Köppen behauptete. die Grofchen würden zur alliierten Armee weiter
gebracht. denn obgleic h die Magdeburger Garnifou fie erhalte. ge-
fhehe dort die Löhnung mit Dritteln. Den Unternehmern könne man
unmöglic h zumuten. noch mehr Scheidemünze zu prägen als fie jeßt
täten. fonft könnten fie den kontraktmäßigen Schlagfchaß nicht ab-
führeu. Dem Mangel werde fo lange nicht abgeholfen werden. als
man den Wechflern das Gefchäft nicht lege. 1) Das war natürlic
h
ein Jrrtum: dem Mangel an Scheidemünze hätte nur durc h eine
umfangreichere Fabrikation derfelben abgeholfen werden können. wie
denn auc h das General-Direktorium meinte. Wechfeleiverbote feien
der Erfahrung nac h bei den vielen Uuterfchleifen der Juden erfolglos?)
Mittlerweile unterhandelte Köppen darüber mit Tauenßien.
Vor Jahr und Tag war mit den Unternehmern ein Kontrakt über
Prägung von Kupferdreiern gefchloffen worden. der aber fchlecht er-
füllt war.3) Köppen meinte nun. das General-Direktorium fei wohl
befugt. auf Jnnehaltung der Kontrakte zu befteheu.4) Wenn endlic
h
im Juli 1761 mit der Prägung von Grofchen. Sechfern und
Dreiern energifcher begonnen wurde. fo zweifelte er doch. daß da-
durc h der Mangel befeitigt werden würde. denn die Armeen ab-
forbierten davon gar zu viel.5) Jm April hatte er an Grofchen
über 20000 Rtlr.. am 1. Juni weitere 5000 Rtlr. durc h die Unter-
nehmer nach Stettin fenden laffen. Diefelben wollten nac h Schlefien
pofttäglic h 5000 Rtlr. fchicken. aber es fcheint nicht dazu gekommen
zu fein. denn noc h im Auguft ermahnte fie Schlabrendorff vergeblic
h
daran. und im Dezember befchied er die Glogauer Kammer. alle
Klagen hülfen nichts. es würde keine Scheidemünze gefchlagen. man
habe fic h alfo mit Gutengrofchen und Dreikreuzern zu helfen. fo
gut es gehe.6)
Troß ihrer geringen Scheidemünzprägung kamen die Juden
mit neuen Forderungen: fie klagten. daß von den Magdeburgi-
fheu Kaufleuten in den beiden leßten Jahren kaum 20000 Rtlr.
in Silber zur Münze geliefert feien. was fic h nur fo erkläre. daß
1) Köppen an das General-Direktorium. Magdeburg. 14. Februar 1761.
2) Refkript an Köppen. Berlin. 18. Februar 1761.
3) S. S. 50.
k) Köppen an das General-Direktorium. Magdeburg. 16. Juni 1761.
5) Ebenfo. Magdeburg. 4. Juli 1761.
6) A. B. n. n. lr. 81. r.
124 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
fie es gegen geringes Geld ausführten. Entrüftet verficherte darauf
die Magdeburgifche Kammer. fie habe alles getan. derartiges zu
verhüten; die Unternehmer möge man nur vom Einfchmelzen branden-
burgifcher Sorten abhalten. dann würden diefe nicht fo felten fein.
Die Juden beriefen fic h aber darauf. daß der König ihnen wegen
des Einfchmelzens freie Hand gelaffen habe. worauf endlich das
General-Direktorium am 21. April 176l verfügte. daß branden-
burgifche Sorten dnrchaus nicht einzufchmelzen feien.1) Damit feßte
es fic h aber in Widerfpruch mit dem vorjährigen Befehl?) daß die
vor dem 1. Januar 1759 geprägten Münzen eingefchmolzen werden
dürften. Aber was follte man tun? Seitdem waren preußifche
Münzen ja faft gar nicht mehr gefchlagen worden. alfo mußte man
die vorhandenen. die für viele Zahlungen doc h noc h immer nötig
waren. fchüßen fo gut es ging.
Abgefehen nämlich davon. daß die Zölle und ein Teil des Poft-
portos mit ihnen zu begleichen waren. fo legte fie jeder Privatmann.
da ihr höherer Kurs bekannt war. als Notgrofchen zurück. Ferner
galten die Münzen mit fremdem Gepräge nicht bei Rückzahlung von
Kapitalien. und endlic h ficherten fic h die Kaufleute für ihre Zahlungen
im Auslande das beffere Geld. So fahen fic h viele Leute in die
Notwendigkeit verfeßt. alte Münzen anzufchaffen. die fie begreiflicher-
weife in erfter Linie bei den Juden erhalten konnten. Denen er-
wuchs daraus ein neuer Vorteil: indem fie überall herumhaufierten
und ungebildeten Leuten die guten Sorten gegen das neue glänzende.
aber fchlechte Kriegsgeld abfchwaßten. gerieten jene in ihre Hände.
Dazu ftellten fie felbft ältere beffere Sorten her und verkauften fie
mit hohem Aufgeld denen. die fie nötig hatten. Köppen klagte.
daß. da fie diefe ohne Erlegung eines Schlagfchaßes münzten.3)
das ein fehr eigennüßiger Handel fei. weil fie fo das Steigen und
Fallen des Agios allein leiten könnten.4)
1) Eingabe des Ephraim und Jßig. Berlin. 27. März und 29.April 1761
Kammerber.. Magdeburg. 11. April 1761.
2) S. S. 119.
3) S. S. 52 und 63.
4) Köppen an das General-Direktorium. Magdeburg. 4. Juli 1761. Da-
mals fah fich auch die Breslauer Kammer veranlaßt. wegen des Eindringens
vieler unbekannter Juden. die von andern Päffe entliehen hatten. diefes Entleihen
zu unterfagen und die Päffe nur 6 Monate gelten zu laffen. Schlabrendorff be-
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 125
Schließlic h fcheinen die Freigebung der fächfifchen Drittel und
die wenn auc h nicht zureichende Scheidemünzfabrikation die ärgften
Verlegenheiteu befeitigt zu haben: in der zweiten Hälfte des Jahres
1761 wurde es mit den Klagen ruhiger. Seit Anfang 1762 wurde
das Bild aber wieder ein anderes. da eine bedeutende weitere Münz-
verfchlechterung dadurc h eintrat. daß Bernburgifche u. a. fremde
Sorten nach einem äußerft geringen Münzfuß gefchlageu wurden.-
Allerdings befahl der König den Unternehmern bei fchwerer Ver-
antwortung. keine Sorten. die fchlechter als die fächfifchen Drittel
wären. in Preußen auszugeben.1) Da aber diefe als beftes hab-
haftes Geld felten wurden. erlaubte man auc h fächfifche Grofcheu
und Sechfer als Abgabeugeld anzunehmen. doch follten die Kaffen
damit nicht überfüllt werden?) '
Dadurc h wurde die Fabrikation der Grofcheu und Halb-
grofcheu mit fächfifchem Gepräge nac h einem fehr geringen Münz-
fuß deu Juden fchou äußerft vorteilhaft. Sie erreichten aber noc
h
mehr. indem fie am 2. Juli 1762 einen Kontrakt fchloffeu. demzu-
folge fie auc h fächfifche Doppelgrofchen mit der Jahreszahl 1761
und 1762 prägen durften. die nicht nur im Verkehr. fondern auc
h
von allen Staatskaffen. außer in der Provinz Preußen. ange-
nommen werden follten.3) Dazu kam. daß diefe Doppelgrofchen.
nac h keinem beffern Münzfuß als die Grofcheu geprägt. den Juden
noc h weniger Koften machten. weil fie weniger Kupfer als die
Grofcheu enthielten.4)
Wenn nun auc h Knöffel fagte. fie feien fo gut wie die
Grofcheu. und das General-Direktorium. fie wögen zwar weniger.
fahl fpäter. alle Zuwiderhandelnden zu arretieren und ihre Münzbeftände zu kon-
fiszieren. denn diefem Gewerbe der Aufwechfelei guten Geldes müffe endlich ein
Ziel gefeßt werden. Kammerverfügung. Breslau. 23. Juni 1761. Refkript
Schlabrendorffs vom 17. Auguft 1762. A. B. 111. Lt. l7. 31. 71.
1) Köppen an das General-Direktorium. Magdeburg. 9. März 1762 mit
Überfendung der Ratifikation des Münzkontraktes vom 20. Februar 1762. Bres-
lau. 28. Februar 1762.
2) Refkript an die kurmärkifche Kammer vom 13. April 1762.
3) Nr. 56 und Köppen au das Gen.-Dir.. Magdeburg. 20. Juli 1762.
4) Nach Atteften der Berliner Münze vom 28.'Auguft 1762 waren die
fächfifchen Doppelgrofchen zu 6 Rtlr. 17 Gr. 6 Pf. aus der 2 Lot 10 Grän
feinen Mark oder nac h einem 42 Rtlr. 3 Gt. 11/2 Pf.-Fuß ausgebracht.
126 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
man dürfe aber eine Münze nicht nach dem Bruttogewicht. fondern
müffe fie nach ihrem Feingehalt beurteilen. und ihre unweigerliche
Annahme befahlM) fo lag in diefer Erörterung doch ein Jrrtum.
Denn fo richtig diefe Theorie auch vielleicht erfchien. in der Tat war
fie mindeftens ebenfo falfch wie die des Volkes. Nur die im Münz-
wefen Aufgeklärteften fahen damals fchon ein. daß es bei der Scheide-
miinze nicht auf _deren Feingehalt ankomme?) Man mochte noch
fo viele Vorträge zu Gunften der Doppelgrofchen halten: die Be-
völkerung fah nicht. daß fie feiner als die Grofchen. wohl aber.
daß fie verhältnismäßig leichter waren. und wollte fie nur zu
11/2 Gr. nehmen.
Ein Gefuch der Unternehmer. von den Kaffen den dritten Teil
der Einkünfte in fächfifchen Dritteln. zwei Dritteile aber in fächfi-
fchen Doppelgrofchen und Grofchen annehmen zu laffen. damit das
Publikum bei Annahme der Doppelgrofchen weniger fchwierig fei.
wurde zwar abgefchlagen.3) Als aber die Berliner Kaufmaunfchaft
angab. 200 Rtlr. in Grofchen wögen etwas über 39 Mark. in
Doppelgrofchen nur 29 Mark 8 Lot. und leßtere deshalb nicht im
Nennwert gelten lafjen wollte. wurde dem Polizeidirektor Kircheifen
befohlen. die mit Gefängnis oder Geldftrafe zu belegen. die die
Doppelgrofchen unter ihrem Nennwert annähn1en.4) doch follten die
Kaffen fich damit nicht überhäufen laffen.5) _
Es fei geftattet. hier an einem Beifpiele zu zeigen-. in welche
Verlegenheiten diefe Verhältniffe führten. Der Bäcker Joh. Fried-
rich Stubenrauch wohnte vor dem Berliner Königstore neben dem
Ordonnanzhaufe. Jm Januar 1762 war er beftändigen Gewalt-
tätigkeiten vom Militär ausgefeßt. man bedrohte ihn mit blanker
Waffe. und zwang ihn. Backwaren fich mit Doppelgrofcheu bezahlen
zu laffen. Wenn er aber dem Bauer für das Getreide diefe Münzen
geben wollte. fo fchlug diefer fie aus und wollte gar kein Getreide
l) Ber. Knöffels. Berlin. 23. Auguft1762. Verordnung an die Kammern.
Berlin. 24. Auguft 1762.
2) S. Bd. l. S. 176.
3) Gefuch der Unternehmer vom 25. Aug . abgefchlagen am 31. Aug. 1762.
4) Refkript an Kircheifen. Berlin. 7. September 1762. _
5) Refkript an den Kommandanten v. Zegelin. die kurmärkifche Kammer
und den General-Poftmeifter Grafen Neuß vom 7. September 1762.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 127
mehr bringen. Stubenrauch mußte daher 50 Rtlr. Doppelgrofchen
in Grofchen umfeßen und dafür dem Juden 8 Rtlr. geben. End-
lich fah er fich gezwungen. gar nicht mehr zu backen und feinen
Laden zu fchließeni)
Daß die Kaffen diefes Grofchengeld nur teilweife an-
nahmen. wollten fich wieder die Juden nicht gefallen laffen und
fteckten fich hinter Köppen. der geftehen mußte. daß diefes den
Jntentionen des Königs nicht entfpreche. Eine bedingte Annahme
möchte um fo üblere Folgen haben. als faft keine andern Sorten
mehr gemünzt würden und die Annahme der neuen Auguftdor auch
verweigert würde.?)
So war man denn auf dem Wege zu einer Scheidemünz-
währung. Auch diefe hätte ertragen werden müffen und wäre er-
tragen worden. wenn der Krieg noch länger gedauert hätte.
Die enorme Produktion der fächfifchen Doppelgrofchen er-
forderte noch in den leßten Monaten des Krieges und den erften
des Friedens vielfache Verhandlungen. Die Erlaubnis. fie von den
Kaffen unbedingt annehmen zu laffen. entfernte zunächft die fchlimmften
Berlegenheiten.Z) Schwierigkeiten machte aber das große Kredit-
inftitut der kurmärkifchen Landfchaft.4) denn man könne die Landes-
kreditkaffen nicht auf gleichen Fuß mit deu Akzifekaffen ftellen;
Doppelgrofchen feien Scheidemünzen und könnten nicht zu Zins-
zahlungen an die Landeskreditoren benußt werden. Noch am
17. September und 17. Oktober 1762 fei befohlen worden. das mit
keinen fchlechteren Sorten als fächfifchen Dritteln zu tun. Das
General-Direktorium erklärte aber die Verfügung nicht ändern zu
können. Das Jnftitut wird die Annahme der Doppelgrofchen bei
l) Verhör mit Stubenrauch. Berlin. 21. Januar 1762. Tit. 11711. 16.
2) Köppen an das General-Direktorium. Magdeburg. 13.September. dem-
gemäß Verordnung an die Behörden vom 15. September 1762. Tit. L711. 15.
Es fcheint den Unternehmern auch nicht gelungen zu fein. diefen Münzen in Ham-
burg Annahme zu verfchaffen. obgleich fie verfuchten. mit den dortigen Bankiers
Schimmelmann und Stenglin. von denen „das ganze dortige Wechfelnegoce“ ab-
hänge. deswegen anzuknüpfen. Jm.-Ber. Köppen-s. Magdeburg. 30. Oktober
1762. 11. 96. 425 1118.
3) Kammerber.. Magdeburg. 25. Oktober 1762 (Nr. 60). Tit. 11711. 16.
daher auch das Folgende. '
4) Vorftellung vom 8. November 1762.
128 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
Einziehung der Ziefe und Schloßgefälle wohl möglichft verweigert
haben.
Jn der Knrmark nahmen die Getreide-. Getränke- und
Schlachtkaffen von Brauern. Bäckern und Branntweinbrennern
Doppelgrofchen als Steuer an. während Weinhändler. Kaufleute
und Materialiften. wenn die Akzife über 10 Rtlr. betrug. die
Hälfte in fächfifchen. die andere in preußifchen Dritteln bezahlen
mußten)) '
Als dann nac h dem Friedensfchluß die Garnifonen wieder
einrückten. mußte man weitere Exzeffe befürchten. und verfügte auf
Antrag Kircheifens durc h Avertiffement vom 24. Februar 1763
wiederum die Annahme der Doppelgrofchen zum Nennwert. Diefer
Befehl fchien aber doc h der Generaldomänenkaffe. dem Geheimen
Finanzrat Urfinus und dem Kabinettsrat Lantenfack bedenklich)) da
eine Kabinettsorder über unbedingte Annahme diefer Sorte nicht
vorliege; während der König fic h mit Verluft von der Maffe
fchlecht-er Münzen befreie. würden durc h diefe Verordnung wieder
Millionen davon ins Land gezogen. Durc h die Generalpoftkaffe
kamen die Doppelgrofchen in der Tat in großen Mengen ein))
Endlic h einigten fich in einer Sißung vom 10. März 1763 die
Minifter v. Borcke. v. Wedel. der Kabinettsrat Lantenfack und die
Geheimen Finanzräte dahin. daß es zwar bei der Verordnung vom
24. Februar bleibe. die Kaffen aber mündlich zu befcheiden feien.
fic h nicht mit Grofchen und'Doppelgrofchen überhäufen zu laffen.
Wir kommen auf die Einziehung der Kriegsmünzen des Näheren
zurück und fügen hier nur noc h zu. was gegen das Eindringen der
der fächfifchen Sorten weiter verfügt wurde. Denn da faft der
ganze Often Dentfchlands damit angefüllt war. fo fuchte natürlic
h
jeder fie dahin abzufchieben. wo fie am meiften galten. Es konnte
1) Genehmigung des General-Direktoriums vom 15. Dezember 1762.
k) Vorftellnng v. Urfinus und Lantenfack vom 3. März 1762. Bericht der
General-Domänenkaffe. Berlin. 21. März 1763.
3) Die General-Domänenkaffe weigerte fic h endlich. der Poft die Doppel-
grofchen abzunehmen. Daher wollte der General-Poftmeifter auc h den Poftkaffen
deren Annahme nicht befehlen. Eingabe Reuß) vom 25. März 1763. Die General-
Domänenkaffe hatte von der General-Poftkaffe vom 24. Dezember 1762 bis
22. Februar 1763 30658 Rtlr. in fächfifchen Doppelgrofchen angenommen. am
21. März bot leßtere ihr wied'er 50000 Rtlr. in 2- und 1-Grofchen an.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 129
die Einfuhr daher nicht fcharf genug verboten werden. Am 5. April
1763 erließ man an die Kammern eine Verordnung. daß das Ein- .
fchleppen der fächfifchen Drittel. 2- und 1-Grofchenftücke bei Kon-
fiskation und arbiträrer Strafe verboten fei. den anzeigenden Polizei'-
und Akzifebeamten fiele 1/6 der konfiszierten Summe zu. Stellen-
weife kam das fchon zu fpät: in Minden war alles mit fächfifchen
Doppelgrofchen und Grofchen überfchwemmt.l)
Die Unternehmer hielten fic h aber durc h diefe Verfügung für
benachteiligt. denn fie verlören fo eine MengePagament. das fie
bei der weiteren Ausmünzung gut brauchen könnten. Jedoc h wollte
fic h Urfinus darauf. daß die Einfuhr diefer Sorten den Juden fo
fchlechthin erlaubt würde. nicht einlaffen. Für eine Änderung des
Avertiffements wäre er überhaupt nicht. vielmehr wäre den Juden
nur infofern entgegenzukommen. daß die von ihnen zur Münze zu
liefernden fächfifchen Sorten nac h Menge und Güte fpezifiziert und
dann der Münze gefchickt würden. daß Knöffel ferner auf Pflicht
und Gewiffen dafür ftehen müffe. daß nichts davon ins Publikum
käme; demgemäß wurde verfügt?) Noc h mehr natürlic h fträubten
fih die Juden gegen ein damals erlaffenes allgemeines Einfuhr-
verbot und bewirkten. daß an fie adreffierte Münzen und Metalle
ihnen uneröffnet ausgeliefert würden.3)
Jm übrigen war man fehr auf der Hut. Als Magdeburger
Kaufleute an Berliner 23900 Rtlr. in fächfifchem Gelde fchickten.
mußte man das zwar zulaffen. weil der Verkehr damit im Lande
ja nicht verboten war. vermutete aber. daß auf die Einfchleppung
nicht gut aufgepaßt werde. und fchärfte daher die Verfügung am
30. April 1763 der Magdeburger Kammer von neuem ein.
Es wäre vielleicht angezeigt. zu erörtern. wie die Kriegs-
münzen überhaupt in den nacheinanderfolgenden Jahren Handel und
Wandel beeinflußten; wir würden dann fehen. wie die Wirkung der
monetären Änderungen im ganzen war. Aber es würde durc h eine
1) Kammerber.. Minden. 22. und 31. März 1763.
I) Gutachten Urfinus'. Berlin. 19. April 1763. und Verordnung an die
kurmärkifhe Kammer. an Ephraim und Jßig. den Grafen Neuß und Knöffel.
Tit. L711. 16.
3) Verfügung vom 26. April 1763.
*seta 801-11881e11. Münzwefen. 1ll. 9
130 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
derartige chronologifche Darftellung die Wirkung der einzelnen
Münzforten nicht klar genug hervortreten. wir müßten 6-. 7mal
von einer zur andern fpringen und würden fo. was die Münzen
betrifft. deren Gefchichte der vornehmfte Gegenftand unferer Arbeit
ift. ein zerriffenes und verwirrendes Bild bringen. Jc h habe mich
deshalb dafür entfchieden. die einzelnen Nominale nac h 3 Hauptklaffen
zu fondern. zumal da ihr Wirkungskreis _entweder in geographifcher
oder in fozialer Beziehung ein meift verfchiedener war. Die große
Gruppe der preußifch-fächfifchen Silberforten. der eigeutlichen Ephrai-
miteu und ihrer Teilmünzen. haben wir in ihren Wandlungen und
Wirkungen kennen gelernt; wir haben nun noc h die beiden andern
Gruppen der mecklenburgifchen. holfteinifchen und fchwedifch-pommer-
fchen Silbermünzen fowie der neuen Auguftdor näher zu betrachten.
Die mecklenburgifchen und Holftein-Plönfchen Kriegs-
münzen waren ohne Ausnahme Nachmünzen; wie wir erzählten. münzte
Mecklenburg-Schwerin 8- und 4-Grofchenftücke mit der Jahreszahl
1754 felbft. alfo die eigenen Münzen des vorigen Fürften. nach;
dann Preußen. befonders in Aurich. Die mit Anhalt-Zerbfter
Stempel gefchlagenen Sorten lernten wir als Produkte der Münze
zu Rethwifc h bei Plön kennen. Die fchwedifchen 8- und 4-Grofchen-
ftücke von 1759 und 1760 waren keine Nachmünzen. wurden dafür
aber in Stralfund in um fo größerer Menge und nicht beffer her-
geftellt. Alle drei Sorten liefen in den ihren Urfprungsftätten
nächftgelegenen Ländern um. d. h. an der Oft- und Nordfee von
.Hinterpommern bis Oftfriesland. Weiter nac h Süden fcheinen fie
in größeren Mengen nicht gedrungen zu fein; in den Marken klagte
man zwar hin und wieder über fie. doc h verfchwinden folche Be-
fchwerden ganz gegen die wegen der fächfifchen und bernburgifchen
Münzen. Nur in Schlefien und Kurfachfen fcheinen fchwedifhe
Agenten eine beträchtliche Menge der Stralfunder Münzen abgefeßt
zu haben.
Ende 1761 geftand ein Agent der Ephraim. Mofes Efaias zu
Glogau. von diefen 20000 Rtlr. in fchwedifchen Sorten erhalten
zu haben. er follte damit beffere Münzen zur Lieferung an die
Prägeftätten einwechfelu)) Als diefe Sorten zuerft aufgetaucht
waren. Anfang 1761. hatte der Breslauer Münzdirektor gefunden.
1) Kammerber.. Breslau. 31. Dezember 1761. A. B. 111.lt. 17. 33 o-. 11.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 131
daß fie meift etwas reichhaltiger als die fächfifchen Drittel und
Sehftel waren. Er hielt ein Vorgehen gegen diefe Sorten nicht
für ratfam. denn es fei nur wünfchenswert. daß alle deutfchen
Stände dem preußifchen Beifpiele folgten. dann würde bei künftiger
Münzverbefferung leichter ein allgemeiner Münzfuß zuftande kommen.
Die erften Vorteile habe Preußen ja hinweg.1) Dennoc h wurden
Ende des Jahres auc h die fchwedifch-pommerfchen Sorten zufammen
mit den mecklenburgifchen und Plön-Zerbfter verboten?)
Was über die durc h die mecklenburgifchen Drittel in Oftfries-
land hervorgerufenen Unruhen aus Wiarda bekannt ift. er-
wähnten wir.3)
Demnac h bleiben uns nur noc h die Verhältniffe in Pommern.
wo jene Sorten in großen Mengen umliefen. zu erzählen. Die
Verbote aus Berlin blieben ohne Erfolg. denn es war dort wie
anderswo dasfelbe Leid: die Stettiner Feldkriegskaffe bezahlte das
Getreide nur mit diefen Sorten. was befonders auc h daher kam. daß
das Feldkriegskommiffariat aus Mecklenburg große Kontributiouen zu
erheben hatte und diefe meift in jenen geringen Schwerinfchen 8-
und 4-Grofchenftücken erhielt.4) Übrigens prägte auc h Mecklenburg-
Streliß fchlechte 4-Grofchenftü>e mit den Jahreszahlen 1751 bis 1759.
Die Juden hatten wegen ihrer mecklenburgifchen Nachmünzungen
in Aurich. wo es ihren Agenten damals recht übel erging. natürlich
ein fchlechtes Gewiffen und erboten fich. im Falle des Verrufs diefer
Sorten die Beftände des Feldkriegskommiffariats daran umzu-
taufchen; wir erinnern uns. daß damals. im Frühjahr 1761. die
Schweriner Münze von Preußen aufgehoben wurde.5) Wenn auc
h
von Mecklenburg im geheimen weiter gemünzt wurde. fo kann man
doc h wohl behaupten. daß feitdem lange nicht foviel fchlechtes mecklen-
burgifches Kriegsgeld wie bis dahin hergeftellt worden ift. denn in
Auric h ging feit der Revolte die Arbeit auc h nicht mehr an. nnd in
den andern Münzftätten der preußifchen Verwaltung wurden andere
Sorten. befonders fächfifche. bernburgifche und polnifche hergeftellt.
1) Bericht Krönckes. Breslau. 10. Januar 1761. Ebenda.
2) Erlaß an die Breslauer Kammer. Breslau. 24. Dezember 1761. Ebenda.
3) S. S. 90.
*) Kammerber..Stettin.1.Juni1761. Tit.111171.1. Daher auch d.Folgende.
6) S. S. 88.
9*
132 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
Das hinderte aber nicht. daß die fchon vorhandene ungeheure
Menge der mecklenburgifchen und fchwedifchen Münzen die Kaffen
weiter überflutete; mit den fchlechten Plönfchen Münzen war man
weniger geplagt; die Stettiner Kammer verrief fie im November 1761.
Als aber das Stettiner Gouveruement die Verpflegungsgelder in
fächfifchen Dritteln erbat. hatte die Kammer keine. und Köppen
affignierte weiter in mecklenburgifchen und fchwedifchen Sorten. Die
Kammer ließ in ihrer Bedrängnis endlic h durc h den Stettiner
Magiftrat die Annahme diefer Münzen anbefehlen. das rügte aber
der Generalfiskal Uhden als einer Order vom 6. Januar 1762
widerfprechendI)
Laut Kontrakt vom 20. Februar 1762 begann man von
Stettin her fogleic h mit der Sendung der Kontributionsgelder
zum Umtaufc h durc h die Unternehmer nach Berlin; es war eine
Summe von 325500 Rtlr. Köppen hatte geraten. die Fäffer mit
diefen Kontributiousgeldern den Juden nicht unbefehen auszuliefern.
fondern zuvor die befferen Sorten. wie fächfifche Drittel. auszufuchen.
weil die Unternehmer fonft zu großen Vorteil hätten. indem fie fo
diefe Sorten. die fie zur Ablieferung des Schlagfchaßes nötig
hatten. ganz koftenlos erhielten. Er klagte damals. daß die Stettiner
Kammer ihn heute um Scheidemünze erfuche und am andern Tage
beim General-Direktorium verklage. daß er keine fchicke; 350000 Rtlr.
in fächfifchen Grofcheu gingen damals nac h Stettin?)
Wegen der Umwechfelung machten die Juden nac h ihrer Art
Schwierigkeiten. erklärten aber endlic h am 8. März. fie würden
fchon nac h und nac h alles umwechfeln. d. h. außer jenen Kontri-
butionsgeldern noc h 30000 Rtlr. und die Münzen der gefangenen
öfterreichifchen Offiziere. Diefe Einwechfelung follte zwar auc h mit
Auguftdor. hauptfächlic h aber fächfifchen Dritteln vor fic h gehen. Die
Unternehmer fchickten aber nur fehr wenige fächfifche Drittel und fonft
Auguftdor und fächfifche Grofcheu. Auklagen und Entfchuldigungen
gab es deshalb die Menge. Die Kammer klagte. nur noc h fchwedi-
fche und mecklenburgifche Drittel liefen um. die fächfifchen flöffen in
die königlichen Kaffen. die Juden wechfelten die mecklenburgifchen
und fchwedifchen Drittel unter 120/0 Verluft für den Jnhaber mit
1) Meldung Uhdens. Berlin. 25. Januar 1762. S. S. 125.
9) Bericht Köppens vom 29. Januar 1762.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 133
fächfifchen Grofchen ein. obgleich diefe noch fchlechter fein follten;
die Vormünder müßten das Kapital der Unmüu-digen angreifen.
denn bei Bezahlung von größeren Summen mit Grofchen nähmen
die Kaufleute um 60/0 höhere Preife als bei folcher mit fächfifchen
DrittelnK) Wenn dann die Jnden. die man zur Einwechfelung
aller reduzierter Sorten zu bewegen fuchte. das mit neuen Auguft-
dor tun wollten. fo meinte die Kammer. nicht diefe. fondern nur
fächfifche Drittel könnten helfen. Denn man müßte fich fonft doch
wieder an die Juden wegen Umwechfelung der Auguftdor wenden.
da diefe kein Kaufmann auswärts anbringen und deshalb auch kein
Bürger der Garnifon gegen Drittel oder Grofchen abnehmen könne.
Alfo fächfifche Drittel und Grofchen möchten fie fchicken?)
Das half aber nichts. die Unternehmer hatten fich dazu gar
nicht verpflichtet. und Köppen geftand zu. daß die Umtanfchung der
verrufenen Sorten nach dem Kontrakt vom 20. Februar 1762 nur
mit neuen Auguftdor und fächfifchen Grofchen zu gefchehen brauche.
Zwar fchickten die Juden in April 1762 10000 Rtlr. in fächfifchen
Dritteln nach Stettin. wollten aber mehr nicht tun. da der König
den ganzen Schlagfchaß in diefen Sorten verlangte und fie fonft
zu viel Schaden hätten.3)
Troß häufigem Hin- und Herfchreiben blieb es dabei: bis
Mitte Auguft 1762 wurden für 1055282 Rtlr. 17 Gr. in Zerbft-
Plönfchen. mecklenburgifchen und Stralfunder Münzen. meift mit
neuen Auguftdor. etwas auch mit fächfifchen Dritteln und Grofchen
umgewechfelt.4) Vielleicht möchte man diefe Summe für zu uner-
heblich halten. als daß durch deren Einwechfelung ein Einfluß auf
die pommerfchen Münzverhältniffe hätte ausgeübt werden können.
In der Höhe der Summe lag aber nicht das Wefentliche des Vor-
ganges. Es kam vielmehr darauf an. die Kaffen in den Stand zu
feßen. keine jener Sorten weder einnehmen noch ausgeben zu brauchen.
Alle Verbote blieben. wie wir genugfam gefehen haben. folange er-
folglos. als die Lieferungen von den Staatskaffen felbft mit den
verbotenen Sorten bezahlt wurden. Jndem man diefen nun ihre
1) Nr. 53.
2) Kammerber.. Stettin. 23. April 1762.
3) Erklärung der Unternehmer. Berlin. 28. April 1762.
4) Die einzelnen Poften f. oben S. 68. Note 2.
134 ' Zweites Buch. Zweites Kapitel.
Beftände an diefen Münzen abnahm. machte man es ihnen möglich.
mit anderen Gelde zu zahlen. und konnte demgemäß auc h von der
Bevölkerung die Steuerzahlung mit erlaubten Sorten verlangen.
Wir fügen hier noc h einige befondere Fälle aus dem pommer-
fchen Münzwefen jener Zeit hinzu)) Der Kaufmann Saune jun.
in Stettin hatte für eine_ Fonragelieferung von dem General
v. Belling 25000 Rtlr. in mecklenburgifchen und fchwedifchen Sorten
erhalten und konnte nac h dem Verbot derfelben 19000 Rtlr. da-
von nicht los werden; man verwies ihn zuerft an v. Belling und
die Unternehmer; da er bei diefen aber nichts erreichte. regelte der
Oberkommiffar Stein die Sache wahrfcheinlic h fo. daß er dem Manne
beffere Sorten verfchaffte. Man fieht an diefem Beifpiele. wie gut
jene Einwechfelung in Verbindung mit dem Verbot gewirkt hatte.
Zu bemerken ift ferner. daß wahrfcheinlic h durc h die Ruffen.
die Hinterpommern mit Köslin befeßt hatten. fächfifche Thmpfe auch
nach Lauenburg kamen; fie wurden als nicht kaffenmäßiges Geld in
Stettin nicht augenommen.k) wodurc h man ihren Umlauf auf Lauen-
burg lokalifierte.
Endlic h darf nicht unerwähnt bleiben. daß man fic h den gar
zu ftarken Wucher der Juden doch nicht gefallen ließ. Es war
fchon fchlimm genug. daß befonders in Hinterpommern die Juden
alles gute Geld aufwechfelten; ein Verbot des ruffifchen General-
leutnant Wolkonskoi dagegen 8) hatte kaum viel Erfolg. Als aber
ein Stettiner. Hirfch Simon. die fchwedifchen und mecklenburgifchen
Sorten gegen 120/0 Aufgeld mit fächfifchen Grofchen einwechfeln
wollte. wurde er wegen diefes beabfichtigten Wuchers beftraft))
Jm ganzen waren die Verlegenheiten. die wir als Wirkungen
der fächfifchen Drittel kennen gelernt haben. auc h nac h der Prägung
der neuen Auguftdor zu bemerken. Diefe Münze. von der 1761
und 1762 mindeftens 3 Millionen Stück hergeftellt worden find. 5)
war dem Goldgehalt nac h kaum 1/2 bis 1/4 foviel wert als die guten
1) Tit. 111.111. 2.
2) Refkript an die Pommerfche Kammer. Berlin. 27. Mai 1762.
3) Köslin. 13.124. März 1762.
4) Refkript an die Pommerfche Kammer. Berlin. 14. Oktober 1762.
S. oben S. 132. 133.
5) S. S. 57.
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 135
früheren preußifchen oder fremden Piftolen. alfo höchftens 21/2 Rtlr.
Da aber der Staat dadurc h auf ihre Geltung wirkte. daß er fie den
guten gleichgeftellt haben wollte. fo kam allmählic h ein mittlerer
Kurs von 4 bis 3 Rtlr. zuftande. (S. S. 136.)
Der König begründete die Ausgabe der neuen Auguftdor vor
allem damit. daß er die Armeelieferanten mit ihnen bezahlen müßte.
Wir erinnern nochmals daran. daß diefe es im Kriege oft in ihrer
Hand haben. die Preife zu erhöhen. (S. S. 74.) Nun hattten fie
auc h damals unter dem Vorwande des fchlechten Kriegsgeldes die
Preife verdoppelt und noch höher gefeßt. Darum wollte ihnen
Friedric h die Lieferungen mit neuen Auguftdor bezahlen. und zwar
im Nennwert zu 5 Rtlr.. während er damit einverftanden war. daß
die Kaffen der Heimat fie nicht annahmen; auf die Weife glaubte
er feinen Schaden wieder einbringen zu können. 1)
Ob das gelang. werden wir am beften fehen. wenn wir auf
die Wirkung. welche die Zurückweifung durc h die Kaffen ausübte.
näher eingehen. Ende Juni 1761 kam die erfte Anfrage nac
h
Berlin. indem die neumärkifche Kammer fic h erkundigte. ob die
Auguftdor bei den Zöllen wie die fächfifchen Drittel mit 100/0
negativem Agio zu nehmen fei. worauf ihr der Befcheid wurde. daß
überhaupt keine Staatskaffe fie nehmen dürfe?)
Als dann aber in der zweiten Hälfte des Jahres 1761 die
fhlechteren neuen Auguftdor geprägt wurden. gewann die Sache
doc h ein anderes Anfehen. Am 2. Februar 1762 ftellte der Kriegs- .
minifter v. Wedel vor. daß das Berliner Lagerhaus. die große
ftaatlihe Tuchfabrik. von der General-Kriegskaffe über 90000 Rtlr.
zu erheben habe. die nur in neuen Auguftdor gezahlt würden. wo-
bei viel verloren würde. Um diefes zu vermeiden. möchte man die
aus königlichen Kaffen kommenden Auguftdor von diefen auc h wieder
für voll annehmen laffen.
Da aber Köppen mitteilte. daß davon bald Millionen um-
- laufen würden. fo war guter Rat teuer. ja faft unmöglich. Der
Kriegszahlmeifter meinte. wenn diefe Sorten bei den Kaffen nicht
gelten follten. würde der König die Untertanen auc h wohl nicht zu
1) Nr. 58.
2) Anfrage Küftrin. 29. Juni. Refkript darauf. Berlin. 16. Juni 1761.
Tit. 87i. 29. Daher auc h das Folgende.
136 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
ihrer Annahme verpflichteni) Für eine Anfrage beim Könige aber
war wieder v. Wedel nicht. indem er auf die unwillige Meinungs-
äußerung wegen Annahmeverbots der fächfifchen Drittel hiuwies?)
Nun kamen. da nichts für oder wider gefchah. die Bevölkerung
aber die größte Abneigung gegen diefe Münze faßte. weil die Staats-
kaffen fie wohl ausgaben. aber nicht annahmen. natürlic h wieder
diefelben Klagen. wie einft wegen der fächfifchen Drittel. Befonders
gefährlic h erfchien es. daß die Fuhrleute den Dienft verfagten und
die Bedürfniffe nicht zur Armee fahren wollten. weil fie für die
Auguftdor in den Krügen kein Futter bekämen. Man fah fic h alfo
genötigt. auf den Straßen nach Schlefien die Annahme zu befehlen.3)
Schließlic h nahm wenigftens die General-Kriegskaffe die Auguft-
dor an. da diefe fie leichter ausgeben konnte. doc h nac h wie vor wies
die General-Domänenkaffe fie zurück. Das wurde befonders im
Magdeburgifchen. wo fehr viele Getreidelieferungen ftattfanden.
drückend empfunden. indem die Pächter ihr Getreide von der Kriegs-
kaffe mit Auguftdor bezahlt erhielten. diefe aber nicht als Pachtgeld
an die Domänenkaffe abführen konnten.4) Auf diefe und andere
Vorftellnngen vermochte das General-Direktorium nur zu antworten.
daß es deswegen nichts verfügen könne. weil der König feine
Willensmeinung für diefen Fall nicht mitgeteilt habe.5)
Die Vorftellungen wurden dringender. fowohl von fetten
v. Wedels wie der Kammern. befonders der pommerfchen. Sehr zu
leiden hatten auc h die Kriegsgefangenen. die ihre „Löhnung“ nur in
neuen Auguftdor bekamen und diefe. wenn überhaupt. fo doc h nur
zu 41/2 Rtlr. bei den Bürgern anbringen konnten; Ende Juli 1762
ftand der Kurs nur noc h auf 3 Rtlr. 16. höchftens 4 Rtlr. Da
wurde es auc h Köppen bange. er zweifelte wieder. ob das Annahme-
verbot an die Kaffen ganz dem Willen des Königs entfpreche. viel-
leicht könnte man doc h den dritten Teil der einlaufenden Beträge in
neuen Auguftdor annehmen. Es gäbe gar kein ander Geld. nur
Mchten Köppens. Magdeburg. 4. Februar 1762.
2) Wedel an die Magdeburger Kammer. 14. Februar 1762. S. auch
oben S. 121.
3) Klagen des Oberft v. Stechow und Oberft L. v. Wartenberg. März 1762.
Verfügung an die kurmärkifche Kammer vom 31. März 1762.
4) Kammerber.. Magdeburg. 31. Mai 1762.
5) Refkript an die Magdeburger Kammer vom 1. Juni 1762. .
Der Verkehrswert der Münzen fremden Gepräges. 137
Millionen von Augnftdor. „Fürchterliche Auftritte" feien zu be-
forgen. wenn es fo weiter gehe. 1)
Als dann das General-Direktorium es Köppen überließ. beim
Könige anzufragen. erhielt diefer die von uns f(hon erwähnte
Kabinettsorder aus Dittmannsdorß?) in der Friedrich zugab. daß
das General-Direktorium keine Verhaltnngsmaßregeln habe. er aber
die Anguftdor weiter zu 5 Rtlr. auszugeben genötigt fei. bis die
Zeiten erlaubten. „alles wieder in vorigen Train zu feßen".
Eine ftrikte Verwaltungsmaßregel gab der König damit alfo
nicht und konnte es auch gar nicht; er fagte. er müffe die Auguftdor
zu 5 Rtlr. ausgeben. man helfe fich in der Heimat fo gut man
könne. Nur daß fie von den Kaffen nicht im Nennwert anzunehmen
feien. glaubte man herauslefen zu können. Als das General-
Direktorium fie nun aber auf 4 Rtlr. herunterfeßen wollte. war
Friedrich damit doch nicht zufrieden: es fei das zu voreilig. man
werde dadurch die hohen Preife nicht hernnterbringen. man möge
Gott danken. daß bei diefen fchweren Kriegszeiten noch Geld exiftiere.
fo rund fei)) Daran können wir ja auch gar nicht zweifeln. daß
der neue Auguftdor nach feiner offiziellen Herabfeßung im Verkehr
fofort weiter gefallen wäre.
Bei alledem war ein Glück) daß die Prägung diefer Münze
verhälnismäßig fpöt begonnen hatte und die dadurch heraufbe-
fchworenen Verlegenheiten nicht viel länger als ein Jahr dauerten.
Gegen die von den Lieferanten geforderten hohen Preife ging
der König zugleich in anderer Weile vor. Er meinte daß. wenn
er bei Bezahlung mehr ansgebe. er auch mehr einnehmen müffe.
d. h. es follte bei deu Abgaben mehr gefordert werden. wenn dazu
fchlechtes Geld benußt werde.4) Hielt Friedrich eine folche Maß-
nahme für „ganz billig“. fo find wir heute nicht derfelben Anficht.
1) Nr. 57.
2) Nr. 58.
3) K.-O. an das General-Direktorium Bögendorf. 28. September 1762;
Jn1.-Ber.Köppens vom 18.September 1762. K. 96. 425 Le. - Die Breslauer
Kammer verfügte am 27. September 1762. daß die Steuerkaffen nur 2/6 der zu
erhebenden Quoten in Auguftdor) 8/6 in fächfifchen Dritteln und 1/6 in guten und
Silbergrofchen . Thmpfe und Szoftake aber gar nicht annehmen dürften. A. B.
1). -4. 7() 81 e.
4) K.-O. an das General-Dir.. Leipzig. 13. März 1761. Tit. LWll. 25.
138 Zweites Buch. Zweites Kapitel.
denn die Schlußfolgerung hätte die fein müffen. die Münzverfchlechte-
rung als eine Haupturfache der hohen Preife zu befeitigen. in zweiter
Linie erft waren die Steuern bei Bezahlung mit fchlechtem Gelde
zu erhöhen. So wäre es billig gewefen. Diefe Billigkeit aus-
zuüben. geftattete aber der Krieg nicht. die Münzverfchlechterung
konnte nicht unterlaffen werden.
Keineswegs aber war es die Meinung des Königs. daß durc
h
die anbefohlene Maßregel die Bauern und Unvermögenden gefchädigt
werden follten. entfchieden fprac h er fic h dagegen aus. Nur bei
den verfchiedenen Zöllen follte fie befonders auf die aus- und
eingehenden Waren. wie Holz und Salz fic h erftrecken)) Daran.
daß die Armen gerade diefer Dinge doch auc h bedurften und durc
h
den erhöhten Zoll indirekt gefchädigt wurden. dachte Friedric h wohl
kaum. Das General-Direktorium ftellte feft. daß unter guten Münzen
alle vor Herftellung der fächfifchen Drittel geprägten zu verftehen
feien und feßte ein mittleres pofitives Agio von 100/0 auf diefe
gegen die fpäteren. Um fo viel wurden alfo die Zölle- bei Be-
zahlung mit fchlechtem Gelde nominell erhöht))
Die frühere Beftimmung. laut Kabinettsorder vom 28. Auguft
1760. daß die verfchiedenen Zölle nur mit brandenburgifchem Gelde
zu bezahlen feien.3) kam damit in Wegfall. Ferner wurde erlaubt.
daß die Beträge unter 8 Grofchen mit fächfifchen Grofchen ent-
richtet werden dürften.4)
1) K.-O. an das General-Direktorium. Meißen. 28. März 1761.
2) Protokoll einer Sißung des General-Direktoriums vom 19. März 1761.
Tit. 11711. 25.
3) S. S. 121.
4) Refkript an die Pommetfche Kammer vom 19. Nov. 1761. ebenda.
Dritter. Hapitel.
Die Geldverhältniffe im Weï¬en und die Abwehr der
preußifchen Ariegsmünzen in den benachbarten Gebieten
Uerddeutfchlands.
Waren die Lande weftlic h der Wefer fchon in Friedeuszeiten
zum Teil anf fremdes Geld angewiefen. fo war das im Kriege noc
h
mehr der Fall. Denn wo der Feind herrfchte. wie weftlic h des
* Rheines in' Cleve und Geldern. waren die Kriegsmünzen natürlich
dauernd verboten. während man fic h in den preußifchen Gebieten
zwifchen Rhein und Wefer mit dem Gelde behelfen mußte. was
man bekam. d. h. was von den Armeen oder den Münzlieferauten
oder vom Auslande. befonders von Holland und Frankreic h her zu
haben war. '
Ju Minden und Ravensberg lagen die Verhältniffe in-
fofern am ähnlichften den im mittleren Landkomplex herrfchenden. als
man großen Mangel an ediktmäßigem Gelde für Überfendung der
Einkünfte nac h Berlin hatte. War das hier fchon immer im Frieden
der Fall. fo noc h mehr im Kriege. Jm April 1758 liefen in Berlin
aus Minden 3000 Rtlr. ein. worunter 1400 in geringhaltigen
Fuldafchen. Neuwiedfchen. Mecklenbnrgifchen. Ansbachfchen und
andern Dritteln waren. Die Kammer wußte fic h nicht zu helfen.
da der Feind fie einfchleppe und das gute Geld ausführe. Aus
Berlin bedeutete man fie zwar. fie möchte die fchlechten Münzen
zur Löhnung der alliierten Armee verwenden.1) das wird aber auc
h
feine Schwierigkeiten gehabt haben.
1) Refkript an die Mindenfche Kammer. Berlin. 25. April; Kammerber..
Minden. 2. Mai. Refkript darauf. Berlin. 16. Mai1758. Tit. Lil1lll. 13. Da-
her auc h das Folgende.
140 Zweites Buch. Drittes Kapitel.
Nirgends wohl aber war der Mangel an Scheidemünze. über
den wir fchon im allgemeinen gefprochen haben. größer als hier: im
März 1760 war fie faft völlig verfchwunden. d. h. von den Armeen
abforbiert.l) Die Kammer gab damals eine Darftellung der übeln
monetären Lage ihres Departements. das von Preußen abgefchnitten
von Heffen. Lippe. Paderborn. Rittberg. Rheda. Münfter. Osnabrück.
Bentheim und Hannover umringt fei; von diefen Hoheiten münze nur
Hannover gut. es habe fich aber. troß fchärffter Edikte. des fchlechten
Geldes nicht erwehren können und fich genötigt gefehen. dasfelbe.
wenn auch in devalviertem Wert. umlaufen zu laffen. Wollte
man nun die Nachbarn zwingen. nur mit gutem Gelde zu zahlen.
fo würde kein Menfch mehr in Minden etwas einkaufen können.
Für Leinwand und Garn. die Hauptinduftrieerzeugniffe des Landes.
käme auch kein gutes Geld ein. denn feit fie zum Vorteil Schlefiens
nicht mehr über die Wefer gelaffen würden. gingen fie nach Frank-
furt a. M.. wofelbft die Wechfel mit fchlechtem Gelde bezahlt würden.
Berg. Holland. England. Spanien. Portugal nähmen zwar Garn
und grobe Leinwand und bezahlten fie mit holländifchen Wechfeln.
die aber in Bremen traffiert. dort faft nur mit nicht ediktmäßigen
Sorten vergütet würden. Hannover nehme wenig. Osnabrück das
meifte Korn. wofür es aber nur fchlechtes Geld gebe.
Die befte Hilfe wäre alfo: die Regierung müßte die fchlechten
Sorten bei den Münzftätten nmwechfeln. was freilich viel koften würde.
Deshalb rieten fie. diefe Sorten wie die „delikaten Hannoveraner“
bis zum Frieden nach einem Tarif von den Generalkaffen nehmen
zu laffen. Befonders handelte es fich dabei um fächfifche Drittel?)
Auf diefe Klagen hatte das General-Direktorium nur den
wenig fachgemäßen Entfcheid: die Kammer möchte erft die Sorten-
1) Kammerber.. Minden. 15. März 1760.
2) Kammerber.. Minden. 26. März 1760. Der Hannoverfche Tarif feßte
die Schildlouisdor auf 5 Rtlr. 24 Gr.. die andern Piftolen von Frankreich und die
von Schwerin. Preußen. Braunfchweig. Hamburg auf 4 Rtlr. 24 Gr. (Mittel-
friedrichsdor und Auguftdor waren verboten). die holländifchen Dukaten auf 2 Rtlr.
24 Gr.. dänifche Äll-Markftücke auf 2 Rtlr. 4 Gr. 4 Pf.. Drittel von Braun-
fchweig mit Pferd auf 9 Gr.. mit 0 von 1759 auf 6 Gr.. preußifche bis 1759
und mecklenburgifche auf 7 Gr.. fächfifche von 1753 und bernburgifche auf 6 Gr..
braunfchwetgifche Sechftel mit Pferd auf 4 Gr. 4 Pf.. mit 0 von 1759 auf 3 Gr..
preußifche und mecklenburgifche bis 1759 auf 3 Gr. 4 Pf. Ttt. 111.111. 13. .
Die Geldverhältniffe im Weften 2c. 141
zettel der eingelaufenen Beftände einfchicken und melden. warum fie
die verbotenen Gelder nicht an die Truppen ausgegeben hätte))
Die Zufendung des Protokolls vom 6. Mai 17602) konnte. wie
wir fahen. auc h nur teilweife helfen.
Dem Mangel an Scheidemünze abzuhelfen. gefchah wenig.
Zuerft hatte man von Minden her um 4000 Rtlr. in 6- und
8-Pfennigftücken und ebenfoviel in 2- und 4-Grofchenftücken ge-
beten. Köppen aber wollte fie nur Zug um Zug fchicken. denn
Kredit könne er der ftark rückftändigen Mindenfchen Oberfteuerkaf e
niht geben. übrigens habe er nur 6-Pfennigftücke)) Auf feine
weitere Frage. wer das Rifiko für den Transport tragen werde.
antwortete die Kammer ausweichend; die Poft wollte es nicht über-
nehmen; bezahlen könne mau die Scheidemünze auc h nur mit den
kurfierenden Sorten))
Da die Unternehmer aber die Prägung der Scheidemünzen
fortwährend verfchoben. fo wandten fic h Ende des Jahres 1760 die
Mindenfchen Stände direkt an den König. der darauf Köppen be-
fahl. mit den Juden über Anfertigung folcher für Minden und
Oftfriesland zu akkordieren)) Wir haben gefehen. wie es darauf
zu der enormen Ausprägung fächfifcher 1- und 2-Grofchenftücke kam.
und welche Verlegenheiten dann durch diefe Sorten entftanden find))
Mittlerweile waren die Klagen über den Mangel an Steuer-
geld nicht verftummt. Es kam hier fogar zu einer Exekution gegen
die Bielefelder Garnhändler. weil fie ihre Abgaben nicht mit branden-
burgifchen Münzen abführten. doc h wurde die Maßregel in der Er-
kenntnis der Notlage vom General-Direktorium aufgehoben)) End-
lih hat auc h hier die Erlaubnis der fächfifchen Drittel8) als Steuer-
geld die Verlegenheit zum großen Teile befeitigt.
1) Refkript. Berlin. 29. April 1760.
2) S. oben S. 118.
3) Kammerber.. Minden. 15. März 1760; Anfrage Köppens v. 20.März 1760.
4) Kammerber.. Minden. 30. März 1760.
5) Mitteilung Köppens vom 3. Januar 1761.
6) S. oben S. 125-127.
7) Andere Klagen wie die der Landftände vom 11. und 16. Auguft. des
Kommerzkollegs und der Bürgerfchaft von Herford vom 14. September 1760
bringen keine neuen Momente.
8) S. oben S. 121.
142 Zweites Buch. Drittes Kapitel.
Diefe Erlaubnis erftreckte fic h aber. wie wir wiffen. nicht auf
die Zölle. Nun waren die Mindenfchen Zoll- und Lizentkaffeu
nichts anderes als Akzifekaffen. daher denn für fie die Annahme der
fächfifchen Drittel eigentlic h erlaubt war. Die Kammer war aber
dagegen. denn die Kaufleute könnten ganz gut preußifche Silbermünze
zahlen; halte man nicht darauf. fo gehe fie zum Lande hinaus.
Dabei blieb es denn)) Ebenfo wurde die Verfteuerung der im
Auslande fabrizierten Waren in preußifchem Gelde verlangt und
auc h davon auf Vorftellungen der Bielefelder Kaufleute nicht abge-
gangen?) Das bedeutete natürlic h nichts anderes als eine Erhöhung
des Zolls auf fremde Waren um die Höhe des Agios der preußifchen
Sorten.
Ãœber die Graffchaft Mark liegen nur wenige Nachrichten vor.
Jc h habe an anderer Stelle gezeigt)) wie man in Weftfalen von
alters her an kupferne Scheidemünze gewöhnt war. wie felbft einige
preußifche Städte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts folche
fchlugen. wie man während der Scheidemünznot des Jahres 1760
darauf zurückkam und die Clevifchen Behörden mit Erlaubnis der
öfterreichifchen Adminiftration kupferne 1/4-Stüber. fogenannte Füchfe.
fchlagen laffen wollten. wovon die Graffchaft Mark eine Partie er-
halten follte. wie das General-Direktorium diefen Vorfchlag aber
abwies. weil die Münzfachen ganz in den Händen der Pächter lägen.
Das Aufgeld weftfälifcher Füchfe betrug fchon im Juni 1760
3 Stüber auf einen Taler. weshalb die Märkifche Kammerdepn-
tation bat. 2000 Rtlr. in 1/4-Stüberftücken in Magdeburg münzen
zu laffen)) woraus aber auc h nichts wurde.
Aber noc h drückender war der Mangel an gutem Kurant.
Wenn man fic h bei der Generalität über die Lieferungsbezahlungen
mit fchlechtem Gelde befchwerte. fo hieß es. von Leipzig kämen
ganze Wagenzüge mit polnifchen und bernburgifchen Sorten zur
Armee. Ju der Überfchwemmung damit erblickten die Behörden
1) Kanimerber.. Minden. 18. November. Refkript darauf. Berlin. 1. De-
zember 1760. Tit. Zlilll. 13.
B) Refolution des General-Direktoriums für die Bielefelder Kaufleute.
Berlin. 12. Mai 1762.
3) Die leßte ftädtifche Münzprägung in Preußen; Zeitfchr. f. Numismat..
B. 23. S. 211ï¬.
4) Ber. der Kammerdeputation. Hamm. 4. Juni 1760. Tit. Liltlll. 14.
Die Geldverhältniffe im Weften 2c. 143
eine der härteften Kontributionen des Landes; _da der holländifche
Wechfel auf 200 c'/0 ftatt fonft auf 1400/0 ftand. fchlugen die Kauf-
leute ihren Verluft auf die Wareupreife. Dazu wollten die Franzofen
nur Louisneufs und Dukatons nehmen. die aber durc h Einfchmelzung
fehr felten geworden waren. l)
Jm Frühjahr 1760 kam ein neues Unglück. Nac h dem Bei-
fpiele Kölns erließ die öfterreichifche Adminiftration in Cleve und
ähnlic h in Berg am 28. April 1760 ein Devalvationspatent. worin
die 1755 bis 1759 gefchlagenen preußifchen Drittel von 20 auf 15
Stüber gefeßt. alle fpäteren verrufen wurden.2) Dadurc h kam es
nun. daß die Markaner im Clevifchen und Bergifchen mit nicht
herabgefeßten 2-Stüberftücken bezahlten. die dadurc h in der Graf-
fchaft felten wurden. Jm Juni 1760 ftanden fie fchon um 8 bis
100/0 höher als preußifche Drittel.3) weshalb man um ihre Neu-
prägung bat. auf die die Juden fic h aber nicht einlaffen wollten.
weil fie alle Hände voll zu tun hätten.4)
Die Kammerdeputation fuchte fic h daher auf andere Weife zu
helfen. indem fie vorfchlug. den Stapeln. Bergwerken und Hämmern
zu befehlen. daß fie im Bergifchen und in den andern dortigen
Gegenden als Bezahlung nur 2-Stüberftücke oder allenfalls preußi-
fche Drittel. diefe aber in dem dort herabgefeßten Wert von
15 Stübern fic h bezahlen laffeu follten.5) Als man noc h auf Be-
fehl des General-Direktoriums die Stapelintereffenten zu Altena.
Jferlohn und Lüdenfcheid darüber vernehmen ließ. wußten diefe
auh nichts befferes zu raten. Der Kriegsrat und Fabrikenkommiffar
Göhring meldete. daß die Wareupreife um das Doppelte geftiegen
feien und hielt den Vorfchlag der Kammerdeputation für das befte
Mittel. die 2-Stüber zurückzuziehen.6) Demgemäß wurde verfahren.
Natürlic h war dabei vorausgefeßt. daß man im Bergifchen die
1) Ber. der Kammerdeputation. Hamm. 29. März 1760. Tit. 371l. 9.
“1) Scotti. Sammlung der Gefeße in Cleve-Mark. Düffeldorf. 1826. Nr. 1749.
3) Ber. der Kammerdeputation. Hamm. 20. Juni 1760. Der Louisneuf
ftand in 2-Stüberftücken auf 8 Rtlr.. in preußifchen Dritteln auf 8 Rtlr. 50 Stüber.
Tit. 1111111. l4.
4) Schreiben der Ephraim und Jßig vom 23. Juni 1760. ebenda.
f*) Entwurf der Verordnung. Lippftadt. 28. Juni 1760. ebenda.
ö) Bericht Göhrings. Hagen. 8. September 1760. ebenda.
144 Zweites Buch. Drittes Kapitel.
Waren der Graffchaft Mark nicht entbehren könnte. Über den Er-
folg diefer Maßnahmen find wir leider nicht unterrichtet.
Ende des Jahres kam man noch einmal auf die Knpfermünzen
zurück und wies auf die Graffchaft Rheda hin. wo folche gefchlagen
wnrden;l) aber wie gefagt. kam es zu keiner Prägung von kupferuen
1/4-Stübern oder Deuten. Köppeu vertröftete auch hier auf die
demnächft beginnende Scheidemünzprägung. die eine Annahme der
Rhedafchen Sorten unnötig machen werde?) Doch fand die Aus-
prägung kupferner Dreipfennigftücke erft 1763 in Aurich ftatt;3) die
in Berlin gefchlagenen werden ihren Weg kaum in den Weften ge-
funden haben.
Jn Oftfriesland richteten fich nach Beendigung der feindlichen
Okkupation die Bemühungen der Regierung in erfter Linie gegen
die eingedrungenen fremden Münzen. befonders die 4-Grofchenftücke
von Hildburghanfen und die Weimarfchen Sechfer.4) Da aber in
diefem Gebiete. wie überhaupt im Weften. bald nur noch fehr wenig
brandenbnrgifches Geld zu bekommen war. Wechfel aber mehr als
Barfendungen kofteten und die Aurichfchen 4-Mariengrofchenftücke
nicht von den Generalkaffen genommen wurden. fo trat auch hier
Mangel an Stenergeld ein)) Obgleich brannfchweigifches und bern-
burgifches Geld umlaufen nnd auch an das fächfifche Feldkriegs-Direk-
torium gefchickt werden durfte. fo half das wenig. weil man doch kein
brandenburgifches für die Berliner Zentralkaffen hatte; wenn man
von den Domänenpächtern nicht alles mögliche nahm. kam gar nichts
ein. Zwar das Bedenken der oftfriefifchen Kaffen. die Mittel-
auguftdor zu nehmen. weil fie in der Nachbarfchaft weniger als
5 Rtlr. galten. wurde befeitigt. indem man die Kammer beauftragte.
die Mittelfriedrichsdor und Auguftdor anzunehmen und nach Berlin
1) Ber. der Kammerdepntation. Lippftadh 14. November 1760. Der Graf
v. Rheda fchlug 42 Stück Kupfermünzen auf einen Taler. aus dem Pfuud
Knpferplatten etwas über 2 Rtlr. Mit Kupfer und Münzlohn koftete das ge-
münzte Pfund noch keinen Taler; ebenda. - Vgl. auch Weingärtner. Kupfer-
münzen Weftfalens. S. 196) 197.
2) Mitteilung Köppens vom 3. Januar 1761. Tit. Älllll. 13.
3) Münzbefchreibung Nr. 1751.
4) Avertiffement der Kammer. Aurich. 18. April) und Kammerber. Aurich
12. Dezember 1758. Tit. L71. 28) daher auch das Folgende.
5*) Kammerber.. Aurich. 13. November 1758. Münzbefchr. Nr. 1309-1318.
Die Geldverhältniffe im Weften 2c. 145
zu fenden. aber die fchlechten fächfifchen Drittel wurden damals noch
niht erlaubt. 1)
Diefe Verhältniffe änderten fich. als die Auricher Prägung
wieder begann. Der dortige Agent. der Unternehmer Aaron Meher.
hatte zwar anfangs erklärt. die neugeprägten Sorten außer Land
fchaffen zu wollen. erfüllte das aber durchaus nicht. Es entftand
vielmehr große Verwirrung. Während die fächfifchen Drittel feit
dem 28. Auguft 1759 verboten waren. befahl man am 18. Februar
1760. die in Auric h gemünzten anzunehmen. die aber natürlich
niemand von den in andern Münzftätten geprägten unterfcheiden
konnte. Die Emdener Kaufleute wollten die Drittel nur nehmen.
wenn das auc h von den Renteien gefch'ehe. und diefe konnten es
nicht. weil die Generalkaffen fie zurückwiefen. Wenn die Kammer
noc h darauf hinwies. daß die Bauern ihre Produkte nac h Bremen
verkauften. und die guten Sorten durc h Einfchmelzen immer feltener
würden. fo erlangte fie mit dem allem doc h nur das Zugeftändnis.
daß die in Auric h geprägten Sorten - meift fächfifche und mecklen-
burgifche Drittel - dort gelten dürften. aber nicht nac h .Berlin zu
fenden feien. was nicht mehr bedeutete. als daß alles bleiben follte
wie es war?)
Ju Emden war man befonders darum gegen die Juden fo
erbittert. weil fie alles gute Geld auffammelten und mit gericht-
lichen Klagen drohten. wenn jemand das neue Geld nicht nehmen
wollte. wie fie denn die Verordnungen fo auslegten. daß niemand
das alte Geld zur Bezahlung fremder Waren benußen follte. während
doc h nur die gewiunfüchtige Ausfuhr gemeint war. Der holländifche
Wechfel war in den Kriegsjahren von 140 auf 220 c'/0 geftiegen. was
den Handel lahmlegte und eine allgemeine Teuerung befürchten ließ.3)
Wie follte man alfo unter folchen Umftänden Steuergeld
herbeifchaffen? Wir hörten. daß endlic h die Juden vor einer
l) Mitteilung des General-Feld-Kriegs-Direktoriums. Dresden. 6. April
1759. Refkript an die oftfriefifche Kammer. Berlin. 8. Mai 1759. Kammerber..
Aurich. 11. Juni 1759. Refkript darauf. Berlin. 26. Juni 1759. - Refkript an
die oftfriefifche Kammer. Berlin. 28. Auguft 1759. Es werden darin die
fächfifchen 8-Grofchenftücke mit 120 als verboten genannt.
2) Kammerber.. Aurich. 14. Mai 1760. Refkript darauf. Berlin. 3. Juni
1760. Tit. LiLL( 3. Daher auch das Folgende.
3) Nr. 32. S. auch S. 143 oben.
seta 1301-118810a. Münzwefen 111. 10
146 Zweites Buch. Drittes Kapitel.
Revolte flüchten mußten. Die größte Spannung wird auc h hier
durc h die Freigebung der fächfifchen Drittel als Steuergeld im
Herbft 1760 gelöft worden feinK) Nun wurde deren Münzfuß
aber fchlechter. das Agio auf preußifche Drittel betrug gegen fie im
Auguft 1761 250/0. und in Bremen galten die mecklenburgifchen
Drittel 130/0 mehr als die fächfifchen. Es war daher kein Wunder.
daß niemand fie weiter nehmen wollte. die Kaufleute fie auswärts
nicht los wurden und die Münze keine mehr prägen konnte. Es
kann alfo kein Zweifel darüber fein. daß die Sachlage hier doc
h
eine ganz andere wie in dem mittleren Landkomplex des Staates
war. wo jedermann damals nur zu froh war. wenn er genug
fächfifche Drittel bekam und diefe die beften habhaften Sorten
waren und bis zum Ende des Krieges es blieben.
Jn Oftfriesland hatte man eben noch befferes Geld und die
fächfifchen Drittel fchob zuleßt jedermann an die Kaffen ab. Die
Landleute verkauften ihr Getreide nur für Gold oder für gutes
Silbergeld. das allein auf dem Auricher Pferdemarkt galt. Wenn
fie aber zur Steuerzahlung fächfifche Drittel oder preußifches Geld
brauchten. verfchaffteu fie fic h die nötige Summe bei den Juden.
So waren feit Herbft 1760 die Staatskaffeu die einzigen im Lande.
die die fächfifchen Drittel nahmen?)
Ju der füdlic h von Oftfriesland liegenden kleinen. wirtfchaft-
lic h ganz von Holland abhängigen Enklave Lingen waren. wie wir
früher gezeigt haben.8) die Abgaben mit holländifchem und nicht mit
preußifchem Gelde - mit Markgeld. wie es dort hieß - zu zahlen.
wobei ein Vorteil für die Staatskaffen herauskam. Die durc h die
alliierte Armee verbreiteten Kriegsmünzen vertrieben nun das
holländifche Geld. wozu kam. daß die Holländer. die den preußifchen
und andern Münzpächtern ihre guten Münzen nicht als Material
zuführen wollten. ihre Münzproduktion befchränkten. ihr Silbergeld
fefthielten und die Lingenfchen Arbeiter mit hoc h ftehendem Golde
bezahlten. Diefe Umftände bewogen endlic h den Lingenfchen Kriegs-
rat Hildebrand zu dem Vorfchlage. die Kontribution auc h mit edikt-
mäßigem. d. h. brandeuburgifchem Gelde zahlen zu laffen. wofür ein
1) S. S. 121.
2) Kammerber.. Anrich. 6. Auguft 1760.
3) Bd. ll. S. 200.
Die Geldverhältniffe im Weften 2c. 147
Agio von 4 Mariengrofchen auf den nun in Markgeld gezahlten
holländifchen Gulden gefchlagen werden follte.1)
Die Mindenfche Kammer hatte zwar ihre Bedenken. weil.
wenn bei den Lingenfchen Kaffen das holländifche Geld abgefchafft
werde. fofort fchlechte Sorten das Land überfchwemmen würden?)
und geftattete nur. daß die Steuerrückftände mit ediktmäßigem Mark-
gelde. unter Anrechnung eines Agios von nur 2 Mariengrofchen auf
den Gulden entrichtet würden. indem fie hoffte. daß das holländifche
Geld im Herbft wieder leichter zu haben fein würde; fie mußte fich
nach näheren Erkundigungen aber doch fagen. daß den Maßnahmen
der Holländer gegen die Ausfuhr ihres Silbergeldes im Kriege nicht
zu fteuern fei und die Lingener alfo diefes Geld unmöglich würden
befchaffen können. Da nun Herzog Ferdinand fchärfften Befehl
gegeben hatte. bei den Lingenfchen Kaffen durchaus kein fchlechtes.
wohl aber das gute preußifche Geld anzunehmen. wobei diefe das
Agio von 2 Mariengrofchen gewannen. fo hatten- fie keine ver-
rufenen Sorten nötig. Statt eines holländifchen Gulden wurden nun
20 Mariengrofchen. ftatt 250 Gulden oder 100 holländifcher Taler
138 Rtlr. 32 Mariengrofchen gegeben. Da der holländifche Wechfel
von 100 Rtlr. holländifch damals mit 133 Rtlr. gekauft wurde. er-
gab fich für die Kaffen ein nominaler Gewinn von 5 Rtlr. 32 Gr.
Da fich bei der Reduzierung des holländifchen Geldes in
preußifches kleine Pfennigbrüche ergaben. die die' Einnehmer als
ganzen Pfennig einzogen. fo hatten diefe dabei einen perfönlichen
Gewinn. Deshalb wurde beftimmt. daß die Brüche bis Ende des
Jahres ftehen bleiben und dann erft berechnet werden follten. Alle
diefe Vorfchläge wurden vom General-Direktorium genehmigt.3)
Ju den folgenden Jahren liefen aus Lingen Gefuche ein. die
Steuern auch mit fächfifchen Dritteln bezahlen zu dürfen. man war
aber fo weit entfernt. darauf einzugehen. daß zeitweife fogar wieder
befohlen wurde. fie ganz in holländifchem Silbergelde zu entrichten.
weil die meiften Beamten meinten. durch die vielen Lingener. die in
1) Ber. Hildebrands. Lingen. 17. Januar 1759. Tit. 113111. 3. Daher
auch das Folgende.
2) Hannover wurde deshalb auch erfucht. die Bezahlung der Lieferungen
an die alliierte Armee mit fchlechtem Gelde nicht zuzugeben.
3) Nr. 26 und Refkript. Berlin. 21. Februar 1759. 10*
148 Zweites Buch. Drittes Kapitel.
Holland arbeiteten. käme genug holländifches Geld ein; es würde
damit fchon gewuchert))
Am 27. April 1762 wurde erlaubt. die Abgaben mit hollän-
difhen Dukaten zu bezahlen. ein Beweis dafür. daß Holland noh
immer lieber mit Gold als Silber lohnte. Die Generalkriegskaffe
hatte aber vordem die Lingenfchen Einkünfte in preußifc h Kurant
aus Holland eingezogen und darüber Wechfel auf holländifches
Silbergeld ausgeftellt. welche die Lingenfche Kriegskaffe honorierte
und in Holland berichtigte. Nun fürchtete man. daß die holländifchen
Wechfler. da die Wechfel auf Knrant lauteten. Dukaten nicht nehmen
würden. Daher wurde beftimmt. daß die General-Kriegskaffe die
Dukaten direkt annehme und über den Betrag derfelben der Lingen-
fchen Oberfteuerkaffe auf holländifch Geld quittiere. Dadurch er-
fparte man zugleic h Porto für die Sendung des holländifchen Geldes
von Lingen nac h Amfterdam. Die holländifchen Dukaten waren auf
5 Rtlr. 4 Stüber gefeßt.2) natürlic h in fchlechtem Kriegsgelde.
Dabei blieb es aber nicht lange. denn Köppen machte geltend.
daß der ganze Gewinn des Supraagios an holländifchem Silber-
gelde verloren gehe. wenn alles. auch im Frieden. weiter mit
Dukaten bezahlt werden würde. weshalb am 10. Auguft 1762 be-
fohlen wurde. die Dukaten in Lingen anzunehmen und direkt nac
h
Holland. keine mehr nac h Berlin zu fenden.
Wieder eine Änderung trat im Oktober 1762 ein. Lingen
war im Juli abermals vom Feinde befeßt worden. hatte. durc h viele
Einlagerungen von Freund und Feind und Werbungen fehr ge-
litten; aus den Nachbargebieteu Münfter und Osnabrück waren
Mengen fchlechten Geldes eingeftrömt. Dadurc h war holländifches
Silber- und auc h Goldgeld ftark im Kurfe geftiegen und fchwer zu
befchaffen. Um der Graffchaft zu helfen. wurde deshalb wieder der
Zahlungsmodus von 1759 eingeführt. indem die Abgaben mit
preußifchem Gelde und 2 Mariengrofchen Agio auf den Gulden ab-
zuführen waren.3) Das ging bis Trinitatis 1763. Seitdem be-
1) Refkript an die Kammern. Berlin. 24. März 1762.
2) Kammerber.. Minden. 28. Mai 1762. .
3) Kammerber.. Minden. 23. September 1762; genehmigt. Berlin.
12. Oktober 1762. .
Die Geldverhältniffe im Weften 2c. 149
zahlte man fie wieder wie vor dem Kriege mit holländifchem
Gelde))
Die kleinen Gebiete Norddeutfchlands. preußifche fowohl wie
fremde. mußten das Kriegsgeld nehmen. kraftvollere fuchten es
energifc h abzuwehren. Die preußifchen Münzpächter glaubten wohl.
daß die auf Preußens Seite kämpfenden norddeutfchen Staaten
deffen Geld in ihrem Gebiete dulden würden. Soweit meinten
diefe ihre Freundfchaft aber doc h nicht auszudehneu. Als Braun-
fchweig die preußifchen Münzen verbot. baten die Unternehmer ver-
gebens um Zurückziehung des Verrufes)) 'Die Braunfchweigifche
Regierung vermeinte fehr gelinde verfahren zu fein. wenn fie für
42000 Rtlr. Dresdener Drittel dem Brannfchweigifchen Juden
Fränckel wieder außer Landes zu fchaffen anbefahl.3) Dagegen half
natürlic h auc h nichts. wenn Ephraim dem Departement der aus-
wärtigen Affären fchrieb. zur Meßzeit kurfierten in Braunfchweig
viel fchlechtere Münzen - eine falfche Behauptung - und die
Braunfchweiger Sorten paffierten frei in Preußen - fie waren
aber unvergleichlic h beffer als die neuen fächfifchen))
Damals hatte Hannover fchon die Mittelfriedrichsdor verboten
(20. Februar 1759). Was Ephraim an Hannover dagegen ein-
wendete. war. man kann es nicht anders bezeichuen. erlogen))
Wenn er nämlic h behauptete. der Münzfuß derLouisdor fei fchon
feit einigen Jahren fchlechter geworden. fo bedeutete das nur ein
Minimum gegen die Verfchlechterung der Friedrichsdor. Daß der
Goldpreis täglic h fteige. war natürlic h richtig. wenn man ihn mit
dem -Nennwert der filbernen Ephraimiten verglich; da mochten die
Louisdor wohl um 18 bis 200/0 im Kurfe fteigen und die alten
Friedrichsdor das Land verlaffen. Jndem Ephraim das aber ohne
diefe Befchränkuüg behauptete. war es die reine Sophifterei. Ganz
falfc h war feine Angabe. daß die Ephraimiten im Durchfchnitt
Ü_ 1) Antrag Hildebrands. genehmigt. Berlin. 17. Mai 1763.
2) Berlin. 9. Februar 1759. Lt. 11l. 167. Daher auc h das Folgende.
3) Braunfchweig. 16. Februar 1759. Braunfhweig gab den Münzfuß der
fächfifchen Drittel auf 20 Rtlr. 181/2 Gr. an. wußte aber beftimmt. daß er noc
h
verringert werden würde.
4) Ephraim u. Söhne an d. Depart. d. ausw. Affären. Berlin. 8. März 1759.
h) Ephraim an d. hannoverfche Regierung. Berlin. 8. März 1759.
15() Zweites Buch. Drittes Kapitel.
wenigftens um 60/0 beffer als die Münzen anderer Fürfteu feienzi)
fie waren in der Tat mindeftens um 60/.. fchlechter als die gleichen
fürftlichen Nominale.
Das Falfche diefer Angaben fahen Hannover und Braun-
fchweig fofort ein. Hannover antwortete am 20. März. die preußi-
fchen Silbermünzen habe man noch gar nicht verboten. ebenfo war
das in Braunfchweig offiziell noc h nicht gefchehen.2) Hannover gab
an. daß die Mittelfriedrichsdor um über 290/0 fchlechter als die
alten feien; die fchlechteren franzöfifchen Piftolen gölten gar nicht
als Wertmeffer. Die übrigen Angaben nannte man mit Recht bloße
Vorfpiegelungen. Braunfchweig fagte. nur die Not werde endlich
zwingen. die preußifchen Sorten mit Namen zu verrufen und gab
eine genaue Wardierung derfelbelrs) Hannover ging dagegen fo
weit. durc h den hannoverfchen Kommandanten in der preußifchen
Feftung Hamm das Verbot vom 20. Februar anfchlagen zu laffen.4)
und war weiter auf feiner Hut. Jm Jahre 1759 und wieder 1760
kam es fogar vor. daß in Auric h gemünzte fächfifche Sorten bei der
Paffage von Minden nac h Hamburg in Nienburg angehalten und
erft auf Vorftellungen des Berliner auswärtigen Departements
wieder freigegeben wurden)) _
Wenn es Hannover auc h weiter gelang. das fchlechte Geld
ziemlic h fernzuhalten. fo war das dem älteren Zweige des Welfen-
haufes weniger möglich; in Braunfchweig wurde auc h bald fchlechtes
Kriegsgeld geprägt. Wohl aber fahen fic h andere Mächte genötigt.
dem Beifpiele Hannovers zu folgen. befonders feit die Aurichfche
Münze anfing. ihre enorme Tätigkeit zu entfalten. Heffen-Kaffel
nnd das General-Kommando der alliierten Armee vertiefen diefe
Sorten. die Heffen ließen fic h auc h durc h eine Vorftellung aus Berlin
1) Jn diefem Sinne fchrieb d. ausw. Depart. am 10. März 1759 an
Hannover und Braunfchweig.
2) Antwort Braunfchweigs v. 24. März 1759.
3) S. die Valvationstabelle. Beil. Nr. l7. Mittelfriedrichsdor und preußifche
Drittel.
4) Ber. der Kammerdeputation. Hamm. 17. März 1759.
5) Vorftellung der Ephraim und Jßig. Berlin. 27. Juli. 1760. Vor-
ftellung Preußens an Hannover. Berlin. 29. Juli 1760. - Am 7. Juli 1760
verbot Hannover die fächfifchen Drittel mit 19 0 als nur 3 Gr. wert. Gedrucktes
Patent. Hannover. 7. Juli 1760. 11. 96. 409 0.
Die Geldverhältniffe im Weften 2c. ' 15]
nicht davon abbringen: es fei bekannt. daß 100 Rtlr. in fächfifchen
Sorten nur den Wert von 40 in gutem Gelde hätten. in Aurich
werde noch fchlechter gemünzt; wenn man nicht all das fchlechte
Geld auf den Hals bekommen wolle. müffe man der Devalvation
der Nachbarn folgen.1) Und Prinz Ferdinand antwortete. weil die
Lebensmittel durch das fchlechte Geld fehr verteuert würden. habe
die Jntendantur die ganz fchlechten Sorten verbieten. die weniger
guten herabfeßen müffen.2)
Ein befonderer Kampf entfpann fiih in Hamburg. welcher
Plaß als Silbermarkt für die preußifchen Münzpächter natürlich
von der größten Wichtigkeit war. Ephraim und Jßig verweilten
oft dort. und im September 1759 machte der kaiferliche Gefandte
Graf Raab dem Magiftrat die herbften Vorwürfe. daß er fie auf-
genommen habe und verlangte ihre fofortige Arretierung. Ephraim.
der damals allein dort war. bewirkte dagegen ein energifches Pro-
memoria des dänifchen Gefandten an den Magiftrat: Ephraim fei
als dänifcher UntertanZ) nicht im geringften zu kränken. Dann
aber drängte Raab zur Anfchlagung des kaiferlichen Edikts vom
16. Auguft gegen die preußifchen Münzenk) So viel Mühe der
preußifche Gefandte Hecht fich auch gab. verhindern konnte er das
nicht. Die Stadt machte zwar geltend. daß der Kaifer ihr den
freien Handel ausdrücklich zugeftanden habe. alfo die Silberlieferungen
an preußifche Münzftätten ftattfinden dürften. wozu komme. daß
das preußifche Geld in Hamburg nur Ware fei. aber das Edikt
wurde dennoch angefchlagen. Es hatte indeffen. wie Hecht vor-
ausfagte. nicht den geringften Erfolg„die Lieferungen der Ham-
burger gingen wie bis dahin weiter.5)
OfZ-Sihreiben der Kaffeler Regierung vom _21. Juni 1760. lt. nr. 167.
Daher auch das Folgende.
c4!) Schreiben Ferdinands) Ziegenhain. 4. Juli 1760.
xt) Über die dänifche Staatsangehörigkeit der Ephraim ift mir Näheres
nicht bekannt; fie kamen nach Preußen aus Hamburg oder Altona. und daher
mag fie rühren; fie wurde wohl a(1 110e wieder aufgewärmt. S. auch S. 5.
4) Hirfch 7lll. Nr. 65; Faber. neue Staats-Kanzlei lll. 497.
h) Ber. Hechts. Hamburg. 14. und 26. September 1759. Durch das in-
folge der ftarken Edelmetalllieferungen in Hamburg aufblühende Wechfelgefchäfh
durch die damit zufammenhängende Wechfelreiterei und die maffenhaften Kriegs-
münzen) kam es mit zu den vielen Hamburger und Amfterdamer Bankrotten un-
mittelbar nach dem Kriege. Soetbeer.'Beiträge. S. 50ff.
152 Zweites Buch. Drittes Kapitel.
Befürchtungen. die Hecht von fetten Bremens hegte. bewahr-
heiteten fic h nicht. Der dortige Magiftrat hatte nur das allgemeine
kaiferliche Edikt. nicht das fpezielle gegen Preußen anfchlagen laffen;
er hatte eine Unterfuchnngskommiffion einfeßen müffen. um die
Kipperei und Wechfelei von Haus zu Haus zu verhindern und der
Einfchleppung des fchlechten Geldes zu fteuern. Gegen das preußi-
fche fpeziell einzufchreiten oder gar die Hamburger wegen ihrer
Lieferungen beim Kaifer anzuzeigen. wie man Hecht hinterbracht
hatte. davon war man in Bremen weit entfernt; das auswärtige
Departement erkannte im Gegenteil an. daß der Bremifche Magiftrat
viel behutfamer als der Hambnrgifche gehandelt habe.1)
Wie in Hamburg. wurde das kaiferliche Edikt vom 16. Auguft
1759 gegen die preußifchen Kriegsmünzen auch in Regensburg
angefchlagen. was der preußifche Komitialgefandte v. Plotho eine
gegen alle Reichs- und Kreisverfaffung verftoßende Anmaßung des
Kaiferlichen Hofes nannte.2) und zwar wohl deshalb. weil ein Reichs-
edikt nicht ohne Genehmigung der Reichsftände erlaffen werden durfte.
Das Departement der auswärtigen Affären hielt einen Proteft
aber nicht für angebracht. weil er nichts helfen könne. fondern nur
noc h fchärfere Edikte hervorrufen würdes) Erfolg konnte das Edikt
natürlic h nur dort haben. wo die kaiferlichen Heere herrfchten. d. h.
in einem Teile Sachfens und in Weft- und Süddeutfchland. wo
übrigens. wie wir bemerkten. weniger preußifches als Bahreuther.
Ansbacher u. a. Kriegsgeld umlief.4) Jn Weftfalen hatte fic h die
Kreisverfaffung ganz aufgelöft. da die proteftantifchen Stände den
Kreistag gar nicht mehr b_efchickten. Beim Kreis-Direktorium lief
keine einzige Anzeige ein. daß irgend ein Kreisftand die kaiferlichen
Münzedikte publiziert habe.5)
1) Ber. Hechts. Hamburg. 18. März 1760; Rechtfertigung Bremens vom
2. April 1760.
2) Ber. Plothos. Regensburg. 30. Auguft 1759.
3) Ausw. Dep. an Plotho. Magdeburg. 20. Oktober 1759.
4) S. S. 79. 80.
5) L. Hölzermann. Lippifche Geld- und Münzgefchichte. in Grotes Münz-
ftudien n. 1867. S. 358.
Drittes Buch.
Die Zieorganifatien 1765-1770.
Frites Kapitel'.
Der Übergangsmüuzfuß von 1765.
Am 17.Dezember 1762 wurde mit den Unternehmern der
leßte Kontrakt des fiebenjährigen Krieges gefchloffen. und zwar für
die Zeit vom 1. März 1763 bis zum 29. Februar 1764. Das
Silberkurant. nur preußifchen Gepräges. follte nac h 193/4-Talerfuß
ausgemünzt werden. Unzweifelhaft hat man dabei den nahen
Friedensfchluß in Rechnung gezogen und einen Übergang zu geord-
neten Münzzuftänden fchaffen zu wollen. Die Frage dabei ift aber.
warum man denn nicht fofort zum alten Graumanfchen 14-Talerfuß
zurückkehrte: denn da das doc h einmal gefchehen mußte. fo wäre ein
einmaliger. wenn auc h großer Verluft vielleicht weniger fchmerzhaft
gewefen. als erft der Ãœbergang zum 193/4-. dannvon diefem zum
14-Talerfuß. Wir können aus den Akten nicht entnehmen. welche
Beweggründe den König dabei leiteten. wir können aber folgen-
des vermuten.
Znnächft erfchien wohl eine fofortige Rückkehr vom 30- und
40-Talerfuß zum 14-Talerfuß nicht gut möglich; der König hätte
dazu eine enorme Maffe Feinfilber anfchaffen müffen. was erftens
fehr viel gekoftet. zweitens die Umprägung fehr verlangfamt hätte.
Um aber feine Lande möglichft fchnell von den elendeften Münzen
und den dadurc h herbeigeführten Mißftänden zu befreien. erfchien
als das befte Mittel. diefe fchlechteften Sorten zu demonetifieren
uiid fie in folche umzuprägen. die das ohne zu große Opfer er-
laubten. und von denen von früher eine ziemlich bedeutende Menge
noch umlief. Das aber waren die erften Ephraimiten. die in Dres-
den unter preußifchem Stempel. dann in allen preußifchen Münz-
ftätten und in Leipzig feit dem 1. Januar 1759 in großen Maffen
nac h 19"/4-Talerfuß gefchlagen waren; feit 1760 hatte diefer einem
30-Talerfuß weichen müffen.
