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Entwicklungsphasen der Symphonie im 19.

Jahrhundert

1800-1824 Ausprägung der Symphonie als monumentales exemplarisches Kunstwerk (Beethoven)

1820-1850 Epoche der „romantischen“ Symphonie nach Beethoven
(Schubert, Mendelssohn, Schumann)

1830 Entstehung der dramatischen „Programmsymphonie“ in Frankreich (Berlioz)

1850-1870 Krise der Symphonie (Wagner proklamiert das Ende der Gattung)

1850-1896 Entstehung der Symphonischen Dichtung und ihre Wirkung (Liszt, Strauss)

1870-1897 „Wiederbelebung“ der Symphonie: Tschaikowsky, Dvo!ák, Brahms, Bruckner

Nach 1800: Aufstieg zu hohem künstl. Rang, angesehener Platz im Konzertleben, Prestigegewinn.

Wachsende Bedeutung des ästhetischen Autonomieprinzips für musikalische Werke.

Emanzipation vom Serienwerk zu Einzelwerk.

Geistiger Gehalt nicht mehr durch Texte oder Funktionen gegeben, sondern durch sinnvolle
musikalische Struktur in sich selbst begründet.

Setzt Publikum voraus, das im Konzert bereit ist, die Symph. als einen ästhtetischen Gegenstand
um seiner selbst willen zu hören. (Wörner)
1. Die Symphonie im 19. Jahrhundert
1. Die Symphonie im 19. Jahrhundert
Beethovens Symphonien - Zusammenfassung

Äußere Formgebung an Haydn, Mozart angelehnt (Ausnahme: Pastorale)

1. Einleitung (Sonatensatz), 2. Adagio/Andante/Larghetto, 3. Menuett/Scherzo, 4. Finale: Rondo/
Sonatenrondo/Variationen

Energischer Gestus im ersten Satz, mottohaftes Voranstellen,

Dominanz rhythmischer Kräfte

allmähliches Entstehen (9. Symphonie)

Permanente thematische Arbeit

Triumphale Schlüsse

Dehnung der Dimensionen

Finalproblem: 3., 5., und 9. Symphonie

Paarige Anlage des Zyklus‘

Monumentalität - Ideenkunstwerk
1. Die Symphonie im 19. Jahrhundert
Die Symphonie nach Beethoven

Wandlung der ideellen Voraussetzungen: Restauration und Biedermeier.

Monumentalität nicht zeitgemäß

Zeitgefühl: Lyrisch, kontemplativ

Musikalisch: Neue Strategien

Lyrisch-kontemplativ: Liedthematik

Zusätzliche Steigerungen: Symphonie-Kantaten (Mendelssohn, Mahler)

Finalsymphonie: Finale wird wichtigster Satz

Verweigerung des drängenden, dramatischen Impetus‘

Steigerung der innermusikalischen Zusammenhänge, Verknüpfungen (Schumann)

Kontrapunktische Techniken

Annäherung an Formidee der Variation
Die Symphonie bei Mendelssohn Bartholdy

Inspiration durch Landschaft (Symphonien 3 und 4)

zuweilen Tonmalerei, keine Programmmusik

Semantische Elemente (Reformationssymphonie)

Klassische Viersätzigkeit, Ausgewogenheit

Zyklische Verknüpfungen

Charakteristische Hauptthemen, lyrische Seitenthemen

Intensive Anwendung kontrapunktischer Techniken

Blockhaftes Gegenüberstellen

Monumentale Schlusssteigerungen
1. Die Symphonie im 19. Jahrhundert
Die Symphonie bei Schumann

Intensive thematische Vereinheitlichung

Vielfältige motivische und thematische Beziehungen

Anknüpfen an Beethoven: Herauswachsen des Themas aus vorangestelltem Motto

Betonung rhythmischer Elemente

Erweiterung der Viersätzigkeit

Veränderung der Funktion der Formen

Konzeption der 4. Symphonie als „Symphonische Fantasie“

Lyrische Mittelsätze
1. Die Symphonie im 19. Jahrhundert
Die Symphonie bei Brahms

Erst mit 43 Jahren erste Symphonie vorgestellt

Lange Entstehungszeit beweist die Problematik der Gattung

Harmonische Disposition zentral

Thematische Zusammenhänge

Ein thematischer Zentralgedanke

Kontrapunkt besonders wichtig

kontrastierende Ableitung, „entwickelnde Variation“

Kammermusik

Historisierende Reflexionen alter Gattungen (Symphonie Nr. 4)

