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Jubeljahr!
Diesmal lassen wir es so richtig krachen! Nicht nur auf unserer Jubiläumsparty am 31.01.2015 im Kickerkeller sondern natürlich auch in dieser
Ausgabe! Aufgrund des besonderen Umstandes mit dieser Ausgabe in den
zehnten Jahrgang zu starten, haben wir uns vorgenommen, die Grenzen
zu durchbrechen und ein wenig anders als sonst aufzutreten.
Wir beschäftigen uns diesmal mit der Geschichte des campus:echo und
lassen Revue passieren, was es für eine Entwicklung in den letzten Jahren
durchgemacht hat.
Doch nicht nur wir feiern Jubiläum! - Wir stellen euch ein paar andere
denkwürdige Momente vor, die für das Jahr 2015 ebenfalls ganz besonders
sind. Für die perfekte Partylocation haben wir lange gesucht und dabei so
einige interessante Plätze auf dem Campus gefunden, die wir euch nicht
vorenthalten möchten.
Und nicht vergessen: Einfach zum oben genannten Datum in den Kickerkeller kommen! In unserer unendlichen Großzügigkeit erhalten die ersten
60 Gäste ein Freigetränk. Außerdem erwartet euch neben guter Musik ein
Luftballonmeer von 2000 Luftballons. Eintrittskarten gibt es beim StuRa
oder schaut einfach auf unsere Facebookseite vorbei!

Viel Spaß und let’s party!

Robin

Impressum

10 | #01
WS 2014

campus:echo erscheint zweimal pro Semester. Alle
Artikel spiegeln die Meinung der einzelnen Autoren
und nicht zwingend die der gesamten Redaktion wider. Es ist den Autoren freigestellt, das generische
Maskulinum zur Verbesserung der Lesbarkeit zu
verwenden. Im Falle der Verwendung gilt er für alle
Geschlechter. Die Redaktion orientiert sich an den
vom deutschen Presserat im Pressekodex verfassten
Grundsätzen journalistischer Arbeit. Die Autoren
nicht namentlich gekennzeichneter Beiträge sind
der Redaktion bekannt. Für den Inhalt der abgedruckten Anzeigen übernimmt die Redaktion keine
Verantwortung.
Wir freuen uns jederzeit über Anregungen, Kritik,
Lob, eingereichte Fotos oder Artikel. Die Redaktion behält sich das Recht auf entsprechend gekennzeichnete Kürzungen eingesandter Artikel vor.
Kontakt:
Redaktion campus:echo
Nordhäuser Straße 63
99089 Erfurt
E-Mail: echoloten@yahoo.de
Facebook: www.facebook.com/campus.echo
Twitter: www.twitter.com/campus_echo
Chefredaktion:
Robin Seel (V.i.S.d.P.)
Redaktion:
Anastasia Balßuweit, Katharina Hertel, Charlotte
Krause, Johannes Lohmaier, Annika Redmer, Debora Schießl, Fabian Otto, Jakob Otto, Jana Michels,
Julia Mayer, Julia Winzer, Katharina Brodale, Louisa Reeh, Mareike Henkes, Michelle Kulig, Robert
Horn, Simon Schairer, Paul Siethoff, Theresia Zimmermann, Tim Seidel, Viviana Warnken, Ines-Antonia Wustmann
Freie Mitarbeiter dieser Ausgabe:
Lennart Nover
Bildredaktion:
Robin Seel, Viviana Warnken
Lektorat:
Theresa Rudolph, Charlotte Krause
Social Media:
Jakob Otto
Cover:
Mark Werlinger
Satz & Layout:
Robin Seel, Viviana Warnken (Leitung)
Anzeigen:
Robin Seel
Druck:
City Druck GmbH Erfurt
Auflage:
2.000 Exemplare

Mit freundlicher Unterstützung
des Studierendenrates der
Universität Erfurt

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Geburtstage und andere Jubiläen Das jährt sich 2015
Im Januar 2015 wäre Elvis 80 Jahre alt geworden, vor 10 Jahren wurde das erste Video auf YouTube veröffentlicht und
genau 50 Jahre ist es her, dass der erste Mensch „völlig losgelöst von der Erde“ frei im All schwebte.
2015, ein Jubeljahr nicht nur für campus:echo. Ein kleiner Überblick über andere Ereignisse – fast ebenso weltbewegend wie die Geburtsstunde unserer Zeitung.
von Louisa Reeh und Julia Winzer
1165 n.Chr.: Gründung der Stadt Leipzig
Nach der Wende verlassen, heute Massenansturm. 850 Jahre später und Leipzig ist bekannt als „Hypezig“
oder auch „the Better Berlin“.

2. Februar 2010: Baubeginn für das Bahnprojekt Stuttgart 21
Der teuerste Bahnhof Deutschlands und das geizigste Volk der Welt. Nur
noch elf Jahre Gräben, Gruben, Bauschutt und Bagger anstatt der Bäume
des Stadtparks.
22. November 2005: Angela Merkel wird zur Bundeskanzlerin gewählt
Von „Kohls Mädchen“ zur „Mutti der Nation“: Schon zehn
Jahre ist es her, dass Angie zur ersten Frau im höchsten Regierungsamt Deutschlands wurde. „Bundeskanzlerin“ wurde 2005
übrigens Wort des Jahres.
19. April 2005: Joseph Ratzinger wird zum Papst
gewählt
Die Nation im Freudentaumel: Wir sind Papst! Wer hätte damals geahnt, dass sich campus:echo länger halten würde als
der groß gefeierte Papa Ratzi?
3. Oktober 1990: Die DDR tritt der BRD bei
Abgesehen von zahlreichen Ossi-Klischees und
endlosen Soli-Witzen ist von der ehemaligen Teilung Deutschlands kaum noch etwas zu spüren.
Tatsächlich aber ist unsere schöne Universitätsstadt erst seit 25 Jahren offiziell Teil der Bundesrepublik.

Illustration: Jana Michels

27. Juli 1990: Der letzte Citroen 2CV,
oder auch die „Ente“ läuft vom Band
„Konservendose“, „Rollende Rostlaube“
oder ganz liebevoll die „Ente“ wurde das
kleine Auto genannt. Früher geliebt von
Bauern und Studenten sieht man sie heute
meist in französischen Vorgärten. Roste in
Frieden!

11. Februar 1990: Freilassung von
Nelson Mandela
27 Jahre Gefängnis, erster schwarzer Präsident
Südafrikas, Freiheitskämpfer. Er hat unglaubliches erlebt und erreicht. Letztes Jahr verstarb
Nelson Mandela im Alter von 95 Jahren.

1. April 1815: Otto von Bismarck wird geboren
Wie sähe die Karte Europas heute wohl aus, hätte es ihn nie gegeben? Seinen 200. Geburtstag würde der „Eiserne Kanzler“ - heutzutage bekannter für saure Heringslappen als für „Zuckerbrot und
Peitsche“ - in diesem Jahr begehen.

4. April 1865: Erstveröffentlichung „Max und Moritz“
von Wilhelm Busch „Ritsche-Ratsche voller Tücke in die Brücke eine Lücke“.
Wer kennt diese Zeile nicht? In 300 Sprachen und Dialekten wurde das Buch
bisher übersetzt.

6. Juni 1875: Thomas Mann wird geboren
Ein jeder von uns ist ihm schon begegnet: sei es „Der Zauberberg“, „Die Buddenbrooks“ oder „Mario und der Zauberer“- was wäre die Oberstufe bloß ohne ihn gewesen?
Dieses Jahr wäre der „bedeutendste Erzähler deutscher
Sprache des 20. Jahrhunderts“ 140 Jahre alt geworden.

22. März 1935: Offizieller Start des
deutschen Fernsehens
„Shopping Queen“ zum Frühstück, „Bauer sucht Frau“ oder doch lieber „der Bachelor“? Nicht vor 80 Jahren. Zwei Mal
die Woche am Abend lief etwas auf zwei
Sendern. Sonst stundenlang nur flimmerndes Testbild.

15. Mai 1940: Das erste McDonalds Restaurant wird eröffnet
Inzwischen ist das goldene M fester Bestandteil
der Skyline einer jeden etwas größeren Kleinstadt. Ob die Brüder Richard und Maurice McDonald das ahnten, als sie vor 75 Jahren in Kalifornien ihr erstes Barbecue-Restaurant eröffneten?

9. Oktober 1955: In Deutschland werden zum ersten Mal die Lottozahlen gezogen
13, 41, 3, 23, 12, 16 – das waren die magischen Zahlen, mit denen Waisenmädchen
Elvira Hahn vor 60 Jahren in Hamburg bei der ersten öffentlichen Lottoziehung
Deutschlands einen glücklichen Gewinner zaubern sollte. Allerdings brauchte es fünf
weitere Ziehungen, bis endlich jemand mit 6 Richtigen den Jackpot knackte.

1. Januar 1975: Herabsetzung der Volljährigkeit von 21 auf 18 Jahre
Seit 40 Jahren sind wir also früher Erwachsen. Autofahren, Feiern, Alkohol, Rauchen, Unabhängigkeit, aber
auch unzählige neue Pflichten werden eingetauscht gegen den gefüllten Kühlschrank, die frische Wäsche und
das völlig sorgenfreie Leben. Also doch noch lieber länger Kind sein?
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Von uns, zu uns
Ein Plädoyer für das Reisen zu schreiben, fühlt sich für mich zunächst einmal ziemlich sinnfrei an. Es ist, als würde man sich für das Lesen von Büchern aussprechen oder müsste ernsthaft jemandem erklären, dass Sport gut für
die Gesundheit ist. Wenn es aber ein Missionierungsbedarf für diejenigen unter uns gibt, welche meinen, die
Ferne sei eh „zu weit weg“, Elefanten kann ich mir schließlich auch im Zoo anschauen und der Ökoterror manifestiert sich in reisewütigen Studenten mit ihren übergroßen Backpacks, dann spricht aus mir nicht NUR der
kleine Fünfjährige, der mit seinem Vater die Serpentinen des srilankischen Hochlands per Motorrad besiegte.
von Lukas Knecht

Wir, junge Menschen, Studenten, Azubis,
(ehemalige) Abiturienten usw. werden immer
weiter und stärker in gesellschaftliche Strukturen eingebettet. Wir konstruieren uns feste
Tagesabläufe. Haushalt, soziale Kontakte,
die Uni/Arbeit oder ein

Nebenjob müssen zunehmend mit einem kritischen Seitenblick auf
die Uhr betrachtet werden. Das Bolognastudium wurde freundlicherweise auch an uns
angepasst. Straffere Studiengänge mit verstärkten Augenmerk auf eine geringere Studienzeit sind natürlich ökonomisch rentabler.
Das Problem? Nicht nur die Zeit!
Häufig versacken wir in besagten Strukturen,
mögen es bequem und einfach, vergessen uns
und unsere Umwelt noch wirklich zu hinterfragen, wir werden angepasst, schrittweise.
Klar habe ich es jetzt ein wenig zugespitzt
und vielleicht werde ich bereits jetzt mit
möchtegern-gesellschaftskritischen
Klischees betitelt. Auch gehörte die Weisheit
„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ stets mit
zu meiner Kindheit. Mehr Verantwortung
bedeutet natürlich auch mehr Arbeit. Doch
selbst euch, liebe Widersprechende, müsste doch aufgefallen sein, dass der Stress in
unserer Gesellschaft zugenommen hat. Die
Zahl verschriebener Psychopharmaka hat
sich in den Jahren 2000 bis 2010 geradezu
verdoppelt. Burnout ist längst kein Einzelfall mehr und Psychotherapeuten werden in
Deutschland reihenweise überlaufen.

Konsum wird zu Stress. Unser Wohlstand ist
nicht automatisch mit Glück und Zufriedenheit gleichzusetzen.
Was hat das alles mit Reisen zu tun?
Reisen ist, wie schon erwähnt, nur ein
Werkzeug. Eine Erleichterung sich und die
Umwelt anders wahrzunehmen. Eine der
einfachsten Therapiemethoden nach einem
traumatischen Erlebnis ist schlicht und ergreifend ein Ortswechsel, beispielsweise eine
Kur in den Bergen hat genau diesen Effekt.
Natürlich kommt es auf die Dosierung an.
Es ist ein Unterschied, ob ich mir einen 3
Wochen Luxusurlaub in einer Hotelbunkeranlage buche und versuche, mir meine Heimat auf dem Buffet „Biss gerecht“ servieren
zu lassen oder ich mir spontan die Kraxe
schnappe und den höchsten Berg am Horizont suche. Der Freiheitsbegriff ist schlicht
und ergreifend ein anderer. Sich einer fremden Umgebung zurecht zu finden bedeutet
auch, sich mehr auf sich selbst verlassen zu
müssen. Man ist nicht mehr für jede Eventualität gerüstet. Das eigene Handeln wird
anders gewichtet und die Konsequenzen sind
oft auch andere.
Gibt es im Meer tückische Strömungen?
Sollte ich das Badezimmer nicht doch nochmal auf gefährliche Spinnen kontrollieren?
Was passiert, wenn mir im Dschungel mein
geliehenes Motorrad abhandenkommt?
Klar, es geht nicht darum sich möglichst stark
in Gefahr zu begeben. Es geht darum sich
selbst mal unter veränderten Umständen zu
beobachten, ein Perspektivwechsel also.
Auch der Vergleich altbekannter Realitäten
mit der neuen Umwelt kann wertvoll sein.
Existentielle Fragen, die wir uns im Alltag
vielleicht nie stellen, werden am Beispiel
viel intuitiver aufgeworfen und sind viel-

leicht sogar einfacher zu beantworten.
Warum sind Menschen, die nichts besitzen,
glücklich? Bin ich eigentlich glücklich?
Was bedeutet Glück?
„Vielleicht erleben wir Reisen auch als eine
Art Versprechen auf ein noch nicht gelebtes
Leben. So können wir im Unterwegsein auch
die unentdeckten Möglichkeiten unserer
selbst erkunden.“
Auch für den klassischen All-Inclusiv Hoteltourismus hat Peter Vollbrecht, Philosophischer Praktiker, eine Erklärung. Reisen
funktioniere hier nur als eine Art Ventil für
ein Leben, was man so nicht möchte: „Urlaub
vom frustrierten und vergesellschafteten Ich,
von Routine und Unterordnung. Das treibt
den Touristen von heute noch um, er erhofft
sich vor allem eines: Freiheit auf Zeit.“
Letztendlich beschreibe ich das bewusste
Reisen leider auch nur, wie ich es mir selbst
wünschen würde. Die Realität sieht anders
aus. Der Ökoterror manifestiert sich nun
doch in abertausenden Touristen, die mit
gnadenloser Effizienz unsere Atmosphäre
verpesten.
Ebenso ist mein eigentlicher Punkt wohl gar
nicht das Reisen per se. Es geht mir wohl eher
um mehr Bewusstsein in allen Lebensbereichen. Sich und die Gesellschaft zu reflektieren, hört sich selbst in meine Ohren schon zu
abgedroschen an. Wie wäre es metaphorisch
mit „Backpacking im eigenen Land?“ Mal
den Umweg nehmen, um weiter zu kommen,
von mir aus, auch ohne Weltreise. )))
Der Link zu Peter Vollbrechts Zitaten:
http://www.philosophisches-forum.de/Essays_Artikel/Interview_Psychologie_heute/
interview_psychologie_heute.html

Fotos: Lukas Knecht

Für mich stellt sich gar nicht die Frage, ob
man reisen sollte. Viel wichtiger ist, wie man
reist. Ich sehe Reisen als eine Art Tool an, ein
Tool der Veränderung.

