Léon Wurmser (1993): Das Rätsel des Masochismus – frei zusammengefasst von Christof Wahner

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K.K. Novick & J. Novick bringen eine allgemeine, funktionale Definition: "Masochismus ist das aktive Verfolgen von psychischem oder physischem Schmerz, Leiden oder Erniedrigung zum Zweck der Anpassung, Abwehr oder Triebbefriedigung." Dagegen ist klinischer Masochismus das unbewusste Bedürfnis, Leiden, Schmerz und Erniedrigung zu suchen und die Chancen auf eigenen Erfolg zu sabotieren, in der Hoffnung, auf diese Weise Mitleid & Aufmerksamkeit (verzerrte, minderwertige Formen von Liebe & Respekt) zu erreichen. [S. 38] Masochistische Pathologie entsteht durch den Zwang, Lust, Zufriedenheit, Glück und Erfolg nur für den furchtbaren Preis von Leiden erkaufen zu dürfen, während "normaler" Masochismus aus bewussten, rationalen Gründen Schmerz in Kauf nimmt, um damit einen höheren Zweck (v.a. Liebe & Respekt) zu verfolgen. Die 4 Arten von Masochismus bilden generell miteinander einen Komplex, treten individuell aber in verschiedener Gewichtung auf [S. 41]: - Beziehungsmasochismus (äußerer Masochismus): Opfertum, Selbsterniedrigung, Suche nach quälenden Partnern & Lebensumständen, Sklavenmentalität - moralischer Masochismus (innerer Masochismus): Schmerzens- und Leidenssucht, Gewissenszwang, mystische Erfahrung von Erlösung durch Leiden - sexueller Masochismus: sexuelle Befriedigung gekoppelt an symbolische oder tatsächliche Qual & Erniedrigung - narzisstische Fassade: nach außen umgestülpter Masochismus in Form von Grausamkeit & Selbstsucht, in wahnhaften Wunschphantasien wie z.B.: "Leg deine Liebe auf den Boden, so dass ich darauf gehen kann und dass sie mich wie mit Messern durchdringt." [S. 144] "Über-Ich-Pathologie" (moralischer Masochismus) kommt logisch betrachtet vor der "Objektbeziehungs-Pathologie" (Beziehungsmasochismus). R. Stoller 1991: Perversion ist ganz allgemein "die erotische Form von Hass". Ebenso pervers ist die Erotisierung von Macht/ Gewalt bzw. Ohnmacht/ Fügsamkeit. Masochisten fürchten sich vor ihrer eigenen Macht, einschließlich der Macht ihrer Gefühle, Bedürfnisse, Motive, Phantasien, etc. Nach A. Cooper 1991 ist der Kern masochistischer Perversion: zum passiven, manipulierten, toten, verformten Gegenstand einer übelgesonnenen Person zu werden, ... und zwar mit der Absicht, auf diese paradoxe Weise der Angst vor kindlicher Passivität & Hilflosigkeit zu entgehen. Überzeugung "Nur wenn ich als Opfer ausgeliefert und verurteilt werde, und nur wenn ich mich geschlagen gebe, kann ich geliebt werden und Lust erleben." Durch "Selbst-Kastration" in diverser Hinsicht wird das Ideal der emotionalen Unantastbarkeit & Unverwundbarkeit und das Verbot von Liebe & Trauer praktiziert. Nach Kernberg 1991 wird Liebe dabei in den Dienst von Aggression, namentlich von Entwertung gestellt. A. Cooper 1988 fasste S. Freud's Thesen über Masochismus zusammen: 1. Masochismus basiert auf übermäßiger Stimulation von Lust & Schmerz. 2. Sadismus ist der primäre Impuls, der unter bestimmten Umständen gegen das Selbst gewendet wird. 3. Masochismus ist eine wesentliche Komponente im Todestrieb. 4. Masochistisches Strafbedürfnis rührt von übermäßiger Strenge des Über-Ichs. 5. Für Masochisten ist Leiden die Bedingung für Lust, aber nicht ihre Quelle. 6. Es gibt einen Masochismus, der sich auf tendenziell weibliche Eigenschaften (Passivität bzw. Reaktivität, Schmerztoleranz etc.) bezieht. Dieser Masochismus ist jedoch eher als Karikatur von Weiblichkeit zu betrachten. Loewenstein 1957: Die masochistischen Perversionen sind modifizierte Wiederholungen von Kindheitssituationen und -szenen, in denen sexuelle Phantasien, erotische Spiele oder indirekte sexuelle Annäherungsversuche an verbotene Objekte (v.a. an die Mutter) auf Missbilligung und Ablehnung gestoßen sind. Die "Verführung des Angreifers", die sich bei allen Kindern finden lässt, enthält bereits die Elemente von späterem, wirklich masochistischem Verhalten:

