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Oswiata ìñ polnische Bildung in Deutschland Das Symposium zum Thema Ñ Zielsprache Polnisch im deutschsprachigen
Oswiata ìñ polnische Bildung in Deutschland Das Symposium zum Thema Ñ Zielsprache Polnisch im deutschsprachigen

Oswiataìñ polnische Bildung in Deutschland

Das Symposium zum Thema

ÑZielsprache Polnisch im deutschsprachigen Kontextì hatte im Herbst 1985 an der

Universit‰t in Gieflen in vier Gruppen getagt :

1. das Lehren der polnischen Sprache im schulischen System der BRD;

2. das Lehren der polnischen Sprache an der Universit‰ten;

3. das Lehren der polnischen Sprache im Bereich der Erwachsenenbildung;

4. didaktische Materialien zum Polnischunterricht in der BRD.

Der Zeitschrift ÑPrzegl d Polonijnyî[1], die durch die Polnische Akademie der

Wissenschaften herausgegeben wird, entnahm man, dass das Symposium ¸ber die

Problematik des Lehrens der polnischen Sprache an den polnischen und deutschen Universit‰ten hinausging, bis hin zu den allgemein unterschiedlichen Lehrformen von der polnischen Sprache und Kultur in Deutschland. Der Veranstalter des Symposiums Prof. Hans-Eberhard Piepko hat die Teilnehmer auf das Thema: ÑLehren der polnischen Sprache auflerhalb des schulischen System im Rahmen der polnischen Bildung in der BRDì nicht aufmerksam gemacht. Auf diesen Mangel verwies auch der damalige Berichterstatter erw‰hnter Zeitschrift Dozent Dr., heute Prof. Wladyslaw Miodunka von der Universit‰t in Krakau nicht.

Zur damaliger Zeit existierte in Deutschland keine organisierte Form der polnischen Bildung ,aufler des Unterrichts f¸r Diplomatenkinder. Erst drei Jahre sp‰ter, im August 1988, hat die schulische Behˆrde von West-Berlin dem Polnischen Schulverein ÑOswiataì in Berlin e.V. kostenlos die R‰ume der Paul-Simmel-Schule zur Verf¸gung gestellt, mit dem Ziel : Polnisch als Muttersprache ( MU-Polnisch) zu unterrichten[2.]. Der Polnische Schulverein ÑOswiataì in Frankfurt am Main e.V., der dasselbe Ziel verfolgte, bekam erst im Juni 1993 die Erlaubnis, die R‰ume der Georg-

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August-Zinn-Schule zu benutzen [3.]. In verschiedenen Gemeinden der Polnischen

Katholischen Mission in Deutschland wurde zu dieser Zeit Religionsunterricht in

polnischer Umgangssprache gef¸hrt, die Kinder dem Familienkreis entnahmen.

Diese entsprach nicht dem weit geforderten und postulierten Lehren von

Hochpolnisch. Der Unterschied fiel besonders den Priestern und P‰dagogen, die den

Religionsunterricht f¸hrten, auf. Sie waren diejenigen, die diesen Mangel am

Seminar in Carlsberg im September 1996 zum Ausdruck brachten. Der Veranstalter

des Seminars, gleichzeitig auch der Herausgeber der Zeitschrift ÑNasze Slowoì,

Pfarrer Franciszek Mrowiec, betonte in derselben die Notwendigkeit des

systematischen , methodischen Lehrens der polnischen Hochsprache[4.]. Das

Gremium stellte sich zum Ziel, die Eltern vom Erhalt der polnischen Schule

(sogenannten ÑSonntagsschulenì), in der die Kinder Religion sowie polnische

Gedichte und Landeskunde in ihrer Muttersprache lernen, zu ¸berzeugen. Die

geringe Unterst¸tzung der kirchlichen ÑSonntagsschulenì ist auf mangelnde soziale

Akzeptanz zur¸ckzuf¸hren. Der Grund solches Verhaltens ist den katholischen

Priestern und P‰dagogen nicht wichtig, sie rufen eher zur Aufkl‰rungsarbeit der

polnischen Minderheit auf. An diesem Beispiel wird deutlich, wie stark das

postkommunistische Denken in den Kˆpfen verankert ist und der ‹bergang von

totalit‰rer zur demokratischer Wirklichkeit erschwert wird, aber wie sich zeigt, doch

stattfindet.

Die ÑSonntagsschulenì, die durch und innerhalb der polnischen katholischen

Gemeinden existieren, kˆnnen aufgrund unterschiedlicher Auffassung gelobt oder

getadelt werden, bzw. ganz nicht anerkannt werden ñ wie es auch die kirchliche

Zeitschrift zugibt.Von Pfarrer Mrowiec mehrfach unternommene Versuche finanzielle

Hilfe von der deutscher Seite f¸r die kulturellen und sozialen Aktivit‰ten des

Katholischen Zentrums, das er selbst zu diesem Zwecke ins Leben gerufen hatte,

brachten keine Resultate. Die T‰tigkeiten der Katholischen Mission, die manche

¸bertrieben f¸r Ñpolnische Bildungì halten, wird von deutschen Behˆrden nicht als

auflerschulische Bildung anerkannt. Es w‰re auch zu viel, dies als Ñpolnische

Bildungì zu bezeichnen.

