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Moviemento & City-Kino

Jänner 2015
Nr. 312 – Programmzeitung für Moviemento & City-Kino
www.moviemento.at

Die

DeS

Sprache

h

ein film von

erzenS
Das Leben der Marie Heurtin

Jean-Pierre Améris

Vorspann
Inhalt

Neue Filme im Jänner
Auf den Barockaden............................ 9
Birdman oder (die unverhoffte
Macht der Ahnungslosigkeit).......... 4
Casanova Variations............................ 9
Citizenfour.............................................. 7
Der groSSe Trip – Wild6������������������������ 6
Die Sprache des Herzens.................... 3
Fräulein Julie......................................... 8
Höhere Gewalt....................................... 6
Ich seh ich seh........................................ 3
Österreich – Oben und Unten........... 8
Red Army................................................... 8
Schändung.............................................. 8
St. Vincent................................................ 6
The Cut...................................................... 7
The Imitation Game................................ 5
Timbuktu................................................... 5
Wild Tales................................................. 3

Kinderkino................................................... 9
Ak:kultur.................................................... 10
Babykino.................................................... 10
Filmring der Jugend................................... 10
Specials..................................................... 10
Südwind..................................................... 10

Bereits die ersten Filmstarts ins neue Kinojahr sind vielversprechend:
Die Sprache des Herzens: Marie Heurtins bewegende Geschichte basiert auf realen
Ereignissen im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts. Der neueste Film des renommierten
Regisseurs Jean-Pierre Améris (Die anonymen Romantiker) wurde beim Filmfestival in
Locarno mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Severin Fiala und Veronika Franz entwickeln mit Ich seh ich seh einen verstörenden, hochspannenden Psychothriller über den Kampf um Liebe, Vertrauen und Identität: Ein absolutes
Ausnahmewerk im österreichischen Gegenwartskino.
Wild Tales – Jeder dreht mal durch! ist eine schwarze Komödie aus Argentinien mit
sechs Geschichten, die Rache und Frustration zum Thema haben – allesamt mit wahnsinnigen Konsequenzen und tonnenweise Spaß.
Drei filmische Nordlichter machen die Cineasten bestimmt neugierig:
Fräulein Julie: Liv Ullmann’s darstellerisch brillante Verfilmung von August Strindbergs
Tragödie über den Macht- und Verführungskampf, den eine Baroness und ihr Hausdiener in
einer einzigen Nacht austragen.
Höhere Gewalt: Wie verhält sich ein Mensch in Extremsituationen? Wie geht er mit Scham
um? Um diese existenziellen Fragen kreist Ruben Östlunds neues meisterlich inszeniertes und von
Schweden für den Auslandsoscar eingereichtes Werk. Cannes 2014: Jurypreis – Un Certain Regard.
Schändung: Jussi Adler Olsen, Mikkel Nørgaard, Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares zum
Zweiten – diesmal wird in einem 20 Jahre zurückliegenden Doppelsexualmord ermittelt.
Dass auch aus Hollywood entsprechende Qualität kommen kann, sehen wir an gleich vier völlig unterschiedlichen Werken: Birdman oder (die unverhoffte Macht der
Ahnungslosigkeit), St. ViNcent und Der groSSe Trip – Wild.
Die Freunde des Dokumentarfilms, die sich Ende 2014 zu einem losen »Doku-Club« rund um
Andrea Rohm formiert haben, sollten mit auf den Barockaden und Red Army auch auf
ihre Kosten kommen.

Preise:
Programmheft-Jahresabo: EUR 19,–
Kinometerbank: 10 Karten +
Programmheftabo: EUR 70,–
MovieMember: 1 Jahr ermäßigter Eintritt +
Abo: EUR 30,–,
Einzelexemplar-Programmzeitung: EUR 1,50
Bankverbindung: Hypobank, Linz Landstraße,
BLZ: 54000, Kontonummer: 761858, lautend auf
»Moviemento Programmkino gemeinnützige GmbH«
Satz- und Druckfehler vorbehalten.
Hinweis für Kinometerbank Käufer_innen
Per Überweisung bezahlte Kinometerbanken und
MovieMember-Cards liegen an der Moviemento
Kino-Kassa auf und können dort gegen Vorlage der
Zahlungsquittung (=Auftragsbestätigung) zwischen
ca. 17.00 und 21.00 Uhr abgeholt werden. Aus organisatorischen Gründen ist die Abholung im City-Kino
nicht möglich.
Wegen immer häufiger aufretender Zustellprobleme unserer Programmzeitung durch die Post
möchten wir uns entschuldigen. Diese liegen nicht
in unserem Bereich. Gegebenenfalls bekommen
Sie das Programm gerne an der Kassa.

Impressum
Medieninhaber: Verein zur Förderung kommunikativer
Kinokultur, OK Platz 1, 4020 Linz, Tel: 0732/784090.
Obmann: Wilhelm Schwind. DVR: 0562831/180189.
F. d. I. v.: Wolfgang Steininger.
Gestaltung Heft 312: Stefanie Pachlatko, Stefan Messner.
Mitarbeit: Rüdiger Ratzenböck.
Druck: Haider Schönau, Niederndorf 32, 4274 Schönau, Tel: 07261/7232. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier. Mit der Unterstützung von BMUKK,
LAND OÖ, STADT LINZ und zahlreichen Mitgliedern,
Förder_innen.
Offenlegung gem. Mediengesetz § 25(2): Verein zur
Förderung kommunikativer Kinokultur, Unternehmensgegenstand: Präsentation von Filmkunst.
§ 25(4): Vermittlung von Informationen über Film,
Kino-Kultur und Zeitkultur.

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Am Freitag, 16. Jänner zeigen wir die beiden Siegerfilme der OÖN-Filmwahl des Jahres 2014 und
Freitag, 23. Jänner, gibt es ab 21 Uhr freien Eintritt anlässlich der »Die Nacht der Programmkinos«. Das detaillierte Programm dazu wird demnächst online auf moviemento.at zu finden sein.
Schöne Kinostunden wünscht,
Wolfgang Steininger

FilmBrunch

Sonntags im Moviemento & Gelben Krokodil

So 4. Jänner
11.15 Die Sprache des Herzens
11.30 Exodus – 2D
13.00 Die Entdeckung der Unendlichkeit
13.15 Eine Taube sitzt auf einem Zweig ...

So 18. Jänner
11.15 Timbuktu
11.30 Der GroSSe Trip
13.00 Schändung
13.15 Wild Tales

So 11. Jänner
11.15 Die Sprache des Herzens
11.30 St. Vincent
13.00 Ich seh ich seh
13.00 Wild Tales

So 25. Jänner
11.15 The Imitation Game
11.30 Winterkartoffelknödl
13.00 Der GroSSe Trip
13.15 Höhere Gewalt

Die Sprache des Herzens

Die Sprache
des Herzens
Marie Heurtin
FR 2014, 98 min, Französisch OmU,
R: Jean-Pierre Améris,
B: Jean-Pierre Améris, Philippe Blasband,
K: Virginie Saint-Martin, S: Anne Gibourg,
D: Isabelle Carré, Ariana Rivoire,
Brigitte Catillon, Laure Duthilleul,
Martine Gautier, Gilles Treton
Locarno 2014:
Variety Piazza Grande-Award
Ab Donnerstag, 1. Jänner
Eine Ordensschwester bemüht sich um ein
blindes, taubes und stummes Mädchen –
nach einer wahren Geschichte.
Blind und taub geboren, ist die 14-jährige
Marie Heurtin unfähig zu jeder Art von Kommunikation. Entgegen dem Rat eines Arztes, der sie für »dumm« hält, kann sich ihr
Vater, ein einfacher Handwerker, nicht dazu
durchringen, sie in eine Anstalt einzuliefern.
Aus Verzweiflung wendet er sich an das Institut Larnay in der Nähe von Poitiers, wo sich
Nonnen um taube junge Frauen kümmern.
Trotz der Skepsis der Mutter Oberin nimmt
die junge Schwester Marguerite das »wilde
kleine Tier« unter ihre Fittiche. Sie tut alles,
was in ihrer Macht steht, um Marie der Dunkelheit zu entreißen. Und auch wenn zahlreiche Rückschläge und Enttäuschungen den
Weg begleiten und sie manchmal in Versuchung ist, aufzugeben, hat sie schließlich
doch Erfolg. Ihre feste Überzeugung, dem
Kind helfen zu können, und die Liebe zur
kleinen Marie leiten sie. Maries bewegende
Geschichte basiert auf realen Ereignissen
im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts.
Der neueste Film des renommierten Regisseurs Jean-Pierre Améris (DIE ANONYMEN
ROMANTIKER) lief außerordentlich erfolgreich beim Filmfestival in Locarno 2014.
HISTORISCHE FAKTEN
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
kümmern sich im Institut Larnay in der
Nähe von Poitiers im Westen Frankreichs
die »Schwestern der Weisheit« um eine
Gruppe von tauben und blinden Mädchen.
Sie unterrichten sie und bringen ihnen bei,
sich mit Hilfe von Zeichensprache verständlich zu machen. Larnay wurde weltweit bekannt durch das 1900 erschienene Buch
des französischen Literaturwissenschaftlers Louis Arnould (1864-1949), »Seelen im

Ich seh Ich seh

Gefängnis«. Er beschreibt darin detailliert
die Methode, die Schwester Marguerite bei
der jungen, von Geburt an taubblinden Marie Heurtin anwandte. Später lernte Marie
Heurtin die Blindenschrift Braille, schrieb auf
einer Schreibmaschine, spielte Domino und
andere Spiele, nähte, strickte, wurde in Geschichte und Geographie unterrichtet, kannte die Uhr und wurde eine aufmerksame,
feinfühlige junge Frau. Ihre Geschichte gilt
vielen als Wunder. Noch heute ist das Institut
Larnay aktiv in der Arbeit mit gehörlosen und
sehbehinderten Kindern und Jugendlichen.

