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pflichtlektüre
012010 www.pflichtlektuere.com

Studierendenmagazin der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

Ruhr.2010? Wir haben den Plan!
Was ihr von der Kulturhauptstadt sehen müsst

Ich sehe was, was du nicht siehst Der Mann hinter den Protokollen
Jeder Biochemiker kennt Sven Enterlein – mittlerweile auch die Dozenten.

Michael Jack lebt mit einer neurologischen Besonderheit. Er ist hochsensibel.

S02 VOR-SPIEL

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WAs geht

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ehr Kunst im Ruhrgebiet am 30. Januar eröffnet das „Museum Folkwang“ in Essen. Das Museum wurde bereits 1902 in Hagen gegründet. Es war wegweisend für moderne Kunst in Deutschland und zeigte Werke von Künstlern wie Gauguin, van Gogh und Matisse. Im Zweiten Weltkrieg wurden jedoch das Museum, und somit auch viele Kunstwerke zerstört. 2010 startet das Museum Folkwang einen Neuanfang in Essen. Neben den Ausstellungsbereichen findet man dort eine Bibliothek, einen Lesesaal und einen Multifunktionssaal für Vorträge und Veranstaltungen. Ziel ist es, an die damalige Kunst anzuknüpfen und sie weiterzuentwickeln. Ab Januar gibt es dann Ausstellungen zu Berei-

chen wie Fotografie, Zeichnung und Videokunst. Übrigens: „Folkwang“ ist abgeleitet vom Begriff „Folkvangar“ und heißt „Volkshalle“. Im altnordischen Versepos Edda steht der Begriff für den Palast der Göttin Freya. Genug verwirrt? Dann macht euch am besten ein eigenes Bild! Der Standardeintritt kostet 5€, ermäßigt 3,50€. Sonderausstellungen könnten jedoch etwas teurer werden. Mehr Infos gibt’s auf www.museumfolkwang.de brin/foto: pixelio/Asonnenschein

ls ich zum ersten Mal nach Deutschland kam, hatte ich gewisse Erwartungen. Pünktlichkeit und Ordentlichkeit gelten bei uns in Polen als typisch deutsche Eigenschaften. Zudem fürchtete ich mich vor fettigem Essen: so viel Fleisch - immer Wurst und Döner, ein wirklich deutsches Gericht, nicht wahr? Ich dachte auch, verkochtes Gemüse und schlecht schmeckendes Bier zu bekommen. Schnell stellte sich heraus, dass nicht jedes Vorurteil die Wahrheit ist. Die Küche hier bekommt mir ziemlich gut. Auch wenn ich mich nach Muttis Essen sehne. Außerdem gibt es in Deutschland eine Vielfalt an Gerichten aus aller Welt. Beim Bier war ich besonders überrascht. Ihm fehlt es an nichts.

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Neulich iN DeutschlAND
(Gott sei Dank habe ich im Ruhrgebiet keine polnischen Bekannten, die das hier lesen. Wir sind nämlich sehr stolz auf unsere polnischen Biermarken.) Noch eine Sache gefällt mir in Deutschland: Umweltschutz ist selbstverständlich. Es gibt nicht in ganz Europa Pfand auf Flaschen. Deshalb warf ich sie zu Beginn meines Aufenthalts alle in den Müll. Wie sehr ich mich über die Preise aufregte! Mit Pfand erschien mir Mineralwasser so teuer. Nach diesen Erfahrungen kann ich ein polnisches Sprichwort besser verstehen. Es lautet: Reisen macht klüger. Agata Sliwinska kommt aus Polen und studiert ein Semester Journalistik in Dortmund. foto:nm

WisseNs-Wert

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eldbörse verloren? Normalerweise macht man sich in diesem Fall keine großen Hoffnungen, das gute Stück jemals zurückzubekommen. Laut einer britischen Studie kann man jedoch die Chancen auf ein Wiedersehen erhöhen, und zwar durch – Babyfotos. Für die Studie haben Forscher 240 Geldbörsen in ganz Edinburgh „vergessen“. Eine Woche später übrprüften sie, wie viele zurückgegeben wurden. Die Portmonnees enthielten kein Bargeld, dafür aber typische Gegenstände wie Lotteriescheine und Mitgliedskarten – und eben Fotos: entweder von Babys oder von Hundewelpen, Familien oder älteren Paaren.

Insgesamt fanden 42 Prozent der Börsen den Weg zurück zu ihrem Besitzer, von denen mit Babyfotos sogar 87 Prozent. Solche, die Fotos von Welpen, Familien oder einem Paar enthielten, schnitten deutlich schlechter ab. Laut Studienleiter Richard Wiseman von der Hertfordshire University riefen die Babyfotos bei den Findern fürsorgliche Gefühle hervor, die sie dazu brachten, die Portmonnees zurückzugeben. Wer also zu allgemeiner Schusseligkeit neigt und schon öfter seinen Geldbeutel verloren hat, sollte sich das süßeste verfügbare Babyfoto schnappen, es an prominenter Stelle in die Börse stecken und an den Beschützerinstinkt des Finders appellieren. Vielleicht klappt‘s ja. jsb/foto: nm

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START-BLOCK S03

HERZ-STÜCK

diesmal
Können Tauben Kultur schaffen?

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BOCHUM S04 … Darfur: Ein zu wenig beachteter Völkermord wird erforscht

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Zur Ausgabe
as Titelbild der pflichtlektüre produzieren wir immer mit besonderer Sorgfalt. Studenten erarbeiten Ideen, verwerfen sie wieder, probieren aus, lernen die Technik - und am Ende kommt ein Bild heraus.

Technik und Inhalt werden aber spätestens dann zur Nebensache, wenn es darum geht: Wer ist diesmal unser Model? Wessen Gesicht kommt auf den Titel? Blicke senken sich jäh zu Boden, alle täuschen mit gleichgültiger Miene Unsichtbarkeit vor. Nach einigen "Bitte nicht!" und "Och nee!" traf es diesmal Nadine, unsere Fotoredakteurin. Statt hinter stand sie für diese Ausgabe vor der Kamera. Als das Bild aufgenommen war, grämte sie sich allerdings: "Ich habe keine Haare auf dem Foto!" Die Redaktion befand zwar: "Du siehst toll aus!" - und stimmte freudig "Du hast die Haare schön!" an. Doch Nadine ist nicht überzeugt. Wir bitten deshalb um Zuspruch an pflichtlektuere@googlemail.com. Die nächste pflichtlektüre (und letzte des Wintersemesters) erscheint am 2. Februar. Bis dahin viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe!

HERZ-STÜCK S11 … Du bist Deutschland, wir sind Kulturgebiet: Ausgewähltes zur Ruhr.2010.

RUHR-BLICK S13 … Michael Jacks Gehirn nimmt anders wahr: Oft stresst ihn das.

DIENST-BAR S14 … Auf Leinwand und Papier: Fiktion von Seelen und Unsichtbaren.

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S04 BOCHUM: IM HÖRSAAL

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Die Menschen in Darfur leiden seit über fünf Jahren unter dem Bürgerkrieg.

Forschungsfeld Völkermord

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Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum untersuchen am Beispiel des Darfur-Kriegs Ursachen und Auswirkungen von Genoziden. Forderung: Mehr Beachtung für das Thema in der Öffentlichkeit.
Genozid machbar und denkbar erscheint. Verschiedene Fachbereiche analysieren an seinem Institut an der Ruhr-Uni die Struktur der Gewalt und ihre Folgeerscheinungen. meinsam mit Regierungstruppen im Westen des Sudans Jagd auf Schwarz-Afrikaner. Eine Jagd, bei der bis dato mindestens 200 000 Menschen starben und mehr als 2,5 Millionen Menschen vertrieben wurden. Die Medien in den EU-Ländern berichten mittlerweile kaum noch über diese humanitäre Katastrophe. „Gegenüber Afrika sind wir sorglos“, beschreibt Dabag das Verhalten der Deutschen, die nur für manche Sachen auf die Straße gehen. Internationale Institutionen versagen und vertagen Entscheidungen betreffend eines Einschreitens im Darfur-Konflikt, während das Morden weitergeht.

