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SchulbuchPlus

:

Lehr- und Lernmaterialien
zu

ZUGÄNGE
E i n e L i t e r a t u r k u n d e
SB-Nr. 1530

Alfred Bauer



SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. © öbvhpt, Wien 2007

Inhalt
Einleitung
02 v MITTELALTER
Arbeitsblatt: „Nibelungenlied“..............................................................................................
Arbeitsblatt: Wolfram von Eschenbach „Parzival“................................................................
Informationsblatt: „Hildebrandslied“.....................................................................................
Informationsblatt: Wernher der Gartenaere „Helmbrecht“....................................................
Zusammenfassung: Mittelalter .............................................................................................

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03 v RENAISSANCE, REFORMATION UND BAROCK
Arbeitsblatt: Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen „Der abenteuerliche
Simplicissimus Teutsch“........................................................................................................
Arbeitsblatt: Andreas Gryphius „Es ist alles Eitel“ (Sonett, Metapher, Antithese)...............
Informationsblatt: Erasmus von Rotterdam ..........................................................................
Zusammenfassung: Renaissance, Humanismus und Reformation .......................................
Zusammenfassung: Die deutsche Literatur in der Zeit des Barock (17. Jahrhundert) .........

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04 v AUFKLÄRUNG UND STURM UND DRANG
Arbeitsblatt: Gotthold Ephraim Lessing „Nathan der Weise“ .............................................. 1
Arbeitsblatt: Bürgerliches Trauerspiel (Gotthold Ephraim Lessing „Emilia Galotti“/
Friedrich Schiller „Kabale und Liebe“) ................................................................................ 2
Arbeitsblatt: Johann Wolfgang von Goethe „Die Leiden des jungen Werthers“ .................. 4
Arbeitsblatt. Jakob Michael Reinhold Lenz „Der Hofmeister“............................................. 6
Zusammenfassung: Grundlagen – Einfluss des Auslandes . ................................................. 8
Zusammenfassung: Die deutsche Literatur in der Zeit der Aufklärung . .............................. 11
Zusammenfassung: Die deutsche Literatur des Sturm und Drang ....................................... 14
05 v LÄNGSSCHNITTE UND LEITBEGRIFFE (6. Klasse)
06 v KLASSIK UND ROMANTIK
Arbeitsblatt: Friedrich Schiller „Maria Stuart“ . ................................................................... 1
Arbeitsblatt: Heinrich von Kleist „Michael Kohlhaas“ (Novelle) . ...................................... 3
Informationsblatt: Johann Wolfgang von Goethe „Iphigenie“ ............................................. 5
Informationsblatt: E. T. A. Hoffmann „Der Sandmann“........................................................ 6
Zusammenfassung: Die deutsche Klassik (1786/1794–1805)............................................... 7
Zusammenfassung: Die deutsche Romantik (ca. 1795 bis ca. 1820) ................................... 11
07 v BIEDERMEIER UND VORMÄRZ
Arbeitsblatt: Johann Nestroy „Der Talisman“ ......................................................................
Arbeitsblatt: Georg Büchner „Woyzeck“ . ............................................................................
Informationsblatt: Franz Grillparzer „Der Traum ein Leben“ ..............................................
Informationsblatt: Politische Lyrik in der Zeit des Biedermeier und Vormärz......................
Zusammenfassung: Biedermeier und Vormärz .....................................................................



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SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. © öbvhpt, Wien 2007

08 v BÜRGERLICHER REALISMUS UND GRÜNDERZEIT
Arbeitsblatt: Gottfried Keller „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ . ......................................
Arbeitsblatt: Theodor Fontane „Effi Briest“..........................................................................
Informationsblatt: Ludwig Anzengruber „Das vierte Gebot“................................................
Zusammenfassung: Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit .............................................

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09 v NATURALISMUS UND MODERNE DER JAHRHUNDERTWENDE
Arbeitsblatt: Gerhart Hauptmann „Die Weber“ .................................................................... 1
Arbeitsblatt: Arthur Schnitzler „Leutnant Gustl“ ................................................................. 2
Informationsblatt: Gerhart Hauptmann „Bahnwärter Thiel“................................................. 3
Informationsblatt: Arthur Schnitzler „Liebelei“ ................................................................... 5
Zusammenfassung: Naturalismus ......................................................................................... 7
Zusammenfassung: Die Wiener Moderne.............................................................................. 10
10 v LÄNGSSCHNITTE UND LEITBEGRIFFE (7. Klasse)
11 v EXPRESSIONISMUS UND ERSTER WELTKRIEG
Arbeitsblatt: Alfred Döblin „Berlin Alexanderplatz“ ...........................................................
Informationsblatt: Franz Kafka „Die Verwandlung“.............................................................
Zusammenfassung: Expressionismus und Erster Weltkrieg (ca. 1910 bis 1920/25) ............

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12 v NEUE SACHLICHKEIT UND FASCHISMUS
Arbeitsblatt: Ödön von Horváth „Geschichten aus dem Wiener Wald“ ............................... 1
Arbeitsblatt: Bertolt Brecht „Leben des Galilei“ .................................................................. 2
Informationsblatt: Joseph Roth „Radetzkymarsch“............................................................... 3
Informationsblatt: Stefan Andres „El Greco malt den Großinquisitor“ . .............................. 5
Zusammenfassung: Neue Sachlichkeit und Faschismus........................................................ 7
Zusammenfassung: Die deutsche Literatur im Exil (1933–1945)......................................... 10
Zusammenfassung: Literatur der „Inneren Emigration“........................................................ 12
Zusammenfassung: Literatur im „Dritten Reich“.................................................................. 14
13 v DEUTSCHE LITERATUR DER NACHKRIEGSZEIT UND DER GEGENWART
Arbeitsblatt: Max Frisch „Biedermann und die Brandstifter“............................................... 1
Arbeitsblatt: Carl Merz /Helmut Qualtinger „Der Herr Karl“............................................... 2
Arbeitsblatt: Christa Wolf „Kassandra“ ................................................................................ 3
Informationsblatt: Friedrich Dürrenmatt „Der Besuch der alten Dame“............................... 4
Informationsblatt: Friedrich Schiller „Wilhelm Tell“/Max Frisch „Wilhelm Tell
für die Schule“....................................................................................................................... 6
Informationsblatt: Friedrich de la Motte Fouqué „Undine“/Ingeborg Bachmann
„Undine geht“ ....................................................................................................................... 8
Zusammenfassung: Die deutsche Literatur nach 1945.......................................................... 10
Zusammenfassung: Die deutsche Literatur seit Ende der sechziger Jahre ........................... 13
Zusammenfassung: Die Literatur der DDR .......................................................................... 14
Zusammenfassung: Österreichische Literatur von 1945 bis zur Gegenwart......................... 15



SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. © öbvhpt, Wien 2007

sie nimmt den Leser in seiner Praxis ernst und verweist nachdrücklich auf die Grundforderung des modernen Deutschunterrichts. © öbvhpt. Diese literaturgeschichtlichen Zusammenfassungen können und sollen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Werke zuzuordnen. Den jeweiligen Zusammenfassungen sind noch Arbeits. In jedem Abschnitt sind dabei ein oder mehrere Texte durch umfangreiche Bearbeitung als „Haupttexte“ hervorgehoben. Die Auswahl erfolgte danach. Literaturgeschichtliches Wissen soll Orientierungs – und Anwendungswissen sein. wie repräsentativ der Text ist. Deshalb werden in der Literaturkunde die einzelnen Werke in Epochen geordnet und diesen einführende allgemeine Bemerkungen vorausgestellt. Die Arbeitsblätter bieten Vorschläge zur Erarbeitung eines Textes. die weitere Einblicke in Kennzeichen und Themen einer Zeit liefern.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. angewendet werden soll und nicht „heruntergeleiert“. Sie sind von der Praxis bestimmt und beruhen auf gängigen Literaturgeschichten. dass das Wissen etwa bei einer Prüfung (bis hin zur mündlichen Matura) an einem Text demonstriert. sich rasch zurechtzufinden (sich zu orientieren). Ziel ist also kein literaturgeschichtliches Wissen um seiner selbst willen. ein Bild von ihr. sie bieten keine Literaturgeschichte. und die literaturgeschichtliche Zusammenfassung ergäben dann den Überblick über die Epoche. Die Autoren der Literaturkunde gehen davon aus. In der schulischen Praxis würde das bedeuten. Den literaturgeschichtlichen Rahmen dazu liefern die folgenden Lehr. Die Information beschränkt sich dabei auf eine kurze Zusammenfassung des Inhalts der Texte und die Behandlung wichtiger Themen und Aspekte. geht auch die Literaturkunde „Zugänge“ vom einzelnen Werk aus. und es soll ihm helfen. Arbeitsblätter. Dabei ergibt sich natürlich die Frage nach Funktion und Umfang. ergänzt durch andere Texte (auch Sachtexte der Zeit). Sie können je nach Bedürfnissen vereinfacht.Einleitung So wie jeder Leser von einem Werk ausgeht und nicht von der Literaturgeschichte. Wien 2007 . Trotzdem halten wir die literaturgeschichtliche Einordnung und Orientierung für unverzichtbar: Die Beschränkung auf das einzelne Werk ohne Einordnung in einen historischen Zusammenhang würde zu Beliebigkeit und vor allem zum Verlust des geschichtlichen Bewusstseins führen. wie zugänglich. Das heißt. Informationsblätter und Zusammenfassungen können ausgedruckt und kopiert den Schülern in die Hand gegeben werden. Auch sie sind für LehrerInnen und SchülerInnen gedacht. wie zumutbar (von der Schwierigkeit und der Länge) und wie erreichbar (Ausgaben der Texte). die entweder von einem Schüler/einerSchülerin allein – etwa als Hilfe bei einem Referat – oder aufgeteilt auf mehrere SchülerInnen verwendet werden können. immer von der Arbeit an einem Text auszugehen. Auch dem Lehrer wollen sie einen raschen Zugriff auf wichtige Aspekte eines Textes zeigen. Deren Lektüre. In den Informationsblättern wird noch auf mögliche Alternativen oder mögliche Lücken (eine Literaturkunde mit Texten ist natürlich in der Auswahl begrenzt) hingewiesen. Es soll dem Leser dienen.und Lernmaterialien.und Informationsblätter vorangestellt. um den sich weitere Werke mit Teilaspekten reihen können. dass zu den einzelnen Epochen zunächst ein besonders kennzeichnendes Werk als Ganztext gelesen wird. Dass solche Zusammenfassungen angreifbar sind. ergänzt oder unverändert in die Hand des Schülers/der Schülerin gegeben werden. aber sie sind unverzichtbar. ist uns bewusst. zu dem sie Informationen liefert.

Kann jemand. Schneider Verlag. In allen finden sich dann ausführliche Literaturangaben. warum ein Autor/eine Autorin etwas gerade so geschrieben hat und nicht anders. leicht zugängliche Werke genannt. indem ich der vom Autor/von der Autorin gewählten Möglichkeit andere – von mir gewählte – Möglichkeiten gegenüberstelle. dass dichterische Sprache von Alltagssprache verschieden ist. Ausgedehnte Hinweise dazu enthalten: Günter Waldmann: Produktiver Umgang mit Lyrik. als sie in der Sprache bereits vorhandene Formen aufgreift. verändere ich diesen Text. So könnten auch SchülerInnen an ein verständiges Benützen von Sekundärliteratur herangeführt werden. wirklich sagen. vom Leser erkannt. Diese Differenzerfahrung möchte nun Waldmann auf produktive Art und Weise nutzen. Klett Verlag. Eine systematische Einführung in die Lyrik. was schön und vollkommen ist? Mit produktiven Verfahrensweisen kann man die Arbeit an Texten aktiv. Wien 2007 . Der Unterschied kann aber auch selbst hergestellt werden. Dieses Mehr muss. damit es überhaupt wirksam werden kann. auf der Ebene des Klangs. nicht grundsätzlich. das heißt Schreiben. eine Methode aufzugreifen. erfahren werden (Differenzerfahrung). deren analytisches Erarbeiten mühsam und wenig lustvoll ist. ihre produktive Erfahrung und ihr Schreiben. des Satzes und des Textes. Immer wieder wird auch versucht. der viel zu ihrer Ausformung und Verbreitung getan hat. © öbvhpt. solche Merkmale dichterischer Texte zu erarbeiten. da erst durch die Differenzerfahrung Können und Fertigkeit eines Autors/einer Autorin. keinen respektlosen Umgang mit Texten darstellen. Um zu erfahren. wie ein Text „gemacht“ ist. Dadurch entsteht ein Mehr. die schon in den „Zugängen“ selbst unter dem Kapitel „Kreativer Umgang mit Texten – produktionsorientierte Verfahrensweisen“ (S. Stuttgart 1992  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Man bekommt erst dadurch ein begründetes Urteil und ein vertieftes Verständnis. stelle eine Differenz her. existiert es für den Leser nicht. sondern konkrete Erfahrung durch eigenes Tun. des Worts.In den Literaturhinweisen sind vor allem gängige. er läst den Leser den Unterschied durch eigenes Tun erfahren und somit erkennen (learning by doing). Baltmannsweiler 1988 Günter Waldmann/Karin Bothe: Erzählen. wenn möglich wurden Taschenbuchausgaben ausgewählt oder die günstigen Reclam-Ausgaben. Auf die Werkbeschreibung oder Literarische Facharbeit sei damit ausdrücklich hingewiesen. Sie sollte im Deutschunterricht größeren Raum bekommen und wird hier daher noch einmal dargestellt – gestützt auf Günter Waldmann. was bei analytischen Verfahrensweisen nicht immer erreichbar ist. sondern nur insoweit. mit denen man weiterarbeiten kann. Waldmann geht davon aus. der immer nur und ausschließlich Schönes. verstärkt und kultiviert. Produktive Verfahren eignen sich also besonders dazu. Waldmann nennt es sprachliche Überstrukturierung. Eine Einführung in kreatives Schreiben und produktives Verstehen von traditionellen und modernen Erzählformen. Also nicht nur Reflexion und Analyse. Dieses Eingreifen in den Text soll aber kein respektloses Zerstückeln. 41) präsentiert wird. Vollkommenes und nie weniger Schönes und Vollkommenes sieht. intensiv und lustvoll gestalten. im Gegenteil: Es macht Respekt erst möglich. Vereinzelt sind auch Verzahnungen mit anderen Bereichen des Deutschunterrichts – wie etwa dem Schreiben – hergestellt. Geschieht das nicht. Vollkommenheit oder Unvollkommenheit eines Textes erlebt werden können.

wo der König (Gunther oder Etzel) Entscheidungen zu treffen hat. in welcher Form? Gibt es Ansätze.) Einzelne Szenen aus verschiedener Perspektive erzählen: Gestalten Sie zum Beispiel die erste Begegnung Kriemhilds mit ihren Brüdern und Hagen an Etzels Hof aus der Sicht Kriemhilds und Hagens. weil preisgünstiger und in einer vorzüglichen Prosa gestrafft erzählt: Das Nibelungenlied. (Das liegt insofern nahe. Mittelhochdeutscher Text mit Übertragung. © öbvhpt. und übersetzt von Helmut Brackert. Konflikte auf andere Art zu lösen? Welche Rolle spielt also Gewalt für den Handlungsverlauf? Die Stellung der Frau: Welche Rollen werden Frauen zugeschrieben? Sind sie selbständig Handelnde oder sind sie der Verfügungsgewalt der Männer unterworfen? Was bedeutet das Handeln der Frauen für den Handlungsverlauf? Die Stellung des Königs: Skizzieren Sie die Stellen. Wer betrügt wen mit welcher Absicht? Sind es Hauptoder Nebenpersonen? Welche Rolle spielt der Betrug im Gesamtgefüge der Handlung? Die Rolle der Gewalt: Wo tritt Gewalt in den menschlichen Beziehungen auf? Wer übt Gewalt wem gegenüber aus. Neu erzählt von Franz Fühmann. 6039 Besser geeignet. in denen Betrug eine entscheidende Rolle spielt. Trifft er sie selbständig? Hat er Ratgeber? Wie ist ihr Einfluss? Was bedeutet ihr Handeln für den Handlungsverlauf? Produktionsorientierte.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Hg. Fischer Taschenbuch 6038. Klett Lesehefte Die ergänzenden Materialien in diesem Heft erlauben eine vertiefende und ergänzende Arbeit in Einzelreferaten und Gruppenarbeit. als ja Kriemhild immer mehr zur heimlichen Hauptfigur wird. S. Wien 2007 .MITTELALTER Nibelungenlied ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. Folgende Themen und Fragestellungen können am Text erarbeitet werden: Die Rolle von Treue und Untreue: Wo spielt Treue eine wesentliche Rolle? Wer ist wem zur Treue verpflichtet? Skizzieren Sie die entsprechenden Szenen! Welche Probleme und Konflikte können daraus entstehen? Wer begeht mit welchen Motiven Untreue? Was sind die Konsequenzen für den weiteren Verlauf? Die Rolle des Betrugs: Skizzieren Sie die Szenen. 108) Für die Behandlung und Lektüre im Unterricht als Ganztext eignen sich: Das Nibelungenlied. kreative Zugänge: Sich in die Lage einer Hauptperson versetzen: Erzählen Sie die ganze Geschichte aus der Sicht Kriemhilds.

S. Ueberreuter. Epoche – Werk – Wirkung. Philipp Reclam jun. Bd. Beck. Grimm und Frank Rainer Max. von Gunter E. Jahrhundert ein) Lesehinweis: Wolfgang Hohlbein: Hagen von Tronje. Wien 2007 . Bd. 1. Suhrkamp. © öbvhpt. und 20. München 1987 Joachim Heinzle: Das Nibelungenlied. Fischer. Frankfurt am Main 1843 Die Nibelungen.. von Joachim Heinzle und Anneliese Waldschmidt.)  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. C. Wien 1994 (Das Nibelungenlied wird hier aus der Sicht Hagens erzählt. Hg.Literaturhinweise: Deutsche Dichter. Hg. 1. Stuttgart 1989 Otfried Ehrismann: Nibelungenlied. Frankfurt am Main (= stm 2110) (geht vor allem auf die Rezeption im 19. H.

Wolfram von Eschenbach: Parzival ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. H. auch die Eigenart der Sprache Wolframs entsprechend zu berücksichtigen.) Parzival. Übersetzt von Wolfgang Spiewok. Selbsterkenntnis und Selbstfindung Parzivals: Stellen Sie die wichtigsten Stationen dar. Insel. Hg. Stuttgart 1989 Lesehinweise: Dieter Kühn: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. dass ja kaum Zeit für zwei Ganztexte bleibt. dass eine Behandlung im Unterricht als Ganzschrift ohne weiteres empfohlen werden kann. C. Frankfurt am Main 1993  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. © öbvhpt. von Gunter E. für den Schulgebrauch wohl zu teuer. was ja auf Grund der Weltfülle. Metzler. Wien 2007 . könnten etwa folgende Fragen bearbeitet werden: Der Prozess der Entwicklung. Frankfurt am Main 1987 Adolf Muschg: Der Rote Ritter. 3681–3682 (Zwar noch halbwegs preisgünstig. Fertigen Sie einen Stammbaum an. 1. Für Vergleichszwecke aber sehr interessant.) Will man also trotz dieser Textsituation einen Versuch machen. München 1983 Joachim Bumke: Wolfram von Eschenbach. Suhrkamp. Stuttgart 1981 Deutsche Dichter. der künstlerischen Gestaltung richtig wäre (ohne damit das „Nibelungenlied“ abwerten zu wollen). Bd. Philipp Reclam jun. so gibt es folgende Möglichkeiten: Parzival. Abgesehen davon. Klasse wohl zu umfangreich. Literaturhinweise: Karl Bertau: Wolfram von Eschenbach. Grimm und Frank Rainer Max. RUB Nr. Was gewinnt seine Persönlichkeit jeweils hinzu? Wodurch wird dieser Prozess gefördert oder verhindert? Vergleichen Sie damit Gawans Weg? Stellen Sie seine Abenteuer dar! Gibt es eine Entwicklung. Übersetzt von Dieter Kühn. einen Gewinn an Selbsterkenntnis oder an Selbstfindung? Die Darstellung der Liebe: Welche Liebesbeziehungen werden dargestellt? Wodurch sind sie gekennzeichnet? Wie ist der Verlauf? Welche Formen der Liebesbeziehung sind positiv gesehen. Sollte man sich aber für den „Parzival“ entscheiden. welche negativ? Die Bedeutung der Verwandtschaftsverhältnisse: Stellen Sie die verwandtschaftlichen Verhältnisse dar.. der Komplexität. 112) Leider gibt es vom „Parzival“ keine so geeignete Ausgaben. S. Beck. Frankfurt am Main 1986 (Ein interessanter Versuch. aber für die Arbeit in einer 6.

es handle sich beim Hildebrandslied um die Darstellung eines Vater-Sohn-Konflikts. Hildebrand aber genau weiß. Hildebrand als Älterer will nun herausfinden. dass der Wissende. mit wem er es zu tun hat. Verschärft wird das noch dadurch.) Das Hildebrandslied ist das einzige erhaltene althochdeutsche Beispiel eines germanischen Heldenliedes. (Hier bricht der Text ab. die Ehre geben. In der Literatur findet man häufig. keinen Ausweg mehr sieht: Er muss seine Ehre schützen. Seltener geht die Auseinandersetzung vom Vater aus. Die einzige erhaltene Handschrift stammt aus dem Kloster Fulda. Jahrhundert. der sich am Vater misst. es mit seinem Vater zu tun zu haben. dominiert. Voll gerüstet und gewappnet treten sie einander gegenüber. Literaturhinweis: Deutsche Dichter. 1. reibt und sich mit ihm auseinandersetzt. das heißt. Wahrscheinlich geht es auf eine bairische Bearbeitung eines langobardischen Liedes (Anfang des 8. den er für tot hält. Hadubrand gibt sich als Sohn Hildebrands zu erkennen.Hildebrandslied INFORMATIONSBLATT Inhalt: Hadubrand und Hildebrand fordern einander vor ihren Heeren (Gefolgschaften) heraus. Die Ehre wird somit zu einem Wert. Das setzt aber voraus. Grimm und Frank Rainer Max. manchmal mit tödlichem Ausgang.. Sobald die Ehre ins Spiel kommt. Es besteht aus stabgereimten Langzeilen und spielt vor dem Hintergrund der Ostgotenherrschaft in Italien um 500 n. dass sich die beiden kennen und zusammenleben. sodass Hildebrand. aus dem 9. dass Hadubrand ja daran zweifelt. will diesem aber den Kampf nicht verweigern. die Annahme eines Geschenks aus Mißtrauen zurückgewiesen. gibt es kein Zurück mehr: Er ruft nur mehr das Schicksal an und überlässßt ihm alles weitere. Offensichtlich hat Hadubrand zur Verteidigung seiner Herrschaft den ihm fremden Eindringling gestellt. hat ihn seit jüngsten Jahren nicht mehr gesehen (dreißig Jahre war Hildebrand fort). Zutreffend ist aber eher die Kennzeichnung als Vater-SohnKampf. dass er nach dreißig Jahren Abwesenheit und vielen Kämpfen jetzt seinem eigenen Sohn gegenübersteht. Hadubrand kennt aber seinen Vater nicht. daß ihm sein Sohn gegenübersteht. dass es sein Sohn ist. wird aber von Hadubrand als Betrüger beschimpft. Chr. Hadubrand hat Hildebrand außerdem beschimpft und beleidigt. Philipp Reclam jun. sogar die Familienbande. der entscheiden muss. also Hildebrand. und er muss auch seinem Sohn. Aus heutiger Sicht verstörend wirkt natürlich. woran soll er sich messen. aber aus anderen Quellen lässt sich erschließen. reiben? Es ist also letztlich ein Ehrkonflikt: Die beiden haben einander herausgefordert. Jh. keine zusätzlichen Anstrengungen unternimmt. © öbvhpt. Bd. auf andere Art seine Identität nachzuweisen. und in einer unruhigen Zeit sein Land und seinen Besitz verteidigt. Stuttgart 1989  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. der dann den Sohn als Rivalen oder Konkurrenten sieht und ihn aus dem allgemeinen Lebensneid des Älteren dem Jüngeren gegenüber bekämpft. von Gunter E. Hildebrand beklagt. Wien 2007 . Hg. obwohl er weiß. dass Hildebrand seinen Sohn tötet. der alles andere. bei dem es letztlich um einen Ehrkonflikt geht. er darf ihm den Zweikampf nicht verweigern. der ihn herausgefordert hat. Ein Vater-Sohn-Konflikt geht ja in der Regel vom Sohn aus. Hildebrand weist auf nahe Verwandtschaft hin und will ihm goldene Armringe schenken.) zurück.

einen seiner Kumpanen zu heiraten. Sohn eines wohlhabenden und selbstbewussten Bauern. Gebot. Wien 2007 . Über den Autor ist nichts bekannt. Ein Vorbild oder eine Quelle sind nicht bekannt. Jahrhundert ziemlich einzigartig da. die ihn weit über seinen Stand erhebt. sein Werk sei aus dem Leben gegriffen. ihn in Zukunft nicht mehr vor seinen Freunden zu schützen. indem er sie von oben herab mit irgendwo aufgeschnappten Sprachbrocken fremder Sprachen begrüßt. Nach einem Jahr besucht er seine Eltern. Freundlich wird er nun aufgenommen und großzügig bewirtet. Derart verstümmelt kehrt er zu seinem Vater zurück. Hälfte des 13. doch Helmbrecht hat nur noch Verachtung für den Stand des Bauern übrig. nach heutigem Wissen ist „Helmbrecht“ der Titel. missachtet das 4. So wird er zum Raubritter. In langen Gesprächen versucht er seinen Sohn zu überzeugen. ihn künftig vor seinen Kumpanen nicht mehr zu beschützen. nur die Mutter steckt ihm ein Stück Brot zu. © öbvhpt. Wieder kommt es zu einem Gespräch mit dem Vater: Helmbrecht schildert das sittenlose Leben seiner „ritterlichen“ Kumpane.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. der Titel sei „Meier Helmbrecht“. Schließlich überredet er noch seine Schwester. Raub und Prasserei besteht. der die Bauern – also die Angehörigen seines früheren Standes – gnadenlos ausplündert. Gewalt. indem er seinen Stand verlässt und seine früheren Standesangehörigen gnadenlos ausplündert. lesen wir heute die Geschichte als eine Parabel. die menschliches Fehlverhalten exemplarisch darstellt. selbst die Träume des Vaters. so gehen die Träume des Vaters in Erfüllung. die ihm ein schreckliches Ende vorhersagen. das nur aus Unrecht. Obwohl der Dichter zu Beginn versichert. aus seiner Sprache lässt sich auf eine Herkunft aus Bayern oder Österreich schließen. behandelt seine Eltern bei seinem Besuch verächtlich und droht sogar seinem Vater. die er ehedem ausgeplündert und misshandelt hat. Helmbrecht wird „verschont“: Die Augen werden ihm ausgestochen. die er noch dazu falsch verwendet. Helmbrecht verstößt aber auch gegen die Ordnung der Gesellschaft. kehrt aber beim Empfang den Abstand hervor. gibt er sich zu erkennen. Früher meinte man.Wernher der Gartenaere: Helmbrecht INFORMATIONSBLATT Inhalt: Der junge Helmbrecht. neun werden auf der Stelle hingerichtet. Ein Jahr irrt Helmbrecht noch umher. Begünstigt und bestärkt in diesem Vorhaben wird er von seiner Mutter und seiner Schwester. will seinen Stand verlassen und Ritter werden. Die Hochzeit endet aber in einer Katastrophe: Ein Richter mit seinen Schergen nimmt die Raubritter gefangen. was den Vater als titelgebende Figur in den Mittelpunkt gerückt hat. wahrscheinlich war er ein Fahrender. Der Vater dagegen will ihn davon abbringen. der ihn mit gnadenloser Härte und voll bitteren Hohns des Hofes verweist. überhaupt steht das Werk mit seiner Thematik im 13. Der Vater stellt dagegen das alte Ritterideal. der linke Fuß und der rechte Arm abgeschlagen. wie er es in seiner Jugend noch selbst erlebt hat. Die Verserzählung „Helmbrecht“ entstand in der 2. Erst als ihn sein Vater schon fast des Hauses verwiesen hat. Auf weitere Vorhaltungen des Vaters droht Helmbrecht. gehängt wird. können ihn nicht mehr abschrecken. Jahrhunderts. indem er die Gehorsamspflicht gegenüber dem Vater verletzt. Helmbrecht verstößt gegen die Ordnung der Familie. das Erzählte hätte sich vor seinen Augen abgespielt. was den Sohn und sein exemplarisches Versagen in den Mittelpunkt stellt. die ihm reiche Kleidung schenken. ehe er von Bauern.

1. sonst eine ideale Welt. von Gunter E. Stuttgart 1989 Peter von Matt: Verkommene Söhne.. trotz seiner Verstümmelungen vom Vater gnadenlos verjagt und damit jenem Urteil zugeführt. nachdem er seine Familie verlassen und alles durchgebracht hat. der voll Stolz verkündet. Hg. andererseits steht dieses Epos mit den zuletzt dargestellten Aspekten im Mittelalter ganz einzigartig da.Diese Verserzählung ist auch eine radikal ins Böse verkehrte Variante der Parabel vom verlorenen Sohn: Dort wird der Sohn. Philipp Reclam jun. dass mancher König nur durch den Fleiß und Schweiß der Bauern sich gekrönt sieht und Bauern überhaupt erst die Grundlage schaffen für Ruhm und Ehre der anderen Stände. So ist zwar die Moral der Erzählung eindeutig konservativ. © öbvhpt. In den langen Gesprächen zwischen Vater und Sohn – sie machen mehr als die Hälfte der Verserzählung aus – wird nicht nur die eigentliche Lehre verkündet. München 1995  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Kommen dort Bauern bestenfalls als Objekte vor. erscheint hier nur im Zerrbild des brutalen Raubritters. die in der Literatur des Mittelalters sehr selten sind. vom Vater wieder mit Liebe aufgenommen. mißratene Töchter. Hier wird der Sohn. es kommen dabei Dinge zur Sprache. Literaturhinweise: Deutsche Dichter. das er bereits in seinen Träumen über ihn verhängt hat. Hanser. tritt hier ein Bauer selbstbewusst als handelndes Subjekt auf. die bestehende Ständegesellschaft bewahrend und bestätigend. Das Rittertum. das ideale Rittertum existiert nur noch in der Erinnerung des Meier Helmbrecht. Bd. Wien 2007 . Grimm und Frank Rainer Max.

Zusammenfassung: Mittelalter
Politik, Gesellschaft und Kultur
Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches, verursacht durch inneren Zerfall und dem
Ansturm der germanischen Stämme, kam es im bisher von Rom beherrschten Europa zu einem
politischen, wirtschaftlichen, zivilisatorischen und kulturellen Bruch und Rückschritt. An die
Stelle einer hochentwickelten, von Städten und ihren Bewohnern geprägten Kultur und Zivilisation traten agrarisch dominierte Gesellschaften in den germanischen Nachfolgestaaten, in
denen mehr als 90 Prozent der Bevölkerung auf dem Lande lebten oder in der Landwirtschaft
tätig waren. Die ursprünglich freien Bauern wurden in einem längeren Prozess zu Abhängigkeit, Hörigkeit und schließlich Leibeigenschaft gezwungen.
Solcherart dienten sie dem geistlichen und weltlichen Adel, dem sie mitsamt dem zu bebauenden Land vom König als Lehen überlassen worden waren, als Belohnung für geleistete Dienste
und zur Versorgung. Die daraus resultierende Ständeordnung, erster Stand = geistlicher Adel
(Klerus), zweiter Stand = weltlicher Adel (Ritter), dritter Stand = Bauern, wurde von der Kirche
als gottgewollt legitimiert und bestand das ganze Mittelalter. Erst gegen dessen Ende traten als
neues Element die Bewohner der Städte, die Bürger, hinzu. Da der weltliche Adel zunächst jede
Bildung ablehnte und die Bauern von ihr ausgeschlossen waren, blieb der Klerus ihr einziger
Träger und Vermittler, wurden die Klöster auch zu Zentren der Kultur, die daher nach Inhalt und
Zweck überwiegend religiös geprägt war. Dementsprechend dominierte auch die lateinische
Sprache, und die Verwendung der deutschen Sprache bedurfte ganz besonderer Bedingungen
und Voraussetzungen. In der deutschen Sprache unterscheidet man in diesem langen Zeitraum
Althochdeutsch (etwa 750–1050), Mittelhochdeutsch (etwa 1050–1350) und Frühneuhochdeutsch (etwa 1350–1650). Es gab keine einheitliche Hochsprache, sondern nur die zahlreichen
Dialekte.
Ausschlaggebend für Lautung und Schreibweise war der Schreibort oder die Schreibprovinz,
das waren vom 8. bis zum 12. Jahrhundert die Klöster und Bischofssitze und seit dem 13. Jahrhundert die Städte und Kanzleien der weltlichen und geistlichen Landesherren.
Dieser lange Zeitraum wird in der Literaturgeschichtsschreibung entweder nach den Sprachabschnitten (also althochdeutsche Literatur usw.) gegliedert, nach den Herrscherfamilien
(Literatur zur Zeit der Karolinger, Ottonen usw.) oder nach den Hervorbringern bezeichnet als
Literatur der Geistlichen, der Ritter und der Bürger. Für unsere Zwecke empfiehlt sich eine
Beschränkung auf zwei Höhepunkte: Zeit Karls des Großen, Stauferzeit um 1200.
Karl der Große versuchte die teilweise sehr mühsam errungene politische Einigung der verschiedenen germanischen Stämme (Beispiel Sachsen!) durch eine gemeinsame Kultur, Religion und Sprache zu stärken. So sollte das Christentum das einigende Band für alle Völker werden, dessen Lehre allerdings auf lateinischen Texten beruhte. Eine erfolgreiche Missionierung
musste sich aber der deutschen Sprache bedienen, die daher von Karl bewusst gefördert wurde;
damals entstand auch der Begriff „deutsch“ und zwar aus thiudisk, das heißt volkssprachig.
Die deutsche Sprache war demnach die lingua theodisca in bewusstem Gegensatz zur lingua
romana (Lateinisch).
Die Literatur dieser Zeit war daher religiöse Gebrauchsliteratur, beruhte zum großen Teil auf Übersetzungsarbeit und wurde von gebildeten Geistlichen in Klöstern
(besonders wichtig das Kloster Fulda) verfasst.



