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Körperhören - Erfahrungen mit nehmung eingesetzt werden.

Auch hat
der systemischen Vibrokymatik sich die SVK gut bewährt, um die Ent-
spannungsreaktion wiederzuerlernen und
von Alexander Wunsch zu bahnen, was z.B. bei Störungen der
sensorischen Integration, Schlafstörungen,
Zusammenfassung Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chroni-
Die Vibrokymatische Ganzkörper-Stimula- schem Stress indiziert ist.
tion oder Systemische Vibrokymatik (SVK)
ist eine Weiterentwicklung der Vibroakusti- Schlüsselworte: Musiktherapie, Vibroky-
schen Therapie (VAT). Beide Systeme ge- matik, Klangliege, Tastsinn, Haptik, Stress,
hören in den Bereich der rezeptiven Mu- Entspannung, Schlaf
siktherapie, wobei die Musik nicht nur über
das Ohr, sondern großflächig am ganzen Einführung
Körper appliziert wird. Während bei der Musik ist wahrscheinlich die höchste Form
VAT große Lautsprecher zum Einsatz der Kommunikation, die der Mensch er-
kommen, die unter einer Liege oder in ei- schaffen hat. Jeder weiß aus eigener Er-
nem Stuhl montiert sind, arbeitet die Sys- fahrung, wie eng die harmonikalen und
temische Vibrokymatik mit speziellen Kör- rhythmischen Inhalte der Musik an unser
perschall-Überträgersystemen. Die SVK emotionales Erleben angeknüpft sind.
kann mit dem gesamten Spektrum thera- Stimmungen, Erinnerungen, Gefühle, all
peutischer Musik durchgeführt werden, das ist in Musik enthalten. Musik wird im
wobei der Frequenzbereich bis 500 Hz Wesentlichen als gestaltete Zeit bezie-
nicht nur das Ohr, sondern auch den Tast- hungsweise Ablauf von Zeit erlebt, eignet
sinn des Körpers stimuliert. Dabei werden sich aber auch sehr gut, um die Zeit aufzu-
in Abhängigkeit von der Frequenz ver- lösen, z.B. indem sie Erinnerungen an
schiedene Muskelgruppen und Hohlräume lang vergessene Ereignisse wachzurufen
bzw. Körperhöhlen in Resonanz versetzt in der Lage ist. Daher lässt sie sich auch
und besonders das System der epikriti- sehr erfolgreich in der Behandlung einer
schen Sensibilität stimuliert. Hierbei spielt Vielzahl gesundheitlicher Störungen ein-
die Haut als Sinnesorgan eine zentrale setzen, was in allen menschlichen Kultu-
Rolle, die dadurch besondere Bedeutung ren beobachtet wird. Gerade bei der Be-
erlangt, dass sie im Gegensatz zu dem handlung chronischer Krankheitsbilder, bei
eigentlichen akustischen Sinnesorgan Ohr denen der Zeitfaktor und der protrahierte
über viele Millionen von primären Sinnes- zeitliche Verlauf ja sogar namensgebend
zellen zur Weiterleitung von Reizqualitäten ist, sollten ganzheitlich vorgehende Heil-
wie Druck, Berührung und Vibration ver- kundige an den gezielten Einsatz von the-
fügt. Da primäre Sinneszellen die Impulse rapeutisch wirksamer Musik denken. Die
1:1 weiterleiten, stellen sie eine wichtige Elemente, aus denen sich Musik zusam-
Eintrittspforte für Frequenzen dar, die un- mensetzt, sind z.B. Tonabfolge und
mittelbar und unverändert in das ZNS pro- Rhythmus, Harmonie und Dynamik, aber
jiziert werden sollen. Da die SVK auf vie- auch Luftschall und Körperschall. Nach G.
