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Untersuchungen zur Landwirtschaft der vor- und

frühdynastischen Zeit in Tell-el-Fara'in - Buto
Vorbericht
Von
Ursula Thanheiser
Wien
1. Einleitung
Untersuchungen zu Ernährung und Umwelt des
prähistorischen Menschen sind ebenso notwendig
wie die Bearbeitung des klassischen archäologi-
schen Fundgutes. Pflanzenreste sind direkte Zeugen
menschlicher Subsistenzwirtschaft. Im Gegensatz
zu diesen läßt ein Gerät nur indirekte Schlüsse auf
landwirtschaftliche Aktivitäten zu, da das gleiche
Gerät für vielerlei Zwecke verwendet worden sein
konnte. So konnten beispielsweise mit einem Mahl-
stein nicht nur domestiziertes Getreide, sondern
auch getrocknete Rhizomknollen gemahlen worden
sein.
In Trockenbodensiedlungen wie Buto, wo der
Boden gut durchlüftet ist, werde;n Pflanzenreste
schnell zersetzt. Deshalb können nur· verkohlte
Pflanzenreste erhalten bleiben. Diese Tatsache
wirkt sich limitierend auf die Aussagemöglichkeit
bezüglich der ehemaligen Umwelt der Siedlung aus,
da nur ein geringer Teil jener Pflanzen, die früher
dort wuchsen oder von den Bewohnern verwendet
wurden, mit Feuer in Berührung kam und so in ver-
kohlter Form erhalten blieb. Klarheit über die ehe-
malige Umwelt und über Klimaverhältnisse können
deshalb besser durch Pollen- und Sedimentanalyse
gewonnen werden.
2. Material und Methode
Während der Grabungskampagne 1988 wurden in
den Quadranten TEF 87 T IX und TEF 88 U I1 aus
allen archäologischen Schichten und Fundzusam-
menhängen, die sichtbare Beimengungen an ver-
1 Zur Lage der Flächen siehe VON DER WAY 1988, 284.
kohlten Substanzen enthielten, Proben genommen
2
.
In der Sondage TEF 87 T X wurde aus jedem Abhub
eine Probe genommen, egal, ob durch eine dunklere
Verfärbung des Bodens ein erhöhter Anteil an ver-
kohltem Material zu erwarten war oder nicht
3
. Die
Erdmenge pro Probe schwankte zwischen 10 und 65
Liter.
Zur Gewinnung der Pflanzenreste wurden die
Proben möglichst bald nach ihrer Entnahme in noch
feuchtem Zustand mit der üblichen Flotationsan-
lage geschlämmt, wobei ein geologischer Siebsatz
mit Maschenweiten von 4mm, 2mm, Imm und
0.50mm verwendet wurde. Bei einer Kontrolle des
Sedimentes (d.h. des Probenrückstandes am Boden
der Tonne und im Netz) wurde festgestellt, daß mit-
tels Flotation nicht alle Pflanzenreste, die ur-
sprünglich in einer Probe enthalten waren, erfaßt
werden. Deshalb wurde das Sediment nach dem
Trocknen nochmals mittels Stirnlupe, bzw. Sedi-
mentfraktionen mit einer Korngröße von weniger
als Imm Durchmesser unter dem Binokular durch-
gesehen.
Der Erhaltungszustand der Pflanzenreste ist
unterschiedlich. So sind größere Samen und
Früchte generell sehr schlecht erhalten. Sie erwek-
ken den Eindruck, als wären sie bei sehr großer
2 Zum Schichtaufbau siehe VON DER WAY 1989.
3 Während der Frühjahrskampagne 1988 wurden insge-
samt 61 Proben geborgen: 3 aus Schicht Ia, 10 aus Schicht Ib,
11 aus Schicht II, 20 aus Schicht III und 17 aus Schicht IV.
Hier wird die Gesamtheit der Proben nur für die Schichten Ia
bis II aus der Sondage TEF 87 T X vorgestellt. Aus den
Schichten III und IV wurden 3 bzw. 6 repräsentative Proben
ausgewählt. Die Untersuchungsergebnisse werden in einer
Übersichtstabelle wiedergegeben. Eine ausführliche Darstel-
lung der Ergebnisse ist für den AV-Band zu Buto geplant.