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Dazu gehört auch die „Evangelienharmonie“ (Darstellung des Lebens Jesu aufgrund der vier
Evangelien) des Mönchs Otfried von Weißenburg, der nicht mehr den germanischen Stabreim,
sondern den Endreim verwendete. In den weiteren Kreis der religiösen Dichtung gehören das
„Muspilli“ (ein geistliches Gedicht vom Weltuntergang), das „Wessobrunner Schöpfungsgedicht“ und die „Merseburger Zaubersprüche“. Als Dichtung nimmt dabei in dieser Zeit das
„Hildebrandslied“ eine ganz einzigartige Stellung ein (siehe Informationsblatt). In der Zeit der
Ottonen und Salier dominiert wieder völlig das Lateinische, sodass sogar volkssprachige Stoffe
als lateinische Hexameterepen verfasst werden, wie zum Beispiel „Waltharius“.
Die neue höfische Kultur entstand zuerst in Frankreich, ein erster Ansatz dazu war das Entstehen einer klerikalen weltlichen Literatur, allerdings immer noch in lateinischer Sprache.
Erst die Begegnung mit der reicheren und fortgeschritteneren Kultur und Zivilisation des Orients im 1. Kreuzzug (1096–1099) und das Entstehen einer neuen Kultur an den Höfen, die vom
Kriegeradel bestimmt wurde, führte zur Herausbildung einer volkssprachigen Literatur.
Auf deutschem Gebiet setzte diese Entwicklung später ein, das hängt damit zusammen, dass
erst im 12. Jahrhundert die Reiseherrschaft des Landesherren (Landesfürst) – er reiste mit seinem noch recht kleinen Hofstaat im Lande umher und übte so die Herrschaft aus – durch die
Schaffung von festen Residenzen abgelöst wurde. In denen entwickelte sich rasch eine höfische, nicht mehr religiös geprägte Kultur, in der viel aus Frankreich übernommen wurde. Sie
diente der Geselligkeit, dem Unterhaltungs- und Repräsentationsbedürfnis des Adels, und bot
außerdem den großen
Fürstenhäusern die Möglichkeit, die eigene Bedeutung, den eigenen Wert gegenüber dem
König oder dem Kaiser darzustellen. Höfische Kultur war also auch ein Instrument in der Auseinandersetzung zwischen Hochadel und König. Von den vielfachen Formen der Literatur und
Geselligkeit an den französischen Höfen entlieh man in Deutschland im wesentlichen nur zwei:
das höfische Epos und den Minnesang.
Das höfische Epos
Wolfram von Eschenbach (siehe Zugänge, S. 112).
Gottfried von Straßburg (siehe Zugänge, S. 115).
Hartmann von Aue: Er hat durch Übertragung der mustergültigen Werke des Chrétien des
Troyes den Artussagenkreis in die deutsche Literatur gebracht. In den Epen „Erec“ und „Iwein“
stellt er Ritter in den Mittelpunkt, die sich vom ritterlichen Ideal entfernen und erst nach vielen
Abenteuern und mühevollen Kämpfen zurückfinden.
Das germanische Heldenlied: Das Nibelungenlied (siehe Zugänge, S. 108).
Der Minnesang (siehe Zugänge, S. 116).
Lehrmeister Walthers von der Vogelweide war Reinmar von Hagenau, ein bedeutender Zeitgenosse Heinrichs von Morungen. Neidhart von Reuenthal erweiterte die Minnethematik durch
Winter- und Sommerlieder und Verlegung der Schauplätze in den bäuerlichen Bereich.
Eine späte Form und stark geprägt von der Eigenart des Dichters sind die Lieder Oswalds von
Wolkenstein.
Die mittelhochdeutsche Minnelyrik ist in großen Liederhandschriften erhalten, zum Beispiel in
„Die große Heidelberger Liederhandschrift“.
Lateinische Lieder (so genannte Vagantenlyrik) sind in der Benediktbeurer Handschrift („Carmina burana“) gesammelt.



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Literaturhinweise:
Zu Kultur und Zivilisation
Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. Deutscher
Taschenbuch Verlag, München 1986 (= dtv 4442)
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1976
Zur Epoche
Karl Bertau: Deutsche Literatur im europäischen Mittelalter. 2 Bde. C. H. Beck, München
1972/73
Joachim Bumke/Thomas Cramer/Dieter Kartschoke: Geschichte der deutschen Literatur im
Mittelalter. 3 Bde. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990 (= dtv 4551, 4552, 4553)
Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte. Bd. 1 und 2. Hg. von Horst Albert Glaser. Rowohlt
Verlag, Reinbek bei Hamburg (= rororo 6249, 6250)
Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zum Beginn der Neuzeit. Hg. von
Joachim Heinzle. Niemeyer, Tübingen 1984 ff.
Peter Wapnewski: Deutsche Literatur des Mittelalters. Vandenhoeck, Göttingen 1980
Max Wehrli: Geschichte der deutschen Literatur vom frühen Mittelalter bis zum Ende des
16. Jahrhunderts. 1984
Zu einzelnen Autoren und Werken
Walther von der Vogelweide: Gedichte. Mittelhochdeutscher Text und Übertragung von Peter
Wapnewski. S. Fischer, Frankfurt am Main 1962 (= Fischer TB 6052)
Walther von der Vogelweide: Sämtliche Lieder. Übertragen von Friedrich Maurer. Stuttgart
1972 (= UTB 167)
Gerhard Halm: Walther von der Vogelweide. Eine Einführung. München – Zürich 1986
Hartmann von der Aue: Erec. Übersetzt von Thomas Cramer. S. Fischer, Frankfurt am Main
1972 (= Fischer TB 6017)
Hartmann von Aue: Iwein. Übersetzt von Thomas Cramer. 3. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin
1981
Christoph Cormeau/Wilhelm Störmer: Hartmann von Aue. Epoche – Werk – Wirkung. 2. Aufl.
C. H. Beck, München 1985
Peter Wapnewski: Hartmann von Aue. 7. Aufl. Stuttgart 1979
Gottfried von Straßburg: Tristan und Isolde. Übersetzt von Rüdiger Krohn. Philipp Reclam
jun., Stuttgart 1980 (= RUB 4471–4473)
Christoph Huber: Gottfried von Straßburg „Tristan und Isolde“. Eine Einführung. München
– Zürich 1986



SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. © öbvhpt, Wien 2007

umfassende Fragestellungen bearbeiten. Weydt: Johann Jakob von Grimmelshausen. Wirkung. Reinbek bei Hamburg 1987 (= rororo 267) Volker Meid: Grimmelshausen. diesen umfangreichen Roman als Ganztext im Unterricht zu behandeln. H. Stuttgart 1979  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. bleibt als einzige praktische Möglichkeit die gekürzte Fassung in der Reclam-Universalbibliothek. Die Figur des Schelms: In welchen Episoden zeigt Simplicius typisch „schelmische“ Verhaltensweisen? Die Darstellung des Krieges: In welchen Episoden wird der Krieg dargestellt? Auf welche Art und Weise? Wie weit ist der Krieg bestimmend für das Leben des Simplicius? Unbeständigkeit als einzige Beständigkeit: Überprüfen Sie diese Behauptung anhand des Lebenslaufs des Simplicius. Bd. von G. © öbvhpt. Werk. REFORMATION UND BAROCK Johann Jakob Christoffel ARBEITSBLATT von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch (Siehe Zugänge. C. man wird sich dabei auf einige chakteristische Ausschnitte beschränken müssen. Hg. 126) Es ist natürlich unmöglich. Weydt. Will man übergreifende. von Gunter E. Wird er dadurch im Sinne einer Weiterentwicklung seines Charakters verwandelt oder verändert? Die Vielfalt der dargestellten Welt und der Schauplätze: Arbeiten Sie die verschiedenen sozialen Milieus heraus. Arbeiten Sie die verschiedenen Schauplätze heraus und tragen Sie sie in einer Karte ein. Welche Berufe übt er dabei aus? Versuchen Sie sie in einer Graphik im Hinblick auf sozialen Aufstieg und Abstieg darzustellen. S. Epoche. 1969 Deutsche Dichter. Wien 2007 . Literaturhinweise: Der Simplicissimusdichter und sein Werk. Stuttgart 1988 Curt Hohoff: Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Grimm und Frank Rainer Max.RENAISSANCE. 2. München 1984 G. Beck. Philipp Reclam jun. Zur Frage Entwicklungsroman: Arbeiten Sie die wichtigsten Lebensstationen des Simplicius heraus.. in denen Simplicius auftritt. Hg. Rowohlt Verlag.

Günter Waldmann schlägt dazu auch produktionsorientierte Vorgangsweisen vor. „Ah. Was soll Petrarka?“– „Der mag Strümpfe str---. 129) Besondere Kennzeichen von Gryphius’ Sonett (und damit von vielen Gedichten des Barock) sind die strenge äußere und innere Form (gedanklicher Aufbau) und die zahlreichen rhetorischen Figuren und Bilder. es wird ge---.“ Vervollständigen Sie die Reime. zu einer Schlussfolgerung (Conclusio). Wien 2007 .“ „Wirklich! Doch wenn die Lauren selber d---. Die Form des Sonetts lässt sich auch so erfahren. hier gilt es Silben z---. des Satzes und des gesamten Inhalts leicht erkannt werden kann und sich somit auch leicht selbst herstellen lässt. schlägt Günter Waldmann noch folgende Übung zur Metapher vor:  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Diese strenge Form geht eine enge Verbindung mit einer durch sprachliche Bilder und Figuren aufgeladenen (manchmal überladenen) Sprache ein. © öbvhpt. Herr Graf. Dann noch drei Paare.Andreas Gryphius: ARBEITSBLATT „Es ist alles Eitel“ (Sonett. Eduard Mörike hat dazu folgendes Beispiel „gebastelt“: Heut lehr’ ich euch die Regel der Son---. Gewisse Herrn zwar hängen Klett’ an K---. Beides lässt sich analysierend ohne weiteres vermitteln. Metapher und Antithese) (Siehe Zugänge. dass es bei den dreizeiligen Strophen (Terzinen) die Möglichkeit cde-cde (Mörike) oder cdc-dcd oder ccd-eed (Gryphius) gibt. Versucht gleich eins! Gewiss. Vier Reime hübsch mit vieren zu versch---. Ein solcher findet meine schönen N--Bei diesem Muster. Lasst demnach an der vielgeteilten K--Als Glied in Glied so einen Schlussring sp---: Das muss alsdann wie pures Gold erk---. Sie st---!“ „O nein. dass man vierzehn h---. die diese Behauptung belegen sollen. Dieser strengen äußeren Form entspricht beim Barocksonett auch ein strenger gedanklicher Aufbau (innere Form): Der Gedankengang geht von der Behauptung (These) über Beispiele (Exempla). Eins wie das andre ist für schöne S---. Welches Reimschema ergibt sich also für ein Sonett? Beachten Sie. Fräulein. Während im Gedicht von Gryphius die Antithese auf der Ebene des Worts. S. Von den vielen seien hier stellvertretend zwei aufgegriffen: Die Antithese und die Metapher. Versuchen Sie das auch bei anderen Sonetten. Stellen Sie diesen Gedankengang beim Sonett von Gryphius dar. indem man sie selbst erst finden muss.

Die Einhaltung der strengen Reimform ist dabei nicht un- bedingt notwendig. ein Sonett zu versuchen. das alle Kriterien erfüllt. Vom Thema „Es ist alles … (?)“ ausgehend: Bilden Sie dazu passende Antithesen und Metaphern. und gehen Sie dabei von der äußeren Form aus: Einzuhalten ist die strenge Reimform. Solcherart gewappnet könnte man jetzt auch darangehen. Von der inneren Form ausgehend: Verfassen Sie einen Text nach dem Schema Behauptung – Beispiele – Schlussfolgerung. Schreiben Sie ein Sonett. Wien 2007 .  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. 1. Versuchen Sie sie zu erklären oder zu umschreiben. Versmaß und Rhythmus sind dabei nicht so maßgeb lich. was sie bedeuten könnten. 2. 3. ist es auch möglich. ein eigenes Sonett zu produzieren. Geht man derart schrittweise vor.haftpflichtversichert Mensch pflegeleicht Leben leistungsorientiert Liebe schmutzabweisend Hoffnung stromlinienförmig Sehnsucht vollautomatisiert Trauer Bilden sie mit je einem Wort aus der linken und aus der rechten Spalte ungewöhnliche Wortpaare und überlegen Sie. © öbvhpt.

Der Idealstaat des Erasmus wird von gleichberechtigten und verantwortlichen Bürgern in freier Abstimmung gebildet. Philipp Reclam jun. Reinbek 1974 (= rororo 214) Lesehinweis: Stefan Zweig: Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam. Rowohlt. Sein Ziel soll die christliche Friedens. Gail: Erasmus von Rotterdam. (Exemplarisch dafür der Dialog „Der Abt und die gebildete Frau“.122) Erasmus gilt als der Vertreter des europäischen Humanismus. autonome Persönlichkeit: Das unstete Leben des Erasmus. So bildete seine Ausgabe des griechischen Neuen Testaments die Grundlage für Martin Luthers Bibelübersetzung. Frankfurt am Main 1995 (= Fischer TB 2279)  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Aufl. der dafür zusätzliche Verantwortung für Freiheit und Frieden trägt. Persönliche Freiheit – selbstbestimmte. lässt sich auch so verstehen. nach Italien. nach Deutschland und in die Schweiz geführt hat. kam es auch zur Auseinandersetzung mit Martin Luther und schließlich zum Bruch mit der Reformation: Erasmus betonte im Gegensatz zu Luther. Unermüdlich hob er in seinem Briefwechsel mit Gelehrten ganz Europas den Bildungswert der klassischen Kultur hervor. Die Beschäftigung mit der Sprache und den Werken der Antike: Erasmus gab kritische Ausgaben von vielen antiken Klassikern heraus. der Kunst und Wissenschaft. der Willensfreiheit. nach England. wiederum nach England. bestimmt. der die christliche Freiheit des Bürgers schützen soll. in die Niederlande. © öbvhpt. S. nach Studienjahren in Paris. dass er seine persönliche Freiheit einer sicheren Anstellung vorgezogen hat. eigentlich für den späteren Kaiser Karl V. 33. Erziehung und Bildung: In seinen „Colloquia familiaria“ behandelt Erasmus Fragen des Lebens. Im Zentrum stehen aber Erziehung und Bildung als Mittel der charakterlichen Entwicklung.Erasmus von Rotterdam (1466/69–1536) INFORMATIONSBLATT (Siehe Zugänge. das ihn..) Gestaltung der Gesellschaft: Als christliches Gegenstück zum „Principe“ des Machiavelli verfasste Eramus die Schrift „Die Erziehung eines christlichen Fürsten“. Fischer. an seinem Leben und Werk kann man wichtige Bestrebungen und Kennzeichen dieser Zeit demonstrieren.und Fortschrittsgemeinschaft in Europa sein. Diesen Frieden ließ Erasmus in seiner „Querela pacis“ selbst Kritik am Krieg üben. dass es ohne Freiheit kein moralisches Leben und keine Verantwortung gibt. Am Problem der persönlichen Freiheit. S. Darin wird der Fürst als Verwalter eines souveränen Volkes beschrieben. Großen Einfluss auf die Beschäftigung mit antiker Literatur hatte seine Sprichwörtersammlung „Adagiorum collectanea“. Stutt­ gart1986 Anton J. Wien 2007 . Literaturhinweise: Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter.

© öbvhpt.Zusammenfassung: Renaissance. Ulrich Zwingli und Johannes Calvin. Legenden. Er verwendete für seine Stücke humanistische. Das Fastnachtspiel erreichte in Hans Sachs seinen Höhepunkt. in denen im Volk weit verbreitete Schwänke zusammengefaßt wurden („Till Eulenspiegel“.und Umweltbedingungen zu schaffen. Im Bereich der Erzählliteratur ist Sebastian Brant mit seiner satirischen Erzählung „Narrenschiff“ zu nennen. Die Volksbücher. Vor allem gab es viele Volksbücher. S. Schwänken zusammen. Jahrhunderts. 124). in bewusster Abwendung vom Mittelalter – dem „dunklen.und Westeuropa ausbreitete. Grundlage dafür war das Studium der alten Sprachen und eine realistische Sicht auf die Natur und deren realistische Erklärung. Es ist dies ein umfassender Versuch. Allerdings wurden die Voraussetzungen für eine größere Verbreitung und Wirksamkeit der Literatur durch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern geschaffen.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. reformatorische. Er bezeichnet die Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit (14. dass Menschenwürde und freie Persönlichkeitsentfaltung möglich werden. Wien 2007 . -16. Eng damit verbunden war der Gedanke der Menschenwürde. barbarischen“ – durch Wiederbelebung und Wiedergeburt der Antike sollte die Kultur erneuert werden. Dieses Bemühen verlangt eine derartige Gestaltung des Lebens und der Gesellschaft. der Welt einen Spiegel vorzuhalten. Der Mensch wurde als autonome Persönlichkeit gesehen. Für die deutsche Sprachentwicklung ist Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung und seine geistlichen Lieder von überragender Bedeutung (siehe Zugänge. Unter Humanismus versteht man zunächst das Bemühen um Humanität. Das setzt aber voraus. er wurde zum Maß („Der Mensch als Maß aller Dinge“). wissenschaftliche und philologische Bewegung in der Zeit des 14. die dafür notwendigen günstigen Lebens. Der Ertrag dieser Epoche für die deutsche Literatur ist wegen der Dominanz der lateinischen Sprache eher gering. um Menschlichkeit. bis 16. „Die Schildbürger“) erfüllten das Unterhaltungsbedürfnis des bürgerlichen Lesers. die ihren Ausgang in Italien nahm und sich über Mittel. Im allgemeinen gilt aber Renaissance als der umfassende Epochenbegriff. Erziehung und Streben nach Menschlichkeit. Allgemeine Kennzeichen sind: Bildung. Johann Fausten“ setzt sich aus Anekdoten. aber auch schwankhafte Stoffe. Humanismus als Epoche bezeichnet die kulturelle. Jahrhundert). Auch die „Historia von D. Von Italien ausgehend. die schließlich in eine Spaltung der Christenheit mündeten. Der Humanismus liefert dazu die geistige Grundlage. die verbunden ist mit den Namen Martin Luther. wendete sich gegen die Erstarrung der Wissenschaft auch an den Universitäten und wurde gefördert und getragen durch die großen Höfe der Fürsten und Päpste. Diese Bewegung ging aus von den Vertretern des gehobenen Bürgertums wie Francesco Petrarca und Giovanni Boccaccio. Humanismus und Reformation Die Begriffe Renaissance und Humanismus werden häufig synonym verwendet. dass der Mensch an sich durch Bildung und Erziehung arbeitet und sich bemüht. Unter Reformation versteht man die Veränderungen auf religiösem Gebiet.

die aus dem wohlhabenden und gebildeten Bürgertum kamen. Da sie für besondere Verdienste in den Adelsstand erhoben werden konnten. Jahrhundert) Politik. Für die neuen Aufgaben der zentralen Verwaltung benötigten sie Beamte. was in katholischen Staaten zur Bekämpfung und Vertreibung protestantischer Glaubensrichtungen führte (Gegenreformation). Das Schreiben war daher Nebenbeschäftigung für Mußestunden. der seine Anerkennung durch Geldgeschenke.Zusammenfassung: Die deutsche Literatur in der Zeit des Barock (17. Er brachte ungeheure Menschenverluste und Zerstörungen. er stellt die Jahrhundertkatastrophe dar. konnte aber als besondere Auszeichnung zum poeta laureatus gekrönt werden. da dieser am Verkauf der Bücher finanziell nicht beteiligt war. der Autor konnte davon nicht leben. Sachgüter oder Pensionen zeigen konnte. Mobilität gab es also nur innerhalb der Stände. Historiograph (um die Geschichte der fürstlichen Familie zu verherrlichen) und Bibliothekar. Er war auf Mäzene und Gönner angewiesen. Er widmete daher häufig sein Werk einem adeligen Herrn. Die Bauern bildeten den Großteil der Bevölkerung (ca. des Hofes oder an der Universität. Der Autor und seine Stellung: Die meisten Autoren bekleideten ein Amt im Dienste der Stadt. Bürger und Bauern. stellte aber keinen echten Gegenwert für die schriftstellerische Leistung dar. bildeten sie für den Adel eine wenig geschätzte Konkurrenz. Als solche zählten sie zu den Bediensteten und waren abhängig. Höfische Ämter waren Erzieher.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Der Autor war nur dem kleinen Kreis der Gebildeten und am literarischen Leben Beteiligten bekannt. Wien 2007 . der aber immer mehr zu einem europäischen Machtkonflikt wurde – ausgetragen auf dem Boden des Deutschen Reiches. Jahrhundert setzten die Könige und Landesfürsten die Herrschaftsform des Absolutismus durch. die allerdings mehr den Verleger als den Autor schädigten. Ein Aufstieg war nur in Ausnahmefällen möglich (siehe oben). Der Adel wurde zwar durch den fürstlichen Absolutismus entmachtet. eine Existenz als freier Schriftsteller war nicht möglich. Das Honorar war nur eine Anerkennung. In der Regel bekam der Autor für sein Werk kein oder nur ein geringes Honorar (der Begriff des geistigen Eigentums und seiner Vermarktung fehlte noch). daher wurden vielfach Nachdrucke oder Raubdrucke hergestellt. gewann aber im Militärwesen große Bedeutung und hohes Sozialprestige. Diese übernahmen somit Aufgaben. Es gab noch kein Urheberrecht. 80 Prozent lebten auf dem Lande) und befanden sich in verschiedenen Formen der Abhängigkeit und Unfreiheit. Gesellschaft und Kultur Im 17. © öbvhpt. die bisher der Adel innehatte. Die Landesherren versuchten auch auf religiösem Gebiet ihr Machtmonopol durchzusetzen. Religiöse Auseinandersetzungen standen auch am Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Das Bürgertum in den Städten war streng nach Rang und Besitz gegliedert und gewann durch die Wirtschaftsform des Merkantilismus immer mehr an Bedeutung. indem sie die Mitsprache der Stände zurückdrängten und die adelige Selbstverwaltung beseitigten. Die Gesellschaft besaß eine klare ständische Gliederung in Adel.

Individuelle Erfahrung soll im Allgemeinen. Nur die Komödie ist auch für Personen niederen Standes. der Universitäten und der kommunalen Beamtenschaft. In ihr legt Opitz unter anderem fest. Diese Sprachgesellschaften wollten die richtige Verwendung der deutschen Sprache pflegen. Unnatürlichen geführt hat. 60 Prozent davon in lateinischer Sprache). das Lateinische dominierte noch. von denen aberviele zu beruflichen Zwecken lateinische Literatur lasen. aber auch mit Sitte und Anstand. Sie stellten Anleitungen zum Dichten dar. Künstlichen. Poetiken: Durch die lutherische Bibelübersetzung gab es zwar eine einheitliche. den Vertrieb der Bücher übernahmen Kolporteure. da nur ihnen die hohen Gefühle gemäß seien. sondern zwischen betonten und unbetonten Silben unterscheidet. © öbvhpt. Käufer waren daher Angehörige der Höfe. was später zum Vorwurf des Gemachten. dass die deutsche Sprache nicht zwischen Längen und Kürzen. Durch die politische Zersplitterung fehlte ein literarisches Zentrum. aber noch keine vereinheitlichte Hochsprache. Sprache. Die Gelehrten lasen hauptsächlich antike Klassiker und neulateinische Dichtung. die deutsche Literatur der Zeit lasen vielleicht einige tausend. sondern drängt es eher zurück zugunsten einer Haltung der Objektivität und der Verallgemeinerung. rhetorische und poetologische Regelwerke (Poetiken) verhelfen. vorherrschende Themen. Objektiven sichtbar werden. In ihnen waren humanistische Gelehrte und Vertreter des Adels vereinigt. wichtige Autoren und Werke Die Barockliteratur ist im allgemeinen nicht Ausdruck des subjektiven Erlebens. Kaufleute spielten nur eine geringe Rolle. Dazu sollten ihr grammatische. Als Versmaß anerkennt er nur Jambus und Trochäus. Die nachhaltigste Poetik stammt von Martin Opitz (1597– 1639): „Das Buch von der deutschen Poeterey“ (1624). Sprachpflege. Der Adel bevorzugte unterhaltende Literatur (vor allem der romanischen Sprachen im Original oder übersetzt). Wien 2007 . Individualität und Inspiration spielten dabei keine so große Rolle wie heute). Eine Besonderheit dieser Epoche waren die Sprachgesellschaften. Die Leser: Das Leserpublikum schätzt man auf etwa 50 000 bis 80 000 Personen. Das breite Publikum las überhaupt nicht. die immer auch gleichzeitig Verleger waren. sie sollte den ihr angemessenen Platz gegenüber den anderen europäischen Sprachen einnehmen.und lernbar (Originalität. Dazu setzten sie Regeln und Ordnung fest und bekämpften ihren Missbrauch.Buchproduktion und Vertrieb: Im Jahr wurden im deutschen Sprachraum etwa 500 bis 1000 neueBücher produziert (ca. Sie beschäftigten sich mit Sprache und Literatur. Für das Drama legt er die so genannte Ständeklausel fest: In der Tragödie dürfen nur hohe Standespersonen vorkommen. Es gab nur wenige Buchhändler. sie betonten das Handwerkliche der Kunst. Das hing auch mit den hohen Buchpreisen zusammen: Ein großer Barockroman kostete so viel wie 130 Kilo Rindfleisch. Dazu bedient man sich vorgegebener Formen und Vorschriften. Die Mittelschicht las entweder gar nicht oder beschränkte sich auf religiöse Bücher wie die Bibel oder Andachtsschriften. daher spielten regionale Zentren wie Städte und Adelshöfe eine wichtige Rolle.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Die erste und einflussreichste war die „Fruchtbringende Gesellschaft“. Allgemeine Kennzeichen. Die Dichtkunst galt als lehr. die auf den großen Messen in Frankfurt und Leipzig vorgestellt wurden. Sprachgesellschaften. Der deutschen Literatur musste erst ihr Platz in der europäischen Literatur erkämpft werden.

Der Schelmenroman (auch pikaresker Roman): Nach spanischem Vorbild schildert er das Leben eines Landstreichers. Tanz und Dichtung oder die Darstellung heroischer Schicksale hoher Standespersonen gefordert war. Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1621–1676): Der abenteuerliche Simplicissimus (siehe Zugänge. S. das nach vielen Missgeschicken dank seiner heroischen Haltung zusammenfindet. Ihre Autoren waren demnach. 126). Es sind das äußerst umfangreiche Romane für dasUnterhaltungsbedürfnis des Adels. Der Schäferroman: Er ist ein Teil der Schäfer. sowohl was den Inhalt ihrer Stücke als auch was deren Aufführung betraf. der Mensch als Spielball der Unbeständigkeit. wobei entweder die prunkvolle Darbietung von Gesang. die zusammen mit den schrecklichen Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges eine gemeinsame Grundeinstellung erzeugte. das Leben ein Traum.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Zur Aufführung gelangten Opern und Tragödien.und Wertvorstellungen erzeugten eine starke Unsicherheit. Es gab aber auch ein bürgerliches Schultheater und volkstümliche Wandertruppen. die dem einzelnen enge Grenzen setzte. Wien 2007 . Hauptvertreter: Andreas Gryphius (1616–1664) und Daniel Casper von Lohenstein (1635– 1683). Glücksritters und Schelmen meist in der Ich-Form. Deren Angriffe auf die traditionellen Welt.und Hirtendichtung. Der barocke Roman kennt drei Hauptgattungen Der heroisch-galante (höfisch-historische) Roman: Er entstand nach französischem Vorbild. In ihr flüchten die Personen in eine idyllische. im Mittelpunkt der Handlung steht ein adeliges Liebespaar. Das Barocktheater Das Theater war ein ganz wesentlicher Bestandteil der Barockkultur und diente vor allem der Unterhaltung des Hofes. oder große Fürsten errichteten eigene Hoftheater. Dem setzten die Figuren das Ideal der Beständigkeit (constantia) im Leben und in der Befolgung der eigenen Lebensgrundsätze entgegen. Daniel Casper von Lohenstein (1635–1683): Arminius.und Tränental. vom adeligen Auftraggeber abhängig. fiktive Welt der Hirten.Diese Zurückdrängung des Individuellen hing einerseits mit der ständischen Ordnung und Gliederung zusammen. Vorherrschende Themen in der Literatur waren daher: die Vergänglichkeit. © öbvhpt. Das Theater am Hof: Viele Adelige richteten in dieser Zeit in ihren Schlössern Theatersäle ein. die bis auf die Antike zurückgeht. das Diesseits als Jammer. Andererseits war sie Gegenreaktion auf die Absolutsetzung des Individuums in der Zeit der Renaissance. die Realität als wesenloser Schein.

Bd. Wien 2007 . © öbvhpt. die von der Werberede über Werbebriefe. Wie sehr die Dichtkunst der Barockzeit von der Religion bestimmt war. Die beliebtesten Formen waren das Sonett und die Ode. Eine Fülle religiöser Kampfschriften entstand. Stuttgart 1988 Deutsche Literatur. 129) und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616–1679). Grimm und Frank Rainer Max. Königstein/Taunus 1981 P. verlorenes Terrain zurückzugewinnen (Gegenreformation). die ihn als volktümlichen. Bd. Stuttgart (= RUB 9924) Lesehinweis: Günter Grass: Das Treffen in Telgte. Literaturhinweise: Deutsche Dichter. Dadurch geriet besonders die lutherische Kirche unter Druck. Huldigungsgedichte. Rowohlt. 1644–1709) mit seinen Predigten in Wien. Hauptvertreter: Andreas Gryphius (siehe Zugänge. wo er in einem eigenen Kapitel die Poesie aus der Theologie herleitet. die ihrerseits wieder in heftigen Auseinandersetzungen mit der reformierten Kirche Calvins stand. 2. Hankamer: Deutsche Gegenreformation und deutscher Barock. Polemiken.Die Barocklyrik war gesellig-öffentlich. sprachgewaltigen Sittenprediger und Kanzelredner ausweisen. Eine besondere Wirkung erzielte Abraham à Sancta Clara (Johann Ulrich Megerle. 1964 Marian Szyrocki: Die deutsche Literatur des Barock. Hg. Philipp Reclam jun. Hg. von Horst Albert Glaser. München 1994 (= dtv 11988)  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Philipp Reclam jun. Streitgespräch. Deutscher Taschenbuch Verlag. Reinbek bei Hamburg 1985 (= rororo 6252) Wilhelm Emrich: Deutsche Literatur der Barockzeit. zeigen die vielen geistlichen Lieder und letzten Endes sogar Martin Opitz in seinem „Buch von der Deutschen Poeterey“. Dialogen bis zu großen theologischen Auseinandersetzungen reichte. beliebte Formen waren daher das Liebesgedicht. S. Die Bedeutung der Religion für die Literatur dieser Zeit Durch das Konzil von Trient (1545–1563) gewann die katholische Kirche einen großen Teil ihrer alten Stärke zurück und ging mit den Jesuiten als „Speerspitze“ daran. 3. Eine Sozialgeschichte. von Gunter E... Neben dieser weltlichen Lyrik spielte auch die geistliche eine große Rolle. Soldaten und Trinklieder.

. H. Martin Kramer. München 1975  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Philipp Reclam jun. 3. Wer vertritt sie mit welchen Motiven? Fragen zu Aufbau und Personenkonstellation: Teilen Sie die verschiedenen Personen den jeweiligen Religionen zu.AUFKLÄRUNG UND STURM UND DRANG Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. Welche Personen bleiben außerhalb? Warum? Fragen zu Lessings Situation und zur Entstehung des Werks: Erarbeiten Sie sich mit Hilfe von Biographien und Materialien (siehe Literaturhinweise) einen genauen Einblick in Lessings Lebensumstände und in die Entstehungsbedingungen des Werks. von P. Vorurteile und Intoleranz auftreten.. Helmuth Kiesel. Stuttgart 1988 Erläuterungen und Dokumente zu Gotthold Ephraim Lessing „Nathan der Weise“. Arbeiten Sie an einer Szene (zum Beispiel dem ersten Gespräch mit dem Tempelherrn) heraus. Grimm und Frank Rainer Max. Von Wilfried Barner. C. Beck Verlag. Grimm. Hg. Wo und wann zeigt Nathan dieses menschliche Handeln? Wodurch wird Aufklärung und damit Toleranz und Humanität gefährdet? Skizzieren Sie die Szenen. Reinbek bei Hamburg 1990 (= rororo 12566) Lessing. S. Ein Arbeitsbuch für den literaturgeschichtlichen Unterricht. wie durch ein vernünftig geführtes Gespräch Aufklärung zu erreichen ist und damit sinnvolles menschliches Handeln. von Gunter E. von Düffel. Stuttgart (= RUB 8118) Dieter Hildebrandt: Lessing. 140) Fragen zum Werk: Nathan als typisch aufklärerische Figur: Wo tritt Nathan als Weiser und Belehrender auf? Skizzieren Sie Szenen und Inhalte. Literaturhinweise: Deutsche Dichter. Philipp Reclam jun. Hg. Wien 2007 . © öbvhpt. Bd. in denen Orthodoxie. Gunter E. Was ist dabei festzustellen? Fertigen Sie eine graphische Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse an. Rowohlt.

Diese Familie wird durch den Hof in ihrer Ehre und in ihrem Bestand gefährdet und verletzt. der Gelehrte. Ziel eines solchen Theaters ist es dann. Wie würde sie ihre Begegnung mit dem Prinzen erzählen? Wie hätte sie darauf reagiert? Schreiben sie diese Szene neu. Ein aufrückendes. Luise) eingerichtet? Was haben sie von einer solchen Welt zu erwarten? Welche Rollen hält sie für sie zur Verfügung? Wie könnte man sich ein späteres Leben Emilias vorstellen. Versuchen Sie das auch in der einzigen Begegnung mit ihrem zukünftigen Gatten. der Form. Neben der Besprechung des Inhalts. selbstbewusstes Bürgertum stellte sich dem Adel gegenüber. welche werden gesteigert? Worin bestehen Gefährdung und Angriff? Da bereits Lessing die patriarchalische Familie in ihrer Erstarrung zeigt. die sich vom öffentlichen Leben abschirmte. dem Musiker Miller und dem Grafen Appiani in dieser Hinsicht vertreten? Was sind die Kennzeichen der Welt des Hofes? Welche Empfindungen des Lesers/Zuschauers werden angesprochen. also etwa der Kaufmann. Der dem Konflikt ausgesetzten Emilia entspricht die ebenso gefährdete Luise. Der Claudia. als Ort der Laster. Diesem natürlichen Zusammenleben wurde im Bürgerlichen Trauerspiel der Hof als politischöffentlicher Bereich. der Verstellung und der Unnatur gegenübergestellt. So sind die Personen aus dem Mittelstand. Jahrhundert entwickelte sich im Bürgertum die patriarchalische Kleinfamilie. der Intrigen. vertreten dann aber bürgerliche Wertvorstellungen (wie die Galottis). die sich von Hofleben zumindest angezogen fühlt. die sich durch Ferdinands Liebe zu Luise geschmeichelt fühlt und vielleicht unerfüllbare Träume hegt. können aber auch aus dem niederen Adel stammen. der Charakteristik der Personen und ihrer Beziehungen zueinander könnten noch folgende Fragen besprochen werden. Dem patriarchalischen Odoardo entspricht der Musikus Miller. dem Machtmenschen Marinelli der intrigante Sekretär Wurm und schließlich  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Vergleich zwischen „Emilia Galotti“ und „Kabale und Liebe“ Schiller verwendet durchaus vergleichbare Personen/Figuren. die sich noch dazu so blendend verstehen? Anregung zur Produktion: Versetzen Sie eine selbstbewusste junge Frau an die Stelle der Emilia. entspricht die Millerin. Im 18. Damit wird dem Bürger im Gegensatz zur Ständeklausel des Barock die tragische Würde zugesprochen und dem bürgerlichen Publikum die moralische und soziale Identifizierung ermöglicht. bei diesem Ehemann und diesem Vater. dem Grafen Appiani. an die Empfindungen der Zuschauer zu appellieren und sie zu steigern. etwa in der Szene mit ihrer Mutter nach der Begegnung mit dem Prinzen in der Kirche. könnte man auch die heutige Sicht einbringen: Welche Welt wird hier für die jungen Frauen (Emilia. Wien 2007 .Bürgerliches Trauerspiel ARBEITSBLATT Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti Friedrich Schiller: Kabale und Liebe Diese Gattung entstand in England und entwickelte sich ursprünglich aus dem Standesgegensatz Adel-Bürgertum. © öbvhpt. Was sind die Kennzeichen der patriarchalischen Familie? Welche Vorstellungen werden von Odoardo.