len verschiedenen Ebenen auf den Körper Hildebrandt sind diese musikalischen Pa-
einwirkt, zeigt sie tiefgreifende Wirkungen rameter sehr gut geeignet, um auf die
auf der psychosomatischen Ebene, da sie rhythmischen Transport- und Verteilungs-
die Emotionalität und die Körperlichkeit zu systeme im Körper dergestalt Einfluss zu
verbinden hilft. Krankheitsbilder, bei denen nehmen, dass sie für eine Harmonisierung
die Körperwahrnehmung gestört ist, z.B. von metabolischem System und Informati-
bei chronischen Schmerzen oder Rücken- onssystem des Körpers sorgen. Die Abbil-
problemen, kann die SVK im Sinne einer dung 1 (nachgezeichnet nach G. Hilde-
Reprogrammierung der haptischen Wahr- brandt)

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jedenfalls teuer erkauft werden, denn pha-
sengekoppelte Systeme brauchen wesent-
lich weniger Energie, während ein Leben
neben dem Rhythmus mit einem erhöhten
Energiebedarf sowie systemischem Stress
einhergeht.

Systemischer Stress
Die systemische Stressreaktion kann noch
viele weitere Ursachen haben, daher sind
auch so viele Patienten davon betroffen.
Die Folgen von negativem Stress zeigen
sich z.B. in Form von Bluthochdruck, der
wiederum für die meisten Herz-Kreislauf-
Erkrankungen verantwortlich ist. Für die
Ganzheitsmedizin ist es wichtig, zu verste-
hen, dass der systemische Stress ein
Abbildung 1: Hierarchische Gliederung der Rhythmen
beim Menschen (nachgezeichnet nach Hildebrandt)
grundlegendes Blockadesystem für alle
Therapiemethoden darstellt, die auf eine
zeigt, nach welcher Logik das individuelle gute Funktion des Vegetativums (bzw. der
informationsverarbeitende System (unterer Selbstheilungskräfte) angewiesen sind.
weißer Kreis) mit dem nicht-individuellen Daher sollte bei allen therapeutischen Ü-
Stoffwechselsystem (oberer weißer Kreis) berlegungen im Rahmen der Behandlung
verbunden ist. Vermittler der beiden Sys- chronischer Erkrankungen die Reduktion
teme ist das Herz-Kreislauf-System mit der systemischen Stressbelastung zu-
Puls- und Atemrhythmus, hier mit Rhyth- nächst im Vordergrund stehen. Da keine
mischem System bezeichnet. Das Stoff- chronische Erkrankung direkt in Gesund-
wechselsystem wird beim modernen Men- heit überführt werden kann, muss der Ver-
schen oftmals individualisiert, steht also lauf über eine Akutphase gehen. Dazu ist
nicht mehr mit den invarianten kosmischen eine gute Durchblutung genauso essentiell
Rhythmen unserer Umgebung in Reso- wie die gute Funktion des Immunsystems,
nanz, sondern ist der Individualität des das ja einen Abbau auf Zellebene immer
Denkens bzw. dem modernen Lebensstil nur durch wohldosierte Entzündungsreak-
einer 24/7-Gesellschaft untergeordnet: Al- tionen verhindern kann. Hohe Konzentrati-
les muss rund um die Uhr an sieben Tagen onen von Ketecholaminen und Cortisol
der Woche möglich sein. Die heutige Ge- wirken somit kontraproduktiv, stattdessen
sellschaft läuft Gefahr, immer mehr natürli- sind Regeneration und Relaxation gefragt.
che Rhythmen zu verlieren, was viele Er- Hier kann Musik als nebenwirkungsfreies
gebnisse chronobiologischer Forschung Medikament schon sehr viel erreichen, al-
bestätigen. Während die Chronobiologie lerdings lässt sich die Musikwirkung noch
darauf hinweist, dass der Verlust von steigern, wenn neben dem Luftschall auch
Rhythmizität ein bedeutender Schritt in die Komponente des Körperschalls hinzu-
Richtung Krankheit ist, stehen wir durch kommt. Es gibt gute Gründe, therapeuti-
Kunstlicht, Tankstellen-Shops und andere sche Musik nicht nur über Kopfhörer und
ubiquitäre Konsummöglichkeiten in ständi- Raumlautsprecher, sondern wirklich sys-
ger Versuchung, wider besseres Wissen temisch mit Wirkung auf den gesamten
unsere Freiheit und Individualität auch auf Körper zu applizieren. Dies ist natürlich
vegetative Periodizitäten auszudehnen keine neue Erkenntnis, was man leicht
und diese damit aufzulösen. Das Ausbre- feststellen kann, wenn man sich den Ge-
chen aus einer Resonanzkopplung muss brauch der Musik zur Trance-Erzeugung
und andere prähistorische und historische

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Musiktherapie-Methoden betrachtet. Fast leistet ist. Dabei kann die Liegefläche ent-
jede Kultur hat eigene Methoden entwi- weder bequem gepolstert sein oder auch
ckelt, um mit Musik den ganzen Körper zu aus einer Wasserauflage (Abbildung 2)
massieren: Trommeln, Gongs, Orgeln, Or- bestehen, was zu einer optimalen Impuls-
chester, Chöre, Ganzkörper- Monochorde, übertragung führt.