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das Aufsuchen von Situationen, die Gefahr, Angst, und Unlust hervorrufen, und ihre Milderung durch eine liebevolle, erotische Komplizenschaft mit der bedrohenden Person, deren Zuwendung durch Leiden erkauft wird. Oft ist es dabei sogar egal, ob die Zuwendung positiver oder negativer Natur ist. Masochisten verleugnen ihre Triebbedürfnisse, indem sie die Wichtigkeit ihrer Objektbindungen überbetonen. Entsprechend gilt für Sadisten das Gegenteil. Sowohl beim sexuellen als auch beim moralischen Masochismus ist das eigene Begehren zu schwach und durch das Über-Ich blockiert, so dass äußerer Zwang erforderlich ist. In diesem Kontext lautet das Motto "Lieber Polizist, hilf mir die Kontrolle zu verlieren und mach mich zu einem Verbrecher!" S. 60: In den "Studien über Hysterie" spricht S. Freud vom "Gegenwillen" in Form von "Besessenheit", die die Absichten der bewussten Persönlichkeit durchkreuzt. F. Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches): "Es gibt einen Trotz gegen sich selbst, zu dessen Äußerungen manche Formen der Askese gehören. Gewisse Menschen haben nämlich ein so hohes Bedürfnis, ihre Gewalt und Herrschsucht auszuüben, dass sie – in Ermangelung anderer Objekte oder weil es ihnen sonst immer misslungen ist – endlich darauf verfallen, gewisse Teile ihres eigenen Wesens ... zu tyrannisieren." B. Berliner 1947: "In der Geschichte jedes masochistischen Patienten finden wir eine unglückliche Kindheit, oft zu einem derart extremen Grad, dass wir uns fragen müssen, inwiefern die Entwicklung eines masochistischen Charakters einen Schutz gegen eine schizophrene oder depressive Psychose darstellte." Laut L. Shengold wird der Erlebniskreis überwältigender Überstimulation durch eine Traumatisierung als verzehrend, verschlingend, kannibalistisch erlebt. J. Chassegnet-Smirgel erachtet es bei Trauma-Patienten als sinnvoll, wenn sie die narzisstische Wunde, die nicht beseitigt werden kann, umwandeln in sexuelle Erregung, die entladen werden kann, wobei die Selbstachtung durch die begleitenden Phantasien von Rache, Hass und Selbstbehauptung geschützt wird. Pathologischer Masochismus ist durchgängig kausal verknüpft mit schwerer Traumatisierung im Sinne von "lieber mit Schmerzen leben als das Objekt verlieren". Teufelskreis der Trennung von primären Bezugspersonen in der masochistischen Dynamik [S. 88]: Trennung → Schuldgefühl, Angst vor Strafe i.w.S. → Suche nach Liebe & Nähe → Selbstaufgabe → Selbstverlust → Scham → Distanzierung → Trennung Francis Bronček erwähnt als Quellen des Schamgefühls: 1. Erlebnisse eigener Wirkungslosigkeit; v.a. beim Versuch, gegenseitig befriedigende Intersubjektivität und gemeinsames Bewusstsein zu entwickeln 2. Selbstobjektivierung und Selbstentfremdung (primäre Dissoziation), indem man den eigenen Status als Subjekt ignoriert, missachtet und verleugnet Entscheidend für diese Vergegenständlichung ist die Verleugnung der Individualität unter einem unmenschlich überhöhten Pflichtbewusstsein. 