Aus der Familie aus niederem Adel ist eine Kleinbürgerfamilie geworden. Aus dem Hofmann im Dienste des Fürsten. Wien 2007 . ist der Präsident eine durch und durch böse Figur. Auf der anderen Seite gibt es aber gravierende Unterschiede: Während Lessing sein Stück nach Italien in ein Renaissancefürstentum verlegt. © öbvhpt. ein Bürgerlicher. die daher umso mehr bedroht ist.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Marinelli.der Gräfin Orsina die Lady Milford. Während der Prinz neben seiner ganzen absolutistischen Willkür auch noch durch seine Schwäche menschliche Züge gewinnt. das nicht zufällig den Namen Wurm trägt. der sich in den Dienst des Adels stellt und somit seinen Stand verrät und damit zu den verachtungswürdigsten Wesen gehört. er stellt ein Zerrbild höfischer Gekünsteltheit und Unnatur dar. Der Adel wird nur noch im Hofmarschall Kalb (auch dies ein sprechender Name) karikiert. Arbeiten Sie bei diesen vergleichbaren Personen Gemeinsamkeiten und Differenzen heraus. spielt Schillers Stück in seiner Gegenwart und greift aktuelle Probleme auf und kritisiert sie („Soldatenhandel“ in der KammerdienerSzene).

Er erkannte das Zusammenspiel verschiedener Faktoren (suizidales Syndrom). Verzweiflung und Panik. Angst. sind nicht erreichbar. das zum Selbstmord führt. Wien 2007 . d) Die Einengung der Wertwelt: Immer weniger wird wichtig. © öbvhpt. wie in einer Röhre. Oder man klammert sich an Wertvorstel  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. c) Die menschliche Isolierung. es gibt kein Korrektiv. In welcher Beziehung steht sie zu der Werthers? Wie verhält sich Werther in dieser Geschichte? Wie steht er vor allem zum Mord und zum Mörder? Werthers Idee vom Selbstmord: An welchen Stellen äußert sich Werther über den Selbstmord? Auf welche Art und Weise? Werthers Kritik am bürgerlichen Leben: Was kritisiert Werther am Bürgertum? Werthers Stellung zum Adel:Wie steht Werther zum Adel? Wie verhalten sich Adelige ihm gegenüber? Werthers Liebe zur Natur: In welchen Briefen äußert sie sich? Auf welche Art? Was bedeutet Natur für Werther? Die äußere Form dieses Romans – ein Briefroman – bedingt die Ich-Perspektive. die Position Werthers wird absolut gesetzt. nicht verfügbar. die immer enger wird. Er zählte dazu: 1. Die Einengung a) Die situative Einengung: Der Mensch fühlt sich in die Enge gedrängt.Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werthers ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. Schreiben Sie eine Stelle um in die Er-Erzählhaltung. b) Die dynamische Einengung: Der Mensch entwickelt sich in eine Richtung. welche Schwierigkeiten entstehen dabei? Einen ganz anderen Zugang bietet folgende Überlegung: Der leider schon verstorbene Professor der Psychiatrie Erwin Ringel hatte sie zu einer seiner Hauptaufgaben die Erforschung des Selbstmordes gemacht. Hoffnungslosigkeit. Das kann man leicht erkennen. Das heißt. außerhalb. Diese Richtung ist gekennzeichnet durch Depression. die Gegenkräfte versagen. Welche Erfahrungen machen Sie. S. immer mehr Gebiete liegen abseits. 144) Folgende Themen lassen sich bei einer Ganzlektüre bearbeiten Die Liebe Werthers zu Lotte: Wie versteht Werther diese Liebe? Was bedeutet sie für ihn? Wie verhält sich Lotte dabei? Die Liebesgeschichte des Knechts als Parallele: Skizzieren Sie den Verlauf der Liebesgeschichte des Knechts. wenn man die Perspektive ändert.

von Kurt Rothmann.lungen. 2. Die Aggression: Da Selbstmord ein Akt der Aggression ist.. Suhrkamp. die der Allgemeinheit nicht so bedeutsam sind oder in ihr überhaupt nicht gelten. Hg. aber sie kann sich nicht an anderen entladen. Wien 2007 . 3. man gerät so in die Position des Außenseiters. © öbvhpt. Stuttgart (= RUB 8113) Lesehinweis: Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden den jungen W. Selbstmordphantasien: Welche der oben genannten Faktoren lassen sich bei Werther finden? Literaturhinweis: Erläuterungen und Dokumente zu Johann Wolfgang von Goethe „Die Leiden des jungen Werthers“. muss Aggression entstehen. Frankfurt am Main 1976  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Philipp Reclam jun.

Seine Komödie „Der Hofmeister“ ist vielfach auch eine Tragödie. wird sein Werk auch in der Schule oft zuwenig behandelt. die Abhängigkeit des Intellektuellen ohne Stellung. seine Einschätzung durch andere und seine Behandlung? Zur Rolle der Erziehung: Welche Vorstellungen über Erziehung werden vorgeführt. Was lässt sich feststellen? Produktionsorientiert formuliert: Welche Szenen. Setzen Sie dazu in Beziehung den Lehrer aus dem Film „Der Club der toten Dichter“. der Zeit und der Handlung). die ihn zwang. welche Erziehungsmaßnahmen? Das Gleichnis vom verlorenen Sohn: Im Stück gibt es vielfache Variationen menschlicher Beziehungen nach diesem Gleichnis. den Hofmeisterposten anzunehmen. Lenz selbst nennt es noch in der Manuskriptfassung „Lust. ohne dass das Stück zerstört wird? Zu den sprechenden Namen: Versuchen Sie einige davon zu erklären. Trotzdem findet er noch immer zu geringe Beachtung. Wien 2007 . Folgende Fragen und Themen lassen sich bearbeiten Zur Kennzeichnung als typisches Drama des Sturm und Drang: Untersuchen Sie die drei Einheiten (Einheit des Orts. © öbvhpt. zeigt sie doch auch unverhüllt das Leiden der Menschen.und Trauerspiel“. die Abkehr vom Vaterhaus.Jakob Michael Reinhold Lenz: Der Hofmeister ARBEITSBLATT Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792) ist der typische Vertreter des „Sturm und Drang“. Zur Frage der Kastration: Welche Bedeutung hat die Kastration für den Hofmeister? Wie wird sie von anderen gesehen (vor allem von Wenzeslaus)? Über das Stück hinausweisende Themen Die LehrerInnenrolle: Wie werden „LehrerInnen“ in diesem Stück bezeichnet? Vergleichen Sie damit Lehrer wie „Gott Kupfer“ aus Friedrich Torbergs „Schüler Gerber“ oder den Lehrer aus Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“. typische Kennzeichen der Dramatik des Sturm und Drang und die für die damaligen jungen Autoren so wichtige Funktion des Hofmeisters kennenzulernen. Lenz verarbeitete dabei eigene Erfahrungen. neben den typischen Werken Schillers ein Stück von Lenz zu behandeln. Zu Stellung und Rolle des Hofmeisters: Was erfahren wir über seine Stellung. „Der Hofmeister“ bietet die Möglichkeit. Stellen Sie das Gleichnis dar und erarbeiten Sie die entsprechenden Beziehungen im Stück. Daher wird hier der Vorschlag gemacht.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Er beobachtete und kritisierte die Gesellschaft mit ungewöhnlicher Schärfe. welche Personen könnte man für eine Aufführung streichen.

Tiessen. Modellanalysen zur deutschen Literatur. Hg. Neu-Isenburg 1982 Peter Schneider: „Lenz“ – Eine Erzählung von 1968 und danach. Jakob MichaelReinhold Lenz und seine Rezeption in Deutschland. Hamburg 1994 Gert Hoffmann: Die Rückkehr des verlorenen Jakob Michael Reinhold Lenz nach Riga. Stuttgart 1987 Lesehinweise: Georg Büchner: Lenz. Philipp Reclam jun. © öbvhpt. Philipp Reclam jun.. Metzler. Stuttgart (= RUB 8177) Interpretationen. 2. Winter: Jakob Michael Reinhold Lenz. 1982  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Wien 2007 . von Friedrich Voit. Dramen des Sturm und Drang.Die Bearbeitung Bertolt Brechts: Was sind die wesentlichen Veränderungen Brechts? Welche Bedeutung könnten sie haben? Wie versteht Brecht in seinem Kommentar die Kastration des Hofmeisters? Literaturhinweise: Erläuterungen und Dokumente zu Jakob Michael Reinhold Lenz „Der Hofmeister“. Text und Geschichte. Stuttgart 1984 (= UTB 1030) Inge Stephan/Hans G Winter: „Ein vorübergehender Meteor“. Klett. Stuttgart (= RUB 8410) Udo Müller: Der Hofmeister oder die Vorteile der Privaterziehung. Stuttgart 1981 Klaus Siblewski: Jakob Michael Reinhold Lenz „Der Hofmeister“. Aufl. Rotbuch.. 1984 Hans G.

Beamte der landesherrlichen Verwaltung. lockerte die Produktionsbeschränkungen (die strengen Zunftregeln). zur Hilfe und Unterstützung. politischen. So entstand ein System. Außerdem förderte er die wissenschaftliche Erforschung all dieser Bereiche. Politische Grundlagen: Die Aufklärung entstand zu einer Zeit. wo der Versuch der englischen Könige.Zusammenfassung: Grundlagen – Einfluss des Auslandes Grundlagen Der Lehrplan für die 6. Die Mittel für das Heer und den Beamtenapparat und für Hofhaltung und Repräsentation sollte das Wirtschaftssystem des Merkantilismus erbringen. gegen den Willen des Parlaments den Absolutismus durchzusetzen. wurde geschaffen. Der absolute Herrscher versuchte möglichst viel Macht beim Staat und damit bei sich zu konzentrieren: Ein stehendes Heer. Andererseits aber forderte gerade dieses System auch den privaten Unternehmungsgeist und den Individualismus bestimmter Bürger heraus. die Verwaltung des Staates aus den Händen adeliger Dilettanten genommen und in die Hände von Beamten gelegt. baute die Verkehrsverbindungen aus. Ökonomische Grundlagen: Ziel des Merkantilismus (ein staatlich gelenktes Wirtschaftssystem) war eine möglichst große binnenwirtschaftliche Selbständigkeit (Autarkie) im Zusammenwirken mit einer außenwirtschaftlichen Aktivbilanz. Klasse schreibt eine modellhafte Behandlung der Aufklärung vor und verlangt dabei. Er förderte das Bevölkerungswachstum. die hierarchisch organisiert und vom König bezahlt und damit abhängig waren. gewährte Subventionen und Kredite. Die Arbeit an Texten kann und soll das nicht ersetzen! Daher wird zunächst die Aufklärung allgemein dargestellt. die Rolle der Literatur und des Schriftstellers und das Weiterwirken in der Gegenwart zu behandeln. das alle Kräfte und Energien im Interesse des Gesamtstaats (des Fürsten oder Königs) reglementierte und die Staatsbürger disziplinierte. sozialen und ökonomischen Grundlagen. scheiterte und am Ende der Auseinandersetzungen die konstitutionelle Monarchie stand. Pfarrer. Lehrer. da ja durch die fehlende Übereinstimmung zwischen den Lehrplänen Deutsch und Geschichte auf dieses Wissen nicht zurückgegriffen werden kann. in der sich in Europa der Absolutismus durchgesetzt hatte. den Einfluss des Auslandes. © öbvhpt. Ärzte und  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Ausnahme war England. die geistigen. Soziale Grundlagen: Zwischen dem zahlenmäßig sehr geringen Adel (zwei bis drei Prozent der Gesamtbevölkerung) mit seiner ständig betonten Vorrangstellung und seinen Privilegien und der großen Anzahl der in der Landwirtschaft Tätigen (bis zu 90 Prozent) mit ihren verschiedenen Formen der Abhängigkeit und Unfreiheit bildete sich also ein neues dynamisches Element in einer sonst noch stabilen Ständegesellschaft: Die bürgerliche Oberschicht der Gebildeten (Professoren. räumte Konzessionen und Erzeugungsmonopole ein. die literarischen Strömungen. Wien 2007 . Daher wird hier Grundwissen zu den oben genannten Bereichen zusammengefasst. ehe auf die besondere Situation in Deutschland und auf die Literatur eingegangen wird. steuerte die Einfuhr durch Zölle und die Ausfuhr durch Prämien. das immer bereit ist.

Obwohl sie im wirtschaftlichen Bereich alle wichtigen Positionen besetzt hatten. Turgot. also auf der Zustimmung der Betroffenen beruht (Lehre vom Gesellschaftsvertrag). die Briten Hume und Gibbon. Diese „Hauptdenker“ wären aber nie so erfolgreich gewesen. Diderot. Händler. Die „Enzyclopédie“ (das große Wörterbuch der französischen Aufklärung) definiert den Begriff so: „Ein Philosoph ist jemand. der Herrscher ist demnach nur dessen Vollzugsorgan. waren sie politisch ohne jede Mitwirkungsmöglichkeit. die Aufklärung. und den ihn beschützenden absolutistischen Staat zu kritisieren. Autorität. wenn sie als Ergebnis eines Vertrags gedacht werden kann. Die gesetzgebende Macht sollte in der Hand des Volkes liegen. Überlieferung. Wien 2007 . generellen Konsens. ihre Ideen hätten nie solche Verbreitung gefunden. wurde die Befreiung des Menschen von den Ketten der Unwissenheit und des Irrtums angestrebt. was die meisten Geister versklavt. aber selten mit einem entsprechenden materiellen Lebensstandard. der von vielen mehr oder weniger unbekannten Denkern und Schriftstellern am Leben gehalten wurde. den Adel. So entstand eine Atmosphäre der Hoffnung auf eine bessere Zukunft (Optimismus der Aufklärung). Diese Kritik und diese neuen Ideen wurden von jenen formuliert. gemäßigte Regierungen. der Genfer Rousseau. 139). Damit die Macht nicht missbraucht werden kann. der es wagt. gerechtere Gesetze. Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“. sondern beruht auf der Vereinbarung von Menschen. die sich selbst als Philosophen bezeichneten. daher auch mit einem gewissen Sozialprestige. die mehr Wohlstand. S. die Deutschen Kant. Sympathisanten und Gefährten gegeben. kurz alles mit Füßen tritt. Voltaire. d’Alembert. Aberglaube und theologische Dogmen durch Wissen. Bankiers.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Sie begannen daher. stellte aber so etwas wie einen umfassenden geistigen Gärungsprozess dar. Erziehung und Naturwissenschaft in Frage gestellt. Der Mensch besitzt angeborene Rechte (Menschenrechte). muss sie geteilt werden (Prinzip der Gewaltenteilung). siehe Zugänge. Sie ist also nur rechtens. die bis zum heutigen Tag Grundlage unseres Denken und Handelns geblieben sind. Religions.Offiziere). genauso wie die außerhalb der Zünfte auftretenden bürgerlichen Unternehmer. die ausübende in der des Herrschers (der Regierung). Dazu gehörte ein rationalistisches Naturrecht mit folgenden wichtigen Grundsätzen: Die politische Herrschaft geht nicht auf den Willen Gottes zurück. Herder und Lessing und der Amerikaner Franklin. Die Aufklärung ging zwar von einer Elite von Gelehrten. © öbvhpt. selbst zu denken“ (vergleiche damit auch die Definition Kants: „Habe Mut. in der Gedanken formuliert wurden. breitete sich eine geistige Bewegung aus.und Gedankenfreiheit. noch Steuern zahlte. Kritikern und Philosophen aus. die von der Staatsgewalt geachtet werden müssen. sachverständige Verwaltung und eine größere Selbsterkenntnis des Individuums verbunden mit größerer Toleranz zum Ziel hatte. allesamt maßgeblich tätig im absolutistischen Staat. Condorcet. Die geistigen Grundlagen: Auf der Basis der Vernunft wurden die Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten des Ancien régime kritisiert.und Staatsordnung hat den Zwecken menschlicher Wohlfahrt und den Grundsätzen der Vernunft zu entsprechen. Fabrikanten und Manufakturbesitzer. Vor allem von Westeuropa ausgehend. der Vorurteile. der weder eine nützliche Arbeit leistete. Das Volk wird als Souverän erkannt. Zu diesen Philosophen gehörten die Franzosen Montesquieu. hätte es nicht ein ausgedehntes Netzwerk von Freunden. Die Rechts. Sie fügten sich nur schwer in die bestehende Ständeordnung ein.

der durch sein Werk vor allem die Autoren der jüngeren Generation des Sturm und Drang beeinflusste. Deren Niederschlag in einem literarischen Werk lässt sich oft schwer nachweisen. dass die wichtigen Ideen der europäischen Aufklärung durch Übersetzungen rasch auch im deutschen Sprachraum zugänglich gemacht wurden und diskutiert werden konnten. Die Gattung des Briefromans und des Bürgerlichen Trauerspiels wurden aus England übernommen. Wien 2007 . genauso wie die Moralischen Wochenschriften. 10 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Unübersehbar ist etwa auch der Einfluss einzelner Autoren wie Jean-Jacques Rousseau. Deutlich wird er aber an der Beispielwirkung mancher Werke.Der Einfluss des Auslandes Der Einfluss des Auslandes ergibt sich generell dadurch. © öbvhpt. So hat etwa Daniel Defoes Roman „Robinson Crusoe“ eine Fülle von „Robinsonaden“ ausgelöst.

Die territoriale Zersplitterung des Reichs in einige größere und viele Klein. Jahrhunderts durch das Vordringen der Aufklärung der aufgeklärte Absolutismus (Friedrich II.. dass die Begriffe Urheberrecht und geistiges Eigentum sich noch nicht durchgesetzt hatten (vergleiche dazu die Bemühungen Lessings). Jahrhunderts – verglichen mit der Frankreichs und Englands – mittelmäßig und zurückgeblieben.). also so genannte „schöne“ oder „schöngeistige“ Literatur (Belletristik) las. hemmend und behindernd angesehen.und Kleinststaaten. die sich der Sprachpflege widmeten. Aus dem fürstlichen Absolutismus entwickelte sich in der 2. Kommerzielle Einrichtungen waren die Leihbibliotheken. Sie bedauerten das Fehlen der großen nationalen Themen und die fehlende Möglichkeit. Gesellschaft und Kultur Deutschland besaß in dieser Zeit eine ziemlich stabile Ständegesellschaft mit dominierender Landwirtschaft. in der Regel abhängig vom adeligen Mäzen. von denen wiederum nur ein Teil nichtreligiöse Texte. als öffentliche die „Deutschen Gesellschaften“. © öbvhpt. sie schrieben nebenberuflich und sahen einen Lohn für ihre schriftstellerische Tätigkeit fast als Schande an. Allgemeine Kennzeichen. Raubdrucke (das sind Drucke von einem veröffentlichten Textes. Erst ab der Mitte des Jahrhunderts mehrten sich die Versuche. Die wenigen Leser aber bildeten eigene Institutionen zu Lektüre und Diskussion. der Reformen von oben zur Modernisierung der Länder anstrebte. Das Honorar war in der Regel so niedrig. dabei aber gleichzeitig die Selbsttätigkeit der Untertanen verhinderte. Sie erreichte aber bis zum Ende des Jahrhunderts europäische Bedeutung.und Diskussionsveranstaltungen. das Fehlen einer Hauptstadt als politisch-kulturelles Zentrum wurde besonders von den Schriftstellern als einengend. und vor allem die Lesegesellschaften mit eigenen Bibliotheksräumen und gemeinschaftlichen Lese. was noch dadurch verschärft wurde. als freier Schriftsteller von der literarischen Arbeit zu leben. Wien 2007 . dass man nicht davon leben konnte. doch machten die erwachsenen Leser höchstens 10 Prozent der Bevölkerung aus. Damit befreiten sie sich zwar aus der Abhängigkeit vom Adel. Dazu gehörten als nichtöffentliche die Freimaurerlogen. die neue Herstellungstechniken und Produktionsformen be. Hälfte des 18. Diese Schriftsteller waren zu Beginn des 18. Das Gewerbe war noch den vielfachen Beschränkungen der Zünfte unterworfen. Joseph II.Zusammenfassung: Die deutsche Literatur in der Zeit der Aufklärung Politik. Hälfte des 18. wichtige Autoren und Werke Die deutsche Literatur war in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts die Analphabetenrate von 90 Prozent auf 50 Prozent zurück. aber ohne dafür etwas zu bezahlen) verschärften dieses Problem noch. Sie löste sich aus höfischer Abhängigkeit und arti 11 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Jahrhunderts noch „Gelehrte“ oder Beamte. gerieten dafür aber in die Abhängigkeit von Verleger und Markt. Welterfahrung zu sammeln. Das lesende Publikum war zahlenmäßig noch sehr klein: Zwar ging durch den verpflichtenden Schulbesuch in der 2. die noch überwiegend feudal-grundherrschaftlich bestimmt war. Noch um 1800 waren rund 80 Prozent der Gesamtbevölkerung in der Landwirtschaft tätig.oder verhinderten.

Die zentralen Begriffe dabei waren Vernunft und Tugend. Liebe und Freundschaft. die Sprache dementsprechend klar. Kanzel und Katheder wurden abgelöst durch Zeitschriften. S. Jahrhunderts eine Bewegung. einfach und leicht (deutlicher Gegensatz zum Barock). bildete sich um die Mitte des 18. Vernunft und Gefühl sollten einander nicht ausschließen. eine Gattung. Diesem Ziel dienten besonders manche Gattungen der Lyrik. Der bedeutendste Lyriker vor Goethe war Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803). fast alle wichtigen Autoren dieser Zeit waren in ihnen mit Beiträgen vertreten. Selbstbeobachtung und Selbstreflexion. Broschüren. mit seinem strengen Aufbau und seiner strengen Form und der gebundenen Sprache. die ganz durchdrungen ist vom Optimismus der Aufklärung und durchsetzt mit Empfindsamkeit. die sehr beliebt waren. der die Ausdrucksfähigkeit der deutschen Sprache außerordentlich gesteigert hat..kulierte bürgerliche Themen. Wien 2007 .) Gotthold Ephraim Lessing ist der überragende Vertreter der deutschen Aufklärung (siehe Zugänge. Große Bedeutung hatten zunächst die „Moralischen Wochenschriften“. (Das verurteilte Lessing in seinem 17. kurze Abhandlungen über ein breites Spektrum von Themen. Dazu gehörte auch ein Kennenlernen seiner selbst. wie das Lehrgedicht. Sein Roman „Geschichte des Agathon“ stellt den Beginn des deutschen Bildungsromans dar. allgemeinverständliche. In Deutschland gab es insgesamt an die 110 solcher Schriften. Als sein Hauptwerk hat er das religiöse Epos „Der Messias“ angesehen. die für Bürger interessant waren. 12 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.und Spießbürgers. 140). für ein gebildetes Publikum forderte. sondern einen Ausgleich finden.“ zu nennen. Gegen den einseitigen Rationalismus der Frühaufklärung. Einen Höhepunkt darin stellt die Geschichte vom Prozess um des Esels Schatten dar. die ein englisches Vorbild kopierte. Literaturbrief scharf und setzte dagegen Shakespeare als Vorbild. Sie brachten so etwas wie Gebrauchsliteratur von Bürgern für Bürger. von Berufsschauspielern getragen. Allgemeines Ziel der Literatur sollte die Belehrung sein. die ebenfalls stark vom Ausland beeinflusst war. der Gefühle und Triebe zurückdrängte und unterdrückte. In seinen Oden (feierliche Gedichte) behandelte er Themen wie Leben.. Theater und eine neue Briefkultur. Auf dem Gebiet des Theaters versuchte Johann Christoph Gottsched eine vernünftige Ordnung herzustellen. © öbvhpt. indem er einerseits gegen das oberflächlich unterhaltende Theater der Wanderbühnen auftrat und andererseits ein literarisches Sprechtheater. die Fabel und die Satire. Dafür sah er als beispielgebendes Vorbild das klassische französische Drama an. Bedeutende Vertreter dieser Richtung sind: Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769): Neben Fabeln und Dramen ist sein Roman „ Das Leben der Schwedischen Gräfin von G. In dem Roman „Die Abderiten“ kritisiert er die rückständige Borniertheit des deutschen Klein. Sophie von LaRoche erzählt in ihrem Roman „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ in Briefen eine Geschichte. die Empfindsamkeit: Sie wollte den Menschen in seiner Gesamtheit sehen. Christoph Martin Wieland (1733–1813): Mit seiner Zeitschrift „Der Teutsche Merkur“ suchte er den Geschmack des Publikums im Sinne der Aufklärung zu bilden.

Das Streben nach Toleranz. Und wenn im Vorwort der „Enzyclopédie“.Das Weiterwirken der Aufklärung in die Gegenwart In der Aufklärung wurden die Grundlagen der modernen Welt geschaffen. die in der Aufklärung festgelegt wurden: Demokratie. 13 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. sondern die aufrichtige Mühe.und Pressefreiheit haben hier ihren Ursprung. Der Besitz macht ruhig. Oder wie es Lessing formulierte: „Nicht die Wahrheit. © öbvhpt. in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint. wenngleich einer zunehmenden Kritik ausgesetzt. Gewaltenteilung. träge. Glaubens. nach neuen Formen von Wissen zu suchen. wie überhaupt vieles von der Aufklärung Geforderte als Prozess. stolz .“ Die Literatur der Aufklärung ist die erste ausgeprägt bürgerliche Literatur. Wien 2007 . Denn nicht durch den Besitz. als unabgeschlossenes Projekt zu verstehen ist. des großen Wörterbuchs der französischen Aufklärung. Menschenrechte wie Meinungs-. Unser politisches Denken und Handeln ist von Grundsätzen bestimmt.. sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte. um für die Erfordernisse einer neuen Welt gewappnet zu sein. die er angewandt hat. Lessings Theaterstücke zählen zum ständigen Repertoire unserer großen Bühnen und regen Zuseher und Leser zu stetiger und immer neuer Auseinandersetzung an. die Notwendigkeit betont wird. ihre Sprache ist fast schon die unsere. Der unbegrenzte Drang des Menschen nach Fortschritt. hinter die Wahrheit zu kommen. naturwissenschaftlicher Neuerung und nach Wirtschaftswachstum nahm hier seinen Ausgang und wirkt. worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit besteht. Humanität im Sinne menschlicher Vervollkommnung gilt als immerwährende Aufgabe.. bis heute nach. ihre Denkweise uns eng vertraut. macht den Wert des Menschen. ist genausogut eine Herausforderung unserer Zeit gemeint.

Sie versuchten durch ein Studium einen sozialen Aufstieg zu erreichen. Die 2. Echtheit des Ausdrucks und des Gefühls. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch einen anhaltenden Preisauftrieb für Nahrungsmittel bei gleichzeitig sinkenden Reallöhnen. Gesellschaft und Kultur Die oben zusammengefassten politischen. ein schwieriger. Jahrhunderts. Die meisten von ihnen waren damals Studenten oder stellenlose Autoren. Da die Wirtschaft aber immer noch in großem Maß agrarisch bestimmt war. Dieses Genie lässt sich auch nicht in Regeln fassen und sieht seine Freiheit in einer Kunst verwirklicht. (Goethe bildete hier eine Ausnahme. aber in der Kunst. Allerdings kam es zu einer Verschärfung der sozialen Verhältnisse. Es handelt sich dabei um die Zeit der späten 60er und die 70er Jahre des 18. Die wachsende Konkurrenz durch die Manufakturen führte zu einer Krise des Handwerkertums. manchmal entbehrungsreicher Weg. Diese Orientierung auf das Volk führte etwa dazu. Gefühl und Phantasie. bekenntnishafte Intimität. © öbvhpt. er stammte aus wohlhabender Familie). Sie wollten keine Revolution in der Politik. die von großem Einfluss waren.ja Hungerkrisen. Ihre Herkunft. es aber zusätzlich ein beträchtliches Bevölkerungswachstum gab. Vieles davon machte sie manchen Vertretern der Aufklärung verdächtig. unter anderem die Lieder des Ossian. ihre Erfahrung mit Armut machten sie aber besonders sensibel gegenüber sozialem Unrecht. subjektive. sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen gelten auch für die Zeit des Sturm und Drang. also eigentlich für das Volk.Zusammenfassung: Die deutsche Literatur des Sturm und Drang Politik. Allgemeine Kennzeichen Auf diese Veränderungen reagierte eine kleine Gruppe junger Schriftsteller. daß Herder eine Sammlung von Volksliedern herausgab. eines angeblichen keltischen Sängers aus dem Mittelalter. originelle Spontaneität. die in sich nicht einheitlich war und nach dem Titel eines Dramas von Friedrich Maximilian Klinger „Sturm und Drang“ genannt wird. der sie vielfach wieder in die Abhängigkeit führte (etwa als Hofmeister). was die scharfe Sozialkritik in vielen Texten erklärt. durch die Überhöhung ihrer Persönlichkeit zum Genie. führte zu Missverständnissen und Ablehnung. dem auch Jakob Michael Reinhold Lenz und Heinrich Leopold Wagner angehörten. (Erst später haben sie sich als Fälschung herausgestellt. Hälfte des 18. kam es zu schweren Versorgungs. Sie lehnten den herrschenden Geschmack ab und setzten an die Stelle des ständischen Dichters den freien Autor und sein ihm eigenes Genie. Schwank 14 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Sie wollten eine Literatur für den gesamten Mittelstand. Andere Begriffe sind „Genie-Periode“ oder „Genie-Kult“. wie Volksbücher. Wien 2007 . auch für die Bauern. was einerseits zur Abhängigkeit vieler kleinerer Meister führte (Verlust der Selbständigkeit) und andererseits zu immer häufigeren Auseinandersetzungen zwischen Meistern und Gesellen.) Auch die verdrängte volksnahe Literatur. Um 1770 bildeten der junge Goethe und Herder in Straßburg ein Zentrum dieser Bewegung. überwiegend aus dem Kleinbürgertum. Diese drückende persönliche Situation kompensierten sie durch ein starkes (überbetontes) Selbstwertgefühl. deren Kennzeichen sind: Regelfreiheit.

sodass es für zeitgenössische Bühnen praktisch nicht aufführbar war (auch moderne Bühnen hätten große Schwierigkeiten damit!). der von Rousseau seinen Ausgang nahm. In seinem unsteten Wanderleben. das in verschiedenen Variationen beherrschend im Sturm und Drang war: Eine Metzgerstochter wird von einem adeligen Offizier verführt. das repräsentativste Werk zu verfassen: „Die Leiden des jungen Werthers“ (siehe Zugänge. 100). Es ist die Geschichte eines Angehörigen des untergehenden freien Ritterstandes. 46). S. eines „Selbsthelfers“ (wie Prometheus im gleichnamigen Gedicht). und Arbeitsblatt „Bürgerliches Trauerspiel“). bis er eines Tages tot aufgefunden wurde. Zu seinem Unterhalt war er gezwungen. Am erfolgreichsten war Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) mit seinem Stück über Götz von Berlichingen. S. Wien 2007 . Friedrich Maximilian Klinger (1752–1831): „Sturm und Drang“. Heinrich Leopold Wagner (1747–1779): „Die Kindsmörderin“ (1776). 144. Jahrhunderts. 15 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792): Er suchte die Nähe Goethes. Epik Trotz der großen Vorliebe für das Drama entstanden auch Romane. Goethe hat außerdem die Autobiographie von Johann Heinrich Jung herausgegeben. Wichtige Autoren und Werke Das Drama Die dramatische Dichtung war bei diesen jungen Autoren besonders beliebt. Wagner gestaltet in diesem Stück ein Thema. 44. In Moskau verlor sich mehr oder weniger seine Spur. Es wirkte aber als Lesedrama und wurde zu einem überwältigenden Erfolg. S. Gegen die territoriale Zersplitterung Deutschlands setzte Herder den Begriff der Nation. flieht vor der Schande aus dem Elternhaus und tötet schließlich das Kind. © öbvhpt. Seine wichtigsten Werke: „Der Hofmeister“ (siehe Arbeitsblatt ) und „Die Soldaten“. oder man knüpfte an sie an („Faust“). Großes literarisches Vorbild für viele dieser Generation war Klopstock (vergleiche dazu die entsprechenden Szenen im „Werther“). Schiller ist auch hier bereits nach dem Höhepunkt des Sturm und Drang mit einer bedeutenden Erzählung hervorgetreten: „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ (1786). Gegeben wird ein Querschnitt durch die Gesellschaft des 16. „Heinrich Stillings Jugend“. Nachdem er eine erste Fassung in sechs Wochen ohne Plan niedergeschrieben hatte.“ Damit hing auch eine Aufwertung der körperlichen Betätigung in der Natur zusammen (zum Beispiel Eislaufen). Gegen die klassischen Regeln (die drei Einheiten) verwendete Goethe eine Vielzahl von Szenen (mehr als 50) und Personen. alles entartet unter den Händen des Menschen. wie es aus den Händen des Schöpfers kommt. Rousseau: „Alles ist gut.erzählungen und Fastnachtspiele kamen wieder zu ihrem Recht. Wieder ist es Goethe gelungen. S. das ihn bis nach Moskau führte. arbeitete er diese nach Kritik Herders um: „Götz von Berlichingen“ (1773). 34/35. den er sehr verehrte. Von großer Bedeutung war ein neuer Begriff von der Natur. S. erwartet ein Kind. zeigten sich bereits erste Hinweise auf eine Geisteskrankheit. ein typisches Beispiel für bekenntnishafte Selbstbeschreibung. „Kabale und Liebe“ (siehe Zugänge. wenngleich sie typisch für die Dramatik des Sturm und Drang sind: „Die Räuber“. Friedrich Schiller (1759–1805): Aufgrund seiner deutlich späteren Geburt kommt Schiller mit seinen Werken fast zu „spät“. als Hofmeister zu wirken. das große Vorbild war Shakespeare (siehe Zugänge.