Krugflöten, Klangschalen usw. Die meis-
ten dieser Methoden sind zwar sehr gut
wirksam, aber entweder nicht mehr zeit-
gemäß oder im Praxisbetrieb zu unhand-
lich: Klangschalen erschrecken diejenigen
Patienten, die eine Abneigung gegen Eso-
terik haben und können vor allem kleine-
ren Patienten schwer auf dem Magen lie-
gen; Trommeln stören diejenigen, die noch
im Wartezimmer sitzen und Chöre, Or-
chester und die Kirchenorgel brauchen zu-
viel Platz. Aber auch das Ganzkörper-Mo- Abbildung 2: Elektrisch höhenverstellbare Klangliege
mit Wasserauflage
nochord hat gerade im Praxisbetrieb nicht
nur Vorteile: Da es im Widerspruch zum
Hierbei behält der Körper auch seine Fä-
Namen meist über viele Saiten verfügt,
higkeit zur Eigenschwingung, da er nicht
muss es vor einer Anwendung oft aufwen-
an den Auflagezonen von Kopf, Schulter
dig gestimmt werden, die Liegefläche, weil
und Becken fixiert wird. Um elektromagne-
aus Holz, ist besonders für ältere Men-
tische Störungen auszuschließen, sollten
schen unbequem und die Saiten wollen
die verwendeten Verstärkersysteme mit
ständig vom Therapeuten bearbeitet wer-
Gleichstrom betrieben werden, wobei eine
den, damit sich die klangliche Wirkung ent-
Versorgung mit Akkustrom als optimal an-
faltet.
zusehen ist. Die vibroakustische Therapie
mit derartigen automatischen Klangliegen
Die automatische Klangliege
erweitert das Spektrum der Musikwirkun-
Neue Entwicklungen in der Elektrotechnik
gen um den körperlich- ganzheitlichen As-
haben die Konstruktion von Ganzkörper-
pekt und lässt sich in idealer Weise mit
Applikatoren für die systemische Vibroky-
anderen Formen der Körperarbeit kombi-
matik ermöglicht, die keine bestimmte
nieren (z.B. Reiki, Craniosacral- Arbeit, A-
Klangcharakteristik vorgeben, sondern an
kupunktur, Massage), da nicht nur die
jede beliebige Musikquelle angeschlossen
Durchblutung gesteigert und schnell eine
werden können und damit jede Art von
tiefe Entspannung schnell erreicht wird,
Klang oder Musik körperlich erfahrbar ma-
sondern auch der Energiefluss im Körper
chen. Da es hierbei wesentlich darauf an-
aktiviert und harmonisiert wird. Viele The-
kommt, den Anteil des Körperschalls ge-
rapeuten berichten von einer erheblichen
genüber den Luftschall-Komponenten zu
Arbeitserleichterung, wenn Behandlungen
verstärken, haben sich konventionelle
auf der automatischen Klangliege durch-
Lautsprecher-Systeme als ungeeignet er-
geführt werden.
wiesen, da sehr hohe Schalldrucke erfor-
derlich sind, um das Erleben von Körper-
Anatomische Grundlagen
schall-Vibrationen zu ermöglichen. Statt-
Die Haut ist ein universelles Sinnesorgan,
dessen kommen spezielle Körperschall-
das für eine eine Reihe verschiedenster
Wandler zum Einsatz, die in geeigneter
Reizqualitäten empfänglich ist. Hierbei fin-
Weise an die Unterseite der Liegefläche
det man deutliche Unterschiede, je nach-
angebracht werden, so dass eine gleich-
dem, ob man die unbehaarte oder die be-
mäßige Verteilung der Vibrationen gewähr-
haarte Haut betrachtet (Abbildung 3).