Niko Peach beschreibt unsere Gesellschaft,
unter anderem in seinem Buch „Befreiung
vom Überfluss“, mit dem Ideal, Freiheit
möglichst expansiv auszuleben. So würden
wir über ein Meer von Möglichkeiten laufen,
welche wir auszuschöpfen nie die Zeit haben.
5

Was lange währt, wird gut.
Ilka Hoge war vor zehn Jahren Chefredakteurin der damaligen Version des campus:echo. Über Facebook machten wir
sie ausfindig, um mit ihr über die Entstehung, Entwicklung und Weiterführung unseres studentischen Magazins zu
reden. Ein Blick in die Vergangenheit.
von Charlotte Krause
Ilka, wie kommt man auf die Idee,
eine Unizeitung zu gründen? War das
nicht schwierig, aus dem Nichts heraus die nötigen Mittel und Mitarbeiter zu finden?
Vor zehn Jahren gab es an der Universität
Erfurt bereits ein Magazin mit studentischer
Chefredaktion, das jedoch ein unrühmliches
Ende nahm aufgrund finanzieller Nöte. Niemand verteilte das Magazin und fühlte sich
dafür verantwortlich, bis es eingestampft
wurde. Somit fehlte jedoch eine wichtige Stimme auf dem Campus. Nach meiner
StuRa-Laufbahn hatte ich etwas mehr Freizeit und als KWlerin war es mir ein Dorn
im Auge, dass es keine studentische Zeitung
mehr gab. Kurzerhand beschloss ich mit zwei
Freundinnen die Unizeitung campus:echo zu

gründen. Wir teilten uns zu dritt den Posten
des Chefredakteurs.

Und wie kamt ihr auf den Namen
„campus:echo“?
Die Zeitung Campus der PR-Abteilung der
Universität Erfurt war für kurze Zeit das
einzige Magazin. Wir wollten jedoch eine
Zeitung von Studenten für Studenten herausbringen. Daran angelehnt haben wir das
Wortspiel „campus:echo“ eingebaut.

Wie begann die Arbeit an der
campus:echo? Musstet ihr wirklich
zu dritt alle Arbeiten an der Zeitung
alleine übernehmen?

Vom damaligen Studierendenrat bekamen
wir die Erlaubnis, die ersten Ausgaben per
Handkopierer im StuRa-Büro zu vervielfältigen. Dabei ist anzumerken, dass es sich
anfangs vorerst um eine Flugblattzeitung mit
zwei A4-Seiten handelte. Das größere Problem war eher, den Bekanntheitsgrad der neu
en Zeitung zu erhöhen. Wir verteilten sie auf
dem Campus, am Unieingang, vor der Mensa
und auch in den Hörsälen, was bei den Lehrenden eher nicht so gut ankam. Im ersten
Erscheinungsjahr brachten wir sieben Ausgaben heraus mit den anfänglichen Rubriken „Verschiedenes“, „Veranstaltungstipps“,
„Kommentar“, „Freizeit&Kultur“ und einem
Comic. Besonders die Veranstaltungstipps
waren begehrt. Manchmal sammelten wir in
der Mensa die übrig gebliebenen Zeitungen
ein, bei denen lediglich die Veranstaltungstipps herausgerissen und der Rest liegen gelassen wurde. Hilfe von freien Mitarbeitern
hatten wir bei dem Comic, der sich einer großen Beliebtheit erfreute, und den Fotos. Spätestens ab der vierten Ausgabe kamen dann
immer mehr Mitarbeiter hinzu.

Welche Qualitäten sollte man denn
mitbringen, um bei einer Unizeitung
mitzuwirken?
Vor allem Interesse. Qualitäten würde ich
da gar nicht so sehr in den Vordergrund
stellen. Man sollte von dem Projekt an sich
überzeugt sein - einem Projekt hier direkt
auf dem Campus. Eine studentische Stimme
sollte allen Studenten wichtig sein. Und vor
allem auf die Universität Erfurt bezogen, die
sich unter anderem mit dem Studiengang
„Kommunikationswissenschaft“ rühmt, sollte die Arbeit an einer studentische Zeitung
geradezu ein Muss sein. Mir persönlich kam
es natürlich zugute, dass ich nach meinem
Abitur ein Jahr in einer Werbeagentur gearbeitet habe und eine duale Ausbildung als
Kommunikationswirtin begann. Somit war
mir das Wort „Layout“ natürlich ein Begriff.

Foto: Katharina Hertel

Hat sich demnach deine Arbeit als
Chefredakteurin auf dein späteres
Berufsleben ausgewirkt?
Im Gegensatz zu anderen KWlern hatte ich
nicht vor, später einmal in die Pressearbeit
6

zu gehen oder als Journalistin zu arbeiten.
Momentan bin ich mit meiner Promotion beschäftigt.

Welche Entwicklungsstufen kannst
du erkennen beim Vergleich euerer
damaligen Ausgabe der campus:echo
und der heutigen?
Das heutige campus:echo gleicht, wie gesagt, eher einem Magazin. Wir begannen als
Unizeitung, die auch hinsichtlich des Layouts einer Zeitung entsprach. Unsere Themen beschränkten sich vor allem auf interne
Studienangelegenheiten rund um den Campus der Uni Erfurt. Die heutige campus:echo
scheint mir zusätzlich viele Themen aufzugreifen, die Studenten allgemein betreffen.
Mit einer doppelseitigen Ausgabe hatten wir
aber natürlich auch nicht den entsprechenden
Platz, um solche Dinge zu behandeln. Daher
freut es mich sehr zu sehen, dass sich unsere
Version über die Jahre von einer kleinen Zeitung hin zu einem Magazin mit einer doch
recht passablen Seitenzahl entwickelt hat.

Diese Probleme haben wir ja zum
Glück nicht mehr, wo doch jede Anfrage und jeder Aufruf zigfach auf Facebook gepostet und weitergegeben
werden kann.

Danke. Daran müssten wir wohl noch
arbeiten. Abschließend natürlich die
wichtigste Frage: Was war denn deine schönste Erfahrung als ehemalige
Chefredakteurin des campus:echo?

Das ist wohl wahr. Obwohl ich sagen muss,
dass ihr die großen und guten Möglichkeiten des World Wide Web noch nicht vollends
ausgeschöpft habt - wenn man euch googelt,
findet man euch wirklich ausgesprochen
schlecht!

Dass das campus:echo sogar nach zehn Jahren, nach Erscheinen der allerersten Ausgabe
am siebten Juli 2005, noch immer existiert.
Als Mitbegründerin macht mich das ziemlich stolz.

Super, vielen Dank für das nette Interview! )))

Foto: Privat

Welche Schwierigkeiten ergaben sich
innerhalb der Redaktion?
Die Weitergabe der Redaktionsleitung, die
wir uns ja zu anfangs zu dritt teilten, machte uns Sorgen. Wir hatten Angst, dass sich
unsere Redaktion ebenfalls auflösen könnte.
Aber ich hatte eine gute Freundin an meiner
Seite, deren Hilfe ich mir gewiss war und die
die Zeitung weiterführen wollte. Bei meinem
Ausstieg aus der Redaktion setzte ich einen
klaren Schnitt und mischte mich auch nicht
weiter in die Führungsform meiner Freundin
ein. Neue Mitglieder anzuwerben ohne Twitter, Facebook und Co. war dagegen nicht
ganz so einfach. Bei den Neueinsteigern gab
es natürlich anfangs ein paar Unsicherheiten
und Unstimmigkeiten - auch auf uns Chefredakteurinnen bezogen. Es musste ja geklärt
werden, warum ich diese oder jene Leute in
die Redaktion eingliedern wollte. Dennoch
waren wir natürlich froh über jeden neuen
Zulauf - denn mit jeder kommenden Studentengeneration, die neue Ideen und Vorschläge mitbringt, kann ein derartiges Projekt erst
wachsen.

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Schon mal in Ecuador gewesen?
Meerschweinchen auf Kartoffeln? Atemübungen im Taxi? Vulkanasche vor der Haustür? Von Sommer bis Winter an
einem Tag? Manche Sachen kriegt man meistens nicht im Standardurlaub. Aber warum es sich doch lohnt, was Neues
zu wagen.
von Katharina Brodale
Kurze Frage: Wo wart ihr in eurem letzten
Urlaub? Nicht zufällig auf Mallorca, in Kroatien, Spanien, den USA oder England? Mal
ehrlich Leute, als ob die Welt so klein wäre.
Und dann gibt’s am besten noch Schweinshaxe und Sauerkraut auf den Malediven, weil
diese Esskultur ja doch ein wenig befremdlich ist…
Aber Kuh, Schwein, Nudeln, das gibt’s zuhause doch fast jeden Tag. Wie wär es denn
mal mit etwas exotischem….schon mal
Meerschweinchen probiert?
Und immer Strand und diese armseligen
Sprachversuche, bei denen man versucht, mit
Südländern auf sexy Konversation zu machen, gehen doch einem auch mal über. Dann
doch mal lieber einen Urlaub mit Vulkanen
und witzigen Gesprächspartnern, die weniger
an einem One-Night-Stand als an deinem Leben interessiert sind.
Zugegeben mein Urlaubsziel liegt nicht grade um die Ecke, aber schließlich ist Urlaub ja
dafür da, um mal raus zu kommen. Tja, und
wenn ihr dann in Ecuador landet und irgendwo in der Sierra Südamerikas strandet, wo ihr

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zufällig weder Internet noch Netz habt, seid
ihr endlich mal wirklich „raus“.
Also ist Ecuador nur ein Land für „ernste Typen“, Weltenverbesserer und Ökufanatiker?
Also nur für die Leute am Flughafen, die immer mit Panzerrucksäcken und Gesundheitslatschen hysterisch in den Reiseführern nach
billigen Hostels suchen? Oder die Kerle, die
mit Lederketten, Zottelmähne und angeschlagener Gitarre das Abenteuer suchen und sich
einfach „vom Leben treiben lassen“ wollen?
(Sprich: So viele Drogen nehmen, dass sie
keine Ahnung haben, woher sie eigentlich
nochmal kamen).

Zugegeben es gibt einfachere Arten in den
Urlaub zu fahren: Statt nur Bikini und Handtuch einzupacken, muss man hier gleich für
vier Jahreszeiten die Klamotten in den Koffer
quetschen. Denn nur weil das Land am Äquator liegt (wobei es trotzdem nicht Äquador
heißt!!!), kann es hier manchmal auch ganz
schön kalt werden. Mittags um die 25 Grad
und abends um die fünfzehn, da lohnt sich
auch mal die dickere Jacke. Richtig braun
kann man dabei aber trotzdem werden (ich
habe dabei immer das Glück als Krebs heimzufahren, weil es einfach zu kompliziert war,
die blöde Sonnencreme aus der Tasche zu
kramen).
Aber wenn ihr dann endlich mal mit euren
Koffern angekommen seid und dringend wohin müsst, gibt es einen gaaaaanz wichtigen
Tipp: Niemals das Klopapier in die Kloschüssel schmeißen! Denn die Wasserleitungen
sind dafür nicht stark genug und wenn ihr
nicht rechtzeitig die Flucht ergreift, kann es
gut sein, dass euch der Schüsselinhalt fleißig
hinterherläuft.
Das zweite Abenteuer erlebt ihr dann auf dem
Weg ins Hostel. Denn kaum habt ihr euren

campus:echo auf Reisen

Fuß in die Tür der Taxis gesetzt, wird auch
der Letzte unter euch gottesfürchtig. So ein
kleines panisches Amen schiebt sich nämlich
unheimlich schnell aus dem Mund (außer bei
den super gechillten Typen mit Drogen und
Gitarre vielleicht), wenn ihr mit 100 km/h in
einer kleinen Schrottschüssel auf die Kreuzung zurast, auf der die rote Ampel euch
noch fröhlich entgegen winkt. Denn die allgemeine Taxiweisheit besagt: Wer schneller
ist, muss nicht bremsen.

alles wissen und sind voller Begeisterung für
dich, dass es dir ganz unwirklich vorkommt.
Und sie sind nicht einmal eifersüchtig auf
dich, wobei ihr Leben häufig um vieles härter
ist.

Und falls es dann doch zu einer Zwangsbremsung kommt, weil ihr bereits das Lenkrad des
anderen Taxifahrers tätscheln könnt, das gerade von rechts kommend leider auch nicht
die Fahrt verlangsamen wollte, dann werdet
ihr einfach Zeuge, wie zwei Fahrer sich gegenseitig minutenlang anschreien, bis der
eine dem anderen Geld in die Hand drückt
und sie sich freundlich wieder verabschieden.
Alternativ kann man auch auf den Ladeflächen der noch trauriger aussehenden Pickups fahren, allerdings kann es da passieren,
dass man sich den Platz mit der ein oder anderen Großfamilie und diversen Tieren teilt.