40 Ursula Thanheiser
Hitze verkohlt. Sie sind meist geplatzt und liegen
zudem häufig nur als Bruchstücke vor. Dies schlägt
sich im hohen Prozentsatz nicht näher bestimmba-
rer Getreidekaryopsen und Samen von Hülsen-
früchtlern nieder. Kleinere Samen und Früchte hin-
gegen sind besser erhalten. Auffällig ist, daß ein ho-
her Prozentsatz der Karyopsen von Gräsern Bißspu-
ren aufweist.
3. Ergebnisse
A. Nutzpflanzen
An landwirtschaftlich angebauten Nutzpflanzen
konnten Triticum dicoccum SCHÜBL. (Emmer),
Hordeum sativum var. distichon (L.) BECK (Zwei-
zeilige Gerste), Hordeum sativum PERS. var. hexa-
stichon (L.) RICHT. (Sechszeilige Gerste), Lens culi-
naris MEDIK. (Speiselinse) und Linum usitatissi-
mum L. (Flachs), sowie die Gartenpflanzen Ficus ca-
rica L. (Hausfeige) und Vitis vinifera L. (Weinrebe)
nachgewiesen werden. Weizen, Gerste, Linse und
Weinrebe stammen aus dem nahöstlichen Raum
4
,
müssen also schon früh in domestizierter Form von
dort nach Ägypten gelangt sein.
Getreide
Die einzige sicher nachgewiesene Weizenart ist Tri-
ticum dicoccum. In Ägypten stammt der älteste
Fund aus Nabta Playa in der Libyschen Wüste. Hier
wurde ein Ährenspindelfragment gefunden, das mit
der C1LMethode in das 7.Jt.v.Chr. datiert wurde
5
.
Vom 5.Jt.v.Chr. an ist T.dicoccum durch zahlreiche
Funde belegt
6
. Man stellte daraus vor allem Brot
und - vermischt mit Dattelessenz - Bier her
7
.
Weiters wurden sieben Karyopsen gefunden, bei
denen nicht sicher geklärt werden konnte, ob sie
Triticum dicoccum oder T.durum DESF. (Hartwei-
zen) zuzuordnen sind. Da keine Spindelfragmente
gefunden wurden, bleibt der Anbau von Hartweizen
in Buto fraglich. In Ägypten scheint Hartweizen al-
lerdings vor der ptolemäischen Zeit keine bedeu-.
tende Rolle gespielt zu haben. Bei allen bisherigen
Funden aus prädynastischer und dynastischer Zeit
gilt die Bestimmung als nicht gesichert, bzw. wird
ihr antiker Ursprung angezweifelt
8
. Nur in Tell el-
Dab'a wurde in einer Probe aus der Siedlung der
Zweiten Zwischenzeit ein Spindelfragment gefun-
den
9
.
4 HARLAN & ZOHARY 1966; ZOHARY & HOPF 1973;
ZOHARY & SPIEGEL-ROY 1975.
5 STEMLER & FALK 1980, 393f.
6 TÄCKHOLM & TÄCKHOLM 1941, 242f.
7 HELCK 1975, 10.
8 TÄCKHOLM & TÄCKHOLM 1941, 254f.
9 THANHEISER 1987, 42.
Die wohl wichtigste Gerstenart in Buto war
Hordeum sativum var. distichon. Bei dieser Varietät
bildet nur das zentrale Ährchen eines Spindelab-
schnittes nach der Befruchtung eine symmetrische
Karyopse (Korn). Die Ähre erscheint im Querschnitt
zweizeilig. Bei H.sativum var. hexastichon hingegen
sind alle drei Ährchen eines Spindelabschnittes fer-
til. In ihnen entstehen eine zentrale, symmetrische
und zwei laterale, asymmetrische Karyopsen. Die
Ähren erscheinen im Querschnitt bei kurzen Spin-
delgliedern sechszeilig. Die Zuordnung zu einer der
beiden Varietäten erfolgt normalerweise auf Grund
des Verhältnisses von symmetrischen zu asymmetri-
schen Karyopsen. Dies erscheint allerdings bei ver-
kohltem Material problematisch, da auf Grund von
Formveränderungen beim Verkohlen die Symme-
trieverhältnisse in vielen Fällen nicht mehr eindeu-
tig erkannt werden können. Außerdem ist die An-
zahl der in Buto gefundenen Karyopsen zu klein, um
eine statistische Aufteilung sinnvoll erscheinen zu
lassen. Eine sichere Zuordnung ist nur mittels der
Bestimmung der Spindelfragmente möglich. Hier
überwiegen in Buto diejenigen von H.sativum var.