Ich seh ich seh
AT 2014, 99 min, OdF, R/B: Veronika Franz,
Severin Fiala, K: Martin Gschlacht,
S: Michael Palm, D: Susanne Wuest,
Lukas & Elias Schwarz

Premiere: Freitag, 9. Jänner, 20.00,
Moviemento - in Anwesenheit von
Veronika Franz und Severin Fiala
Ein abgelegenes Landhaus in den Sommerferien: Die Mutter kehrt nach einer Schönheitsoperation zu ihren Zwillingssöhnen
zurück. Doch die Kinder zweifeln: Ist die bis
zur Unkenntlichkeit einbandagierte, plötzlich so strenge Frau wirklich ihre Mama?
Beim Versuch, die Wahrheit herauszufinden, eskaliert die verunsichernde Situation
schnell … Das beeindruckende Spielfilmdebüt von Severin Fiala und Veronika Franz
entwickelt aus einem naturalistischen Ansatz einen verstörenden, hochspannenden
Psychothriller über den Kampf um Liebe,
Vertrauen und Identität: Nicht nur in seinem
Genre-Schub ein absolutes Ausnahmewerk
im österreichischen Gegenwartskino.
REGIESTATEMENT
Wir lieben körperliches Kino, wir lieben Filme, die physisch überwältigen, Filme, in
denen es nicht nur um übergeordnete Ideen
oder eine Erzählung geht, sondern darum,
Menschen beim Schwitzen, Zittern, Schreien, Weinen, Bluten zuzuschauen und bei
denen sich Schwitzen, Zittern, Schreien,
Weinen, Bluten auch auf den Körper des Zuschauers überträgt. So einen Film wollten
wir machen. Einen Film, der aber gleichzeitig auch einem gewissen Naturalismus verpflichtet ist. Uns hat eine Art von Horror interessiert, die in der Realität wurzelt, die aus

Wild Tales – Jeder Dreht mal durch!

dem Alltag erwächst und in ganz einfachen
Dingen liegt: in einem bandagierten Gesicht,
einem Satz, einer Lupe, einer Zahnseide.

Veronika Franz und Severin Fiala drehen
mit dieser garstigen Kollaboration Mutterliebe, kindliches Urvertrauen und menschliche
Sehnsucht nach Geborgenheit durch den
Fleischwolf, dass die Knochen splittern: [...]
Dieser fiese kleine Film nimmt den Mund
voller Scheußlichkeiten, kaut provozierend
langsam drauf herum und spuckt sie mir
schließlich vor die Füße, weil ich nicht rausgegangen bin, als noch Zeit dazu war. Ich
kann mir nicht helfen, mir gefällt so was.
– Frankfurter Allgemeine Zeitung
Horror, Essayfilm und Freud'sche Verfremdung drängen den Zuschauer auf Pfade
des Geistes, die nicht oft ergründet werden.
Der Streifen überrascht mit einem unerwarteten Finale, das komplett die Meinung über
Bord wirft, die sich der Zuschauer über die
gesamte Dauer des Films gebildet hatte.
– Close Up

Wild Tales – Jeder
dreht mal durch!
Relatos salvajes
AR/ES 2014, 122 min, Spanisch OmU,
R/B: Damián Szifrón, K: Javier Juliá,
S: Pablo Barbieri, D: Ricardo Darín, Darío
Grandinetti, Leonardo Sbaraglia, Érica
Rivas, Rita Cortese, Julieta Zylberberg,
Oscar Martinez
San Sebastián 2014:
Publikumspreis – Bester europäischer Film
Ab Donnerstag, 8. Jänner
Eine schwarze Komödie aus Argentinien
mit sechs Geschichten, die Rache und
Frustration zum Thema haben – allesamt
mit wahnsinnigen Konsequenzen und tonnenweise Spaß
Ein Psychopath kapert ein Flugzeug, um
sich an seinen Feinden zu rächen. Eine Kellnerin erkennt in einem Kunden den Mann,
der ihren Vater ruiniert hat. Ein Zwist auf einer Landstraße entwickelt sich zum Kampf
auf Leben und Tod. Ein Bombenexperte
setzt sich gegen die Willkür der Behörden
zur Wehr. Ein Millionär sucht einen Ausweg
für seinen Sohn, der nach einem Unfall Fahrerflucht begangen hat. Eine Hochzeit geht
3

St. vincent

den Bach runter, als die Braut bemerkt,
dass ihr Gatte eine Kollegin, mit der er eine
Affäre hatte, eingeladen hat.
Zum Äußersten getrieben in einer unberechenbaren, ständigem Wandel ausgesetzten Realität, überschreiten die Figuren in
WILD TALES den schmalen Grat, der Zivilisation von Barbarei trennt. Der Verrat eines Liebenden, die Konfrontation mit einer
vergessen geglaubten Vergangenheit und
die Gewalt, die sich aus ganz alltäglichen
Begegnungen ergibt, treiben die Figuren immer weiter, in den Wahnsinn hinein. Und je
weiter sie in diese Richtung getrieben werden, desto mehr lassen sie sich fallen und
geben sich dem verbotenen Vergnügen hin,
die Kontrolle zu verlieren.
Mit WILD TALES ist dem argentinischen
Filmemacher Damián Szifrón ein aufregendes Meisterwerk gelungen, ein sechs Geschichten umfassender Anthologiefilm, in
dem jede einzelne Sequenz auf ungeheure
und ungeheuer aberwitzige Weise eskaliert.
Der Film ist das seltene Beispiel für einen
Film ohne Netz und doppelten Boden, ohne
Gurt, Airbag oder andere Sicherheitsmechanismen. Er ist Kino, wie es purer nicht
sein könnte, durch und durch argentinisch
und gleichzeitig so universal, dass er uns
allen den Spiegel vorhält. Das Biest, das er
zeigt, das sind wir. Und wir sind urkomisch
in unserer verzweifelten Wut.
Die von Pedro und Agustín Almodóvar mitproduzierte tiefschwarze Thrillerkomödie
trat seinen Triumphzug im Wettbewerb der
diesjährigen Filmfestspiele von Cannes an.
In Toronto endete die Vorstellung mit Standing Ovations, und in San Sebastián wurde
der Film mit dem Publikumspreis als bester
europäischer Film ausgezeichnet.

Was den bloßen Spaß am Zusehen anbetrifft, konnte kein anderer Film in diesem
Jahr in Cannes WILD TALES das Wasser reichen. Der Film des argentinischen Filmemachers Damián Szifrón ist ein bitterböse hinreißendes Kompendium von sechs für sich
allein stehenden Kurzfilmen, die das Thema
Vergeltung vereint – und zwar jene Art von
Vergeltung, die sich in spektakulären Ausbrüchen äußert, nachdem eine arme Seele
einmal zu oft übers Ohr gehauen wurde.
– Variety
WILD TALES ist ein riesiges Vergnügen,
das die Probleme Argentiniens aufzeigt, dies
jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger tut,
sondern mit jeder Menge schwarzem Humor. [...] Mehr als sehenswert. – outnow.ch
4

Birdman

Birdman
oder (Die unverhoffte Macht der
Ahnungslosigkeit)
Birdman
US 2014, 120 min, Englisch OmU,
R: Alejandro González Iñárritu,
B: Alejandro González Iñárritu,
Nicolas Giacobone, Alexander Dinelaris,
Armando Bo, K: Emmanuel Lubezki,
S: Douglas Crise, Stephen Mirrione,
D: Michael Keaton, Zach Galifianakis,
Edward Norton, Amy Ryan, Emma Stone,
Naomi Watts