156 Drittes Buch. Erftes Kapitel.
Sodann_ konnte der König auf einen verhältnismäßig hohen
Schlagfchaß nicht fofort verzichten. da die Einnahme aus dem Lande
feit dem Wegfall der Subfidien faft die einzige blieb. Diefen
Schlagfchaß vermochten die Unternehmer aber bei einem 14-Taler-
fuß natürlic h nicht zu zahlen. Anc h bei der Wahl eines 193/4-
Talerfußes war das nur möglich. wenn neben ihm eine gewiffe
Fabrikation noch geringhaltigerer Scheidemünze einherlief.
Der leßte Kontrakt mit Ephraim und Jßigl) beftimmte. daß
vom 1. März 1763-an binnen einem Jahre 1 Million Mark Fein-
filber vermünzt würde. und zwar:
nach 193/4-Talerfuß 600000 Mark in 03-. 96-. 1/O-Taler. Thmpfe. Szoftake.
„ 25 „ 350000 „ „ Grofchen. Stüber. Mariengrofchen und
Kreuzergeld.
„ 30 „ 50000 „ „ Sechspfennigftücke.
Der Schlagfchaß follte 1 Million Rtlr. in preußifchen 1/3-.
1/6- 1/1z-Taler und 1100000 Rtlr. in fächfifchen Zwölfteln und
neuen Auguftdor betragen. Davon follten die leßteren 1 100000 Rtlr.
und zugleic h 300000 Rtlr. brandenburgifches Geld binnen 8 Wochen
abgeführt. die übrigen 700000 Rtlr. in zweimonatlichen Raten ge-
zahlt worden.
Den Unternehmern kam offenbar fehr viel darauf an. da ihr
Münzgefchäft dem Ende entgegenging. fic h die Regierung geneigt zu
machen; immer wieder ftellten fie die Bedingung. daß fie in Zukunft
deren Schuß genießen follten. denn von der Bevölkerung hatten fie
begreiflicherweife wenig Gunft zu erwarten.
Darum bezahlten fie den Schlagfchaß fchon für das Jahr 1762
voll ab. obgleic h fie das bedungene Quantum nicht ausgemünzt
hatten?) Sodann hatten fie 97115 Mark 3 Lot 3 Grän Geld
nac h 40-Talerfuß mit befferen Sorten eingewechfelt. welche Summe
in fächfifche und preußifche Grofchen ohne Erlegung eines Schlag-
fchaßes zu vermünzen ihnen durc h den Kontrakt vom 20. Februar
und den neuen vom 17. Dezember 1762 erlaubt war. Obgleic h es
nun zu diefer Vermünzung gar nicht kam und auc h die neue Prägung
im Jahre 1763 nicht ganz ausgeführt wurde. zahlten fie dennoc
h
1) Nr. 63.
2) S. S. 67.
Der Übergangsmünzfuß von 1763. 157
auc h für diefes Jahr den ausbedungenen Schlagfchaß. 1763 näm-
lic h follten gemünzt werden:
600000 Mark zu 193/4-Tlr.. 350000 Mark zu 25 Rtlr..
Es wurden gemünzt 534 265 „ 13 L. 1Gr.. 304531 „ 7 L. 4Gr.
Alfo zu wenig 65 734 Mark 2 L. 17 Gr.. 45468 Mark 8 L. 16 Gr.
50000 Mark zu 30 Rtlr..
'Es wurden gemünzt 9884 „ 7 L. 2 Gr.
Alfo zu wenig 40115 Mark 8 L. 16 Gr. l)
Der 19Z/4-Talerfuß. beftimmte der Kontrakt weiter. durfte auc
h
in der Provinz Preußen ftatthaben. aber nur für den auswärtigen
Abfaß. denn es war dort 1762 ein l8-Talerfuß eingeführt worden.?)
Auh in den mit den preußifchen kombinierten mecklenburgifchen
Münzftätten und in denen zu Bernburg und Plön war nac h diefem
Fuß und unter preußifchem Stempel zu prägen. Dafür follten die
Unternehmer fernere 150000 Rtlr. Schlagfchaß in fächfifchen Dritteln
zahlen. was auc h gefchah.Z)
Die früheren Benefizien wurden zugeftanden; die Unternehmer
durften auc h auf ihre Koften in jeder Münzftätte einen eigenen
Kontrolleur anftellen. da fie über-Unfleiß. fchlechte Ökonomie und
Mangel an Verfchwiegenheit geklagt hatten. Endlic h wurde ihnen
erlaubt. kupferne' Dreier und kupferne polnifche Grofchen zu münzen.
die fehr fehlten und wofür fie 5000 Rtlr. Schlagfchaß entrichteten.4)
Die Unternehmer hatten darauf beftanden. daß von den Kaffen
nur neues Geld angenommen würde. fonft. verficherten fie aufs
heiligfte. könnten fie den Kontrakt nicht annehmen; denn andernfalls
werde das alte nicht verfchwinden. das neue nicht in Umlauf kommen
und fie kein neues erhalten. damit das Silber zu bezahlen. Zum
wenigften nlüßte der Kurs des leihten Geldes auf die fächfifchen
Kaffen und auf 2 bis 3 Monate befchränkt werden.5) Demgemäß
wurde im Kontrakt beftimmt. daß die fächfifchen Sorten von den
Kaffen nac h 2 bis 3 Monaten nicht mehr genommen werden follten.
1) Berechnung vom 24. Mai 1764. n. 163. l. 99.
2) Über Preußen weiter unten Näheres.
3) 11. 163. l. 99.
4) Jm.-Ber. Köppens. Leipzig. 17.Dezember 1762 mit Marginal: „Gut“.
n. 96. 409 1).
5> Vorftellung. Leipzig. 15. Dezember 1762. lt. 163. 99. l. und Nr. 62.
158 Drittes Buch. Erftes Kapitel.
Ãœber diefe Forderung entfpann fich aber ein lebhafter Meinungs-
austaufch. Denn es ift klar. daß die Geltung der damals häufigften
guten Münzen. der fächfifchen Drittel. faft die wichtigfte Frage der
nächften Zukunft war. Man mußte befürchten. daß. wie bei den
früheren Münzveränderungen. die Spekulation die Bevölkerung arg
fchädigen würde. Sobald bekannt werden würde. daß vom 1. Juni
1763 an nur noch preußifches Kurant bei den Kaffen anzubringen
fei. würde fich jeder der fächfifchen Drittel zu entledigen fuchen. und
der Wucher den Preis des neuen Geldes fteigern. foweit er nur konnte.
Der König fand es deshalb für gut. einem feiner energifchften
Beamten. dem Geheimen Finanzrat Urfinus. die fpezielle Aufficht
über diefen Teil des Münz- und Kaffenwefens zu übertragen.
Urfinus follte gegen den Wucher vorgehen. Die Kaffen würden die
fächfifchen Drittel zwar noch eine Zeitlang ausgeben müffen. aber
er follte darauf achten. daß das Aufgeld nicht zu hoch getrieben
würde und die Beamten redlich verführen. d. h. wohl: fie nicht erft
zu eigenem Vorteil gegen preußifches Geld fammelten und dann
zum Nennwert ausgäben. Auch follte Urfinus durch die Polizei bei
Bezahlung mit guten Sorten auf billigere Warenpreife dringen
laffen.1) eine Forderung. die diefer mit Recht für ziemlich ausfichts-
los erklärte: die Vorausfeßnng für ein Sinken der Preife fei allein
die Verbreitung guten Geldes.
Die Unternehmer blieben aber bei ihrem Verlangen. daß vom
1. April 1763 an nur gutes Geld von den Kaffen genommen
würde. Die doch einmal nötige Befeitigung des fchlechten könne
nicht fchnell genug gefchehen. denn fehe das Publikum den Ernft.
fo werde es fich in wenigen Wochen davon befreien. Die noch
einlaufenden fchlechten Sorten könne man den Armeelieferanten
geben. die ihre Preife danach eingerichtet hätten?)
Wenn wir dagegen bedenken. daß die Unternehmer bis zum
.1. April noch fehr viele fchlechte Sorten prägen ließen und die Her-
ftellung des neuen Kurants erft am 1. März begann. fo ift klar.
daß ihre Forderung unmöglichgewährt werden konnte. Es mußte
doch zweifelhaft erfcheinen. ob felbft am 1. Juni foviel neues Geld
1) Nr. 65.
2) Vorftellung der Unternehmer. Berlin. 14. Januar 1763. Gen.-Dep.
(or):) 5.
Der Übergangsmünzfuß von 1763. 159
gefchlagen fein würde. daß man die Leipziger Drittel würde ent-
behren können.
Urfinus begrüßte das Anerbieten der Unternehmer. fchon am
1. April das nötige gute Geld für Kaffen und Verkehr zu fchaffen.
mit Freuden. indem er glaubte. daß dann am 1. Juni kein Mangel
daran fein würde. 1) Sodann fprac h er fic h gegen eine Fixierung des
Verkehrswertes der fächfifchen Drittel aus. denn es fei zu fchwer.
fie richtig zu tarifieren. Sei die Taxe zu niedrig. fo würden fie zum
Schaden der Befißer und Vorteil der Wechfler verfchwinden. wenn
aber zu hoch. fo würden die guten Sorten weggerafft. Aber
ganz frei dürfe man fie auc h nicht umlaufen laffen. weil man fie
fonft nicht los würde. Deshalb müßten fie für den Großhandel'
und Jmmobilienverkehr verboten werden. Er vermochte endlic h eine
Verordnung vom 7. Januar nicht zu billigen. die den durc h den
Krieg befonders gefchädigten Provinzen Pommern und Neumark er-
laubte. die fächfifhen Drittel etwas länger zu behalten. denn der
leide am meiften. der das fchlechte Geld zuleßt habe. das natürlic
h
dahin ftrömen würde. woes am längften gelte. So würden diefen
Landen die ganzen Wechfelverlufte am leßten Ende aufgebürdet.
Ganz anders ftehe es mit den-fchlechten Auguftdor und fächfi-
fchen 2- und 1-Grofchenftücken. deren plößlichen Kursfall man un-
möglic h verhüten könne. Daher müßten Zölle. Akzifen. Pachtgelder
nur mit preußifchem Gelde. die andern Abgaben auc h mit fächfifchen
Dritteln bezahlt werden. Sächfifche Scheidemünze dagegen fei nur
in Ermangelung preußifcher annehmbar.
Abgefehen davon. daß Urfinus über den baldigen Vorrat an
neuem Gelde zu optimiftifc h dachte. waren feine Vorfchläge gewiß
fehr verftändig: der König lobte ihn wegen feiner richtigen Auffaffung.
Der fchlefifche Provinzialminifter v. Schlabrendorff. ein Haupt-
berater Friedrichs feit dem fiebenjährigen Kriege in der Staats-
verwaltung. dem. wie fo viele andere Verwaltungszweige. auc h das
preußifche Münzwefen fehr viel verdankt. war jeßt in einigen
Punkten doc h anderer Anficht als Urfinus. Schlabrendorff fowie
der Breslauer Kriegsrat Viebig waren zwar wie Urfinus gegen
eine Feftfeßung des Verkehrswertes der fächfifchen Drittel. wollten
1) Nr. 66.
(6() Drittes Buch. Erftes Kapitel.
aber. daß. wenn ein Termin für ihre Geltung gefeßt würde. fie
dann überhaupt zu demonetifieren feien.1)
Sodann glaubten fie nicht daran. daß bald genug neues Geld
umlaufen werde. Ende Januar befände fich von brandenburgifchem
Kurant nur foviel in Schlefieu. daß damit gerade eben die Steuern
eines. Monats bezahlt werden könnten. Die fächfifchen Drittel
ftanden fchon 56 0/0 unter den preußifchen. Der Minifter fürchtete.
es würden 70 bis 80 werden. wenn erft jeder preußifch Kurant haben
müßte. Vorausfeßung für die Termiubeftimmung fei immer. daß
dann genug neues Kurant vorhanden fei. Aber auc h genug branden-
burgifche Grofcheu und Sechfer. Denn wenn die fächfifchen Scheide-
münzen weiter im Nennwert gelten. werde das Agiotieren nie auf-
hören. Bekomme z. B. ein Kapitän den einen Teil der Löhnung
in preußifchen Dritteln. den andern in fächfifcheu Grofcheu. fo werde
er auc h jene vor der Ausgabe an die Kompagnie beim Bankier in
fächfifche Grofcheu umwechfeln; tue er es nicht. fo gefhehe es durch
die Soldaten. So käme das gute Geld in die Hände 'der Wechfler.
denen das Publikum es zur Steuerzahlung wieder abkaufen müffe.
Jndeffen wurde die Geltung der fächfifchen Drittel doc h fixiert.
Jndem der König das Kippen und Wippen des preußifchen Kurants
verbot und die Kaffen nur vollwichtige Stücke annehmen ließ. er-
laubte er die Annahme der fächfifchen und anderer Drittel. die mit
einem Aufgeld von 750/0 und keinem höheren eingezahlt werden
durften?)
Die Tabellen des Ediktes vom 18. Mai 17633) aber be-
fchränkten diefes Aufgeld etwas: indem fie für die fächfifchen Drittel
einem 33-. die fächfifcheu Doppelgrofchen und Grofcheu einen 44-
Talerfuß annahmen. der um etwa 1 bis 30/0 geringer als der
wirkliche war. feßten fie das Agio auf 70 und 1171/40/0. Diefe
Sorten durften die Kaffen nicht wieder ausgeben. fondern mußten
fie dem Trefor einliefern. der ihre Ununünzung veranlaßte. Die
neuen Auguftdor wurden fo bewertet. daß drei einen alten Fried-
richsdor galten.
1) Promemoria Viebigs. Breslau. 31. Januar. und Nr. 67.
2) Nr. 68.
3) Hirfc h 7111. Nr. 141; Mhlius n. (1. nl. S. 223-232.
Der Ubergangsmünzfuß von 1763. 161
Um den befürchteten Wucher. die Emporfchraubung des Nenn-
wertes des neuen Kurants gegen die fächfifchen Münzen zu ver-
hindern. wurde dies Verfahren mit Konfiskation der Münzen.
Feftungs- oder Leibesftrafe bedroht; ebenfo wurde beftraft. wer die
fächfifchen Sorten einfchleppte. doch war erlaubt. fie auch von aus-
wärts den Münzen zum Einfchmelzen einzuliefern.
Aber auch die Geltung des neuen Kurants mußte beftimmt
werden. Es wurde. da die Staatseinkünfte wie vor dem Kriege
nach dem .14-Talerfuß zu bezahlen waren. die Differenz zwifchen ihm
und dem vom 1. Juni an gültigen 193/4-Talerfuß - 410/0 - der
Steuerquote zugefchlagen. die Steuern alfo um 410/0 erhöht.
Wir wollen niäjt nochmals ein Urteil über die Münzver-
fchlechterung abgeben; es handelte fich jeßt nur darum. wie man auf
die befte Art zu gefunden Geldzuftänden gelangen konnte. Wollte
man zum 14-Talerfuß zurück. fo war das bei Annahme eines 33-
Talerfußes als Durchfchnitt des umlaufenden Geldes nur mit einem
Verluft von etwa 1400/0 möglich. Da der Staat die Münzen ver-
fchlechtert und denGewinn im Kriege genoffen hatte. fo hätte. wird
mancher zu fagen geneigt fein. auch der Staat den Verluft bei
Wiederherftellung des guten Fußes tragen müffen. Da jene Münz-
verfchlechterung aber zur Rettung des Staates nötig gewefen war.
fo mußten alle Glieder des Staates für deren Folgen aufkommen.
Die damalige Zeit fah das ein. Wenn es auch unter der abfoluten
Monarchie dem Untertan kaum möglich war. die Maßnahmen der
Regierung öffentlich zu beurteilen. fo ift doch oft bemerkt worden.
daß felbft die am meiften Gefchädigten. die Beamten. dadurch an
ihrem Patriotismus nicht im geringften eingebüßt haben.
Wir haben fchon früher darauf hingewiefen. daß außerordent-
liche Kriegsfteuern oder Anleihen damals noch ziemlich unbekannt
waren. und die Regierungen bei derartigen außergewöhnlichen Geld-
bedürfniffen fich faft immer auf die Münzverfchlechterung angewiefen
fahenI) Auch der-Übergang zum guten Münzfuß konnte nur auf
Koften der Bevölkerung gefchehen. denn die ordentlichen Steuern
vermochte der Staat nicht zu miffen; er hätte viel von ihnen er-
1) Vgl. auch J. Steuart. an ingnirz) into the principles of* political
economy 111 138811 1796. p. 235.. 236. gefchrieben 1760. und P. P. Guben. vom
fchweren und leichten Münzfuß. Hannover 1777. S. 34. .
.Zefa 1301-11881ea. Münzwefen 111. 11
162 Drittes Buch. Erftes Kapitel.
laffen. ja fie zeitweife ganz entbehren müffen. wenn er jene Ver-
lnfte allein hätte tragen wollen. Preußen. auc h nac h dem Kriege
fortwährend von feindlichen Anfällen bedroht. mußte ein großes
Heer und bedeutende Kriegsmittel bereit halten; es würde das Er-
rungene fofort wieder gefährdet haben. wenn es feine Kriegsbereit-
fchaft aufgegeben hätte. -
Der erfte Schritt zum 14-Talerfuß zurück wurde alfo durch
das Edikt vom 18. Mai 1763 gemacht. Dabei war man bemüht.
den am meiften Gefchädigten nicht zu viel aufzuerlegen: in Pom-
mern)) in den Marken. in Halberftadt und Magdeburg. ebenfo in
Cleve und Mark2) follte das neue Kurant bei der Kontributions- und
einem Teil der Domänenpnchtzahlung im Nennwert ohne die 41 "/0
Zufchlag genommen werden. Um ferner die Kipperei zu befchränken.
war nac h dem Wunfche Schlabrendorffs in einer Tabelle genau ver-
zeichuet. wieviel Summen von 100 Rtlr. bis zu einem Pfennig in
altem Gelde gegen neues ausmachten; ebenfo wieviel Summen von
500 bis 10 Rtlr. an neuen Münzen wiegen mußten.
Es war aber auc h noc h nötig. über die Abzahlnng der
während des Krieges eingegangenen Schulden und Verpflichtungen
Beftimmungen zu treffen. Das gefchah durch ein Edikt vom 21. April
1763.3) Zunächft wurde darin der Grundfaß aufgeftellt. daß. wenn
beide Parteien fic h über das Aufgeld fchon verglichen hätten. oder
wenn der Gläubiger die Bezahlung in geringen Sorten ohne den
Vorbehalt eines Aufgeldes quittiert hätte. es dabei fein Bewenden
habe. 4) Hatte fic h der Gläubiger höheres Aufgeld vorbehalten als
jeßt im Edikt beftimmt wurde. fo mußte der Schuldner es gleic-
h-
wohl zahlen.
Abgefehen von einigen weniger wichtigen Beftimmungen.
wurden für alle Fälle. in denen über das Agio uichts ausgemacht
worden war. drei monetäre Zeiträume angenommen:
1. Die Zeit vor dem Jahre 1759. da offiziell der 14-Taler-
fuß herrfchte. Die Rückzahlung hatte in Kurant von 1763 zu-
1) K.-O. an das Gen.-Direktorium. Berlin. 27. Mai 1763. Tit. 11711. 26.
2) Jmmediateingabe der Stände der Graffchaft Mark. Cleve. 18. Novem-
ber 1763. Tit. 111.111. 5.
3) Hirfch 7111. Nr. 138; Mhlius. 17. (l. 111. S. 207-212.
4) S. J. D. E. Preuß. Friedrich der Große. 11. Bd.. Berlin 1833. S. 392
Der Übergangsmünzfuß von 1763. . 163
fchläglic h eines Agios von 410/0. wenn die Abmachung auf altes
Kurant oder Friedrichsdor. vou 331/30/0. wenn fie auf Grofchen
oder Sechfer lautete. zu gefchehen.
2. Die Zeit von Anfang 1759 bis zum 1. September 1760.
d. h. die des 193/4-Talerfußes. Da 1763 derfelbe Fuß galt. blieben
die Verfchreibungen im Nennwert.
3. Die Zeit vom 1. September 1760 bis Trinitatis 1763.
als die fächfifchen Sorten vorherrfchten. Da diefe nac h fchlechterem
Münzfuß als das Kurant von 1763 ausgebracht waren. mußte der
Gläubiger die Differenz tragen))
Kommen wir nun auf die wichtigfte Vorausfeßung. unter der
diefe Gefeße erlaffen wurden: ob am 1. Juni 1763 genug neues
Geld vorhanden war. fo können wir fie nicht bejahen. Es wurden
vom 1. März 1763 bis zum 31. März 1764 für 8337809 Rtlr.
8-. 4- und 2-Grofchenftücke. und für 9180335 Rtlr. Provinzial-
und Scheidemünzen gefchlagenF-i) Wenn. wie die Statiftik zeigt.
die Prägung in den erften Monaten auc h eine befonders lebhafte
war. fo erreichte fie bis zum Juni doc h lange nicht die Hälfte der
genannten Summen; befonders waren bis dahin erft 4 Millionen
Kurant geprägt. das ja in den mittleren Provinzen allein zur Rück-
zahlung der Kapitalien dienen follte. Gold kam dabei nur wenig
in Betracht. denn der König hatte befohlen. alle Goldftücke einzu-
ziehen und keine auszugeben))
Am fchlimmften war der Geldmangel wohl in Schlefien.
Schon im Juni warf Schlabrendorff deu Unternehmern vor. feine
vielfachen Ermahnungen. beizeiten Silber zur Kurantprägung zu
verfchaffen. feien von ihnen nicht beachtet worden. Statt Drittel
zu prägen. hätten fie fic h damit amüfiert. aus dem geringen Kriegs-
gelde kleinere Sorten zu fchlagen. Ju Berlin feien an 7 Millionen
1) Nämlic h bei fächfifchen Dritteln fic h einen Abzug von 37 "/0 gefallen
laffen. bei Doppelgrofchen und Grofchen 523/4 0/6. bei neuen Auguftdor. wenn die
Schuld mit Mittelfriedrichsdor gezahlt wurde. 50 "/0. Wir erinnern daran. daß
der Mittelfriedrichsdor 15 Karat 5 Grän. der neue Auguftdor 7 bis 11 Karat
Feingold enthielt.
2) S. Tabelle 71.
3) Verordnung an die Kammern. Berlin. 20. Mai 1763: die Goldftücke
„zu Unferer Dispofition zu affervieren". Tit. 11711. 26. 11*
164 Drittes Buch. Erftes Kapitel.
eingewechfelt worden. in Breslau kaum eine. während doc h Schlefien
wegen feines großen Handels mehr Geld nötig habe als Berlin.1)
Aber wenn der Minifter auc h mit der Meldung an den König
drohte. fo gefchah vorläufig doc h wenig. Fortwährend klagte die
Glogauer Kammer. es werde kein Denar preußifchen Geldes von
den Unternehmern gefchickt; auf lamentabelfte Berichte und dreiftefte
Fragen. wo denn die ediktmäßigen Wechfelbureaus feien. könne fie
nur mit Ausflüchten und Vertröftungen antworten.2) Jm Juni
und Juli gingen endlic h 60000 Rtlr. nach Glogau. aber genug
war das lange nicht.
Köppen fchob die Schuld auf die Unternehmer. diefe auf den
Breslauer Münzdirektor Kröucke. der wieder angab. er könne nicht
fchneller münzen. er habe zwar 60000 Mark geringen Silbers. aber
troß alles Eriunerns nur 8000 Mark Piafter erhalten. Da diefe
aufgebraucht feien. könne er die Münze fchließen. Wenn er mehr
Feinfilber gehabt hätte. würde er bequem 5 ftatt 11/2 Millionen bis
jeßt haben münzen können. Dagegen warf ihm Schlabrendorff
Eigenfinn vor. Wenn nicht bald geholfen würde. wüchfen die
Steuerrefte fo an. daß nlan die Regimenter nicht mehr werde löhnen
können. Land und Städte fchrieen ihm täglic h die Ohren voll.3)
Die Unternehmer behaupteten zwar. Piafter feien ihnen zu
teuer. fie hätten bei dem laufenden Kontrakt enormen Schaden. das
hinderte fie aber keineswegs. wie Köppen fchrieb. an ihren „exceffiven
Depenfen a(1 lrolnptuosa".
Wenn Kröncke vom Minifter ein eigenfinniger Manu genannt
wurde. fo traf diefer Vorwurf infofern zu. als er aus dem geringen
Silber Sechftel und Zwölftel hätte prägen können. Köppen riet fo
die fächfifchen Drittel zu verwenden.() Das fcheint denn auc h ge-
fchehen zu fein und geholfen zu haben. denn in der zweiten Hälfte
des Jahres 1763 verminderten fic h die Klagen.
Während in den Marken die Einziehung des Kriegsgeldes
fchneller vor fic h ging. herrfchten weiter weftlic h ähnliche Mißftäude
wie in Schlefien. Als fchon am 4. Juni aus Quedlinburg Nac-
h-
1) Nr. 71.
2) Kammerberichte. Glogau. 21. und 28. Juni 1763. -
3) Schlabr'endorff an Köppen. 9. Juli 1763. A. B. lil. 11. 17. 31. 71.
4) Köppen au Schlabrendorff. 12. Juli 1763. -
Der Übergangsmünzfuß von 1763. 165
richt kam. daß dort. außer ein paar Grofchen. gar kein neues Geld
zu haben fei.1) befahl das General-Direktorium den Ephraim und
Jßig. fofort dort ein Wechfelbureau anzulegen und zu melden. wo
folche Bnreaus zur Umwechfelung des geringen Geldes in neues
fich befänden. andernfalls man die Angelegenheit dem Könige melden
würde.?)
Mit der Anlegung diefer Bnreaus. zu der fich die Unternehmer
verpflichtet hatten. die ihnen aber natürlich Koften verurfachten. ging
es fehr langfam. Jin Juni war in Halberftadt auch keins. im
September fehlte es noch in Minden. im Oktober in manchen andern
Gebieten; und man kann annehmen. daß in den meiften Landes-
teilen überhaupt keine eingerichtet worden find.3)
Natürlich fuchte jeder das alte fchwere Geld zu bekommen:
der König für feinen Schaß. die Juden. um damit das ausländifche
Silber zu bezahlen. die Untertanen. um es zu thefaurieren oder mit
ihm die Steuern zu bezahlen. Als den Kammern befohlen wurde.
das fchwere Geld alle 2 oder 4 Wochen an Köppen zu fchicken. der
dafür neue Drittel geben würde() trat die Halberftädtifche Kammer
für die Beamten ein. die befonders dadurch gelitten hätten. daß
ihnen die während des Krieges nicht gezahlten Gehälter nachträglich
mit fächfifchen Dritteln und Grofchen gegeben feien. und die vor-
züglich die Koften des Krieges trügen. jeßt gar die Akzife mit gutem
Gelde zahlen müßten. Wenn man diefes nun alles nach Berlin
fende. würde man ihnen keins als Gehalt geben können. Gleich-
wohl blieb es bei der Verordnung.5)
Die Unternehmer kamen damals mit wenig begründeten Klagen.
Jhre Agenten zählten nicht die eiugelieferten fächfifchen Sorten-
fondern wogen fie und verlangten bei fehlendem Gewicht Erfaß;
das wurde ftreng verboten. denn die Unternehmer feien es doch. die
an dem falfchen Gewicht die Schuld trügen: die Sorten feien ftück-
1) Meldung des Frhr. v. Schellersheim. Quedlinburg. 4. Juni 1763.
Tit. Ä7ll. 26.
2) Befehl an die Unternehmer vom 14. Juni 1763. Ebenda.
3) Tit. 11ml) 26. .
4) Berlin. 20. Mai 1763. Ebenda.
5) Kammerber„ Halberftadt. 6. Juni 1763; am 20. Juni abgewiefen.
Tit. Z711) 26.
166 Drittes Buch. Erftes Kapitel.
weife mit dem ediktmäßigen Agio anzunehmen.i) Es blieb dabei
troß weiterer Vorftellungen. denn das Agio fei unter Rückfichtnahme
auf leichte Stücke feftgefeßt worden.2) Danac h wurden die Be-
hörden inftruiert.3)
Troß aller Strafaudrohungen riß das leidige Agiotieren ein.
befonders zwifchen den neuen preußifchen 8:. 4- und 1-Grofchen--
ftücken. denn auc h die 4-Grofchenftücke wurden weniger fein als die
8-Grofchenftücke ausgebracht. Man befahl die fic h aus Faulheit oder
Eigennuß fäumig erweifenden Beamten zu kaffieren. den mit diefer
Wechfelei fic h abgebenden Juden ihre Privilegien zu entziehen.4)
Befördert wurde das Agiotieren durc h maffenhaftes Einftrömen
der in Harzgerode gemünzten preußifchen Grofchen und Sechfer. die
die Unternehmer. wie wir wiffen. in Menge fchlagen durften.ö)
Gegen diefe Sorten hatte die Halberftädter Kammer ihr Gebiet
fperren wollen. worüber die Juden fic h befchweren wollten. Ende
November 1763 wurde endlic h diefe Bernburger Münze gefchloffen
und die Magdeburger angewiefen. die im Magdeburgifchen und
Halberftädtifchen umlaufenden fchlechten Sorten einzuwechfeln.6)
Auc h in Schlefien hatte man unter den vielen Grofchen zu leiden.
Da die Kaffen nur wenige annahmen. fiel ihr Verkehrswert um 24
bis 36 0/0. es ftiegen die Wareupreife. denen man durc h Taxen nur
wenig beikommen konnte. und es entftanden wieder mannigfache
Streitigkeiten zwifchen Militär und Handwerkern.7)
Man lebte in fortwährendem Wechfel. Die Genefung von
dem Münzübel war eine fchmerzhafte und ruckweife. Jm Dezember
wurde fchon alles auf den endgültigen Abfchluß des Übergangs-
münzfußes eingerichtet: die Oberfteuerkaffen follten fic h der fächfi-
fchen Münzen möglichft entledigen. da das Edikt fie ja nur „vor-
läufig“ zulaffe. fchon genug eigenes Geld umlaufe und faft gar
keine fächfifchen Drittel. fondern nur 2- und 1-Grofchen eingingen.
1) Refkript an die Unternehmer. Berlin. 12. Juli 1763. Ebenda.
2) Ebenfo 9. Auguft 1763. Ebenda.
3) Refkript an die Halberftädtifche Kammer vom 20. Sept. 1763. Ebenda.
4) Verordnungen an alle Kammern. Berlin. 6. u. 26. Oktbr. 1763. Ebenda.
5) S. S. 156 und Nr. 73.
6) Protokoll mit Jßig. Berlin. 7. Dezember 1763. Tit. L711. 26.
7) Nr. 79.
Der Übergangsmünzfuß von 1763. 167
zu deren Auswechfelung die Unternehmer fic h nicht verftehen wollten.
Von Anfang 1764 an follten jene nur zur Not. diefe gar nicht
mehr genommen werden. außer natürlic h von den Münzen zum -
SchmelzwertI)
Um dem Mangel an neuem Gelde abzuhelfen. hielt der König
auf die Prägung vieler Drittel und feßte am 8. Oktober ein Pro-
duktionsquantum für die Münzftätten zu Berlin. Breslau und
Magdeburg feft. Die Münzdirektoren follten immediat melden. wenn
die Unternehmer nicht genug Silber lieferten.?)
Darauf reichten diefe eine Rechtfertigungsfchrift ein. Zur
Verwunderung des Königs hätten fie fih in dem leßten Kontrakt
erboten. befferes Geld zu fchlagen. denn das leichte fei nicht mehr
abzufeßen gewefen. Freilic h hätten fie damals nicht die vielen
Bankrotte vorausfehen könueu.3) durc h diefe und die fteigeuden
Silberpreife feien die Lieferungen höchft fchwierig geworden. Den
Schlagfchaß hätten fie aus den preußifcheu Grofcheu ziehen wollen.
Da aber kein Befehl über deren Annahme erlaffen fei. fo fei ihr
Kredit gefallen. Den Kontrakt könnten fie nur erfüllen. wenn die
Grofcheu von den Kaffen allgemein genommen würden und fie das
ftipulierte Quantum noc h 1764 ausmünzen dürften. Allein in Bres-
lau und Berlin hätten fie dem Publikum 14 Millionen Rtlr. leichter
Gelder eingewechfelt. was ihnen eine halbe Million gekoftet habe.4)
Dem muß aber hinzugefügt werden. daß ihnen bei Empfang
von fächfifchen Dritteln 170. von neuen Auguftdor und Zwölfteln
2250/0 bei der Umwechfelung von der General-Kriegskaffe zu gut
gerechnet wurden; ihr hatten fie bis zum 25. April 1954 200 Rtlr.
an neuen Auguftdor und fächfifchen Zwölfteln abgenommen und da-
für 579022 Rtlr. 5 Gr. 8 Pf. an preußifchem Kurant und
> 289511 Rtlr. 2 Gr. 9 Pf. an preußifchen Grofcheu gegeben.5)
1) General-Kriegskaffe an das General-Direktorium. 20. Dezember 1763.
Refkript an die Halberftädtifche Kammer. 3. Januar 1764. Tit. 11711. 26.
2) Köppen an das General-Direktorium. 6. und 14. Oktober 1763.
n. 163. 1. 99.
3) Ãœber diefe Bankrotte f. A. Soetbeer. Beitr. und Materialien. Ham-
burg 1855. S. 43-54.
4) Nr. 77. - Ãœber die Umwechfelung der Staatskaffengelder f. auch S. 68.
5) Quittung vom 20. April 1763. n. 163. 1. 99.
168 Drittes Buch. Erftes Kapitel.
Kommen wir zum Schluß der Prägung durch die Unternehmer.
die. wie erwähnt. den ganzen Schlagfchaß zahlten. obwohl das
kontraktmäßige Quantum nicht ausgemünzt wurde. Die Juden
wollten 1764 den Reft des Schlagfchaßes - 954100 Rtlr. -
zu 600000 Rtlr. in fächfifchen Doppelgrofchen und Grofchen. und
zu 354100 Rtlr. in preußifchen Sorten zahlen. aber die leßtere
Summe nicht zu 2/3 in Kurant. wie ausgemacht. fondern ganz in
Grofchen. Dafür wollten fie auch die neuen von ihnen errichteten
Münzgebäude in Magdeburg. Breslau und vor dem Königstor in
Berlin dem Staate unentgeltlich überlaffenN) Man ging darauf
ein. indem die Zweidrittel der preußifchen Sorten oder 236066 Rtlr..
die eigentlich in Kurant gezahlt werden follten. auch in preußifchen
Grofchen. zufchläglich eines Agio von 20000 Rtlr. angenommen
wurden. obgleich das für den König einen Ausfall von 42557 Rtlr.
16 Gr. bedeutete?) Wahrfcheinlich wollte man endlich mit den
Juden fertig werden.
Daß auf fie fich wegen der unendlichen Vermögensverlufte der
Haß der Bevölkerung entlud. läßt fich denken und ift bekannt genug.
- Am 25. Juni 1764 klagten Ephraim und Jßig. daß fie troß der
erteilten Decharge durch Verleumdungen im Handel fehr litten. und
baten. die Decharge in den Zeitungen veröffentlichen zu dürfen.“ was
ihnen begreiflicherweife nicht erlaubt werden konnte. Denn der
König durfte und wollte von diefer ganzen Angelegenheit nichts ver-
lautbaren laffen. Noch 1771 verbot er bei daraus entftandenen
Streitigkeiten. die Münzkontrakte den Gerichten anzuvertrauenK)
Wir werden bei der Beurteilung der Münzunternehmer dreierlei
zu beachten haben. Erftens erinnern wir an jene Umftände. die die
1) Jmmediatvorfchlag vom 5. Januar 1764. ebenda. Diefer wurde am
14. Januar von Schlabrendorff dem 'Könige überreicht. Die Juden wollten auch
noch eine Million Taler in Thmpfen in Polen abfeßen und dafür ebenfoviel als
Schlagfchaß in altpreußifchem Kurant zahlen. A. B. kit. lt. 17. 36c. Aus
leßterem Plan ift aber nichts geworden. weil die Thmpfe in Polen gar zu tief
he'rabgefeßt waren. Promemoria vom 27. Januar 1764. n. 2111. 2. Doch
unternahmen damals andere Juden ähnliches. was aber mißglückte. wie wir im
folgenden Bande zeigen werden. Nr. 81. 82.
2) Jm.-Ber. Krönckes. Berlin. 22. Januar 1764. 11. 3111. 2. Entfcheid
darauf fehlt. -
3) L. Geiger. Gefch. d. Juden in Berlin ll. 1871. S. 140. 141.
Der Übergangsmünzfuß von 1763. . 169
Juden vor allen andern zu dem Silberlieferungsgefchäft und dem
Münzenhandel geeignet machten)) fowie daran. daß der König fchon
vor dem Kriege alle Münzftätten einer jüdifchen Gefellfchaft ver-
pachtet hatte. Die Unternehmer hatten weder die Abficht. dem
Staate und der Bevölkerung zu nußen. noc h ihnen zu fchaden; fie
hatten ja kein Vaterland: der König und deffen Untertanen erblickten
in den Juden ein fremdes Volk und nannten fie „die jüdifche
Nation". Zu Staatsbürgern wurden fie in Europa erft ein halbes
Jahrhundert fpäter. Ephraim. Jßig und die andern wollten einzig
und allein reic h werden; fie befaßen den Mut. den allgemeinen Haß
zu tragen. und das' weite Gewiffen. vor einem allgemein verab-
fcheuten Mittel. reic h zu werden. nicht zurückzufchrecken))
Zweitens darf der Hiftoriker nicht überfehen. daß fehr be-
deutende chriftliche Kaufleute ähnliche Bahnen. wenn auc h mit mehr
Schen und Vorficht wandelten. Jc h erinnere nur an die Operationen
Schimmelmanns in Plön und Goßkowskhs in Berlin und Leipzig.3)
Drittens bleibt allerdings der wunde Punkt zu berühren. daß
unfere Unternehmer fic h nicht an die Kontrakte hielten. fondern. wie
wir öfter erwähnt haben. den darin beftimmten Münzfuß nicht ein-
hielten und faft immer noc h fchlechter ausmünzen ließen. Verant-
wortlic h waren dafür auch die Münzbeamten. befonders die Direk-
toren und Münzmeifter. doc h wurden weder fie noch die Unter-
nehmer jemals deshalb zur Verantwortung gezogen. fehr wahr-
fcheinlich. weil man diefe. um den Schlagfchaß zu bekommen. bei
gutem Willen halten mußte. weil man ihnen unter damaligen Um-
ftänden nicht den Prozeß machen oder fie gar verlieren durfte. Zu
entfchuldigen find fie dafür aber in keiner Weife. denn fie hätten
auch dann einen großen-Gewinn gemacht. wenn fie z. B. die fächfi-
fchen Drittel gefeßmäßig zu 19Z/4-Rtlr. und nicht zu 21 und höher
ausgebracht haben würden. -
Werfen wir nun noc h einen Blick auf die öftlichen und weft-
lichen Landesteile. Jn Preußen war es dem außerordentlic h tüch-
l) S. Bd. 11. S. 100g.
7) Wenn fie Ende 1763 ihre Berlufte während des Krieges auf 51/2 Million
bezifferten. was wir nicht nachrechnen können. fo beweift das nur. wie enorm
ihre Profite gewefen fein müffen. Nr. 80.
3) S. S. 99. 95. 96.
. (7() _ Drittes Buch. Erftes Kapitel.
tigen Präfidenten Domhardt zu verdanken. daß die Provinz von
dem fchlechten Kriegsgelde verfchont blieb. Die Ruffen hatten diefes
während ihrer Okkupation ftreng ferngehalten und felbft nac h ver-
hältnismäßig gutem Fuße geprägt. Damit nun die wieder ein-
rückenden Truppen nicht das Kriegsgeld hereinbrächten. fchlug der
Präfident dem König vor. ihnen vor dem Einmarfche in das Land
alles fchlechte Geld mit gutem umzutaufchen. Friedric h war damit
einverftanden. wenn ihn das nichts kofte))
Jnfolgedeffen wurden den Truppen beim Ãœberfchreiten der
Grenze die fchlechten Münzen abgenommen uud der Königsberger
Münze übergeben. die fie in Gegenwart einiger Bürger einfchmolz.
Der Wechfelverluft betrug 101000 Rtlr. Nac h längeren Verhand-
lungen einigten fic h Regierung und Kammer am 22. September
1763 dahin. daß von den 101000 Rtlr. zahlen follteu der Adel 16/72.
die Domänenämter 21/72. Kaufleute. Bankiers. Juden iii/72. Königs-
berg 11/72. andere Städte 6/7-2)) Das war das Opfer. das die
Provinz Preußen der Münzverfchlechterung bringen mußte. gewiß
ein viel kleineres als das der andern Provinzen3)
Daneben war Domhardt auf das eifrigfte bemüht. feiner
Provinz gutes neues 'Geld zu verfchaffen. Wir erinnern uns. daß
fchon um die Mitte des Jahres 1762 die Verhandlungen über die
Wiederaufnahme der Königsberger Münzprägung einfeßten)) Der
Kammerpräfident bemühte fic h freilich vergeblich. im Lande Silber-
lieferanten zu bekommen. -und fo fiel auc h diefe Unternehmung den
Ephraim und Jßig zu.5) Da die Ruffen das fchlechte Geld fernge-
halten hatten. fo follteu auc h fie keins einführen oder gar in Königs-
1) K.-O. an Domhardt. 16. April 1763.
2) Nr. 72.
3) A. K. 99 e. die Verhütung des Verluftes ufw. 1763. 5. - Erklärung
der Ephraim und Jßig. Berlin. 6. Mai 1763: Sie wollen bei der Umwechfelung
helfen und 100 Rtlr. geben für 1881/4 Rtlr. in fächfifchen Dritteln. oder für
260 Rtlr. in fächfifchen 2- und 1-Grofchen. oder für 225 Rtlr. in neuen Auguft-
dor. und die Mark Feinfilber in den andern Sorten mit 17 Rtlr. bezahlen.
A. K. 1s. li. [lit. lil. Tit. 98. 3. 701. 1.
4) S. S. 68.
5) Jm.-_Ber. Köppens. Magdeburg. 2. Juni 1762. lt. 96. 409 0. Daher
auc h das Folgende.
Der Übergangsmünzfuß von 1763. 171
berg prägen laffen. Sie wurden verpflichteni) bis Ende des Jahres
1762 200000 feine Mark in preußifche Thmpfe. Szoftake und
brandenburgifches Kurant nac h 193/4-Talerfuß zu ve'rmünzen. wofür
200000 Rtlr. Schlagfchaß zu zahlen waren. Jndeffen follten unter
diefen 200000 Mark auc h alle Münzen zählen. die in andern Münz-
ftätten nac h 193/4-Rtlr.-Fuß geprägt werden würden.
Über diefen Kontrakt wurden aber die Königsberger Kaufleute
unruhig. die bei Bezahlung der von ihnen bezogenen Waren mit
diefen Münzen Schaden zu leiden fürchteten. Sodann beforgten
die Behörden. daß die Juden alles Silber und gute Geld aufkaufen
und einfchmelzen würden. Hierüber beruhigte fie aber Köppen: der
Kontrakt unterfage das ftrenge. und eine Kabinettsorder Hermanns-
dorf. 8. Auguft 1760 habe die Freiheit behufs Silberaufkauf gänz-
lic h widerrufen. Die Unternehmer dürften nur wie alle andern
Bankiers und Kaufleute in ihren eigenen Häufern gute Sorten ein-
wechfeln?)
Damit gab man fic h aber in Königsberg nicht zufrieden. Die
Kaufleute nnd Domhardt wünfchten. daß nac h 16-Talerfuß. wie er
bis 1757 und unter ruffifcher Herrfchaftü) ausgeübt fei. weiter ge-
prägt würde. denn nur folche Sorten feien jeßt in Polen anzu-
bringeu. mit großer Mühe müffe man fie fammeln. Wolle man
mit fchlechterer Münze bezahlen. fo würde man den polnifchen
Handel verderben und die Preife im Lande um 25 0/0 fteigern. Die
Hauptftüße der polnifchen Handlung fei eben das gute Geld. das
man den Polen liefere.4)
Darauf fragte Köppeu bei Domhardt an. ob denn die dortigen
Kaufleute die 200000 Rtlr. Schlagfchaß aufbringen würden. denn
die Juden erklärten ihn bei einem 16-Talerfuß zu zahlen für un-
-möglich.5) Ephraim und Jßig fuchten ihrerfeits zu zeigen. daß der
193/4-Talerfuß nicht fchaden könne. An 70 Millionen Rtlr. in da-
1) Nr. 56.
2) S. S. 121.
3) Über d. ruffifchen Münzfuß f. Bahrfeldt in den Berliner Münzblättern
1901. Spalte 3065. 3097. S. aber S. 172. Note 1.
i) Nr. 59a. Jm.-Ber. Domhardts. Königsberg. 9. Auguft1762. 3.96.4083.
i5) Jm.-Ber. Köppens auf Domhardts Schreiben vom 1. Oktober 1762.
Magdeburg. 6. Oktober 1762. 11. 96. 409 1).
172 Drittes Buch. Erftes Kapitel.
nach gemünzten Sorten hätten fie in Polen verausgabt. und die
Ruffen hätten nach den gemachten Probierungen auch zwifchen 19
und 2() Rtlr. gemünzt.1) was Danzig noch tue?) Dennoch wollten
fie etwas nachgeben und einen 18-Talerfuß beobachten. wenn nur
der Hanptkontrakt verlängert würde?)
Wenn leßteres nun auch gefchah. fo ift doch nicht wahrfchein-
lich. daß die Königsberger Prägung fchon im Jahre 1762 wieder
aufgenommen wurde. denn es ift von diefem Jahre keine Königs-
berger Münze preußifchen Stempels erhalten. und nach der ftatifti-
fchen Tabelle begann die Prägung am 22. Januar 1763.4)
Der mit den Unternehmern am 17. Dezember 1762 ge-
fchloffene Generalkontrakt. .durch den der 193/4-Talerfuß eingeführt
wurde. umfaßte auch Preußen. Am 20. Dezember teilte der König
Domhardt mit. daß Ephraim und Jßig in Königsberg 8-. 4-. 2-Ggr.
und Thmpfe nach jenem Fuß. leßtere nur für den Abfaß im Aus-
lande. Szoftake aber nach 18-Talerfuß für Preußen prägen würden.
Es blieb dabei. daß ein 16-Talerfuß nur gewährt werden könnte.
wenn die Kaufleute das Silber lieferten und den Juden 2 Rtlr.
auf die feine Mark vergüteten. Als Domhardt fich noch einmal
gegen den zu fchlechten Fuß ausfprach. ließ ihn der König wiffen.
daß der feftgefeßte ein genügend guter fei und der Präfident fich
befonders nicht darum zu forgen habe. daß fchlechte Sorten für die
Fremde geprägt würden; vielmehr habe er nicht zuzulaffen. daß diefe
durch ungünftige Gerüchte im Ausland diskreditiert würdeu.5)
Wenn alfo beim König nichts weiter auszurichten war. fo
fcheint es Domhardt doch gelungen zu fein. einen Münzfchlag
nach 193/4-Talerfuß in Königsberg zu verhindern. Und wenn
1) Gefeßmäßig zwifchen 16 und 19 Rtlr. Vgl. E. Bahrfeldt in Berliner
Münzblätter n. o. l. S. 206.
2) Danzig münzte viel beffer: 1760_1763 gefeßlich die Thmpfe 331/3 Stück
aus der 7 L. 17 Gr.. die Szoftake zu 683/4 aus der 5-lötigen Mark. alfo nach
133/5- und 142/3-Talerfuß. Kirmis. S. 200.
3) Vorftellung. Berlin. 1. November 1762. kt. 96. 409 1).
4) 11. 163. l. 99.
5) K.-O. an Domhardt. Leipzig. 20. Dezember 1762 und 22. Januar 1763.
A. K. lt. li. yo. llit. lil. Tit. 98. 3. i701. l.
Der Übergangsmünzfuß von 1763. 173
die Juden fpäter fic h dazu verftehen wollten. Thmpfe nac h 18-
Talerfuß für Preußen zu prägen. fo gefchah auc h das nicht; es ift
überhaupt wohl nur ein Probeftempel angefertigt worden)) Denn
fowohl Domhardt wieTauenßien erklärten. daß. wenn man die da-
mals kurfierenden Thmpfe im reduzierten Werte gebrauche. genug
Kurant vorhanden fei. Münze man neue fchlechte. fo würden die
alten Granmanfchen um fo fchneller verfchwinden und bei künftiger
Reduktion die Maffe der fchlechten die Kaffen fchädigen. Die Unter-
nehmer bekämen das Silber in Königsberg für 13 Rtlr.. könnten
alfo fogar einen 15-Talerfnß gut einhalten?)
So find denn nac h der Statiftik und den Sammlungen 1763 in
Königsberg lediglic h Szoftake nac h 18-Talerfuß gefchlagen worden.
Einer Bitte der Unternehmer. bei dem polnifchen und lithauifchen
Kronfchaßmeifter fic h für Geltung der neuen Szoftake in Polen zu
verwenden. willfahrte zwar das auswärtige Departement. doc h ohne
Erfolg. denn der polnifche Shaßmeifter wollte es nicht verantworten.
daß Münzen einftrömten. die fchlechter als die leßten des Johann
Kafimir feien und das erlittene Münzelend dadurc h erneuert werde.
Die Szoftake Graumans ohne Krone dagegen blieben im Nennwert
in Polen zugelaffen.s)
Bemühte man fic h befferes Geld zu fchlagen. fo fuchte
man doc h zugleic h auc h in Preußen mit aller Mühe die redu-
zierten Sorten der eigenen Münzftätte zu erhalten. Es war dem
Königsberger Münzdirektor aber nicht möglich. die einlaufenden fo-
fort umzuprägen und neue Szoftake zurückzugeben. Da aber die
Einbringer drohten. fie dann nac h Danzig und Elbing zu fchaffen.
fo nahm Below das von den Ruffen eingeführte Verfahren auf
und wies das Publikum an. fie den Silberlieferanten zu verkaufen.
die fie dann der Münze zu liefern hatten. Diefe Lieferanten.
Jeremias David. Jofeph und Abraham Seligmann. durften bei
1) Münzbefchreibung Nr. 1727. Der Münzfuß vom 1. April 1763 (Nr. 63)
enthält auc h Thmpfe nac h 16-Talerfuß. aber der war eben den Unternehmern
zu koftbar.
2) Domhardt an Tauenßien. Königsberg. 30. Auguft 1763; Antwort
Tauenßiens. Potsdam. 12. September 1763. A. K. Lt. 11. 130. 11i11171. Tit. 98
3. 701. 1.
3) Bericht Benoits. Warfchau. 13. Auguft 1763. A. K. 996. Münz-
befchr. Nr. 1019-1060.
174 Drittes Buch. Erftes Kapitel.
großen Summen dem Überbringer pro Thmpf 1/2 Gr. preußifch als
Wechfelfpefen berechnen. was wegen ihrer Mühe. des Zinsverluftes
nnd des Dienftes. den fie damit der Münze leiftetein nur billig
war. Daß fie die reduzierten Sorten nicht ansführten. dafür
forgten Akzife- und Zollbehörden.1)
Ãœber die Reduzierung der verfchiedenen Thmpfe war vielfach
mit der Königsberger Kaufmannfchaft verhandelt worden. Endlich
fand ein Gutachten derfelben vbnt 29. Juni 1763 die Billigung der
Behörden. wonach alle kurfierenden Thlupfe in 3 Klaffen geteilt
wurden?) Jn der erften waren die 18 Gr. geltenden. nämlich alle
bis 1758 gefchlagenen Königsberger (mit 12). alle Stettiner (mit (X)
und die gerändelten Breslauer (mit 813) Jn der zweiten Klaffe
waren die enthalten. denen man einen Nennwert von 15 Gr. ge-
währte. und die von den Juden mit 141/2 Gr. eingelöft wnrden;4)
alle andern gehörten. gänzlich verboten und demonetifiert. in die
-dritte Klaffe. 5)
Außerdem war man natürlich bemüht. die Graumanfchen
Sorten feftzuhalten; nur Rubel nnd Speziestaler durften nach Ruß-
land ausgeführt werden. Die holländifchen Dukaten aber mußten
l) Below an die Kammer) 24. Januar 1763; Refkript der Kammer an
Below. 27. Januar 1763. A. K. lt. LZ. 190. [lit. bl. Tit. 98) 3. 701. l. -
Kammerrefkript vom 19. März 1763. A. K. 99(1) Domänenamt Liebemijhl.
2) Tauenßien an Domhardt) 29. Juni 1763) ebenda. .- Am 25. Februar
1763 hatte die Münze der Kammer mitgeteilt) daß die feit1758 geprägten. nun
reduzierten Thmpfe folgendermaßen angenommen wiirden: 1. die mit k') die mit
13 zwifchen Ranken. die mit tt zwifchen Ranken oder großen Sternen zu 141/,| Gr.-
2. die mit t1 zwifchen Rofetten oder 3 Sternchen zu 13 Gr. A. K. 996.
Domönenamt Liebeniühl.
3) Münzbefchreibung Nr. 917-1012 1018) 1455-1468.
4) Es waren: -
1. die Berliner) n zwifchen Rofetten oder Sternen) ungerändelt; Miinzbefchr.
Nr. 1713-1723;
. Breslauer 13 zwifchen Rofetten) ungerändelt; Miinzbefchr. Nr. 1725) 1726;
. Magdeburger) 17*' zwifchen Rofetten; Miinzbefchr. Nr. 1728;
. die von 1757 niit breitem ungekröntem Kopf; Münzbefc'hr. Nr. 1724;
. der Nachfchlag von 1756 (nicht häufig); Miinzbefchr. S. 128) Note 2.
5) Das wären alfo befonders die polnifch-iächfifclnn gewefen. Die mit 11
zwifchen Ranken waren beffer als die mit .e zwifchen Rofetten tfiehe vorige
Note. 1)) gehörten alfo auch zur zweiten Klaffe.
MOST-W
Der Übergangsmünzfuß von 1763. _1 75
die Kaffen nach Königsberg fenden. von wo fie wahrfcheinlich nach
Berlin zum Umprägen gingen. Endlich wies man die Elbinger
Schillinge. die in den leßten Jahren in übergroßer Anzahl ge-
fchlagen waren. zurück. eine Maßregel. die. auch von Danzig und
Ermeland befolgt. die Elbinger Münze Ende 1763 zum Stillftand
brachte.l) -
Wenn die Provinz Preußen die fchlechten Kriegsmünzen auch
nach dem Friedensfchluß fernzuhalten gewußt hat. fo kam es in den
rheinifchen und weftfälifchen Landen zwar zu ähnlichen Maßregeln.
die aber nicht ebenfo prompt wie dort durchgeführt werden konnten.
Während der frauzöfifchen Okkupation hatte man bedeutende
Summen franzöfifchen Geldes annehmen müffen. Nun fürchtete
man in der Graffchaft Mark von der Einfuhr des fächfifchen Klein-
geldes eine Vergrößerung der Landesfchuld um die Hälfte. denn die
Eifen- und Drahtfabriken müßten alle Abgaben mit gutem Gelde
bezahlen. das durch die Grofchen verdrängt werden würde. Man
fchlug daher vor. daß die Akzifekaffen dem zu Soeft und Hamm
garnifonierenden Regimeute die Doppelgrofchen und Grofchen um-
wechfelten. und der dadurch entftehende Verluft der noch zu be-
richtigenden franzöfifchen Kontribution zugefchlagen würde?) ,
Jn Cleve wurde ähnliches verfucht. Man wollte hier und in
Geldern die fächfifchen Sorten verrufen. das aber billigte das
General-Direktorium nicht. weil fie in dem Edikt nicht verboten
feien?) Jedenfalls wünfchte man auch hier fie nicht in den Ver-
kehr dringeu zu laffen. fondern fie vorher den Truppen abzunehmen.
was aber nicht wie in Oftpreußen vor deren Einmarfch gefchah.
Und dann hatte man nicht genug gutes Geld zur Hand. Die
Kammer fchoß aus Privatfonds bis zum 23. April 17000 Rtlr. in
franzöfifchem Gelde vor. Ferner ließ fie. da es hier den Truppen
an Kleingeld aufs äußerfte fehlte. das franzöfifche Geld von den
Zoll-. Brücken-. Salz- und Akzifekaffen in kleines umwechfeln.
1) Refkripte der Königsberger Kammer vom 6. April. 18. April. 26. Mai
1763. A. K. 99 (1. Domänenamt Liebeniühl. Über Elbing f. auch F. A. Voß-
berg. Münzgefch. d. Stadt Elbing. Berlin 1844. S. 111.
2) Nr. 69. .
3) Kammerber.. Cleve. 14. und 23. April 1763. Refkript. Berlin.
28. April 1763.
176 _ Drittes Buch. Erftes Kapitel.
So half man fic h über die erften Verlegenheiteu hinweg. doc
h
ließen die Zuftände eine Regelung des Münzwefens aufs dringendfte
notwendig erfcheinen. Es wurde auseinandergefeßt. wie feit 50
Jahren durc h Verringerung des Münzfußes alle Zinfen. Pachtgelder.
Steuern. Zölle. Gehälter verringert worden feien. Und wenn die
Warenbilanz zunngunften des Landes ftehe. fo werde bald alles gute
Geld verfchwunden oder fo hoc h tarifiert fein. daß der ganze Handel
mit dem Auslande ftocken müffe. Die enormen Vorfchüffe der leßten
Jahre an die Franzofen hätten nur bei Benachbarten zufammen-
gebracht werden können; bezahle man fie nun in den empfangenen.
jeßt fchwer erhältlichen Sorten zurück. fo entftünden große Verlufte;
wenn nicht. fo würden die Nachbarn allen Geldverkehr mit dem
Lande abbrechen.
Die leßtere Befürchtung war wohl übertrieben. denn die Nach-
barn wußten wohl. daß ihre Kapitalieu ficher angelegt waren und
werden auf deren Rückzahlung gewiß nicht gedrängt haben. Mit
weit mehr Grund beforgte man Schlimmes von einer neuen Münz-
ändernng. Man meinte. auc h der König würde mehr gewinnen.
wenn der neue Fuß nicht eingeführt werde. weil man mit Stüber-
geld die holländifchen Wechfel billiger befchaffen könnte als mit den
neuen preußifchen Dritteln))
Ebenfo- forderten die Markaner ein Beharren beim alten
Münzfuß. auf dem als Bafis ein neues Geldreglement aufzuftelleu
fei. Jn Berg und Weftfalen feien die neuen preußifchen Münzen
verrufen. in Effen und Dortmund nehme man die Drittel zu 13 bis
15. ftatt zu 20 Stüber. Die jenen Gegenden am nächften wohnen-
den Markaner müßten alfo fremde Waren nac h Frankfurter und
Kölnifchem Fuße bezahlen. für ihre eigenen Waren aber preußifche
Sorten nehmen. wodurc h fie einen Verluft von mindeftens 250/0
erlitten))
Das alles waren Klagen. die fic h gegen den Übergangsmünz-
fuß des Jahres 1763 richteten. der zwar in den mittleren Provinzen
und Schlefien ein befferer war als der bis dahin hier geltende. im
Weften aber ebenfo wie in Preußen ein fchlechterer. Wenn die
1) Nr. 70.
2) Jm.-Ber. der märkifchen Stände. Cleve. 18. Nov. 1763. Tit. L1118. 5.
Der Übergangsmünzfuß von 1763. 177
Behörden und Stände von Cleve und Mark für den alten Münz-
fuß eintraten. fo war dies dasfelbe. was der König plante und vor-
bereitete. Mqn kann aber wohl fagen. daß die Münzen nac
h
193/4-Talerfuß. die fchon für die mittleren Provinzen in unge-
nügender Menge hergeftellt wurden. nac h Mark und Cleve kaum
in größeren Summen gelangt fein werden. Die dortigen Ein-
wohner und Behörden fürchteten davon mehr für die Zukunft. als
daß fie in der Gegenwart darunter litten. Die Regierung ließ es
hier beim Alten bewenden.
(Kato. bot-nenten. Mitiizwefen 1li. 12
Zweites GKapitel'.
Das Edikt vom 29. märz 1764.
Die wichtigfte Urkunde für das preußifche Münzwefen ift das
Edikt vom 14. Juli 1750. das den Graumanfchen Münzfuß ein-
führte. Die Beftimnnmgen diefes Gefeßes waren aber. wie wir
fahen. zum Teil nicht durchführbar. Einen erheblichen Fortfchritt
bildete das Edikt vom 29. März 1764. das wir nun einer ein-
gehenden Betrachtung unterwerfen; es ift das Gefeß. auf dem das
preußifche Münz- und Geldwefen über 100 Jahre lang bafierte.
Der erfte Entwurf diefes Ediktes ftammte von dem General-
Münzdirektor Kröucke. einem Schüler Graumans. mit dem er 1750
aus Braunfchweig nac h Preußen gekommen war. Kröncke war kein
ideeureicher Kopf wie fein Vorgänger. er war ein fehr zuverläffiger
Beamter. aber ein ziemlic h eigenfinniger Mann; er hatte fic h als
Breslauer Münzdirektor das Vertrauen fo maßgebender Perfönlic-
h-
keiten. wie des Generals von Tauenßien und des Minifters
von Schlabrendorff erworben. er hatte dann die Münzveränderung
von 1763 unter Leitung des Königs bearbeitet und ftand mit diefem
über die Reorganifation des Münzwefens in fortlaufeudem lebhaften
mündlichen und fchriftlichen Verkehr. Am 1. Dezember 1763 trat
er feine Stellung als General-Münzdirektor an.1)
Die Grundzüge des neuen großen Münzgefeßes hat Friedric
h
wahrfcheinlic h mit ihm und dem Minifter von Schlabrendorff. der
damals in Berlin weilte. in den erften Tagen des Jahres 1764 be-
fprochen. Am 10. Januar überfandte er dem General-Direktorium
den Krönckefchen Entwurf. den es mit dem Juftizminifterium und
Schlabrendorff zu beraten. in die Form eines Ediktes zu bringen
und diefes zu veröffentlichen habe. wenn genug neue Münze vor-
1) Nr. 74.
Das Edikt vom 29. März 1764. 179
handen fein würde)) Am 16. Januar fand die .Sißung ftatt. in
der auch einige materielle Änderungen gemacht wurden. Darauf
fertigte das Juftizminifterium mit Kröncke einen neuen Entwurf vom
23. Februar an. der zur Begutachtung an Schlabrendorff ging.
Diefer hatte zahlreiche Monita anzubringen (2. März). die wieder
der Geheime Juftizrat Fürft zum Teil widerlegte (12. März). zum
Teil bei einem dritten Entwurf berückfichtigte. Diefe Änderungen
wurden in einer Sißung vom 12. März genehmigt. worauf der
Staatsrat am 9. April auf Schlabrendorffs Vorfchlag noch einige
Verbefferungen. befonders an den Tabellen. verfügte. nachdem der
König das Edikt fchon am 29. März vollzogen hatte.
Wir geben in einer Anlage2) den erften Entwurf Krönckes
im Wortlaut. daneben die davon abweichenden Stellen des fertigen
Ediktes mit Anführung. wann und von wem diefe beantragt worden
find. Außer dem König find danach die Haupturheber des Edikts
Schlabrendorff. Fürft und Kröncke.
Jm Jahre 1763 hatte man über die Bezahlungsart von Kon-
trakten und Zinfen ein befonderes Edikt erlaffen; jeßt wurden folche
Beftimmungen als Paragraph 10 eiugefchoben. der freilich länger ift als
alle andern Paragraphen zufammen. Wir fehen von ihm vorerft ab.
Es waren befonders zwei Aufgaben geftellt: einmal die Be-
feitigung des fchlechten Kriegsgeldes. zweitens die Schaffung eines
neuen oder vielmehr die Wiederherftellung des Granmanfchen Münz-
fußes. Der Graumanfche Fuß von 1750 hatte. wie wir uns er-
innern. nur fehr kurze Zeit rein beftanden: fchon feit 1752 begann
man in den 8-. 4- und 2-Grofchenftücken vom 14-Talerfuß ab-
zugehen. fo daß fich verfchiedeue Münzfhfteme bildeten. da die nach
14-Talerfuß ausgebrachten ganzen. halben und viertel Taler im
Verkehr etwas mehr galten als das fchlechtere Kurant der 1/3-. 1/6-
und 1/12-Taler.
Wenn das neue Edikt fchlechthiu von dem Münzfuß von 1750
fprach. fo hieß das. der 14-Talerfuß follte für das gefamte Silber-
kurant nicht nur der ganzen. 1/2- und 1/4-Taler. fondern auch der
U3-. 1/6- und 1/12-Taler(8-. 4-. 2-Grofchenftücke) gelten. Darin
hat man immer mit Recht eine große Verbefferung erkannt. Nur
1) Dies und das Folgende aus Tit. 1171. 19. S. auch Nr. 75.
2) Nr. 87.
12*
180 Drittes Buch. Zweites Kapitel.
fragen wir uns heute. ob diefe Aliquotifierung nac h der Viertelung
neben einer folchen nac h der Drittelung immer noc h nötig war. die
früher wohl einen Sinn gehabt hatte. weil jene das Shftem des
alten Reichstalerfußes. diefe das des Zinnafchen und Leipziger
Fußes dargeftellt hatte.1) Auc h Graumau hatte. als er feit 1752
zu einem billigeren Fuß überging. wohl noc h das Gefühl. daß die
Münzen nac h diefem Fuß Drittel. Sechftel und Zwölftel genannt
werden müßten. analog den früheren Leipziger Dritteln. Sechfteln
und Zwölfteln. die verhältnismäßig weniger fein als die ganzen.
halben. viertel. achtel Taler des alten Reichsfußes waren.
Wenn man aber 1764 die älteren preußifchen Drittel. Sechftel
und Zwölftel vernichtete und alles Kurant nac h 14-Talerfuß fchlug.
fo wäre eine der beiden Abteilungen genügend gewefen. Ju der
Tat wurden halbe und viertel Taler feit 1768 nicht mehr geprägt. 2)
Freilic h hatte der erfte Entwurf Krönckes die ganzen. halben und
viertel Taler für den Handel mit dem Auslande. die Drittel. Sechftel
und Zwölftel für den Binnenverkehr beftimmt. was aber gleic h in
der Sißung vom 16. Januar 1764 als natürlic h ganz undurchführ-
bar und zwecklos geftrichen wurde.
Demnac h waren preußifches Kurantgeld feit 1764 folgende
Sorten (Ö 6):
1. die Friedrichsdor nac h dem Münzfuß von 1750. der nicht ge-
ändert wurde; '
2. die ganzen. halben und viertel Taler von 1750. 175l. 1752
und die feit 1764 geprägten;
3. die feit 1764 geprägten 8-. 4- und 2-Grofchenftücke;
4. die feit 1764 geprägten Achtzehner (hz-Taler. Thmpfe).
Sehen wir von den wenigen viertel. halben und fünftel Talern
ab. die feit 1768 nicht weiter gefchlagen wurden.3) fo entfprac h diefes
Münzfhftem mit feinen 10-. 5-. 272-. 1-. 1/35 1/6-. 1/l2-Talerftücken
wohl allen Anfprüchen. die felbft eine moderne Geldtheorie an ein
Münzfhftem die Stückelung betreffend ftellt. fofern die Wirtfchafts- und
Verkehrsverhältniffe des damaligen Preußen berückfichtigt werden.4)
1) S. Bd. l. S. 59.
2) Münzbefchreibung S. 152.
3) Münzbefchreibung S. 152. 154.
4) Den Münzfuß von 1764 f. in Tabelle 11.
Das Edikt vom 29. März 1764. 181
Die 8-. 4- und 2-Grofchenftücke der Jahre 1750-1756 hatte
der erfte Entwurf Krönckes in reduziertem Werte als kaffenmäßiges
Geld umlaufen laffen wollen. wohl aus Beforgnis. daß fonft nicht
genug Zahlmittel zu Gebote ftehen würden (Ö 1. 3). Ju dem
zweiten Entwurf vom 22. Februar aber waren fie ganz weggelaffen.
d. h. zum Münzmaterial beftimmt. und zwar war diefe Veränderung
von Kröncke felbft beantragt worden. Wegen der Beifchläge und
Auskippungen wäre ihr Wert fchwer zu beftimmen. wollte man nicht
viele Unterfchiede nach Jahren und Gewicht machen. was nur große
Verwirrung erzeugt hätte. Und wenn man die.Stücke der erften
Jahre öffentlich valviere. würde der ganzen Welt offenbar. daß man
fchon zu Friedenszeiten vom 14-Talerfuß abgewichen feiK)
Dagegen konnten die neuen Thmpfe für allgemeines Staats-
kurant erklärt werden. weil fie jeßt zu 14 Taler ausgebracht wurden.2)
wozu der König wahrfcheinlich durch den Königsberger Kammer-
präfidenten Domhardt bewogen worden war?) Man fragte noch
einmal bei der Königsberger Kammer an. die wieder. wie fchon fo
oft. dafür eintrat. daß wegen der regen Handelsbeziehungen zu
Polen die Thrnpfe und Szoftake Wechfelgeld bleiben müßten. Dern-
gemäß wurden dem Kurant überall. wo es im Edikt genannt wurde.
die Thmpfe zugefeßt und als Wechfelgeld aufgeführt. Wir werden
fpäter fehen. warum dennoch die Tage diefer Münzforte gezählt
waren.
Der Minifter von Schlabrendorff- forderte noch. daß keine
fremden Sorten. die beffer als das eigene Geld feien. irgendwie
vom Verkehr ausgefchloffen oder gar umgefchrieben würden. „wo-
durch Grauman dem ganzen Lande einen großen und unerfeßlichen
Schaden getan“. denn kein Land fei dadurch unglücklich. daß es
befferes Geld als die Landesmünzen habe.4) Diefe Auffaffung kann
keine geldpolitifch richtige genannt werden.
Unter befferen Münzen verftand der Minifter folche. die von
gleichem Nennwert wie die eigenen. einen größeren Edelmetallgehalt
1) Bemerkungen Fürfts vom 12. März ml F 1.
“4) Ebenda.
3) S. auch oben S. 172) 173.
4) Monita Schlabrendorffs vom 2. März 1764 am Schluß.
182 Drittes Buch. Zweites Kapitel.
als diefe hatten. Das betraf feit 1750 befonders die Münzen nach
Leipziger Fuß und die fremden Piftolen. Wahrfcheinlich dachte
Schlabrendorff befonders an die fremden Piftolen. die Grauman
wegen ihrer Unzuverläffigkeit befeitigen wollte. Derfelbe durfte
aber doch nur fo handeln wie er es tat. denn um dem neuen Gelde
Aufnahme zu verfchaffen. mußten gerade die größeren Verpflichtungen
mit ihm allein abgemacht werden. Sonft hätte man gar keine
Münzreform vorzunehmen brauchen. man hätte weiter Scheide-
münzen prägen und das große Geld Frankreichs und Hollands ge-
brauchen können. man wäre fo aber endlich zu den monetären Zu-
ftänden Polens gekommen.
Eine Umfchreibung war jeßt übrigens gar nicht nötig. das
Edikt gab. wir werden es fehen. nur an. wie die in Kriegsgeld ab-
gefchloffenen Kontrakte bezahlt werden follten; daß die alten Sorten
nach Reichs-. Leipziger- und dem 131/3-Talerfuß der Konvention
nicht verboten wurden. war natürlich. Ebenfo erlaubte man die
holländifchen gerändelten Dukaten und die vollwichtigen braun-
fchweigifchen Karldor und alten franzöfifchen Louisdor (Ö 3. 4).
Wenn man hiermit alfo Schlabrendorffs Wunfch erfüllte. fo kam
man mit diefen Piftolen doch fehr bald in Verlegenheiten und
mußte Graumans Maßregeln wieder hervorholen.
Die preußifchen Scheidemünzen galten. foweit fie unter dem
Wert eines Grofchen ftanden. meift in vollem Nennwert weiter.
Es waren die bis 1756 geprägten 6-Pfennigftücke. die bis 1757
inklufive gefchlagenen 3-. 2-. 1-Kreuzer. 2- und 1-Gröfchel.l) die
bis 1755 gemünzten 2-. 1- und 1/z-Mariengrofchen. während die bis
1756 inklufive geprägten 2- und 1-Stüber. wir werden fpäter fehen
warum. nur 11/2- und 3/4-Stüber gelten follten (Ö 9). Kröncke
hatte fo viele der alten Scheidemünzen in Geltung gelaffen. weil
man fürchtete. es werde fonft wie im Sommer 1763 großer Mangel
daran eintreten. auf den Schlabrendorff fort und fort hinwies.
Man glaubte auf fie um fo weniger verzichten zu können. als alle
fremden Scheidemünzen verboten waren oder wie die enorme Maffe
der fächfifchen Grofchen nur in ftark reduziertem Wert gelten follten.
1) Hierzu gehören auch wohl die oftpreußifchen 3-. 2-. 1-Gröfcher und
Schillinge. wenn auch nicht ausdrücklich genannt.
Das Edikt vom 29. März 1764. 183
Das waren alfo die Münzen. die vom 1. Juni 1764 an in
vollem Nennwert nmlaufen follten. Die zweite Aufgabe des Edikts
war. die Kriegsmünzen zu befeitigen. Das fächfifche Geld hatte das
Edikt vom 18. Mai 1763 um 33 bis 410/0 devalviert. als man
Kurant nach 198/4-Talerfuß fchuf. Da jeßt aber der 14-Talerfnß
wieder eingeführt wurde. mußte fowohl die Taxe des fächfifchen
Geldes niedriger werden. als auc h das nach 193/4-Talerfuß geprägte
preußifche eine Herabfeßnng erfahren.
Die Taxe der neuen Auguftdor erfuhr keine Veränderung. fie
verloren nac h wie vor 662/30/0. weil Wertmeffer der gute Fried-
richsdor blieb. aber neu war jetzt die Herabfeßung der Mittelfried-
richs- und Mittelauguftdor. deren 29 Stück foviel wie 20 alte Fried-
richsdor galten. fo daß deren Befißer 31.0340/0 einbüßten.
Von den andern Kriegsmünzen befchäftigte man fic h zunächft
mit der Hauptmaffe. den fächfifchen Dritteln. 2- und 1-Grofchen-
ftücken. wozu noc h 6- und 3-Kreuzer kamen. die wohl befonders in
Breslau gefchlagen worden waren. Kröncke hatte zuerft die fächfi-
fchen Halbgrofchen und das bernburgifche Geld dazu nehmen wollen;
da die erfteren aber durc h die prenßifchen Sechfer vollkommen er-
feßt wurden und in Schlefien fchon ganz verrufen waren. fo
hatte niemand etwas dagegen. daß fie nur zum Schmelzwert den
Münzftätten abzuliefern feien. Die andern Münzen mit fächfifchen
Gepräge durften in reduziertem Wert auc h den Staatskaffen bezahlt
werden; und zwar galten (Tab. nä 11ii. 14.) 100 Rtlr. in fächfi-
fchen Dritteln 371/2 Rtlr.. fo daß der Befißer 621/20/0 einbüßte;
in 2- und 1-Grofchenftücken. fowie 6- und 3-Kreuzern nur 262/3 Rtlr..
fo daß man bei ihnen 73730/.. Verluft hatte.
Was das Kriegsgeld preußifchen Gepräges anging. wozu auc
h
die 1763 geprägten Sorten gehörten. fo feßte man (Tab. n(111it. 13.)
die nac h 198/4-Talerfuß gefchlagenen 8-. 4- und 2-Grofchen von
1758. 1759 und 1763 um 400/0 herab. fo daß 100 Rtlr. in ihnen
nur 60 galten; die nac h 18-Talerfuß geprägten Szoftake von 1763
erfuhren eine Devalvierung um 33730/... fo daß 100 Rtlr. in ihnen
662/3 Rtlr. galten. während 100 Rtlr. in den nac h 25-Talerfuß ge-
fchlagenen Grofchen und 3-Kreuzern von 1763 56 0/0 verloren. alfo
nur 44 Rtlr. 10 Gr. 8 Pf. wert waren. 4
184 Drittes Buch. Zweites Kapitel.
Ju feinen erften Entwürfen hatte Kröncke geringere Herab-
feßungen vorgenommenxt) Schlabrendorff war nun ziemlic h unge-
halten. als er von den weiteren Devalvierungen erfuhr. Er fürchtete.
daß man mit diefen niedrigen Tarifierungen die fchlechten Münzen
den Nachbarn zutreiben würde. die fie höher gelten ließen und dann
nicht genug Zahlmittel haben würde. Ju Sachfen gebe man für
ein fächfifches Drittelftück 3 Grofchen nach 131/3-. hier ebenfoviel
nac h 14-Talerfuß. wobei man in Sachfen nicht beftreite. daß mehr
Silber als für 3 Grofchen darin ftecke)) Und wenn ein preußifches
Drittelftück nur 4 Gr. 10 Pf. gelte. fo könne man wegen Mangels
an einzelnen Pfennigen im Verkehr damit nicht auseinander kommen.
Wäre man bei der Geltung von 5 Grofchen geblieben. fo würde
das ganz gut gegangen fein.3) Jene Änderung der Tarife war
aber aus folgenden Gründen notwendig geworden.
Die Entwürfe der Tabellen hatten zuerft geändert werden
müffen. weil die einlaufenden Stücke fo verfchieden fchwer waren.
daß an vielen Beuteln 2 bis 3 Mark und mehr fehlten. Rechnete
man. daß 500 Rtlr. preußifcher Drittel nac h Münzfuß und Benefizien
im Schrot 49 Mark 10 Lot 2 Ouentchen wiegen follten)) wegen der
Auswippungen aber nur 48 Mark 14 Lot 2 O-uentchen wogen. daß
fie wegen der Benefizien im Korn nicht achtlötig. fondern nur 7 Lot
15 bis 151/z Grän fein. alfo nicht nac h 198/4-. fondern 205/z-Taler-
fuß ausgebracht waren. fo ftanden ihrer 1662/3 Tlr. mit 100 Tlr.
neuen Geldes im richtigen Verhältnis.
1) So ï¬ndet man da bei den fähfifchen 2-. 1-Grofchen. 6- und 3-Kreuzern
nicht 731/2. fondern nur 71.6 ('/9 Berluft. bei den preußifchen Dritteln nicht 40.
fondern nur 371/.. bei den Grofchen nicht 56. fondern nur 52 "/0 Berluft.
2) Kurfächfifches Mandat vom 14. März 1763. 006. sag. (lontin. 1772.
S. 1598-1603. - Man behandelte die Leipziger Drittel in Kurfachfen ganz
anders als in Preußen: man fuchte fie gar nicht feftzuhalten. fondern beftimmte.
fie müßten bis zum 1. Juni in die Münze oder über die Grenze gefchafft
werden. Am 28. Januar 1764 aber verrief man fie gänzlich (ebenda S. 1657).
womit man der preußifchen Münzverwaltung den größten Gefallen tat.
3) Nr. 85. - Der Schmelzwert eines preußifchen Drittelftücks war in
Kurfachfen auf 5 Gr. im 20-Fl.-Fuß. alfo auf 5 Gr. 3 Pf. im preußifchen
21-Fl.-Fuß gefeßt.
4) Jn den e.rften Entwürfen waren die Zahlen der Tabellen 0 und 1) fiir
das Gewicht der preußifchen Drittel von 1758. 1759 und 1763 49 Mark 10 Lot.
Das Edikt vom 29. März 1764. 185
Die zweite Änderung war durc h die hohen Silberpreife nötig
geworden. Kröncke hatte fic h über die Amfterdamer Silberpreife
eingehend unterrichtet und gefunden. daß die feine Mark mit neuem
Kurant bezahlt 13 Rtlr. 9 Gr. 91/2 Pf. bis 14 Rtlr. 3 Gr. 8 Pf.
koftete. Da nun der König „ein fehr beträchtliches Quantum an
Schlagfchaß bei der neuen Ausmünzung lukrieren“ wollte. fo waren
diefe Preife nicht annehmbar. Demnac h blieb nichts weiter übrig.
als das Kriegsgeld zu fcheiden und die Scheidungskoften von der
Taxe für die Kriegsmünzen abzuziehen. Ephraim und Jßig hatten
aber die Raffinierungskoften von 1/3 auf einen ganzen Taler für die
feine Mark erhöht. daher denn der Preis für diefe in den redu-
zierten fchlechtereu Sorten von 121/2 auf 12 Rtlr.. in den befferen
von 13 auf 121/2 Rtlr. erniedrigt werden mußte.
Auc h der König war zuerft ungehalten: man könne die Tabellen
nicht alle Tage ändern. hat fic h dann aber doc h dazu bewegen
laffen.1) Dem Minifter v. Schlabrendorff fchrieb der General-
direktor. er habe im Auguft 1763 noc h größerem Schaden des
Publikums beim König vorgebeugt. mehr aber beim beften Willen
nicht tun können. Übrigens nähmen die fächfifcheu Münzftätten die
Ephraimiten wegen des Verluftes durc h die vielen zu leichten Stücke
feit einigen Monaten auc h nur nac h dem Gewicht?)
Der Wunfc h Schlabrendorffs. daß alles wieder auf die erften
Reduktionen gefeßt würde. ging nicht in Erfüllung. wenn auc h jeder-
mann zugab. daß der Verluft der Bevölkerung dadurc h ein beträcht-
licher fein würde. Einige unwefentliche Änderungen jedoch. wie die
Hinzufügung der Tabelle des fchlefifchen Gewichtes und die aus-
drückliche Bemerkung. daß die Kaffen die reduzierten Sorten auc
h
wieder ausgeben durften (Ö 8). wurden auf Antrag des fchlefifchen
Minifters angenommen.3) .
Jene Preisherabfeßung des Silbers in den reduzierten Sorten
konnte aber doc h nicht von Dauer fein. Man vermochte zwar zu-
nächft. wenn auc h nicht ganz. durc h ftrenge Strafen die Ausfuhr des
im Lande befindlichen Silbers und der eigenen reduzierten Münzen
1) Nr. 76. - Jm.-Ber. Krönckes vom 31. Januar 1764. 11.3111. 2.
K.-O. an Kröucke. Potsdam. 1. Februar 1764. kt. Zlll. 1.
ii) Nr. 86.
3) 27. März 1764 auf Monita vom 2. März 1764. Tit. L71. 19.
186 Drittes Buch. Zweites Kapitel.
zu verhindern und daher für diefes Material verhältnismäßig ge-
ringe Preife zu zahlen. Aber fchon Anfang 1765 mußte man diefe.
um die Münzen feftzuhalten. fteigern. und diefe Preiserhöhung ging
mit ihrem Seltenerwerden unaufhaltfam weiter: fo ftieg die feine
Mark in 6-lötigen Sorten 1763 bis 1767 von 121/I auf 131/2 Rtltcl)
Wenn man aber fremdes Silber und fremde feinere Münzen
erhalten wollte - man konnte diefes Material zur Herftellung des
befferen Münzfußes fchwer entbehren - fo mußte man fich natür-
lich nach den Marktpreifen richten. Diefe waren anfangs auch zu
gering angefeßt und wurden erhöht. die der Goldmünzen 1763 bis
1770 von 1911/2 auf 193l/2 Rtlr.. der Silbermünzen von 181/4
a'uf 132/3 Rtlr.. während der Piafterpreis 132/3 war und blieb.
1770 machte man einen Unterfchied zwifchen in- und ausländifchen
Goldbarren. für jene gab man nur 1921/2 Rtlr. Da 1770 die
große Maffe der Kriegsmünzen eingefchmolzen war. findet man feit-
dem keine derartigen Tarife mehr; es wurden die Edelmetallpreife
einzige und beftändige: für Gold 1932/3 Rtlr.. für Silber 13 Rtlr.
20 Gr. (14:1).
Wie man endlich aus unfern Tabellen fieht. waren die Preife
für geringhaltige Sorten immer niedriger als für feinere. denn es
koftete mehr. das Kupfer aus jenen zu fcheiden als aus diefen.
Seit 1765 wurden die Affinierungskoften genau beftimmt. betrugen
fie weniger. fo konnten den Lieferanten höhere Preife gezahlt
werden?)
1) S. Tabelle 711l und lx.
2) Über die Affinierung wird im leßten Bande gehandelt werden.
Drittes Kapitel'.
Carifierungen. Steuergeld. Bezahlung von Obligationen.
Auc h in den Verhandlungen. die fic h über einige vom Edikt
nicht erledigte Fragen entfpannen. fpielte Schlabrendorff eine fehr
bedeutende. wenn nicht nächft dem Könige die bedeutend-fte Rolle;
vor allem in der über das Wertverhältnis zwifchen den Gold- und
Silbermünzen. 1)
Wenn fpäter fo oft von einem Taler Gold gefprochen wurde.
fo fand diefer Ausdruck feine Entftehung eben im Jahre 1764.
König Friedric h lebte des Glaubens. daß ein feftes Wertverhältnis .
zwifchen Gold- und Silbergeld vom Staate durchgeführt werden
könnte. und war fic h des großen Jrrtums. den Grauman mit feiner
zu niedrigen Tarifierung des Goldes begangen hatte. nicht bewußt.
Es koftete daher ziemlic h viel Mühe. ihn jeßt zu überreden. von dem
unrichtigen Wertverhältnis abzugehen. Daß es gelang. ift die andere
große Errungenfchaft des Jahres 1764 auf münzpolitifchem Gebiete.
Das Edikt übertrug die polizeiliche Aufficht über die Beob-
achtung feiner Beftimmungen befonders dem Generalfiskal (Ö 12).
Diefer. Geheimrat (171ni8188. kam nun durc h den Paragraph 11 in
1) Wenn K. Helfferich in feinem Auffaß: Die gefchichtliche Entwickelung
der Miinzfhfteme (Jahrb. f. Nat.-Ok. u. Stat.. Bd. 64. Jena 1895. S. 819) über
das Edikt von 1764 fagt. die in s 11 erwähnte Proportion zwifchen Gold und
Silber fei nur gedankenlofe Reminiszenz an die bisherige Praxis in Münzfachen
gewefen. vielleicht auc h halbklarer. nicht fertig gedachter Verfnch. auc h zwifchen
Gold- und Silbermünzen ein feftes Wertverhältnis zu fchaffen. fo hat er damit
niht Unrecht. Wenn er aber fortfährt. das Zirkular vom 9. Mai 1764 rede nur
vom Agiotieren mit Silbermünzen unter fich. vom Agiotieren zwifchen Gold und
Silber finde fic h kein Wort mehr. fo werden wir nun fehen. daß an die Fixierung
des Wertverhältniffes mit Ernft gedacht wurde und fic h fehr viele Worte über
diefe Frage ï¬nden. freilich.nicht in den paar Druckftücken. die Helfferich ein-
gefehen hat.