Du bemerkst ihre Armut, an den Kleidern,
die auch wenn es prächtige indigene Sachen
sind, häufig dreckig und verstaubt sind.
Du hörst ihre Armut, ohne dass sie sich beschweren, an den Kindern, die ihre besoffenen Väter suchen, die es nicht nach Hause
geschafft haben, an den Müttern, die unter
der Last des Geldverdienens, der Kinder und
dem Haushalt häufig völlig zerschlagen wirken, und an den Vätern, die getrennt von ihren Familien versuchen, irgendwo im Land
Geld aufzutreiben, um es Heim zu schicken.
Du kommst nicht drum herum, dass alles
wahrzunehmen und ja, vielleicht ist es auch
deshalb für viele ein Grund nicht hinzufahren, weil man ja nicht in ein „Entwicklungsland“ gehen will. Weil man die Zeit genießen
und nicht mit schweren gesellschaftlichen
Themen belasten will. Aber mal ehrlich? Ist
das nicht irgendwie Selbstbetrug? Seine Luxusansprüche darauf auszuweiten, gar keine
Armut bemerken zu wollen und sich damit zu

begnügen nur von ihr zu wissen?
Es heißt ja nicht, dass ihr jetzt eine soziale
Stiftung aufbauen müsst und Spenden sammeln sollt. Schon das du als Tourist hinreist,
ist Hilfe genug.
Und auch wenn die Armut da ist, auch wenn
sie Grund sein könnte für Missmut, Abneigung, Fremdenfeindlichkeit und Neid, dann
sucht man vergebens danach. Stattdessen
lächeln die Leute dich immer an, laden dich
ein, gehen mit dir trinken, nehmen dich auf
in ihre große Familie und machen dich zu einem Teil von ihr.
Und vielleicht hockst du dann nicht mit den
Freunden in einer totschicken Bar oder gammelst am Hotelpool, aber ganz ehrlich: Mit
lauter lebenslustigen Kerlen unter dem Sternenhimmel auf den Dächern der Häuser zu
sitzen und Bier zu trinken, während unter dir
irgendein Alpaka orientierungslos durch die
Gassen streift, hat doch echt auch was. )))

Fotos: Katharina Brodale

Doch das wiederum ist ein Segen. Denn die
Erfahrungen mit den Menschen dort, sind
wohl der interessanteste Teil an der Reise.
Jeder kommt binnen Sekunden ins Gespräch,
die Schüchternheit scheint in der Schöpfungsgeschichte hier vergessen worden zu
sein. Sie sind neugierig auf dieses Deutschland, dein Leben, dein Essen dort. Sie wollen

Du siehst ihre Armut, ohne dass sie darüber
sprechen, an den Häusern, die immer aussehen, als wären sie noch im Bau und in denen
es manchmal höchstens ein Bett gibt, in dem
die ganze Familie eng aneinander liegt.

Falls ihr eine spannende Auslandserfahrung gemacht habt, die ihr
hier gerne veröffentlicht sehen wollt,
dann schickt sie uns an folgende
Mailadresse: echoloten@yahoo.de

9

Gesucht: Zimmer, Küche, Bad –
So sieht Mieten in Erfurt aus
Noch bevor das Studium tatsächlich los geht, steht den meisten Uni-Neulingen eine nicht ganz einfache Herausforderung bevor. Alle, die „Hotel Mama“ schlussendlich den Rücken kehren müssen oder eben wollen, sind genötigt, sich
nach einer neuen Bleibe umzusehen. Die Horrorgeschichten von fiesen Vermietern, Massenbesichtigungen und unfreiwilligen Campingaufenthalten zu Semesterbeginn kennt wohl jeder. Aber haben wir Erfurter Studenten Grund zum
Jammern? Keine Frage, WG-Castings und Blätterchaos für die Bürgschaftserklärung der Eltern machen keinen Spaß,
aber wie sieht es in unserer Stadt nun wirklich aus?
von Ines-Antonia Wustmann und Johannes Lohmaier

Foto: Ines-Antonia Wustmann

Noch bevor das Studium tatsächlich los
geht, steht den meisten Uni-Neulingen eine
nicht ganz einfache Herausforderung bevor.
Alle, die „Hotel Mama“ schlussendlich den
Rücken kehren müssen oder eben wollen,
sind genötigt, sich nach einer neuen Bleibe
umzusehen. Die Horrorgeschichten von fiesen Vermietern, Massenbesichtigungen und
unfreiwilligen Campingaufenthalten zu Semesterbeginn kennt wohl jeder. Aber haben
wir Erfurter Studenten Grund zum Jammern?
Keine Frage, WG-Castings und Blätterchaos
für die Bürgschaftserklärung der Eltern machen keinen Spaß, aber wie sieht es in unserer
Stadt nun wirklich aus?
30.September 2014
Heute besichtige ich drei Wohnungen in Erfurt. Meine Uni-Zusage habe ich erst vor ein
paar Tagen erhalten. Die erste Wohnung um
elf Uhr. Sie liegt in einer kleinen, schmalen
Seitenstraße, die von Grünflächen und Bäumen gesäumt wird. Leider spiegelt das Haus
diesen gepflegten Eindruck der Straße nicht
wider. Alt - nicht Altbau, sondern einfach nur
alt. Unbeeindruckt davon wage ich mich hinein; ein freundlicher, junger Mann berichtet
mir alles Wesentliche und zählt die Fakten
auf.
Die würden überzeugen – wären da nicht bestimmte Äußerlichkeiten: Erdgeschoss nach
vorne hinaus – ohne Zaun. Bad nur durch den
Flur erreichbar. Ein-Quadratmeter-Küche.
Und das Schlimmste: „Also wenn du Glück
hast und dir das Glück im Sommer passiert,
dann hast du von zwölf bis 14 Uhr Sonne und
einen natürlich erhellten Raum. Ohne Glück
und im Winter ist‘s hier immer dunkel. Ich
hatte immer das Deckenlicht an.“ Aha. Das
erklärt auch die geschätzten 20 Steh- und Deckenlampen.
Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, lasse
mir die Zettel aushändigen und versichere,
dass ich mich melden werde. Sicher nicht!
Bei den nächsten zwei Wohnungen schaut es
allerdings auch nicht besser aus. Entweder
total laut, ehemalige Raucherwohnung, zu
dunkel, zu weit weg, zu teuer oder zu feucht.

10

Ich frage mich langsam: Wo sind bitte die
schönen, bezahlbaren Wohnungen?
Eine Antwort liefert schon der MietpreisVergleich für ganz Deutschland. Die Stiftung Warentest ermittelte im Jahr 2013 einen
Quadratmeterpreis von 5,50 Euro Kaltmiete.
Damit liegt unsere Heimat im unteren Bereich verglichen mit anderen Großstädten.
In Frankfurt am Main zahlt man beispielsweise 10,80 Euro, während der Spitzenreiter
München ganze 12 Euro pro Quadratmeter
verlangt. Auch andere Studien belegen, dass
sich die Mietkosten in Erfurt eher im Mittelfeld bewegen. Der Mietspiegel der Stadt
Erfurt empfiehlt eine Preisspanne zwischen
6,50 und 9,10 Euro für kleine Wohnungen
von 25 bis 49 Quadratmeter. Der Vergleich
mit anderen Städten und die Richtschnur der
Stadt verraten also schon, dass unsere Konten
in Sachen Miete immerhin geschont werden.
Doch bevor man die Miete überweisen kann,
muss zunächst einmal eine Behausung her.
Man hört doch oft von Leerstand in den Großstädten. In Erfurt anscheinend nicht. Hier ist
es endlich mal ein Vorteil, dass Erfurt eben
keine typische Studentenstadt ist. Im laufenden Wintersemester sind an der Uni etwa
5.700 Studenten immatrikuliert. Durch die
FH weitere 4.400. Auf die etwa 205.000 Einwohner kommen also etwas mehr als 10.000
Studenten. Ganz anders sieht das Zahlenspiel
für unsere Nachbarstadt Jena aus. Dort stehen
den gut 105.000 Einwohnern ganze 26.000
Studenten gegenüber. Klar, dass bei dieser
Studentenpower billiger Wohnraum gefragt
ist. Auch das Studentenwerk Thüringen bestätigt, dass die Suche auf dem privaten Wohnungsmarkt in Jena durchaus länger dauern
kann. Aber nicht nur in Jena treibt die hohe
Studentenzahl die Mietpreise nach oben. Auf
den vorderen Plätzen beim Mietpreis-Vergleich finden sich vor allem Städte, die viele
Studenten anziehen. Dieser Fakt verwundert
nicht. Oftmals kann eine 4er-WG mehr Miete
aufbringen, als beispielsweise eine vierköpfige Familie. Denn in vielen Fällen zahlen sowieso die Eltern für die Wohnung.

Wer sich nicht auf dem freien Wohnungsmarkt
umsehen möchte, kann sich zentral beim Studentenwerk Thüringen um einen Platz bewerben. Nach der Online-Bewerbung werden für
das Wintersemester ab August Zimmer vergeben. „Wer sich also rechtzeitig bewirbt, bekommt auch eine Unterkunft“, teilte uns das
Studentenwerk mit. In ganz Thüringen leben
etwa 15 Prozent der Studenten in solchen
Wohnheimen, was deutschlandweit ein hoher
Wert ist. In den acht Anlagen in Erfurt zahlen
die Bewohner durchschnittlich 187 Euro, wobei alle Nebenkosten schon mit eingerechnet
sind. Billig und ohne WG-Casting-Marathon
kann man also im Wohnheim leben. Zugegeben – nicht jeder mag die unmittelbare Nähe
zum Campus. Stuckdecken und Parkett sucht
man dort wohl auch vergeblich.
Insgesamt bewertet das Studentenwerk Thüringen die Wohnsituation von Studenten nicht
negativ. Privatleute bieten genügend Zimmer
an. Dadurch konnten die Horrorszenarien
aus Hamburg und Co vermieden werden. In
Erfurt mussten bisher keine Studenten zum
Semesterstart auf Zeltplatz, Turnhalle oder
Hotel ausweichen. ,,Selbstverständlich kann
nicht jeder in absoluter Nähe zur Uni wohnen und Stadtteile im Süden müssen akzeptiert werden“, äußerte sich diesbezüglich das
Studentwerk.
Die Lage in Erfurt ist wohl besser als gedacht. Doch bleibt der Zustand so erfreulich? Findet jeder auch in Zukunft noch das
Passende? Eine Modellrechnung der Stadt
Erfurt ermittelte die Leerstandsquoten. Für
die Stadt ergibt sich eine 7,4 %-Leerstandsquote, im Plattenbau 2,5 % und auf dem
Dorf 5,7 %. Noch bedeutet Leerstand Vorteile für Studenten auf dem Wohnungsmarkt,
doch die Tendenz ist sinkend. Von 2009 bis
2013 hat sich Erfurts Einwohnerzahl um
5000 Personen erhöht. Langfristig gehören
die Leerstandsprobleme der Vergangenheit
an und das Gegenteil könnte der Fall sein.
Auch, wenn die Studentenzahl an der Uni
Erfurt von 2004 bis heute um 1.866 Studenten auf 5710 angewachsen ist, bewertet das
Studentenwerk Thüringen das Wachstum als

moderat. Dennoch könnte sich die Wohnsituation in Zukunft ändern. Das Studentenwerk
sieht vor allem ein Problem der Wohnungssuche für Studenten aus dem Ausland. Denn
wer hunderte Kilometer weit weg von Erfurt
lebt, kann nicht einfach zu einer Wohnungsbesichtigung vorbeikommen. Zudem kommen manchmal noch Schwierigkeiten mit
der deutschen Sprache hinzu. Internationale
Studenten sind also vor allem auf eine unkomplizierte Zimmersuche angewiesen. Die
Prognose des Studentenwerks ergibt, dass
schon bald die Kapazitäten nicht mehr ausreichen werden, alle Studenten aus anderen
Ländern unterzubringen. Also besteht doch
noch Handlungsbedarf. Immerhin steht im
Koalitionsvertrag der neuen Regierung, dass

sie sich für preiswerten Wohnraum einsetzen
wolle. Für Erfurt ist sogar eine Mietpreisbremse geplant. Zumindest ein erster Schritt
scheint getan. Mieten in Erfurt ist also noch
gut zu meistern. Private Vermieter und das
Studentenwerk Thüringen bieten ausreichend
Wohnraum für Studenten.
Ich habe übrigens nach meiner ersten Wohnungssuche eine Annonce in die Thüringer
Allgemeine gesetzt. Daraufhin meldete sich
ein älterer Mann und kurz darauf habe ich
meine erste, eigene Wohnung besichtigt top! Nicht zu dunkel, nicht zu feucht, nicht zu
klein, nicht zu weit außerhalb. Einen Haken
gibt es dann doch – der Boden ist nur aus
PVC. Kompromisse müssen eben sein.
Vor allem der Blick nach Hamburg, München

oder Frankfurt führt uns vor Augen, dass wir
mit unserer Situation eigentlich zufrieden
sein müssten. Vielleicht herrschen hier nicht
Leipziger Verhältnisse und nicht jeder lebt
im schicken Altbau mit Stuck, Parkett und
Balkon. Trotzdem finden sich gute Lösungen. Erste Anzeichen deuten an, dass sich die
Lage jedoch ändern könnte. Die Politik muss
also handeln. Schließlich wollen wir weder
die internationalen Studenten verlieren noch
eines Tages unsere Erstis auf dem Campus
campen sehen. Die Landesregierung nennt
Wohnen ein „existenzielles Grundbedürfnis“.
Bleibt nur zu hoffen, dass man dieses in Zukunft auch noch gewährleisten kann. )))

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Nebenjob: Student
Studenten haben es nicht leicht. Mehr oder weniger fern von ihren Eltern und deren finanzieller Unterstützung sind sie
in der kalten, grausamen Welt auf sich allein gestellt. Doch die meisten Studenten zeichnen sich durch einen eisernen
Überlebenswillen aus, der sie zu (fast) allem befähigt, was Geld verspricht. Zu welchen Mitteln sie dabei greifen, das
möchte ich euch in diesem Artikel zeigen.
von Anastasia Balßuweit
Besonders in den letzten Jahren hat sich dabei
die Blutplasmaspende als ein beliebter Weg
für Studenten erwiesen, mit dem man an das
dringend benötigte Mensageld kommt. Neben der Tatsache, dass man meistens Geldbeträge um die 20 Euro im Gegenzug für die
Extraktion wertvoller Bestandteile des roten
Lebenssaftes erhält, hat die Spende auch
noch den Vorteil, tatsächlich einem guten
Zweck zu dienen - womöglich sogar Leben
zu retten. Solch ein Unterfangen bessert also
nicht nur den Inhalt des studentischen Portemonnaies auf, sondern auch das Gewissen
des Spenders. Eine echte Win-Win-Situation
also; der einzige Haken: Man kann nicht
einfach jeden Tag spenden, sondern muss
eine gewisse Wartezeit von zumeist mehreren Wochen einhalten. Dennoch trägt eine
Blutplasmaspende unbestreitbar zur Lebenserhaltung von Studenten und Patienten bei.