© öbvhpt. was Lyrik ist (oder zu sein hat). Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Revolution. Hg. Bürger gilt durch seine Balladen. durch welche Umstände. Jahrhundert bis zur Gegenwart. und seine Artikel in seiner Zeitschrift „Deutsche Chronik“ störten seinen Landesherren. „Fürstengruft“. 148). von Horst Albert Glaser. Lyrik Vorbilder sind Volkslieder. Empfindsamkeit. Seine Gedichte. Literaturhinweise: Deutsche Literatur. Hg. Zu nennen sind vor allem die „Sesenheim-Lieder“ für Friederike Brion (siehe Zugänge. Rowohlt. so sehr. I/1. Matthias Claudius (1740–1815) berührt mit seinen stark religiös motivierten und im Volkston gehaltenen Gedichten nur zum Teil vorherrschende Strömungen des Sturm und Drang. dass er ihn zehn Jahre lang in einer Festung inhaftieren ließ.): Geschichte der deutschen Literatur vom 18. unter welchen sozialen Verhältnissen jemand zum Verbrecher werden kann. die angeblichen Lieder des Ossian und vor allem die Oden Klopstocks. Deutscher Taschenbuch Verlag. Weinheim 1992 16 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. von Rolf Grimminger. Zu den kritischen Dichtern gehörte auch Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791). München 1987 (= dtv 4345) Viktor Zmegac (Hg. S. Beltz Athenäum. vor allem die „Lenore“. als bedeutendster Balladendichter vor Goethe und Schiller.An einem tatsächlichen Kriminalfall seiner Zeit zeigte Schiller. Reinbek bei Hamburg 1986 (= rororo 6253) Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur. 4: Zwischen Absolutismus und Aufklärung: Rationalismus. Unsere Vorstellung darüber. Auch hier hat Goethe wieder Entscheidendes für eine neue Lyrik und für eine neue Sprache in der Lyrik geleistet. den Herzog von Württemberg. Die sozialkritische Linie des Sturm und Drang wird von Gottfried August Bürger (1744–1794) vertreten. Eine Sozialgeschichte. Ein berühmtes Beispiel dafür ist sein politisches Gedicht „Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen“. Sturm und Drang. wird immer noch vielfach davon bestimmt. Bd. Bd. Wien 2007 . wie „Kaplied“.

Zugänge.LÄNGSSCHNITTE UND LEITBEGRIFFE (6. Humanität..  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. bis .) Natur sein. Längsschnitte können thematischer (das Thema der Liebe in . Natürlich ist hier auch eine Gelegenheit. Hamlet. Letzteres stellt größere Anforderungen. Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch. Über den rein pädagogischen Zweck (Wiederholung und Festigung) hinaus haben solche Längsschnitte aber auch große Bedeutung für die Orientierung. Parzival. dienen aber auch zur Wiederholung des Stoffes und zur Festigung des Unterrichtsertrages. die Weltliteratur miteinzubeziehen (vergleiche dazu auch das Kapitel „Orientierung durch Literatur“.. Bürgerliches Trauerspiel. Wichtige Leitbegriffe aus dem Stoff der 6. Toleranz. Sie eröffnen damit neue Perspektiven. Tristan und Isolde. Wien 2007 . Nibelungenlied. Nibelungenlied. Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch.. Simplicissimus. alles zu sammeln und zu bündeln. die dann die Aufgabe übernehmen. Klasse) Längsschnitte stellen ein wichtiges Hilfsmittel dar. Parzival. Parzival. Es wäre also auch nützlich und sinnvoll. Klasse könnten etwa sein: Treue. und sollte daher erst in höheren Klassen eingesetzt werden.. Minnelyrik. wenn es über eine bloße Aufzählung hinausgehen soll. Am Ende des Jahres wäre dann in einem Referat Bilanz zu ziehen. Werther.) oder gattungsmäßiger (Entwicklung des Dramas von . Das Thema Krieg: Mahabharata. Längsschnitte können auf verschiedene Art erarbeitet werden. Das Thema Gewalt: Nibelungenlied. 59). in einer Klasse schon zu Jahresbeginn so genannte „Spezialisten“ für bestimmte Themen zu bestimmen (besser natürlich ist eine freie Wahl durch die SchülerInnen). Die Leiden des jungen Werthers. Gawan. Mögliche Themen für Längsschnitte (ein Vorschlag ohne Vollständigkeit): Das Thema Liebe: Parzival.. Vergänglichkeit. Zeigen sie doch dem Leser (in unserem Falle dem Heranwachsenden) verschiedenste Lebensformen und Lebensweisen noch einmal thematisch gebündelt und bieten damit vielfältige Möglichkeiten zur Auseinandersetzung. S. Vom Aufwachsen eines Kindes: Parzival. den Stoff etwa eines Jahres unter einem ganz bestimmten Aspekt noch einmal zu durchforsten und zu überdenken. Eine Möglichkeit besteht darin. zu Identifikation oder Ablehnung. © öbvhpt. Das Thema Held: Siegfried. Ähnliches gilt auch für Leitbegriffe. Das Thema Frauen: Nibelungenlied.. was in einem Unterrichtsjahr an Inhalten und Ergebnissen zu diesem Thema „angefallen“ ist. solche Leitbegriffe am Ende des Jahres ebenfalls zu sammeln und noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Don Quijote. Emile.

Je „schwammiger“ das Thema ist. Schiller hat sein Stück symmetrisch um eine Achse im 3. ihr immer näher und näher geführt wird“. 152) „Maria Stuart“ gilt als das klassische Drama. wichtige Ereignisse. Drama eignen sich am besten). daher werden hier Anregungen gegeben. konkrete Fragestellungen erlauben eine sinnvolle Bearbeitung und auch eine sinnvolle Korrektur und Benotung. dessen Kennzeichen genauer zu untersuchen. Fragen zum Inhalt: Schillers Konzeption besteht darin. oft übersteigerte Gefühlsausdruck (Pathos) und die Bildhaftigkeit: Suchen Sie auch dafür einige kennzeichnende Stellen. Welche Personen und welche Handlungen dienen dieser Konzeption? Schillers Stück setzt nach der Verurteilung Marias zum Tode ein: Wie gelingt es Schiller trotzdem. Verzahnung mit dem Lehrbereich „Schreiben“. genaue Fragestellung zu einem Werk (Erzählung. Akt aufgebaut: Überprüfen Sie diese Aussage. „Literarische Facharbeit“: Wir verstehen darunter eine konkrete. desto schwieriger wird die Beurteilung und desto willkürlicher die Benotung. haltlose Spekulationen und nebuloses Gerede!). Aussagen zu allgemeinen Wahrheiten zuzuspitzen (Sentenzen). Nur genaue. handelnde Figuren. Es verlangt eine Beantwortung der Fragestellung. Fragen zur Form: Untersuchen Sie die Beachtung der drei Einheiten (Einheit des Ortes. wichtige Teile der Vorgeschichte auf dramatische Weise (ohne daß sie jemand erzählt oder berichtet) „unterzubringen“? Fragen zur Sprache: Die Sprache in der Klassik (generell in der klassischen Dichtung) neigt dazu. © öbvhpt. klare Gliederung!). indem die Handlung des Stücks sich davon wegzubewegen scheint. Besonderes Kennzeichen der Sprache ist der leidenschaftliche. Das setzt die Lektüre als Ganzschrift und eine genaue Kenntnis voraus. Aufgabenstellung „Werkbesprechung“ bzw. Szene (Streitgespräch Kennedy-Paulet). und sie müssen wie in einer Problemarbeit klar gegliedert sein (klarer Aufbau. „dass man die Catastrophe gleich in den ersten Scenen sieht und. Suchen Sie solche Sentenzen in „Maria Stuart“ (oder anderen Werken der Klassik). Zur Zuspitzung der Dialoge verwendet Schiller häufig Antithesen: Untersuchen Sie dahingehend etwa die 1.KLASSIK UND ROMANTIK Friedrich Schiller: Maria Stuart ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. S. indem die Argumente aus dem Werk gewonnen werden (also keine Vermutungen. Roman. der Zeit. Wien 2007 . Viele davon sind zu Sprichwörtern geworden oder werden in Reden immer noch als Beweis und Unterstützung für eigene Behauptungen zitiert.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. indem Sie in eine graphische Darstellung nach Akten geordnet Folgendes eintragen: Schauplatz. Die Argumente sollen durch Zitate aus dem Werk belegt werden. der Handlung).

politische Gründe. Die müssten einzeln ausgeführt und in eine klare Gliederung gebracht werden (geordnet nach Bedeutung und Gewicht). Stuttgart 1988 Erläuterungen und Dokumente zu Friedrich Schiller „Maria Stuart“. von Gunter E. Bd. Grimm und Rainer Frank Max. Hg. Burleigh. Davison.Mögliche Themen am Beispiel der „Maria Stuart“ Warum lässt Elisabeth Maria hinrichten? Anzuführen wären dabei etwa: Persönliche Gründe. Das wäre auch ein Kriterium für eine Gliederung.. Mortimer. Leicester. Wer trägt vor allem Schuld an der Hinrichtung Marias? Anzuführen wären hier etwa: Elisabeth. Hg. © öbvhpt. Philipp Reclam jun. worin die Schuld besteht und wie sie daher zu gewichten ist. Wien 2007 . 4.. Stuttgart (= RUB 8143)  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Von Christian Grawe. religiöse Gründe. Philipp Reclam jun. Herauszuarbeiten ist dabei. Literaturhinweise: Deutsche Dichter.

Nach dem Tode ihres Gatten zieht sich auch die Edelfrau mit ihrem Sohn aufs Land zurück. Eine ähnliche Aufgabe erfüllen auch die Leitmotive. Deshalb begibt sich Monna Giovanna zu Federigo. wenn das Geschehen eine Wende nimmt. Federigo d’Alberighi. Es ist nur zu offensichtlich. der Sohn stirbt. um sie trotz seiner Armut gebührend zu empfangen. enthält schon der erste Absatz der Novelle im Kern die wesentlichen Elemente. aufs Land zurückziehen muss. Als Muster nimmt man gemeinhin die Falkennovelle des Giovanni Boccaccio: Ein Edelmann. So wie das Interesse des Lesers dadurch geweckt wird. zum Mahl vorsetzt. Daher kann er ihr auch nicht mehr ihren Wunsch nach dem Falken erfüllen. Gerade wegen seines Edelmuts nimmt aber schließlich Monna Giovanna Federigo zum Mann. dass er sich materiell völlig verausgabt und sich schließlich völlig verarmt. verehrt die verheiratete Monna Giovanna derart. nur noch seine Falke ist ihm geblieben. durch Zufall in die Nachbarschaft Federigos. immer dann. 164) Wie schon in den Zugängen herausgearbeitet wurde. sein Letztes. Fragen zum Inhalt: Was macht Kohlhaas zum „rechtschaffensten“ Menschen seiner Zeit. Sie unterscheidet sich von ähnlichen Formen der Prosa durch ihren straffen Aufbau. Diese (Mensch. wenn die Geschichte eine Wende nimmt.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Spannung in ihm erzeugt wird. wünscht er sich den Falken Federigos. er könne dadurch genesen. Als der Sohn schwer erkrankt. wie hier der Falke an den entscheidenden Stellen auftritt. die eine „unerhörte Begebenheit“ (Goethe) zum Inhalt hat.Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas (Novelle) ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. den Falken. er meint. könnte man daraus die Fragen ableiten. die sich auch ein Leser stellen müsste. S. was zum „entsetzlichsten“? Wieso macht ihn sein Rechtsgefühl zum Rächer und Mörder? Zur Frage der Gewalt: Wie steht Kohlhaas zur Gewaltanwendung? Läßt sich eine klare Position erschließen? Zur Frage des Rechts auf Widerstand: Welche Positionen nehmen Kohlhaas und Luther ein? Wie begründen sie ihren Standpunkt? Zur Frage der Gerechtigkeit: Welchen Raum nimmt das Problem der Gerechtigkeit in dieser Novelle ein? Zur Form der Novelle Als Novelle bezeichnet man eine Erzählung. © öbvhpt. der vor allem bestimmt ist durch das Auftreten von Dingsymbolen. Wien 2007 . Tier oder Gegenstand) treten immer dann in der Geschichte auf. der ihr.

wann in „Michael Kohlhaas“ die Rappen auftreten. Grimm und Frank Rainer Max. Was bedeutet ihr Auftreten für die Geschichte und ihren Verlauf? Wie hängt ihr äußerer Zustand damit zusammen? Literaturhinweise: Deutsche Dichter.. von Günter Hagedorn. Stuttgart (= RUB 8106) Hans Dieter Zimmermann: Heinrich von Kleist. Wien 2007 . Stuttgart 1988 Erläuterungen und Dokumente: Michael Kohlhaas. Luchterhand. Philipp Reclam jun. Rowohlt. München 1994 (In dem Roman wird die fiktive Begegnung Kleists mit der Dichterin Karoline von Günderode erzählt. 5. Philipp Reclam jun. Hg.Untersuchen Sie nun. Hg..)  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. von Gunter E. Nirgends. Bd. Reinbek bei Hamburg 1991 (= rororo 1680) Lesehinweis: Christa Wolf: Kein Ort. © öbvhpt. Eine Biographie.

es ist verflucht. aber Iphigenie kann nicht lügen und täuschen. das Iphigenie eingeht.. so sind es bei Goethe die Menschen selbst. Den Stoff zu diesem Drama fand Goethe in den griechischen Mythen. hat König Thoas dazu gebracht. weil sie ihn nicht liebt. indem sie ihre eigene Existenz aufs Spiel setzt für Wahrheit und Menschlichkeit. Pylades rät zu List und Betrug. es gibt keine genauen Hinweise auf Zeit. vor allem aber Iphigenie. erkennt ihren Bruder und kann die Rachgöttinnen besänftigen. der König von Tauris soll reden. Muss bei Euripides die Göttin Athene am Schluss eingreifen. Aussehen der Personen (keine Regieanweisungen).. Prosa. die man kurz zuvor aufgegriffen hat. Wien 2007 . darstellen zu können: So kann Iphigenie durch ihre Menschlichkeit Thoas vom Barbaren zum Menschen erziehen. seine Frau zu werden. der sie nun mit ihrem Bruder und Pylades nach Griechenland ziehen lässt. das was zwischen den Menschen vorgeht.“ Aber er stellte seine Kunst dieser Wirklichkeit entgegen. Mit der „Iphigenie“ wendete sich Goethe klar vom Sturm und Drang ab und der Klassik zu.Johann Wolfgang von Goethe: Iphigenie INFORMATIONSBLATT Inhalt: Iphigenie. Sie gibt Thoas alles preis und setzt damit sich. aber nie zu erreichendes Ziel. Aber erst dadurch gewinnt sie Thoas. opfern lassen. auch die Fassung des französischen Klassikers Jean Racine aus dem Jahre 1674 war ihm bekannt. Diese Enttäuschung wirft Thoas wieder in seinen früheren Zustand der Barbarei und Unmenschlichkeit zurück: Er will zwei Fremde. Iphigenie. Dafür wird er von den Rachegöttinnen verfolgt. nicht durch Lüge und Täuschung wird das Problem gelöst. nur die Handlung. der auf Menschenopfer verzichtet. Versfassung) erstellt hat. Wie schwer Goethe das als bewusste Kunstanstrengung gefallen ist. Das Orakel von Delphi (Heiligtum Apolls) hat Heilung versprochen. Es handelt sich dabei um Pylades und Orest (Bruder der Iphigenie). ist wichtig! Goethe war sich dabei bewusst. um die Idee der Menschlichkeit (Humanität). die sie eben auszeichnet. wenn er die Schwester aus Tauris zurückbringe (doppeldeutiges Orakel: Damit kann das Standbild der Diana oder auch Iphigenie gemeint sein). Ort. den grausamen Brauch der Menschenopfer aufzugeben. die Kunst wird somit zum Reich des Idealen. daß er fast zehn Jahre mit Unterbrechungen daran gearbeitet hat und vier verschiedene Fassungen (Prosa. die die Opferung vollziehen soll. als wenn kein Strumpfwirker in Apolde hungerte. nur sie kann die Rachegöttinnen besänftigen. Daher wird auch nicht die Wirklichkeit abgebildet. bis er in Wahnsinn verfällt. nur sie kann erzieherisch wirken und damit die Wirklichkeit verändern. als die eigentliche Aufgabe des Menschen (ganz im Sinne der Aufklärung. Es wird somit ein Ideal oder eine Utopie von der Menschlichkeit entworfen: Humanität als immer anzustrebendes. dass seine eigene Wirklichkeit nicht ideal war: „. Orest und Pylades der höchsten Gefährdung aus. Der geheilte Orest will nun das Standbild der Diana entführen. Goethe veränderte aber die Handlung in wesentlichen Punkten. um die Probleme der Menschen zu lösen. © öbvhpt. der Menschlichkeit. Als er sie bittet. dazu Lessing. freie Jamben. die Priesterin der Diana. Zugänge. die ihre Probleme lösen mit der Eigenschaft. kann man auch daran erkennen. vgl. verkörpert durch Iphigenie. sondern durch das Risiko. in der Fassung des Euripides. 140). lehnt sie ab. S.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Dieser hat seine Mutter und deren Geliebten getötet aus Rache für deren Mord an seinem Vater Agamemnon. Goethes Stück spielt sozusagen in einem idealen Raum.

Olimpia. Durch die hingebungsvolle Pflege seiner Familie bessert sich sein Zustand oberflächlich. Wien 2007 . Nathanael kauft von dem Wetterglashändler ein Perspektiv. bei dem Olimpia zerstört wird. klarsichtige Frau. Clara hingegen deutet das als Ausdruck innerer Vorgänge.T.. Das Faszinierende an dieser Erzählung besteht darin. stürzt er sich selbst hinunter. Diesterweg. bei der nur Nathanael nicht merkt. S. A.E. Zunächst durch die Personen selbst (Nathanael und Clara) und dann durch den Erzähler. Höhepunkt ist eine Ballveranstaltung. Hoffmann „Der Sandmann“. von Rudolf Drux. daß es sich bei Olimpia um eine Puppe handelt. A. der ihn an ein schreckliches. Hg. Frankfurt am Main (= Fischer TB 5662) Günter Waldmann: Produktives Verstehen mehrperspektivischen Erzählens: E. wo man Charakteristiken wie verstandesund vernunftbetonte. verfällt er in Wahnsinn. Philipp reclam jun. dass er sich in seiner Existenz bedroht fühlt und an seine Familie schreibt. er kann sich klar entscheiden oder alles in der Schwebe lassen. von denen Nathanael sich bloß befreien müsse. die seinen Untergang wollen. sodass auch ihr Bild sehr verschiedene Betrachtungen zulässt. Clara selbst wird aber ebenfalls mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften gekennzeichnet (durch Nathanael und den Erzähler). Das Leben eines skeptischen Phantasten. ebenfalls in einem Brief. traumatisches Kindheitserlebnis mit dem Advokaten Coppelius.T. Seiner Geliebten Clara gelingt es. so beunruhigt. T. Das weitere Geschehen wird von einem Erzähler vermittelt. Stuttgart (= RUB 8199) Rüdiger Safranski: E. erblickt. aber auch bornierte. So sieht sich etwa Nathanael seit seiner Kindheit von dunklen Mächten verfolgt. Hoffmann. Literaturhinweise: Erläuterungen und Dokumente zu E. Er versucht zunächst Clara vom Turm hinunterzustürzen. als sich diese aber retten kann. ihn oberflächlich zu beruhigen. Hoffmann: Der Sandmann INFORMATIONSBLATT Inhalt: Der Student Nathanael wird durch den Besuch eines Wetterglashändlers namens Coppola. aber die Ersteigung des Stadtturms. A. T. In: Diskussion Deutsch. phantasielose Kleinbürgerin findet. Heft 127. © öbvhpt. Hoffmann „Der Sandmann“. die ihn sogleich in ihren Bann zieht. in die er alle seine Wünsche und Gefühle projiziert. dass Hoffmann konsequent das Leitmotiv „Auge“ und damit zusammenhängend „Perspektiv“ als Gestaltungsmittel einsetzt und außerdem die Geschichte aus mehreren Perspektiven darstellt. ein Blick durch das Perspektiv und das Erkennen des Coppelius in der Menge unten versetzen Nathanael wieder in Raserei. dem sein Vater zum Opfer gefallen ist. Das reicht sogar bis in die wissenschaftliche Diskussion. durch das er später die Tochter des Professors Spalanzani. Fischer. erinnert. Dem Leser werden damit mehrere Deutungen des Geschehens angeboten. Als er wenig später Zeuge eines Streits zwischen Spalanzani und Coppola wird. A. Frankfurt am Main 1992  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.

das von den großen Ereignissen der Zeit fast unberührt und verschont blieb. wie sie bereits der „Sturm und Drang“ begonnen hatte. © öbvhpt. Oder sie gingen den Weg der Klassik und Romantik: Absonderung von direkter politischer Aktivität hin zur Autonomie der Kunst. Unter Klassik versteht man allgemein den Höhepunkt einer Nationalliteratur (zum Beispiel ist die englische Klassik die Zeit William Shakespeares in der zweiten Hälfte des 16. dass die Kunst der Klassik zwar sehr hoch eingeschätzt wurde. die ihnen eine rasch wachsende Zahl von Leihbüchereien zur Verfügung stellte. im weiteren Sinn meint er ein Werk oder einen Autor. deren Erfolg war aber insgesamt gering. Je mehr die äußere Welt chaotisch und hässlich erschien. Die eigentliche klassische Kultur bildete sich in einem kleinen Fürstentum des Deutschen Reiches heraus – im Herzogtum Weimar. Der Begriff Klassiker bezieht sich im engeren Sinne darauf. kommt man zu dem Ergebnis. Sein Eingreifen führte auch zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. In einem weiteren Rahmen kann man ihren Beginn mit der italienischen Reise Goethes 1786 ansetzen. Wenn man bedenkt. dass die Zahl der erwachsenen Leser Ende des Jahrhunderts etwa 10 Prozent erreichte. einer kleinen führenden Schichte stand die große Masse einer mehr oder weniger armen Bevölkerung gegenüber. das ist von 1794 bis 1805 (Tod Schillers). aber ihre Wirkung eher gering war. Wien 2007 . (nach unseren heutigen Begriffen ein Dorf). nämlich die Zeit der Freundschaft Goethes und Schillers. Auf diese politischen und sozialen Herausforderungen antworteten manche Dichter – die deutschen Jakobiner (Anhänger der Französischen Revolution in Deutschland) – mit einer Verschärfung der Kritik. Dieses Herzogtum hatte damals ungefähr 100 000 Einwohner. Gesellschaft und Kultur Das Ende des 18.Zusammenfassung: Die deutsche Klassik (1786/1794–1805) Politik. die in einem bestimmten Bereich von größerer Bedeutung sind (also etwa Conan Doyles  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. wichtige Autoren und Werke Die deutsche Klassik nimmt nur einen kurzen Zeitraum ein. Die Französische Revolution führte einen grundlegenden Umsturz der politischen und sozialen Verhältnisse in Frankreich herbei und schließlich verwickelte Napoleon – aus eben dieser Revolution hervorgegangen und sie überwindend – Europa für zwei Jahrzehnte in Kriege. Und schließlich machten sich auch die ersten Anzeichen der von England ausgehenden industriellen Revolution auf dem Kontinent bemerkbar. desto mehr zog man sich in ein Reich der Ordnung und des Schönen zurück. Jahrhunderts war eine Zeit großer Veränderungen. Jahrhunderts). Der amerikanische Bürgerkrieg und die Entstehung der USA mit ihrer demokratischen Verfassung und der Garantie von Grundrechten für Menschen übten großen Einfluss und große Beispielwirkung in Europa aus. die Hauptstadt Weimar selbst 6 000. Es war wirtschaftlich ziemlich unterentwickelt. der Mittelstand fehlte fast vollständig. von denen wiederum nur ein Teil nichtreligiöse Literatur las und die anderen sich vielfach mit Unterhaltungsliteratur beschäftigten. vorherrschende Themen. Allgemeine Kennzeichen.

so den „Egmont“. Er stellte dafür sogar seine künstlerische Arbeit ganz zurück. der die Revolution von Anbeginn an sehr skeptisch betrachtet hat. wenngleich seine Wertungen und manche Theorien heute nicht mehr als richtig angesehen werden. Seine radikale Kritik am Adel und an den Mißständen des Feudalismus (zum Beispiel in „Kabale und Liebe“) verlor durch persönliche Erfahrungen an Schärfe. eine Kultur entwickeln zu können. Eine solche Kunst müsse natürlich auch besonderen Anforderungen entsprechen. Hier studierte er unter dem Einfluss des Werks von Johann Joachim Winckelmann die Kunst der römischen Antike und der italienischen Renaissance. Als sich Goethe 1775 in den Dienst des jungen Herzogs von Weimar begab. Wien 2007 .  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. was über und außerhalb dieser Welt steht. ihre Entwicklung kurz darzustellen. eben eine klassische Kunst sein. Weiterhin groß war der Einfluss. der Mensch muss mit Hilfe der Kunst ästhetisch erzogen werden. Zu einem Wandel in der Persönlichkeit im Sinn von Maß und Form und Mäßigung trug auch die tiefe Beziehung zu Charlotte von Stein bei. dass zwar die Forderung nach einer Verbesserung der Verhältnisse und der Welt weiterhin bestehe. die zivilisiertes Zusammenleben der Menschen ermögliche). sie sei die einzige politische Organisationsform. in der er praktisch tätig etwas verändern konnte. suchte er damit eine amtliche Tätigkeit. war Schiller zunächst ein Anhänger der Revolution. Erst dann werde er auch die Welt richtig verändern. die es ihm ermöglichte. Auch Schiller erfuhr in dieser Zeit einen grundlegenden Wandel. und als er durch eine schwere Krankheit (1791) größte Existenzprobleme bekam. Er nahm bis dahin unabgeschlossene Werke wieder auf. Das heißt. Das Ergebnis waren die „Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschen“. ist es notwendig. sodass er schließlich regelrecht nach Italien „flüchtete“. die ähnlich der griechischen sei (vergleiche damit die überschaubare Welt der Polis. In seinen „Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschen“ zog er daraus den Schluss. Diese stellten auch eine Reaktion auf das wichtigste Ereignis der Zeit dar: Die Französische Revolution. Anders als Goethe.„Sherlock Holmes“ als Klassiker der Kriminalliteratur oder Charlie Chaplin als Klassiker der Stummfilmkomödie). stieß er bald an die engen und starren Grenzen der sozialen und politischen Verhältnisse. Da die deutsche Klassik von zwei Personen. Wie soll das aber in einer schlechten Welt geschehen? Nur durch etwas. in der er vor allem die Lage der Bauern zu verbessern suchte. sich in aller Ruhe mit philosophischen (Studium der Werke Kants) und ästhetischen Fragen zu beschäftigen. In seiner Tätigkeit. die „Iphigenie auf Tauris“. nämlich von Goethe und Schiller getragen und bestimmt wird. durch ein „Reich der Freiheit“ – und das ist für Schiller die Kunst. © öbvhpt. So kam er durch seine Geschichtsprofessur in Jena in Kontakt mit dem Weimarer Hof und dem thüringischen Kleinadel. Dieser hatte eine wirkliche Kenntnis der Antike angebahnt. Die Verurteilung und Hinrichtung des Königs und die Entwicklung zur Schreckensherrschaft machten Schiller aber zu einem Gegner. den Sturm auf die Bastille begrüßte er begeistert. setzte ihm der dänische Erbprinz eine hohe Rente aus. die auch zu den bestimmenden Persönlichkeiten des „Sturm und Drang“ gehören. Nur in einem so kleinen und damit überschaubaren Fürstentum glaubte er etwas erreichen zu können. glaubte er. den „Torquato Tasso“ und auch die Arbeit am „Faust“. den die Ideen Herders auf Goethe ausübten. 1792 wurde ihm sogar noch die Ehrenbürgerwürde der Revolution verliehen. von der die Griechen selbst meinten. In den eineinhalb Jahren seines Italienaufenthaltes wendete sich Goethe völlig von praktisch-sozialen Fragen ab und zu ästhetischen hin. Das fast völlige Verzichten auf eine künstlerische Produktion erschien ihm immer fragwürdiger. Daher müsse zuerst der Mensch verbessert – „veredelt“ – werden. aber dass die Menschen dazu noch nicht reif seien.

„Das Ideal und das Leben“. und Wilhelm Meister. „Die Jungfrau von Orléans“ (eine romantisch-idealisierte Darstellung der Jeanne d’Arc). Wien 2007 . S.Die Abkehr Goethes und Schillers vom Sturm und Drang und ihre Hinwendung zur Klassik lässt sich im Vergleich von bestimmten Werken veranschaulichen. 52). Goethes wichtigste Dramen: „Egmont“ (ein Drama aus dem niederländischen Befreiungskampf). S. „Der Handschuh“. „Faust I“ und „Faust II“ (siehe Zugänge. Goethe: „Der Schatzgräber“. „Die Bürgschaft“. Die Formfreiheit des Sturm und Drang gilt nicht mehr. trotzig-rebellische „Selbsthelfer“ in der Hymne „Prometheus“ mit dem sich bescheidenden. © öbvhpt. S.und Entwicklungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (siehe Zugänge. die „Wallenstein“-Trilogie (im Mittelpunkt steht der Feldherr des Dreißigjährigen Krieges). Epik Das wichtigste Werk ist Goethes Bildungs. die Beachtung der drei Einheiten. Drama Auch hier kam es zu einer Abkehr vom Sturm und Drang: Ein strenger Aufbau. Bei Schiller: Die scharfe Kritik am Adel und am Feudalismus im Bürgerlichen Trauerspiel „Kabale und Liebe“ und dagegen die Darstellung des Adels im Schauspiel „Wilhelm Tell“. Die Zusammenarbeit Goethes und Schillers führte sie auch zur theoretischen Beschäftigung mit der Gattung Ballade. Sehr stark tritt das Gedankliche in den Vordergrund. „Der Zauberlehrling“. „Die Braut von Korinth“. Ausgewogenheit der Teile und einer Harmonie des Ganzen. besonders Schiller bietet in manchen Gedichten eine ganze Weltanschauung: „Der Spaziergang“. „Das Lied von der Glocke“. Schon außerhalb der eigentlichen Epoche liegen sein Roman „Die Wahlverwandtschaften“ und seine Autobiographie „Aus meinem Leben. Im Balladenjahr schufen sie Musterbeispiele dieser Gattung. „Maria Stuart“ (siehe Zugänge. Schillers wichtigste Dramen: „Don Carlos“ (ein Werk im Übergang von Sturm und Drang zur Klassik). demütig die Grenzen und Schranken der Welt hinnehmenden und anerkennenden Ich der Ode „Grenzen der Menschheit“. Bei Goethe: Der aufbegehrende. „Der Taucher“. der zu sinnvoller und nützlicher Tätigkeit und Wirksamkeit im kleinen Kreis findet. 156). eine gebundene. „Torquato Tasso“ (ein Drama über das Problem des Künstlers in höfischer Abhängigkeit). Dichtung und Wahrheit“. „Die Kraniche des Ibykus“. 152). Schiller: „Der Ring des Polykrates“. der an den Grenzen seiner Welt zugrunde geht. stilisierte Sprache sind wesentliche Kennzeichen.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Die wichtigsten Werke Lyrik Insgesamt neigt die klassische Lyrik zu Ordnung und Maß. „Wilhelm Tell“ (Darstellung des Befreiungskampfes der Schweizer gegen die Herrschaft der Habsburger). der sich sogar an die Spitze des Aufstandes der Bauern gegen die Willkür der Vögte setzt. Werther.

Deutscher Taschenbuch Verlag. ): Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Hg. © öbvhpt. Deutsche Literatur im Zeitalter der Französischen Revolution. Weinheim 1992 10 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Bd. Beltz Athenäum. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Bd. I/2. Rowohlt. München (= dtv 4346) Viktor Zmegac (Hg. Reinbek bei Hamburg 1987 (= rororo 6254) Gert Ueding: Klassik und Romantik. 5: Zwischen Revolution und Restauration: Klassik und Romantik. Wien 2007 .Literaturhinweise: Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte. von Horst Albert Glaser.

meinen die Romantiker. In einer sich derartig wandelnden Welt wird auch das Erkennen und Ergreifen der Wahrheit schwierig. sondern sich ihr entzogen hatte: Die Welt des Wunderbaren. durch die Aneignung dieser Traditionen sollten die Mittel geschaffen werden. in dem der Mensch und seine Humanität im Mittelpunkt stehen. Unvollkommenheit. für die die relative Ruhe und Ordnung des alten Systems (des Ancien régime) nicht mehr so prägend war. aber nicht von der Aufklärung geprägt war. Es sollte die romantische Kunst aber keine Flucht in diese Welt des Mittelalters sein. verbunden mit dem Versuch. Entwicklung. Kennzeichnende Werte der Romantik sind daher: Wandel. Naturhaften und Volkstümlichen. Aufstieg Napoleons. gelten auch für sie dieselben politischen. Das bedeutet. Mannigfaltigkeit. das Unbewusste. © öbvhpt. Ende des Heiligen Römischen Reiches. gelinge es mit Hilfe des Verstandes. Jahrhundert verstärkt hatte. Grundzüge der Romantik sind somit die Kritik an der Aufklärung. Herrschaft Napoleons über weite Teile Europas und schließlich dessen Niederlage 1814 und die Wiederherstellung der alten politischen und sozialen Verhältnisse (Restauration). die ein profanes Weltbild haben. Die Romantiker wendeten sich auch mehr der Religion und den Mythen zu. Wien 2007 . wichtige Autoren und Werke Es handelt sich bei den Vertretern der Romantik um die Generation der um 1770 Geborenen von sehr verschiedener sozialer Herkunft. zu Mythen. vorherrschende Themen. dass die Welt so wie ein Organismus sich ständig entwickelt und wandelt und daher auch nicht vollkommen sein kann. sondern die Krise der politischen und sozialen Verhältnisse. sozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen: Französische Revolution. schöpferische Phantasie. Märchen. vor allem Fichtes und Schellings. Nach ihr mussten sie sich in ihrem Leben und Denken richten. Gesellschaft und Kultur Da es sich bei der Romantik um eine Bewegung handelt. 1795 bis ca. aber die Unvollkommenheit. die Rückkehr zu den Ursprüngen. Auf keinen Fall. die Gegenwart im Sinne der Romantik zu erneuern. In der Auseinandersetzung mit dieser Krise entstand die Überzeugung. 1820) Politik. die zur gleichen Zeit wie die Klassik wirkte. im Gegenteil. die in der europäischen Literatur seit vielen Jahrhunderten vorhanden war und sich seit dem 17. Allgemeine Kennzeichen. Schauerlichen. Sagen und Legenden. sondern nur mit Hilfe von Intuition und Vorstellungskraft. Ihr Weltbild ist bestimmt von der Vorstellung. Daher griffen sie auf eine Tradition zurück. die Vollkommenheit ist kein positiver Wert mehr. die Hinwendung vor allem zum Mittelalter. Kennzeichen der Romantik ist auch die enge Beziehung zur Philosophie. Koalitionskriege. das Innere. sie rückgängig zu machen. im Gegensatz zu Aufklärung und Klassik.Zusammenfassung: Die deutsche Romantik (ca. Das Wort „romantisch“ leitet sich dabei von „Roman“ oder „Romanze“ ab und bezieht sich damit auf die in der Volkssprache (lingua romana) geschriebenen Epen mit ihren Liebesgeschichten in einer ritterlichen Welt voll Abenteuern und Kämpfen. 11 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. dass deren Überwindung nur durch eine „romantische“ Erneuerung der Literatur und der Kunst überhaupt möglich sei.