distichon bei weitem. Dies ist umso erstaunlicher,
als der Nachweis von H.sativum var. distichon in
Ägypten bisher problematisch war. Sie wurde für
die Zeit um 4000v.Chr. aus dem Fayum gemeldet10,
doch zweifelt Helbaek an der Richtigkeit dieser Be-
stimmung11. Auch spätere Funde wurden, mit der
Ausnahme von zwei Spindelfragmenten in der Sied-
lung der Zweiten Zwischenzeit in Tell el-Dab'a
12
,
nie mit Sicherheit als Zweizeilige Gerste bestimmt.
Nach der Anzahl der übrigen Funde zu schließen,
war in Ägypten allerdings Hordeum sativum var.
hexastichon die am häufigsten angebaute Gerste
13
.
Die ältesten Funde stammen aus Nabta Playa und
wurden vom Ausgräber auf ca. 6100v.Chr. datiert 14.
Im pharaonischen Ägypten zählte die Sechszeilige
Gerste zu den Volksnahrungsmitteln. Man stellte
daraus Brot her, das allerdings im Vergleich mit
Emmerbrot von minderer Qualität war. Der Groß-
teil wurde zu Bier verarbeitet
15
.
Hülsenfrüchtler
Der Anteil der gefundenen Hülsenfrüchtler ist in
Buto sehr gering. In Schicht III fehlen sie völlig.
Daraus eine geringe Bedeutung abzuleiten, wäre al-
lerdings verfehlt, da Hülsenfrüchtler (wie Nacktge-
10 CATON-THOMPSON & GARDNER 1934, 48.
11 HELBAEK 1959, 370.
12 THANHEISER 1987, 44.
13 TÄCKHOLM & TÄCKHOLM 1941, 288f.
14 STEMLER & FALK 1980, 393.
15 WILD 1977, 554.
Untersuchungen zur Landwirtschaft der vor- und frühdynastischen Zeit in Tell-el-Faracin - Buto 41
treide) eine geringere Chance haben, in verkohlter
Form erhalten zu bleiben als z.B. Spelzgetreide
16
.
Ob Pisum sativum L. (Erbse)!?, Vicia ervilia L.
(Linsenwicke) und Lathyrus sativus L. (Saatplatt-
erbse) für die menschliche Ernährung oder als Vieh-
futter angebaut wurden, oder ob sie als Ackerun-
kräuter wuchsen, konnte nicht geklärt werden. Die
einzige Art, die sicherlich als Nahrungspflanze an-
gebaut wurde, ist Lens culinaris (Speiselinse). In
Ägypten ist die Linse seit dem Neolithikum durch
einen Fund in Matmar belegt
18
.
Faserpflanzen
Vier Samen von Linum usitatissimum (Flachs) wur-
den in Schicht III gefunden. Flachs wurde ur-
sprünglich als Faserpflanze genutzt. Die ältesten
ägyptischen Funde von Kapseln und Samen stam-
men aus der neolithischen Siedlung in Ma'adi1
9
. Aus
den Fasern, die widerstandsfähiger sind als jene von
Wolle und Baumwolle, wurde eine Vielzahl von Tex-
tilien hergestellt. Die Herstellung von Leinen ist in
Ägypten seit dem Neolithikum belegt
2o
.
Nutzgehölze
Insgesamt einhundertfünfzehn Nüßchen von Ficus
carica L. (Hausfeige) wurden in Proben ab der
Schicht II gefunden. Der Feigenbaum ist eine alte
Kulturpflanze des östlichen Mittelmeerraumes und
wird vor allem wegen seiner zuckerhaltigen Früchte
genutzt. Im Gegensatz zu Fsycomorus L. (Sykomo-
renfeige), die bei vielen Grabungen gefunden wurde,
sind Funde von Fcarica selten. Der bisher älteste
Fund stammt aus einem Grab der 12.Dynastie in
Dra Abu el Naga
21
.