Illustration: Anastasia Balßuweit

Und falls einem die Wartezeit doch zu lang erscheint und man sich nach was Langfristigem
sehnt, kann man als Krankenwagenfahrer arbeiten, wie es der 23-jährige Markus neben
dem Studium tut. Es ist zwar keine Arbeit für

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schwache Nerven, es wird ein Führerschein
verlangt (und noch dazu gute Fahrkünste,
wenn es mal schneller gehen muss) und hervorragende Ortskenntnisse, jedoch wird er
gut bezahlt und ist nicht saisonabhängig, wie
andere Aushilfsangebote es an sich haben.
Dennoch ist ein solcher Job sehr zeitintensiv
und Kenntnisse über Erste-Hilfe-Maßnahmen
sind ebenfalls erforderlich. Ganz im Einklang
mit dem ersten Beispiel ist ein solches Engagement ob der Wohltätigkeit eine feine Sache.
Wer gerne einen weniger zeitaufwendigen
Job hätte, kann sich an Philine orientieren.
Philine, eine Studentin der Wirtschaftswissenschaften aus Leipzig, schält Kartoffeln
und bekommt dafür auch eine ordentliche
Entlohnung von 100 Euro am Tag. Gebraucht
werden sie unter anderem auch für Verkostungen. So ist sie überhaupt erst darauf aufmerksam geworden. „Meine Tante organisiert
immer mal wieder solche Feste für den sächsischen Landfrauenverband, unter anderem
auch das Kartoffelfest, für das sie mich einge

spannt hat, da es an Kartoffelschälern fehlte.“
Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass
der Stereotyp vom insbesondere körperlich faulen Studenten nicht in allen Fällen
zutrifft, denn für die Lebenserhaltung wird
auch schon mal ordentlich mit angepackt.
Zu diesen drei Beispielen, die eher die ausgefalleneren Methoden der Einkommenssicherung unter Studenten darstellen, gesellen sich
natürlich noch zahlreiche weitere, durchaus
verbreitetere Methoden der Finanzaufbesserung. Man denke hierbei nur an das Kellnern
oder Babysitten oder das auch beliebte Zeitungsaustragen, was in den Wintermonaten
jedoch durchaus unangenehm werden kann.
Die oben genannten Beispiele geben somit
gut wieder, dass gerade, wenn es ums Geld
geht, einige Studenten einen beeindruckenden Einfallsreichtum an den Tag bringen, mit
dem sie meist nicht einmal in den Vorlesungen oder beim Lösen von Aufgaben für die
Uni gesegnet sind. Um das Überleben der
Spezies Student muss sich also in den nächsten Jahren keinesfalls gesorgt werden. )))

Appsolut organisiert
Im Studium hat man ja manchmal wenig Zeit sich um die eigentlich wichtigen Dinge zu kümmern, wie zum Beispiel
WG Angelegenheiten oder auch den anstehenden Urlaub in den nächsten Semesterferien. Wie gut, dass wir fast alle
ein Smartphone haben und es einige Leute gibt, die uns bei unserem Zeitmangel unterstützen und sich nützliche Apps
rund ums Studentenleben ausgedacht haben. Wir präsentieren euch: Schicke Apps für schicke Studenten.
von Julia Mayer, Debora Schießl und Robin Seel

Sparpionier
Kennt ihr das, wenn der Briefkasten explodiert, weil die ganzen Zeitungsjungen ihre Aldi-, Pennyund Lidl-Prospekte bei euch loswerden wollen? Das ganze Wochenende musst du dich durch den
Papierberg wühlen, um die günstigsten Angebote zu ergattern. Denn du bist schon wieder knapp
bei Kasse. Logisch. Sparpionier hilft, denn du bekommst alle Angebote aus dem Einzelhandel
zusammengefasst.

Firstbooker
Das Semester hat zwar erst begonnen, aber nach der ersten Vorlesung und zu viel Mensa-Essen
träumt man schon wieder vom All-inklusive Urlaub in der Karibik. Wann der frühestmögliche
Zeitpunkt ist, an dem die Reise noch am günstigsten ist, zeigt die Frühbucher-App Firstbooker.

Mietmanko
Ist Schimmel euer Raumduft, folgt ihr der Ameisenstraße auf dem Weg in die Küche oder weckt
euch das Bauarbeiterquartett mit der schönsten Presslufthammer-Sinfonie? Wo ihr eine Mietminderung herausschlagen könnt und was euer eigenes Problem ist, verrät Mietmanko.

Flatastic
Praktisch! Jetzt müsst ihr mit eueren Mitbewohnern nicht mehr reden, es reicht, die App Flatastic
zu installieren. Putzplan, Einkaufslisten, Pinnwand und WG-Kasse könnt ihr bequem vom Smartphone aus erledigen.

WiWi
Bei den Wirtschaftswissenschaftlern unter euch laufen die Prüfungsvorbereitungen bestimmt schon
im roten Drehzahlbereich.
Diese App bietet euch vier Formelsammlungen mit Stichwortsuche für alle klausurrelevanten Formeln. Zusätzlich enthält sie auch Infos zu Job- und Praktikaangeboten.

Fan
Ist es im Sommer während der Vorlesung mal wieder zu warm? Diese App schafft dir Abhilfe. Ein
schönes kühles Lüftchen weht dir um die Ohren während die anderen um dich herum mit der Hitze
zu kämpfen haben.

Is it Dark outside
Wenn die Nacht mal wieder zum Tag gemacht wurde, muss man mit dieser App nicht mal mehr
nach dem Aufwachen aufstehen, um zu sehen ob es schon wieder dunkel draußen ist. Einfach
die App öffnen und schon wisst ihr bescheid.
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Iubihlähum!
Ach - es ist wieder schon so weit,
gibt es echt was zu feiern?
Wird mal wieder höchste Zeit,
so richtig abzureiern!
Sterni, Pfeffi, Wodka Jelzin,
Bacardi, Ouzo, Saurer Apfel,
Whiskey, Bailey‘s Irish Cream,
seltsam‘ Pulver aus der Kapsel.
Wir feiern, bis die Balken brechen,
anders lässt der Scheiß sich nicht ertragen,
deshalb lasst uns fröhlich weiterzechen,
sonst fangen wir an zu hinterfragen.
Foto: Roman Diller

Willst du mit mir Drogen nehmen,
party-rock is in the house tonight,
drum lass mal kräftig einen heben,
‚ne weitere Nacht für die Ewigkeit.
Bis zum Verlust der Muttersprache,
feiern wir das Jahr uns heiter,
ständig gibts ein Jubiläum,
Hauptsache - wir feiern weiter!
Prost.

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von Simon Schairer

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Der gläserne Bürger
Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Niemand. Und wenn er kommt? Dann
lassen wir ihn gewähren. Denn ob es der Schwarze Mann auf uns abgesehen
hat, kann man ja nicht wissen. Die Spionage von Privat-Computern klingt abstrakt. Die Vorstellung, dass man selbst betroffen sein könnte, ist beängstigend.
Was interessiert schon die Regierung, was der kleine Mann nach Feierabend
so treibt?
von Debora Schießl
Amnesty International hat jüngst eine Software vorgestellt, die Nutzern beim Aufspüren
von Spähprogrammen auf dem eigenen PC
hilft. Die Software kann vorhandene Trojaner
aufdecken, sie jedoch nicht bekämpfen. Wer
es auch mal ausprobieren möchte, kann es unter http://resistsurveillance.org/ downloaden.
Die Menschenrechtsorganisation will Journalisten und Bürgerrechtler auf der ganzen
Welt vor der Beobachtung durch Regierungen
schützen, die ihre Bürger in zunehmendem
Maße abhören. Das Programm kann zwar
eine Vielzahl von Spionagetools auf Rechnern aufspüren, ist aber keine Wunderwaffe. Bei Tests entdeckte es einige SchnüffelSoftwares gar nicht und in nicht allzu ferner
Zukunft werden Abhörprogramme auch diese
Entwicklung austricksen können.

Foto: Johannes Küfner

Bisher kann man es außerdem nur mit Windows-Geräten herunter laden und auch mit
Windows 8.1 kann das Programm noch nichts
anfangen. Die Installation ist einfach und
funktioniert reibungslos. Regierungs-Trojaner, die in meinen Dateien herumstöbern oder
meine E-Mails lesen, wurden glücklicherweise nicht gefunden. Darf ich mich jetzt sicher
fühlen? Nehmen wir einmal an, die Software
hätte Alarm geschlagen. Sogar die Entwickler
der Software geben auf ihrer Seite zu, dass
das, in anderen Worten, zwar ziemlich bescheiden ist, aber trotzdem nichts getan werden kann. Bleibt man also machtlos und nicht
handlungsfähig? Wenn das Programm Alarm
schlägt, raten die Betreiber lediglich die Internetverbindung zu kappen und einen Experten aufzusuchen. Aber – wo findet man einen
Experten über Spionage in Deutschland? Gibt
es Wissen über etwas, das eigentlich gar nicht
existieren sollte?
Der Bundesnachrichtendienst ist einer der bestehenden Geheimbünde Deutschlands. Der
BND entstand am 1. April 1956 aus der Organisation Gehlen, benannt nach dem Gründer
der Organisation, Reinhard Gehlen, Generalmajor der Wehrmacht und ehemaligen Mitglied der NSDAP.
Das ZDF berichtete in der Sendung Frontal21
16

am 15. Juli 2014 auf der Aussage eines Insiders, dass der BND und ein Telekommunikationsunternehmen den gesamten Internetverkehr des weltweit größten Netzknotens
DE-CIX in Frankfurt am Main seit 2009 vollständig „doppeln“ und höchstwahrscheinlich
an die NSA weiterleiten würden. Durch die
anlasslose, flächendeckende Überwachung
des gesamten deutschen Internetverkehrs verstoße der BND damit gegen das Grundgesetz.
Ich nutze einen bestehenden Kontakt zum
Bundesnachrichtendienst, um Klarheit zu
bekommen. Alexander Ebert ist Angestellter
beim Bundesnachrichtendienst: „Ich bestätige die Überwachung des deutschen Internetverkehrs des BND nicht. Das haben wir auch
gar nicht nötig. Schließlich gibt es die NSA.“
Er erklärt, dass deren Internetabhörerei über
Seekabeln verläuft. In sogenannte „Einwahlknoten“ klingt die NSA sich ein und liest mit.
Noch einfacher gehe das über geostationäre
Satelliten. Deren Daten seien sehr einfach zu
empfangen, man brauche nur den richtigen
Kanal. „Das ist so, als würde man beim Fernsehen herumzappen.“, witzelt Ebert.
Trotz aller Kritik am Ausmaß der US-Spionage in Deutschland teilen deutsche Sicherheitsbehörden offenbar noch immer heikle
Informationen mit den Vereinigten Staaten,
dies berichtet die Washington Post. Ebert
bestätigt das: „Es herrscht ein Informationsaustausch über Länder hinweg. Die deutschen
Behörden wenden sich sehr wohl an die NSA,
um Informationen zu sammeln.“
Des Weiteren soll der BND Telefongespräche als sogenannten Beifang abgehört haben.
„Beifang ist eine gängige Methode unserer
Spione“, erklärt mein Informant, „möchte man das Telefongespräch einer wichtigen Person aufzeichnen, wiederspricht das
dem Grundgesetz. Abhörung ist schließlich
nur gestattet, wenn ein Verbrechen oder der
akute Verdacht vorliegt. Stellt man sich aber
beispielsweise daneben, telefoniert mit seiner Mutter und nimmt dabei „rein zufällig“
das Gespräch der Persönlichkeit als „Hintergrundgeräusch“ auf, nennt man das Beifang.
Und kein Gericht kann das verurteilen.“

Das Internet ist voll von Gerüchten und Verschwörungstheorien über den Bundesnachrichtendienst. Was nur heiße Luft ist und was
tatsächlich der Wahrheit entspricht, lässt sich
nicht sagen. Fakt ist, dass Überwachung nicht
nur von der NSA ausgeht. Auch in Deutschland und ganz Europa steckt die Regierung
ihre Nase in Bürgerangelegenheiten. Der
Europäische Gerichtshof hat die anlasslose
Speicherung von personenbezogenen Daten aus Telefonnetzen und dem Internet im
April 2014 diskutiert. Vorratsdatenspeicherung wurde als grundrechtswidrig erkannt
und EU-weit aufgehoben. EU-Kommission,
Ministerrat und das konservative Lager im
EU-Parlament machen sie 2015 wieder zum
Thema und wollen Sie doch durchsetzen. Frei
nach dem Motto: Du bist solange ein Verbrecher, bis das Gegenteil bewiesen wird oder
Wir brauchen solange Beweise für das Gegenteil, bis du ein Verbrecher bist.
Nicht der Staat ist transparent, sondern der
Bürger. Wirklich anonym unterwegs zu sein
ist im Zeitalter von Big Data nahezu unmöglich. Allein die Nutzung eines Handys lässt
massenhaft Daten anfallen, die Hinweise auf
den Nutzer geben. Das geliebte Smartphone

wird zur eigenen, persönlichen Wanze. Die
Datenschätze der Ermittlungsbehörden füttern aber nicht nur die Mobilfunkprovider.
Teilweise hat man den Eindruck, dass wir
alle mit einer schonungslosen Ignoranz unsere Daten zur freien Verfügung in die Welt
hinaus schmeißen.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Google
sämtliche Nutzer-Daten speichert. Das Megaunternehmen gibt auf Anfrage sogar Auskunft, welche Daten gespeichert werden.
Trotzdem googeln die Deutschen fröhlich
weiter.
Facebook will Werbung künftig noch stärker
auf einzelne Nutzer zuschneiden. Das soziale Netzwerk ist kostenlos. Man sollte eines
nicht vergessen: Wenn man für einen Dienst
nichts zahlt, ist man nicht der Kunde, sondern
das Produkt.
Der NSA-Skandal begann im Sommer 2013
und die Auswirkungen auf das Sicherheitsbewusstsein der Internetnutzer war wohl noch
nicht gravierend genug. Über ein Jahr Edward Snowden, aber nichts ist passiert. Es ist
nie zu spät, aktiv zu werden. )))

Die drei deutschen Geheimbünde:
BND
Der Bundesnachrichtendienst ist der Auslandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland. Er ist zuständig für die wirtschaftliche, politische und militärische Auslandsaufklärung.