1797 erschienen die Schriften „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“. durch eine Beschäftigung damit „den müde gewordenen Geist der Poesie zu verjüngen“. Echten. was sich in ihren Reisen. was die Romantiker ablehnten. In derselben Zeit gab er mit seinen Märchenkomödien „Ritter Blaubart“ und „Der gestiefelte Kater“ und einer Sammlung von Volksmärchen. zum Ursprünglichen. Clemens Brentano (1778-1842) und Achim von Arnim (1781-1831) haben darin Volkslieder und volkstümliche Lieder älterer Dichter gesammelt und teilweise auch überarbeitet. In ihren Gruppenbildungen pflegten sie das Bild des exentrischen Künstlers. Für die Theorie und Kunstanschauung der Romantik ist der kulturphilosophische Aufsatz „Die Christenheit oder Europa“ wichtig geworden. Hier lassen sich alle Tendenzen der Romantik erkennen: Das Zurückgehen auf Lieder. Die griechischen Vorbilder werden durch Vorbilder aus dem Mittelalter und der Renaissance ersetzt. nach dem Zentrum Heidelberg (ab 1805). © öbvhpt. die aus der großen Erschütterung über den Tod seiner Verlobten entstanden sind. was sich meist nur für kurze Zeit verwirklichen ließ. Sie gründeten die Zeitschrift „Athenäum“ (1798–1800). der in einer Gegenwelt – der Bohéme – zur bürgerlichen Normalität lebt. Wien 2007 . italienische und russische und beeinflußte diese sogar. die zum wichtigsten Organ für die geistigen Auseinandersetzungen der Frühromantik wurde. Die Hochromantik Die Hochromantik wird auch Heidelberger Romantik genannt. In nahezu allen europäischen Ländern gab es eine Romantik. Hingabe. Die deutsche Romantik kann man in drei Abschnitte gliedern Die Frühromantik Zentren waren Berlin und Jena. sie waren daher auf Mäzene angewiesen. Die deutsche Romantik setzte früher ein als die französische. Sie wurden im wesentlichen von Wilhelm Heinrich Wackenroder (1773–1798) verfaßt und von Ludwig Tieck (1773–1853) nach dessen frühem Tod herausgegeben. Tieck und Novalis (eigentlich Friedrich von Hardenberg. 1772–1801) sind die wesentlichen Dichter der Frühromantik: Novalis durch seinen unvollendeten Roman „Heinrich von Ofterdingen“ und seine Gedichte „Hymnen an die Nacht“. Gefühl und Stimmung. 12 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.Viele Romantiker waren auffallend mobil. Balladen. der Philister wurde zum Inbegriff all dessen. Tieck hat mit seinem Roman „Franz Sternbalds Wanderungen“ (1798) auch das neue Lebensgefühl der Romantiker dargestellt. Novalis gehörte zu ihren wichtigsten Mitarbeitern. weitere Beispiel für die neue Kunst. Kinderreime. Nach dem Tod von Wackenroder wurde Jena. zum neuen Zentrum der Romantik. wie zum Beispiel „Der blonde Eckbert“. ihrem häufigen Wechsel der Beziehungen und den immer neuen Gruppenbildungen zeigt. Viele versuchten eine Existenz als freie Schriftsteller. heilsam Naiven und der Glaube. Sie stellen so etwas wie das künstlerische Manifest der jungen Generation dar: An die Stelle einer systematischen Beschreibung des Kunstwerks setzt Wackenroder enthusiastische Betrachtung. Novalis entwirft darin ohne Rücksicht auf die Geschichte ein idealisiertes Bild vom Mittelalter. Diese bezeichneten sie als philisterhaft. vor allem durch die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel. in die er auch eigene Märchen einfügte. Von beispielgebender Bedeutung ist die Sammlung „Lieder aus des Knaben Wunderhorn“ (1806).

Treffpunkt war die „Christlich deutsche Tischgesellschaft“. S. Sie schloss Philister. Literaturhinweise (siehe Kapitel Klassik) 13 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Sein bedeutendster Roman sind die „Lebensansichten des Katers Murr“. die sich als die fragmentarische Lebensgeschichte des Kapellmeisters herausstellen. Brentano. 166). Er wurde durch seine phantastischen Erzählungen berühmt. Einen späten Ableger der Romantik stellt die „Schwäbische Schule“ dar. in der Spätromantik wurde es dann noch verstärkt. obwohl er der bedeutendste Vertreter der Spätromantik ist (siehe Zugänge. um mit seiner Hilfe die Gegenwart zu erneuern. als vielmehr bestimmte Gefühlsregungen im Leser auslösen. Brentano selbst ist vor allem als Lyriker hervorgetreten (siehe Zugänge. A.und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Dazu haben besonders die Vertonungen dieser Lieder durch Franz Schubert.Brentano und Arnim haben mit dieser Sammlung das romantische „Lied“ stark beeinflusst. aber auch Juden aus! Nicht zu diesem Kreis gehörte E. das Zentrum war Berlin. dass ein Kater seine Lebensgeschichte auf bereits bedruckte Blätter eines Buches schreibt. führte auch dazu. nach dem zu suchen. Mond. dass verschiedene solcher Texte gesammelt und herausgegeben wurden: „Die teutschen Volksbücher“ von Joseph Görres (42 Volksbücher wurden hier gesammelt und nacherzählt) und die „Kinder. Die Spätromantik Die Spätromantik wird ab 1810 gerechnet. T. der in der Auseinandersetzung mit Napoleon allerdings rasch zu stark verengtem Nationalismus und Chauvinismus entartete. was das wahre Wesen des Volks ausmache. Hoffmann (1776–1822). In diesem Geist ist auch seine berühmte Erzählung „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1826) geschrieben. meint man seine Lyrik. S. die weniger reale Orte oder Ereignisse oder Situationen benennen wollen. Das läßt sich bereits in der Hochromantik erkennen. darunter die Novelle „Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau“. das vielfach als der Beitrag der Romantik zur Weltliteratur angesehen wird. Wichtige Vertreter sind Ludwig Uhland. Justinus Kerner. Joseph von Eichendorff (1788–1857) ist als Lyriker bekannt geworden und geblieben (siehe Zugänge. Wenn man von romantischer Lyrik spricht. Adelbert von Chamisso (1781–1838) und auch Heinrich von Kleist gehörten. Robert Schumann. Richard Strauss und Gustav Mahler beigetragen. Darin wird das Schicksal des genialen Kapellmeisters Johannes Kreisler mit einem Katerschicksal kontrastiert. Sie ist in vielem aber schon dem Biedermeier verpflichtet. Daraus ergibt sich. Johannes Brahms. „Fantasiestücke“ und „Die Serapionsbrüder“. S. Darin sind so berühmte Erzählungen wie „Das Fräulein von Scudéry“ oder „Der goldene Topf“ enthalten. © öbvhpt. 168). Der typisch romantische Gedanke. Wichtig ist noch seine „Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl“. 166). Nikolaus Lenau und Gustav Schwab. Sie ist volksliedhaft eingängig. die er in großen Zyklen zusammenfasste: „Nachtstücke“. Hinter diesen Unternehmungen stand auch ein Nationalpatriotismus. verlassene Gärten). hat immer wiederkehrende Motive (wie Nacht. Eichendorff. Wien 2007 . zu der Arnim. Arnim hat vor allem Romane und Erzählungen verfasst.

ob diese Stellen auch wirklich ausgelassen wurden. Eigenart und nimmt gegen das Vorurteil den Kampf auf. Trotzdem griff die Behörde ein und strich noch weitere Stellen. dass das Vorurteil unbegründet ist? Nestroy zeigt aber auch. S. Nestroy hat das häufig durch Couplets und Stegreifspiel unterlaufen.BIEDERMEIER UND VORMÄRZ Johann Nestroy: Der Talisman ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. Zeigen Sie das vor allem am Ende des Stücks. was das Wesen des Menschen ausmachen sollte. wie man sich als Betroffener zum Vorurteil verhalten kann. Einerseits: Titus bringt seinen „Makel“ zum Verschwinden. Versuchen Sie diese Namen zu erklären. Das heißt. Sein Wortwitz und seine Wortspiele zeichnen ihn das ganze Stück hindurch aus. In den „Erläuterungen und Dokumenten“  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. dass uns diese Erfahrungen mit dem Vorurteil und die Belehrungen auf höchst unterhaltsame und komödiantische Weise vermittelt werden. Hauptmittel dazu sind die Situationskomik und der Sprachwitz. durch das Aufeinandertreffen der Personen): Suchen Sie entsprechende Stellen im Stück. Sprachwitz: Nestroy verwendet sprechende Namen. Im Theater saßen überdies so genannte Aufpasser. was ihm des öfteren Geldstrafen und Arrest eingetragen hat. 178) Johann Nestroy entwirft in seinem Stück ein perfektes Modell über Vorurteile. Welches Verhalten zeigt Salome Pockerl gegenüber den Vorurteilen der anderen? Wie steht es um ihre Menschlichkeit? Vergleichen Sie damit die Darstellung der Entstehung und Wirkung von Vorurteilen und deren Bekämpfung in der Kurzgeschichte „Linkshänder“ von Günter Grass oder im Drama „Andorra“ von Max Frisch. also das. wobei Titus allen anderen sprachlich überlegen ist. Zeigen Sie das an seinem Aufstieg. Außerdem verliert er dadurch seine Menschlichkeit. Andererseits: Titus bekennt sich bewusst zu seiner Eigenheit. Der besondere Vorzug von Nestroys Stück ist. © öbvhpt. er musste von vornherein schon Abstriche machen. Wien 2007 . Situationskomik (die Komik entsteht aus der Situation. Jeder Dichter. musste solche Äußerungen vermeiden. Suchen Sie seinen Wortwitz und seine Wortspiele in der ersten Begegnung mit der Gärtnerin heraus. Nestroy charakterisiert die Menschen durch bestimmte. wiederholte Wendungen. Wie äußert sich das Vorurteil bei den verschiedenen Personen des Stücks? Was bewirkt es bei den Betroffenen? Wie und wo zeigt Nestroy. gibt damit aber indirekt dem Vorurteil recht. die sicher zu einem Verbot geführt hätten. der in dieser Zeit einen Text veröffentlichte oder ein Stück aufführen wollte. dem sich nachzugehen lohnt. die zu überwachen hatten. Dadurch gewinnt er wieder an Menschlichkeit. musste diesen oder dieses zuerst der Zensurbehörde vorlegen.

Stuttgart (= RUB 8128) Deutsche Dichter. Grimm und Frank Rainer Max. Wien 2007 . Bd. Philipp Reclam jun.. © öbvhpt. Philipp Reclam jun.zum „Talisman“ sind jene Stellen genannt.. Von Jürgen Hein. Stuttgart 1988  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Hg. 5. die von der Zensur gestrichen wurden. von Gunter E. Untersuchen Sie diese Stellen: Welche Gründe könnten dafür ausschlaggebend gewesen sein? Literaturhinweise: Erläuterungen und Dokumente zu Johann Nestroy „Der Talisman“. Hg.

Dabei hat ihn – wie vielen seiner Zeitgenossen – besonders die Frage der Zurechnungsfähigkeit interessiert. Bd. die ihm Material für sein Stück geliefert haben. von Gunter E. Schreiben Sie das Plädoyer des Verteidigers. Stellen Sie dazu keine Spekulationen an. Stuttgart 1988 Erläuterungen und Dokumente zu Georg Büchner „Woyzeck“. Verfassen Sie die Anklage des Staatsanwalts. Edition Text und Kritik (Sonderband). Hg. Das ermöglicht eine produktionsorientierte Beschäftigung mit dem Text. Suhrkamp. Philipp Reclam jun. 5. es ist möglich. Hg.. Stuttgart (= RUB. Philipp Reclam jun.. sondern nehmen Sie nur den Text als Grundlage. das die Frage der Zurechnungsfähigkeit Woyzecks zu klären versucht. von Lothar Bornscheuer.Georg Büchner: Woyzeck ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. S. diese Gerichtsverhandlung findet statt: Schreiben Sie das Gutachten eines Psychiaters. © öbvhpt. München 1979 Georg Büchner III. von Heinz Ludwig Arnold. Hg. von Heinz Ludwig Arnold. Frankfurt am Main 1974  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Stellen Sie sich vor. Hg. dass er noch die Verhaftung Woyzecks und eine große Gerichtsverhandlung geplant hat. München 1981 Deutsche Dichter. In den Fällen. 8117) Hans Mayer: Georg Büchner und seine Zeit. 180) Georg Büchner konnte sein Stück nicht mehr vollenden. Was davon würden Sie für die jeweilige Argumentation verwenden? Literaturhinweise: Georg Büchner I/II. Grimm und Frank Rainer Max. Edition Text und Kritik (Sonderband). war das so. Wien 2007 .

Er sucht ein Leben voll Taten. Daher bittet er seinen Oheim. was dieser widerwillig zugesteht. die Tochter des Königs. verfolgt und kommt dabei zu jener Brücke. nicht ohne ihn zu bitten. wie der König von Samarkand auf einer Brücke von einer Schlange verfolgt wird. Mit diesem Stück feierte Grillparzer einen seiner größten Erfolge auf dem Burgtheater (1834). der Sklave als  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. bei der alles begonnen hat. Nur mühsam findet Rustan wieder in die Wirklichkeit zurück und zieht aus seinem Traum den entscheidenden Schluss: „Eines nur ist Glück hienieden. die Schlange. ein reicher Landmann. sind nicht’ge Schatten. friedliches und tätiges Leben im kleinen Kreis. Unter der glatten Oberfläche verbergen sich Abgründe. ihn ziehen zu lassen.Franz Grillparzer: Der Traum ein Leben INFORMATIONSBLATT Inhalt: Massud. Mit skrupelloser Rücksichtslosigkeit verfolgt er alle seine Gegner. Sie kommen eben zurecht. lebt mit seiner Tochter Mirza ein ruhiges. und als der König die Wahrheit erkennt. Das hängt damit zusammen. Was er nimmt. vergiftet Rustan ihn und nimmt Gülnare. die neugewonnene Freiheit genießend. Eins: des Innern stiller Frieden Und die schuldbefreite Brust! Und die Größe ist gefährlich. einem stillen Wirken im kleinen Kreis. Diese Schlusswendung kann man als typisch für das Biedermeier ansehen: Jedes politische Streben. © öbvhpt. ein Unbekannter tötet sie und verschwindet. Er wird als Mörder des Königs entlarvt. gezähmt wird. Seinem Neffen Rustan. Kampf und Abenteuern. jedes Streben nach Ruhm und Macht wird von Rustan zugunsten einer ruhigen und zurückgezogenen Lebensweise aufgegeben. Der nächste Akt sieht Zanga und Rustan bereits unterwegs. verwandelt sich die Szene – alles erweist sich als Traum Rustans. das er bisher nur notdürftig durch die Jagd ersetzt hat. es ist so viel!“ Rustan gibt den Sklaven Zanga (den Verführer) frei und bittet um Wiederaufnahme und um die Hand Mirzas. dass das. Als der Unbekannte später noch einmal auftaucht und die Wahrheit preisgeben will. Auf Drängen von Zanga gibt sich Rustan dem König gegenüber als Retter aus. die „Idylle“ ist ständig bedroht. in seinem Inneren angelegt ist und erst durch die furchtbare Bedrohung dieses Traums gebändigt. genügt das nicht. dass er die Stimmung der Zeit traf und das Unterhaltungsbedürfnis der Zuschauer: Traumhandlung. Oder kritisch formuliert: Statt politischer Existenz Rückzug in die dörfliche Idylle. Was er gibt. was im Traum Schreckliches geschieht. tötet ihn Rustan im Kampf. Nun beginnt der unaufhaltsame Aufstieg Rustans. Das heißt. Gerade als sich eine Rustan ähnliche Gestalt ins Wasser stürzt. Wien 2007 . Und der Ruhm ein leeres Spiel. So einfach ist das aber nicht. denn Grillparzer zeigt ja. zur Frau. noch bestärkt und angestachelt von dem schwarzen Sklaven Zanga. im Menschen. worauf der ihm reichen Lohn verspricht. noch einmal darüber zu schlafen. sehr rasch aber erfolgt auch sein Fall.

Eine Einführung in das dramatische Werk. Königstein /Taunus 1970  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Wien – München – Zürich 1972 Zdenko Skreb: Grillparzer. Hg. Ferdinand Raimund. neben Johann Nestroy deren wichtigster Autor. wenn er zu diesem Stück meint: „… das habe ich immer wollen und eigentlich ist mein ‚Bauer als Millionär‘ derselbe Gedanke. Frankfurt am Main 1991 (= stm 2078) Heinz Politzer: Grillparzer oder Das abgründige Biedermeier.“ Literaturhinweise: Franz Grillparzer. hat das erkannt. von Helmut Bachmaier. Wien 2007 .Verkörperung der bösen Verführung erinnern an Volks – und Märchenstücke der Vorstadtbühnen. © öbvhpt. Suhrkamp. Molden.

Man kann daher solche Dichtung nicht allein nach der politischen Aussage beurteilen. Vergleiche und Gleichnisse. die Antithese zum Herausarbeiten von einfachen Gegensätzen. menschlichere Zustände herbeizuführen. Ein Problem. die das Problem der Parteilichkeit bei der Bewertung lösen könnte. da sie doch selbst parteilich ist und zur Parteinahme aufruft. Das wirft aber das Problem der Wertung und Bewertung auf. Dazu dienen etwa Anapher und Refrain. Ferdinand Freiligrath (1810–1876). Die wichtigsten Vertreter der politischen Lyrik in Österreich waren: Anastasius Grün (Pseudonym für Anton Alexander Graf Auersperg. Schlagworte und Formeln. wäre die Frage. Nikolaus Lenau (eigentlich Niembsch Edler von Strehlenau. humane. Auch mit nichtunterzeichneten Flugblättern konnte man der Zensur ausweichen. Sie wollen veranschaulichen.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. S. © öbvhpt. 184). August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874). S. um die Texte dann ins Land hereinzuschmuggeln. S. Georg Herwegh (1817–1875). Auf dem Gebiet des Deutschen Bundes: Heinrich Heine (siehe Zugänge. So könnte ein sprachlich durchaus gelungenes Gedicht aus politischen Gründen abgelehnt werden und umgekehrt. Es müssen also beide Kriterien zusammenstimmen. sowohl die ungerechten politischen wie auch die sozialen Verhältnisse bildeten eine ständige Herausforderung. In der Zeit zwischen 1815 und 1848 gab es innere Ereignisse. die Kritik herausforderten: Das waren die politischen Zustände und das soziale Elend (siehe Zugänge. Der wirkte aber eine scharfe Zensur entgegen. 184) Die politische Lyrik kann sich wie die politische Dichtung insgesamt bestätigend (affirmativ) gegenüber den politischen und sozialen Verhältnissen verhalten oder sie kritisieren. Die Bandbreite geht dabei vom Gedicht mit hohem dichterischen Wert bis zum Augenblicksgedicht für eine ganz konkrete politische Situation. Sie wollen Inhalte durch Wiederholung besonders einprägen. 184). Die sprachlichen Mittel dienen dem angestrebten politischen Zweck: Sie wollen etwa komplizierte Sachverhalte und Verhältnisse einfach ausdrücken. 1802–1850) in einigen seiner Gedichte und Karl Isidor Beck (1817–1878). wie der Befreiungskrieg der Griechen und der Aufstand der Polen. 1806–1876).Politische Lyrik in der Zeit des Biedermeier und Vormärz INFORMATIONSBLATT (Siehe Zugänge. das bei politischer Dichtung besonders groß ist. Bilder. Das können etwa Metaphern. Ludwig Pfau (1821–1894) und Georg Weerth (1822–1856). Wien 2007 . Politische Lyrik zwischen 1815 und 1848 hatte ein weites Betätigungsfeld. ob die Kritik letztlich im Sinn hat. Eine übergeordnete Perspektive. sodass Autoren gezwungen waren. entweder anonym zu publizieren oder ein Pseudonym zu verwenden. Alle diese dichterischen Mittel dienen einem außerkünstlerischen Zweck. Aber auch äußere politische Ereignisse. aber auch nicht nur nach den angewendeten sprachlichen Mitteln. Vielfach wichen sie auch ins Ausland aus und ließen dort drucken. Dazu dienen die Personifikation.

Eine Sammlung unterdrückter Lyrik von der Französischen Revolution bis zur Reichsgründung. © öbvhpt.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.Literaturhinweis: Walter Grab/Uwe Friesel: Noch ist Deutschland nicht verloren. Wien 2007 .

wie sie vor der Französischen Revolution bestanden hatten. Die Zahl der großen Meisterwerkstätten und Handwerksbetriebe reduzierte sich. Ein dichtes Netz von Spitzeln sorgte für weitere Kontrolle und Überwachung. der Druck der Zensur erhöht und das geistige Leben scharf geknebelt (Verbot des „Jungen Deutschland“). konnte auf dem gesamten Gebiet des Deutschen Bundes nicht mehr studieren oder unterrichten. Die entscheidenden Forderungen waren eine Verfassung und die Idee einer nationalen Einigung des in in viele Staaten zersplitterten Deutschland. viele früher selbständige Handwerker waren nun gezwungen. Deutschland und Italien. In den großen Städten begann sich allmählich ein Proletariat zu bilden. Wer an einer Universität ausgeschlossen wurde. ein Übertreten der Vorschriften durch Ausschluss verfolgt. Gesellschaft und Kultur Der Versuch der Wiederherstellung der sozialen und politischen Verhältnisse. in den großen Fabriken zu arbeiten.Zusammenfassung: Biedermeier und Vormärz Politik. Die Julirevolution von 1830 leitete in Frankreich und in Belgien die Epoche der bürgerlichen Vorherrschaft in der Form der konstitutionell-parlamentarischen Monarchie ein und belebte durch ihr Beispiel die liberalen und nationalen Gedanken in Mitteleuropa. stieß auf den Widerstand des Bürgertums. Das Kleinbürgertum. da sie im Konkurrenzkampf mit der Industrie nicht mithalten konnten. Reisebeschränkungen und Zensur ökonomisch stagnierte. Hatte die Julirevolution in Frankreich das Großbürgertum. das nicht nur Träger der bürgerlichen Revolution. sondern auch der Industrialisierung (also der industriellen Revolution) wurde. Beides wurde besonders aktiv von den Studenten und deren Vereinigungen. politische und ideologische Isolierung durch Schutzzölle. So wurde etwa die politische Zersplitterung des Deutschen Bundes zumindest auf wirtschaftlichem Gebiet durch die Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 gemindert und damit die Voraussetzungen für kapitalistische Produktion und gleichzeitig für den einheitlichen Nationalstaat geschaffen. die aber von den herrschenden Mächten leicht niedergeschlagen werden konnten. vertreten. Sie und die frei gewordenen Landarbeiter mussten ebenfalls als Lohnarbeiter in die Fabriken gehen. Jahrhunderts waren dementsprechend restaurativ. eine scharfe Zensur eingeführt und jede Kritik auf das strengste verfolgt. im Gegensatz zu Österreich. gerieten in immer größere Schwierigkeiten. Der Druck wurde sogar noch verschärft. auch politisch an die Macht gebracht. Von 1816 bis 1846 stieg die Zahl der Arbeiter auf ungefähr  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Die Bauern kamen durch Zinsenlast und Besteuerung immer mehr unter Druck und überließen daher immer häufiger ihre Höfe Großgrundbesitzern. © öbvhpt. den Burschenschaften. Wien 2007 . Besonders die Universitäten – Studenten und Professoren – wurden scharf kontrolliert. In den Karlsbader Beschlüssen wurden die Burschenschaften verboten. Sie traf daher auch sofort der Zugriff der Reaktion. Immerhin konnte es in Deutschland zumindest seine wirtschaftlichen Interessen weitgehend wahren. konnte sich das Bürgertum in Deutschland und in Österreich noch nicht politisch durchsetzen. Im Deutschen Bund gab es zunächst schwache Aufstandsversuche. das die wirtschaftliche Macht bereits besaß. die kleinen Kaufleute und Handwerker. das durch ökonomische. Die zwanziger Jahre des 19. die Verfolgung der so genannten „Demagogen“ (oppositionelle Intellektuelle) wurde wieder konsequent aufgenommen.

S. Die Abwendung vom Politischen hin zum Ästhetischen mit einer Rückbesinnung auf Klassik und Romantik ist besonders ausgeprägt in der Lyrik von August Graf von Platen (1796–1835) und Eduard Mörike (1804–1875). Steigende Preise bei weitgehend konstanten Löhnen. 173 und S. die sich nach ausländischen Vorbildern (Giovine Italia. Allgemeine Kennzeichen. Vertraten die Autoren des Biedermeier häufig eine konservative (die bestehenden Verhältnisse bewahrende) Weltanschauung. 178). so traten die Autoren des Vormärz für liberale und radikaldemokratische Ideen ein. „Der Verschwender“. Das gilt besonders für Ferdinand Raimund (1790–1836) und seine Märchenkomödien „Der Bauer als Millionär“. Über Stil und Eigenart ist damit noch wenig ausgesagt. Heinrich Heine (siehe Zugänge. in denen gesellschaftliche Werte und Normen sich aufzulösen begannen. sondern konzentrierte sich entsprechend der bürgerlichen Emanzipationsbewegung gegen die Feudalaristokratie auf politische Forderungen wie Mitspracherechte usw. Vieles. S. die dem Vormärz zuzuordnen sind. ). Biedermeier: Ursprünglich war dieser Begriff satirisch-kritisch gemeint. also die Revolution von 1848 vorbereiten halfen. „Freiheit in Krähwinkel“. die den März 1848. „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“. 184). © öbvhpt. Wien 2007 . So bezeichnet man heute als Biedermeier jene Kultur. S. „Der Talisman“. Vormärz: Damit meint man alle jene Strömungen und Autoren. Frauen. Junges  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Allerdings sah das Bürgertum bis auf wenige Ausnahmen diese Situation nicht. „Einen Jux will er sich machen“. Melancholie und Verzicht wurden zu bestimmenden Kennzeichen. Weitaus kritischer und satirischer ist Johann Nestroy (siehe Zugänge. der dann auch auf die Literatur übertragen wurde. Weder für die einen noch für die anderen ergeben sich damit auch schon gemeinsame ästhetische Kennzeichen. Seine wichtigsten Stücke sind: „Lumpazivagabundus“. Zu den Autoren.bis 16-stündiger Arbeitstag. deren Vertreter sich angesichts der bedrückenden politischen Verhältnisse und der sozialen Umbrüche. 12. S. Resignation. 180 ff.600 000. ). 172) zu den wichtigsten Dichterinnen. wenn auch nicht alles in den Werken der angeführten Dichter weist in diese Richtung. Adalbert Stifter (siehe Zugänge. Auf dem Gebiet des Deutschen Bundes zählt Annette von Droste-Hülshoff (siehe Zugänge. S. gehören: Georg Büchner (siehe Zugänge. aus der Öffentlichkeit in ein privates Leben zurückzogen. wichtige Autoren und Werke Für die Zeit zwischen 1815 und 1848 verwendet die Literaturgeschichte die Begriffe Biedermeier und Vormärz. Das Biedermeier hat in Österreich große Bedeutung erlangt. „Der Zerrissene“. Franz Grillparzer (siehe Zugänge. 176 ff.und Kinderarbeit charakterisierten die soziale Lage des Proletariats. als eine Bezeichnung für spießbürgerliche Gemütlichkeit. Zurückgezogenheit. S. Erst die Kunstgeschichte machte daraus einen positiven Begriff. 174). Nach der Julirevolution von 1830 in Frankreich bildete sich auch in Deutschland eine Bewegung junger Schriftsteller.

5. Karl Gutzkow. Philipp Reclam jun. Weinheim 1994 10 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. von Gunter E. Ludwig Börne und Heinrich Laube. Bd. II/2. Bd. Emanzipation der Frauen und Juden und für eine Verfassung und Demokratie einsetzte. Stuttgart 1988 Viktor Zmegac: Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Hg. Auf Beschluß der Bundesversammlung des Deutschen Bundes wurden sie 1835 wegen angeblich staatsgefährdender und antichristlicher Tendenzen verboten. Beltz Athenäum. Sie bildeten keine geschlossene Gruppe.Europa) „Junges Deutschland“ nannte. Literaturhinweise: Deutsche Dichter. Aufl. Grimm und Frank Rainer Max. sich für Meinungsfreiheit. die sich gegen Konventionen und Orthodoxie stellte. Jahrhundert bis zur Gegenwart.. Wien 2007 . 2. Hauptvertreter: Heinrich Heine. aber sie wollten eine realistische Literatur. © öbvhpt.

Suhrkamp Verlag. Jahrhunderts zu – das Dorf.BÜRGERLICHER REALISMUS UND GRÜNDERZEIT Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. 44): Der schwarze Geiger ist das Dingsymbol. Zur Frage des Milieus: Welche Rolle spielt die dörfliche Gemeinschaft in der Handlung? Welche kleinbürgerlich-bäuerlichen Vorstellungen sind erkennbar? Wie prägen sie das Verhalten der Personen? (Beachten Sie dabei besonders die Frage nach dem Zusammenleben von Vrenchen und Sali.. Im Verlauf des Streits kommt es zum finaziellen Ruin. Hälfte des 19. Untersuchen sie das anhand der einzelnen Zusammentreffen.. S. weist diesem Stoff aber auch ein konkretes Milieu des 19. Wien 2007 . aber er wird nach Belieben des Dichters verändert. An welchen Stellen ist von ihm die Rede? Was bedeutet sein Auftreten für den Verlauf der Handlung? Welche Wendung nimmt sie? Literaturhinweise: Erläuterungen und Dokumente zu Gottfried Keller „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Keller setzt darüber hinaus eine Fülle von Motiven ein. Stellen Sie diese Punkte in allen Einzelheiten dar. Jahrhunderts. Der Stoff stammt nach eigener Angabe aus der Wirklichkeit. den er bei den Bauern auslöst? Wo ist von ihm die Rede? Was bedeutet das? Die Form der Novelle (siehe Arbeitsblatt „Michael Kohlhaas“. zur moralischen Verwahrlosung und zum Verlust der familiären und sozialen Bindungen (bis zur Entwurzelung). Stuttgart (= RUB 15205) Adolf Muschg: Gottfried Keller. Frankfurt am Main 1980 (= st 617)  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Hg. von Klaus Dieter Metz. Hg. Immer ist auch von Streit und Zerstörung und Tod die Rede. Philipp Reclam jun. Stuttgart (= RUB 8114) Literaturwissen Gottfried Keller. wie die Beziehung zwischen Vrenchen und Sali belastet ist. © öbvhpt. Gleichzeitig verweist der Titel auf das große Vorbild. S. 202) Gottfried Kellers Novelle gilt als Musterbeispiel für die realistische Erzählweise in der 2. von Jürgen Hein. Philipp Reclam jun.) Der Streit der Bauern: Auslöser ist der verwilderte Acker. Von Beginn an zeigt Keller. William Shakespeares „Romeo und Julia“. Ein Beispiel: Das Motiv des verwilderten Ackers: Welcher Zusammenhang besteht zwischen seinem Zustand und dem Zustand.

So macht er Innstetten um vieles älter als das wirkliche Vorbild. sondern durch die Art. S. seine Reaktion ist daher nicht mehr individuell menschlich. dichtes Geflecht erweist. sodass der Roman nach außen hin locker gefügt erscheint (viele Gespräche).Theodor Fontane: Effi Briest ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. © öbvhpt. Die Briefe lässt er ihn sieben Jahre nach dem Ehebruch finden. was für die damalige Gesellschaft typisch ist. sondern er verschränkt sie mit dem. Untersuchen Sie das an den Begründungen. Das zu erkennen. bei genauerer Betrachtung sich aber als verwobenes. wie er erzählt wird. sondern gesellschaftlich begründet. sollen die folgenden Fragen helfen. Aber nicht durch seine Handlung. in welchem Zusammenhang setzt es Fontane ein? Zu welchem Zweck? Das Motiv des spukenden Chinesen (nach Fontane der „Drehpunkt der ganzen Geschichte“): An welchen Stellen ist davon die Rede? Zu welchem Zweck verwendet Innstetten diesen Spuk? Was ergibt sich daraus? Das Motiv des treuen Hundes: An welchen Stellen tritt es auf? Welche Bedeutung könnte das haben? Eine Anregung zum Schreiben: Effi Briest versucht in einer Tagebucheintragung sich selbst Rechenschaft abzulegen: Was hat sie eigentlich zum Ehebruch gebracht?  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. 206) Dieser Roman gilt als Werk von europäischem Rang. Fontane erzählt nicht bloß eine private Ehetragödie. vor allem in der Ehe? Die Darstellung der Ehe: Was bedeutet die Ehe für Menschen dieser gesellschaftlichen Schichten? Was hat sie für eine Bedeutung nach außen? Wie sind die Beziehungen der Ehepartner (Ehepaar Briest. Dieser wird dadurch zum Vertreter einer veralteten. Ehepaar Innstetten)? Was hat sich Effi von der Ehe erwartet? Wie ist die Realität? Die Rolle der Mutter: Welche Rolle spielt die Mutter im Leben Effis? Die Frage der Schuld: Wer ist in welcher Art und Weise schuld an der Katastrophe Effis? Wie könnte man die Schuld verteilen? Fontane verschränkte die Handlung durch eine Fülle verschiedener Motive. Wien 2007 . Die Frage der (fehlenden) Leidenschaften: Welche Rolle spielen Leidenschaften in den Beziehungen der Menschen. Dazu einige Beispiele: Das Motiv der Schaukel: An welchen Stellen. überholten Gesellschaftsordnung. die beansprucht keine besondere Originalität. die Innstetten seinem Duellwunsch unterlegt.