3. episodische oder chronische Erfahrung, von primären Bezugspersonen ungeliebt, verworfen zu sein oder als Sündenbock behandelt zu werden W. Grossmann 1991: Traumatisierung beeinträchtigt oft die Phantasiefähigkeit und führt dazu, dass die Umwandlung der traumatischen Erfahrung durch produktive seelische Tätigkeit versagt. Stattdessen etablieren sich Situationswiederholungen und Besessenheit durch Bilder, die das traumatische Erleben gleichzeitig wiederholen und ungeschehen zu machen suchen. Zusätzlich oder ersatzweise können Hemmungen, Vermeidungen und Rückzug als Versuche dienen, schmerzhaften Wiederholungen eines traumatischen Zustands zu entgehen. Das Gewissen vertritt zwei widerstrebende Pfeiler der moralischen Bewertung bzw. des Rechtsgefühls: Gerechtigkeit → Unterordnung als Mitglied der Gemeinschaft → zum Schutz fremder Grenzen & Bedürfnisse Verletzung dieses Grundwertes bewirkt Schuld. präventive Umkehrung durch Ressentiments Ehre → Selbstbehauptung und Selbstbestätigung → zum Schutz eigener Grenzen & Bedürfnisse Verletzung dieses Grundwertes bewirkt Scham*. präventive Umkehrung durch Verachtung/ Spott

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* meist auch Ressentiments & Rachsucht, um das bedrängende Gefühl von Hilflosigkeit zu kompensieren masochistische Schuld: sich überhaupt selbst durchsetzen zu wollen, sich zu trauen Nein zu sagen und Widerstand zu leisten masochistische Scham: kein Selbst zu haben, Opfer von einem Seelenmord und somit "seelenblind" zu sein L. Shengold: Seelenmord = der absichtliche Versuch, die besondere Identität eines anderen Menschen auszulöschen oder zu kompromittieren ... und das Opfer der Fähigkeit zu berauben, Freude und Liebe als getrennte Person zu empfinden Der masochistische Schuld- und Scham-Komplex bewirkt, dass sich auch und gerade eine Psychotherapie an sich zur masochistischen Situation entwickelt. Die narzisstische Phantasiewelt von Grenzüberschreitung in allen Facetten ist eine "Anti-Scham-Strategie", ein überwältigend strenges Über-Ich zu kompensieren. Dazu gehört z.B. auch die Vorstellung bzw. der Wunsch, gleichzeitig beiden Geschlechtern anzugehören. B. Berliner 1947 zeigt Gründe auf, weshalb der masochistische Charakter so resistent ist: - das Bedürfnis von einem frustrierenden Liebesobjekt geliebt zu werden - der Drang, dieses Objekt heimlich zu bestrafen Diese magische Denkfigur sabotiert jede Realitätsprüfung und macht auf diese Weise den pathologischen Masochismus so schwer zugänglich. Spaltung im Wirklichkeitserleben (Verdoppelung der Realität) führt zur Spaltung von Selbst und Welt mit dramatischen Folgen wie z.B. Glaubwürdigkeitskonflikten. - wahrgenommene Wirklichkeit, vom Ich bestätigte Wahrheit - Realität, die entweder das Trauma verleugnet oder eine von einem totalitären Über-Ich geforderte Wirklichkeit darstellt Dissoziation = Spaltung von handelnden Ich-Anteilen und beobachtenden Ich-Anteilen → Depersonalisation → Doppelleben (innerer Kampf, Dualismus) zwischen Triumph Zarathustra (Figur) Odysseus-Mythos (Selbstbehauptung) Begehren (rebellisch, provokativ, rücksichtslos, kriminell) verlockender, grenzenloser (narzisstischer) Phantasiewelt mörderischem Anti-Scham-Selbst Wahlfreiheit in jeder Hinsicht Ausübung des eigenen Willens vgl. Léon Wurmser <Die zerbrochene Wirklichkeit> (Buch) versus Tragödie versus Friedrich Nietzsche (Verfasser) versus Christus-Mythos (Selbstenthauptung) versus Verbot (brav, gehorsam, kleinlaut, bescheiden) versus kerkerhafter, verabscheuenswürdiger (sadomasochistischer) Praxis versus leicht einzuschüchterndem Scham-Selbst versus Hörigkeit gegenüber äußeren Einflüssen, Suche nach Fremdbestimmung versus Zwanghaftigkeit der masochistischen Bindung

eigentlichen Emotionen, dem Gefühl innerer Echtheit in Lust & Schmerz versus äußerer Anpassung, dem Zwang "zu tun, was getan werden muss"

sich in der Phantasie mehr erlauben als man in der Realität haben könnte versus sich in der Realität mehr verbieten als man für sich beanspruchen dürfte