Um das Postulat der Eltern, die polnische Sprache an deutschen Schulen

unterrichten zu lassen, zu realisieren , m¸ssten sich die kirchlichen Gemeinden auf gemeinsame Ziel einigen, den Unterricht in ˆffentlichen Bildungseinrichtungen der

BRD doch realisieren zu lassen. Dieses wird schon in Bremen und im Nordrhein ñ Westfalen praktiziert. Der Polnischunterricht sollte in entsprechenden Einrichtungen stattfinden, was schon im Deutsch ñ Polnischen Vertrag von 1991 garantiert ist.

Artikel 20.2. sagt : Ñ

den Angehˆrigen der in Artikel 20 Absatz 1 genannten, Gruppen (

Mˆglichkeiten f¸r den Unterricht ihrer, Muttersprache oder in ihrer Muttersprache

in ˆffentlichen, Bildungseinrichtungen (

sich bem¸hen,

Die

Vertragsparteien werden insbesondere(

)

zu gew‰hrleistenì[5.].

)

) entsprechende

In dem Briefwechsel zum Vertrag ¸ber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit hat di Regierung der BRD erkl‰rt, Ñdass sie sich bem¸ht, die Mˆglichkeiten zu schaffen, damit auch die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Personen, die polnischer Abstammung sind oder die sich zur polnischer Sprache, Kultur oder Tradition bekennen und die durch die Bestimmungen des

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Artikel 20 Absatz 1 nicht erfasst werden weitgehend in den Genuss der in Artikel 20

genannten Rechte und in Artikel 20 genannten Mˆglichkeiten kommen kˆnnenì [6.].

In Groflbritannien, mit der Polen kein Freundschaftsvertrag abgeschlossen hat, f¸hrt

seit 1953 t‰tige karitative Organisation ÑPolska Macierz Szkolnaì in vielen Schulen

folgende Aktivit‰ten aus:

- lehrt die polnische Sprache und Literatur,

- gibt polnische Schulb¸cher und Zeitschriften heraus,

- organisiert Seminare f¸r Lehrer und Jugendliche, die dem Polnischunterricht

gewidmet sind,

- veranstaltet literarische und kulturelle Treffen der Polen im englischen Exil,

- arbeitet mit der Londoner Universit‰t zusammen.

Mit diesen Ergebnissen kˆnnen sich die polnische Schulvereine leider nicht messen.

Ihre T‰tigkeit ist von der staatlicher Seite nicht so unterst¸tzt, wie es in dem

Freundschaftsvertrag vom 17. 6. 1991 zugesagt wurde [7.].

Das Model des so in Berlin wie in Frankfurt bestimmten Polnischunterrichts, das an

ˆffentlichen Schulen stattfindet, aber zum

gerechnet wird, findet unterschiedlichen Widerhall.

auflerschulischen System in der BRD

Diesem Modell verdankt der Polnische Schulverein seine Unabh‰ngigkeit im Bezug

auf die Vermittlung von Inhalten des Unterrichts und in der Auswahl der

p‰dagogischen Kr‰fte. Volle Anerkennung findet das Modell von Seite der Eltern, die

f¸r ihre Kinder bessere Verh‰ltnisse f¸r den muttersprachlichen Unterricht fordern.

Sie erstreben auf diese Weise den Ausgleich mit anderen ethnischen Gruppen in

Deutschland (T¸rken, Jugoslawen, Marokkaner), deren Kinder am

muttersprachlichen Unterricht nachmittags in ˆffentlichen Schulen teilnehmen

kˆnnen. Dieser Regelung stehen einige Pfarrer entgegen, weil sie dadurch enorme

Abnahme des Interesse an ihrem Religionsunterricht in Polnisch bef¸rchten.

Das bremische Modell des muttersprachlichen Unterrichts ist in Augen des Vereins

ÑOswiataì inakzeptabel, weil der Verein und die Eltern das Recht zur Mitbestimmung

und Mitentscheidung ¸ber die Zukunft der polnischen Sprache, Bildung und Kultur

in der BRD wahrnehmen wollen. Die polnische Minderheit in Deutschland mˆchte allein ihr polnisches Dasein definieren und die Unterrichtsgestaltung in die H‰nde

deutscher Beamten nicht abgeben [8.]. Zur Bildung gehˆrt neben der Edukation der Kinder auch Erwachsenenbildung, die politische Bildung und das Bewusstmachen

von Rechten.

Berlin realisiert zum Teil diese Aufgabe Polnischer Sozialrat e.V.,in Frankfurt am Main ¸bernimmt Polnisches Kulturzentrum e.V. die Aufgabe [9.].