Von Vitis vinifera L. (Weinrebe) wurden ab der
Schicht II insgesamt siebenundsechzig Samen ge-
funden. Da die Weintraubenkerne nur als Frag-
mente vorliegen, konnten Messungen zur Unter-
scheidung von Wild- (Vitis vinifera ssp. sylvestris
[C.C.GMEL.] Berger) und Kulturform (Vvinifera L.
ssp. vinifera)22 nicht durchgeführt werden. Da die
Wildform jedoch nicht der ägyptischen Flora ange-
hört und außerdem die Weinkultur in Ägypten seit
16 THANHEISER 1987, 42f.
17 Da ~ o w o   Pisum sativum L. ssp. sativum (Garten-
erbse) als auch P. sativum ssp. arvense (L.) ASCH. et
GRAEBN. (Felderbse) eine glatte Samenschale haben, ist es
jetzt noch unmöglich, die beiden Unterarten in archäologi-
schem Material sicher zu unterscheiden.
18 ZOHARY & HOPF 1988, 91.
19 KROLL 1989, 130.
20 LUCAS 1962, 143.
21 SCHWEINFURTH 1884, 368.
22 cf. HOPF 1962, 4f.
prädynastischer Zeit belegt ist2
3
kann angenommen
werden, daß es sich bei den gefundenen Samen um
die der Kulturform handelt.
B. Unkräuter
Alle gefundenen Unkräuter gehören der ägypti-
schen Flora an und sind auch heute noch mit Win-
tersaaten assoziiert. Den weitaus größten Teil stel-
len die Poaceae (Gräser), wobei ein nicht näher be-
stimmbarer Lolium-Typ überwiegt. Es handelt sich
dabei um Gräser mit relativ großen Karyopsen (über
drei Millimeter Länge) und einem linearen Nabel,
der über mindestens die Hälfte der Länge der Ka-
ryopse reicht. In Ägypten fallen in diese Gruppe un-
ter anderem Lolium temulentum L. (Taumellolch),
Bromus diandrus ROTH, Agropyron repens (L.) PB.
(Gemeine Quecke) und Festuca arundinacea
SCHREBER (Rohrschwingel). Da die Oberflächen
der Karyopsen meist erodiert sind, war die Bestim-
mung bis zur Gattung bzw. Art nur selten möglich.
Häufig sind weiters Chenopodium murale L.
(Mauergänsefuß), Chenopodium sp. (Gänsefuß), Ru-
mex sp. (Ampfer), ein nicht näher bestimmbarer Tri-
folium-Typ, Vicieae, Fabaceae (Schmetterlingsblüt-
ler), Cyperus sp. (Zypergras) und Phalaris sp.
(Glanzgras).
C. Mögliche Sammelpflanzen
Neben Landwirtschaft und Gartenkultur kann auch
das Sammeln wildwachsender Pflanzen eine wich-
tige Rolle für die Ernährung der Bevölkerung, oder
zur Gewinnung von Gewürzen und Arzneimitteln
spielen.
Aus den Blättern von Chenopodium album L.
(Weißer Gänsefuß), Rumex sp. (Ampfer) und Malva
parviflora L. (Käspappel) kann ein spinatähnliches
Gemüse zubereitet werden. Allerdings werden hier-
für meist nur junge Pflanzen gesammelt, also Pflan-
zen, die noch keine Früchte tragen.
Die stärkehaitigen Samen von Chenopodium al-
bum wurden früher auch getrocknet und gemahlen.
Aus dem gewonnenen Mehl wurde Grütze herge-
stellt, oder es fand als Beimengung zu Getreidemehl
in den sogenannten Hungerbroten Verwendung.
Auch die Samen von Malva parviflora können ge-
gessen werden. Sie sollen erbsenartig schmecken.