ir tun so, als sei der Holocaust der einzige Genozid, aber es passiert auf der ganzen Welt immer wieder - auch heute noch. Deshalb ist es wichtig, das Thema Genozid in das öffentliche Bewusstsein zu rufen. Der Name Darfur steht seit fünf Jahren für Krieg, Zerstörung, Vertreibung, Ausrottung und Vernichtung einer ganzen Kultur - er steht sinnbildlich für den ersten Völkermord des 21. Jahrhunderts. Eine Szenerie, die Wissenschaftler seit langem wahrnehmen. Am Bochumer Institut für Diaspora- und Genozidforschung befasst man sich mit den Ursachen von Völkermord. Die Bochumer untersuchen nicht nur die Tat selbst, sondern geben auch Diagnosen und Prognosen ab. Sie hinterfragen die Selbstbilder der Täter und decken Gefährdungen für Minderheiten in der Gesellschaft auf. In seiner Forschung nimmt Prof. Mihran Dabag, Leiter des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung, das Wissen auseinander, vor dem ein

Analyse der Gewalt
Kann man einen Genozid eigentlich rechtfertigen? Ideologisch legitimiert werde der Genozid in den meisten Fällen mit der Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft, sagt Professor Dabag. Denn die Vision, die verfolgt werde, ist die einer neuen, homogenen und territorial abgegrenzten Nation. Und diese solle im Genozid möglichst schnell realisiert werden. „Das Gewaltpotential dieser Visionen muss offen gelegt werden“, so Dabag. „Genozid gestaltet Gesellschaft durch Gewalt“. Es sei, laut Dabag, ein Prozess, in dem Opfer, Täter und Zuschauer unmittelbar zusammenhängen. Doch fernab von Forschung und europäischer Sicherheit machen zeitgleich arabische Milizen ge-

Interessenpolitik
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Es sind die Wirtschaftsbeziehungen zum Sudan. „China ist bedeutendster Abnehmer des sudanesischen Erdöls und gleichzeitig Waffenlieferant im

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BOCHUM: IM HÖRSAAL S05

Darfur-Konflikt”, bestätigt Tilman Zülch, Menschenrechtler und Gründer der internationalen Menschenrechtsorganisation, der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Im Sudan seien Frankreich, Großbritannien, Russland, China, Malaysia und die Vereinigten Arabischen Emirate am Erdölgeschäft beteiligt. China als mächtiges „Täterland“ in der Darfur-Krise ist laut Zülch auch ein Grund, warum Medien als Wirtschaftsunternehmen kaum über Völkermorde (Genozide)

Einen gemeinsamen Konsens finden dafür Banken und Finanzinstitute. Sie finanzieren den Genozid in Darfur direkt oder indirekt mit, indem sie Firmen unterstützen, die Geschäftsbeziehungen mit der sudanesischen Regierung knüpfen. Technologiekonzerne wie Siemens (Deutschland) und ABB (Schweiz) sind durch Menschenrechtskampagnen, unter anderem von der GfbV, hellhörig geworden und haben 2007 ihre Geschäfte mit dem Sudan eingestellt.

Genozid thematisieren
„Alles was passiert, muss dokumentiert und bekannt gemacht werden“, mahnt Zülch. Forschung ist daher sehr wichtig. In den USA fing es an und in Deutschland wird erst seit gut 15 Jahren auf dem Gebiet geforscht. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, in Deutschland über dieses Thema zu reden“, sagt Dabag und verweist auf die deutsche Geschichte und den Holocaust. Heute gibt es jedoch weit mehr Genozidforscher und mehr Akzeptanz als noch vor 15 Jahren. „Es ist wichtig, das Thema Genozid in das öffentliche Bewusstsein zu rufen“, sagt Zülch. „Du kapierst erst, was Menschenrechte sind, wenn du siehst, wie Menschen unterdrückt werden!“

Prof. Mihran Dabag

berichten und Weltorganisationen wie gelähmt erscheinen. Eine weitere Begründung für fehlendes Einschreiten sei die Angst vor vermeintlichem Terror von Islamisten. Genozid müsse deswegen, so Dabag, eine feste politische Kategorie sein, die zum Handeln auffordert. „Die EU könnte helfen, den Genozid zu beenden, doch finden die einzelnen Staaten keinen gemeinsamen Konsens in der Sache”, sagt Zülch.

text Martina Vogt, Nils Bickenbach fotos Mia Farrow/GfbV, RUB grafik Sami Skalli Houssaini

Neues aus

Bochum

momente
Dialog über Studienbedingungen
Ausgerichtet von der Fakultät Sozialwissenschaften findet am 20. Januar der 16. Tag der Lehre statt. In mehreren Arbeits- und Dialogphasen haben Studierende und Lehrende Gelegenheit, sich über Lehrpläne und Prüfungen auszutauschen. Ziel ist es, sich produktiv mit Kritikpunkten auseinanderzusetzen, die besonders durch den Bildungsstreik betont wurden. Die Begrüßung durch Studiendekan Achim Henkel findet um 12 Uhr im HGC 10 statt. An diesem Tag sollen ab 12 Uhr alle Lehrveranstaltungen an der RUB ausfallen. fh

RUHRSTADT

Kulturhauptstadt in der Mensa

Das Akafö eröffnet das Kulturhauptstadtjahr mit einem lukullischen Fest: In der Woche vom 18. bis 22. Januar gibt es an derAktionstheke in der Mensa „lecker Happahappa ausm Pott“, wie das Akafö mitteilt. Der Mensaplan hat dann folgendes zu bieten: Montag: Lecker Currywurst mit´na fruchtigen Currysoße und Kartöffelkes-Kringelkes Dienstag: Schweinebraten anner 1-A-Pumpernickel-Starkbiersoße, Berchmannspargel und rote Erde Mittwoch: Strammer Max mit Rührei bei Donnerstag: Zanderfilet „Baldeney“ auf Kartoffelpampe und vom Wirsingkappes sein Gemüse Freitag: „Schrebergartn-Traum“ Frischer Grünkohl mit Salzkartöffelken und Kasslerbratn. ks

„Immer wenn es regnet,...“

Nein, nicht an von hinten wie von vorne A-NN-A muss ich denken. Auch nicht an Max aus den Schoß der Kolchose. Und schon gar nicht an Freundeskreis, die mit diesen Zeilen ihren Durchbruch schafften. Sondern an meinen Schirm. An den kleinen schwarzen Knirps, der eigentlich in der Handtasche sein sollte, aber tatsächlich an meiner Gaderobe zu Hause hängt. Immer dann, wenn es in Strömen regnet. Immer dann, wenn weder Vordächer noch überdachte Bushaltestellen in Sicht sind. Immer dann, wenn die Haare besonders gut liegen. Pitschnass in der Wohnung angekommen, ärgere ich mich über meine Vergesslichkeit – und lasse den Schirm am nächsten Tag wieder zu Hause. se

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„Er ist unser Notanker“
Unter Biochemiestudenten ist der Name Sven Enterlein schon lange kein Geheimtipp mehr: Seine Protokolle im Internet kennen mittlerweile auch die Dozenten.
Sein aktueller Plan: „Ich schreibe gerade an einem E-Book, das Studenten beim Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten unterstützen soll.“ Anders als die Protokolle, die er in seiner Zeit an der RUB verfasste und online stellte, wird sein Buch in englisch erscheinen. „Aber es ist leicht zu verstehen, das können auch deutsche Studenten nutzen“, ist er sich sicher. Es soll ein Handbuch über das schnelle Bedienen von Word und Excel für wissenschaftliche Arbeiten werden, praktisch also für Studenten. Kostenlos ist der Download dieses Mal aber nicht, es wird zirka 20 bis 30 Dollar kosten. Wie wichtig seine zu Unizeiten verfassten Protokolle auch heute noch sind, war Enterlein bisher nicht klar. „So etwa einmal im Jahr bekomme ich eine Mail von Studenten, die sich bedanken, aber dass es so viele sind, die immer noch von mir profitieren, das wusste ich nicht.“ Mindestens ein Drittel der Studenten holen sich Hilfe aus dem Internet. Das schätzt jedenfalls Lukas. Er ist Chemiestudent, hat schon viel von Enterlein übernommen und will daher seinen richtigen Namen nicht verraten. „Ein bisschen muss man von dem Fach schon verstanden haben. Aber das reicht, um seine Protokolle gut abzuwandeln, sodass es die Dozenten nicht merken. Durch seine Skripte sieht man die wichtigsten Aspekte sofort vor sich, das spart Zeit.“

Als RUB-Student hat Sven Enterlein fleißig Protokolle geschrieben, heute arbeitet der Doktor der Humanbiologie in den USA.