Ab Freitag, 30. Jänner
Raffiniert erzählte Geschichte eines Superhelden-Darstellers, der ein RaymondCarver-Stück am Broadway inszenieren will.
In BIRDMAN erhofft sich Riggan Thomson
durch seine Inszenierung eines ambitionierten neuen Theaterstücks am Broadway vor
allem eine Wiederbelebung seiner dahinsiechenden Karriere. Zwar handelt es sich um
ein ausgesprochen tollkühnes Unterfangen
– doch der frühere Kino-Superheld hegt
größte Hoffnungen, dass dieses kreative
Wagnis ihn als Künstler legitimiert und jedermann, auch ihm selbst, beweist, dass er
kein abgehalfterter Hollywood-Star ist.
Doch während die Premiere des Stücks unaufhaltsam näher rückt, wird Riggans Hauptdarsteller durch einen verrückten Unfall bei
den Proben verletzt und muss schnell ersetzt werden. Auf den Vorschlag von Hauptdarstellerin Lesley und auf das Drängen seines besten Freundes und Produzenten Jake
hin engagiert Riggan widerwillig Mike Shiner
– ein unberechenbarer Typ, aber eine Garantie für viele Ticketverkäufe und begeisterte
Kritiken. Bei der Vorbereitung auf sein Bühnendebüt muss er sich nicht nur mit seiner
Freundin, Co-Star Laura, und seiner frisch
aus der Entzugsklinik kommenden Tochter
und Assistentin Sam auseinandersetzen,
sondern auch mit seiner Ex-Gattin Sylvia,
die gelegentlich vorbeischaut, um die Dinge
in ihrem Sinn zu richten.
Zwischen Tragödie, Künstlerdrama, beißender Satire und schwarzer Komödie pendelt
der neue Film des renommierten mexikanischen Filmemachers Alejandro González
Iñárritu. Sein »Birdman« ist auch Milieustudie des Theaters und Films und (über)zeich-

ich Seh Ich seh

net das psychologische Profil eines Künstlers. Er heißt Riggan Thomson und war
ehemals als »Birdman« im Kino erfolgreich.
Batman-Darsteller Michael Keaton spielt
ihn. Das ist nur einer der zahlreichen Bezüge zwischen Fiktion und Realität, von denen
der Film lebt und die er virtuos verwebt.
Faszinierend und unglaublich elegant inszeniert sind die nahtlosen Übergänge, von
der Probe zur Aufführung, von der Fiktion
des Stücks zur Realität der Spielenden, die
auch nur eine Realität in Anführungsstrichen ist, macht sich doch jede/r etwas vor.
Kameramann Emmanuel Lubezki gelingen
nicht nur hier auf der Bühne, in den Gängen,
Umkleideräumen des Theaters fließende
Kamerafahrten und starke Bilder, sondern
auch vom neonbeleuchteten belebten New
York. Die Streitgespräche aus »What We Talk
About When We Talk About Love«, so der Titel der Carver-Story, die Riggan inszeniert,
werden in Konfrontationen und Beziehungsscharmützeln der Schauspieler untereinander weitergeführt, Theatereffekte und Superhelden-VFX brechen die reale Handlung.
Eine genaue Grenze zwischen Fiktion und
Nicht-Fiktion lässt sich nicht immer ziehen,
was wohl auch dem Wunsch des Regisseurs
entspricht. Ein ungewöhnlicher Score, moderne Schlagzeug-Stücke – manchmal ist
der Schlagzeuger als Verfremdungseffekt
im Bild –, aber auch hochdramatische, einschlägige Filmmusik ist dem Film unterlegt,
der nicht nur fasziniert, sondern auch oft
mit schrägen Einfällen überrascht.
Regiestatement
Ich liebe jene schwankenden, unsicheren
Charaktere, die von inneren Zweifeln und
Widersprüchen angetrieben werden … mit
anderen Worten, die so sind wie jeder, den
ich kenne. Riggans Entscheidungen haben
sich als schlecht erwiesen, und das betrifft
vor allem die Menschen, die ihm nahestehen. Während seines ganzen Lebens hat
Riggan Liebe mit Bewunderung verwechselt. Und als er schließlich die Belanglosigkeit des Letzteren erkennt, muss er auf
schmerzhafte Weise lernen, sich selbst und
die anderen zu lieben.
Filmografie // Alejandro González Iñárritu
(Regie, Auswahl)
2000 AMORES PERROS
2003 21 GRAMS
2006 BABEL
2010 BIUTIFUL
2014 BIRDMAN (ODER DIE UNVERHOFFTE
MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT)

Timbuktu

Timbuktu
FR/MR 2014, 97 min, diverse OmU,
R/B: Abderrahmane Sissako,
K: Sofiane El Fani, S: Nadia Ben Rachid,
D: Ibrahim Ahmed dit Pino, Toulou Kiki,
Abel Jafri, Fatoumata Diawara, Hichem
Yacoubi, Kettly Noël
Ab Freitag, 16. Jänner
Die von Mythen umwobene malische Stadt
Timbuktu wird von Dschihadisten übernommen, die ihre Regeln der Bevölkerung
aufzwingen wollen. Die Beduinen-Familie
von Kidane lebt friedlich in ihrem Zelt, bis
ein Zwist mit dem Fischer Amabou alles
durcheinanderbringt.
Der gebürtige Mauretanier Abderrahmane
Sissako ist in Bamako aufgewachsen und
hat dort zuletzt im Hof seines Vaterhauses den Spielfilm BAMAKO gedreht. Darin
begegnet er der Ausbeutung von IWF und
Weltbank in Form eines Gerichts, das mitten
im Lebensalltag abgehalten wird und dadurch stärker wirkt als seitenlange Abhandlungen über die Ungerechtigkeiten dieser
Welt. Ursprünglich wollte er danach einen
Essayfilm über die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus in der Gegend
der mythenumwobenen Stadt Timbuktu
gestalten, doch nachdem er vor Ort die Steinigung eines Paares durch die Extremisten
erlebt hatte, entschied er sich dafür, einen
Spielfilm zu drehen. Und was für einen!
Was kann der Künstler in Zeiten tun, in denen die Menschlichkeit durch mordende
Horden und zerstörende Kulturlose fundamental in Frage gestellt wird? Es ist die Frage, die auch der Russe Andrei Tarkowski in
dem im Mittelalter angesiedelten Spielfilm
ANDREI RUBLJOW gestellt hatte. Sissako
hat den islamistischen Fundamentalismus
erlebt und reagiert auf das Wüten einer Minderheit mit einem Film, der den Alltag vor
Augen führt, uns gleichzeitig eine Geschichte erzählt, die zeigt, dass auch der friedlichste Alltag auch nicht einfach nur friedlich ist.
Zwist ist eine menschliche Schwäche, die
oft genug tragisch endet. Die Täter in seinem Film kommen von überall her und sprechen keine gemeinsame Sprache. So wenig
sie einander verstehen, so wenig wissen
sie, was die Regeln sollen, die sie den Menschen in Timbuktu aufzwingen. Für diese ist
es nicht nachvollziehbar, warum sie nicht
mehr rauchen, musizieren oder Fußball
spielen sollen, warum die Fischverkäuferin
auf dem Markt Handschuhe tragen muss,

The imitation game

warum die Moschee als Ort des Gebets und
der Besinnung mit Waffen betreten wird. Zu
den Glanzpunkten dieses federleicht wirkenden Films über die Tragödie religiösen
Fundamentalismus gehört ein Fußballspiel
ohne Ball. Abderrahmane Sissako erzählt
in stillen Bildern und einer Sanftheit, die das
Drama, das er betrachtet, erst recht hervorheben. Keine Schwarzweiß-Malerei, dafür
eine Betrachtung voller Poesie, die er der
kopflosen Gewalt entgegensetzt.
Regiestatement
Am 29. Juli 2012 fand in Aguelhok, einer
kleinen Stadt im nördlichen Mali, das zu einem großen Teil besetzt ist, ein unsägliches
Verbrechen statt, das von den Medien und
somit dem Rest der Welt einfach ignoriert
wurde. Ein Paar in den Dreißigern, das mit
zwei Kindern gesegnet war, wurde zu Tode
gesteinigt. Ihr Verbrechen: Sie waren nicht
verheiratet. Die Szenen ihres Sterbens, die
von ihren Folterern online gepostet wurden,
sind grauenvoll. Die Frau stirbt vom ersten
Stein, der sie trifft. Dem Mann entfährt ein
heiserer Schrei, dann herrscht Stille. Kurz
danach werden sie ausgebuddelt, nur um
weiter entfernt vergraben zu werden.
Aguelhok ist nicht Damaskus oder Teheran.
Deshalb wird nichts darüber berichtet. Was
ich niederschreibe, ist unerträglich, ich weiß.
Ich versuche keineswegs, über Schockgefühle einen Film zu promoten. Jetzt, wo ich
davon weiß, muss ich in der Hoffnung darauf davon erzählen, dass nie wieder ein Kind
später erfahren muss, dass seine Eltern sterben mussten, weil sie sich liebten.