Verschiedene Malvenarten werden seit alters
her als Heilpflanzen geschätzt. Blüten, Blätter und
Wurzeln sind heute noch als Drogen gebräuchlich
und werden vor allem zur Behandlung von Erkran-
kungen des Magen-Darm Traktes und der respirato-
23 RENFREW 1973, 127.
42 Ursula Thanheiser
rischen Organe verwendet
Z4
• Malva parviflora wird
auch in Gemüsegärten angebaut
Z5

Die Blüten verschiedener Kamillenarten, vor al-
lem jene von Matricaria recutita L. (Echte Kamille)
werden auch heute noch gesammelt. Aus ihnen wer-
den Salben zur Behandlung von Hautkrankheiten
und Tee hergestellt, der krampflösend wirkt. Sie
werden auch zur Erzeugung von Kosmetika verwen-
det.
Ob Rumex dentatus L. für medizinische Zwecke
gesammelt wurde, wie das für einen Fund in Anti-
noe (römische Epoche) angenommen wird
z6
, ist un-
klar, da R.dentatus ssp. callosissimus (MEISN.)
RECH. ein häufiges Unkraut in Ägypten ist. Auch
Chenopodium album und Malva parviflora sind weit
verbreitete Unkräuter und könnten auch gemein-
sam mit dem Erntegut in die Siedlung gelangt sein.
D. Holzkohle
Obwohl Holzkohle den weitaus größten Teil an ver-
kohltem Material ausmacht, war auf Grund der
Kleinheit und des schlechten Erhaltungszustandes
der Fragmente nur ein sehr geringer Prozentsatz be-
stimmbar
z7
. Es handelt sich in allen Fällen um Aca-
cia sp. (Akazie) und um Tamarix sp. (Tamariske).
Beide Gattungen sind auch heute im Nildelta weit
verbreitet.
4. Interpretation
Mit Ausnahme von Schicht IV stammen alle Proben
aus Siedlungsschutt mit nicht näher definiertem ar-
chäologischem Kontext. Die sechs Proben von
Schicht IV kommen alle vom Flur desselben Hauses.
In diesen Proben ist die Anzahl der gefundenen
Pflanzenreste pro 10 Liter Erde wesentlich höher
als in den Proben aus älteren Schichten (la bis III).
Ob dies auf das geringere Alter der Proben zurück-
zuführen ist, oder darauf, daß es sich hier um einen
Siedlungsbereich handelt, in dem Pflanzen verar-
beitet wurden, bleibt unklar.
Die Zusammensetzung sämtlicher Proben aus
allen Schichten ist erstaunlich homogen. In allen
Proben überwiegen Nutzpflanzenreste und die mit
dem Nutzpflanzenanbau assoziierten Unkräuter.
Bei den Nutzpflanzenresten dominieren Rhachis-
und Spelzenfragmente. Die überwiegende M;ehrheit
24 GRIEVE 1984, 509f.
25 GERMER 1985, 121.
26 BONNET 1905, 7.
27 Holzkohlenstücke von mehr als 1cm Durchmesser sind
in den hier erörterten Schichten äußerst selten. Die geborgene
Holzkohle befand sich größtenteils im Flotat. Nur selten
wurde Holzkohle direkt bei der Grabung geborgen. Sie zerfiel
meist beim Trocknen.
der Unkräuter stellen Pflanzen, deren Samen bzw.
Früchte kleiner sind als jene der Nutzpflanzen. Dies
deutet darauf hin, daß es sich bei den gefundenen
Pflanzenresten vor allem um Abfallprodukte aus
der Getreideverarbeitung, insbesondere um Abfälle
des Fein-Siebens handelt
z8
. Viele Graskaryopsen
weisen Bißspuren auf. Dies kann so gedeutet wer-
den, daß die Abfallprodukte des Fein-Siebens nicht
verbrannt, sondern an Haustiere verfüttert wurden.
Durch Verfeuerung des Dunges konnten diese
Pflanzenreste erhalten bleiben.
Das Verhältnis von Weizen zu Gerste ist mit
Ausnahme von Schicht Ib und II ausgewogen. In
Schicht Ib dominiert Gerste, während in Schicht II
Weizen vorherrscht. Gerste reagiert weniger emp-
findlich auf ein vorzeitiges Austrocknen des Bodens
als Weizen und ist auch toleranter gegenüber erhöh-
ter Bodensalinität. Sie bringt deshalb auch unter
wenig optimalen Bedingungen noch gute Erträge.