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agenumwoben schwirrt durch die Fakultät für Chemie und Biochemie an der RUB seit Jahrzehnten ein Name, der schon Hunderten von Studenten sehr viele Arbeitsstunden abnahm: Sven Enterlein. Bis vor neun Jahren war er selbst Bochumer Student, protokollierte fleißig die Vorlesungen und Versuche und stellte sie ins Netz. pflichtlektüre hat ihn in den USA aufgespürt. Auch dort hilft er heute noch Studenten. Wie viele Stunden seines Studiums ein Biochemie-Student mit lästigem Protokollieren verbringt, weiß niemand genau. Aber für die meisten Studierenden ist wohl klar: zu viele. Doch RUBler haben es da leichter als andere. Wenn der innere Schweinehund mal wieder übermächtig ist, die Party am Vorabend doch länger gedauert hat als gedacht oder andere dringende Termine die To-Do-Listen für den Tag sprengen, dann haben sie noch einen Plan B: die Protokolle des Sven Enterlein. Schnell den rettenden Namen gegoogelt – Wiederholungstäter gehen direkt auf www.funnycreature.de – und schon finden sich in der Rubrik „Svens Uniseiten“ die hilfreichen Protokolle und Skripte. Die Seite ist allerdings längst kein Geheimtipp mehr. Wenn die Tutoren an die Protokolle erinnern, schieben nicht wenige gleich eine zweite Forderung hinterher: „Wir wollen keine Protokolle von Sven Enterlein.“ Einlaminiert findet sich der Appell auch an der Wand eines der Labore. „Ich habe schon sehr oft seine Protokolle gesehen. Von den Dozenten weiß mittlerweile jeder, wie Enterleins Protokolle

aussehen. Die Studenten müssen sich schon anstrengen, damit wir es nicht merken“, glaubt Dr. Erik Bründermann. Er ist Leiter des Physikalischchemischen Grundpraktikums, einen Groll hegt er gegen Enterlein aber nicht. „So lange sich die Studenten die Protokolle nur anschauen, sie aber nicht übernehmen, ist es in Ordnung.“ Weit, weit entfernt vom grauen Betonklotz RUB sitzt der ambivalent bewertete Enterlein auf einer Sonnenterasse, die Teil eines schönen Hauses in der Nähe von Washington D.C. ist und Sven Enterlein gehört. Mittlerweile sogar Dr. Sven Enterlein. Doktor der Humanbiologie, so lautet die korrekte Bezeichnung. Ich wollte unbedingt mit Ebolaviren arbeiten und Biochemie wurde in Marburg, wo ich promovierte, nicht als eigenständiger Studiengang angeboten.“

„Es ist kein Schummeln“
Enterlein selbst sieht das ähnlich. „Es ist kein Schummeln. Denn um es zu verstehen, müssen die Leute trotzdem selbst denken.“ Mit seinen Protokollen sei es halt einfacher, sich auf einen Versuch vorzubereiten. „Man lernt ja auch schon, wenn man Sachen abschreibt, deshalb habe ich die Protokolle auch nach einiger Zeit nur noch als pdf-Dokumente hochgeladen“, rechtfertigt sich der berühmte Ex-Student. Aber nötig ist das Rechtfertigen nicht. Denn die halb belustigten, halb genervten Blicke einiger Tutoren treffen nicht ihn, sondern höchstens die neue Studentengeneration – und die lieben Sven Enterlein trotz allem. „Außerdem haben wir seit zwei Jahren viele Versuche modernisiert“, sagt Praktikumsleiter Bründermann. Jetzt gebe es sogar eine offizielle Vorlage im Internet, die den Studenten helfen solle, allerdings längst nicht so detailliert ist wie die von Enterlein. Chemiestudent Lukas ist immer noch der Meinung, dass Enterlein nicht nutzlos geworden ist. „Er ist und bleibt für viele ein Notanker.“
text Sophie Mono foto Sven Enterlein

Leidenschaft Biochemie
32 Jahre ist Enterlein alt. Er ist humorvoll, liebt Musik, macht viel Sport. Seit 2005 lebt der gebürtige Kölner wegen seines Jobs als Assistant Director of Molecular Virology und Biosafety Officer in den USA. „Da muss ich unter anderem aufpassen, dass auch alle ihren Laborkittel tragen und sich die Hände waschen“, witzelt Enterlein. In den USA lernte er seine amerikanische Frau in spe kennen. Ab und zu fehlen Sven Enterlein bereits die deutschen Wörter. Und trotz dieses neuen Lebens hat er so manche Leidenschaft aus seiner Jugend in good old Germany noch nicht aufgegeben: das Motorradfahren, die Biochemie und die soziale Ader, anderen zu helfen.

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BOCHUM: MITTEN IM LEBEN S07

Zeugen durchzechter Nächte
Die Seite smsvongesternnacht.de veröffentlicht nächtliche SMS, an die sich nicht alle Autoren mehr erinnern können.
„Lieber unter Niveau amüsiert, als über Niveau gelangweilt“ heißt eine Gruppe im Onlinenetzwerk StudiVz. Für all die, die sich darunter nichts vorstellen wollen und all die, die eine neue Form von „Niveau-light“ mit Lachgarantie suchen, gibt es seit rund neun Wochen das Internetportal „smsvongesternnacht.de“. Mit dem Gedanken „Was die können, können wir schon lange“ hat alles begonnen. Im Sommer 2009 sitzt die Filmregie-Studentin Anna Koch zusammen mit ihrem Kommilitonen Axel Lilienblum vor der Idee, dem Unsinn des Alltags einen Spiegel vorzuhalten. Fünf Monate später war der virtuelle Spiegel fertig. Was er zeigt? SMS von gestern Nacht. SMS, die ohne das letzte Bier wohl nie ihren Weg über die Handytastatur zum Empfänger geschafft hätten. Oder anders ausgedrückt: SMS, die den reinen Informationswert bei Weitem übersteigen. „Wir haben gesehen, dass es solche Seiten in Frankreich und in den USA gibt, die dort aber kaum angenommen wurden“, sagt Anna Koch. 40.000 Facebook-User zählen die Seite zu ihren Freunden. Top-Themen sind Partys, Alkohol und Sex. Die Erlebnisse der SMS-Autoren und derer, die erhaltene Kurznachrichten veröffentlichen, sind aber nicht immer mit den Grundsätzen der Betreiber vereinbar: „Um einem Missbrauch der Seite vorzubeugen, lesen wir erst jede SMS und stellen sie nach 24 Stunden ins Netz“, erklärt Anna Koch. „Extrem sexistische, rechtsradikale und beleidigende Inhalte wollen wir in den SMS nicht haben, genauso wenig Werbung.“ Doch was, wenn jemand trotz Anonymisierung erkannt wird? „Wir ändern jeden Namen, der in einer SMS auftaucht. Selbst Abkürzungen, die die Nutzer verwenden, ersetzen wir durch eigene.“ sagt Koch. Mit dieser Strategie sollen ernsthaften Schwierigkeiten ausgeschlossen werden. „Wenn jemand dennoch darum bittet, dass eine SMS über ihn gelöscht werden soll, dann tun wir das auch.“ Schließlich soll die Seite amüsieren und nicht für Ärger sorgen.
text Florian Hückelheim grafik Florian Hückelheim

Inzwischen gehen auf dem Server etwa 70 SMS pro Tag ein. 20.000 Menschen besuchen die Seite täglich. Über 1.000 Nutzer lassen sich via Twitter mit den neuesten Sprüche versorgen. Beinahe

pflichtlektüre empfiehlt
Toto und Harry als Dozenten
Nobody is perfect
... und das ist auch oft ganz gut so. Vor allem im Unperfekthaus in Essen. Hier gibt es Kulturangebote ohne Ende, aber eben auf gar keinen Fall Perfektion. Im bunten Künstlerhaus kann sich jeder ausleben. Die pflichtlektüre hat sich mal im Unperfekthaus umgeschaut, um herauszufinden was es hier alles unperfektes gibt und warum Perfektion auch gar nicht gewünscht ist.

Mensch und Maschine
Männer dürfen nur von Männern durchsucht werden, Frauen nur von Frauen. Preisfrage: Wer durchsucht Transvestiten? Um diese und andere Fragen zum Unterschied von Theorie und Praxis im Polizeirecht zu klären, gaben sich Toto und Harry aus der gleichnamigen Sat.1-Sendung in einer Jura-Vorlesung die Ehre. Doch auch ernste Themen wurden angeschnitten, etwa Hörsaalräumungen und häusliche Gewalt. Roboter sollen demnächst bei komplizierten Schweißarbeiten helfen. Der Lehrstuhl für Industrielle Robotik und Produktionsautomatisierung (IRPA) und der Lehrstuhl für Arbeits- und Produktionssysteme (APS) forschen gemeinsam an diesem Projekt. Unter anderem können so Belastungen für Arbeiter verringert werden.

