Seufzer und Schrei, Liebe und Tod, Aufbau und Zerstörung

Über: Die Zyklische Nacht
für dramatischen Sopran, Akkordeon und Klavier
von
Karl-Wieland Kurz
(2000-2002)

Leon Dudley im Gespräch mit dem Komponisten Karl-Wieland Kurz und dem Akkordeonisten,
Widmungsträger und Interpreten der bisherigen Teil-Uraufführungen dieser neuen und ungewöhnlichen
Komposition, Stefan Kutscher

Personen der Gesprächsrunde:
Karl-Wieland Kurz (KWK),
Stefan Kutscher (STK)
Leon Dudley, Interviewer (I)

I: Herr Kurz, warum schreiben Sie als arrivierter zeitgenössischer Komponist ausgerechnet ein 1 Stunde Aufführungsdauer beanspruchendes Werk
mit einem tragenden Part für das Akkordeon?
KWK: Meinen Sie damit, ein seriöser Komponist tut so etwas einfach nicht? – Nun, dann muß ich wohl ganz sicher ein unseriöser Komponist sein,
und das auch wohl noch mit Überzeugung! (lacht)
I: So habe ich das aber nicht gemeint! Sehen Sie: Sie gelten allgemein als kompositorischer Vertreter einer Generation, die die ideologischen
Grabenkämpfe in der Neuen Musik nicht mehr als kreatives Fluidum nutzt. So manchem Musikologen und Kritiker gilt Ihre Musik sogar als eine
komplex verstiegene „Leider-viel-zu-spät-Romantik“, charakterisiert durch vegetativ wuchernde Collage-Techniken, dichte Schreibweise usw.
KWK (grinsend): Das ehrt mich aber mal wieder ganz besonders, hm – ja, das gefällt mir...(lacht).
Aber jetzt mal im Ernst: Ich bin doch nur so eine Art armer, kleiner und harmloser Manierist, meine aber im übrigen: zwischen den Stühlen sitzt sichs
als Künstler allemal am besten (mein Nom de guerre: „Querläufer“ – oder: „Überspannungsmusiker“!?)!
I (schmunzelnd): Also dann noch mal meine Frage: Warum ein solches Riesenwerk mit Akkordeon?
KWK: Sie sollten besser fragen, warum für Akkordeon und Klavier, diese einem dramatischen Sopran gegenübergestellt und doch alle drei
zusammen miteinander eng verwoben. Dazu später Näheres. Jetzt aber zunächst nur zu Ihrer Frage:
In diesem Stück ist das Akkordeon gewissermaßen der mechanisierte „verlängerte Arm“ von Stefan Kutscher – man könnte beinahe sagen, dass ich
das Werk für und um das „Instrument“ Stefan Kutscher herum entworfen habe. Stefan und ich sind schon seit vielen Jahren befreundet und wir haben
als Duopartner seit dieser Zeit alleine und auch zusammen in größeren Besetzungen so manches Konzert bestritten. Außerdem hat Stefan seitdem
öfter den Akkordeon-Part in einem meiner Kammermusikwerke und in einer Orchesterkomposition gespielt. Von daher weiß ich natürlich ganz genau
von seinen exorbitanten musikalischen und spielerischen Qualitäten, seinem haptisch direkten Zugriff auf sein Instrument, kenne seine spezifische
„Haltung“ als Musiker. Außerdem war da noch so ein beinahe seit 10 Jahren im Raume stehendes Versprechen, speziell für ihn ein ausgedehntes und
komplex-reiches Werk zu schreiben. Immer wieder diesen Plan vor mir herschiebend, wurde dann seit Herbst 2000 dieser riesige Zyklus von Liedern
und Stücken daraus.