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von 10 bis max. 500 Hz erstreckt. Diese
Frequenzen werden hierbei, anders als die
Schallereignisse, die unser Ohr treffen,
von primären Sinneszellen verarbeitet.
Das bedeutet, dass eine Vibration auf der
Haut mit einer Frequenz von 100 Hz so-
wohl von Merkel-Zellen, Pacini-Körper-
chen als auch von Haarfollikelsensoren
gleichermaßen aufgenommen und ohne
Veränderung der Frequenz als Aktionspo-
tentiale mit 100 Hz im Gehirn ankommt.
Der Großteil der sensorischen Meldungen,
die aus dem Oberflächensensibilitätssys-
tem der Haut stammen, werden in den
somatosensorischen Kortex, den Gyrus
postcentralis, projiziert. Alle sensorischen
Zuflüsse zum Kortex können hierbei auf
Abbildung 3: Aufbau der menschlichen Haut
allen Umschaltstationen durch absteigen-
Während die behaarte Haut nur über drei de Bahnen gehemmt werden, was der
Sensorsysteme verfügt, existieren in der Schwellenverstellung, Änderung rezeptiver
unbehaarten Haut vier verschiedene De- Felder sowie Filterung dient. Damit wird
tektorsysteme. In der unbehaarten Haut, klar, dass jede Form der Körperwahrneh-
wie wir sie z.B. an den Innenflächen der mung immer auch mit Lern- und Anpas-
Hände oder im Mund haben, finden wir sungsvorgängen verbunden ist, was sich
folgende Mechanosensoren für Druck, Be- besonders im Fall chronischer Schmerzen
rührung und Vibration: Meissner-Zellkom- und Störungen der sensorischen Integrati-
plexe, Merkel-Zellen, Ruffini-Körperchen on negativ bemerkbar macht.
und Pacini-Körperchen. In der behaarten
Haut gibt es nur Merkel-Zellen und Pacini- Kohärente Wahrnehmung
Körperchen, die Aufgabe der Meissner- Wenn wir die Filtervorgänge im zentralen
Zellkomplexe wird hier von Haarfollikel- Nervensystem genauer betrachten, so
sensoren übernommen, die auf Haarver- dienen sie eigentlich der Unterscheidung
biegungen reagieren. Die spindelförmigen von wichtigen von unwichtigen Signalen,
Ruffini-Kolben reagieren auf Druck und wobei die letzteren schließlich fallengelas-
spielen für die Wahrnehmung von Körper- sen bzw. nicht weiterverarbeitet werden.
schall eine untergeordnete Rolle. Die Mer- Wahrnehmungsvorgänge wie Lauschen
kel-Zellen reagieren auf schnelle Druckän- oder Spähen sind offensichtliche Beispiele
derungen und sind damit an der Detektion für solche aktiven Filterprozesse, die dem
von Schwingungsereignissen wechselnder Heraussuchen wichtiger Inhalte dienen.
Intensität schon stärker beteiligt. Meissner- Wie nun kann das ZNS bei der Flut von
Zellkomplexe und Haarfollikelsensoren de- Informationen herausfinden, welche Signa-
tektieren Berührungen und Vibrationen im le wichtig und welche unwichtig sind, be-
Frequenzbereich von 10 bis 100 Hz, aus- sonders wenn diese Signale aus unter-
schließliche Vibrationssensoren hingegen schiedlichen Detektorsystemen stammen?