Semantische Elemente (Symphonie Nr. 1 - Alphornthema, Choral; Symphonie Nr. 2 (Pastorale)

Orchetserapparat geht nicht über Beethoven hinaus
1. Die Symphonie im 19. Jahrhundert
Die Symphonie bei Bruckner

Von Zeitgenossen als Gegenpart zu Brahms dargestellt

Zögernde Anerkennung

Monumentale Anlage

Verklammerung der Ecksätze, z.B. durch Rückblenden

3 Themen, manchmal 4

Ausdehnung der Coda

Alterationstechnik

Gestische Melodik

Brucknermodell-Rhythmus

Orgelpunkte

Ostinati

Trenoli

Choräle

Einflüsse Wagners

Problem der Fassungen!
1. Die Symphonie im 19. Jahrhundert
5. Musiktheater vor 1945
Das 20. Jahrhundert - Voraussetzungen
Epochenzäsur

Emanzipation der Dissonanz, rhythmische, metrische Phänomene

„Vorläufer“ - Liszt, Debussy, Skjrabin, Wagner, Mahler, Reger...

„Moderne als musikgeschichtliche Epoche“ 1889-1910 (Dahlhaus)

Beginn der Neuen Musik (1910)

Überhöhung von Entwicklungen des 19. Jahrhunderts

Moderne=Endpunkt und Neubeginn
5. Musiktheater vor 1945
„Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ - Paradigma des 20. Jahrhunderts

Z.B. um 1950:

Hindemiths gelehrter Spätstil

Strauss‘ klassizistische Opern

Strawinskys Hinwendung zur Zwölftontechnik

Schönbergs tonale Öffnung der Zwölftontechnik

Entstehung des Serialismus

Experimentelle Techniken in den USA

Beginn der elektroakustischen Musik

„Disparatheit unterläuft zusammenhängende Geschichtsschreibung.“ (Mauser/Gratzer)
5. Musiktheater vor 1945
Wesentliche Begriffe (nach Gratzer/Mauser)

Spätromantik

Impressionismus

Expressionismus

Futurismus

Dadaismus

Neo-Klassizismus

Neue Sachlichkeit

Folklorismus/Exotismus

Atonalität/Atonikalität

Dodekaphonie

Serialität

Aleatorik

Experimentelle Musik

Musique Concrète

Musique Concrète instrumentale (nicht bei Gratzer)

Elektronische Musik

Klangkomposition

Neue Einfachheit

Minimal Music

Computermusik

Engagierte Musik

Politische Musik/Kritisches Komponieren (nicht bei Gratzer)

„Postmoderne“ (nicht bei Gratzer)

Zweite Moderne

Spektralismus

Komplexismus

Konzeptkunst

Klangkunst
Wichtige Einflüsse seit Beginn des 20. Jahrhunderts
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich unterschiedliche Ereignisse und Errungenschaften politischer,
sozialer, kultureller oder technischer Art auf die Musikgeschichte aus-gewirkt, und zwar sowohl
hinsichtlich der Produktion wie auch in Bezug auf die Reproduktion von Musik:
• Politische Ereignisse: Nationalsozialismus und Emigration, Remigration nach dem Zweiten Weltkrieg,
Stalinismus und sozialistischer Realismus, Zusammenbruch des Kommunismus und Ende der DDR,
Studentenproteste (1968), Politisierung von Musik in verschiedenen Kontexten
• Veränderung der Produktions- und Reproduktionsbedingungen: Rundfunk, Entwicklung der
Studiotechnik, elektronische Studios, Digitalisierung, Stereotechnik, Raumklang, Entwicklung neuer
Reproduktionsmittel (Tonband, Kassettenrecorder, Walkman, MP3-Player) und Musikvertriebsarten (siehe
Internet); geänderte Präsentationsformen von Musik, Einflüsse durch unterschiedliche Medien
• Gegenseitige Einflüsse unterschiedlicher Musikgenres, Crossover, Interkulturalität durch
unterschiedlichste Bezüge zu fremden Kulturen
5. Musiktheater vor 1945
Tendenzen und prägende (Musiktheater-) Komponisten vor 1945 :