The Imitation Game
US/GB 2014, 114 min, Englisch OmU,
R: Morten Tyldum, B: Graham Moore,
K: Oscar Faura, S: William C. Goldenberg,
D: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley,
Matthew Goode, Charles Dance,
Mark Strong, Allen Leech

Ab Freitag, 23. Jänner
Zweiter-Weltkriegs-Thriller über den Mann,
dessen Rechenmaschine den sagenumwobenen Enigma-Code der Nazis knacken soll.
»Christopher« nennt Alan Turing seine
Wunderwaffe, die den Alliierten den Sieg
über Nazi-Deutschland bringen soll. Wenn
sie denn auch funktioniert. Es handelt sich

Wild Tales – Jeder Dreht mal durch!

nämlich um eine etwa zimmergroße, gänzlich unerprobte Rechenmaschine, mit deren
Hilfe der sagenumwobene Enigma-Code
des Feinds geknackt werden soll. Zeit ist
ein wesentlicher Faktor, da der Code alle 24
Stunden geändert wird. Also geht es einem
als Zuschauer ähnlich wie den Protagonisten im Film: Man ist zur Tatenlosigkeit verdammt, während sich die Zahnräder von
Christopher geradezu aufreizend langsam
drehen. Es ist eines der stärksten Bilder in
einem durch und durch starken Film, diese
klackernde Maschine, von der das Schicksal von Millionen abhängt – Sinnbild für ein
System, das über die Menschen entscheidet, ohne dass sie eingreifen könnten. Und
natürlich geht es auch für Mathe-Genie Alan
Turing ums Ganze, von dem überragenden
Benedict Cumberbatch als geradezu autistischer Sonderling gespielt, der sich in der
Welt der Zahlen deutlich wohler fühlt als
in der Gegenwart von Menschen, die ihn
als arrogant, unwirsch, abweisend empfinden. In THE IMITATION GAME geht es
nur vordergründig um den Enigma-Code,
den Michael Apted bereits vor 13 Jahren in
ENIGMA – DAS GEHEIMNIS in den Fokus
gerückt hatte, sondern vor allem um die
Geschichte Turings, der in seinem Leben
ein ähnliches Kunststück vollbringen muss
wie seine Maschine: Die muss das EnigmaChiffre imitieren, er muss nach außen etwas
Anderes vorgeben, als er wirklich ist. Denn
Turing ist homosexuell, was in Großbritannien damals schwer strafbar und triftiger
Anlass für soziale Ächtung, sofortige Entlassung und Inhaftierung war. Nach und nach
erst rückt der norwegische Filmemacher
Morten Tyldum (HEADHUNTERS) in seinem
internationalen Debüt mit dieser Information heraus. Wer die Codes lesen kann, weiß
aber schon früher, worum es dem Film eigentlich gehen könnte.
ÜBER DIE PRODUKTION
Alan Turings Geschichte hinterließ bei Regisseur, Produzenten, Cast und Crew einen
tiefen und bleibenden Eindruck. Benedict
Cumberbatch genoss jede Sekunde, die er
in den Schuhen dieser legendären Figur gehen konnte. »Der Dreh in Bletchley Park war
herausragend – einfach sich nur auf diesem
Gelände aufzuhalten und über die Wiesen
und unter den Bäumen gehen zu können,
die schon lange da waren, bevor es die Figuren in unserem Film gab und die es noch
lange nach uns geben wird. Es ist ein so
immens wichtiger Teil unserer Geschichte
und unserer geheimen Geschichte. Es gab
5

St. vincent

sicherlich den einen oder anderen Moment,
wo wir innehielten und uns dachten, dass es
irgendwie gespenstisch ist, was wir da gerade veranstalten.«

St. Vincent
US 2014, 103 min, Englisch OmU,
R/B: Theodore Melfi, K: John W. Lindley,
S: Sarah Flack, D: Bill Murray, Melissa
McCarthy, Naomi Watts, Chris O'Dowd,
Terrence Howard, Katharina Damm

Ab Freitag, 9. Jänner
Komödie über einen griesgrämigen Rentner und Kriegsveteranen, der sich mit dem
Nachbarjungen anfreundet.
Vincent, verwitweter Vietnamveteran im
Ruhestand, verbringt seine Tage mit seiner
Perserkatze, reichlich Whiskey, Glücksspiel
und der russischen Prostituierten Darka. Da
steht eines Tages die neue, alleinerziehende
Nachbarin Maggie vor seiner Tür. Sie bittet
ihn, auf ihren 12-jährigen Sohn Oliver aufzupassen und ihm bei den Hausaufgaben
zu helfen. Was der Rentner, um seinen ewig
klammen Geldbeutel etwas zu füllen, auch
widerwillig tut – auf seine ganz eigene Art,
Strip-Clubs und Pferderennbahn inklusive.
Spielfilmdebütant Theodore Melfi legt eine
witzige, kluge Dramödie vor, in der Bill Murray in der Titelrolle als »grumpy old man«
gewohnt souverän vom Leder zieht. Perfekt
aufgelegte Gegenspieler findet er in der angesagten Comedy-Queen Melissa McCarthy
und Naomi Watts als Hure mit Herz, eine
echte Entdeckung ist Jaeden Lieberher als
Schlüsselkind. Die Story ist im sorgsam gezeichneten US-Arbeitermilieu bestens verankert, die tristen Stadtlandschaften fängt
Kameramann John Lindley hervorragend ein.

Bill Murray hat mit Jim Jarmusch (BROKEN FLOWERS) und Sofia Coppola (LOST IN
TRANSLATION) gedreht und ist Stammgast
in den Filmen von Wes Anderson (MOONRISE KINGDOM). Doch so umwerfend, so
berührend und komisch wie in ST. VINCENT
war er vielleicht noch nie. Und auch die anderen Rollen sind großartig besetzt: Melissa
McCarthy (TAMMY) spielt endlich einmal
nicht die durchgeknallte Wuchtbrumme,
und Naomi Watts (DIANA) überrascht als
russische Stripperin mit Herz. Gute Komödien haben immer auch eine tragische
6

Höhere gewalt

Seite. Das ist bei ST. VINCENT nicht anders.
Doch in erster Linie besitzt Regisseur und
Drehbuchautor Ted Melfi […] ein wunderbares Gespür für Alltagskomik und trockenen
Humor. – cinema.de
Auf diesen Bill Murray haben seine Fans
gewartet! – Variety

Höhere Gewalt
Tourist
SE/DK/FR 2014, 120 min, diverse OmU,
R/B: Ruben Östlund, K: Frederik Wenzel,
S: Jacob Secher Schulsinger, Ruben Östlund, D: Johannes Bah Kuhnke, Lisa Loven
Kongsli, Kristofer Hivju, Clara Wettergren,
Vincent Wettergren, Fanni Metelius
Cannes 2014:
Jurypreis – Un Certain Regard

Ab Freitag, 23. Jänner
Wie verhält sich ein Mensch in Extremsituationen? Wie geht er mit Scham um? Um
diese existenziellen Fragen kreist Ruben
Östlunds neues, meisterlich inszeniertes
und von Schweden für den Auslandsoscar
eingereichtes Werk.
Eine junge schwedische Familie macht
Skiurlaub in den französischen Alpen. Die
Sonne scheint, die Pisten sind herrlich, das
Berg-Idyll perfekt. Doch plötzlich geschieht
beim Mittagessen auf der Terrasse des Restaurants die Katastrophe: Eine Lawine rast
mit voller Wucht auf sie zu. Panisch ergreift
Mutter Ebba die beiden Kinder – panisch ergreift Vater Tomas… die Flucht. Als sich der
Nebel legt, sind alle unversehrt. Das große
Unglück ist zwar ausgeblieben, doch zurück
bleibt der Schock über Tomas‘ Handeln. Die
Kinder streiken, die Ehe kriselt, und Tomas
muss schwer mit seiner mangelnden Courage und seiner angeschlagenen Männlichkeit kämpfen. Ruben Östlunds Film seziert
meisterhaft die Rollenbilder der modernen
Familie. Dabei schafft er es immer wieder,
mit trockenem nordischen Humor die Dramatik aufzubrechen und eine bissige Komödie zu inszenieren.
Angesiedelt zwischen einem subtilen, spannenden Familiendrama und einer schwarzsatirischen Komödie mit messerscharf
beobachteter Alltagspsychologie und einer
ganz eigenen bizarren Situationskomik erzählt der Film, wie schnell eine heile, kont-

Der Grosse trip – Wild

rollierte Familienidylle unter einer Lawine
aus Vorwürfen und Versagensängsten begraben werden kann. Dabei beschreibt Regisseur Ruben Östlund meisterhaft und mit
einer guten Portion trockenem Humor, wie
schwer die Protagonisten den gesellschaftlich festgelegten Rollenbildern und ihren
eigenen Erwartungen aneinander entfliehen können. Kritiker und Publikum feierten
den Film auf dem diesjährigen Filmfestival in Cannes und Ruben Östlund gewann
den Jurypreis in der renommierten Reihe
Un Certain Regard. Die genaue Beobachtungsgabe, gemischt mit einem raffinierten
schwarzen Humor, und seine faszinierende
Art der Bildinszenierung mit digitaler Kamera und anschließender Computerbearbeitung beeinflussten in den letzten Jahren viele
skandinavische Regisseure.