MAD
Der Militärische Abschirmdienst ist der Geheimdienst der
Bundeswehr und nur für diese zuständig.

BfV
Das Bundesamt für Verfassungsschutz ist der Inlandgeheimdienst Bundesrepublik.

Außerdem hat noch jedes Bundesland seinen eigenen Verfassungsschutz. In Thüringen heißt er z.B. TLfV (Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz).

17

Guten Tag, hier ist der Anschluss
von Eric Cartman
Campus:echo hat einen Experten, Alexander Ebert, zu Datenschutz befragt. Er ist in einem der Geheimbünde von
Deutschland tätig und verrät euch den Masterplan für einen Handyanschluss, der nicht mit eurer Identität in Verbindung gebracht werden kann. Darauf könnt ihr endlich nach Herzenslust streamen, Katzenvideos illegal downloaden
oder eure Lieblings-Pornos gucken, ohne dass ein Beamter der Regierung euch über die Schulter schaut.
von Debora Schießl
Im Paragraph 111 des Telekommunikationsgesetztes heißt es klipp und klar, dass der
Provider für jeden Telefonanschluss „den
Namen und die Anschrift des Anschlussinhabers […] vor der Freischaltung zu erheben und unverzüglich zu speichern“ hat. Es
sollte also unmöglich sein, ein Handy zu
besitzen, das nicht auf den eigenen Namen
registriert ist. Die Realität sieht jedoch anders aus. Bei vielen Discountern muss man
keinen geltenden Ausweis vorlegen, wenn
man eine SIM-Karte kauft. Die Freischaltung der Karte nimmt erst der Provider vor.
Sie kann auf den Namen Max Power, Dagobert Duck oder Wladimir Putin erfolgen,
wenn die Aktivierung übers Internet stattfindet. Der Name wird nicht überprüft, wohl
aber die Stadt und ob der Straßenname dort
existiert. Eric Cartman wird als Name akzeptiert aber meine Adresse Steiniger Weg 1 in
12345 Southpark wird leider abgelehnt. Zur
Freischaltung übers Internet wird außerdem
aber eine anonyme Email-Adresse benötigt.

Foto: Johannes Küfner
Model: Annika Wunderlich

Ebert wies darauf hin, dass die ganze Angelegenheit ebenfalls anonym erfolgen muss,
z.B in einem Internet-Cafe. Allerdings kann
es Bußgelder hageln, wenn meine offensichtlich unsinnigen Daten entlarvt wer-

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den. Darf mir der Staat verbieten, dass ich
meine SIM-Karte anonym nutzen möchte? Bin ich schon ein Verbrecher, wenn ich
zwar keine Straftat zu verbergen habe, aber
die Möglichkeit dazu hätte? Quasi Bestrafung für eine Straftat in der Zukunft, die ich
noch nicht begangen habe, aber dabei auch
nicht erwischt werden könnte, da ich anonymisiert bin – klingt sinnlos, ist es auch.
Das Totschlagargument: Die nachlässige
Haltung der Mobilfunk-Provider sei eine
Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Aber
Straftäter würden auch bei sorgfältigerer
Ausweißprüfung Wege finden, unerkannt zu
operieren. Man denke an ausländische SIMKarten oder die Anmeldung der Karten auf
Strohmänner. Identitätsdiebstahl bedeutet,
dass sich Menschen nicht mit Eric Cartman,
sondern mit dem Namen einer existierenden
Privatperson anmelden. Die ganze Sache ist
Neuland für unsere Gesetzgeber, Richtlinien
müssen erst noch diskutiert und entwickelt
werden. Selbst Ebert möchte so anonym wie
möglich bleiben: „Es heißt ja immer: Wenn
du nichts zu verbergen hast, dann hast du
auch nichts zu befürchten. Aber erst, wenn
ich nichts mehr zu befürchten habe, brauche ich nichts mehr verbergen. Die Geset-

zeslage kann sich schließlich ändern, und
auf einmal sind legale Dinge illegal.“ )))

1. Erstellen eine
r anonymen Em
ailAdresse:
a. beliebigen Na
men aussuchen,
der sehr häufig
vorkommt (z.B.
Rudi Müller).
b. eliebige Stad
t in Deutschlan
d
aussuchen und
in Google eingeben.
c. die Landkarte
der Stadt sowei
t
vergrößern bis
Straßenamen
sichtbar werden.
d. ein markantes
Gebäude aus
wählen. Dann er
scheint links
oben Postleitzah
l und Straßenname dieses Gebä
udes.
e. Postleitzahl un
d Straßenname
verwenden, die
Hausnummer
jedoch zufällig
zwischen 1 und
100 auswürfeln
f. Mit diesen Da
ten eine EmailAdresse erstelle
n
2. Mit diesen Da
ten ebenfalls da
s
Handy freischa
lten

Internetkommentarmenschen
Wer kennt sie nicht? Sie tauchen in den Kommentarsektionen diverser Nachrichtenseiten (Spiegel-Online, Welt.de,
Tagesschau) auf und hinterlassen eine Spur aus verbalisiertem Nonsens und inhaltlichen Niveaulimbos.
Namen haben sie viele, am besten passen wohl Begriffe wie „Trolle“ oder eben „Internetkommentarmenschen“. Neben
mangelhafter Rechtschreib- und Grammatikkenntnissen zeichnen sich solche Menschen durch die Torpedierung von
Diskussionen mit zweifelhaften oder völlig realitätsfernen Argumenten aus. Charakteristisch sind Sprüche wie „Das
wird man ja wohl noch sagen dürfen“ oder „Ich bin ja kein Nazi, aber...“.
von Paul Siethoff
Die Frage ist nur, was diese Menschen antreibt. Es ist sicherlich nicht der verzweifelte
Hilfeschrei nach politischer Partizipation,
der sie zu einem solchen Handeln verleitet.
Ein möglicher Grund könnte sein, dass
das Internet völlig neue und umfassende
Möglichkeiten der Selbstdarstellung bietet.
Nahezu auf jeder Internet-Plattform kann der
User sich mit einem falschen Namen oder
komplett anonym anmelden. Dies führt dazu,
dass diese Nutzer nicht in Gefahr geraten,
in der Realität mit ihren Online-Aussagen
konfrontiert zu werden. Umgekehrt heißt
das natürlich auch, dass der schlimmste
Online-Wutbürger offline ein ganz normaler,
zurückhaltender, angepasster Bürger ist. So
fühlten sich beispielsweise Nutzer des RTLOnlineforums dazu genötigt, Menschenverachtendes vom Stapel zu lassen. Nach einer
Meldung über ein führerloses Flüchtlingsschiff im Mittelmeer kamen Kommentare
wie „Sprengt das Schiff“ (anonymer User)
und als Antwort: „Dann schwimmt ja noch
mehr Müll im Meer“ (A.Müller). Man mag
bezweifeln, ob sie diese Aussagen auch vor
einem „realen“ Publikum gemacht hätten.

bei denen es regelmäßig zu KommentarSchlachten in diversen Online-Foren kommt.
So bekommt der unbeteiligte Nutzer beim
Lesen der Kommentare auf tagesschau.
de das Gefühl, der überwiegende Teil der
Deutschen würde Putins Ukraine-Politik
unterstützen. Das ist schlichtweg falsch. Es
gibt sicher einen gewissen Anteil an PutinVerstehern in der deutschen Bevölkerung,
aber der ist sicher nicht so hoch, wie uns die
Kommentare glauben lassen. Eine plausible
Theorie zur Erklärung dieser prorussischen
Meinungsübermacht ist, dass man solchen
Stimmen einfach kaufen kann. Das heißt im
Klartext: Bestimmte Personen werden dafür
bezahlt, in diversen Internetforen gewisse
Ansichten zu verbreiten.
Ein anderes Phänomen, das dem ein oder
anderen schon aufgefallen sein könnte, sind
die heftigen Reaktionen auf AfD-kritische
Artikel, beispielsweise auf Facebook. In
nackten Zahlen gesprochen, machen Wähler
der AfD nicht mal zehn Prozent der Bevölkerung aus. Trotzdem sind sie, zumindest
gefühlt, in jeglicher Diskussion präsent, die
auch nur im Entferntesten ihre Partei betrifft.
Möglicherweise fühlen sie sich ja aufgrund

der Übermacht der AfD-Gegner dazu genötigt, ihrer Stimme Ausdruck zu verleihen. Wichtig dabei ist, dass diese fleißigen
Schreiberlinge meinen, ihren Kommentaren
immer einen pseudo-intellektuellen Touch
verleihen zu müssen.
Vielleicht, weil sie ernst genommen werden
wollen, vielleicht, weil sie sich von den
„doofen Braunen“ abgrenzen wollen,
vielleicht, um das Bild einer akademisch
geprägten Partei aufrecht zu erhalten.
Wer jetzt anfängt, sich Gedanken wegen
dieser Entwicklung zu machen, sollte wissen, dass es auch Gegenbewegungen gibt.
Aktionen wie „Hogida“ (Hobbits gegen die
Isengardisierung des Auenlands), „Schneegida“ (Gegen die Eislamisierung des Abendlandes) oder „Hunde raus aus Deutschland“
nehmen die islamophoben, radikalen und
rassistischen Strömungen satirisch auf die
Schippe.
Beruhigend zu wissen, dass es bei jeglichen Dummheiten im Internet auch immer
genügend Leute gibt, die sich darüber lustig
machen. )))

Illustration: Debora Schießl

Hinzu kommt die Tatsache, dass in Deutschland (zum Glück) Meinungsfreiheit herrscht.
Das bedeutet gleichzeitig leider aber auch,
dass intellektuelle Dünnbrettbohrer meinen,
diese voll ausschöpfen und dabei die Grenzen der gesetzlichen Regelung übertreten
zu müssen. Zu rechtlichen Konsequenzen
kommt es dabei selten, da meist die Meldung
und/oder Sperrung solcher Nutzer das Mittel
der Wahl ist. Es gibt sogar schon Seiten wie
„Kartoffeln im Netz“, die sich einen Spaß
daraus machen, die Stilblüten (meist rechtsradikaler) Kommentarspalten zu posten. Da
lernen wir dann beispielsweise, dass Jesus
eigentlich kein Jude, sondern Germane war,
und das Neue Testament das Ergebnis zionistischer Lügenpropaganda ist. Oder dass
wir bald Opfer eines weltumspannenden
jüdischen Verschwörungskomplotts werden.
Manchmal weiß man wirklich nicht mehr, ob
man lachen oder weinen soll.
Aber natürlich sind Fremdenfeindlichkeit
und Rassismus nicht die einzigen Themen,
19

Pro-Contra - Lust auf
eine kleine Debatte?
Diskutieren finde ich spitze. Noch schöner,
wenn es eine Diskussion ist, bei der beide
Parteien einen recht klaren Standpunkt vertreten. Die Rubrik „Pro-Contra“ ermöglicht
genau dies. Zwei Autoren können bei einem
Wortgefecht mal so richtig die Sau rauslassen
- wenn sie das wollen.
Natürlich kann man sich bei den oftmals
sehr einseitigen und leicht übertrieben formulierten Texten fragen, ob dies gerade der
wirkliche Standpunkt des Verfassers ist. Aber
selbst wenn nicht - im Alltag schreiben wir
uns doch ebenfalls unsere Pro-Contra-Listen!
Sie helfen uns, einen klareren Blick auf diskussionsbedürftige Themen zu bekommen.
Sie ermöglichen ein schnelleres und geziel-

tes Ergebnis. Nach schreiben besagter Liste, muss man sich im Endeffekt nämlich im
tiefsten Inneren gezielt für oder gegen etwas
entscheiden. Damit entfällt das ewige Abwägen, kein „was wäre, wenn …“ und „auf der
anderen Seite muss man jedoch ebenfalls beachten …“.
Debattierclubs haben aus dieser Art von Meinungsaustausch einen regelrechten Sport geschaffen. Hierbei spielt die eigene Meinung
eine noch geringere Rolle. Die Diskussionsthemen werden teilweise willkürlich gewählt,
den Teams wird per Los zugeordnet, ob sie
für oder gegen etwas argumentieren müssen.
Und ist es nicht genau diese Position, die wir
tagtäglich vertreten müssen? Eine Rolle spielen, ohne aus der Rolle zu fallen? Argumen-

PRO
te für eine Gegenseite finden, auch wenn sie
unserer eigenen zuwider sein könnte? Unsere
Analyse- und Argumentationsfähigkeit wird
somit geschult. Recht praktisch meiner Meinung nach, da ich finde, dass die alltägliche
Kommunikation zu 90% aus kleinen Schauspielereien besteht, in denen wir stets angesichts eines anderen Gegenüber in eine Rolle
schlüpfen müssen.
Aber lasst euch trotz dieser ganzen Schlagabtausche und Meinungsäußerungen nicht
verwirren. Vergesst nicht, was ihr selber
eigentlich denkt. Obwohl ich der sicheren
Überzeugung bin, dass ich euch überzeugen
konnte und ihr an dieser Stelle mir zustimmen werdet - „Pro-Contra“ ist toll! )))

von Charlotte Krause

CONTRA
Ich bin ein Freund kontroverser Diskussionen,
die mit zahlreichen Argumenten für und gegen
eine Sache gespickt sind. Ansonsten wäre das
ganze Diskutieren ja langweilig und unnütz,
vor allem dann, wenn man sich schon vorher
in allen Punkten einig wäre. Jetzt fragt sich bestimmt jeder, warum ausgerechnet ich auf einmal einen Text gegen Pro-Contra-Diskussionen
schreibe. Schließlich sind diese doch ein fester
Bestandteil jeder Campus-Echo-Ausgabe. Der
Grund dafür ist ganz simpel. Ich kann mich
einfach nicht zu hundert Prozent auf eine Seite
stellen und reinen Gewissens nur mit Pro oder
Contra argumentieren. Natürlich habe ich zu
vielen Themen eine gewisse Grundhaltung, die

20

entweder überwiegend positiv oder negativ ist.
Trotzdem lasse ich mich auch gerne von den
Argumenten der Gegenseite überzeugen. Fest
auf einem Standpunkt zu beharren und andere
Argumente komplett zu ignorieren ist halt nicht
mein Ding. Genau deswegen habe ich solche
Diskussionen schon damals in der Schule nicht
gemocht. Man musste immer einer Pro- oder
Contragruppe beitreten und die andere Seite
mit einseitigen Argumenten so vehement wie
nur möglich bombardieren. Das ist doch alles
andere als authentisch und irgendwie auch kontraproduktiv. Besser wäre es, Pro und Contra in
einem Statement zu vereinen, anstatt sie gegeneinander antreten zu lassen. Immerhin kommen

die Zuschauer voll auf ihre Kosten, indem sie
ein emotional überladenes Duell mit gekünstelten Wortgefechten serviert bekommen. Diese
Form der seichten Unterhaltung trifft jedoch
nicht meinen Geschmack. Vielleicht bin ich
auch nicht der richtige Typ für dieses Format,
das schon eine Menge Showtalent erfordert.
Bei manchen Themen verliere ich dann aber
doch meine Beherrschung, sodass ich mich auf
diese Show einlasse, in der ich die Contrafraktion vertrete. Unter den Top 3 sind dabei das
RTL-Nachmittagsprogramm, die widerliche
Apfel-Kürbis-Suppe in der Mensa und natürlich Pro-Contra-Diskussionen. )))

von Robert Horn

Campus:Echo braucht dich!

