Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP

]
Seite 1[65]232, 2014/09/11, 14:08 Uhr · 11.0.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012)
1. Korrektur

Milka Car

Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege:
Diskurse der Ohnmacht

Seinen Erzählband Nahrani me (2012) beginnt Roman Simić Bodrožić mit
einer autobiographisch angelegten, schmerzhaft offenen Ich-Erzählung
über den Besuch des Gedenkortes Ovčara bei Vukovar. Fern vom
offiziellen Gestus einer ins Mythische übertragenen und leicht instrumentalisierbaren Nationaltrauerarbeit beschreibt der seltsam gespaltene,
emotional involvierte und doch um Distanzierung bemühte Ich-Erzähler
im dritten Satz der Erzählung seine Position angesichts der Kriegserfahrung: «[. . .] weil ich nicht verstehe, was eigentlich passiert ist,
und weil mir scheint, dass ich es niemals verstehen werde.»1 Dieser
Satz hat im Jahre 2013, also über zwanzig Jahre nach dem Kriegsausbruch
in Kroatien, immer noch eine provokative Pointe und bringt dadurch
wichtige Diskursstränge der Zeit 1991 – 2013 zusammen. Denn der Krieg
in Kroatien mitsamt seinen Ursachen entzieht sich den Interpretationsversuchen, entlarvt notwendig die jeweilige Position bzw. das jeweilige
eigene Engagement und bleibt im Diskursfeld des Unzumutbaren,
Unerklärlichen und Unwägbaren gefangen.2
Gerade aus dieser vom Ich-Erzähler demonstrativ vorgetragenen
Position des Unerklärlichen versuche ich meine Argumentation anhand
einer paradoxen Prämisse zu entwickeln. Meine Überlegungen über die

1

2

«[. . .] zbog toga što ne razumijem što se zapravo dogodilo, i jer mi se čini da nikada
neću razumjeti.» Roman Simić Bodrožić, Nahrani me, Zagreb 2012, S. 7. Wenn nicht
anders vermerkt, stammen die Übersetzungen aus dem Kroatischen von M. C.
Die historiographischen Erkenntnisse über den Charakter des Krieges als Aggression des Regimes von Slobodan Milošević zuerst gegen Kroatien, dann gegen
Bosnien und Herzegowina werden damit nicht in Frage gestellt. Doch stehen hier
die Auswirkungen des Krieges auf die Diskurse und ihre literarischen Präsentationsformen im Mittelpunkt. Vgl. dazu: Tihomir Cipek, Kultura sjećanja i rat.
Predgovor, in: T. C. (Hrsg.), Kultura sjećanja: 1991. Povijesni lomovi i svladavanje
prošlosti, Zagreb 2011, S. 7 – 10. Aus serbischer Sicht: Miroslav Hadžić, Armijska
upotreba trauma, in: Nebojša Popov (Hrsg.), Srpska strana rata. Trauma i katarza u
istorijskom pamćenju 2, Beograd 2002, S. 125 – 146.

Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP]
Seite 1[66]232, 2014/09/11, 14:08 Uhr · 11.0.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012)
1. Korrektur

66

Milka Car

Möglichkeiten literarischer Repräsentationen3 des Krieges entwickle ich
auf der Folie der eigenen Unzulänglichkeit, ausgehend von der grundsätzlichen Unzumutbarkeit der durch die Spätadoleszentin M. C. – wenn
auch indirekt – erlebten Kriegserfahrung. Diese Erfahrung der plötzlich
auftretenden, konkret gewordenen und doch unvorstellbar bleibenden
Kriegsgewalt konstituiert sich als ein radikaler Bruch nicht nur individuell, sondern lässt als eine kollektive «Erfahrungsräume und Erwartungshorizonte»4 sprengende Erfahrung eine gespenstisch fortdauernde
Identität der abwesenden Anwesenheit entstehen. Die Ebenen der Gegenwart und der Vergangenheit sind so eng miteinander verflochten, dass
auch nach Ende der Kriegshandlungen ihre Auswirkungen diskursbestimmende Kraft haben. Ausgehend von der prinzipiellen Unverständlichkeit des Kriegsphänomens ist ein Diskurs der Ohnmacht zu rekonstruieren, der als selbst erlebte Unmöglichkeit verstanden wird, eine
Antwort auf das Unvorstellbare zu finden. Daraus ergibt sich die Frage
nach Darstellungsmodi und Repräsentationsstrategien dieses Diskurses
der Ohnmacht in der postjugoslawischen, hier spezifisch kroatischen
Kriegsprosa. Da das Objekt dem Diskursfeld des Unzumutbaren verhaftet bleibt, zielt diese schon im Voraus zum Scheitern verurteilte Suche
nach Repräsentationsstrategien und Interpretationsmustern somit nicht
auf wissenschaftlich gebotene Objektivität, eine Diskursform, die Boris
Buden5 im Diskurs um den Jugoslawien-Zerfall ohnehin als obsolet
markiert. Mein Beitrag geht vielmehr davon aus, dass die ersten literarischen Reaktionen auf den Krieg – von Kriegswirklichkeit gesättigte
dokumentarische Tagebuchformen – als ein Modus der Ohnmacht zu
bestimmen sind.
Dabei ist der Diskurs der Ohnmacht zweifach zu verstehen: Einerseits
soll er die Haltung der Betroffenheit und Ratlosigkeit als einer authentischen, kollektiv geteilten und vielfach wirkenden Erfahrung diskursanalytisch ausloten, andererseits kontaminiert er die analysierten Texte
durch seine allgegenwärtige Dominanz, so dass er in seiner (unfreiwilligen) Dialektik mit verfolgt werden soll – als Suche nach einem Ausdruck
für die Kriegserfahrung und gleichzeitige Unmöglichkeit, ihn zu finden.
Dabei gehe ich von der Diskursanalyse als einer Methode aus, die sich

3

4

5

Vlg. Søren R. Fauth, Kasper G. Krejberg, Jan Süselbeck (Hrsg.), Repräsentationen
des Krieges. Emotionalisierungsstrategien in der Literatur und in den audiovisuellen Medien vom 18. bis zum 21. Jahrhundert, Göttingen 2012.
Reinhart Koselleck, Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten,
Frankfurt am Main 1992, S. 264 ff.
Boris Buden, Barikade, Zagreb 1996, S. 9.

S. Die Chiffren der Verletzlichkeit und die Erfindung der Kultur. Zagreb 2002. Ausgehend von Butlers These (in ihrem Buch Raster des Krieges) von der «massiven Faktizität des Krieges»9 als «eine[r] gewaltigen Struktur zur 6 7 8 9 «1. 2013). nicht wiederkennbar gewordene Wirklichkeit korrespondiert mit der von Elaine Scarry analysierten Unmöglichkeit der «sprachlichen Objektivierung» von (Kriegs-) Gewalt. 4 / Die Verlorenen / seit Jahren wird behauptet / wir sind nur wenige / dabei wächst unsre Zahl // Die Verlorenen // wir sind noch da»6 zu einer «Hymne» wurde. 2014/09/11. Dieser Ausdruck einer unverstandenen und verlorenen Generation ist in anderer Form in Irena Vrkljans Poetik zu finden. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 67 dem diskursiv produzierten Charakter des Realen widmet und untersucht.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[67]232. «I što je to zapravo. 12. Smrt dolazi sa suncem. 1992. 4 / Izgubljeni / godinama pričaju nema nas puno/a sve nas je više // Izgubljeni // ima nas još» ‹http://www. fremd und schrecklich. dass die Konstruktion von Wirklichkeit in solchen Texten völlig eingebunden ist in den durch den Krieg vorgegebenen Rahmen. S. Warum wir nicht jedes Leid beklagen. wie sich in den literarischen Texten der Bereich der erlebten und der mit Authentizitätsanspruch dargestellten Kriegsrealität in die textuelle Praxis der Sinnproduktion verlagert.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Verunsicherung und Ohnmacht in der Zeit der frühen 90er Jahre. Jene Verunsicherung der Wahrnehmung von Realität hat eine paralysierende Wirkung sowohl auf den Einzelnen als auch auf die Gesellschaft. Zwei Momente sind in dieser Dynamik als Ausgangspunkt zu markieren: Das eine ist der Titel einer im April des Jahres 1989 veröffentlichten Nummer der alternativen Rock-Band aus Rijeka Let 3 unter dem Titel Izgubljeni (Die Verlorenen). die mit ihren vier einfachen Versen «1. 29. Ihr im Jahre 2002 veröffentlichter Roman stellt angesichts der plötzlich unverständlich gewordenen (Kriegs-)Realität die zentrale Frage: «Was ist das eigentlich. Elaine Scarry. 3. Judith Butler.youtube. 2. 10. ta stvarnost?» Irena Vrkljan.com/watch?v=VRdmsi7oKUg› (Zugriff: 26. Der Körper im Schmerz. denn die durch Krieg entrückte. . denn der stakkatoartig wiederholte Refrain vom Verloren-Sein beschreibt nicht nur das Gefühl einer ganzen Generation der «Verlorenen». 14:08 Uhr · 11. Frankfurt am Main 2010. diese Realität?»7 Die durch den Kriegsausbruch ausgelöste prägende Erfahrung der Fragilität der Wirklichkeit bildet den zweiten Ausgangspunkt für die Hinterfragung literarischer Auseinandersetzungen mit dem Krieg. Frankfurt/M. sondern auch die Umbruchzeit bzw. 12. 2.8 Andererseits werden bei Judith Butler diskursive oder symbolische Ordnungen thematisiert. die sich dem Einzelnen entziehen und darauf hinweisen. S.0. 3. Raster des Krieges.