Von allen Satirikern unter den Filmschaffenden zeigt Östlund vielleicht die raffinierteste Art von schwarzem Humor. – Variety
Brillant und bitterböse [...] Östlund gelingt es, Humor und feine Beobachtungen
in diese Thematik einfließen zu lassen, die
dem Film aller Rigorosität zum Trotz eine
große Wärme und Sensibilität verleihen.
– Kino-zeit.de

Der groSSe Trip –
Wild
Wild
US 2014, 97 min, Englisch OmU,
R: Jean-Marc Vallée, B: Nick Hornby,
nach der Buchvorlage von Cheryl Strayed,
K: Yves Bélanger, S: Martin Pensa,
D: Reese Witherspoon, Laura Dern,
Gaby Hoffmann, Michiel Huisman,
Thomas Sadoski, Kevin Rankin
Ab Freitag, 16. Jänner
Jean-Marc Vallée schickt die in Hochform
agierende Reese Witherspoon nach Cheryl
Strayeds Bestseller auf einen beschwerlichen Selbstfindungstrip.
Nachdem sie sich Jahre ziellos hat treiben
lassen – eine überwundene Heroinsucht
und das Scheitern ihrer Ehe inklusive –,
will Cheryl Strayed ihr Leben wieder auf
die Reihe bekommen und trifft dazu einen
wagemutigen Entschluss. Geplagt von Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter und

Birdman

ohne einschlägige Erfahrung begibt sie sich
allein auf einen Extremmarsch. Drei Monate
lang kämpft sie sich fast 1800 Kilometer von
Südkalifornien über die schwierigen, teils
gefährlichen Höhenzüge des Pacific Crest
Trail bis in den Norden Oregons.
Vallée, der seit DALLAS BUYERS CLUB zu
den gefragten Regisseuren Hollywoods
zählt, beweist erneut ein gutes Auge für
seine Figuren. Seine Charaktere atmen Leben, sind vielschichtig und wissen zu überraschen. Gekonnt vermittelt er, wie seine
(Anti-)Heldin sich allmählich in der Natur
ein- und in ihr zurechtfindet. Perfekte, gleichermaßen raue wie poetische Bilder liefert
hierzu Yves Bélanger, die jedoch nie zum
Postkartenkitsch verkommen und vom
Soundtrack – unter anderem sind Simon
& Garfunkel und Leonard Cohen zu hören
– großartig gestützt werden. Der größte
Trumpf dieses etwas anderen Abenteuerfilms ist jedoch Oscar-Preisträgerin Reese
Witherspoon, die sich mutig in ihre heikle
Rolle stürzt und vor gewagten Sexszenen
ebenso wenig zurückschreckt, wie sich als
Junkie der Hässlichkeit preiszugeben.
STATEMENT DES DREHBUCHAUTORS
Eines der Dinge, die mir an dem Buch so
gut gefielen, war, dass es für jemanden wie
mich geschrieben ist: der Schock schlechthin, Cheryls Unvorbereitetsein, spricht die
von uns direkt an, die ihre ganze Zeit – ich
weigere mich, zu sagen, zu viel Zeit – damit verbringen, über Schreiben, Bücher,
Musik, Filme,… nachzudenken. So habe
ich hereingefunden. Einer der Gründe, warum das Buch so viele Leser anspricht, ist,
dass es kein Wanderbuch für Spezialisten
ist. Ich habe mir vorgestellt, wie sich JeanMarc und die Crew mit den gefährlichen
Abschnitten herumschlagen. Ich konnte mir
den Trail im Internet anschauen und ihn mir
in meinem Büro in Nord-London vorstellen.

Reese Witherspoons beste Darbietung
seit Jahren […] Eine wilde, wunderschöne
und bewegende Geschichte über Durchhaltevermögen und Selbstfindung. – Variety
Filmografie // Jean-Marc Vallée
(Regie, Auswahl)
1999 LOSER LOVE
2005 C.R.A.Z.Y.
2009 THE YOUNG VICTORIA
2011 CAFÉ DE FLORE
2013 DALLAS BUYERS CLUB
2014 DER GROSSE TRIP – WILD

The Cut

The Cut
DE/FR/PL 2014, 138 min, diverse OmU,
R: Fatih Akin, B: Fatih Akin, Mardik Martin,
K: Rainer Klausmann, S: Andrew Bird,
D: Tahar Rahim, Simon Abkarian, Makram
Khoury, Hindi Zahra, Kevork Malikyan,
Bartu Küçükçaglayan
Ab Freitag, 9. Jänner
Drama um einen Überlebenden des Völkermordes an den Armeniern und seine
Kontinente umspannende Suche nach seinen Töchtern.
1915. Der Armenier Nazaret ist ein angesehener Schmied. Mit Frau und Töchtern
lebt er glücklich in Mardin. Bis ihn türkische
Truppen nachts aus dem Haus zerren und
zum Straßenbau zwingen. Doch es kommt
schlimmer. Ihm und Mitgefangenen wird
die Kehle durchgeschnitten. Er überlebt,
kann flüchten und findet in einem Camp
in der Wüste nur noch Sterbende vor. Ein
Wohltäter bringt ihn nach Aleppo. Erst später erfährt er, dass seine Töchter überlebt
haben. Er sucht sie in Waisenhäusern und
stößt schließlich auf eine Spur der beiden,
die nach Kuba führt.
Fatih Akin nimmt im Abschluss seiner Trilogie LIEBE, TOD UND TEUFEL, zu der GEGEN
DIE WAND und AUF DER ANDEREN SEITE
gehören, den Völkermord der Türken an
den Armeniern als Ausgangspunkt für eine
Kontinente umspannende Odyssee. Er orientiert sich in seiner bis dato aufwändigsten
Arbeit an Western und großen AbenteuerEpen im Stil von Sergio Leone und David
Lean. Tahar Rahim aus EIN PROPHET spielt
die Hauptrolle und wird von einem großen,
internationalen Ensemble ergänzt.
Statement Des DrehbuchautorS
Eine Geschichte über die Überlebenden des
armenischen Genozids ist ein heikles Thema, und ich hatte nie gedacht, dass jemand
den Mut hat, sie zu erzählen. Fatih hatte
ihn. Er hat meinen Traum nicht nur wahr
werden lassen, er ging sogar weit darüber
hinaus. Als ich den Rohschnitt (mit einer
unglaublichen schauspielerischen Leistung
von Tahar Rahim) das erste Mal sah, war ich
überwaltigt. Alles an diesem Film scheint
perfekt. Ich kann nur hoffen, dass das Publikum ein Gespür für die damalige Zeit und
ein Gefühl für den Aufruhr bekommt, den
diese Ära hervorgerufen hat. Für mich, einen Armenier, ist dieser Film eine unglaubliche Abenteuergeschichte.

CitizenFour

THE CUT ist ein echtes Epos in einer
Tradition, an die sich heute niemand mehr
heranwagt. Fatih Akins sehr persönliche
Antwort auf ein tragisches Kapitel der Weltgeschichte ist von großer Intensität, Schönheit und beeindruckender Erhabenheit.
Dieser Film ist mir in vielerlei Hinsicht sehr
wertvoll. – Martin Scorsese

Citizenfour
DE/US 2014, 114 min, Englisch OmU,
R/K: Laura Poitras, S: Mathilde Bonnefoy,
Mit: Edward Snowden, Glenn Greenwald,
Ewen MacAskill, William Binney,
Jacob Appelbaum, Jeremy Scahill u.a.
International Documentary Association
Awards 2014: Bester Film

Ab Donnerstag, 1. Jänner
Doku-Thriller über Flucht und Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden.
Im Januar 2013 erhält die Filmemacherin
Laura Poitras verschlüsselte Emails von einem Unbekannten, der sich »Citizen Four«
nennt und Beweise für illegale verdeckte
Massenüberwachungsprogramme der NSA
und anderer Geheimdienste in Aussicht
stellt. Im Juni 2013 fliegen Laura Poitras und
die Journalisten Glenn Greenwald und Ewen
MacAskill nach Hongkong, um sich mit
dem Unbekannten zu treffen. Es ist Edward
Snowden. Entstanden ist so ein einmaliger
Dokumentar-Thriller, in dem sich die dramatischen Ereignisse Minute für Minute direkt
vor unseren Augen entfalten – die atemberaubend spannende Geschichte über den
waghalsigen Schritt eines jungen Whistleblowers, eindringlich, unbequem und von
großer politischer Sprengkraft.