Daß in Schicht Ib die Bedingungen für einen Wei-
zenanbau weniger günstig waren, wird auch durch
das Vorkommen von zwei Unkräutern, nämlich
Scorpiurus sp. und Crypsis sp., angedeutet. Beide
kommen in geringer Zahl nur in dieser Schicht vor.
Crypsis aculeata (L.) AlT. ist eine Zeigerpflanze
für erhöhte Bodensalinität und Scorpiurus mu-
ricatus L. gilt als Indikator für das Vordringen
arider Bedingungen. Allerdings muß diese Interpre-
tation hypothetisch bleiben, da in beiden Fällen die
Art nicht bestimmt werden konnte.
In allen Proben, in denen eindeutig bestimm-
bare Rhachisfragmente von Gerste gefunden wur-
den, überwiegen jene von Hordeum sativum var. di-
stichon. Sie produziert größere Karyopsen als H.sa-
tivum var. hexastichon und wird heute vor allem
wegen ihres geringen Eiweiß- und hohen Stärkege-
haltes zur Bierherstellung verwendet
Z9
. Dieses Er-
gebnis ist ungewöhnlich, da in Ägypten H.sativum
var. distichon bisher nur selten gefunden wurde.
Gartenpflanzen wie Feige und Weinrebe treten
erst ab Schicht II auf. Sie nehmen in den folgenden
Schichten an Bedeutung zu. Dies könnte als Hin-
weis darauf gedeutet werden, daß die Gartenbau-
kultur in Buto jüngeren Datums ist als der Feldbau.
Samen bzw. Früchte von Pflanzen, die mögli-
cherweise gesammelt wurden, machen generell nur
einen geringen Prozentsatz aus. Dies ist nicht er-
staunlich, da Pflanzen, aus denen Gemüse gekocht
werden soll und Pflanzen, die zur Herstellung von
Arzneimitteln verwendet werden, meist gesammelt
werden bevor sie fruchten. Eine Ausnahme hierzu
28 HILLMAN 1984.
29 FRANKE 1985, 89f.
Untersuchungen zur Landwirtschaft der vor- und frühdynastischen Zeit in Tell-el-Faracin - Buto 43
bilden Malva parviflora und Chenopodium album,
von denen auch die Samen verwendet werden.
5. Zusammenfassung
In Buto liegen Pflanzenreste nur in verkohlter Form
vor. Die in den Proben gefundenen Pflanzenreste
wurden nach ihrer möglichen Herkunft und Ver-
wendung analysiert. Dabei stellte sich heraus, daß
die Zusammensetzung der Proben aus allen Schich-
ten erstaunlich homogen ist. Reste landwirtschaft-
lich angebauter Nutzpflanzen (v.a. Emmer und
Zweizeilige Gerste) und die mit dem Nutzpflanzen-
anbau assoziierten Unkräuter dominieren. Mit dem
Gartenbau scheint man erst in Schicht II begonnen·
zu haben. Das Sammeln wildwachsender Pflanzen
scheint, sollte es sich bei den in Frage kommenden
Pflanzen nicht doch um Unkräuter handeln, vor al-
lem in den frühen Besiedlungsphasen eine gewisse
Rolle gespielt zu haben.