Der zweite Grund: Dieses Werk ist in starkem Maße beeinflusst und inspiriert von der gedanklichen und literarischen Welt des argentinischen
Schriftstellers Jorge Luis Borges, und der liebte bekannterweise nun mal den Tango und die Milonga seines Heimatlandes. Die zuerst einmal eher
äußerlich bestehende Beziehung zwischen dem Bandoneon als tragendem Instrument dieser Musik und dem Konzertakkordeon wird nun in meiner
Komposition auf subtile Art genutzt, indem die harte Art der Akzentuierung des Bandoneonspiels, dessen ungeheuerliche Mischung und Vereinigung
von Seufzer und Schrei, Liebe und Tod, Aufbau und Zerstörung in starkem Maße mein Schreiben fürs Akkordeon in diesem Werk beeinflusst haben.
Auch die Hinzuziehung des Klaviers erklärt sich teilweise aus der in der Praxis des Tango üblichen Besetzung. Freilich war eine meiner selbst
gesetzten Maßgaben beim Komponieren die Vermeidung von gewissen und – gerade hierzulande lieb gewonnenen – Klischees der Nuevo-TangoMainstream-Ecke und ähnlicher modischen crossover-Erscheinungen. Es ging mir bei der Arbeit mehr um den Einbezug verborgener und
archetypischer Elemente dieser nuancierten und so reichen, dabei letztlich rätselhaft bleibenden Kunst: der sublimierte Geist des genius loci hinter
dieser labyrinthischen Person Borges, hinter der Sprachmelodie seiner Lyrik und Prosa, deren Rhythmus und Akzentik, deren zur Sprache geronnene
Musik wurden von mir genutzt als ein semantischer Athanor für das Aufschmelzen und Umformen in Eigenes.
Nun noch zu Akkordeon und Klavier als Instrumentalbesetzung meines Zyklus: Diese Kombination klingt einfach hinreißend, ungeheuer dynamisch
und farbig, die Klangspektren beider Instrumente jeweils bis ins schier Unendliche erweiternd – und bislang hat das kaum einer meiner
komponierenden Kollegen bemerkt! (lacht). Das war mir natürlich so ein Anreiz. Dann denken Sie doch auch noch an die Vermittlerrolle des

sind aber mit einer solchen Vermutung auf dem Holzweg: es handelt sich nämlich lediglich um ein imaginäres Stylportrait eines nur in meiner Phantasie existierenden Komponisten aus jener Zeit. KWK: . für das Komponieren der Musik dieser insgesamt 13 Lieder und Stücke. muß aber exakt von den Interpreten eingehalten werden. den in der Musik nur eine menschliche Stimme haben kann – einer. Dies alles meinerseits auch im Bewusstsein. gleichsam in dessen eigener Zeit „abholt“ – wobei der aufmerksame Zuhörer dann vielleicht aber meinen „hoax“ bemerken dürfte. Annette Fischer. bestehend aus von Ihnen ausgewählten und vertonten Borges-Gedichten? KWK: Nein. Dieses Verfahren ist ja in der bildenden Kunst durchaus geläufiger. also ja veritabel spielen und man hört es nur nicht.. Hier also haben wir einen Anknüpfungspunkt. Die alte Idee einer Kompositionskunst als Zeit-Kunst bestimmt gewissermaßen in diesem Zyklus die verwendete Palette der einzelnen ästhetischen. die bis jetzt fast alle. die musiziert werden sollen. Arno Holz´ Phantasus. also richtig und sorgfältig komponierte Substanz. unabhängig davon. einen solchen groß angelegten Liederzyklus in Angriff zu nehmen. wie dann auch konsequenterweise . wenn auch ausgedehnten Liederzyklus. Tod und Wiedergeburt. innerhalb einer Vokal. markierte Stellen) Diese Akkorde sind so etwas wie ein geheimes „Thema“. Im Falle des Selbstsicheren Auftakt1 (Kurzbezeichnung für das 1. Kurz vor Beginn der Arbeit an „Die zyklische Nacht“ hatte ich ja zudem noch eine Oper fertig gestellt und deren Realisierung anlässlich der Schwetzinger Festspiele 2000 erleben