sind die Pacini-Körperchen, deren Fre- Die Erfahrung zeigt, dass das Moment der
quenzbereich zwischen 100 und 400 Hz Gleichzeitigkeit hierbei eine dominante
liegt. Wenn die Haut als Sinnesorgan für Rolle spielt: Treten verschiedene Stimuli
klangliche Frequenzeinkopplung verwen- zeitlich gekoppelt auf, so ist dies für unser
det werden soll, liegt ein besonderes Ge- Gehirn ein Indikator dafür, dass sie auch
wicht auf einem Frequenzbereich, der sich eine gemeinsame Ursache haben, also
inhaltlich zusammenhängen. Auf dieser

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Basis funktioniert z.B. die klassische Kon- Kopfhörer dargebotenen Klängen stehen.
ditionierung, wie sie beim Pawlow´schen Dadurch, aber z.B. auch durch das Tragen
Hund beobachtet wurde, aber auch das von Kleidung, die ja auch Reize auf die
Erlernen vieler Reiz-Reaktions-Muster Sensoren der Haut ausübt, wird das über-
beim Menschen. Unsere moderne Umwelt aus wichtige System der Oberflächensen-
ist voll von Körperschall-Ereignissen ma- sibilität in einen permanenten Dämpfungs-
schinellen Ursprungs: Automotoren, An- zustand gebracht, der schließlich zum
triebe von Bussen und Bahnen, Lüftungs- funktionellen Verkümmern des größten
systeme und Klimaanlagen, Kühlschränke, menschlichen Sinnesorgans führt. Dies
Kompressoren - die Liste der Vibrations- zieht vielgestaltige negative Konsequen-
quellen ließe sich fast endlos fortsetzen, zen mit sich, denn dadurch sinkt z.B. die
selbst der Netzstrom, der eine Stromlei- Lebensqualität: Die Haut hat schließlich
tung durchfließt, hinterlässt eine messbare die Fähigkeit, ausgeprägtes Wohlgefühl zu
Vibrations-Signatur im Gemäuer. Da die vermitteln, wenn sie richtig behandelt wird.
Wahrnehmung der meisten dieser genann- Dabei ist hier natürlich nicht die Rede von
ten Schall- und Vibrationsereignisse kei- Körperpflegemiteln, sondern von der
nen Sinn hat, werden sie über neuronale wohldosierten mechanischen Reizung, wie
Filtervorgänge aus der bewussten Wahr- sie sich z.B. beim Streicheln der Haut voll-
nehmung ausgeblendet, was dem Nerven- zieht. Wenn die Haut adäquat stimuliert
system umso leichter fällt, wenn die Vibra- wird, kann dies z.B. zum Abbau von
tionen kaum hörbar sind. So werden be- Stresshormonen und zur verstärkten Aus-
sonders die akustisch schwer wahrnehm- schüttung von Oxytocin führen, einer kör-
baren sinusförmigen Schwingungsvorgän- pereigenen Wohlfühl-Substanz, die mitun-
ge, deren Frequenzen niedriger sind als ter auch als Kuschelhormon bezeichnet
100 Hz, von unserem Nervensystem elimi- wird, weil sie beruhigende und euphorisie-
niert, bevor sie in unser Bewusstsein tre- rende Wirkungen aufweist.
ten können. Während also zeitlich kohä-
rente Reize die Wahrnehmung schulen Gibt es ein Erleben vor der Geburt?
sowie Lernvorgänge ermöglichen, führen Beschäftigt man sich eingehender mit den
wiederholt auftretende nicht-kohärente Im- Veröffentlichungen von S. Grof, begegnet
pulse und Reize eher zu einer Dämpfung man zwangsläufig dem Begriff der prä-
der Signalweiterleitung. Betrachten wir nun und perinatalen Grundmatritzen, die vier
das Zusammenspiel zwischen Gehör und für die Persönlichkeitsentwicklung essenti-
Hautempfinden, so bedeutet dies eine elle Phasen vor und während der Geburt
nachhaltige Störung der Kohärenz, wenn beschreiben. In unserem Kontext des Kör-
Luftschall und Körperschall unterschiedli- perhörens ist die erste vorgeburtliche Pha-
chen Informationsgehalt aufweisen. Wäh- se von besonderem Interesse, da sie das
rend die akustische Abstrahlung von ech- Gefühl des Einsseins (mit der Mutter) und
ten Orchestern, Kirchenorgeln, singenden ein "ozeanisches Glücksgefühl" ohne
Menschen im Raum usw. zu einer syn- räumliche Einschränkungen beschreibt.