CITIZENFOUR erweist sich nicht nur als
die Sensation, die so lange erwartet worden
war, sondern als eine noch größere. Denn
sensationell, und zwar ganz im Sinne des
Wortes, wäre der Film selbst ohne die an
seinem Ende platzierten Offenbarungen.
Das hier ist nicht die kühle, analytische Betrachtung eines Falles von Geheimnisverrat,
der die USA und die Welt seit anderthalb
Jahren beschäftigt. Der Film von Laura Poitras nimmt stattdessen aktiv Anteil an der
Tat von Edward Snowden und an seinem
Schicksal. Das ist die Bedingung seines Zustandekommens. – Süddeutsche Zeitung
7

Fräulein Julie

Schändung

Schändung

Fräulein Julie

Fasandraeberne

Miss Julie

DK/DE/SE 2014, 120 min, Dänisch OmU,
R: Mikkel Norgaard,
B: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg,
K: Eric Kress, S: Morten Egholm,
D: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares,
Pilou Asbæk, David Dencik, Danica Curcic,
Johanne Louise Schmidt

NO/GB/IE/FR 2014, 129 min,
Englisch OmU, R/B: Liv Ullmann, nach der
Buchvorlage von August Strindberg,
K: Mikhail Kritschman, S: M. Leszczylowski,
D: Jessica Chastain, Colin Farrell,
Samantha Morton, Nora McMenamy

Ab Freitag, 16. Jänner
Jussi Adler Olsen, Mikkel Nørgaard, Nikolaj
Lie Kaas und Fares Fares zum Zweiten –
diesmal wird in einem 20 Jahre zurückliegenden Doppelsexualmord ermittelt.
1994 werden zwei Geschwister brutal ermordet in einem Sommerhaus an der Küste aufgefunden. Der Verdacht fällt auf eine
Gruppe Schüler aus einem nahe gelegenen
Eliteinternat, die für ihre Gewaltorgien bekannt sind. Doch dann gesteht ein anderer
die Tat, und der Fall wird zu den Akten gelegt. Bis Carl Mørck 20 Jahre später von einem scheinbar verwirrten Mann auf offener
Straße angesprochen wird. Er gibt sich als
Vater der Opfer aus – und wird am nächsten Tag tot aufgefunden. Irgendetwas an
der Sache stimmt nicht, und so begibt sich
Mørck mit seinem Assistenten Assad auf
die Spur der Morde. In den Archiven stoßen
sie auf den panischen Notruf einer jungen
Frau, die mit dem Verbrechen in Verbindung
zu stehen scheint: Kimmie. Sie könnte der
Schlüssel zur Lösung sein, ist seit der Tat
aber spurlos verschwunden. Und schon
befinden sich Carl und Assad inmitten einer
atemlosen Jagd nach ihr, die sie nicht nur in
die Abgründe der Gesellschaft führt, sondern auch in deren höchsten Kreise. Denn
Kimmies Enthüllungen wären eine große
Gefahr für eine Reihe einflussreicher Männer – und die tun alles dafür, dass sie für
immer schweigt …
SCHÄNDUNG ist die – nach ERBARMEN
– zweite Verfilmung eines von Jussi AdlerOlsens Bestseller-Thrillern um Carl Mørck
und seinen Assistenten Assad. Darin begeben sich die beiden auf die Suche nach der
Wahrheit hinter einem vor Jahren begangenen Mord. Wie schon bei der vielgelobten
Verfilmung von ERBARMEN gelingt es Regisseur Mikkel Nørgaard auch mit SCHÄNDUNG wieder perfekt, den Zuschauer direkt
in die düstersten Abgründe der Geschichte
hineinzuführen und ihn mit der albtraumhaften Spannung zu fesseln, die die Thriller
von Jussi Adler-Olsen so besonders macht.
8

Ab Freitag, 23. Jänner
Irland, Ende des 19. Jahrhunderts. In einer lauen Mittsommernacht wird aus dem
anfänglichen Flirt zwischen dem adeligen
Fräulein Julie und dem weltgewandten Diener John ein gefährliches Spiel aus Verführung und Zurückweisung. Die eigenwillige
Julie ist von der Bildung und dem Charisma
Johns fasziniert. Sie spielt mit ihm und nutzt
ihre höhere Stellung aus, während John sich
insgeheim eine Verbesserung seines gesellschaftlichen Status verspricht. Allerdings
sind es gerade die strengen Klassenunterschiede als auch Johns misstrauische Verlobte Kathleen, die zwischen den beiden stehen. Dennoch können sie nicht voneinander
lassen bis ihr Liebesreigen schließlich eine
dramatische Wendung nimmt.Auch nach
mehr als hundert Jahren hat die stürmische
Liaison zwischen Herrin und Diener nichts
von ihrer Spannung und Relevanz eingebüßt.
AUS EINEM INTERVIEW MIT
regisseurIN LIV ULLMANN
Was verbindet Sie mit Strindbergs Theaterstück »Fräulein Julie«?
Das Stück hat immer zu mir gehört. Ich hatte gehofft, die Rolle auf der Bühne spielen zu
dürfen, als ich noch jünger war. Aber dazu
kam es nie. Als die Produzenten mich ansprachen, ging es noch darum, ob ich einen
Film zum Thema »Femme fatale« inszenieren möchte. Denselben Vorschlag hatten sie
auch einer französischen und einer spanischen Regisseurin unterbreitet. Ich dachte
sofort an »Fräulein Julie«, und sie fanden
die Idee wunderbar. Also begann ich mit der
Adaption und war sofort verliebt in das Projekt. Nicht nur wegen Strindbergs Sprache,
sondern auch wegen der Themen, die mir
persönlich sehr am Herzen liegen: gesehen
zu werden oder unsichtbar zu bleiben; sich
nach außen ganz anders zu geben, als man
wirklich ist; um seiner selbst willen geliebt
zu werden und nicht für das, was andere in
einem sehen; das Verhältnis zwischen den
Geschlechtern und die Dramen, die daraus
resultieren…

Österreich – Oben und Unten

Österreich –
Oben und unten
AT 2014, 99 min, OdF, R: Joseph Vilsmaier,
K: Rolf Greim, Jakob von Lenthe,
S: Maximilian Zandanel
Premiere: Freitag, 30. Jänner, 20.00,
City-Kino – mit Joseph Vilsmaier
und Hubert von Goisern
Österreich in seiner unendlichen Vielfalt. Joseph Vilsmaier zeigt uns die Alpenrepublik
von oben – ein gewaltiges Naturschauspiel,
ein wunderschöner Teil der Schöpfung –
und er zeigt uns Österreich von unten, steigt
ab in die Täler und entdeckt die Details eines dynamischen, modernen Landes, das
sich beständig entwickelt. Mit seinem erfahrenen Helikopterpiloten, Hans Ostler, gelingt es Joseph Vilsmaier imposante Bilder
zu komponieren. Aus einer Perspektive, aus
der man Österreich noch nicht gesehen hat.
Doch Vilsmaier begnügt sich nicht mit der
Kraft der Flugaufnahmen. Er rückt näher,
schafft Intimität: beim Almabtrieb, beim
Erzbergrodeo, beim Mittelalterfest in Friesach, den Salzburger Festspielen oder am
Sonnwendfeuer in der malerischen Kulturlandschaft der Wachau. Das Nebeneinander
von Landschaft, Tradition, technischer Innovation und pulsierendem Leben erschafft
ein anderes Österreich, ein Land wie neu
geschaffen, aus dem Blickwinkel des Künstlers. Große Emotionen, Passion für seine
Kunst und seine alpinen Wurzeln bringt der
Weltmusiker Hubert von Goisern ein. Als
Erzähler führt Michael Niavarani von Schauplatz zu Schauplatz.

Red Army
US/RU 2014, 76 min,
Englisch/Russisch OmU,
R/B: Gabe Polsky, K: Peter Zeitlinger,
Svetlana Cvetko, S: Eli Despres, K. Engfehr

Ab Freitag, 30. Jänner
Die Eishockey-Nationalmannschaft der Sowjetunion war seinerzeit eine der besten der
Welt. Sie bestand nahezu vollständig aus
Spielern von ZSKA, dem Eishockey-Klub
der Roten Armee. Von jung auf diszipliniert
und ausgezeichnet durch eine Spielweise,

Auf den Barockaden

bei der Teamwork und das »Funktionieren
im Kollektiv« im Mittelpunkt standen, galt
sie mitten im Kalten Krieg als Beweis für die
Überlegenheit des sozialistischen Systems.
Als Teil der Propaganda war es die einzige
Aufgabe des Teams, den Westen zu besiegen. Slawa Fetissow, der Kapitän, war einer
der Ersten, die im Zuge der Perestroika von
Vereinen der NHL mit dem Versprechen auf
Wohlstand und Freiheit in die USA geholt
wurden – ein Wechsel, für den er in der Heimat als politischer Feind deklariert wurde.
Doch der Neuanfang im Westen war steinig:
Die Spielweise der sowjetischen Athleten
schien im amerikanischen System der Stars
und Individualisten nicht zu funktionieren …
Der von Werner Herzog und Jerry Weintraub
koproduzierte Film spiegelt anhand der
Geschichte des sowjetischen EishockeyTeams die soziale, kulturelle und ideologische Entwicklung des Landes – von der
Nachkriegszeit über Gorbatschow bis hin
zu Putin und Sotschi – und beschreibt eindrucksvoll den Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus, Kollektivität und Individualität, der in allen Lebensbereichen zu
spüren war. Unumstrittener Mittelpunkt ist
die charismatische Eishockeylegende Slawa Fetissow, dessen unglaubliche Biografie
vom strahlenden Helden des Sports über
den geächteten Landesverräter bis hin zum
russischen Sportminister und engen Vertrauten Putins reicht. Mit intimen Interviews
und spektakulärem Archivmaterial lässt
Regisseur Gabe Polsky die Zeit des Kalten
Krieges wieder aufleben.