dürfen. Neues. Begriffen. sich aber irgendwann an genau festgelegten Punkten wieder treffen. Alle diese „Textschnipsel“ wurden von mir in einem ersten Arbeitsschritt vorkomponiert – und somit verwandelt. ihr spezifisches Timbre. um einen bekannten und einen extrem unbekannten Komponistennamen zu nennen – aber auch in diesen Fällen gilt: kein Zitat. denken Sie nur an die Musik des Mittelalters – und von da an noch bis tief ins 18. Jh.und Ausdrucksklima der Musik um 1900-1920 erinnert werden mögen. I: Damit geben Sie mir gewissermaßen das nächste Stichwort: Können Sie bitte die wesentlichen kompositorischen Techniken des Werkes kurz umreißen? KWK: Wie eigentlich in allen meinen Werken der letzten Jahre sind auch die in diesem Fall verwendeten kompositorischen Techniken vielfältig. dem jungen Schönberg und Frederick Delius. (Siehe Notenbeispiel 1.doch. eines alle Lieder und Stücke miteinander eng verwebenden. ob sie gestisch agieren. der ja die Noten nicht vor sich liegen hat? KWK: . sind speziell markiert. strukturell propädeutischen und der letztlich konkreten kompositorischen Gestaltungsmaßnahmen. Bildern der Lyrik und Prosa von Borges. auf das sich (fast) alle Lieder in geheimer oder offener Weise wie „Variationen“ beziehen. Jhd. mit voller Absicht ohne Rücksicht auf irgendeine Kompatibilität einer solchen Besetzung für den gewöhnlichen Konzertbetrieb. die entsprechenden Stellen. I: Könnten Sie eine kurze „Inhaltsübersicht“ Ihres Gesamtzyklus geben? KWK: Ich will es versuchen. mir sei nicht mehr eingefallen als das Parodieren zugegebenermaßen meist entlegener Stile hier noch weitere kompositorische Maßnahmen: Große metrisch-rhythmische Komplexionen. stilistisch zum Teil widersprüchlich und so mit voller Absicht auf verschiedenartigen historischen und ästhetischen Niveaus angesiedelt. werden aber nicht real gespielt. wo das anders war. sondern eine selbstgefertigte Stilkopie. Da wäre zunächst so eine gewisse Akkordfolge. Überhaupt muss ich hier noch erwähnen. der 13 Lieder) bekommt das Publikum das komplette Notenmaterial dieses Liedes 1 Das besagte Lied wurde bei einer erneuten Redaktion und Durchsicht des Werkes nach diesem Gespräch aus dem Gesamtzyklus entfernt. gepaart mit sensibelstem Ausloten aller Nuancen einer Komposition . bei der auch unvorbereitete Hörer spontan an das Struktur. Zwei tönende Zentren der Stabilität. doch gleichzeitig alles kontrastierend erscheinen lassenden buchstäblichen „Garten der Pfade. dass die Stimme unserer Sängerin. Gemäß der von mir vorher schon erwähnten Textquellen sind dies Liebeslieder. .Blas-/Akzentinstrumentes Akkordeon zwischen der Singstimme einerseits und dem Klavier andererseits. von Schönberg (Das Buch der hängenden Gärten.oder Instrumentalstimme. ebensolchen Elementen aus dem Phantasus-Gedichtzyklus von Arno Holz (zugrunde liegende Fassung ist die von 1916) und noch entlegeneren „Funden“ – bis hin zu alten Zaubersprüchen und magischen Phonemen aus okkulten Quellen. Nachtstücke von Leben.sicherlich nicht von ungefähr – wohl unbewusst angeregt worden. transformiert in etwas Eigenes. die nicht markierten Passagen sind in allen Details ausformuliert. sondern nur zum Lesen ist – I: Tatsächlich? Wie wird das konkret für den Zuhörer gelöst. Von daher sind die explosiv-dramatische Anlage der Singstimmenpartie. denn die Stelle ist ja ein Pseudozitat. im ersten Lied. allerdings kompiliert aus Worten. Diese so gewonnenen Textkonglomerate bildeten die Grundlage für den zweiten Arbeitsschritt.B. wenn nicht der