Sigrid Weigel. der Schutzlosigkeit bestimmter Gruppen»10. Vielmehr stehen die Überschneidungen zwischen Kriegsfaktizität und Repräsentationsfiktionalität und damit der schließlich diskursiv produzierte Status des Realen im Zentrum des Interesses. Korrektur 68 Milka Car ‹Entwirklichung› kultureller Schöpfungen und zugleich zu deren Rekonstruktion». Irena Vrkljan. Die unvermeidliche Nähe zur Gewalt soll die Aufmerksamkeit für die Dynamik schärfen. Zagreb 1997 (91. Zagreb 1998 (Heimat ist eine heikle Frage. die stets präsente Gefahr vorgegebener Rekonstruktionsmöglichkeiten und auferlegter Deutungsgewalt zu vermeiden. Pred crvenim zidom. um die in literarischen Repräsentationen verborgenen mythopoetischen Struk- 10 11 12 13 14 Ebd.0. Glasom protiv topova). Graz 1994). fragwürdig gewordenen Wirklichkeit analysiert werden. hier S. 2014/09/11. Symbolisierungen und Schuldzuweisungen mitverfolgt werden. in der «das Schreiben im Begehren nach Authentizität in die Logik der Gewalt und des Tötens selbst verwickelt wird». . welche Figuren. um diesen Diskurs der Ohnmacht gegen die dominanten Diskurse als Muster des Verlustes oder der Selbstaufgabe durch das Kriegstrauma zu deuten. Branko Matan. Dies umfasst die Frage nach der Position der Zeugenschaft (Alenka Mirković: 91. Ausgabe: Vor roter Wand. soll versucht werden. Fragmenti dnevnika 1991 – 1993. Tagebuchfragmente 1991 – 1993).6 MHz. 1991 – 1992)13 und der tagebuchartigen Formen (Branko Matan: Domovina je teško pitanje.6 MHz. Domovina je teško pitanje. Ich konzentriere mich vielmehr auf die literarischen Ausformungen der «Wahrnehmung des Gefährdetseins. 14:08 Uhr · 11. S. Norbert Gstreins hohe Kunst der Perspektive. in: Manuskripte 43/2003. Fragmenti dnevnika 1991 – 1993). Gattungstypologische Fragen über den Status des Dokumentarischen werden im Hinblick auf sein diskursives Potential hinterfragt. 91. Dabei interessiert weniger der schon früh festgestellte Gestus des Dokumentarischen in der kroatischen Kriegsprosa. Alenka Mirković.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1.14 Es soll die Frage nach kollektiven ‹Lügen›. 107 – 110.11 Daran anschließend möchte ich meine Argumentation in zwei Richtungen entwickeln: Einerseits soll die Frage verfolgt werden.6 MHz. Narrative und Erzählverfahren der Verlorenheit in dem fokussierten Korpus vorkommen. Glasom protiv topova. Mit der Stimme gegen Kanonen). 109.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[68]232. 1991 – 1993. andererseits soll mein individuelles und lange verfolgtes Interesse an Ausprägungen des Dokumentarischen im Zusammenhang mit der skizzierten Erfahrung der durchbrochenen.12 nach dem Status der autobiographischen (Irena Vrkljan: Pred crvenim zidom. Zagreb 1993 (dt. Fiktion auf dem Schauplatz von Recherchen.

nach dem darin erhobenen Authentizitätsanspruch. Mit der Stimme gegen Kanonen). . Der Krieg ist der entscheidende außerliterarische Faktor. Allerdings werden die existentiellen Kriegserlebnisse wie Gewalt und Lebensbedrohung zu dominanten Erfahrungen eines unwiederbringlichen Autonomieverlustes. andererseits nicht etwa die Reflexion des Dokumentarischen anregt. ‹testimoniale Literatur› oder ‹Chronik› gelesen werden. ob exemplarische Texte aus dem Korpus der kroatischen Kriegsprosa mit dem Begriff der Transgression beschrieben werden können. zum anderen die Frage nach erweiterten Bedingungen und Erscheinungsformen der Gattungen. der die Knotenpunkte von Fiktivem und Faktischem.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. sondern eine Unterminierung des Authentizitätsanspruchs durch die unmittelbare Darstellungsweise begünstigt. was die angestrebte Authentizität problematisch erscheinen lässt. Exemplarische Texte der Wirklichkeitsdarstellung sind dokumentarische Texte wie Kriegsmemoiren oder Tagebücher. Ich thematisiere somit zwei wichtige Punkte: zum einen die Frage nach den Bedingungen des Schreibens im Krieg. 14:08 Uhr · 11. einem Begriff. ‹Roman›. Dokumentarischem und Literarischem. die einerseits zur Dominanz dokumentarischer Mischformen führt. Auch soll die Frage angesprochen werden.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[69]232. oder ob sie sich vielmehr den dominanten Diskursen. die dem Bedürfnis entspringen. 2014/09/11.0. der eine Öffnung der kroatischen Prosa für nichtliterarische Formen Anfang der 90er Jahre bewirkt.6 MHz. v. Glasom protiv topova (91. Im erweiterten Gattungsmodell kann die Prosa von Mirković als ‹Dokumentarliteratur›. so dass man es in der ersten Phase der literarischen Auseinandersetzungen mit dem Krieg mit einer oktroyierenden Wirklichkeit zu tun hat. I Der Diskurs der Ohnmacht als eine Darstellungsform von Unüberwindbarkeit der Kriegstraumata ist auch in dem auf Authentizität pochenden Diskurs der Prosa mit dokumentarischem Anspruch zu beobachten. Die erfahrene und schwer beschreibbare Brüchigkeit der Lebenswelt ist der Ausgangspunkt des Textes von Alenka Mirković 91. Konventionen und Repräsentationsmodi anpassen und somit an einem kollektiven Diskurs der Ohnmacht teilnehmen. a. Wahrem und Fingiertem erkennen hilft. das Darstellbarkeitsproblem in nuce birgt. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 69 turen zu entdecken. ‹Tagebuch›. genau gesehen. ein realitätsgetreues Zeugnis der plötzlich auftretenden Kriegsrealität zu liefern.6 MHz. die. Der Text beschreibt die am eigenen Leib erfahrene Kriegswirklichkeit als eine Erkenntnisschwelle.

Vinkovci 1997.).15 Dass die Möglichkeiten von Wirklichkeits(re)konstruktionen und Versprachlichungsstrategien für Unfassbares erst zu finden sind. S. März 2001. Mit der für die Gattung des Tagebuches charakteristischen Verknüpfung faktualer 15 16 17 18 19 20 21 Lada Čale Feldman. Reana Senjković (Hrsg. 169 – 173. die den Text von Mirković der zweiten Phase der Kriegsprosa zurechnet. trauma.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[70]232. Glasom protiv topova folgt der Poetik der «unerfundenen Wirklichkeit» und wird als «Roman der Wahrheit»20 oder als Beispiel für «testimoniale Literatur»21 angesehen. 413. Fear. ist den Ausführungen der kroatischen Literaturwissenschaftlerin Andrea Zlatar zu entnehmen. Diese sei dadurch charakterisiert. Ebd. Andrea Zlatar. . Der Roman 91. Ines Prica. 2014/09/11. Zagreb 2004. do 2000. Andrea Zlatar. 172. vor allem in den von Krieg erfassten slawonischen Gebieten. Osijek. bzw. dass die neuen. in der die «Geste der Antwort» am intensivsten war. in der die «fiktionalen Erzählmodelle» noch zu entwickeln sind und die von einer starken Tendenz zu «autobiographischen Formen» und «Memoiren-Diskurs[en]» gekennzeichnet ist. um eine neue «Identitätsgrammatik des Raums»18 entstehen zu lassen. 16. Slavonski Brod. Zagreb 2003. Slavonsko ratno pismo.0. Ebd. die vom Krieg erschütterte Öffentlichkeit aktivierenden oder Authentizität signalisierenden Beschreibungsmodi erst zu finden sind.16 Goran Rem.. aber auch individuelle Identität konservieren und zugleich ein Repertoire der kulturell überlegenen Antworten auf den Krieg entwickeln. S. An Etnography of War: Croatia 1991 – 1992. hier S. S. Ogledi o suvremenoj ženskoj književnosti. Zagreb 1993. in denen die Konzepte der modernen Literatur und ihrer Kunstautonomie zugunsten des offenen Engagements verlassen werden mussten. Tekst. Death and Resistance» geprägte Situation bezeichnet. tijelo. Literaturwissenschaftler aus Osijek. Goran Rem. 14:08 Uhr · 11.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. godine. Korrektur 70 Milka Car Diese Konstellation wird in einer der ersten kroatischen kriegsethnologischen Abhandlung als eine von «Fear. bezeichnet in seiner Monographie Hrvatsko ratno pismo (Die kroatische Kriegsliteratur) den Zeitrahmen von 1991 bis 1994 als eine Zeit. S. Krešimir Nemec. als unterschiedliche Formen des Kriegsdokumentarismus. Književno vrijeme – sadašnjost. 163 ff. Die von Rem detektierten kriegsdokumentarischen Strategien sind als Formen des «selbstschützenden Dokumentarismus»19 im zweifachen Sinne des Wortes zu verstehen – sie sollen die gefährdete kulturelle.6 MHz.17 Diese Geste beschreibt er als ein System der dokumentarischen Poetik. Death and Resitance. Povijest hrvatskog romana od 1945. 29. in: Reč 61/7. S.