1 und 2. Metzler.. Aufl. © öbvhpt. Hg. missratene Töchter.Literaturhinweise: Ute Frevert: Ehrenmänner. Hanser. Soziale Romankunst in Deutschland 3. Rowohlt. München 1995 (= dtv 4646) Peter von Matt: Verkommene Söhne. Bd. von Christian Grawe. Deutscher Taschenbuch Verlag. Reinbek bei Hamburg 1994 Hans Heinrich Reuter: Fontane. München 1995 (darin ein Kapitel über die fatale Rolle der Mutter Effis) Zu Theodor Fontane Interpretationen: Fontanes Novellen und Romane. Wien 2007 . Philipp Reclam jun. Das Duell in der bürgerlichen Gesellschaft. Stuttgart (= RUB 8416) Helmut Nürnberger: Theodor Fontane in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Stuttgart 1994  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. München 1968 Zu den Romanen Walter Müller-Seidl: Theodor Fontane.

es muss schon der reichste Mann sein. Josepha ist zur Prostituierten herabgesunken. Das wird ihm wenig später von ihren Eltern bestätigt. er will die Scheidung. die praktisch ihre Tochter verkauft. der im krassem Widerspruch zu seiner tatsächlichen Existenz.Ludwig Anzengruber: Das vierte Gebot INFORMATIONSBLATT Inhalt: Hedwig. in dem Geld dominiert – auch die menschlichen Beziehungen. Dieser wird aber von Martin Schalanter – er ist als Soldat Untergebener des Feldwebels und fühlt sich von ihm schlecht behandelt – in einem Streit aus nichtigem Anlass. weil sie Schulden bei Stolzenthaler haben. die Gesellschaft einfügen kann. Das wird an zwei sozialen Schichten vorgeführt. erschossen. Wien 2007 . was diese bei ihren Kindern anrichten können. aber es bleibt nit aus. darin noch unterstützt durch einen Priester (das vierte Gebot!). Als nach längerer Zeit Hedwig – sie hat Stolzenthaler geheiratet und ein Kind von ihm – ihren ehemaligen Klavierlehrer wiedersieht (er ist inzwischen Feldwebel geworden). der diese schließlich bis zur Prostituierten absinken lässt. wird aber von ihrem Vater unter ausdrücklicher Berufung aus das vierte Gebot gezwungen. dass sich Martin in seine Umgebung.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Schalanter treibt seinen Sohn Martin in den Untergang durch Anerziehung eines unangebrachten Stolzes. seinem Sein steht. der verhindert. Schalanter arbeitet fast nichts und vertrinkt alles. Schon vorher aber ist Hedwig zu Robert Frey geflüchtet. die Tochter des Privatiers und Hausbesitzers Hutterer. Hedwig hat ihr Kind verloren und lebt bei ihren Eltern in einer Art Dämmerzustand in Erwartung eines baldigen Endes. und stürzt damit seine Tochter in die Katastrophe. der Tochter des Drechslermeisters Schalanter. Stolzenthaler bricht mit Hedwig einen Streit vom Zaun. der arme Klavierlehrer kommt natürlich als Ehemann nicht in Frage. ihm die Briefe. So führt er ein ausschweifendes Leben. was der bisher für ein Leben geführt hat.“ Dahinter stehen die materiellen Interessen der Mutter. hat sich in ihren Klavierlehrer Robert Frey verliebt. Seinen Sohn Martin hat er zu einem hochfahrenden Stolz erzogen. weil er sich eine „Belohnung“ verspricht. Die Frau des Drechslermeisters. bis S’ mi im Spital aufsuchen können. der alles Stolzenthaler verrät. © öbvhpt. In diesem Volksstück zeigt Ludwig Anzengruber. Der letzte Akt zeigt die völlige Katastrophe der Kinder: Martin wird verurteilt und hingerichtet. Hutterer zwingt seine Tochter in eine von ihr nicht gewollte Ehe. aus ihm einen wertvollen Menschen zu machen. die er einst an sie geschrieben hat. führt ihre Tochter einen Weg. von der die Eltern leben. Außerdem ist er durch das Aufstacheln seines Sohnes ohne Zweifel mitschuldig am Mord. Dieser führt ein ziemlich ausschweifendes Leben und hat unter anderem auch eine Liaison mit Josepha. Diese Szene wird aber von Schalanter belauscht. da sieht er auch davon ab. wohin unbedingter Gehorsam der Kinder gegenüber ihren Eltern führt. Barbara. offensichtlich ist es ihnen aber auch nicht gelungen. etwas später zu überreichen. über ihr weiteres Schicksal hat sie keine Illusionen mehr: „‘s hat wohl no a Weil’ hin. angestachelt von seinem Vater. Dahinter stehen Standesrücksichten. in dessen Verlauf sie ihm die Wahrheit sagt: Sie ist in diese Ehe gezwungen worden. was seinen Stolz zutiefst verletzt. Von den Eltern des August Stolzenthaler erfährt man nichts. den reichen August Stolzenthaler zu heiraten. im Großbürgertum (Hutterer) und Kleinbürgertum (Schalanter). Deren Mutter sieht diese Beziehung gern und fördert sie sogar. beschließt sie.

Diese Vorwegnahme zeigt sich auch in seiner realistischen (naturalistischen) Darstellung der Menschen und ihrer Milieus. © öbvhpt. Während die Mutter bis zum Schluss uneinsichtig ist: „ Mir hab’n a Unglück mit die Kinder!“. als dass für das Kind etwas überbliebe. in einem stetigen – auch materiell – Abstieg. Stuttgart 1988  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. in dem das Geschehen wie auf einer schiefen Ebene dem Untergang zustrebt. Philipp Reclam jun. Bd. 6. wären da nicht die kleinen Zeichen der Hoffnung. sie verkörpert noch Moral und Aufrichtigkeit. Grimm und Frank Rainer Max. freilich zu späte Einsicht. aber das Unmenschliche wird ständig kritisiert und bloßgestellt. Wien 2007 . zeigt Schalanter eine gewisse Erkenntnis: „Oder sö mit uns!“ Die Generation der Kinder: Ihr Leben wird von den Eltern zerstört. So könnte man von einem äußerst pessimistischen Stück sprechen. Sie sagt schon sehr früh die Wahrheit über die falsche Erziehung ihrer Enkel.. Die Elterngeneration: Die Eltern Hutterer. die späte. „Entgöttern und vermenschlichen! Das sind die neuen Ziele!“ In seinem Stück zeigt er das durch die radikale Sozialkritik: Es gibt wenig Menschliches darin. das die Naturalisten etwa zehn Jahre danach ins Zentrum ihrer Werke gestellt haben – die Vererbung. die Großmutter von Martin und Josepha. von Gunter E. erst am Schluss zeigt er Einsicht. Anzengruber war durch das Studium der Werke des Philosophen Ludwig Feuerbach und des Naturwissenschaftlers Charles Darwin zu einem atheistischen.Vier Generationen stellt Anzengruber dar: Herwig. Worte des Mitleids und der Verzeihung für Martin. ihr bleiben auch die letzten Worte im Stück. wo der Vater seine Tochter in das Unglück zwingt. Nur der Vertreter der Kirche bleibt uneinsichtig: Wenige Minuten vor der Hinrichtung Martins mahnt er diesen noch einmal an das vierte Gebot. diesseitsgerichteten Weltbild gekommen. Die Eltern Schalanter: Moralisch verkommen.“ Mit dem Schicksal des Kindes von Hedwig verweist Anzengruber auch auf ein Thema. Hg. Literaturhinweis: Deutsche Dichter. Hedwig: „Man sagte mir. So lässt er sie in einer wirklichkeitsnahen Sprache sprechen. der Vater habe zu viel gelebt. Die jüngste Generation: Das Kind Hedwigs ist lebensunfähig und stirbt bald.

geschickt darin vom Staat gefördert. Gesellschaft und Kultur Das Ziel des liberalen Bürgertums in der Revolution von 1848. Bankier. Die Energie wurde wieder in diesen Bereichen eingesetzt. diesen Einfluss zu reduzieren. Dementsprechend kam es auch nicht zu einem Ausbau der bürgerlichen Grundrechte und dem Aufbau einer demokratischen Verfassung. Durch die wachsende Schulbildung (etwa 90 Prozent der Bevölkerung konnte lesen) und die Lese. sie konnten nicht davon leben. wie etwa die kapitalistische Wirtschaft. was letztlich zu einer liberalen Verfassung (1867) führte. In Österreich hatte sich nach 1848 ein neoabsolutistisches Herrschaftssystem etabliert. richtete sich die Aktivität des liberalen Bürgertums darauf. konnten die Autoren bessere Verdienstmöglichkeiten erwarten. das erst nach den Niederlagen von Magenta und Solferino 1859 zusammenbrach. dass nicht nur Herrschafts-. Die uns heute als die großen Erzähler des Realismus geltenden Autoren verkauften nur wenig – Gottfried Keller hatte von seinem Roman „ Der grüne Heinrich“ erst nach dreißig Jahren 1000 Exemplare verkauft –. einen Nationalstaat mit Verfassung zu schaffen. Der Begriff Realismus wurde von den führenden Dichtern und Kritikern selbst verwendet und bedeutet allgemein eine Abwendung von der Theorie hin zur Praxis. nach dem Vorbild der amerikanischen. Allgemeines Kennzeichen des literarischen Lebens wurde es. ein Übergewicht der  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. auch nicht nach 1871. Unternehmer) und Bildungsbürgertum arrangierten sich mit den alten Machthabern. der Feudaladel behielt weiterhin die politische Macht. Wien 2007 . Zensur usw. wurden in einem solchen Klima zu Außenseitern oder gar ins Exil gezwungen. die eine große Rolle spielten. in der die bürgerlichen Grundrechte festgeschrieben waren. Diejenigen.und Unterhaltungsbedürfnisse eines breiten Publikums geriet die literarisch hochstehende Literatur an den Rand. die an den fortschrittlichen Ideen von 1848 festhielten. Da in Österreich die Kirche Rechte besaß wie in kaum einem europäischen Land (Kontrolle und Oberaufsicht über Schule und Erziehung. wurde rasch aufgegeben. sondern auch Besitzverhältnisse in Frage gestellt wurden. der schließlich die Monarchie sprengen sollte – der Nationalitätenkonflikt. für den das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt. Nur von der Mitarbeit an Zeitschriften. erfüllte alle wesentlichen bürgerlichen liberalen Forderungen. © öbvhpt. Besitzbürgertum (Kaufmann. ihre Verfassung. als erste Anzeichen einer sozialen Revolution des Proletariats deutlich machten. wuchs die Entfremdung zwischen Autor und Leser.). Das breite Publikum las Trivialliteratur von Friedrich Gerstäcker (ein Vorfahre von Karl May) oder die Frauenromane von Eugenie Marlitt oder Nataly von Eschstruth. Überhaupt gerieten die liberalen Ideen unter dem Einfluss des überragenden Machtpolitikers Otto von Bismarck mit seinem Werk der nationalen Einigung von Preußen aus zugunsten der nationalen Idee in den Hintergrund.Zusammenfassung: Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit Politik. Dadurch wurde aber die Lösung eines anderen Konflikts vernachlässigt. dass sich die Schriftsteller immer mehr den Zwängen des literarischen Marktes unterwerfen mussten. das heißt. Nur die Schweiz stellte damals eine wirkliche Demokratie dar. das Bürgertum die wirtschaftliche und den geistigen Bildungsanspruch. und die bezogen sie aus den zahlreichen Leihbibliotheken.

Naturwissenschaften gegenüber Philosophie und Dichtung und damit verbunden eine realistische Weltanschauung, eine Betonung des Diesseits und ein psychologisches Interesse am Menschen.
Zwei Philosophen waren besonders prägend: Ludwig Feuerbach, der Gott und die Religion als
eine Projektion der menschlichen Einbildungskraft erkannte, und Arthur Schopenhauer, der
Politik, Geschichte und Zivilisation sehr kritisch sah, ablehnte und verachtete. Ihm und seiner
pessimistischen Resignation wandten sich alle jene zu, die von Staat und Gesellschaft enttäuscht waren.
In der Literatur bedeutet Realismus den Versuch, die Wirklichkeit zwar möglichst objektiv
darzustellen, aber unter subjektiver Deutung des Autors. Anders formuliert: Das Werk musste
so gestaltet sein, dass dessen Inhalt wahr oder wahrscheinlich sein konnte, sodass der Leser es
als wahr oder wahrscheinlich ansehen konnte. Trotzdem wurde nicht eine bloße Abbildung der
Wirklichkeit angestrebt, vorrangig war immer eine dichterische Gestaltung.
Kennzeichen des deutschen Realismus (im Unterschied zum französischen und russischen, siehe dazu Zugänge, S. 190 und 192) ist die Tendenz, die Wirklichkeit zu verklären. Ein wichtiges
Mittel dazu ist der versöhnende Humor, nicht die bissige, ätzende Ironie.
Diesem Realismus entspricht auch die Vorherrschaft der Prosa: Erzählung, Novelle und Romane gehören zu den bevorzugten Gattungen. Drama und Lyrik treten etwas zurück.
Die wichtigsten Autoren und Werke
In Deutschland:
Theodor Storm (1817–1888): Er schrieb besonders Novellen, darunter die lyrische Novelle
„Immensee“, seine letzte war „Der Schimmelreiter“.
Wilhelm Raabe (1831–1910): Er ist Schöpfer zahlreicher Romane, darunter „Die Chronik der
Sperlingsgasse“, „Der Hungerpastor“, „Abu Telfan“, „Der Schüdderump“. Von seinem Spätwerk ist besonders seine Erzählung „Stopfkuchen“ eine „See- und Mordgeschichte“ erwähnenswert.
Theodor Fontane (1819–1898): In seinen Romanen stellt er häufig die Probleme und Konflikte
jener dar, die aus einer überkommenen, überalterten Gesellschaft ausbrechen wollen: „Grete
Minde“, „Frau Jenny Treibel“, „Effi Briest“ (siehe Zugänge, S. 206), „Schach von Wuthenow“,
„Der Stechlin“.
In Österreich:
Marie von Ebner-Eschenbach (siehe Zugänge, S. 204)
Peter Rosegger (1843–1918): „Die Schriften des Waldschulmeisters“, „Jakob der Letzte“, „Der
Waldbauernbub“.
Ludwig Anzengruber (1839–1889): „Der Schandfleck“, „Der Sternsteinhof“.
Ferdinand von Saar (1833–1906): Er schrieb vor allem Novellen, darunter „Die Steinklopfer“.
In der Schweiz:
Gottfried Keller (siehe Zugänge, S. 202).
Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898): Er schrieb die Novellen „Der Heilige“, „Gustav Adolfs
Page“, „Die Hochzeit des Mönchs“ und den historischen Roman „Jürg Jenatsch“.



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Drama
Der bedeutendste Vertreter ist Friedrich Hebbel (1813–1863), allerdings wird sein Werk heute
eher selten aufgeführt. „Maria Magdalena“ (ein spätes Beispiel der Gattung Bürgerliches Trauerspiel), „Herodes und Mariamne“, „Gyges und sein Ring“, „Die Nibelungen“.
Als Dramatiker könnte man auch noch Richard Wagner – er schrieb die Texte aller seiner Bühnenwerke selbst – erwähnen.
Aus österreichischer Sicht ist vor allem Ludwig Anzengruber wichtig (siehe Informationsblatt
„Das vierte Gebot“, S. 63).
Lyrik
Diese Gattung spielt keine so große Rolle. Nur Conrad Ferdinand Meyer und Theodor Storm
schufen lyrische Gedichte. Sonst überwiegt auch hier das Erzählerische, das erzählende Gedicht, die Ballade.
Conrad Ferdinand Meyer, Theodor Storm und Theodor Fontane sind hier zu nennen.
Literaturhinweise:
Peter U. Hohendahl: Literarische Kultur im Zeitalter des Liberalismus. H. C. Beck, München
1985
W. Kohlschmidt: Geschichte der deutschen Literatur vom jungen Deutschland bis zum Naturalismus. 1982
Fritz Martini: Deutsche Literatur im bürgerlichen Realismus 1848–1898. 4. Aufl. Metzler,
Stuttgart 1981



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NATURALISMUS UND MODERNE DER
JAHRHUNDERTWENDE
Gerhart Hauptmann:
Die Weber

ARBEITSBLATT

(Siehe Zugänge, S. 212)
Gerhart Hauptmanns Stück gilt als Musterbeispiel für ein naturalistisches Drama. Für die naturalistischen Dichter gelten die Menschen als Produkt ihres Milieus und ihrer Lebensbedingungen.
Milieu und Vererbung: An welchen Stellen wird das deutlich? Womit könnte man das belegen?
Die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der sozialen Verhältnisse: Wie zeigt Hauptmann die Ausbeutung der Weber? Wie wird sie von den Fabrikanten und deren Angestellten betrieben?
Woran wird die Armut der Weber deutlich? Sammeln Sie besonders markante Beispiele. Woran
wird der Reichtum der Fabrikanten deutlich? Suchen Sie auch dafür markante Beispiele.
Fassen Sie jetzt zusammen, woran die wirklichkeitsgetreue Darstellung der Verhältnisse erkannt werden kann. (Berücksichtigen Sie auch die Merkmale des Dramas selbst: Fehlender
Held, Regieanweisungen, genaue Anweisungen für das Bühnenbild.)
Zur Deutung:
Wie ist das Ende, der Tod des alten Hilse, zu verstehen? Suchen Sie Beweise für die Deutung
als Revolutionsstück, als Antirevolutionsstück, als sozialistisches Tendenzstück, als Mitleidsdrama.
Zum Stoff:
Heinrich Heine hat dasselbe Ereignis, den Weberaufstand von 1844, in einem großen politischen Gedicht dargestellt (siehe Zugänge, S. 184). Was interessiert Heine an dem Ereignis?
Was arbeitet er heraus? Worauf kommt es ihm an?
Literaturhinweise:
Roy C. Cowen: Hauptmann – Kommentar zum dramatischen Werk. München 1980
Eberhard Hilscher: Gerhart Hauptmann. Aufbau, Berlin 1996
P. Sprengel: Gerhart Hauptmann. Epoche – Werk – Wirkung. München 1984



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Seine Zeit. Produktionsorientiertes Vorgehen: Zum Erkennen der Technik „Innerer Monolog“. Wien 2007 . wie äußert sie sich? Wo zeigt sich seine stets bereite Aggression? Wo zeigt sich sein Antisemitismus? Wie erscheint er? Sammeln Sie für die Behauptung. Rowohlt. Hg. Wien – München 1981  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Zur Frage des Duells: Wie sieht Leutnant Gustl selbst das Duell und seine Verpflichtung dazu? Vergleichen Sie damit die Position Baron Innstettens in „Effi Briest“ (siehe Zugänge. S. Stuttgart 1987 H. Scheible: Arthur Schnitzler in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Metzler. S. © öbvhpt. Welche Erfahrungen machen Sie dabei? Literaturhinweise: Michaela L. Schreiben Sie die Stelle aus dem „Leutnant Gustl“ (Zugänge.Arthur Schnitzler: Leutnant Gustl ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. die entscheidenden Stellen. Sein Werk. 208). S. 216) in die Er-Perspektive um. dass Leutnant Gustl von außen geleitet. Eine Biographie. Perlmann: Arthur Schnitzler. von Heinrich Schnitzler. 216) Zur Frage des Ehrenkodex: Worin besteht er? Was macht ihn aus? Wozu verpflichtet er einen Offizier? Wie ist dazu das Verhalten Leutnant Gustls? Wodurch ist die tatsächliche Existenz der Offiziere gekennzeichnet? Welches Leben führen sie? Wie verhält sich dieses Leben zu ihrem Ehrenkodex? Zur Persönlichkeit des Leutnant Gustl: Welches Persönlichkeitsbild kann man von Leutnant Gustl zeichnen? Was sind seine typischen Charaktereigenschaften? Wie ist seine Einstellung zu Frauen. Frankfurt am Main 1981 Renate Wagner: Arthur Schnitzler. vom Urteil anderer abhängig ist. Reinbek bei Hamburg 1976 Arthur Schnitzler: Sein Leben.

dörfliche Welt. Sie spiegelt somit Thiels inneren Zustand wider und verweist sowohl auf den Tod des Tobias als auch auf den zukünftigen Mord an Lene und ihrem Kind. In seinem Bahnwärterhäuschen hat er für seine erste Frau eine Art Andachtsstätte errichtet. welchen Mächten Thiel ausgeliefert ist.. als sie selbst ein Kind bekommt. die ihn schlägt –. und er muss befürchten. Das ist einerseits eine direkte Auswirkung seines schlechten Gewissens – er hat seinen Sohn Tobias nicht vor seiner zweiten Frau geschützt. „als hielte ihn eine eiserne Faust im Nacken gepackt“. dass die Geleise die Arbeitswelt Thiels begrenzen und die Grenzen seiner Welt andeuten. Eine wichtige Rolle spielt auch ein Traum Thiels: Er träumt nämlich. der schon vorher Anzeichen von Verstörung gezeigt hat. gleich einem feinen Spinnengewebe und doch fest wie ein Netz aus Eisen“. zeigt Hauptmann an Details: Die enge. Als die Katastrophe über Thiel hereingebrochen ist. besonders Tobias hat unter ihr zu leiden. als sie einen Acker neben den Gleisen. Die Nachricht von dessen Tod lässt Thiel. sieht er sich bald gezwungen. Wien 2007 . den der Bahnmeister Thiel überlassen hat. Nicht nur. nämlich ganz unten in der Hierarchie. Aber auch hier droht Lene einzudringen. nach dem Tod von Tobias. der vom Zug erfasst wird. das zweite Mal. der Thiel nicht widerstehen kann. „. Verwesung und Kälte. Er ermordet Lene und ihr Kind und wird in ein Irrenhaus eingeliefert. sich ausreichend um den kleinen Tobias zu kümmern. Mit einer Verbindung von Metaphern zeigt Hauptmann. dass seine erste Frau mit einem blutigen Bündel im Arm von ihm weggeht. beschränkte Welt begrenzt auch das Denken Thiels. zu sehr wird er von Lene auch sexuell beherrscht. Thiel ist nicht imstande. erscheint die Natur gekennzeichnet von Tod. Der Begriff Studie erinnert an wissenschaftlich exakte Arbeit. Dabei achtet sie zuwenig auf Tobias. die Position Thiels darin. Hauptmann nennt seine Erzählung eine „novellistische Studie“. © öbvhpt. dem Wahnsinn verfallen. Tobias zu schützen. Mehr ist offenbar nicht denkbar. und tatsächlich handelt es sich um eine genaue Darstellung des Milieus – eine Milieustudie: Die einfache.Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel INFORMATIONSBLATT Inhalt: Nachdem der Bahnwärter Thiel seine Frau Minna bei der Geburt eines Sohnes verloren hat. und die Ereignislosigkeit des ewig gleichen Ablaufs werden scharf gezeichnet. eisernen Netzmasche“. dem unmittelbaren Vorgesetzten Thiels. Dieser bewussten dichterischen Gestaltung entspricht auch die Schilderung der Natur. die Arbeitswelt. ist es ihm. Die Telegraphendrähte neben den Geleisen „glichen in ihrer Gesamtheit einer ungeheuren. wieder zu heiraten. da ihm seine Arbeit keine Möglichkeit lässt. legt sich die Kraft Lenes um ihn. sie symbolisieren die Macht der Arbeit über Thiel. dass diese auch in seine  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Die Bezeichnung „novellistisch“ erinnert an die Novelle: Tatsächlich weist die Erzählung Leitmotive und Dingsymbole auf. fast alles Wichtige passiert an ihnen. ihre erotische Anziehung. die ihm selbst zur Zuflucht dient. bearbeiten will. Seine zweite Frau Lene erweist sich bald als herrisch. Wie dieses Milieu die Menschen beeinflusst und prägt (der Naturalismus sagt: bestimmt). was sich noch verstärkt. seine Zukunftswünsche für seinen Sohn Tobias reichen nur bis zum Bahnmeister. Zweimal wird ein Sonnenuntergang im Forst geschildert.. als Tobias vom Zug überfahren worden ist.

aber die bewusste dichterische Gestaltung seiner Erzählung macht daraus weit mehr als nur ein Abbild der Wirklichkeit. vernachlässigt fast seine Pflicht. Wien 2007 . in seinem Milieu gefangen und ihm ausgeliefert. Andererseits ist es aber auch eine Vorausdeutung auf das schreckliche Ende. Unübersehbar sind die Anzeichen der psychischen Verstörung Thiels: Der bisher wie ein kleines Rad der großen Maschine Bahn funktionierende Bahnwärter vergisst etwas. Auch das Handlungsgefälle weist auf die bewusste dichterische Gestaltung: In wenigen Sätzen stellt Hauptmann zehn Jahre im ereignislosen Leben Thiels dar. kann nur noch schwer Traum und Wirklichkeit unterscheiden und bricht schließlich völlig zusammen. © öbvhpt. das eigentliche Geschehen konzentriert sich dann auf wenige Tage.Gedenkstätte für Minna eindringt. So beschreibt zwar Hauptmann ganz im Sinne des Naturalismus einen Menschen ganz unten.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.

dass sie vom jungen Mädel zum alten Fräulein geworden  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. der die ganze Meisterschaft Schnitzlers im Andeuten und doch Verschweigen deutlich macht: Weiring und Katharina vertreten gegensätzliche Meinungen. Wien 2007 . Fritz wird im Duell getötet. bei ihr wird aus Spiel tödlicher Ernst. Um ihn aus dieser Beziehung herauszulösen. Dass sich Christine aus ihrer bedingungslosen Liebe heraus dem widerstandslos fügt. aber sich mit „Leb wohl!“ nicht mit „Auf Wiedersehen!“ verabschiedet. nur der Genuss des Augenblicks ist das Ziel. hat ihn sein Freund Theodor mit Christine. dieses Spiel ohne allzu große seelische Verluste mitspielen. beide haben unterschiedliche Gründe dafür. (Die Beziehung zur verheirateten Frau endet in einem tödlichen Duell. Katharina. Das sind für ihn vor allem die jungen Mädchen aus dem Kleinbürgertum. In ihrer Beziehung bestimmt Fritz vollkommen die Spielregeln: Wann man sich sieht und wann nicht. stellt sie und ihre Liebe radikal in Frage. Mitten in ein Souper zu viert – Fritz und Christine. die Frau eines Strumpfwirkers versucht Christine für den Cousin ihres Mannes zu interessieren. große Liebe. „Was bin denn ich ihm gewesen?“ Sie stürzt hinaus. was er ihr von sich erzählt und was nicht. Für Fritz ist sie nicht viel mehr als eine Abwechslung. bekannt gemacht. Christine soll davon nichts erfahren und wird mit Mizi nach Hause geschickt. Ihr Vater hat diese Beziehung geduldet. dass er für eine andere Frau gestorben ist. weil er bei seiner Schwester Vaterstelle vertreten und sie so beschützt hat. ist ihr Fehler. so gut es geht. Christine erfährt erst nach seiner Beerdigung davon und muss noch dazu zur Kenntnis nehmen. Diese Erkenntnis will sie nicht überleben. diese weist sie ab sowie auch später der Vater. „Ist denn so ein blühendes Geschöpf wirklich zu nichts anderem da als für so einen anständigen Menschen. der zufällig eine fixe Anstellung hat?“ Diese Meinung vertritt Weiring gegenüber Katharina in einem Dialog. was sie Fritz war oder vielmehr nicht war. Ihr späteres Leben. Im Stück wird diese Rolle von Mizi eingenommen: Ihre Jugend will sie. Theodor und Mizi – platzt der betrogene Ehemann: Er hat alles herausgefunden und fordert Fritz zum Duell. kommt Fritz überraschend in Christines Zimmer – eine letzte Begegnung der beiden. und dass sie am Ende erkennen muss. die an die jungen Herren keine großen Ansprüche stellen können – die „süßen Mädel“. Nicht so Christine. © öbvhpt. Fritz ist ihre einzige. zu seinem Grab. für sie ist das kein Spiel. Die jungen Männer in diesem Stück führen ein materiell völlig unbeschwertes Leben. wie nah er sie an sich herankommen lässt oder nicht. andererseits für das Leben selbst. nur ein Rendezvous wird noch vereinbart. Jede tiefere Bindung bedeutet da eine Gefahr – einerseits für diese Lebensweise.Arthur Schnitzler: Liebelei INFORMATIONSBLATT Inhalt: Der junge Lebemann Fritz hat eine leidenschaftliche Beziehung zu einer verheirateten Frau. alleinige Liebe. sie haben angenehm zu sein. verheiratet mit einem Kleinbürger möglicherweise. Da sich Christine und Fritz beim letzten Rendezvous verpasst haben. dass sie sich etwas antun will.) Nach Theodor sind die Frauen nur zum Erholen da. genießen. der Tochter des Musikers Weiring. der Vater befürchtet zu Recht. wird noch hart genug sein. bei dem nichts wirklich ernst genommen wird. für Christine ist es die einzige. dass sie ihr junges Leben genießen soll.Weiring will seiner Tochter das bißchen Glück nicht verwehren. weil auch er will. bei der Fritz mehr empfindet als nur Abwechslung.

die Personen sind nicht in ein auswegloses Schicksal verstrickt. Jetzt möchte er sie um Verzeihung bitten. Sie hätten auch ganz anders handeln können.ist. Und vor allem: Ist ihre Liebe überhaupt den Tod wert?  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Obwohl in den Dialogen der leichte Ton überwiegt. ist die Gefahr eines Duells von Anfang an da. Aber es ist keine Tragödie. „dass er sie vor allen Gefahren behütet hat – und vor allem Glück!“ Katharina will Christine für den Cousin ihres Mannes gewinnen. Vielleicht spricht aus ihr die Erfahrung. © öbvhpt. Sie war selbst einmal ein „süßes Mädel“. durchzieht das ganze Stück ein melancholischer Grundzug. Wien 2007 . ist das tragische Ende nicht unerwartet. vielleicht aber auch der Neid.

Gesellschaft und Kultur Mit dem Naturalismus beginnt jene Phase der literarischen Entwicklung. in der wenige Reiche sehr vielen Armen gegenüberstanden. sich als Weltmacht zu etablieren. in Österreich-Ungarn ist er nicht so ausgeprägt. Von Charles Darwin vor allem die Idee der Vererbung und der Selektion. wichtige Autoren und Werke Gegen eine Kunst des schönen Scheins setzte der Naturalismus seine „Wahrheitskunst“. Die Umwandlung des Agrarstaats in einen Industriestaat zeigte sich besonders krass in der Entwicklung der Städte: Lebten 1871 erst 36 Prozent der Gesamtbevölkerung in Städten. Einige seiner Werke wurden sogar hier uraufgeführt. Von Hippolyte Taine und seiner Lehre. mit der deutschen Literatur eng verbunden. vorherrschende Themen. wurde das geistige Leben ganz im Sinne eines Obrigkeitsstaates kontrolliert. Der Naturalismus berief sich auf die moderne Naturwissenschaft.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Diese Milieus hat er zunächst mit fast wissenschaftlichem Anspruch studiert. dass er viele Jahre in Deutschland gelebt hat.Zusammenfassung: Naturalismus Politik. Das deutsche Kaiserreich versuchte in dieser Zeit wirtschaftlich zu den Konkurrenten England und Frankreich aufzuschließen. Allgemeine Kennzeichen. außenpolitisch unter dem „persönlichen Regiment“ Wilhelms II. Emile Zola (1840–1902): In einem Zyklus von zwanzig Romanen stellte er die verschiedensten Miglieder der Familie Rougon-Macquart im zweiten Kaiserreich Frankreichs dar. Henrik Ibsen (1828–1906): Er ist allein schon durch die Tatsache. Berlin wurde zu einer Millionenstadt. © öbvhpt. Große künstlerische Vorbilder waren Emile Zola und Henrik Ibsen. Wien 2007 . Obwohl es eine von der Verfassung garantierte Meinungsfreiheit gab. wie sich bestimmte Erbanlagen unter verschiedenen Milieubedingungen auswirken. auch mit Zensur. übernahm er vor allem die Bestimmung durch das Milieu. Im Inneren setzte sich die Arbeiterbewegung verstärkt zur Wehr und konnte gegen Verelendung und schlechte Arbeitsbedingungen erste Sozialgesetze erzwingen. der das Milieu der Kohlearbeiter darstellt. Von seinen großen Werken wurde für die Naturalisten vor allem bedeutsam: „Die Stützen der Gesellschaft“ (eine schonungslose Kritik der bürgerlichen Gesellschaft). Die offiziell geförderte oder geduldete Kunst war daher harmlos und schönfärberisch. hier dominieren andere Stilrichtungen. die auf vertiefter Naturbeobachtung und differenzierter Psychologie beruhte und Obrigkeitsstaat. Das ist im deutschen Kaiserreich von der Mitte der achtziger Jahre bis in die neunziger Jahre der Naturalismus. sondern nur noch von einer mehr oder weniger dominierenden neben anderen. Davon betroffen waren besonders die Theater. Militarismus. Er wollte damit zeigen. in der man nicht mehr von einer die Epoche bestimmenden Stilrichtung sprechen kann. dass Rasse. Klerikalismus und Antisemitismus kritisierte. waren es 1910 bereits 60 Prozent. Unter diesen zwanzig Romanen befindet sich etwa der Roman „Germinal“. Milieu und Epoche den Menschen präformieren und determinieren.