Mehr auf dem neuen Online-Portal: www.pflichtlektuere.com Mehr auf dem neuen Online-Portal: www.pflichtlektuere.com

S08 HERZ-STÜCK

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Eine Portion Kunst ohne Hype, bitte!
Mehr als Feuerwerk und geschwollene Reden: Wer das komplette Programm der Kulturhauptstadt durchforstet, kann spannende kleine Projekte entdecken. Zum Beispiel diese drei.

Projekt 1: In der Burka durch die Innenstadt
Eine Frau mit Kopftuch regt im Ruhrgebiet keinen auf. Aber wie reagieren die Pottbewohner, wenn ihnen eine komplett verschleierte Studentin gegenübersteht? Hört die Toleranz bei der Burka auf? „Das Kopftuch ist zwar immer noch ein Thema, aber Burkas haben hier eine ganz andere Konfrontations-

fläche,“ sagt Beate Schmuck vom Institut für Kunst und materielle Kultur in Dortmund. Sie organisiert für Ruhr.2010 ein Projekt, für das Studentinnen in der Öffentlichkeit Burkas tragen und die Reaktionen der Passanten dokumentieren. Die Dozentin findet, dass man im Kulturhauptstadtjahr nicht nur auf die positiven Seiten des Ruhrgebiets schauen darf: „Man muss auch Dinge wie Fremdenfeindlichkeit und Unverständnis aufzeigen.“ Projektteilnehmerin Karin Pietruschka erzählt: „Am Anfang haben mir schon etwas die Beine gezittert und ich hatte Angst, was passieren würde. Aber ich habe mich auch geschützt gefühlt, weil man ja mein Gesicht nicht erkennen konnte.“ Ihr Spaziergang mit der Burka sei gut verlaufen, sie sei nur einmal von einem Mann gefragt worden, ob er ein Foto von ihr machen dürfe. Bei den anderen Studentinnen waren die Reaktionen zum Teil heftiger: Kommentare wie „So was sollte verboten werden!“ oder der Rauswurf aus Geschäften waren die Folge. „Auf dem Weihnachtsmarkt war sogar ein Ehepaar so sauer, dass sie sagten, ihr ganzer Tag sei nun verdorben,“ berichtet Initiatorin Beate Schmuck. Die Burka wirke auch deswegen so fremd, weil man das Gesicht der Trägerin nicht sehen kann. „Ich habe mich von Gesprächen ausgeschlossen gefühlt“, sagt Studentin Anna Waschkau. Sie habe durch den Schleier so schlecht sehen können, dass sie kaum bemerkt habe, was um sie herum passiert sei. Neben einer wissenschaftlichen Auswertung der Beobachtungen will die Projektgruppe das Thema Verschleierung mehr in den Fokus rücken. So sollen die Kommentare der Passanten oder sogar Fotos von den Begegnungen auf weiße Burkas gedruckt werden. Mit denen wollen die Studentinnen dann im Juli das große Ruhr.2010-Frühstück auf der gesperrten A40 besuchen.

Verschleiert am Glühweinstand: Hinter der Burka steckt keine glaubensstrenge Muslima. Aber das Ehepaar vom Nachbartisch nimmt der Studentin die Rolle offenbar ab.

„Man kann wirklich schlecht sehen“ – Projektteilnehmer in der Dortmunder Innenstadt

Die Taube als Kunstobjekt: Schmuckdesigner Matthias Grosche vernetzt Künstler über Brieftauben.

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Projekt 2: Du selbst bist das Kunstwerk
Wie fühlt man sich als Teil eines Kunstobjektes? Für Maike Plock, eine 26-jährige Psychologiestudentin, fühlt es sich an wie zu Hause. Im Flur stapeln sich die Umzugskartons, Handwerker geben sich die Klinke in die Hand. Eine normale Studentenbude – und gleichzeitig eine Installation. „2-3 Straßen“ nennt sich das Projekt des Künstlers Jochen Gerz. In mehreren Städten des Ruhrgebiets hat er die Stadtverwaltung gebeten, einige Wohnungen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Nach und nach ziehen Freiwillige ein, die zwar keine Miete bezahlen, aber über ihr Leben Tagebuch führen sollen. „Ich war vor allem extrem gespannt auf die anderen Mieter und darauf, wie sich die Dynamik entwickelt,“ sagt Maike Plock (26), die vorher in Bochum gelebt hat. Sie zog schon Mitte Dezember ein, die anderen Mieter kommen nach.

gehen, verstärkt den Effekt: „Der Platz ist wie eine Bühne, alle beobachten, was da passiert.“ Weil er eigentlich aus Karlsruhe kommt, war es für Matthias ein großer Schritt, an dem Projekt teilzunehmen. Aber das urbane Leben im Ruhrpott gefällt dem 19-Jährigen: „Hier merkt man einfach, wie die Zeit vergeht, selbst wenn man nur jemanden die Straße heruntergehen sieht. Außerdem mag ich das Chaotische, es muss nicht immer alles perfekt sein.“ Die Ruhr.2010 hält Lempart für eine gute Chance, die Städte

Die meisten von ihnen sind jung, Studenten oder gerade fertig gewordene Absolventen. Insgesamt sollen 26 Projektteilnehmer in die Dortmunder Nordstadt ziehen, direkt an den Borsigplatz. Doch es geht nicht nur um kostenloses Wohnen: Die Mieter sollen durch ihre Anwesenheit die Straße verändern, in der Matthias Lempart ist für das Projekt „2-3 sie leben. Deshalb fiel die Straßen“ extra aus Karlsruhe angereist. Wahl auf einen Stadtteil mit hohem Migrantenanteil und Problemen wie Prostitution und Drogenhandel: „Es ist auch des Ruhrgebiets näher zusammenrücken zu ein soziologisches Projekt – Was passiert lassen. Obwohl die Städte so nah beieinander mit den Straßen durch neue Bewohner, seien, gebe es viel Konkurrenz und Revierdendie anders sind?“ erklärt Studentin Maike. ken. Das mache sich auch bei der Kultur bemerkbar: „Hier bleibt irgendwie alles in den Um das herauszufinden, müssen die Stadtmauern: die Kulturen, die Geschichte Bewohner Tagebuch schreiben. Das und die Kunst. Dabei gibt es sehr viel davon!“ hilft dabei, einen ganz anderen Blick auf seine Umgebung zu bekommen: „Man erlebt viele Sachen einfach viel bewusster. Dinge über die man mal irgendwann einfach nachgedacht hat, kommen beim Schreiben wieder hervor.“ Auch Matthias Lempart (19), der direkt gegenüber wohnt, entdeckt durch das Schreiben vieles neu: „Jeder von uns hier nimmt die Dinge anders wahr, und so wird man auch auf Sachen aufmerksam, die sonst unter den Tisch gefallen wären.“ So wie der alte Mann im Erdgeschoss, der scheinbar immer an seinem Fenster sitzt und raucht. Dass die Wohnungen der meisten Teilnehmer zu einem offenen Hof hinaus-

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Am Ende des Jahres sollen die Tagebucheinträge der Teilnehmer zu einem Buch zusammengefügt werden. Dann wird klar werden, ob die neuen Mieter die Straße verändert haben. Für Matthias Lempart geht es noch um viel mehr – nämlich um ihn selbst. „Mich interessiert natürlich auch, wie das Projekt mich verändert!“

schon die Schwärme beobachtet.“ Taubenzucht, ehemals ein Hobby der Bergarbeiter, ist im Ruhrgebiet immer noch weit verbreitet. So war es für Grosche nicht schwer, die Vögel für sein Projekt zu finden. Die vernetzten Künstler sollen ihre Arbeiten fotografieren – die Kunstwerke werden dann auf einem Speicherchip gesichert und den Tauben in kleinen Rucksäcken auf den Rücken geschnallt.