188 Drittes Buch. Drittes Kapitel.
arge Verlegenheit. - Derfelbe verbot zwar nicht ganz direkt das Ab-
gehen von der ftaatlichen Proportion zwifchen Gold und Silber.
fagte aber doch. daß „die Proportion genau beobachtet fei1) und
der Wucher beim Agiotieren“ auch deshalb ftreng beftraft werden
müffe. Aber die damals auf dem Weltmarkte geltende Proportion
war ebenfo wenig beobachtet worden wie bei Erlaffung des erften
Graumanfchen Münzgefeßes von 1750. Da nach wie vor aus der
feinen Mark Silber 14 Taler. der feinen Goldmark 35 Friedrichs-
dor. deren einer 5 Rtlr. galt. gemünzt wurden. fo war das dadurch
gegebene Wertverhältnis 1:13.793. Auf dem Weltmarkte war es
hingegen im Jahrzehnt 1741-1750 1 :14.93. 1751-1760 1 :14.56.
1761-1770 1:14.81.2)
Nehmen wir an. daß 1764 anf dem Weltmarkte eine Gold-
einheit mit 14.70 Silbereinheiten zu kaufen war. fo überftieg diefe
Bewertung des Goldes die preußifche um etwa 0.9 Einheiten oder
90/0. Wie war da zu helfen. wenn nicht wieder wie in den fünf-
ziger Jahren alles Gold verloren gehen follte?
Öfterreich hatte. wie wir früher erwähnten. 3) ein viel richtigeres
Wertverhältnis im Konventionsfuß ergriffen. nämlich bei Dukaten
1:1411/71. bei fremden Piftolen 1:14. Als man in Sachfen Ende
.1762 überlegte. welches zu wählen fei. bezeichneten die Geheimen
Räte zwar das Silber als alleinigen Wertmaßftab. nannten aber
doch das Gold für den Handel unentbehrlich. fo daß ein folches
Wertverhältnis anzunehmen fei. bei dem keins der beiden Metalle
mit Vorteil aufgekauft und ausgeführt werden könne. Das öfter-
reichifche Gold verhältnismäßig höher als das fächfifche Silber zu
tarifieren gehe nicht an. Wenn man nun ein Verhältnis 1:141/2
wähle. fo fei daraus keine Unbequemlichkeit zu fürchten. denn unter
1:14 oder über 1:15 gehe es nie. Höher aber als 1:141/2 wollte
man vorläufig die Goldmünzen nicht feßen. das läge in der Mitte
damaliger Fluktuationen.4)
1) Diefe Stelle kann wohl. wie Helfferich fagt. lediglich aus dem Edikt
von 1750 abgefchrieben fein.
Z) Soetbeer. Edelmetallproduktion.
lz) S. Bd. ll. S. 152.
4) Bericht der Geheimen Räte. Dresden. 10. Dezember 1762. A. D.
l1oe. 1334. 701. Z.
Tartfierungen. Steuergeld. Bezahlung von Obligationen. 189
Jn Preußen gelangte man nicht aus der Betrachtung folcher
Umftände zu einer richtigen Relation. fondern wurde von dem
Publikum dazu gedrängt. Freilich hatte Schlabrendorff ja fchou
bei Ausbruch des fiebenjährigen Krieges das Notwendige in diefer
Richtung wohl erkannt.1) Seit dem Erlaß des Ediktes von 1764
fragten faft täglich Kaufleute beim Generalfiskal an. ob ein Wechfel-
kurs zwifchen Friedrichsdor und neuem Silbergelde erlaubt fei. und
vom 10. Juli datierte eine gleiche Anfrage Schlabreudorffs.
[Munten-.8 fah den wahren Sachverhalt wohl ein. Trog des Para-
graphen 11 müffe man den Untertanen darin nicht die Hände
binden. er beftrafe lediglich den Wucher; es fei aber keiner. wenn
die Natur der Dinge ein Aufgeld der Friedrichsdor fordere. wie
man das an den Wechfelkurfen von Leipzig und Hamburg fehe.
Dazu käme. daß das Aufgeld nur auf Friedrichsdor. keines-
wegs aber auf fremde Goldmünzen verboten fei; im Gegenteil fage
Paragraph 4 des Ediktes. daß fremde Dukaten und Piftolen freien
Kurs im Lande hätten. Wolle jemand alfo Goldgeld haben. fo
dürfe er jene fremden .Goldmünzen mit preußifchem Silbergelde
kaufen. was mit einem Wechfelzufchlag von 6"/0 möglich fei. nicht
aber Friedrichsdor. denn ein Aufgeld auf fie fei eben verboten. Um
diefe zu erhalten. müffe man erft fremdes Gold kaufen. dann diefes
mit 11720/0 Provifion in Friedrichsdor umwechfeln; fo komme der
Friedrichsdor auf 5 Rtlr. 8 Gr. zu ftehen. Da er aber im Lande
nur zu 5 Rtlr. anzubringen fei. würde jedermann ihn nur für den
Handel im Auslande benußen. alle alfo notwendig das Land ver-
laffen müffen?)
Diefer klaren Auseinanderfeßung konnte der General-Münz-
direktor fich nur anfchließen. Kröncke hatte fchon im Januar be-
merkt. daß der Friedrichsdor im Verkehr 50/0 mehr gelten könne
als bei den Kaffen; und da die Proportion in Europa 1:14 bis 15.
in Preußen aber 1:13.793 fei. fo würden die Ausländer alles Gold
an fich ziehen. wenn dem Friedrichsdor nicht ein Aufgeld zugeftanden
würde. Dazu werde das Gold im Kriege wegen des leichteren
Transportes .viel höher als das Silber gefchäßt. wie denn nach
1) S. S. 102. 103.
2) Nr. 91. Tit. L71. 20. Daher auch das Folgende.
190 Drittes Buch. Drittes Kapitel.
Hamburger Kurszetteln 1759 der Friedrichsdor 1517.6. der Dukat
123/40/0 Aufgeld gegen Silbergeld genoffen hätten.
Demgemäß wurde im Staatsminifterium befchloffen. den
Geueralfiskal dahin zu befcheiden. daß ein Agio zu geftatten fei.
aber kein höheres als 50/0. was auc h in die Kurszettel gerückt
werden follte. Jn diefen könnte auc h das Agio der fremden in den
Tabellen (4. 13) des Ediktes nicht bemerkten Goldforten nac h ihrem
Kurs notiert werden))
Nun aber galt es noch. die Znftimmung des Königs zu ge-
winnen. Als Friedric h zuerft von diefen Dingen hörte. fuhr er auf:
das Agiotieren zwifchen Gold und Silber beginne wieder. es fei
ftreng zu beftrafen?) Sofort aber liefen Jmmediatberichte des
General-Direktoriums und (1'14ni9re8 ein. die dem König die Sac-
h-
lage auseinanderzufeßen fic h bemühten)) Befonders wurde darin
gezeigt. wie der Untertan andernfalls zu leiden habe. da ihm niemand
Gold für Silber al peu-i gebe. er alfo fremdes Gold mit 6"/0 Ver- .
luft kaufen und diefes dann mit 11/20/0 Provifion in Friedrichsdor
umfeßen müffe. Vor dem Kriege fei auc h immer ein billiges Agio
erlaubt gewefen. Schlabreudorff und Kröncke feien derfelben
Meinung. daher hätten fie einen Wechfelkurs von 2 bis 50/0 zu-
gelaffen.
Die Angabe. daß vor dem Kriege ein Aufgeld der Friedrichs-
dor geftattet gewefen fei. beftritt aber der König; da jeßt derfelbe
Münzfuß befolgt werde. dürfe es nicht anders fein)) Wir fehen
hier. welches Vertrauen Friedric h noc h immer zu den einftigen Maß-
regeln Graumans hatte. Da war es denn Schlabreudorff. dem es
gelang. dem König bei deffen Anwefenheit in Schlefien die Zu-
ftimmung abzugewinnen. Nachdem er endlic h einen günftigen Mo-
ment gefunden hatte. „diefe Corde anzufchlagen“. feßte er Friedric
h
auseinander. daß das Gold fchon wegen des leichteren Transportes
vor dem Kriege 3. 4. 50/0 Agio genoffen hätte. je nach dem aus-
1) Nr. 95.
2) K.-O. an das General-Direktorium. Potsdam. 12. Auguft; demgemäß
Refkripte an die Kammern vom 19. Auguft 1764. .
iz) Nr. 98 und Jm.-Ber. des General-Direktorinms vom 14. Auguft 1764.
Tit. 1171. 20 und Lt. 96. 409 1*'.
4) K.-O. an (Manier-ee. Potsdam. 14. Auguft 1764.
Tarifierungen. Steuergeld. Bezahlung von Obligationen. 19].
wärtigen Kurfe. Der König antwortete darauf einfach. dann werde
man wohl ein billiges Agio zugeben müffen)) Vom 11. Septem-
ber 1764 datiert aus Breslau folgende wichtige Kabinettsorder an
das General-Direktorium:
„Anc h befehlen Seine Königliche Majeftät hiernächft dem
General 2c. Directorio zu veranlaffen und darauf zu halten. daß
ztvifchen denen verfchiedenen guten preußifchen Silberforten kein
Agio ftattfinde; dagegen aber es zwifchen Gold- und Silbergelde
bei dem Saß des durch das General-Direktorium in Vorfchlag ge-
brachten Agio fein Verbleiben hat.“
Es war alfo feitdem erlaubt. im Verkehr den Friedrichsdor
bis zu 50/0 oder 6 Grofchen höher als 5 Rtlr. gelten zu laffen))
Wenn man fic h feitdem eine Zahlung in Taler Gold ausbedang. fo
mußte diefe entweder mit Friedrichsdor geleiftet werden. oder mit
Silberkurant zufchläglic h 50/0 der Summe. Wir werden aber fehen.
daß diefes Aufgeld mit der Zeit nicht mehr genügte. bis 1780 ftieg
es auf 8 Grofchen für den Friedrichsdor oder 6.8 ci/z)) Die Staats-
kaffen nahmen für gewiffe Leiftnngen nur Friedrichsdor. auc h mußte
1/4 aller Steuern mit folchen gezahlt werden. Gefchah das mit
Silber. was erft feit 1780 erlaubt wurde. fo war ebenfo wie im
Verkehr Aufgeld zu zahlen. Anc h einen Teil der Gehälter gab man
fpäter in Gold)) -
Ob übrigens die Staatskaffen zuerft den Friedrichsdor mit
4 Grofchen Aufgeld annahmen. wie Kröncke geraten hatte. ift nn-
gewiß. jedenfalls mußte fchon 1765 das Goldviertel der Steuern
uuvertretbar mit Friedrichsdor zu 5 Rtlr. entrichtet werden))
Jndeffen mehrten fic h die Schwierigkeiten durc h die fremden
Goldmünzen. Am 22. Auguft 1764 klagte Kröncke. daß leihte Dukaten
und um 2 und mehr As zu leichte Louisdor eingebracht würden
und auf der Berliner „fogenannten“ Börfe niemand in Silbergeld
handeln wolle. Um dem abzuhelfen. gedachte der General-Direktor
die Kurszettel zu benußen. auf denen die bis dahin überhaupt
1) Nr. 99.
2) Jn Cleve verfügt. 29. September 1764. Scotti 1843.
3) A. B. 1iil. ki-. 17. 33a. 1)..
4) S. auc h J. G. Hoffmann. Drei Auffäße. S. 32.
5) A. B. k'. s. 17. 83 1L.
192 i Drittes Buch. Drittes Kapitel.
nicht genannten Friedrichsdor um 1/2 bis 1 "/0 höher als die fremden
Piftolen anzufeßen feien. Gegen folches Verfahren fprachen fic
h
aber der Geheime Finanzrat Rofe. die Hofmäkler und angefehene
Bankiers. wie Schüße. aus. Diefer legte dar.1) daß man zwar
einen Kurs dekretieren könne. fic h aber kein Menfc h daran kehre.
Fremde Goldmünzen vermöchten dem eigenen Gelde nicht zu fchaden.
Louisdor. die unter 2 As zu leicht feien. oder um 1/2 As zu leichte
Dukaten feien vom Handel ausgefchloffeu. Die Friedrichsdor feien
oft 1 As und mehr zu leicht und dennoc h kurfierten fie ungewogeu.
hätten als Kaffenmünze den Vorzug und ftändeu im Auslande mit
Louisdor n] paki. Louisdor. Karldor und Dukaten feien begehrter
als Friedrichsdor. weil fie zur Bedeckung der Wechfelbriefe und Dis-
pofition der Ausländer benußt und in andere Sorten umgetaufcht
werden könnten. wovon die Friedrichsdor gefeßlic h ausgefchloffen feien.
Das Aufgeld auf Friedrichsdor war damals ja noc h nicht geftattet.
- Eine Haupturfache dafür. daß das Silbergeld weniger begehrt
war. fah Schüße in feiner mangelhaften Jnftierung: um 10 und
mehr Prozent differierten die 4- und 2-Grofchenftücke im Gewicht
untereinander; langfamer und akkurater müßten die Münzftätten
arbeiten. Wir werden fehen. daß diefer Vorwurf richtig war.
Kröncke verteidigte nun feine Anficht in einem langen Gegen-
bericht?) Er griff dabei zurück auf die Graumanfchen Daten feit
1742; er erklärte. daß die Schildlouisdor mit 6“/3 Rtlr. viel zu
hoc h angefeßt feien und kaum 6 Rtlr. gelten dürften.3) die Dukaten
aber um 9"/0 zu hoch. Wenn Geheimrat Rofe fage. es feien nicht
genug Friedrichsdorvorhanden. fo fei das nicht feine Schuld. denn
der Preis für die feine Goldmark fei auf 191 Rtlr.. für fremdes
Gold auf 192 Rtlr. gefeßt. wobei kaum die Münzkoften beftritten
werden könnten. Wollte man die Goldpreife fo regulieren. daß
man gar keinen Schlagfchaß erübrige. und in einigen Monaten
1) Gutachten Schühes. Berlin. 3. September 1764. dem fic h Nofe anfchloß.
Tit. 1171. 20.
2) Berlin. 5. Oktober 1764. Nr. 100.
3) Nac h andern Valvationen hätte Kröncke Recht. Ju Trier wurden die
Schildlouisdor als 10 Fl. 36 1er.. die Piftolen als 8 Fl. 45 rr. wert angegeben.
was ungefähr das Verhältnis 6:5 ergibt. Scotti. Trier. Nr. 650. Verordnung
Ehrenbreitftein. 16. Januar 1766.
Tarifierungen. Steuergeld. Bezahlung von Obligationen. 193
3 Millionen Rtlr. in Friedrichsdor prägen. fo würde 3 Monate
fpäter keine 1/3 Million mehr davon umlaufen. weil die fremden
Goldmünzen zu hoch tarifiert und das Wertverhältnis in Preußen
ein dem Golde zu ungünftiges fei. Daher bäte er. den Friedrichs-
dor bei den Kaffen auf 5 Rtlr. 4 Gr.. im Verkehr auf 5 Rtlr.
6 Gr. zu feßen. wodurch man ein Wertverhältnis 1:14.252 und
14.482 erhalte.
Wir hörten. daß diefem Wunfche bezüglich des Verkehrskurfes ent-
fprochen wurde (S. 191). Ferner wünfchte Kröncke die Wiederholung
des Louisdoredikts 1) und daß für gewiffe Zahlungen nur Silbergeld
erlaubt würde. das hierdurch begehrter werden würde. Er fchließt
damit. daß es ihm gar nicht eingefallen fei. den Kurs „par 0räre“
beftimmen zu wollen; 1752-1756 habe er in Hamburg durch-
fchnittlich auf 440/0 geftanden; da er jeßt nm 20/0 beffer fei. fo
wäre fein Saß von 401/2 bis 410/0 richtig. Da ferner der Wechfel
auf Paris 80 bis 801/2 0/0 geftanden habe. fei von ihm 78 gefeßt.k)
Alfo troß feiner gegenteiligen Behauptung wollte doch Kröncke
den Kurs beftimmen. was natürlich eine ganz vergebliche Mühe war.
Man ging darauf an maßgebender Stelle auch nicht weiter ein.
ebenfowenig auf den Vorfchlag. die Zahlkraft der Goldmünzen zu
befchränken. Darin aber gab Fürft dem Generaldirektor recht. daß.
wenn die Louisdor fchlechter als die Friedrichsdor feien. der König
bei deren Annahme Schaden habe und die Friedrichsdor vertrieben
würden. Auch um den Mangel an Friedrichsdor zu befeitigen. könne
man das Louisdoredikt renovieren. Wenn die Louis- und Karldor
dann von den Kaffen nur zu 4 Rtlr. 22 Gr. angenommen würden.
fo könne man fie ohne Schaden ummünzen. und werde das Publi-
kum fie nicht ebenfo hoch wie Friedrichsdor fchäßen. Leichte feien
nur der Münze abzuliefern. die für jedes fehlende As 1 Grofchen
vom Preife abzöge.3)
Diefer Meinung fchloffen fich das General-Direktorium und
Juftizdepartement an. auch der' König billigte fie. indem er noch
wünfchte. daß die Domänenpächter wie vor dem Kriege einen Teil
1) S. Bd. ll. S. 171 ff.
2) S. die Wechfelkurstabelle 711.
3) Gutachten Fiirfts. Berlin. 27. Oktober 1764. Nr. 105.
sefa Zornuniea. Münzwefen lll.
194 Drittes Buch. Drittes Kapitel.
ihrer-Pacht in Friedrichsdor abführen müßten.1) die aber wieder
auszugeben feien; fo follten fie in Umlauf kommen und die Wechfelei
mit ihnen verhindert werden?) Ju diefer Angelegenheit war man
alfo ganz zu den Graumanfchen Maßnahmen zurückgekehrt. Auf
Krönckes Antrag wurde noc h verfügt. daß die umlaufenden fremden
Piftolen nicht wieder verausgabt. fondern den Generalkaffen zuge-
führt würden. die fie dann der Münze abliefertenk)
Gegen diefe Verordnungen erhob Schlabrendorff Einfpruch:
das Publikum könne die Karl- und Louisdor nicht eutbehren. wenn
man nicht mehr Friedrichsdor münze; und erhielten die Kaufleute
nicht gleiches Agio wie auf Friedrichsdor. fo fchafften fie jene zum
Lande hinaus dahin. wo fie ebenfo bewertet würden wie preußifche
Piftolen. Der Kurs folle doc h nac h dem Edikt frei fein (Ö 4).*)
Darin hatte der Minifter wohl recht. daß die fremden Gold-
ftücke nicht ganz entbehrt werden konnten und die Piftolen in
fremden Staaten gleichmäßig bewertet wurden. Jn Kurfachfen feßte
man den Kaffenkurs der Louisdor und Karldor auf 4 Rtlr. 20.
ihren Verkehrskurs auf 5 Rtlr. feft. d. h. gegen Konventions-
geld.5) was alfo im preußifchen 14-Talerfuß 5 Rtlr. 1 Gr. 9 Pf.
und 5 Rtlr. 6 Gr. ausmachte. Jndeffen prägte man dort keine
Piftolen. hatte alfo die eigenen nicht zu fchüßen.
Da die Louis- und Karldor in Preußen von den Staatskaffen
weiter nur zu 4 Rtlr. 2.2 Gr.. die Friedrichsdor zu 5 Rtlr. ge-
nommen wurden. hatte diefes Verhältnis auf den Verkehrskurs in-
foweit Einfluß. daß diefer fic h um 1780 auf 5 Rtlr. 6 Gr. für
jene. auf 5 Rtlr. 8 Gr. für die Friedrichsdor ftellte.6)
1) Jmmediatantrag des General-Direktoriums vom 29.0ktober. K.-O. an
dasfelbe. Potsdam. 30. Oktober 1764.
cl) Jn Cleve verfügt am 9. November 1764. Scotti 1845. Dort wurde
zugleic h das holländifche Pfenniggewicht. wonach 363/4 Friedrichsdor eine Mark
wagen. verboten. Cleve. 20. November 1764. Scotti 1847.
3) Refkript an die Kammern und Kaffen vom 20. November 1764.
Tit. 1(71. 21. .
4) Vorftellung Schlabrendorffs. Breslau. 10. _November 1764. Ebenda.
5) Mandat vom 14. März 1763. Tabelle 13. Eo6ex nugueteue 00ntiu-
nativ. 1772. S. 1598-1603.
6) Bericht der Glogauer Kammer vom 29. Dezember 17 80. A. B. lttl.
3. 17. 33n. 701. ll.
Tarifierungen. Steuergeld. Bezahlung von Obligationen.- 195
Auch in Sachfen machte man fehr bald die Erfahrung. daß der
Verkehrskurs der Goldmünzen troß der Verbote dagegen ftieg. fchon
1765 galt der Louisdor im Gebirge 5 Rtlr. 4 Gr. (preußifch: 5 Rtlr.
10 Gr. 2 Pf.).1) Und 1772 entfchloß fich denn auch Kurfachfen.
weil man die fremden Piftolen nicht anders fern halten konnte. felbft
folche zu prägen?) -
Eine fehr wichtige Rolle in der preußifchen Steuerzahlung
fpielte hinfort immer eine Verordnung. die der König zugleich mit
dem neuen Münzfuße erlaffen hatte: es follte kein Kursunterfchied
zwifchen fchweren und Scheidemünzen ftattfiuden. und von Trinitatis
1764 an follten die Einnahmen und Ausgaben der Staatskaffen
zum vierten Teile in Friedrichsdor. zur Hälfte in Silber. zum
vierten Teile in Scheidemünzen und Dukaten gefchehen.3)
Wieder war es der umfichtige Schlabrendorff. der dagegen
feine Bedenken hatte. Zunächft: woher follte das dazu nötige
Silberkurant kommen? Jn Breslau feien nur Zwölftel gefchlagen;
und auch das für Schlefien beliebte Scheidemünzquantum von
40000 Rtlr. fei für das Viertel lange nicht genug. Ein Viertel
aller Abgaben in Scheidemünze zu zahlen feße von diefer auch zu
viel voraus. Und was gehöre denn von reduzierten Sorten unter
das fteuermäßige Geld24) - -
Ju dem Hauptpunkte konnte der Generaldirektor Schlabren-
dorff beruhigen: für Schleï¬en feien nämlich über 242000 Rtlr. in
Scheidemünze zu prägen beftimmt.5) was nahezu 1/7 des Kurants ans-
mache. Von reduzierten Sorten gehörten zum Scheidegelde preußifche
Grofchen und 3-Kreuzer von 1763. fächfifche 6- und Z-Kreuzer.
2- und 1-Grofchen. Er felbft habe übrigens nie beantragt. daß
der vierte Teil der Steuern mit Scheidemünze zu bezahlen fei.
Schlabrendorffs Bedenken hatten guten Grund: in der Tat
hielt es fchwer. die Hälfte der Einkünfte in Silberkurant einzuzieheu.
was die Regierung doch fo notwendig brauchte. denn da die eifernen
1) 006. Zug. Sontin. ll. S. 1154. 1175. Dresden. 17. Februar 1766
und 24. April 1765. -
2) Kloßfkh. S. 952. 953.
3) K.-O. an das General-Direktorium und Schlabrendorff. Potsdam.
3. März 1764. A. B. rt. n. 17. 38.
*) Nr. 85.
5) Nr. 86.
13*
196 Drittes Buch. Drittes Kapitel.
Beftände der Kaffen meift in preußifchen Grofchen. fächfifchen 2- und
1-Grofchen beftanden. konnte Kröncke aus diefen ohne Silberzufaß
nicht einmal Dreier prägen laffen; er erwirkte deshalb einen Befehl.
daß die Hälfte der Steuern mit preußifchen 8-. 4- und 2-Grofchen-
ftücken von 1758. 1759. 1763 und mit fächfifchen Dritteln in redu-
ziertem Wert bezahlt würden. die fächfifchen Doppelgrofchen und
Grofchen aber unter das Scheidemünzviertel gehörten.1)
Aber auch da noch fcheint es fchwierig gewefen zu fein. diefe
Zahlungsart durchzuführen. Am 2.. 4. und 15. Juni ftellte die kur-
märkifche Kammer vor. daß Refte unvermeidlich feien. wenn 1/4 der
Abgaben in Gold. 2/4 in Silberkurant gezahlt werden follten; bei
den Zöllen und Akzifen kämen viele 4-. 2-. 1-Grofchenftücke. Sechfer
mid Dreier ein; daher wäre man in großer Verlegenheit. wenn
die Regimenter 1/4 ihrer Löhnung in Gold. '4/4 in Silberkurant be-
anfpruchten. Man beruhigte die Behörde damit. daß es dabei fo
genau nicht zu nehmen fei. und man die Regelung dem Pflicht-
gefühl der Rendanten überlaffen müffe?) Endlich erinnerte ein
Avertiffement vom 23. Juli daran. daß zu den 2/4 in Silberkurant
auch die Graumanfchen Taler. halben und viertel Taler neben den
reduzierten Sorten gehörten. Der Rendant oder Kaffierer. der bei
ihr-er Annahme Schwierigkeiten mache. fei zu kaffieren.
Darauf fcheint es gegangen zu fein. es waren auch gewiß
genug reduzierte Sorten vorhanden. Es ift begreiflich. daß die
Knffen diefe nicht gern nahmen. denn fie wußten. daß die redu-
zierten Sorten in nicht gar zu ferner Zeit verrufen werden würden.
weshalb fie keinen Vorrat davon anfammeln wollten. Eine Zurück-
weifung durfte aber natürlich nicht zugegeben werden. Man ließ
. außerdem mit ftrengfter Strafe drohen. wenn das reduzierte Geld
nicht im feftgefeßten und die Sechfer nicht im Nennwert genommen
würden. da diefe Münzen der Armee und den Beamten ausgezahlt
würden.3) Endlich wurde auf Antrag des Generalfiskals dem
1) Verordnung an die Kammern. Berlin. 29. Mai 1764. Tit. 11711. 19.
2) Anfrage vom 15. Juni 1764; Refkript vom 5. Juli 1764. Tit. Li71.
20. Daher auch das Folgende.
3) Ber. Krönckes vom 7. Juni. Verordnung an die Kammern vom
13. Juni. an den Berliner Polizeidirektor Kircheifen vom 21. Juni 1764.
Tariï¬erungen. Steuergeld. Bezahlung von Obligationen. 197
General-Poftmeifter-Graf Reuß vorgeftellt. daß auc h die Poft bei
Annahme der reduzierten Gelder nicht fchwierig fein dürfe))
Die Scheidemünzen. in denen 1/4 der Abgaben bezahlt werden
durften. verurfachten noc h befondere Schwierigkeiten. Aus Pommern
kam der Antrag. daß die demonetifierten preußifchen Grofchen im
Verkehr weiter. und zwar 6 Pf. gelten möchten ; das hielt Kröncke
aber für fehr nachteilig. denn fo würden fie alle nach Pommern
ftrömen. weil die Münze fie nur zu 5 Pf. nehme. Es könnten
doc h alle kleineren Beträge mit den fächfifchen Münzen und den
andern kleinen preußifchen bezahlt werden))
Von diefen kleinen in vollem Nennwert umlaufenden MünzenZ)
fielen aber die alten roten Sechfer bedeutend im Kurfe. denn fie
waren nac h einem fehr geringen Fuße gemünzt und. zum großen
Teil über ein halbes Jahrhundert im Umlauf. hatten fie viel an
Gewicht eingebüßt. Da fie fic h alfo zum Einfchmelzen nicht eigneten.
liefen fie von überall her in ihrer Heimat zufammen. Zunächft
war das General-Direktorium nicht für einen Vorfchlag der Halber-
ftädtifchen Kammer. nur Poften bis zu 2 Grofchen in ihnen be-
dingungslos annehmen zu laffen. da -fie früher felbft bei Umwechfe-
lung in Gold ohne Bedenken genommen feien))
Das leßtere Argument paßte aber gar nicht mehr. Früher.
als faft mehr Gold als Silbergeld umlief. nahm man die Sechfer
wegen Mangels an leßterem gern)) Jeßt aber war das Umgekehrte
der Fall. Die Sechfer fanken auc h darum weiter. weil nur ein Viertel
der Abgaben mit Scheidemünzen bezahlt werden durfte. Mitte Juni
galten fie im Verkehr nur noc h 4 Pfennig. Da die Grofchen nur
zu 5 Pfennig von den Münzftätten angenommen wurden. fo wechfelte
man fie wahrfcheinlic h mit Sechfern ein und führte jene aus. wo-
durch denn immer mehr Sechfer einftrömten. Daher bat die Halber-
1) Vorftellung (l'.411i91138 vom 13. Juni 1764.
2) Ber. Krönckes vom 22. Juni. demgemäß Verordnung an die Kammern
und Kaffen vom 28. Juni 1764.
3) S. S. 182.
4) Kammerber.. Halberftadt. 25. Juni und Refkript darauf. Berlin.
10. Juli 1764. Tit. 11711. 27.
5) S. Bd. 11. S. 14.
198 Drittes Buch. Drittes Kapitel.
ftädtifche Kammer. nicht zu viel Scheidemünzen fchlagen zu laffen
und den Verkehrswert der Sechfer feftzufeßen)) Daß zu viel neue
Scheidemünze gefchlagen würde. brauchte man freilic h fchon darum
nicht zu beforgen. weil die Münzftätten dazu gar keine Zeit hatten.
Kröncke meinte. die Klagen würden verftummen. wenn die Sechfer
fic h in einigen Monaten verftrent hätten. Abwürdigen dürfe man
fie keinesfalls. fonft würden die Nachbarn fie gar nicht mehr nehmen.
Die Halberftädtifche Kammer wurde abermals abgewiefen?)
Nun wurde das Zuftrömen aber auch dem König bedenklich.
da die Ummünzung der Sechfer nicht fofort erfolgen konnte und
man im Trefor von diefer fchlechten Münze nicht zu große Beftände
fic h anfammeln laffen durfte. Friedric h meinte. eigennüßige Kauf-
leute und Juden ließen fie von auswärts kommen und fchickten da-
für gutes neues Geld weg. was wohl nicht ganz unrichtig war.
Daher follten die alten Sechfer fogleic h verboten nnd nur die neuen
von 1764 erlaubt fein.3)
Damit war diefe Münzforte zwar demonetifiert. aber doc
h
nicht aus der Welt gefchafft. Wenn ihrem Zufluß aus der Fremde
zwar Halt geboten war. da wenigftens keine Staatskaffe fie mehr
annahm. fo befand fic h doc h die große Maffe davon in Preußen.
und es follte ihre Umprägung in neue Scheidemünzen noc h geraume
Zeit und Koften erfordern. wie wir das bald fehen werden.
Zu befprechen bleibt uns nun noc h der zehnte Paragraph des
Ediktes vom 29. Mai 1764. Kröncke hatte fic h als juriftifcher Laie
hierauf nicht eingelaffen; erft in der Sißung vom 16. Januar4)
wurde die Aufftellung desfelben dem Juftizdepartement unter Feft-
feßnng folgender Prinzipien zugew-iefen:
1) Kammerber.. Halberftadt. 17. Juli 1764. Tit. 11711. 27.
2) Gutachten Krönckes vom 3. Auguft 1764. Demgemäß Refkript an die
Halberftädtifche Kammer vom 7. Auguft 1764. Ebenda.
3) K.-O. an das General-Direktorium. Potsdam. 17. November 1764.
Tit. 11111. 1. Ju Cleve wurden zugleic h die bis 1755 geprägten 4-Pfennigftücke
für ungültig erklärt. Cleve. 26. November 1764. Scotti 1848. - Einen Vor-
fchlag des Königs vom 24. November. die alten Sechfer zu kontermarkieren. da-
mit keine weiter eingeführt wiirden. hielt das General-Direktorium für untunlich.
da die Gegenftempel leicht nachgemacht werden könnten. A. B. lil. 11. 17. 33n. 11.
4) S. S. 179.
Tariï¬erungen. Steuergeld. Bezahlung von Obligationen. 199
1. Alle Kontrakte. die auf geringhaltigere als Granmanfche Sorten
lauten. find nac h dem Verhältnis ihres Gehaltes zu dem des
neuen Kurants umzufchreiben und zu bezahlen.
2. Die Kriegsmünzen werden nur in reduziertem Werte benußt.
wenn auc h der Kontrakt auf neues Geld (Kriegsgeld) laute.
denn die Obligationen werden in altes Geld umgefchrieben.
Darauf arbeiteten das Juftizdepartement und Kröucke den
Paragraph 10 für den neuen Entwurf vom 22. Februar aus. der
mit nur unwefentlichen Änderungen in das fertige Edikt überging.
Während fic h das Edikt von 1763 faft nur mit dem Kriegs-
gelde befchäftigte. weicht der Paragraph des neuen erftens dadurc
h
von ihm ab. daß er gemäß der Demonetifierung oder Reduzierung
vieler feit 1750 gefchlageneu preußifchen Münzen auc h die Be-
zahlung der in ihnen abgefchloffenen Kontrakte regeln mußte.
zweitens aber ein Leitfaden für die Zukunft fein follte. in der eben
nur das neue Kurant als Zahlmittel zu gelten hatte.
Alle Abzahlungen früherer Kapitalien und deren Zinfen. fie
mochten gezahlt fein. in welcher Sorte es fei. hatten vom 1. Juni
1764 ab einzig und allein mit neuem Gelde zu gefchehen. Dadurc
h
war am beften zu erzwingen. daß das alte Geld zum Einfchmelzen
eingeliefert. das neue aber begehrt wurde. Natürlic h durften alle
vom 1. Juni 1764 an abzufchließenden Kontrakte. Käufe. Mieten
ufw. nur auf neues Geld lauten. Selbft wenn mit einem Aus-
länder auf nicht ediktmäßige Sorten abgefchloffen war. fo follte die
eigentliche Zahlung doc h mit Landesgeld gefchehen. Auc h wenn
der Kontrakt vor dem 1. Juni 1764 abgefchloffen war. follte als Regel
gelten. daß die Zahlung in neuem Gelde gefchehe. und zwar im
Verhältnis feines Gehaltes zu dem der als Kapital früher empfangenen
Sorten oder in dem noc h erlaubten reduzierten Gelde. nac h dem
Wert. wie wir ihn vorhin kennen gelernt haben (S. 183).
_ Den Wert. den die Kriegsmünzen bei Abzahlung von Kapi-
talien und Zinfen haben follte. detaillierte eine Tabelle (12). Aus
derfelben erfieht man. daß diefer Wert nicht derfelbe war. den jene
Münzen im Verkehr genoffen. Ju der Tabelle li) ift das wirkliche
Wertverhältnis der Kriegsmünzen zu den neuen ausgedrückt. Die
Werte der Kriegsmünzen in den Tabellen .4 und 8 waren dagegen
die. welche die Münzftätten bei Einlieferung zählten und die auc
h
20() Drittes Buch. Drittes Kapitel.
im Verkehr galten. Sie waren etwas niedriger. zum Vorteile der
Münzftätten und weil man auch mit der ftattgehabten Auskippung
rechnen mußte.1) was bei Rückzahlung von Kapitalien in neuem
Gelde natürlich nicht in Betracht kam?) War z. B. ein Kapital in
Mittelfriedrichsdor aufgenommen worden. fo galten 100 Rtlr. bei
der Abzahlung mit neuen Friedrichsdor 70 Rtlr. 18 Gr.. während
die Münzftätten für 100 Rtlr. in Mittelfriedrichsdor nur 68 Rtlr.
23 Gr. 2 Pf. in neuen gaben.-9*)
Nur wenn eine Sorte befonders ausgemacht war. follte in
diefer. falls fie ediktmäßig erlaubt war. wenn nicht. in neuem Gelde
unter Berechnung des Agios gezahlt werden.
Sodann wurde noch Näheres über die verfchiedenen früheren
preußifchen Münzforten feftgefeßt:
1. Rührte die Schuld aus der Zeit vor 1750 her. fo war. mochte
fie umgefchrieben fein oder nicht.4) in neuem Kurant nach dem
Nennwert zu zahlen.
2. Riihrte die Schuld aus der Zeit des Graumanfchen Geldes.
d. h. vom l4. Juli 1750 bis zum l. März 1759 her. fo war
in neuem Kurant im Nennwert des Kapitals oder in redu-
zierten Sorten nach deren ediktmäßigem Werte zu zahlen. Die
Grofchen galten im Nennwert wie neue. in denen effektiv zu
zahlen war.
3. Rührte die Schuld aus der Zeit des Kriegsgeldes vom 1. März
1759 bis zum 21.April 1763 her. fo waren zunächft die
auf Graumanfches Geld lautenden Kontrakte. wie vorher be-
ftimmt. abzutragen.
War der Kontrakt auf Mittelfriedrichsdor oder Mittel-
anguftdor oder preußifch Kurant gefchloffen. fo fanden die Säße
1) S. S. 184.
2) Der Unterfchied zwifchen den Tabellen tt. 13 und 1K wird im Refkript
an die Clevifche Kammer vom 4. Juni 1764 erklärt. Tit. L71. 22.. '
3)100 Rtlr. in neuen Auguftdor bei Kapitalzahlung 35 Rtlr. 9 Gr..
Schmelzwert 3Z1/3 Rtlr.; ebenfo 8-. 4-. 2-Grofchen nach 193/4-Talerfuß 70 Rtlr.
22 Gr. und 60 Rtlr.; fächfifche Drittel 442/3 Rtlr. und 371/2 Rtlr.; fächfifche 2-
und 1-Grofchen (Bernburger 8- und 4-Grof>)en) 33 Rtlr. 13 Gr. und 267/3 Rtlr.;
preußifche Grofchen von 1759-1763 53 Rtlr. und 44 Rtlr. 10 Gr. 8 Pf.
4) S. Bd. ll. S. 174ff.
Tarifierungen. Steuergeld. Bezahlung von Obligationen. 201
der Tabelle 13 Anwendung. wie wir vorhin fahen)) Ebenfo
war preußifc h Kurant anzunehmen. wenn in Kontrakten aus
der Zeit vom 1. März 1759 bis 1. September 1760 keine be-
fondere Sorte ausbedungen war.
Stammte der Kontrakt aus der Zeit der fächfifchen Drittel
und Grofchen. 1760 bis 21. April 1763. und war keine befondere
Sorte ausbedungen. fo traten gleichfalls die Säge der Tabelle 13
in Geltung.1)
4. Rührte die Schuld aus der Zeit des wiedethergeftellten 193/4-
Talerfußes her. fo war wie für die Zeit vom 1. März 1759
bis 1. September 1760 beftimmt. zu verfahren.
Für die Provinz Preußen galten. da dort das Kriegsgeld
nicht eingedrungen war. nur die für Graumanfche Münzen be-
ftimmten Säße. wenn nicht auf eine andere Sorte ausdrücklic h kon-
trahiert war.?)
Die weiteren Punkte des Paragraphen 10 regeln die Zins-
zahlung und rein juriftifche Angelegenheiten. Zu erwähnen ift da-
von. daß. wenn die Parteien wegen des Agios fic h fchon vereinigt
hätten. oder über die Abzahlung fchon quittiert wäre. es dabei fein
Bewenden haben follte. War jedoc h die Nachzahlung eines Auf-
geldes vorbehalten. fo war diefes ebenfo wie die Zinfen nac h den
Säßen des Ediktes zu begleichen.
1) S. 200. Note 3.
ctl) Ein Spezialfall veranlaßte nur nähere Beftimmung über die Sechs-
gröfcher. Der Graf von Schlieben auf Sanditten in Oftpreußen hatte noc h vor
dem Abmarfc h der Ruffen 1762 zum Ankauf von Kriegsbedütfniffen 10000 Rtlr.
in „SechfernU vorgefchoffen und wünfchte die Summe nun in neuem Gelde zurück
zu erhalten. Die Königsberger Behörden legten dar. daß die „Sechfer“. die feit
Frühjahr 1763 in Preußen umzulaufen begonnen hätten. gegen die immer gleic-
h-
haltigen holländifchen Dukaten und Taler wie 80:100 ftänden. Demgemäß
fhlug das Juftizdepartement vor. daß eine Schuld von 100 Rtlr.. die in „Sechfern"
von 1763. aber auch älteren. nach dem 21.April1763 aufgenommen worden
fei. mit 80 Rtlr. in 1764er Kurant abgezahlt werden müffe. was denn auch ver-
ordnet wurde. Kammerber.. Königsberg. 7. Juni 1764. Refkript. Berlin..
18. Juni 1764. Antrag des Staatsminifteriums vom 16.Juli 1764. Tit. 1171.
20. Deklaration. 16. Juli 1764. Mhlius 11.0111. 451. - Ber. der Regierung
und Kammer. Königsberg. 27. Juni 1764. A. K. 996.
202 Drittes Buch. Drittes Kapitel.
Alle diefe Beftimmungen bewährten fich vollkommen - außer
in den weftlichen Landen. auf deren ganz abweichende Geldverhält-
niffe wir noch eingehen werden. _
Jn dem Lande. das von dem Kriegsgelde am ftärkften heim-
gefucht wurde. in Ku'rfachfen regelte das dortige Mandat über die
Verfchreibungen während der Münzzerrüttung 1) die Rückzahlung in
ähnlicher Weife wie es in Preußen gefchah. Der Hauptunterfchied
beftand aber darin. daß man nach den Leipziger Kurszetteln von
Halbjahr zu Halbjahr angab. wieviel die Kriegsforten zu jedem
Zeitpunkt gegen Konventionsgeld wert gewefen waren. War z. B.
ein Kontrakt im Sommer 1760-ohne Angabe einer Münzforte ge-
fchloffen worden. fo waren fächfifche Drittel anzunehmen und waren
für einen Nennwert von 100 Rtlr.: 66 Rtlr. 10 Gr. 8 Pf. in
Kouventionsgeld zurückzuzahlen; war auf eine beftimmte Sorte. z. B.
neue Auguftdor im Sommer 1762 kontrahiert. fo waren ftatt
100 Rtlr.: 41 Rtlr. 3 Gr. 7 Pf. zurückzuzahlen.
Diefes Verfahren war vielleicht einfacher als das preußifche.
doch konnte man fich in Preußen nicht wohl an die Leipziger Kurfe
halten und nicht öffentlich die allmähliche Münzverfchlechterung zu-
geftehen. abgefehen davon. daß dann eine verfchiedene Bewertung
einmal für Kapitalrückzahlung. das andere Mal für Lieferung in die
Münzftätten fchwer durchführbar gewefen wäre.
1) 18. Juni 1763. 006. 21113. Eontinunt1o 1772. S. 1623ff.
Viertes Kapitel.
Die Umprägung des Liriegsgeldes.
Am Ende des fiebenjährigen Krieges war ganz Deutfchland
mit dem geringen Gelde. das mit wenigen Ausnahmen alle münzen-
den Stände gefchlagen hatten. angefüllt. Diefe große Münz-
verfchlechterung drängt uns zu einem Vergleich mit der leßten all-
gemeinen deutfchen der Kipperzeit. der nicht fowohl die Ähnlichkeiten.
als vielmehr die Verfchiedenheiten. ich möchte faft fagen. den Fort-
fchritt der fpäteren ins Auge fallen läßt.
In der Kipperzeit ging die Münzverfchlechterung im fchnellften
Tempo vor fich. in Zeit von 1 bis 2 Jahren war man bei rein
kupfernen Grofchen und Pfennigen angelangt. und jeder Stand. die
kleinften Städte prägten darauf los. fo daß das Übel nach 2 Jahren
fo gewachfen war. daß die allgemeine Verzweifelung über enorme
Verlufte die Obrigkeiten gleichfam wie auf Kommando zur Umkehr
bewog: in ganz Deutfchland wurde 1623 der alte Reichsfuß wieder-
hergeftellt. ein Fuß. der. wie wir wiffen. doch nicht mehr aus-
führbar war.1)
Jin fiebenjährigen Kriege dagegen ging die Münzverfchlechte-
rung Schritt für Schritt. ja man kann fagen jedes Jahr einen
Schritt weiter. fie wurde ftaatlich geregelt. man war fich fehr wohl
der Verlufte bewußt. die dadurch dem Volke aufgebürdet wurden.
fie gefchah preußifcherfeits lediglich aus Finanzuot. Nach dem
Kriege. fogar fchon feit 1761 und 1762 finden wir. daß von allen
größeren Territorien auf das energifchfte. ernfthaftefte und ehrlichfte
ein guter und. ein großer Unterfchied von den -Maßregeln des
1) S. Bd. 1. S. 55 und G. Schmoller. Ãœber die -Ausbildung einer richtigen
Scheidemünzpolitik. Jahrb. f. Gefeßgeb.. Verw. u. Volkswirtfch. 24. 4. Leipzig
1900. S. 22.
204 Drittes Buch. Viertes Kapitel.
Jahres 1623. ein durchführbarer Münzfuß aufgeftellt und befolgt
wird. Es kann kaum genug betont werden. daß das Jahr 1764
nicht nur in der preußifchen . fondern auch in der deutfchen Münz-
gefchichte ein äußerft wichtiges dadurch ift. daß feitdem die bewußte
und gewollte Münzverfchlechterung bei den größeren Territorien
nur noch ausnahmsweife auftauchte.
Es ift wahr' das Scheidemünzelend herrfchte in dem politifch
zerriffenen und machtlofen Süden und Weften noch faft 100 Jahre.
Das lag aber weniger an dem fchlechten Willen der Regierungen
als an ihrer wirtfchaftlichen Ohnmachß an der Unmöglichkeit. große
Münzen dauernd in genügenden Quantitäten herzuftellen. Der
Münzpolitik der größeren Staaten wie Öfterreich. Sachfen. Preußen
ift es aber feit 1764 gelungen. in der Produktion von Kurant und
Scheidemünzen ein richtiges Verhältnis zu erhalten und damit einen
Zuftand zu fchaffen. nach dem man feit 200 Jahren vergeblich ge-
ftrebt hatte. 1) Diefes wurde in der Hauptfache in der Weife aus-
geführt. daß fich zwei große Münzfhfteme konfolidierten. das des
Konventionsfußes. dem feit 1761 faft alle iibrigen deutfchen Stände
und Polen beitraten. und das des Graumanfchen 14-Talerfußes. dem
Preußen und Braunfchweig anhingen. Hannover hat noch längere
Zeit vergeblich gefucht. den Leipziger lL-Talerfuß beizubehalten.
Wir haben die Reduzierung oder Demonetifierung der früheren
Münzen kennen gelernt. wir haben gefehen. wie man die reduzierten
Sorten weiter umlaufen ließ. bis genug neues Geld vorhanden
war. Die Ummünzung nahm die Prägeftätten in der nächften Zeit
ganz in Anfpruch. die kleinen zu Magdeburg Cleve und Aurich be-
ftanden nur fo lange als die Umprägung dauerte.
Ãœber diefe liegen genauere Angaben nicht vor. es war Sache
der Münzdirektoren. fich das Material in den reduzierten Münzen
und das dazu nötige Feinfilber zu befchaffen.2) der Mangel an
diefem war der Anlaß. Scheideanftalten in Preußen einzuführen.
Die Umprägung ging dann mit ziemlicher Gleichmäßigkeit vor fich.
natürlich trug die Bevölkerung die Koften derfelben. die fich in der
Herabfeßung des Nennwertes des Kriegsgeldes ausfprach. und
F 1) Zeitweife Rückfc'ille waren die Scheidemünzprügung Preußens kurz vor.
die Öfterreichs während der Napoleonifchen Kriege.
21) S. Tabelle bill( und lZ.
Die Umprägung des Kriegsgeldes. 205
worüber wir unfer Urteil fchon abgegeben haben)) Da die
Regierung aber auc h felbft in den Treforbeftänden große Maffen
folchen Geldes befaß. mußte fie durc h deren Ummünzung diefelben
Verlnfte tragen. über deren Höhe wir fichere Nachrichteu haben.
Schon Anfang 1764 begann die Einfchmelzung. nicht der
Treforgelder. fondern der Beftände der beiden Generalkaffen und
einiger fchlefifchen Kaffen. damit fie am 1. Juni imftande wären. mit
neuem Gelde zu zahlen und ähnlichu Nöte wie 1763 vermieden
würden))
Für diefe Summen war nicht nur kein Schlagfhaß zu zahlen.
fondern der König gab fogar die Ummünzungskoften. nämlic h für:
400000 Rtlr. der General-Kriegskaffe . . . . 160000 Rtlr..
372787 „ bis 400000 Rtlr. der General-
Domänenkaffe. . . . . . . . 140000 „
700000 „ der fchlefifchen Magazinkaffe . . . ?3)
Der Verluft hierbei betrug alfo etwa 400/0. Derfelbe genügte
aber nicht. Denn die General-Kriegskaffe hatte bei der Ummünzung
von 200000 Rtlr. in Mittelfriedrichsdor 400/0 oder 80000 Rtlr.
zuzufchießen.4) und dafür Silbergeld zurückhaben wollen. worauf
fic h aber Kröncke nicht einlaffen wollte; denn er wiffe fonft das
Gold nicht abzufeßen. da die Silberlieferanten mit Silber bezahlt
werden müßten.
Ephraim und Jßig erboten fich. die 200000 Rtlr. in neuem
Silberkurant zurückzugeben. wenn fie fie in Mittelfriedrichsdor und noc
h
90000 Rtlr. dazu erhielten)) Sie erhielten in der Tat 290000 Rtlr..
gaben dafür aber nur 53381 Rtlr. 15 Gr. in neuem-Silberkurant.
146618 Rtlr. 9 Gr. in guten Friedrichsdor zurück; die 10000 Rtlr.
oder 50/0. um die das vom Könige bewilligte Agio überfchritten
war. follten von der General-Kriegskaffe als extraordinäre Ausgabe
gebucht werden)) Es fcheint. daß 450/0 als Ummünzungskoften
1) S. S. 161. 162.
i') Nr. 75.
3) K.-O. an Kröncke. Berlin. 22. Januar 1764. 11. 11111. 2.
4) Refkript an die Geueral-Kriegskaffe vom 14. März 1764. Tit. 11111. 7.
Daher auc h das Folgende.
5) Ber. Krönckes vom 4. April 1764.
6) Ber. der General-Kriegskaffe vom 27. April 1764. Refkript an die-
felbe vom 1. Mai 1764.
206 Drittes Buch. Viertes Kapitel.
auc h der anderen Beftände. ficher der Mittelfriedrichsdor und
Mittelauguftdor. gegeben wurden. 1)
Kröncke hatte zur Wiederherftellung des Graumanfchen Münz-
fußes Piafter für nötig gehalten. es zeigte fic h aber gute Ausficht.
diefes teuere Material wenigftens zum größten Teile entbehren zu
können. da es Jßig gelang. das geringhaltige Silber zur höchften
Feine zu brennen. Schon Anfang April lieferte er 5000 Mark
fein. Seine Affinerie ging an die Ephraim über?) Der König
billigte einen Finierungspreis von 410/0 des Nennwertes. nicht 44.
wie auc h fchon gezahlt worden war. Mau muß dabei bedenken.
daß 2- bis 7-lötige Maffe in 15- bis 16-lötige verwandelt
wurde))
Wenn aber der Generaldirektor bat. die fächfifchen 2- und
1-Grofchenftücke. woraus die umzumünzenden eifernen Beftände fic
h
meift zufammenfeßten. affiuieren zu laffen. da man felbft kleinfte
Scheidemünze nicht daraus prägen könne. fo hielt das der König
für zu koftbar.4) Sie wurden denn. freilic h auc h unter großem
Verluft. umgemünzt. wie wir gleic h fehen werden.
Das Ummünzen der fchlechten Sorten ging dem König zuerft
viel zu langfam; die Kaffen klagten darüber)) Kröncke gab zwar
an. daß die Berliner Münzftätten feit März Tag und Naht
arbeiteten. aber auc h große Hinderniffe zu überwinden feien. So
erforderte die Affinierung der fchlechten Goldmünzen 10 Tage; da
die Silberforten meift unter 5-lötig waren. konnten ohne Zufeßung
von Silber felbft keine Grofchen daraus geprägt werden. Auf den
Vorfchlag. das Silbergeld auswärts fcheiden zu laffen. ging der
König noc h nicht eiu.6) Erft im Augufl erklärte er fic h mit der
1) Jm.-Ber. Krönckes vom 7. März 1764 über 220665 Rtlr. in Mittel-
friedrichs-..und -Auguftdor. 11. 11111. 2.
2) Uber das Afï¬nieren näheres im nächften Bande.
3) Jm.-Ber. Krönckes vom 5. April 1764 und K.-O. an ihn. Potsdam.
7. April 1764. n. 11111. 2 und 1.
4) Jm.-Ber. Krönckes vom 11. Mai; K.-O. an ihn. Potsdam. 12. Mai
1764. Ebenda.
5) K.-O. an Kröucke. Potsdam. 24. Juni 1764. 11. Älll. 1.
6) Jm.-Ber. Krönckes vonl 27. Juni; K.-O. an ihn. Potsdam. 26. Juni
und 28. Juni 1764. 11. 1111). 2 und 1.
Die Umprägung des Kriegsgeldes. 207
Produktion zufrieden; Kröncke konnte Hoffnung machen. fie ftatt der
verabredeten 12 auf 18 Millionen Rtlr. jährlich zu bringen.1)
Suchen wir nun eine kurze Überficht über die Ummünzung
der Treforbeftände zu gewinnen. Unter den Treforgeldern waren
Ende April 1764 an Kriegsmünzen:
Mittelfriedrichsdor für . . . . . . . . 1400000 Rtlr..
Neue Auguftdor für . . . . . . . . 2975 807 „
Sächfifche Drittel für . . . . . . . 2594000 „
Sächfifche 2- und 1-Grofchenftücke für . . 4195031 „
Bernburger (8- und 4-Grofchenftücke) für . 2237448 „
18402286 Rtlr?)
Von diefen Summen wurden durch die beiden Berliner Münz-
ftätten umgemünzt: die fächfifchen Drittel in 7 Poften vom
14. Dezember 1764 bis 15. Juli 1768. die fächfifchen 2- und
1-Grofchenftücke vom 14. Dezember 1764 bis 19. September 1768
in 10 Poften. Von den andern Sorten erfahren wir nur. daß für
2699 743 Rtlr. Bernburger und neue Auguftdor vom 14. Dezember
1764 bis 9. September 1768 in 6 Poften umgemünzt wurden.
Außerdem war für 1578671/3 Rtlr. preußifches Geld von 1763 in
einem Poften am 15. Juli 1768 den Münzen zum Einfchmelzen
übergeben worden.3) Wann wurden nun die andern Auguftdor
und Bernburger umgemünzt? Die 1400000 Rtlr. in Mittelfried-
richsdor wurden mit 9758071/2 Rtlr. neuen Auguftdor 1770 und
1771 zufammengefchmolzen. affiniert und daraus 1300931 Rtlr.
gute Friedrichsdor geprägt. was für den Trefor einen Verluft von
1074876 Rtlr. bedeutete. Danach war kein Kriegsgeld mehr im
Trefor. Es müffen alfo etwa 11/2 Millionen Rtlr. in neuen Auguft-
dor und Bernburger Geld zwifchen dem März und Dezember 1764
oder von September 1768 bis 1770 umgemünzt worden fein.
Wie groß der Verluft beim Ummünzen der einzelnen Sorten
war. erkennt man aus den Nachweifungen des neuen oder kleinen
Trefor. deffen Beftände von Januar bis Ende Mai 1765 umge-
1) Fix-O. an Kröncke. Potsdam. 24. September 1764. Lt. U11. 1.
2) n. 163. 1. 102. _
3) n. 163. l. 112.
208 Drittes Buch. Viertes Kapitel.
münzt wurden. wobei fic h ein Verluft von 359573 Rtlr. auf
1 Million ergab))
Wenn man auc h befchloffen hatte. die Beftände der fchlechteften
Kriegsmünzen in Sechspfennigftücke umzuprägen. fo war der Gehalt
jener doc h ein fo geringer. daß man dabei über 500/0 Verluft hatte.
Es wurden auf diefe Weife vom 16. November 1764 bis zum
31. Mai 1765 in der Neuen Münze eine Million Rtlr. mit einem
Verluft von 543121 Rtlr. in neue Sechfer umgemünztN)
Ju ähnlicher Weife wurden 1766 und 1767 3 Millionen mit
einem Verluft von 1795 9362/3.Rtlr. in Sechfer umgemünzt.3)
1) Dukaten it 2 Rtlr. 18 für 110000Rtlr. -. zurück 110 000 Rtlr. - Gr.
Neue Auguftdor . ü 5 „ - „ 212 625 „ -. „ 70875 „ - „
Mittelfriedrichs- u.
Auguftdor . .a 5 „ - „ 526 690 „ -. „ 363 234 .. 11 „
Laubtaler . . . ce 1 „ 20 „ 31414 „ 20. „ 25 891 „ 10 „
Graumanfches Silbergeld . . „ 11100 „ -. „ 9098 „ 1 „
Preußifche Drittel von 1763 . „ 75 429 „ -. „ 45 981 „ 20 „
Preußifche Grofchen von 1763 „ 32 741 „ 4. „ 15346 „ 7 „
1 000 000 Rtlr.. zurii> 640 427 Rtlr. 1 Gr.
n. 163. l. 115. -
2) Und zwar aus:
in neue 6 Pfennigftiicke
250000 Rtlr. in fächfifchen Zwölfteln . . . . . 96122Rtlr. 23 Gr.
2000 „ „ „ Grofchen . . . . . 757 .. 23 „ 6Pf.
495 268 „ „ „ Dritteln . . . . . 264 223 „ 1 „ - „
97 725 „ „ fchwedifch.. bernburg. und Plön-
fchen Dritteln . . . . . . . 37143 „ 5 „ 6 „
155007 „ „ Bernburgfhen Sechfteln. . . . 58 631 „ 22 „ 6 „
1 000 000 Rtlr. 456 879 Rtlr. 3 Gr. 6 Pf.
n. 163. l. 107.
3) 17. Juni 1766 bis 7. Auguft 1767 in beiden Berliner Münzen:
400000 Rtlr. in fächfifchen Dritteln.
1 125 523 „ 9 Gr. 4 Pf. in fächfifchen Zwölfteln und Grofchen.
1474 476 „ 14 „ 8 „ in Bernburger Drittteln und Sechfteln.
3000000 Rtlr.;
dafür an Sechfern zurück von der
alten Münze für 439 034 Rtlr. 11 Gr.
neuen „ „ 765 028 „ 21 „
zufammen für 1 204 063 Rtlr. 8 Gr. kt. 163. 1. 126.
Die Umprägung des Kriegsgeldes. _ 209
Weiter glaubte der König aber dem Trefor folche Verlufte
nicht zumnten zu dürfen. Als die eben genannte Ausmünzung zu
Ende ging. ließ man lieber beffere Münzen zufeßen. um ein nominell
annähernd gleiches Geldquantum zurückzubekommen. Es erhielten
vom Juni bis November 1767 beide Berliner Münzftätten
1380836 Rtlr. 18 Gr. 8 Pf. Bernburger Sorten und fächfifche
2- und 1-Grofchen. fowie 300000 Rtlr. in preußifchen neuen
Zwölfteln. alfo zufammen 1680 836 Rtlr.. die man in 1 Million Rtlr.
Sechfer umzumünzen hoffte. Jndeffen waren. da man die Feinheit
der ganzen Maffe auf 2 Lot 16 Gr. angenommen hatte. fie fich
beim Einfchmelzen aber 31/4 Grän weniger fein fand. noch weitere
100000 Rtlr. in Zwölfteln zuzufeßen. um 1 Million an Sechfern
zu erhalten.!)
Ebenfo wurde befchloffen. vom 5. Mai 1768 bis Trini-
tatis 1769:
1700000 Rtlr. in Preußifch Kurant und
1265000 Rtlr. in fchlechten Sorten
in 21/2 Millionen Rtlr. in Sechfern. und zwar mit nur 465 707 Rtlr.
7 Gr. Verluft. umzuprägen?) Diefer Verluft wurde aber noch
geringer. da die Münzverwaltung einen Schlagfchaß von 79000 Rtlr.
und ein Surplus. d. h. einen Extragewinu durch Vermünzung der
Abfälle und des Ausfchuffes. von 10600 Rtlr. berechnen konnte.
fo daß der ganze Verluft nur 376107 Rtlr. 7 Gr. betrug.3)
Wie bemerkt. war bis 1771 mit den Kriegsmünzen im Trefor
aufgeräumt. Wie es mit den im Lande umlaufenden ftand. entzieht
fich unferer genaueren Beurteilung. wir wiffen nur. daß die
Münzen zu Magdeburg. Cleve und Aurich bis dahin eingegangen
waren. weil nur noch wenig reduzierte Sorten zu bekommen waren.
Ganz find diefe indeffen noch lange nicht verfchwunden. denn Mittel-
friedrichsdor liefen noch im 19. Jahrhundert um. und noch heute
erinnern fich ältere Leute der Ephraimiten oder Blechkappen als
umlaufenden preußifchen Kurants.
Daß der König fortwährend auf fchnelles Münzen drang.
dazu hatte er. außer dem Wunfche. dem Lande bald gutes Geld zu
1) Meldung Krönckes vom 1. Januar 1768. 11. 163. 1. 136.
2) K.-O. vom 5. Mai 1768. ebenda.
3) Jm.-Ber. Krönckes vom 8. und 10. Juli 1769. Lt. 11111. 3.
new. Zoko88iea. Münzwefen. 1ll. l4
210 Drittes Buch. Viertes Kapitel.
verfchaffen. noch einen andern Grund. Er. fowie auch Kröncke und
die Direktoren der einzelnen Münzftätten hegten immer ftarken Ver-
dacht. daß die reduzierten Sorten aufgekauft und ausgeführt würden.
Denn da der von den Münzftätten dafür gezahlte Preis doch erheb-
lich unter dem Schmelzwert blieb. fo war der Verkauf an fremde
Münzftätten. die etwas mehr boten. vorteilhafter als an die preu-
ßifchen. Vor allem kam es darauf an. daß der Bevölkerung genug
neues Geld geboten und das alte umgeprägt wurde. Wir erinnern
uns. daß in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts Preußen
dadurch viel Münzmaterial bekam. daß andere deutfche Staaten mit
der Umprägung ihrer eigenen von ihnen verrufenen Münzen nicht
fchnell genug verfuhrenL) Auch jeßt ging es .damit in Preußen.
obgleich man Tag und Nacht arbeitete. zu langfam: das im Edikt
gegebene Verfprechen. daß jeder altes Geld in neues umwechfeln
könne. vermochte man nicht immer zu halten. So wandte fich denn
der Befißer an die Bankiers nnd Wechfler. denn was blieb ihm
anders zu tun übrig. da er neues Geld für die Steuerzahlung haben
mußte und nur bei diefeu Leuten bekam. die es in kluger Voraus-
ficht gefammelt hatten? Die aber waren es meift. die das _alte
Geld ausführten.
Schon im Januar 1764 erließ man zwei Edikte. von denen
das erfte?) die Ausfuhr der reduzierten Sorten verbot und die
früheren Gefeße über das Einfchmelzen erneuerte.3) Nur der Gold-
nnd Silbermanufaktur durften fremde Blickfilber. und zwar nur nach
ihrer Abftempelung in der Münze. verkauft werden; und allein
Juweliere durften Gold und Silber in ihren Häufern fchmelzen. aber
keine preußifchen Sorten. Eine Ergänzung hierzu bildete das zweite
Edikt 3) gegen das Kippen und Wippen und Befchneiden der Münzen.
Ju beiden Gefeßen wurde dem Denunzianten ein Viertel der konfis-
zierten Summe zugeftanden; wer aber jemand des Befchneidens
überführte. erhielt 100 Dukaten. war der Miffetäter ein Beamter.
1000 Rtlr. Gegen die Ausfuhr fchienen diefe Maßregeln aber
noch nicht geniigend.
1) Bd. l. 230.
2) Berlin. 11. Januar 1764. Mhlius. 1*?. C'. lll. S. 357-360.
3) Berlin. 16. Januar 1764. Ebenda. S. 359.
Die Umprc'igung des Kriegsgeldes. 211
Es wurden nun ftrengere Vifitationen an den Toren und
Grenzen eingeführt. es wurde der Denunziantenanteil noch 1764
von dem Viertel auf die Hälfte der zu konfiszierenden Poften er- .
höht. Dadurch meinte man. falle auch der Verdacht wegen Be-
ftechung der Beamten weg. denn fo hoch werde die Beftechungs-
fumme nie feinL) Endlich ftellte Kröncke einige Juden als fogen.
„Münzausreuter“. wir würden heute fagen „Münzgensdarmen“ an?) -
Der Transport der reduzierten Sorten von einer preußifchen
Stadt zur andern follte zwar frei bleiben.3) aber das konnte doch
nicht lange geftattet werden. weil Kaufleute diefe Münzen in Grenz-
orten. wie Magdeburg. Lenzen. Stettin fammelten und von da bei
günftiger Gelegenheit ausführten. Es follten daher reduzierte
Gelder nur auf ein Atteft Krönckes und allein von einer zur andern
Münzftätte befördert werden dürfen. Auf das fchärffte befahl der
König gegen die Ausfuhr vorzugehen und bei Saumfeligkeit der
Steuer-. Zoll- und Poftbeamten diefe ohne weiteres zu kaffieren.
Genug neues Geld fei jeßt da.4)
War leßtere Behauptung auch nicht ganz richtig. fo hatten
jene Drohungen doch Erfolg: vom 15. September bis 13. Oktober
1764 wurden allein 7 nach Hamburg beftimmte Sendungen im_
Werte von 9223 Rtlr. konfisziert. Zufrieden war man aber doch
l) Vorfchläge (l'boieree) Berlin) 10. Januar und 8. Juni 1764. .Gut-
achten des Kriegsrates Ernft. Berlin) 15. Juni 1764. Tit. L71. 6.
2) Der eine. Simon Levi Spiro. erhielt am 27. Juli 1766 einen Paß.
mittelft deffen er den Behörden zur Unterftiißung empfohlen wurde (KW. an
Kröncke) 27. Juli 1766) kt. Zlll) 1). Er brachte 1766 fieben Defraudationen
zur Anzeige (Jm-Ber. Kröncke-Z vom 10. September 1766) 1t.)1lll) 2). Der
andere hieß Meher Benjamin Jofeph. Beide wurden 1768 früherer Hehlerei
befchuldigt. doch verwandte fich Kröncke fiir fie auf das angelegentlichfte: fie hätten
Defraudationen von 40 bis 60000 Rtlr. entdeckt. andere fo gefchickte werde man
vergebens fachen (desgl. 2. Auguft 1768. kt. Zlll) Z). Dem Benjamin wurde
die Strafe erlaffen (Miinzjuftitiar Schmid an Krönckcy 3. Auguft 1768. R. M.
B. Nr. 23) 701. l). dem Spiro wohl nicht. denn er ging ab. Anfang 1769
finden wir als Münzausreuter neben Benjamin einen Salomon Elias. Benjamin
erhielt damals ein Schußprivileg für fich und feine Familie (Jim-Ber. Krönckes
vom 14. und 16. Januar 1769) 11. 11111) 3).
3) .KX-O. an das General-Direktorium. Charlottenburg 19. Juni 1764.
Tit. 1(71) 6.
4) K.-O. vom 15. September 1764 an das General-Direktorium und
General-Poftamt. Ebenda.
14 *
212 Drittes Buch. Viertes Kapitel.
nicht. Ein Jahr fpäter wurde der kurmärkifchen Kammer Schläfrig-
keit dabei vorgeworfen. und der König nannte es eine Folge des
langen Krieges. daß die Untertanen allen Gehorfam und Refpekt
aus den Augen feßten. nur mit großer Strenge könne man fie
wieder dazu bringen. Nicht fo leichthin feien Reinigungseide zu-
zulaffen. denn wer gegen die Edikte frevle. werde auc h einen Mein-
eid nicht fcheuen)) Das General-Direktorium beftimmte darauf mit
dem Großkanzler Jariges. daß die Fiskale. wenn nac h ihrer
Meinung zu gelinde verfahren fei. aber auc h wenn der Befchuldigte
glaubte. zu hoc h beftraft worden zu fein. Provokation geftatten
dürften))
Von Dezember 1766 bis Oktober 1768 wurden 9 Poften im
Werte von 23665 Rtlr. und im Frühjahr 1769 noc h einem Kauf-
mann Schwarz aus Altona 1334 Rtlr. 13 Gr. konfisziert. Alle
diefe Gelder wurden verordnungsmäßig verteilt. fo daß z. B. von
der letztgenannten Summe 508 Rtlr. 15 Gr. 10i/2 Pf. die Strafkaffe.
150 Rtlr. der Münzrichter Schmid. 658 Rtlr. 15 Gr. .101/2 Pf.
der Münzausreuter. der den Transport entdeckt hatte. erhielten))
Seitdem werden die Konfiskationen fowohl wie auc h die Klagen
über derartige Defraudatiouen felten. was einerfeits an den hohen
Strafen. andererfeits daran lag. daß die reduzierten Sorten durc
h
die-Umprägung allmählich aufgebraucht waren.
Mit dem Sammeln der reduzierten Münzen befchäftigten fic
h
eine große Menge Juden. die dazu von der Münzverwaltung Päffe
erhielten. ' Da einige Päffe mißbraucht wurden. ließ Kröncke im
April 1765 alle einziehen und gab nur den Juden neue aus. für
die die Lieferanten kavierten. Am 3. Dezember 1764 hatten die
Bankieks Jores und Kober beantragt. ihnen die pommerfche Ein-
wechfelnng zu überlaffen. wofür fie fofort 20 bis 30000 Rtlr. zur
Löhnung der Regimenter zahlen wollten. Man ging darauf ein.
und fie lieferten fchon bis zum 23. Januar 1765 über 4000 Mark
ab. die einem Wert von 50000 Rtlr. in neuem Kurant entfprachen.
Jm Frühjahr 1766 hatten in Pommern 44 Juden Päffe in Händen;
zweien wurden fie damals abgenommen. weil fie reduziertes Geld
1) K.-O.'s an das General-Direktorium. Potsdam. 9. und 24. Nov. 1765.
2) Zirkular an die Kammern. Berlin. 22. Januar 1766.
3) R. M. B. Nr. 23. 701. l.
Die Umprägung des Kriegsgeldes. 213
ausgeführt hatten. Diefe 42 pomnlerfchen Juden lieferten nicht
mehr nur an Jores und Kober. fondern an 11 Berliner jüdifche
Großlieferantemi) Ähulic h wird es in anderen Provinzen ge-
wefen fein.
Wegen der Ausfuhr der Kriegsmünzen geriet Kröncke in Miß-
helligkeiten mit dem Generalpoftamt. Ein Züllichauer Jude follte
folche aus Polen für Hamburg beforgt haben. und Kröncke be-
hauptete. auf diefem Wege des Tranfits gingen viele Gelder als
polnifche nac h Danzig und dann außer Landes. Das Generalpoft-
amt müßte folche Sendungen öffnen und die reduzierten Sorten den
Münzen zum feftgefeßteu Schmelzwerte verkaufen laffen?)
Die Poft wollte aber auf diefe Traufitabgaben nicht verzichten.
fo daß Kröncke bald darauf dem Könige nochmals vorftellte. wie
groß dadurc h der Verluft für die Münzftätten fei. Die Poft irre
mit der Annahme. daß die Tranfitzölle den Münzprofit überftiegen.
Die Lieferanten müßten die reduzierten Sorten meift an den pol-
nifchen Grenzen aufkaufen und erhielten keine mehr. weil die fremden
Befteller viel höhere Preife zahlten.3)
Aber erft Krönckes Nachfolger erreichte gleic h nac h feinem
Amtsantritt. daß die Durchfuhr wenigftens aller fremden Silber-
münzen verboten wurde. 4)
1) Tit. U13. 2 und 3.
2) Jm.-Ber. Krönckes vom 10. September 1766. 11. 11111. 2.
3) Desgl. 25. Dezember 1766. ebenda.
4) 27. Februar 1770.
Fünfte!- Kapitel'.
Das Zchickfal des Edikts vom 29. märz1764 in den weftlichen
Landen und die münzftätten zu Cleve und Aurich.
Jn den weftlichen Provinzen des preußifchen Staates herrfchten
nach wie vor diefelben Geldverhältniffe. Jmmer und immer wieder
verfuchte man von Berlin aus eine Münzverwaltung nach dem Bei-
fpiele der mittleren Landesteile einzuführen. aber jedesmal entfpann
fich darüber ein mehr oder weniger lebhafter. ja gereizter Meinungs-
austaufch zwifchen den Berliner und Clevifchen Behörden. worauf
dann immer zuleßt die Berliner von ihrem Vorhaben abftehen
mußten. '
So war es auch nach dem fiebenjährigen Kriege. Kaum hatten
Regierung und Kammer zu Cleve das Edikt zur Publikation er-
halten. fo meldeten fie auch fchon deffen teilweife Unausführbarkeit.
Zunächft hätte man kein neues Geld. und die Graumanfchen Sorten
wären fchon vor dem Kriege mit Aufgeld bezahlt worden. nun aber
ganz verfchwnnden. Von den reduzierten Kriegsmünzen fprach man
hier kaum. wir erfahren. daß nur wenige eingedrungen waren.1)
Man mußte alfo notwendigerweife noch andere als die im Edikt
erlaubten Sorten gelten laffen. wenn man überhaupt Geld haben
wollte. Und dann mußten diefe Sorten auch zu den in der ganzen
Umgegend geltenden Stübermünzen in Verhältnis gefeßt werden. um
den Verkehr mit den Nachbarn nicht zu fehr zu behindern.2)
Der König erkannte diefe Vorftellungen an und ließ Kröncke
einen Tarif ausarbeiten. wie die fremden Sorten zu nehmen feien.
Danach follten gelten die Friedrichs-. Karldor und alten Louisdor
5 Rtlr.. die Schildlouisdor 6 Rtlr.. die Dukaten 2 Rtlr. 45 Stüber.
1) S. S. 177 und 220.
2) Nr. 88. Tit. 117!. 22. Daher auch das Folgende.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2c. 21,5
die Laubtaler 1 Rtlr. 30 Stüber. die holländifchen Gulden 32 Stüber. 1)
Außerdem wurde erlaubt. daß die bis 1756 geprägten 2- und
l-Stüber. die wegen ihrer Geringhaltigkeit Anfang 1762 und dann
auc h im Edikt von 1764 auf 11/2- und 3/4-Stüber reduziert waren.
nicht nur als Scheidemünzen. fondern auc h bei Kapital- und Steuer-
zahlung in größeren Beträgen angenommen werden könnten?) So
glaubte man den Klagen über mangelnde Zahlmittel genügend ab-
geholfen zu haben.
Denn von der Clevifchen Münzftätte fchien man fic h nicht
viel verfprechen zu können. Der Generalmünzdirektor fagte. _er
habe feit Februar alles Menfchenmögliche getan. ihr Silberlieferanten
zu verfchaffen. aber. 'vermutlic h wegen des durc h deren Kataftrophe
von 17543) gefchwächten Kredits. keine bekommen; erft als der
König im April 20000 Rtlr. vorfchoß. ging es damit etwas beffer.
Sodann fcßien fic h die eifernen Beftände der cleve-märkifchen Kaffen
meift aus fächfifchen 2- und 1-Grofchenftücken zufammen. die man
wegen ihres geringen Gehaltes ja nicht einmal in kleinfte preußifche
Scheidemünzen umprägen konnte.4) Da der auf Krönckes Ver-
anlaffung gegebene Befehl. die in Cleve. Oftfriesland. Geldern ein-
laufenden Laubtaler. holländifchen Gulden und reduzierten Sorten
den Münzen zu fenden. wenig Erfolg hatte. fo gingen in der erften
Zeit aus der Clevifchen Münzftätte faft nur 2- und 1-Stüber-
ftücke hervor.5)
Mit Krönckes Tarifiernngeu aber waren die Clevifchen Be-
hörden durchaus nicht zufrieden. fie wünfchten die Schildlouisdor.
Kronen- und Laubtaler etwas höher gefeßt zu fehen. denn da fie
in der Nachbarfchaft mehr gälten. würden fie das Land fonft ver-
1) K.-O. an Kröncke. Potsdam. 31. Mai 1764. lt. 11111. 1. Tarif vom
1. Juni 1764. _
2) Nr. 89. Die Herabfeßung der Doppelftüber und Stüber auf 11/7- und
3/4-Stüber war Anfang 1762 erfolgt. Verfiigung der K. K. General-Admini-
ftration in den eroberten k. preußifchen Landen. Cleve. 21.Februar 1762. Scotti
1767. und Verfügung vom 23. Dezember 1761 in Jülich-Berg. Scotti. Jülich-
Berg 1913.
3) S. Bd. 11. S. 239-241.
4) Kröncke an die Clevifche Regierung und Kammer. Berlin. 1. Juni 1764.
5) Refkript an die Clevifche und Oftfriefifche Kammer und Geldernfche
Kommiffion vom 29.Juni 1764. - General-Direktorium an Kröncke. 30.Juni 1764.
216 Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
laffen. Außerdem dürften die älteren reduzierten 2- und 1-Stüber
nicht fo fchlechthin als Kurant gelten. fonft würden fie von über-
allher eindringen und man müßte fie weiter herabfeßen. Man möge
fie vielmehr nur bis zu Beträgen von 2 Rtlr. gelten laffen; was
darüber fei. dürfe den Kaffen nur zum vierten Teil mit ihnen be-
zahlt werden.1) .
Dagegen beftand Kröncke auf feinem Tarif. indem er dara
hinwies. daß der neue Münzfuß der Drittel. Sechftel und Zwölftel
beffer als der frühere fei und man deshalb die fremden Sorten
niedriger als früher anfeßen müffe; denn wenn die fremden über
ihren Gehalt umliefen. könnten fie weder als Münzmaterial dienen.
noch würde fich Nachfrage nach preußifchem Gelde zeigen?)
So wollte keiner von feiner Anficht weichen: hier war die
Münzverwaltung beftrebt. die fremden Sorten in die Tiegel zu be-
kommen. dort rechneten die Provinzialbehördeu mit den beftehenden
Verhältniffen. mit der Notwendigkeit. auf den Münzkurs der Nach-
barn Rückficht zu nehmen. die mit ihrem Gelde jene preußifchen
Enklaven immer beherrfcht hatten und weiter beherrfchten. Darüber
wurde lang und breit korrefpondiert. bis endlich wieder einmal dem
General-Direktorium die Geduld ausging und es der Kammer an-
deutete. daß fie aufhören follte. widerzuftreiten: man ermahne fie
zum leßten Male wohlmeinend. den ganzen Zufammenhang beffer
zu begründen. anfonft man den Generalfiskal gegen fie exzitieren
müffe. Jm auswärtigen Handel könne ja jeder die fremden Münzen
fo hoch anbringen wie er wolle; die 11/2- und 3/4-Stüber müßten
wie Kurant gelten.3) Damit leßterer Verordnung nichts entgegen-
ftände. wurde die Verfügung. daß 1/4 der Abgaben mit Gold. 2/4
mit Kurant. 1/4 mit Scheidemünzen zu zahlen fei. aufgehoben.4) Bis
zum Betrage von 18 Grofchen durfte auc h die Akzife mit Stüber-
geld bezahlt werden. Ebenfo wurde den Regimentern deffen An-
nahme befohlenF))
1) Bericht der Regierung und Kammer. Cleve. 22. Juni 1764.
2) Gutachten Krönckes. Berlin. 12. Juli 1764.
3) Refkript. Berlin. 31. Auguft 1764.
4) Cleve. 13. Auguft 1764. Scotti 1837.
5) Refkript. Berlin. 11. September 1764. Tit. L171. 23. Daher auch
das Folgende. S. auch Scotti 1842.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2.2.' 217
Auf diefe Maßregeln verließ man fich in Berlin aber nicht.
fondern fandte den Geheimrat Reichardt nach Eleve. um dort Ord-
nung zu fchaffen. da die Kammer nicht verftehen könne oder wolle.
Wenn diefe fich damit verantwortete. daß fchon im Auguft für
132645 Rtlr. reduzierte Münzen abgeliefert feien. fo war es doch
ein dienftlicher Ungehorfam. daß fie noch immer nicht das Edikt
und Krönckes Tarif veröffentlicht hätte. 1)
Aber auch Reichardt konnte fich der Ãœberzeugung nicht
verfchließen. daß die Schwierigkeiten groß waren. Das Edikt fei
eben nur dann durchzuführen. wenn genug neue Münzen vorhanden
feien oder die fremden Sorten nach dem jedesmaligen Handelskurfe
gelten. Die Hinderniffe lägen befonders daran. daß die clevifchen
Lande mit der Nachbarfchaft nach Stübern rechneten. preußifche
neue Münzen aber nur zur teilweifen Steuerzahlung gefucht würden.
Die Kammer habe ganz richtig beantragt. daß keine neuen Scheide-
münzen gefchlagen würden. denn die nähmen die Fremden nicht.
Wenn man nur neues Kurant präge. werde alles zu gutem Ende
geführt werden?)
Aber diefe geforderte Prägung guten Geldes ging noch immer
nur langfam vonftatten. weil. wie Kröncke behauptete. von März
bis September nur 31148 Rtlr. an fremden und reduzierten Sorten
zur Münze geliefert feien?) während man 1756 648000 Rtlr. an-
geblich fchlechter Gelder dorthin abgegeben habe. Wir wiffen nun
aber. daß diefer Vergleich gar nichts befagt. denn 1756 münzte
Gumperts in Cleve feine Szoftake nach 18-Talerfuß. während man
jeßt befonders gutes Pagament nötig hatte. um daraus Kurant
nach 14-Talerfuß herzuftellen. Seit Mai. gab Kröncke an. war kein
Stüber mehr geprägt worden; er wollte genau darauf halten. daß
nicht zu viel Scheidemünze angefertigt werde.
Endlich ftellte der Generaldirektor einen neuen Tarif auf. in
dem er es für den Kaffenkurs bei den Sägen des erften im allge-
meinen beließ. nur daß er die Karldor und alten Louisdor. wie es
damals ja überall in Preußen gefchah.4) auf 4 Rtlr. 22 Gr. herab-
1) Refkript. Berlin. 16. Oktober 1764.
2) Bericht Reicharts. Aurich. 6. Oktober 1764. Nr. 103.
3) Sol Vielleicht muß es heißen 131.148 Rtlr.
4) S. S. 193. 194.
218 Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
feßte. - Für den Verkehrsknrs aber gab er höhere Säße zu; es follte
der Friedrichsdor 5 Rtlr. l0 bis 15 Stüber undähnlich die fremden
Piftolen gelten. womit man alfo auch hier das Gold in richtiges
Wertverhältnis zum Silber feßte. Auch die kleineren holländifchen
Münzen wurden berückfichtigtK) Vom l. Dezember 1764 an follte
diefer Tarif in Cleve. Geldern. Mörs und Mark bei Mangel an
prenßifchen Münzen gelten?) -
Es war damit auch die höchfte Zeit) denn fchon klagte man
ftellenweife über jämmerliche Geldzuftände. man hatte keine neuen
Münzen zur Abgabenzahlung. man hatte überhaupt noch keine ge-
fehen.3) Seitdem trat das General-Direktorium mehr auf die Seite
der Clevifchen Behörden. Als der Generalmünzdirektor am
30. Januar 1765 vorfchlug. das alte Stübergeld dadurch zu be-
feitigen. daß man das in ihm einzuhebende Viertel der Abgaben
der Münze abliefere. die dafür die Hälfte in Kurant. die Hälfte in
neuen Stübern zurückgeben würde. fprach fich die Clevifche Kammer
dagegen aus) dem das General-Direktorium beipflichtete. Denn die
alten Doppelftüber. mit denen. man in der Nachbarfchaft handeln
könne. dürfe man nicht vernichten. da dort nicht einmal das neue
Kurant. gefchweige denn die neuen Stüber. den vorgefchriebenen Kurs
habe. Die Kammer bat wiederholt darum. keine neuen Scheidemünzen
fchlagen zu laffen und um freien Geldverkehr mit den FremdenZ)
Es ift wohl begreiflich. daß man durch die Erfahrungen des
Krieges mißtrauifch gegen alle Münzveränderungen geworden war.
befonders gegen die Preußens. das fchlechtes Geld natürlich in weit-
aus größerer Menge als die andern Staaten gefchlagen hatte.4)
Diefes Mißtrauen mußte erft überwunden werden durch eine lange
zuverläffige Münzprägung. die indeffen in den weftlichen Landes-
teilen Preußens ausblieb.
Kröncke ließ fich aber durch nichts von feiner Meinung ab-
bringen. Er beftritt. daß noch Münzmangel herrfchen könne. denn
1) Bericht Krönckes. Berlin) 27. Oktober 1764.
2) Verordnung. Berlin. 25.November 1764. Verfügung. Cleve. 28.Januar
1765. Scotti1857.
3) Protokoll der Kammer) Cleve) 25. Februar 1765. Tit. L71) 24. Da-
her auch das Folgende.
4) „Preußifch Geld nehm ich nicht" läßt Friß Reuter in feinem „Dorch-
läuchting“ eine Händlerin fagen. -.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2c. 219
es feien von April 1764 bis Januar 1765 in der Clevifchen Münze
für 236500 Rtlr. an neuem Silbergelde geprägt worden und in
keiner andern Provinz fo viele reduzierte Sorten erlaubt. Wenn
die Kaufleute diefe auswärts höher anbrächten. fo müßte die Kammer
folche Ausfuhr mit allem Fleiß zu verhüten fuchen. Das war alfo
das gerade Gegenteil von dem freien Münzverkehr. den die Kammer
anftrebte und bei dem es troß aller gegenfeitigen Beftrebungen ge-
blieben ift. weil er von den durc h die Natur und Kultur gefchaffenen
wirtfchaftlichen Verhältniffen jener Gebiete bedingt war.
Übrigens wurde damals der Münzpreis der Holländifchen
Gulden und neueren Brabanter Permißfchillinge auf die Verkehrstaxe
des leßten Tarifs - 331/2 und 10 Stüber - erhöht; eine Bitte der
Geldernfchen Kommiffion. den bis 1749 geprägten und reduzierten
Permißfchillingen einen Kaffenkurs von 10 ftatt 81/2 Stüber zu ge-
währen. jedoc h abgefchlagen)) -
Ju einem endgültigen Deklarationsrefkript vom 9. Mai 17652)
wurden diefe Änderungen des Edikts zufammengefaßt; es wurde der
Tarif für den Geldkurs bezüglic h der Steuerzahlungen _und des
Verkehrs wiederholt. es wurde bekannt gemacht. daß auc h 20-. 10-
und 5-Stüberftücke gefchlagen werden würden.