Auf den
Barockaden
AT 2014, 85 min, OdF, R/B/K: Doris Kittler,
S: AnnA, Doris Kittler
Premiere: Donnerstag, 15. Jänner,
19.00, Moviemento - in Anwesenheit
von Doris Kittler
AUF DEN BAROCKADEN zeigt das Wiener
Beispiel kreativen, lustvollen Widerstandes seitens der Bevölkerung gegen die
skrupellose Verbauung des grünen Barockparks Augarten.
Im sonst so gemütlichen Wien tobt eine
heftige Kontroverse: Der öffentliche, barocke Park Augarten soll mit einer privaten
Konzerthalle für die Wiener Sängerknaben

Casanova Variations

verbaut werden. Den Bürgerinnen und Bürgern reicht’s, und sie wehren sich: Mit irritierendem Humor und barocken Gelagen wird
auf skandalöse Vorgänge rund um Machenschaften zwischen Politik, Bauwirtschaft
und Männerbünden aufmerksam gemacht,
die sich skrupellos über die Bedürfnisse der
BürgerInnen hinwegsetzen und demokratische Prozesse sowie Gesetze wenig elegant
umschiffen. Dieser Film ist eine Zeitreise auf
die bizarre Bühne eines Wiener Grätzls, wo
sich ungewöhnliche Figuren zwischen kreativem Aktionismus und dem knallharten
Alltag eines Bürgerprotestes bewegen. Wir
erleben eine Geschichte, die in der allgemeinen Aufbruchsstimmung des neuen Jahrtausends exemplarisch für viele Proteste
auf der ganzen Welt steht.

Erheiternd, erhellend, couragiert.
– ORF-Kultur Heute
Das ist kein Film für Untertanen!
– Robert Menasse, Schriftsteller

Casanova
Variations
FR/AT/PT/DE 2014, 118 min,
Englisch OmU, R: Michael Sturminger,
B: Michael Sturminger, Markus Schleinzer,
K: André Szankowski, S: Evi Romen,
D: John Malkovich, Veronica Ferres,
Florian Boesch, Miah Persson,
Tracy Ann Obermann, Anna Prohaska
Ab Freitag, 23. Jänner
Im Film CASANOVA VARIATIONS erleben
wir im Jahr 2014 mit den Besuchern eines
alten Theaters im Süden Europas die Aufführung einer nach Wolfgang Amadeus
Mozart und Lorenzo Da Ponte konzipierten
Oper über den berühmten Lebenskünstler und Liebhaber Giacomo Casanova. Der
heute nicht minder berühmte John Malkovich steht an der Spitze eines Ensembles
aus SchauspielerInnen und SängerInnen.
Ein Orchester spielt auf Originalinstrumenten aus dem Barock, und die Arien und Ensembles aus »Don Giovanni« und »Le nozze
di Figaro« lassen Casanovas »Histoires de
ma vie« gegenwärtig werden.
Parallel dazu erleben wir in einem böhmischen Schloss Casanovas letzte Begegnung
mit einer Frau, der Dichterin Elisa van der

Fünf Freunde 4

Recke, deren Besuch ihn in vielerlei Hinsicht
noch einmal heftig zum Leben erweckt. Zuerst ist sie eine allein reisende Frau, gebildet
und attraktiv und damit ein Glücksfall, den
er in der Abgeschiedenheit seiner Existenz
als Bibliothekar auf einem abgelegenen
gräflichen Landsitz nie zu erleben gehofft
hätte. Darüber hinaus ist sie eine Gefahr,
weil sie als Verfasserin eines bekannten
Buches über den Abenteurer Cagliostro zu
Ruhm und Reichtum gekommen ist, während der von ihr porträtierte Hochstapler
nach dem Erscheinen ihres Buches ruiniert
und verarmt verstorben ist. Mit seiner in vielerlei Hinsicht mit Cagliostro vergleichbaren
Lebensgeschichte hat Giacomo Casanova
durchaus Grund, sich vor Elisa in Acht zu
nehmen. Elisas Interesse gilt immer deutlicher Casanovas tausende Seiten umfassenden Memoiren, und er begreift, dass seine
»Histoires de ma vie« beim Versuch, noch
einmal eine Frau zu verführen, als letztes
Ass im Ärmel dienen könnten... auch wenn
er seine Lebensgeschichte angeblich nur
geschrieben hat, um mit Hilfe der Erinnerung an vergangene Eroberungen seine
Manneskraft am Leben zu erhalten und
nicht an Langeweile zu sterben.

Fünf Freunde 4
DE 2015, 95 min, OdF, R: Mike Marzuk,
B: Peer Klehmet, Sebastian Wehlings,
Mike Marzuk, K: Philip Peschlow, S: Sandy
Saffeels, D: Valeria Eisenbart, Quirin Oettl,
Nele-Marie Nickel, Justus Schlingensiepen,
Samuel Finzi, Lucie Heinze

Ab Freitag, 30. Jänner
Diesen Sommer steht Geschichte auf dem
Programm: Bernhard, der Vater von Julian,
Dick und Anne, organisiert eine Ausstellung
zum alten Ägypten. Während einer Führung
ertappen George, Julian, Dick, Anne und
Timmy, der Hund, einen Einbrecher, der
sich an einer über 5000 Jahre alten Mumie
zu schaffen macht. Der Eindringling kann
fliehen, aber in der Mumie finden die fünf ein
Goldamulett, das einst »Tutalun I.« gehörte
– dem legendären, allerersten Pharao, dessen unbezahlbare Schätze verschollen sind.
Liefert das Amulett einen Hinweis darauf?
Gemeinsam mit Bernhard und seiner Kollegin Elena fliegen die Fünf Freunde nach Kairo, um ihren Fund dem Leiter des Instituts
9

Der Grosse trip – Wild

für Altertum, Farouk, zu übergeben. Doch
plötzlich verschwindet das Amulett, und
Bernhard wird verhaftet und des Diebstahls
bezichtigt. Für die Fünf Freunde ist klar: Sie
müssen den wahren Täter samt Amulett finden, um Bernhards Unschuld zu beweisen.
Gemeinsam mit dem Straßenjungen Auni
machen sie sich auf die Suche. Die Spur
führt sie schließlich mitten in die Wüste, wo
sie von einem Geheimbund in die Falle gelockt werden …

Südwind
Millions can walk
Do 15. Jänner, 19.00, Moviemento
Um ihr Recht auf würdige Existenz einzufordern begeben sich hunderttausende InderInnen auf einen 400 Kilometer langen
Protestmarsch von Gwalior nach Delhi.
Doch wie ist ein gewaltloser Kampf um die
eigenen Rechte möglich? Mit der Beantwortung dieser wichtigen Frage strahlt der
Film weit über die Grenzen Indiens hinaus.
Gezeigt werden unterschiedlichste Facetten
des riesigen Protestmarsches ohne die tägliche Realität dieser stolzen Menschen aus
den Augen zu verlieren.
Mehr zum entwicklungspolitischen
Engagement von Südwind unter:
www.suedwind-agentur.at/ooe

babykino

jeden ersten Mittwoch im Monat – City-Kino
Am 7. Jänner zeigen wir
Die Entdeckung
der unendlichkeit (9.30) /
Die Sprache des Herzens (10.00)
Ein Kinoangebot speziell für Eltern mit Babys und Kleinkindern. Sehen Sie aktuelle
Filmhighlights bei freiem Eintritt in speziellen Vorführungen, bei denen Sie Ihr Kleinkind getrost in den Kinosaal mitnehmen
können. Eintritt frei – für Eltern mit Babys!

10

Red Army

AK-Kultur

AK-Kultur & Moviemento haben für Filmfreund_innen eine Kooperation vereinbart.
Inhalt dieser Zusammenarbeit ist, dass einmal monatlich gemeinsam ein Film vorgeschlagen wird, für den AK-Mitglieder mit der
Leistungskarte oder der AK-plus-Card einen
ermäßigten Eintrittspreis von 6 Euro zahlen.
Für die jeweiligen Filme mit sozialem oder
politischem Hintergrund werden Einführungsreferate angeboten. Das Einführungsreferat für den Jänner-Film DIE SPRACHE
DES HERZENS hält der Linzer Filmwissenschafter Markus Vorauer am Fr 9. Jänner,
21.00, Moviemento.