wesentlichste Aspekt und Anreiz gewesen ist. Das hat dann natürlich auch noch verstärkt zusätzlichen Appetit auf das Anwenden der dort gewonnenen Erfahrungen in einem Werk für den Konzertsaal geweckt. Die Kombination von Klavier und Akkordeon mit einer Singstimme ist ja auch alles andere als üblich. mit einem solchen Begleitinstrumentarium zur Singstimme absolutes Neuland zu betreten.. die sich ja unmissverständlich aus der notierten Klangsubstanz (übrigens ein schönes Wort bei unhörbarer Musik!) ergibt. dieses Werk bildet einen konventionellen.. dass manchmal alle 3 Beteiligten in eigenen Tempi musizieren. ihre immense Musikalität. verbreiteter und weniger „anrüchig“ als beim heutigen Komponieren (es gab auch in der Musik Zeiten. Manche mögen dabei spontan an ein Zitat denken. die nicht zum Spielen. aber auch zwischen den einzelnen Instrumenten oder zwischen diesen und der Singstimme.also der volle sinnliche Impakt. transekstatischer tönender Widerschein eines unendlichen Weltgedichtes. eigentlich überhaupt nicht. oder ob sie stumm verharren. wie auch die manchmal beinahe orchestral-farbige und komplex-vielgestaltige Schreibweise für das Klavier und auch für das Akkordeon in manchen Teilen des Zyklus. sondern nur gestisch. Diese Ebene korrespondiert ausgesprochen und auch kommentarlos mit weiteren Stilgesten größerer stilistischer Bandbreite. Damit man aber nun nicht denkt.15) oder Messiaen (Harawi). das Ganze stilistisch irgendwo pendelnd zwischen Busoni. oder überhaupt nicht.eines der Stücke im Zyklus heißt. etwa von Karol Szymanowski bis Kaikhosru Shapurji Sorabji. die sich verzweigen“. zumindest merkwürdig fanden: In diesem Liederzyklus gibt es auch Notenmaterial. denen ich davon erzählte. wo die Musik einen der Kondensationskeime der verwendeten Textkonglomerate. hinein). Sie können die Akkorde ganz gut im Lied Inferno erkennen.also. allerdings kann das in so einem Gespräch nur sehr grob ausfallen: Das Gesamtwerk steht natürlich in der Tradition der großen Liederzyklen des 20. Hierzu ein Beispiel aus Tryptichon II: (siehe Notenbeispiel 2) Besonders skurril scheint eine weitere kompositorische Gestaltungsweise zu sein. op. Das geht soweit. I: Heißt das alles also. das erste und das siebente Lied sind die formal-inhaltlichen Kreuzungspunkte eines mehrdimensionalen Geflechtes. Die verwendeten Texte betrachte ich als eigene Dichtung. z. wie z. Ihre Zeitdauer aber.B. die entsprechenden Stellen liegen ihm durchaus vor. ich wollte das ja gerade erklären! – I: Entschuldigung. doch.

dass ein instantaner Bestandteil der Beschäftigung mit Musik auch und gerade das Lesen und innere Hören war und ist. dann aber sehr intensiv und lange proben. Von daher bin ich froh.zusammen mit dem Programmheft ausgehändigt und kann dann . Überhaupt ist meine Musik ja nicht nur zum Hören. da das Akkordeon. sie spielt aber in anderen meiner Werke durchaus eine Rolle. so richtig mit Papier und Tusche und so. Die linke Hand ist für Akkordeon mit vorgesetztem Einzeltonmanual komponiert und . Ein wesentlicher Punkt in meiner Vorstellung von einem Kunstwerk ist der der Vielfalt.. ein Werk auch ohne die bei Konzerten mit moderner Musik üblicherweise stattfindenden „Rechtfertigungen“. . Für diejenigen. Annette Fischer. die uns Herr Kurz ja schon geschildert hat..3: aus „Selbstsicherer Auftakt“) Eine weitere Auffälligkeit unter den von mir zum Einsatz gebrachten Stilmitteln können Sie dem voranstehenden Notenbeispiel entnehmen: auch die Instrumentalisten müssen in diesem Lied gelegentlich