Denn mit dem Refkript zufammen wurde dem Könige ein
Vorfchlag Krönckes unterbreitet. daß die in Cleve gemünzten 8-. 4-
und 2-Grofchenftücke. um in den dortigen Gegenden beliebter zu
werden. die Auffchrift 20. 10 und 5 Stüber und nur am Rande den
brandenburgifchen Wert tragen follten.)) Jn der Tat wurde aber
umgekehrt verfahren. denn die von da an in Cleve geprägten 4-
und 2-Grofchenftücke - 8-Grofchenftücke ftellte man nicht her -
tragen im Felde die Bezeichnung 71 (oder U11) lsldllüdl '11111411811
und darunter in kleiner Schrift ihren Wert in Stübern)) Einen
Erfolg hatte die Veränderung nicht.
Die befonderen Kredit-. Handels- und Geldverhältniffe der
weftlichen Provinzen machten anc h nicht unwefentliche Änderungen
*_hBÜncht Krönckes. Berlin. 5. März und 80. April 1765. Verfügung.
Cleve. 19. März 1765. Scotti 1863.
4) Nr. 109. _
3) Verfügung. Cleve. 3. Juni 1765 nac h Refkript. Berlin. 19. Mai 1765.
Scotti 1883. -
4) Münzbefchreibung Nr. 610. 611. 656-659.
22() Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
bei dem die Schuldenzahlung regelnden 10. Paragraphen des Edikts
nötig. Schon am 4._ Juni 1764 war der Clevifchen Kammer be-
fohlen worden. mit der Landeskreditkommiffion und einigen Münz-
kundigen die nötigen Zufäße zu Paragraph 10 und der Tabelle 14)
zu entwerfenM) und am 3. November 1764 erinnerte_ Fürft an diefen
Befehl. Daraufhin verhandelten Regierung. Kammer und die
Landesdeputierten und berichteten am 11. Januar 1765 weitläuftig
über die dortigen Verhältniffe?) Nac h mehreren Hin- und Her-
fchreiben nahm das Deklarationsrefkript die Hauptprinzipien des Ö 10
mit einigen formellen Änderungen an.3)
Ohne auf das einzelne einzugehen. das mehr die Schulden-
verwaltung betrifft. bemerke ic h nur das für das Geldwefen Wichtige.
Daß die älteren 2- und 1-Stüber im Wert von 11/2 und 3/4 Stüber
den Charakter des Kurantgeldes haben follten. fahen wir; wegen
diefer ihrer Reduktion galt der Taler nicht mehr wie bis 1756 30.
fondern 40 folcher Doppelftüber.4)
Die Zahlung mit fremden Sorten follte in dem Werte des
Tarifs gelten. wenn die Schuld aus der Zeit vor 1750 ftammte
und in folchen Sorten ausgedrückt war. Stammte die Schuld aus
der Zeit des Graumanfchen Geldes. fo war fie. wenn auf Fried-
richsdor geftellt. mit diefen. wenn auf Stüber. mit Stübern. wenn
auf fremde oder eigene Kurantfilberforten oder wenn keine Sorten
genannt waren. wie im Edikt angegeben.5) oder in den erlaubten
fremden Sorten in tarifmäßigem Werte abzutragen.
Stammte die Schuld aber aus der Kriegszeit vom 1. April
.1757 bis 1. Juni 1764. fo unterfchied man zunächft eine Zahlungs-
art in Cleve. Geldern und Mörs. wo die Kriegsmünzen von der
feiudlichen Verwaltung ziemlic h ferngehalten waren. Lautete hier die
Schuld auf genannte fremden Sorten. fo war mit diefen zu zahlen.
lautete fie unbeftimmt auf franzöfifches. holländifches. gangbares oder
1) Nr. 89.
2) Tit. 1171. 24.
3) Bericht der Regierung und Kammer. Cleve. 11.Januar 1765. Nr. 107.
Refkript. Berlin. 15. März 1765. Votum Fiirfts vom 4. Mai 1765. Dekla-
rationsrefkipt vom 9. Mai 1765. Nr. 109.
4) Ebenda und Separatvotum der Regierung zum Bericht vom 11. Januar
1765. Nr. 107 am Schluß.
5) S. S. 200.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2c. 221
Stübergeld. fo war mit guten Friedrichsdor oder mit den erlaubten
Sorten zu zahlen. und zwar gab man für die Schuldfumme von
600 Rtlr. nur 500. Diefen Saß hatten die Behörden und Stände
vereinbart als am entfprechendften dem Kurs des Kriegsgeldes gegen-
über den fic h gleich gebliebenen guten Münzen. befonders den
holländifchen GuldeuK)
Für die Schulden in der Graffchaft Mark aus der Zeit
bis zum 1. Januar 1760 galten diefelben Beftimmungen wie in
Cleve. Für die Zeit feit diefem Termin aber. als die Ephraimiten
eingedrungen waren. galt die Tabelle l1] mit einer Änderung. War
das Darlehn nämlich mit preußifchen 8-. 4-. 2-Grofchen von
1758 bis 1763 gezahlt. fo follte fie nicht wie in den öftlichen Pro-
vinzen mit neuem Kurant. was in Mark fehlte. bezahlt werden.
fondern mit Friedrichsdor oder den erlaubten fremden Goldmünzen.
und zwar 100 geliehene Taler mit 621/2 Rtlr. War fie in fächfi-
fchen Dritteln oder noc h fchlechteren Sorten geliehen. fo waren für
100 Rtlr. nur 55 Rtlr. 13 Gr. 4 Pf. zurückzuerftatten. Diefe
Einheitsfäße waren beliebt worden. weil eine Berückfichtigung all
der verfchiedenen Kriegsmünzen nur Verwirrung und Streit hervor-
gerufen hätte.?)
Endlic h beftimmte man für das Jahr vom 1. Juni 1764 bis
dahin 1765 und für alle weftlichen Lande. daß Kontrakte auf
Scheidemünze oder Stüber mit Stüberu. auf fremde Sorten wie
oben für Cleve angeführt. abzuzahlen feien.
Ju den nächften Jahren wurde es immer offenbarer. daß die
Aufrechterhaltung eines eigenen preußifchen Münzfhftems in den
weftlichen Landen unmöglic h war. Daß die meiften Nachbarn. fo
Jülich-Berg. Köln und Frankfurt den Konventionsfuß annahmen.
bedeutete für Cleve-Mark fo viel als ob die Münzen nach 14-
Talerfuß dort verboten wären. fo daß auch der Handel fie ablehnte
und fie eigentlich nur wie früher fchon immer für die nach Berlin
zn fendenden Einkünfte befchafft werden mußten. Nur die alten 2-
und 1-Stüber waren beliebt und wurden auc h von allen Nachbarn
1) Bericht vom 11. Januar 1765. Nr. 107. 1.
2) Bericht vom 11. Januar 1765. Nr. 107. 12.
222 Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
als 11/2- und 3/4-Stüber gern genommen. Später freilich wurden
die preußifchen Taler aus anderen Gründen im Weften Deutfchlands
fehr begehrtI)
Zunächft drehte fich alles darum. wie man für genug Preußifch
Kurant forgen könnte. Als die Geldern-Mörfifche Kammer vor-
fchlug. jeder Kämmerei einen beftändigen Fonds von 600 Rtlr. in
preußifchem Kurant zu überlaffen. aus dem die Steuerzahler mit
diefem verfehen werden könnten. die 2- und l-Stüber aber den
Regimentern anzuweifen. da fie nicht nach Berlin gefandt werden
dürften. fo meinte Kröncke. die Münze habe die Mittel nicht zu
folchen Vorfchüffen. und die Anweifnng der Stüber an die Regi-
menter hielt das General-Direktorium für nnnüß?)
Die Münze fuchte auf alle Weife größere Prägungen von
Kurant zu ermöglichen. Da die holländifchen Schillinge fo be-
fchnitten waren. daß man bei ihrem Knrfe von 1() StüberZ) be-
trächtlichen Schaden hatte. fo drang der Münzdirektor darauf. daß
die holländifchen Sorten von den Kaffen zurückgewiefen würden.
Bube klagte ferner. daß noch immer ein doppelter Kurs beftehe. da
die Schildlouisdor im Verkehr 71/3 Rtlr.. die andern Piftolen
6 Rtlr.. die Dukaten 31/2 Rtlr.. die holländifchen Gulden 4() und
die geftempelten Schillinge 12 Stüber gölten. woher es denn komme.
daß jeder nach diefen Sorten und nicht nach preußifchen greife. fo-
wie daßes niemandem einfalle) die fremden Sorten der Münze zu
liefern. Nötig könne diefe keiner mehr haben. denn es feien jeßt
für über 520000 Rtlr. preußifche Münzen gefchlagen.4)
Wenn wir aber hören. daß diefes Geld meift_ in die Berliner
Kaffen floß oder von den Silberlieferanten abforbiert wurde.5) fo
reichte die halbe Million gewiß nicht hin. Zweitens lehnte der
Handel das preußifche Kurant als in der Nachbarfchaft fchwer an-
bringlich ab. fo daß _das Publikum die fremden Sorten nicht ent-
1) Darüber im folgenden Bande.
L) Bericht der Kammer. Mörs) 9. Auguft 1765. Bericht Krönckes vom
22. Auguft 1765. Tit. LKW 25. Daher auch das Folgende.
3) S. S. 219. -
4) Bericht Krönckes. Berlin) 16. Auguft 1765.
5) Kammerberjchh Cleve. 8. Auguft 1765.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2c. 223
behren konnte und fie auch höher fchäßte als fie nach ihrem Gehalt
vielleicht verdienten.1)
Dennoch wurde verfügt. daß außer in Krefeld. wo man die
Jnduftrie dadurch nicht fchädigen wollte. aller doppelter Kurs auf-
hören. befchnittene unterwichtige holländifche Münzen nicht mehr an-
zunehmen feien?)
Dahingegen verfuchte es Kröncke bald durch Höherfeßung
einiger fremden Sorten. diefe in die Münze zu ziehen. was erlaubt
erfchien. da der König am 18. September 1765 höhere Münzpreife
zugeftanden hatte: der Laubtaler wurde von 1 Rtlr. 30 auf 1 Rtlr.
32 Stüber gefeßt.3) Die andern fremden Sorten wollte die Münze
jeßt aber gar nicht mehr nehmen. denn das holländifche Silbergeld
fei zu ftark befchnitten und die Schild- und Sonneulouisdor könnten
wegen ihres ungleichen Gewichtes nur mit Verluft in Friedrichsdor
umgemünzt werden.4) Am 7. November 1765 wurde der clevifchen
Kammer befohlen. jene Biftolen von den _Kaffen gar nicht mehr an-
nehmen. die holländifchen Gulden aber nicht mehr der Münze
fchicken zu laffen.
Der Generalmünzdirektor feßte des Näheren auseinander. wie-
viel diefen holländifchen Münzen am Gewicht fehlte: eine Tarifierung
des Guldens auf 33 Stüber fei zu hoch. da er in Düffeldorf am
13. März auf 31. d. h. 32 Stüber 84/5 Heller clevifch gefeßt fei.
Auch könnten die geftempelten Schillinge nicht mehr höher als die
ungeftempelten. d. h. auch nur zu 8L/2 Stüber von der Münze ge-
nommen werden.5) Demgemäß wurde beftimmt. daß 89 Gulden
4 Kölnifche Mark wiegen müßten. wenn einer 33 Stüber gelten
1) Gefeßmäßig waren fie in *Jülich-Berg nicht höher als in Cleve-Murk
tarifiert. nämlich auf der Grundlage des Konventionsfußes die franzöfifchen
Schild- und Sonnenlouisdor auf 5 Rtlr. 53. die alten Louisdor auf 4 Rtlr.
53 Stüber. die Friedrichsdor und Karldor auf 4 Rtlr. 51. die Laubtaler auf
1 Rtlr. 30 Stüber. Edikt vom 3. April 1765. Scotti. Jülich-Cleve-Berg 1967.
2) Refkript an die Kammern zu Cleve und Mörs. Berlin. 27. Auguft
1765. Verfügung. Cleve. 19. September 1765. Scotti. Cleve-Mark 1904.
3) Refkript an die Clevifche Kammer vom 1. Oktober 1765. Verfügung.
Cleve. 14. Oktober 1765. Scotti 1908.
4) Bericht Krönckes vom 29. Oktober 1765.
5) S. S. 219 und 222.
224 Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
follte. und die auf 10 Stüber tarifierten Schillinge hinfort nur zu
81/2 anzunehmen feien.1)
Alle diefe Erlaffe und Veränderungen blieben aber ohne Er-
folg. Aus einigen längeren Berichten der Kammern zu Cleve und
Mörs erhalten wir einen klaren Überblick über die dortigen Geld-
verhältniffe. auf die wir zum Schluß noch einen Blick werfen. weil
feitdem jene Gebiete ihr monetäres Sonderleben ungeftört weiter-
führten und die Clevifche Münzftätte damals auf immer einging.
Die Clevifche Kriegs- und Domänenkammer erwog die Ab-
fchaffung des doppelten Münzkurfes nochmals und fand. daß Kröncke
nur an das Münzgefchäft denke. die ganze wirtfchaftliche Lage des
Landes aber nicht in Betracht ziehe. Die Kammer zeigte. wie die
Untertanen. da fie ihre Produkte nicht über die Wefer fchicken durften.
zum Abfaß_ in der Nachbarfchaft gezwungen feien und dort fremdes
Geld erhielten. das in Preußen um 200/0 reduziert fei. Wenn
man diefes Geld nicht zuließe. werde felbft exekutorifch nichts bei-
zutreiben fein. Gewiß würden die Verlufte erft aufhören. wenn es
nur einen Kurs gebe. aber diefer müffe der der Nachbarn fein.
Sodann wandte fich die Behörde zu den Vorwürfen des
Generaldirektors. daß fie durch fcharfe Befolgung der Edikte hätte
durchfeßen können. was „gegen die Natur der Sache" gehe. Wenn
die Friedrichsdor in Jülich-Berg auf 4 Rtlr. 51 Stüber gefeßt
feien?) fo wären fie damit zwar nicht verboten. aber doch den
Clevifchen Einwohnern ein großer Schade getan. Die Düffeldorfer
erhielten fie um 3 bis 60/0 billiger. bezahlten die Clever aber mit
ihnen nach preußifchem Kurfe. Früher vor 1750 habe man all-
gemein mit Dukaten gezahlt. wobei derartige Unzuträglichkeiten nicht
vorkommen konnten. Dukaten habe man aber jeßt kaum.
Ein weiterer Punkt war der Streit um die alten Stüber. die
die Kammer als beftes Clevifches Handelsgeld nicht einfchmelzen
laffen wollte. Wenn Kröncke behauptete. die neuen feien beffer. fo
konnte das dem Lande nichts helfen. da die Nachbarn die alten
hoch fchäßten. die neuen aber ablehnten. Denn es waren die alten
2- und 1-Stüber nach ihrer Herabfeßung auf 11/2- und 3/4-Stüber
1) Bericht Krönckes vom 3. Dezember 1765. Verfügung. Cleve. 20. De-
zember 1765. Scotti 1917.
2) S. S. 223. Note 1.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2c. 225
um etwa 80/0 beffer als neues Kurant. nach Nennwert und Gehalt
verglichen. weshalb die Kammer bat. das Agio der 11/2-Stüber
höchftens um 5"/0 unter Kurant und 100/0 unter Gold zu feßen.
Ein Entfcheid darauf liegt nicht vor))
Kröncke fah nun auch. wenn zwar nicht das Jrrtümliche. fo
doch das Vergebliche feiner Bemühungen ein. und daß man die
Münzftätte aufheben müffe. Denn Silber von Hamburg und
Holland zu fchaffen. kofte zu viel. reduzierte Sorten aber liefen
nicht mehr ein. aus Geldern und Mörs wären davon von Mai
bis Dezember 1765 nur 277 Rtlr. geliefert worden. Scheidemünze
aber war genug im Lande. alfo konnte man auch aus deren Prägung
nichts gewinnen; die leßte war im April 1764 gefchlagen worden?)
Diefer ermüdende Meinu'ngsaustaufch lief in derfelben Weife
weiter. ohne daß neue Momente herbeigebracht wurden. Die Stände
verlangten mehr grobe Münze. Kröncke konnte wegen zu hoher Edel-
metallpreife keine fchlagen laffen. und erreichte deshalb vom Könige
den nachdrücklichen Befehl. daß der hohe Kurs der franzöfifchen
Münzen abgeftellt und fie zu der feftgefeßten Taxe der clevifchen
Münzftätte abgeliefert würden.3) Diefe Valvation war fchon kurz
vorher publiziert worden (f. S. 226. Note 2). aber wieder wurde fie
von den Behörden und Ständen als unansführbar bezeichnet.
Der Kern der Ausführungen der Geldern-Mörfifchen Kammer
vom 8. September 1767 gipfelte darin. daß dem Lande der Louis-
dor und der Lonisblanc (Laubtaler) fowie das holländifche Geld
unentbehrlich wären. Die „eigenfinnigen Nachbarn" ließen einmal
das preußifche Zwölftelftück nur 41/2 Stüber ftatt 5 gelten. und
wegen des ftarken Verkehrs mit Holland müffe man fich dem fügen.
Wenn der Lanbtaler auch wirklich 1 Rtlr. 32 Stüber wert fei und
zu 1 Rtlr. 52 gerechnet werde. fo fei diefes doch kein Verluft. da
er in dem Werte fowohl gegeben wie genommen werde. Noch
manche andere Gründe. warum es bei dem Gebrauch zu laffen fei.
führte man an. fo die mannigfachen Geldbezüge aus Holland. die
1) Kammerbericht. Cleve) 5. Dezember 1765. Nr. 111.
2) Berichte Krönckes vom 17. Dezember 1765 nnd 4. März 1766.
3) Gutachten Krönckes vom 8. Mai 1767. K.-O. an das General-Direk-
torinm. Potsdam 11. Juli 1767. Tit. Lilt111) 15. Daher auch das Folgende.
seta Dornen-.ea. Münzwefen 111. 15
226 Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
bei einer Kurserniedrigung bedeutend vermindert. ja zum Teil ganz
wegfallen würden. -
Nicht anders fprachen fic h die Stände von Cleve-Mark aus.
Sie blieben dabei. daß durc h die von Kröncke vorgefchlagene Regu-
lierung der Warenpreife nichts zu beffern fei. Wenn man die
Münze der Nachbarn nicht fo nehme. wie fie bei jenen gelte. könne
man die Landesprodukte nicht los werden. Nichts vermöchten diefe
kleinen Gebiete darin gegen die mächtigen Länder mit blühendem
Handel. Man müffe alles tun. einen mit dem nachbarlichen über-
einftimmenden Münzfuß zu erhalten))
Der 1767 noc h einmal feftgefeßte Kurs der fremden Münzen?)
ift nicht zur Ausführung gekommen. man gab fic h feit dem Ende
diefes Jahres auc h in Berlin mit diefen Dingen nicht mehr ab nnd
ließ fie ihren eigenen Lauf gehen. den fie immer gegangen wären. '
wenn man fic h nicht 100 Jahre lang mit der Errichtung und Er-
haltung einer Münzftätte in Cleve gequält hätte. ein Streben aus
den beften Abfichteu. aber der Unkenntnis der handels- und geld-
politifchen Verhältniffe in jenen Gegenden entftanden.3)
Als der fo oft wieder aufgenommene Verfnc h auc h i767 ge-
fcheitert war und die Clevifche Münze - damalsxuf immer - ein-
ging. endeten auc h fofort diefe Verhandlungen. und jene Lande haben
fic h feitdem zum großen Teile mit den Münzen der Nachbarn beholfen.
Von der Münzftätte felbft fehlen uns. außer der Statiftik
und einigen Perfonalien. alle Nachrichteu aus diefer leßten Periode
ihres Dafeins. Am 8. September 1767 beftimmte der König. daß
fie eingehen follte. Da die Beamten in den 5 leßten Quartalen
nur wenig Gehalt bekommen hatten. bat Kröncke das Fehlende aus
dem Erlös der zu verkaufenden Materialien und die dann noh
rückftändigen 7 bis 8000 Rtlr. aus dem Berliner Schlagfchaß zu
l) Cleve. 14. September 1767. Tit. 1111111. 15.
ii) Cleve. 25. Juni 1767: Verkehrskurs der Laubtaler 1 Rtlr. 32. der
holländifchen Gulden 33 Stüber. der geftempelten und ungeftempelten Schillinge
8 Stüber 4 Pfg. Scotti 1975.
x') Ähnlic h fcheiut es in Jülich-Berg gegangen zu fein. wo auc h öfter der
frühere Kurs verboten werden mußte. z. B. am 17. Auguft 1765. Scotti. Jülic-
h-
Berg. 1974. Die Ephrainiiten mußten hier übrigens noch im Jahre 1780 offiziell.
wenn allc h reduziert. erlaubt werden. weil man wohl zu wenig eigenes Geld
hatte. Ebenda 2162.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2c. 227
zahlen. was wohl genehmigt worden ift. Schon als'Friedrich be-
fahl. die Münze eingehen zu laffen. hatte er Kröncke ans Herz ge-
legt. vor allem für Anftellung des Münzdirektors Bube zu forgen.
eines „bekannten ehrlichen Mannes“.1) Der König hatte Bube
wohl während des Krieges als Leipziger Münzdirektor fchäßen ge-
lernt. Diefer muß eine Anftellung in Cleve erhalten haben. denn
er führte bis zu feinem 1776 erfolgten Tode die Aufficht über die
dortigen Münzgebäude; diefe lag feitdem dem früheren Clevifchen
Wardein .Dobermann ob. der alfo wohl auch dort in Stellung war?)
Eine Hauptfchwierigkeit. die Clevifche Münzftätte arbeiten zu
laffen. lag in der Unmöglichkeit. die neuen Scheidemünzen abzufeßen;
fehr ähnliche Verhältniffe finden wir auch in Oftfriesland. Auch
hier tat man das möglichfte. die reduzierten Kriegsmünzen eiuzuziehen.
ihre Ausfuhr zu verhüten.3) aber Anfang 1767 fchien weitere Mühe
vergeblich zu fein. Der Wardein Wiedemann ftellte vor. er be-
komme faft gar kein Gehalt mehr und könne „in diefem Sibirien
unter Barbaren" nicht weiter leben; „flehentlich". aber wohl ver-
gebens., bat er. ihn nach Berlin kommen zu laffen. Jm April ließ
dann der Münzdirektor Unger. um nur die Gehälter herauszubringen.
55i Rtlr. in Füchfen münzen. was er mit Mangel an ihnen zu-
entfchuldigen fuchte. da man fchon Papiermarken gemacht habe; im
Mai wurden noch für 483 Rtlr. 8 Pfg. davon geprägt.4) Dennoch
trat im Juni der Rendant Schnedermanu von der Münze zur
Auricher Regierung über.5)
Da verf-iel man denn auch hier wieder einmal auf das alte
Hilfsmittel der Scheidemünzprägung in größerem Maßftabe. ohne
zu ahnen. daß die Umftände dafür nun bei weitem ungünftiger
waren als in früheren Zeiten. Der Hauptfilberlieferant für Aurich
war Meher Salomon der Jüngere. der fowohl in Aurich wie auch
in Berlin Beziehungen hatte. Er verabredete mit Unger eine
Prägung von 1- und 1/2-Llliariengrofchen oder 8- und 4-Pfennig-
1) K.-O. an Kröncke. 8. September 1767. 11. Z111) 1. Jin-Ber. Krönckes
vom 21. Januar 1768. 11. Zlll. 3.
2) Mitteilung Genßens vom 9. Juli 1785. Tit. MLM) 6.
Z) Bericht Ungers. Aurich. 1. Auguft 1765. Tit. ZL7 ) 4.
4) Miinzbefchteibung Nr. 1433.
5) Tit. Um 5.
15*
228 Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
ftücken; wenn. man 5000 Mark fein in fie verarbeite. könne man
bei einem Silberpreis von 15 Rtlr. ein gleiches Quantum Feinfilber
in Kurant vermünzen und erziele einen Schlagfchaß von 5000 Rtlr.
Der Unternehmer verpflichtete fich. die Hälfte diefer Scheidemünzen
in Münfter. Oldenburg und Bremen abzufeßen. Kröncke war ein.-
verftanden. denn es feien 1764 bis 1767 nur für 31773 Rtlr. an
Scheidemünze in Auric h geprägt. von den vor 1756 gefchlageneu
120000 Rtlr. aber die meiften während des Krieges eingefchmolzen
worden. Die „Hehmännchen“ der Kriegszeit überging er mit Still-
fchweigen.
Der König. der die Münzftätte lieber hätte eingehen laffen
wollen. als daß zu viel Scheidemünze geprägt würde. gab. nachdem
Kröncke ihn darüber beruhigt hatte. die Abfchließung des Kontrakts
zu.1) Binnen neun Monaten waren die 10000 Mark zu liefern.
der Unternehmer follte als Bezahlung 65000 Rtlr. in Kurant.
85000 in Scheidemünzen erhalten.2)
Da aber das hierbei angenommene Produktionsverhältnis des
Kurants zur Scheidemünze ein unrichtiges war. 1767 in Aurich ver-
hältnismäßig wenige 1/6- und 1/zz-Taler. an Scheidemünze aber für
31773 Rtlr. gemünzt war und viele fremde Scheidemünze im Lande
umlief. fo hätte man auf Erfüllung des Kontrakts nicht allzuftark
bauen dürfen.
Wie groß aber war die Überrafchung des Unternehmers und
der Münzbeamten. als fie bemerken mußten. daß die neuen Scheide-
münzeu von der Bevölkerung überhaupt abgewiefen wurden! Als
die erften 2 bis 300 Rtlr. davon ausgegeben werden follten. wollte
fie niemand annehmen: die Münzarbeiter. die mit Mariengrofchen
gelohnt waren. konnten dafür nichts kaufen. Da nun auc h die
Landfchafts- und königlichen Kaffen diefe Münze ablehnten. war
deren Schickfal fo gut wie befiegelt.3) .
Zwifchen der Auricher Kammer und dem Generalmünzdirektor
begann darüber ein lebhafter Meinungsaustaufch. aber geändert
wurde dadurc h nichts. Wenn die Kammer zwar befahl. daß diefes
Geld im Nennwert genommen würde und in Emden und Leer Käufe
1) 81.-O. an Kröncke. 12. März. Jm.-Ber. Krönckes vom 14.März. tip-O.
an Kröncke vom 15. März 1767. Lt. 11111. 1 und 3.
K) Kontrakt vom 18. März 1767. Tit. Zl1lll. 24.
3) Bericht Unger-s vom 30. Juli 1767. Tit. L87. 4.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2c. 229
in preußifchem und nicht holländifchem Gelde abzufchließen [eien.
weil der holländifche Wechfel um 1/4 0/0 gegen Mariengrofchen ge-
ftiegen war. fo wollte fie diefe Maßregeln doch nicht auf den Groß-
handel ausdehnen. der dadurch ruiniert werden würde. und fprach
die Befürchtung aus. daß zu viel Scheidemünze gefchlagen würde.
Kröncke meinte darauf. die 85000 Rtlr. feien nicht zu viel1) Da-
gegen forderte wieder die Kammer. und zwar mit Recht) daß der
Unternehmer erft das Kurant münze. Gewiß würde. wäre das ge-
fchehen. auch die Scheidemünze beffer aufgenommen worden fein.
aber dazu verpflichtete der Kontrakt den Salomon nicht. Es blieb
dabei. daß die neuen Sorten im Nennwert genommen' werden
müßten. allerdings mit befchrönkter Zahlkraft. denn Poften über 2
oder 4 Ggr. müßten mit Kurant bezahlt werden.2) obfchon Kröncke
darauf hinwies. daß feit 1764 ein Viertel aller Staatsabgaben mit
Scheidemünze bezahlt werden durfte.
Wenn aber Salomon das _Mariengeld nicht abfeßen konnte.
fo vermochte er auch kein Silber zu liefern. und die Schulden der
Münze. die keinen Schlagfchaß erzielte. wuchfen durch die Gehalts-
zahlung. Als Ende 1767 die Clevifche Münze aus ähnlichen Ur-
fachen einging. meinte Kröncke. die Auricher werde ihr bald folgen.
Denn die Hoffnung. die Mariengrofchen in der Nachbarfchaft abzu-
feßen. erfüllte fich auch nicht. Zwar befferte fich die Sachlage wieder
etwas. fo daß man bis März 1768 die Schulden abzahlen konnte.
aber es waren von den bedungenen 1000() Mark Feinfilber bis
dahin doch nur 2893 geliefert worden. Salomon bat ihn. noch
ein Vierteljahr Zeit und die Münze nicht eingehen zu laffen. Das
wurde gewährt. aber nicht feine Forderung. einige 20000 Rtlr. in
Sechspfennigftücken ftatt in Mariengeld fchlagen laffen zu dürfen.3)
Zu leßterem Vorfchlage hatten ihn Maßregeln der Zentral-
behörde veranlaßt. Am 12. Februar 1768 fragte nämlich das
General-Direktorium bei Kröncke an. ob nicht ein Publikandum
nötig fei. daß die Mariengrofchen in den mittleren Provinzen nicht
umlaufen dürften.4) Wenn das auch bisher nicht formell unterfagt
1) Kammerber„ Aurich 20. Julß Vorftellung Krönckes vom 10. Auguft 1767.
2) Kammerber, Aurich den 6. Aug.; Gutachten Krönckes vom 22. Aug. 1767.
' 3) Alles aus Tit. ZLV 5.
4) Das Folgende nach Tit. Zl1lll) 5.
23() Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
war. fo wollte der König fie doch diesfeits der Wefer nicht dulden
und meinte. fie müßten durch Schelmereien eingefchleppt worden fein))
Salomon hatte nämlich in feiner Verlegenheit. diefes Geld im
Weften los zu werden. davon gegen 22000 Rtlr. feinem Schwieger-
fohn Mofes Samuel Fürft in Berlin gefchickt. und nun hielt man
ihn an. fie mit Kurant einzutaufchen und wieder nach Aurich zurück-
zubefördern.?) Troß ftarken Lamentierens und unwahrer Ent-
fchuldigungen mußte er fie einwechfeln. Kröncke verwandte fich noch
beim König dafür. daß die Mariengrofchen wenigftens in Halber-
ftadt und Minden erlaubt würden. denn es feien feit 1764 nur für
11800 'Rtlr. in Magdeburg gefchlagen worden. vor 1756 aber
überhaupt für 1296000 Rtlr. Wenn die Hälfte der ausbedungenen
85000 Rtlr. auf die Lande zwifchen Wefer und Elbe gerechnet
würden. fo fei diefes Quantum für jene Gegenden gewiß nicht zu
viel. Weife die Poft fie weiter zurück. fo nehme fie überhaupt nie-
mand. und Salomon könne nicht weiter prägen laffen. Dennoch
wollte Friedrich ihren Umlauf diesfeits der Wefer nach wie vor nicht
zugeben. jenfeits derfelben follte fie aber jeder unweigerlich annehmen. 5)
Wir erinnern uns. daß für die Lande zwifchen Wefer und
Elbe fchon vor 1756 die Magdeburger Münze. auf Graumans An-
ordnung. hatte Mariengeld münzen müffen. diefes aber nicht hatte
abfeßen können. weil dasfelbe in diefen Gegenden damals fchon
außer Gebrauch kam.4) Jenfeits der Wefer war es aber eigentlich
immer nur wenig im Umlauf gewefen; dazu kamen nun im fieben-
jährigen Kriege die maffenhaften Ausprägungen von fchlechtem
Mariengeld in der Auricher Münze. wodurch es dort vollends jeden
Kredit verloren hatte.
Wenn alfo auch die Auricher Kammer nach jener Willens-
äußerung des Königs die unweigerliche Annahme erneut verkünden
1) K.-O. an das General-Direktorium. Potsdam. 1.5. März 1768.
2) Bericht des Polizeidirektoriums. Berlin. 22. März 1768.
3) .Im-Ber. des Gen.-Direktoriums vom 25. April. Tit.111.111. 5 ; Jun-Ber.
Krönckes vom 27. April; K.-O. an Kröncke vom 28. April 1768. lt. Z111. 3 u. 1.
4) Öftlich der Elbe nahm man es natiirlich erft recht nicht. 1757 wurden
der Halberftädtifchen Oberfteuerkaffe 200 Rtlr. davon aus Berlin zurückgefandt:
es fei edikt- aber nicht kaffenmäßiges Geld und nur für den Verkehr mit der
Nachbarfchaft gefchlagen. A. M. Halberft. Kammer 1 156. S. Bd. 11. S. 187 f.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 2c. 23]
mußte.1) fo hielt fie diefen Befehl doch für unausführbar. denn mit
den 4-Pfennigftücken oder Groten fei die ganze Gegend angefüllt.
und die Mariengrofchen kämen alle aus der Nachbarfchaft wieder
zurück. Was follten die Bäcker und Brauer mit ihnen beginnen.
die Korn nur für Goldgeld bekämen?
Kröncke aber fuhr fort. alle Schuld auf das üble Benehmen
der Kaffen zu wälzen. die diefe Münzen durch verweigerte Annahme
diskreditiert hätten; das Emdener Poftamt erdreifte fich fogar. bei
Bezahlung mit Mariengeld Aufgeld zu erheben?) Aber er erlangte
wenig. Die Kammer gab vielmehr an. daß der holländifche Gulden
zu 311/2 Stüber nun in Halbmariengrofchen 45 Stüber kofte. und
die Provinz auf 10 und mehr Jahre mit genug Scheidemünze ver-
fehen fei. Nur foviel wurde endlich verfügt. daß die Kaffen jenfeits
der Wefer davon annehmen follten. was fie wieder im Lande aus-
zugeben in der Lage feien; mehr verficherte das General-Direktorium.
nicht befehlen zu können.3) Bei alledem darf man nicht außer acht
laffen. daß es keineswegs nur preußifche 8- und 4-Pfennigftücke
waren. über die man klagte. Vielmehr drangen Scheidemünzen der
Nachbarn. befonders Bremifche Groten. in großer Menge ein.
Die Auricher Münzftätte fchleppte ihr Dafein noch eine Weile
dahin. geriet dabei aber in große Verlegenheiten. denn da man keine
Scheidemünze mehr loswerden konnte. wurde Kurant gemünzt. das
zu wenig Schlagfchaß abwarf. als daß davon die Münzkoften be-
ftritten werden konnten. So kam es. daß das Quartal Juni. Juli.
Auguft 1768 mit einem Fehlbetrag von 4753 Rtlr. abfchloß.4) Da
machte denn Salomon wieder den Vorfchlag. den Reft des Scheide-
münzquantums in Sechspfennigftücke auszumünzen. aber das wollte
der König nicht zugeben. weil er. wie Kröncke angab. diefe Münze
für eigene Rechnung prägen ließ. Der Generaldirektor konnte Unger
nur raten. möglichft fchnell dem Könige eine Erklärung Salomons
1) Zeitungsinferat vom 16. Mai 1768. fie bei Poften bis 2 Ggr. anzu-
nehmen. Tit. 811111. 24.
ii) Kammerber.. Aurich. 31. Mai 1768. Kröncke an Minifter v. Hagen.
28. Juni 1768.
3) Kammerber.. Aurich. 14. Juli 1768. Refkript an Kröncke vom 6. Sep-
tember 1768.
4) Das Folgende nach Tit. 1487. 5. Salomon hat bis Ende November
1768 5817 Mark 1 L. 9 Gr. Feinfilber. dann nichts mehr geliefert. Tit. 111.111. 24.
232 Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
zu unterbreiten. daß diefer den Kontrakt nicht erfüllen könne. be-
fonders fich aber mit dem Juden über die Rückftände zu vergleichen.
_der darauf eingehen müffe. da er doch durch verzögerte Silber-
lieferung die Schulden der Münze veranlaßt habe))
Als Friedrich von den mißlichen Umftänden hörte. gab er. um
die Münze im Gange zu erhalten. zu überlegen. ob man nicht die
Münzen der Nachbarn und des Reiches nachprägen könne; früher
feien dort ja Frankfurter Sorten mit großem Gewinn gefchlagen
worden?) Jedenfalls meinte er damit die vor 1756 in Cleve ge-
münzten Baßen.ii) Aber fowohl Kröncke wie auch der Berliner
Bankdirektor Koes wiefen diefen Plan zurück. Denn zunächft fei
das fremde Kurant nach Konventionsfuß um 50/0 filberreicher als
das preußifche; fodann laffe fich aber kein Unternehmer mehr darauf
ein. fremde Scheidemünzen abzufeßen. gegen die man überall einen
ftarken Widerwillen habe. Ferner könne der gefchicktefte Stempel-
fchneider das fremde Gepräge nicht fo genau nachahmen. daß die
Fremden es nicht als Nachfchlag erkennten. So habe die Nach-
prägung öfterreichifcher Levantetaler und ruffifcher Rubel in Magde-
burg wegen Unmöglichkeit fie abzufeßen bald aufhören müffen.4)
Da alfo auch diefes Mittel nicht anwendbar erfchien. mußte
die Münze eingehen. Jm Januar 1769 kam Unger nach Berlin.
um feine Verabfchiedung zu betreiben. die aber ihre Schwierigkeiten
hatte. weil die Münze eben noch an 5000 Rtlr. dem Salomon
fchuldig wan-*7) Da alle Münzbeamten entlaffen wurden. begab fich
Unger nach Rothenburg. wo er bei den Bergwerken Aufteilung fand.
Er erlangte von Meher Salomon die Zufage. daß diefer auf alle
Forderungen an die Münze verzichte. doch hatte der Jude einen
Wechfel. der ihm von Unger auf Z000 Rtlr. ausgeftellt war. an
Jofeph Veitel Ephraim abgetreten. der Unger nach Verfallzeit des
Wechfels verklagte. 1770 bat diefer Kröncke flehentlich um Er-
ftattung der Summe. denn diefes Defizit fei weder durch feine noch
l) Kröncke an Unger. 13. September und 8. November 1768.
2) -K.-O. an Kröncke vom 29. September und 11. Oktober 1768. kt. Z111. 1.
3) Bd. ll) S. 238) 239.
4) Jm.-Ber. Krönckes vom 4. Oktober 1768. Jm.-Ber. Krönckes und Koes'
vom 10. Oktober 1768. 11. Zlll) 3. Über diefe Nachfchla'ge Näheres im 17. Bande.
5) Jm.-Ber. Krönckes vom 19. Februar 1769. kt. U11. 3.
Das Schickfal des Edikts vom 29. März 1764 rc. 233
des Salomon Schuld. fondern durc h die Unmöglichkeit. das Marien-
geld abzufeßen. entftanden. Ebenfo viel Schuld hätte fonft anc
h
Kröncke. der deffen Prägung befürwortet habe. Es wurde darauf
ein Vergleic h getroffen. daß von Ungers Gehalt jährlic h 200 Rtlr.
gezahlt würden. bis die 3000 Rtlr. nebft 59 Rtlr. 10 Gr. Jnter-
effen und Koften abgetragen feien. Bis auf 241 Rtlr. 10 Gr. wurde
bis Ende 1789 alles abgezahlt))
Seit 1768 alfo führte Oftfriesland wieder fein monetäres
Sonderleben. Franzöfifches Goldgeld- und franzöfifches und hollän-
difches Silbergeld bildeten das grobe Kurant des Handels. während
das preußifche in zweiter Linie infofern in Betracht kam. als es
für die Sendung der Einkünfte nac h Berlin unentbehrlic h war.
Doc h trat diefes Moment allmählic h mehr in den Hintergrund. weil
die Übermachung der Einkünfte nac h Berlin gegen Ende der Regierung
Friedrichs fchon zum großen Teile durc h Wechfelverkehr gefchah.
Was die Münzen angeht. fo hat man nac h 1768 nur ab und
zu. wenn Scheidemünzmangel eintrat. von Berlin her diefem abge-
holfen. So 1771 und 1772 durc h Sendung von ganzen nnd halben
Stübern)) Es muß fic h damals in jenen Gegenden ein bemerkens-
werter Umfchwung in der Anfchauung der Bevölkerung über die
Scheidemünze vollzogen haben. Als es 1777 in Oftfriesland an
Scheidemünze mangelte. hatte man vor. in Berlin für 3000 Rtlr.
filberne Sorten. wahrfcheinlilic h Mariengrofchen. und für 2000 Rtlr.
Kupfergeld prägen zu laffen. Dagegen aber fprac h fic h zuerft der
Minifter v. Derfchau aus. weil die Poft fie auf dem Halfe behalten
würde. dann aber befonders fcharf die Auricher Kammer)) Jndem
fie an die Vorgänge von 1767 und 1768 erinnerte. ftellte fie vor.
daß man in Oftfriesland gar nicht nac h guten oder nac h Marien-
1) Tit. 1111111. 5 und Bericht des Oberhüttenmeifters Unger. Rothenburg.
21. November 1789. Tit. 1111111. 24. - Ãœber den Reft war es zu einer Klage
der Witwe Salomons gekommen. Genß rechnete aber heraus. indem er unter-
ftellte. daß Salomon feinen Lieferungskontrakt nicht gehalten und den verfprochenen
Schlagfchaß nicht gezahlt hätte. daß er vielmehr dem König 1022 Rtlr. fchuldig
geblieben fei. die man nur aus Mitleid nicht eingetrieben hätte. Bericht vom
15. Oktober 1789. Tit. Llit111. 24.
J) Münzbefchreibung Nr. 1404-1407. 1413.
ti) K.-O. an die General-Kriegskaffe vom 7. Mai 1777. Vorftellung
Derfchaus vom 26. Mai 1777. Tit. 1111111. 10.
234 Drittes Buch. Fünftes Kapitel.
grofchen. fondern nach Stübern rechne. und es immer fchwierig fei.
dem Volke eine unbekannte Münze genehm zu machen. Die 4-
Pfennigftücke wären als Groten wohl bekannter. feien aber eben
durch jene Vorgänge außer Kredit gekommen und vom Volke auf
1/2-Stüber. d. h. von 1/72 auf 1/108 Rtlr.. devalviert worden. 1768
habe man für 827 Rtlr. davon aus den Kaffen nach Berlin fenden
nnd mit 300/0 Verluft umprögen laffen müffen. Entweder alfo
nähmen die Kaffen fie und trügen den Verluft. oder man befchränke
ihre Zahlkraft und bürde damit den Schaden dem Volke auf. da
dann fofort wieder der holländifche Wechfelkurs und die Waren-
preife fteigen würden. Beffer fei alfo. entweder nur 5000 Rtlr. in
Kupfergeld oder nur 3000 Rtlr. in einer andern Billonforte. wie
etwa doppelten oder einfachen Stübern zu prägeni) Es find dann
wohl 500() Rtlr. ganz in kupfernen'Viertelftübern gemünzt?) und
mit diefen die verhaßten Vierpfennigftücke eingezogen worden. wie
es der Generalmünzdirektor Singer am 7. Juni 1777 geraten hat.
Auch als man 1781 und 1782 filberhaltige Halbftüber prägte.
kam man über einen Verfuch nicht hinaus: nur für 50() Rtlr. find
davon hergeftellt worden.3) Dagegen find nicht nur in den Jahren
1777. 1778 und 1779. fondern auch 1781 und 1784 kupferne
Viertelftüber. im leßtgenannten für 50() Rtlr.. von Berlin gefchiikt
worden. 4) Den kleinen. leicht verlierbaren und nach kurzem Um-
laufe unanfehnlichen Billonmünzen wurden auch in Deutfchland
immer mehr die kupfernen Scheidemünzen vorgezogen.
1) Kammerber, Aurich. 20. Mai 1777. Ebenda.
2) Münzbefchreibung Nr. 1434-1436.
3) Diefe Münze ift ein numismatifches Kuriofum. Da nian wohl fah.
daß die alten fürftlich oftfriefifchen Münzen beliebter als die mit preußifchem Ge-
präge waren. ahnite man die Öalbftüber des Fürften Georg Albrecht (f- 1743)
nach und ließ fogar deffen Titel troß des preußifchen Adlers und der Jahres-
zahl 1781 oder 1782 ftehen. Münzbefchreibung Nr. 1414-1416. - Münzfuß:
324 Stück aus der 2-lötigen Mark. alfo ein 24-Talerfnß.
4) Münzbefchreibung Nr. 1437. 1438.
Schluß.
Um das Jahr 1765 war die Reorganifation des preußifcheu
Münzwefens beendet. Zwar dauerte die Umprägung der Trefor-
beftände und auc h die Eiufchmelzung der großen Maffe des um-
laufenden Kriegsgeldes noch bis etwa 1770. aber die Münzverfaffung
und Geldgefeßgebung waren 1764 und 1765 von neuem feftgelegt
worden. Und zwar war das in fo umfichtiger und durchführbarer
Weife gefchehen. daß nicht nur während der weiteren Regierung
Friedrichs. fondern bis tief in das 19. Jahrhundert hinein an den
damals aufgeftellten Grundfäßen wenig geändert zu werden brauchte.
Nicht als ob diefe Gefeße nun troß aller politifchen. wirt-
fchaftlichen und technifchen Änderungen ftarr beibehalten wären.
Vielmehr wurden diefelben wohl danac h modifiziert. aber diefe
Modifikationen waren keine die Grundlage. den Münzfuß berühren-
den. Sodann werden wir auf manche Fehler und Mißbräuche
unter den beiden folgenden Regierungen. befonders auf eine nuheil-
volle übermäßige Scheidemünzproduktion ftoßen; diefe Mißbräuche
entfprangen indeffen auc h nicht etwa den 1764 aufgeftellten Gefeßen
und Verordnungen. fie waren keine organifchen Ãœbel. fondern
chronifche. es waren Fehler der Staatsverwaltung. nicht der Münz-
verfaffung. Nac h 1806 vermied man fie. und da begann der preu-
ßifche Münzfuß feinen Siegeslauf durc h ganz Deutfchland.
Die Hauptarbeit war in den fechs Jahren 1750 bis 1752 und
1763 bis 1765 geleiftet. Seitdem geht die Münzprägung in fo ruhigem
und regelmäßigem Gange weiter. daß die Akten außer der Präge-
ftatiftik nicht viel Erwähnenswertes enthalten. Daher bildet denn
die Zeit von 1765 bis 1786 die erfte Hälfte der im preußifchen
Münzwefen zufammenhängenden Epoche von 1765 bis 1806. die
im folgenden leßten Bande behandelt werden foll.
Zweite Abteilung.
Akten.
f. Generalpachtkontrakt für fein-etliche Wünzftätten mit Herz m0fes
Gumperts. mofes Jfaac und Daniel Jtzig.
p0tsdam. 6. Oktober 1755.
Abfchrift.l) n. 96. 409 a.
Nachdem S. K. M.. . refolviret. mit Dero fämmtlichen
Münzen eine Veränderung zu treffen und fowohl diejenigen. welche
bishero verpachtet gewefen. an gewiffe Entrepreneurs auf eine Zeit'
von vier Jahren gegen einen feftgefeßten reinen Schlagfchaß von
einer jeden Million Silber in Pacht zu überlaffen und . . mittelft
Dero . . Ordre vom 2. 0etobrie c. dem Generalmajor v. Reßow
anzubefehlen geruhet. den Generalmünzpachtcontract von fämmtlichen
fechs Münzen. als: zu Königsberg. Breslau. Aurich. Cleve. Berlin
und Magdeburg. mit deren Münzentrepreneurs Herz Mofes Gum-
perß & Comp. und Mofes Jfaac Jßig & Comp. behörig zu ent-
werfen. denfelben aber demnächft zur . . königlichen Approbation
und Ratification einzufendeu. als haben en eont'ormite angezogener
. . Ordre befagter Generalmajor v. Reßow an einem und die
Münzentrepreneurs Herz Mofes Gumperß & Comp. und Mofes
Jfaac Jßig & Comp. am andern Theile nach vorgängiger reiflicher
Erwägung aller Umftände gegenwärtigen Generalmünzpachtcontract
auf das zu Recht beftändigfte dahin verabredet und gefchloßen. daß
demnach die Entrepreneurs fich verpflichtet:
1. auf denen fämmtlichen fechs k. Münzen. nämlich zu Königs-
berg. Breslan. Aurich. Cleve. Berlin und Magdeburg. alljährlich
6 Millionen an Silber. als nämlich 4285713/7 Mark. die Mark
a 14 Rthlr. gerechnet. auf folgende Art ausprägen zu laffen. als:
in Königsberg 1 Million Silber. wovon die Hälfte an preußifchen
18-Grofchenftücken. die andere Hälfte an Sechfer und. falls es dem
Lande erträglich oder außerhalb Landes gebracht werden könnte. in
1) Die Ausfertigung war gezeichnet von v. Reßow und den Unternehmern;
fie liegt niäjt vor.
240 Nr. 1. - 6. Oktober 1755.
3-. 2-. 11/2-1) und 1- preußifchen Grofchenftücken; in Breslau
1 Million Silber. wovon die Hälfte an Achtzehner. die andere
Hälfte an Sechfer und. falls es dem Lande erträglic h oder außer-
halb Landes gebracht werden könnte. an 3-. 2-. 11/2- und 1-Kreuzer-
ftücken; in Auric h 1 Million Silber an 6 Schilling2) oder 4 Marien-
grofchenftücken; in Cleve 1/2 Million Silber an 2-. 4- oder 8-
Grofchenftücken und 1/2 Million Silber an 1- oder 2-Stüberftücken;
in Berlin 1 Million Silber. nämlic h 3/10 an 2-. 4- oder 8-Grofchen-
ftücken. 7/10 die Hälfte in 1-Grofchen- und die andere Hälfte in
6-Pfennigftücken; in Magdeburg 1 Million Silber. nämlic h 3/10 in
2-. 4- und 8-Grofchenftücken. 7/10 die Hälfte' in 1-Grofchen- und
_die andere Hälfte in 6-Pfennigftücken; überhaupt aber alle obgedachte
Münzforten ohne die geringfte Veränderung auf denfelben Münz-
fuß und auf ebendenfelbigen Gehalt in Schrot und Korn. wie
S. K. M. bei denen Münzen verordnet und approbiret haben. und
wornac h bereits von denen vorigen Entrepreneurs. den Ephraim
und Fränckel. ansgemünzet worden. zu continuiren.
2. Bezahlen die Entrepreneurs für diefe obgedachte 6 Millionen
Silber an S. K. M. als einen reinen Schlagfchaß. vom 1. Pl0rern-
brie des 1755. Jahres an gerechnet. jährlic h 310000 Rthlr.. und
zwar allemal. fo ofte fie ein Viertheil von der ganzen obgedachten
Summa ausgepräget haben. auc h ein Viertheil von dem Schlag-
fchaß mit 77500 Rthlr.
3. Engagiren fic h die Entrepreneurs den Avanzo von denen
Breslau-. Berlin-. Cleve- und Aurichfchen Münzen in Golde. von
. Königsberg und Magdeburg aber an Silbergelde. nämlic h 2-. 4-
oder 8-Grofchenftücken. zu bezahlen.
4. Uebernehmen diefelbe. alle erforderliche Münzkofien zu
tragen. die Münzbediente fowohl als auc h die Arbeitsleute zu be-
zahlen. das Kupfergefchirr. imgleichen die erforderlichen Stempel
und Münzmaterialien auf ihre Koften anzufchaffen und zu unter-
halten; jedoc h behalten fic h diefelben vor. daß der Münzetat von
denen Salariis der Berlinfchen und Magedeburgfchen Münzofficianten
dergeftalt regnliret werde. daß folcher fic h nicht höher als bei denen
andern k. Münzen erftrecke.
1) 11/2 Grofchen gab es nicht.
2) So!
Generalpachtkontrakt. 24)
5. Referviren fich Entrepreneurs. daß fie von denen zur Münze
erforderlichen Kupfer- und übrigen Materialien. gleichwie es bishero
üblich gewefen. die Accifefreiheit genießen follen.
6. Ferner übernehmen diefelben alle die Gelder. fo von Cleve
und Preußen an S. K. M. Kaffen aus denen dortigen Krieges-
nnd Domänenkaffen übermachet werden und in denfelben an clevifchem
Stübergeld oder preußifchen Grofchen befindlich fein follten. folches
gegen 2-. 4- oder 8-Grofchenftücken anszuwechfeln. und zwar in
Preußen ohne Agio. in Cleve aber. ohngeachtet die Agio 6 und
mehr Procent beträget. nur gegen 3 Procent Bonification. jedoch
mit dem Beding. daß denen Entrepreneurs freiftehet. ein folches
gleiches Quantum als fie ausgewechfelt. an Stübergeld a parte
prägen zu laffen. ohne S. K. M. davon einen Schlagfchaß zu be-
zahlen; welche Summe alsdann. wenn Entreprenenrs durch Attefte
der k. Krieges- und Domänenkaffen fich legitimiret haben werden.
einzig und allein berechnet wird. gleichermaßen wie folches denen
vorigen zugeftanden worden.
7. Alle die Münzkaffenbeutel follen dergeftalt im Gewichte
egalifiret und regnliret werden. daß an denen darin gehörigen
Stücken nichts manquiren. und überhaupt mit denen Stückelungen
nicht anders als nach dem von S. K. M . . . approbirten Münz-
fuß und dieferhalb ergangenen königlichen Cabinetsordre verfahren
werden muß.
8. Es follen auch die 8-Grofchenftücke gehörig wardiret und
beftmöglichft ajuftiret werden. der Ueberfchuß von der Stückelung
bei allen Münzforten denen Entrepreneurs zuftändig fein.
9. Wie denn auch die Metalle. als Silber und Kupfer. fo
der Münzmeifter zu verarbeiten empfängt. exeLueire des Abgangs.
richtig wiederum abgeliefert und alle daraus gezählte Gelder an
vorgedachte Entrepreneurs abgegeben werden follen. Mit denen
Goldmünzen hat es eine gleiche Bewandniß. als vor vom Silber
gerechnet worden.
10. Submittiren fich Entrepreneurs. daß. da a-nf allen Münz-
ftätten ein Grän Remedium paffiret wird. fie auch das ausgeprägte
Geld. wenn gleich an demfelben höchftens ein Grän pro Mark brutto
fehlen follte. annehmen wollen.
Zeta Zar-[regien, Münzwefen lll. 16
L42 Nr. 1. - 6. Oktober 1755.
11. Behalten fic h diefelben vor. daß. wenn fie alljährlic h mehr
als eine Million fein Silber auf jeder Münze ausmünzen können.
imgleichen auch. wenn Entrepreneurs vor gut befinden follten. um
den Silberpreis und Wechfelcours nicht in die Höhe zu treiben. mit
Ausmünzung einer Million zwei oder drei Monate länger als ein
Jahr zu trainiren. folches ihnen freiftehen foll. mithin die Aus-
münzung nach Gelegenheit und erfordernden Umftänden zu betreiben;
wie denn auch. wann diefelben finden. daß fie auf einer Münze
das Quantum der obgedachten Million nicht ausprägen können.
ihnen erlaubet fei. folche auf einer andern Münze zu completiren.
und fie fic h überhaupt an die Zeit und an den Ort nicht binden
dörfen. weil dem ohngeachtet an S. K. M. der pro Million zu-
kommende Schlagefchaß zur Verfallzeit gezahlet wird.
12. Behalten fic h Entrepreneurs vor. daß außer diefen in
gegenwärtigem Contract feftgefeßten fechs Münzen keine anderweitige
neue zu ihrem Präjudiz angeleget oder eingegangene alte wieder
gangbar gemachet werden follen.
13. Referviren fic h Entrepreneurs. daß alle Ordres und Prä-
rogativen. fo die vorige Münzentrepreneurs erhalten haben. ebenfo.
als ob fie auf ihre Namen und ihnen zum Beften ertheilet worden
wären. angefehen und darüber gehalten werden foll.
14. Verlangen Entrepreneurs. daß das in der Berlinfchen
Münze aus der Mansfeldfchen Gewerkfchaft fallende Silber um den
bishero feftgefeßten Preis ihnen gleichfalls geliefert werden müffe.
15. Auc h verlangen diefelben. daß die auf denen k. Münzen
geprägte preußifche Grofchen oder Kreuzergelder. gleichwie es denen
vorigen Entrepreneurs accordiret worden. auf allen königlichen Kaffen
des Orts. wo fie gefchlagen worden. überhaupt aber in Wechfel-
zahlungen angenommen werden follen; aller Orten. wo dergleichen
bisher acceptable gewefen. curfiren dörfen; dahingegen aber das
fächfifche Kreuzergeld nicht allein in keinen Wechfelzahlungen ange-
nommen. fondern auc h diefelben fowohl als andere laut köuiglicher
Edicte reducirte Münzforten nicht paffiret und aus S. K. M. Landen
zurückgefendet. auc h in wiederholtem Contraventiousfall confisciret
werden follen.
16. Referviren fic h Entrepreneurs. daß an alle Poft-. Accife-
und Zollämter refcribiret werde. wie fie dahin zu fehen. daß bei
Generalpachtkontrakt. 243
namhafter Strafe kein Silber und Gold aus denen hiefigen nach
fremden Landen paffiret werden möge; und damit auch hierunter
kein Unterfchleif vorgenommen werden kann. fo foll fowohl alle das
güldifche Silber an die Entrepreneurs zur Scheidung geliefert. als
auch von keinen andern Leuten Silber unter keinem Vorwand außer
-derMünze gefchmolzen und gefchieden werden. ausgenommen der
königlichen Gold- und Silbermanufaktur. imgleichen denen Gold-
fchmieden dasjenige. was fie zu ihrer Arbeit benöthiget find. zu
fchmelzen und zu fcheiden erlaubt fein foll.
17. Soll das Poftporto von denen Metallen. fo zu den-en k.
Münzen geliefert werden. fowohl was in Vaqueten. Beuteln oder
Fäffern befindlich. nicht nach dem Quanto und Werth. fondern nach
dem Gewichte und gleich andern Kaufmannsgütern pro Pfund be-
zahlet. auch daß das Poftporto fo reguliret werde. wie es bereits
denen vorigen Entrepreneurs Ephraim & Comp . . . ift accordiret
gewefen.
18. Jmgleichen bitten Entrepreneurs. daß die ans diefem
Generalcontract aller Münzen formirte Specialcontrncte an keinen
andern mehr als an die Münzdirectores und Rendanten communi-
ciret werden. wie auch daß die Contracte und Generalberechnungen
nur immeäiate an S. K. M. und an den Generalmajor v. Reßow.
als welchen Allerhöchftdiefelben zur Direction diefes importanten
Werks denen Entrepreneurs . . accordiret haben. eingefandt werden
dörfen.
19. Verlangen Entrepreneurs. daß diejenigen Münzbedienten
und Officianten. fo bei denen Münzen unbrauchbar und überflüffig
ï¬nd. von dem Generalmajor v. Reßow. wiewohl mit Genehmhaltung
S. K. M.. dimittiret und andere gefchicktere und brauchbare. fo viel
wie nöthig. angenommen- werden können. Jm Fall aber nach ge-
fchehener Regulirung des Berlinfc'hen und Magdeburgfchen Salarien-
Etats fernerhin ein (ii-(wart bei denen .königlichen Münzofficianten-
Salariis entftehen follte oder eines Münzofficianten Plaß vacant
würde und derfelbe nicht wieder zu befeßen nöthig. fo verpflichten
fich die Entrepreneurs. das daher entftehende vacante Sa-larinm
zum Beften des . . k. Jntereffe zu verrechnen 'und dem ftipulirten
Schlagfchaß beizufügen.
16*
244 Nr. 1. - 6. Oktober 1755.
20. Engagiren fich Entrepreneurs einen Generalwardein an-
zunehmen und auf ihre Koften zu falariren. welcher die Münzen.
fo ofte es die Nothwendigkeit erfordert. bereifen und die darin be-
findliche Stock-. Tiegel- und Barrenproben examiniren und probiren.
auch von deren Befinden feinen pflichtmäßigen Bericht abftatten foll.
damit alle Münzforten accurat und aufrichtig nach S. K. M . . .
approbirten Münzfuß ausgeprägt werden. Dahingegen für den-
felben S. K. M. einen freien Vorfpannpaß zu denen höchftnöthigen
Reifen ertheilen.
21. Obligiren fich Entrepreneurs. alljährlich eine Million an
Golde 811cce88i7e entweder in Friedrichsd'or prägen zu laffen oder
fo viel und. wo es möglich. noch mehr an Friedrichsdor gegen 2-
und 4-Grofchenftücke mit 11/20/0 Agio zu liefern; bitten fich dabei
aus. daß fogleich nach Ablieferung einer Summa Goldes ihnen
gegen gehörige Legitimation durch einen Schein vom Rendanten der
Münze das Silbergeld ausgezahlet und dazu die Anweifung gegeben
werden möge. Dahingegen
22. Referviren fich diefelben. daß allen Münzofficianten ihr
Eid dahin erneuert werde. daß fie auf ihr Gewiffen mit denen
Entrepreneurs handeln und überall der ihnen ertheilten k. Jnftruc-
tion gemäß das ihrige nach wie vor gehörig beforgen follen; wie
folches auch denen vorigen Entrepreneurs accordiret worden.
23. Falls es fich ereignen follte. daß diefelben mehr Silber
wegen guten Preis vorräthig angefchaffet hätten. als fie im Stande.
fogleich zu vermünzen. auch ihnen. gleich denen vorigen Entre-
preneurs accordirt gewefen. durch die Kammern. auf Einlieferung
des vorräthigen Silbers. nach deffen innerlichem Werth der nöthige
Vorfchuß aä interim geleiftet werden foll; weshalb fie die nöthige
Ordres an die Kammern ergehen zu laffen bitten.
24. Sollen denen Entrepreneurs bei denen Münzen die k.
Magazine zur Aufbehaltung ihrer Materialien und Geräthfchaften.
wie auch die nöthige Wohnungen für fie und ihre Bedienten ein-
geräumet werden.
25. Verbleiben die 2 Grän Vorbefchickung auf den Fuß. wie
fie bisher gebräuchlich gewefen. nämlich denen Entrepreneurs zum
Beften.
Generalpachtkontrakt. 245
26. Bedingen fich Entrepreneurs einen freien Paß für fich
und ihre Bediente. weil fowohl fie als das Silber durch hiefige
und fremde Lande paffiren müffen.
27. Verbinden fich diefelben. vorerft auf zwei Jahre lang.
diefen Contract zu continuiren und vom 1. 1)eeembrie n. c. den
Anfang zu machen. jedoch mit dem Beding. daß die Münzen nltim0
0et0brie c. gefchloßen und ihnen vier Wochen vorhero geräumet
werden. damit die Entrepreneurs die nöthige Materialien und Uten-
filien nach und nach in die Münzen einbringen können. Auch
engagireu fich diefelben noch ferner dahin. daß. im Fall fie nicht
ein halbes Jahr vor Ablauf diefes Contracts von ihrem Engage-
ment fich losfagen. diefelbe verbunden fein follen. diefen Contract
nach allen Punkten und Claufuln noch auf zwei Jahre weiter zu
continuiren. folglich folchen auf vier Jahre feft und unveränderlich
zu halten; verfprechen auch zugleich. daß fie ihr möglichftes Be-
ftreben dahin anwenden wollen. fernerhin fo lange. als es S. K. M.
in Gnaden gefallen möchte und es fich thun läßt. diefe fämmtliche
Münzen mit der Lieferung zu fourniren.
28. Engagiren fich auch obgedachte Entrepreneurs. damit denen
abgehenden kein Schade zugefügt werden möge. alles Silber. Kupfer
und Materialien. fo auf denen Münzen vorräthig und ihnen zuge-
hörig. denenfelben abzunehmen und baar zu bezahlen. nämlich das
Silber die Mark fein d . 14 Rthlr.. wie folches im Anfchlage auf-
geführet. das Kupfer und übrige Materialien nach dem Werth und
Preis. wie diefelben fich 1egitimiren werden. daß fie folches be-
zahlet haben.
29. Schließlich referviren fich Entrepreneurs. daß fie wegen
diefer wichtigen Entreprife und damit fie folche ohnturbirt gehörig
ausführen können. auch von allen und jeden ohnangefochten bleiben.
und in erheblichen Fällen gegen diefelben fie lediglich von S. K.
M. . . Perfon immeäiate und von dem Generalmajor v. Reßow.
als welchem. wie gedacht. S. K. M. die Direction diefer confi-
derablen Entreprife anzuvertrauen geruhet haben. dependiren follen.
Und verfprechen die Entrepreneurs annoch. daß fie vorgedachtem
Generalmajor jederzeit treulich anzeigen und durch die Courszettel
beweifen wollen. wie der Wechfelcours und das Negotium des
Goldes und Silbers befchaffen. und. im Fall derfelbe um ein merk-
246 . Nr. 2. - 20. Oktober 1755.
liches mit Continuation fallen follte. alsdann noch ein mehreres in
Golde an Friedrichsd'or oder Ducaten ausprägen zu laffen. als fie
fich in diefem Contracte anheifchig gemacht haben.
2. promemoria des Herz Mofes Gumperts über Ausbreitung
preußifcher münzen in p0len.
(l). D. (etwa 20. Okwber 1755). _
Abfchrift. 11. 96. 409 .4.
Der wahre Rußen. fo S. K. M. Landen und Unterthanen
dadurch zuwächfet. wenn es dahin reguliret würde. daß die in
S. K. M. Landen gefchlagene 8-. 4-. 2-Grofchenftücke. auch pol-
nifche Gelder in Polen und ganz Sachfen. auch in der Leipziger
Steuer angenommen.-dahingegen wiederum die fächfifchen 4- und
2-Grofchenftücke allenthalben in S. K. M. Kaffen. das fächfifch-
polnifche Geld aber nur in Preußen und in Schlefien denen in
hiefigen Landen gemünzetes polnifches Geld [fo] gleich geachtet würde.
folcher würde in folgendem beftehen.
' 1. Die Annehmunge der fächfifchen Gelder kann S. K. M.
Landen keinen Schaden bringen. indem bereits auf hiefigen k. Münzen
fo viele Silbergelder ansgemünzet worden. daß fie die in Sachfen
nach dem neuern Münzfuß gemünzte Gelder mehr als zehnmal über-
treffen; desgleichen find bereits viel mehrpolnifche Gelder in S. K.
M. Landen als in Sachfen gefchlagen worden; wird alfo Sachfen
viel eher mit preußifchem Gelde überfchwemmet. als S. K. M. Lande
mit fächfifchen Geldern werden überhäufet werden. Vielmehr werden
folche zurückbleiben müffen. wie in Ö 41) angeführt.
S. K. M. Unterthanen werden durch die gefchehene Egalifirung
beiderfeits k. Gelder profitiren. indem fie die Agio gewinnen. fo
bishero die fächfifche Steuer und andere Gelder gegen die preußifche
Gelder gethan haben.
2. Die in S. K. M. Landen gefchlagene polnifche Gelder.
nämlich Kreuzer. haben bis äato 6 a 7 Procent gegen diejenigen
polnifchen Gelder. fo in Leipzig gemünzet. verlieren müffen. ohn-
geachtet die preußifchen um 11/2 Procent en 7n1e111- intrineeque 1)
1) Ju der Zufammenfaffung am Schluffe diefes Promemoria.
2) Vorlage: „1netrjnettit“.
Freier Geldverkehr mit Kurfachfen. 247
beffer als die fächfifche; welches dann auc h hierdurc h ceffiren würde.
Die Urfachen. woher es entftanden. daß die polnifchen Gelder. fo
in Sachfen gemünzet. die angeführte Agio gegen die preußifchen-
polnifchen Gelder bis äato gewonnen. find diefe. Die Sachfen und
Polen haben das in hiefigen Landen gemünzte polnifche Geld nicht
annehmen wollen. aus Urfache. weiten die in fächfifchen Landen ge-
münzte Gelder nicht in hiefigen Landen curfiren dörfen. Da nun
nac h Schlefien und Preußen von denen Polen ihre Landesproducte
zum Verkauf gebracht werden. die Bezahlung aber davor an ihnen
in folchen Geldern gefchehen muß. wo fie wiederum Waare in Leip-
zig p. vor kaufen können. die Goldfpecies auc h bereits fo wenig
vorhanden. daß fie nicht hinlänglic h find. den zehnten Theil damit
zu bezahlen. fo haben die fächfifchen-polnifchen Gelder nothwendig
wegen ihres ftarken Gebrauchs im Agio fteigen müffen. indem die
Schlefier und Preußen diefelben auffucheu. um damit die polnifche
Kaufleute contentiren zu können. Ob man fic h zwar unterfangen.
E. K. M. vorzutragen. daß diefes dadurc h gehoben werden könnte.
wenn die Ein- und Durchfuhre der fächfifch-polnifchen Gelder in
und durc h E. K. M. Lande verboten würde. fo muß doc h als ein
treuer Unterthan mit Wahrheit anzeigen. daß folches nicht dadurc
h
gehemmet wird. denn wenn der Verbot noc h fo fcharf. fo läffet es
fic h doc h nicht hindern. daß nicht heimlic h viel polnifc h Geld ein-
geführet werde. indeme folches nothwendig gebrauchet wird. weil
man kein anderes bis äato hat. womit man die polnifche Producte
bezahle. und welches Schlefien und Preußen doc h nothwendig ge-
brauchen. weil ein großer Theil ihrer Handlung darin beftehet. daß
die Polen die in hiefigen Landen gemünzte Gelder nicht angenommen
und alfo die holländifche Ducaten zu einem hohen Preis haben an-
nehmen müffen; fo ift daraus entftanden. daß die in Holland ge-
münzte Ducaten bereits fo hoc h im Agio geftiegen. daß diefelbe bei
ihrer Ducatenmünze weit mehr als S. K. M. bei der Friedrichsdor-
münze profitiren. und find dadurc h die Goldmünzungen in S. K. M.
Landen gehemmet worden.
3. Profitiren E. K. M. Lande auc h hierdurch. daß man die
Hamburger und Holländer pp. Wechfel um eben denfelben Preis
wird erhalten können. als man bis äato folche in fächfifch-polnifchem
248 Nr. 2. 3. - 20. Oktober 1755-23. Januar 1756.
Gelde bezahlet hat und alfo hierdurch mit der Zeit 2 d- 3 Procent
werden heruntergebracht werden. Und da
4. die fchlefifche und preußifche Länder denen Polen zu ihrer
Handlung fehr gelegen find. fo werden diefelben auch diefe Hand-
lung ftärker an fich ziehen. welche fich. weil fie die preußifche Gelder
in ihren Landen nicht haben gebrauchen können. fehr ftark nach
Danzig und Leipzig gezogen hat.
5. Wenn die pre_ußifchen-polnifchen Gelder von denen Sachfen
und Polen angenommen werden. fo werden nicht alleine dadurch
die in S. K. M. Landen noch befindliche Ducaten und Goldfpecies
conferviret. fondern auch. da S. K. M. Unterthanen mit denen
Polen in ftarker Handlung ftehen. in Polen aber noch vieles Gold
vorhanden. fo wird man dadurch im Stande gefeßet werden. diefes
in S. K. M. Lande gegen das preußifche-polnifche Silbergeld zu
ziehen.
Kürzlich ift nach angeführten Punkten der wahre Nußen von
Egalifirung beiderfeits k. Gelder diefer:
1. da noch viel Gold und Silber in Polen vorhanden und man
dadurch im Stande gefeßet wird. folches gegen die preußifchen-
polnifchen Gelder an fich zu bringen. man alfo nicht nöthig
hat. die Engelländer. Holländer. Hamburg durch Erhöhung des
Gold- und Silberpreifes und Wechfelcours reich zu machen.
und alfo der Gold- und Silberpreis. auch der Wechfelcours
nm ein merkliches heruntergefeßet werden kann; wobei nicht
alleine die Kaufmannfchaft. fondern auch das Publicum fehr
vieles profitiret;
2. wird bei der preußifchen und fchlefifchen Handlung jährlich
mehr als 100000 Rthlr. an der Agio profitiret. welche bis
äato hat bezahlet werden müffen;
3. wird dadurch auch die polnifche Handlung in S. K. M. Landen
verftärket;
4. werden auch die polnifch-fächfifchen Gelder nicht nach S. K. M.
Landen. auch nach Polen geführet werden. indem fie nicht
beffer alsdenn als die preußifchen find. und doch fo viel. als
das Porto beträget. denen Polen werden theurer zu ftehen
kommen.
Prägung mit fächfifchem Stempel. 249
Sollten nun E. K. M. . . agreiren. und es würde im Stande
gebracht. daß die preußifchen-polnifchen Gelder denen fächfifc-
h-
polnifchen Geldern in Sachfen und Polen gleich geachtet und ge-
nommen werden. fo könnten auc h die preußifchen Achtzehner mit
den fächfifchen Achtzehnern auf gleichen Fuß ausgemünzet werden.
und würde ic h dadurc h im Stande gefeßet. E. K. M. 10000 Rthlr.
jährlich an Schlagfchaß vor das erfte mehr zu bezahlen. welches
auch noch mit der Zeit. wenn nämlic h der Wechfelcours und Agio
gehörig reguliret. um eine confiderable Summe vermehret werden kann.
3. Aabinettsordre an den Generalmajor v. Retzow
über prägung mit fächfifchem Stempel.
Berlin. 25. Januar 1756.
Abfchrift. 12.816.409 n.
Jhr habt aus der abfchriftlichen Anlage mit mehrern zu er-
fehen. was der Kaufmann Schwindt 1) & Comp. zu Königsberg in
Preußen wegen der Freiheit. ein gewiffes Quantum an fächfifchen
Achtzehnern durch Meine Lande ohngehindert. doc h ohneröffnet.
nach Liefland führen zu dörfen. vorgeftellet und gebeten hat. Da
Jch nicht gerne von Meiner einmal vorhin genommenen Refolution
abgehen möchte. inzwifchen dennoc h gedachten Kaufleuten darunter
in gewiffer Maße behülflic h fein möhte. damit diefelbe den von
ihnen angegebenen Schaden vermeiden könnten. fo habt Jhr zu er-
wägen und mit dem Münzjuden zu fprechen. ob nicht die Einrichtung
bei der Münze zu Königsberg fo gemachet werden könne. daß unter
dem Quanto der Achtzehner. welches erwähnter Münzjude vermöge
feines getroffenen Contracts zu Königsberg ausmünzen-läffet. ein
Quantum von 100000 Rthlr.. und zwar nicht mit Meinem. fondern
mit dem fächfifchen Stempel. auf eben die Art und auf gleichen
Fuß und Gehalt fowie die fächfifchen Achtzehner feind. welche zu
Leipzig ausgepräget werden. ausgemünzet und alsdann obgedachten
Kaufleuten gegen Bezahlung und fonder daß einiger Eclat davon
entftehe. überlaffen werden müßte. damit felbige in ihrem darunter
habenden Handel nicht behindert werden.
1) Ju der Vorlage: Schwinck.
25() Nr. 4. 5. - 30. Januar-19. Februar 1756.
(H. Jmmediateingabe des Clevifchen Wünzdirekwrß v. Dieft über
den zu hohen Gewinn der Gumperts und C0nf.
Clevej 30. Januar 1756.
Abfchrtft. K. 96. 409 13.
Jn dem mit denen neuen Münzentrepreneurs Gumperß und
Mofes Jfaac gefchloffenen Münzcontract haben diefe artie. 17 fich
engagiret. alle nach Berlin gehende k. Revenuen in 2-. 4- und 8-
Grofchenftücke gegen 3 Procent zu verwechfeln. dabei aber fich aus-
bedungen. außer der in dem aktie. 1 bereits ftipulirten 1/2 Million
Scheidemünze. zu Vergütung des Verlnftes. weil bishero in Berlin
die Kaffenforten gegen 6 Procent verwechfelt worden. darüber noch
fo viel in 2-Stüberftücken gratis oder ohne Schlagfchaß zu bezahlen.
auszumünzen. als fie bei denen k. Kaffen wirklich vertaufchen werden.
Da ich nun finde. daß E. K. M. bei diefem Saß allein rati0ne
des Schlagfchaßes 81000 Rthlr. verlieren. denen Entrepreneurs aber
diefer Profit anheimfällt. gleichwohl aber dadurch mehr als noch
einmal fo viel an Scheidemünze als Berlinfch Geld. nämlich an
Scheidemünze 1083 855 Rthlr. und an Berlinfchem Gelde 1/2 Million
ausgemünzet. mithin das Land damit fehr überfchwemmet und der
Cours je länger je mehr verdorben wird. fo kann ich nicht umhin.
als ein treu verpflichteter Diener und weil ich E. K. M. Jntereffe
vorzüglich zu beaugen und zn befordern fchuldig bin. folches aus
bloßem Dienfteifer hiemit . . anzuzeigen und folgendergeftalt zu
detailliren.
Die Entrepreneurs haben nämlich von denen hiefigen Kaffen
jährlich in circa zu vertaufchen 450000 Rthlr.. und die dafür aus-
zumünzende 2-Stüberftürke bringen nach dem Münzfuß
Avanzo . . . . . . . . . . . 28 Procent;
nehme ich aber hiervon ab das Kupfer und
alle vorkommende Münzunkoften ö . . 7 Vrocent.
ferner die 3 Procent. welche die Berlinfche
Gelder fonft mehr getragen . . . . 3 „ 10 „
fo bleiben Avanzo 18 Procent.
mithin bringen diefe 18 Procent von denen in circa 450000 Rthlr.
äectnetie äeäueenäie an Avanzo 81000 Rthlr. jährlich und alfo
von denen ftipulirten vier Contractsjahren überhaupt eine Summe
Die clevifche Scheidemünzprägung. 251
von 324000 Rthlr.. welche E. K. M. verlieren. die Entrepreneurs
aber durch den 17. artic. ftatt des vorgegebenen Verluftes gewinnen.
Dahero E. K. M. ich lediglich . . anheimftelle. ob Allerhöchftdiefelben
bei fo bewandten Umftänden . . zu refolviren geruhen werden. zum
Beften des Landes es bei der in dem 1. nrtic. ftipulirten 1/2 Million
Scheidemünze einzig und allein zu belaffen oder. falls der 17. aktie.
bleiben foll. den davon kommenden Profit der 81000 Rthlr. jähr-
lich zu Dero . . Dispofition einzuziehen und denen Entrepreneurs
dagegen die 6 Procent Agio vergüten zu laffen.
5. Jmmediateingaben des Seneralmajorß v. Retz0w gegen die
Angaben Diefts vom 50. Januar 1756. betreffend die Clevifche
Scheidemünzprägung.
p0tßdam. l9. Februar 1756.
Urfchrift. 11. 96. 40913.
1.
Da E. K. M. bei Erhaltung derer Quartalextracte von denen
fämmtlichen Münzen mir ein Promemoria und dabei gelegte Nach-
weifnng. fo von dem Münzdirector v. Dieft zu Cleve an Höchft-
diefelben eingefandt. zu examiniren und die Sache felbft dergeftalt
zu beforgen befohlen. als es Höchftdero Dienft und Jntereffe er-
fodern. fo habe folcher . . Ordre vom 9.11uju8 zufolge die von
dem p. v. Dieft eingefandte Nachweifung genau erwogen. auch das
Werk felbft in feiner Conuexion betrachtet. wobei ich entdecket. daß
des p. v. Dieft angefertigte Balance falfch und 26000 Rthlr. jähr-
lich mehr gerechnet. als der wahre Ertrag an fich fein kann. wie
die Beilage 8nb 4. mit mehrern befaget.
Damit aber E. K. M. von diefer Sache und deren wahren
Befchaffenheit völlig convinciret werden. fo fehe mich genöthiget. die
Umftände davon genau zu detailliren.
Als Höchftdiefelben mir die Contracte mit denen Münz-
entrepreneurs Gumperß und Conforten auszufertigen und das ganze
Münzgefchäfte zu reguliren . . befohlen. fo feßten Höchftdiefelben
feft. daß. wenn die neuen Entrepreneurs ein Plus von 180000 Rthlr..
inc1118i7e der Million Gold auszutaufchen. und alfo in vier Jahren
720000 Rthlr. mehr geben. als der Ephraim wirklich abzugeben
252 Nr. 5. - 19. Februar 1756.
verfprochen. die Contracte darüber mit denenfelben dergeftalt aus-
gefertiget werden follten. daß denen neuen'Entrepreneurs alle die
bene-liein. fo dem Ephraim und Conf. verfprochen. zu Theil werden
nnd auf folchen Fuß mit felbigen contrahiret werden follte. Da
fich nun in dem Ephraimfchen Contract ß 7 fand. daß. weil die
Entrepreneurs fchlechte Gelder von dem Quanto. welches zu denen
Berlinfchen Generalkaffen aus Cleve übermachet werden muß. aus-
taufchen und dafür nur 3 Procent bonificiret bekommen follten.
ohnerachtet unter 6 Procent es nicht verwechfelt werden könnte. da-
für ihnen aber erlaubet würde. 300000 Rthlr. Silbergeld ohne
Schlagefchaß bei der Clevifchen Münze auszuprägen. fo habe zwar
diefen Punkt bei dem neuen Contract auch befolget. jedoch. da
300000 Rthlr. auszutaufchende Gelder feftgefeßet. hat es mir un-
möglich gefchienen. daß die Summe davon fo viel betragen könnte.
weil von denen Zöllen und Domänen auch gute Gelder einkommen
müffen. Es ift demnach in dem neuen Contract zu Verhütung aller
Unterfchleife feftgefeßet. daß denen Entrepreneurs nichts mehr an
Stübergelde ohne Schlagefchaß paffiren folle. als was diefelben
wirklich mit Atteften von der p. Kammer umgewechfelt zu haben.
beweifen können.
Da nun aber der p. v. Dieft das Quantum. welches jährlich
ausgetaufchet werden foll (dafern deffen Saß richtig). auf 450000 Rthlr.
fixiret und denen Entrepreneurs nichts mehr als 300000 Rthlr.
auszutaufchen im Contract angerechnet find.l) indeffen felbige alfo
150000 Rthlr. mehr umfeßen und ebenfo viel Stübergeld dafür
mehr fchlagen laffen. fo können fich felbige nicht entbrechen. den von
diefen 150000 Rthlr. betragenden Schlagefchaß von 10832 Rthlr..
wie die Nachweifung 8nb 13. befaget. an E. K. M. zu bezahlen.
Damit aber Höchftdiefelben völlig Sich informiren können. warum
diefe 300000 Rthlr. ohne Schlagefchaß auszuprägen im Contract
feftgefeßet find. fo rühret folches daher. daß. weil die Entrepre-
neurs in ihrem übergebenen Generalplan von allen Münzen das
ganze Avanzo von dem Stübergelde. und zwar ohne Agio. in Rech-
nung gebracht. ihnen dagegen die Ausprägung von 300000 Rthlr.
als ein Beueficium gelaffen worden. nachdem fie jährlich 180000 Rthlr.
und-alfo in vier Jahren 720000 Rthlr. gegen die Ephraimfche
1) Davon fteht nichts im Kontrakt.
Die clevifche Scheidemünzprägung. 253
Contracte mehr zahlen. Hierüber giebt die Beilage 811120. ein
näheres Licht.
Beilagen.
14.
8n1nnce über 450000 Rthlr. Stübergeld. wenn folche. ohne
daß davon ein Schlagefchaß bezahlet wird. ausgepräget werden und
dagegen ebenfo viel Silbergeld mit 3 Procent Agio ausgetaufchet
wird. was eil'eetire dabei überfchießt.
1011/z Stück Zweiftüberftücke. oder 3 Rthlr. 9 Gr.. wiegen
eine Mark cölnifch. die Mark hält fein Silber 3 Loth; nun wiegen
450000 Rthlr. 133 333 Mark. ift alfo darin fein Silber 25000 Mark.
Es wird aber die feine Mark zu 18 Rthlr. ausgemünzet. und da
die feine Mark im Ankaufe mit 14 Rthlr. bezahlet wird. alfo be-
träget der Profit auf jede Mark 4 Rthlr.. folglich von der ganzen
Summe........... 100000Rthlr.
Hiervon gehen ab:
an Kupfer und Münzunkoften laut des Director
v. Dieft eigenem Anfchlag u 10 Procent . . 45000 „
Bleibt reiner Überfchuß 55000 Rthlr.
.Da nun der p. v. Dieft fälfchlich bei S. K. M. angezeiget.
daß bei einer Ausmünzung von 450000 Rthlr. Stübergeld
81000 Rthlr. überfchieße und es doch wirklich nicht mehr als
55000 Rthlr.. wie gezeiget worden. beträget. fo hat derfelbe mit
Unrecht und wider die Wahrheit 26000 Rthlr- zu viel bei dem
Ueberfchuß von obigen (.Zuanti Ausmünzung und Umwechfelung all-
jährlich angerechnet.
13. _
Zalanee. was von 150000 Rthlr. Stübergelde S. K. M. an
Schlagefchaß ausgezahlet werden muß.
Jn 150000 Rthlr. Stübergelde ift an fein Silber 8333 Mark.
das Mark 14 Rthlr.. und wird zu 18 Rthlr. ausgepräget. ift alfo
4 Rthlr. pro Mark fein Avanzo. in 8111n1nn . . 33332 Rthlr.
Hiervon gehen ab:
1. laut des Director v. Dieft Anfchlag
an Kupfer und Münzunkoften
7 Procent . . . . . . . . 10500 Rthlr.
254 Nr. 5. - 19. Februar 1756.
2. Agio ö- 6 Procent. . . . . 9000 Rthlr.
3. an Provifion für den Entrepre-
neur 1 Procent. . . . . . 3000 „ 22500 Rthlr.
bleiben demnach an Schlagefchaß zu entrichten 10832 Rthlr..
dafern des v. Dieft angegebener Saß gegründet. daß außer denen
300000 Rthlr. in Cleve umzuwechfelnden Stübergeldern die Entre-
preneurs annoc h 150000 Rthlr. über befagter im Contract feft-
gefeßten Summe umwechfeln und ausprägen laffen müffen.
0.
13816nce. was bei der im Generalmünzcontract zum Grunde
gefeßten Umtaufchung gegen 3 Procent und davor ohne Schlage-
fchaß auszumünzenden Summe von 300000 Rthlr. Stübergelder
nac h Abzug derer Koften überfchießet.
1011/4 Stück Zweiftüberfiücke. oder 3 Rthlr. 9 Gr.. wiegen
eine cölnifche Mark; eine Mark hält an fein Silber 3 Loth.
300000 Rthlr. wiegen 88888 Mark 7 Loth; darin find an
fein Silber 16666 Mark 9 Loth. Da nun die Mark zu 18 Rthlr.
ausgemünzet wird. fo fchießet bei einer jeden Mark 4 Rthlr.
Rthlr. Gr.