Verismo

Giacomo Puccini

Wagner-Nachfolge (Strauss/Pfitzner; „Wagner-Epigonen“)

symbolistische Oper (Debussy)

Oper des Fin de siècle (Schreker/Zemlinsky)

Expressionistisches Musiktheater (Schönberg/Berg)

Episches Musiktheater (Weill)

Antiromantisches Oper/Zeitoper (Krenek/Hindemith)
5. Musiktheater vor 1945
Giacomo Puccini

Synthese zwischen Verdi-Operntypus und Verismo

Alltägliche Szenen schließen kantable Melodiebögen nicht aus

Emphatischer Ton (Verdopplungen)

Trotz Leitmotivverwendungen kein Wagnerianer

„Raffinierter Eklektizismus“ (Gratzer)

Exotismen (Madame Butterfly, Turandot)
5. Musiktheater vor 1945
Wagner-Nachfolge am Beispiel von Richard Strauss

Richard Strauss (1864-1949)

Opernwerk grob in 3 Abschnitte zu gliedern

1. bis 1905: Guntram, Feuersnot, Salome

Durchkomponiert, subtile Instrumentation, Auflösungstendenzen der Tonikalität

2. beginnt mit Elektra - Zusammenarbeit mit Hugo v. Hofmannsthal

Elektra musikalisch avanciert: Enges motivisches Netz, nimmt beinahe Abschied von
Tonikalität

Vorwegnahme expressionistischer Tendenzen

Allerdings stoffbezogene Stilebene

Bewegliche Ästhetik!

Wichtige Stationen: Ariadne auf Naxos, Frau ohne Schatten, Intermezzo

3. Suche nach Ersatz für Hofmannsthal

Orientierung an historischen Modellen

Beispiele: Die schweigsame Frau, Friedenstag, Daphne, Capriccio
5. Musiktheater vor 1945
Oper des Fin de siècle

Franz Schreker und Alexander Zemlinsky

Konzentration auf Möglichkeiten, die bei Wagner angelegt sind

Sujets stehen im Zusammenhang mit dem Fin de siècle: Schwelle zwischen
Realität und Utopie, Entgrenzung

Schreker kopiert Wagner nicht, sondern entwickelt Ein- und Ausblendeverfahren
von Klängen

Werke - z.B.: Der ferne Klang (1912), Das Spielwerk (1913), Die Gezeichneten
(1918), Der Schatzgräber (1920), Irrelohe (1924)

Zemlinsky fühlt sich ebenfalls einem nachwagnerschen Gattungsverständnis
verpflichtet

Ausweglose Konfliktsituationen

Werke - z.B.: Der Traumgörge (1907/1980), Eine florentinische Tragödie
(1915/16), Der Zwerg (1917), Der König Kandaules (1935/36)
2 Beispiele:
1. Alexander Zemlinsky: Der Zwerg
2. Franz Schreker: Irrelohe
Expressionistisches Musiktheater der Wiener Schule I

Schönberg: Bezüge zum nachwagnerschen Musiktheater

Erwartung (1909); Die glückliche Hand (1910-13)

Neuer Operntypus: extreme Verdichtung

Erwartung dehnt die Zeit extrem - eine Sekunde wird zur halben Stunde

In der glücklichen Hand (Kandinsky!) kommt Schönberg ohne
traditionelle Formen aus - Einbeziehung von Licht!

Berg: Wozzeck (1925) und Lulu (1937 posthum aufgeführt)