S.. 272 – 287. Deshalb kann die faktographisch präzis nachgezeichnete Kriegsrealität der belagerten Stadt Vukovar als dokumentarisch angesehen werden.23 Somit entwickelt das Verhältnis von Realität und Fiktion im Fall von Vukovar eine besondere Dialektik. so dass die Erfahrung der Ohnmacht aller Beteiligten in der belagerten Stadt im späteren Akt der Lektüre auch auf den Leser übertragen wird.] übergangslos zu Kombattanten» werden und «Wohnviertel und Schlacht- 22 23 Darüber autoreflexiv im Gespräch mit Grozdana Cvitan. Nisam član – meni je Vukovar emocionalna kategorija. für immer fiction». Das Wirkliche erweist sich in seiner unerwarteten Grausamkeit als unglaubwürdig und übersteigt damit jegliche Form von Erfindung. C. Grozdana Cvitan. Od čizama do petka. die allesamt von der Kriegsrealität zeugen. 41 – 48.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. vgl. Dies unterstreichen beispielsweise die genauen Toponyme und Datierungen sowie die authentischen Namen aller beteiligten Figuren. (D)opisi rata. So gestaltet sich die eigene Wahrheit über den Verlauf des Krieges in Vukovar als eine existentiell erlebte und erst dadurch nacherzählbare Erkundung der unsagbar gewordenen Wirklichkeit. Auch der Titel des Romans betont die referentielle Gebundenheit an die Wirklichkeit. 46 f. sondern erhalten auch eine therapeutische Funktion der Zeugenschaft.22 Zugleich entspringt gerade dieser Dialektik von Realität und Fiktion. 14:08 Uhr · 11. Zagreb 2002.). . Abscheu und Betroffenheit in ihrem direkten emotionalen BeteiligtSein repräsentieren dabei nicht nur die erlebte Kriegsbedrohung. indem sie aus autodiegetischer Position ihre eigenen Erfahrungen beschreibt. Rat uronjen u traumu. von nachträglichem Wissen und einer fast voyeuristischen Teilnahme direkt am Schauplatz des Geschehens die typisch romaneske bzw. Zagreb 2012. Die Autorin selbst war nach der Einkesselung von Vukovar als Reporterin beim lokalen Sender Radio Vukovar tätig und kämpfte buchstäblich mit dem Einsatz ihrer eigenen Stimme und ihres eigenen Lebens gegen die feindlichen Kanonen. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 71 Elemente mit dem narrativen Moment der Rückerinnerung versucht auch Alenka Mirković der eigenen Authentizität einen kollektiv verbindlichen Wahrheitsgehalt zu attestieren.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[71]232. S. in: G. Razgovori. das die IchErzählerin tatsächlich erlebt hat. Mit diesem Effekt wird jene Phase des Bürgerkrieges. . 2014/09/11. handlungszentrierte Spannung. hier S. von Innen und Außen. dieses Grauen und das Leiden der Hinterbliebenen bleiben für «all jene. Fiktional ist in diesem Roman gewissermaßen nur das unvorstellbare Grauen. in der «Zivilisten [.0. Alenka Mirković Nađ. . die nicht in dieser Zeit und in dieser Stadt waren. in: Grozdana Cvitan (Hrsg. Bedrohung. Glasom protiv topova – zapisom protiv zaborava. Die beschriebenen Phänomene von Angst.

514 – 518. New York 1996. . Gordana Crnković. 12). . Stationen der Kriegsgeschichte im Spiegel ihrer theoretischen Reflexion.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Korrektur 72 Milka Car feld» zusammenfallen. sie zu leben».Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[72]232. nered žanrova. Mirković.). Mirković. dazu: Monika Fludernik. und begonnen hatten. 517. 2014/09/11. unsere Arbeit einfach auszuüben. 12). und ich habe ihn verloren. Aus der existentiellen Verankerung in der beschriebenen Situation geht die Authentizität des Erzählten hervor: «[.27 Von dieser dezidiert individuellen Sicht auf das Geschehen zeugen die letzten Sätze im Roman: «Es war vorbei. zum anderen die Betonung der appellativen Funktion ihres individuellen Berichts. die damit zwei Ziele verfolgt: zum einen die ‹therapeutische› Wirkung der Reinigung nach einem traumatischen Erlebnis sowohl auf kollektiver als auch auf individueller Ebene. Mittels konsequenter interner Fokalisierung wird die doppelt begrenzte Sicht einer Augenzeugin in der Situation fast vollständiger Isolation unterstrichen. der Zeuge wird zum Mitfühlenden und zum (ohnmächtigen) Mitverantwortlichen. dass der Tag unserer Feuertaufe jener Tag war. S. 3/1998. von M. S. Glasom protiv topova. Towards a ‹Natural› Narratology. thematisiert die Autorin im Nachwort zur dritten Auflage. 131. Vgl. S. ehrlich und unmittelbar» vor allem ihre eigene «Angst».6 MHz (Anm. 24 25 26 27 28 29 Herfried Münkler. an dem wir aufgehört hatten. 242. Zagreb 2011. C. 91. Auf diese Weise kann sich der potentielle Leser direkt in die Kriegslage hineinversetzen.26 Dabei macht die autodiegetische Erzählerin mit dem bewussten Einsatz einfacher Stilmittel aus einer großen Geschichte eine kleine. Mala ratna kronika. 91. Alenka Mirković. S. denn die existentielle Bedrohung aller Beteiligten lässt keinen Raum für literarische Inszenierungen. Dass diese Isolation selbst nach der Rettung der Journalistengruppe aus der Einkesselung und dem Fall Vukovars in einer anderen Form fortgesetzt wird.0. London. «aus der Sicht eines Mädchens aus der Nachbarschaft» beschreibt sie «naiv. . fast ethnographische Geschichte. Für mich ist der Krieg zu Ende. Weilenzwist 2002. 295 (hervorgeh. Über den Krieg. 14:08 Uhr · 11. hier S.6 MHz (Anm.»28 Gerade die Bezeugung von Erfahrungshaftigkeit29 im Text ist das primäre Anliegen der Autorin.24 in ihrer jede Phantasie übertreffenden Kriegsfaktizität zur Darstellung gebracht werden. Nered egzistencije. in: Kolo (Zagreb).25 So definiert Alenka Mirković Vukovar als eine rein emotionale Kategorie und will weder mit heroischen noch mit Opfernarrativen auftrumpfen und identifiziert werden.] uns allen war gemeinsam.

Književnoteorijski i kulturnoantropološki aspekti. Der Glaube an die Möglichkeit der Repräsentanz einer authentischen Wahrheit über den Krieg ist somit auch in Mirkovićs Roman sehr wohl vorhanden: als subjektiv gebrochene.. Svjedočenja o Domovinskom ratu i izbjeglištvu. .] durch den die soziale Fiktion – Nation. um sich erst auf diese Weise der Belagerungsgeschichte Vukovars zu bemächtigen. Renata Jambrešić Kirin. S. Vgl. Zagreb 1996. persönliche Ideale und Sorgen. Die Verortung der Kultur. So nimmt die autodiegetische Erzählerin mit ihrem subjektiven Bericht aus Vukovar doch teil am «symbolischen Prozess [. dazu: Judith Lewis Herman. in: Dubrovnik 5/1995. 2014/09/11.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[73]232. existenziell bezeugte Stimme der Zeugenschaft.] Bedingung und [. Diss. Trauma i oporavak. folgt in den chronologisch gegliederten Kapiteln die Rekonstruktion des Kriegsalltags.31 Wird in den ersten Kapiteln in einer längeren narrativen Analepse die frühere Ordnung ihres Lebens re-kreiert.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Indem die autodiegetische Erzählerin ihr persönliches Zeugnis von einem historisch markierten Geschehen in der neueren Geschichte ablegt. Insofern wird die Authentizität garantierende Aufrichtigkeitsbedingung im Text zu einer unmittelbar möglichen Position des Schreibens über den existentiell erfahrenen Krieg. denn mit der referentiellen Anlehnung an die (Kriegs-)Realität verschränkt die Autorin den literarischen Kommunikationsprozess mit einer kollektiven Erschütterung der Wirklichkeit. die Zeugnisse von Heimatkrieg und Flüchtlingserfahrungen in ihrer Dissertation analysiert. hier S.] Wirkung»30 des Textes anzusehen. übernimmt sie zugleich die «gesellschaftlich und moralisch verpflichtende Rolle»34 einer Zeugin. sondern wird vor allem als 30 31 32 33 34 Dean Duda. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 73 Damit sind gerade der Krieg und die Belagerung Vukovars als «Anlass.. . . die sie jedoch durch die betonte Subjektivität der Darstellung relativiert. 229. 3 – 42. . Zagreb 1999. . bezeichnet solche Zeugnisse als Träger einer «privilegierten Repräsentanz». Homi Bhabha. Ihr Zeugnis von der Kriegswirklichkeit in Vukovar ist in seiner dokumentarisch verbürgten Authentizität beides: emphatischer Protest zum einen und offener Dialog mit der eigenen und kollektiven Vergangenheit zum anderen. Renata Jambrešić Kirin. 27. 14:08 Uhr · 11. Kultur oder Gemeinschaft – zum Subjekt des Diskurses und zum Objekt psychischer Identifikation wird». 37. Pavličić). S. Jedoch hat dieser Text nicht eine fundierende Funktion im kollektiven Gedächtnis zugeteilt bekommen. . . Tübingen 2000.33 da sie zu Marksteinen im kollektiven Bewusstsein der Nation werden. O razmještaju dokumentarnosti u pripovjednoj komunikaciji (Čorak. aber auch das Klima in Vukovar unmittelbar vor Kriegsausbruch skizziert werden. S.32 indem eigene menschliche Verhältnisse. [. Ebd.0.