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K.K. Novick & J. Novick: Die klassische Ansicht ist, dass das Versagen der Allmacht das Kind dazu zwingt, sich der Wirklichkeit zuzuwenden. Unsere Ansicht ist hingegen, dass das Versagen der Wirklichkeit das Kind dazu zwingt, sich Allmachtsphantasien zuzuwenden. Wirklichkeit entsteht durch Entsprechung & Eingestimmtheit (attunement) zwischen den Signalen des Kindes und den Antworten der Pflegeperson. Effiziente Arbeit an den Dreh- und Angelpunkten des Masochismus und deren Durcharbeitung auf jeder Ebene erfordert unbedingt, dass der Faden der Allmachtsphantasien bis zu ihren Wurzeln verfolgt wird und der Patient ein Alternativsystem der Befriedigung durch kompetente Interaktion entwickelt. Der Wahn destruktiver Allmacht dient gleichzeitig zur Abwehr gegen Gefühl hilfloser Wut & Demütigung und als pathologische Quelle von Selbstgefühl. Dichtkunst lebt in der Macht der Metaphorik. Deutungskunst wirkt durch die Metaphorik. Übertragung selbst ist eine Art Metaphorik. [S. 93] Alle 3 Wege von Metaphorik nützen im Sinne einer schöpferisch-therapeutischen Ich-Spaltung, um aus dem "masochistischen Karrussel" auszusteigen. Nach S. Freud verläuft der therapeutische Prozess in folgender Weise: Deutung → Einsicht → Durcharbeiten → Verändern Johannes Cremerius kehrte diese Logik häufig produktiv um: Verändern → Durcharbeiten → Deutung → Einsicht A. Tschechow: "Wenn schon kurieren, dann nicht die Krankheiten, sondern ihre Ursachen. ... Die Hauptsache ist, das Leben umzugestalten. Alles übrige ist unnütz." Der Erfolgsfaktor bei hartnäckigen Neurosen ist die Arbeit an Gewissenskonflikten nach dem Motto "Erkunden statt Beurteilen" (exploring instead of judging). Komplexe Kompromissbildungen werden meistens leicht als "persönliche Defizite" interpretiert und aus dem situativen Zusammenhang heraus gerissen, so dass solcherlei Verurteilungen sehr bald einen wesentlichen Teil der masochistischen Dynamik darstellen. Selbstloyalität & Selbstverwirklichung sind nur möglich, wenn äußere und v.a. innere Konflikte in ganzer Klarheit und Schärfe erfasst werden: Loyalitätskonflikte, Ambivalenzkonflikte (dasselbe zugleich begehren & befürchten), Glaubwürdigkeitskonflikte, Über-Ich-Konflikte, gegensätzliche Ich-Aspekte, Wertkonflikte, Triebkonflikte, Verdrängung/ Verleugnng/ Verwässerung/ Verlagerung/ Tradierung/ Generalisierung (Assoziation) von Konflikten, Vermeidung konflikthafter Situationen oder von Entscheidungen gewisser Art, Vermeidung von innerer oder äußerer Auseinandersetzung, Schuld (Erwartungen, Forderungen, Interessen) Je schwerer die inneren Konflikte, - umso radikaler ist die Bemühung zur Abwehr verbotener Neigungen - umso brutaler ist das Gewissen - umso gewaltiger sind die Idealforderungen & Größenansprüche - umso problematischer sind die narzisstischen Schwachpunkte - umso primitiver sind die Phantasien - umso ausgeprägter sind die Ressentiments - umso größer ist der Wunsch nach masochistischer Macht durch Leiden - umso absoluter ist die Spaltung in Gut und Böse dialektischer Ansatz von LaoTse: "Streite nicht! Nimm Schwäche und Leiden und Erniedrigung auf dich! Wirf [aber] das Joch des [falschen] Gewissens von dir ab, das Joch von [unsinnigen] gesellschaftlichen und persönlichen Verpflichtungen." (aus dem Kapitel über <die Kunst durch Spontanität zu herrschen>) Die schöpferische Transformation der masochistischen Dimension liegt in der Hingabe an die Natur als ständiges Werden, im Fokus auf das Natürliche in der Welt und im Fokus auf Komplementarität statt auf prinzipieller Konflikthaftigkeit.