Beispiel Wozzeck: Expressivität Schönbergs/Aura von Strauss‘ Elektra

Reste harmonischer Tonikalität

Historische Formschemata (Symphonie in 5 Sätzen) stützen
dramaturgischen Handlungsablauf
5. Musiktheater vor 1945
Episches - antiromantisches Musiktheater - als Spiegel der Zeit
Paul Hindemith (1895-1963):
• Mörder, Hoffnung der Frauen op. 12 (Libretto: Oskar Kokoschka, 1919)
• Das Nusch-Nuschi op. 20 (1920, UA 1921)
• Cardillac op. 52 (Libretto: Ferdinand Lion, 1926, revidiert 1952)
• Neues vom Tage (1928/29, revidiert 1952)
Kurt Weill (1900-1950):
• Die Dreigroschenoper (Libretto: Bertolt Brecht, 1927)
• Der Zar lässt sich photographieren (Libretto: Georg Kaiser, 1928)
• Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (Libretto: Bertolt Brecht, 1930)
• Street Scene (Libretto: Elmer Rice / Langston Hughes, 1947)
• Down in the Valley (Libretto: Arnold Sundgaard, 1948)
Ernst Krenek (1900-1991):
• Jonny spielt auf op. 45 (1925/26, UA 1927)
5. Musiktheater vor 1945
Instrumentales Musiktheater
Verschränkung der traditionellen Konzertsituation (= ein oder mehrere Musiker auf dem Podium) mit
szenischen/theatralischen Elementen als Bestandteilen des Notentextes. Beispiele:
• Mauricio Kagel (1931-2008): Sur Scene (1958-61), Match für drei Spieler (1964)
• Dieter Schnebel (*1930): visible music (1960), Glossolalie (1959/60), Ausarbeitung in Glossolalie 61, 1961)
• György Ligeti (1923-2006): Aventures für Sopran, Alt, Bariton und 7 Instrumentalisten (1962, rev. 1963),
Nouvelles Aventures für Sopran, Alt, Bariton und 7 Instrumentalisten (1962-65)
• Vinko Globokar (*1934): Discours V für Oboe und Tonband oder fünf Oboisten (1968)
• Hans Joachim Hespos (*1938)): Verwendung von kreativen Vortrags- und Handlungsanweisungen
(Fantasiesprache) in allen Stücken, Herausforderung des Interpreten
• Heiner Goebbels (*1952): Interpreten werden zu Agierenden auf der Theaterbühne, z.B. in Schwarz auf Weiß
für Ensemble (1996) und …même soir.- für vier Schlagzeuger (2000), d.h. die Aufführung selbst ist das
theatralische Element, das auf bestimmte Weise inszeniert wird
5. Musiktheater nach 1945
Bildartige oder bildlose Konzeptionen von Musiktheater
Die szenisch-dramatische Struktur von Bühnenwerken wird zugunsten einer Folge von
(einzelstehenden bzw. mehr oder weniger zusammenhängenden) Bildern aufgelöst; die
Bühnenaktion tritt gegenüber einer – oftmals statischen – Bildhaftigkeit zurück oder
verschwindet ganz zugunsten einer unbestimmten Bildebene. Beispiele:
• Salvatore Sciarrino (*1947): Vanitas. Natura morta in un atto für Mezzosopran, Violoncello
und Klavier (1980/81); Infinito nero. Estasi di un atto für Mezzosopran und acht Instrumente
(1997/98); Luci mie traditrici, Oper in zwei Akten mit einer Elegie von Claude Le Jeune
(1996-98)
• Helmut Lachenmann (*1935): Das Mädchen mit den Schwefelhölzern, Musik mit Bildern
(1990-96)
• Adriana Hölszky (*1953): Tragödia, Stück für Bühnenbild und Orchester (1997)
• Luigi Nono (1924-1990): Prometeo, Tragedia dell’ascolto (1981-84, revidiert 1985)
5. Musiktheater nach 1945
Intermediale Konzeptionen von Musiktheater
An die Stelle einer Bühnenaktion oder auch nur ergänzend zu dieser tritt die Arbeit mit visuellen Medien.
Beispiele:
• Steve Reich (*1936): The Cave, audiovisuelles Musiktheater (mit Beryl Korot, 1989-93); Three Tales,
dokumentarische Video-Oper (mit Beryl Corot, 1998-2002)
• Fausto Romitelli (1963-2004): An Index of Metals, Video-Oper für Sopran, Ensemble, Multiprojektion und
Elektronik (2003); die Unterschiede zu einem Film mit Musik werden verwischt und gehen lediglich aus der
gewählten Gattungsbezeichnung hervor
• Olga Neuwirth (*1968): Bählamms Fest (1997-99) und Lost Highway (2002/03) mit teilweise oder vollständig
mitkomponierter Videoschicht; Videobilder und -sequenzen oder auch nur durch Videozuspielungen
erzeugte visuelle Texturen („visuelles Rauschen“) werden zur Ausdrucksebene, die ganz im Sinne von
Instrumenten zur Gestaltung eingesetzt wird.
5. Musiktheater nach 1945