Foto: Fabian Otto

Die Redaktion benötigt deine Hilfe, denn für das nächste Cover unseres heißgeliebten Studentenmagazins gibt es noch kein Titelbild.
Wenn du gern fotografierst und einmal eines deiner Werke auf einer
Zeitschrift bestaunen möchtest, dann nimm an unserem Fotowettbewerb teil. Bezüglich des Schlagwortes „Zeitdruck“ wählen wir die
kreativste Umsetzung aus den Einsendungen aus. Also ran an die
Kamera und tob dich richtig aus! Denn neben der Tatsache, dass alle
Studenten unserer Universität dein Bild zu Gesicht bekommen, (ja,
wirklich: ALLE) lassen wir uns natürlich nicht mit einem zusätzlichen Preis lumpen. Dich erwartet eine fabelhafte Überraschungsbox, die dein Herz höher schlagen lässt.
Der Einsendeschluss ist der 15.04.2015

21

Interview mit dem Oberbürgermeiste
Thüringen Andreas Bausewein
Oberbürgermeister Andreas Bausewein hat selbst von 1999 bis 2002 an der PH/Uni Erfurt studiert, ist in Erfurt aufgewachsen
noch anmerken, dass ich die hochschulpolitischen Fragen erst spät an seine Sekretärin geschickt habe, weshalb er nicht über

Sehr viele Inhalte des neuen Koalitionsvertrags lassen erkennen, dass
die neue Landesregierung ernsthaft
zur Verbesserung der Hochschulen beitragen möchte. Warum aber
wurden viele Absichten allgemein
gehalten, anstatt konkrete Verbesserungsvorschläge der studentischen
Vertretungen der letzten Jahre aufzugreifen und im Koalitionsvertrag
festzuschreiben?
Na gut Sie müssen einen Vertrag ja auch
irgendwie abgrenzen an einer bestimmten
Stelle, wir haben glaube ich insgesamt 106
Seiten. Wenn man jetzt bis ins letzte Detail
geht bei jeder Frage, dann hat man keine
100 Seiten, sondern 1.000 zum Schluss.
Letztendlich ist der Vertrag eine gemeinsame
Grundlage, mit der man 5 Jahre lang arbeiten
kann. Und zweitens stehen viele Dinge im
Koalitionsvertrag zwar unter Finanzierungsvorbehalt, allerdings haben Kommunen und
Bildung Vorrang, das wurde so vereinbart.
Im KV ist die Rede von der Förderung
der Demokratisierung an Hochschulen die Rede. Unerwähnt bleibt dabei
jedoch eine konkrete Position der Koalition zu den äußerst intransparenten und ebenso undemokratischen
Hochschulräten, die ja im Gegensatz
zu den studentischen Vertretungen
über die eigentliche Entscheidungsgewalt an Universitäten verfügen.
Werden Schritte zur Demokratisierung der HSRs unternommen?
Das muss man sich auf jeden Fall anschauen,
ich bin mir jetzt auch nicht ganz sicher, wie

die HSRs besetzt werden, aber ich meine
durch das Ministerium. Wenn man sich die
Berufung von Präsidenten an Hochschulen
in den letzten Jahren anschaut, da gab‘s ein
paar Sachen, die konnte man zumindest
hinterfragen, also wie das Verfahren auch
gelaufen ist. Also man muss sich anschauen,
wie man ein solches Gremium demokratisieren kann, vor allem wenn es die Macht hat,
die es hat.
„Die finanzielle Belastung der Studierenden“ soll laut KV ebenfalls
begrenzt werden. Dass auf Studiengebühren verzichtet wird, freut alle
Studierenden, was aber geschieht
mit den nach wie vor bestehenden
Bildungsgebühren wie beispielweise
den Langzeitstudiengebühren?
Diese Gebühren bleiben, aber wir haben uns
verständigt, dass die Kriterien ausgeweitet
werden sollen, die im Zweifelsfall auf die
Studienzeit angerechnet werden können.
Das heißt letztendlich, dass der normale
Student, der genügend Gründe anbringen
kann, warum er deutlich länger studiert,
keine Langzeitstudiengebühren zahlen soll.
Es soll sich aber zum Beispiel niemand als
Langzeitstudent eintragen, nur um an das
Semesterticket zu kommen.
Nicht erwähnt wird ebenfalls das
Elitenförderungsprogramm „ProExzellenz“, dessen Mittelvergabe in den
letzten Jahren intransparent und
ohne Mitbestimmung der Studierenden ablief. Wäre es ihrer Meinung
nach nicht sinnvoller, das Programm
zu streichen und die freiwerdenden
Mittel der Grundfinanzierung aller
Hochschulen zukommen zu lassen?
Also im KV haben wir uns mit großer
Mehrheit darauf geeinigt, das Programm
fortzuführen. Bei den Vergabedetails bin
ich jetzt überfragt, das werden wir nochmal
nachprüfen.
Aber finden Sie es grundsätzlich
besser, diese Mittel für Eliteförderung

2222

anstatt Grundfinanzierung auszugeben, obwohl das eigentlich Ungleichheiten fördert?
Hm...naja ich sag mal so, das ist immer die
Frage, ich bin ja nicht in der FDP – wo man
einen gewissen Wert darauf legt, dass es
Ungleichheiten gibt in der Gesellschaft (Alle
Lachen). Aber ich glaube man muss auch
Eliten, wenn es Bildungseliten sind, fördern,
wo man sie fördern kann, weil sie nämlich
der Allgemeinheit auch was bringen.
Besteht Ihrer Meinung durch die
Angliederung des Wissenschaftsbereiches im Wirtschaftsministerium
nicht die Gefahr, dass Forschung in
Zukunft nur noch gefördert wird,
wenn sie wirtschaftstauglich ist?
Nein, glaub ich nicht. Alleine schon deshalb,
weil es im Ministerium eine differenzierte
Struktur geben wird, also ab Mai/Juni wird
es im Wirtschaftsministerium einen zweiten
Staatssekretär geben, der nur für Wissenschaft zuständig sein wird. Man wird die
beiden Ressorts unter einem Dach vereinen, aber es wird nicht alles in einen Topf
geworfen.
Diese Fragen haben wir Ihnen jetzt
natürlich nur gestellt, weil sie bis
2002 selbst Student an der Universität Erfurt waren. Das campus:echo
gab es damals noch nicht, aber gab
es dennoch Studentische Zeitungen
und Magazine und wenn ja welche?
Das kann ich Ihnen jetzt ehrlich gesagt gar
nicht sagen, ich war ein Student im fortgeschrittenen Alter, hab davor schon einen
Beruf gelernt und war 29, als ich 2002 fertig
geworden bin und hatte damals schon 2 Kinder. Ich gebe zu, zu den PH/Uni-Zeiten war
ich eher ein Streber-Student, denn ich wollte
pünktlich fertig werden, gerade wegen der
Kinder.
Im Jahr 2000 wurde das neue Bibliotheksgebäude fertiggestellt – hat es
Ihnen auch damals schon ab und zu

er und Landesvorstizenden der SPD
und kann jetzt als Landesvorsitzender der SPD auch bei der Hochschulpolitik Anregungen einbringen. Fairerweise muss ich
alle Details der Hochschulpolitik informiert sein konnte.
Von Simon Schairer
auf den Kopf geregnet?
Nee, tut es das heute?!
Haben Sie sich in der Hochschulpolitik engagiert, z.B. in FSR, StuRa oder
Senat?
Nein, das hätte ich gar nicht geschafft. Ich
war ab August 1999 JuSo-Vorsitzender bis
2004. Aber zu den Wahlen bin ich gegangen,
ich bin zu jeder Wahl gegangen, seitdem ich
wählen darf.
Bei der alljährlichen Vollversammlungen des StuRas liegt die Wahlbeteiligung meist nicht einmal bei 20%
- war ihre Studierendengeneration
auch schon so (hochschul)politikverdrossen?
Ja, auf jeden Fall, die Beteiligungsquoten
waren nicht höher als heute. Aber das ist
inzwischen überall so...allerdings gehört es
auch zur Wahlfreiheit, ob man wählen geht
oder nicht. Aber was ich als „Ossi“ trotzdem
nicht begreifen kann, ist, wie bei den Landtagswahlen so viele Menschen, die noch wissen müssten, wie es ist, nichts entscheiden
zu dürfen, nicht wählen gegangen sind. Mit
dem Standardargument: „Ich kann doch eh
nichts ändern“, dann ändert sich aber etwas
und 4.000 Menschen demonstrieren auf dem
Domplatz gegen Rot-Rot-Grün, mich würde
interessieren, wie viele von denen Nichtwähler waren.

Ja, der PHauker. (Kopfschütteln meinerseits)Was, den gibt’s nicht mehr? Auf dem
Campus, vorne am Hauptgebäude, links
rein, 1,50 DM das Bier. Und die Engelsburg
natürlich, aber die war damals noch viel
kleiner und uriger, damals sind wirklich nur
Studenten dahin.
Wie haben Sie sich das Studium
finanziert (Stichwort kreative Studentenjobs)?

Ich hatte außerordentliches Glück, ich hatte
ein Stipendium von der Böckler-Stiftung.
Die klassische Spalt-Frage: Wo hat
Ihnen das Studieren besser gefallen:
An der FH oder an der Uni?
(lacht...) Da muss ich jetzt ganz salomonisch
antworten. Es hatte beides seine Vorteile,
wirklich. Die FH war damals in den 90ern

ein bisschen verschulter, während ich an der
Uni/PH fast die völlige Freiheit hatte. Aber
beides hatte seine Qualität.
Schlussfrage: Zum 10. Geburtstag
wünschen sie dem campus:echo?
Viele begeisterte Leser und glückliche
Redakteure. )))

23

Foto: Stadtverwaltung Erfurt

Welche Clubs, Bars und Kneipen waren damals die der Studentenszene?

PEGIDAHOGESAKAGIDABOGIDA...IDA
Nach deutschlandweiten Neugruppierungen des Zwergenaufstandes PEGIDA zu KAGIDA in Kassel, BOGIDA in
Bonn usw. usw., haben sich nun noch viel mehr Gruppierungen gebildet, um auf die wirklich ernsten Probleme in
Deutschland aufmerksam zu machen.
Allen voran marschiert das Polizeibündnis „POlizisten Gegen Radikal Orientierte Moslems“ (POGROM). Es fordert
härteres Durchgreifen in Asylantenheimen bei Ausschreitungen aller Art. Der Klub der „Pädagogen und Dominikanermönche gegen Hilfsunterricht von Islamisten in
Lehrgebäuden“ (PÄDOPHILE) fordert Reformen im Bildungssystem und wird sogar vom Vatikan geschützt. „Die
Islamisierung schadet vielen und hilft wenigen!!“ skandiert
der Verband „ Liberal Orthodoxe Bolschewisten für den
BoYkott ISlamistischer Muslime“ (LOBBYISMUS). Die Tendenzen zeigen: Es gibt noch Hoffnung für das Abendland,
jetzt, wo die wahren Probleme Deutschlands endlich ans
Tageslicht gerückt sind.

Desolate Zustände in deutschen
Massenpflanzenhaltungsbetrieben
Laut einem neuen Bericht von AgricultureRightsWatch (ARW) sollen die Zustände in deutschen Agrarbetrieben deutlich schlimmer sein als angenommen. Die NRO liefert alarmierende Zahlen: Weniger
als 3 cm² soll eine durchschnittliche Gerste zum Leben haben, ein Schutz gegen Wind und Wetter: Fehlanzeige. Auch bei den Schlachtmethoden seien die
Züchter nicht zimperlich, so sollen im letzten Jahr
wieder zahlreiche Körper von Roggen und Weizen
ohne jegliche Betäubung durchtrennt worden sein.
„Die Pflanzen rotten qualvoll vor sich hin, die letzten Minuten vor ihrem Tod stehen sie extrem unter
Stress“ meint Horst Walter, der auch von ähnlich
qualvollen Schlachtmethoden bei Mais und Kartoffeln berichtet. „Es reicht! Das kann und muss ein
Ende haben! Wir können so etwas in unser heutigen
aufgeklärten Konsumgesellschaft nicht mehr verantworten!

Die ganze Welt hat Schlagseite
(23 Grad, um genauer zu sein).
Zur Feier des 10. Jahrgangs
des campus:echo
zeigen wir uns aussnahmsweise von
unserer aufrechten Seite.
Lasst euch von der Welt nicht auf
die schiefe Bahn bringen,
lacht euch lieber selber krumm!

Campus-Weihnachtsmarkt für 12.000 €
Solange der Stura unser Geld verfeuert,
bekommt man wenigstens

keine kalten Hände
oder

einen klaren Kopf.

