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"Österreichische" Literatur?

Territorial?
Österreich war nicht immer in den heutigen Grenzen vorhanden, wenn man "österreichisch"
also territorial definiert, hat man damit Probleme.
National?
Der geschichtliche Wandel bringt auch bei einer nationalen Definition Probleme.
Österreichischer Autor ist man mit österreichischem Pass? Gut, was aber ist dann mit Exil
oder Migration?
Sprachlich?
Sprachlich ist ebenfalls problematisch, weil das österreichische Deutsch zwar als
Sprachvariante anerkannt wird, aber es gibt mindestens zwei Mundarten, und zwar
Südbairisch und Alemannisch. Außerdem gibt es drei weitere, zugelassene Amtssprachen in
Österreich, und zwar Kroatisch, Slowenisch und Ungarisch.
"Österreichisch" ist also eine Benennung, die aus verschiedenen Interessen vorgenommen
wird. Man sollte also nicht das Wesen dieser Benennung untersuchen, sondern überlegen,
warum diese Zuschreibung erfolgt

Österreichischer Kultur-Code und Identitätsfrage
Aus historischer Perspektive gesehen lässt sich durchaus behaupten, dass das kulturelle
Paradigma Deutschlands weniger empfänglich für Assimilation war als das österreichische.
Die daraus resultierenden weltanschaulichen und ästhetischen Schlussfolgerungen
lassen sich mühelos in den großen nationalen Geschichtsdarstellungen ebenso
wie in den kleinen privaten Geschichten deutscher und österreichischer Schriftsteller
finden. Als Illustrationen können hier Vergleiche von deutschen und österreichischen
historischen Narrationen dienen: Während sich die Deutschen mit Ausnahme von Herder,
Goethe und Schiller hauptsächlich auf germanische Wurzeln beziehen, greifen die
Österreicher im 17. Jahrhundert gerne auf spanische Kulturmuster (Theater, höfische
Etikette, distinguierte Verhaltensweisen) zurück. Am Beginn des 19. Jahrhunderts findet
eine Anknüpfung an slawische und ungarische Kulturtraditionen statt, um hier nur
Franz Grillparzers mythenschöpferische Dramen Libussa und König Ottokars Glück
und Ende, Adalbert Stifters Roman Wittiko, einzelne Novellen Marie von EbnerEschenbachs, einige Komödien Johann Nestroys und die Libretti der populären Wiener
Operetten zu erwähnen.
5 Schon an diesen Beispielen ist erkennbar, dass die Emanzipationstendenzen
vor allem in einem der historischen Zeit eingeschriebenen Prozess der Herausbildung eines
souveränen Selbstbewusstseins unter österreichischen Intellektuellen zum Tragen kommen.
Dieses Bewusstsein entsteht jedoch nicht nach dem Prinzip des Ausschlusses fremder Einflüsse,
sondern vielmehr in Form einer als Transkulturation bezeichneten wechselseitigen
Durchdringung, deren Endresultat ein kulturelles Konglomerat ist.
Diese Prinzipien verstanden und vermittelten meist konservative Schriftsteller wie Hugo von
Hofmannsthal6 , Anton Wildgans7
und Joseph Roth8 , die sich zweifelsohne um die Propagierung der Österreichidee auch
außerhalb von Österreich verdient machten Ihre bereits nach dem Zerfall der Habsburger