chronen Wahrnehmung von Luftschall und Dieser Zustand wurde von den allermeis-
Körperschall führen und damit sowohl Ohr ten Menschen als paradiesisch und zu-
als auch Hautwahrnehmung schulen, lässt tiefst befriedigend erlebt, zu diesem
z.B. der längere Gebrauch von Kopfhören Schluss kommt zumindest die Prä- und
die akustische Kohärenz nach und nach Perinatalpsychologie. Da der Embryo im
verkümmern. Wenn jemand im Bus sitzt Fruchtwasser schwimmt, wirken von An-
und dabei Musik aus einem MP3-Spieler fang an Körperschallwellen auf ihn ein, die
über Kopfhörer hört, so blendet das Gehirn in erster Linie von dem schlagenden Her-
die Körperschallereignisse aus der Umge- zen der Mutter stammen. Dieser dominie-
bung schließlich aus, da sie in keinem rende allgegenwärtige Rhythmus des Her-
sinnvollen Zusammenhang mit den über zens ist somit eine fundamentale Urerfah-

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rung, die jeder Mensch gemacht hat. Die- Anwendungen
se Urerfahrung von Rhythmus prägt früh- Während der vergangenen zwölf Jahre
zeitig die Wahrnehmung und Bedeutung wurden bei den Kongressen der Gesell-
dessen, was wir später, also nach der Ge- schaft für biologische Krebsabwehr (GfbK)
burt, als Musik erleben. Vergleicht man die ein Wellnessraum angeboten, in dem die
Schlagzahlen, die man bei einem Metro- Kongressteilnehmer verschiedene Be-
nom einstellen kann, mit dem Frequen- handlungen wahrnehmen konnten. Zu
zumfang des menschlichen Herzens, so dem Angebot zählte auch eine Klangliege
kann man eine weitgehende Übereinstim- für die systemische Vibrokymatik. Dieses
mung feststellen. Die Haptikforschung be- Angebot wurde von den Kongressteilneh-
schreibt den Tastsinn als den ersten Sinn, mern sehr gut aufgenommen, so dass die
der beim Embryo seine Funktion aufnimmt Klangliege praktisch ständig in Betrieb
und damit schon ab der 8. Schwanger- war, eine Anwendung war auf ca. 12 Minu-
schaftswoche die weitere Entwicklung des ten begrenzt. Eigentlich sollte eine derarti-
Nervensystems dadurch beeinflusst, dass ge Anwendung in einem ruhigen Raum
von ihm erste neuronale Impulse ausge- durchgeführt werden, in dem keine weitere
hen. Die Voraussetzungen für das körper- Betriebsamkeit herrscht, das war jedoch
liche Erleben von Klängen ist demnach aus Platzgründen bei keinem der Kon-
schon intrauterin gegeben, und zwar vor gresse der Fall. Damit möglichst viele Teil-
der Entwicklung eines funktionsfähigen nehmer in den Genuss einer Session
Hörorganes. Diese Aspekte lassen besser kommen konnten, mussten die Termine im
verstehen, warum die Anwendung von Viertelstundentakt vergeben werden, wor-
rhythmischer, eher monotoner Musik, die aus die relativ kurze Anwendungsdauer
auf den gesamten Körper einwirkt, bei vie- resultierte. Trotz dieser eher ungünstigen
len Patienten sehr schnell zu einem tran- Rahmenbedingungen zeigte die Auswer-
ceartigen Zustand tiefer körperlicher Ent- tung von 188 Fragebögen aus den Jahren
spannung bei gleichzeitig wachem Geist 2000, 2002 und 2004, dass 172 Anwender
führt. Die Anwendung der systemischen die Erfahrung gerne wiederholt hätten,
Vibrokymatik scheint in der Lage zu sein, was einer Akzeptanz von über 90% ent-
eine emotionale Rückerinnerung an die spricht. Ebenfalls für 172 Personen war es
vorgeburtliche, intrauterine Umgebung zu die erste Begegnung mit der systemischen
induzieren, die von einer deutlichen Mehr- Vibrokymatik. 89 der 188 Teilnehmer der
zahl der Anwender als sehr beglückend Befragung hatten bei der Frage, ob sie ge-
empfunden wird (Abbildung 4). sund sind, angekreuzt "ich bin nicht ge-
sund, und zwar habe ich... ", was sich in
der überwiegenden Zahl der Fälle auf eine
Krebserkrankung bezog. Für die folgenden
Fragen wurde ein Schulnotenraster von 1
(sehr gut) bis 6 (sehr schlecht) vorgege-
ben (Tabelle 1).