Projekt 3: Lass was mit Tauben machen!
Kohle und Stahl, Wasserdampf und schmutziger Qualm – das war der Pott früher. Heute ist er Hauptstadt. Kulturhauptstadt. Doch was bedeutet das für die Menschen im Ruhrgebiet und was passiert da, im Kulturhauptstadtjahr? Tauben werden fliegen – und die große weite Welt mit, nun ja, Castrop-Rauxel verbinden. Das zumindest ist der Plan eines Schmuckdesigners. Ein Januartag in der stillgelegten Kokerei der Zeche Zollverein in Essen. Die grauen Betonwände sind in schillernden Farben angestrahlt, Fotos und Comics hängen an der Wand, Skulpturen stehen auf dem Boden. Durch eine Öffnung in der Decke fällt Papier, das Besucher weiter oben in dem hohen Gebäude auf den Weg schicken. Matthias Grosche fällt das Papier wie Schnee vor die Füße. Für den Schmuckdesigner aus Castrop-Rauxel ist die Ruhr.2010 eine Herzenssache. Er ist hier, um sein ganz eigenes Kulturprojekt vorzustellen: Er lässt Tauben fliegen. 20 Künstler aus dem Ruhrgebiet sollen per Brieftaube mit zehn Künstlern aus Polen, den Niederlanden und Österreich vernetzt werden. „Tauben gehören für mich ganz stark zum Ruhrgebiet,“ sagt Grosche: „Ich habe als Kind

Reisen mit leichtem Gepäck: In einem Mini-Rucksack transportieren die Tauben Fotos von Kunstwerken.

Die Tiere machen sich auf den langen Weg aus dem Ausland nach Castrop-Rauxel. „Das Ziel der Vernetzung, dem die Ruhr.2010 dienen soll, ist hier schon gegeben. Es haben sich Netzwerke gebildet.“ Nicht nur Maler und Bildhauer konnte Grosche für sein Projekt gewinnen, auch Köche, Comiczeichner und Musiker machen mit. Thematisch sollen die Kreativen gerade nicht den ordinären Ruhrpott-Stereotyp bedienen – Grosche interessiert die Zeit vor und nach der Kohleförderung. „Im Fluge vergangen...“ heißt das Projekt. „Schließlich ist der Zeitraum der Kohle nur ein Wimpernschlag in der Geschichte des Ruhrgebiets.“

Mehr zum Thema
Wir sind Kulturhauptstadt! Aber hat das Ruhrgebiet den Titel überhaupt verdient? Einen Schlagabtausch zwischen passioniertem Rheinländer und überzeugtem Ruhrgebiets-Fan findet ihr auf www.pflichtlektuere.com

text Philipp Anft fotos Birte Blothenberg, Thomas Gödde und Philipp Anft

Kulturhauptstadt für Dummies
Ruhr.2010 – da war doch was ... - Drei Fragen und drei Antworten, damit ihr mitreden könnt.
Was ist eine „Europäische Kulturhauptstadt“? Der Titel wird seit 1985 vom Rat der EU jährlich an mindestens eine Stadt vergeben, die sich dann ein Jahr lang mit zahlreichen Veranstaltungen als kulturelles Zentrum Europas präsentiert. Ziel ist es, die Vielfalt Europas deutlich zu machen und einen Beitrag zum Zusammenwachsen der Länder zu leisten. Der Weg zum Titel ist ein Wettbewerbsmarathon. Die Bewerberstädte arbeiten ein Kulturprogramm aus, das eine europäische Dimension hat und die Bürger mit einbezieht. Die Programme werden von zwei Expertenkommissionen bewertet, die jede Stadt bereisen und pro Bundesland eine nominieren. Auf Bundesebene trifft die Kultusministerkonferenz eine Wahl, die der Bundesrat bestätigen muss, bevor die Stadt als deutscher Vorschlag in Brüssel eingereicht wird. Wie ist das Ruhrgebiet „Europäische Kulturhauptstadt“ geworden? Zunächst hat das Ruhrgebiet Essen als „Bannerträgerin“ ausgewählt – eigentlich sind nach den EU-Regeln nämlich nur einzelne Städte zur Bewerbung zugelassen. In ihrer Bewerbungskampagne „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ thematisierte die Stadt die Entwicklung des Ruhrgebiets vom „grauen Kohlenpott“ zu einem modernen Wirtschafts- und Kulturzentrum. Auf Landesebene konnte sich Essen gegen Köln und Münster durchsetzten und gewann schließlich den Bundesausscheid zusammen mit Görlitz. Insgesamt hatten sich 16 deutsche Städte um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ beworben. In der Endrunde in Brüssel 2006 konnte Essen auch die EU-Jury überzeugen. Die wertete die kulturellen Leistungen und die multiethnischen Erfahrungen des Ruhrgebiets als wegweisend für ein zusammenwachsendes Europa. In seinem Jahr als Kulturhauptstadt will sich das Ruhrgebiet als „Metropole neuen Typs“ aus 53 Städten präsentieren. Essen und das Ruhrgebiet sind übrigens nicht die einzige Kulturhauptstadt im Jahr 2010: Die ungarische Stadt Pécs und Istanbul (als Vertreter eines Nicht-EU-Landes) können sich in diesem Jahr ebenfalls „Kulturhauptstadt“ nennen. Was ist diese Ruhr.2010 GmbH? Die Ruhr.2010 GmbH ist eine Gesellschaft, die eigens zur Vorbereitung und Organisation des Kulturhauptstadtjahres gegründet wurde. Gesellschafter sind die Stadt Essen, der Regionalverband Ruhr, das Land Nordrhein-Westfalen sowie der Initiativkreis Ruhrgebiet. Das Schlagwort Ruhr.2010 benutzt die Gesellschaft für das Marketing. Für das Programm des Kulturhauptstadtjahres hat die Ruhr.2010 GmbH drei Leitthemen festgesetzt: Mythos, Metropole und Europa. Die einzelnen Veranstaltungen gliedert sie in die sechs Programmfelder Bilder, Theater, Musik, Sprache, Kreativwirtschaft und Feste. Infos zum Programm des Kulturhauptstadt-Jahres findet ihr auf http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet. ruhr2010.de.
text Johanna Fritz

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Ruhr.2010: Wo ihr hin müsst
53 Städte, 365 Tage, 2.500 Veranstaltungen: Bei solch einem Kulturmarathon kann man schon mal den Überblick verlieren. Wir stellen euch drei Höhepunkte vor, die ihr 2010 nicht verpassen solltet. Urbanatix
Was ist das – und warum muss ich da hin? Bei dem Street-Dance Projekt geht es um Kunst von der Straße und Jugendkultur – das vor der industriellen Kulisse des Ruhrgebiets. 45 junge Talente der regionalen Jugendszene arbeiten ein Jahr lang mit internationalen Profis zusammen. Dabei werden nicht nur ihre Skills im Tanzen geschult, sondern es gibt Übungen in Parkour, Freerunning (über Hausdächer springen, an Wänden hoch laufen), Tricking (Sprünge und Luftkicks), Kampfkunst, Skaten, Biken und Breakdance. Wer nicht selbst mitmachen will, ist zur Abschluss-Show eingeladen, die der Höhepunkt des Projekts sein wird. Die ausgewählten Jugendlichen treten darin zusammen mit zehn Weltklasseartisten auf. Wann? 21.-23. Mai 2010, je zwei Vorstellungen pro Abend um 21 und 24 Uhr Wo? Bochum, Jahrhunderthalle Was kostet das? Ca. 20€, für Studenten ermäßigt. Der Vorverkauf beginnt Ende Januar. Tickets gibt‘s online oder bei der Jahrhunderthalle Bochum. Kann ich noch mitmachen? Ja. Die Castings sind schon vorbei, aber Urbanatix ist weiterhin offen für Talente. In Frage kommen junge Leute zwischen 16 und 25, die im Ruhrgebiet wohnen. Bewerbungen sind noch bis Anfang/Mitte Februar möglich. Die Formulare sind auf der Homepage von Urbanatix zu finden. Wo gibt‘s mehr Infos? http://www.dacapo-bochum.de/ urbanatix/

Stretching auf „Urbanatix“-Art.