sprechen.die natürlich jedes Kunstwerk zweifellos hat . die in geradezu orchestraler Wucht über den Akkordeonisten hereinbrechen. wie die Struktur sei etc... da an dem Projekt außer meinen beiden Musikerfreunden noch eine Bildende Künstlerin. Aber ganz davon unabhängig ist es meine Meinung. spieltechnisch. STK: Zunächst einmal ist es für mich wichtig. flüstern. das Instrument zu traktieren .jetzt werden alle in den Denkmustern und Ideologien der Siebziger. trotz ihrer geradezu unglaublichen Komplexität.dem Hörer eine sinnlich fassbare Erfahrung bietet. bitte schildern Sie doch mal aus Ihrer Sicht. es werden also keine „Superformeln“. 8 Stunden am Tag singen kann. Frau Blanche-Dorothée Haun. Ob ich nun damit irgendjemanden überfordere. zu erleben.insofern die Software damit zurechtkam . Dabei geht es weniger um den Wechsel zwischen Standardbass und Einzelton. Jhd. drei oder sogar noch mehr metrische und rhythmische Ebenen alleine nur in der Akkordeonstimme gleichzeitig ab. 7. dass eine Komposition jenseits aller geistigen und theoretischen Dimensionen . Ich glaube zudem. Daneben ist es für mich natürlich eine große Herausforderung ein so schwieriges und abendfüllendes Werk einzustudieren. insoweit es des Notenlesens kundig ist.“ I: Herr Kutscher. gute miene böses spiel. Allerdings sollte man auf immense „Klangfluten“ gefasst sein. Sie fertigt für die erwähnte Vorzugsausgabe Zeichnungen zu jedem Lied an.hierbei sind allerdings nicht unbedingt die so genannten und bei anderen zeitgenössischen Komponisten viel gebrauchten „neuen Spieltechniken“ gemeint.4 aus „Inferno“) Eine weitere besondere Schwierigkeit. soll mir dann doch bitte mal mitteilen wie er das gemacht hat. Repagulum usf.. mittlerweile habe ich sogar immer öfter den Eindruck in der linken Hand nur auf einem einzigen Manual zu spielen. insofern ist die Idee einer gelesenen Musik hier irrelevant geworden. stilistisch und klanglich mit Kurz´ Werk Vergleichbares? STK: Ganz kurze Antwort: nein. verglichen mit den beiden anderen beteiligten Klangerzeugern. Zu Beginn war dies für mich sehr übeaufwendig. dass Annette 6.und Lebensbereichen gemeinhin das ausmacht. Also verwende ich höchst divergente kompositionstechnische Elemente. h. Häufig geht das auch an die Grenzen unserer körperlichen Leistungsfähigkeit. lebt in Wien und wir können meist nur wenige Tage vor dem Konzert gemeinsam. auf das es ankommt: Leben! Dieses ist nicht einfach. sehr wohl aber kannst du ihm aus dem Wege gehen. die Partitur auch einfach so als graphische Lustbarkeit wahrzunehmen oder gar an die Wand zu hängen. man steht ständig neuen. wer weiß? – Wie es ein alter Freund von mir einmal so schön formuliert hat: „Du kannst nicht erwarten. Jedes einzelne der 13 Lieder ist hinsichtlich seiner Textur und somit auch hinsichtlich seiner spieltechnischen Aufgabenstellung je immer wieder völlig anders gestaltet. so. Vielleicht aber noch soviel: erstmals habe ich besonders komplizierte Passagen in den Computer eingegeben und das hat . I: Wie gestaltet sich die Probenarbeit mit der Sopranistin/dem Pianisten/mit beiden zusammen? STK: Sehr angenehm. verhafteten bestimmt entsetzt aufschreien! – bezieht auch noch das Standardbassmanual gleichberechtigt in das Spiel ein.beim Üben manchmal viel Zeit gespart. was es für Sie bedeutet hat. Ich kann mich erinnern. warum man solch eine Quälerei auf sich genommen hat (lacht). Martian Time-Slip. der Komplexität ohne deren einseitige Vergötzung als Selbstzweck – ein Punkt. was der Komponist sich angeblich