Türkisch
im Rieth e

Erfurt (spa). Nach Ang
Nachrichtenagenturen ist
gestrige Nacht von türki
den.
Präsident Recep Tayyip E
des kommunistischen Umst
Volkes in Thüringen müss
derheit des Landes gesc
Rieth und der Rote Berg
kei“ gewesen, ebenso wie
te Morgen erklärten sich
und Roter Berg“ für u
Referendum für kommenden
Wahl seien allerdings nu
die für die Unabhängigke

+ + + Schlimmer Finger: Einbrecher bleibt in Tür hängen + + + Haftbefehl: Rapper von Polizei festgenommen + + + Aufs Korn
Prüfungsdruck: Toilettenverbot während Klausuren + + + Geb
24

*

Seit fünf Jahren ist dies die
erste Schlagseite an der eine
Frau mitgewirkt hat.
Sie durfte allerdings nur
Karikaturen zeichnen. Bei
entsprechend positiver Resonanz behalten wir uns vor,
ihr Germanstikstudium anzuerkennen und ihr zu gestatten Texte zu verfassen.

he Soldaten
einmarschiert!

FSR Stawi annektiert
eigenständige Studiengänge
Den meisten westlich-orientierten FSR mag es im Glühweindunst entgangen sein, aber der FSR Stawi hat mit einer Satzungsänderung den
autonomen Studiengang Internationale Beziehungen annektiert. In Lehrveranstaltungen der IB-Studierenden weht nun die Stawi-Flagge. Zudem
wird dort nur noch Stawi gesprochen, eine Mischung aus überheblichen
Politikerjargon und besoffenen Lallen. Die Sprecherin des FSR Stawi begründete die Invasion mit dem Schutz der IB-Minderheit, welche größtenteils staatswissenschaftliche Wurzeln hätte. Das Referendum zur Annektierung der Studiengänge soll, laut ununabhänigen Beobachtern, ohne
Wählerverzeichnis erfolgt sein.
Interne Dokumente, die der Schlagseite-Redaktion vorliegen, belegen,
dass der Machthunger des FSR Stawi noch nicht gestillt ist. In den Papieren werden Pläne beschrieben, die angeschlagenen Studiengänge Slawistik
und Germanistik zu übernehmen. Slawistik müsse, so heißt es „heim in
die Fakultät geholt werden“, die FSRlose Germanistik müsse wegen der
intellektuellen Gefahr unbequemen Journalistennachwuchses mundtot
gemacht werden.
Der FSR Anglistik/Amerikanistik reagierte mit Sanktionen für Stawi-Studierende auf ihren Partys. „Es gehört sich nicht, sich in andere Studiengänge einzumarschieren!“, so eine Amerikanistik-Sprecherin. Der Stura
diskutierte über eine nicht-bindende Resulution und verurteilte das Vorgehen des FSR Stawi lauwarm. Das Veto der ständigen Stawi-Vertreter im
Stura verhindert bislang die Subventionen der Stawis zu streichen. Allen
Studierenden wird empfohlen Gasmasken und Alkoholvorräte anzulegen.

Nach dem Ende des Kooperationsverbots

gaben diverser unabhängiger
t das Rieth und der Rote Berg
ischen Soldaten besetzt wor-

Erdogan erklärte, angesichts
turzes gegen den Willen des
se die türkischsprachige Minchützt werden. Zudem sei das
g schon immer „Teil der Türe die Krim für Russland. Heuh die „Volksrepubliken Rieth
unabhängig und kündigten ein
n Sonntag an. Zugelassen zur
ur türkischsprachige Bürger,
eit stimmen wollen.

genommen: Jägdgefährte erschossen + + + 10 Jahre Schlagseite: keine Frauen und Kinder mehr an Bord + + +
bechert: SuL bleibt montags geschlossen + + +

25

Geheime Plätze
Du liest gerade diesen Text und studierst an der Universität Erfurt? Na, dann wirst du ja deinen Campus mindestens
schon seit ein paar Monaten, wenn nicht sogar Jahren, kennen. Orte wie das Audimax, die Bibliothek oder die Mensa
findest du wahrscheinlich im Schlaf. Doch wie sieht es mit den anderen Orten auf dem Campus aus?
von Robert Horn

Illustrationen: Theresia Zimmermann

Kellergänge, Verwaltungsgebäude
Okay, es ist vielleicht nicht so überraschend, dass es unter dem Verwaltungsgebäude einen Keller gibt. Doch dieser Keller hat ein ganz eigenes
Flair. Auf jeden Fall ist er nichts für Leute, denen schon beim Betreten
eines normalen Kellers mulmig wird, denn es ist dort gruseliger, als man es
einem Keller auf dem Unigelände zutrauen würde. Er ist zwar nicht extrem
dunkel, aber die Mauern sehen aus, als könnten sie aus einem Bunker
stammen. Noch beklemmender sind aber die schweren Eisentüren, die das
ungemütliche Bunkerfeeling erst so richtig ausmachen.

Neuer Grillplatz, vor dem MG2
Bis vor etwa einem Jahr war im (ein wenig baufällig wirkenden)
MG2 ein Kindergarten unterge-bracht. Der dafür obligatorische
Spielplatz befand sich direkt vor dem Gebäude. Mit der Fertigstel-lung des Max-Kade-Hauses Anfang 2014 ist der Kindergarten samt Spielplatz in bzw. vor dieses neue Gebäude umgezogen. Auf dem alten Spielplatz finden derzeit Umbauarbeiten
statt, auf deren Ergebnis wir uns freuen können. Es entsteht dort
nämlich ein neuer Grillplatz mit Sitzgelegenheiten und sogar
einer Boulebahn. Vor allem wäre das eine gute Alternative zu
dem etwas klein geratenen Grillplatz vor dem LG4.
26

Fernsehstudio, Keller unter dem LG1
Ob ihr es glaubt oder nicht, die Uni Erfurt hatte bis 2010 einen
eigenen Fernsehsender namens „Unicut“, der über Neuigkeiten
auf dem Campus, aber auch über Themen, wie z.B. die Wohnungs-suche in Erfurt, berichtete. Sämtliche Videobeiträge
wurden in einem relativ professionell ausge-statteten Studio im
Keller bearbeitet. Obwohl „Unicut“ schon seit ein paar Jahren
nicht mehr auf Sendung ist, blieb das Studio an selber Stelle
erhalten und befindet sich nun in einem Dornröschen-schlaf.
Einige durchaus interessante Relikte aus der „Unicut-Ära“ sind
immer noch auf YouTube zu finden.

Haus der Projekte (Graues Elend)
Dieses Gebäude wird in studentischen Kreisen auch gerne als das „graue
Elend“ bezeichnet. Es befindet sich direkt hinter der Sporthalle und ist in der
Tat eine ziemlich graue Erscheinung. Wer schon einmal am Stawi-Bierempfang teilgenommen hat, kennt das „graue Elend“ zumindest von außen, da
vor einer der Türen immer das Bier verkauft wird. Auch im Inneren hat dieses Gebäude sicherlich schon bessere Tage gesehen, wenn man sich allein
schon die bunte Sammlung alter Sofas anschaut. Trotzdem wird es von den
Fachschaftsräten und Hochschulgruppen für die wöchentlichen Sitzungen
und/oder als Lager (u.a. für alkoholische Getränke) genutzt. Außerdem entsteht im „grau-en Elend“ derzeit ein neues Büro für die Hochschulgruppen.

Selbstlernzentrum (SLZ),
LG1 2.OG
Jeder, der an dieser Uni einen Sprachkurs belegt oder
einen Sprachtest absolviert
hat, wird mehr oder weniger
bewusst mit dem Selbstlernzentrum (SLZ) in Berührung
gekommen sein. Dieses ist etwas umständlich zu betreten,
da man zuerst durch eine kleinere Tür und dann an einem
Tresen vorbeigehen muss.
Im SLZ finden hauptsächlich
Sprachkurse statt. Doch was
viele nicht wissen, ist, dass
man dort auch selbstständig
Sprachen erlernen kann. Hierfür könnt ihr euch bei den Hiwis ver-schiedenste Lernmaterialien ausleihen und diese
in einem der Räume nutzen.
Neben Büchern und Filmen
in Originalsprache steht auch
spezielle Lernsoftware zur
Auswahl, die man sich ansonst für viel Geld kaufen
müsste.

Senatssaal, MG1 10.OG
Das zehnstöckige MG1, welches zahlreiche Lehrstühle beherbergt, ist das
wohl markanteste Ge-bäude auf dem Campus. Es sind vor allem die Büros der Dozenten, die viele von euch aufsuchen, wenn sie dieses Gebäude
betreten. Viel spannender ist jedoch der Senatssaal ganz oben im 10.OG,
in dem die monatlichen Sitzungen des Senats der Uni stattfinden. Passend
dazu erinnert die Einrichtung dieses Saals mit seinem großen runden Tisch
sehr stark an einen jener Konferenzräume, die man hauptsächlich im Zusammenhang mit Geschäftsleuten großer Unternehmen kennt. Das Highlight sind allerdings die großen Fensterfronten, die einen der besten Ausblicke über die Stadt bieten. Ein ziemlich exklusiver Ort, zumal der Saal
auch nur im Rahmen der Senatssitzungen zugänglich ist.

LG 3, Am Hügel 1
Jedem von euch wird sicherlich zu Beginn des
Studiums aufgefallen sein, dass es die Lehrgebäude 1, 2 und 4 gibt, aber die Nummer 3
einfach nirgendwo zu finden ist. Natürlich hat
man das LG3 nicht vergessen, sondern außerhalb des Campus eingerichtet - und zwar in
der Nähe des Augusti-nerklosters. Dieses
Lehrgebäude ist eine ehemalige Kunstgewerbeschule, die nun von den Fachbe-reichen
Kunst und Musik für Lehrveranstaltungen
genutzt wird und unter Denkmalschutz steht.
Eine gute Gelegenheit zum Kennenlernen des
LG3 ist das alljährlich stattfindende Hügelfest, bei dem sich ein Besuch durchaus lohnt!

Unikum, Mensagebäude 1.OG
Eine Bar direkt auf dem Campus, in der man auch noch regelmäßig
feiern gehen und Bands live sehen kann. Zu schön um wahr zu sein!
Aber so etwas gab es tatsächlich einmal. Das Unikum (zuvor PHauker)
im Mensagebäude war bis zu seiner Schließung vor einigen Jahren eine
der beliebtesten Locations der Erfurter Studenten. Fragt Mensa Jürgen!
Heute ist das Unikum leider nicht mehr zugänglich und wird von der
Mensa intern genutzt. Die Chancen für einen Neuanfang des Unikums
stehen schlecht.
27

Meilensteine von campus:echo
von Julia Mayer und Robin Seel

campusecho
07. Juni 2005

Studentische Zeitung der

verschiedenes

NEUE ZEITUNG AN DER UNI
Nun, jeder Leser dieser Zeitung weiss es
ohnehin, seit Neuestem gibt es eine kleine
Flugblatt-Zeitung aus studentischer Hand.
Organisiert wird dieses alle zwei Wochen
erscheinende Machwerk von drei Studentinnen der Uni Erfurt. Für den Anfang
sind drei “Versuchsausgaben” geplant.
Unsere grundsätzliche Idee ist es eine

kleine Informations- und Unterhaltungsplattform für Studenten und Mitarbeiter
der Universität zu schaffen.
In diesem Sinne werden wir unser Bestes
geben. Versprochen!
Eure Sabine, Renate und Ilka

Aussicht auf den Campus / Foto: Lars Schladitz

Gremienwahlen BIOTIPPS......
Am 14. und 15. 06. 2005 finden von auf dem Campus
jeweils 9.00 bis 16.00 Uhr die Wahlen
der Vertreter im Senat, im Kollegrat und
in den Fakultätsräten sowie im Beirat für
Gleichstellungsfragen statt.
Für die Gremien sind neben Professoren
und Mitarbeiter auch eine feste Anzahl von
studentischen Vertretern zu wählen. An den
Aushangbrettern des Studierendenrates in
der Bibliothek und vor dem Haupteingang
der Mensa sind Musterstimmzettel,
Kandidatenlisten und weitere Informationen
einzusehen.
Kanzler Martin HenkelErnst ruft in seiner Wahlbekanntmachung
alle Wahlberechtigten - für die Studentenvertreter also die Studenten selbst - auf,
von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.
Einfach an den Studentenausweis denken
und an einem der beiden Tage vor der Mensa
Kreuzchen machen, das dauert nicht so lang
und ist beim Gang zum Mittagessen schnell
erledigt. Schließlich wird in den Gremien
beschlossen, was uns alle betrifft, der Senat
ist z.B. das höchste beschlussfassende
Gremium der Universität.
renate + ilka

CAMPUS GESPRÄCHE

Am Mittwoch, dem 1. 6. 2005, hatten
die Mensabesucher Gelegenheit sich über
ökologisches Büromaterial zu informieren.
Mitglieder der „AG nachhaltiger Campus“
boten vom Holzanspitzer bis zum
Naturpapier viele umweltfreundliche
Dinge an. „Ich will etwas bewegen“ sagt
Mandy Singer, 20, zu ihrer Motivation an
der Aktion mitzumachen.
Noch bis zum 15.6. kann am Unieingang
eine entsprechende Ausstellung in der
„Glasbox“ besichtigt werden, welche
ebenfalls von der AG gestaltet worden ist.
Neben einer umfangreichen Ausstellung
verschiedenster ökologischer Artikel aus
dem Bereich des Bürobedarfes, kann sich
jeder durch große Aushangplakate zum
Thema Papier und Umweltverantwortung
informieren.
Umweltfreundliche Schreibwaren können
ab diesem Semester im Cafe Santos,
im Kellergeschoss des Lehrgebäudes 2,
erworben werden.
renate + ilka

CAMPUS LEBEN

S. 4

Ausgabe 01

Universität Erfurt

kommentar

Ende der Elite-Unis?