über. .666664
Hiervon gehen ab:
laut des Director v. Dieft Anfchlag an
Kupfer und Münzunkoften. auc h Agio.
fo die Entrepreneurs verlieren. zu- > fammen 10 Procent . 30000 Rthlr. ' --
Jn dem von denen Entrepreneurs über-
gebenen Generalmünzplan haben fie von
denen in Cleve auszumünzenden
500000 Rthlr. Stübergeld die ganze
Avanzo S. K. M. berechnet und keine
Agio abgezogen. welche d- 6 Procent hier
in Anfchlag kommt mit . . .. . . 30000 „. 60000 -
Würden alfo die Entrepreneurs bei denen ange-
geführten 300000 Rthlr. gewinnen. . . . . . . 6666 -
Die clevifche Scheidemünzprägung. 255
ll.
Nachdem ich E. K. M. in meinem heutigen . . Bericht die
wahre Befchaffenheit der von dem Münzdirector v. Dieft zu Cleve
an Höchftdiefelben eingefandten unrichtigen Balance gemeldet. fo
muß hierdurch noch anzeigen. daß diefer Director v. Dieft fich nicht
als ein ehrlicher Mann und treuer Diener verhalten; denn. wenn
derfelbe Höchftdero Dienft zum Augenmerk gehabt. wie er fich deffen
rühmet. fo hätte er E. K. M.. als er Höchftdenenfelben den
Ephraimfchen Contract zur Confirmation vorgeleget. billig anzeigen
follen. daß. anftatt denen Münzentrepreneurs nur 1 Procent gehöret.
und wovon fich der Gnmperß und Conf. auch in ihrem neuen
Contract begnügen. der Ephraim über alternm tantnm gewonnen.
weil er laut Contract nur 50000 Rthlr. jährlich bezahlct. ohn-
geachtet das Avanzo von Cleve beim Stübergelde 104000 Nthlr.
jährlich beträget. folglich der p. v. Dieft ganz gerne zugelaffen. daß
E. K. M. in vier Jahren 216000 Rthlr. allein zu Cleve. auf denen
fämmtlichen Münzen aber 720000 Rthlr. verlieren follen. Da aber
derfelbe anjeßo mit feinem eingefchickten falfch ausgerechneten Plan
angeftochen kommt. auch darin fich nicht undeutlich merken läffet. daß
feine Abficht dahin gegangen. mich entweder als einen Jgnoranten
oder aber als einen Menfchen. der Nebenabfichten hätte. abzumalen.
auch wohl durch eine folche 8nbtile malice. wozu ihn andere Ju-
triguen verleiten mögen. intendiret haben mag. E. K. M. einen
Soupgon gegen mich zu erwecken. fo muß ich Höchftdenenfelben . .
überlaffen. ob des p. v. Dieft Conduite in Anfehung des falfch
ausgerechneten und eingefchickten- Plans nicht zu reffentiren nöthig
fein möchte. weil fonft der ehrlichfte Mann. der bei allen feinen
Handlungen die provide zur Norm hat. beftändig risquiren und
ohne Satisfaction derer fo fchwarzen Verleumdungen eine fo theuer
erhaltene Reputation ventiliret fehen muß.'auch überdem. wenn das
:Münzwefen in gehöriger Ordnung erhalten werden foll. eine ordent-
liche Subordination bei denen Münzbedienten erfordert wird.
_ Jn diefem nnnmehro leider aus wohl bemerkten Urfachen fo
intrieat gemachten Münzwefen find fo vielerlei Jntriguen verborgen.
welche meiner Feder zu gefährlich fcheinen und meinen Eifer für
E. K. M. Jntereffe gänzlich ermüden.
256 Nr. 6. 7. - 2. März- 1. April 1756.
6. Jtnmediatbericht des Clevifchen Wünzdirektors v. Oieft über
den Schlagfchatz.
Cleve. 2. märz 1756.
Urfcbrift. kt. 96. 409 13.
Aus E. K. M. . . Ordre vom 21. Februakii a. c. habe mit
innigfter Wehmuth und Betrübniß erfehen. daß Allerhöchftdiefelben
meine Balance wegen der Ausmünzung von 450000 Rthlr. Stüber-
geld unrichtig befunden. indem nicht mehr als 55000 Rthlr. übrig
verbleibe und. wenn die dagegen fonft zu bezahlende 6 Procent
Agio gerechnet werden. die Entrepreneurs nur einen Profit von
etwa 6666 Rthlr. erhielten. E. K. M. geruhen. mir zu allerhöchften
Gnaden zu halten. wenn ich zuvorderft hiemit heilig conteftire. daß
ic h diefe Balance aus bloßem Dienfteifer und vermöge der mir ob-
liegenden Pflicht. E. K. M. . . Jntereffe zu befördern. . . einge-
fandt. als wozu mich der Umftand bewogen. da nämlic h in dem
vorigen Contract eine gewiffe Summa an Stüber gratis auszuprägen
feftgefeßet. in dem jeßigen Contract aber inäere1-minate. und zwar
fo viel Stüber gratis auszumünzen accordiret ift. als die Entrepre-
neurs bei deucn königlichen Kaffen wirklic h verwechfeln und mit
Scheinen beweifen werden; und dahero würde die Balance folgen-
dergeftalt ausfallen. nämlich:
Rthlr. Gr. Pf.
7 Mark 21/4 Loth. nac h dem feftgefeßten Münzfuß
ausgemünzt zu 18 Rthlr.. betragen . . . . . 128 12 9
Diefe 7Mark 21/4 Loth koften denen Entre-
preneurs a 14 Rthlr.. . . . . .Rthlr.100
Beizulegendes Agio von Stübergeld . . „ 6
Kupfer und andere Münzunkoften. . . „ 7
Zulage zu denen 3 Procent von denen
Kaffen bei der Verwehfelung . . . „ 3 116 _ _
Bleibt Avanzo 121/2 Procent.
Mithin machen diefe 121/2 Procent denen Entrepreneurs nach
Abzug aller Unkofteu einen wirklichen Profit von 56250 Rthlr.
jährlic h und alfo in vier Jahren 225000 Rthlr.; wiewohl die
Entrepreneurs bei der Kammer wöchentlic h 10000 Rthlr. zu ver-
wechfeln fic h engagiret haben. welches jährlic h 520000 Rthlr. er-
träget und einen Profit von 65000 Rthlr. jährlich ausmachen
Dieft. - Änderung des Generalpachtkontrakts. 257
würde. Gleichwie ich nun vor Gott und E. K. M. auf meinen
Eid und Pflicht . . verfichern kann. daß ich die Beförderung Höchft-
derofelben Jntereffe zum einzigen Augenmerk gehabt. und ich mein
Gut und Blut zu Höchftdero Dienften aufopfere. auch niemals den
geringften Verdacht einiger Jntriguen. als weshalb ich mich der
rigoureufeften Unterfuchung fubmittire. geäußert. noch bis in meine
Sterbegrube werde blicken laffen. als lebe der . . Zuverficht.
E. K. M. werden mir Dero . . Gnade und Protection in meinem
Amte huldreichft angedeihen laffen. geftalten ich ohnehin bei Er-
leidung des durch den treulofen Straßburg verurfachten Defects
ohne E. K. M. höchfte Gnade und Affiftenz gänzlich zu Grunde
gehen muß.
7. Änderung des Generalpachtkmctrakts.
p0tsdam. c. April 1756.
Abfchrift von Eichel.1) 11. 96. 409 13.
Ob zwar in dem mit denen Münzentrepreneurs Herz Mofes
Gumperß & Comp. und Mofes Jfaak & Jßig (lc Comp. unterm
14. October 1755 gefchloffenen Generalcontract feftgefeßet worden.
daß jährlich auf der Münze zu Berlin 714284/7 Mark fein Silber.
desgleichen auf der Münze zu Magdeburg 714284/7 M. f. S.. die
Mark fein zu 14 Rthlr. gerechnet. dergeftalt ausgepräget werden
follen. daß auf jeder Münze von diefem Quanto 3/10 in 8-. 4- und
2-Grofchenftücken. 7/10 aber in 1-Grofchen- und 6-Pfennigftücken
nach dem von S. K. M. . . geordneten Münzfuß ausgemünzet
werden müßten. fo haben dennoch . . S. K. M. anjeßo aus be-
wegenden Urfachen. und zwar damit das Land nicht mit fo vieler
Scheidemünze überhäufet werden folle. diefe auf beiden gedachten
Münzen feftgefeßte Ausmünzung dahin zu ändern . . geruhet. daß
auf der Münze zu Berlin 30000 M. f. S. an 8-. 4- und 2-
Grofchenftücken und weiter keine Scheidemünze.
auf der Münze zu Magdeburg aber
12858 M. f. S. an 8-. 4- und 2-Grofchenftücken.
25000 „ „ „ „ 6-Pfennigftücken.
50000 „ „ „ „ fächfifchen Thmpfen und
25000 „ „ „ .. „ Schoftacken.
1) Die Ausfertigung vom 2. April liegt nicht vor.
sefa Zoron81ea. Münzwefen 111. 17
258 Nr. 7. - 1. April 1756.
welche Summe laut übergebenem Münzplan die auf beide Münzen
vorhin beftimmte 2 Millionen ausmachet. auf die Weife ausgemünzet
werden müffen: nämlich die Silber- und Scheidemünzen ebenfo als
im Generalcontract feftgefeßet worden. nach dem . . geordneten
Münzfuß. die Thmpfe und Schoftacke aber mit demfelben Stempel
und mit demfelben Schrot und Korn. als der Kaufmann Frege zu
Leipzig folche prägen läffet. Und da vorgedachte Entrepreneurs fich
diefer Veränderung ganz willig unterzogen. fo haben
1. diefelbe fich verbindlich gemachet. S. K. M. an Schlage-
fchaß 30000 Rthlr. jährlich mehr. als in dem Generalcontract
ftipuliret worden. zu bezahlen. jedoch dergeftalt. daß felbige nun-
mehro von allen fechs Münzen ftatt derer im Generalcontract feft-
gefeßten 310000 Rthlr. jährlich 340000 Rthlr. an einem reinen
Schlagefchaß entrichten.
Weil aber in mehrgedachtem Generalcontract die Entrepreneurs
fich auch verbindlich gemachet haben. S. K. M. alljährlich 1 Million
Gold gegen 11/2 Procent umzuwechfeln. fo wird die davon be-
tragende Agio der 15000 Rthlr. an diefem Schlagefchaße abgezogen.
und müffen alfo die Entrepreneurs 325000 Rthlr. alljährlich. und
qnartaliter 81250 Rthlr. baar bezahlen. Diefe Berechnung des
Surplus beim Schlagefchaße gehet an von Zeit der Ausmünzung
der fächfifchen Gelder, welche von meä. April c7. n. ihren Anfang
nimmt. und wird 11161n0 blaz'i c. der Betrag des Surplus mit dem
alsdenn fallenden Schlagefchaß bezahlet. Ferner
2. feind die Entrepreneurs gehalten. nicht nur von denen
fächfifchen Geldern durchaus keine in S. K. M. Landen auszugeben.
fondern felbige außerhalb Landes zu verfenden. Dieferhalb be-
halten fie fich vor. daß '
3. an alle k. Poftämter die Ordre geftellet werde. daß die
für ihnen ankommende oder von ihnen zu verfendende Gelder nicht
eröffnet werden follen. und daß von diefen fächfifchen fowohl als
andern Geldern. fo die Entrepreneurs auf denen k. Münzen aus-
prägen laffen. wenn folche mit denen Poften entweder im Lande
felbft von einem Orte zum andern oder auch außerhalb Landes ver-
faudt werden (gleichwie folches im Generalcontract in Anfehung
aller zu denen Münzen erforderlichen Metalle ftipuliret worden).
Änderung des Generalpachtkontrakts. 259
das Porto nicht nac h dem Werth. fondern. gleichwie von Kaufmanns-
gütern und Victualien. nach dem Gewichte bezahlet werden foll.
4. Daß keine fächfifche Thmpfe und Schoftacke. unter welchem
Prätext es wolle. durch S. K. M. Lande paffiren follen. aus-
genommen die von denen Entrepreneurs gepräget worden feind.
5. Jft zu Verhütung des Unterfchleifs bei Verfendung diefer
fächfifchen Gelder feftgefeßet. daß alle davon auf denen Poften zu
verfendende Summen nicht angenommen werden follen als mit einem
gedruckten. von dem Münzdirectorio unterfchriebenen Attefte. welche
man numeriren wird. Es müffen auch diejenige. denen diefe ge-
druckte Zettel anvertrauet find. ein Buch halten. worinnen fie folche
nach ihren Nummern eintragen und dabei anmerken. wie hoch die
Summe fei und wohin fie gefchickt worden. Auch ift nöthig. daß
die Grenzpoftämter angewiefen werden. alle diefe gedruckte Atteftata
an den Generalmajor v. Reßow guartaliter einzufenden. damit man
fehen könne. ob alle abgefchickte fächfifche Gelder wirklic h außer
Landes gegangen find. .
6. Referviren fic h Entrepreneurs. daß die im Generalcontract
Z 19 ftipulirte Regulirung des Salarien-Etats bei der Münze zu
Berlin nunmehro wirklich gefchehen möge. dergeftalt daß diefer Etat
nicht höher als auf 7500 Rthlr. höchftens gefeßet werde. ohngeachtet
die Salarien-Etats derer andern Münzen nur bei jeder 5000 bis
6000 Rthlr. jährlich betragen. Um dieferwegen behalten fich Entre-
preneurs vor. daß das Berlinfche Münzcomptoir ein mehreres nicht
als höchftens obige 7500 Rthlr. von ihren Geldern jährlic h auf den
dortigen Salarien-Etat auszahle. und demfelben nunmehro auf-
gegeben werden möge. die von ihnen zu den Tractamenten des Ge-
heimen Raths Graumann. Kriegesraths to der Horft und .Medailleur
Georgi deponirte Gelder wieder an fie zurückzugeben.
7. Und da die Entrepreneurs vermöge des Generalcontracts
fic h zum oftern bei S. K. M. wegen der Stückelung gemeldet. weil
bei der Scheidemünze es nicht fo genau gemachet werden kann. daß
alle Stücken egal. und wenn kein Remedium gegeben würde. diefe
Gelder allemal fchwerer ausfallen müßten. als ihr Münzfuß erfordert.
Höchftdiefelbe darauf auch in einer unterm 5. Wnrtii c. ergangenen
Ordre befohlen. daß eine gewiffe nokme bei der Stückelung feft-
-gefeßet werden folle. fo ift nunmehro reguliret. daß
17*
260 Nr. 8. - 23. April 1756.
bei Thmpfen auf die rauhe Mark 1/4 Stück und bei Schoftacken
auf die rauhe Mark 3/4 Stück. höchfteus 1 Stück pro reme(li0
paffiren folle.
Bei den fächfifchen Thmpfen und Schoftacken. welche in dem-
felben Schrot und Korn. als der p. Frege in Leipzig folche prägen
läffet. ausgemünzet werden müffen. paffiret denen Entrepreneurs
auch ein gleiches Remedium bei der Stückelung. als der p. Frege
genießet. Bei denen Stübergeldern ift auf die rauhe Mark ein
Stück. nnd bei den Schillingen. welche in Aurich ausgemünzet
werden. auf die rauhe Mark 3/8 bis höchfteus 1/2 Stück pro remeäio
feftgefeßet. Ueber diefe bei dem remeäio wegen der Stückelung
nunmehro feftgefeßete uorme foll dergeftalt gehalten werden. daß
nichts drüber. wohl aber etwas darunter paffiret werden kann.
Wie nun vorftehende Veränderung und Erläuterung des
Generalmünzpachtcontracts unter beiden Contrahenten. dem General-
major v. Reßow an einem und denen Münzentrepreneurs pp. am
andern Theile treulich und wohlbedächtig verabredet und gefchloffen
worden. als begeben fich felbige auf das feierlichfte aller daher ent-
ftehenden Rechtswohlthaten und Ausflüchte. wie felbige immer
Namen haben mögen. als der Uebereilung. anders abgeredet- als
niedergefchriebener Punkte pp.. und wollen. daß nach eingeholter
S. K. M... Ratification gegenwärtiger Contract treulich und
fonder Gefährde erfüllet. auch dem Generalmünzpachtcontract
anneetiret werde.
8. Jmmediateingabe der Gumperts. Zliofes Jfaac und Jtzig über
prägung von Areuzergeld in Cleoe.
Cleve. 25. April 1756.
urfchrift. n.96.4108 (r.
E. K. M. werden aus dem beigefügten Plan des mehreren
zu erfehen . . geruhen. daß der von Allerhöchft denenfelben einmal
feftgefeßte Münzfuß allhier beibehalten und nur lediglich die Stücke-
lung feiner gemachet worden. damit die hiefigen Gelder denen Aus-
ländern beliebter und die gar zu große Laft des Kupfers bei der
Legierung verringert werden möchte. zumal wir folches aus fremden
Ländern mit großen Koften verfchreiben und theuer bezahlen müffen.
Prägung von Kreuzer-geld in Cleve.* 26[
Die meiften derer hier angrenzenden. auc h noc h andere ent-
ferntere Reichsfürften und Städte laffen dergleichen 3. 6 und
12 Kreuzer Stücken ausprägen. welche in dem größten Theile von
Deutfchland kurfiren; unfere hiefigen Stüver Gelder hingegen wollen
außer dem Herzogthum Cleve nirgends mehr Kurs finden und in
Zahlung angenommen werden. indem denen meiften fremden Unter-
thanen der Werth von hiefigen Stüvern unbekannt bleibet.
Nicht weniger werden die meiften Ausländer durc h die gar zu
reichhaltige Stückelung von Kupfer abgefchrecket. mit denen hiefigen
zu negociieren. Es würde alfo denen leßtern fehr heilfam und
dienlic h fein. wenn fie durc h die neu auszumünzenden Kreuzer
Gelder im Stande gefeßet würden. ihre Handlung und Gewerbe
mit denen meiften Einwohnern im Römifchen Reiche ungehindert
treiben zu können.
Dergleichen Vortheile wir als Entrepreneurs uns ebenfalls zu
erfreuen haben würden. wie fic h denn fchon einige auswärtige Unter-
thanen mit uns in eorre8ponäenee eingelaffen haben. daß fie auf
dem Falle ganz beträgliche Silberlieferungen thun wollten. wenn
wir ihnen in folchen im Römifchen Reiche kurfierenden Kreuzer-
Geldern die Zahlung zu leiften vermögend fein möchten.
Die k. Kaffen und das Publicum überhaupt hätten noc h die
befondere Avantage. daß fie in 200 Rthlr. eben fo viel an feinen
Silber. nur 21 Mk. weniger an der Laft des Kupfers als ißo haben
würden. und die Scheidemünze derer Stüver. welche ißo im Lande
bleibet. wird alsdann ganz bequem außer Landes gefchicket werden
können.
Wenn E. K. M. wir um die huldreichft zu erteilende Conceffion
demütigft angeflehet haben. vorgedachte 3. 6 und 12 Kreuzer
Stücken nac h dem von uns . . überreichten Plan auf hiefiger Münze
ausprägen zu dürfen. fo würden E. K. M. uns noc h diefe befondere
große Gnade dabei angedeien laffen. die hiefigen Kaffen durc h eine
befondere Ordre dahin zu vermögen. daß die bereits ausgeprägten
2 Stüver fowohl. als die neuen Kreuzer Gelder bei denenfelben
ferner angenommen werden follten; indem wir als Entrepreneurs
den größten Nachtheil und Schaden fonften zu gewärtigen und die
Kaffen die bereits ausgemünzten Stüver uns einzig und alleine auf
dem Halfe laffen würden.
262 Nr.9. 10. -- 11. Mai-20. Auguft 1756.
Blau.
Sollen auf . Die feine
die Cöll- MY Die Mark Mark ift
nifche Mark gemünzt “ hält fein aus,
gehen gemünzt
Stücke RthlnfGrfPf. Loth Gr. Rthlr.
8' Kreuzer. ftatt der hie-
figen 2 Stüber. davon '
Z() Stück 1 Rthlr. . . . 1571/2 5 6 - 4 12 18
6 Kreuzer. gelten 4 hie-
fige Stüber und 15 Stück '
1 Rthlr . . . . . . . . .. 843/8 5 15 - 5. - 18
12 Kreuzer. gelten 8 hie-
fige Stüber und 71/2
Stück 1 Rthlr . . . . . . 60 8 - - 7 2 18
9. Z'cachweifung des Schlagfchatzeß der erften beiden Quartale der
(Zntreprife der Sumpert5 und C0nf.. eingefandt
vom Generalmajor v. Retzow.
p0t5dam. l1. mai 1756.
Urfchrift. Li-. 96. 409 8.
.'
Rthlr. Gr.
1. Der Schlagefchaß von zwei Quartalen beträget laut
Generalcontract . . . . . . . . . . . . 155000 *
2. Der extraordinäre Schlagefchaß wegen der Münze
zu Breslau 1) . . . . . . . . . 1221 4
3. Das re8iännm vom Salarien-Etau?)
a) wegen der Münze zu Berlin . . 1100 Rthlr.
b) „ „ „ „ Breslau . . 300 „
c) „ „ „ „ Aurich . . 540 „
ä) „ „ „ „ Cleve. . . 990 „
e) „ „ „ „ Magdeburg. 700 „
1') „ „ „ Königsberg . 550 „ 4180 -
Znlman 160401 4
1) Aus den Akten geht nicht hervor. was damit gemeint ift.
2) Erfparte Gehälter von vakanten Poften.
Schlagfchaß. - Fefthalten der Friedrichsdor. 263
Diefe Summe muß in folgenden Münzforten bezahlet
werden;
Das Avanzo wegen derer Münzen zu Ber-
lin. Breslau. Cleve und Aurich. fo an
Friedrichsd'or bezahlet wird. beträgt 103330 -
Der extraordinäre Schlagefchaß wegen
Breslau in Friedrichsd'or . . . . 1221 4
Die Avanzo wegen derer Münzen zu
Königsberg und Magdeburg in kaffen-
Rthlr. Gr. Rthlr. Gr.
mäßigem Silbergelde . . . . . . 51670 -
Das re8iäuu1n von denen Salarien-Etats
in Silbergelde . . . . . . . .- 4180 - 160401 4
l0. Aabinettsorder an das Generaldirektorium über Maßnahmen
die Ausfuhr der Friedrichsdor zu verhüten.
potsdam. 20. Auguft 1756.
Ausfertigung. Tit. Z71. 17.
Da S. K. M. in Erwägung genommen haben. wie beh einen
entftehenden Kriege. und wann Höchftdiefelbe mit der Armee mar-
fchiren müßen. es nicht ausbleiben kann. daß nicht beträchtliche
Summen Geldes aus dero Trefor und fonften an Friderichsd'or
ausgezahlet werden müften. dergleichen e8peee8 Sie aber fodann
gerne fo viel möglic h ift im Lande conferviren und behindern wollten.
daß folche nicht auswärtig gebracht. und dagegen vieles fchlechte
Geldt und Scheide-Münße in der Circulation bleiben. oder auc
h
dergleichen auswärtig eingefchleppet werde. fo befehlen Sie dero
dirigirenden 1711ni8tre8 des (keneral-Direetorii hierdurch. deshalb fo;
gleic h ohne ee1n1'. und fonder daß noc h zur Zeit von diefer S. K. M.
0nne etwas transpirire. ein öffentliches Edict zu entwerffen. nac
h
welchen das Ausbringen nac h frembden Landen derer Friderichsd'or.
es feh unter was Nahmen es wolle. verbothen werden müffe.
Welches Edict dann. fobald S. K. M. mit der Armee marfchiren
werden. publiciret und in gefammten hiefigen Provinzien bekannt
gemachet werden muß.
Damit aber der Endzweck hierunter um fo beßer erreichet
werden und die Friderichsd'or in hiefigen Lande behbehalten und
courfiren können. fo wollen S. K. M.. daß gedachte dero dirigirende
264 Nr. 11. - 5. September 1756.
blinietre8 fogleich einen Plan fertigen und präpariren follen. nach
welchen fowohl bei denen größeren Zöllen. als auch beh denen
Accifen. Domänen- pkMeWnäie. Poft-rerenne8 und fonft dergleichen.
die Abgaben nicht anders als in Friderichsd'or bezahlet werden
müßen. maßen folches beh denen großen Elb-. Haveb. Spree- und
Oder-Zöllen fodann gar keine Schwierigkeit haben kann. auch vor-
hin fchon geordnet ift. Beh denen Accifen und Poft-Gefällen wird
es dahin einzurichten fehn. daß ein gewiffes Quantum determiniret
werde. in welchen die Abgaben in guter Silber-Münße bezahlet
werden können; wann aber eine ftärkere Summe als folche auf ein-
mahl bezahlet werden muß. folche nicht anders als in Friderichsd'or
angenommen werde. fo auch in gewißer Maße bei der Chargen-
und Stempel-Kaffe obferviret werden kann. Angehend die Domänen-
prne8tati0ne8. fo müßen erwähnte dirigirende ülinietree die Ein-
richtung machen. daß etwa. was würckliche Pacht-Gelder fehnd. fo
die Beambten und Pächter wegen der Wirthfchafts Stücke. fo fie
felbft in Adminiftration oder auch fublociret haben. die Pächte.
wenigftens auf das ftärckefte Antheil gleichfalls nicht anders. als in
Friderichsd'or angenommen und zu denen Kaffen bezahlet werden
müßen. Dahergegen aber. was fonften ï¬xn und Hebungen von
denen Bauren und Unterthanen fehnd. es darunter auf den bis-
herigen Fuß belaßen werden müßte. damit diefe dadurch nicht be-
drücket werden. Die Lehnpferdegelder und dergleichenwürden auch
in Friderichsd'or zu entrichten fehn. damit auf folche Art diefe
goldene e8pece8 allemahl im Lande in der Circulation bleiben. mit-
hin deren Ausbringen nach frembden Orten nach aller Möglichkeit
behindert werde. wobeh dann wieder das Einbringen derer im Lande
nicht gültigen und in denen bisherigen Münßedicten verbotenen aus-
wärtigen Scheide- und ander fchlechten Münßen fehr invigiliret
werden muß.
l1. Schreiben des Winifterß v. Schlabrend0rff an den Generalmajor
v. Retz0w über Verhinderung der Ausfuhr der Friedrichsdor.
Breslau. 5. September 1756.
Konzept. A. V. n. rr. ln. 31. 701. 17.
Aus befonderem Vertrauen gebe mir die Ehre. E. Hochwohl-
geboren hiedurch zu melden. wie S. K. M. unterm 20. Zugueti
Verhinderung der Ausfuhr der Friedrichsdor. 265
mir bekannt gemachet. daß bei entftehendem Kriege es nicht aus-
bleiben könne. daß nicht beträchtliche Summen an Friedrichsd'or
würden müffen bezahlet werden. und da Allerhöchftdiefelbige fothane
Gold-e8peee8 in Dero Landen conferviret wiffen wollten. ich mit
Zuziehnng der Kammern einen Plau entwerfen follte. welcher-
geftalten die Ausführung der Friedrichsdor und die Einfchleppung
geringer ausländifcher Münzen zu verhüten. folchergeftalten. daß
mit der Zeit die anjeßo ausgegebenen Friedrichsd'or hinwiederum
zum Trefor kämen. Nach gepflogener Ueberlegung ift hierauf der
einmüthige Schluß ausgefallen. wie gar leicht ein Edict wegen ver-
botener Ausfuhre der Friedrichsd'or zu entwerfen. dasfelbige aber
nicht von dem geringften Effect fein könne. da bekannt. daß diefe
Gold-e8p'eee8 in und außer Landes allbereits über 4 Procent gegen
Courantgeld ftehen und alfo diefe Münzforte aller Verbote und
darauf gefeßten Pönalien ohngeachtet gar bald und häufig würde
aus dem Lande gefchleppet werden. Und wann alsdann S. K. M.
die aus dem Trefor herausgegebene Summe an Friedrichsd'or hin-
wiederum dahin verfchaffet haben wollten. und es müßte denen k.
Unterthanen angemuthet werden. daß fie an Zöllen. Accifen und
andern Präftationen ein gewiffes Theil an Friedrichsd'or zu erlegen
fchuldig fein follten. würden daraus die bitterften Klagen entftehen.
weil dadurch die Abgaben gewiß auf 5 Procent erhöhet würden;
nicht zu gedenken. was S. K. M. bei dergleichen Verfügungen und
Erhöhungen leiden würden. Es ift alfo als das ficherfte Mittel an-
gefehen worden. die Friedrichsd'or in k. Landen zu behalten. die-
felbe auf 5 Procent Agio zu feßen. als wobei S. K. M. bei Aus-
gebung einer Million fogleich 50000 Rthlr. mit anrechneten und.
wann folche Million hinwiederum in diefem Werthe zum Trefor
käme. S. K. M. Dero Zweck erreichten' und nichts dabei verlören.
oder wenn auch die Friedrichsd'or nach der Zeit nicht mit 5 Pro-
cent Agio herbeigefchaffet werden könnten. fo hätten S. K. M. doch
bei der Ausgabe das Agio profitirt. Nach diefer Jdee ift beiliegen-
des Edict entworfen und S. K. M. überfendet worden. welches
aber Allerhöchftdiefelbige nicht vollzogen. fondern mir nur geant-
wortet: Weil durch den Vorfchlag zur Erhöhung der Friedrichsd'or
zu viel hafardiret wäre. fo trügen Sie Bedenken. folchen zu agreiren;
-jedoch haben S. K. M. dabei Dero . . Jntention nicht zu erkennen
266 Nr. 12. - 8. November 1756.
gegeben. E. Hochwohlgeb. können Sich leicht vorftellen. wie mich
dieferhalb in nicht geringer Verlegenheit befinde. Die k. Ordre
wollte gerne aufs genauefte befolgen. Das Verbot wegen der Aus-
fuhr ift ganz inutil. und wenn die k. Unterthanen gezwungen werden
follten. ftatt des nur curfirenden Silbergeldes bei ihren Abgaben
Gold-eepeee8 zu erlegen. fo wird das Lamentiren faft unerträglich
fein. auch nichts gewiffer erfolgen. als daß viele Gefälle nicht be-
zahlet werden. Weil mir nun bewußt. daß E. Hochwohlgeb. wegen
des Münzwefens faft allein mit S. K. M. fprechen. und ich ver-
muthe. daß Allerhöchftdiefelbe von E. Hochwohlgeb. Dero Sentiment
anbegehret haben oder noc h anbegehren werden. fo nehme mir die
Freiheit. E. Hochwohlgeb. hierdurch ganz ergebenft zu bitten. diefe
wichtige Angelegenheit doc h in die Wege leiten zu helfen. daß das
Land nicht bedrücket werde. Jc h verhoffe. .daß E. Hochwohlgeb.
mir Beifall geben werden. wie der Ausfuhre der Gold-e8p6ee8
nicht beffer als durch eine Erhöhung zu begegnen; follten aber folche
mir unbekannte politifche Urfachen verhanden fein. welche S. K. M.
abhalten. oftgedachte Friedrichsd'or auf 5 Procent Agio zu feßen.
fo habe E. Hochwohlgeb. ganz angelegentlichft bitten wollen. für
mich die befondere Freundfchaft zu haben und. wann Selbige Ge-
legenheit gehabt. deswegen mit S. K. M. zu fprechen. mir alsdann
aufrichtig zu melden. was für Jntention S. K. M. hierbei haben
mögen. indem ich wohl nichts mehr wünfche. als diefelbe aufs ge- _
nauefte zu erfüllen und zu befolgen.
12. Jmmediatbericht des Zlitnifters o. Borcke über die
Leipziger münzftätte.
Torgau. 8. Ü0vember 1756.
Urfchrift. n. 96. 425 0.
Nac h E. K. M. . . Cabinetsordre vom 5. 1707e1nb1-i8 foll ich
erwägeu. ob nicht ein beträglicherer Schlagefchaß erfolgen könne.
wann die Münze zu Leipzig. anftatt folche dem bisherigen Entre-
preneur länger zu überlaffen. denen Juden in Pacht gegeben würde.
Jch melde hierauf . . .. daß bei meiner Anwefenheit in Leip-
zig mic h von dortiger Münzeinrichtung erkundiget und erfahren. daß
Die Leipziger Münzftätte. 267
der Kaufmann dafelbft Frege.1) welcher die Münze entrepreniret
und eigentlich nichts anders als polnifche Thmpfe. ganze und halbe
Schoftacke münzet und alle diefe Gelder auch nach Polen hin zu
debitiren fchuldig ift. befage Contract an Schlagefchaß bezahlet
per Mark:
für Thmpfe . . . . . . . 15 Gr..
ganze Schoftacke . . . . . . 19 „
halbe „ . . . 1 Rthlr. 3 „
und hat ausgemünzet im Julio. Augufto und September diefes
Jahres:
32279 Mk. 3 L. Thmpfe. davon beträget der
Schlagefchaß u 15 Gr. . . 20174-11-11
3166 „ 9 „ Schoftacke a 19 Gr. . . . 8166- 9--?)
756 „ 22 „ halbe Schoftacke u 1 Rthlr.
3 Gr. . . . 756-22_ 72)
Joannn Schlagefchaß in drei Monaten 24097-19- 6.
wiewohl im September nur wenig gemünzet worden.
Diefer Schlagefchaß ift nicht nur wie gewöhnlich fchon auf
verwichener Oftermeffe zum Voraus erhoben. fondern der Entre-
preneur ift befage Rechnungsfchluß-noch mit 1918 Rthlr. 8 Gr.
2 Pf. in Vorfchuß. - -
Bewandten Umftänden nach habe dem Kaufmann Frege. mit
der Bedeutung. den Schlagefchaß zur hiefigen Kaffe monatlich ein-
zuliefern. verftattet. nach feinem Contract weiter zu münzen. Jn-
dem aber E. K. M. . . Cabinetsordre vom 5. Morembrie erhalten.
fo lauft das zugleich in eopin beigehende Schreiben von dem Ber-
linfchen Juden EphraimZ) bei mir ein. welcher E. K. M. 200000
Rthlr. Schlagfchaß offeriret. wann ihm concediret werde. 1 Million
an Thmpfeu. ganzen und halben Schoftacken oder Dütchen nach dem
Clevifchen Fuß und eonäitione8 auszumünzen.
Wie mir nun der Clevifche Münzfuß unbekannt ift. ich auch
nicht wiffen kann. ob E. K. M. nach einem andern als dem bisher
eingeführten Fuß k. polnifche Münze zu Leipzig wollen ausprägen
1) Jn der Vorlage: Freger.
2) Diefe Zahlen find natürlich falfch. 3166 Mark. die Mark 19 Gr.
Schlagfchaß ergebend. können nicht 3166 Rthlr. Schlagfchaß bringen.
3) Berlin. 2. November 1756.
268 Nr. 13-15. - 24. Dezember 1756-19. Januar 1757.
laffen. fo muß E. K. M. lediglic h . . . anheimftellen. was Höchft-
diefelbe dieferhalb zu refolvieren und weiter zu verfügen geruhen
wollen. .
15. Aus Berichten des liönigl. polnifhen und Aurfürftlich fähfifhen
Berggelnachs über die Übernahme der Dresdener Zliünzftätte durch
preußen.
Dresden. 24. Dezember 1756.
A. D. 1100. 514.
2) Hat der General Guardein und Münzmeifter 6 17e1-nl den
12. Sept. n. c. . . angezeiget. welchermaßen ihme Tages vorhero
von dem preußifchen Generalmajor v. Whlic h eine fchriftl. 0räre
zukommen. vermöge deren er fofort und ohne allen Zeitverluft von
der unterhabenden Kaffeneinnahme einen ordentlichen und richtigen
Abfchluß machen und felbigen famt den baren Beftand an gedachten
Generalmajor einliefern. hiernächft mit der gewöhnlichen Einnahme
continuiren und felbige an Niemanden anders als an ihn. oder wen
J. M. der König von Preußen hierzu ernennen würde. mit der
Berechnung allemal promt eiufenden. und bei der fchwerften Strafe
fic h darnac h geachtet werden follte.
10) Den 22. Dezember hat der General Guardein und Münz-
meifter d 14'eral angezeiget. welchergeftalt Tages vorher Abends um
9 Uhr durch den Königl. Preuß. Geheimden Rath Cautius die all-
hiefige Münze verfiegelt worden. in welcher fic h zugleic h die mit dem
Silberwagen zum Freiberg. Oberzehenden abzufchickende ausge-
münzte Silber an ohngefehr 8000 Rthlr. mit befinden.
Leßtere wurden auf Vorftellungen an Eihel und Cautius freigegeben.
l4. Verfügung des Dreußifchen General-Feld-Ariegs-Direkwriums an
den kurfächfifchen Oberberghauptmann v. Schönberg über die
Dresdener Uiünzung.
T0rgau. 6. Januar 1757.
Abfchrift. Gez. Borcke. A. D. 110o. 514.
Da S. K. M. . . refolviret. bei der Münze zu Dresden eine
Veränderung zu machen und folche an einen Entrepreneur in Pacht
Die Dresdener Münzftätte. 269
zu überlaffen. fo findet das General-Feld-Kriegs-Directorium nöthig.
dem Oberberghauptmann v. Schoemberg folches bekannt zu machen
und denfelben zugleich zu benachrichtigen. daß hiebei die äiepoeitione8
dahin gemacht und der Entrepreneur vinculiret worden. nicht nur
die Freibergfchen Silber. welche nach wie vor zu dortiger Münze
abgeliefert werden müßten. jederzeit mit fteuerbaren Münzforten zu
bezahlen und folche auf gedachter Münze auszuprägen. fondern auch
in epecie zu Bezahlung des Ausbentfilbers die erforderliche Species-
thaler und 2/3tel nach eben der Feine wie folches bis dahin ge-
fchehen. ohne die allergeringfte Veränderung anszumünzen. und wird
von dem Directorio dahin gefeheu werden. daß der Entrepreneur
feinen Kontrakt hierunter auf das genauefte nachkomme; und wie
folchergeftalt die vermuthlich nicht nachbleibende Ausftreuung aller-
hand widriger Jnfinuationen von diefer Verpachtung fich dadurch
von felbft widerlegen werden. fo findet das p. Directorium nöthig.
daß denen Berggewerkfchaften hiervon. und daß in allen übrigen
Punkten es bei der Bergordnung und bisheriger Verfaffnng fein
ledigliches und unveränderliches_Bewenden überall behalten foll. un-
gefäumte Nachricht ertheilet und diefelben zu fleißiger Fortfeßung
des Bergbaues wegen ihres dabei habenden eignen Vortheils befter-
maßen aufgemuntert werden.
15. Jmmediatbericht des Seneralmaj0rs v. Zietzmv über den v0r-
gefchlagenen A0ntrakt der münzjuden Guinperts und A0nf0rten.
Dresden. l9. Januar 1757.
Urfchrift. Tit. 11711. Nr. 12.
Da bei E. K. M. die Münz-Entrepreneurs Gumperts und
Conforten unterm 9. diefes vorgeftellet. wie fie einen gewiffen Plan
ausgearbeitet hätten. wodurch das Münzwefen in E. K. M. Landen
verftärket und Höchftdero Avantage um ein großes dabei vermehret
werden könne; fo haben E. K. M. mir durch den Krieges Rat
Wafferfchleben . . bekannt machen laffen. daß ich die Entrepreneurs
über gedachten Plan veruehmen und Höchftdenenfelben davon refe-
riren folle.
Gedachte Leute haben fich indeffen perfönlich bei mir ein-
gefunden und ftellen vor:
27() Nr. 15. 16. - 19. -22. Januar 1757.
1. daß fie außer dem in ihrem General Contract ftipulirten
Silber-guguta annoch' 80/n1 Mark Silber. welches in Gelde
die Summe von 1100/m Rthlr. ausmachet. aus zu münzen
übernehmen wollten;
2. aus diefen 80/m Mark Silber wollen fie 6 Kreuzer oder an
deren Stelle 3. auc h 6 Marien-Grofchcn Stücken nac h dem
clevifcheu Münzfuß (die Mark fein zu 18 tal.) ausprägen;
und damit
3. die currenten Silbergelder im Lande conferviret werden. wollen
die Entrepreneurs mit diefen neuen Münzforten zu denen
ordinairen Verpflegungsgeldern der Armee fourniren und die-
felben bei dem Geheimten Rat Köppen gegen Kaffengelder
austaufcheu; -
4. die Ausmünzung diefer 80/m Mark wollen fie in Zeit von
6 Monaten bewerkftelligen. und wenn dergleichen Münzforten
mehr erfordert werden. annoc h andere 80/m Mark in gleicher
Zeit von 6 Monaten auszuprägen übernehmen. fo und der-
geftalt. daß in Zeit von einem Jahre 2 Millionen und
200/m Rthlr. in Silber ausgemüuzet würden;
5. vorgedachte 80/m Mark werden als Gelder-. welche in E. K. M.
Landen nicht kurfiren können. angefehen und in denen königl.
Kaffen. exclufive Sachfen und Cleve. nicht angenommen.
Hiervon offeriren die Münz-Entrepreneurs für jede 80/m Mark.
welche fie in diefer Geldforte ausprägen laffen. nac h Ablauf derer
6 Monat 100000 Rthlr. an reinem Schlagefchaß in Kaffengeldern
zu bezahlen. wollen auc h für das currente Silbergeld. fo ihnen ftatt
des andern von dem Geheimten Rat Köppeu umgetaufchet wird.
allemal bei der Change noch 2 Procent Agio geben. daß fie alfo
an Schlagefchaß . . . . . . . 100000 tal. -
undanAgio . . . . . . . . 33000„ --
in Summa 133000 Thaler
bezahlen.
Wann nun nac h Ausprägung derer erften 80/1n Mark annoc
h
andere 80/m Mark in dergleichen Münzforten ausgepräget werden
müßten. fo würden E. K. M. aus Dero Münzen im Lande über
dem im General-Contract ftipulirten Schlagefchaß annoc
h
Antrag der Gumperts auf Verftärkung 'der Prägung. 271
an Schlagefchaß . . . . . . . 200000 tal.-
undanAgio . . . . .. 66000 „ --
in Summa 266000 Thaler
binnen Zeit von einem Jahre mehr profitireu.
Im Fall auch der Geheimte Rat Köppen bei diefer Um-
wechfelung keine Silbergelder vorrätig hat. wollen die Entrepreneurs
auf Friderichsd'or 5 Procent Agio geben.
Endlich haben diefelben bei diefem Vorfchlag zum Haupt-
bewegungsgrund. daß fie bei ihrem Contract vom 2. April 1756.
worin ihnen accordiret worden. daß niemanden. als denen Münz-
entrepreneurs Gumperts und Conforten allein die Durchfuhre derer
poln.-fächfl. Thmpfe durch E. K. M. Lande erlaubet fein foll. ge-
fchüßet werden möchten. weil fie lediglich für diefes Privilegium an
70000 Rthlr. jährlich laut gedachtem Kontrakt bezahlen müffen.
16. (Zntfcheid des Aönigs auf die V0rfchläge der Gumperts
und Aonforten.
Dresden. 22. Januar 1757.
Abfchrift. Tit. Mic. 12.
Nachdem Jch aus Euren Berichte vom 19. diefes mit mehrern
erfehen habe. worin eigentlich der Plan derer Münzentrepreneurs.
der Juden Gumperß und Conforten beftehet. wodurch fie das Münz-
wefen in Meinen Landen zu verftärken und Meine Avantage um
ein großes dabei zu vermehren vermeinen. fo erteile Jch Euch da-
rauf in Antwort. daß der ganze Plan Mir fchlechterdings nicht an-
ftändig ift. noch Jch darauf jemalen entriren oder zugeben werde.
daß diefelbe nach ihren Vorfchlage 6 Aer oder an deren Stelle 1.
3 oder auch 6 Mariengrofchen-Stücken nach den fo genannten
clevifchen Münzfuß auf Meinen Münzen im Lande und außerdem.
wo ihn folches vorhin fchon concediret. in gewiffer Maße nach-
gelaffen ift. ausprägen dörften. maßen Jch diefe Sorte von infamen
Gelde. als erwähnte Kreuzer oder 1. 3 oder auch 6 Mariengrofchen-
Stücken fein. durchaus nicht in Meinen alten Provinzien. wo folche
niemalen kurfiret haben. ansgeftreuet wiffen will. und kann Mich
dazu der offerirte Schlagefchaß. auch das an den p. Köppen bei der
272 Nr. 16. 17. - 22. _ 26. Januar 1757.
Change folcher Gelder gegen currente Silbergelder erbotene Agio
gar nicht bewegen. da dura() folchen Umfaß bei der Kriegeskaffe
auch gegen 3 Procent Agio alles gute currente Silbergeld aus dem
Lande völlig würde aufgeräumet und zum verfchmelzen zu vorgedachten
infamen Münzforten gebrauchet werden. mithin das Publicnm und
am Ende die Kaffen felbft gezwungen fein würden. dergleichen
fchändliches und geringhaltiges Geld vor voll und gut zu nehmen.
beim Verkehr und Umfaß der Gelder gegen redliche und gute
Münzforten in Silber oder in Gold unendlich verlieren. wie folches
das Exempel im Clevifchen zu Meinen Leidwefen bereits dargethan
hat. und welches Jch fchon redreffiret haben würde. wenn die jeßige
Kriegestrublen mir die Zeit dazu laffen wollen.
Jch will alfo durchaus nicht. daß gedachte Entrepreneurs mehr-
gedachte dergleichen infame Münzforten weder zu Berlin ansmünzen
laffen. noch einbringen. oder dergleichen in Meinen Vrovinzien
kurfiren. gefchweige dann auf einige Weife vor kaffenmäßig an-
gefehen werden foll.
Jch begreife dabei nicht. warum denn gedachte Entrepreneurs
nicht nach ihren Contracte andere gute Silber- und Scheidemünzen
ausprägen laffen wollen. wie folche bisher im Lande kurfiret haben
und felbige Meinen deshalb approbirten Münzfuße gemäß feind. da
ihnen dabei genung übrig bleibet.
Was Jch allenfalls wegen Ausmünzung dergleichen. wie fchon
erwähnt. fchlechter und infamer Gelder zulaffen könnte. wäre diefes.
daß. wenn meine Armee allererft in feindlichen Landen ftehen
werde. fodann dergleichen Geld gegen einen proportionirten Schlage-
fchaß von gedachten Entrepreneurs ausgemünzet und von ihnen da-
hin baar transportiret. auch fonften in feindlichen Landen aus-
gegeben werden könnte; in Berlin aber und Meinen dafigen Bro-
vinzien dergleichen zu fchlagen und es fei. auf was Art es wolle.
auszubreiten und dadurch Meinen Unterthanen eine neue Contri-
bution zu imponiren. auch alles Gewerbe zu verderben. foll durch-
aus nicht gefchehen.
Prägung kurfächfifcher Münzen durch Preußen. 273
l7. Bericht des Vize-Oberbergwerkdirekwrs Qeter Nikolaus o. Garten-
berg an den kurfächfifchen premierminifter Grafen v. Brühl
über die preußifche prägung kurfächfifcher münzen.
Dresden. 26. Januar 1757.
Urfchrift. A. D. 1.0e. 514.
Ew. Excellenz überreiche hierbei . . einige Grofchen. welche
in der Münze zu Leipzig von dem Juden Ephraim neuerlichft. jedoc
h
mit alten Stempeln und voriger Jahrzahl 1756 abgepräget worden.
Den Gehalt habe ich durc h den Geueral-Kreis-Guardein ö Kern]
unterfuchen laffen und gefunden. daß jede feine Mark zu 18 Rthlr.
15 Gr. 630/37 Pf.. ftatt folche in denen nach dem von J. K. M.
in Polen und Churfürftl. Durchl. zu Sachfen allergnädigft be-
ftimmten Schrot und Korn ausgeprägten Grofchen nur zu 15 Rthlr.
fei ausgemünzet worden. Wann nun jede Mark um 3 Rthlr. 15 Gr.
630/..7 Pf. höher ausgebracht wird. als ift der Verluft für J. K. M..
das Publikum und die Handlung auf jede 100 Rthlr. 19 Rthlr.
13 Gr. 6 Pf.. und der Jude befindet fic h im Stande. nach diefen
Fuß mit dem größeften Vortheil alle fämf. Grofchen. 6 Pfenniger
und Dreier. die befferen Sorten nicht zu gedenken. einzufchmelzen
und in folche fchlechte Geldforten zu vermünzen. Je deplorabler
der Zuftand des Landes und der Handlung durc h diefen unerlaubten
Betrug fic h befinden wird. je_fchleuniger habe wider diefes Be-
ginnen bei den p. Generalmajorv. Reßow und Geheimden Rath
Eichel alle Gegenvorftellung gethan.
Nun habe zwar gefunden. daß der Generalmajor v. Reßow
- diefen Münzjuden Ephraim felber für einen Betrüger hält. von dem
andern nichts als wie der König von Preußen wegen der Dresdner
Münze zum Präjudiz derer Gewerken nichts verhängen würde. vie1-
mehr. daß alles Geld uac h dem fächf. Schrot und Korn ausge-
münzet werden follte. verfichert worden.
Ãœberhaupt wird aus dem Verfahren des Judens. da er die
meiften Münzmachinen von hier nach Leipzig bringet. offenbar. daß
felbiger hier in Dresden. wo er bei dem angeordneten Schrot und
Korn bleiben muß. nur wenig. hingegen in Leipzig. wo ihm ein
landesverderblicher Münzfuß wird accordiret fein. defto mehr aus-
münzen dürfe.
seta Zoi-u88iaa. Müuzwefen 111. 18
274 Nr. 18. 19. - 14. Februar- 7. März 1757.
Würdigen Ew. Excellenz beigefügten Extract aus den Ham-
burger Zeitungen hochderofelbeu Anfehen. fo wird fich veroffenbaren.
daß der König- von Preußen nicht alleine redlichen Dienern das
Brod. fondern auch die Ehre zu nehmen fuchet. Wie aber die ge-
machten Vorwürfe durch ein gutes Gewiffen überwunden werden.
alfo wird _hoffentlich die Welt auch einmal belehret. daß alle bei
dem Berg- und Münzwefen preußifcherfeits gemachte Veränderungen
nur von Leuten. die im Stockhanfe gefeffen und von König in
Preußen felbft als die größeften Betrüger der Welt find bekannt
gemacht. zum Verderb hiefiger Lande angefangen und ins Werk ge-
feßet worden.
Aus dem Hamburgifchen unparteiifchen Correspon-
dent No. 8 .4nx10 1757.
Der König von Preußen wolle. daß der König von Polen feine
Lande. wenn er fie wieder bekommt. auf eine vortheilhaftere Art admini-
ftriren laffen könne als es feit 5 Jahrhunderten nicht gefchehen fei. Man
habe unermeßliche Mißbräuche entdeckt. Diefe fei der König gewillt zu
befeitigen. daher die Verfügungen im Porzellan-. Bergwerks- und Münzwefen.
Da man in Abfehen auf den leßtgedachten Artikel benaah-
richtiget ift. daß man in Abwefenheit des Landesherrn der Be-
quemlichkeit. Münzen zu fchlagen. mißbrauchte. fo haben Höchft-
diefelben Befehl gegeben. die Stempel in fichern Gewahrfam bringen
und die Münze vorläufig zufchließen laffen.
18. Bericht des Aöniglich polnifchen und kurfürftlich fächfifchen
8erggemachs über die Ubernahine der Dresdener münzftätte durch -
preußen.
Dresden. 14. Februar 1757.
A. D. l1oe. 514.
19).... hat der General Guardein und Münzmeifter
- 6 heral den 17. und 22. Januar ferner berichtet. daß von dem
Königl. preußifchen Kammerdirektor Fiedler die Münze mit Ab-
fordernng aller hierzu gehörigen-Schlüffel in völligen Beftand ge-
nommen. nnd von diefem fämtliche vorhandene Münzgeräthe an
Machinen und dergleichen nach einem darüber gefertigten [Meatetrio
nebft denen Schlüffeln dem hierzu Preußifcher Seits beftellten Münz-
Die Dresdener Münzftätte. - Münzverwaltung 'während des Krieges'. 275
directori Namens 117pit8611 [fo] und dem Juden lüp11rai11l wieder
übergeben worden. dergl. auc h mit dem nach Abfchlüßung der Münz-
rechnung auf das Quartal Luciä a. p. verbliebenen baaren Kaffen-
beftand an 4797 Rthlr. 8 Gr. 7L/2 Pf. und vorräthige Silber und
Schroten zufammen an 1323 Mark 14 Loth in verfchiedenen Ge-
halt an ermelten Juden Ephraim und Söhne gefchehen. Und ob-
wohl anfänglic h die Verficherung gegeben worden. daß alles in
sterrn quo verbleiben follte. fo wären doc h von denen Scheidemünz-
ftoßwerken 6 Stück der beften mit allen Zubehörungen aus ihren
Stücken gehoben und abgebrochen und nebft anderen Geräthfchafteu
nac h Leipzig in die dafige Münze transportiret worden.
l9. Aabinetts0rder an die Breslauer Münzdirektoren über ihr
Verhalten während des Arieges.
Dresden. 7. Zliärz i757.
Ausfertigung. 11. 8111. 1.
S. K. M. haben den von Dero Breslaufchen Münzdirectoren
Kröncke und Bube unter den 2. diefes Monats eingefandten Extract
vom leßtern Monat liebk11n110 der Breslauer Münze erhalten und
geben bei folcher Gelegenheit deneufelben darauf zur Refolution.
daß da S. K. M. nunmehrige anderweitige Befchäftigungen wegen
der _vorftehenden Kampagnen vor der Hand nicht mehr zugeben.
einige Attention auf dergleichen Extracte zu wenden. alfo erwähnte
Münzäireeteurs auc h demnächft und bis zur geendigten glücklichen
Kampagne folche nicht weiter an Höchftdiefelbe einfenden follen.
Dabei aber . . S. K. M. erwähnten äireeteurs auf ihre Pflicht
und Ehre und bei Vermeidung der fchwereften Verantwortung er-
innern und anbefehlen. daß felbige mit fo viel mehrerer Exactitude
und Accurateffe darauf fehen und halten follen. daß bei dafiger
Münze alles in der gehörigen Ordnung tractiret. redlic h ausgemünzet.
auc h dabei durchaus nicht unter keinerlei Prätext. noc h auf Jemanden
anderes Veranlaffen von den bei jeder Sorte von Gelde vor-
gefchriebenen und von S. K. M. höchfteigenhändig vollenzogenen
Münzfuß im allergeringften abgewichen. noc h fchlechter ausgemünzet
oder auc h mehrere Scheidemünzen. als der Contract mit denen
Juden befaget und erlaubet. ausgepräget. auc h letztere außerhalb
18*
276 Nr. 20. x* 10. April 1757.
Landes gefchaffet. dabei aber allemal fo viel gute kaffenmäßige Geld-
forten ausgepräget werden müffen. als das Verkehr und Commer-
cium im Lande erfordert und die Juden zu fchaffen vermittelft ihres
General-Münzcontracts verbunden feind; als worauf mehrgedachte
Münzäireeteure auf das allergenaufte zu halten und fich davon
anf keine Art und Weife und durch Niemanden abwendig machen
zu laffen. auch folche allen Fudeleien und Unterfchleife zu präca-
viren haben. widrigenfalls fie lediglich und allein davor refponfable
bleiben. auch fich hiernächft bei Abnahme ihrer bisher geführten
Rechnung und Hanshaltung darüber juftificiren müffen.
20. Schreiben des Geheimen Liabinettßfekretärs Eichel an den
Generalmajor v. Zietz0w über die Hintergehung des -kiönigs
durch die Juden Gumperts und A0nf0rten.
C0ckwitz. den l0. April 1757.
Urfchrift. Tit. 11ml. Nr. 12.
Da ich jeßo im Begriff bin. von meinen Papieren etwas zu
dechargiren. unter folchen aber noch einen Bericht von Ew. Excell.
mit gefunden. von welchen ich glaube. daß es derofelben nicht ohn-
angenehm fehn dörffte. folchen zu dero eigenen Händen zurück zu
zu haben; fo nehme mir die Frehheit. felbigen hierbeh zu legen und
zu Ew. Excell. felbft beliebigen Dispofition zu überlaffen.
Jch unterftehe mich noch ein paar Piecen wegen der jeßigen
Münß Sachen beh zu fügen. behdel) meritiren noch konferviret zu
werden. da nur die große impuäenee derer jeßigen Münß Zutre-
prenueure und wie weit diefelbe unter Protection von gewiffen
Leuthen in ihrer eüwnterie und Betrug gehen mögen. die andere
aber S. K. M. wahre Arth darüber zu denken. am Tage legen.
welches die Dritte beftärket. und alfo wohl klar daraus erhellet. daß
wenn des Königs Majft. nicht die wahre Befchaffenheit der Sachen
verdunckelt und folche durch allerhand illueione8 hintergangen worden
wären. Diefelbe niemahlen durch einen imaginären Profit vom
Schlagefchahe zugegeben haben würden. daß das Publicum in einen
fo großen faft unwiederbringlichen Verluft gefeßet worden wären [fo].
Die von mir beh dem Geheimen Archiv zu Berlin abgegebene die
Zeit über colligirte Acten würden davon noch viel mehrere Proben
1) S. oben Nr. 15 und 16.
Hintergehung des Königs durch die Gumperts. 277
und wie man es darunter bis zur erftaunenden etkronterie getrieben
hat. geben. wenn es jemahlen zu einer Recherche deshalb kommen
follte. und wie es noc h viel weiter darunter gegangen fehn würde.
wenn nicht zuweilen noch ein kleiner geringer Daniel denen Richtern
zu Babel zugeruffen oder fie bloszuftellen Gelegenheit gehabt. Die
4te piece ift mir von dem Ephraim zugeftellet worden. der den
großen Betrug. fo darunter vorgegangen. ohnerachtet er noch viele
nix-starjn ineguitatie nicht einmahl weiß. darin nachweifen wollen.
von deren Grund oder Ungrund ic h aber nicht urtheilen kann.
Wollen Ew. Excell. die Gnade haben und diefe pieeen zufammen.
wenn diefelbe folche einiges Anfehen beh einer bequemen Zeit ge-
würdiget haben. unter Dero Petfchaft verfiegelt und ohne. wie ich
unterthänig bitte. andern weitere Communication davon zu thun.
beh dem General Oireetorio zu andern Münß netiv legen laffen.
fo wird folches von Dero gnädigen Gefallen äopenäiren und viel-
leicht einmahl beh Gott gebe bald! etwas ruhigeren Zeiten noc h zu
einigen Nußen und Gebrauc h dienen. wenigftens und wenn ob-
angeführte neten dazu genommen würden. des Königs Majft. legi-
timiren können. daß Dero wahre Jntention nie gewefen. das Wohl
Dero Lande einigen gewiffenlofen gewinnfüchtigen Leuthen zu facri-
ficiren. die fic h ein eigenes Werk daraus gemachet haben. auch felbft
des Königs Majft. auf alle mögliche Wehfe zu hintergehen.
Jc h wünfche übrigens. daß Ew. Excell. in Dero obhabenden
Commiffion wegen der anzulehnenden Gelder auf alle Wehfe und
mit allen erwünfchten Succeß reuffiren mögen. als wodurc h diefelbe
den größeften Ausfchlag und das größefte Gewichte zu einen bald
wieder zu herftellenden glücklichen und guten Frieden geben werden.
weil es doc h wohl dabeh. daß um durch einen viven Krieg einen
glücklichen Frieden bald wieder zu erhalten. es an denen 3 Haupt
reguieiti8. nehmlic h Geld. Geld und Geld nicht fehlen müften. [fo]
und wann Ew. Excell. uns deshalb außer Verlegenheit feßen. wir
er alsdann mit unfern obgleic h fehr mächtigen und fonft überlegenen
Feinden aushalten wollen. als denen erwähnte reguieitn fchon jeßt
ftark zu fehlen anfangen. mithin wohl derjenige. fo den leßten
Thaler in der Tafche haben wird. denen andern den Frieden wird
vorfchreiben können.
278 Nr. 21-23. - 28. Oktb. 1757- 16. Jam-5. Dez. 1758.
21. Schreiben des Feldkaffenrendanten G. Ch. C. Araufe an den
Ariegszahlmeifter Geh. Rath Aöppen über die Bezahlung
der preußifchen Truppen.
Aönigsberg. 28. Oktober 1757.
Urfchrift. Lt. 163. l. 75.
Ew. Wohlgeborneu wohnet bereits aus den vom General-
feldmarfchall Exc. gegebenen Nachrichten bei. daß Hochfelbige die
von den Herren Banquiers Splitgerber & Daun angewiefene
200000 Rthlr.. halb an preuß. Courant. um die einmal allhier ge-
machten Arrangements nicht zu vereitelen. annehmen laffen und die
preußifche und lithauifche Kaffenbeftände. fo wie felbige zur hiefigen
Feldkriegskaffe bereits eingezogen habe und damit noch im Begriff
bin. größtentheils in dergleichen Münzforte beftehen.
Die Regimenter weigern fich für ißo bereits. die Novembris-
verpflegung völlig darin anzunehmen. da verfchiedene im Anfange
und die mehreften meäio Novembris die Weichfel paffiren.
Es ift ihnen auch folches um fo weniger zu verübelen. als
folche Münze in Polen nicht gangbar ift und das .Colbergfche
Deputationscollegium geantwortet hat. preußifch Courant könnte in
Pommern nicht gebraucht werden. und ihrerfeits wüßten fie darunter
keinen Umfchlag zum Beften der Armee zu treffen.
Allhier in fo kurzer Zeit eine fo große Summa umzufeßen.
ift bei jeßigen Umftänden fo wenig thunlich. als überdeme die Ordre
zu Bezahlung des Agio fehlet. wozu des Herrn Generalfeldmarfchall
v. Lehwaldt Exc. folche zu ertheilen Bedenken tragen und die königl.
Krieges- und Domänenkammer fich nicht befuget fehen will. auch
unnöthige Koften fein würden. falls die hiefige Armee in Schlefien
zu ftehen käme.
Um fich inzwifchen hierunter in etwas zu helfen. find mit Ge-
nehmigung hochgedachten Herren Generalfeldmarfchalls dem hiefigen
k. Münzmandatario 20000 Rthlr. gegen einer Affignation auf die
Münzentrepreueurs Herren Gumperß 6c Jßig. fothane Summa nach
vierzehntägiger Nachficht in Berlin in 2- und 4-Ggr. Stücken
wieder zu bezahlen. allhier ausgezahlet worden. Ew. Wohlgeb.
habe fowohl hievon fchuldigft benachrichtigen als auch anfragen
follen. da diefes k. Gelder betrifft. ob diefelben nöthig fänden. daß
die Anweifung Jhnen zugefandt würde. um wegen Einziehung
Brandenburgifches Geld in Oftpreußen. - Reßow und die Münzbeamten. 279
fothaner Gelder das nöthige beforgen vorgängig beliebigft zu laffen.
Für die Sicherheit anerregter 20000 Rthlr. ftehen bis zur erfolgten
Wiederbezahlung der Münzrendante. Münzmeifter und Münz-
mandatarius Friedländer gemäß fchriftlich von fich geftelletem Revers.
22. Aabinett50rder an alle münzbeamten über Subordination
unter den Generalleutnant v. Retz0w.
Breslau. 16. Januar 1758.
Abfchrift. 1t..11[11.2.
S. K. M. haben mit höchftem Mißfallen vernommen. daß
einige äireet0re8 und Officianten derer k. Münzen bisher ver-
fchiedentlich des General-Lieutenant v. Reßow Namens Höchftdero-
felben an fie ergangene Verordnungen im Münzwefen zu befolgen
fich geweigert und dadurch nicht felten Verfügungen. welche zum
höchften k. Jntereffe gereichet. unausgerichtet geblieben.
Da aber . . S. K. M. gedachtem Dero General-Lieutenant
v. Reßow ein vor allemal die General Direktion des Münzwefens
übertragen und an felbigen Höchft Dero 0räre8 zur weitern Ver-
fügung bei denen Münzen ergehen laffen wollen; als laffen Höchft-
diefelben hiermit fämtliche äireet0re8 und Officianten bei denen
Münzen zu Berlin. Königsberg. Breslau. Magdeburg. Cleve und
Aurich an den Generab-Lieutenant v. Reßow als ihren Vorgefeßten
anweifen. und ihnen alles Ernftes anbefehlen: alles dasjenige. was
derfelbe Namens Höchftderofelben ihnen im Münzwefen aufgeben
wird. treulich und fonder Widerrede noch Säumniß zu execntiren. die
gewöhnliche Extrakte und Balancen an ihn einzufenden und fonft
wegen vorfallender Zweifel an ihn zu berichten. damit er fie mit
näherer Jnftruktion verfehen könne.
. . S. K. M. wollen. daß fämtliche (1ireet0re8 und Münzoffi-
cianten diefe Subordination bei Strafe der Kaffation beobachten follen.
25. Aus einem Bericht des preußifchen Refidenten zu Cöln v. Ammon
über die fchlechten Zliünzungen am Rhein.
00108-ne. 1e 5. [lec. 1758.
Urfchrift. n. 11l. 167.
14n c0111* (1e f[rein-:8 et 1e8 iwrite-.8 00111-8 än lil'e8ternia1ä.
u0rnrnärnent liliieä-lkunelcel et ZPO-Altenkirchen. appnrtenant au
280 Nr. 23-25. —— 5.— 26. Dczember 1758.
Marggrave d’Anspach, ont donné depuis quelque tems une
étendue très grande à leurs petits bureaux de monoies. Toutes
ces contrées et la Westphalie regorgent de leurs très mauvaises
especes; et l’on en transporte même beaucoup de barils par la
Hollande a Hambourg, d’où elles se répandent aussi dans la
Basse-Saxe. Le comte de Neuwied, non obstant la rude exe-
cution qu’il a es8uiée, recommence pareillement a monoier. La
chose va fort à l’excès. Ce ne sont point tant ces Seigneurs
qui frappent pour leur propre compte; mais chaque marchand
ou autre miserable particulier (qui se nourrit du sang du public,
en l’inondant de mauvaises especes et lui enlevant pour refondre
le peu qu'il reste encore de bonnes) peut, moiennant un certain
pour Cent qu’il donne a ces Seigneurs Territoriaux, faire frapper
pour son propre compte telles espèces qu’il lui plait. Un mar-
chand d’ici nommé van der Nüll a qui Vôtre Majesté a donné
il y a des années le titre de Conseiller de Commerce, est un de
ces principaux refondeurs et entrepreneurs. Ces très chetives
especes font entre autre que le change va maintenant a 180
pour Cent contre les especes de Hollande, et de la dérive la
cherté exorbitante dans toutes les Marchandises et denrées
indispensables qui Viennent ici de la Hollande. Le Frederic d’or,
le Louis d’or ou le Charles d’or, qui fait a Berlin cinq écus
d’Empire, 1) en fait ici six contre ces mauvaises especes; et les
monoies courantes de Vôtre Majesté, savoir les pièces de 8. 4.
2 Ggr. vont à 12 pour Cent de plus contre celles en question.
Il ya plus: comme les dites Cours qui monoient de cette
façon, n’oseraient sans causer trop d’ombrage, se servir uni-
quement de leur propre empreinte en partie de simples Comtes;
elles mettent 8ur les especes ou bien simplement un chiffre, ou
bien elles emploient des empreintes etrangères plus respeetables
que les leurs. On as8ure que pour faire tomber la haine sur
Vôtre Majesté elles ont l’etfronterie de se servir de Ses em-
preintes. .le ne pourrais point prouver ceci avec évidence,
n’étant point a même d’en faire l’examen: cependant j’ai vu ici
des espèces sous l’empreinte de Vôtre Majesté où la lettre qui
l) Er galt in Berlin nicht 5. fondern 51/3 2mm. f. S. 103-105.
Nachmünzung der Ephraimiten am Rhein. - Leichte Piftolen. 281
men-(111e 1'en(116i1: 01'1 1e Zur8611 (1e8 1n0n0ie8 e8i; (.etc-1111i p. e. 14.
13. 0. 6tc.. ne 86 trourait. point. comme 11ne1e11e 1ettre se tr0nve
nut-aut ijne _fe 86i8 8ur t0ute8 1e8 m0n0ie8 (1e ?dire 1116je8t6.
24. -kiabinetts0rdcr an den Berliner Zliüuzmeifter Jafter iiber
Zliüuzung leichterer piftolen.
Dresden. 8. Dezember 1758.
Ausfertigung. 3. Z111. 1.
Nachdem S. K. M. mit Dero Hof Four-e1i18 Ephraim und
Söhne wegen einer gewiffen Ausmünzung von Ein Hundert Taufend
feine Mark Gold an Auguft-. Louis- und Fridd'or [fo] einen Kon-
trakt getroffen. als befehlen . . diefelben den Münz Menfter Jafter
zu Berlin. fich diefer Ausmünzung fofort zu unterziehen. auch folche
auf das allergenaufte und insgeheim zu pouffiren; der Jafter foll
auf feinen geleifteten Eide und mit fein Leben dafür repondiren.
daß bei diefer Ausmünzung in Golde die Proportion des geänderten
Münzfußes beim Silber von 14 bis 193/4 Rthlr. die feine Mark
auf das allergenaufte obferviret würde. und muß der Münz Menfter
Jafter überdem ein accurates Regifter führen. wieviel ausgemünzet
worden. '
25. Aabinetts0rder an den Direkt0r der gr0ßen Zliünze zu Berlin _
über den neuen Zl'iünzfuß.
Breslau. 26. Dezember 1758.
Ausfertigung. 11. 14111. 1.
Nachdem S. K. M. . . refolviret. fämtliche preußifche und
fächfifche Münzen Dero Hof-Jouveliers Ephraim und Söhne nebft
Mofes Jfaac und Jßig zu conferiren und den Münzfuß zu 193/4 Rthlr.
feftzufeßen. auch alle 60n(1i60n88 und 11ene1i6i6. wie vormalen für
S. K. M. felbften und nachhero für gedachte Entreprenneurs in den
vorigen Contracte feftgefeßet und obferviret worden. ihnen noch
fernerhin angedeihen zu laffen. und die Ausmünzung in allerhand
preußifchen. fächfifchen und polnifchen Münzen auszuprägen; als
wird Dero äireetori bei der großen Münze zu Berlin hierdurch
aufgegeben. fowohl auf den nachftehenden Münzfuß. nämlich
282 Nr. 26. - 9. Februar 1759.
8 Ggr. Stücke follen neun Rthlr. ein und zwanzig Grofchen
eine Brutto Mark wiegen nnd acht Loth fein halten. .
4 Ggr. Stücke follen neun Rthlr. fechszehen Grofchen eine Brutto
Mark wiegen und fieben Loth fünfzehen Grän fein halten.
Thmpffe follen acht Thlr. fechs und 3/4 Pf. eine Mark Brutto
wiegen und fechs Loth neun Grän fein halten.
2 Ggr. Stücke follen fechs Thlr. vierzehen Grofchen eine Mark
Brutto wiegen und fünf Loth fechs Grän fein halten.
1 Ggr. Stücke follen vier Thlr. zwei und zwanzig Gr. fechs Pf.
eine Mark Brutto wiegen und vier Loth fein halten.
Ein ganzer Speciesthaler foll zehen Thlr. fechszehen Gr. neun Pf.
eine Mark Brutto wiegen und acht Loth zwölf Grän fein halten.
Ein halber Speciesthaler foll gleichfalls zehen Thlr. fechszehen Gr.
neun Pf. eine Mark Brutto wiegen und acht Loth zwölf Grän
fein halten
als auc h auf die an denenfelben geftatteten Stücklinge im-Durc-
h-
fchnitt ei 2 Procent. die Vorbefchickung ti 2 Grän und Remedium
ei 11/2 Grän die Sorten Silbermünzen und nac h Befchickung der
Silber-Schroten nicht höher als nac h Proportion denen Piafters zu
rechneu und anzunehmen. wohl Acht zu haben. daß davon im ge-
ringften nicht abgegangen werde; im gleichen dahin zu fehen. daß
alle bishero von beffern Valeur ausgeprägte Gold- und Silber-
münzen nicht ans denen königl. und fächfifchen Landen verfendet.
fondern nach der Münze gegen Bezahlung des innerlichen Wertes
gebracht werden follen. '
26. Bericht der mindenfchen Klammer über Befreiung der Lingenfhen
Untertanen v0n der Steuerzahlung in h0lländifchem Gelde.
Winden. 9. Februar 1759.
Ausfertigung. Tit. 88111. 4.
Der Kriegesrath Hildebrand hat an E. K. M. fowohl als
uns von der Unmöglichkeit derer von denen Lingenfchen Unterthanen
aufzubringenden Contributions- und Domänengefälle in holländifchen
oder edictmäßigen Geldern unterm 17. pnesato berichtet. und E. K.
M. haben-uns unterm 30. ez'. . . befohlen. die von demfelben an-
geführte. gar erheblic h fcheinende Umftände gründlic h und wohl zu
Der 193/4-Talerfuß. - Steuerzahlung in Lingen. 283
erwägen. auch zu Remedirung folche Vorfchläge auszumitteln. wobei
weder Höchftderofelben Jntereffe noch der Unterthan zu merklich leide.
E. K. M. können wir verfichern. daß wir hierbei zeithero
mit aller Circumfpection zu Werke gegangen fein und dazu die
gegründefte [fo] Urfach gehabt haben. weilen wir befürchten müffen.
daß wegen der Nähe der alliirten Armee die bei derfelben bishero
roulirende fchlechte und widerrufene Münzforten die Graffchaft
Lingen gleichfam überfchwemmen müffen. wann auf einmal das
holländifche Geld bei denen lingenfchen Kaffen abgefchaffet worden.
weshalben wir auch felbft an das hannoverfche Minifterium zu Er-
greifung folcher Maßregeln gefchriebeu haben. daß dem überaus
ftarken Rouliren derer widerrufenen Münzforten und dem Bezahlen
damit für gefchehene Lieferungen. Fuhren und dergleichen gefteuret
werden möchte. Gleiche Vorficht haben wir auch in Anfehung des
abzufchaffenden holländifchen Geldes bei denen lingenfchen Kaffen
gebrauchet. Wir haben bereits . . angezeigterund . . approbirter
Maßen verordnet. daß die Contributionsrefte in edictmäßigem Mark-
gelde mit dem vorgefchlagenen Agio nar Gulden holl. oder 12 Ggr.
Markgeld 2 Mgr.. die laufende aber ferner in holländifchem be-
zahlet werden follten. indeffen man geglaubet. daß abfonderlich gegen
abgelaufenem Herbfte dem Mangel deffelben wieder abgeholfen
werden würde. wie fonft wohl zu anderer Zeit gefchehen. Es find
noch mehrere Umfiände. fo uns bewegen müffen. hierbei langfam
zu gehen. vielmehr abzuwarten. ob das holländifche Geld nicht wieder
im Lingenfchen mehr zum Vorfchein zu kommen anfangen würde.
und alfo den durch die Treibfeder derer Receptoren erlaffenen Be-
richten des Kriegesrath Hildebrands nicht fo fchlechterdings zu gänz-
licher Abfchaffung des holländifchen Geldes Gehör zu geben oder
auf den Stuß fogleich darauf zu reflectiren. weilen für die receptore8
darin ein verborgener Vortheil bei Einhebung derer inäiriänornm
ftecket. wogegen man fo leicht keine Remedur gewußt. und darin be-
ftehet. daß der Anfaß der Contribution und die Ausrechnung der-
felben nach holländifchem Gelde gefchehen. folglich ein jedes in(1i-
riäunm darnach bezahlet werden muß.
Wann nun aber der Unterthan die Contribution in Markgeld
bezahlet. fo nimmt der Receptor bei Einhebung derfelben die Re-
ductions- oder Vergleichungstabelle des holländifchen gegen Mark-
284 Nr. 26. - 9. Februar 1759.
geld zur Hand. nach welcher leßteren fic h allemal bei einem jeden
inäiriäuo ein Bruch findet. an deffen Statt der Unterthan einen
ganzen Pfennig bezahlen muß. welches in der Totalität und bei
zwölfmaliger Bezahlung im Jahre fchon etwas ausbringet. bei der
generalen Ablieferung zur Hauptkaffe aber nicht attendiret wird;
gleiche Bewandniß es auch bei denen Domänen hat.
Nachdem wir uns aber beftändig wegen des angegebenen fort-
daureuden holländifchen Geldmangels fowohl bei dem Kriegesrath
Schröder und andern Bedienten. ja auc h Unterthanen. als auch in
Holland felbft erkundiget und gefunden haben. daß folchem wegen
der von den Holländern gegen die Ausführung deffelben genommenen
Maßregeln und Präcaution. wenigftens bei jeßigen Kriegeszeiten
nicht abzuhelfen fei. in Betracht in Holland felbft die bekannte -
widerrufene Münzforten ronliren. womit die dahin gekommene fremde
Leute ihre Bezahlung anzunehmen fic h genöthiget fehen. mithin das
holländifche Geld. wie fonft gefchehen. nicht ausgelaffen wird. welchem
ein jeder zur Vermünzung nachzutrachten bemühet ift. fo können
wir nunmehro nicht länger anftehen. unfer pflichtmäßig Gutachten
dahin . . abzugeben. daß demLingenfchen Unterthan zum größten
Bedruck und äußerften Ruin gereichen werde und müffe. wenn der-
felbe bei jeßigen Zeiten länger verbunden fein follte. feine praemanän
in holländfchem Gelde abzuführen. welches er theils gar nicht er-
halten kann. theils von gewinnfüchtigen Leuten mit großer Agio und
gar 31/2 Ggr. pen. Gulden einwechfeln muß. mithin denenfelben nach-
zugeben fei. vorerft bis zu erfolgtem Frieden ihre Contributions-
und Domänengefälle anftatt des holländifchen in Markgelde an die
Kaffen zu bezahlen. doc h dergeftalt. daß durchaus die widerrufene
Münzforten. als bernburgfche. wiedfche und dergleichen nicht anzu-
nehmen. vielmehr dahin gefehen werden müffe. daß folche nicht ein-
zufchleppen. fondern außer Landes zu fchaffen. fonften ein neuer
Wucher entftehen würde; weshalben dem äepntat o und Fiscal auf-
zugeben. darüber zu vigiliren. Es wird auch das angegebene Rou-
liren folcher verrufenen Münzforten um deshalb defto mehr ceffiren.
da der en c11e1' bei der alliirten Armee commandirende General
Herzog Ferdinand von Braunfchweig die allerfchärfefte Ordre da-
gegen bei der Armee hat ausgeben laffen. dahingegen bei denen
Lingenfchen und General-. Krieges- und Domänenkaffen inäistinete
Steuerzahlung in Lingen. 285
alle von E. K. M. ausgeprägete caffirende und fonft nicht ver-
botene Münzforten an 1/3 Rthlr.. 12 und 6 und 4. auch 1 Mgr.
anzunehmen. wogegen ihnen das Agio bei denen Contingentern und
Etatsquantis 8-(1 2 Mgr. par Gulden holländifch oder 12 Ggr.
Markgeld zuwächfet. als welches Agio wir für die Unterthanen er-
träglich und für E. K. M. fchadlos halten. maßen. 1 Gulden holl.
zu 20 Mgr. und alfo inelueire der Agio ö- 2 Mgr. gerechnet.
Rthlr. Mgr.
250fl.holl.............138 32
betragen. fo netto 100 holländifche Reichsthaler oder
125 Rthlr. Teutfchgeld ausmachen. hingegen hiefige
holländifche Wechfels nur bishero durch den Kauf-
mann Müller laut Contracts a 100 Rthlr. holländ.
oder 125 Rthlr. Teutfchgeld mit . . . . . . 133 -
bezahlet worden. mithin 5 32
profitiret werden; wobei auf einen fallenden und fteigenden Cours
nicht reflectiret werden darf. fondern für 100 Rthlr. Teutfchgeld
111. Rthlr. 4 Mgr. einkommen werden. Es entftehet dahero nur
noch die Frage. ob die Unterthanen mit folcher Agio zufrieden fein
und darüber von ihnen keine Befchwerden geführet werden möchten ;
welches wir vorläufig verfichern können. da ehegeftern noch 2 Unter-
thanen fich perfönlich bei dem Kriegesrath Bärenfprung gemeldet.
über den ihn[en] gefchehenen Vortrag wegen interimiftifcher Ab-
fchaffung des holländifchen Geldes bis zum erfolgenden Frieden und
der zu bezahlenden Agio b- 2 Mgr. par Gulden ihre große Zu-
friedenheit bezeuget und verfichert haben. mit nächftem von denen
Vorftehern darüber die Erklärung zu bewirken. Es wird nun von
E. K. M. . . Befehl abhangen. ob die lingeufche Kaffen und übrige
Bediente nach unferm Vorfchlag inftruiret werden follen. Wobei
wegen des oben angezeigten Bruches. welcher aus der Reduction des
holländifchen und Markgeldes entftehet. nnfer ohnvorgreiflicher Vor-
fchlag wäre. daß denen Receptoren anzubefehlen fei. die Brüche bei
jedem inäiriäuo bis zu Ende des Jahres im Buche ftehen zu laffen
und alsdann Berechnung deshalb erft anzulegen. 7
Jndeffen haben wir den Kriegesrath und Ober-Empfänger
Schröder auf feine Anfrage befchieden. daß er 2400 fl. Refte pro
.lanuario c. in edictmäßigem Markgelde mit der Agio a 2 Mgr.
286 Nr. 27. 28. - 17. März- -22. Dezember 1759.
par Floren annehmen follte. weilen deren Bezahlung fonften ver-
ficherter Maßen in holländifchem Gelde nicht zu erhalten.
27. Eingabe der Direktoren und Candräte der Altmark über
den fteigenden Wert der G0ld1niinzen.
Llulofen. 17. märz 1759.
Urfchrift. Tit. L71. Nr. 12.
E. K. M. haben in dem . . Münzedicto vom 14. Juli 1750
unter andern . . verordnet. daß die in abgängigen oder ausländifchen
Münzforten ausgeftellete 0bligati0ne8 bis zum erften Juni 1751 in
neues k. Curantgeld umgefchrieben werden und die äeloit0re8 fich mit
ihren Creditoren wegen eines billigen Agio vergleichen follen. Nach-
hero haben E. K. M. per re8criptu1n vom 12. Jan. 1751 feft-
gefeßet. daß _
1. Gegen die auf den leipziger Fuß ausgemünzte 2/3 tl. gegen
Friderichsd'or 5 Procent Agio bezahlet werden follen.
2. Soll gegen Louisblanc und neue preuß. Silbermünze ein Pro-
cent Agio gegeben werden.
3. Soll auf Ducaten gegen Friderichsd'or ein viertel Procent
Agio gegeben werden.
4. Soll[en] diejenigen. die Louisd'or haben. auf Friderichs'dor ein
halb Procent Agio zugeben.
Es haben fich aber nunmehro die alten 2/3 St. gänzlich ver-
loren. Es äußerte fich zu der Zeit. da folche noch in Kurs waren.
damit ein großer Wucher. da fich felbige aber verloren. fo wollten
die creäit0re8 nach Gefallen von ihren äebitoribu8 das Agio er-
preffen. Jeßo findet man in Anfehung der Friderichsd'or. Louis-
d'or und Charlesd'or große Klagen. da äebit0re8. wenn fie Fride-
richsd'or. Lonisd'or und Charlesd'or ihren creäit0ribu8 bezahlen
follen und folche nicht anfchaffen können. denenfelben gegen Kurant-
geld 10. 12. auch wohl 15 Procent Agio bezahlen müffen. da denn.
wenn 1000 Thlr. an Golde hätten bezahlet werden follen. in eiii-.ern
wegen des ftarken Agio wohl 1100 Rthlr.. auch wohlgar 1150 Rthlr.
bezahlet werden müffen. wie denn fogar einige creäit0re8 bloßer-
dings. um von diefen hohen Preife des Geldes zu profitiren. ihre
ficherfte eapitalin aufkündigen oder fich zur Evitirung deffen von
Steigender Wert der Goldmünzen. 287
denen (iebiwribue das Agio bezahlen und das Kapital in Silber-
geld umfchreiben laï¬en. mithin derjenige. welcher 10000 Rthlr. auf
feinen Gütern in Friderichsd'or fchuldig ift. 11500 Rthlr. in Silber-
münze fchuldig wird und entweder den Zufchub bei der Umfchreibung
baar nachfchießen oder aber auf das Agio befondere Verfchreibung
ausreichen muß. wodurch die p088e880re8 derer Güter und Jmmobil-
ftücken von neuem gar fehr verfchuldet werden. das Commercium
auch darunter fehr leidet. überdem auch der Adel nnd andere. welche
ihre Söhne und Verwandte in E. K. M. Kriegesdienften haben und
deren Güter verfchuldet find) darunter den größten Schaden empfin-
den. indem fie durch Bezahlung des fehr ftarken Agio an ihre
c1-eäit0re8 außer Stande gefeßet werden. ihren in Kriegesdienften
ftehenden Söhnen und Verwandten Gelder nachzufchicken. ja viele
davon kaum felbft fo viel übrig behalten. daß fie mit ihren Kindern
davon kümmerlich fubfiftiren können. nicht zu gedenken. daß. da die
Ausfuhre des Getreides verboten. der Getreidepreis fchlecht und kein
Debit im Lande ift und aus nichts Geld gemacht werden kann; die
iuclieia. da fie wegen des Agio des Goldes gegen Münze kein
normarirnm haben. müffen jedesmal nach denen Befcheinigungen
derer Parteien erkennen. welche folche von denen Kaufleuten und
Banquiers hernehmen.
Um nun diefen Wucher derer ereäitornm und Wechfelern abzu-
helfen und demfelben Einhalt zu thun. fo bitten E. K. M. wir . ..
ein . . Edict emaniren zu laffen und darin das Agio derer Fride-
richsd'or. Louisd'or und Charld'or gegen preußifches Silbergeld fefte
zn feßen. Wir fchlagen . . vor. daß das Agio der Friderichsd'or
zu 3 Procent. der Lonisd'or und Charld'or aber zu zwei Procent
feftzufeßen. und daß Jedermann. befonders die Banquiers und
ereäitoree fich bei einer nahmhaften Strafe darnach richten. die
inäieia aber anf folches Reglement erkennen müffen.
28. Bericht der kurmärkifehen Aammer über da5 Verb0t fclyleehter
fremder münzwrten.
Berlim 22. Dezember 1759.
Ausfertigung. Gez. v. d. Gröben) Grofchopp. v. Schmettau. Tit. 11711) 12.