Jahrhundert keinen österreichischen Nationalstaat gab.10 Die Sehnsucht der österreichischen Historiker nach einem ins Mittelalter zurückreichenden Stammbaum Österreichs greift noch tiefer in die Vergangenheit zurück. In Österreich ging es jedoch um die Empfehlung eines Literaturmodells.9 Aus der Lektüre Goethes (Torquatto Tasso) wissen wir. weil es unmöglich war. die bis heute eines der Hauptthemen österreichischer Narrationen sind. Erst im 19. die im Zeitraum von 1190 bis 1770 auf einem traditionellerweise Österreich zugeschriebenen Territorium entstanden waren. das eine Idee von Staatlichkeit stärken sollte. Dabei lässt sich mit Hilfe dieses Faktums nur schwer die These einer kulturellen .Monarchie publizierten Essays zu dieser Thematik sind nicht nur als eine Idealisierung der Vergangenheit. Da es im 19. So geschah es denn auch in Deutschland. bedeutet allerdings keineswegs. Nationaltheater) – nicht mit dem Begriff einer österreichischen Nationalliteratur operieren und dabei auf deren eigene Tra. die sich auf territoriale Einheit und nicht auf nationale Gemeinschaft berufen konnte. konnte man – ungeachtet einiger sporadischer Versuche (Nationalbibliothek. Im Gegenteil. Es unterliegt keinem Zweifel. sondern auch als ein auf die Zukunft gerichteter Appell zu verstehen. den übernationalen Mythos an die neue politische Situation in Mitteleuropa anzupassen. Von daher rühren auch all jene Schwierigkeiten mit der österreichischen Identität. Jahrhundert zu Zeiten der reformatorisch eingestellten Kaiserin Maria Theresia und ihres Sohnes Joseph II. der sich zum Zwecke einer glaubwürdigen Begründung seines Herrschaftsanspruches nicht nur auf militärische und wirtschaftliche Argumente. dass die Anfänge deutscher Kultur und deutschen Schrifttums gemeinsame sind. Die theoretische Grundlage jedes Diskurses über die Identität der österreichischen Literatur ist die Bestimmungder Quellen ihrer Herkunft. sondern auch auf eine breit verstandene Kulturtradition berief. eine Reihe von Initiativen.dition verweisen. da diese zumindest hinsichtlich der Sprache eine mit Deutschland gemeinsame war. dass das Problem der höfischen Literatur keine Erfindung der österreichischen Staatsverwaltung war. Dieser zweiteilige Katalog wurde später als erste Geschichte der österreichischen Literatur bezeichnet. dass die österreichischen Behörden und Politiker die staatstragende Funktion der Literatur nicht erkannten. Im 19. In Österreich hingegen verhielt es sich anders. die Existenz einer österreichischen Nation in deutsch definierten ethnischen Kategorien zu bestimmen. was dem gegenwärtigen politischen Establishment Anlass zu einer festlichen Begehung des eigenen Millenniums lieferte. Dies bedeutet jedoch keineswegs. sondern in einer leistungsstarken Verwaltung. Die Strenge der damals verordneten Zensur stellte mehr eine Beeinträchtigung als eine Erweckung des literarischen und theatralischen Lebens dar. Im Jahre 1770 erstellte der katholische Geistliche Johann Baptist Gabriel Mareck eine Liste von literarischen Werken. Dabei deckten sich die Vorstellungen der Staatsbeamten (Josef von Sonnenfels) nicht notwendigerweise mit den Visionen der Künstler. die die Regierung eines Vielvölkerstaates erst ermöglichte. sondern auch andere deutschsprachige Staaten betraf. dass man diese ohne methodologische Konsequenzen mit einer nationalen Option identifizieren könnte. Jahrhundert bildete sich der politische Begriff der Nation und des Nationalstaates heraus. Die Bezeichnung „Österreich“ (Ostarrichi) tauchte in historischen Quellen das erste Mal im Jahre 996 auf. Jahrhundert war Österreich ein Vielvölkerstaat. dass die ersten mittelalterlichen Denkmäler der deutschsprachigen Literatur aus südlich gelegenen Territorien stammen. der geopolitisch den Rang einer überregionalen Macht einnahm. wo der Begriff der Nationalliteratur entstand. Die Tatsache. die die künstlerische Aktivität heimatlicher Autoren unterstützen sollten. man ergriff bereits im 18. Seine Stärke lag jedoch nicht in der ethnischen Einheit.

als Geburtsstunde der österreichischen Nation.11 Diese Bezeichnung war allerdings eine ziemliche Übertreibung. sondern auch die politische Mentalität der herrschenden Schichten. Jahrhunderts. und die Entstehung eines selbstständigen österreichischen Kaiserreiches (1804). dessen imperiale Herrschaft sich vorwiegend auf Mitteleuropa. den Balkan und Teile Italiens erstreckte. . da die Entscheidungen Wiens in einem lediglich geringen Ausmaß Rücksicht auf die Multinationalität des neuen Staates nahmen. Der dem Ressort der Außenpolitik vorstehende Graf Johann von Stadion bezeichnete das Datum der Ausrufung der Habsburgischen Erbmonarchie durch Kaiser Franz I. da. Die Napoleonischen Kriege.Eigenständigkeit dieser Territorien schon in Zeiten des Mittelalters untermauern. Zu einer fundamentalen Umwälzung im Denken über Österreich als selbstständiges Staatsgebilde mit einer eigenen Kulturtradition kam es erst Anfang des 19. die dem Zerfall des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation vorhergingen. wie bereits erwähnt. die sich einer präzisen Bestimmung entziehenden Anfänge des österreichischen Kultur-Codes höchstens in die Epoche des Barocks zurückreichen. veränderten nicht nur die staatlichen Strukturen.