Seit Donnerstag dem 19. Mai 2005 ist
die Frage „Wie schneidet denn meine
Hochschule im Vergleich ab?“ wieder
aktuell.
Anlass gibt das sogenannte CHEHochschul-Ranking des Centrums für
Hochschulentwicklung. Es erscheint
periodisch
in
der
„Zeit“
als
Sonderbeilage. Im Internet kann die
gesamte Studie eingesehen und nach
eigenen Kriterien durchsucht werden
(www.zeit.de/studium). Dabei wird
auf die heißbegehrten Top-Ten-Listen
verzichtet. Wissenschaft ist eben zu
komplex, um alle Unis über einen
Kamm zu scheren. Warum es ohne diese
Listungen ein Ranking gibt ist unklar,
aber die Ergebnisse interessieren dann
doch. Die Uni Erfurt gehört zwar nicht
zu den forschungsstarken Universitäten,
dennoch punkten wir und zwar richtig
satt im Fach Kommunikationswissenschaft. In dieser Studie wurden zum ersten
Mal auch die Erfurter Kommunikationsund
Medienwissenschaft
bewertet.
Und wir liegen vorne in allen Punkten,
genauso wie Hannover und Münster.
Traditionelle Hochburgen wie Mannheim
und Leipzig sind abgehängt. Und auch
die Bewertungen der staatswissenschaftlichen Fachbereiche können sich sehen
lassen! Das CHE-Ranking zeigt, dass
einzelne Studiengänge top sind. Neben
Fakten werden nämlich auch Meinungen
der Studenten und Urteile der Profs
gesammelt. Wozu also noch Elite-Unis?
renate

Einladen möchten wir an dieser
Stelle alle Studenten, Professoren
und Mitarbeiter der Universität. Wer
interessante Themen kennt, Artikel
schreiben möchte oder Kritik und Lob
auszusprechen hat, der wende sich bitte
an das Redaktionsteam. Uns interessiert
alles, was auch für die Studentenschaft
und Mitarbeiter der Universität von
Interesse ist. Am besten per E-Mail
melden ...

07. Juni 2005.
Zum ersten Mal mischt sich das campus:echo unter die Studenten der Uni Erfurt.
Die Tatsache, dass es keine Unizeitung gibt, die die Meinung der Bildungselite widerspiegelt veranlasste Ilka Hoge zusammen mit zwei ihrer Freundinnen dazu das campus:echo zu gründen.
Wir fassen zusammen: Die Ausgabe erschien alle zwei Wochen und war mit zwei Seiten recht überschaubar. Man kann es sich ungefähr so vorstellen wie der „Zettel“ heute. Doch hat sich der Inhalt
und auch das Layout schnell geändert, wogegen der „Zettel“ noch auf dem Level stehengeblieben
ist. Schnell etablierte sich der Veranstaltungskalender bei den Studenten. Dafür gibt es heute bekanntlich Facebook. Für die fehlende Unterhaltung in einer Vorlesung sorgte ein Comic.

ilka

campusecho@gmx.de

10. Ausgabe.
Campus:Echo feiert 10. Jubiläum. Aber nicht zehn Jahre, sondern 10 Ausgaben. Das wurde ausgiebig gefeiert mit acht Seiten purem Wissen, das war damals Seitenrekord. Aus 5 mach 10: Auch
bei den Rubriken wurde nochmal eine ganze Schippe draufgelegt. Und das, obwohl die Redaktion
immer noch aus lediglich drei Personen bestand.

CAMPUS WISSEN

S. 5

S. 11

BEZAHLSTUDIUM
STUDENTEN WEHREN SICH

STUDENTISCHE ZEITUNG DER UNIVERSITÄT ERFURT . JAHRGANG 2 . AUSGABE 2 . 15.05.2007

Foto: Felix Krebber

BOYKOTT?
Ja 589
Nein 295

KLARES VOTUM DER STUDIERENDENSCHAFT
DER UNIVERSITÄT ERFURT: DIE BESCHLOSSENE VERWALTUNGSGEBÜHR IN HÖHE VON
50 EURO SOLL BOYKOTTIERT WERDEN.

Bereits im vergangenen Wintersemester 06/07
hat das Thema Verwaltungsgebühr die Studierenden an der Universität Erfurt und in ganz
Thüringen beschäftigt. Mit aller Kraft hatte man
sich gegen die Einführung der Abgabe gestellt.
Höhepunkt dieser Bewegung war die Demonstration am 6. November 2006. Circa 4.000
Studierende aus ganz Thüringen hatten sich
versammelt, um der Landesregierung ihren
Unmut über das neue Hochschulgesetz auszudrücken. Weder Gespräche mit Kultusminister Jens Goebel (CDU), noch Demonstrationen,
konnten das Inkrafttreten des neuen Hochschulgesetzes am 1. Januar 2007 verhindern. Nur
der langsamen Verwaltung des Landes Thüringen selbst ist es zu verdanken, dass die Gebühr
im Sommersemester noch nicht fällig wurde.

Nun ist die Debatte in eine neue Phase eingetreten. Am 18. April stellte der Studierendenrat
der Universität einen Plan zum Boykott der
Verwaltungsgebühr vor. Im Anschluss an die
studentische Vollversammlung konnte jeder
Studierende der Universität Erfurt an insgesamt drei Tagen sein Votum abgeben. 890 angehende Akademiker haben sich mit ihrer Stimme
beteiligt, was knapp einem Viertel der Studierendenschaft entspricht. Für die Durchführung
des Boykotts stimmten 589, dagegen 295 Studierende. Es wurden sechs ungültige Stimmen
gezählt. Mit diesem klaren Ergebnis im Gepäck
wird sich der Studierendenrat der Uni Erfurt an
der landesweiten Initiative „Thüringen boykottiert“ beteiligen. Organisiert wird der Boykott
durch die „Konferenz Thüringer Studierendenschaften“ (KTS) in Kooperation mit den jeweiligen Studierendenräten. Zentrales Element der
Initiative ist die kollektive Verweigerung aller
Thüringer Studenten, die Verwaltungsgebühr
zu entrichten. Auch Undine Memmler vom StuRa

Erfurt sieht in dem Gebührenboykott vor allem
eine „Form des Protestes“. Sie ist KTS-Delegierte
und wird den gesamten Boykottprozess aktiv begleiten und mitgestalten. Ihrer Meinung
nach sollte das für jedermann frei zugängliche
Studium nicht zum „Bezahlstudium“ werden.
mehr auf Seite 3

ERFURTER NÄCHTE SIND SCHLAU
Lange Nacht der Wissenschaft

S. 3

ERFURT GEHT BADEN
Die Bädersituation in Erfurt

S. 6-7

STUDENTISCHE INITIATIVEN
Einsatzstelle Universität

S. 8-9

STUDENTISCHE ZEITUNG DER UNIVERSITÄT ERFURT . JAHRGANG 3 . AUSGABE 2 . 15.05.2007

SEITE 1

12. Ausgabe.
So langsam etabliert sich der gute Ruf der campus:echo auf dem Campus und immer mehr Studenten fühlen sich zur Mitarbeit hingezogen. Fünf mal so viele Leute engagieren sich ehrenamtlich,
um ihre Kommilitonen mit unirelevanten Themen zu versorgen. Zum ersten Mal erscheint unsere
Zeitung in Farbe.

STUDENTISCHES MAGAZIN DER UNIVERSITÄT ERFURT

CAMPUSECHO · STUDENTISCHES MAGAZIN DER UNIVERSITÄT ERFURT . JAHRGANG 4 . AUSGABE 1 . 25.11.2008 · KOSTENLOS

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Die Thoska ist noch
nicht vom Tisch

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Die studentische Zeitung
der Universität Erfurt

campus:echo

# 01

Der Sturm nach der Ruhe

Die Universität Erfurt feiert ihren 15. Geburtstag. Doch:
Studentinnen und Studenten streiken und protestieren.

campusecho1109.indd 1

28

23.11.09 01:13

13. Ausgabe.
Alles neu. Blaue Linien setzen Akzente auf dem tristen, weißen Hintergrund. Zu dem zweifarbigen
Design schmückt ein neues Logo das Cover.

19. Ausgabe.
Alles neu — mal wieder. Ab jetzt ziert ein Foto das gesamte Cover. Zudem haben wir uns auch von
einer Zeitung zu einem Studentenmagazin entwickelt. Unser Seitenrekord wurde gebrochen: Jetzt
füllen wir stolze 20 Seiten. Das muss aber auch finanziert werden und so gibt das campus:echo
zum ersten Mal eine Anzeigenfläche frei. Trotz vieler Neuerungen haben wie uns von Gehabtem
verabschiedet: Leser müssen leider auf den Comic verzichten.

23. Ausgabe.
Wir haben ein kleines Grafik-Upgrade durchgeführt und erstrahlen jetzt in modernem Glanz. Zur
besseren Übersicht gibt es mehr Bilder als Text. Das Logo wurde ebenfalls komplett überarbeitet.
Klammern symbolisieren das Echo und schließen gleichzeitig jeden Artikel ab. Der obligatorische
Doppelpunkt zwischen „Campus“ und „Echo“ wurde geschaffen und damit das Problem, wie man
es richtig schreibt.

Seit über 40 Ausgaben liefert das Team von campus:echo euch Infos zu allen Themen die Studenten interessieren. Das
sind zehn Jahre in denen wir uns von einer Flugblattzeitung zu einem Studentenmagazin gemausert haben. Wir zeigen
euch eine kurze Übersicht unserer Meilensteine.

((

24. Ausgabe.
Mit campus:echo verbindet man heute ein Schlagwort, welches passend zum Foto auf dem Cover
prangert und gleichzeitig einen roten Faden durch die Ausgabe darstellt. Dieses Merkmal wurde in
dieser Ausgabe eingeführt.

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Vom
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26. Ausgabe.
Wir trauerten dem Comic zu lange hinterher. Es sollte eine Alternative her: Die Schlagseite. Provokant wird auf zwei Seiten Satire von Feinsten zum Besten gegeben.
Erinnert ihr euch noch an unseren ersten Seitenrekord? — Verglichen mit den 32 Seiten dieser
Ausgabe wirken zehn Seiten wirklich süß.

campus:echo

Die studentische Zeitung
der Universität Erfurt

Vom
S

türz
e

n, Fa

# 02

FALL
H

llen

und

Zusa
m

men

campusecho0110.indd 1

25.01.10 00:16

((

Das studentische Magazin
der Universität Erfurt

campus:echo

# 03

29. Ausgabe.
Endlich, Endgültig. Noch einmal ändert sich das Layout und das Logo von campus:echo. Das Design hat sich bis jetzt durchgesetzt und wir sind auch immer noch sehr zufrieden damit.

Masterplan
Raus aus der Uni Rein in die Uni.

brec

Notausgang
Raus aus dem Alltag Rein ins Chaos.

Ausbüchsen
Raus aus der Stadt Rauf aufs Land.

31. Ausgabe.
Unsere Nachfrage übersteigt unseren Bestand an Ausgaben. Zeit aufzustocken! Jetzt gehen wir mit
satten 2000 Auflagen an den Start. Das sind ganze 500 mehr als die Letzte und geschätzt 1700 mehr
als die erste Ausgabe.

35. Ausgabe.
Campus:echo probiert sich aus und beeindruckt mit einem Doppelcover.

39. Ausgabe.
Wir verbuchen einen Rekord an Redaktionsmitgliedern. Ganze 24 Studenten wirkten bei der letzten
Ausgabe mit. Seit dieser Ausgabe findet man campus:echo neben Facebook auch auf Twitter.

40. Ausgabe.
Guter Wein muss reifen. Wir blicken schon auf 10 Jahrgänge zurück, in denen wir euch mit den
wichtigsten Informationen rund ums Studentenleben beliefern. )))

29

hen.

ÖHE

>>> Ihr habt das letzte Wort:
Wo siehst du dich in 3524 Tagen?

Hannes, 23, Wirtschaftswissenschaften und Sport
In zehn Jahren möchte ich stinkreich sein! Mein Haus wird hoffentlich mal so aussehen wie
das Weiße Haus. Dessen Stil und die Größe gefallen mir. Meinen Hof sollen stolze Wolfshunde bewachen, da mich Wölfe schon immer faszinierten. Deren Besitz sprengt aber leider
die Grenzen der Legalität in Deutschland, weswegen ich mich gern mit besagtem Kompromiss der Wolfshunde zufrieden gebe. Auf jeden Fall möchte ich selbstständig werden
und ganz groß durchstarten. Ich hegte auch einmal den Wunsch, in die Staaten auszuwandern. Aber momentan habe ich jedoch auch nichts dagegen, in Deutschland zu bleiben.

Xenia, 21, Grundschullehramt
In zehn Jahren bin ich ja mittlerweile über 30. Ich möchte auf jeden Fall nie wieder zurück aufs Dorf, denn das städtische Leben hat es mir sehr viel mehr angetan.
Allerdings kommt es natürlich darauf an, wo ich eine Stelle als Grundschullehrerin
finde. Ich habe keine außergewöhnlichen Vorstellungen für meine Zukunft. Ganz traditionell und bürgerlich wäre ich in zehnJahren gern verheiratet, habe vielleicht ein
Haus gebaut und kann mir auch gut vorstellen, ein oder zwei Kinder zu bekommen.

Jens, 22, Wirtschaft und Recht
Ich habe noch keine Ahnung , wohin es mich verschlagen wird oder was ich in zehn Jahren machen werde.
Und das finde ich auch gut so. Ich bin der Meinung, man sollte seine Zukunft nicht weiter als drei Jahre im
Voraus planen. Es gibt einfach zu viele unbekannte Variablen, die das Leben beeinflussen. Was letztendlich
passiert, kann man gar nicht vorhersagen. Also wozu sich Gedanken machen? Mein Lebensweg muss nicht
exakt nach Plan verlaufen,weil man ansonsten womöglich die schönen Überraschungen des Lebens verpasst.

Ich möchte in zehn Jahren gerne in Frankreich leben. Aber bitte nicht auf dem Land!
Es muss ja nicht gleich Paris oder Marseille sein, aber auf jeden Fall möchte ich in einer
Stadt wohnen. Warum Frankreich? Ich liebe die französische Sprache und will sie so
gut wie möglich beherrschen. Bei meinem Job muss das Geld nicht die Hauptrolle spielen. Natürlich möchte ich gut über die Runden kommen, aber Spaß und Zufriedenheit stehen dennoch an erster Stelle. Sollte ich irgendwann einmal Kinder haben, sollen diese zweisprachig aufwachsen. Und das nicht aus Liebe zur deutschen Sprache, sondern
einfach, damit sie sich auch mit Oma und Opa aus Deutschland unterhalten können.

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Hintergrundfoto: Universität Erfurt;
Fotos: Katharina Hertel

Linda, 20, Kommunikationswissenschaft und Romanistik