Schulter an Schulter mit ihren gleichaltrigen.hr/vijesti/clanak/sinisa-glavasevic-1991-tko-ce-cuvati-moj-grad-moje-prijatelje-tko-ce-vukovar-iznijeti-iz-mraka/ 583572. Die gattungstypologisch elastische Essayform kann die Kriegswirklichkeit fragmentarisch abbilden. Einen kanonischen Stellenwert hat ein anderer Text der Zeugenschaft bekommen: die kurzen Prosaskizzen.vecernji.. Priča o Siniši Glavaševiću: http://www. II Eine andere Möglichkeit.index. . 12. Literarische Erinnerungen aus der Feder von Ivana Simić Bodrožić. der am 18. 2013). Siniša Glavašević war Journalist des Kroatischen Radio Vukovars und ein Mitarbeiter von A.aspx› (Zugriff: 27. November 1991 seine letzte Radiosendung aus Vukovar sendete und nach dem Fall Vukovars verschwand und ermordet wurde. Sie wurden im Herbst 1991 in Nachrichten und anderen Sendungen des Kroatischen Rundfunks gesendet und bildeten mit ihrer eindringlichen Allgegenwärtigkeit Ende 1991 den ‹Soundtrack› für die Generation der «Verlorenen» im überfüllten Schulbus. Hier ist seine authentische Stimme in einer der letzten Meldungen aus Vukovar zu hören: ‹http://www. um ihre Auswirkungen zu erfassen und insofern zu überleben. 2014/09/11. Mirković. die Kriegswirklichkeit zu beschreiben. wie es Irena Vrkljan in ihrem kurzen Prosatext Vor roter Wand vorführt. Sein Leichnam wurde bei der Exhumierung der Opfer im Massengrab Ovčara entdeckt. Priče iz Vukovara. in Hotels des touristischen Ortes Crikvenica untergebrachten Flüchtlingen aus Vukovar.hr/prica-osinisi-glavasevicu-347963› (Zugriff: 30. stellt die Prosa von Irena Vrkljan dar. weist zugleich aber auf die Grenzen dieses Vorhabens hin. Korrektur 74 Milka Car ein Zeugnis der unmittelbaren (Nach-)Kriegssituation rezipiert. Trier 1994. zum verkürzten Unterricht aufgrund der damals landesweiten Alarmgefahr. 14:08 Uhr · 11. 12.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Geschichten aus Vukovar. ins Gymnasium nach Rijeka brachte. Dieser Text ist ebenfalls im Modus einer testimonial-appellativen Literatur geschrieben. C. 2013). dt. der die Spätadoleszentin M.und Ereignisprotokoll 35 36 Siniša Glavašević. die Mirkovićs Kollege Siniša Glavašević unmittelbar vor der Eroberung der Stadt per Fax aus dem belagerten Vukovar gesendet hatte und die nach seinem tragischen Tod unter dem Titel Priče iz Vukovara35 (Geschichten aus Vukovar) veröffentlicht wurden. Zagreb 1992. nur dass das existentielle Erzählverfahren des Autors durch seinen eigenen tragischen Tod beglaubigt wurde.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[74]232..0. In seinen verzweifelten und zensierten Appellen aus dem belagerten Vukovar war die Stimme der Ohnmacht36 tatsächlich verkörpert. Der Text mit dem lakonischen Untertitel 1991 – 1993 ist als diarisches Bewusstsein.

Dora i Irena pred crvenim zidom). «Mitten im Wort» – weist autoreferentiell auf die eigene Poetik hin. Damit erscheint der Kriegszustand jedoch unfreiwillig als Kontinuität ohne Aussicht auf Unterbrechung.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Lidija Dujić. im Strom der Zeit konstruierte und sich konstruierende weibliche Identität entworfen wird. vor allem in ihrem Erstlingswerk Seide. in: Republika 7 – 8/1995. in: Dragana Tomašević/ . in dem die Mischform eines fragmentarisch angelegten Erzählberichts und einer Ich-Reportage fiktionaler Selbstgestaltung angesichts der Absurdität der Kriegshandlungen den thematisch zentralen Wirklichkeitsverlust darzustellen versucht. 12. der gelöschten Zeit. in dem zuerst auf Deutsch unter dem Titel Tochter zwischen Süd und West publizierten Roman.0. škare rata (ili Marina. die untergeht. um einen Protest gegen das «Skandalon des Krieges»38 auszudrücken. dort am Rande der ehemaligen Militärgrenze.37 Die erinnerte Zeit verschmilzt in dieser Bewegung mit einer als traumatisch erlebten Gegenwart. Ingrid Šafranek. 205 – 212. Lica Mnemozine. Ogledi o pamćenju. die auch das eigene Schreiben anzugreifen scheint: Und der Schreibtisch ist eine Sandwüste der Verluste. zerstört das wie Blut geronnene Bild aus der Zeit. Živa Benčić. des Erinnerns und der medialen Vermittlung variiert werden. Vor roter Wand (Anm. Schon damit umfasst er die persönlich erfahrene Zeit des Überdrusses. 205. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 75 konzipiert. in denen eine zerbrechliche. Svila sjećanja. 13).Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[75]232. «Seide der Erinnerung. die in den Formen des Berichts. hier S. S. Jahrhundert. Zur Poetologie von Irena Vrkljan vgl. S. wo ein Krieg tötet und vertreibt. Die nachdrücklich vorgeschobenen Interdependenzen zwischen literarischem Text und diskursiver Sozialpraxis. sollen zur Darstellung der umfassenden Kriegsbedrohung beitragen. Gelebtes Leben». als eine Schreibstrategie zur Erkundung der weiblichen Biographie entwickelt. dort. die war. «Rote Bilder. die die Autorin in ihren früheren Romanen. 103 – 146. Zagreb 2011. Er zerstört auch die ‹lieblichen› Erinnerungen einer Biographie. In Vrkljans wenig variierter Autorenpoetik des weiblichen Schreibens ist dieser Text der vierte Teil in einer Reihe von «Frauengeschichten» aus dem 20. 38 – 67. 2014/09/11. Schere des Krieges». der Resignation und der Ohnmacht in der zweiten Kriegsphase nach dem Fall Vukovars. S. Zagreb 2006. Ženskom stranom hrvatske književnosti. Dies erfolgt in einer Darstellung. Er schwebt wie eine Kugel in der Welt. Andrea Zlatar. Bereits die Einteilung des Textes in vier Kapitel – «Blick zurück». S.39 Wird in früheren Texten die 37 38 39 Vrkljan. Weibliches Schreiben in der kroatischen Literatur – Pionierinnen ohne Nachfolge. Schere. 14:08 Uhr · 11.

Korrektur 76 Milka Car Grenze zwischen Schreiben und Leben am Modell der Künstlerbiographie erprobt. S. S. dass das «die Sprache der Eroberer und der Zagreber Oberschicht»43 ist. Graz 2006.. 38).. 80 – 87.] den Eltern deutsch sprach» und nicht wusste. 14. Durch die doppelte Perspektive weist der bekenntnishaft angelegte Text zugleich auf die eigenen Grenzen hin: Es handelt sich um einen subjektiven Blick. da die Erzählinstanz den Krieg als Auslöschung des Ureigensten beschreibt und als Angriff auf die persönliche Integrität versteht. Diese Erinnerungen werden in einer assoziativen Textreihung nahtlos mit der Gegenwartsebene verbunden. 16. 13). so dass die angestrebte Subjektfindung zugleich von einer umfassenden Dekonstruktionsgeste geprägt ist. der in dieser prekären geschichtlichen Lage auf die eigene Verzweiflung respektive auf die eigene unüberwindbare Ohnmacht fixiert ist. andererseits auch subjektiv und persönlich. . Dieses Staunen ist im Text doppelt semantisiert: einerseits als Ausdruck der kollektiv geteilten Unfassbarkeit dessen. Unzulänglichkeit»45 darzustellen. 15. S. Eine solche Textkonzeption lässt eine 40 41 42 43 44 45 Birgit Pötzl/Robert Reithofer (Hrsg. S. Frauen schreiben. angefangen mit den Erinnerungen eines bilingual aufgewachsenen Kindes. Der unmittelbar vor der Drucklegung des Textes noch real stattfindende Krieg wird aus einer dezidiert subjektiven Perspektive als ein perpetuiertes «ergriffenes Staunen»41 beschrieben. Ebd.0. Ebd. S. so wird hier das Erzählsubjekt mit der Kriegserfahrung konfrontiert.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[76]232. Svila sjećanja (Anm. In fragmentarischen Textskizzen werden «Lebenszeit.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. 78.. 14. Ebd. S. Damit produziert das autobiographische Subjekt die eigene Identität performativ als eine fortwährende Verschiebung der Erinnerung und als unentwegte Suche nach dem Reflex (in) der anderen Kultur inmitten einer alles sprengenden Erfahrung der Kriegsbedrohung. 14:08 Uhr · 11. Vrkljan. Positionen aus Südosteuropa.. . Šafranek. Lebensfragmente»42 konstruiert. Als Motivation der assoziativen Anordnung montierter Textfragmente kristallisiert sich der Wunsch heraus. 2014/09/11.). was tatsächlich im Krieg passiert. das «mit [. Vor roter Wand (Anm. das Leben als «ein Scherbenhaufen aus Zeit. Dadurch wird die Identitätsspaltung zwischen zwei Kulturen – der jugoslawischen und der deutschen – thematisiert und als erste Phase des Übergangs ins «Niemandsland»44 beschrieben. Ebd. Erziehung. . der Text zu einem Ausruf der Entrüstung40 gesteigert und das Schreiben sogar als Möglichkeit des Überlebens angesehen.