Es befchweren fich verfchiedene Beamte. daß bei denen jeßigen
befchwerlichen Zeiten im Lande nichts anders als Auguftd'ors. fächf-
i-
288 Nr. 28. - 22. Dezember 1759.
fche. lüneburgifche und mecklenburgifche Münzforten rouliren. hin-
folglich bei ihnen auch kein anders als dergleichen Geld einkomme.
gleichwohl wolle die Rentei kein andere als die in denen Contracten
verfchriebene Münzforten. als Friderichsd'or. brandenburg. Münze
von ihnen annehmen. wodurch fie in die Verlegenheit gefeßet würden.
das Geld. fo fie von denen Unterthanen einheben und bei jeßigen
betrübteu Zeiten mit vieler Mühe beitreiben müßten. mit fchweren
Agio zu verwechfeln. wobei fie gebeten. die Reutei zu inftruiren.
auch künftig dergleichen Münzforten anzunehmen. Wir können alfo
dabei nicht unangezeiget laffen. welchergeftalt zwar die Augnftd'ors
bei unferer Reutei bishero auf Adminiftration. Zoll-. Forft-. Maß-
und andere dergleichen Gefälle genommen. auf Amtsgefälle aber zur
Zeit refufiret worden. weil die Beamten fchuldig fein. nach ihren
Contracten Kaffengeld zu bezahlen.
Nun würde es zwar zum Sonlagement derer Beamten ge-
reichen. wann folche auch auf Amtsgefälle angenommen würden.
weilen aber zu beforgen ftehet. daß fodann durch gewinnfüchtige
Beamte nichts als Auguftd'ors eingefandt. mithin die General-Kaffen
damit angefüllet werden möchten. fo -ftellen E. K. M. wir . . an-
heim. ob Allerhöchft diefelben nicht allenfalls . . zu accordiren ge-
ruhen wollen. daß ihnen bei Zahlung der Pachtgelder 1/4 in Auguft-
d'ors ftatt des Silbergeldes paffiret werden könne.
Was die Bern- und Mecklenburgifche Münzen betrifft. fo ift
wohl an dem. daß folche fehr ftark- rouliren. zumalen da. wie wir
bereits unterm 11. Sept. c. angeführet. denen Livranten dergleichen
Gelder zum öftern felbft aus k. Kaffen. die folche von auswärts
annehmen und wieder auszahlen müffen. in Zahlung angegeben
werden. da fodann folche wieder hiefelbft rouliren und denen Unter-
thanen für ihre anhero zu bringende (1enrée8 kein ander als der-
gleichen Geld bezahlet wird.
Wann nun E. K. M. laut re86ripti vom 19. 0e611r. 6. p.
und 7. 811g. c. die Einführung und Roulirung derer Bernburgifchen
Münzen verboten. fo würde es darauf ankommen. daß entweder die
Annehmung derfelben wieder nachgegeben würde. wie wohl wir uns
dahin anzutragen nicht getrauen. oder es müßte fämtlichen Kaffen
nochmals die Annehmung und Auszahlung diefer Gelder aufs
fchärffte verboten und allenfalls injungiret werden. daß folche zur
Die fchlehten fächfifchen Dritteltaier. 289
Armee außer Landes abgefendet würden. auc h dieferhalb das nötige
mit dem fächfifchen General Krieges äireetori0 und dem General
Lieutenant v. Maffow zu concertiren fein.
Die Annehmung der in Sachfen ausgeprägten 8 Gr. Stücke
haben E. K. M. zwar per reseriptnm vom 19. Deebr. p. n. und
noc h jüngfthin unterm 7. 14113. c. anbefohlen; wann aber die Gene-
ral Dom. Kaffe. als auc h die General Krieges Kaffe darunter keine
andere als die in Sachfen mit E. K. M. Bildnis ausgeprägte
8 Gr. oder fo genannte 811 Marien Gr. Stücke verftehen. die mit
S. K. M. von Polen Bildnüß ausgeprägte 8 Gr. ftücke aber ledig-
lic h nicht annehmen wollen nnd alfo bis dato noch nicht ein Stück
dergleichen 8 Gr. ftücke abgeliefert worden. fo hat unfere Rentei
auc h hierunter nicht anders verfahren können. als leßtere gleichfalls
zu refnfiren; follteu aber E. K. M. gleich wohl zum Soulagement
derer Beamten die Annehmung der fächfifchen mit des Königs von
Polen Bildnüß ausgeprägten 8 Gr. ftücke . . zu genehmigen ge-
ruheu. fo würde der darunter gemachte Unterfchied derer mit 111.0.
marquirten fächfifchen 8 Gr. ftücke. weilen folche von fchlechterer
Sorte fein follen. ohnmaßgeblic h wegfallen müffen. indem die wenigften
Beamten. noc h weniger die Unterthanen. die marquirte 14). 0. zu
finden. noc h weniger darauf zu attendiren wiffen. folglic h bei deren
Einfendung diefelben dergeftalt mit andern meliret werden würden.
daß bei der ftarken Quartal-Einnahme eine wahre Ohnmöglichkeit.
folche Stück vor Stück zu examiniren und jede Tüten und Beutel
aufzureißen'. die darunter intendirte . . Abficht. daß die fchlechte
fächfifche Münzforten nicht rouliren follen. auc h nicht erreichet werden
würde. indem die hiernächft ohne h1. 0. ausgeprägte fächfifche 8 Gr.
von eben folchen fchlechten Schrot und Korn fein follen. Es wird
alfo von E. K. M. hohen Einficht und . . Refolntion beruhen. ob
höchft diefelben die Annehmung der fächfifchen 8 Gr. auc h mit S.
K. M. von Polen Bildnis bei Dero Kaffen und zwar inäistinete
rouliren zu laffen . . genehmigen wollen. als welchenfalls wir fo-
dann.. bitten. fowohl der General Domainen-Kaffe als auc
h
General Krieges-Kaffe aufs nachdrücklichfte anzubefehlen. der Rentei
wie auc h der Ober Steuer-Kaffe wegen Annehmung derfelben keine
fernere Schwierigkeit zu machen. da fodann auc h unfere Ober Steuer-
Kaffe wegen Annehmung derer . . placidirten Münzforten inftruiret
seta Lernset-ro.. Münzwefen 1.11. 19
29() Nr. 29. 30. - 26. Januar--14. April 1760.
werden könnte. als worüber wir uns E. K. .- Refolution ii.
erbitten wollen.
29. Aabinettsorder an den Direktor der BerlinerZliünze. Anöffel.
über Einführung des 50-Talerfußes.
Freiberg. 26. Januar 1760.
Ausfertigung. n. nur. 1.
Demnach S. K. M. . . refolviret. Dero fämtliche-preußifche
und fächfifche Münzen von neuen an die bisherigen Münz-Entre-
prenneurs Ephraim und Söhne nebft Daniel Jßig zu übergeben
und den Münzfußzu 30 Rthlr. pro Mark fein feftzüfeßen. .des-
gleichen alle eonäitione8 und beuetieia fo. wie in denen vorigen
Contracten von Wort zu Wort enthalten. ihnen fernerhin an-
gedeihen zu laffen und die Ausmünzung in allerhand fächfifchen.
polnifchen und andern frembden Münzen zu verftatten. auch zu con-
descendiren. daßdiefe Münzen in Handel und Wandel in Dero
königlichen Landen kurfiren. bei Dero Kaffen aber fchlechterdings
nicht angenommen werden follen; als machen Höchftdiefelbe- folches
Dero Münzdirector Knöffel zu Berlin hierdurch bekannt -mit- dem Befehl. die Ausmünzung' fothaner Sorten nach 'folgenden-determi-
uirten Münzfußvorzunehmen und felbigen zur-Norm zugebrauchen'.
Es follen demnach - * Ä'
8 Ggr. Stücke eilf Rthlr. Einen Gr. die Mark brutto wiegen
undfünf Loth fechszehn Grän fein halten. - --
4 Ggr. Stücke neun Rthlr. neun Grofchen eine Mark brutto
wiegen und fünf Loth fein halten. - - i - -
Thmpffe acht Rthlr..- fechs Pf. eine Mark brutto wiegen und
vier Loth fünf Grän .fein halten. -- -- '
.17 Aer Stücke fünf Rthlr. fünfzehn Gr. eine Mark bruttö
wiegen und drei Loth fein halten. 7 - " -'
2 -Ggr. Stücke fechs Thlr. Einen Gr. eine Mark brutto wiegen
und drei Loth vier Grän .fein halten. - _ 1 Ggr. Stücke fünf Thlr. eine Mark-brutto wiegen und drei
'Loth zwölf Grän fein halten. - - ' - - 6 Pf. Stücke drei Thlr. achtzehen Gr.-eine.Mark .brutto wiegen
und zwei Loth fein halten. - - -
Der 30-Talerfuß. 291
Ganze nnd halbe Speciesthaler fünf Loth dreizehen Grän fein
halten und zehen Thlr. fiebenzehen Gr. fechs Pf. eine Mark
brutto wiegen.
Bei der Stückelung follen vorgedachten Entreprenneurs im
Durchfchnitt zwei pro eento. Vorbefchickung zwei Grän und 11/2
bis zwei Grän Remedium paffiren.
Die Stücke von Achten follen nicht höher als vierzehn Loth
zwölf Grän angenommen werden; andere rohe Sorten. gefchmolzene
Baaren. Silber. Shroten und Ausfchuß aber werden nach Pro-
portion derer Piafters gerechnet und angenommen. auch in folcher
Proportion befhicket.
Zu Abführung des Schlage-Schaßes ift denen Entreprenneurs
erlaubet. die Gold-eepeee8 und preuß. Silbermünzen nac h dem vor-
maligen Münzfuß a 193/4 Thlr. per Mark auszuprägen. desgleichen'
auc h preußifche. polnifche und fächfifche Kupfer Münz-Sorten. wie
bishero gefchehen. gleichfalls fchlagen zu laffen.
Bei Ausprägung der Gold-e8x10mm paffiret ein halb Grän
im Korn und ein halb pro eento im Schrot.
Wornac h alfo gedachter Münzdirector Knöffel fic h in allen
Stücken gehörig zu achten. auc h befonders dahin mit zu fehen hat.
daß -alle von beffern Valeur bisher ausgeprägte Gold- und Silber-
Sorten. fie haben Namen wie fie wollen. unter keinerlei Prätext aus
denen königl. und fächfifchen Landen verfendet. fondern gegen Be-
zahlung )des innerlichen Werts an der Münze abgeliefert werden
müffen. * '
50. Aus .einem Bericht der kurfächfifchen -Geheimen Räte über die
-- münzprägungen preußens. *
Dresden. 14. April 1760.
Mundum. gez. Johann Friedric h Graf v. Schönberg. Chriftian Graf vom Loß.
Wilhelm Auguft Graf v. Stubenberg. - A. D. 1.0e. 1334. 711.
Wenn vor das andere [Exekution gegen Bernburg] die fchlechten
Bernburgifcheu Münzen von den Obrigkeiten eingewechfelt und in
gute Reichsmünzen verwandelt. zum Erfaß aber des daran leiden-
den Verlufts des Fürften von Anhalt-Bernburg Durchl. exeenti7e
angehalten werden follen. fo ift dabei in faeto vorauszufeßen. daß.
19*
292 Nr. 30. 31. - 14. April-6. Mai 1760.
obwohl befagter Fürft bei dem Kaiferlichen Reichshofrath bereits
felbft fich dazu bekeunet. daß auf feiner Münzftatt eine Partie ge-
ringhaltigen Geldes ausgemünzet worden fei. dennoch der größte
Theil des Ãœbels. fo in die Millionen anfteiget. nicht fowohl von
ihm felbft fich herfchreibe. als vielmehr unter feinem Namen durch
die alhier in Dresden angelegte Königliche Preußifche Münze ver-
urfachet worden fei. Denn da find unter denen beim Abzug der
Preußifchen Befaßung von befagter Münze zurückgelaffenen Effekten
verfchiedene Schriften und Rechnungen aufgefunden und hernach von
dem vormaligem Kaiferlich-Königlichen Gouverneur allhier. dem
Generalfeldmarfchall v. Marfchall. an uns abgegeben worden. aus
welchen fich deutlich zu Tage leget. wasmaßen bei diefer Münze
nicht allein E. K. M.. fondern auch des Herrn Herzogs von Sachfen-
'Weimar und Eifenach. des Fürften von Anhalt-Bernburg. ja fogar
des Grafen von Stolberg Stempel auf eine im Reich wohl noch
nie erhörte Art gemißbrauchet worden. um ganz Deutfchland. be-
fonders aber den Oberfächfifchen Kreis mit einer Summe von mehr
als vier Millionen böfen Geldes. die Leipziger. Magdeburger und
Berliner Ausmünzung ohngerechnet. zu überfchwemmen. Unter
andern find von fogenannten Bernburgifchen 8 und 4 Gr. Stücken
befage derer Manualien vom 1. April bis ultilno Mai 1759
2019 314 Rthlr. 12 Gr.1) ausgepräget worden. Von der weiteren
Ausmünzung ift der Betrag in denen aufgefundenen Büchern nicht
angemerket gewefen. Da jedoch felbige bis zu Ausgang .lulii mit
größtem Eifer fortgefeßet worden. fo ift leicht zu ermeffen. daß das
Ganze wohl noch einmal fo hoch als obige Summe angeftiegen fein
möge. Nun hat fich bei der Probirung ergeben. daß diefe Münze
an innerlichem Gehalt 47 pro Centfchlechter als die in E. K. M.
Münze ehedem gefchlageneu 1/3tel find [fo]. und es ift in eben be-
nannten Schrifteu eine befondere okäre von des Königs von Preußen
Majft. anzutreffen gewefen. daß der Debit diefer Bernburger 1/3tel
und 1/6tel hauptfächlich in den Churfächfifchen Landen befördert. die
U1] und 71 Mariengrofchenftücken hingegen als im Gehalt ver-
gleichungsweife noch beffer. nach denen eigenen Churbrandenburgifchen
.Landen verfendet werden follten. Es ift dahero nichts wahrfchein-
l) Nach A. D. [1oe. 1334. 1x: 2 010 624-20.
Die Dresdener Münzung. 293
licher als daß obige 2 und vielleicht 4 Millionen größtentheils noch
in E. K. M. Landen courfiren. vor welche daraus. wenn auch die
Summe nur obbemerktermaßen auf 2019314 Rthlr. angenommen
wird. eine Einbuße von 949077 Rthlr. erwächfet . . . . .
51
Nr0t0k0ll einer Sitzung des Gene- pr0t0k0ll einer Sitzung des Sene-
raldirekt0rium8 und des Geh.
Finanzrats Aöppen
am 27. märz 1760
raldirekt0rium8 und des Seh.
Finanzrats Aöppen
am 6. mai 1760
über V0rfchriften für die Münzunternehmer.
Tit. LMU. 13.
Zu Abhelfung derer bei dem
jeßigen Münzwefen vorkommen-
den Umftänden ift äato in der
deshalb befonders gehaltenen Con-
ferenz Folgendes feftzufeßen und
zu verordnet beliebet worden:
1. Denen Juden aufzugeben.
bei dem Einkauf des Silbers und
Goldes. wenn folcher in denen k.
Provinzien gefchiehet. dasfelbe
keinesweges in auswärtigen Münz-
forten zu bezahlen. fondern die
Bezahlung dafür ohnfehlbar mit
denen unter S. K. M. Bildniß
geprägeten Kaffen begebigen Geld-
forten zu thun.
2. Denenfelben in keine Wege
die Einwechfelung derer unter
Als äato die in dem vorhin
aufgenommenen pr0t0c0110 vom
27. bleu-t. n. c. niedergefchriebene
Punkte in Anfehung der gegen-
wärtigen Münzangelegenheiten
anderweit durchzugehen beliebet
worden. ward nach näher er-
wogenen Umftänden und Jnfpi-
cirung der desfalls ergangenen
Cabinets0räre8 nebft denen Ex-
tracten aus denen Münzkontrakten
gut gefunden. was
aä 1. den Einkauf des Goldes
und Silbers und die dafür zu
bezahlende Gelder betrifft. denen
Münzentreprenneurs nachzulaffen.
folchen mit fächfifchen Münzen
zu bewerkftelligen. in Betracht
felbige im Handel und Wandel
ihren Kurs behalten follten.
nä 2. Bliebe denen Münz-
entreprenneurs frei. das Gold
294
Nr. 31. - 6. Mai 1760.
Kgl. Pr. Stempel ausgemünzeten
Geldforten zu verftatten. weil da-
durch das Land von allen kaffen-
begebigen Münzen entblößet
werden und folche zu keinen
Kaffen kommen könnten.
3. Sollte es rnrj0ne derer
wegen des Silber- nnd Gold-
einkaufs ausgeftelleten Päffe der-
geftalt gehalten werden. daß denen
Krieges- und Domainenkammern
von denen Münzentreprenneurs
mittelft einer Specification die-
jenige namentlich angezeiget wer-
den müßten. welchen dergleichen
Päffe ertheilet worden. damit
allen Unterfchleifen zum eigenen
Beften der Entreprenneurs vor-
gebeuget werden könnte.
4. Sollte in Anfehung der
vorgekommenen Frage. wie und
auf was Weife das Publikum
wegen des fchwereren Agio zu
foulagiren? vorher abgewartet
werden. was die mt 2 erwähnte
Verfügung für eine Würkung nach
fich ziehen würde. fo denn
5. denen Münzjuden infinuiret
werden. fich zu deklariren. ob fie
fich der Vifitation unterwerfen
wollten. anderer geftalt davon an
und Silber in den Städten und
auf dem platten Lande aufzu-
kaufen. keinesweges aber die feit
den 1. Jan. 1759 ausgeprägte
Münzen mit S. K. M. Bildniß
einzuwechfeln.
a(i 3. Hätte es dabei fein Be-
wenden. daß die Entreprenneurs
die Specifikation von ihren Com-
miffionärs. welche auf dem platten
Lande und in denen Städten
Gold und Silber einkanfeten. ein-
reichen müßten. auch daß die-fen
Commiffionärs zum Einkauf des
Goldes und Silbers Originalpäffe
unter der Münzentreprenneurs
eigenhändigen Unterfchrift und
mit dem Münzfiegel befiegelt ein-
gehändiget würden. damit allen
Unterfchleifen vorgebeuget werden
könnte. welches denn denen Kam-
mern bekannt zu machen. damit
fie die mit folchen Päffen ver-
fehene Commiffionärs ungehindert
einkaufen laffen.
en1 4. Hätte es dabei fein Be-
wenden. was eni 2 feftgefeßet.
aä 5. Könnten fich die Münz-
entreprenneurs nach dem aus-
drücklichen Jnhalt der Cabinets-
ordre der Eröffnung nicht unter-
Borfchriften für die Miinzunternehmer.
295
S. K. M. referiret werden müßte.
weil fo viele geringhaltige Münz-
f orten eingefchleppet und das Land
dadurch überfchwemmet würde. fie
aber auf diefe Art felbft aus dem
Verdacht des Einbringens der
gleichen fchlechten Sorten kämen.
Weil auch
6. vorgekommen._ wie es in
Anfehung des rechtlichen Erkennt-
niffes in Münzdefraudations- und
Confiscationsfachen gehalten wer-
den follte. ift befchloffen. zuvorderft
den Hoffiskal Pape vorfordern
zu laffen. um auf den Jnhalt
feiner als angebl. Münzjuftitiarii
deshalb etwa habenden befonderen
Jnftruktion zu kommen.
7. Sollte an fämtliche Kriegs-
und Domainenkammern eine Ver-
ordnung erlaffen werden. des Ju-
halts. wie fich finde. daß allerhand
auswärtige. bereits vorhin durch
öffentliche Edicte verrufene Münz-
forten im Lande kurfirten und
deshalb zu verfügen. daß die-
jenige. fo dergleichen in Händen
hätten. fich in Zeit von 4 Wochen
ohnfehlbar davon los machen
müßten. widrigenfalls folche con-
werfen und bliebe es alfo dabei.
daß das Gold. Silber. auch ge-
prägtes Geld und die Metalle
weiterhin uneröffnet paffiren und
repaffiren müßten. zu welchem
Ende denen Kammern die nöthige
01-äre8 dieferhalb zu ertheilen.
jedoch auch die Entreprenneurs
zu verwarnen. daß darunter nicht
Contrebande oder andere ver-
botene und hochimpoftirte Waaren
einfchleichen mögen.
6ä 6. Anlangend die Kognition
in Münzcontraventions und an-
deren dergleichen Fällen in denen
Provinzien bliebe folche vor wie
nach dem General Directorio und
den re8p. Kammern. dahingegen.
was die Sachen betrifft. welche
die Münze-felbft oder deren Ar-
beiter angehen oder auch in denen
Münzftätten felbft vorkommen
möchten. folche von dem Münz
1u8tit6rio abgemachet werden
könnten.
m1 7. bleibe es bei der vor-
hin feftgefeßten Verrufung derer
fchlechten und in denen Edicten
verbotenen Münzforten. nur mit
dem Unterfcheide. daß der termi-
n118 dazu auf 6 Wochen feft-
gefeßet werden follte und zu dem
Ende fogleich durch die Kammern
publiciret werden müßte.
296
Nr. 31. 32. - 6. Mai -4. Juni 1760.
fisciret werden würden. Übrigens
wurden fogleic h bei diefer Ge-
legenheit
8. wegen des im publieo fic
h
äußernden Mangels an Scheide-
münze die Münzentreprenneurs
vernommen. dasjenige Quantum
aä 8. verfichern der H. Ge-
heime Rath Köppen. daß er diefer-
halben mit dem H. General
v. Tauenßien in Correspondenz
namhaft zu machen. was fie
eigentlic h an 6 Pf. Stücken aus-
münzen wollten. Diefelben waren
aber dazu nicht zu bringen unter
den Vorwand. daß die Ausmün-
zung der Scheidemünzen nur als
ein Nebenwerk von der Haupt-
ausmünzung wäre und nur info-
weit ftattfinde. als Silber dazu
eutübriget werden könnte. jedoc
h
follte alles Mögliche von ihnen
dazu gethan werden. daß dem
Mangel abgeholfen würde.
Ferner kam [am 6. Mai]
9. der Punkt wegen der fehlenden und mit dem k. Bildniß
ausgeprägten Münzforten im Mindenfchen vor. welcher nac h dem
erfolgten Anerbieten der Münzentreprenneurs Jnhalts Schreibens
des H. Geh. Rath Köppen vom 9. April n. e.. daß 20/rn Rthlr.
monatlic h vor Minden und andere Provinzien abgeliefert werden
follten. angenommen würde. und zwar dergeftalt. daß darunter von
der General Krieges Kaffe nac h Convenienz der Provinzien Arrange-
ments getroffen würden.
10. wäre bereits veranlaffet. daß die fähf. Münzforten in
Handel und Wandel gelten follten. wobei es bliebe. dahingegen was
11. die ein- und durchgehende fchlechte Münzforten beträfe.
fic h die Münzentreprenneurs darüber näher erklären follten. was
felbige eigentlic h darunter verftehen. Und da bei diefer Gelegenheit
die Sache .
12. wegen des in Quedlinburg angehaltenen Silbers vorge-
kommen. fo ward beliebet. daß darüber des General-Fiskals Uhden
ftehe und S. K. M. darunter
nächftens decidiren dörften.
Die fächfifchen Dritteltaler in Emden. 297
Gutachten vorhin angegebener Maßen gefordert werden follte.
Schließlichen bliebe es
13. bei der Zoll- und Accifefreiheit aller zur Münze kommen-
den Metalle und Materialien. jedoch müßte darunter überall kein
Handel getrieben. oder davon etwas an andere überlaffen werden.
52. Eingabe des Zliagiftrats von Emden gegen die Achtgr0fchenftücke
mit fächfifchem Stempel.
Emden. 4. Juni 1760.
Abfchrift. Tit. nur. 3.
So fchuldig und bereit Magiftratus der Stadt Emden von je
her gewefen. E. K. M. . . Befehle zu befolgen. fo unmöglich fällt
es doch demfelben anjeßo E. K. M. am 1. eu1-r. fowohl aufm Lande
als. laut der Anlage. hier in der Stadt publicirte Verordnung wegen
Courfirung der fächfifchen 8 guten Grofchen in Erfüllung zu bringen.
Die Kaufmannfchaft findet fich dadurch am meiften embar-
raffiret. weil niemand außerhalb Landes. wohin die Bürgerfchaft
commerciret. die fächfifche 8 Ggr. in Bezahlung annehmen will; und
da die Juden alle bis hiezu im Land coufirende Species. epeeialiter
die königlichen. mit großem Agio einwechfelen und umfchmelzen. fo
wird fich folche Münze bald gänzlich aus der Provinz verlieren und
niemand wiffen. womit er die Gefälle an E. K. M. Kaffen bezahlen
oder womit er das Commercium unterhalten folle. '
Wir fürchten ferner. daß der Landmann. um nur andere
Species zu bekommen. feinen Zuwachs gänzlich über die Grenzen
bringen werde; aus welchem allen ein folches Derangement in der
Handlung entftehen wird. daß wir kein Auskommen dabei fehen.
Die hiefige Juden. fo mit dem Münz-Entrepreneur in Ver-
ftändniß leben. fuchen das neue Geld auf alle Weife unter die Leute
zu bringen und drohen mit gerichtlichen Klagen. wenn es niemand
nehmen will; diefe aber entfchuldigen fich. daß fie kein Stück von
diefem Gelde ohne merklichen Schaden an ihre Correspondenten
fenden können. Es wil( ferner von den Juden die Jnterpretation
E. K. M. . . Verordnung dahin extendiret werden. daß niemand fein
Conto mit dem annoch in Händen habenden alten Gelde auswärts
bezahlen foll. da wir doch den Sinn der . . k. Verordnungen nur
2:98 Nr. 33. - 13. Juni 1760.
von den gewinnfiichtigen Leuten verftehen. die gut Geld wegfchicken
und fchlechtes einbringen. nicht aber von Kaufleuten. die ihre Waaren
und- Rechnungen außerhalb Landes .damit befriedigen müffen. Jn-
zwifcheu befcheiden wir uns. daß die Explication der . . k. Willens-
meinung uns nicht zukommt. und find daher in der änßerften Ver-
legenheit. Wir erwähnen jeßo nicht. wie durc h den Ruf des allhier
gefchlagenen neuen Geldes der Wechfel fo exceffiv in die Höhe fteiget.
daß es weder Kaufmann noc h Particulier aushalten mag; dann da
noc h vor wenig Jahren der currente Preis von dem holländifchen
400/0 war. fo ift derfelbe nunmehro fchon auf das triplum geftiegen
und gilt wirklic h 1200/0. welches nichf allein unfere Kaufleute lahm
leget. fondern auc h allesund jedes -in der Provinz fotheuer macht.
daß ein allgemeines Elend daraus entftehet. -Wir find _alfoßdurch
die höchfte Noth gedrungen. E. K. M. '. . anzutreten und fowohl
um nähere Jnftruction. wie wir uns zu verhalten h'aben.“als -auch-
um landesväterliche Abhelfung diefer unferer Noth allerfubmiffeftzu.
imploriren. -
55. Bericht der magdeburger Aammer über den Aurs der fächfifchen
8-Gr0fchenftücke und den Mangel' an Sheidemünze.: ' - :8.
magdeburg. 15. Juni 1760. “
Ausfertigung. Tit. 1471i. 13.
a
- Nachdem E. K. M. vermittelft des-_an mis erlaffenen . . reeeriptj'
vom 8. et pre-te8. d. 18. Mai n. c. -feftgefeßet. daß .es bei denen
vorhin erlaffenen Verordnungen inAnfehung der Münzentrepreneurs
Ephraim und Söhne. auch Daniel Jßig fein Bewenden behalten
und hierunter in der zugleich in nur erwähnten re8eriptopor-
gefchriebenen Maße weiter verfahren und verfüget- werden folle.
haben wir die fämtlichen Land- und Steuerräte. die hiefigen_Ma-
giftrate. die Deputation zu Halle. die Zollämter. imgleichen die
Beamten nach deffen Jnhalt uinftändlic h inftruiret und felbigen auf-
gegeben. fic h darnac h zu achten und darauf zu_ vigiliren. daß dem
allen nicht entgegen gehandelt werden möge. .
Es hat der Krieges- und Domainen Rat Klevenow -unter-'dem
9. nujue . . hierauf angezeiget. wasmaßen nicht. abzufehen-wäre..
wie verhütet werden könne. daß' bei Aufkaufungdes. Goldund.
Mangel an gutem Geld im Magdeburgifchen. 299
Silbers in den Städten und auf dem platten Lande die feit dem
1. .lannarii a. p. mit dem königlichen Bildnis ausgeprägte Münzen
nicht zugleich mit eingewechfelt würden. zumalen alles. was zum
Behuf der Münze gehöret. ohngehindert nach die Münze paffire
und von keinem Accifebedienten weder im Thor. noch auf der
Accifekammer oder in der Münze nachgefehen werden'dürfe. folglich
Niemand wiffen könne. was von denen Münz-Commiffionairs auf
dem platten Lande vor Münzforten eingewechfelt würden und eben
fo wenig feie diefes in hiefiger Stadt in Erfahrung zu bringen. da
die Verwechfelung des Geldes vielfeitig gefchehe und derjenige.
welcher gute Münzforten in die Münze ve'rwechfele. folches zu feiner
eigenen Beftrafung nicht anzeigen wird.
Was hiernächft den Punkt wegen der verrufenen Münzforten an-
langet. fo würden davon fehr viele durch die fremden Fuhrleute in die
Stadt gefchleppet. außer was fowohl die Kaufleute als Profeffioniften
von denen Meffen in den Tafcheu mit anhero brächten. Und da
diefe mehrenteils in kleinen Geldforten beftänden. fo wären folche
allhier defto angenehmer. weil es hauptfächlich an Schiedesmünze
fehlete. indem nichts anders als fächfifche und bernburgifche 8 Gr.
Stücke kurfirten. womit die Einwohner nicht aus einander kommen
könnten. Die Kaufleute bedienten fich auch der fremden Münze zu
Bezahlung der auswärtigen Fuhrleute; und da diefe Stadt mit
fremden Provinzien entouriret. fo feie es defto difficiler. zu ver-
meiden. daß die fremden Schiedesmünzen nicht eingeführet würden.
Daneben beklagten fich die Accifanten gar fehr. daß. da hie-
felbft nichts als fächfifche und Bernburgfche 8 Gr. Stücken roullirten.
folche bei der Accife nicht angenommen werden wollten. für die
preuß. 8 Gr. Stücken und Auguftd'or aber nunmehro eine ftarke
Agie gegeben werden müßte. wodurch fie folchergeftalt mit doppelter
Accife beleget würden. alle Waren aber wegen des hohen Geld-
kurfes ungemein im Preife ftiegen; abfonderlich müßten die Land-
leute. welche an den Markttagen Victualien zur Stadt brächteu und
dafür nichts anders als fächfifche und beruburgifche 8 Gr. Stücken
oder verrufene Schiedesmünzen erhielten. faft wie die Bettler in die
Stadt herum laufen. um preußifche Münze zu Erlegung der Accife
zu bekommen. wodurch das ftädtifche Verkehr leide und die Leute in
ihrem Gewerbe aufgehalten würden. Weshalb er zur höheren Er-
30() Nr. 33. 34. - 13. Juni-17. Juli 1760.
wägung anheim ftellete. ob es nicht gut fein dürfte. daß die Accife.
welche zu Verpflegung derer Regimenter deftiniret fei. bei gegen-
wärtigen Zeiten in fächfifchen 8 Gr. Stücken angenommen. auch mehr
Schiedesmünze gefchlagen werde. damit Käufer und Verkäufer aus-
einander kommen könnten und das Verkehr dadurch erleichtert würde.
Wir beziehen uns nun auf unfere in diefer Sache erftattete . .
Berichte vom 30. rn. pr. und 3. diefes. Und wie es andern. daß
bishero fchon faft nichts anders. als die fächfifche und bernburgifche
8 Gr. Stücken kurfiren. fo ift leicht zu erachten. da von dem Feld-
Krieges-Commiffariat die Bezahlung für das vom Lande gelieferte
Magazin-Getreide in fächfifchen 8 Gr. Stücken gefchiehet. daß das
Land völlig hiermit überfchwemmet werde. Sollte nun nach Jnhalt
des re8cripti vom 22. Mai a. c. denen Münzentrepreneurs auch
fogar verftattet bleiben. die mit E. K. M. Bildnis ausgeprägte
Münzforten vom 1. .lanuarii 1759 an auszuwechfeln. fo ift leicht
zu erachten. daß auch gegen Bezahlung der höchften Agio felbige
für Geld nicht zu bekommen fein werden. Die Befchwerden wegen
Mangel der kaffenmäßigen Münzforten find überall ebenfo gegründet.
als der Mangel der Scheidemünze durchgängig groß ift. Es ift
auch leicht zu erachten. daß das Land und befonders die Armut bei
der von Zeit zu Zeit durch übermäßige Gewinnfucht der Geld-
wechfeler höher fteigenden Agio für die an die Kaffen zu bezahlende
Münzen fehr gedrücket werde. felbft die königl. Kaffen kommen hier-
bei in Verlegenheit. daß die fchuldige prae8tanäa in Ermangelung
der bishero geordneten Münzforten nicht abgeführet werden können.
nicht zu gedenken. wie fehr auch Handel und Wandel hierunter leide.
Da nun E. K. M. bereits vormals per re8c1-iptum vom 19. Dec.
1758 verordnet gehabt. daß die mit dem königl. polnifchen Bildnis
auf Höchft Dero 0räre ausgeprägte fächfifche 8 Gr. Stücken bei
fämtlichen Dero Kaffen. fo lange der Krieg dauert. angenommen
werden follten. folches aber nachher wieder aufgehoben worden. fo
bitten wir nochmals. . . zu approbiren. daß fothane Münzforten.
bei diefen ohnedem calamiteufen Zeiten. bei fämtlichen königl. Kaffen.
fo lange der Krieg währet. angenommen. auch darnach die dortige
fämtliche General-Kaffen gehörig inftruiret werden.
Was den Mangel an Scheidemünze betrifft. fo ift nun zwar
per re8crigtnm vom 3. 11ujn8 bekannt gemacht. daß 1000 Tal.
Scheidemünzmangel im Magdeburgifchen. Z0]
in 6 Pf. Stücken durch den Geheimten Rat Köp.pen überwacht
worden; es find auch folche eingegangen. allein hierdurch ift dem
Mangel wenig oder faft gar nicht abgeholfen. Die Klagten fämt-
licher Stener-Rätefind hierin allgemein und felbft die hiefige Gar-
nifon hat fich dieferhalb befchweret. wie wir folches unterm 29. rn. y_
allerunterthänigft angezeiget haben.
Es iftauch noch unterm heutigen äato die hiefige Brauer-
Jnnung. wie der Beifchluß 8nb 13 befaget. bei uns eingekommen
und hat darin vorgeftellet. wasmaßen wegen gänzlicher Abnahme
der Scheidemünze und. da fonft nichts als 1/3 Stücken roullirten.
bei Ausfellung des Bieres niemand im Stande wäre. fo viel wieder
zu geben und deshalb befonders mit denen Soldaten fich viele
Streitigkeiten äußerten. indem die mehreften auf ein 8 Gr. Stück
etwa 1 Maß Bier holten und 7 Gr. 6 Pf. wiederum zurück ver-
langten. welches niemand anzufchaffen im Stande fei. weshalb und
da das kleine Geld noch von Tage zu Tage beirätiger werde und
dadurch denen Bürgern viel Schaden nnd Verdruß zuwachfe. fie ge-
beten. daß zu Abhelfung des Mangels an Scheidemünze bei Aus-
teilung der Löhnung dergleichen hinführo denen Soldaten gegeben
werden möchte. '
Wir beziehen uns dieferhalb auf unfere vielfältige bisher er-
ftattete Berichte mit nochmaliger . . Bitte. zu Abhelfung diefer Be-
fchwerden die . . Verfügung zu treffen. daß das Land mit allerhand
Sorten hinlänglicher Scheidemünze verfehen und allenfalls die
General-Krieges-Kaffe befehliget werde. folche bei denen zu Ver-
pflegung der Kriegesgefangenen benötigten Geldern an uns zu über-
machen. da zumal auch felbft von denen Kriegesgefangenen Be-
fchwerden geführet werden. daß fie mit denen 8 Gr. Stücken nicht
auseinander kommen könnten. .
54. Bericht der Halberftädtifchen Aammer über den Mangel an
prenßifchem Gelde.
Halberftadh l7. Juli 1760.
Konzept. A. M. Halberft. Kammer 1) 156.
Nach Maßgabe des . . re8eripti vom 1. 11113118. worauf wir
unterm 8. eiu8äem mit verwiefen worden. haben E. K. M. bedenk-
302 Nr. 34. - 17. Juli 1760.
lich gefunden. unfren Antrag und eventuelle Verfügung. daß wegen
des großen Mangels an kaffenmäßigen Münzforten. fo lange der
Krieg dauert. wenigftens die fächfifche und braunfchweigfche 8 Ggr.
Stücke bei der hiefigen Landrentei und übrigen Kaffen angenommen
werden möchten. zu approbiren. Soviel als die Kaffen zu denen
allhie benöthigten Ausgaben gebrauchten. wäre in fächfifchen 1/3
Stücken anzunehmen. mit mehrern aber die Kaffen durchaus nicht
zu überfchwemmen. wie denn auch an die dortige Generalkaffen
fchlechterdings nichts davon einzufenden.
Wir find äußerft gerührt. daß die von uns angeführten
dringende Umftände und momentn. auch die dabei gezeigte wahre
Unmöglichkeit. zu denen Kaffen fernerhin edictmäßige Münzforten
anzufchaffen. in keine Confideration gezogen und wir fchlechterdings
auf die vorhin darüber ergangene 01-ä168 verwiefen worden. E. K.
M. verfichern wir mit aller Devotion. daß wir Dero 0räre8 und
Befehle jederzeit auf das heiligfte halten und davon abzugehen uns
niemals in den Sinn kommen laffen werden. fo lange es uns mög-
lich ift. die 0räre8 zu befolgen und folche ohne Ruin der Unter-
thanen beftehen können. - -
_ Wir müffen aber mit allergnädigfter Erlaubniß unfern Pflichten
gemäß anzeigen. daß die angezogene 0räre8 wegen Bezahlung der
Landes pr6e8t6m10r111n in edictmäßigen Münzforten durch die jeßige
Münzverfaffung und durch die Situation. worin fich das hiefige
Fürftenthum dermalen befindet. dergeftalt alteriret. daß fie wenigftens
vorjeßo und fo lange wir in diefen Umftänden bleiben. fchlechter-
dingsnicht befolget werden können. indem allhier keine andre als
fächfifche und bernburg. 1/3 Stücke kurfiren. und kaffenmäßige
Münzforten fo rar geworden. daß man folche auch vor enorme Agio
faft gar nicht mehr bekommen kann.
Diefes ift notorifch und kann aus denen bei uns einge-
gangenen vielen Klagen und Lamentationen der Land- und Steuer-
räthe. Magiftraten. Rendanten und Gemeinvorftehern klar genug
dargethan und erwiefen werden. Es brauchet aber diefer Punkt
keinen Beweis. weilen die Sache ganz natürlich ift und bei der-
maligen Umftänden nicht anders fein kann. E. K. M. geruhen in
3i. Erwägung zu nehmen. daß
Mangel an Kaffeugeld im Halberftädtifchen. 803
1.)*das- hiefige Fürftenthum mit lauter fremden Landen umgeben
und'kein-Verkehr mit andren Provinzien hat. wodurc h allen-
-falls Landesmünze hereingezogen werden könnte. Es ift alfo
hier-kein-anderGewerbe als was mit denen fächfifchen und
Anhalt- und Braunfchweigfchen Landen getrieben wird. und diefes
bringe-t- keine andere als die vorangeführte Münzen ins Land.
Diefer- Umftand ift von der Erheblichkeit. daß auc h E. K.
.M. dadurc h bewogen worden. vermittelft Dero . . Cabinets-
ordre vom 26. Mai 1755 nachzulaffen. daß die' Benachbartcn
auswärtigen Geldforten. welche fonft nac h den erneuerteu Münz-
edict--zum-Kurfiren in hiefigen Landen verboten. in Handel
und Wandel hiefiger Provinzien beibehalten werden follten. und
i- -muß anjeßo um fo- mehr in Confideration kommen. da
'-2. -die- nac h Wittenberg von hier ausgelieferte Früchte -und Fourage
in guten fächfifchenaind Bernburgifchen 1/zStücken bezahlet
worden; Ö -- - _ - -
.3. die Zufuhr zur rmee keine andere als dergleichen Münzen
-vw-ins. Land. gezogen; - - .. q
(X4. .keine-Regimenter im? Lande find. wodurc h fonften die Kaffen-
ge'lder: roullirten.* fondern -
5. das ganze -Kontingent nebft-den Doulninengefällen alle Monat
- -- baar nah-Berlin gefhickt werden müßte. wodurc h die im Lande
' bishero noc h befindlic h gewefene Landesmünze gänzlic h aus-
--get-riebenworden.- indem von dort nichts zurück kömmt. nnd was
: 6.-z'u Bezahlung der Salarien und etatsmäßigen Ausgaben allhier
.'zurückbleibet- und'ausgegeben wird. fogleic h in die Hände der
Juden fällt. indem die Münzentreprenneurs durc h felbige alles.
was-fie nur von _brandenburgifcher Münze habhaft--werden
ü .können..-.zu Bezahlung--des Schlagefchaßes- eiuwechfeln laffen.
?dergeftalt.- daß dergl.- Münze von Tage z'u Tage- rare'r werden
und'zuleßt gänzlic h ceffiren müffen.- '
7 e E. verfichern wir auf unfern Eid nnd Pflicht. daß_im -
Lande keine-Kaffenmünze- mehr-aufzubringen ift. wenigftens nicht in
der'--Maaße.- daß die Landespräftande darin abgeführet- werden
:köntieiip-idas --wenige. -was noc h hier ift. ' fteckt in der .Juden und
Wechfle'r Hände.- welhe damit einen unerlaubten -und vor( das Land
höchft fchädlichen-und fchändlichen Wucher treiben. und indem fie
304 Nr. 34. 35. - 17. Iuli- 12. Auguft 1760.
alles Kaffengeld an fich gezogen. die arme Contribuenten folcher-
geftalt zwingen. zu Berichtigung der Accife und andern geringen
prae8tnnäornrn dergleichen gegen ein Agio von 3 bis 4 Gr. pro
Thaler von ihnen einzuwechfeln. welches eine der größten Be-
drückungen vor die arme Unterthanen ift.
Da wir von der Wahrheit diefer Umftände überzeuget find
und uns die Noth der Rendanten und Contribuenten wegen Herbei-
fchaffung der preußifchen Münzforten zu Herzen gegangen. fo haben
wir unter verhoffter allergnädigfter Approbation uns genöthiget ge-
fehen. um nicht die Berichtigung des Quartals und fchuldigen Kon-
tingents aufzuhalten. und um nicht die willigen Bezahler zur Un-
gebühr zu exequiren. die Kaffen zu inftruiren. dasjenige. fo an
preußifchen Münzforten von denen Contribuenten nicht zu er-
mächtigen ftände. in fächf. und lüneb. 1/3 Stücken anzunehmen. Es
find alfo von dergleichen Münzforten bei der Domainenrentei über
23300 Rthlr. und bei der Oberftenerkaffe über 15400 Rthlr. be-
findlich. Da nun von diefen Geldern 'nach E. K. M. leßten . . 0räre
nicht das Geringfte an die dortige Generalkaffen eingefandt werden
foll. fo werden wir dadurch wegen prompter Berichtigung des
monatlichen Kontingents in die äußerfte Verlegenheit gefeßet und
wiffen uns darunter nicht zu helfen noch zu rathen.
Sollten wir denen Beamten und Contribuenten die bereits in
fächfifche 1/3 Stücken bezahlte Gelder wieder zurückgeben und von
ihnen keine andre als preußifche Münze annehmen. fo würden da-
durch die Refte auffchwellen nnd inexigibel werden. auch die Kaffen
zuleßt in die größte Konfufion kommen. geftalten wir überzeuget
und verfichert find. daß denen Contribuenten die Anfchaffung der
edictmäßigen Münzforten ohnmöglich fället und die fchärffte exe-
euti0ne8 darunter vergeblich fein würden. zu gefchweigen. daß wir
fehr hart und unfern Pflichten zuwider zu fein halten. denen durch
die feindliche inraei0ue8 ohnehin fehr mitgenommcnen und euer-
virten-Unterthanen die Laften ohne Noth zu vermehren und der
Discretion gewinnfüchtiger Wechfler zu übergeben. da E. K. M.
immeäiate . . declariret haben. daß vor die Confervation der Unter-
thanen äußerft geforget werden foll. damit fie fich wieder erholen
können. Es ift uns nach unferer Jnftruction die Wohlfahrt der-
felben auf unfre Seele gebunden. wir können alfo hiebei nicht ruhig
Die fächfifchen und bernburgifchen Drittel. 305
fein und uns blos auf die vorigen 0rä1-e8 verweifen laffen. da die
Ohnmöglichkeit keine Gefeße leidet.
Wir bitten vielmehr nochmals . . unfre- bei denen hiefigen
Kaffen getroffene Verfügung in Confideration der angeführten triftigen
Momente . . zu approbiren und bei dem offenbaren Mangel der
preuß. Münzforten die Generalkriegeskaffe dahin zu inftruiren. daß
fie änrente be110 von denen hiefigen Kaffen die fächf. und bernb.
1/3 Stücke annehmen oder zu anderm Behuf affigniren müffe.
55. Bericht der kurmärkifchen Klammer über Annahme der fächfifchen
Drittel durch die Aaffen. Berlin. 25. Juli 1760. mit
Sntfcheidung des Seneraldirekwriums
vom l2. Auguft 1760.
Mundum. Gez. v. d. Gröben. Grofchopp. v. Schmettau. Tit. 11711. Nr. 14.
Bericht der Aammer.
Ob wir gleic h in unfern Bericht vom 26. .lunii n. c. die Un-
möglichkeit und die üblen Folgen vorgeftellet. worinnen Bürger und
Bauer geraten werden. wenn bei den k. Kaffen nur lediglic h die
brandenburgifche Münzforten angenommen werden follen. auc h daß
uns nur die Möglichkeit an die Hand gegeben werden möchte. die
in denen fämtlichen Kreifen der Kurmark mangelnde brandenburgifche
Münzforten ohne den gänzlichen Untergang der Unterthanen anzu-
fchaffen. fo hat Ein hohes General- p. Directorium unterm 8. du). uns
dahin zu befcheiden geruhet. daß von Seiten des General- p. Dirctorii
ein anderes nicht verfüget werden könne. als was S. K. M. 0räre
gemäß fei und wann die p. Kammer dabei zu acquiesciren nicht ver-
meine. derfelben nnbenommen bleibe. fic h folcherhalb gehörigen Orts
zu melden.
Wir würden uns nun bei diefer erteilten Refolution gerne
und willig beruhigen. wenn ein hohes General- p. Directorium die k.
Cabinets-oräre uns zu communiciren geruhet. worinnen dergleichen
Verfügung feftgefeßet worden.
Da aber felbiges zur Zeit noc h nicht gefchehen und aus denen
erhaltenen Verordnungen vom 19. Dec. 1758. 2. .lnn. und 10. .lulii
.seta Zorne81ea. Münzwefen 111. L()
306 Nr. 35. - 12. Auguft 1760.
a. p. vielmehr das Anfcheinen gewinnet. daß die k. Cabinets-or(lre
nicht fo ftricte eingerichtet fein müffe. daß in höchft nötigen Fällen
nicht davon abgegängen werden könne. weilen fonft Ein hohes
General- p. Directorium fich nicht bemächtiget haben würde. in
denen erften Verordnungen die Annehmung der fächfifchen Acht-
grofchenftücke in denen fämtlichen Kaffen zu bewilligen. in den leßtern
aber folches zu widerrufen; ja dasfelbe hat fogar denen Münz-
entreprenenrs Ephraim und Söhne per re8eriptnm vom 22. 111n7
a. c. bewilliget. zur Bezahlung der General- p. Krieges Kaffe und
zu ihren Handel und Verkehr die brandenburgifchen Münzforteu
einzuwechfeln. woraus wohl nichts anders als eine gänzliche Ver-
minderung des Kaffeugeldes im Lande erfolgen können. zumalen
wenn der Handel und Verkehr derer Münzentrepreneurs in nähere
Erwägung gezogen wird; und diefes erwecket auch bei uns noch
mehr den Zweifel. daß würklich eine Cabinets-oräre wegen des
fächfifchen Geldes vorhanden fei. wovon nicht abgegangen werden
könne.
Jndeffen nimmt die Not des Landes. fo ohnedem bei den
jeßigen Kriegeszeiten bei den mehreften bereits unerträglich fällt.
hierdurch noch mehr überhand. weil ein Bürger und Bauer das-
jenige. was er verdient und wovon er leben foll. bei denen Juden
und Wechfelers hintragen muß. um nur dadurch zur Bezahlung der
Accife. Contribution und Zinfen einiges Kaffengeld zu erhalten.
welches in denen Provinzien der Churmark bereits fo rar geworden.
daß auch keines mehr zu haben ift. wie wir folches in unfern Be-
richt vom 26. in. p. bereits angezeiget haben. deshalb wir bereits
gefchehen laffen müffen. daß die Accife-. Contributions- und andere
Kaffen mit denen Debenten in Geduld ftehen; und zuleßt wird
weder an der Reutei. noch Stenerkaffe das mindefte bezahlet. auch
die General-Domainen Kaffe und Krieges-Kaffe von dortaus mit
keinem Gelde verfehen werden.
Alles diefes fehen wir uns nochmals vorzuftellen g-enötiget.
und da die Not des Landes von Tage zu Tage wegen der fchlechten
Münzforten je länger. je mehr überhand nimmt. fo haben Ein hohes
General- p. Directorium wir unterthänigft erfuchen wollen. uns
pofitiv zu befcheiden. ob dasfelbe den Mangel des Kaffeugeldes
Streit d. Gen.-Direkt. mit d. Kurm. Kammer über d. fächf. Drittel. 307
S. K. M. felbft anzeigen. oder uns die 0räre geben wollen. alle
diefe zuvor angeführte Umftände S. K. M. zu hinterbringen und
von dort aus die Refolution zu gewärtigen.
(Lntfcheid des Seneraldirektoriuniß.
Der Kammer ift nicht gefaget worden. daß eine Cabinets-
0räre vorhanden. fondern daß die gemachte Verfügung der königl.
0räre gemäß fei. und diefe haben Höchft diefelbe bei Schließung
des neuen Contracts mit denen Münzentreprenneurs dem Geh. Rat
Köppen mündlich dahin erteilet: daß bei Dero Kaffen durchaus keine
andre. als unter Dero Stempel ausgeprägte Silbermünzen ange-
-nommen werden follen. Wie nun das General-Directorium in diefe
von einen in Eid und Pflicht ftehenden königl. Bedienten fchriftlich
gefchehene Anzeige. wohin S. K. M. Willensmeinung gehe. kein
Mißtrauen feßet. fo wird hoffentlich die Kammer folche nicht weiter
in Zweifel ziehen.
Wenn camera die Zeiten unterfcheiden will. fo wird fie
beides fehr wohl conciliiren können. denn die damals verfügte An-
nehmung der fächfifchen 8 Gr. Stücke betrifft lediglich die zuerft
ausgeprägte fächfifche 8 Gr. Stücke und gründet fich auf die k.
Cabinets-oräre. mittelft welcher 'nur die nachher fchlechter aus-
geprägte fächfifche und Bernburg. Münzen verboten. die aber durch
vorerwähnte k. Declaration wieder aufgehoben worden.
Das angeführte Refcript vom 22. Mai a. c. concerniret blos
das Wechfel-Negotium derer Münz-Entreprenneurs. deffen Führung
fie nur gefuchet. und welches ihnen fo wenig als andern Kaufleuten
nnterfaget werden können: hätte camera dabei einen Zweifel ge-
habt. fo habe ihr. wie von andern Kammern gefchehen. frei ge-
ftanden. darüber Declaration zu fuchen.
Das General-Directorium findet bedenklich. bei jeßigeu Um-
ftänden S. K. M. dieferhalb mit einer Vorftellung zu behelligen.
wenn aber die Kammer bei denen gemachten Verfügungen und ihr
erteilten Refolutionen nicht acquiesciren zu können vermeinet. fo ift
ihr unbenommen. fich dieferwegen an S. K. M. zu wenden.
20*
308 Nr. 36. 37. - 28'. Auguft 1760.
56. Bericht der knrmärkifchen Aammer über Aufkommen v0n
papiermarkcn als (Lrfatz der fehlenden Scheidemünze.
Berlin. 28. Anguft 17W.
Mundum. Gez. v. d. Gröben. Grofchopp. v. Schmettau) Kornmann.
- Tit. 11ml. Nr. 14.
Es hat der Hoffiscal Menicke unterm 27. 1111jn8 angezeiget.
daß Tags zuvor Jemand in der Stenger und Müllerfchen Hand-
lung allhier 1/4 Pfd. Thran für 1 Gr. 2 Pf. und für 7 Pf. eine
Tabackspfeife holen laffen und dazu ein fächfifches Achtgrofchenftück
mitgefchickt. der Verkäufer aber. ftatt daß er dem Käufer darauf
6 Gr. 3 Pf. baares Geld wieder herausgeben follen. nur 2 Gr.
3 Pf. baar. und ftatt der übrigen 4 Gr. beikommende Marquel)
zurückgegeben. welche eigenmächtige papierene Münze Referent nicht
allein der Landesherrlichen Hoheit fehr blemerble. fondern auch für
ein ftrafbares Mittel hält. die Confnmenten zu Zwangskäufer zu
machen und diefe dadurch zu forciren. den Ãœberreft ihres Geldes
zum Waareneinkanf bei dem Ausgeber der Marquen fchlechterdings
anzuwenden. da fich doch viele Fälle finden könnten. daß ein Käufer
feine übrige 4 Gr. zu ganz andern Behuf als zu Materialwaaren
höchft nöthig habe. ohne zu gedenken. daß ein folcher Käufer auf
folche Art feine natürliche Freiheit nicht behielte. feine Material-
waaren hiernächft an andern Orten. wo er beffer accomodirt zu
werden glaubte. zu kaufen: Daher() gedachter Menicke angefraget.
Ob die Kaufleute Stenger nnd Müller nicht vernommen werden
follten. woher fie zur Ausgebung Papierner Marquen ftatt
baaren Geldes berechtiget ftünden.
.Nun kann zwar nach unfern Ermeffen gegen den Stenger und
Müller nichts vorgenommen werden. da die äußerfte Verlegenheit
des pu'vliei wegen der Scheidemünze bekannt und fchon von uns
angezeiget ift; und wann die Kaufleute fich mit folchen Marquen
nicht aushelfen follten. fo würde der Handel in dergleichen Kleinig-
keiten gar ftille ftehen. maßen auch felbft gegen Agio nicht hinläng-
liche Scheidemünze vorhanden. Es wird indeffen höchft nöthig fein.
daß Scheidemünze gefchlagen werde. um dadurch mehreren noch zu
l) Ein viereckiges Stück Karton. auf einer Seite: 4 61-. Zuzug-er et Müller
mit Tinte gefchrieben . auf der andern ein Siegellackftempel mit der Handels-
marke des Gcfchäftes.
Papiermarken. - Die fächfifchen Drittel werden Kaffengeld. 309
beforgenden Jnconvenienßien abzuhelfen. Und da wir äußerlich
vernommen. daß E. K. M. noch eine Münze zu bauen befohlen. fo
ftellen wir . . anheim. ob E. K. M.. falls es fich alfo verhält.
diefen Anbau befchleunigen und zugleich feftfeßen zu laffen geruhen
wollen. daß darin Scheidemünze gefchlagen werden foll. weil fonften
allerdings noch üblere Jnconvenienßien aus den Mangel der Scheide-
münze entftehen müffen.
Randbemerkung: 1411 3ct11. 10. Sept. 1760. Holzendorf.
57. Aabinettsorder an die kurmärkifche Aammer über Annahme der
fächfifchen Drittel von den Aöniglichen Aaffen.
Herrmannsdorff. 28. Auguft 1760.
Abfchrift. Tit. ZM11. Nr. 14.
S. K. M. haben höchft ungerne aus den . . Bericht vom 21.
diefes der Kurmärk. Kammer erfehen und vernommen. wie daß.
nachdem das GeneraleDirectorium aus Unbefonnenheit denen dortigen
Münzentreprenneurs vor fich eigenmächtig erlaubet hat. daß diefe zu
Bezahlung ihrer pr6e8t6nä0rnm an die General-Krieges-Kaffe und
zu ihrem Handel und Verkehr gebrauchende dort ausgeprägte Gold-
und Silberforten gegen fchlechtere ausländifche und gegen fchlechtere
Leipziger Münz-Gepräge einwechfeln dürfen. der Mangel an folchen
kaffenmäßigen Münzforten im Lande dergeftalt überhand genommen.
daß der dortige Unterthan und Contribnent leßtere fchon gegen ein
Agio von 20 und refpective 25 Procent fachen müffen. auch dem-
ohnerachtet folche nicht einmal zufammen bringen können. mithin
ohne feine Schuld in Rückftand bleiben und fich durch e11e6uti0ne8
enerviret fehen müffe.
Wie es darunter ra60ne derer Münz-Juden und daß der-
gleichen Answechfeln durchaus nicht weiter geftattet werden foll. zu
halten. darüber haben S. K. M. fchon Dero Geheimen Rat Köppen
befchieden. Nachdem aber wegen vorgedachter fchlechter Ãœberlegung
des General-Direetorii der Verftoß einmal fchon gefchehen ift und
das Land dadurch von den kaffenmäßigen Geldforten größten Teils
fchon beraubet worden. die jetzigen Kriegeszeiten auch noch nicht zu-
geben. folches hinlänglich und fofort zu remediren. als befcheiden . .
S. K. M. Dero Kurmärkifche Kammer dieferwegen dahin. daß die-
Z1() Nr. 38. 39. - 11.-16. November 1760.
felbe in Ermangelung des Kaffengeldes und um das unerträgliche
mehr als jüdifche Agio zum Soulagement der dortigen armen Unter-
thanen und Contribuenten. jedoc h ohne Präjudiz der armen Parti-
culiers. fo in andern Münzforten Geld zu fordern haben. desgleichen
der dafigen Zoll- und Licentkaffen. die fo genannten fächfifchen zu
Leipzig ausgeprägten 8 Gr. Stücken bei denen dortigen königlichen
Kaffen nur immer fo lange mit angenommen werden follen. bis daß
hiernächft mit göttlicher Hülfe herftelleten Frieden auf eine ander-
weite den pubiieo convenable Remedur wird gedacht werden können.
Wornac h denn alfo gedachte Kammer das weitere überall zu ver-
fügen. dabei aber auc h wohl dahin zu fehen- hat. daß bei diefen den
Unterthanen und Contribuenten accordirten benetieio deuenfelben
nicht von den Rendanten und Kaffeubedienten bei Empfang ihrer
prnestanäornm nnnöthige e11ieanes oder gar Koften gemacht werden.
58. Aabinetts0rder an den Geheimen Ariegsrat Aöppen über raffiniertes
Cegierungskupfer und Weitermünzung.
Weißen. 11. November 1760.
Konzept. Lt. 96. 409. 0.
Jc h bin durch jemanden informiret worden. wie er die Wiffen-
fchaf't befiße. das Kupfer dergeftalt zu raffiniren. daß. wenn folches
raffinirte Kupfer hiernächft bei Ausmünzung derer Friederichsdkor
zur Alliage mit dem Golde gebraucht würde. folche dadurc h einen
weit mehreren innerlichen Werth als die bisher ausgemünzete und
mit ordinärem und fhlechten Kupfer verfeßete erhalten werden: in
der Proportion. daß wenn die jeßige mit ordinärem fchlechten Kupfer
zugefeßte Friederichsd'or nac h ihrem innerlichen Valeur ohngefähr
auf 2 Rthlr. 12 Gr. wardiret wären. die mit dem raffinirten Kupfer
verfeßete gegen 4 Rthlr. wardiret werden könnten. Daferne nun
obgedachter Mann. davon Jc h Enc h zu feiner Zeit fchon Selber das
nöthig-e weiter bekannt machen werde. fothane feine Erfindung durc
h
wirkliche Proben realifiren wird. fo würde man alsdann auc h kein
anderes als dergleichen raffinirtes Kupfer zur Ausmünzung derer
Friederichsd'or zu nehmen haben; und da folches ein ganz fehr
confiderables Surplus bei dem 'Schlagefchaß oder Münzprofit machen
wird. fo bin Jc h refolviret. alsdenn alles dasjenige Gold. fo bisher
von denen jeßigen englifchen Subfidiengeldern noc h zurück und noc
h
Legierungskupfer für Goldmünzen. Weiterprägnng. 811
nicht vermünzet ift. auf vorgedachte Art vor Mich Selbft und auf
Meine eigene Rechnung bei der Goldmünze zu Berlin vermünzen zu
laffen. fo daß die Münzjuden mit diefer Goldausmünzung nicht das
allergeringfte zu thun haben. noch eines Grofchen werthes von denen
noch einkommenden rückftändigen englifchen 8nb8iäe8 vermünzen follen.
Jch habe Euch diefes nur vorerft vorläufig bekannt machen
wollen. damit Jhr mit Ausmünzung des Goldes von denen eng-
lifchen rückftändigen eubeiäe8 an Euch haltet. inzwifchen aber Euch
mit dem Director der Berlinfchen Münze und dem Münzmeifter.
wenn Jhr felbige zuvorderft zu dem größeften Secret deshalb ver-
pflichtet haben werdet. arrangiren follet. daß diefe Ausmünzung des
Goldes alsdenn vor Meine Selbfteigene und alleinige Rechnung ge-
fchehen müffe. ohne daß. wie fchon gedacht. die Münzjuden das
allergeringfte damit zu thun haben müffen. Sollten die Berlinfche
Münzbediente fich bei der leßten feindlichen Jnvafion von Berlin
abfentiret haben. fo müffet Jhr folche gleich dahin zurück beordern
und die. fo Jhr obiger Umftände halber gebrauchet. zu Euch
kommen laffen.
Was die Silberausmünzung anbetrifft. da hoffe Jch. daß Jhr
mit denen Münzentreprenenrs wegen eines neuen Ausmünzungs-
contract fchon zu Stande fein werdet; allenfalls aber müffet Jhr
nun noch mit ihnen dahin fchließen und contrahiren. daß fie noch
ein Quantum an Silbergelde ausmünzen. davor fie Mir einen
Schlagefchaß von 3 a 4 Millionen bezahlen. Jeßo können fie mit
Sicherheit auf allen Münzen. fowohl zu Leipzig und Magdeburg
als zu Berlin und Breslau. die Ausmünzung pouffiren. und wenn
fie gleich mit Euch fchließen und fich ohngefäumt arrangiren. fo
können fie gegen die Zeit vom künftigen Monat .lunii mit dem
Ausmünzen des neuen guanti völlig fertig fein; bis dahin alles
ficher bleiben wird. wenn auch fchon der Krieg continuiren follte.
59. Schreiben des Ephraim an den Geheimen Ariegsrat .llöppen
über die Weitermünzung.
magdeburg. l6. November 1760.-
Urfchrift. n. 96. 409. 0.
Es dringen d. H. Geheimbte Rath K von Neüen ein impor-
tent8 quantnm Silber biß in Junh auß Münzen zu lafen. So
312 Nr. 39. 40. - 16. - 29. November 1760.
fchwehr es uns auc h fält. fo wollen wier noch ein mahl uns zu
Zncretieiren. und nur zu zu fn8ilitirung des ankauff derer 11011.
Wechfel ein Partie Zug-.Tor gegen ng-io erbetten haben. unfers
erachtens müffen noc h wenigft 20 Million von diefer Z0rte beh der
0681n vorhanden fein. zu gefchweigen dasjenige was von dem Herrn
iItatemini8tre r. Zenlabrenäorü' beh 1nva860n beh 13re81611 anhero
gefchafft und vorhanden fei.
Behliegendes alleruntertähnige Vorftellung hoffen wier das
folche nicht nnbillig. und wohl verdient zu haben. bitten untertähnig.
folches an S. K. M. vorzulegen. und Dero beh S. K. M. gelten-
des Vorwort an gedeien zu lafen
Wir verharren mit 81151ni860n
Ew. Hochwohlgebohr
untertahnige Diener
Ephraim är 8011ne
Auf an rathen d. H. geheimbten Rath Köppen. mit meine
untertähnige Vorftellung. anoc h anftand zu lafen biß wegen das
Münß Wefen von S. K. M. vorher zu ftande ift. alß dann wolte
er es mit Dero 291*111ii860n an S. K. M. überfchicken. fo bleibet
felbe zu rück. ___
[Vorftellung.]
Hoffentlic h wird der Geheime Rath Köppen E. K. M. be-
richtet haben. daß wir unferm vorigen Contract mit Abführung des
Schlagefchaßes vollkommen Genüge geleiftet. Derfelbe macht auc
h
anißo Höchftdero Willensmeinung. ein gewiffes importantes Quantum
bis .lunii zu übernehmen uns bekannt. Allein. da 1. die Wechfel
feit vorigem Jahr-an 100 Procent geftiegen. 2. wegen feindlicher
Jnvafionen Kohlen. Kupfer und übrige Materialien nnnmehro fchwer
aufzubringen. 3. benachbarte Fürften. welche gewiß nicht beffer aus-
münzen. nur 12 bis 18 Gr. Schlagefchaß nehmen und daher ihre
Lieferanten Silber. preußifch und ander gut- Geld auf Wechfel
31. tout prix an fic h ziehen können. mithin 4. uns die Remeffen
fchwer werden und unmöglic h anzufchaffen find. wenn fie lediglic
h
in fähfifchem Gelde erkauft werden müßten. fo erbieten wir uns:
800000 f. Mark Silber anfchaffen und vom 1. 0etobrie c.
bis Junii i. n.111 fächfifchen und andern Sorten nach den bis-
Antrag der Münzjuden. 313
herigen Conditionen auszuprägen. wenn E. K. M. geruhen. uns zu
Facilitirung des Ankaufs der holländifchen und Hamburgifchen
Wechfel fechs Millionen von deu im Trefor vorräthigen neuen
Friedrichs- und Auguftd'or gegen Bezahlung des bereits feftgefeßten
Agio a 121/2 Procent mit zur Hülfe zu überlaffen; wofür wir dann
3 Millionen Schlagefchaß und alfo mit dem Agio 3 Millionen und
750000 Rthlr. in fächfifchem Gelde überhaupt entrichten wollen.
Dafern aber E. K. M. unfern . . Vorfchlag nicht genehmigen
möchten. fo werden wir. fo lange und weit es Silber- und Wechfel-
preis verftattet. uns beftreben. Silber anzufchaffen und den mit
dem Geheimen Rath Köppen abgeredeten Schlagefchaß pro Mark
mit . . .1) Rthlr. zu erlegen.
40. Jmmediatberichte des Geheimen Ariegsrat Aöppen über den
neuen Aontrakt mit den münzjuden.
magdeburg. 16.. 25. und 29. November 1760.
Urfchrift. Lt. 96. 409. 0. .
[16. November 1760.] E. K. M. werden mich wegen der
notorifchen jüdifchen Handlungsart . . zu entfchuldigen geruhen. daß
ich mit diefen Leuten dasjenige nicht zu Stande bringen kann. was
E. K. M. fo fehr intereffaut. und warum ich mir alle erfinnliche
Mühe nach Pflicht und Schuldigkeit gebe. wovon aber die fchlechte
Reuffirung mir ungemein fenfible.
Es werden die Eutrepreneurs zwar noch ein Project E. K.
M. . . überreichen. nach welchem fie um Ueberlaffung einiger
Millionen in Auguftdkor gegen 121/2 Rthlr. Procent Agio bitten.
um den Wechfelcours dadurch herunter zuhalten. Jch muß aber
folches E. K. M. . . Refolution . . überlaffen und nur anzeigen.
daß etwa anjeßo 6 Millionen Gold vorräthig. außer dem. was noch
einkommen foll und auszumünzen ift.
[23. November 1760.]. Auf E. K. M. . . 0räre vom 19.
diefes habe ich wegen der Breslauer Münze fofort an den General-
lientenant v. Tauenßien gefchrieben. denfelben zugleich auch requirirt.
die Münzentrepreneurs zu genugfamer Silberlieferung zu vermögen.
1) Lücke.
314 Nr. 40. 41. - 29. November-22. Dezember 1760.
um dadurc h den Schlagfchaß von 6 Millionen nac h E. K. M. . .
Befehl zu erreichen. als wozu fic h die Entrepreneurs auf keine Art
feft engagiren wollen. Jc h zweifle nicht. der Generallieutenant
v. Tauenßien werde von dem Erfolg E. K. M. felbft feinen . . Be-
riht abftatten. __-
[29. November 1760.] Nac h E. K. M. ertheilter . . 0räre
vom 11. diefes foll das auf die jeßige englifche Subfidien noch ein-
kommende Gold in ficherer Verwahrung ftehen bleiben. bis folches
E. K. M. vor Dero eigene Rechnung auf andere avantageufe Art
ausmünzen zu laffen . . befehlen.
Dem Münzdirector Knöffel. welcher fich mit dem Münzmeifter
noch in Hamburg befindet. habe ic h fofort bekannt gemacht. fic
h
fchleunigft nach Berlin zu begeben und ihre Route über Magdeburg
zu nehmen. damit ic h mit ihnen das erforderliche arrangiren. auc
h
felbige zu Beobachtung des fchuldigen Secrets von diefer Sache. als
wozu ich mich felbft . . verpflichte. erinnern könne. .
Mit denen Münzentrepreneurs habe ic h auf E. K. M. vorher-
gegangene . . 0räre8 auf vier Monate einen neuen Accord. vom
1. October an. bis zur . . Approbation gemacht. vermöge deffen fie
von jedem Mark Silber. fo ausgemünzet wird. 4 Rthlr. Schlage-
fchaß zahlen. wodnrc h in denen beiden Monaten October und No-
vember doch gewiß 500000 Rthlr. einkommen werden. ohnerachtet
die Magdeburgfche und Aurichfche Münze nur bisher allein in Acti-
vität geblieben. Wann nun die Berliner. Breslauer und Leipziger
Münze zukommen. fo wäre kein Zweifel. E. K. M. würden bis
Ende blaz'i 1761 Sich eines Schlagefchaßes von 3 bis 4 Millionen
verfichern können.
Es wollen aber die Entrepreneurs fic h auf keine Art zu einem
gewiffen quanto engagiren. fondern fchüßen beftändig den fteigen-
den Silber- und Kupferpreis. auch Mangel der Kohlen vor. Wegen
der Kohlen atteftiren die Münzdirecteurs. daß die Feinde in denen
Gegenden. wo fie beftellet gewefen. folche gänzlic h ruiniret. und
wären durc h den Abgang der Vorfpann zu Anführung benöthigten
Holzes nicht fo leicht zu redreffiren.
Noc h behalten fic h auch die Entrepreneurs vor. daß fie den
Schlagefchaß in fächfifchen 1/3-Stücken ohne fernere Agio ab-
führen dürfen.
Der neue Kontrakt. - Das Snbfidiengold. - Der 40-Talerfuß. 315
Es dependiret alfo von E. K. M. . . Refolution und 0käke.
ob nach diefem Accord bis Ende 1113-z'i 1761 continniret werden
foll. ohne ein gewiffes Quantum zu determiniren.
Von E. K. M. bitten fich die Münzentreprenenrs die . . Er-
lanbniß aus. mit mir zugleich nach Leipzig kommen zu dürfen. um
fich gegen E. K. M. . . Perfon zu declariren.
Es haben diefelbe die Abficht. fich einige Millionen Friedrichs-
nnd Augnftd'or gegen Agio :Zr 200000 Rthlr. vor jede Million zu
ihrem Silber- und Wechfelnegoce . . auszubitten; wodurch zwar ein
anfehnliches Quantum dem Schlagefchaß von 6 Millionen zuwachfen
würde. der Beftand von vorräthigem Golde aber würde dadurch
meift gänzlich aufgeräumet werden. Jndeffen. da diefes die Haupt-
condition ift. ohne welche fie den Contract nicht fchließen wollen. fo
fehe mich genöthiget. E. K. M. folches . . anzuzeigen.
41. Aabinettßorder an den Direktor der Berliner münze *linäffel.
über Einführung des 40-Talerfufze5 der Tpmpfe.
Leipzig. 22. Dezember 1760.
Ausfertigung. Lt. Z111) 1.
Demnach S. K. M. . . refolviret. denen Münz Entreprennenrs
Ephraim und Söhnen nebft Daniel Jßig Dero fämtliche Münzen
fernerhin auf das Jahr 1761 mit allen vorigen beneï¬eiie und
Conditionen zu überlaffen. dergeftalt. daß fie ein gewiffes Quantum
in fächfifchen und allerlei frembden Münzforten nach dem bisherigen
Münzfuß und eine gewiffe Anzahl Timphe zu 40 Rthlr. die Mark
fein. wovon acht Thaler Ein guten Grofchen vier Pfennig auf die
Mark brutto gehen. die Stücklnng auch 2 pro eento im Durchfchnitt.
in gleichen die Vorbefchickung und Remedinm fo. wie bis äato bei
den Timphen gebräuchlich gewefen. verbleibet. nach ihrer e0nrenienee
ausprägen können. fo wird dem Münzdirecteur Knöffel folches hier-
durch nachrichtlig bekannt gemachet. mit . . Befehl. dahin feine
Pflicht gehörig und contractmäßig wahrzunehmen. auch denen Entre-
prenneurs mit gehöriger Beobachtung des obbenannten Münzfnßes
prompt und fleißig zur Hand zu gehen.
316 Nr. 42. 43. — Dezember 1760— 11. Januar 176.1.
42. Bericht bes preußifchen Gefandten Benoît über fdyledyte
polnifcbe Å’ympfe.
(IDarfcbauj Dezember 1760.)
Qlbfdn'ift. A. B. M. lt. I7. 31. IV.
La gazette de Varsovie contenant un article très insolent
par lequel on voudrait en imposer aux Polonais aux dépens de
Votre Majesté, je crois qu’il serait indispensable que les gazettes
de Breslau et de Berlin y ï¬ssent une réponse dans le goût que
voici.1) .l’en ai, par cette raison, fait part au ministre d’État
le baron de Schlabrendorï¬â€˜.
Pour mettre V. M. au fait de ce qui a donné lieu Ã
l’article de la gazette de Varsovie, je dois indiquer qu’il y a
quelque temps que l’on a envoyé des ordres précis de la cour
d’ici à la régence de Dresde pour qu’on fît transporter au plus
tôt ici toutes les sommes d’argent qu’on aurait pu amasser dans
FÜR-„ct0rat. .le tiens ceci d’une personne digne de foi, et même
on n’en disconvient plus a présent. Comme il fallait cependant
que ce fussent des espèces polonaises, cette régence a fait un
accord avec un juif de battre p0111.- trois ‘a quatre cent mille
écus de tympfs (on n’avoue ici que 250 000 écus) et de [env037e1-
à Varsovie. Ce juif l’a si bien battue qu’il est a peine resté
une feuille très mince d’argent et que tout le reste du tympf
est du fer; de façon qu’une pareille pièce qui a cours pour 38
gros de Pologne, n’en vaut que sept. Cet argent qui porte les
nombres de 1754, est arrivé ici par des voituriers de Dresde
dans les mois d’oetobre et novembre passé. emballé comme de
simples marchandises, et a été déchargé chez les caissiers saxons
qui sont à Varsovie. Cela ne manqua pas de susciter de grandes
plaintes de la part des Polonais, et nos ennemis eurent très
grand soin de mettre cette fausse monnaie 8ur notre compte.
Le grand-trésorier de la Couronne y fut même si bien attrapé
qu’il me ï¬t requérir par un des premiers ofï¬ciers de la douane
de vouloir bien faire des représentations a ce 8ujet à V. M.
pour qu’il n’entrat plus de pareil argent en Pologne. .le lui
répondis convenablement, entre autres, que de pareilles repré-
1) Die angedeutete Anlage fehlt.
Die fchlechten Prägungen Polens. - Die neuen Auguftdor. 317
8entation8 8eraieut (l'autaut plu8 inuti1e8 que eette menv6ise
[nouvelle vennit (1e Dre8(1e. (16m8 1e temp8 que cette 7i11e et
1n61n8 1'131e6t0r6t 6t6ient 6ra6u68 (1e n08 tr0upe8; qu'ain8i 111. 1e
greuä-tré80rier fei-nit bien (1e pr6ter toute 801) attention il 68
qui se p6886i8 6 16 60ur 8ur un nrtiele 6u8i (161i661; etc. 0n fit
(18 granä8 Feuer. on tik6 1e8 6p6u1e8 et 1'0n me quitte. 08n8
18 m6me temp8 1e 60n8ei11e1. (1e8 1nine8 (itarternberg etc-lit 6 2ip8.
(10ni :il e8t l'nämiui8trateur pour 1e 60mt8 Brühl; et eoinme 6e
60nsei11e1. forme. ii- tout moment. (1e uou7eaurc pr0jet8 et qu'il
ferit quautite (1'inn0l76ti0n8. quelque8 1'010n6i8 nraient 66rit iei
que 1e eornte 8111111 ini8eit belttre (rette fau88e rnonneie 5 2ip8
par 1'110nnne en question. 0e6i ne mnnqun pa8 (1e se répelnäre
601n61e un 6616i1* par toute ln 1201036e. et ce168ine8 per80une8
eu perlerent 8i publiqueinent 6 761807ie que 1e premier ininietre
861(01) en t'ut 0utr6 (1e reg-e. 116 plupart (1e8 13010n6i8 80utiennent
1n61ne eu60re à 60r et il 6ri que cet argent 6 6te febrique it-
2ix18. 11 t'a1lut (10n6 8'erc6u8er. 0'e8t 6e qu'on n 611er6116 a faire
(1e ln 1n6ni61-e 16 plus riäieule äu m0n(1e et 1n61ne ln p1u8
elioquante. ain8i que ln ganette 8u8rnenti0nn6e 1e (16n0te.
45. Aabinetts0rder an den Direkt0r der Berliner Zliünze. Linöffel.
über Dräguug der neuen Auguftd'0r.
Leipzig. l1. Januar l761.
Abfchrift. kt. 8111. 1.
Nachdem S. K. M. aus höchfteigener Bewegung refolviret
haben. daß der bei der hiefigen Münze ftehende Münzmeifter Nelcker
auf eine Höchftderofelben beliebige Zeit nac h Berlin zu Dero dortigen
großen Münze gefeßet werden und dafelbft hauptfächlic h die Aus-
münzung einer gewiffen Summe im Golde nac h der Jnftruction. fo
S. K. M. ihn . . mündlic h erteilet. auc h nac h dem Münzfuß und
der Ausprägung. fo wie Sie denfelben gleichfalls mündlic h inftruiret.
auc h mit Dero Geheimen Rat Köppen und wegen des gedachten
Nelcker zu liefernden Goldes das erforderliche Concert genommen
haben. beforgen. inzwifchen aber der jeßige dortige Münzmeifter
Jafier ohnverzüglic h und fonder den geringften Zeitverluft 6(1 iuterirn
wieder anher nac h Leipzig gehen und fo lange feine Fonction als
318 Nr. 44. 45. - 9. März- 11. November 1761.
Münzmeifter bei der hiefigen Münze verrichten foll. bis daß vor-
erwähuter Münzmeifter Nelcker wiederum zurück gehen und feine
Fonction hiefelbft nac h als vor verfehen kann.
Als machen . . S. K. M. folches hierdurc h Dero äireetori
der Berlinfchen Münze Knöffel . . bekannt. mit Befehl. fic h dar-
nach . . zu achten. den p. Nelcker die dortige große Münze überall.
nebft der ihr darin competirenden freien Wohnung gehörig an-
zuweifen. ihm in allen Stücken dabei zu fecondiren und mit den
Erforderlichen an die Hand zu gehen. fonften aber auc h namens
S. K. M. den p. Jafter die Auflage wegen feiner prompten An-
heroreife zu thnn und denfelben dazu anzuhalten. nicht die geringfte
Zeit deshalb zu verfäumen. Wobei übrigens S. K. M. expreffe
Willensmeinung ift. daß alles diefes von erwähnten Dero Münz-
director Knöffel ohne allen bruit1) noch eelat veranftaltet und
executiret werden foll.
44. Aabinetts0rder an die Wünzdirektoren in Berlin. magdeburg
und Breslau über Einfiihrung eines 4.0-Talerfußes der
Sheidemünze.
Leipzig. 9. märz l761.
Ausfertigung. lt. Älll. 1.
Nachdem S. K. M. bei Prolongirung des Münz-Entreprife-
Contracts denen Entreprenneurs Ephraim und Söhne. wie auc
h
Daniel Jßig . . bewilliget haben. außer den fächß. 8-Gr. St. und
deren Münzfuß. annoch Scheidemünze nach einen andern Fuß zu
prägen. als machen Höchftdiefelbe folches denen Münz-äireetenrs
in Berlin. Magdeburg und Breslau hierdurch bekannt. mit dem . .
Befehl. künftige Scheidemünze von 1-Gr. St. und zwei Marien-
grofchenftücken und darunter zu 40 Rthlr. die Mark fein. mit Be-
obachtung der fonft gewöhnlichen Stückclung. Vorbefchicknng und
remeäii vor genannte Entreprenneurs auszuprägen.
1) Jn der Vorlage: „Bereit“.
Der 40-Talerfuß. - Geltung der Thmpfe in Polen. 319
45. Schreiben des p01nifchen Juden Jfaac Jac0b von piltz an den
Breslauer Juden Heumann über die Geltung der Tpmpfe
in polen.
Warfchau. ll. L'wvember 1761.
Überfeßung aus dem Polnifchen. (Die überfchriebene Deutung der Sigle dl und
der fingirten Worte von der Hand Schlabrendorffs.) - 1t. 96. 409. 13.
Der Herr Gr' Weffel läffet Jhnen hierdurc h wiffen. daß ihm
n
nicht möglich. vorjeßo die TABL?: wieder in ihren vorigen Werth zu
feßen; er wird Mühe genug haben. die leßtere 0räre zu mainte-
niren. dann es fein viele Polen. welche darauf beharren. daß
dßrieTxxepf nur 2 Ggr. foll feftgefeßt bleiben; allein aus Ehrfurcht
gegen den MF will der Herr Gr' KRW alles anwenden. daß es
auf 4 Sgr. fein Verbleiben haben follte. auc h daß an denen pol-
nifchen Grenzen keine fernere Revidiru-ng gefchehen foll wegen Ein-
führung von dergleichen KMK“. Doch verfpricht der Herr Gr' ?Weffel
allen feinen möglichen Fleiß anzuwenden. gegen bevorftehenden
Monat bänrtii diebewußte Waare wieder auf ihren alten Preis zu
feßen. Hingegen prätendirt der Herr Gr- .IWW mit diefem Boten
eine förmliche Refolution zur Bezahlung einer Summe von 8000
Stück wichtige 1:11). wovon er nicht einmal was zu profitiren fuchet.
fondern lediglic h darzu gebranchen will. denenjenigen die Mäuler
zu ftopfen. welche diefer Waaren halber fo viel Aufwiegelei machen;
wann man fic h aber zur Bezahlung obgedachter 8000 Stück 1:11) nicht
refolviren wollte. fo wäre der Herr dl verfichert. daß die bewußte
Waare gewiß nicht mehr in Polen würde eingelaffen werden. welches
mehr als zu nachtheilig für den Verkäufer oder denen Fabricanten
ausfallen wird. Ueberbringer diefes wird bei mündlicher Unter-
redung mehr fagen. als der Feder anzutrauen ift.
- 1). 8.
Der Herr dl behält fic h vor. wann er die Waare.-wie er
vermeinet. gegen Monat Unrtii wieder auf den alten Werth wird
l) Dukaten.
32() Nr. 46. 47. - 16. November-28. Dezember 1761.
gebracht haben. daß ihme. dem Herrn bi. die eingewilligte Donation
ohne Verzug wird ausgezahlet werden.
46. Aus einem Schreiben des minifters v. Schlabrendorff an den
-kiabinettsfekretär Eichel über die cZugeftc'indniffe des polnifchen
Aronfchatzmeifters.
Breslau. l6. November 1761.
Eigenhändig. kt-. 96. 409. 0.
Endlich ift einer von denen nach Polen gefandten Juden an-
gekommen nnd hat einen jüdifch gefchriebenen Brief von des Grafen
Weffel hier gewefenen Hofjuden mitgebracht an den Münzjuden
Heumann. welchen ins Deutfche vertiret copeilich in änplo über-
mache. Mündlich fagt der Jude. daß der p. Weffel fich excnfiren
laffe. daß er mir nicht fchriftlich geantwortet; es ginge fehr wohl
für mich an. ihm zu fchreiben und propoeitiones zu thun. nicht aber
für ihn. darauf zu antworten. Wenn folcher Brief bei Vifitation
von denen vagirenden Kofacken gefunden würde. risquire er Ehr
und Leben.
Jch habe gefagt. man foll dem Graf Weffel die 8000 Stück
Dncaten zahlen. und den Juden remittiret. um ihn nur erft willig
und hißig auf das übrige zu machen. Der Jude proteftiret hoch.
daß er recht gerne helfen wollte. nur könnte er nicht gleich in dem
Moment. Der Kronfchaßmeifter fünde felbft gut. daß man ruffifche
und Danziger Thmpfe nachpräge. nur hätte er fehr bitten laffen.
daß fie nicht unter dem Werth von 3 Silbergrofchen (das ift die
Hälfte des ausgeprägten Werthes) ausgemünzet werden follten.
Ew. Hochwohlgeb. ftelle dahero gehorfamft anheim. ob diefelbe
meinen anliegenden Bericht 811b rolanto an S. K. M. zu über-
geben für gut finden. oder wie Sie fonft disponiren wollen.
Wird das Project der Ausmünzung goutiret. fo bitte gehor-
famft. die 0räre an den Generallieuten-ant v. Tauenßien fo ein-
zurichten. daß meiner. oder daß es mein Vorfchlag. nicht erwähnet
werde. Er könnte glauben. ich trachtete nach der Münzdirection.
Jch mag mich überhaupt nicht mit ihm committiren. und Gott foll
mich behüten. mit denen Münzfachen etwas zu thun haben; ich
würde mich fehr dafür bedanken und wünfchte. daß auch mit diefer
Schlabrendorffs Bemühungen. 321
Affaire nicht meliret gewefen und künftig kein Wort mehr davon
fchreiben darf.
Die Promptitude bitte zu recommandiren. denn es gehet gar
zu langfam; es fein über drei Wochen. daß Schoßtacke oder 2 Sgr.
geprägt werden follen. weil die nicht verrufen: noch ift kein Stück
fertig. Die hiefige Münze würde nicht gefchwiude genug die er-
forderliche Quantitäten prägen können. dahero Berlin und Magde-
burg helfen müßte. Der Heumann fagt. man müffe. bis Silber
von Berlin anhero komme. von unferen Thmpfen welche im Tiegel
werfen und umprägen. Die gute reine Ausprägung ift auc h fehr
zu recommandiren; denn die fchlechte elende Ausprägung in Aurich
und Berlin hat ebenfalls das meifte Spectacul in Polen gemacht.