Das Wilhelminische Kaiserreich mit seiner Klassengesellschaft.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Dagegen setzten sich die Naturalisten zur Wehr. Stilpluralismus um 1900 Neben dem Naturalismus gab es in diesem Zeitraum verschiedenste Kunstauffassungen. wie sie sich das vorstellten. besonders nicht der Arbeiter. Er fasste seine Gedichte in Zyklen zusammen.und gegeneinander wirkten. kein Thema sollte tabu sein. Belehrung. S. Ein Puppenheim“ (siehe Zugänge. nichts von vornherein ausgeschlossen. Dabei postulierten sie die Gleichheit und Gleichbehandlung von Menschen aller Stände in der Kunst. Polemik und politisches Engagement als kunstfremd ablehnt. Der Hauptvertreter ist Gerhart Hauptmann (siehe Zugänge. wo sie sich in der Folge auch durchsetzten. sollten diese Faktoren soweit reduziert werden. Man meint damit solche Begriffe wie Impressionismus. Im Drama liegt die entscheidende Leistung des Naturalismus. 196). gab sie exklusiv im Privatdruck in ganz kleinen Auflagen heraus und verwendete dazu auch eine eigene Schrift. Besonders konsequent gegen den Naturalismus richtete sich der Symbolismus. Das musste natürlich Theorie bleiben. allen voran Charles Baudelaire (siehe Zugänge. indem sie Theatervereine. Klassenmoral und Klassenjustiz wollte das nicht dulden. Sein Werk wird bis zum heutigen Tag auf den Bühnen gespielt. die oft sehr kurzlebig neben. 76). „Teppich des Lebens“. S. 212). Die großen Vorbilder dafür stammten aus Frankreich. In dieser Erzählung versuchten die beiden einen konsequenten Naturalismus zu verwirklichen. Wobei sie unter x Faktoren verstanden wie Kunstmittel und ihre subjektive Handhabung. „wieder Natur zu sein“. ehe die stilbildenden Dichtungen folgten.„Gespenster“ (behandelt das Problem der Lebenslüge und der Vererbung) und „Nora. Der Naturalismus in Deutschland setzte zuerst mit Programmen ein. und Arno Holz/Johannes Schlaf: „Papa Hamlet“. aber in ihrer Erzählung haben sie gezeigt. Auf dem Gebiet der Epik sei besonders auf zwei Bespiele hingewiesen: Gerhart Hauptmann: „Bahnwärter Thiel“ (siehe Informationsblatt. „Algabal“. Ihr wichtigster Vertreter in Deutschland war Stefan George (1868–1933). Diese Zyklen tragen Namen wie „Hymnen“. Wien 2007 . die private Veranstaltungen für Vereinsmitglieder organisierten und somit dem Zugriff der staatlichen Behörden entzogen waren. Unter diesen Verfolgungen hatten besonders die Theater zu leiden. 70). Auch das Hässliche musste seinen Platz in der Kunst bekommen. Décadence. Zensur und Literatenprozesse waren die Folge. weshalb man auch vom Stilpluralismus um 1900 spricht. so genannte Freie Bühnen gründeten. © öbvhpt. Da es die Tendenz der Kunst sei. 198). der diese Strömung in Frankreich kennengelernt hatte und selbst Baudelaire übersetzte. aber sie ist aus heutiger Sicht unbedeutend. Diese theoretischen Äußerungen erfolgten in den Zeitschriften „Kritische Waffengänge“ der Brüder Heinrich und Julius Hart und „Die Gesellschaft“ von Georg Conrad. Sie prägten die Formel: Kunst = Natur – x. S. Die dafür engagierten Schauspieler brachten die neue naturalistische Darstellungspraxis (naturalistisches Spiel in einem naturalistischen Bühnenbild) auch an die anderen Bühnen. Fin de siècle (siehe zu diesen den Abschnitt „Wiener Moderne“. Er verlangte wieder eine reine Kunst (poésie pure). S. S. bis es im Idealfall zur Identität von Kunst und Natur käme. Die Lyrik spielte zwar in der naturalistischen Dichtung eine Rolle und stand in hohem Ansehen. die gegen jede Nachahmung der Natur ist und die solche Zwecke der Kunst wie Beschreibung.

die Tragödie einer Frau). © öbvhpt. gehen aber weit über eine bloße Abbildung von Realität hinaus und weisen eher auf den Expressionismus voraus: „Frühlings Erwachen“ (ein Drama über die erwachende Sexualität von Jugendlichen in einer prüden Erwachsenenwelt). Wien 2007 . eine entscheidende Rolle. Auch der Roman dieser Zeit lässt sich nur schwer in die verschiedenen Strömungen einordnen. Seine Stücke bedienen sich zwar naturalistischer Beschreibungstechniken. Er entwarf in seinen Heimatromanen Gegenbilder zu Stadt und Zivilisation in einer idealisierten Natur. S. der mit seinen Abenteuerromanen seine Leser ebenfalls in eine idealisierte Wunschwelt entführte. Bedeutende Vertreter sind: Thomas Mann (siehe Zugänge.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Heinrich Mann (1871–1950): In seinen Romanen „Professor Unrat“ und „Der Untertan“ übte er scharfe Kritik am Wilhelminischen Deutschland. Ähnlich erfolgreich war auch Karl May (1842–1912). „Die Büchse der Pandora“ (zusammengefasst als „Lulu“. Ein wichtiger Vertreter war Ludwig Ganghofer (1855–1920). Auf dem Gebiet der massenhaft gelesenen Literatur ist vor allem die Heimatliteratur zu nennen. 222). nämlich des Kabaretts.Einen Sonderfall aus dem Gebiet des Theaters bildet Frank Wedekind (1864–1918). Dafür schrieb er seine „Lautenlieder“ (das berühmteste: „Tantenmörder“). „Der Erdgeist“. Wedekind spielt auch in der Herausbildung einer neuen Gattung.

im Ausland. Gesellschaft und Kultur Das Habsburgerreich sah sich um die Jahrhundertwende wachsenden Spannungen und Krisen ausgesetzt. die industrielle Entwicklung setzte nur in einigen Gebieten verstärkt ein. vor allem im deutschen Kaiserreich. Übersetzt bedeutet er Eindruckskunst.Zusammenfassung: Die Wiener Moderne Politik. Fin de siécle: Das heißt Ende des Jahrhunderts und meint das Ende einer Zeit. Die Monarchie selbst war noch in überwiegendem Maße ein Agrarland. Malerei und Kunsthandwerk. das Künstliche wird zum eigentlich Wesentlichen. Wien 2007 . vorherrschende Themen. wichtige Autoren und Werke „Wiener Moderne“ ist ein Sammelbegriff für verschiedene literarische und künstlerische Strömungen. man spricht davon besonders in der Malerei. vielfach wird auch mit diesen Gefühlen und Stimmungen nur gespielt. „Stimmung“ wird zum alles beherrschenden Kennzeichen. in der Musik und in der Literatur: Dort bezeichnet man damit eine stark verfeinerte Empfindungsfähigkeit (Sensibilität). gesteigerte Wahrnehmungs. Jugendstil: Das ist eher eine Bezeichnung für Architektur. Die wachsenden Spannungen legten sogar die Regierung lahm. später das Café Central. damit einhergehend die bewusste Entfernung vom Natürlichen. von größter Bedeutung für das künstlerische und literarische Leben: zuerst das Café Griensteidl. Beherrschendes Zentrum war Wien. Der wichtigste Anreger im damaligen Wien war Hermann Bahr (1863–1934). zu veröffentlichen. Kennzeichen einer solchen Stimmung sind Lebensüberdruß und Todessehnsucht. Die meisten literarischen Strömungen und Moden wurden von ihm propagiert. das damals zur modernen Großstadt heranwuchs und in sich die verschiedenen Anregungen und Talente des Vielvölkerstaates aufsaugte.und Reizempfindlichkeit. Damit hängt auch die Vorliebe für kurze Texte. Geistiges Zentrum war das Café. um sie bald wieder für die nächste einzutauschen. Allgemeine Kennzeichen. selbst Regierungsmitglieder sprachen vom „Fortwursteln“. Prosaskizzen. 10 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Der beherrschende Konflikt des Vielvölkerstaats war der Nationalitätenkonflikt. Kompromisse und Notlösungen waren die Folge. da die österreichischen Verlage nicht diese Bedeutung und Reichweite und teilweise auch nicht das Interesse hatten. © öbvhpt. der heute am häufigsten verwendet wird. Dabei hatte die Literatur schlechte Produktionsbedingungen: Viele Autoren waren gezwungen. Das geistige Leben erreichte einen großartigen Höhepunkt. von denen hier nur kurz einige erklärt werden sollen: Décadence: Darunter versteht man eine Verfeinerung des Geschmacks. Gedichte und Einakter zusammen. Impressionismus: Das ist der Begriff. Nicht immer ist das „todernst“ gemeint.

Die wichtigsten Vertreter sind: Arthur Schnitzler (1862–1931. Glossen. „Jedermann“. Lyrik Hugo von Hofmannsthal war vor allem in seiner Jugend unter dem Pseudonym Loris der Verfasser von form. Bd. und Informationsblatt „Liebelei“. Rainer Maria Rilke (1875–1926) gilt als der überragende Lyriker seiner Zeit (siehe Zugänge. Literaturhinweise: J. Beltz Athenäum Verlag.Die Dominanz des Theaters in dieser Zeit hängt mit der Theaterleidenschaft Wiens zusammen. II/1 und II/2. die von 1911 bis 1936 fast ausschließlich mit seinen eigenen Texten erschien (siehe auch Zugänge. Als bedeutendster Kritiker und besonders Sprachkritiker gilt Karl Kraus (1874–1936). Sein bekanntestes Spätwerk ist die Komödie „Der Schwierige“. Skizzen und Essays zu nennen. Fischer: Fin de Siècle. M. S. S. der Meister der kleinen Prosa. 4. 234). S. Stuttgart 1980 Viktor Zmegac: Geschichte der deutschen Literatur vom 18. 11 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. S. siehe auch Zugänge. Aufl. 216. „Elektra“. Er gründete 1899 die Zeitschrift „Die Fackel“. „Arabella“. S. 1978 Dominik Jost: Literarischer Jugendstil. S. Epik Neben Arthur Schnitzler (siehe Zugänge. „Der Tod des Tizian“. 2. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Richard Strauss entstanden die Librettos für die Opern „Elektra“. Weinheim 1995 f. © öbvhpt. „Der Rosenkavalier“. Aufl. 220). Wien 2007 . 219). 72) Hugo von Hofmannsthal (1874–1929): „Der Tor und der Tod“. 216) sind vor allem Peter Altenberg (1859–1919) mit seinen Prosaskizzen und Alfred Polgar (1873–1955). Metzler.und sprachvollendeten Gedichten (siehe Zugänge.

bieten sich noch folgende neue an: Der einzelne und die Gesellschaft: Werther. Woyzeck. Solidarität und Mitgefühl: Parzival. Die Weber. Nora. Kohlhaas. Die letzten Tage der Menschheit. Unzeitgemäßes: Don Quijote. Simplicissimus. Widerstand: Kohlhaas. Woyzeck. die weitergeführt werden können. Mögliche Leitbegriffe für diesen Abschnitt: Humanität Emanzipation Sozialer Fortschritt – soziale Not Liberalismus Nationalismus Sozialismus  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.und Gesellschaftskritik: Lob der Torheit. Nora. Der arme Spielmann. Klasse genannten Themen. Sozial. Die Weber. © öbvhpt. Woyzeck. Titus Feuerfuchs. Madame Bovary.LÄNGSSCHNITTE UND LEITBEGRIFFE (7. Titus Feuerfuchs (Talisman). Klasse) Neben den schon für die 6. Wien 2007 . Das Gemeindekind.

einen Ort mit den sprachlichen Mitteln darzustellen. Königstein/Taunus 1983 R. 236) Döblins Roman stellt die Geschichte des Franz Biberkopf in der Großstadt dar. stellvertretend für Millionen Namenloser dieser Großstadt. dann liegt ein Vergleich mit Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ nahe. Pragel: Alfred Döblin. München 1981 Materialien zu Alfred Döblin „Berlin Alexanderplatz“. Inwiefern hat dieser Vergleich Berechtigung? Zum Erzähler: Analysieren Sie an einem oder mehreren Kapiteln die Erzählhaltung. Bayerdörfer: Alfred Döblin „Berlin Alexanderplatz“. Jahrhunderts. von M. die das eigentliche Thema ist. Zum Inhalt: Stellen Sie die wichtigsten Stationen im Leben des Franz Biberkopf dar. S. Welche Welt stellt Brecht dar? Was daran ließe sich mit Döblins Werk vergleichen? Das Hiob-Thema wurde auch von Joseph Roth in seinem Roman „Hiob“ behandelt. Wie stellt Roth dieses Thema dar? Döblin hat seinen Roman auch zu einem Hörspiel verarbeitet: „Die Geschichte von Franz Biberkopf“. Pragel. von Paul Michael Lützeler. Hg. Stuttgart 1973  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Frankfurt am Main 1975 M. Wo zeigt sich in ihnen Unselbständigkeit im Denken und Handeln? (Ein Hauptkennzeichen Biberkopfs. Zum Abschluß eine Anregung zum produktionsorientierten Umgang mit Literatur: Versuchen Sie eine Situation. Links: Alfred Döblin. eine große Rolle. Literaturhinweise: H. Wien 2007 . 239. herausgearbeitet sind. Informieren Sie sich über Hiob. Hg. Trotzdem spielt das Schicksal Biberkopfs. Vergleich mit anderen Werken: Wenn man diesen Roman auch als Proletarier.) Wie verhält sich Biberkopf am Anfang? Welche Erkenntnis zieht er am Schluss? Döblin setzt selbst in seinem Roman Biberkopf mit der biblischen Figur des Hiob gleich. wie sie in den „Zugängen“. Arbeiten Sie heraus. die damals uraufgeführt wurde. © öbvhpt. In: Deutsche Romane des 20.und Verbrecherroman bezeichnen kann. was er von seinem umfangreichen Roman für sein Hörspiel verwendet. P. daher auch der Titel.EXPRESSIONISMUS UND ERSTER WELTKRIEG Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. die besonderen Kennzeichen des Erzählers. Neue Interpretationen. S.

Das ging Kafka derart an den Lebensnerv. Tatsächlich stirbt Gregor. zu Beginn zurückgezogen und ohne Macht. aber sein Körper und sein Handeln lösen Furcht. müssen nun sowohl Vater und Schwester arbeiten gehen. Sie stellt die „richtigen“ Familienverhältnisse wieder her: Der Vater. Während sich seine Schwester zunächst noch um ihn kümmert. Ekel und Abscheu aus. da der Vater bei der Firma. Wien 2007 . Allerdings ist Gregor zu dieser Arbeit auch gezwungen. Schulden gemacht hat. und die Betreuung Gregors wird immer mehr einer Bedienerin überlassen. bei der Gregor arbeitet. Er empfindet diese Arbeit auch als Joch. Dem entspricht seine Wirkung auf seine Mitmenschen – auch hier entsteht ein Widerspruch zwischen Absicht und Wirkung. denn auch seine vielgeliebte Schwester Ottla hielt in dem Fall zu den Eltern. seine Stellung schwankt zwischen Familienerhalter und Sklave der Familie. Etwa wenn er den Prokuristen seiner Firma.“ Sie spricht ihm damit jedes menschliche Bewusstsein ab. Seine neue Aufgabe als Familienerhalter benützt Gregor auch dazu. eine der wenigen. Familienoberhaupt zu sein. der Vater in einer unbedeutenden Rolle im Haus. lebte aber noch zu Hause bei seinen Eltern. seine Schwester stärker an sich zu binden: Er will ihr – gegen den Willen des Vaters – ein Geigenstudium am Konservatorium ermöglichen. Einen guten Zugang ermöglicht eine Analyse der Beziehungen innerhalb der Familie und der Funktion der Verwandlung. immer mehr entfernt sie sich von ihm. andererseits löst sie ihn aus dem Joch der „Sklavenarbeit“ für die Familie. Die Familie scheint aus dem Ganzen wie neu gestärkt hervorzugehen. neben dem alles verkümmerte. Die Verwandlung befreit aber auch die Schwester aus dem Besitzanspruch Gregors. der sich nach Gregor erkundigt. Hatte die Familie bis dahin von Gregors Arbeit gelebt. sehen seine Eltern bald nur mehr das Tier in ihm. Diese Erzählung Kafkas. Der Name Samsa erinnert in der Lautbildung an Kafka (Kafka erklärte den Namen „Bende  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Zwischen seinem noch menschlichen Bewusstsein und seinem tierischen Körper herrscht ein grotesker Gegensatz. Schließlich fällt Gregors Schwester das Urteil: „Weg muss es. ihr Aufblühen nach seinem Tode wird ausdrücklich hervorgehoben. wie er selbst sagte. Gregor hat die besten Absichten. gab und gibt zu verschiedensten Deutungen Anlass. An diesem eigentlichen Lebenszweck hinderte ihn aber eine Forderung seiner Eltern. seine freien Nachmittage der Fabrik seines Vaters zu widmen. bald darauf. die Familie ist von seiner Arbeit abhängig. dass er sogar Selbstmord in Erwägung zog. Zwischen diesen Elementen der Erzählung und der Situation Kafkas zur Zeit von deren Entstehung lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten erkennen: Kafka arbeitete als Jurist bei einer Unfallversicherung. Untermieter werden aufgenommen. beruhigen will und ihn dadurch desto sicherer vertreibt.Franz Kafka: Die Verwandlung INFORMATIONSBLATT Inhalt: Der Handlungsreisende Gregor Samsa erwacht eines Morgens in einen Käfer verwandelt. Als seine eigentliche Aufgabe sah er immer das Schreiben an. wird wieder zum Chef der Familie. die er zu Lebzeiten veröffentlicht hat. der in der letzten Zeit immer weniger Nahrung zu sich genommen hat. © öbvhpt. Gregor ist zu Beginn der Erzählung der Familienerhalter. Die Verwandlung beendet einerseits diese Anmaßung Gregors. er wird in seinem Zimmer eingesperrt und sein Verhalten wird auch immer tierischer.

Hervorgehoben an Kafkas Stil in diesem Zusammenhang wird immer die Genauigkeit seiner Darstellung von Einzelheiten. aber nicht in der Er-Erzählhaltung.mann“ aus der Erzählung „Das Urteil“ ähnlich). erzählt aus ihr heraus. von Michael Müller. Frankfurt am Main 1976  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. das Realistische im Gesamten des Unrealistischen. aber es ist komisch. Philipp Reclam jun. ob man nicht den Zug versäumt und zu spät zur Arbeit kommt. Vieles bei Kafka schwankt zwischen Tragik und Komik: Es ist äußerst tragisch.. Und es ist als Zeichen der Entfremdung – selbst als Verwandelter kommt er von den Zwängen seiner Arbeitswelt nicht los – schrecklich ernst. Hg. eines Morgens als Käfer verwandelt zu erwachen. als ob Kafka mit seiner Erzählung persönliche Probleme literarisch zu bewältigen sucht: sozusagen ein Problemlösungsspiel durch Darstellung seines „ traumhaften inneren Lebens“. Romane und Erzählungen. dass Kafka durchgehend das personale Erzählen verwendet: Der Erzähler schlüpft sozusagen in die Person. Zur Rätselhaftigkeit seiner Erzählung trägt noch bei. © öbvhpt. Wien 2007 . von Peter Beicken. aus ihrer Sicht. sich als Käfer Sorgen darüber zu machen. Stuttgart (= RUB 8811) Walter H. Literaturhinweise: Erläuterungen und Dokumente zu Franz Kafka „Die Verwandlung“. die Wohnsituation Gregors ist mit der Kafkas zu Hause vergleichbar. S. Philipp Reclam jun. Stuttgart (= RUB 8155) Interpretationen: Franz Kafka. Phantastischen.. Sokel: Franz Kafka. Hg. Fischer. Es scheint also.

Zu nennen sind hier vor allem das Auto. war aber in sich sehr vielfältig. Neben diesen Entwicklungen wurde das Leben der Menschen vor allem durch die Veränderungen auf dem Gebiet von Technik und Industrie beeinflusst. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo war dann der Funke in diesem Pulverfass. Er wurde durch die bildende Kunst. zu einer äußerst explosiven Lage. das sich im Sinne der panslawistischen Idee zum Schutzherren aller Slawen erklärt hatte. Für dessen Ausbruch aber trugen das deutsche Kaiserreich und Österreich-Ungarn besondere Verantwortung. und setzte ihr etwas Neues entgegen. Krisen und Kriege. sie lösten sich auf wie Österreich-Ungarn oder wurden gar durch eine Revolution gestürzt wie in Russland. vorherrschende Themen. die vor allem in der Epik des Expressionismus Verwendung fanden. daneben gab es noch viele andere literarische Strömungen. wichtige Autoren und Werke Im Expressionismus wendete sich wieder eine junge Generation gegen die Welt. Österreich-Ungarns. Mit dem Sieg der demokratischen Idee wurden auch die letzten Reste von adeliger Vorherrschaft und Vorrechten beseitigt. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Adel zwar noch immer einen besonderen gesellschaftlichen Rang und gewisse Vorrechte. Ursachen dafür waren die aggressive Außenpolitik des Wilhelminischen Deutschland und die komplizierte politische Lage auf dem Balkan. 1910 bis ca. vor allem  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Hier führten die gegensätzlichen Interessen der jungen Nationalstaaten. wie etwa Serbien. Das Großbürgertum hatte neben der wirtschaftlichen Macht auch weitgehend die politische erlangt und hob seine Stellung durch besondere Prachtentfaltung hervor.Zusammenfassung: Expressionismus und Erster Weltkrieg (ca. das Bewegung und Tempo ermöglicht. 1920/25) Politik. In den neuentstandenen Demokratien nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden sie mehr und mehr zur dominierenden Kraft. der schließlich den Ersten Weltkrieg auslöste. das Bürgertum erlangte endgültig auch die politische Macht. Der Expressionismus erreichte für die Jahre von 1910 bis 1920/25 die Vorherrschaft in der Literatur. und der Film mit seinen Techniken der Rückund Vorblende und der Einblendung. wie sie sie vorfand. Allgemeine Kennzeichen. Das Kleinbürgertum und die Arbeiter begannen sich in verschiedenen politischen Parteien zu organisieren. das in den vorhergehenden Jahrhunderten seine Herrschaft über große Teile des Balkans konsequent ausgebaut hatte. Techniken. Die Jahre vor 1914 waren bestimmt durch Auseinandersetzungen. um ebenfalls ihren Anteil an politischer Macht zu erkämpfen. © öbvhpt. Gesellschaft und Kultur Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren durch wachsende politische Spannungen gekennzeichnet. er versuchte die unübersehbaren Zeichen seines Niedergangs durch Betonung seiner Exklusivität zu verdecken. was aber letztlich eine Anpassung an geänderte Verhältnisse verhinderte und in Erstarrung mündete. und dem russischen Zarenreich. Wien 2007 . Der Krieg führte dann grundlegende Veränderungen herbei: Die alten Monarchien wurden durch Demokratien ersetzt.

siehe auch Zugänge. Gemeinsame Kennzeichen waren: Die Verachtung der gegenwärtigen bürgerlichen Welt. um ihr Lebensgefühl auszudrücken. aber auch in Prag. „Von morgens bis mitternachts“ und „Die Bürger von Calais“ von Georg Kaiser (1878–1945). wie „Der Bettler“ von Reinhard Johannes Sorge (1892–1916). Prosa auf ganz neue Art zu gestalten. 226).  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. schuf Carl Einstein (1885– 1940) mit seinem Roman „Bebuquin“. Roman (1920). der eigentliche Durchbruch des Dramas kam während des Krieges und danach. Vorbilder waren Frank Wedekind und August Strindberg. Gottfried Benn (1886–1956): Als besonders provokant wurden seine Gedichte aus dem Leichenschauhaus „Morgue“ empfunden. Junge Autoren schlossen sich zu Gruppen zusammen. eines anderen. die Neigung zur bewusssten Provokation der Sinne und die entschiedene Abwendung von den dichterischen Grundsätzen des Naturalismus. Ekstatisches Szenarium. Festspiel. Else Lasker-Schüler (1869–1945): Sie gilt als die bedeutendste Dichterin des Expressionismus (siehe auch Zugänge. Die Hauptkennzeichen waren: Verzicht auf Psychologie. die Betonung des ZeitlosMythischen und die sprachliche Stilisierung. siehe Zugänge. Den konsequentesten Versuch. Erzählungen (1913). Roman (1915). Franz Werfel (1890–1945). Wien 2007 . B. Passion. was ganz allgemein ein Problem der Bewertung aufwirft. 226). Sein bekanntestes Werk ist aber sein Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ (siehe Zugänge. Sie sollte Träger psychischer Regungen sein. „Wallenstein“. Die Sprache sollte nicht mehr eine Abbildungsfunktion haben. Die Jahre vor dem Krieg waren fast ausschließlich von der Lyrik beherrscht. 226). Der bedeutendste Vertreter ist Alfred Döblin (1878–1957): „Die Ermordung einer Butterblume“. „Der Sohn“ von Walter Hasenclever (1890-1940). S. Georg Heym (1887–1912): Er gilt als der größte Dichter des Expressionismus. Epik Das große Vorbild war hier Heinrich Mann. Drama Die ersten Dramen entstanden erst knapp vor dem Krieg. Ernst Stadler (1883–1914): Gedichtband „Der Aufbruch“. etwa in „Der Sturm“ (seit 1910) oder in „Die Aktion“ (seit 1911). S. sein Gedicht „Der Krieg“. Die wichtigsten Vertreter sind: Jakob van Hoddis (1887–1942. Die für den Expressionismus typischen Stücke. Daher wählten die Expressionisten auch eigene Benennungen für ihre Stücke: Dramatische Symphonie.die Malerei. werden heute kaum mehr aufgeführt. der Ausbruch aus dieser Welt. neuen Menschen. 236). Besonders typisch für ihn ist z. „Die drei Sprünge des Wanglun“. Wien und Zürich. S. Legendenspiel. vorbereitet und entstand vor allem in den Großstädten Deutschlands. der Angriff auf ästhetische Stereotype. konnte daher aber nicht mehr allgemeingültig sein und verlor dadurch an Überprüfbarkeit. der Entwurf einer anderen Welt. © öbvhpt. Die Gruppen publizierten häufig in Zeitschriften. Georg Trakl (1887–1914. S. die Aufbruchsstimmung. sondern eine expressive Aufgabe übernehmen.

Was aus dieser Zeit heute noch gespielt wird, sind die Stücke von Carl Sternheim (1878–1942),
etwa seine satirischen Komödien „Die Hose“, und „Der Snob“. Sternheims Werke sind allerdings nicht ganz typisch für den Expressionismus.
Die Revolution von 1918/19 bedeutete für einige Expressionisten noch einmal eine Hoffnung,
die hochfliegenden Pläne von einer anderen Welt und einem anderen Menschen zu verwirklichen. Ihr Scheitern brachte auch das Ende von Aufbruch und Erneuerung. Beispielhaft für
diese Autoren ist Ernst Toller (1893–1939), der aktiv an der Münchner Räterepublik teilnahm
und davon später auch in seiner Autobiographie „Eine Jugend in Deutschland“ berichtete. Seine politischen Erfahrungen hat er auch noch in seinen Stücken „Die Wandlung“ und „Masse
Mensch“ verarbeitet.
Die Textsammlung „Menschheitsdämmerung“, 1919 von Kurt Pinthus herausgegeben, bedeutete dann eigentlich schon das Ende der expressionistischen Bewegung.
Wichtige Autoren, die zu dieser Zeit gewirkt haben, aber nicht eindeutig dem Expressionismus
zugeordnet werden können sind:
Karl Kraus (siehe Zugänge, S. 234).
Franz Kafka (siehe Zugänge, S. 230).
Der Dadaismus
Er stellt in dieser Zeit eine Sonderentwicklung dar. Die Bedeutung des Namens Dada ist unklar,
er könnte von frz. dada = Holzpferdchen kommen, aber auch einen kindlichen Stammellaut bezeichnen. Trotz dieser Unklarheit wird die Richtung deutlich, die der Dadaismus einschlug: Es
handelte sich dabei um eine Bewegung, die den Krieg ablehnte und eine radikale künstlerische
Antwort auf den Schrecken und das Chaos des Krieges suchte und gleichzeitig jene bürgerliche
Kultur kritisierte und lächerlich machen wollte, die den Krieg unterstützte und befürwortete.
Gegen die Parolen und Schlagworte, die Entwertung der Sprache zur bloßen Propaganda und
die ständige Überbetonung gewisser Werte setzten die Dadaisten die Zerstörung der Sprache
und die Leugnung jeden Sinns.
So entstanden „simultane“ Dichtungen, in denen Brocken von Lauten, Worten und Sätzen ohne
Zusammenhang, ohne innere Logik und Sinn, oft begleitet von Lärmmusik, deklamiert oder
Texte zerschnitten und nach einem Zufallsprinzip wieder zusammengesetzt wurden. All das
sollte das chaotische Nebeneinander verschiedener Bewusstseinsinhalte darstellen und dem
furchtbaren Krieg ein absurdes Weltbild entgegenstellen, das jeden Sinn und jede Sinngebung
leugnete. Der Dadaismus entstand 1916 in Zürich. Um das „Cabaret Voltaire“ sammelte sich
eine Gruppe Gleichgesinnter, zu der Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tsara, Richard Huelsenbeck, Walter Serner und Hans Arp gehörten.
Nach dem Krieg etablierte sich in Berlin noch einmal für kurze Zeit eine dadaistische Gruppe,
in der neben Richard Huelsenbeck noch Johannes Baader, Raul Hausmann und Walter Mehring
wirkten.
Die vom Dadaismus entwickelte Technik der Montage und Collage gewann auch in der Malerei
und Graphik bei George Grosz und John Heartfield (Photomontagen) große Bedeutung.
Literaturhinweise:
Richard Brinkmann: Expressionismus. Metzler, Stuttgart 1980
Wolfgang Rothe: Der Expressionismus. Klostermann, Frankfurt am Main 1977



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NEUE SACHLICHKEIT
UND FASCHISMUS
Ödön von Horváth:

Geschichten aus dem Wiener Wald

ARBEITSBLATT

(Siehe Zugänge, S. 256)
Ödön von Horváth zeigt in dem Volksstück, was Männer der weiblichen Hauptfigur Marianne
antun. Untersuchen Sie, wie die einzelnen Stationen in Mariannes Leben durch die
Männer negativ beeinflusst werden.
Horváth betont aber auch, dass diese Männer ihrerseits durch die Verhältnisse in ihrem Verhalten bestimmt sind. Arbeiten Sie an einigen Beispielen heraus, wie das Verhalten der Männer
durch die Verhältnisse begründet ist.
Diese Welt ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die Korrupten ungehindert weiterleben und
die Guten notwendig strafbar werden. Zeigen Sie das an einigen Beispielen.
Horváth will in seinem Stück das Bewusstsein der Personen demaskieren. Er tut das auf die Art,
wie er sie sprechen lässt. Zeigen Sie an der ersten Begegnung zwischen Alfred, seiner Mutter
und der Großmutter, wie ihr Egoismus, ihre Gemeinheit sprachlich demaskiert werden.
Eine besondere Rolle spielt dabei die Regieanweisung „Stille“. Analysieren Sie an einigen Stellen, welche Bedeutung diese Anweisung hat. Was geht in diesem Augenblick in den Personen
vor? Was könnten sie denken? Was sprechen sie aus? Was nicht?
Horváth wollte dieses Kleinbürgertum nicht nur demaskieren, sondern auf die Gefahr aufmerksam machen, die für eine demokratische Gesellschaft entsteht, wenn Menschen solcher
Denkungsart und Handlungsweise die Mehrheit einer Bevölkerung ausmachen. Was von ihrer
Denkungsart und Handlungsweise macht sie anfällig für Faschismus, Nationalsozialismus und
autoritäre Staatsformen?
Literaturhinweise:
Ödön von Horváth „Geschichten aus dem Wiener Wald“. Hg. von Traugott Krischke. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983 (= stm 2019)
Traugott Krischke: Horváth-Chronik. Daten zu Leben und Werk. Suhrkamp Verlag, Frankfurt
am Main 1988 (= stm 2089)



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Bertolt Brecht:

Das Leben des Galilei

ARBEITSBLATT

(Siehe Zugänge, S. 258)
Fragen zum Inhalt:
Bertolt Brecht zeigt Galilei, wie er um die Wahrheit kämpft, und er zeigt die Schwierigkeiten,
die dabei zu überwinden sind.
1. Galilei hat den Mut, die wissenschaftliche Wahrheit zu vertreten, obwohl sie verfolgt wird.
2. Er hat die Klugheit, sie zu erkennen, obwohl sie verhüllt wird.
3. Er versteht es, sie handhabbar zu machen.
4. Er hat die Urteilskraft, die richtigen Empfänger auszuwählen, die sie wirksam machen.
5. Er hat die List, sie zu verbreiten.
Sammeln Sie Beispiele und Belege für diese 5 Punkte.
Zur Person Galileis:
Galilei wird als leidenschaftlicher Forscher und großartiger Lehrer gezeigt. Skizzieren Sie jene
Stellen, wo das deutlich wird. Galilei wird als Charakter gezeichnet, der sich aus sehr gegensätzlichen Komponenten zusammensetzt. Sammeln Sie Belege aus dem Stück zu den Gegensätzen:
Mut – Feigheit
Sinnlichkeit – Unsinnlichkeit
Starkes persönliches Engagement – zynisches Verneinen jeglicher persönlicher Verantwortung
Wahrheitsliebe – Wahrheitsverleugnung
Fragen zum Aufbau:
Geben Sie den Entwurf einer dramatischen Kurve des Schauspiels (Zugänge, S. 261) in Sprache wieder. Benützen Sie dazu den Handlungsverlauf und Galileis Situation. Stellen Sie in einer
Skizze die Antithesen und Symmetrien im Aufbau (Zugänge, S. 260) graphisch dar.
Fragen zur Entstehungsgeschichte:
Arbeiten Sie an den verschiedenen Fassungen die Änderungen in der Aussage heraus und versuchen Sie den Zusammenhang mit den politischen Ereignissen der Zeit herzustellen.
Literaturhinweise:
Bertolt Brecht „Leben des Galilei“. Hg. von Werner Hecht. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981
(= stm 2001)
Materialien zu Bertolt Brecht „Leben des Galilei“. Zusammengestellt von Werner Hecht. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982 (= es 44)



SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. © öbvhpt, Wien 2007

Außerdem lastet der Ruhm des Großvaters als Verpflichtung. obwohl dieser lieber die militärische ergriffen hätte. einer verlorengegangenen Welt. Er lässt sich in den äußersten Osten der Monarchie. Carl Joseph. aber letzten Endes werden die Zweifel Carl Josephs an seinem Beruf immer größer. der für den jungen Trotta immer wichtiger wird. Jetzt nimmt er seinen Abschied und ist für kurze Zeit eine Art Verwalter beim Grafen Chojnicki. nicht ausführen. zu einem Jägerbataillon an die russische Grenze versetzen. das ich je besessen: der österreichisch-ungarischen Monarchie. Er wird dafür geadelt und ausgezeichnet. Er wird zwar kurzfristig von Graf Chojnicki. In diese Krise fällt noch der Selbstmord eines Offiziers. Daher kann er als Offizier auch nicht recht glücklich werden. herausgerissen.Joseph Roth: Radetzkymarsch INFORMATIONSBLATT Inhalt: Der Roman stellt die Geschichte der Trottas dar. soll die Laufbahn ergreifen. Ahnherr des Geschlechts ist der junge Leutnant Trotta. seine Einsamkeit wird noch größer. Mit dem Tod des Kaisers und dem kurz darauf folgenden Tod des Bezirkshauptmannes endet der Roman. Joseph Roth hat an diesem Roman viel länger gearbeitet als an seinen anderen Werken. Ende 1930 fasste er den Plan dazu. als er seinen einzigen Freund. den Regimentsarzt Demant bei einem absurden Duell verliert. die ihm verwehrt worden ist und zu der dieser wenig begabt ist. Nämlich einer Welt. Als er mit seinen Soldaten gegen demonstrierende Arbeiter vorgehen und eigentlich gegen seinen Willen auf sie schießen lassen muss. aber vergeblich. in der Roth leben muss. fast unerträglich auf ihm. Franz bringt es im Dienst des Kaisers rasch zum Bezirkshauptmann. nimmt er Abschied von der Armee und zieht sich auf sein Landgut zurück.“ Allerdings stellt er eine Welt dar. 1932 erschien der Roman als Vorabdruck in Fortsetzung in der „Frankfurter Zeitung“. diese mythologisierte Vergangenheit ist aber ein bewusster Gegensatz zu der Welt. die nie so war. Aber der bald danach ausbrechende Krieg bringt ihn an die Front. wird er verletzt. die Armee zu verlassen. Roth setzt damit seinem Vaterland. Aber noch immer kann er den Entschluss. wie er sie schildert. seinen Abschied zu nehmen. ebenfalls am Schlüsselbein. für den er Schuldscheine unterzeichnet hat. die verschiedenen Reaktionen darauf zeigen bereits den Zerfall der Monarchie. es ihm gleichzutun. Sein Sohn. Wien 2007 . Er findet den Tod. Als er später in einem Lesebuch seines Sohnes eine verfälschende Darstellung seiner Tat lesen muss und keine Änderung erreichen kann. Der Tod der Arbeiter bestärkt ihn nur in seinen Zweifeln. „Mein stärkstes Erlebnis war der Krieg und der Untergang meines Vaterlandes. wie sein Großvater. in der sich  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Für seinen Sohn Franz legt er eine juristische Laufbahn fest. Aus der Öde des immer gleichen Dienstes flüchtet er in den Alkohol und verstrickt sich unter tatkräftiger Mitwirkung des zwielichtigen Kapturak immer mehr in Schulden. das einzige. der in der Schlacht von Solferino dem Kaiser Franz Joseph das Leben rettet und dabei selbst von einer Kugel getroffen wird. © öbvhpt. er gilt als Höhepunkt seines Schaffens. Seine hohen Schulden kann der Vater mit Hilfe des Kaisers begleichen. als er für seine Soldaten Wasser holt – eigentlich geht er bewusst in den Tod. ein literarisches Denkmal. Zum letzten Mal verteidigt Carl Joseph die Monarchie. In ein Regimentsfest platzt die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers. er denkt daran.