Still-Leben Ruhrschnellweg

Was ist das – und warum muss ich da hin? Könnt ihr euch ein Fest mitten auf der B1 vorstellen? Eine Party auf der Hauptverkehrsader der Region? 20.000 aneinandergereihte Tische sollen dort mit knapp 60 Kilometern die längste Tafel der Welt bilden. An ihr sollen die verschiedenen Kulturen, Generationen und Nationen des

Ruhrgebiets zusammenkommen. Dafür wird der Abschnitt zwischen den Ausfahrten Dortmund, Märkische Straße und Duisburg-Häfen den ganzen Tag lang gesperrt. Jeder hat die Möglichkeit, sich einen Platz an einem der Tische zu sichern. Dafür gibt es zwei Voraussetzungen: Man muss mit einer Gruppe einen ganzen Tisch besetzen und die Feier durch einen eigenen Programmbeitrag mitgestalten. Das kann so ziemlich alles sein, was Kultur ist – Gesang, Tanz, Musik, Kabarett, Theater, Lesungen oder einfach typisches Essen. Nicht vergessen: Die Tische sind nur zu Fuß erreichbar und es gibt weder Strom- noch Wasserversorgung auf der Strecke. Alle Aktivitäten finden auf der „Programmspur“ statt, der Fahrbahn Richtung Duisburg. Aus der Gegenspur der A40/B1 wird eine „Mobilitätsspur“: Hier haben alle die einmalige Chance, sich frei auf der Autobahn zu bewegen – mit allem, was Räder, aber keinen Motor hat. Wann? 18. Juli 2010, 11-17 Uhr Wo? Auf der A40. Muss man sich anmelden? Zum Spazierengehen nicht. Tische müssen aber reserviert werden (nur ganze Tische für 8-10 Personen). Anmeldung online oder telefonisch: 01805-15 2010. Was kostet das? 25€ pro Tisch zzgl. Gebühren und Ticket-Versandkosten Wo gibt‘s mehr Infos? http://www.ruhr2010.stillleben-ruhrschnellweg.de

Zeltfestival Ruhr

Was ist das – und warum muss ich da hin? In einer riesigen Zeltstadt auf den Wiesen am Kemnader See werden 13 Tage am Stück insgesamt 35 Gastspiele und Konzerte geboten. Dieses Jahr sind unter anderem die Band „Ich und Ich“ (26.8.), der Ex-„Selig“-Sänger Jan Plewka (3.9.) und die Kabarettisten Hagen Rether (26.8.) und Dieter Hildebrandt (5.9.) dabei. Der Mittelpunkt der Zeltstadt – ein sechs Meter hohes Pagodenzelt – fasst zusammen mit zwei weiteren Eventzelten 6.000 Menschen. Auf dem Zeltfestival Ruhr kommen neben Konzertgängern, Kabarett- und Comedy-Fans auch Kunstinteressierte auf ihre Kosten. Auf dem Markt der Möglichkeiten stellen internationale Künstler, Kunsthandwerker und Designer selbstentworfene und -hergestellte Schmuckstücke und Mode vor. Wer selbst etwas ausstellen möchte, kann sich noch bei Peter Lihs (standwesen@zeltfestivalruhr.de) melden. Wann? 20. August – 5. September Wo? Am Kemnader See in Bochum/Witten, neben Strandbad Heveney Was kostet das? Zwischen 20 und 30€, Ich und Ich 40€. Der Vorverkauf läuft. Wo gibt‘s mehr Infos? http://www.zeltfestivalruhr.de

Das „Still-Leben Ruhrschnellweg“, wie es sich die Planer vorstellen.

text Johanna Fritz fotos DACAPO/Sebastian Förster, TAS Emotional Marketing GmbH

S12 RUHR-BLICK: MITTEN IM LEBEN

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Lara Fritzsche, gebürtige Kölnerin, arbeitet für die „Neon“ in München.

„Alles geht sofort online“
Im pflichtlektüre-Interview spricht die mehrfach preisgekrönte Journalistin Lara Fritzsche über die „Generation Internet“ und ihr Buch „Das Leben ist kein Ponyhof“.
Lara, für dein Buch hast du eine Abiklasse ein Jahr lang begleitet. Kamen Erinnerungen hoch? Das Schulgefühl ändert sich nie. Es gibt immer noch den Schwarm, den Streber, die Hübsche, all diese Typen. Der größte Unterschied ist der Umgang mit dem Internet – dabei bin ich nur sechs Jahre älter. „Ohne Internet fühlt man sich halb tot“, sagte dir eine Abiturientin im Interview. Wissenschaftler sprechen gar von der Generation der „Digital Natives“. Für was steht sie? Für Dauererreichbarkeit und einen anderen Medienkonsum. Die Leute, die ich erlebt habe, sind täglich mindestens fünf Stunden online. Sie sitzen zwar nicht die ganze Zeit vorm Computer, aber MSN oder Skype sind immer an. Das ist, wie wenn man den Telefonhörer neben die Tastatur legt und nur ab und zu etwas sagt. Inwieweit zählst du dich selbst dazu? Während der Recherche bin ich extrem viel in sozialen Netzwerken und Chats unterwegs gewesen. Dann war ich der Sache überdrüssig. Ich habe alles abgemeldet. Unpersönliche Geisterprofile sind da besser, die kann man problemlos löschen. Unterscheiden „Digital Natives“ zwischen ihrer Online- und Offline-Identität? Nein. Eltern denken häufig, dass sich Jugendliche im Internet verstellen. Einige Pädagogen sagen dann: „Toll, im Internet können die Jugendlichen mehrere Identitäten ausprobieren.“ Fest steht: Für diese Generation ist die Synchronisation von On und Off alles. Was sie offline erleben, kommt sofort online. Die Jugend begreift das Leben als Casting und die Welt als Jury, sagen einige Soziologen. Auf Abruf lospowern – das scheint ein Dauergefühl unserer Generation zu sein. Da spielt der Leistungsgedanke eine Rolle. Früher hatte man eine Note, eine Bewerbung und dann war die Sache durch. Inzwischen ist es unheimlich komplex geworden; es gibt Motivationsgespräche, Tests, Assessment Center. Man lernt früh, dass man offensichtlich besser sein muss als der Durchschnitt. Was sagst du jungen Leuten? Dass alle nur mit Wasser kochen. Man sollte es mit dem Respekt nicht übertreiben. Es ist der Beruf der Professoren und Chefs, einem etwas zu erklären. Darum lieber dreimal fragen als gar nicht. Du bist unter anderem mit dem Axel-Springerund dem Emma-Journalistinnen-Preis ausgezeichnet worden. Was bedeutet dir Erfolg? Wenn man beruflich das machen darf, was man machen möchte. Was bedeuten dir gute Kritiken, die du für dein Buch bekommst? Sie freuen mich sehr, denn ich habe viel Arbeit hineingesteckt: die Idee mit mir herumgetragen, Themen gesammelt, Artikel und Zettel mit Ansprechpartnern in große Kisten gepackt. Wenn man die dann zumachen kann, und der Inhalt zwischen zwei Buchklappen steckt, ist das super. Wirst du mit 30 immer noch in München leben? Mal sehen. Du kommst ja auch aus dem Ruhrgebiet und weißt, dass es eine nette Ecke ist. München ist doch sehr anders. Ich möchte einen Job, der mir Spaß macht. Und wenn er genügend Geld einbringt, so dass es hin und wieder für eine zu teure Tasche reicht – super. Dann bin ich voll zufrieden.

VITA
Lara Fritzsche studiert Germanistik und Psychologie in Bonn und schreibt gerade ihre Bachelor-Arbeit. Die 25-Jährige arbeitet zudem als Redakteurin bei der „Neon“ in München. Ihr aktuelles Buch heißt „Das Leben ist kein Ponyhof. Die unbekannte Welt der Abiturienten“.

text Miriam Sahli foto Kiepenheuer & Witsch

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RUHR-BLICK: MITTEN IM LEBEN S13

Immer etwas Besonderes
Seine große Schwäche ist zugleich seine große Stärke: Michael Jack nimmt aufgrund einer neurologischen Besonderheit intensiver wahr als andere Menschen. Er ist hochsensibel.