Es war faft kein Gepräge kenntlic h und viele Stücke auf einer Seite
gar nicht gepräget. Dagegen fein die in Breslau ausgemünzte von
gutem Stempel und Gepräge und haben lediglich deshalb 10 Procent
gegen die anderen Agio gethan. weil die Polen die andern Sorten
nicht nehmen wollen.
Jc h würde den Benoit gar nicht davon meliret haben. wenn
die Münzentrepreneurs ihn nicht fürher fchon in der Sache emplohiret.
werde ihn aber nun gänzlic h herauslaffen . .
47. pnnktatwn der Zliünzunternehmer über den neuen -1:(0ntrakt.
Zliagdebnrg. 28. Dezember 1761.
Urfchrift. Lt. 96. 409. 0.
Nachdem auf S. K. M.. . 0räre die Münzentrepreneurs
Ephraim und Söhne. wie auc h Daniel Jßig abermals einen Münz-
contract vor das Jahr vom 1. .lanua1-ii bis Ende 1)eeembrie 1762
zu fchließen übernommen. haben diefelbe fic h nachftehendes dabei . .
ausbedungen.
1. Anftatt daß fie vor diefes 1761. Jahr nac h dem Haupt-
contract 850000 Mark ausgemünzet und dafür 4 Millionen und
100000 Rthlr. Schlagefchaß erlegt. wollen fie jeßo wegen des gar
zu hoch fteigenden Silberpreifes nur 700000 Mark fein Silber
übernehmen und dafür in fechs Monaten. alfo in der Hälfte des
zur Ausmünzung fic h vorbehaltenen ganzen Jahrs. 3 Millionen.
.Zeta 801-11881e11. Münzwefen 111. 21
822 Nr. 47. - 28. Dezember 1761.
und zwar monatlich 500000 Rthlr. zahlen. wenn die Münzen
währender diefer fechs Monate in Activität bleiben. Verfprechen
auch dabei unter eidlicher Verfichernng. nachdem die Conjnncturen
und die Sicherheit es verftatten. ein mehreres in felbigem Jahre zu
präftiren. fowie fie folchergeftalt ihr Engagement im laufenden Jahre
erfüllet haben.
2. Die Ausmünzung der 700000 Mark wollen fie folgender-
geftalt repartiren. nämlich:
200000 Mark zu fächfifchen 8 Gr. n 35 Rthlr. pr0 Mark fein;
200000 Mark zu polnifchen und preußifchen Thmpfen a 40 Rthlr.
pra Mark fein. wie S. M. folche zu münzen befehlen werden;
800000 Mark an allerhand ansländifchen groben und kleinen
Münzforten. welche aber weder bei königlichen Kaffen noch im
Lande courfiren follen. bei Strafe der Confiscatioin nach dem
jeßigen Münzfuß der auswärtigen fürftlichen Münzen t1- 40
bis 43 Rthlr. per Mark fein.
Die fächfifchen 1 Gr.-Stücke werden nach dem bisherigen
Münzfuß er 40 Rthlr. per Mark fein als Scheidemünze auch bei k.
Kaffen ferner angenommen; hingegen gelten die bernburgfche 8 Gr.-
und 4 Ein-Stücke nach diefem Münzfuß in k. Landen nur im
Handel und Wandel.
Da auch die knpferne- Scheidemünze. wofür fie bereits
20000 Rthlr. Schlagefchaß erleget. noch nicht völlig gemünzet
worden. fo behalten fich die Entrepreneurs vor. diefe nach dem
leßtern Münzfuß noch ausmünzen zu dürfen. -
Auch foll ihnen erlaubt fein. polnifche Schillinger. fo aber
nicht im Lande hier courfiren. auszumünzen. .
Ein und zwei Mariengrofchen und dergleichen Stüvers. fo auf
hiefigen Münzen nach leßterm Münzfuß ausgepräget werden dürfen.
follen nicht in hiefigen Provinzien. fondern nur im Clevifchen. Oft-
frief- und Weftphälifchen courfiren.
3. Der Schlagefchaß wird in fächfifchen 8 Gr.-Stücken in vor-
gemelter Zeit. vom .lann-trio 1762 an. monatlich zu 500000 Rthlr.
erleget.
Wann aber die Wege fo nnficher werden follten. daß die
Silbertransports nnd der Debit der Gelder fchwer gemacht würde.
fo bitten fich die Entrepreneurs die Freiheit aus. nach dem von
Punktation der Unternehmer. 323
S. M. in diefem Jahre feftgefeßten Münzfuß neue Auguftd'or aus-
prägen laffen. auch damit den Schlagefchaß zum Theil bezahlen
zu dürfen.
4. Zu Erlegung des Schlagefchaßes bitten die Entreprenenrs
gleichfalls das nöthige Silber noch befonders frei ausmünzen zu
können. nämlich 75000 Mark. oder die Ausmünzung des Betrags
der 3 Millionen in neuen Auguftd'or.
5. Zum Beften des pnbliei wollen die Entrepreneurs goldene
und filberne Münzen zu 193/4 Rthlr. die Mark fein unter preußi-
fchem Stempel. jedoch ohne Erlegung eines Schlagefchaßes ausmünzen.
6. Desgleichen werden S. M. confentiren. die neu auszu-
prägende Sorten. wenn fie reduciret werden follten. fowie die
fächfifchen Thmpfe. welche fchon wirklich verrufen find. imgleichen
die eingefchlichene und bei denen k. Kaffen befindliche. auch fchon
dafelbft ausgetaufchte fremde fchlechte Geldforten in fächfifche 1 Gr.-
Stücke oder neue Auguftd'or umzuarbeiten. aber gleichfalls ohne
Schlagefchaß dafür zu zahlen.
7. Uebrigens wollen S. K. M. die Entrepreneurs bei allen
beneï¬eiie und Freiheiten. fo ihnen veriuöge voriger Contracte und
königlicher Cabinetsordres. wie auch noch in Anfehung ihrer Per-
fonen und Defcendenten. unterm 9. Wartii 1761 . . accordiret
findI) fchüßen und mainteniren laffen. und follen die diesfalls er-
gangene 01-41138 fo anzufehen fein. als wenn felbige von Worte zu
Worte hier wiederholet wären. fo daß fie in allen königlichen
Wrovinzien. Landen. Städten und Feftungen ohne Ausnahme gelten
und fie als chriftliche Banquiers angefehen werden follen.
Auch folle ihnen in Berlin ein Plaß zur Anlegung einer Waffer-
ftrecke angewiefen werden. Derfelbe fowie die von ihnen dort auf ihre
Koften errichteten Gebäude werden ihr Eigentum.
Nach Jnhalt der Punctation zum Contract werden S. K. M.
nachftehenden Münzfnß . . zu approbiren geruhen.
An 8 Gr.-Stiicken 11 Rthlr. 4 Gr. 4 Pf. die Mark
brutto. halten fein 5 Loth 2 Grän n. . . . . 35 Rthlr.
An Thmpfen 8 Rthlr. l Gr. 4 Pf. die Mark brutto.
halten fein 3 Loth 4 Grän si . . . . . . . 40 Rthlr.
_ l) S. S. 54.
21*
324 Nr. 48) 49. - 2.-16. Januar 1762.
An 1 Gr.-Stücken 5 Rthlr. eine Mark brutto. halten
feinLLotha . . . . . . . . . 40Rthlr.
Fremde oder ausländifche Sorten die Mark fein a 43 Rthlr.. die
brutto aber gleich die auswärtigen Münzen egal beobachtet werden.
48. Aabinettsorder an den Geheimen Ariegßrat Aöppen über die
Kunktatwn der Wünzjuden.
Breslau. 2. Januar 1762.
Konzept. (Die Ausfertigung war chiffriert.) - 11. 96. 409. 0.
- Jch habe aus dem Einhalt Eures Berichtes mit mehrern er-
fehen1 weffen fich die Münzentrepreneurs gegen Euch wegen des zu
fchließenden Münzcontracts erklären wollen. Worauf Jch Euch in
Antwort ertheile. daß Ich davon recht übel zufrieden bin und wegen
deren Lanteruiren und Trainiren gar keinen Scherz verftehe. viel-
mehr durchaus will. daß Jhr mit denenfelben den neuen Contract
auf eben den Fuß wie in dem verwichenen Jahr fchließen nnd dazu
eerieux thun follet. Wie es dann überall darunter auf den alten
Fuß bleiben muß. und will Ich durchaus nicht. daß die Ausmünzung
derer fächfifchen 1/3tel fchlechter und geringhaltiger gefchehen foll.
da der bisherige Fuß davon fo fchon fchlecht genug ift. Jhr müffet
alfo rechten Ernft dazu gebrauchen und die Münzentrepreneurs bei
Ausmünzung der Thmpfe befonders heranziehen. Jch zweifele an
Eurer Droiture gar nicht. es mißfället Mir aber das Trainiren von
Euch. welches die Zeit verlieren machet. weil Jhr gegen die Entre-
preneurs zu faible gehet. und alfo von Euch geändert und alles
mit mehrerer Attention betrieben werden muß.
49. Aabinettsorder an den Geheimen Ariegsrat Aöppen über den
neuen münzk0ntrakt.
Breslau. l6. Januar 1762.
Konzept. (Die Ausfertigung war chiffrierb) - Z. 96. 409. 0.
S. K. M. haben umftändlich erfehen. was Dero Geheime
Rath Köppen vermittelft feines . . Berichtes vom 7. diefes gemeldet.
welchergeftalt nämlich die Münzentrepreneurs endlich den Contract
Der Kontrakt für das Jahr 1762. 325
auf die Ausmünzung in diefem Jahre gleich der vorjährigen über-
nehmen. auch was vor eonäitiones felbige dabei ftipuliren wollen.
Da es S. K. M. in jeßigen Dero Umftänden nicht möglic
h
ift. in alle dergleichen viele Details befonders zu entriren. diefelbe
auc h jeßo nicht genug Wiffenfchaft von den jeßigen Silberpreifen
und anderen dabei concurrirenden Umftänden haben noch einziehen
können. fo müffen Höchftdiefelbe es darunter lediglic h und alleine
auf die Treue. Jntegritb und Einficht gedachtes Dero Geheimen
Rath Köppen ankommen laffen; mithin autorifiren und befehlen Sie
demfelben kraft diefes. mit oberwähnten Münzentreprenenrs den neuen
Contract von der diesjährigen Ausmünzung infoweit auf den Fuß
des vorjährigen zu fchließen. daß die Entrepreneurs fic h zu einem
Schlagefchaß von vorerft vier Millionen Thaler verbinden. dabei
aber verfprechen. nach Befchaffenheit der Umftände alles nur mög-
liche zu thun und anzuwenden. daß es darunter noch weiter und.
wie im verwicheneu Jahre. auf fechs Millionen gehe. Bei der Aus-
münzung derer neuen 1/5-Stücke muß keine Verringerung des Münz-
fußes gefchehen. Was die übrigen c0l1äiti0ne8 anlanget. welche die
Münzentreprenenrs fic h noch dabei bedingen wollen. da müffen S.
K. M.. wie obgedacht. es darunter lediglic h der pflichtmäßigeu Ein-
ficht und Beurtheilung Dero Geheimen Rath Köppen überlaffen.
was davon nach Befchaffenheit der jeßigen Umftände zu concediren
fein wird; nur allein hat er dabei dahin zu fehen. daß. was die
Münzentreprenenrs an Münzen von geringerm Werth wie fonften
der geordnete Münzfuß ift [ausprägen]. nicht nur bei denen Kaffen
nicht angenommen. fondern auc h aus der einländifchen Circulation
gehalten und nach auswärtigen Landen hauptfächlic h gefchaffet und
debitiret werden müffe. damit der Verfall im Lande durch die fchlecht-
haltigen Münzen nicht gar zu groß werde. Welches er dann auc
h
bei der Thmpfausmünzung nac h aller Möglichkeit zu beforgen hat.
Daß übrigens die Entrepreneurs fic h engagiren. bis Mitte
Februarii eine Million Thaler ohne Provifion hieher zu über-
machen. folches acceptiren S. K. M. ganz gerne; was aber die
Thmpfe angehet. welche fie hieher remittiren wollen. fo müffen folche
vor folchen Sorten fein. die in Polen courfiren und nicht der Re-
duction unterworfen fein. da fonften der zum Magazin dazu be-
nöthigte Gebrauc h nicht würde gemachet werden können. mithin
326 Nr. 50. 51. - 20. Januar-28. Februar 1762.
-beffer fein wird. wenn die Entrepreneurs fic h von der Ausbringung
ihrer Thmpfe in Polen felbft chargiren werden.
Die in den vorigen Münzcontracten ihnen accordirte benetiei8-
können in dem neuen Münzkontract ihnen wieder accordiret werden.
50. Jmmediatbericht des Geheimen Ariegsrats Aöppen über den
neuen Alünzkontrakt.
magdeburg. 20. Januar 1762.
Urfchrift in Chiffre. (Nach dem 06e1111116.) - 11. 96. 409. 0.
Mit denen Münzentrepreneurs habe ic h zur entemite fchreiten
und in der hiefigen Münze fo viel Silber mit Arreft belegen müffen.
um noc h in diefem Monat 500000 Rthlr. zu erheben. Wegen der
von E. K. M. nicht accordirten Courfirung der bernburgifchen
4 Gr.-Stücke zu 40 Rthlr. das Mark halten fie fic h ganz außer
Stand. den Contract zu fchließen. Sie offeriren dieferhalb noc
h
250000 Rthlr. Schlagefchaß mehr und alfo in allem 4 Millionen
350000 Rthlr.. wenn fie 200000 Mark zu 30 Rthlr. fächfifche
8 Gr.-Stücke und 700000 Mark si 40 Rthlr. zu Thmpfen. beru-
burgfchen 4 Gr.-Stücken und fächfifchen 1 Gr.-Stücken ausmünzen.
auch gedachte 4 Gr.-Stücke fowie bisher die fächfifche Gr. in Cours
gehen dürfen. verfprechend bei alles mögliche außer Landes zu
debitiren [fo]. Die äiti'erenee an Mark ift auc h gegen den vorjährigen
Contract nur 50000 Mark. Mit E. K. M. . . Erlaubniß muß ic
h
geftehen. daß durc h die mir abgenöthigte Procedur ihr Credit leiden
und die Silberlieferung ceffiren dürfte. fo daß der ganze Contract
alteriret werden würde. Dahero E. K. M. . . anheimftelle. ob bei
jeßigen Umftänden ihnen nicht erlaubet fein foll. bernburgifche
4 Gr.-Stücke zu münzen und courfiren. nicht aber in Kaffen an-
nehmen zu laffen. An die Breslaufche Ober-Steuerkaffe habe ic
h
felbft vor kurzem einige 100000 Rthlr. affigniret. um die vorfallende
Ausgaben berichtigen zu können. Selbige wird alfo im Stande
fein. die Verpflegungsgelder pro 111arti0 zu zahlen. woran E. K.
M. nicht zu zweiflen geruhen wollen.
Eigenhändige Entfheidung des Königs auf der Rückfeite der Berichts:
Kein berenburgifc h geldt in meinen Landt. Fch.
Der Kontrakt für 1762. - Die Bernburgifchen Ephraimiten. 327
51. Bericht der mindenfchen Ariegs- und Domänenkammer über
die Bernburgifchen Sphraimiten.
Blinden. 28. Februar 1762.
Mundnm. Tit. Zl1lli. 11.
E. K. M. haben wir unterm 19. 11ujne . . einberichtet. daß
feit einiger Zeit die Bernburgfchen gegen die Münzen von fächfifchen
Gepräge fehr geringhaltig fein follen. da 4 Gr.-Stücke allhier ftark
zu courfieren anfingen. wobei wir . . angefraget. ob felbigen gleich
denen Bernburgfchen 8 Gr.-Stücken im Handel und Wandel der
cours geftattet und in felbigen angenommen werden follen.
Wir haben bis zu Einlangung E. K. M. . . Refolution be-
kannt machen laffen. daß diefe 1/6. da es einmal Bernburgfche. von
E. K. M. im Handel und Wandel erlaubte Münze wäre. ange-
nommen und nicht geweigert werden follte.
Die Klagen der hiefigen Einwohner überhaupt und befonders
der Kaufmanns-Gilde. nach deren Anzeige diefe quäftionierte Münz-
forte gegen die fächfifche 30 Procent fchlechter fein und in Ham-
burg und Bremen gar keinen cours haben foll. hat uns bewogen.
der Sache genauer nachzuforfchen. wodurch es fich denn hervor-
gethan. daß nicht nur diefe. fondern auch 8 Gr.-Stücke von näm-
lichen Gepräge. fo noch weit fchlechter als die 4 Gr. fein follen.
hauptfächlich durch 4 allhier fich aufhaltende Handlungsbediente
gegen Einwechfelung der fächfifchen zeither roullierten 1/3 Stücken
in die Provinz gefchleppet und darinnen fowohl durch den Canal
derer gewinnfüchtigen englifchen bei der allierten Armee befindlichen
Eommiffairs. als auch derer in großer Menge herumlaufenden Entre-
prenenrs verbreitet worden. Es find folche namentlich:
1. der Erpel. fo bei Levaux und Thivillai in Berlin;
2. derDegener. fo bei Retemeher et 00mpagn. in Magdeburg;
3. der Schulße. fo bei Schulße et 00mp. in Braunfchweig;
4. der Michael Warburg. fo bei Aaron Meher. einen Schwieger-
fohn derer Münzentrepreneurs Ephraim et Jßig. fervieren.
Alle gaben vor. daß fie von ihren Principalen anhero beordert
worden. Wechfels gegen Münze einzukaufen. Diefes könnte man
denenfelben fehr gerne ftatuieren. wenn fie die Wechfels zählten
und nicht vielmehr leßteres ganz zu vergreifen und hergegen die
fchlechteren Bernburgfchen Sorten allgemein zu machen fucheten.
328 Nr. 51. 52. - 28. Februar 1762.
Was diefes nun vor betrübte Folgen vorausfeßet und in der Folge
nach fic h ziehen wird. können wir E. K. M. nicht genug detaillieren.
Die allhier bereits obwaltende entfeßliche Teurung wird wenigftens
umb 30 Procent erhöhet.
Der Landmann. fo den Unterfcheid nicht fo genau. wenigftens
im Anfange. einfiehet. verfilbert feine (1en16e8 gegen diefe gering-
haltende Münzforte und wird. wenn er landes- und gutsherrliche
prae8tanäa abführen will. genötiget. die brandenburgfche Sorten
mit 60. 70 nnd die fächfifchen mit 30 bis 40 Procent einzuwechfeln.
ja es ift mit ziemlicher und betrübter Wahrfcheinlichkeit zu vermuten.
daß die beffern Sorten mit der Zeit überall verfchwinden und gar
nicht mehr zu haben fein werden; die im Winterquartier befindliche
801ä6te8gue bekommt die Löhnung ebenfalls in diefer fchlechteu
Münze. weilen folche denen Chefs der Compagnien gegen Gold an-
getragen und der Louisd'or mit 12 bis 13 Rthlr.. der Ducat aber
mit 7 Rthlr. bis 8 Ggr. eingewechfelt wird; der Soldat .will oder
kann nicht begreifen. warum fein Glas Brantwein mit einmal kleiner
und das Pfund Fleifch oder andere Victualien theurer werde. er
attaquieret folchergeftalt den Verkäufer. mißhaudelt denfelben. es
kommt zu Thätlichkeiten. fo zuleßt in große und criminelle Ver-
gehungen ausfchlagen und Menfchen Blut Vergießung verurfachen
können.
Wir können uns nicht vorftellen. daß E. K. M. die bernburg-
fchen Sorten folcherhalb im Handel und Wandel tolerieret. daß
durc h deren erfolgende fchlechtere Ausprägung die beffern Geldforten
gänzlic h verdränget und das fchon hoc h genug heran geftiegene Elend
noch größer. ja gar allgemein gemachet werden folle. Vielmehr
glauben wir. daß diefem Gepräge. fo wie felbiges vor einigen
Monaten gewefen. nur in kleinen Poften beim Handel und Wandel
der Cours geftattet worden.
Gleichwie wir nun hoffen. daß E. K. M. diefe unfere Senti-
ments allergnädigft approbieren werden. inmaßen ja aus denen
unterm 2. und 18. c. an uns ergangenen . . 1-e8criptie zur Genüge
abzunehmen. wie E. K. M. dem Einfchleppen der geringhaltigen
Münzforten alles Ernftes gefteuret wiffen wollen. fo haben wir
veranftaltet. daß diefe bei denen vorerwähnten 4 Leuten vorrätig
feiende nun gar fchlechte Bernburgfche 8 und 4 Gr.-Stücke :1(
1
Die Bernburgifchen Ephraimiten. - Der Kontrakt für 1762. 329
interim durch den 00mmi88nrinm 1oei verfiegelt werden follen. da-
mit von folchen. bis zu Anlangung E. K. M. . . Refolution weiter
nichts ausgebreitet werden möge.
Wir bitten uns folcherhalb und. ob diefe Wechfel Händlers
allhier zu dulden. wenn fie ihr ne30ee nicht wenigftens mit fächfi-
fchen Gepräge treiben wollen. . . zu befcheiden.
52. Zljünzk0ntrakt mit Ephraim und Söhnen und Daniel Jtzig.
Breßlan. Februar 1762.
Abfchrift. Lt. 96. 409. 0.
Nachdem auf S. K. M. . . ariike die Münzentrepreneurs
Ephraim und Söhne. wie auch Daniel Jßig abermals einen Münz-
contract vor das jeßt laufende Jahr vom 1. .lannarii bis Ende
Deeernbrie 1762 zu fchließen übernommen haben. fo ift folcher
folgendergeftalt mit ihnen verabredet und gefchloffen worden.
1. Es engagiren fich gedachte Münzentrepreneurs in vor-
gedachter Zeit 850000 Mark fein Silber auszumünzen. und zwar:
200000 Mark in fächfifchen 1/Z-Stücken. das Mark fein a 30
Rthlr.. und
650000 Mark zu Thmpfen und fremden Silbermünzen a 40 Rthlr.
die Mark fein.
worunter auch neue Auguftd'or nach dem von S. K. M. approbirten
leßtern Münzfuß nach Proportion des Silbers begriffen fein follen.
An Thmpfen wird nur fo viel ausgemünzt. als S. M. ge-
brauchen und die Entrepreneurs außerhalb Landes debitiren können.
Die übrigen fremden Sorten aber. fo nicht unter dem fächfi-
fchen Stempel. follen durchaus nicht in S. K. M. Kaffen ange-
nommen werden. fondern die Entrepreneurs werden dafür forgen.
folche. fo viel möglich. außer S. K. M. Landen zu fchicken.
2. An Schlagefchaß zahlen die Entrepreneurs in monatlichen
ratie 4100000 Rthlr. in fächfifchen 8 Gr.-Stücken. deren Betrag
an Silber fie in neuen Auguftd'or oder fächfifchen 1 Gr.-Stücken
frei ausmünzen zu dürfen fich vorbehalten. Wenn aber die Wege
fo nnficher werden follten. um kein Silber zur Münze transportiren
zu können. fo wird in diefem Fall der Schlagefchaß währender Un-
ficherheit der Wege in neuen Auguftd'or zu erlegen erlaubt. Sonft
ZZ() Nr. 53. 54. - 5.-19. März 1762.
aber muß derfelbe ohne den geringften Aufenthalt monatlich prompt
in Berlin oder Magdeburg in fächfifchen 1/g-Stücken abgeführt werden.
3. Sollten auch einige von denen jeßt im Gange feienden
Münzen außer Activität wider Verhoffen gefeßet werden. fo daß das
contractmäßige Quantum nicht ansgemünzt werden könnte. wollen
S. K. M. wegen des Schlagefchaßes nach Proportion Nachficht
geben laffen. Hingegen .
4. Verfprechen die Münzentrepreneurs an Eides Statt. nach
Befchaffenheit der Umftände alles mögliche zu thun und anzuwenden.
daß in diefem Jahre noch ein mehreres ausgemünzet und der
Schlagefchaß wie im vorigen Jahr auf 6 Millionen gebracht
werden könne.
5. Diejenige verrufene Münzforten. welche ihnen aus denen
königlichen Kaffen zum Austaufchen geliefert und mit Atteften be-
leget werden. wechfeln fie nach Möglichkeit gegen neue Augnftd'or
oder fächfifche 1 Sir.-Stücke aus. Hierzu aber fowohl als zu Um-
fchmelzung der reducirten Thmpfe wird ihnen die freie Ausmünzung
ohne Erlegung eines Schlagefchaßes auch accordiret.
6-8. Wie Nr. 47. Punkt 5 und 7.
55. Bericht der p0mmerfchen Ariegß- und Domänenkammer über
dic Ãœberfchwemmung mit fchlechtem Gelde.
Stettin. 5. märz 1762.
Mundum. Tit. LU7. 1.
E. K. M. werden aus copeilichen Anlagen . . zu erfehen ge-
rnhen. was der hiefige Magiftrat der Stadt Stettin nnd der Krae-
p08itu8 des Alt-Stettinfchen eyuaäi Schröder noniiue der hiefigen
piornm c0rp0rum und der Kirchen auf dem platten Lande wegen
unerträglichen Schadens bei den verrufenen mecklenburg- und
fchwedifchen Münzforten beim hiefigen geiftlichen c0n8i8t0ri0 vor-
geftellet und dasfelbe laut angefügten Schreibens vom 25. liebt'. c..
auch nachgehends unterm 11. Mart. c. an uns gelangen laffen.
E. K. M. werden daraus die gegenwärtige Bedruckung in Anfehung
des fo oft veränderten Münzconrfes . . bemerken. zumal in An-
fehung der fchwedifch- und mecklenburgfchen 8 (Zr.-Stücken. da keine
andern Geldforten vor den Korn- und Fonrage-Liefernngen be-
Schwedifche. mecklenburgifche Ephraimiten und fächfifche Grofchen. 331
zahlet und denen Verkäufern obtrudieret werden. auch felbft die
enlen-in aus den k. Kaffen in dergleichen Münze größtenteils be-
zahlet worden. Da nun keine andern Geldforten im Lande vor-
handen. und was noch an fächfifchen 8 Gr.-Stücken circulieret hat.
an die k. Kaffen wieder bezahlet werden müffen. die fich aufhaltende
fogenannte Münzjuden aber nun mehro mit 12 Procent Verluft für
den Jnhaber das mecklenburg- und fchwedifche Geld gegen fächfifche
Eingrofchenftücke einwechfeln. da doch dem Verlaute nach leßtere
noch von fchlechterem Gehalt als erftere find. fo wird das Publicum
und die Armut ungemein gedrückt. befonders aber diejenigen. welche
von Befoldung und Zinfen leben müffen. unter welchen auch die
pin eor-pora zu rechnen. Die Vormünder wiffen nicht mehr. wie
fie mit denen auf folche Art überaus gefchmälerten rem-2n11e8 der
Unmündigen auskommen fallen. und es muß zu deren Verpflegung
das Kapital angegriffen werden. Es ift auch der Uuterfchied zwifchen
den fächfifchen 8 Gr.- und 1 Gr.-Stücken fo groß. daß die Kauf-
leute in Anfehung leßterer die Waren 6 und mehr Procent höher feßen.
Wann nun gedachte fchwed- und mecklenburgfche Münzforten
dem Gehalt nach beffer als die fogenannte fächfifche 1 Gr.-Stücken
fein follen. fo ift es billig. daß die Münzjuden angehalten werden.
erftere Münzforten wenigftens gegen fächfifche 1 Gr.-Stücken ohne
zu vergütenden Agio an fich zu nehmen und zu vermünzen und nicht
durch das ungeheure Agio das Land noch mehr zu drücken.
Und da verlauten will. daß der ruffifche General Major
v. Berg in Stargard durch den Trummelfchlag bekannt machen laffen.
die fchwed- und mecklenburgfche 8- und 4 Gr.-Stü>e unweigerlich
zu nehmen. leßtere auch dort in höheru Cours wie die neuen
fächfifchen Grofchen find. fo erbitten E. K. M. . . Verfügung zum
Soulagement des ganzen Landes.
54. Avertiffement über Annahme der Bernburger münzen. entw0rfen
vom Generalleutnant v. Tauentzien.
O. L). (l9. märz 1762).
Abfchrift. IWWt17. 12.
S. K. M. haben bereits untern 12. .lanua1-ii a. c. und zu
wiederholten Malen iu den öffentlichen Zeitungsblättern . . declariret.
332 Nr. 55. - 19. April 1762.
daß die bisher zu Holftein-Plön unter Zerbftfchen Stempel. desgl.
die Hildburghauf.. Mecklenburgfche. Stralfundfche und anderwärts
mehr über alle Maßen fchlecht ausgeprägte Münzforten in Aller-
höchft Dero fämtlichen Landen. auc h nicht in Sachfen. den geringften
Kurs haben. fondern n'ur allein Preußifche. Sächfifche und Beten-
burger Münze in Handel und Wandel circuliren und unweigerlic
h
genommen werden follen. Da nun demohnerachtet in Erfahrung
gebracht worden. daß die Annehmung der Berenburgfchen Münz-
forten geweigert werden wollen. als wird Namens S. K. M. in
Preußen fämtlicher Kaufmannfchaft und übrigen Negotianten von
Chriften und Juden. nicht minder denen Mäklern in allen Köuigl.
und Schlefifchen auch Sächfifchen Landen fothaner allergnädigfter
Befehl ebenfalls zu genauer Achtung hiedurch bekannt gemacht. enrn
mnnsam. daß fich Niemand der Annehmung der Berenburgfchen
Münze weigern foll. Zugleich aber wird bei Vermeidung härtefter
Strafe und Ahudung verboten: die feit Januar anno 1759 aus-
geprägte prenßifche und feit .lanuario 1760 gemünzte Sächfifche
1/Z-Stücke unter keinerlei Vorwand außer Land zu fchicken. noch
weniger diefelben einzufchmelzen.
55. Eingabe der Berliner Aaufleute gegen die Bernburger münzen.
Berlin. 19. April 1762.
Urfchrift. Tit. 11147. 12.
E. K. M. . . Befehl vom 12. Fnn. c. n.. vermöge deffen uns
wegen derer auswärtigen über allemaßen fchlecht ausgeprägten Münz-
forten gewarnet worden. haben wir aufs forgfältigfte nachzuleben
gefuchet. dergeftalt. daß mit unferm größten Verluft diefe Geldforten
verkauft und teils an die hiefige Münze abgeliefert worden. fo daß
nunmehro im Handel und Wandel nichts denn chut-fächfifche Münze
und alte Bernburger von uns angenommen werden.
Anjeßo aber findet fic h im publie0 eine- Sorte Bernburger.
die neuerdings gepräget; diefe find nac h beigebogeneu Proben
1/3-Stück die Mark fein a 42 Rthlr.. 1/z-Stück die Mark fein
ü 44 Rthlr. ausgemünzet. Wenn wir folche alfo annehmen follten.
fo würden wir gezwungen fein. unfere Waren darnach zu calculieren.
wodurch folche in einen fo enormen Preis gehen würden. daß die
wenigften Einwohner folche im Stande zu bezahlen fein könnten.
Die Ephraimiten und fächï¬fchen Grofchen. 333
folglic h der Debit fehr geringe und die reeenue8 E. K. M. dadurc
h
fehr würden gefchwächet werden. Wir glauben dahero. daß man
von diefer Art Bernburger Münze gar nicht informieret fein müffe.
fonft uns unmöglic h von neuem durch Dero Präfidenten Kircheifen
im befondern gedruckten Avertiffement unterm 19. Wartii a. c. von
neuem haben würden bekannt machen laffen können. daß die Beren-
burger gleic h denen Sachfen im Handel und Wandel angenommen
werden follen. Diefes fcheinet mit der guten Jntention. welche in
denen ergangenen Befehlen S. K. M. vor Dero getreue Unter-
thanen. da folche für die Annahme der ganz geringhaltigen Münz-
forten gewarnet worden. gar nicht einftimmig zu fein. fondern
widerfprechend anzufehen. in Betracht diefe neue Sorte Berenburg-
fhe Münze nac h obangeführten Jnhalt mehr denn 331/3 Procent
fhlechter. denn die bereits verrufenen Mecklenb. und Schwedifche.
als auc h der zeitigen Sächfifchen 1/g-Stück. welche die Mark fein
33 Procent ausgepräget . . .
Nicht minder bitten E. K. M. wir . .. denen Münzjuden an-
befehlen zu laffen. nicht fernerhin fortzufahren. die jeßt courfierende
1 Gr.-Stücken fo fchlecht anszuprägen. als welche in der Mark fein
a 56 Thlr. ausgemünzet feind. Kommt folche daher ftärker in fo
großer a50näance im pnblieo. wie bisher gefchehen. fo find wir
genötiget.- unfere Gewölber zuzumachen. Denn wenn wir diefe Art
Gelder gegen den-Wert des Hamburger Banco-Geldes fchäßen. fo
würden wir unfere Waren. wenn nicht alle dereinft banquerot zu
werden risquieren wollen. 600 Procent calculieren müffen: dieweil
die auswärtigen Handelspläße das geprägte fchlechte Geld nur nac
h
dem Jnhalt des Silbers als Ware gegen Ware von uns in Zahlung
annehmen und das darin fteckende Kupfer verloren gehet. Was
würden wir nicht jeßo aufs neue verlieren. wenn uns unfere Waren.
fo wir in Sächf. 1/3 calculieren und fowohl in als außerhalb
Landes auf Credit verkaufet. jeßo in diefer neuen Bernburger Münze
bezahlet werden und wir die noch fchuldigen Remeffen für bereits
verkaufte und verborgte Waren in die Münze thun müßten. da
folche feithero nur i1 320 Procent in Sächf. 1/3-Stücken calculieret.
Wenn nun zu erfteren fchreiten müßten. fo würde das pnblienm
gar entfeßlic h leiden und alle Fabricanten zu Grunde gehen. nicht
minder E. K. M. auc h .alle Lievranten für die Armee. alle bis-
334 Nr. 56. - 2. Jun 1762. -
herige gebrauchte Kriegsgerätfchaften nochmalen fo teuer bezahlen
mü fen. Wir bitten demnach... allem bishero dem Lande zum
Nachteil eingefchlichenen Übel abzuhelfen. damit nicht nötig haben.
S. K. M. . . Perfon anzutreten und vorftellig zu machen. wie die
Münzjuden mit allen ihren Projecten weiter nichts erregen. als daß
fie das ganze Land dadurch in die größte Armut feßen. welches
ohnehin durch die Krieges Drangfalen genugf am mitgenommen worden.
Bei leßt ergangenem Verbot der fremden Münzforten find
alle ausgeprägte Schweden. Mecklenb.-Strehlißer und Schweriner
1/3 in derer Münzjuden Hände geraten. woran der arme Mann 10
bis 12 Procent verlieren müffen: gleichwohl find felbe eben fo gut
als die Sächfchen dem innerlichen Wert nach zu fchäßen gewefen.
wie beiliegende Proben folches erweifen. deren die Mark feinnicht
mehr denn 30 a 33 Thlr. enthält. Diefe 12 Procent Verluft ge-
rechnet. fo koftet denen Münzjuden die Mark fein circa 27 bis
28 Thlr. und hievor haben fie das ganze Land mit Scheidemünze
überfchwemmet. die die Mark fein a 56 Rthlr. ausgepräget und mit
diefer Scheidemünze die Valuta des in die Münze gelieferten Geldes
ausgezahlet und jedennoch die Agio abgerechnet und mehr als das
Dnplnm daran profitieret. auf Silber folglich die Juden Millionen
fammeln und das Land arm machen.
Diefes alles vorftellig zu machen. darzu find wir als getreue
Unterthanen verpflichtet. und wir zweifeln nicht. daß allem Übel
vorgebeuget werden wird. Zu dem Ende gut und das befte fein
würde. wenn dem publieo durch die öffentlichen Blätter für die
fchädliche neue Bernburger. welche über alle Maßen fchlecht ans-
gepräget worden. gewarnet. und die Münzjuden folche gegen Sächfche
1/3 wieder einzuwechfeln angehalten würden: welches baldigft be-
wirken zu laffen wir . . bitten.
56. Aönigsberger Zliünzkontrakt und- verfügung über Krägung
fächfifcher Doppelgrofchen.
magdeburg. 2. Juli 1762.
Ausf. gez. Köppen. kr. Kpbrairn et Söhne pr. Daniel Jßig. (Die Unterfchrift
für die Unternehmer von der Hand Jßigs.) - Lt. 96. 409. 0.
Nachdem S. K. M. die Münze zu Königsberg in Preußen
wiederum in Activität gefeßet wiffen wollen und die Entrepreneurs
Königsberger Kontrakt und fächfifche Doppelgrofchen. 335
Ephraim und Söhne. wie auc h Daniel Jßig in Anfehung derfelben
vormaligen Combination mit denen übrigen k. Münzen folche . .
übernommen. fo engagiren diefelbe fic h zu folgendes:
1. Weil in der Provinz Preußen keine fchlechte polnifche
Thmpfe und geringhaltige Münzforten courfiren. fondern die jeßige
gute Geldforten nac h als vor beibehalten werden follen. fo über-
nehmen gedachte Entrepreneurs bis 200000 Mark fein Silber
n äato bis Ende Dece1n111-i8 a. 6. nnd daraus gute preußifche
Thmpfe. Schoftacke und Courant nac h dem Münzfuß. welchen S. K. M.
in nnn0 1758 zu 193/4 per Mark feflgefeßt. auszumünzen.
2. Davor zahlen diefelbe an Schlagefchaß in mouatlichen
retti8 von jeßo an 200000 Rthlr. in fähfifchen 1/3-Stücken.
3. Die Thmpfe und Schoftacke nach vorgedachtem Münzfuß
follen im ganzen Königreic h Preußen bei denen Kaffen wie auc h in
Handel und Wandel courfiren und bei Wechfelzahlung angenommen
werden. Dahingegen bei Vermeidung höchfter königlicher Ungnade
und Strafe nichts von denen jeßo courfirenden guten Münz-
forten gegen geringhaltiges Geld eingewechfelt und eingefchmolzen
werden muß.
4. Dasjenige Quantum aber. was in preußifchen Thmpfen.
Schoftacken und Courant auf denen Münzen in Berlin. Magdeburg.
Breslau und Leipzig ausgepräget werden dürfte. wird zu Erfüllung
der 200000 Mark gerechnet. und muß folches in denen monatlichen
Extracten deutlic h augezeiget und nicht überfchritten werden.
5. Alle 11ene66i6 und 60näitione8 nac h den vorigen Con-
tracten. befonders was r6ti0ne ke1neäii und der Stückelung beftimmt
ift. wie auc h überhaupt alle 01-(11-e8. fo wegen Münzfachen in denen
königlichen Landen ergangen find. werden hiebei und im Königreic
h
Preußen feftgefeßt. renoviret und beftätiget.
Da auc h S. M. denen Entrepreneurs . . erlaubet. auf denen
Münzen in Berlin. Magdeburg. Breslau und Leipzig 2 Gr.-Stücke
mit fächfifchem Stempel anftatt des fonft auszumünzenden quanti
von 1 Gr.-Stücken gedachten Stempels von gleichem Valenr zu
prägen. fo follen folche bei allen königlichen Kaffen. ausgenommen
in Preußen. fo wie die 1 Gr.-Stücke gültig fein. auc h fonft im
Handel courfiren. jedoch nicht ftatt fächfifcher 1/Z-Stücke oder in
Wechfelzahlung angenommen werden. Hingegen müffen die Entre-
336 Nr. 57. 58. - 24. Juli -7. Auguft 1762.
preneurs mit Ausmünzung der Bernburgfchen 1/3- und 1/6-Stücke
möglichft anzuhalten fuchen und fchlechterdings das contractmäßige
Quantum an Silber nicht überfteigen.
Urkundlich ift diefer Contract auf S. K. M. Specialbefehl
von mir. dem p. Köppen. und von denen Bevollmächtigten der
Entrepreneurs bis zur königlichen Ratification unterfchrieben und be-
fiegelt worden.
57. Bericht des Geheimrats Ad'ppen über den Ant-5 der
neuen Augnftdor.
magdeburg. 24. Juli 1762.
Urfchrift. Tit. L71. 29.
Es kommt jeßo hier dahin. daß die in den k. Münzen aus-
geprägte. von mir auf k. 0räre Tonnen Geldes weife ausgegebene
neue Auguftd'or von Niemanden oder doch nur zu 3 Rthlr. 16 Gr.
und wenns hoch kommt. zu 4 Rthlr. angenommen werden wollen.
Ein jeder beruft fich darauf. daß man es zu Berlin ebenfo mache.
und zu Berlin wären felbige darum in fo fchlechten Kurs. weil fie.
ob fie gleich in den k. Münzen gefchlagen wären. dennoch in denk.
Kaffen nicht angenommen werden wollten. ja weil es gar verboten
fei. fie bei den Kaffen anzunehmen.
Jch begreife die gute Jntention ganz wohl. welche ein hohes
k. General-. Ober-. Finanz-. Krieges- und Domainen-Directorium
bei folchen Verbot gehabt; allein ich weiß nicht. mit hochgeneigter
Erlaubniß. ob die k. höchfte Jntention damit übereinkomme. daß
Gelder. die auf Höchft Dero oräre in fehr ftarken Summen an Dero
Unterthanen ausgegeben werden. auch ganz und gar nicht von den
Unterthanen zu Abführung der prae8tanäornm wieder anzunehmen:
Vielmehr glaube ich. daß S. K. M. nicht ganz entgegen fein dörfte.
wenn erlaubt wäre. wenigftens 1/3tel an neuen Auguftd'or bei den
k. Kaffen zu acceptiren. Jch muß felbige täglich ausgeben und habe
nichts anders als noch etliche Millionen davon; wer welche haben
foll. verbittet fie entweder. oder wenn er fie nimmt. bringet -er fie
den andern Tag wieder. ftellet den Schaden. den er leiden foll. vor.-
und will Grofchen haben. Wie können aber fo viel Grofchen ge-
fchlagen werden. daß ich einem Jeden die Hände damit füllen kann?
Der 193/4-Talerfuß in Oftpreußen. 337
und es find in der That fürchterliche Auftritte zu beforgen. wenn
es fo fortgehet. daß hiefiger Orten das Exempel Berlins und der
Churmark zum Spiegel dient. und Bürger und Bauer den Auguftd.or
fo hoch taxiret und annehmen will wie es ihm gefällt. Da ich nun
hoffe. daß folches eine andere Wendung bekommen wird. wenn eine
proportionirte Einnahme der neuen Auguftd'or bei den k. Kaffen
befohlen wird. fo war Willens. S. K. M. Mpke8se deshalb . . an-
zufragen. beforge aber. daß die Refolution Eines Hohen General-.
Ober-. Finanz-. Krieges- und Domainen-Direetorii getroffene Ver-
fügung entgegen fein möchte. und darum wende mich zuvörderft
hiermit an Hochdasfelbe und überlaffe es:
Ob felbiges geruhen wolle. eine proportionirte Annahme der
neuen Auguftd'or überall bei den k. Kaffen zu verordnen oder des-
halb bei des Königs Majeftät anzufragen. Auf dem Fall aber. daß
keines von beiden aggreable fein follte. erbitte mir aufs gehorfamfte
eine Refolution. daß mir erlaubet fein folle. bei des Königs Majeftät
mich folcherwegeu und wegen der Folgen. fo das Verbot der An-
nahme der Auguftd'or bei den k. Kaffen hat. zu melden und Dero
Höchfte Willensmeinung einzuholen.
58. Gutachten der Aaufleute Tonffaint. Saturguß Jacobi über
den neuen mr'iuzfuß.
Aönigsberg. 7. Auguft 1762.
Urfchrift. u. 96. 408. u.
Da der Herr Kammer Präfident Domhardt uns aufgegeben.
unfer Sentiment auf Eid und Pflicht zu ertheilen und anzuzeigen.
wenn die Mark fein d- 193/4 Rthlr. allhier ausgemünzet werden
follte. in wie weit die Ausmünzung folches Geldes mit dem hiefigen
üblich gewefenen Münzfuß differiret) und folglich dem Königreich
Preußen erfprießlich oder nachtheilig fein dörfte. fo ftatten wir das
von uns geforderte Sentiment nach beftem Wiffen und Gewiffen
und zwar fo. wie wir glauben. es vor Gott und J. K. M. ver-
antworten zu können. hiermit pflichtfchuldigft ab.
Nach denen in audie 1756 et 1757 feftgefeßten preußifchen
fowohl. als nachherigen ruffifchen Münzfuß ift auf der Königs-
bergfchen Münze bis hieher beftändig die Mark fein in Thmpfen zu
16 Rthlr. und 40 Stück auf eine Mark brutto ausgepräget; im-
aeta 1361-11881ea. Münzwefen 111. 22
-338 Nr. 58. - '7. Auguft 1762.
gleichen ift eine Mark fein in Schostaken zu 18 Rthlr. und 821/2
Stück auf eine Mark brutto ausgemünzet. Wenn nun aber eine
Mark fein zu 193/4 Rthlr. ausgepräget werden follte. fo würden
die auszumünzende Thmpfe wenigftens bis 23 Procent und die
Schostaken bis 9 Procent fchlechter als die bisherige ausfallen
müffen. wie folches aus der hiebei kommenden Nota mit mehrerem
zu erfehen fein wird. Allein in welche betrübte Umftände würden
die Einfaffen diefes Königreichs. welche bei diefen Kriegestroublen
ohne dem fowohl von ihren ungewiffen. als foliden Vermögen bis
25 Procent an Kriegesbeifteuer abgeben müffen. gefeßet werden.
und wie groß würde der Nachtheil für allen Gewerbe fein. wenn
eine fo anfehnliche Verringerung des Geldes ftattfinden follte?
Die Art der Handlung in Preußen ift bekanntermaßen gegen
die Handlung der auswärtigen Reichs-Städte fehr unterfchieden.
die einzige Stürze und Aufrechterhaltung derfelben ift das gute
Geld. welches wir unfere benachbarten Polen . als die Hauptquelle
der bisherigen Confervation Preußens. fourniren können.
Die Erfahrung hat es gezeiget. daß. als in den Jahren 1758
und 1759 einige hier eingefchlichene fchlechte Geldforten ftatt der
guten zu roulliren anfingen. viele Polen und Frembde mit ihren
Waaren von hier weg und zum größten Schaden des Landes fo-
wohl. als auch derer königlichen Einkünfte an Zoll und Accife fich
an unfere benachbarte Handlungs-Städte gewendet. Nach bis jeßo
ift in Polen keine andere Silber-Münze anzubringen. als die unterm
preußifchen Stempel bis 1757 geprägten Sechßer und Thmpfen.
welche wir hier zu Bezahlung der polnifchen Waaren mit großer
Mühe und einigem Agio fammelen müffen. welche notwendig bei
Ausprägung fchlechter Münzen gar verfchwinden und zufamt allen
alten Specien fich verlieren und in den Tiegel gehen würden; wenn
nun fogar die in nnnie 1758 er 1759 mit a geprägte Thmpfe nach
dem bekannten in Warfchau emanirten Reductions-Patent keineswegs
in ganz Polen und Litthauen angenommen werden. fo ift es um fo
weniger von einer Gattung zu vermuten. welche von einem noch
weit geringeren Gehalt wäre. wohingegen. die nach dem Münzfuß
von ann0 1756 auszuprägende Sechßer zur größeren Aufnahme der
Münze und des damit verknüpften . . k. Jntereffe mit leichter Mühe
dahin zu begeben fein würden. Die Ducaten felbft würden ohn-
Der 193/4-Talerfuß in Oftpreußen. 339
fehlbar durch das auszuprägende fchlechtere Geld fo hoc h im Preife
gefteigert werden. daß es den Polen um fo weniger angemutet
werden könnte. fie dafür anzunehmen. als es bekannt. daß fie feit
der obgemeldten in Polen vorgenommenen Reduction auf weniger
als 9 Fl. feftgefeßet worden. Wollte man aber hier den etwannigen
Verluft derer an die Polen auszuzahlenden Specien auf die von
ihnen erkaufte polnifche Producteu fchlagen. fo würde gewiß der
Preis davon mit denen zu Danzig. Elbing. Riga und Petersburg
fo gewaltig differiren. daß alle eommiesiones aus Engelland. Holland.
Schweden und andere Orten von hier ab und dahin gehen würden.
Das Königreich Preußen hat außer feinem wenigen Handel
mit denen benachbarten Polen keine resource. nun aber ift notorifch.
daß das größte Verkehr dahin nicht anders. als durch beträchtliche
Vorfchüffe betrieben werden kann. wozu der größte. ja faft gänz-
liche Theil des Vermögens derer handlenden Einwohner angewendet
werden muß. wenn anders die Handlung beftehen foll; bei Ver-
ringerung der Münze alfo würde der Einwohner fo viel von feinem
würklic h vorgefchoffeuen Kapital verlieren. als die Münze fchlechter
ift. der Pole hingegen dasfelbe profitiren. welches fic h ganz deutlic
h
aus folgenden ergiebet:
Derjenige Pole. fo Gelder zum Vorfchuß genommen. kann
folche nicht anders. als mit feinen Landes-Producten bezahlen;
exiftiret nun zur Zeit der Wiederbezahlung das fchlechte Geld. fo
ift die Folge. daß die Preifeu von allen Waaren nach Proportion
fteigen. wodurc h der Einwohner au feinem Vermögen vergeringert
wird. e. g. es würde der Pole. fo 6000 Rthlr. zum Vorfchuß er-
halten. 100 Laften Roggen. wenn diefer cr 60 Rthlr. bei courfirenden
jeßigen guten Gelde im Preife wäre. liefern müffen. dahingegen
aber. wenn fchlechteres und etwa zu 193/4 Rthlr. ausgeprägtes Geld
im Schwange ginge. der Preis notwendig zu 80 Rthlr. p. Laft
fein würde. hinfolglic h würde mein Debitor ftatt der 100 nur 75
Laften liefern. wodurch er zwar die 6000 Rthlr.. jedoch aber mit
wenigerem und fchlechteren Gelde zahlet und dabei 25 Laften oder
1500 Rthlr. profitiret. welches der Einwohner allemal an feinem
Vermögen verlieret und der Frembde damit fic h bereichert. oder
100 Rthlr. enthielten a 16 Rthlr. die Mark ausgepräget. 6 Mark
4 Grän fein Silber. fo würde ich dafür n 193/4 Rthlr. kaum noc h 5 Mark
- 22*
340 Nr. 58. - 7. Auguft 1762.
fein Silber in denen roullirenden 100 Rthlr. erhalten. Und da
uns ferner die Beifpiele in der ganzen handlenden Welt gelehret.
daß durch Ausprägung fchlechter Münzforten der Wechfel-c01118
nothwendig gefteigert wird. fo werden alle zum gemeinfchaftlichen
Unterhalt erforderliche Notwendigkeiten um fo viel teurer. wodurch
das ganze Land in die größte Not geraten dörfte. zu gefchweigen.
daß die von den bisherigen Kriegs Beiftenern der priratornm. be-
fonders armer Wittwen und Unmündigen. noc h übrig gebliebene
eapitnlin um fo viel Procenten geringhaltiger werden und diefe ftatt
der gewöhnlichen 5 Procent jährl. Jntereffen weniger als 4 Procent
genießen würden.
Wir hoffen aber. die angeftammte Großmut und Menfchen-
liebe S. K. M.. für deffen teurefte Erhaltung die Einwohner
Preußens auc h mitten in ihren Trübfalen den öberften Beherrfcher
angeflehet. werde diefem allgemeinen Übel und den damit verknüpften
gänzlichen Umfturz aller Handlungen und Gewerben . . vorbeugen.
indem Allerhöchft diefelben keine größere Wohlthat und Gnade Dero
bedrängten Volk und getreueften Unterthanen angedeihen laffen
können. als wenn das hiefige Münzwefen nac h dem in nnni8 1756
et 1757 feftgefeßten Münzfuß beftätiget werde und dabei verbleibe;
Würden J. K. M. in Gnaden zu refolviren geruhen. die hiefige
Münze mit Beobachtung aller Menage dergeftalt zu übernehmen.
daß der gefamte. daraus fließende Nußen lediglich Höchftdenfelben
allein berechnet würde. fo würden einige hier handlende Negotianten
aus Triebe zum allgemeinen Beften und Confervation des Landes
mit allen Kräften fic h dazu widmen. ohne den allergeringften Nußen.
das zur Ausprägung erforderliche Silber in den niedrigften Preife
wie möglic h herbei zu fchaffen. auc h daß folches genau befolget wird.
mit Original Documenten zu belegen; dermahlen würde die Mark
fein a 15 bis 151/2 Rthlr. zu haben fein. wenn nun diefe nach dem
alten fowohl preußifchen als nachherigen Ruß. Münzfuß 821/2 Stück
auf die Mark brutto t1- 4 Loth 16 Grän mit 2 Grän remeäe in
Schostacken ausgepräget. fo wird die Mark fein sr 18 Rthlr. aus-
gebracht. Der jeßige Silberpreis würde zwar noc h nicht geftatten.
fogleic h Thmpfen nac h dem Münzfuß 5- 16 Rthlr. zu prägen. wenn
aber auc h bei dem jeßt glücklic h getroffenen Frieden fchon zu ver-
muten. daß die aller Orten enorm geftiegene Silber-Preifen bald
i778- .WLWÜÜS u! ?YMMD-WU UT
Zlota.
Nach dem Preußifchen Münzfuß (1e 411110
1756 und 1757. imgleichen den
_.____
Nach dem neuen Münzkontrakt vom 2. Juli 1762
wii d :
Ruffifchen Münzfuß: r en gehen
Gehen Und ift Die Mark
auf die Halt?" die feine ?ach der Auf die Halten fein Nath der Geringer Schlechter
Berliner nach er Mark &Ritzing Mark nach der würde Legirung als die an
Mark ?UW aus- 1| er brutto .Aus- ans- halten vorige Procent
brutto munzung gemünzt Gehalt munzung gemünzt
An Achtzehner . 7 Loth . 6 Loth 19 Rthlr. 6 Loth 1 Loth
40 Stück 8 L t 16 Rt l . 40 Stück 23
oder Thmpfe l oh hr 16 Grän 10 Grän 20 Gr. 8 Grän 8 Grän
An 6er 4 Loth 4 Loth 4 Loth 19 Rthlr. 4 Loth
821 18 Rt lt. 821 6 G . 9
Schoftack i /k 16 Grän h 14 Grän /t 10 Grän 20 Gr. 8 Grän r
342 Nr. 59. 60. - 9. Auguft -25. Oktober 1762.
decliniren müffen. fo würde auc h die Ausprägung der Thmpfen um
fo viel ehender vorgenommen werden können. Und damit die aus-
zuprägende Münzforten den feftgefeßten Gehalt genau enthalten. fo
würde Unfer. ohnmaßgeblicher und gehorfamfter Vorfchlag dahin
gehen. daß einige Membra aus E. Hochv. Krieges nnd Domainen
Kammer oder fonften andere auf Eid und Pflicht dahin angewiefen
würden. von jedem Schmelzen eine Tiegel- und Stockprobe ver-
fiegelt zu afferviren und ihr Augenmerk dahin zu richten. damit
der . . k. Jntention in allen Stücken nach gelebet und Höchft Dero
Nußen aufs allerbefte befördert werde.
(Siehe die Tabelle auf Seite 341.)
59. Aabinetts0rder an den Geh. Rat Aöppen über den 'klurs der
neuen Auguftd0r.
Oittmann8d0rf. 9. Auguft 1762.
Abfchrift. Tn. 1171. 29.
Jc h gebe Euch auf Euren Bericht vom 2. diefes hierdurch in
Antwort. daß. obzwar Jc h dem General 1)ire6t01-i0 keine 0räre
wegen der neueften Anguftd'or und wegen Recufirung dererfelben
bei denen Kaffen gegeben habe. Jhr dennoch deshalb in Confideration
ziehen müffet. wie es mit denen 1i7ran6ie18 und dergleichen fo weit
gegangen. daß diefelbediejenige Sachen. fo fie vor mich oder vor
die Armee liefern. unter den Vorwand des geringern Geldes. fo fie
in Bezahlung bekämen. zu gedoppelten und noc h höhern Preifen
gegen die vorige anfchlagen und fic h bezahlen laffen. wie folches die
Rechnungen derer vor diefes Jahr vor die Armee gelieferte Mun-
dirungs- und Gewehr-Stücke ausweifen. Wann nun Jc h hergegen
die ihnen bezahlte Gelder gegen den darauf gefeßten Werth wiederum
vor voll von denenfelben bei meinen Kaffen annehmen foll. fo wäre
darunter gar keine Proportion. indem ic h von ihnen in Gold das-
jenige vor voll annehmen foll. was fie jedoc h ihrerfeits wegen enorm
gerechneter Preife nur eigentlich zur Hälfte angenommen haben.
mithin würde mein Verluft und Schaden dadurc h verdoppelt werden.
Welches Jhr felbft begreifen werdet und alfo dergleichen Bezahlungeu
in den neueften Auguftd'or zu 5 Rthlr. per Stück continuiren
müffet. bis die Zeiten es vergönnen werden. darunter nähere 16611e1.-
611e8 zu thun und alles deshalb wieder in feinen vorigen train zu feßen.
Die fächfifchen Doppelgrofchen. 343_
60. Bericht der Wagdeburgifchen Ariegs- und D0mänenkammer über
den “kinrß der fächfifchen Doppelgrofchen.
magdeburg. 25. Oktober 1762.
Ausfertigung. Tit. L711. 16.
E. K. M. haben. was die kurmärkfche Kammer auf die von
dem Obriften v. Borck gefchehene Anzeige. daß die von dort für die
Landmiliz überfandte fächfifche neue 2 Gr. Stücken hier gar nicht
angenommen werden wollten. unterm 14.11nz.. berichtet. per re-
8cripfl11n vom 20.-ejä. und geftrigem prae8. uns communicieret und
mit Verweifung auf die unterm 27. .l111ii und 15. Zept. n. c. des-
halb an uns ergangenen 01*(1re8 anderweitig . . befohlen. uns dar-
nach auf das genauefte zu achten und die Verfügung zu treffen. daß
diefe 2 Gr. Stücken verordnetermaßen bei den Kaffen in größeren
und folchen Summen angenommen werden. wie es vor diefem mit
den 1 Gr. und 6 Pf. Stücken gefchehen. welche zu 100 und mehr
Thalern dahin gefloffen wären. wie wir denn auch denen Land-
und Steuerräten aufzugeben hätten. die 2 Gr. Stücke bei denen
Kreis- und Accifekaffen unweigerlich annehmen zu laffen. auch den
Zünften in den Städten und den Schulzen in denen Dörfern folches
bekannt zu machen.
Wir ermangeln nicht. hierauf folches . . zu melden. daß wir f'
auf die ergangene Verordnungen wegen ohnweigerlicher Annehmung
der fächfifchen 2 Gr. Stücke im Handel und Wandel nicht allein zu
verfchiedenen wiederholten Malen das nötige an die Land- und
Steuerräte verfüget. fondern auch von dem Magiftrat diefes durch
die Jntelligenzuachrichten bekannt machen laffen. nicht weniger denen
fämtlichen Fiscalen aufgegeben haben. auf die Contravenienten genau
zu vigilieren und folche zur Beftrafung anzuzeigen. Wir haben auch
wegen Annehmung diefer 2 Gr. Stücke bei denen königlichen Kaffen
auf die re8eriptn vom 27. .l111ii und 15. Zeptember das nötige an
die Landrentei und Oberfteuerkaffe. imgleichen an die Land- und
Stenerräte verfüget.
Da wir aber angemerket. daß diefe 2 Gr. Stücken_ bei denen
Accifekaffen gar zu häufig und fonft nichts anders als diefe 2 Gr.
Stücke eingegangen. fo haben wir. da nach Maßgebung des re8ekipti
vom 15. 8e9b. c. E. K. M. Jntention dahin gehet. daß felbige nur
in der Maß. wie vormals die 1 Gr. und 6 Pf.. und alfo nur als
344 Nr. 60) 61. - 25. Oktober-20. November 1762.
Scheidemünze angenommen werden follen. unterm 1. 11uz'ue an die
Steuerräte verfüget. daß diefe 2 Gr. Stücken beim Backen. Brauen.
Branntweinbrennen und Schlachten als kaffenmäßiges Geld ohne
Unterfcheid völlig. bei allen übrigen Säßen aber. wo der Betrag
der Accife 8 Gr. und darüber beträget. in fächfifchen 1/3 Stücken.
was hingegen nach dem Tarif unter 8 Gr. beträget. in 2 und 1 Gr.
Stücken angenommen und bezahlet werden müffe. und hoffen wir.
E. K. M. Abficht hierunter ein Genügen geleiftet zu haben. Diefem
allen ohngeachtet aber weigert fich das Publicum. diefe 2 Gr. Stücke
im Handel und Wandel für voll anzunehmen.
Wir werden nach Möglichkeit auf die Befolgnng der ergangenen
0räre8 halten. wir beforgen aber. daß dieferhalb allerhand Arten
von Unfug und Exceffen noch entftehen dürften. maßen das Land
anjeßo gar zu fehr auf einmal mit diefer Münze überfchwemmet ift
und felbige auswärtig gar keinen Cuts gewinnen. ja fogar felbft in
Berlin nicht einmal angenommen werden wollen. wo hingegen die
fächfifche 1/3 Stücke fich teils durch Einwechfelung und Verfchickung
nach fremden Landen. teils wohl gar durch Einfchmelzung von den
Juden dergeftalt rar machen. daß fie gegen die 2 Gr. Stücke be-
_ reits 24 Procent Agio thun.
Wir haben indeffen anderweit die unweigerliche Annehmung
der 2 Gr. Stücke dem publieo fowohl durch die Jntelligentien und
Zeitungen aufs nachdrücklichfte intimieren als auch denen Land- und
Steuerräten. imgleichen Fiscalen wiederholentlich aufgegeben. hierauf
genau und mit dem größten rig-nenr zu halten. auch die Contra-
venienten zur gebührenden nachdrücklichen Beftrafung als Wider-
fpenftige gegen E. K. M. 0r(l.re8 fofort bei uns anzuzeigen.
Wir wiffen alfo. was den Curs diefer 2 Gr. Stücke befordern
könne. ein mehreres. als gefchehen. nicht zu verfügen. es wäre dann.
daß E. K. M. . . approbierten. daß folche ohne Unterfcheid bei
allen Dero Kaffen als völliges kaffenmäßiges Geld angenommen und
ausgegeben werden follen. woraus aber fogleich entftehen würde.
daß die Kaffen dergeftalt damit überfchwemmet werden würden. daß
gar kein ander Geld einliefe. mithin die fächfifche 1/3 Stücke fich noch
rarer machen würden. Solchen Falls aber würde alsdann auch
nötig fein. daß fowohl die General Domänen- als die General
Krieges-Kaffe angewiefen würden. felbe refpective von der Landrentei
Die fächfifchen Doppelgrofchen und neuen Auguftdor. 345
und der Oberfteuerkaffe gleichfalls ohnweigerlich wieder anzunehmen.
Und da unter den Befchwerden des pnbliei auch mit ift) daß diefe
2 Gr. Stücken weder bei den Poftämtern. noch Stempel- und
Kartenkammer angenommen werden wollten. fo bitten wir zu gleich-
mäßiger Annehmung diefer 2 Gr. Stücke die nötige Verfügung an
ermeldete Kaffen ergehen zu laffen.
61. Berechnung der Ausmünzung der neuen Auguftd0*r.
Berlin. 20. November 1792.
Urfchrift) gez. Knöffel. Nelcker. - Lt. 96. 409. l).
Generalberechnung. wie viel von meäio .l11nii 1761 bis prim0
.l11nii 1762 durch den Herrn Geheimten Rath Köppen zur hiefigen
k. Alten Münze an fein Gold geliefert. ingleichen was an neuen
Gold-MPee8. nämlich Auguftd'or. gepräget und wie felbige wieder
abgegeben worden find:
1) Es wurden alfo an Auguftd'or für 10 765 865 + 17 291 Rthlr. -
10783156 Rthlr. abgeliefert. S. erfter Poften auf S. 346.
1. Bei erfter Ausmünzung ift Beftand an feinem M. Loth Grün
Golde geblieben. . . . . . . . . 6 14 17
Hierzu ferner geliefert . . 19500 - 1/4
19 506 14 171/4
Daraus gezählet:
2. Hieraus ift gemünzt worden. als 131-. 61203 M. Rthlr. Gr. Vi.
10 Loth 9 7 1e. 73/, Grän fein . . . 19 498 - 83/4 10 765 865 - _1)
Aus der Kräße ift fein Gold gekommen . . 34 9 53/4
19 532 9 14:1/2
Ift plug an feinem Golde. . . . . . . 25 10 151/4
3. Bei erfterer Ausmünzung ift Beftand an
Kupferdraht geblieben. . . . . . 12 282 7 -
Hierzu ferner angekauft. . . 38429 12 _-
* 50 712 3 -
Zu der Legirung ift verbraucht worden . 36 921 2 1.1
Noch zum Beftand: 13 791 - 2.3
4. Angekaufter Kupferdraht. derer 88429 M. Rthlr. Gr. Bf.
12 Loth beträgt an Golde . . 32 670 10 6
Münzunkoften . . . . . . . 14 838 13 9
Die . . . 47 509 - 3
Münzunkoften und Kupfer
ziehe ab von oben 47509 - Z
Bleibt: 10718355 23 9
346 Nr. 62. 63. - 16.-17. Dezember 1762.
Rthlr. Gr. Pf.
5. Hierzu kommt ferner das aus der Kräße gekommene feine Gold als
für 34 M. 9 Loth 53/4 Grän s 500 Rthlr. in .4.(1'0r . . . . . 17 291 5 71)
Desgleichen für 52 M. 10 Loth 4 Grän fein Silber ä 30 Rthlr. in S. 1/3 1 579 4 -
Für znrückgebliebenen Weinftein 35 Ctr. 85 Pfd. ir 27 Rthlr. in 1/24 965 20 8
Der Kupferbeftand 13791 M. oder 6895 Pfd.. zu Gelde gerechnet
a15f..Rthrr„........... . 1264118-
Bleibt zu zahlen: 10 750 834 -. -
Hierauf an den Herrn Geheimten Rath Köppen Rthlr. Gr.
laut Quitkungen abgeführt . . . . . . . 10 738 192 6
Der Kupferbeftand . . . . . . . . . . . 12 641 18
1() 75() 834 -- 10 750 834 - --
62. Aabinetts0rder an den Geheimen .U'riegsrat -klöppen über den
neuen Zliünzkontrakt.
Leipzig. l6. Dezember 1762.
Konzept. 11. 96. 409. 1).
Bei der Anzeige. welche Jhr Mir in Eurem heutigen Berichte
wegen des Verlangens derer Münzentreprenenrs bei dem neu zu
fchließenden Müuzcontract gethan und nach welchem fie über die
2 Millionen Schlagefchaß noch 100000 Rthlr. offeriren. will Jc
h
genehmigen. daß in Meinen Landen des jeßige ordinäre Courant
nac h Verlauf von 2 a 3 Monaten nac h gefchehener Ratification des
Contractes bei denen Kaffen nicht mehr angenommen und die anderen
Sorten verboten werden. jedennoc h aber im ordinären Handel und
Wandel noc h courfiren follen. Und da gedachte Entrepreneurs
außer obgedachten 100000 Rthlr. noc h 100000 Rthlr. und alfo
200000 Rthlr. mehr als vorhin und nac h Meinem Zettel geben.
fo deftinire Jc h diefe 200000 Rthlr. zu der baaren Auszahlung
derer Civilbedienten vor inftehendes Jahr. welche noch wirklich am.
Leben fein und dienen und die bisher ihr Tractameut noc h nicht
baar erhalten.
1) Siehe Anmerkung auf Seite 345.
Der Münzkontrakt fiir das Jahr 1763. 347
65. münzkontrakt mit (Lphraim- und Söhnen und Daniel :Ztzig
Leipzig. l7. Dezember 1762.
Ausf. Gez. und gefiegelt Köppen. Ephraim und Söhne. Daniel Jßig.
11. 163. 1. Nr. 99.
Auf S. K. M. allergnädigften Specialbefehl ift mit denen
Münzentrepreneurs Ephraim und Söhnen und Daniel Jßig aber-
mals folgender Contract gefchloßen worden.
Es übernehmen gedachte Entrepreneurs. Eine Million Mark
fein Silber mit dem preußifchen Stempel auszumünzen. und zwar.
nac h beiliegendem Münzfuß:
600000 Mark fein in 8-. 4- und 2 Gr.-Stücken. auc h Thmpfen
und Schoftacken. a 193/4 Rthlr.;
350000 „ „ in 1 Gr.-Stücken. Stüber. Marien- und
Kreuzergeld. a 25 Rthlr.;
50000 „ „. zu 6 Pf.-Stücken. si 30 Rthlr.;
8n. 1000000 Mark fein.
Weil fie aber mit Ausprägung der fächfifchen Münzforten
nicht völlig nach dem vorigen Contract fertig werden können. fo foll
ihnen erlaubet fein. dasjenige Quantum. fo. ohuerachtet genugfamen
Silbervorraths. auszumünzen nicht möglic h gewefen und nac h denen
Extracten der Münz-äireetenr8. auc h der Austaufchungsliften be-
weislic h fein wird. noc h in folgenden drei Monaten in bisherigen
fächfifchen Münzforten. das nachhero noc h manquirende nach Pro-
portion des Geldbetrags aber in preuß. 1 Gr.-Stücken a 25 Rthlr.
per Mark nac h ansmünzen zu dürfen. Jndeffen nimmt diefer Con-
tract eigentlich vom 1. Martii 1763 feinen Anfang und läuft mit
. dem Februar 1764 zu Ende.
An Schlagefchaß zahlen die Entrepreneurs Zwei Millionen
und Einmal Hundert Taufend Thaler. nämlich:
1000000 Rthlr. in preuß. 8-. 4- und 2 Gr.-Stücken;
1100000 „ in fächf. 1/.2 und Neuen Auguftd'or;
2100000 Rthlr.
Wegen erforderlicher Umftände müffen die 1100000 Rthlr.
iu fächf. 2 Gr.-Stücken und Neuen Auguftd'or er äato in Zeit von
8 Wochen 811eee88ire abgeführt. auc h zu Courfirung des branden-
348 Nr. 63. - 17. Dezember 1762.
burgifchen Geldes zugleich 300000 Rthlr. entrichtet werden. der
übrige Schlagefchaß aber jedesmal nach Verlauf zweier Monate. fo
daß mit Ablauf December 1763 alles abgemacht fein muß.
Weil auch . . erlaubet worden. die nach dem alten Contract
noch rückftändige 1450000 Rthlr. Schlagefchaß-Gelder in fächf. 1/12
oder neuen Auguftd'or zu entrichten. fo werden dagegen Einhnndert
Taufend Thaler mehr. folglich 1550000 Rthlr.. jedoch alles in
denen erften fechs Wochen. 811cce88i7e bezahlt.
Bei Abführung k. Gelder zu denen Kaffen foll hiernächft nur
ein Drittel an 1 Gr.-Stücken. zwei Drittel aber in 8-. 4- und
2 Gr. Stücken angenommen werden.
Jn Preußen können die Entrepreneurs zwar gleichfalls die
approbirte Sorten unter preußifchem Stempel zu 19?-/4 Rthlr.
münzen. jedoch nicht anders als zum auswärtigen Debit. und muß
davon nichts zu k. Kaffen kommen. noch im Handel und Wandel
courfiren; Schoftacke aber. zu 18 Rthlr. in Mark fein. werden in
Preußen zu debitiren verftattet. unter Conditionen und benetieee.
wie fie auf andern k. Münzen ftattfinden.
Dahingegen follen auch keine andere fremde Geldforten als
ruffifche Münzen nnd Kreuzthaler. fowie bishero erlaubt. dafelbft
rouliren.
Sollte aber die Kaufmannfchaft zu Königsberg noch beffere
e8pdee8 als etwa zn 16 Rthlr. per Mark. verlangen. fo wollen die
Entrepreneurs darin nach Möglichkeit willfahren. wenn fie das
Silber dazu liefern und per Mark die differirende 2 Rthlr. bonificiren.
Wofern eine Münze ceffiren follte. fo wollen S. K. M. con-
cediren. daß das darauf ausfallende Quantum auf Dero übrigen
Münzen in anno 1764 noch ausgemünzet werden dürfe.
Auf den combinirten Münzen in Bernburg. Plön und Mecklen-
burg müffen keine andere Sorten als nach diefem allergnädigft
approbirten Münzfuß unter preußifchem Stempel ausgeprägt werden.
Damit aber die bisherige fächfifche Münzforten nach und nach
aus S. K. M. Landen zurückgehalten und dagegen das preußifche
Conrant in Cours wieder gebracht werden möge. fo werden S. M.
die allergnädigfte okäke ftellen. daß nach Verlauf von 2 ö- 3 Monaten
in Dero Landen bei Dero Kaffen dergleichen fchlechte fächfifche
Der Münzkontrakt und Münzfuß für das Jahr 1763. 349
Sorten nicht mehr angenommen werden. jedoc h in Handel und
Wandel noch courfiren follen.
Denen Entrepreneurs ftehet übrigens frei. Silber und Gelder.
wenn davon bei diefer oder. jener Münze mehr Vorrath gefchaffet
werden kann. von einer Münze zur andern zu fenden. Auc h werden
ihnen alle 60näiti0ne8. Freiheiten und beneüeia der vorigen Con-
tracte nac h denen ergangenen 0räre8 ohne Ausnahme wieder con*-
firmiret. infofern einige davon durc h anderweitige 0räre8 nicht be-
reits wieder aufgehoben find.
Da auch die Münzentrepreneurs über verfchiedene Münz-
officianten fic h befchweret. daß fie ihr Devoir in mancherlei Um-
ftänden. befonders in Pouffirung der Ausmünzung. möglicher
Menagirung der Unkoften und nöthiger Verfchwiegenheit. nicht be-
obachtet haben. fo geftatten S. K. M.. daß die Entrepreneurs bei
jeder Münze jemanden zu Obfervirung der Oekonomie und nöthiger
Ordnung auf ihre Koften feßen und autorifiren mögen.
[Münzfuß.]
Da S. K. M. denen Münzentrepreneurs Ephraim und Söhnen
und Daniel Jßig Dero fämmtliche Münzen fernerweitig überlaffen.
und zwar auf deren eigenen allerunterthänigft gethanen Vorfchlag.
*fo daß vom 1. April 1763 an preußifc h Geld nach folgendem
Münzfuß:
Neue Friedr.d'or nach dem alten Fuß. die rohe Mark 175 Thlr. xi. 15 Karat 5 Grän.
Zu 193/4 die Mark fein:
Thlr. Gr. Pf. Loth Grün
8 Gr.-Stücke. auf die rohe Mark 9 21 - halten fein . . 8 -
4 .. .. .. i. '. ' 7 9 9 .. '. . . 6 _
2 . . 11 '' ') . . - 6 _ 10 11 '' - 4 L6
.. '. .. .. ' 8 -_- .. .. ' 6 9
Schoftacke „ „ „ „ . . . 5 1 91/2 „ „ . 4 2
Zu 25 Thlr. die Mark fein; _
1 Gr.-Stücke. auf die rohe Mark . . . 5 - 10 halten fein. . 3 4
2 Mariengrofchen-Stücke. auf die rohe Mark 5 - 10 „ „ . 3 4
3 Kreuzer-Stücke. auf die rohe Mark. . 5 21 8 „ „ . 3 14
1 und 2 Stüber-Stücke. auf die rohe Mark 3 17 7 „ „ . 2 7
Zu 30 Thlr. die Mark fein:
6 Pf.-Stücke. auf die rohe Mark . . . 3 18 - halten fein .
. 3 18 - „ „ . . 2 -
1x--
|
8 i' '' )) '' 1'
350 Nr. 64.
Jn Königsberg ä 16 Thlr. die Mark fein:
Thlr. Gr. Pf. Loth Grän
Thmpfe. auf die rohe Mark. . . . . 8 - - halten fein . . 8 -
In Königsberg ä 18 Thlr. die Mark fein:
Schoftacke. auf die rohe Mark . . . . 5 15 - halten fein . . 5 -
Alte Friedrd'or 175 Thlr. eine Motto-Mark. und hält fein 21 Karat 9 Grän.
Kupferne preuß. 3 Pf.-Stücke und polnifche Grofchen nach ihrem bisherigen Fuß
5 1 Thlr. 4 Gr. pro Pfd.. von welchen beiden letzten Sorten nichts in Rechnung
zu bringen ift -
ausgemünzt werden foll. fo haben die Münz-äireetore8 die Beob-
achtung diefes Münzfußes genau wahrzunehmen und dahin zu fehen.
daß derfelbe auf keinerlei Art und Weife überfchritten werde. auch
daß eben diefelbe Stückelung. Befchickung. Remedium und Annehmung
der Silber-und Goldforten. wie in den bisherigen Contracten feft-
gefeßt ift. obferviret werde. Außerdem aber und in übrigen Dingen
foll alles von derer Münzentrepreneurs Veranftaltung dependiren;
-wie denn denenfelben freiftehen foll. bei jeder Münze einen be-
eidigten Mann zu conftituiren. der auf Pouffirung des Münzwefens.
gute Oekonomie und- überhaupt auf alle nöthige Ordnung etr-icte
halte. Wornach alfa die Münz-äireetore8. Münzmeifter und alle
Officianten fich genau zu achten haben. Leipzig. den 17. De-
cember 1762.
Folgt die Natifikation des Königs. Leipzig. den 17. Dezember 1762.
64. Anß einem Extrakt über die im Jahre 1762 aus Feindesland
gezogenen Aontributionsgelder.
11er). 96. 425. (1. c.
Sortenzettel
über die von des Herzogs von Bevern Durchl. in Oberfchlefien und dem Mährifchen
beigetriebene 80 193 fl. 19 Ar. 51/5 Hlr. oder 53 462 Rthlr. 5 Gr. 3"/,5 Pf.
Contiibutionsgelder.
Nr. Rthlr. Ggr. Pf.
1. 5331/2 Stück Carolinen ä 6 Rthlr. 12 Zr.. 3272 3 2"/5
2. 363 Stück Maxd'ors a 4 Rthlr. 8 Zr. . . . . . . . 1486 7 53/5
Zn übertragen: 4758 10 8
Sortenzettel der oberfwlefifch-mährifchen Kriegskontribntion. 351
Nr. Rthlr. Ggr. Pf.
Ãœbertrag: 4758 10 8
3. 508 Stück Souverains i1- 81/4 Rthlr. - Zr. 4194 Rthlr. - Zr. -
Hierzu die an den Herrn Kriegcsrath v. Nor-
mann zum Tractament pl'0 Zeptelnbr1 et
0et0bri 1762 bezahlte l() Stück oder 82 Rthlr. 12 Zr. 4273 l2 -
4. 705 Stück Ducaten ä 23/4 Rthlrq worunter aber 62 Stück. welche von
1 bis 7 Aß zu leichte. . . . . . . . . . . . . 1938 18 -
5. 7 Stück .fpanifche Quadrupleftücken tr 20 Rthlr. 140 - -
6. *tl/2 Stück Louisd'ors ?a 5 Nthlr. . . . . 22 12 -
7. 51 Stück Friedr.- und alte Anguftd'ors 5 5 Gr.. 255 - -
8. 13 Stück Harte Thaler 5 11/3 Rthlr.. 17 8 q
9. 75 ganze und halbe Gulden ö- 16 Gr. . . . . . . . . 5() - -
Dem Herrn Kriegesrath v. Normann find zu Completirung des
Tractaments pro Zeptembrj et 0(-t0bri 1762 bezahlet worden 15 16 -
10. An 20 Zr. Stücken. . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 8 -
11. 7 Stück Baireuthfche Thaler. 7 - --
12. An 17 Zr. Stücken. 1807 12 31/5
13. „ 7 Zr. Stücken . 462 - -
14. „ pri-aß. Courant. 139 - -
15. „ neuen Augufid'ors. 8340 - -
16. „ Thmpfen. . 98 - -
17. „ fächfifchen 1.5teln 1392 - -
18. „ füchfifchen 2 Sgr. Stücken 440 - -
19. „ füchfifchen Ggr. Stücken . 644 22 -
20. „ fächfifchen Sgr. Stücken . 132 - _
21. „ Kreuzern und Gröfcheln . . ; . . . . . . . . . . . 1429 1 48/15
22. „ bernburgfchen. anhalt-Plönfchen. mecklenburgifchen . füzwedifchen und
ansbachfchen 8 und 4 Ggr. Stücken . . . . . . . 17 689 8 -
23. „ Kupferkreuzern . . . . . . . . 1386 21 -
45 462 5 3"/15
Hierzu die durch verfchiedene Wechfel in Breslau eingezogene. 8000 - -
Zurnma der ganzen Contribution: 53462 5 311
oder 80193 fl. 19 Zr. 51/2 Hlr.
852 Nr. 64. 65. - 6. Januar 1763.
' Sortenzettel
über die von dem Herrn Generallieutenant v. Werner im Tefchenfchen beigetriebene
9001 fl. 4 2r. oder 6000 Rthlr. 17 Ggr. */5 Bf. Contributionsgelder.
Nr. Rthlr. Ggr. Bf.
1. 287 Stück Souverains 9 8l/4 Rthlr. . . . . . . . 2367 18 -
2. 111 „ ordinaire Ducaten ü 2N Rthlr. . . . . . 305 6 -
3. 10 „ Cremnißer Ducaten 9 4 fl. 12 Lr. . . . . 28 - _-
4. 2 Lonisd'ors 9- 5 Rthlr. . . . . . . . . . . . 10 - -
5. 1 doppelter Lüneburger . . . . . . . . . . . 10 - -
6. 2 alte Friedrichsd'ors ir 5 Rthlr. . . . . . . . . 10 - -
7. 4 neue Friedrichsd'ors 9- 5 Rthlr. . . . . . . . . 20 - -
8. 271/4 Stück Carolinen 9 9 fl. 12 Zr. . . . . . . . 167 3 271/5
9.10Maxd'orsir6fl.8L(r........... 40 214
10. 5 Stück neue Augnftd'ors ä 5 Rthlr. . . . . . . . 25 - -
11. An 17 Zr. Stücken . . . . . . .- . . . . . . 447 16 -
12. „ 7 Zr. z . . . . . . . . . . . . . 229 21 4
13. z kaiferlichen und baherfcven Sgr. Stücken . . . . 217 16 -
14. „ Kreuzerftücken . . . . . . . . . . 118 10 7!/5
15. „ Gröfcheln . . . . . . . . . . . . . . . 241 8 44/5
16. Neues preuß. Courant . . . . . . . . . . . . 854 16 -
17. Preußifche 2 Ggr. Stücken . . . . . . . . . . 23 8 _
18. „ Ggr. Stücken . . . . . . . . . . . 11 7 -
19. „ 2 Sgr. Stücken . . . . . . . . . . 50 8 -
20. „ Thuipfe . . . . . . . . . . . . . 169 - --
21. Neue fät'hfifche Thmpfe. 7 19 22/5
22. „ „ 2 Sgr. Stücken 2 16 -
23. „ „ 1 Ggr. „ . . . . 4 18 _-
24. „ 1Sgr. „ 8_-
25. Bernburgifche. fchwedifche und mecklenburgifche 8 Ggr.
Stücken . . . . . . . . . . . . . . . 112 - -
26. Melirte 17/6) als baireuth, mecklenburg. bernburg..
fchwedifche p. . . . . . . . . . . . . . 507 4 -
27. Bairenther und hildburgbaufenfche 2 Ggr. Stücken . . 10 16 -
Zitrnrna: 6000 17 4/5
oder 9001 fl. 4 Lr.
Das Aufgeld der neuen Münzen nach 193/4-Talerfuß. 353
65. Aabinettsorder an den Geh. Finanzrat Urfinus über Befchränkung
des Aufgeldes der neuen münzen.
Leipzig. 6. Januar 1765.
Ausfertigung. Gen.-Dep. 1.1111. Nr. 5.
Nachdem durch die bisherige geringhaltige Münß Sorten.
welche beh Meinen Caffen fowohl. als in Handel und Wandel con-
fiftiret haben. fic h viele inc-.0ureniences geäußert und unter andern
auc h die Waaren beh Kaufleuten fowohl_ als bel) denen Profeffio-
niften zu nnerträglichen Prehfen gefteigert und das publiemn da-
durc h in große Verlegenheit gefeßet worden. fo habe Jc h bereits
disponiret. daß mit den forderfamften wiederum eine hinlängliche
Quantität an Silber-Münßen von denen 8 Gr. und 4 Gr. Stücken
ausgemünßet und unter das publienm nac h und nac h im course
gebracht. inzwifchen aber beh allen Meinen Caffen. es fer) Domainen-
oder Krieges-Gefälle. Steuren. Accifen. Poft und allen übrigen
rerenue vom 1. des künftigen Monates .lunii an zu rechnen. keine
andere als diefe Silber-Münßen angenommen. die fogenaunte Leip-
ziger 1/Z Stücke und dergleichen aber beh der Einnahme derer
Caffen nicht weiter angenommen werden follen. Daferne jedennoc
h
vorerft _das publieum nicht fogleic h mit der erforderlichen guantitc'z
von diefen guten 8 Gr. Stücken verfehen werden könnte. fo follen
zwar gedachte Leipziger 1/3 Stücke vorerft und bis dahin bei) Meinen
Caffen noch mit angenommen werden. vom 1. .luuii an jedoc h nicht
anders. als daß die Contribuenten zugleic h ein billiges Agio nac
h
ihrer Verhältniß gegen erwähnte gute 8 Gr. Stücken zugleic h mit
bezahlen müßen. Welches Agio Mir dann bei allen Caffen be-
fonders und genau berechnet werden muß.