dabei gedacht habe.. Sprechgesang ausführen und sogar richtig singen. wie sich’s entwickelt. die sich durch alle Teile des Zyklus zieht. „algorithmische Prädispositionen“ oder ähnliches zur Anwendung gebracht. Wer künftig bei der Einstudierung schneller lernt. die Sängerin. I: Wo liegen die musikalischen und technischen Probleme bei der Einstudierung und beim Spielen? STK: „Leider“ gehört der Komponist Karl-Wieland Kurz zu den Kreativsten bezüglich der Erfindung immer neuer Arten. für 3 Takte einmal fast eine Woche benötigt zu haben. die Aufführung hören und das Unhörbare innerlich hörend ergänzen.. Ich find’s wunderbar. dass es von zumindest meinen Hauptwerken immer auch bibliophil ausgestattete Ausgaben gibt. dass für Konzertaufführungen die Sitzposition des Akkordeonisten im Zentrum vor dem Flügel und der Sopranistin in der Partitur vorgeschrieben ist.. beteiligt ist. dass viele Passagen auch für ein Konvertermodell eingerichtet werden könnten. sei hier noch kurz die Option erwähnt. nicht so weit trägt.und Achzigerjahre des 20. die keine Noten können. der nahezu unabhängig von irgendwelchen Tagesmoden ist. I: Gibt es aus der Standardliteratur unserer Zeit musikalisch. ist die der metrisch-rhythmisch-manuellen Koordination: häufig laufen zwei. das kommt natürlich auch vor. (hierzu Notenbeispiel 5 aus „Tryptichon I“) Ich möchte auch nicht unerwähnt lassen. sich auf dieses Werk einzulassen – ich meine jenseits aller persönlichen Implikationen. nicht leicht durchschaubar und passt uns auch nicht immer in den Kram. Ich bewundere jedes Mal wieder. außerdem sind nicht alle Lieder so komponiert. beispielsweise in Teilen aus Apocalipsis sine figurīs. ohne dass es so etwas wie eine vereinheitlichende Klammer gibt. da wir alle drei gut miteinander befreundet sind. Hier in diesem Fall wird es diese ganz bestimmt geben. (hierzu Notenbsp. Denken Sie an Joyce und seinen Ulysses: Da gibt es ja auch dieses berühmte Kapitel in Form eines Theaterstückes. I: Wie üben Sie solch ein Werk bzw. um die Musizierrollen zu tauschen. Kurz´ Musik erfüllt dies in hohem Maße. da seine Kontinuität in allen Kunst. sondern auch zum Lesen da und ich trage große Sorge dafür. in großen Teilen ungewohnten Spielsituationen gegenüber. wo plötzlich die unbelebten Dinge zu dramatis personae werden – die Gegenstände erheben ihre Stimmen zum „Stundentanz der Simultaneitäten“. als vielmehr um das gleichzeitige Spiel beider Manuale. die es erlaubt. auch wenn man sich in manch einsamen und endlosen Übestunden fragt. meine Partituren noch von Hand zu schreiben. wenn das ein Kunstwerk auch von sich behaupten kann. sondern wegen der rhizomartigen Verschachteltheit des Ganzen. es gibt kaum Wiederholungen. dass der Amazonas durch deine Badewanne abfließen kann. bestimmte Stellen daraus? STK (lachend): Da fragen Sie genau den Richtigen. (Notenbsp. d. Dies nicht so sehr.

Im nächsten Jahr sind mehrere Konzerte in Planung. sowie verschiedene kleinere Konzerte.natürlich zusammen mit der Sängerin .9 2002 im Rahmen des Südhessischen Kultursommers in Heppenheim statt. Herr Kutscher. ich danke Ihnen beiden für dieses Gespräch! . Außerdem planen wir für Ende 2004 eine CD Produktion.I: Wann und wo werden wir das nächste Mal Gelegenheit haben. unter anderem beim „International Arts Festival“ Singapore. ein Konzert in Wien. Sie beide .mit diesem Werk oder auch nur Teilen daraus zu hören? STK: Das nächste Konzert findet am 21. Sobald genaueres feststeht. werden wir es im DALV-Info veröffentlichen. I: Herr Kurz.