BONNET M. E., 1905:
CATON-THOMPSON G. &
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FRANKE W, 1985:
GERMER R, 1985:
GRIEVE M., 1984:
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1966:
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HILLMAN G. C., 1984:
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LUCAS A., 1962:
RENFREW J. M., 1973:
SCHWEINFURTH G., 1884:
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Untersuchungen zur Landwirtschaft der vor- und frühdynastischen Zeit in Tell-el-Faracin - Euto
Tab.1 Die Pflanzenreste von Huto (Übersicht)
45
Schicht Ia Ib II III IV
Triticum dicoccum Ägl 18 152 452 31 156
Triticum dicoccum Äg term 1 5 - - 10
Triticum dicoccum
2
10 11 75 9 20
Triticum dicoccum Sk - 5 1 - -
Triticum dicoccumldurum 2 - 1 2 2
Triticum sp. Rf - 20 35 3 2
Triticum sp. Sb 7 552 862 182 937
Triticum sp. 3 30 70 7 10
Triticum sp. Sk - 1 3 - -
Hordeum sativum var. - 52 11 - -
distichon Rf
Hordeum sativum var. - 6 - - -
hexastichon Rf
Hordeum sativum s/S - 4 7 4 1
Hordeum sativum s/S Sk - 1 - - -
Hordeum sativum sI? 10 59 22 12 3
Hordeum sativum sI? Sk 1 2 - - -
Hordeum sativum aiS - - 1 - 8
Hordeum sativum al? - 1 5 - -
Hordeum sativum a/? Sk - - 1 - -
Hordeum sativum ?/S 1 1 3 - -
Hordeum sativum indet. Rf - 27 9 - -
Hordeum sativum indet. 11 27 57 8 12
Hordeum sativum indet. Sk - 1 2 - -
Getreide indet. 1 - 23 - -
Getreide indet. 37 273 296 19 27
Getreide indet. Embryo - 8 35 16 97
Vicia ervilia - - 1 - -
Lens culinaris 5 8 7 - 1
Lathyrus sativus 2 11 23 - 4
Pisum sativum 1 5 9 - 2
Vicieae indet. 7 20 103 - 23
Linum usitatissimum - - - 4 -
Ficus carica - - 1 33 81
Vitis vinifera - - 1 7 59
Chenopodium album 3 136 57 20 1
Chenopodium murale - 70 42 12 1
Chenopodium sp. 6 142 75 20 9
Suaeda sp. 4 29 8 29 -
Polygonum persicaria - - 1 - 1
PolygonumlRumex sp. - 57 33 - 12
Rumex simpliciflorus - 7 - - -
Rumex dentatus 3 66 90 - -
Rumex sp. 5 125 85 9 78
Schicht Ia Ib II III IV
Trifolium-Typ 10 104 55 22 108
Scorpiurus sp. - 5 - - -
Vicieae indet. 13 87 78 49 48
Fabaceae indet. 3 32 21 3 3
Geranium sp. - - - - 1
Apiaceae indet. - 14 - - -
Brassica sp. - 2 - - -
Raphanus sp. Schote - 8 - - -
Erucaria sp. - - - - 10
Malva sp. 1 42 49 31 6
Lamiaceae indet. - 2 1 - -
Senecio sp. - 2 - - -
Cotula-Typ Köpfchen - 2 - - -
Pulicaria sp. - - 2 - -
Matricaria-Typ Köpfchen - 2 - - -
Sonchus-Typ Köpfchen - 5 - - -
Belevallia sp. - - 1 - -
Muscari sp. - - - - 16
Hyacinthaceae indet. 2 12 10 4 33
Cyperus sp. 1 62 24 10 19
Eleocharis sp. - 2 4 - -
Schoenoplectus triqueterl - 1 1 - 3
litoralis
Scirpus sp. - 10 - 9 1
Carex sp. 1 9 3 - 1
Cyperaceae indet. - 4 38 6 8
Lolium temulentum - - 8 - 1
Lolium sp. - 6 54 13 14
Lolium-Typ 118 134 335 225 234
Bromus sp. - 11 52 6 11
Agropyron sp. - 11 - - -
Phalaris sp. 8 99 88 30 120
Crypsis sp. - 9 - - -
Poaceae indet. Halm 1 11 26 - -
Poaceae indet. Knoten 1 14 9 - -
Poaceae indet. Rf 1 - - - -
Poaceae indet. Granne - 8 75 3 -
Poaceae indet. 151 197 615 155 233
INDET. 11 57 99 19 11
1 Abkürzungen
Äg Ährchengabel a asymmetrisch
Äg term terminale Ährchengabel s symmetrisch
Rf Rhachisfragment S Spelz-(gerste)
Sb Spelzenbasis
Sk Schmachtkorn
2 Wo nicht anders angegeben, handelt es sich bei den
gefundenenPflanzenresten um Samen bzw. Früchte.
ÄGYPTISCHE KOMMISSION DER ÖSTERREICHISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
INSTITUT FÜR ÄGYPTOLOGIE DER UNIVERSITÄT WIEN
ÖSTERREICHISCHES ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT KAIRO
ÄGYPTEN UND LEVANTE
Zeitschrift für ägyptische Archäologie und deren Nachbargebiete
Herausgegeben von MANFRED BIETAK
11
SONDERDRUCK
VERLAG DER ÖSTERREICHISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
WIEN 1991