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2014 Gründer: Unternehmergeist kennt keine Hindernisse | ZEIT ONLINE
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-09/gruender-unternehmer-bildungsabschluss-alter-kapital 1/4
GRÜNDER:
Unternehmergeist kennt keine
Hindernisse
Eine eigene Firma gründen ohne Schulabschluss, ohne
Geld oder sogar kurz vor der Rente? Das geht. Wir zeigen
Beispiele, die Mut machen. von Paul Henkel
22. September 2014 06:39 Uhr 10 Kommentare
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Ali Mahlodji im November 2013 in Wien | © Martina Draper/dpa
Ali Mahlodji brach ein Jahr vor dem Abitur die Schule ab. Mit gut 40
verschiedenen Jobs hielt er sich in den folgenden Jahren über Wasser. Dann
machte er doch noch seinen Schulabschluss, studierte und machte Karriere in
einem Unternehmen. Aber irgendwann reichte es ihm – er kündigte seine
Führungsposition und gründete 2011 sein eigenes Unternehmen: Whatchado,
eine Videoplattform, die Nutzern verschiedene Berufsbilder vorstellt und sie
mittels Job-Matching bei der Berufswahl unterstützt.
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Mittlerweile ist Whatchado mehrfach ausgezeichnet worden, auch in Deutschland
vertreten und Mahlodji EU-Jugendbotschafter. Vom Schulabbrecher zum
Überfliegerunternehmer – ist das ein Modell zum Nachmachen? Tatsächlich war
Mahlodji kein Ungelernter und hatte den Makel seiner Jugend längst abgelegt,
den konventionellen Bildungsweg absolviert. Laut DHIK werden unter den
Ungelernten nur etwa sechs Prozent Unternehmer. Bei Absolventen einer
Ausbildung liegt die Selbstständigenquote bei zehn Prozent. Und bei den
Akademikern wagt immerhin jeder fünfte den Schritt in die Selbstständigkeit,
sagt Marc Evers, Leiter des Referats Existenzgründung der DIHK.
Evers ist davon überzeugt, dass jeder in der Bundesrepublik die Chance hat,
erfolgreicher Unternehmer zu werden: "Am wichtigsten ist die Geschäftsidee.
Wer unternehmerisches Fingerspitzengefühl und einen Riecher für das richtige
Angebot zur richtigen Zeit mitbringt, der kann es schaffen, ob Tellerwäscher oder
Hochschulprofessor", sagt der Gründungsexperte.
Eine Idee allein garantiert jedoch noch keinen Erfolg. Für viele Gründungen
braucht es Startkapitel. Hier tut sich eine nächste Hürde auf. Gründen mit
schmalem Geldbeutel – geht das?
Wer nicht auf Investoren oder Kredite zurückgreifen will, dem bleiben viele
Möglichkeiten, sich im Dienstleistungsbereich selbstständig zu machen. "Auch im
Handel gibt es Möglichkeiten, etwa im spezialisierten Einzelhandel. Viele ehemals
Arbeitslose machen sich in diesen Branchen selbstständig", sagt Evers.
Prädestiniert für Gründungen ohne große Investitionen ist die IT-Branche.
Martin Glanert hat sich bereits neben seinem Studium der Psychologie vom
Laptop aus selbstständig gemacht, als Online-Marketing-Spezialist. "Mein Wissen
habe ich mit jedem Auftrag erweitert. Dadurch hat zwar die Bearbeitung teilweise
länger gedauert, aber diese Investition hat sich gelohnt." 2010 nach dem Ende
seines Studiums wurde sein Unternehmen Serious Marketing zum Vollzeitjob.
Dass er von Beginn an von seiner Selbstständigkeit leben konnte, verdankt er
seinem unternehmerischen Spürsinn, nicht seiner Finanzkraft. "Ich hatte eine
Marktlücke entdeckt. Ich arbeitete als Trainer für eine Präsentationssoftware, die
in Deutschland noch wenig verbreitet war, gab Workshops und Seminare", erzählt
er. Dadurch ergaben sich Kontakte zu Unternehmen, die ihn für weitere Aufträge
buchten oder ihn weiterempfahlen. Gleichzeitig verbesserte und erweiterte er
kontinuierlich seine Dienstleistungen. Rückblickend seien die Kontakte sogar
entscheidender gewesen als Kapital, sagt Glanert.
DIHK-Gründungsexperte Evers ist davon überzeugt, dass Kleinunternehmen wie
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die von Glanert immer bedeutender für den Mittelstand werden. "Viele
Großunternehmen lagern Funktionsbereiche aus. Auch bei persönlichen
Dienstleistungen kann viel mit kleinen Unternehmen umgesetzt werden. Zudem
lässt die demografische Entwicklung die Nachfrage nach vielen Angeboten
steigen, wie etwa Gesundheitsdienstleistungen oder Services für ältere
Menschen."
Gründer ab 40 Jahren sind oft erfolgreicher
Ältere Menschen sind nicht nur eine zukunftsträchtige Zielgruppe für
Unternehmer, sie sind auch selbst immer häufiger genau das selbst –
Unternehmer. Von 2007 bis 2012 stieg die Zahl der über 45-jährigen Gründer von
rund 23 auf 30 Prozent an. Nach Einschätzung des Rationalisierungs- und
Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft wird sich diese Entwicklung
fortsetzen. Höheres Alter muss als Gründer kein Handicap sein. Ältere profitieren
von ihrer Berufs- und Lebenserfahrung.
Karola Haake etwa hat sich mit 58 Jahren selbstständig gemacht. Ihr alter
Arbeitgeber konnte ihr nach einer Umstrukturierung nur eine Position mit viel
Reizeit anbieten. Das kam für Haake nicht mehr infrage. Aber ihre Chancen, in
ihrem Alter bei einem anderen Arbeitgeber unterzukommen, standen schlecht.
Also beschloss sie, ihren gelernten Beruf als Perückenberaterin selbstständig
auszuüben. Seit mittlerweile vier Jahren berät sie Frauen, oft an Krebs erkrankte,
die richtige Perücke zu finden. Sie hilft beim passenden Make-up und bei
Anträgen für die Krankenkasse. Ganz bewusst hat sie keine Kredite aufgenommen
oder Rücklagen angebrochen. "So habe ich zwar wenig Geld für Werbung und
alles geht etwas langsamer voran", sagt die mittlerweile 62-Jährige. Aber sie weiß
ihre Altersvorsorge in Sicherheit.
Noch kann sie nicht von ihrer Selbstständigkeit allein leben. Aber das ist für
Haake nicht das Wichtigste: "Ich habe tolle Begegnungen, kann mir das ein oder
andere außer der Reihe gönnen und sitze nicht den ganzen Tag in meiner
Wohnung." Ans Aufhören denkt sie nicht, plant stattdessen Werbeaktionen rund
um ihre neue Website. "Wenn die Rente kommt, mache ich trotzdem weiter. Ich
arbeite gerne."
Fehlt das eigene Kapital, haben es Ältere als Gründer oft schwerer als jüngere:
Viele Banken sind skeptisch, ob die geschäftsaktive Zeit noch ausreicht, um
mögliche Kredite und Zinsen zu tilgen. Grundsätzlich steht das Alter aber in
keinem Zusammenhang zum Unternehmenserfolg: Statistiken zufolge sind fünf
Jahre nach Gründung noch 50 Prozent der Unternehmen am Markt. Bei jüngeren
wie älteren Gründern.
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