Da aber auc h zu beforgen ftehet. daß beh diefer Meiner
Landes Väterlichen Jntention es wie vorhin gefchehen dörfte. daß
beh der eingerißeuen Gewinnfucht und Geld Wuchereh abermalen
allerhand Leute Gelegenheit nehmen möchten. das publienm und
die Armuth dadurc h von neuen zu bedrücken. wenn felbige fich von
diefen guten Silbermünßen möglichft empariren und. da keine andern
Silber Gelder als diefe beh Meinen Caffen eingenommen werden
follen. fo dann die zeither faft allgemein geworden Leipziger 1/3
dergeftalt im e0urse herunter zu feßen. daß das publienm wieder-
.Aet8 130ru88ioa. Münzwefen 1ll. LZ
354 Nr. 65. 66. - 6.-17. Januar 1763.
um einen übermäßigen Verluft daran leiden würde. fo habe Jch.
um diefen vorzubeugen. zugleic h refolviret. Euc h befonders zu
committiren und zu authorifiren. wie Jc h Euc h denn Kraf-ft diefes
dazu benenne und authorifire. daß Jhr das Auge darauf haben und
darauf vigiliren follet. daß dergleichen Wucher nicht geftattet. fondern
vielmehr. da oberwehnte gute 1/3 Stücken im innerlichen Gehalt
beßer fehnd. beh deren Auswechfelung gegen die bisherigen Leip-
ziger 1/3 nur ein Billiges und proportionirte [fo] Agio genommen.
alle andere Wuchereh darunter aber. ohne weitläuftige koftbare
Unterfuchungen deshalb anzuftellen. beftrafet werden müße; damit
auf diefe Arth das pubiienm fic h nach und nach. und fonder über-
mäßigen Verluft. gedachter Leipziger 1/3. fo vorerft noc h im Handel
und Wandel gedultet werden müßen. loß machen könne.
Es wird Euc h der Geheime Rath Köppen die 616118111n111
eoneernentem aus den Münß Contract wegen Ausmünßung diefer
guten Silbermünze zu communiciren haben. wie es mit der An-
nehmung beh denen Caffen eigentlic h zu halten. auc h die Verfügung
beh Meinen Münßen treffen müßen. damit beh folchen allemahl
gnugfame gute 8 Gr. Stücken vorräthig fehn. um die Leipziger
gegen ein billiges Agio auszuwechfeln.
Beh der Ausgabe beh denen Caffen werden die Leipziger 1/3
vorerft noc h einige Zeit mit nachgegeben werden müßen; damit aber
die Rendanten und Caffen Bedienten darunter keine Unterfchleife
machen können. fo follet Jhr darauf fehen. daß folche allemahl
richtige Sorten-Zettul halten. auc h in den Quitungen die Müritz
Sorten genau bemerket werden müßen; zu dem Ende Jhr Euc
h
derer Caffen Vifitationen mit unterziehen müßet.
Endlic h lieget Euc h ob. daß Jhr alsdenn dafür ftehet und die
Policeh dahin anhaltet. damit die Kaufleute und Handwerker. wenn
fie in erwehnten guten Silbermünßen gezahlet werden. nicht ihre
Waaren und Sachen in fo exorbitanten Prehfen. wie fie es bisher
unter den Pretext derer fchlechthaltigen Müuß Sorten zum großen
Bedruck des publiei und der Armuth gethan haben. fondern folche
auf moderatere und billige Prehfe. wie vorhin beh den guten Gelde.
reduciren müßen. Welches denn auc h wegen des Getrehdes. Holßes
und wegen der denen Fabricanten benöthigten Wolle. auc h überall
Das Aufgeld der neuen Münzen nach 193/.-Talerfuß. 355
wegen der Confumtibilien. (1en16e8 und Victualien gefchehen. und
darauf ein wachfames Auge gehalten werden muß.
Jhr habt Euch alfo darnach pflichtmäßig zu achten und dabeh
fowohl auf die Erhaltung Meines Münß Jntereffe fowohl. als das
Befte des publiei zu fehen. damit behdes mit einander zugleich auf-
recht erhalten werden müße.
66. Jmmediatbericht des Geh. Finanzrats Urfinus über Aufgeld des
befferen Geldes.
Berlin. l7. Januar 1765.
Ausfertigung. Gen-Dep. lNZZ. Nr. 5.
Da E. K. M. . . refolvieret. zum Beften Dero getreuen
Unterthanen gute Silbermünzen fchlagen zu laffen. fo haben Höchft-
diefelbe mir unterm 6. 11uju8 . . befohlen. wie es mit denen jeßo
kurfierenden Münzen in Dero Kaffen und Handel und Wandel ge-
halten werden foll.
E. K. M. landesväterliche Jntention gehet dahin. die Ver-
änderung des Münzwefens Dero getreuen Unterthanen fo erträglich
als möglich zu machen. und weil die gute Sorten nicht fogleich in
hinreichender guantite vorhanden fein dürften. denen fächfifchen
1/Ztel neben dem guten Gelde annoch eine Zeit lang Kurs zu laffen.
Jch halte mich verpflichtet. E. K. M. . . vorzuftelleu. daß
Dero höchftes Jntereffe fowohl bei dem Münzregal. als Kaffen mit
dem Wohl Dero getreuen Unterthanen auf das genaufte verbunden
und E. K. M. habender heilfamer Zweck leichter und gefchwinder.
als es den Anfchein hat. zu erreichen ift.
Denn 1. machen die Münzentreprenneurs fich anheifchig. nicht
nur gegen den 1. .lunii als den von E. K. M. gefeßten Termin.
fondern gegen den 1. April. als umb welchen Termin der gänzliche
Kurs des preußifchen Geldes bei E. K. M. fämmtlichen Kaffen ihnen
in ihren neuerlichen Münzkontrakt ftipulieret worden. die guten
Sorten in hinreichender quantite. fowohl zur Zahlung in Höchft
Dero Kaffen. als zum Handel und Wandel herbeizufchaffen. mithin
ift kein Mangel an guten Gelde zu beforgen.
2. Sind die fächfifchen 1/3 nach ihrem innerlichen Gehalt be-
reits bis auf eine Kleinigkeit gefallen. Jedermann nimmt fie in diefer
23*
356 Nr. 66. - 17. .Januar 1763.
Proportion ein und giebt fie in gleicher Maße aus. folglic h ift
daran kein würklicher Verluft. Sobald die guten Sorten in Kurs
kommen und die fähfifche 1/3 verdrängen. können diefe nur noc h um
ein weniges. was den Befißern nicht sen8ib1e ift. heruntergehen; fo-
dann verfchwinden fie durc h das Einfchmelzen in kurzer Zeit von
felbft und die gute Sorten kommen ohne Jemandes merklichen
Schaden in ihre Stelle.
Dahingegen. wenn ein Agio unter dem würklichen Gehalt feft-
gefeßet wird. fo find die ohnfehlbare Folgen. daß:
1. fic h die Wechfler der guten Sorten gegen diefes geringere Agio
emparieren. folche mit foviel Procent Vorteil. als die Agio
gegen den Gehalt differieret. fchmelzen werden. und könnte an
guten Gelde nicht fo viel gemünzet werden. als fic h wieder
verlöre.
2. Würden die Ausländer hievon profitieren und alle außerhalb
Landes befindliche fächfifche 1/3 in E. K. M.-Land wieder
durchdringen und enorme Summen zum Vorteil der Fremden
verloren gehen. Ja es würden
3. Wenn auf den eigentlichen Gehalt der fächfifchen 1/3 nicht
attendieret wird. die unter fächfifchen Stempel zu Plön. Hild--
burgshaufen und anderwärts gefchlagene geringhaltigere 8 Gr.
Stücken fic h mit einfchleichen.
4. Jft nicht möglich. dem Anskippen der fchwereften vorzubeugen
und blieben die leichtern zurück und dem p1151i60 zur Laft.
Endlich müßte *
5. Wenn folchergeftalt Niemand die fächfifchen 1/3 fchmelzen könnte.
deren Kurs perpetuieret und der vorgefeßte Zweck entfernet werden.
So wie ein gar zu niedriges Agio die guten Sorten wegrafft.
fo würde dagegen ein gar zu hohes. wenn die fächfifche 1/3 weit
unter ihren Gehalt kämen. folche zwar fehr bald. aber zum großen
Schaden der Jnhaber und Vorteil der Wechfler wegfchaffen.
Deshalb ift meines . . Ermeffens E. K. M. . . Jntereffe und
dem publieo am zuträglichften. daß die gute Sorten in Kurs
kommen. ohne daß die fächfifche 1/3 durch Verordnung reducieret.
oder ein Agio feftgefeßet werde und die fächfifche 1/3 60nni7en(10
mit dem preußifchen Geld in Handel und Wandel roulieren. bis
erftere fic h von felbft verlieren. Wenn aber gute und fchlechte
Das Aufgeld der neuen Münzen nach 193/4-Talerfuß. 357
Münzen mit einander kurfieren. fo wird die fchlechte allemal zum
Handel gebraucht. Es würde fich daher die Sache mit den fächfi-
fchen 1/3 zu -fehr in die Länge ziehen. wenn deren Kurs ganz frei
wäre. Deshalb müßte fonder . . Maßgebung alles Hauptverkehr
als: der Verkauf von Jmmobilien. Zahlung von Wechfeln und Qbli-
gationen. auch Zinfen bei der Landfchaft und überall. fürnehmlich
aber der Verkauf der uötigften Sachen. als Getreide. Holz und
Wolle in keinen andern als preußifchen Gelde gefchehen. Sonft
kommt das gute Geld nicht in Jedermanns. auch nicht in der Land-
lente Hände. das Agiotieren continuieret und der Teurung wird
nicht abgeholfen.
Sind die guten Sorten in aller Leute Händen. fo fällt es
Niemauden fchwer. feine Abgaben in guten Gelde zu entrichten;
mithin können E. K. M. Revenuen gar füglich fämmtlich in guten
Gelde eingehen. Es wird diefes felbft zum Beften des pnbliei. er-
fordert. weil die Annehmung der fchlechten Sorten in den Kaffen
deren Dauer und die daraus entftehende Teurung verlängert. So-
dann werden auch die Preife proportionierlich fallen. worunter die
Polizei. da jeßo die allerfchlechteften Sorten kurfieren und die Zu-
fuhr bei diefen fchweren Zeiten gehemmt ift. bishero wohl nicht
remedieren können. jedoch wegen einiger bis zum Exceß im Preife
geftiegenen nkï¬elen nach E. K. M. höchften Jntention ohne Anftand
Remedur gefchaffet werden foll. Bei der vorfeienden oder in der
Folge doch unvermeidlichen Veränderung leidet derjenige am meiften.
der bei dem fucceffiven Fall der fchlechten Sorten folche am längften
und zuleßt hat. So würde es auch derjenigen Provinz ergehen.
die fich damit verfpätete. Da nun E. K. M. in der unterm
7. 11uj. an das Generaldirectorium erlaffenen 01me . . befohlen.
es follte in Pommern und Neumark das fächfifche Geld etwas länger
Kurs haben. fo muß ich . . anheimftellen: ob nach Vorangeführten
diefe Provinzien. anftatt daß E. K. M. folche zu foulagieren die
höchfte Abficht haben. hierunter nicht vielmehr empfindlich leiden
würden. da fie fich von den fchlechteren Sorten hiernächft nicht
debaraffieren können. indem fie auf einer Seite an E. K. M. übrige
Lande. wo das fchlechte Geld vorhero außer Kurs und ihnen auf
den Hals kommt. und auf der andern an Polen. wo es fchon nicht
mehr gilt. grenzen.
358 Nr. 67. - 31. Januar 1763.
So leicht E. K. M. landesväterliche Jntention bei Supri-
mierung der fächfifchen 1/3 zu erreichen. fo fchwer ift folches mit
denen unter dem Gehalt der fächfifchen 1/3 ausgeprägten Auguftd'or.
2 und 1 Grofchenftücken ohne Höchftderofelben und Dero Unter-
thanen Schaden zu effectuieren. Der Verluft an diefen Sorten ift
zu groß und1) daher zu verhüten. daß felbe nicht mit einmal. fondern
811cce88i7e fallen und der Verluft unmerklich werde.
Des Endes und damit zur Zeit der Abänderung E. K. M.
Kaffen mit dergleichen Sorten nicht befchweret fein mögen. würde
fonder . . Maßgebung unumgänglich nötig fein. daß von jeßo an
bei den Kaffen außer denen Gefällen. fo in preußifchen Gelde bei
den Zöllen. Accifen und Domainen einkommen. nichts als fächfifche
1/3 angenommen und die Einnahme der 2 und 1 Grofchenftücke
fiftiret würde. Nur wären in Ermanglung der Scheidemünzen die
Grofchen zu Completirung der Summen nur fo lange beizubehalten.
bis zu dem annoch näher zu determinierenden Termin die Münz-
entreprenneurs nach ihrem gleichmäßigen Engagement zugleich der-
gleichen Scheidemünze unter preußifchen Stempel herbeifchaffen.
Übrigens aber die jeßo vorrätige geringere Sorten bei allen
E. K. M. Kaffeu bald möglichft an Lieferanten und zu fonft etwa
noch zu bezahlenden Schulden auszugeben.
Jch muß billig anftehen. E. K. M. mit mehrern und weit-
läuftigeru Detail. welches ohnedem in einem fchriftlichen Bericht fich
nicht wohl faffen läßt. zu behelligen. Werde übrigens dem. was
Höchftdiefelben mir wegen Vifitation der Kaffen und fonft . . an-
befohlen. auf das exactefte . . nachleben und E. K. M. nähere
höchfte Entfchließungen und Befehle über meine . . Vorfchläge in
tiefefter Erniedrigung gewärtigen.
67. pr0menr0ria des Zliinifterß v. Ichlabrendorff über den Bericht
des Seheimrats Urfinus. betr. da5 Aufgeld der befferen münzen.
Breslau, 51. Januar 1765.
Urfchrift. 1T. 96. 409. 1).
14(l 2(111111 Jft mir zwar nicht bekannt. welcher Termin denen
Münzentrepreneurs ftipuliret worden. da das preußifche Geld bei
1) Es muß wohl heißen: „um“ ftatt „und“.
Das Aufgeld der neuen Münzen nach 19Z/4-Talerfuß. 359
fämmtlichen k. Kaffen courfiren folle. Wann aber die Entrepreneurs
fich obligiret. diefe Geldforten in hinlänglicher Quantität zu fchaffen.
fo ift nöthig. einen genauen und zuverläffigen Ueberfchlag zu machen
und näher zu determiniren. wie viel die Entrepreneurs eine geraume
Zeit vorher fowohl für die Kaffen als zur Auszahlung ins Commer-
cium fertig haben und rouliren laffen wollen. Denn wann man
_nur eine monatliche Revenue von allen Kaffen in S. M. Provinzien
annehmen will. fo wird folches ein fehr beträchtliches Quantum aus-
machen. ohne zu bedenken. was zum (301n1ne1-ci0 und innerlichen
Landesverkehr gehöret. deffen Summa ich ohnmöglich zu determiniren
vermag. Daferne aber dasjenige gegründet ift. was ich äußerlich
vernommen. daß nämlich die Entrepreneurs nur in Vrandenburgfchen
1/3-Stücken eine Million an Schlagefchaß. das übrige aber in
fchlechteren Especen bezahlen würden. und ich dahingeftellet fein
laffen muß. ob diefe eine Million preußifche 1/3 Schlagefchaß prae-
nnrneranäo gegeben wird. fo läßt fich leicht fchließen. daß folches
Quantum guten Geldes nicht einmal für die Kaffen. gefchweige für
das Publicum hinlänglich fei. Ja. wenn ferner demjenigen zu
glauben. was von dem ganzen Quanto. fo in preußifchem Gelde
ausgepräget werden foll. gefagt wird. fo würde diefes Quantum
zum Verkehr für fämmtliche königliche Provinzien nicht hinlänglich
fein. ohngeachtet es ein 8nrrogatnm derer zu verdringender fächfifchen
1/3-Stücke heißen foll und folglich in diefer Betrachtung in der
Maße billig vorhanden fein müßte. als dadurch das 8nrrog-nn8 ver-
dränget werden foll.
.4ä 3611111 Sind zwar. fo viel ich mich belehren können. die
fächfifche 1/3-Stücke zur Zeit allhier fchon über ihren innerlichen
7n1em. gefallen. weil folche fchon bis 56 Procent gegen preußifche
1/3 Agio thun; und wann fie künftig nicht mehr bei denen k. Kaffen
genommen werden und ein jeder preußifche 1/3 haben muß. deren
doch fehr wenig mehr im Lande exiftiren. wie dafür gehalten wird.
bis 70 und 80 Procent zum tareur der Münze herunterfallen
werden. fo verlieret das Publicum an die 20 bis 30 Procent über
ihren wahren Gehalt. welche entweder der Wechsler oder die Münze
profitiret. mithin für diejenigen. fo von dem Geldwechfel keine Pro-
feffion machen. das Mittel weit naihtheiliger als die Krankheit
felbft fein würde.
Z6() Nr. 67. - 31. Januar 1763.
.4x1 41311111 usgue 13d111m inelusire ift allerdings beffer. um
alles Agiotiren und alle Verfuren bei denen vielen entfernten
Specialkaffeu. fo bei der ftrengften Aufficht nicht zu überfehen find.
zu verhüten. daß keine andere als brandenburgifche Especen bei
denen Kaffen angenommen werden. vieler anderen von dem Herrn
Geheimten Rath Urfinus dabei angeführten wichtigen Confiderationen
zu gefchweigen; wie denn auc h der Herr Kriegesrath Viebig in an-
liegendem Promemoria diefer Meinung ift. Es wird aber hiebei
vorausgefeßt. daß preußifche Münzforten in fämmtlichen k. Provin-
zien in hinlänglicher Quantität vor Eintritt des zu benennenden
termini vorräthig find. indem fonft das Land einen ganz enormen
Verluft wegen des zu hoc h und über den wahren Werth der fächfi-
fchen 1/3 heruntergefeßten Gehalts exponiret fein dürfte. maßen nicht
ein jeder fo wie ein Kaufmann bei Annahme dergleichen fächfifchen
1/3-Stücke auf deren Gehalt balanciren und fic h darunter bei dem
Waarenauffchlag wegen künftiger Devalvation profpiciren kann.
Meines Dafürhaltens würde kein befferes Mittel fein. das Publicum
zu menagiren und dem Wucher der Wechsler. Kipper und Wipper
Grenzen zu feßen. als wann das Gewicht. wie viel zum Exempel
100 Rthlr. fächfifche 1/3 Mark wiegen follen. determiniret und dem
publie0 bekanntgemacht würde. wie viel dafür von der k. Münze
nach dem wahren innerlichen Gehalt in brandenburgifchen 1/_„,-Stücken
bezahlet werden folle; denn die preußifchen 1 Gr.- und 6 Pf.-
Stücke werden als Scheidemünze doc h vermuthlic h von geringerm
innerlichen Gehalt als die 1/g-Stücke fein und müffen dahero nicht
pr0mieeue genommen und confundiret werden. Das Publicum be-
hielte die Freiheit. folche dahin abzuliefern. ohne zu risquiren. daß
folche im Agiotiren von Woche zu Woche über ihren wahren Werth
heruntergefeßt würden.
Die Münze aber müßte beordert werden. dergleichen Gelder
um den Saß des determinirten Werths und gegen beftimmtes Ge-
wicht anzunehmen; bei welchen Umftänden weder diefe noch der Ab-
lieferer des Geldes das mindefte weiter litte. als. nachdem dergleichen
Gelder einmal außer cours gefeßet werden follen. nac h diefen Zeit-
läuften gelitten werden muß. ohne daß gewinnfüchtige Kaufleute
und Wechsler fic h weiter mit der Armuth des publiei bereichern
könnten.
Das Aufgeld der neuen Münzen nac h 193/.-Talerfuß. 361
4ä 15W)) Würde bei Fixirung des termini zur Annahme
preußifcher 1/3-Stücke bei denen k. Kaffen auc h in Betrachtung zu
ziehen nöthig fein. daß vorher eine hinlängliche qnnntite von
brandenburgifchen Grofchen und 6 Pf.-Stücken vorhanden.
Denn wann fächfifche 1 Gr.-Stücke in Ermangelung der
brandenburgifchen für voll angenommen werden follten. welche
meines Wiffens doc h nac h dem innerlichen Gehalt noc h fchlechter als
fächfifche 1/3 find. fo müßten folche auc h wiederum vor voll von
denen Kaffen ausgegeben werden. und dadurc h wird meines Er-
achtens das Agiotireu von neuem introduciret.
Denn wie würde zum Exempel zu verhüten fein. daß ein
Capitän. der einen Theil feiner Verpflegung in fächfifchen 1 Gr..
den Reft aber in preußifchen 1/3 erhielte. leßtere nicht beim Banquier
umfeße und denen Soldaten die Verpflegung in fächfifchen 1 Gr.-
Stücken bezahle oder auc h der Soldat folches mit dem zu erhalten-
den preußifchen 1/Z-Stück felbft thue? Wodurc h das gute Geld
wiederum in die Hände der Wechsler käme. das Publicum aber. fo
feine 0nerer in preußifchem Gelde bezahlen follte. nac h wie vor mit
fchlechtem Gelde beladen werden und auch wieder in der Wechsler
Hände fallen würde. wann es zu denen Kaffen-praemanäie preußi-
fches Geld benöthiget fei. mithin auc h hier wieder einem Verluft
nicht entgehen können. zuleßt aber bei der Verfchiedenheit der Con-
tribnenten ganz enerviret werden müßte; daher nicht beffer diefem
Unwefen zu fteuern. als wenn. wie ehedem. nur Geld von einerlei
7nleur in denen Kaffen circuliret.
Schließlic h kann ic h hiebei nicht unberührt laffen. daß S. K. M.
am Ende bei der Münzveränderung allemal einigen Verluft in Con-
fideration des vorigen Gewinnftes zu übernehmen geruhen würden.
weil natürlicher Weife bei allen Kaffen vor dem fixirten Termin und
fo lange fchlechtere Sorten in Bezahlungen angenommen werden
müffen. doc h Beftände nicht zu evitiren find. welche man nachher
nicht weiter vor voll ausgeben kann. Ob nun folche mit befferem
Vortheil in denen Münzen oder auswärtig durch Umfchläge an-
zubringen fein werden. vermag ic h nicht zu judiciren. fondern über-
laffe folches lediglic h erleuchteter Einficht.
362 Nr. 68. 69. - 7. März 1763.
68. Aabinettsorder an das Generaldirektorium gegen Aipperei und
über den Aurs der brandenburgifchen und fächfifchen münzen.
Dahlen. 7. märz 1765.
Abfchrift. Tit. Z711. 26.
Da S. K. M. alle Urfache haben zu beforgen. daß. wann
hieruächft die guten brandenburgifchen 1/3 Stücken. welche diefelbe
jeßo ausmünzen laffen. im Kurs und zur Circulation im Lande
kommen werden. fodann auch damit gewinnfüchtige fowohl Chriften
als Juden in den zeither fehr eingeriffenen Kippen und Wippen
zum größten Schaden des publiei und zum Betrug derer Kaffen
nach als vor auc h mit obgedachten Münzen zu continuieren fic
h
unternehmen werden. fo befehlen Sie Dero General Direetol-io
hierdurch. die Verfügung zu thun. damit bei keiner einzigen Kaffe
künftighin das preußifche Geld anders. als wenn es das volle
Münzgewicht hat. angenommen. was aber leichter ift. der Münze
zum Einfchmelzen zugefandt werden foll. Wann auch nach S. K. M.
Dispofition forthin und vom 1. .lnuii diefes Jahres an zu rechnen
nur blos gedachte brandeuburgifche 1'/3 Stücke kurfieren und ge-
nommen werden follen. fo wollen S. K. M. zwar gefchehen laffen.
daß. wenn andere geringhaltige Gelder und Leipziger 1/3 Stücke da-
bei eingehen und gegen das darauf gefeßte Agio angenommen
werden. folche alsdenn der Münze zum Umfeßen und refp. Ein-
fchmelzen abgeliefert werden. jedennoch aber nicht anders. als unter
der Condition. daß die Münze folche gegen erwähnte branden-
burgifche 1/3 Stücke umfeßen und kein höheres Agio dagegen als
das bisher fixirte von 75 Procent gegeben werden müffe. Wornach
alfo gedachtes General Directorium fic h . . zu achten und das weitere
deshalb zu verfügen hat. Friederich.
69. Bericht der Aammerdeputation-der Graffchaft mark über
Annahme fächfifcher Doppelgrofchen.
Hamm. 7. märz 1765.
Ausfertigung. Tit. L1211. 5.
Auf E. K. M. . . Befehl vom 24. vorigen Monats. fo vor-
geftern hiefelbft eingekommen. wegen Annehmung der Sächfifchen
2 Grofchenftücker bei den Kaffen. wollen E.'K. M. . . erlauben.
Der 19Zj'4-Talerfuß. - Sächfifche Doppelgrofchen. 363
daß wir hierdurc h . . anzeigen müffen. daß. wie leider diefe Provinz
zeithero unter feindliche Contribution geftanden und in fo weit auf
gewiffe Weife. da noch fo vieles darauf bezahlet werden muß. noc
h
ftehet. man .notwendig alfo auc h in Annehmung der Gelder bei den
Kaffen fic h darnac h richten müffen. wie folche bei der Hauptkaffe.
nämlic h der franzöfifchen Treforie. worin folche gefloffen. anzu-
bringen gewefen. mithin wofür franzöfifche Sorten zu deren Be-
friedigung erhalten werden können. fonft das Unglück des Landes
noc h um fo unerträglicher gewefen fein würde. wie E. K. M. wir
mehrmalen bei Gelegenheit der Conventions- und Submiffions-
Gelder-Sachen . . gemeldet. auc h unterm 14. .l6n116rii 6. p; be-
fonders . . augezeiget haben. daß wir nac h gehaltener Überlegung
mit denen Landftänden die Verfügung treffen müffen. bei den Kaffen
in den landräthlichen Kreifen von Hörde. Wetter und Altena. im-
gleichen in des Kriegesrath Refen Kreife keine andere als preußi-
fche 1/3. 1/6) 1/12. 1/24.. 1/48. in des Landrat v. Reck Hammfchen und
in des Kriegesrat Nattermöllers Kreife hingegen aber wegen deren
Lage und Connexion mit der allierten Armee die Hälfte preußifche.
1/4 Braunfchweigifche und 1/4 Sächfifche 1/3 angenommen werden.
jedoc h damit beide leßtere Sorten in der Einwechfelung der franzöfi-
fchen Sorten den preußifchen einigermaßen gleichkommen. mithin die
anderen Kreife wegen des Agio dadurc h niht befchweret werden
möchten. anftatt des fonft darauf zu legenden Agio die Braun-
fchweiger 1/8 zu 17 Stüber und die Sächfifchen zu 15 Stüber an-
genommen werden follten; in der Verfaffung ift es bei den bis-
herigen unglücklichen Landesumftänden. wie nicht anders fein können.
da das Land zeithero unter feindlicher Contribution und Gewalt
geftanden. geblieben. und kann auc h jeßo noc h deshalb ohne deffen
und mit des Clevifchen größten Schaden und Unglücks nicht geändert
werden. weil wie E. K. M. . . bekannt. daß das Clevifche fowohl.
als im Märkifchen befonders die Jferlöhnfchen Kaufleute und andere
im Lande gezwungen worden. große Summen für das Märkifche in
franzöfifchen Münzforten zur franzöfifchen Treforie vorzufchießen.
welches wieder berichtiget und in Ordnung gebracht werden muß.
Nun wird folches zwar nicht in franzöfifchen Sorten wieder ge-
geben und hat in fo weit die fatale und befchwerliche Verwechfelung
ein Ende. es muß doc h aber fo wieder gegeben werden. als es dem
364 Nr. 69. 70. - 7. März-23. April 1763.
Cours der franzöfifchen Sorten gemäß ift. wie denn jeßo die Louis
neufs gegen preußifche 1/3 91/2 Rthlr. und gegen fächfifche 1/3
142/3 Rthlr. thun. Jm Altenafchen Kreife. weil dafelbft noch am
erften franzöfifche Sorten zu erhalten. ift eingeführet. daß die Con-
tribution und Anlehne in folche Sorten gegen den Kaffenpreis per
Louis neuf a 91/2 Rthlr. bezahlet und auf folche Weife die 100/111117168.
welche der Kreis-Schreiber Schniewind für das Land zum Vorfchuß
in der größten Not verfchaffet. nach und nach wieder abbezahlet
werden. wie E. K. M. wir auch bei Gelegenheit der Submiffions-
gelder-Sachen . . berichtet. Sollten nun alle diefe Einrichtungen
aufgehoben. mithin fchlechterdings durchgehends im ganzen Lande
die fächfifche 2 Grofchen Stücke eingeführet werden. fo würde da-
durch die Kriegesfchuld des armen Landes wenigftens auf die Hälfte
vermehret. indem wir nicht glauben. daß für 20 und mehr Rthlr.
von folcher Münze ein Louis neuf zu erhalten. ja felbft folches den
nnglüaklichften Einfluß in die importante Eifen- und Draht-Fabriquen
haben und anftatt folche durch den Frieden wieder empor zu helfen.
fie vollends. da bekannt. daß fie alles außer Lande fowohl wie auch
im Lande nach den Stapel-Contracten in guten Gelde bezahlen
müffen. zu Grunde richten würde.
Jndeffen. wenn wir die Urfache betrachten. warum E. K. M.
diefen . . Befehl erlaffen. nämlich. weil die Regimenter. die jeßo
wieder in ihre Garnifons rückten. die Verpflegung in diefen Münz-
forten erhielten. fo halten wir allerunterthänigft dafür. daß es
folcherhalb doch geholfen werden könne. ohne daß das ganze Land
dadurch in ein neues Elend gefeßet werde. indem in diefer Provinz
doch nur ein Regiment. und zwar nur allein in die beide Städte
Hamm und Soeft rücket. mithin um diefen darunter zu helfen. ohn-
maßgeblich in diefen beiden Städten die Verfügung getroffen werden
könnte. daß. fobald das Regiment einrücket. diefe 2 Grofchen Stücke
in felbigen bei der Accife-Kaffe genommen werden müßten. da dann
der Schade doch nur allein bei diefen beiden Kaffen bliebe und denn
von dem übrigen Teil des Landes in Anfehung der noch zu be-
richtigenden franzöfifchen Contribution übertragen werden müßte.
Weil nun die Regimenter fo bald noch nicht anhero kommen.
mithin wir noch Zeit gewinnen. E. K. M. diefe verpflichtete Vor-
ftellung zu thun. fo hoffen wir. . . diefelben werden uns folche nicht
Sächfifche Doppelgrofchen in Mark und Eleve. 365
zur Ungnade auslegen und . . Dero fernere Befehle dieferwegen
uns . . erteilen.
70. 12e11e660ne8 der Clevifchen Liammer über das Clevifche
Geldwefen. -
Eingereicht am 25. April 1765.
Tit. rm11. 5.
Von allen Zeiten her und in der ganzen Welt hat der Preis
der Waren und aller in der menfchlichen Societätl) vorkommenden
Sachen fich ebenfo nach dem innerlichen Wert der courfierenden
Münzforten ohngefährlich gerichtet. als nach der größeren oder
kleineren Maße und Gewichte. mithin. was auch vor Veränderungen
bei dem Münzfuß vorgenommen werden mögen. fo folget dennoch
der Preis der Waren gegen jede Münzforte diefem generalen prin-
eipio mit mehrerem oder wenigerm Schaden des einen oder andern.
die vorkommenden Umftänden nach fowohl dem Sonverain als Unter-
thanen überhaupts oder en partieulair treffen könnten. Diefes be-
hörig auszuführen wäre ein gar zu weitläuftiges Feld. dahero man
fich nur einfchränket. vorerft folgende retlexi0ue8 in Anfehung der
Clevifchen Provinzen vorzubringen.
1tens Jft bekannt. daß durch Verringerung des Münzfußes
alle alte radicierte Lehn- und andere 66n0ne8. Zinfen und Erbpächte
bereits feit 50 und mehr Jahren in der Proportion vermindert
worden. als der Münzfuß eueee8eire höher genommen ift und daß
dadurch hauptfächlich die Domainen und pin eorpora in diefen
Landen um fo viel mehr leiden. als der Münzfuß in denen an-
fchließenden Brabandfchen und befonders holländifchen Landen un-
verändert geblieben ift. mithin da die (1e5en13e8 ihre (1en16e8 be-
ftändig nach dem Wert. wie folche im Holländifchen gelten. verfilbern
und dagegen fo viel geringhältige Münzforten einwechfeln können.
daß fie jeßo fchon bei dem noch ziemlich guten Gelde die Hälfte an
ihren Abgaben profitieren. weil in der Mitte des vorigen se6111i
ein Clevifcher und Holländifcher Stüber von gleichen Wert gewefen
ift. und bei dem jeßigen Cours ein holländifcher Stüber 2 Clevifche
Stüber ausmachet. gegen das fächfifche Geld aber über 3 ftbr. hin-
l) Jn der Vorlage: Socität.
366 Nr. 70. - 23. April 1763.
aus fteigen. gefolglich die Herrfchaft von folchen M'JceLZWäie in
Verfolg der Zeit kaum den ein dritten Teil von folchen Revenüen
mehr behalten würde. welche doch importante Summen ausmachen.
2ten? Findet diefes gleichfalls wo nicht ganz. dennoch mehren-
teils bei allen Steuer. Accifen. Land-Zöllen. Wegegeldern und der-
gleichen Revenüen Plaß. welche von jeher determinierte Summen.
Zoll-Rollen. Liften. Tarifs oder fonft von radicierten und feft-
gefeßten pkinEipii8 abhangen und. ohne im Streit mit benachbarten
Landen zu kommen. nicht geändert werden können; und ob zwar
3ten? gefaget werden könnte. daß folches bei Bachtgeldern von
Domainen und andern Grundftücken. welche in Zeitpacht ftehen.
nicht fo viel Einfluß haben dürfte. weil es denen Herrfchaften frei
ftehet. folches bei denen Verpachtungen fo viel höher auszubringen.
als die courrente Münzen in dem Wert gegen die vorigen geringer
find. diefes wird aber fo leichte nicht zu zwingen fein. einesteils.
weilen die Pächter nicht fo leichte zu einer fo merklichen größern
Summe von Reichsthaler zu bringen find. als der innerliche Wert
der Münzforten der Billigkeit nach es wohl erforderte. und andern-
teils kann man es denen Pächtern auch fo platterdings ohne Reftriction
nicht anmuten. weilen bei einer anderweiten Änderung im Münz-
wefen fie auch bei der hohen_ determinierten Summe nach fchlechten
Gelde vieles risquierten. mithin bleibet dabei ebenfalls entweder
großer Verluft oder Ungewißheit und folche Weitläuftigkeit. daß
daraus ein Proceß nach dem andern zum größten Nachteil der einen
oder andern Partie entftehen werde. welche nachteilige Umftände
4tens bei denen publiquen und Privat Kapitalien noch fchlimmere
Folgen haben müffen. dann find die Münzforten in denen Obli-
gationen oder Verfchreibungen nach Species Gelde ausgedrücket und
zu reftituieren verfprochen. fo vermehren fich die Schulden der De-
bitoren nach Proportion des Münzfußes. welches in einigen Fällen
übers (inplnm n8gnS nä triplnrn gehen kann. find fie nicht aus-
gedrücket. fo verlieren die ereäitoree eben fo viel und diejenige. fo
nur von wenigen Kapitalien leben müffen. faft den größten Teil
ihres Unterhalts. weilen fie an Jntereffen nur fo viel fchlecht als
fonften gut Geld ziehen und alle Lebensbedürfnüffe doppelt. auch
dreifach höher gegen die geringhältige Münzforten bezahlen müffen.
indem in einer folchen kleinen Provinz als diefe. und welche noch
Das Clevifche Geldwefen. 367
überdem ringsherum von fremden Landen umgeben ift. der Preis
aller im Handel und Wandel vorkommenden und nötigen Sachen
fic h nicht nach dem Wert regulieret. den man eine Münze beileget.
fondern nach dem innerlichen Wert der benachbarten Münzen. es
feie. daß folche daher geholet werden müffen oder dahin debitieret
werden können. denn
5ten? noch hinzutritt. daß. wenn Umftände vorkommen. daß
mehr Sachen als ordinair von dem benachbarten Lande herein-
gezogen und weniger von denen Landesproductis dahin debitieret '
werden. in wenig Zeit alles gute Geld fic h noch überdem aus dem
Lande verlieren muß oder fo durc h Wucher mit Agio in die Höhe
getrieben werden wird. daß alles commerce mit der Nachbarfchaft
den allerfchädlichften Aufenthalt dadurc h erlangen muß. und weshalb
die Notwendigkeit erfordert. zu Vorbeugung eines völligen Ruins
diefes überdem durc h den Krieg fo fehr ausgefogeneu Landes ein
folches Münzreglement hier zu etablieren. wobei das commerce mit
den benachbarten weftphälifchen und holländifchen Landen beftehen
kann. und diefes erfordert
kite-us bei den bisherigen Kriegesumftänden die Notwendigkeit
noc h um fo viel mehr. als alle Städte. Ämbter und Communitäten
des Landes währendem ganzen Kriege. insbefondere aber in der
leßten ganz vehementen Bedrängnüs. die enorme Vorfchüffe. welche
die Franzofeu gefordert. bei Benachbarten durc h Freunde. Ver-
wandte und Bekannte zufammen bringen müffen. und die Kapitalien
und Jntreffen nicht anders. als in dem Wert. worin fie empfangen
find. reftituieret werden können noch mögen. mithin entweder dem
Lande oder deneujenigen. welche darunter behülflich gewefen find.
ein folcher enormer Verluft zur Laft fallen würde. welches gegen
alle Billigkeit anlaufen und nicht allein in diefer Sache bei dem
Verluft eine größere Störung caufieren. foudern auc h _
7teus eine folche Folge in allen übrigen Sachen haben würde.
daß die Nachbarn alles Verkehr mit diefer Provinz meiden und
wenig fremde bemittelte Leute darin ziehen. noc h weniger aber
Kapitalien darin anlegen würden. beiwelchen fo viel Ungewißheit
und Verluft durch Veränderung der currenten Münzen gegen den
innerlichen Wert der benachbarten Münzforten Plaß greifen
könne.
368 Nr. 70. 71. - 23. April-24. Juni 1763.
Und da es zu Retablierung der Provinz mit ein effentieller
Punkt ift. den Credit der Landes- und communitalen Obligationen
dergeftalt zu etablieren. daß nicht allein fremde herein ziehende be-
mittelte Familien dadurc h Gelegenheit und Luft bekommen. ihre
Capitalien zu ihrer Subfiftenz zum Teil hier im Lande anwenden
zu können und nicht ihr ganz Vermögen an denen Orten zu laffen.
wo fie herkommen. auc h wegen dergleichen Jnconvenienzien leichte
wieder retournieren könnten. fondern es ift auc h gewiß. daß ehe und
bevor diefes nicht gefchieht. keine Hoffnung ift. das fchwere Jntereffe
von denen vielen Landesfchulden von 5 und mehr Procent zum Beften
des Landes auf 4 und ferner zu vermindern. Dahero auc h jeder. [der]
die wahre Umftände diefer Provinz. auc h überdem ihre Lage und Ver-
hältnüs mit dem benachbarten Lande kennet. aus diefen wenigen Punkten.
die nur eine kleine e11311c11e von dem großen Umfang diefer wichtigen
Materie ausmachen. abnehmen kann. daß dem wahren k. Dienft und
Beften des Landes nichts Nachteiligers fein könne. als eine ander-
weite Veränderung in dem bisherigen Geldcours vornehmen zu laffen.
da_das Land fchon auf einmal einen fo enormen Schaden bei denen
währendem Kriege von der kaiferlichen Adminiftration vorgenommenen
Reductionen gelitten hat. Dahero die höchfte Notwendigkeit erfordert.
ohne fic h in geringften in Vorfchläge von dem feftzufeßenden Münz-
fuß zu melieren. allernnterthänigft zu bitten. daß der bisherige
Geldcours fo lange beibehalten werden möchte. bis anf die eine
oder andere Weife ein dergleichen pofitives rcgulatirnm etablieret
werden kann. daß gegen die hiefige currente Geld-Species der
holländifche Wechfel vor eben den Preis hier als in Cöln beftändig
zu erhalten fteht. weilen fic h nach den Preifen von beiden gedachten
Orten und Landen das commerce in der darzwifchen gelegenen
kleinen hiefigen Provinz richten oder notwendig leiden muß. wenn
denen hiefigen Unterthanen die Facilität deffelben verhindert wird.
von einem uniformen Fuß. mit und von folchen Benachbarten zu
profitieren. die fonft auch ohne Concurrenz der hiefigen Unterthanen
ihren Handel und Wandel ohne einige gene fortfeßen. ja felbft da-
durc h mehr profitieren können. wenn die hiefige Unterthanen auf
die eine oder andere Weife geniert werden. nicht fo facil wie fie
handeln zu können. Es ftehet auc h nicht zu zweifeln. oder S. K. M.
würden ein Anfehnliches mehr aus diefen Provinzen von denen baar
Das Elevifche Geldwefen. 369
einzuziehenden Domainen und andern Revenüeu jährlichs profitieren
können. wenn allerhöchft diefelbe allenfalls auc h nur blos in den
hiefigen Provinzen wegen der Nachbarfchaft mit Holland die Geld-
Species nac h dem bisherigen Fuß courfieren und Dero Revenüen
zum Vorteil Dero Kaffen oder auc h übrigen Münzen durch hollän-
difche Wechfel einziehen laffen. weil höchft diefelbe alsdenn jederzeit
fo viel mehr am holländifchen Wechfel von Dero Clevifchen Kaffen-
geldern profitieren. als folcher hier vor geringeren Preis wie den
andern Provinzen zu erhalten ftehet. Dann zum Exempel S. K. M.
wollen aus dem Clevifchen je 1666 Rthlr. 16 Ggr. durch einen
höll. Wechfel nac h Berlin einziehen laffen. fo kann im Clevifchen
Gelde nach dem jeßigen c0nk8. da die vorhin auf 2 Stbr. ausge-
prägte Stücke nur 11/2 Stbr. gelten. vor 1666 Rthlr. 16 Gr. ein
holländifcher Wechfel von 2500 Gülden dafür beforget werden; will
man aber gegen preußifche 1/3 einen folchen Wechfel in den be-
nachbarten Landen einkaufen.
fo werden dazu _erfordert . . . . 2083 8
mithin verlieren S. K. M. auf . . 1666 16
eine Summe von 416 l6.
wenn die preußifche 1/3 Stück gegen 8 gute Grofchen oder 20 Stbr.
bei den Kaffen angenommen werden. welches auf . . Dero hiefige
Revenüen ein anfehnliches jährliches ausmachet. und diefer Vorteil
kann blos nur durc h eine. . Refolution. daß der Geldcours in
denen Cleve und Geldrifchen Provinzen auf den jeßigen Fuß bleiben
foll. zu wege gebracht werden. ohne daß die Provinzen darunter
leiden. fondern vielmehr profitieren. daß fie eine Münze behalten.
womit fie ohne Schaden in den benachbarten Landen handeln
können. da gegenteils. wenn ein geringhältiger c0ur8 introducieret
wird. die benachbarte Lande die hiefige mit .lauter folcher Münze
erfüllen werden. wogegen der holländifche Wechfel über 200 Procent
zum größten Nachteil des commerce zu ftehen kommen wird.
Acta Lorueuicn.. Münzwefen [ll 24
37() Nr. 71. 72. - 24. Juni-28. Juli 1763.
71. Schreiben des Winifterß v. Schlabrend0rff an die Münzunternehmer
Ephraim und Jtzig über Zliangel an preußifchem Aurant.
Breslau. 24. Juni 1765.
Konzept. A. B. 111. 11. l7. 31. 701. lil.
Denen k. Münzentrepreneurs Herren Ephraim und Jßig ift
bekannt. wie ofte ic h erinnert. dahin zuverläffige Veranftaltungen zu
treffen. daß Schlefien mit dem benöthigten und hinreichenden preußi-
fchen Courant in Zeiten verforget werde. damit es daran fowohl
zum Behuf der k. Kaffen als auc h des publiei. da im Handel und
Wandel kein anderes als preußifches Geld genommen werden will.
nicht fehlen möge. Es ift auc h des Endes von S. K. M. bereits
im 11161-60 . . verordnet und feftgefeßet. daß in denen Städten
Münzbureaux etabliret werden follen. in welchen man das erforder-
liche preußifche Geld gegen das determinirte Agio erhalten könne.
Allein es fehlet in denen fchlefifchen Städten fowohl an diefen
bnrer-ru); als auc h felbft hier in Breslau an dem benöthigten preußi-
fchen Courant. Jc h bin nicht vermögend. die vielfältige unangenehme
Klagen zu befchreiben. welche fowohl vom Lande als aus denen
Städten über den Mangel diefes Geldes eingehen. und ic h bin nicht
im Stande. denen daraus zu befürchtenden üblen Suiten und Ex-
ceffen vorzubeugen. da die Münzdisponenten verfichern. daß fie nicht
mehr Courant vorräthig hätten und von Berlin weder baar noc
h
per Wechfel etwas an fie übermacht wäre; und da das wenige. fo
gemünzet wird. wie warme Semmel weggehet. fo könnten fie dem
Mangel nicht abhelfen. wann nicht von Berlin Remeffen anhero
gefchehen.
Wie gut wäre es gewefen. wann die Herren Entrepreneurs
Gefallen getragen. in Zeiten feines Silber anzufchaffen. damit daraus
hinlänglic h 1/3 Thaler gefchlagen werden können. anftatt man fic
h
amüfirt. von denen eingewechfelten geringen Sorten 1/6 und 1/.2
zu machen. wozu zwar nicht fo viel fein Silber erfordert wird und
mehr Profit herauskommt. dagegen geringe Stimmen gepräget und
das Land dem Mangel vom Courant exponirt geblieben. Welc
h
ein Elend würde es nicht für das Land gewefen fein. wenn nach
derer Herren Entrepreneurs Vorfchlag fchon vom 1. 516rtii nichts
als Courant hätte curfiren follen. da vielleicht noc h keines
exiftirte!
Geldmangel in Schlefien. - Austaufch der fchlechten Münzen in Qftpreußen. 371
Jn Berlin find nach meinen Nachrichten 7 Millionen preußifch
Courant verwechfelt und hier etwa eine Million. da doch hiefiges
Land in Anfehung des darin befindlichen. den Herren Entrepreneurs
nicht unbekannten importanten eornrnereii nach Proportion des
dortigen allemal mehr nöthig hat. Es bleibt alfo nichts übrig. als
daß von Berlin aus. und zwar mit dem allerforderfamften. das er-
forderliche prenßifche Courant anhero baar übermachet werde. Jch
erfuche demnach die Herren Entrepreneurs angelegentlich. deshalb
fonder Anftand die zuverläffigften äiepoeitiouoe zu treffen nnd da-
durch dem hiefigen Mangel ohngefäumt abzuhelfen. Alle üble
Folgen. fo aus dem fortdaurenden Mangel diefes Geldes entftehen.
werden fonft denenfelben zu Schulden kommen. und ich werde. fo
ungerne es auch gefchiehet. wenn nicht gleich remediret wird. mich
nicht länger dispenfiren können. es S. K. M. . . anzuzeigen. welches
ich jedoch gerne überhoben fein möchte.
72. Borfchlag der Dreufzifchen Ariegs- und Domänenkammer über
Austaufch der von den Begimentern mitgebrachten fchlechten Gelder.
Aönigsberg. 28. Juli 1765.
Mundum. Gez. Domhardt. v. Wegnern. Bruno. Fifcher. A. K. 99 e.
Damit die devalvirte Münzforten. mit welchen die im Monat
April c. in das Land eingerückte Königl. Preuß. Regimenter anf
2 Monate. und zwar bis u1t. 111a). c. ihre Verpflegung nach dem
Etat erhalten gehabt. nicht zum größten Nachtheil des p1151ici in
dem Lande diftribuiret werden möchten. hat die Krieges- und Do-
mainenkammer aus patriotifchen Abfichten fich entfchließen müffen.
erwähnte geringhaltige Münzen mit kurfirenden Geldforten umzu-
feßen. und ift folches auch von S. K. M. . . Selbft approbiret
worden. Dieferwegen hätte mit E. k. Regierung die Kammer auch
gerne gleich Anfangs konferiren wollen. wenn die damalige preffante
Umftände. da die Regimenter eben über die Grenze ins Land ein-
gerücket. nicht erfordert hätten. zur fchleunigen Refolution zu fchreiten:
indeffen ift E. k. Regierung diefes alles laut anliegenden Protokoll
nicht unbekannt geblieben. auch find deswegen von deren hohen
Gliedern damalig fchon folche Äußerungen gefchehen. wie nämlich
es allerdings zu genehmigen wäre. daß durch die folchergeftalt
24*
372 Nr. 72) 73. - 28. Juli-Oktober 1763.
kupirte Diftribuirung des geringhaltigen Geldes von dem ganzen
Lande ein verderblicher Nachtheil abgewandt worden.
Wann nun die Hoffnung wegen Erfeßung des Manquements
für k. Rechnung fehl gefchlagen und dazu alfo kein ander Mittel
übrig. auch nichts billiger ift als daß das ganze Land. mithin auch
der Adel. zu fothauer Erfeßung des Manquements. wodurch ein viel
größerer Schade abgewandt worden. konkurrire. als kommuniciret
die Kammer hiebei ganz dienftlich einen Ãœberfchlag. wieviel deva(-
virte Münzforten von denen Regimentern angenommen und dagegen
zur höchftnöthigen Verpflegung an knrfirende Münzforten haben aus-
gezahlet werden [müffen]. auch wieviel nach der Erklärung von denen
Münzentrepreneurs in Berlin vor die bei hiefiger Münze ange-
nommene geringhaltige Münzen an kurfirenden Gelde nur bezahlet
worden. fo daß das zu erfeßende Manquement fich an 100746 Rthlr.
23 Gr. 9 Pf. beträgt. wozu noch die Douceurs vor den Münz-
guardein und die hiefige vom Magiftrat vorgefchlagene Bürger.
welche bei dem Einfchmelzeu zugegen gewefen und die Richtigkeit
atteftiret. imgleichen andere Ausgaben kommen. und alfo wohl
101000 Rthlr. anzunehmen fein werden.
Diefes Quantum nun nach der konvenableften Proportion zu
repartiren thut die Kammer ohnmaßgeblich nachftehenden Vorfchlag:
nämlich. bei Repartirung derer Deputationskoften hat die Ritter-
fchaft von dem vorhanden gewefenen ganzen quauto von felbften
1/3 über fich genommen. welche Proportion bei der Repartition
damalen auch feftgefeßet worden. und könnte anjetzo eben füglich
beibehalten werden. Da es hergegen billig. auf das Gewerbe derer
Kaufleute. Bankiers und Juden zu reflektiren. fo könnten jeßo an-
genommen werden:1) .
1. 29458 Rthlr. 3() Gr. als 7/24 von dem ganzen Adel beider De-
partements.
2. 29458 „ 30 „ „ 7/24 von Domän.-Ämtern beider De-
partements.
1) Endgültige Repartition vom 22. September 1763:
1. 22 444 Rthlr. 40 Gr. als 16/W
2. 29 458 „ 30 „ z 21/79.
Austaufch der fchlechten Münzen in Oftpreußen. - Die Sechfer mit (k. 373
3. 21041 Rthlr. 60 Gr. als 5/24 von Kaufleuten. Bankiers und Inden.
4. 12625 „ - „ „ 1/8 die Stadt Königsberg.
5. 5611 „ 10 „ „ 1/8 die kleinen Städte Königsbergfchen
Departements.
6. 2805 „ 50 „ „ 1/36 die kleinen Städte Gumbinnenfchen
Departements.
101000 Rthlr. - Gr.
75. Verhandlungen über Umlauf der Sechspfennigftücke mit (Zi.
Oktober 1765.
A. B. lil. Lt. ll7. 31) 7.
14. Bericht der Breslauer Kammer vom 18. October 1763.
Der hiefige Magiftrat hat unlängft berichtet. es hätten die
.Kaufmannsältefte angezeiget. daß eine große Summe an 6 Pf.
Stücken von geringem Gehalt aus Magdeburg eingebracht worden.
welche man gegen 6 Rthlr. für einen Ducaten verwechfele. wobei
fie. da folche Münze denen Fleifchern und andern Verkäufern von
Waaren aufgedrungen werden wolle und daraus vieler Unfug ent-
ftehe. angefraget. ob folcher Scheidemünze. welche fonften nur in der
Provinz. wofür fie gefchlagen. zu curfiren befugt. hier gleichwohl
der Curs geftattet werden folle.
Auf unfere Requifition hat das Münzdirectorium laut ab-
fchriftlicher Anlage zwar wegen des Gehalts angezeiget. daß felbiger
gefeßmäßig fei. jedoch felbft ein Bedenken beigefüget. ob auch die k.
Jntention fei. daß diefe Münze in hiefigen Landen freien Curs
haben folle.
Jn den vorigen Münz-e(1ie68. befonders dem vom 27. 111n14ii
1752. Ö 3. No. 8. ift ausdrücklich verordnet. daß die Scheidemünzen
nur in denen Provinzien. wofür fie gefchlagen. gelten follen.
Wir fragen dahero bei E. E. gehorfamft an. wie ningietratniz
auf feine Anfrage zu befcheiden. und ob dem ungeachtet diefe neue
außer Schlefien gefchlagene 6 Pf. Stücke hier im Handel und Wandel
3. 25 250 Rthlr. - Gr. als 18/7..
4. 15 430 „ 50 „ „ 11779.
5. 5611 „ 10 „ „ */75-
6. )) .1 n 2/72.
374 Nr. 74. 75. - 28. Oktober- l5. Dezember 1763.
angenommen werden follen. bilagietratue und die Kaufmannfchaft
lehnen von fic h ab. daß fie nicht anzeigen könnten. wer diefelbe
eingebracht. und berufen fic h auf die Accife- und Poftämter. die
folches am beften würden melden können. Es will aber der Herr
Kriegesrath v. Arnim nur von einer Poft von 2000 Rthlr. wiffen.
fo davon einkommen. -
13. Bericht des Münzdirektors Kröncke vom 28. Sep-
tember 1763.
Einer k. Krieges- und Domänenkammer melde auf die unterm
21. 11ujue bei mir gethane Anfrage wegen der hierfelbft eingeführten
6 Pf. Stücke zur Antwort. daß diefe Münzforte mit dem Buc-
h-
ftaben 0-1) nicht in Magdeburg. fondern wahrfcheinlicher Weife auf
den combinirten Münzen gepräget worden. Ob nun zwar felbige
bei hier angeftellter Probe gefeßmäßig befunden und eben daher
unter S. K. M. allerhöchfter Approbation gefchlagen worden. fo
weiß ic h doc h nicht. ob . . Dero Jntention in Anfehung diefer Scheide-
münze fic h fo weit erftrecke. daß folche in hiefigen k. Landen freien
Curs haben und in großen Summen anhero geführt werden folle.
0. Anweifung für die Antwort Schlabrendorffs.
26. October 1763.
Da das aus deu Münz-cäietic angeführte feine Richtigkeit
habe. der Münzdirector Kröncke auc h felbft bedenklich finde. diefen
6 Pf. Stücken den freien Curs in Schlefien zu geftatten. fo wären
folche durchaus nicht zu paffiren. indem. anderer Jnconvenientien zu
gefchweigen. widrigenfalls die k. [Lande] felbft mit dergleichen fchlechten
Münzforten würden überfchwemmet werden.
74. Aabinettsorder an den Breslaufchen münzdirektor Aröncke über
feine Anfteilung als Generalmünzdirektor.
potsdam. 28. Oktober 1765.
Abfchrift. Tit. in. 1.
S. K. M. machen Dero Breslaufchen Münzdirector Kröncke
hierdurch bekannt. daß. da mit dem 1. Wartii kommenden Jahres
die Ausmünzung der jeßigeu Münz-Entrepreneurs nac h deren Con-
tract aufhöret. Höchftdiefelbe alfo wollen. daß obgedachter Münz-
1) S. Münzbefchreibnng Nr. 1710. 1712.
Die Sechfer mit (i. - Kröncke Generalmünzdirektor. - Das neue Münzedikt. 375
director Kröncke den 1. des nächftkommenden Monats 1)ecembrie
mit allen feinen Sachen und mit Sack und Pack zu Berlin an-
kommen foll. damit alsdenn alles Benöthigte zu der neuen und
fernern Ausmünzung nac h dem zwifchen S. K. M. und ihm con-
venirten Plan arrangiret. veranftaltet und eingerichtet werden könne.
maßen S. K. M. ihm darauf alsdann alle Dero Münzen unter-
geben werden. Es hat alfo mehrgedachter Münzdirector Kröncke
fic h hiernach . . zu achten und einzurichten. um zu der gefeßten
Zeit in Berlin eintreffen zu können.
75. Kromemoria des Generalmiinzdirektors Liröncke über Dublikation
eines neuen Wünzedikts.
Berlin. l5. Dezember 1765.
Urfchrift. 11. 13. 2.
E. K. M. . . Befehl zur . . Folge habe die Subftantialien
zu einem neuen Münzedict bereits angefertiget.
Allerhöchftdiefelbe wollen aber nicht ungnädig zu vermerken
geruhen. wann ich nac h meiner geringen Beurteilung die Publication
eines folchen eäieti . . nicht eher vor ratfam finde. bevor nicht in
Dero Münze 2 bis 3 Millionen neue Gelder ausgepräget worden.
womit dem publico der Betrag derer auszuliefernden reducierten
fächfifchen und andern geringhaltigen Münzforten bezahlet und ver-
gütiget werden kann; denn die Erfahrung hat in denen drei erften
Monaten. da mit Ausprägung der jeßigen neuen Münzforten der
Anfang gemacht wurde. gelehret. daß die populace wegen nicht ge-
nugfamen Vorrat neue preußifche Gelder. welche fie zu Umtaufchung
ihrer fchlechten Gelder verlangt. nicht zu befriedigen und deren Un-
geftüm kaum durc h verftärkte Wachten zu hintertreiben gewefen. ohn-
geachtet damals gewiß mehr preußifches Geld von 1758 und 59
im Cours war. als jeßo alt Courantgeld vorhanden fein möchte.
Um nun fowohl diefen zu beforgenden Unfug in Zeiten vor-
zukommen. als auc h die Gold- und Silberlieferungen zu denen
Münzen defto beffer zu befördern. habe E. K. M. hiermit . . in
Vorfchlag bringen und bitten follen. daß Allerhöchft diefelbe zu-
förderft die in Dero Trefor und andern hiefigen Kaffen. wie auc
h
die in denen Kaffen auswärtiger Provinzien. wo Münzpläße fein.
376 Nr. 76. 77. - 15.-17. Dezember 1763.
vorhandene reducirte fchlechte Gelder in denen Münzen abliefern
und vermittelft Zufeßnng derer in gedachten Trefor befindlichen
feinen Silberbarren in preußifchen Courantgeld nac h dem höchft-
erwählten jeßigen Münzfuß vermünzen zu laffen . . befehlen. auch
folches als einen Fond zur baldigen Bezahlung der Münzlivranten
denen Münzcomtoirs auf eine Zeitlang anzuvertrauen geruhen möchten.
Solchermaßen würde ein jeder die Münze mit Silber zu
fonrnieren befliffen fein und die im Lande vorrätige reducierte
Gelder. wie auc h ander Silber baldigft abgeliefert. die Livranten
desgleichen um fo mehr animieret werden. ausländifc h fein Silber
zur Ausmünzung k. preußifcher Gelder kommen zu laffen.
76. promemoria des Generalmünzdirektors Aröncke über den
Hiafterpreis.
Berlin. l5. Dezember 1765.
Urfchrift. Lt. 13. 2.
Es find zwar die pin8tre8 in Amfterdam nac h den . . Bericht
des k. Refidenten d'Erberfeld vom 6. 11uz'u8 um 4 Stüver wohl-
feiler und der Wechfelcours von Amfterdam pr. Hamburg auc h um
3/8 Stüver profitabler zum Silberhandel als felbe .7111. 12. a. c. ge-
wefen. wie diefes mein . . Bericht und Calculation ä. ä. Potsdam.
den 6. 14113. c. des mehrern zeiget. denn damalen galten die pia8tre8
22 f. 12 ftüv. und gegenwärtig 22:8. Der Cours von Amfterdam
war 331/4 Stüver und anjeho 335/8.
Allein ob gleic h das Silber anjeßo dafelbft wohlfeiler. auch
der Wechfel zwifchen Amfterdam und Hamburg vorteilhafter zu
diefen negotii [fo] geworden. fo find dagegen die Wechfelcourfen
von Berlin und Breslau. fowohl auf Amfterdam. als Hamburg. die
damalen auf 220 geftanden. gegenwärtig aber auf 2341/2 ftehen und
alfo feit den über 6l/2 Procent nachteiliger worden.
Es kommt diefemnac h die Mark fein Silber nach den Stück
von 8ten Preis und Wechfel-Courfen:
1. in jeßige neue 8. 4 und 2 Grofchen Stücken
in Amfterdam zu ftehen. . . . . Rthlr. 21:20
und da diefe 8. 4 und 2 Gr. 193/4 Rthlr.. mit
denen Beneficien aber . . . . . . . „ 20:9
ausgemünzet werden. differieret . . . . . Rthlr. 1:11
Preis der Piafter. - Geltung der Grofchen. 877
das ift 71/8 Procent. die das Silber über den wahren Wert der
gedachten 8 Gr. 2c. Stücken zu ftehen kommt.
Das Pati oder die Gleichheit im Silbergelde nac h S. K. M.
ä.140. 1750 . . approbierten Münzfuß von Rthlr. Stücken mit
Amfterdam und Hamburg ift nämlich. daß 100 Rthlr. Banco gleic
h
mit 152 Rthlr. iu 1. 1/2 und I[/4 Rthlr. Stck.
Diefem Part nac h würde:
2. die Mark fein Silber von pi68rre8 zu ftehen kommen in
Amfterdam -- Rthlr. 14: 3:8.
Es find aber die Courfen von 1751 bis 1758 zuweilen noc
h
unter 44 Procent gewefen. fo daß man für 144 Rthlr. preuß.
Cour. hat 100 Rthlr. Banco kaufen können. folchermaßen würde
nac h obigen Preis a 22 f. 8 ftüv.:
3. die Mark fein Silber in Amfterdam zu ftehen kommen
Rthlr. 13:9:91/2.
77. Eingabe der münzunternehmer Ephraim und Jtzig an den
Geheimen Bat Aöppen über Geltung der Gr0fchen.
Berlin. l7. Dezember 1765.
Abfchrift. Lt. 163. Nr. 99.
Jn gehorfamfter Befolgung des durc h Ew. Hochwohlgeb. uns
zugefertigten königlichen Befehls beziehen wir uns zuvörderft auf
den Jnhalt derjenigen allerunterthänigften Vorftellung. welche wir
unterm 14. 1111j118 S. K. M. zugefendet und davon wir Ew. Hoc-
h-
wohlgeb. hiebei 60pi61n communiciren.
Die Gründe. worauf unfere Bitte beruhet. haben. wie in einer
Zufchrift an S. M. nothwendig ift. nur wenig und kurz können
berühret werden; wir erdreiften alfo. Ew. Hochwohlgeb. davon eine
etwas umftändlichere Vorftellung hiedurc h gehorfamft zu überreichen.
Wir hoffen. S. K. M. fowohl als auc h des Herrn General-
lieutenant v. Tauenßien Exc. und Ew. Hohwohlgeb. werden uns
bei der ganzen Münzentreprife das Prädicat ehrlicher. mühfamer
und unter großer Gefahr und Rifico bei mäßigem Vortheil arbeiten-
der Leute geben.
Die 6nn0 1759 ausgemünzte Thmpfe fcheinen zwar uns einen
anfehnlichen Vortheil gegeben zu haben. aber er ift mäßig gewefen;
378 Nr. 77. 78. - 17.-18. Dezember 1768.
denn erftlich wurden wir durch deren Ausmünzung an der Aus-
prägung des preußifchen Courants zu 193/4 gehindert. und denn fo
hat es uns nicht wenig gekoftet. ihren Debit in Polen zu verfchaffen.
wie wir denn auch aus freien Stücken die bewußte Douceurgelder
nach Warfchau an 200000 Thl.. welche S. K. M. Selbft zahlen
wollten. übernommen haben. Hienächft koftet uns der Bau bei
denen fämmtlichen Münzftätten an 200000 Thlr. und alle luren-
ten-ix1 noch ein weit mehreres. Wir funden fchon damals bei dem
Münzwefen fo viel Difficultät. daß wir im .lnn11311-i0 anno 1760
200000 Thlr. vor die Dispenfation von der Münzentreprife offe-
rirten. und zwar diefes felbft an Ew. Hochwohlgeb. fchriftlich.
Dennoch haben wir damals fowohl als in den folgenden Jahren
immer wider Willen. ja anno 1762 fogar unter harten Bedrohungen
contrahiren und die viele Millionen Schlagefchaß übernehmen müffen:
mitten unter den Kriegsunruhen. feindlichen Jnvafionen. Beraubungen
der Geldtransporte. großem Schaden durch die eingefchlichene leichte
Gelder. und indem nicht alle eonäitionoe nnferer Contracte S. K. M.
Jntention gemäß befolget worden find. Doch haben wir alle Jahre
richtig unfern Schlagefchaß abgeführet. ja in manchem Jahr S. M.
noch ein Surplus gefchaffen. weil wir durch die größte Bemühungen
bei der franzöfifchen Armee durch Holland und anderswo unter
vieler Gefahr den Debit der Gelder gefucht haben.
Uns hingegen ift das Ausmünzen allemal fo mühfam gewefen.
daß wir nicht in einem einzigen Jahr mit dem Contractsquanto
fertig worden. fondern ftets einen Rückftand auf das folgende Jahr
annehmen müffen; wie es denn auch in dem diesjährigen Contract
alfo gekommen.
Zu jedermannes. felbft S. M. Bewunderung erboten wir 'uns
bei Uebernehmung diefes leßten Contracts freiwillig. prenßifches
Geld nach beffern Münzfuß auszuprägen. weil wir die leichten
Gelder nicht mehr zu debitiren vermochten. konnten aber leider da-
mals nicht die nunmehro vorgefallene Bankerotts. die uns fo fehr
derangiret haben. vorausfehen.
Nun müßte uns bei dem immer höher fteigenden Silberpreife
diefe feinere Ausprägung nothwendig difficil fallen. Den Schlage-
fchaß rechneten wir auch fonft aus nichts herauszubringen als aus
denen preußifchen Grofchen. Wir folgeten vornehmlich der münd-
Geltung der Grofchen. 379
lichen Perfuafion von Ew. Hochwohlgeb. Von denen Grofchen
follte nach Contract allemal der dritte Theil bei denen Kaffen an-
genommen werden. und hätten felbige auch. weil die königlichen
Officianten. 0u7rier8 und der Militärftand damit ausgezahlet worden.
leicht diftribuiret werden können. Hierüber ift aber niemals 0rä1'e
ergangen. Die Grofchen find alfo in (1e660ence gekommen. und
das Mittel. den Schlagefchaß herauszubringen. ift uns entzogen.
Sollten wir ja durchaus den vollen Contract aushalten müffen.
fo könnte es gewiß nicht anders gefchehen. als daß ißtgedachte Con-
dition wegen der Grofchen bei den Kaffen durchgehend eingeführet
und uns. befage Contracts. in 6nn0 1764 fo viele Zeit verftattet
würde. das ftipulirte Quantum gänzlich ausmünzen zu können.
S. K. M. find indeffen fo gerecht. daß Allerhöchftdiefelben
unmöglich refolviren können. uns dasjenige mäßige Vermögen. fo
wir auf fo mühfame. gefährliche. dennoch ehrliche und S. M. nüß-
liche Art erworben. durch Zwang zur unmöglichen Ausführung diefes
Contracts zu entziehen. zumal wir dem p11111i60 in diefem Jahr mit
einer ganz importanten Auswechfelung der leichten Gelder gedienet
haben. wie dann laut Beilagen bloß hier in Berlin und in Breslau
über 14 Millionen Thlr. ausgewechfelt worden find; welcher Um-
ftand denn. da wir. diefe Umwechfelung auszuführen. uns aus-
wärtiger Tratten bedienet haben. der vorgegangenen fallimente wegen
uns einen Verluft von mehr als 1/2 Million Thlr. caufiret hat.
Ew. Hochwohlgeb. bitten wir alfo. die Geneigtheit zu haben.
unfere Gründe S. K. M. ferner zu Gemüthe zu führen und Höchft-
diefelbe dahin zu bewegen. unfer petitnm vom 14. 1111)'118 aller-
gnädigft zu bewilligen.
78. Aabinettsorder an den Direkwr der Berliner münze. v. Studnitz
über die Wiederaufnahme der ftaatlichen Zliünzverwaltung.
Berlin. 18. Dezember 1765.
Ausfertigung. 11. 11111. 1. Abfchrift. u. 11111. 2.
Demnach S. K. M. aus bewegenden Urfachen . . refolviret.
die fämtliche Münzen vom erften 114616i 1764 an für Höchft Dero-
felbeu Rechnung adminiftriren und nach anliegenden approbirten
Münzfnß Gold- und Silber-e8p66e8 wie auch Scheidemünze aus-
38() Nr. 78. 79. _ 18.-28. Dezember 1763.
prägen zu laffen.-1) als machen Höchftdiefelbe folches den Münz-
director v. Studniß bei der Berlinfchen alten Münze hierdurch be-
kannt. mit den Befehl. fich hiernach . . zu achten und die Bediente
zu folcher Münze. befonders aber die Münzmeifter und Wardeius
dazu anzuhalten. daß die Ausmünzung derer Gold- und Silber-
Münz-Sorten in Schrot und Korn nach den Einhalt obangeführten
Münzfußes bei fchwerer Verantwortung und Strafe aufs genauefte
befolget werden müffe.
Da auch hiernächft . . S. K. M. die Preife bei denen Münzen
zu liefernde Golde und Silber dergeftalt reguliret und feftgefeßet
haben. daß nämlich:
für die Mark fein Gold . . . . 190 bis 1911/2 Rthlr.?)
für die Mark fein Siber:
1. von denen im Lande unter frembden Stempel
roulirenden geringhaltigen Münz-Sorten bis
6 Loth . . . . . . . . . 12 Rthlr. 12 Gr.
2. desgleichen bis 9 Loth . . . . . . . 13 „ - „
3. ferner bis 12 Loth . . . . . . . . 13 „ 6 „
4. ferner bis 15 Loth 6 Gran. . . . . . 13 ') 12 „
5. in pi8etre8 . . . . 13 „ 16 „
als welche nur nach ihren wahren Gehalt und nicht höher anzu-
nehmen und zu legiren feind. aus der Münzkaffe bezahlet werden
foll fo hat der Director v. Studniß den Rendanten und übrige
Comptoir-Bediente. denen folches zu wiffen nötig ift. gleichfalls be-
kannt zu machen. damit diefelben das einkommende Gold und Silber
nach denen vorgefchriebenen Preifen annehmen und berechnen müffen.
Sonften befehlen S. K. M. den p. v. Studniß. daß er nicht
nur alle Monate den gewöhnlichen Extract von denen eingekommenen
Metallen und ausgeprägten Geldern. fondern auch eine vollftändige
Quartal-Balance und Jahres-Rechnung zuforderft an S. K. M. und
hiernächft auch an den Münzdirector Krönicke einfenden foll.
Auch muß derfelbe den Salarien-Etat von mehrgedachte Münze
S. K. M. fogleich einfenden und dabei anzeigen. was für Verände-
rungen feit den 11. Oktober 1755 mit denen Bedienten vorgefallen.
1) Den Münzfuß f. in Tabelle n.
2) An Below: 190 bis 1901/2; ebenfo in der Abfchrift 17c. 13) 2.
Wiedereinführung der ftaatlichen Münzverwaltung. 381
Hiernächft muß er die Stempel-Schneider dazu anhalten. daß
fie nach beiliegenden Zeichnungen die Stempel zu Ausprägung der
fchweren Silber-Münzen mit möglichften Fleiß und Accurateffe aufs
baldigfte anfertigen. Jedoc h müffen felbige insgefamt mit der Jahr-
zahl 1764 gefchnitten und in genauer Verwahrung genommen werden.
bis mit Ausprägung für S. K. M. Rechnung der Anfang ge-
machet wird.
Dementfprechend an den Direktor v. Below in Königsberg. R. M. B.
set3 d. ordin. Ausm. betr. 701. 1.
79. Bericht der Breslauer Aammer über den Überfluß an Grofchen
nebft. Entfcheidung des minifters v. Shlabrendorff.
Breslau. l9.. Berlin. 28. Dezember 1765.
Ausf. und Marginal. A. B. 14. lt. 17. 31. 701. T71.
Es werden die Befchwerden des publici. daß es durc h den
Unterfchied des rnloric intrinseci der unter k. Stempel ausgeprägten
Ggr. gegen preußifc h Courant aufs äußerfte gedrückt werde. fo
häufig und ftark. daß es unfere Schuldigkeit erfordert. Ew. Excellenz
folche gehorfamft anzuzeigen. ob wir gleic h wohl einfehen. wie fchwer
es ift. dermalen darunter zu remediren.
Da die Annehmung diefer Münzforte bei denen k. Kaffen noth-
wendig etwas eingefchränket werden müffen. hat das hiezu gekommene
Verbot des Agiotirens den üblen Effect gehabt. daß diejenige. fo
mit Courantgeld verfehen. mit der Verwechfelung nur noc h mehr
zurückhalten. wodurc h einestheils das Agio zwifchen Courant und
Münze noc h immer höher getrieben wird. anderntheils wird im
Handel und Wandel der höchft befchwerliche Mißbrauc h eingeführet.
daß Bäcker. Fleifcher. Brauer. Kaufleute. Profeffioniften und felbft
der Landmann ihre äenrees. Victualien und Waaren. wann fie nur
mit Ggr. bezahlet werden könnten. theurer als gegen Courant ver-
kaufen wollen; und da diefer Unterfchied in der Sache felbft nicht
ungegründet. ift man nicht im Stande. durc h publicirende Taxen
diefem Uebel abzuhelfen. und entftehen daraus. befonders an denen
Orten. wo garnisone befindlich. die größte Streitigkeiten zwifchen
dem Soldaten und der Bürgerfchaft. um fo mehr. als erfterer faft
überall dem Verlaut nac h nur mit folcher Münze die Löhnung be-
882 Nr. 79. 80. - 28. Dezember 1763.
kommt; es werden auc h diefe Folgen fchlimmer werden. wann der
Soldat vom .lannarii a. i. an kein Brod mehr bekommt. fondern
felbiges vom Bäcker kaufen muß.
Der Hauptgrund von diefer gewaltigen Unordnung lieget ohne
Zweifel darin. daß die Münzentrepreneurs gar wenig Courant. da-
gegen aber ganz enorme Quantitäten an Ggr.. auc h fogar. wie ver-
lauten will. außer Landes auf fremder Münze fchlagen laffen 1) und
damit das hiefige Land überfchwemmen.
Der Wucher mit der Münze gehet ungemein weit. und foll
vor wenig Tagen das Agio von denen Ggr. auf 36 Procent ge-
ftiegen. bald darauf wieder auf 24 Procent heruntergefallen fein.
und da vermuthlic h die fächfifchen 1/Ztel zum Verfchmelzen gebraucht
werden. ift derfelben 761em* fchon wieder auf 9 Sgr. geftiegen.
E. E. hohen Einficht und Befinden müffen wir gehorfamft
fubmittiren. ob und was für Schranken darunter denen Münz-
entrepreneurs gefeßet werden können. daß fie nicht eine fo ungeheure
Menge an Münze im Lande dispenfiren. dagegen aber daffelbe mit
mehrerem Courantgelde verforgen müffen. ohne welche Verfügung
denen rechtmäßigen Befchwerden des publici nicht abzuhelfen ftehet.
Marginal Schlabrendorffs:
Aus eines hochlöblichen collegii Geehrtem vom 19. diefes fehe
fehr ungerne. daß die Befchwerden des pnbliei wegen der zu häufig
roulirenden 1 Ggr. Stücke von Zeit zu Zeit ebenfalls in Schlefien
größer werden. und es würde mir zum größeften Vergnügen ge-
reichen. wenn ic h hierunter etwas ändern und diefen Befchwerden
ein Ende machen könnte. Ein . . colleginm wird aber felbft fehr
leicht einfehen. daß. da diefe Münzforte mit k. Genehmigung ge-
präget worden. alle dagegen zu machende Vorftellnngen nur ver-
gebens fein würden; daher man denn die fünf Monate. bis wir
gutes Geld bekommen werden. fo gut als möglic h durchzukommen
und die Sache durc h Verordnungen und Verfügungen zu helfen be-
mühet fein muß.
Diefes aber befremdet mic h fehr. daß nac h eines . . colleg-ii
Geehrtem die Regimenter in Ggr. ihre Verpflegung erhalten. da doc
h
in denen k. Kaffen dergleichen nicht genommen und alfo auch aus
folchen nicht an die Regimenter bezahlet werden können. Es müffeu
l) S. oben Nr. 73.
Überfluß an Grofchen. - Verlufte der Münznnternehmer. 383
daher entweder die Kaffen. auf welche die Regimenter zur Hebung
der Verpflegungsgelder angewiefen find. damit wider ihre Jnftrnction
und Pflicht eine Verwechfelung vornehmen. oder es müffen die Regi-
menter felbft dergleichen Umfeßung der Gelder unternehmen. und
ic h erfuche ein . . colleginm. diefe Sache auf das genauefte zu
recherchiren. Findet fich. daß die Kaffenbediente hierunter pflicht-
vergeffend handeln. fo müffen folche auf das ernftlichfte zur Ver-
antwortung und Strafe gezogen werden; bezahlen aber diefe. wie
ic h hoffen will. die Verpflegungsgelder in kaffenmäßigen Münzforten
an die Regimenter. fo wird ein . . collcg-inrn deshalb an fämmt-
liche Herren Commandeurs der Regimenter zu fchreiben und folche
zu requiriren haben. das Umfeßen bei den Regimentern zu inhibiren.
weil fonfteu die Befchwerden der Bürgerfchaften die übelfte Folgen
nac h fich ziehen würden. Hier ift das Gefchrei über die Ggr.-Stücke
ebenfo groß. und niemand weiß folches abzuhelfen.
80. Z'cachweifung der münzunternehmer über ihre Verlufte
während des kirieges
(I). D. (wohl von Ende 1765) und o. U.
Abfchrift. A. B. U. lt. 17. 36 c.
Nachweif ung
der importanten Verlufte. fo wir währenden Krieges gehabt. welche
inc1u8ire deffen. daß man von uns den mitangeführten diesjährigen
Schlagefchaß von 2100000 Rthlr.. nnerachtet gar nichts darauf ge-
münzt ift. vor voll bezahlet haben will. zufammen fic h auf 5436000 Rthlr.
belaufet. Wenn wir alfo auf die viele 100 mit größter Mühe und
Lebensgefahr ausgemünzte Millionen auc h wenigftens nur 5 Procent
Provifion rechnen können. fo ift folcher Gewinnft durc h den Verluft
fchon meift weggerißen. und nnfer Vermögen. wenn wir die dies-
jährige 2 100000 Rthlr. abführen f ollten. ift unmöglic h dazu hinreichend.
1. Deshalben weil die preußifche 1 Gr. Stücke bei den
Kaffen niht in Cnrs gekommen find. haben die Münz-
entrepreneurs in diefem Jahr noc h nicht einmal zu
die 1450000 Rthlr.. fo fie vor den vorjährigen Rück-
ftand bezahlen müffen. kommen können. folglich ift Rthlr.
der Schlagefchaß pro anno 1763 ein Verluft . . 2100000
384
Nr. 80. 81. - 1763- 11. Februar 1764.
10.
500000 Mark fein haben wir zu 193/4 Rthlr. aus-
gemünzt. das Silber dazu aber ift uns mit Unkoften
203/4 Rthlr. hoc h gekommen. verurfacht alfo einen
Schaden von .
. Für die Erlaubniß. auf einigen auswärtigen Münzen
zu prägen. haben wir gezahlt. und. da wir nichts
mehr als von 10000 Mark fein- 6 Pf. Stücke. die
noc h unbegeben liegen. allda ausgemünzt. in der That
verloren Die b6nguer011te8 haben uns. (1irecte und inäi1-e6te.
durc h Disconto bis 12 Procent und durc h den Fall
der Gold- und Silberfpecien gebracht um . . .
An die ausgetaufchte gewiß 20 Millionen fchlechte
Gelder. welches wenig 1/3 Stück und Auguftd'or.
fondern meift fächfifche 1- und 2-Gr. Stücke gewefen.
verlieren wir wegen Finirungs- und Umprägungs-
koften 3 Procent. . . .
. Nac h Polen find. wiewohl ohne Nußen. als Douceur-
gelder von uns gefandt . . . . .
. An den Oberamtmann Vopel haben wir 125000 Rthlr..
an den p. Faber 80000 Rthlr. und überhaupt bei
der alliirteu Armee verloren . . . . . . . .
Die preußifchen Hufaren nahmen uns bei Leipzig
einen Geldtransport von 33000 Rthlr. weg. ohne
daß uns das geringfte wäre wiedergegeben worden
. Bei der Goldentreprife. Verfeßung der großen Summe
Geldes und wohlfeilen Verkauf deffelben haben wir
verloren Bei der Retirade aus Dresden mußten wir dem Graf
v. Boltzahni) und andern vor die Bergung unferer
Gelder eine Vergütung machen mit. . . .
Durc h Straßenraub verloren wir bei Düben
Transport Geld von
einen
12. Unter andern übermachten vielen Millionen könig-
licher Gelder wurden wir bei der Breslauifchen Be-
lagerung auc h gezwungen. 1500000 Rthlr. Kaffen-
jj Graf Bolza.
Rthlr.
500000
150000
450000
600000
200000
400000
33000
700000
200000
28000
Verlufte der Münznnternchmer. - Thmpfe für Polen. 385
geld. fo uns gar nicht anging. mit der größten Ge-
fahr durch die feindliche Armee und über Prag zu
überwachen. welches uns vor Transport und Pro- Rthlr.
vifion gekoftet. . . . . . . . . . . . 75000
8111111n8 5436000
Gefchweigen aller Unkoften und Verlufts. den uns eine fechs-
malige Retirade aus Leipzig und das öftere Flüchten aus Berlin
mit Effecten und Perfonen caufiret hat.
81. Bericht des Generalmünzdirektors Ar'o'ncke über den Aontrakt
mit Levin über Tpmpfmünzung.
Berlin. 11. Februar 1764.
Konzept. Lt. 8111. 1.
E. K. M. habe hiermit . . einberichten follen. wie ein Jude
aus Frankfurt a. O. Namens Levin fich bei mir gemeldet und an-
gezeiget. daß er bemittelte polnifche Juden ausfündig gemacht habe.
welche vorläufig 'zum Debit von einer Million Thaler polnifche
Thmpfe. hienächft aber. und wann der Debit gut von ftatten ginge.
fich zu mehrern engagiren würden. wann E. K. M. . . concediren
möchten. daß die Mark fein Silber darin zu 60 Rthlr. ausgemünzt
werden dürfe. wobei er. um folche Ausmünzung ganz geheim zu be-
treiben. die Magdeburger Münze vorfchlug. auch daß der in Polen
fogenannte Breslauer Stempel zu deren Ausprägung genommen
werden möchte.
Dagegen wollten fie fich verbindlich machen. E. K. M. von
einer Million Thaler dergleichen Thmpfe. wozu 1*66662/3 Mark fein
Silber erfordert werden. pro Mark 11/2 Dukaten. das find über-
haupt 25000 Stiick Dukaten an reinen Schlagefchaß zu bezahlen.
welche .ir 21'-/4 Rthlr. 68750 Rthlr. in fchweren Silbergelde oder
343750 in mehrgemeldte Thmpfe betragen; folches macht nach den
Silberpreis 1r 12 Rthlr. 343/8 Prozent Gewinn in Dukaten oder
fchweren Silber-Gelde.
Zu einer höhern Offerte habe gedachten Levin bis änto noch
nicht bringen können. indem er beweifen will. daß es nicht mehr
Zeta 1101-11Z81e8. Münzwefen 1ll. 25
386 Nr. 82. 83. - 12.-20. Februar 1764.
möglich fei. das Stück von denen neuen Thmpfe anjeßo in Polen
nach dem dafelbft publicirten Edict von 1.762 zu 15 Grofchen pol-
nifch oder 2 gute Grofchen zu debitiren. fondern daß dafelbft ftatt
36 Stück Thmpfe. welche damals gleich einen Dukaten angenommen
worden. nunmehr 42 bis 45 Stück neue Thmpfe für einen Dukaten
bezahlet werden müßten.
Hiernächft1) machte der Levin mir den Antrag. daß. wann
denen polnifchen Juden auch polnifche Kupferfchilling in oberwähnter
Münze mit auszumünzen allergnädigft bewilligt werden möchte. fie
pro Centner 10 Rthlr. Schlagefchaß ebenfalls in Dukaten bezahlen
und die gefchnittene Kupferplatten darzu liefern wollten.
Zugleich würden fie fich engagiren. das zu vorgedachter Thmpf-
ausmünzung erforderliche Silber von außerhalb Landes anzufchaffen
und folches denen andern k. Münzen nicht zu entziehen. auch alle
Münz- und Transportkoften felbft zu bezahlen. Und damit E. K. M.
wegen des Schlagefchaßes vorläufig gefichert feind. fo will der Levin
die polnifche Juden dahin vermögen. daß felbige. bevor mit folcher
Ausmünzung angefangen würde. fogleich 6000 Stück Dukaten
deponiren follten.
82. Liabinetts0rder an den Seneralmünzdirekwr -kiröncke über
Ausmünzung von Tympfen durch Juden.
K0tsdam. 12. Februar 1704.
Ausfertigung. lt. L111. 1.
S. K. M. haben aus den . . Bericht vom 11. diefes Dero
Münzdirector Krönicke erfehen. was derfelbe wegen eines von einen
Frankfurter Juden ihn gethanen Antrag von bemittelten polnifchen
Juden. welche er ausfündig gemachet und welche vorläufig zum
Debit Einer Million Thlr. polnifcher Thmpfe fich vorerft engagiren
-wollen. gemeldet und angeführet hat; worauf Sie denfelben hierauf
in Antwort erteilen. wie fothaner Antrag in fo weit S. K. M. ganz
lieb ift. weileu die Ausmünzung derer Thmpfe nothwendig gefchehen
muß. Nur allein glauben Höchftdiefelbe. daß gedachte Entreprenneurs
1) Auf das Folgende antwortete der König in der Kablnettsorder vom
12. (Nr. 82) nicht. vielleicht ftand es nicht in der Reinfchrift.
Thmpipkägung für Poten. 387
wegen des Schlagefchaßes noch höher als die offerirten 25/1n Du-