Es gab eine Rubrik im Fragebogen, die die
Teilnehmer aufforderte, mit eigenen Wor-
ten das gemachte Erlebnis zu beschrei-
ben. Die Antworten sind eine Bestätigung
für den Umstand, dass bei statistischen
Untersuchungen die wichtigsten individuel-
len Aspekte unter den Tisch zu fallen dro-
hen:
Abbildung 4: Cranio-Sacral-Therapie auf der Klangliege

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Tabelle 1
Die vorstehenden Antworten wurden aus-
• "Sehr entspannend, es funktioniert sehr schließlich aus der Gruppe von Teilneh-
schnell, mein Körper kam in feine mern ausgewählt, die "nicht gesund" an-
Schwingungen" gekreuzt hatten. Bemerkenswert ist au-
• "Sehr entspannend, sanft massierend, ßerdem, dass eine Reihe von Teilnehmern
zeitweise das Gefühl, zu schweben" unter den genannten Bedingungen in der
• "Sehr angenehm, bin fast eingeschla- Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit
fen" während der Anwendung eingeschlafen
• "Entspannend, erleichternd, je länger sind.
die Anwendung dauert"
• "Ganz allmählich in die Entspannung Körperhören bei Schmerzen
gleitend, wohltuend" In der Schmerztagesklinik des Diakonis-
• "Ich spürte Leichtigkeit im ganzen Kör- senkrankenhauses in Speyer wurde im
per" Zusammenhang mit einer geplanten Stu-
• "Ich konnte nach wenigen Minuten ein- die mit chronischen Schmerzpatienten ei-
schlafen, was sonst in der Mittagszeit ne Voruntersuchung (n=17) durchgeführt,
nicht möglich ist" die vergleichbare Ergebnisse mit der Da-
• "Entspannende Vibrationen im Rumpf- tenerhebung bei den GfbK-Kongressen
bereich, leichtes Einschlafen, kein Zeit- lieferte. Das untersuchte Kollektiv setzte
gefühl" sich zu etwa gleichen Teilen aus Patienten
• "Eine unendliche Leichtigkeit" mit chronischen Kopfschmerzen (n=8) und
• "Es war für mich angenehm, wie der solchen mit chronischen Rückenschmer-
Körper die Schwingungen aufgenom- zen (n=9) zusammen. Von den 17 Patien-
men hat" ten wollten 15 die Erfahrung mit der Vibro-
• " Man kommt zu einer Körperwahrneh- kymatischen Therapie gerne wiederholen,
mung, für die man sich sonst kaum Zeit was ebenfalls einer Akzeptanz von etwa
nimmt" 90% entspricht. Wie die dritte Spalte der
• "Als innere Entspannung. Ganz eindeu- obigen Tabelle 1 zeigt, sind auch die sons-
tig! Nachlassen meines Herzdruckes" tigen Ergebnisse weitgehend in Überein-
• "Entspannung tiefer als wortgeleitete stimmung. Zusätzlich zu dem Fragebogen,
Meditation, Gefühle lösend, Gedanken der auch bei der Datenerhebung während
ziehen vorbei oder sind glasklar" der GfbK-Kongresse Verwendung fand,
• "Die Vibrationen machten auf bestimmte wurde in Speyer auch die individuelle
Körperzonen aufmerksam" Schmerzstärke vor und nach der Anwen-
• "Ich befand mich in einer anderen Welt, dung erfragt, wobei diese im Mittel nur um
Berge mit Wasserfall" eine Einheit (auf einer Skala von 0 = kein
• "Ein Vibrieren hinter dem Sternum, Schmerz bis 10 = stärkste vorstellbare
Wärmegefühl im ganzen Körper, sehr Schmerzen) abnahm. Was jedoch auffällig
entspannend, einschläfernd" war, ist das Faktum, dass ein Drittel der
• "Es ist einfacher, mit dieser Musik zu Patienten über eine Schmerzreduktion auf