E

in kleines Café in Bochum: Fast alle Plätze sind belegt, die Besucher unterhalten sich mit einem leisen, aber stetigen Gemurmel. Jemand tritt ein, um einen Kaffee zu bestellen. Eine tagtägliche Situation, von jedem schon dutzende Male durchlebt – Michael Jack erlebt sie anders. Der 28-Jährige ist hochsensibel. Das klingt wie eine lapidare Ausrede für ein überempfindliches Verhalten. Ist es aber nicht. Bereits Mitte der 90er Jahre etablierte die amerikanische Psychologin Elaine Aron das Phänomen der „Hochsensibilität“. Betroffene nehmen alles intensiver wahr. Alltägliche, unwichtige Dinge, die jeder andere aus seinen Sinneseindrücken unbewusst herausfiltert, bleiben bei ihnen hängen. Doch je mehr Informationen diese Menschen aufnehmen, desto erschöpfender ist es für sie.

der Hochsensiblen gehören. Wie realistisch diese Zahlen sind, kann Michael Jack nicht sagen. Leicht zu bestätigen seien sie jedenfalls nicht. Inspiriert von dem Gefühl, endlich verstanden zu sein, initiierte der 28-Jährige Gesprächskreise, zum Beispiel in der „Oase“ in Bochum. Der große Zuspruch blieb aus, nur wenige Studenten konnte er für seine Gruppe gewinnen. „Ich denke, es entspricht dem Anpassungswillen gerade junger Menschen: Ob bewusst oder unbewusst, jeder versucht, der generellen Norm zu entsprechen“, so Jack.

Details, wie das neue Make-up der Kollegin, zu bemerken, perfektionistischer zu sein und tiefgehender als andere nachdenken zu können. In der Broschüre des Vereins heißt es, niemand könne sich „etwas dafür kaufen“, dass er hochsensibel sei. Michael Jack weiß jedoch, dass sich das Lebensgefühl verändern kann, wenn man sich der Besonderheit bewusst ist. „Ich habe mittlerweile eine ganz andere Grundeinstellung. Vor allem, seit ich weiß, dass es auch anderen so geht wie mir“, sagt Jack. Seiner Umwelt kann er heute gelassener begegnen. Denn er weiß ja, was seine Irritationen hervorruft. So verwundert es nicht, dass er völlig ruhig im Café sitzt. Die Umgebung scheint ihn genauso wenig zu beeindrucken, wie alle anderen. Wer ihn kennt, weiß, dass es anders ist.
text und foto Anna-Lena Wagner

Aufklären statt verstecken
Ein Grund zum Aufgeben war das für ihn nicht – im Gegenteil: 2007 gründete er den bundesweiten Verein „Hochsensibel?“ mit einer entsprechenden Internetseite. Vor allem, um Öffentlichkeit zu schaffen. Die sucht Jack immer wieder: Zahlreichen Medien erzählte er schon seine Geschichte, immer und immer wieder berichtete er von dem merkwürdigen Gefühl, isoliert und anders zu sein. Aber auch von seinen Stärken, kleine

Schnell an der Belastungsgrenze
Michael Jack hat das oft erlebt. Bereits zu Schulzeiten fiel ihm auf, dass er anders war. „Ich war zwar nie ein Problemfall, aber ich merkte, dass etwas nicht stimmt“, so der Promotionsstudent. Mit 15 Jahren bei einer Feier – viele Menschen, laute Musik – hielt er es nicht mehr aus: „Ich stürzte fluchtartig hinaus und spürte eine furchtbare Erleichterung, als ich endlich draußen war.“ Solche Erlebnisse verwirrten ihn zunehmends: „Einerseits war ich sehr leistungsfähig, andererseits kam ich schnell an meine Belastungsgrenzen.“ 2003 war es ihm genug – endlich wollte er Klarheit haben. Als er das Wort „hochsensibel“ googelte, stieß er prompt auf die Studien Arons. Eine Last fiel von ihm ab: „Zwei Monate lang bin ich hocherfreut umhergelaufen, endlich war meine Lebensweise legitimiert.“ Hochsensibilität ist keine Krankheit, darauf legt Michael Jack Wert. Es handelt sich vielmehr um eine neurologische Besonderheit: Der Filter für Wahrnehmungen ist bei den Betroffenen durchlässiger. „Wir Hochsensiblen haben einfach einen höheren Level an Input“, drückt es Jack aus.

Isoliert und anders sein
15 bis 20 Prozent der Menschen sollen laut der amerikanischen Psychologin Aron empfindlicher sein als andere und damit zur Gruppe
Es hat lange gedauert, bis Michael Lara Fritzsche, gebürtige Kölnerin, Jack herausfand: Er ist hochsensibel. arbeitet für die „Neon“ in München.

S14 DIENST-BAR

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Für alle Sinne
Von einem Wettlauf mit der Zeit über ein Weltkriegsszenario bis hin zur Kokerei. DER KINOFILM:
Das Kabinett des Dr. Parnassus
Kinostart: 7. Januar 2010
den, hat Dr. Parnassus ihm die Seele seiner Tochter versprochen. Als Satan drei Tage vor Valentinas Geburtstag auftaucht und sein Recht einfordert, schließt Dr. Parnassus eine Wette ab, um Valentina doch noch aus seinen Fängen zu befreien. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, bei dem die Crew des Wandertheaters noch die Bekanntschaft des geheimnisvollen Tony (Heath Ledger) macht, der sie fortan auf ihrer Reise begleitet. In seiner letzten Rolle wird Heath Ledger, der während der Dreharbeiten verstarb, noch durch seine Freunde Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell vertreten. Drehbuchautor und Regiesseur Terry Gilliam nimmt den Zuschauer mit auf eine fantastische und bildgewaltige Reise. jj

DAS BUCH:
in der schnelllebigen Zeit keine Besonderheit zu sein. Die Historikerin Alexandra Lessing und ihr Freund Ismael, beide homo invisiblis, nehmen die Herausforderung an und kämpfen gegen die dunklen Mächte. Sie versuchen die Menschheit und das Leben ihres ungeborenen Kindes zu retten. Caligo erscheint als eine Mischung aus Science-Fiction, Thriller und Liebesgeschichte. Die Idee ist keinesfalls neu. Geschickte Einschübe von unerwarteten und zum Teil erschreckend realen Handlungen machen das Buch jedoch richtig lesenswert. Es erinnert an das Drehbuch zu einem Actionfilm, denn einzelne Handlungen werden szenisch und detailreich dargestellt. macl

Tag ein, Tag aus zieht der grob wirkende Dr. Parnassus (Christopher Plummer) mit seinem Wandertheater durch die Lande. Dabei buhlt er ständig um Zuschauer für seine Show. Mit Hilfe seiner Gedankenkraft und eines Spiegels verhilft er seinem Publikum zu einer Reise durch ihre Gedankenwelt. Dabei stehen ihm seine Tochter Valentina (Lily Cole) und seine Assistenten Percy und Martin zur Seite. Diese Geschichte allein wäre nicht sehr spannend. Wäre da nicht der Filmschurke schlechthin: der Teufel (Tom Waits). Um unsterblich zu wer-

Den Weltkrieg, der in dem Buch von Marc van Allen tobt, bemerkt kaum jemand. Dabei wird dieser so offensichtlich geführt, dass man ihn eigentlich nicht ignorieren kann. Zwei Gruppen von unsichtbaren Menschen, den homo invisiblis, kämpfen um die Weltmacht. Den normalen Menschen, den homo sapiens, bleibt dieser Kampf jedoch verborgen. Zwar verschwinden immer wieder einige von ihnen, aber das scheint

Marc van Allen

„Caligo“
Verlag: Ullstein TB Preis: 8,95 Euro Umfang: 496 Seiten

EXIT RAFF DICH AUF, GEH RAUS!
23.01.10 –Tanzen gegen kalte Füße
Juicy Beats wird 15! Wer nicht bis zum Sommer warten kann, feiert schon heute mit Frittenbude, Data und bekannten Dortmunder DJs im FZW.

** Tipp 2!

29.01.10 – Glückliche Tage - Premi-

ere Winnie und Willie - Wo sich nichts verändert, kann es auch nicht schlimmer werden. Aber dann erwacht in Willie neues Leben. Schwarzer Humor im Theater Dortmund. Palladium in Köln! 2009 erschien das zweite Album der Band mit dem Titel „Cosmic Egg“.

23.01 -Uni Do Jazzfestival Eröffnet wird das Festival von „Torsten Goods“. Danach geht‘s weiter mit den „Heavy Tones“, der bekannten Band aus „TV Total“, und Peter Fessler. Außerdem dabei sind unter anderem „Dreams of Electric Sheep“ und „Syntax“. Auf vier Bühnen wird zeitgleich musiziert. Die Konzerte finden im Fritz-Henßler-Haus statt. Um 20 Uhr geht‘s los. Die Tickets kosten im Vorverkauf 17 €, ermäßigt 10 €. brin fotos Manfrd Vollmer/pixelio-T. Schlief Dülmen

* Tipp 1!

30.01.10 – „Wolfmother“ rockt das Bis 16.02.10 – Karneval im Pott Beim Geierabend 2010 gibt es drei Stunden Comedy, Satire, Klamauk und Musik. Karten kosten ermäßigt 20,90 €.