Ebd. S. . Ebd. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 77 Spannung entstehen. 19.» verschwindet das autobiographische Subjekt in einem intertextuellen Beziehungsgeflecht und wird vollständig von Stimmen der 46 47 48 49 50 51 52 53 54 Vgl. S. die autobiographisch angelegte Selbstfindung in kollektive und kulturelle Prozesse einzubinden. ohne auf die – hier poetisch gefärbte – Autofiktion eines «dritten Ort[es] der Biographie»53 zu verzichten.. dazu: Martina Wagner-Egelhaaf. 26. Weimar 2005. die aus individuellen und kollektiven Bildvorräten schöpft und sie zusammenführt. dass die Offenheit und die fragmentarische Struktur des Textes diskursfunktional46 verstanden werden kann: als individuelles Zeugnis wie als Ausprägung performativer und diskursiver Prozesse in einer bestimmten Kultur. 17. S. Stuttgart. Vor roter Wand (Anm. Im vierten Abschnitt des zweiten Kapitels..Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[77]232.. betitelt mit «Gesammeltes Rot. dies wird von Irena Vrkljan als eine intertextuelle Praxis ausgetragen. [.. wozu Künstlerbiographien oder Biographien aus eigener Familie54 herangezogen werden. Ebd. indem sie in die Schreibstrategie umgewandelt wird und als die «weiche Decke der Hoffnung»52 angesprochen wird. S. . S. 11.. Ebd. «Frauen weinen laut um den Verlust der Biographie. was auf den jugoslawischen Slogan von «Brüderlichkeit und Einheit» im multinationalen Staat als auf eine fehlgeschlagene und in Gewalt umgeschlagene Utopie rekurriert. 21. In einer diskurshistorischen Perspektive ist nicht nur die «sprachliche Verfasstheit von Subjektivität und Individualität»47 für die Gattung der Autobiographie konstitutiv. . S. 5 – 10. 13).2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1.” Ebd. Die Intention ist. Die Leitfrage bleibt dabei ohne Antwort: «Wann fängt der Krieg an?»50 Sie wird leitmotivisch wiederholt: «Wann beginnt der Krieg?»51 Die autobiographische Erfahrung einer verunsichernden Grundstimmung zum Ausdruck zu bringen und sie damit zu überwinden.0.] Vinkovci: ein Album der Familienzeit. Autobiographie. Ebd. Ebd. denn eine Voraussetzung des Textes stellt gerade die Konstruktionsbedingtheit der Identität zwischen subjektiver Identitätsfindung und kulturellem Narrationsmuster dar.. Herz. 14:08 Uhr · 11. Das bedeutet zugleich. S. 62. 2014/09/11. S. sondern es soll auch die «historische Bedingtheit»48 der jeweiligen gattungstypologischen Konzepte hinterfragt werden. So wird das autobiographische Subjekt im Text «höhnisch» von der «ermordete[n] Utopie»49 erschlagen. 19. Vrkljan.

Minima Moralia. Roland Barthes. der alles auslöschenden Gewalt59 darzustellen: «Wie schreibt man über den Verlust von Geschichte. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. zerstörerischen Potential konstruiert. 50. Heiner Müller. um eine Wand gegen die «Zerstörung»56 des Krieges zu bilden. Im poetischen Bild einer roten Wand wird die nicht mehr existente Mauer als eine imaginäre Grenze mit ihrem negativen. 23. Vincent van Gogh. Ebd. Die lähmende Ohnmacht des Subjektes angesichts der Kriegserfahrung wird als «Memorzid». Ebd.» Vrkljan. Adorno. das für die Erzählinstanz in den jugoslawischen Folgekriegen all ihre negativen Konsequenzen entwickelt. So beginnt der Text mit einem Zitat eines dreizehnjährigen autistischen Jungen über die Bedeutung der Farbe Rot. Frankfurt/M. von der Unmöglichkeit der Subjektkonstitution.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[78]232.. in der die textuelle Rekonstruktion und die mit ihr verbundene Darstellung von Lebensverläufen individuelle Erfahrung und gesellschaftliche Bedingtheit untrennbar miteinander verflechten. in denen die Farbe Rot mit der «Tiefe der Erinnerung»55 verbunden wird. Der Text von Irena Vrkljan ist als Kippfigur strukturiert. thematisiert. 59. sondern auch die Gattungsgrenzen und betont in einer radikalen Geste der Selbstaufhebung die These vom unerreichbaren Ich bzw. «Gegenkräfte» zu etablieren. 1951. die Adorno als Unmöglichkeit. 14:08 Uhr · 11. S. Damit wird auch das im Titel enthaltene Motiv vom Fall der Berliner Mauer polyvalent. S.. Else Lasker-Schüler.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Ernst Jünger. einer Form der Vergangenheitstrauer. Diese Schreibpraxis zersetzt nicht nur die erinnernde Redesituation. Im Schreiben fallen Erinnerung. Marcel Proust. das Unvorstellbare des Krieges als eine Erfahrung der Omnipräsenz. Rainer Maria Rilke. Marina Zwetajewa. S. 2014/09/11. «Der Krieg zerstört im Rundumschlag eine ganze Welt. Korrektur 78 Milka Car Anderen verdeckt. 55. .57 Die Erinnerungen sind damit von einer tiefen Melancholie angesichts des Untergangs der Wirklichkeit durchzogen. Theodor W. Christoph Ransmayr. Vor roter Wand (Anm. 59. als ein «Riß inmitten des Lebens» oder als «Untergang» beschrieben.. Peter Sloterdijk. Johann Wolfgang von Goethe. S.58 Die Mehrfachcodierung von persönlicher und kollektiver Identität im Zusammenspiel mit den narrativen und biographischen Ebenen hat dabei die Aufgabe. Körper und Schrift zusammen. 13). An diese als solche markierten intertextuellen Textfragmente knüpfen unmittelbar Textaussagen an.0. Antonin Artaud und Osip Mandel’štam fortgesetzt zu werden. über die Zerstörung der fest55 56 57 58 59 Ebd. um mit Fragmenten aus Texten von Walter Benjamin.

Vor roter Wand (Anm. 74. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 79 gehaltenen Zeit? Der Krieg nimmt alles.. Ebd. das Verschwinden (der Erinnerungen.»60 Somit wird die Frage der Identität im ‹neuen› Zerfallskrieg als gebrochen und dispersiv thematisiert. S. Die fragmentierte Schreibweise ist auch als eine andere Form der Suche nach Authentizität zu verstehen.. Dies wird einerseits durch die Verquickung der an die Vergangenheit gebundenen Normalisierungstendenzen. S. eingeschobenen Geschichten zugleich eine neue Form des Textes als «Herzschrift»64 produzieren und um die Frage der Darstellbarkeit einer solcher Erfahrung kreisen. die Themen und Motive ständig variierenden Struktur entsteht tatsächlich ein symbolisch vor der roten Wand aufgetürmtes Textfragment als eine Form. tötet alles. der sich selbst aufhebt und insbesondere am Ende elliptisch das Unsagbare auszusprechen versucht: «Buchstaben aus Granatsteinen. Die Identität geht in Schrift über und ist nur bedingt und als Rekonstruktion in «pulsierenden Wände[n] der Zeit»62. S. Briefen. als ein tastendes Hinterfragen der eigenen und kollektiven Vergangenheit möglich. 37. 14:08 Uhr · 11. Ebd. 41. der Überzeugungen. Und kein Himmel. 179 – 185. Geschliffene Zeit. in: Der Bürger im Staat 4/2004.0. Daraus geht hervor. S. 2014/09/11. Herfried Münkler. . die in Erinnerungssequenzen. In seiner repetitiven. 13). dass die Spannung zwischen dem referenziellen Bereich und dem rekonstruierten Erinnerungstext in einer grundsätzlichen inneren diskursiven Destabilisierung ausgetragen wird. S. in der gerade die verschwommene. der gelebten Vergangenheit) zu beschreiben und dadurch gleichzeitig zu verhindern. Splitter. Ebd.. So wird das Leben im Krieg als «eine kleine blutrote Lache auf weißer Leinwand»66 festgehalten.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[79]232. Die neuen Kriege. S. die Not und Ohnmacht signalisiert. 36. Ebd. In der Weigerung. 75. 65.»63 Die postulierte Textkohärenz löst sich nunmehr in eine Folge von Textfragmenten auf... intertextuell vermittelte Verbindung mit der Wirklichkeit als Versuch einer Annäherung an das Unmögliche in ihr zu deuten ist. Tagebuchaufzeichnungen.61 Die mannigfachen Vergangenheitsdiskurse fransen im assoziativen Textstrom aus und legen Zeugnis von einer alles verschlingenden und vernichtenden Wirkung des Krieges ab.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Somit entsteht eine verzweifelte Geste des Textes. Vrkljan. einen gattungstypologisch normierten Text zu schreiben. Jedoch ist dieser Prozess der Anteilnahme nur in seinem «geschundene[n] Wesen»65 zu fassen. andererseits durch die Thema- 60 61 62 63 64 65 66 Ebd. wird die Bemühung erkennbar. S.