Dieses ist auch in den Satzungen beider Vereine niedergeschrieben. In

Die Gesellschaft f¸r Volksbildung (ÑTowarzystwo Oúwiaty Ludowejì) in Posen, die bereits 1872 in Groflpreuflen arbeitete [10.], hatte zum Ziel: die Gr¸ndung der polnischen Bibliotheken und Leses‰le, die F¸hrung mehrerer sozialer Beratungsstellen sowie verschiedener sozial-kultureller Arbeitskreise. Zudem bem¸hte man sich um bessere Vorbedingungen f¸r die Entstehung anderer polnischen Organisationen und Vereine. Wie festzustellen ist, gehˆren diese Ziele nicht nur der Vergangenheit an, weil auch 120 Jahre sp‰ter in Frankfurt am Main gegr¸ndeter Polnischer Schulverein ÑOswiataì sie befolgt, und f¸hrt z.B.

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Psychosoziale Beratungsstelle f¸r polnischsprachiger Mitb¸rger (leider: ohne Lokal,

ehrenamtlich, durch Telefon ).

Folgerichtig wurden vor Jahren bei der Stadt Frankfurt und der Hessischen

Landesregierung entsprechende Antr‰ge gestellt [11.]. Ihre Realisierung h‰ngt u.a.

auch von der Unterst¸tzung

der polnischer Seite ab.

Um die Fˆrderung des Polnischunterrichts in Deutschland begleiten zu kˆnnen, will

Polnischer Schulverein ÑOswiataì in Frankfurt am Main ein Koordinierungsb¸ro

gr¸nden, das die Fˆrderung des Polnischunterrichts in Deutschland durch

Maflnahmen der Lehrerprogramme und Lehrbuchentwicklung begleiten soll sowie

als Ansprechpartner f¸r alle polnischst‰mmigen Personen, ihre Organisationen und

Vereinigungen sein soll, die an der Haltung und Pflege der polnischen Sprache und

Kultur Interesse haben.

Dieses Vorhaben wurde schon der St‰ndigen Konferenz der Kultusminister der

L‰nder und dem Bundesministerium des Innern angek¸ndigt. Polnische Vertretung

in Deutschland, die bis jetzt das bremische Modell und Projekt: MU-Polnisch im

Lande RDW unterst¸tzt hat, kˆnnte auch mehr Aufmerksamkeit dem

auflerschulischen (de iure), an den Schulen (de facto) Projekt: MU-Polnisch in

polnischer Obhut, achten.

Stefan Kosiewski

1. Bericht von W˘adys˘aw Miodunka: Nauczanie jÍzyka polskiego w úrodowiskach

NiemieckojÍzycznych, ÑPrzegl d Polonijnyî 1986. 2(40) S. 91-93.

2. Vgl. dazu auch: Christoph von Marschall: In der Sprache der Eltern. Vor 100

Jahren gr¸ndeten zugewanderte Polen den Schulverein ÑOúwiataî. Auch heute

dr¸cken junge Berliner nachmittags die Schulbank, um Muttersprache fehlerfrei zu

beherrschen: ÑDer Tagesspiegelì. Nr. 15 (752). Berlin 21 September 1966. S. 11.; JÍzyk

Polski we Frankfurcie, ÑTygodnik Polskiì. Nr. 13(13) [Mannheim] 15.-21-Juli 1996.S.

13.

3. Vgl. dazu: Gespielt wird in Deutsch, aber gestritten viel lieber in Polnisch. Der

Schulverein ÑOswiataì hilft den Kindern polnischer Eltern dabei, ihre Muttersprache in der neuen Heimat zu bewahren. ÑFrankfurter Rundschauì 31. Oktober 1996.

4. Bericht von Pfr. Stanis˘aw Stawny: ÑPielÍgnowanie ojczystych wartoúci

kulturowych, ÑNasze S˘owoî [W¸rzburg] 1996. Nr 22. S. 18-19.

5. Die deutsch-polnischen Vertr‰ge vom 14.11.1990 und 17.6.1991. Traktaty polsko-

niemieckie z 14.11.1990 r. i 17.6.1991 r. Herausgeber: Ausw‰rtiges Amt und Bundesministerium des Innern in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Bundesrepublik Polen. Ohne Ort und Datum .S. 50.

6. Ebd. 70.

7. Vgl. dazu: Aleksandra TrzcieliÒska-Polus: MÛdl siÍ i nie ha˘asuj. Polacy we

Frankfurcie nad Menem maj swoje problemy, ÑTrybuna Opolskaî. Nr. 6(705) 7-13.

Febr. 1997. S. 8.

8. Bericht von: Wojciech Zaborowski: JÍzyk i szko˘y to nie wszystko. WokÛ˘ oúwiaty

polonijnej, ÑSamo Zycieî [Ahlen] . Nr 5(45) . 1-31. Mai 1999.S. 3.

9. Vgl. dazu: Polnischer Verein kritisiert Ansammlungsverbot. ìDiskriminierung

der polnischen Minderheitì /Beratungsstelle gefordert. ÑFrankfurter Allgemeine

Zeitungì . 31. Dez. 1996. S. 42.

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