Kulturreise in die Vergangenheit Ihr lebt in der Kulturhauptstadt 2010, aber habt keine Ahnung von der Geschichte des Ruhrgebiets? Das könnt ihr ändern! Einblicke gibt‘s bei Führungen in der Kokerei Hansa. Von 1928 bis 1992 wurde hier Steinkohle abgebaut. Heute steht die Kokerei unter Denkmalschutz. Donnerstags bis Sonntags und an Feiertagen könnt ihr in die Vergangenheit reisen. In ganz besonderem Licht erscheint Dortmund übrigens bei den Nachtlichtführungen. Mehr Infos findet ihr auf www.industriedenkmal-stiftung.de.

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Business Extra
Anzeigen-Sonderveröffentlichung

NEU ab 21.01.2010 WENN LIEBE SO EINFACH WÄRE VORSTADTKROKODILE 2 NEU ab 28.01.2010 SHERLOCK HOLMES WOLKIG MIT AUSSICHT AUF FLEISCHBÄLLCHEN
(in Digital 3D)
Bei der von Schaewen AG können Studenten direkt loslegen.
Foto: Wolf Sondermann

20.01.2010 Ladies Night WENN LIEBE SO EINFACH WÄRE
(nicht in Essen und Mülheim)

Absolventen willkommen
Unternehmen sucht Jungingenieure

KURZ NACHGEFRAGT
Zukunft der komm? Wie sehen Sie die enden Ingenieure?

27.01.2010 cineMENSworld/Kumpelabend/Männerabend SHERLOCK HOLMES

Absolventen der Ingeni! Wir glauben, dassauch eurwissenschaften in den kommenden Jahren gute Anstellungschancen haben werden.
Zeiten Krise... warum geht ? Inso gut? deres Ihrer Firma

M

itten in Essen, genauer gesagt an der Kronprinzenstraße, liegt der Sitz der von Schaewen AG – und genau hier werden Jungingenieure gesucht! Als vor 79 Jahren das Familienunternehmen gegründet wurde, ahnte noch niemand, dass in den nächsten Jahrzehnten der Name „von Schaewen” aus dem weltweiten Stahlgeschäft nicht mehr wegzudenken sein würde. Die von Schaewen AG schmiedet Stahl, schneidet Stahl und bearbeitet Stahl. Und vor allem handelt das mittlerweile in der dritten Generation angekommene und 407 Mitarbeiter zählende Unternehmen mit Stahl. Und das weltweit!

sem Grund wurde im Sommer 2008 ein eigenes Ausbildungszentrum eingeweiht. Höhe der Investition in die eigene Zukunft: vier Millionen Euro! Zur Zeit befinden sich 33 Auszubildende und Praktikanten im Einsatz.

rausschauende Inves! In guten Zeiten votitionen in Maschinen

Projekte für Diplomarbeiten
Für Studenten im Ingenieur- bzw. Maschinenbauwesen bedeutet dies die Möglichkeit, bereits im Praktikum viele wichtige und prägende Erfahrungen zu sammeln. Und nicht nur das! Das erfolgreiche Essener Unternehmen bietet sogar Projekte für Diplomarbeiten im technischen Studiengang an. Es darf sich also gern beworben werden. Ganz aktuell werden bei der von Schaewen AG Absolventen des Maschinenbaustudiums und sonstiger Ingenieurstudiengänge gesucht. Soll heißen: langjährige Berufserfahrungen sind nicht zwingend notwendig. Und jetzt: viel Erfolg bei der Bewerbung!
i Kontakt von Schaewen AG Kronprinzenstraße 14 45128 Essen 0201 - 81 10-0 www.von-schaewen.de

und Anlagen sowie stetige Qualitätssicherung, sichern der von Schaewen-Unternehmensgruppe ein gesundes Wachstum auch in Zeiten der Krise und darüber hinaus.

Sicheres Wachstum steht im Vordergrund
Ob nun China, Brasilien oder Saudi Arabien – die von Schaewen AG strebt ein kontinuierliches, gesundes Wachstum an, um den Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz und seinen Kunden, Lieferanten und Dienstleistern einen zuverlässigen Partner garantieren zu können. Gewährleistet wird dies natürlich auch durch die sehr erfolgreiche Ausbildung von Mitarbeitern im eigenen Betrieb. Aus die-

Potential des Unternehmens und Basis des Erfolges sind die Mitarbeiter/ - innen. Die Festigung und Stärkung dieses Potentials, in dem sich Werte wie Engagement, Leistung , Kooperation, Qualitätsbewusstsein, Verantwortung, Teamfähigkeit und Kundenorientierung befinden, ist für die Gegenwart und Zukunft des Unternehmens entscheidend. Frühzeitiges Erkennen der Bedürfnisse am Markt und der Wünsche der Kunden, um so die eigenen Produktions- und Liefermöglichkeiten in diese Richtung zu gestalten.

Was Firma aus? ?Das macht Ihre entscheidende

!

Die kommenden Top Highlights:
Sherlock Holmes
Action-geladene Neuerfindung des wohl berühmtesten Detektivs der Welt. Robert Downey Jr. absolviert den Sprung vom Superhelden zum Superhirn mühelos, in Guy Ritchies Macho-Makeover des Klassikers von Arthur Conan Doyle. Ab dem 28.1.2010 in Ihrer UCI KINOWELT!

Wenn Liebe so einfach wäre
Intelligente RomCom für Erwachsene, die vom Spielwitz des Hauptdarstellertrios Meryl Streep, Alec Baldwin und Steve Martin lebt. Ab dem 21.1.2010 in Ihrer UCI KINOWELT!

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen
Übersprudelnd witzig-einfallsreiche, moderne Schlaraffenland-Story im 3D-Format, mit der Sony Pictures Animation einen lebhaften Leinwandhit fürs Familienpublikum serviert. Ab dem 28.1.2010 in Ihrer UCI KINOWELT!
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S16 Sudoku

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knobeln mit Sudoku
Für Fortgeschrittene: Pro Spalte, pro Reihe und pro drei mal drei Kästchen großem Quadrat dürfen die Zahlen 1 bis 9 nur jeweils einmal vorkommen.

Impressum
Dortmund Tel: 0231/755-7473, Fax: 0231/755-7481 Briefanschrift: pflichtlektüre, c/o Institut für Journalistik, TU Dortmund, 44221 Dortmund E-Mail: post@pflichtlektuere.com Produktion: Tobias Jochheim (tjo) und Daniel Klager (tni) Bild: Daniel Gehrmann (dg), Nadine Maaz (nm), Elvira Neuendank, Pascal Amos Rest, Katja Seidl Titelbild: Moritz Tschermak An dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Philipp Anft (pan), Nils Bickenbach (nils), Brinja Bormann (brin), Sebastian Bolsinger (jsb), Susann Eberlein (se), Pia Eschenbruch, Johanna Fritz (jf), Florian Hückelheim (fh), Jens Jüttner (jj), Sarah Keller (sk), Jonas Knoop (jk), Marie Lanfermann (macl), Julia Mischner, Sophie Mono, Malina Opitz (mao), Siola Panke (sp), Linus Petrusch (lipe), Marylen Reschop (mr), Miriam Sahli (miri), Sarah Salin (sal), Katrin Schmidt (ks), Fabian Schwane (fas), Agata Sliwinska, Kathrin Strehle (ks), Karina Strübbe (kas), Natascha Tschernoster (nt), Martina Vogt (mv), Barbara Wege (bw), Julian Weimer, Anja-Kristin Willner (awi) Verantwortlich für Anzeigen: Oliver Nothelfer, Anschrift wie Verlag, Kontakt: 0201/804-8944 Objektleiter: Wolfgang Ibel Verlag: Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlagsgesellschaft , E.Brost & J. Funke GmbH u. Co.KG, Friedrichstr. 34-38, 45128 Essen Druck: Druckhaus WAZ GmbH & Co. Betriebs-KG, Anschrift wie Verlag. Kontakt: druckhaus@waz.de Erscheinungstermine: Wintersemester 2009: 27. Oktober, 10. November, 24. November, 8. Dezember, 19. Januar, 2. Februar.
Herausgeber: Institut für Journalistik, TU Dortmund Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Meier Redaktionsleitung: Vanessa Giese (vg), ViSdP Redaktion: Uni-Center, Vogelpothsweg 74, Campus Nord, 44227

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