zu beschreiben. Das diesen Artikel illustrierende Photo der vertriebenen älteren Frauen wird kommentarlos mit dem Thema der «Hilflosigkeit. S. S. Konstanz 2007. Frank. Susi K. sondern als ein textuell filtrierter Reflex. Das Unheil tilgt die Erinnerung.0.67 Diese Schreibstrategie verweist direkt auf das Thema der Unvorstellbarkeit des Krieges. Zu diesem Thema vgl. Bielefeld 2009. Angst. 67. Helmut Seng (Hrsg. Susi K. . 9 – 21. «was verschwindet. indem die Kriegszerstörungen als Sterben der «Orte» in einem «vergessenen Land» im «Herbst 1992»68 beschrieben werden. da vor den eigenen Augen das Gesamtbild der Vergangenheit in einem Zug zerfällt und in einem Narrativ der wiederkommenden Gewalt gelöscht wird. Totes beherrscht das Herz. 59. In diesen Sog der Zerstörung schreibt sich die Erzählinstanz mit dem Thema der verletzten Integrität des Einzelnen ein. S. . 13). S. als ob die Gewaltstrukturen des Krieges in den eng miteinander verbundenen Ebenen der imaginären Vergangenheiten und der realen. Korrektur 80 Milka Car tisierung von gegenwärtiger Störung. .» Die Erzählerstimme steht vor dem «Nichts». Kriegsnarrative des 20. Vrkljan. 14:08 Uhr · 11.] Grauen der Vertreibung»70 verbunden. Ebd.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[80]232. Der Krieg ist im Text die zentrale 67 68 69 70 Ebd. Dieses Verfahren der Vermischung des kollektiv und medial vermittelten Leidens mit einer subjektiven Sicht auf das Kriegsgeschehen ist nicht nur in der photographisch festgehaltenen Erfahrung der Frauen auf der Flucht angelegt.. 2014/09/11. 1991 über die kroatischen Flüchtlinge in Pokupsko zitiert. mit dem Imperativ konfrontiert.). gibt es keine Beschreibung mehr vom Vorher. in: Natalia Borissova. Einleitung: Kriegsnarrative. In Textfragmenten wird nach dem verlorenen Konnex gesucht. aber unfassbaren Gegenwart angelegt wären. läßt sie nicht mehr zu. Vor roter Wand (Anm.).69 Der Krieg kommt im Text nicht wie in dem vorher besprochenen als direkte Bedrohung des eigenen Lebens vor. Verwirrung und Schockerfahrung verwirklicht. Zwischen Apokalypse und Alltag. Barbara Feichtinger. in: Krieg und Kultur. sondern vor allem in der biographischen Verunsicherung der Erzählerstimme. Einleitung. 10. da die Autorin seit dem Ende der 80er Jahre in Wien und Berlin lebt und nur aus Distanz die ihr zugänglichen Informationen vom Krieg und seinen Auswirkungen verwerten kann – sie ist nicht vor Ort präsent. So wird am Anfang eine Zeitungsnotiz aus der FAZ vom 4. 9. Frank. und 21. Andreas Kraft (Hrsg. Der Fall Vukovars wird dabei als entscheidende Zäsur dokumentiert und schon damit in eine mythopoetische Dimension übertragen: «Hat man Vukovar gesehen. S. Beschreibe deinen Tod». 7 – 41.. [. Jahrhunderts.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1.

. biographischen Ergriffenheit zu lesen ist? Nachdem der Krieg das poetologische Programm der autobiographischen Suche Vrkljans als eine textbasierte Suche ohne «Heimstätte» und «Zuflucht» und damit als «täuschend» enthüllt. Es stellt sich damit die Frage.. Überkreuzung in der Darstellung der Kriegserfahrung produziert werden können.. S. Ist er als eine Diskursfigur erkennbar geworden. Der Text will an den Leser aus einer Opferperspektive appellieren. 78. wird von der eigenen Ohnmacht überlagert. 55. indem die Erzählerstimme in den Plural übergeht: «Was haben wir alles verloren?»71 Damit identifiziert sich das biographische Subjekt völlig mit dem Kriegsgeschehen und beklagt die Teilnahmslosigkeit der Außenstehenden: «Der Himmel ist fern und schaut nicht mehr auf uns.. was unfreiwillig in einen Diskurs der Selbstviktimisierung umschlägt und zwar nicht als Selbstzerstörung. bleibt ihm untilgbar die traumatische Produktion des Krieges eingeschrieben. Der als transgressive Neuverhandlung ästhetischer Codes angelegte Text. sondern als Verharren in der Kontinuität der archaischen. ob die Zonen des Übergangs.»72 Damit erweist sich der Diskurs der Ohnmacht in seiner deklarativen Geste als ein pathetisch angehauchter Versuch. Ebd. ob Authentizität in Form eines «Gegenbildes»74 im Text erreicht werden kann oder ob dieser Text nur als ein Zeugnis der eigenen.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Ebd. Auch Sarajevo stirbt.75 der Text endet abrupt «Mitten im Wort» und die Schrift «stürzt ab»76 bzw. S.0. so dass er die Erfahrung der Ohnmacht nur als Versuch ihrer Überwindung inszenieren kann. 14:08 Uhr · 11. 69. der Unschärfe. Die Welt ist fern und sieht weg. Gerade sein Reflex zerstört den einheitlichen Text. das eigene «ergriffene Staunen»73 als einen aktivierenden Appell zum Ausdruck zu bringen. Ebd. Ebd. dass der Diskurs der Ohnmacht in diesem Text nur in der fiktionalen Sprache des dialogischen Appells eines haltlos gewordenen Subjekts zu finden ist. Im letzten Kapitel unter dem Titel «Wie Vögel» wird eine Position der kollektiven Anklage eingenommen.. «vermummt sich die Schrift bis zur Unleserlichkeit». Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 81 (Leer-)Stelle: Der Krieg wird zu einem alles verschlingenden diskursiven Ereignis. Allenfalls wird schnell klar.. Ebd. kriegerischen Vergangenheit. 2014/09/11. S. der direkt die Frage thematisiert. 36. bleibt allerdings in seiner Opferperspektive der unmittelbaren Ergriffenheit dem Diskursfeld des kollektiven Leidens verhaftet. 78.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[81]232. S. S. 69.. So wird die assoziative 71 72 73 74 75 76 Ebd. S.

275 – 299.. S. Denn es verweist darauf. Der Autor wollte auf die Cover-Photographie der ersten 600 aus dem kroatischen Lager Dretelj in Herceg-Bosna am 31. Domovina (Anm. «Danas se nelagoda prometnula u strepnju”. ist insbesondere auf die folgenden Kriegsjahre 1993 und 1994 zu beziehen.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Zugleich spiegelt damit der Tagebuchtext in seiner damals für die kroatische Öffentlichkeit offenbar unzulässigen Form den normativen Rahmen wider. die Ereignisse aus dem unmittelbar erlebten Moment heraus zu diskursivieren und appelliert in seinem «Vorwort» an die «Öffentlichkeit als Partner». da der Dachverband kroatischer Kultur und sein Verleger Matica hrvatska die Publikation unmittelbar vor dem Druck verhinderte und sie erst aus Mitteln unabhängiger Organisationen finanziert werden konnte. sondern in einer paralysierenden Situation von Angst.] Peter Boerner. Matan geht in seinem Tagebuch vom Versuch aus. C. August 1993 entlassenen muslimischen Gefangenen nicht verzichten. Publizist und Redakteur Branko Matan unter dem Titel Domovina je teško pitanje (Heimat ist eine heikle Frage) erst Ende 1998 (obwohl im titelgebenden Zeitraum entstanden). Korrektur 82 Milka Car und fragmentarische Textsorte der autobiographischen Suche zu einem Zeugenbericht der damaligen (notwendigen?) Homogenisierungspolitik in Kroatien. dass man sich dem Sog des Krieges nicht entziehen kann. . 275. Opferbewusstsein und Beklemmung gefangen bleibt. 14). Gerade diese von Irena Vrkljan eindringlich geschilderte Erfahrung. 14:08 Uhr · 11. Mit den Begriffen des «Unbehagens» und der «Angst»78 beschreibt der Autor die Publikationsgeschichte des Buches. III Seine Tagebuchfragmente 1991 – 1993 publizierte der Essayist. da der Druck seines Tagebuches verboten wurde. Tagebuch. [Hervorg. in dem er entstanden ist.79 Der Text ist als sehr breite Momentaufnahme in der gattungstypischen Eigenschaft 77 78 79 «Naknadni prilog». 2014/09/11. so dass er im Endeffekt von dieser Rahmung fast verdeckt wird.0. Stuttgart 1969. Die Vorgeschichte und das erfolgte Verbot der Publikation ist in einem Nachtrag zum Tagebuch dokumentiert77 und kann als zusammengefasste Ereignisgeschichte unmittelbar nach dem Ende der Kriegshandlungen in Kroatien gelesen werden. ist als positives Echo zu deuten. S. von M. ebd. dass eine öffentliche Debatte trotz der Zensureingriffe und einer manipulierten Medienöffentlichkeit zustande kommen konnte. Matan. Dass dies eine Welle der Empörung und heftige öffentliche Debatten auslöste.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[82]232.