Filmring
Das groSSe Heft
Mo 26. – Fr 30. Jänner, 17.30, City-Kino
Es ist Krieg. Der Vater ist einberufen, die
Mutter bringt die beiden dreizehnjährigen
Zwillingsbrüder zur Großmutter aufs Land.
Zwei Dinge schärft sie ihnen ein: immer weiter zu lernen und um jeden Preis zu überleben. Niemals zuvor hatten die Kinder ihre
Großmutter gesehen, die in einem kümmerlichen Gehöft an einem Waldstück nahe der
streng bewachten Grenze lebt. Das Leben
hier ist beschwerlich, die Kinder arbeiten
hart, bei jeder Kleinigkeit setzt es Schläge.
Im Dorf nennt man die Großmutter nur „die
Hexe“. Auch dort behandelt man die Kinder
nicht besser. Ihre Erlebnisse halten die beiden Kinder in einem Schreibheft fest.
www.filmring-linz.at

Augenblicke 2015
Mi 21. Jänner, 20.00, Moviemento
AUGENBLICKE – Kurzfilme im Kino ist seit
fünf Jahren kirchliche Kinoarbeit mit cineastischem Anspruch und offenem (Augen-)
Blick auf den Menschen. AUGENBLICKE,
das sind Filme junger Künstler, Beiträge von
Filmhochschulen, usw., die sich vom Mainstream der Filmlandschaft abheben.

Die Sprache des Herzens

OÖN Film des
Jahres 2014
Fr 16. Jänner, Moviemento
19.00 Film des Jahres Doku
21.00 Film des Jahres Spielfilm
Welcher Film ist der beste? Die OÖN-Filmredaktion hat 35 Spiel- und zehn Dokumentarfilme ausgesucht, aus denen Sie den jeweils
besten Streifen 2014 bestimmen können.
Das Moviemento zeigt am Freitag, 16. Jänner
die Gewinner in zwei Sondervorstellungen.
45 Werke haben die OÖNachrichten-Filmredaktion und die Kinos in Oberösterreich
für die Wahl zum besten Spielfilm und zur
besten Doku des Jahres 2014 nominiert. Die
35 Spielfilme und zehn Dokumentarfilme
haben es auf die Liste geschafft weil sie ihr
Publikum berühren konnten.
Auf nachrichten.at/filmwahl können Sie
bis 2. Jänner 2015, Vormittag, aus den 45
Werken ihre Favoriten wählen. Wer sich der
Qual der Wahl stellt, findet ein Gewinnspiel,
bei dem DVDs aus der OÖN-Edition vergeben werden.

Die Nacht der
Programmkinos
Fr 23. Jänner, ab 21.00, Moviemento,
Eintritt Frei
Programmkinos sind Orte der Begegnung,
der Auseinandersetzung und der Orientierung, und sie strukturieren das immer
größere werdende Filmangebot für ein
mündiges und waches Publikum aller Altersgruppen. An der nunmehr fünften
NACHT DER PROGRAMMKINOS werden
österreichweit 15 Kinos mitwirken. Premieren, Previews, Wiederaufführungen von
Filmklassikern, Kurzfilme und Diskussionsveranstaltungen laden die Zuschauer zu
einem abwechslungsreifen Streifzug durch
die Welt der Programmkinos ein.
Ein Fest des anspruchsvollen Films
bei freiem Eintritt.
Das detaillierte Programm finden Sie demnächst auf www.moviemento.at

PROGRAMM
KINO

#5

DIE NACHT DER
PROGRAMMKINOS

23. JÄNNER 2015
GRAZ KIZ ROYALKINO
INNSBRUCK CINEMATOGRAPH | LEOKINO
KLAGENFURT VOLKSKINO
LINZ MOVIEMENTO
SALZBURG DAS KINO
ST. PÖLTEN CINEMA PARADISO
WIEN DE FRANCE | FILMCASINO |
FILMHAUS KINO | GARTENBAU KINO |
STADTKINO | VOTIVKINO

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PREMIERE

Donnerstag, 19. Februar 2014, 19:30h
tribünelinz Theater am Südbahnhofmarkt
Eisenhandstraße 43 | 4020 Linz

www.tribuene-linz.at

TERMINE & INFOS & KARTEN

0699 11 399 844 | karten@tribuene-linz.at | www.tribuene-linz.at (ONLINE-DIREKT)

11

Moviemento & City-Kino
Jänner 2014

die spielzeiten und - orte entnehmen sie bitte
unserem Wochenprogramm, unserer homepage sowie der tagespresse

FilmBrunch

Filmstarts
aB Do 1. Jänner

aB Fr 23. Jänner

DIe Sprache
DeS herzenS omu

FräuleIn JulIe omu

Marie Heurtin
fr 2014, 98 min, r: Jean-pierre Améris
laufzeit: mindestens 3 Wochen

cITIzenFour

omu

Sonntags im Moviemento &
Gelben Krokodil

Miss Julie
no/gB/ie/fr 2014, 129 min, r: liv ullmann
laufzeit: mindestens 2 Wochen

höhere geWalT omu

de/us 2014, 114 min, r: laura poitras
laufzeit: mindestens 2 Wochen

turist
se/dk/fr 2014, 120 min, r: ruben östlund
laufzeit: mindestens 3 Wochen

aB Do 8. Jänner

The ImITaTIon game omu

WIlD TaleS – JeDer DrehT
mal Durch! omu

relatos Salvajes
Ar/es 2014, 122 min, r: damián szifrón
laufzeit: mindestens 3 Wochen

aB Fr 9. Jänner

aB Fr 30. Jänner

BIrDman oDer
(DIe unverhoFFTe machT
Der ahnungSloSIgkeIT) omu
us 2014, 120 min,
r: Alejandro gonzález iñárritu
laufzeit: mindestens 3 Wochen

Ich Seh Ich Seh odf

At 2014, 99 min,
r: veronika franz, severin fiala
laufzeit: mindestens 3 Wochen

reD army omu

ST. vIncenT omu

us 2014, 103 min, r: theodore melfi
laufzeit: mindestens 3 Wochen

The cuT

us/gB 2014, 114 min, r: morten tyldum
laufzeit: mindestens 3 Wochen

omu

us/ru 2014, 76 min, r: gabe polsky
laufzeit: mindestens 3 Wochen

öSTerreIch –
oBen unD unTen odf

de/fr/pl 2014, 138 min, r: fatih Akin
laufzeit: mindestens 3 Wochen

At 2014, 99 min, r: Joseph vilsmaier
laufzeit: mindestens 2 Wochen

aB Do 15. Jänner

premieren

auF Den BarockaDen

odf

At 2014, 85 min, r: doris kittler
laufzeit: mindestens 1 Woche

aB Fr 16. Jänner

Der groSSe TrIp – WIlD omu
us 2014, 97 min, r: Jean-marc vallée
laufzeit: mindestens 3 Wochen

SchänDung omu

Fasandraeberne
dk/de/se 2014, 120 min, r: mikkel norgaard
laufzeit: mindestens 3 Wochen

TImBukTu

omu

fr/mr 2014, 97 min, r: A. sissako
laufzeit: mindestens 3 Wochen

aB Fr 23. Jänner

caSanova varIaTIonS omu

fr/At/pt/de 2014, 118 min, r: m. sturminger
laufzeit: mindestens 1 Woche

so 4. Jänner
11.15
Die Sprache DeS herzenS
11.30
exoDuS – 2D
13.00 Die enTDeckunG
Der unenDlichkeiT
13.15
eine Taube...
so 11. Jänner
11.15
Die Sprache DeS herzenS
11.30
ST. VincenT
13.00 ich Seh ich Seh
13.15
WilD TaleS
so 18. Jänner
11.15
TimbukTu
11.30
Der GroSSe Trip
13.00 SchänDunG
13.15
WilD TaleS
so 25. Jänner
11.15
The imiTaTion Game
11.30
WinTerkarToffelknöDel
13.00 Der GroSSe Trip
13.15
höhere GeWalT
es stehen für den Brunch zwei termine
zur verfügung:
1. termin 10.00 - 11.15 uhr,
2. termin 11.45 - 13.00 uhr
tischreservierung im gelben krokodil
dringend empfohlen: 0732/784182

kinderkino
im City-Kino

Fr 9. Jänner, 20.00, MoVIeMenTo
ich Seh ich Seh

aB Fr 30. Jänner
fÜnf freunDe 4

mit dem regieteam

Do 15. Jänner, 19.00, MoVIeMenTo
auf Den barockaDen
mit der regisseurin doris kittler

Babykino
im City-Kino

mit dem regisseur und hubert von goisern

MI 7. Jänner
9.30 Die enTDeckunG Der
unenDlichkeiT
10.00 Die Sprache DeS herzenS

Specials

Filmgespräche

Fr 16. Jänner
oön film DeS JahreS 2014

Fr 2. Jänner, 21.00, MoVIeMenTo
eine Taube SiTzT auf einem zWeiG...

Fr 30. Jänner, 20.00, CITY-KIno
öSTerreich – oben unD unTen

im Moviemento

mit Markus Vorauer

mit der volkshochschule

MI 21. Jänner, 20.00, MoVIeMenTo
auGenblicke - kurzfilme im kino 2015
Fr 23. Jänner, aB 21.00
Die nachT Der proGrammkinoS

Fr 9. Jänner, 21.00, MoVIeMenTo
Die Sprache DeS herzenS
mit der Arbeiterkammer

Moviemento OK Platz 1, 4020 Linz, 0732/78 40 90
City-Kino Graben 30, 4020 Linz, 0732/77 60 81

www.moviemento.at

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