entspannen, als in totaler Stille" die Hälfte und weniger der ursprünglichen
• "Fühlte mich leicht und schwebend, in- Intensität berichtete, während bei einem
nerlich sehr ausgeglichen, im Einklang weiteren Drittel entweder keine Änderung
mit mir selbst" oder sogar eine leichte Intensivierung der
• "Erwartung - Zulassen - Entspannung - Schmerzen zu verzeichnen war. Daraus
Frieden" folgt, dass in weiteren Untersuchungen ein

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Augenmerk darauf gelegt werden sollte, Literatur
entsprechende Auswahlkriterien zu erar-
beiten, die eine Selektion derjenigen Berendt, Joachim-Ernst: Nada Brahma -
Schmerzpatienten ermöglichen, die von die Welt ist Klang, Rowohlt Verlag, 1983
der Systemischen Vibrokymatik besonders
profitieren. Cousto, Hans: Die Kosmische Oktave,
Synthesis Verlag, Essen, 1984
Die ideale Musik
Da die Klangliege ein intensives körperli- Grof, Stanislav: Das Abenteuer der
ches Musikerleben vermittelt, sollte man Selbstentdeckung, Kösel Verlag, München
bei der Auswahl der Musik besondere 1987
Sorgfalt walten lassen und die verwende-
ten Stücke möglichst auch selbst auspro- Hildebrandt, Gunther: Biologische Rhyth-
biert haben. So ist klassische Orchester- men im Menschen und ihre Entsprechun-
musik aufgrund der hohen Dynamik nur gen in der Musik, in Berger, Lutz (Hrsg.),
bedingt geeignet, da bei sehr leisen Pas- Musik, Magie und Medizin, Junfermann-
sagen fast keine Vibrationen spürbar sind, Verlag, Paderborn, 1997
wohingegen bei Paukenschlägen ein un-
erwünschtes Schreckmoment auftreten Skille, Olav: Vibroakustik, in Berger, Lutz
kann. Die besten Erfahrungen wurden mit (Hrsg.), Musik, Magie und Medizin, Jun-
meditativer Musik, Aufnahmen von Klang- fermann-Verlag, Paderborn, 1997
schalen und besonders mit Musikstücken,
die nach dem pythagoreischen Prinzip der Spintge, Ralph und Droh: Roland, Musik-
Oktave komponiert wurden, gemacht. Da- medizin - Physiologische Grundlagen und
bei macht es nach den über 12-jährigen praktische Anwendungen, Gustav Fischer
Erfahrungen des Autors keinen Unter- Verlag, Stuttgart, Jena, New York, 1992
schied, ob Aufnahmen von natürlichen In-
strumenten wie dem Monochord oder e-
lektronische Musik zur Anwendung kommt.
Vielfach ist elektronische Musik sogar be- Servicekasten:
sonders gut geeignet, da sie die Möglich-
keit beinhaltet, bestimmte Frequenzen Audio-visueller Vortrag "Körperhören" von
sehr gezielt zu erzeugen. Da als Klang- Alexander Wunsch ist auf DVD erhältlich.
quelle auch ein Synthesizer angeschlos-
sen werden kann, ist die Anwendung von Weitere Informationen beim Verfasser.
monochromatischen Klängen und Interval-
len möglich. Gute Erfahrungen wurden Anschrift:
auch mit Anwendungen auf der Basis einer
Stimmanalyse der Patienten gemacht, wo- Alexander Wunsch
bei eine Computersoftware die Frequenz- Bergheimer Strasse 116
anteile der Stimme spektralanalytisch 69115 Heidelberg
auswertet und daraus ein kompensatori-
sches Frequenzgemisch errechnet und
erzeugt, das dann in reiner Form oder ge-
mischt mit geeigneter Musik appliziert wird.

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