S. die in der kroatischen Öffentlichkeit als «Signal der Verbitterung. Domovina (Anm. 2014/09/11. . O. Zlatin dnevnik. «Ovo je knjiga o ratu. 120. In seinem Ereignisprotokoll befragt das Ich das eigene Erinnerungsvermögen sowie die gegenständliche Abhängigkeit der Erfahrung bzw.» (Hervorh. während es bei Vrkljan nur als Krisenreflex im Hintergrund figuriert. Literatur topographiert. Ebd. S. 31. Boris Previšić. u trenutku dok ovo bilježim. S. Der Balkan und die postjugoslawischen Kriege im Fadenkreuz des Erzählens. 58. Über die authentischen Kriegsberichte aus Bosnien vgl. onoga dijela osobnog iskustva koje proizlazi iz iskustva rata. der Ohnmacht. des Inartikulierten. Ebd.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[83]232.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. kao kroniku osobnog iskustva u doba rata. Kriegsflüchtlinge im ehemaligen Touristenmekka Istrien beschrieben. Vgl. werden Individualgeschichtliches und Kollektiv-Historisches untrennbar miteinander verbunden. Zlata Filipović. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 83 des Tagebuches konzipiert.] ein Buch der Qualen»80 konzipiert. . barem danas. Akkurat werden die damaligen kollektiven 80 81 82 83 84 85 86 Matan. des Schweigens und der Erniedrigung»84 fungiert. Ebd. Der Text ist somit als Bekenntnis der Ratlosigkeit und zugleich als ein «Buch der Einsamkeit. seine Verankerung in der alltäglichen Realität. [. Vielmehr liegt es ihm daran. des Ärgers.85 Diese Erfahrungen sind vom «Ungeheuer des Krieges»86 dominiert. S. 14). S. . einerseits eine krisenhafte Bestimmung der Welt aus der Perspektive eines am Zeitgeschehen beteiligten Beobachters zu erörtern. Auch Vukovar ist zu einer medial vermittelten Katastrophe geworden. ist bei Matan in Vordergrund. 14).0.) Ebd. 14:08 Uhr · 11. a. der aus Erfahrung des Krieges hervorgegangen» ist. [. 5..] Ja bih ga odredio. 5. Das politische Tagesgeschehen. ein Buch der Strenge. da es das Tagebuch einschränkend als eine «Chronik der eigenen Erfahrung in Zeiten des Krieges» definiert – als «jenen Teil der eigenen Erfahrung. S. die als «provisorische Kriegsgäste»83 «reglos» in Hotels sitzen. Domovina (Anm. 278. Berlin 2014. auf das viel beachtete Tagebuch von Zlata Filipović aus dem belagerten Sarajevo (ebd. Matan bezieht sich auch auf andere Kriegstagebücher. andererseits auf die Unmöglichkeit des politischen Handelns der Intellektuellen hinzuweisen. Die Lähmung des Einzelnen angesichts der kollektiv erduldeten moralischen Niederlage kommt dadurch zum Ausdruck. so z. 244). Zagreb 1994. S. Matan. i..82 So werden u.... . in den Jahren 1991 bis 1993 auf die Absurdität der Kriegshandlungen und auf die darauf folgenden Reaktionen komprimiert. Da sein Tagebuch ein «Buch über den Krieg»81 ist. . B. was hier – da der Krieg und seine Ausbreitung thematisch im Mittelpunkt stehen – keine Zukunftsperspektive eröffnen lässt.

nezdrava. uzbuđenja. nestvarno. 53.» Ebd.» Ebd. die eine durch den Schrecken paralysierte. Abwehr.»89 So liegt das Spannungszentrum des Tagebuches in den Aufzeichnungen der laufenden Kriegsgeschehnisse und einer Atmosphäre. S. Ebd. wird in diesem Fall die Textsorte. unterirdischen und stumpfen Angst»87 beschrieben. leidenschaftlichem Zeugnisablegen. rezignacije [. das Opfernarrativ nicht zu verinnerlichen und die eigene. S. 154. S. S. zgranutosti. mit den Begriffen des «Unaushaltbaren.. Empörung. 7. unproduktiven Vakuum» führt.91 Dabei entspringt der Diskurs der Ohnmacht ausgerechnet dem Versuch. . . 6. S.0. Aufregung» im ersten Teil der Aufzeichnungen und «Erbitterung»90 sowie dem «Gefühl der Agonie» und «Resignation» im zweiten Teil schwankt und zum «machtlosen. da sich ihm die Kriegswirklichkeit entzieht und «unwirklich»93 zu sein scheint. .Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[84]232. sich zu wehren oder eine als ungerecht oder unsinnig empfundene Kriegshandlung zu beeinflussen oder auch nur zur Sprache zu bringen. Ebd. . Osjećaj agonije. einen Gegenstand oder ein Geschehen erfassende Sprachform typisch. Im Zusammenhang damit wird der vom 4. von der «eigenen Angst hypnotisierte» Gesellschaft betrifft. «A sada je rat tu. . i zanima se za mene.] neka razorna.» Ebd.] Doplovio sam u mlitavi. neproduktivni vakuum. «Dave se u tom ogorčenju. bzw. 150. und er interessiert sich für mich. 97. S. die zwischen «Trotz. nema očaja. vom Krieg dominiert: «Und jetzt ist der Krieg hier.] Verzweiflung. Korrektur 84 Milka Car Gefühle als «eine Form der zerstörerischen. Zugleich reflektiert er damit die kollektiv erlebte Unmöglichkeit. S.. [. wie auch das schreibende Subjekt.» Ebd. Ovaj ratni dnevnik trebao bi se sastojati iz samo nekoliko riječi: neizdrživo. zum konkreten Zeitgeschehen distanzierte Position zum Ausdruck zu bringen. «Ne znam kako to opisati. Unbeschreiblichen» umschrieben. völlig von ihrem Gegenstand bzw. «Nema više niti prkosa. Dezember 1993 detailliert geschilderte Zeitraum mit dem Begriff des Unwirklichen. So sind die Tagebuchaufzeichnungen als Diagnose formuliert. podzemna i potmula tjeskoba». neopisivo. 2014/09/11.. Ist für die Gattung Tagebuch eine chronologische. ebd. strasti za svjedočenjem. Matan bezeichnet die Tagebuchform superlativisch absolut als die «eigenste»92 und versteht sie als eine Stufe in der Einschulung der Vorstellungskraft angesichts des Unvorstellbaren. ungesunden. Irrealen. 14:08 Uhr · 11. die jeglichen Handlungsspielraum aufhebt. Juli 1991 bis zum 29.. . osim riječju nestvarno.. 16.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. otpora. ..88 In diesem individuellen Text wird die Erfahrung der kollektiven Ohnmacht als eine paralysierte und paralysierende Zeit beschrieben. Die Ver87 88 89 90 91 92 93 «[..

der sich jedoch der dominanten Haltung des (Ver-)Schweigens zu entziehen versucht. den Militäreinsatz im «bosniakisch-kroatische[n] ‹Krieg im Kriege›«94. indem er aus seiner individuellen Position der Ohnmacht die Frage nach der Handlungs(un)fähigkeit der kroatischen Gesellschaft in der kriegerischen Transition stellt. S. 14).Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[85]232. Der bosniakisch-kroatische «Krieg im Kriege». S. Dunja Melčić. in denen Scham und Schuldgefühle direkt thematisiert werden. Domovina (Anm. dazu Željko Ivanković. Ebd. Ebd. Es geht um die Rolle Kroatiens in Bosnien-Herzegowina bzw. Matan. 14:08 Uhr · 11. um die herum er sein «Inventar der Fragen»95 in diesem «verstörten.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Der Jugoslawien-Krieg. bürgerlich und national». 415 – 439. Wiesbaden 2007. 150 f. S. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 85 wischung der Grenzen zum Fiktionalen ist für Matan zweifach bedingt: Zum einen handelt es sich dabei um eine mediale Verschleierung der Verhältnisse und einen fortdauernden und von ihm bezeugten «Propagandakrieg». 169. der den Konflikt mit der muslimischen Bevölkerung zu rechtfertigen versucht und notiert die schizophrene Spaltung der Öffentlichkeit.. «koja je rasplinuta nevidljivo i djelotvorno.. So in dem im Anhang des Buches vollständig übernommenen Interview aus dem Wochenblatt «Nacional» vom 21. die kollektive Schuld zur Sprache zu bringen. Davon zeugen die Passagen. S.0. poput otrova iz limenke sa sprayem». Verlauf und Konsequenzen. die auch im öffentlichen Diskurs verdrängt geblieben ist.. ebd..99 In einem Interview beschreibt der Autor diese Scham als vielfältig: «menschlich. . 12.97 Diese Situation der «unsichtbar aber wirksam versprühten» Ohnmacht98 ist dabei als eine implizite Rezeptionsvorgabe des Textes zu verstehen. 191. zum anderen gründet diese Irrealisierung auf einer konkreten. očajnoj i izluđenoj zemlji». 150. nach der ausgebliebenen Geste der Abwehr gegen die dominanten. S. ebd.. verzweifelten und verrückt gewordenen Land»96 aufbaut.100 Dabei schwankt der Schreibende zwischen resignativer 94 95 96 97 98 99 100 Vgl. dem Tagebuchführenden jedoch unverständlich gewordenen Entwicklung des Krieges. 2014/09/11. denn die Passivität der Tagebuchstimme präsentiert sich als ein gebrochener und damit ‹unmöglicher› Diskurs. S. Er verfolgt dabei den Wandel im medialen und politischen Diskurs.). Formuliert wird die Frage nach dem nicht erfolgten Widerstand. in: Dunja Melčić (Hrsg. 291 – 297. Handbuch zu Vorgeschichte. S. «izbezumljenoj. Matans Tagebuch ist somit ein früher Versuch. jedoch irreführenden politischen Diskurse. Ebd. Oktober 1998. so dass seine Chronik zu einem «Transkript» für die «Kriegspsychose» wird.