Schwarze Rose
Andrea Conrad 2009 Am eigenen Leibe will ich spüren, ... wie du mein ganzes Leben deinen unvergleichlich kühnen, messerscharfen Träumen unterwirfst wie mich all diese Träume unablässig und erbarmungslos bis in den tiefsten Schlaf hinein verfolgen wie mein besinnungsloser Schlaf dir dazu dient, um unbemerkt an meinen Hals ein schönes, straffes Band zu legen wie du dann dieses Band an eine Leine schnallst und mich zum Werkzeug deines irrestarken Willens machst wie du mir beibringst, deinen Willen gründlich zu erspüren und auch allerkleinste Wünsche ohne Worte zu erraten wie jedes deiner unbeirrbar strengen Worte mich geradezu wie ein gewaltiges Gewitter deiner Lippen übermannt wie meine züchtig-keuschen Lippen zart und leidenschaftlich deine wahrlich wunderschönen Füße küssen wie deine Füße alle meine Leidenschaften und Bedürfnisse gebieterisch-vernichtend in den Boden stampfen wie dieser fest gestampfte Boden wie ein scharfes Messer an der Kehle Sicherheit und liebevolle Strenge bietet wie diese Strenge meine Haut und meine Seele schön geschmeidig macht und mich mit deiner Handschrift prägt wie du mich lehrst, in schönster Handschrift tugendhafte Worte wie "bedingungslose Fügsamkeit" zu schreiben wie ich trotz meiner Fügsamkeit mich immer mehr in jeder deiner hunderttausend Fallen hoffnungslos verstricke wie du mir immer wieder neue Fallen bastelst und in alle meine Wege regelmäßig mächtig schwere Steine legst wie ich mit diesen Steinen und mit jenen, die du nach mir wirfst, ein fürstlich-märchenhaftes Haus für dich errichte wie du in diesem Haus die Kellerfenster einschlägst und mich nötigst, nackt auf diesem Splitterglas herum zu rutschen wie dieses Splitterglas mich fast verbluten lässt, zumal dein Schäferhund vergnügt an meinen Wunden knabbert wie du an Stelle deines Schäferhundes mich wie einen Schwerverbrecher ordentlich in schwere Ketten legst wie diese Ketten immer unerträglicher an meinen sowieso zum Teil schon spiegelblanken Knochen scheuern wie du so lange meine Knochen mit Genuss und hammerharten Knüppeln streichelst, bis sie brechen wie ich mit all den Knüppeln meinen ersten und gleichermaßen letzten Scheiterhaufen vorbereiten darf wie ich für diesen schön zurecht gelegten Scheiterhaufen jede Menge lehrerhaftes Lob von dir erhalte wie dieses Lob aus deiner strengen Hand und deinem sinnlich-stolzen Mund wie Rosenöl an mir herunter strömt wie aber dieses Rosenöl mich immer mehr in eine ausgesprochen schlimme Brandgefahr verwandelt wie du gerade wegen dieser Brandgefahr mich schamlos und genüsslich bis zur Weißglut treibst wie diese Weißglut mich und meinen Scheiterhaufen in ein ungestümes Flammenmeer verzaubert wie ich in diesem Flammenmeer verbrenne, bis nur noch Staub und Asche von mir übrig bleibt wie du so gründlich meine Asche in den Kehricht fegst, als ob es mich im Leben nie gegeben hätte

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