Domovina (Anm. Iva Pleše. 5. 14). Über den Verlauf der Kriegshandlungen vgl. 14:08 Uhr · 11. in: Vijenac. Frankfurt/M. [. November 1998. sve neshvatljiviji.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. S. sich seiner referentiellen Wirklichkeit zu entziehen.» Ebd. 202 u. iz dana u dan.in die Täterphase gleitet. Interview mit D. Rihtman-Auguštin. 1996. das ständig wächst. Nochmals erweist sich die Kriegswirklichkeit als diktatorisch und provoziert sogar die Frage nach dem Wirklichkeitsstatus des Erfahrenen. Matan. 2014/09/11.0. indem die Derealisierungstendenzen in der Gesellschaft aufgedeckt werden. indem er das Geschehen beschreibt und sich gleichzeitig davon distanziert. da es als Produkt eines traumatischen geschichtlichen Moments entsteht. Der Autor deutet sie als eine immer schon vorhandene «phantastische» Dimension der Wirklichkeit..Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[86]232. Vom Autor zusammengefasste Berichte über die nach Bosnien verlegten Kriegshandlungen handeln davon. So erscheint die trügerische Sicherheit eines authentischen Dokuments als die einzige Möglichkeit. Krieg und Frieden in Bosnien und Herzegovina. immer unbegreiflicher». Postaje sve veći. S. Ispod struktura moći. .Ausgesprochene. . Marie-Janine Calic. 130. So wird die unfassbare Irrealisierung und Fiktionalisierung der Wirklichkeit für den Tagebuchschreibenden zur Herausforderung. die ungewollte Ausweitung des Krieges auf Bosnien und Herzegowina zur Sprache zu bringen. Diese Phase beschreibt die kroatische Ethnologin Dunja Rihtman Auguštin in einem Interview als einen Übergang aus dem «positiven» in den «pathologischen Ethnozentrismus». ali tek sada to zaista znamo: nema ništa fantastičnije od stvarnosti. .102 Insbesondere im Jahre 1992 beklagt der Autor seine Position eines Zeugen vom «Verbrechen. 207. 14).101 die er aus dem sicheren Schutz des Tagebuches heraus als eine verlogene und propagandistisch verbreitete Illusion dechiffriert. Domovina (Anm.» Matan. Somit ist dieses Tagebuch als Versuch zu lesen.] immer größer. «zločina koji neprestano raste. S. sve strašniji. Gleichzeitig postuliert der Autor im Moment des Aufschreibens eine bekenntnishafte Wahrheitsdimension als Diskursivierung des Unfassbaren.103 Damit wird das Nicht. Der kroatische Literaturwissenschaft- 101 102 103 104 105 «Oduvijek smo to znali. Korrektur 86 Milka Car Ohnmacht und einer individuellen Abwehrgeste. wie der Diskurs der Ohnmacht übergangslos aus der Opfer. 97. immer schrecklicher. das Unsägliche der kroatischen Verbrecherposition an den Fronten in Bosnien als Skandalon der neueren kroatischen Geschichte104 im Tagebuch als «Ekel» und «wachsende Resignation»105 fixiert.

normalno? Hoćemo li ikada dočekati dan kada pripadnost ovoj zemlji neće biti najstrašnije poniženje?» Ebd.. sich den Kriegsnarrativen und manipulativen Medienstrategien zu entziehen und die Schuld für die Verbrechen der eigenen Seite auf sich zu nehmen. Indem im Tagebuch die allgemeine Handlungsohnmacht im Jahre 1993 als Niederlage beschrieben wird. das das monologische Bewusstsein der kroatischen Öffentlichkeit kritisiert. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 87 ler Stanko Lasić beschreibt Matans Tagebuch als ein Buch. 30. S. Diese poetologische Frage findet ihre Parallele in der biographisch verankerten Erfahrung der durch den Krieg ausgelösten tiefen Ohnmacht der Spätadoleszentin M. die dem thematisierten Kriegsgrauen zum Trotz «ein unantastbares Leben»111 behaupten kann. 14:08 Uhr · 11.109 da es damals in Kroatien unmöglich war. . Seine ‹heikle Frage› ist die Frage nach der nationalen «Erniedrigung». in: Globus. Matan. bestätigt Matan jedoch den Handlungsraum des Einzelnen.. um das von M. 110. S. wird in der jeweiligen Autorenpoetik unterschiedlich behandelt. verängstigtes und zwischen den Zeilen schlagendes Herz»107 sich ausspricht. ‹normal› zu leben110 bzw. C. IV Die Diskurse der Ohnmacht konstruieren in den hier analysierten Texten unterschiedliche Erfahrungshorizonte der nicht gewollten und doch notwendigen Anpassungen an den Krieg.. ob es sich dabei um eine große kompensatorische Leistung handelt. wenn auch nur als Zeugen. Die Absicht des vorliegenden Beitrags war es. zum Verbrecher machen.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[87]232. die Diskurse der Ohnmacht in zeitgenössischen und tagebuchartigen Texten zu belegen. S. C. August 1993 schreibt Matan über die Gefangenen. Sigmund Freud. biti građanin Hrvatske. Lasićem).106 Indem ein «nervöses. Domovina (Anm. kann eine authentische Position der Zeugenschaft entstehen. 252. Odjeci afere. die er als «sechs Hundert kroatischer Geister» in «kroatischen Lagern»108 bezeichnet und die ihn.2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. November 1998. 208. S. Ebd. Am 31. 2014/09/11. 6. kada će to napokon jednom postati nešto obično. denn gerade im Bewusstsein von Resignation und machtloser Selbstbespiegelung wird das medial vermittelte Bild von starren Feind/Freund-Oppositionen dekonstruiert. 14). erlebte paralysierende Gefühl der 106 107 108 109 110 111 Ines Sabalić.0. Ebd. Der Briefwechsel mit Albert Einstein. «Biti Hrvat. S. Matica hrvatska protiv Branka Matana (interview sa S. Stuttgart 2012. 89. Warum Krieg? Zwei Schriften. Die Frage.

13).2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Logik des Sinns. Berlin 1963. Rat uronjen u traumu (Anm. S.112 die vom Kriegstrauma und von der Überlebensschuld geprägt ist. Eine solche Opposition zwischen dem ‹absoluten› und dem ‹wirklichen› Feind wird pragmatisiert und als modellierbar dargestellt. 35. Die Diskurse der Ohnmacht bleiben somit unterschwellig bestehen und können immer wieder in ihrem ambivalenten Potential entweder als Formen der 112 113 114 115 116 117 118 Cvitan (Hrsg. weil er in seiner individuell-kollektiv geteilten Erfahrung in einer monologischen Dimension der ‹Selbstaussprechung› gefangen bleibt. Vrkljan. S. Theorie des Partisanen. 159. Bei Vrkljan wird der Krieg als eine intertextuell angelegte Spannung zwischen dem «Reich des Todes. 22). .0. 75 u. 13). Zwischenbemerkungen zum Begriff des Politischen.113 Branko Matan thematisiert den Krieg als «Zertrümmerung sozialer Strukturen» – im klassischen kriegstheoretischen Sinne mit Carl Schmitt gesprochen. indem er die Kategorien des ‹absoluten› und des ‹wirklichen› Feindes impliziert. S. 95. 114). Sie bezeichnet sich als einen Teil der «verlorenen Kriegsgeneration». Theorie des Partisanen (Anm. und zwar aus dem Blickwinkel der «Unentrinnbarkeit eines moralischen Zwanges»114. 63. S. Alenka Mirković bleibt dem testimonialen Modell der Zeugenschaft verbunden und schreibt nach ihrem chronikartigen Bericht keine Prosa mehr.117 Der Diskurs der Ohnmacht erfasst die kollektiven Erfahrungen in tagebuchartigen Formen oder in einer fragmentierten Autobiographie und bleibt als Dokument der Resignation in seiner «Doppelheit»118 lesbar. S. Ebd. «Feindschaft» zu produzieren. 272. Carl Schmitt. um im längsten Abschnitt des Jahres 1993 vom Krieg als dem «unbegreiflich Schlechtestem» («nepojmljivo najlošijem») zu reden. 14:08 Uhr · 11. S. Hat Mirković immerhin Anspruch auf eine Position des «defensivautochtonen Verteidigers der Heimat». S. 1993. 2014/09/11.116 außer der ihm immanenten Aufgabe. 70. denn gerade diese starren Oppositionen machen die medialen Manipulationen und das kollektive Verschweigen möglich. Matan. Vor roter Wand (Anm.115 sieht Matan keine plausible Rechtfertigung für den Krieg. Schmitt. 132. Domovina (Anm.Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[88]232. Im Jahr 1992 spricht er noch vom «Guerilla-Krieg» der kroatischen Verteidiger. die sich als eine eigentlich willkürliche und im neuen Bürgerkrieg unmögliche Polarisierung erweisen. Frankfurt/M.. der Unbeweglichkeit» und der «roten Blume der Schrift» vertextet. Korrektur 88 Milka Car Ausweglosigkeit und Handlungsunmöglichkeit in der textuellen Suche bestätigen.). Gilles Deleuze.

Previsic_TraumataDerTransition_AK_1 / TYPOSCRIPT[FP] Seite 1[89]232. daß man nichts ist»119 – wird mit der Figur der Verlorenheit ausgedrückt. Auch zeugen die hier präsentierten Texte vom charakteristischen Sog der Gewalt als dem Sog «des Ausbeutens. 58).0. Wegnehmens und Vernichtens». Münkler. . Über den Krieg (Anm. Dies ist auf einer kulturkritischen Ebene als «Reflexion aufs Ich als Befangenheit. als Innewerden der Ohnmacht» zu verstehen. Somit ist das transgressive Potenzial nicht so sehr den hier analysierten Texten immanent. 14:08 Uhr · 11. um im Moment des Übergangs einen nie endenden Dialog der Vergangenheit mit der Gegenwart als ein Spiel der konträren Positionen und der gegenseitig sich ergänzenden und nicht ausschließenden Erfahrungen zu ermöglichen. S. sondern wirkt sich vielmehr auf die Rezeptionshaltung des Lesers aus. 24).2924/W Unicode-x64 (Dec 20 2012) 1. Korrektur Diskursanalyse und postjugoslawische Kriege: Diskurse der Ohnmacht 89 Selbstviktimisierung oder als Konzeptualisierungen des Feindes aktiviert werden. 23. 243. 119 120 Adorno. Die individuelle Erfahrung der Ohnmacht – «wissen. S. Minima Moralia (Anm.120 der eine Gesellschaft im Kriegszustand in ihrem Bann hält und dem sich weder der Einzelne noch der Text entziehen können. 2014/09/11.