) Dieses Sterben spielt eine große Rolle im Leben von Carl Joseph. war zum Untergang verurteilt. der Europa in einen furchtbaren Krieg stürzen wird. wird so etwas wie das musikalische Sinnbild der österreichischungarischen Monarchie.der Nationalsozialismus immer mehr durchsetzt. nimmt er ganz selbstverständlich an einem griechisch-orthodoxen Gottesdienst teil und die Segenswünsche der jüdischen Gemeinde entgegen. Friedhöfe üben eine große Anziehungskraft auf ihn aus. um unsinnig zu sterben. Diese „Marseillaise des Konservativismus“ (Joseph Roth) durchzieht leitmotivisch den gesamten Roman. Wien 2007 . zerfallen wir in hundert Stücke (. als der letzte Zusammenhalt für die Völker und Konfessionen. Ach!“ (Eine Vorwegnahme auch des unsinnigen Todes der beiden. Der Kaiser erscheint als das einigende Band. Dr.. ein Muster an unbeugsamer Pflichterfüllung im Dienste des Kaisers. der Regimentsarzt Demant. wenig Kraft zum Leben.“ Literaturhinweis: David Bronsen: Joseph Roth. zu heiraten und etwa Nachkommen zu zeugen. sehr viele Menschen. Wenn er Galizien besucht. es reicht gerade noch. dauerhaft zu leben. der schon „alles“ getan hat. Er leidet an der übergroßen Gestalt des Großvaters. Joseph Roth fasst zusammen: „Die Welt. Graf Chojnicki sagt von ihm: „Sobald unser Kaiser die Augen schließt. Skowronnek. wird müde. weil er bereits dessen Ende voraussieht.“ Und selbst der Bezirkshauptmann.“ Dieser Kaiser wird aber auch in seiner Greisenhaftigkeit und körperlichen Hinfälligkeit gezeigt und wird damit zum Symbol einer sterbenden Welt. zu denen er engere Beziehungen hat. Carl Joseph zieht sich diese Verwundung beim Einsatz gegen streikende Arbeiter zu. Die Welt. sterben. komponiert von Johann Strauß Vater aus Anlass der Niederwerfung des italienischen Aufstandes in der Revolution von 1848/49 durch Feldmarschall Radetzky. sein Lebenslauf eine schwache Wiederholung.). die Roth auch mit eigenen Zügen ausgestattet hat. © öbvhpt. er ist diesem nur äußerlich ähnlich. die bei allem Festhalten an Traditionen immer brüchiger wird. Der Arzt. Am Beispiel der Familie Trotta. Dieser Marsch. verdiente keine anständigen Bewohner mehr. drückt es so aus: „Unsere Großväter haben uns nicht viel Kraft hinterlassen. in der es sich noch lohnte zu leben. lehnt die Verantwortung füreinander ab: „Man kann keine Verantwortung tragen: Kein Mensch darf für den anderen eine Verantwortung tragen. Es hatte also keinen Sinn. eine der weitsichtigsten Personen des Romans. Graf Chojnicki. Kiepenheuer und Witsch. will seinem Vaterland nicht mehr dienen. Der Zerfall wird aber auch bei den Eliten deutlich. Köln 1974  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Der Großvater rettet dem Kaiser das Leben. sogar am Sinn seines bisherigen Lebens. die ihr folgen sollte. an der immer schlampigeren Aufführung wird der Niedergang des Reiches erkennbar.. Besonders ausgeprägt ist dieser Verfall bei Carl Joseph dargestellt. Der Großvater wird bei der Rettung des Kaisers am Schlüsselbein verwundet. Eine Biographie. Einer seiner wenigen Freunde. der Enkel nur noch das mit Fliegendreck übersäte Bild des Kaisers aus dem Bordell. Alle Völker werden ihre dreckigen kleinen Staaten errichten. ihrem Aufstieg und Niedergang wird das Schicksal der Monarchie in den letzten Jahrzehnten ihres Bestehens dargestellt und eine Lebensordnung analysiert. Verfall und Zerfall sind die bestimmenden Kennzeichen dieser Welt. Das zeigt sich schon am titelgebenden „Radetzkymarsch“. beginnt zu zweifeln.

Cazalla. so kann auch der Maler sein Bild vollenden. In diesem totalitären Staat können sich die Menschen nicht frei äußern und sind von Furcht beherrscht. Aber El Greco kann den Arzt umstimmen. sondern ob sie dicht und abgeschlossen sei“. wenn ihre Meinung gefährlich ist. an sein Krankenbett. Als der Großinquisitor erkrankt. Die historischen Verhältnisse sind glaubwürdig wiedergegeben. prüft dieser seine innere Welt. welche Rolle die Kunst dabei spielen kann und welche Möglichkeiten des Widerstands es gibt. El Greco weiß um die Gefahr. bittet er einen Freund des Malers. aller Rücken sind krumm. Aber auch die Scheiterhaufen brennen weiter. Aber würde deren Darstellung nicht den Sinn des Bildes zerstören? Aus diesen Überlegungen reißt der Großinquisitor den Maler.Stefan Andres: El Greco malt den Großinquisitor INFORMATIONSBLATT Inhalt: Der berühmte Maler El Greco bekommt vom mächtigen Großinquisitor den Auftrag. Später wird der Großinquisitor für El Greco sogar zum traurigen Helden. wie Menschen sich unter solchen Verhältnissen verhalten können. trotzdem will El Greco „kraft der Wahrhaftigkeit“ malen. Er will ihn in den Farben Rot und Schwarz malen. die allein schon die Nähe des Großinquisitors bedeutet. wie ein „blutiges Feuer“. sogar noch auf dem Sterbebett unterzeichnet Philipp ein Todesurteil für einen Ketzer. Als der Abgesandte des Großinquisitors zu El Greco kommt. lernen wir die Lüge!“ Denn allgegenwärtig sind die Scheiterhaufen. ob sie gut. Dr. Ob man Widerstand üben soll. Was wird aus den Menschen. Er will also das wahre Innere des Großinquisitors zur Darstellung bringen. auf dem die Welt gebraten liegt. Aber schon bei der ersten Sitzung kündigt er an. indem er das Bild als fertiggestellt erklärt. „nicht. sondern die innere Wahrheit („kraft der Wahrhaftigkeit“). hat doch jener den Bruder Cazallas auf den Scheiterhaufen geschickt. Dieser sieht jetzt den Großinquisitor in seine Hand gegeben. sich wieder ins freie Venedig zurückzubegeben. so wie er zum Abschluss des Bildes die „Schlange“ in dessen Auge hervorheben will. Bei der ersten Sitzung ist der Großinquisitor in adventliches Violett gekleidet. ihn zu malen. im göttlichen Heilsplan. und überlegt kurz. eine Möglichkeit der Rache. das Wiedergenesen des Großinquisitors bedeutet auch ein Wiederbeleben der Scheiterhaufen. zu einem heiligen Henker. aber El Greco wählt Rot. Stefan Andres hat diese Erzählung 1935 geschrieben. Dabei entdeckt er aber auch Traurigkeit und Schwermut darin. und es werden Themen behandelt. dienen aber als Parallele zu seiner Zeit. ihr Vertreten sie auf den Scheiterhaufen bringen kann? „Aller Hälse sind von Aufmerksamkeit nach allen Seiten so wie die Schrauben verdreht. „und verbranntes Fleisch stinkt“. © öbvhpt. Es entsteht nämlich das Bild eines totalitären Staates. in dem nach christlicher Überzeugung auch das Böse notwendig ist. Eine solche Welt wirft einen schweren Schatten auf die Kunst. wie „Feuer in der Nacht“. Wien 2007 . dass er nicht bloß Wirklichkeit wiedergeben werde. Sogar der Königspalast erscheint El Greco in der Form eines Bratrosts. damit der Mensch seinen freien Willen beweisen kann. nimmt aber dann den Auftrag an. sodass er den Großinquisitor heilt. Er erhält damit seinen Platz in der göttlichen Heilsordnung. Er stellt darin in einer erfundenen Handlung die Entstehung eines berühmten Bildes von El Greco dar. bis hin zum  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.“ Und El Greco fügt noch hinzu: „ Wenn wir leben wollen. aller Träume sind erfüllt vom Tanz der Flammen.

der Großinquisitor liefert sich selbst in seine Hände. wird an der Figur des Dr. für das Schreiben der „Inneren Emigration“. Was wir können.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. So bleibt letztlich für die Menschen in diesem Staat nur folgende Einsicht: „Wisst. die Inquisition zu töten. Aber obwohl der Wunsch nach Rache für seinen auf dem Scheiterhaufen verbrannten Bruder groß ist. siegt die Barmherzigkeit mit dem leidenden Menschen.Tyrannenmord. Dieser hätte die Möglichkeit dazu. Cazalla erörtert. es ist umsonst. ist – das Antlitz dieser Ächter Christi festzuhalten!“ Damit hat Andres auch eine Definition für die Möglichkeit der Kunst im totalitären Staat gegeben. © öbvhpt. Wien 2007 .

als „Novemberverbrecher“ und „Erfüllungspolitiker“ diffamiert. Hatten schon die letzten Jahre der Weimarer Republik einen Abbau der Demokratie (Stichwort „Präsidialregime von Reichskanzler Brüning“) gebracht. In Deutschland wurden die demokratischen Politiker. In Österreich hielt ein großer Teil der Bevölkerung den „Rest“ der Habsburgermonarchie überhaupt nicht für lebensfähig. die nur durch ein hartes Sparprogramm beendet werden konnte. rasch seine nationalsozialistische Partei zur stärksten politischen Kraft machen. Für kurze Zeit – Mitte der zwanziger Jahre – kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und zur Konsolidierung. Den Heimwehren. den keiner wollte“. die ungeheure Verschuldung des Staates (Kriegsfinanzierung!) führte in beiden Ländern zu einer galoppierenden Inflation. In Österreich war die Innenpolitik beherrscht vom Gegensatz zwischen Christlichsozialen und Sozialdemokraten. die Waffenstillstand und den Frieden von Versailles unterzeichnen mussten. konnte Adolf Hitler jetzt mit seiner rücksichtslos demagogischen Propaganda gegen Versailles und die Demokratie und seinem pathologischen Judenhass. also sozial degradiert zu werden. Wien 2007 . stand der „Republikanische Schutzbund“ gegenüber. Dieser Staat wurde aber schon wenige Jahre danach die erste Beute der nationalsozialistischen Expansion. der durch bewaffnete Verbände verschärft wurde. den Christlichsozialen nahe stehend und von ihnen benützt. Die Ende der zwanziger Jahre einsetzende Weltwirtschaftskrise machte dieses Aufbauwerk in kürzester Zeit zunichte. Besitz und Selbständigkeit zu verlieren. Eine Massengesellschaft entstand. Gesellschaft und Kultur Das Ende des Ersten Weltkrieges brachte auch das Ende der großen Monarchien in Europa. Sie boten einerseits die Hoffnung auf fortschreitende Demo  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. © öbvhpt. sodass das Schlagwort vom „Staat. Ein Ausdruck war der Aufschwung der neuen technischen Medien wie Film und Rundfunk. In Deutschland. Doch wussten viele Völker mit den neuen Möglichkeiten von Mitbestimmung und Mitgestaltung wenig anzufangen. bis der Kampf zwischen Christlichsozialen und Sozialdemokraten in den Jahren 1933 und 1934 zunächst in die Ausschaltung des Parlamentes durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß mündete und schließlich mit der Ausschaltung der Sozialdemokraten und der Niederwerfung des Februaraufstandes der Arbeiter die endgültige Beseitigung der Demokratie und die Errichtung eines autoritären Ständestaates zum Ergebnis hatte. man wollte sogar den Anschluss an das größere Deutschland. Eine ungeheure Arbeitslosigkeit und die Angst vieler aus dem Mittelstand. geprägt wurde. einem entsprechend raschen Wachstum des Arbeiterstandes und der Angestelltenschicht. sodass die alten Eliten rasch wieder wichtige Machtpositionen besetzen konnten. das sich durch den Frieden von Versailles besonders hart behandelt fühlte. erhöhten die Chancen radikaler Parteien sprunghaft. so bedeutete die Machtergreifung Hitlers 1933 deren endgültiges Ende. mit denen er vielen Menschen eine furchtbar einfache Erklärung für komplizierte Sachverhalte anbot. die Weltwirtschaftskrise verschärfte nur noch die Situation. Schon 1927 erreichten die Auseinandersetzungen mit den Ereignissen von Schattendorf und dem Justizpalastbrand einen ersten Höhepunkt. Die wirtschaftlichen Probleme.Zusammenfassung: Neue Sachlichkeit und Faschismus Politik. Als Regierungsform setzte sich zunächst die Demokratie durch. Sozial ist die Zwischenkriegszeit gekennzeichnet durch die rasch fortschreitende Industrialisierung.

Der häufig verwendete Begriff „Neue Sachlichkeit“ drückt eher die Zugehörigkeit zu einer Gruppe aus. Georg Britting (1891–1964). es ist daher schwer oder unmöglich. In der eindeutigen Ablehnung des zeitgebunden Aktuellen und der Betonung des zeitlos Gültigen liegt allerdings auch die Gefahr von Weltfremdheit: Rudolf Alexander Schröder (1878–1962). © öbvhpt. Sammlung von Reportagen) und Joseph Roth. Epik Der moderne Roman (nicht der Unterhaltungsroman) des 20. S. der auch Reiseberichte verfasste. besonders das Sonett pflegte oder sich mit dem Vorbild Hölderlin auseinandersetzte. Erich Kästner (1899–1974. Allgemeine Kennzeichen. Bertolt Brecht (1898–1956. Kunst und die Literatur wieder stärker in den Dienst einer Sache. vielfältigen. an der Ästhetik der Lyrik orientierte.und Gattungsmerkmalen ist nicht möglich. Günter Eich (1907–1972). 262 f. Andererseits weckten sie aber auch Ängste vor einem Kulturverfall durch Vermassung. der Politik zu stellen. Dagegen stand jene Richtung. Allerdings ist zumindest eine Tendenz erkennbar. dem einzelnen chaotisch erscheinenden Wirklichkeit konnte er nicht die Fiktion einer klar  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. wichtige Autoren und Werke Die Literatur zwischen den Kriegen bietet ein vielfaches Nebeneinander von verschiedenen Strömungen. einen kennzeichnenden Begriff herauszugreifen. diente er schließlich dem nationalsozialistischem Regime. Hans Carossa (1878–1956). so etwa von einer Reise in die Sowjetunion.). die das klassische Erbe in Form und Inhalt bewahren wollte. Bei Josef Weinheber (1892–1945) zeigte sich besonders deutlich das Problem dieser Richtung. Der Hinwendung zum Sachlichen entspricht ein wachsendes Interesse der Schriftsteller an Bericht und Reportage. Andererseits führt es zu genauer Beschreibung und Schilderung von Natur und Landschaft (naturmagische Schule): Peter Huchel (1903–1981). Eine Zusammenfassung nach einheitlichen Stil.kratisierung und auch die Hoffnung von politisch engagierten Künstlern auf eine Popularisierung der Kunst und Literatur. Jahrhunderts reagierte vielfach auf die geänderten Verhältnisse. S. Gegen Kriegsende erkannte er seinen Fehler und beging Selbstmord. Einer komplizierten. siehe Zugänge. siehe Zugänge. Wien 2007 . Obwohl er sich eigentlich nur an Form. nämlich die.).und Gestaltungsfragen. unterstützte es durch den Führer peinlich verherrlichende Gedichte. 262 f. nicht mehr überschaubaren. Das führt zu Gegenwartsbezug und Gesellschaftskritik: Kurt Tucholsky (1890–1935). Wichtigste Beispiele dafür sind Egon Erwin Kisch („Der rasende Reporter“. Lyrik Kennzeichnend sind die Abwendung von der Subjektivität des Expressionismus. der neue Sinn für das Sachliche.

Joseph Roth (1894–1939): „Hiob“. das Interesse des Schriftstellers gilt daher auch häufig nicht mehr dem einzelnen. „Babylonische Wanderung“. bestehend aus den Teilen „Pasenow oder die Romantik. Hermann Hesse (1877–1962): „Siddharta“ (Erzählung). „Der Steppenwolf“. Statistiken usw. er ist nicht mehr der Urheber des Geschehens. „Mario und der Zauberer“. der am Beispiel eines Sanatoriums in Davos die europäische Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg darstellt. überschaubaren Welt im Roman gegenüberstellen. Alfred Döblin (1878–1957): „Berge. So wurde häufig das chronologische Erzählen zerstört. Ebenfalls kritisch zu seiner Zeit steht Ödön von Horváth. Anna Seghers (1900–1983): „Der Aufstand der Fischer von St. zu durchbrechen. „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“. Drama Entscheidend ist hier die theoretische und praktische Theaterarbeit Bertolt Brechts (siehe Zugänge. © öbvhpt. „Esch oder die Anarchie. dargeboten in chronologischer Erzählweise und schön in Kapitel gegliedert. 256). wenngleich aus einer anderen Tradition (siehe Zugänge. den „Zerfall der Werte“ darzustellen. Das ist ein Bildungs. Wien 2007 . Broch versuchte in diesem großangelegten Roman einen geistesgeschichtlichen Prozess. 1888“. 258): „Die Dreigroschenoper“. S.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. S. ja zu zerstören! So wird in diesen Romanen der Held immer mehr vom Geschehen bestimmt. Die Erzählung stellt die verderbliche Verführungskraft des Faschismus am Beispiel eines Zauberers dar. 1908“). Meere und Giganten“. wie sie noch im 19. verbunden mit einer Parodie auf die Klassik.geordneten. das Erzählen zugunsten von Nachdenken und Reflexion zurückgedrängt. S. Eine Darstellung der Weltwirtschaftskrise aus marxistischer Sicht. Thomas Mann (1875–1955): „Der Zauberberg“. Ernst Maria Remarque (1898-1970): Mit seinem Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ wurde er zu einem außerordentlich erfolgreichen Schriftsteller. also auch lyrisches und dramatischen Sprechen integriert und zu Erfassung der Wirklichkeit auch nichtdichterische Elemente in den Zusammenhang montiert (Montagetechnik): Zeitungsnotizen. „Radetzkymarsch“. die Harmonie der Darstellung.). sondern der Gesellschaft. 1903“ und „ Huguenau oder die Sachlichkeit. Auf die „Harmonielosigkeit der gesellschaftlichen Zustände“ antwortet der Roman damit. „Narziss und Goldmund“. Hermann Broch (1880–1951): „Die Schlafwandler“ (Roman-Trilogie. alle Formen der dichterischen Aussage. Barbara“ (Erzählung). 252 ff. Robert Musil (1880–1942): „Der Mann ohne Eigenschaften“ (siehe Zugänge. Jahrhundert gegolten hatte.und Entwicklungsroman.

Besonders wichtig darin wurde Thomas Mann durch seine Reden an die „Deutschen Hörer“. Dazu kam die Isolierung vom Publikum. sich in einer anderen Welt zurechtfinden zu müssen) ja kaum mehr seines Arbeitsmittels – der Sprache – bedienen kann. Die Leser in Deutschland und bald auch in Österreich waren nicht mehr erreichbar. In dem Roman setzt sich der Dichter mit der großen Persönlichkeit – Goethe – auseinander. Die wirtschaftlichen Probleme für diese Autoren wurden daher sehr groß. eine andere „Machtergreifung“ und zeigt im Sinne des Humanismus ein Gegenbild zum Menschenbild des Faschismus. die USA gewannen immer mehr Bedeutung. rechnet man die im weiteren Sinne literarisch Wirkenden (Lektoren. „Joseph und seine Brüder“. „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ und „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“. Mit dem Ausbruch des Krieges reduzierte sich die Zahl der Zufluchtsländer. im Gewand des historischen Romans Gegenwart abzubilden. Anna Seghers: „Das siebte Kreuz“. So schildert etwa Heinrich Mann in seinen Romanen über den französischen König Heinrich IV.. Zürich und Amsterdam. Dem stand aber das Problem der Sprache entgegen: Für einen Schriftsteller ist das Exil ja deshalb besonders schwierig. sich einzufügen. Alfred Döblin: „Das Land ohne Tod“. sich durch Arbeiten an Drehbüchern zumindest wirtschaftlich halbwegs über Wasser zu halten. Der Roman beschreibt die Zerstörung der indianischen Kulturen durch die spanischen Konquisatoren. später Frankreich und Großbritannien. Wien 2007 . weil er sich (neben dem generellen Verlust der Heimat. dem Problem. ) hinzu. waren das mehr als zweitausend. das bessere Deutschland zu vertreten. Nur wenige Autoren waren hier erfolgreich: Thomas Mann und Lion Feuchtwanger.Zusammenfassung: Die deutsche Literatur im Exil (1933–1945) Bis zum Herbst 1933 war der größte Teil der namhaften Schriftsteller emigriert. Bücher von Exilautoren konnten ins nationalsozialistische Deutschland nur noch hineingeschmuggelt werden. Erste Zufluchtsorte waren Prag. um damit zu wirken und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Viele der im Exil entstandenen Romane beschäftigen sich mit der Darstellung der faschistischen Gegenwart oder des Weges dahin: Joseph Roth: „Kapuzinergruft“. Ödön von Horváth: „Jugend ohne Gott“. Kritiker usw.) Vielfach wurde versucht. aber die Auflagen waren sehr gering. Thomas Mann: „Lotte in Weimar“. die seit Kriegsbeginn von der BBC nach Deutschland gesendet wurden. weiterzuschreiben und weiter in der Öffentlichkeit zu wirken. etwa in Amsterdam vor dem Beginn des Krieges. es gab zwar einige wenige Verlage für Exilliteratur. Sie waren überzeugt. Hermann Broch: „Die Verzauberung“. © öbvhpt. Allerdings bot Hollywood vielen Autoren die Möglichkeit. einzugliedern. sahen es daher als ihre Aufgabe und Verpflichtung an. (Durch die Schilderung einer Flucht aus einem Konzentrationslager und die darauffolgende Verfolgung kann sie ein Panorama der verschiedenen Verhaltensmöglichkeiten im nationalsozialistischen Deutschland geben. das „ andere“. Aber auch hier gab es große Schwierigkeiten. In dem vierteiligen Roman erzählt Thomas Mann die biblische 10 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Trotzdem wurde der antifaschistische Kampf weitergeführt.

mit psychologischer Darstellung. Carl Zuckmayer: „Des Teufels General“. Höhepunkte stellen Bertolt Brechts politische Gedichte dar (siehe Zugänge. „Der gute Mensch von Sezuan“. 258) und „Mutter Courage und ihre Kinder“. Trotzdem entstanden viele Dramen und Hörspiele. Eine Ausnahme bildete da das Zürcher Schauspielhaus. Ödön von Horváth: „Figaro lässt sich scheiden“. S. 11 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Er stellt damit einen Mythos rational dar und wendet sich gegen das Irrationale und Mythische im Nationalsozialismus. Wien 2007 .Geschichte aus aufgeklärter Sicht. Den Höhepunkt der Exildramatik stellen Brechts Dramen dar: „Furcht und Elend des Dritten Reichs“. „Leben des Galilei“ (siehe Zugänge. © öbvhpt. S. Lyrik Für die Veröfentlichung von Lyrik war die Situation besonders schwierig. 262) Drama Die Bühnen der Exilländer standen den deutschsprachigen Autoren nur sehr begrenzt zur Verfügung. Franz Werfel: „Jacobowsky und der Oberst“.

dargestellt. In dieser Erzählung spielt Jünger die verschiedenen Möglichkeiten durch. die ins Exil gegangen waren. die er nach dem Krieg in seine Sammlung „Statische Gedichte“ aufnahm. sich gegen die Lenkung und Monopolisierung des literarischen Lebens im Sinne des Nationalsozialismus zu stellen. Wien 2007 . von Preußen. das konnte ein reines Ausweichen und Flüchten sein. Aus christlicher Sicht entstanden zum Beispiel folgende Werke: Jochen Klepper: „Der Vater“. Bald aber kam er mit dem Regime in Konflikt. Epik Hier boten sich besonders historische Stoffe an. moralische Stärkung bieten und Trost spenden. führte auch zu Unklarheiten. ein einfaches Leben auf dem Lande.und Publikationsverbot. aber man konnte im historischen Gewand auch Aussagen verhüllen und andere Perspektiven anbieten. ohne dass die Zensur aufmerksam wurde. Da das Theater besonders überwacht und kontrolliert war. aber sie wollte Hilfe leisten beim Überdauern und Überstehen des Regimes. Lyrik Auch in der Lyrik gibt es eine starke religiöse Richtung.Zusammenfassung: Literatur der „Inneren Emigration“ Unter den Begriff Literatur der „Inneren Emigration“ sind jene Schriftsteller zusammengefasst. Roman über einen Gewaltherrscher der Renaissance. Aktiver Widerstand allerdings wird als aussichtslos dargestellt. Gertrud von Le Fort: „Die magdeburgische Hochzeit“. blieben als Gattungen hauptsächlich die Epik und die Lyrik.“. gegen die Eroberungskriege und für die Gleichberechtigung aller Menschen. Ein interessanter Fall ist Gottfried Benn. Werner Bergengruen: „Der Großtyrann“. die gewalttätige Herrschaft eines „Oberförsters“ zu überstehen und zu überdauern. die versuchten. In diesem Roman wird das stoische Überdauern und Überwinden der grausamen Realität. Das verlangte. dass man immer noch für bestimmte Leser abweichende Meinungen und versteckte Kritik formulieren konnte. Eine solche Literatur konnte natürlich nicht zum Widerstand aufrufen. Er stellte sich zunächst auf die Seite des Regimes und kritisierte öffentlich jene Schriftsteller. Reinhold Schneider: „Las Casas vor Karl V. er wurde aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhielt Schreib. Der Kunst wird darin der absolute Vorrang gegenüber Krieg und Zeitgeschehen eingeräumt. Ernst Wiechert: „Das einfache Leben“. so zu schreiben. Roman über den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. 12 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Eine solche „verdeckte“ Schreibweise musste vieles verklausulieren. sodass manche Texte bis heute unterschiedlich gedeutet und bewertet werden. Schneider behandelt in seiner Erzählung das mutige Eintreten des Bischofs gegen die blutige Unterdrückung und Ausbeutung der Indios durch die Spanier. © öbvhpt. Ernst Jünger: „Marmorklippen“. Die Gedichte konnten nur teilweise veröffentlicht werden. manchmal wurden sie in illegalen Abschriften verbreitet. der aber am Schluss die eigene Schuld erkennt und eingesteht. Er verfasste trotzdem weiterhin Gedichte. trotzdem der allgegenwärtig drohenden Verfolgung zu entgehen und den geringen noch verbleibenden Spielraum auszunützen. Im Mittelpunkt des Romans steht die Besetzung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg.

13 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Er verhielt sich nach 1933 durchaus angepasst. ließ sich auch als Herzeigedichter der Nationalsozialisten feiern und griff in seiner Stoffwahl weit in die Antike zurück: „Atriden-Tetralogie“ (vier Dramen über das fluchbeladene Geschlecht der Atriden).Drama Hier spielte Gerhart Hauptmann eine nicht unproblematische Rolle. Wien 2007 . © öbvhpt.

Teilweise gutgeheißen durch angesehene Gelehrte. wer „Arier“ war. sittliche und soldatische Werte aufklären“. Es entwickelte sich unter der Führung von Joseph Goebbels zur allmächtigen Überwachungs. Kunst. Bereits 1933.Zusammenfassung: Literatur im „Dritten Reich“ Die nationalsozialistische Herrschaft brachte eine ungeheure Verengung für die Literatur (wie auch für alle anderen Künste). © öbvhpt. die schon in den zwanziger Jahren stark vertreten war. konnte überhaupt veröffentlichen. Nur wer Mitglied in dieser Reichsschrifttumskammer war. Wien 2007 . 14 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. also kurz nach der „Machtergreifung“. außerdem musste sich jedes Mitglied schriftlich verpflichten. Die Literatur sollte „das deutsche Volk über die Zusammenhänge von Rasse. neben diesem Ziel wurde nur noch harmlose Unterhaltung in ihrer Funktion als Ablenkung akzeptiert und vor allem während des Krieges auch bewusst gefördert. Dieser Reichsverband ging schließlich in die Reichsschrifttumskammer auf. Im Bauernroman erfolgte eine Idealisierung im Sinne der Formel „Blut und Boden“. Die Nationalsozialisten förderten besonders das Theater als Ausdrucksmittel und Instrument der Propaganda.und Zensurbehörde. Wissenschaft. Dieser Verfolgung und Unterdrückung entsprach andererseits die Förderung der so genannten „Völkischen Literatur“ durch zahlreiche Preise und Förderung sowie Organisation von Lesungen. in dem Verfälschung der Geschichte im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung betrieben wurde. die völkisch-konservative. sozialistischer und jüdischer Autoren öffentlich verbrannt. Die entscheidende Rolle dabei spielte das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“. In der Lyrik wurden durchaus traditionelle Formen verwendet. Öffentliches Symbol der Unterdrückung und Verfolgung der Literatur wurden die „Bücherverbrennungen“. wurden in mehreren Universitätsstädten in durchorganisierten Massenkundgebungen Bücher liberaler. Es sollte die nationalsozialistische Idee darstellen. Die Hauptaufgabe sollte die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie sein. Ein eigenes Genre waren die „Führergedichte“. So wurde aus der Interessenvertretung der Schriftsteller. die direkt dem Ministerium von Goebbels unterstellt war. Auch Weltkriegsromane in bejahender und verherrlichender Absicht passten in diese Richtung. Im Sinne dieser Weltanschauung war es. die wahre Natur und Aufgabe des Menschen darin zu sehen. im Buchhandel und die Verfolgung dieser Autoren. im Frauenroman wurde besonders die Mutterrolle der Frau in den Vordergrund gestellt. sodass bald mehr als tausend Schriftsteller ins Exil getrieben waren. Dem folgten „Säuberungen“ der Bibliotheken. dem „Schutzverband deutscher Schriftsteller“. rassische und militärische Inhalte vermitteln und wurde besonders im Krieg Instrument der Durchhaltepropaganda und des harmlosen Amüsements. vielfach durchgeführt auch von Studenten. sich unterzuordnen und sich in die „Volksgemeinschaft“ einzuordnen. natürlich dominierte auch hier die Darstellung des nationalsozialistischen Gedankengutes. Sie gewann jetzt absoluten Vorrang. dadurch wurde es aber auch genauestens überwacht. und Mitglied konnte nur werden. Dabei konnte man auf eine Dichtung zurückgreifen. dessen Mitglieder ein Gelöbnis „treuester Gefolgschaft“ leisten mussten. dem Staat zu dienen. Im Roman herrschte der Geschichtsroman vor. Hier wurde Hitler in verherrlichender Absicht dargestellt. der „Reichsverband deutscher Schriftsteller“.

III/1. Bd. Wien 2007 . Berlin 1983 Rolf Schnell: Literarische Innere Emigration 1933–1945. Metzler.): Die deutsche Exilliteratur 1933–1945. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1973 H. © öbvhpt. Philipp Reclam jun. 2. Aufl. Ullstein. Denkler und K. Jahrhundert bis zur Gegenwart.): Die deutsche Literatur im Dritten Reich. Stuttgart 1976 15 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.. Prühm (Hg. Beltz Athenäum.Literaturhinweise: Viktor Zmegac (Hg. Weinheim 1994 Manfred Durzak (Hg..): Geschichte der deutschen Literatur von 18. Stuttgart 1976 Joseph Wulf: Literatur und Dichtung im Dritten Reich.

oder hatte er nur am Anfang die Chance? Wodurch engt sich sein Handlungspielraum ein? Was an seinem Verhalten macht ihn eigentlich zu einer Gefahr für die Demokratie? Fragen zur Form: Inwiefern entsprechen Form und Inhalt den Forderungen des „Epischen Theaters“ (siehe Zugänge. Versuchen Sie trotzdem. Philipp Reclam jun. 268) Fragen zur Figur des „Biedermann“: Skizzieren Sie jene Szenen. Stuttgart 1990 Erläuterungen und Dokumente zu Max Frisch „Biedermann und die Brandstifter“. Hg. Frisch bezeichnet sein Stück als „Lehrstück ohne Lehre“. von Walter Schmitz. S. Radio. Suhrkamp. die Frisch in den Chorversen parodistisch verwendet.. Wien 2007 . Stuttgart 1975 Materialien zu Max Frisch „Biedermann und die Brandstifter“. 260)? Welche Rolle spielt der Chor? Wo und wann tritt er auf? Suchen Sie jene klassischen Texte.. H.DEUTSCHE LITERATUR DER NACHKRIEGSZEIT UND DER GEGENWART Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. Bd. Fernsehen)? Historischer Vergleich: Informieren Sie sich über die nationalsozialistische Machtergreifung in Deutschland und die kommunistische Machtergreifung in der Tschechoslowakei. Grimm und Frank Rainer Max. von Ingo Springmann. Welche Nutzanwendung könnte man dabei aus Frischs Lehrstück ohne Lehre ziehen? Literaturhinweise: Deutsche Dichter. Hg. 8: Gegenwart. in denen Biedermann als Bürger versagt. Theater. 1979 (= st 503) Max Frisch. von Gunter E. Hätte er noch später die Möglichkeit. wodurch Biedermann seinen Handlungsspielraum verliert. sich zur Wehr zu setzen. von Walter Schmitz. das Theaterstück zum Fernsehspiel heraus. München 1983  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. diese Lehre knapp zu formulieren. Fragen zu den verschiedenen Fassungen: Arbeiten Sie die wichtigsten Unterschiede von der „Burleske“ über das Hörspiel. Biedermanns Verhalten zu den Brandstiftern: Überprüfen Sie. Hg. Frankfurt am Main (= stm 2059) Alexander Stephan: Max Frisch. Frankfurt am Main. S. Philipp Reclam jun. Suhrkamp. in denen Biedermann als Mensch versagt. Wie reagiert dabei Frisch auf die verschiedenen Anforderungen der verschiedenen Medien (Tagebucheintragung. Skizzieren Sie jene Szenen. © öbvhpt. Hg. C. Beck.

sich durchs Leben zu schlagen.Carl Merz/Helmut Qualtinger: Der Herr Karl ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. Sind Zusammenhänge mit den großen politischen Ereignissen erkennbar? Gewinnt der Herr Karl aus den persönlichen Erfahrungen und den politischen Veränderungen Erkenntnisse? Zieht er Konsequenzen für sein Leben? Wird er im Verlauf seines Lebens ein anderer? Bei aller Kritik und Ablehnung wird man dem Herrn Karl eines nicht absprechen können: Seine erstaunliche Fähigkeit. © öbvhpt. sich nicht unterkriegen zu lassen. Arbeiten Sie das an einigen Beispielen heraus. S. Inwiefern lässt er sich mit dem „Biedermann“ vergleichen?  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Zur Zeit: Von welchen politischen Ereignissen ist im Text die Rede? Informieren Sie sich kurz über deren Bedeutung für die österreichische Geschichte. 284) Zur Figur des Herrn Karl: Wie verhält sich der Herr Karl zu seinen Mitmenschen? Im besonderen zu den Frauen? Welche Charakterzüge sind bei ihm feststellbar? Sind bei ihm politische Haltungen und Überzeugungen zu erkennen? Wie verhält er sich bei den großen politischen Ereignissen seiner Zeit? Sein Leben verläuft in einem ständigen Auf und Ab. Wien 2007 . Wie könnte man sich die damalige Empörung erklären? Vergleich mit „Biedermann“: Auch der Herr Karl wird mit seinen Charakterzügen. Zur Reaktion des Publikums nach der Erstpräsentation: Wenn es Ihnen möglich ist. aber vor allem mit seinem Verhalten zu einer Gefahr für die Demokratie. versuchen Sie Kritiken und Leserbriefe aus dieser Zeit zu bekommen und auszuwerten.

Wien 2007 . Arbeiten Sie die wichtigsten heraus. Hg. Vergleichen Sie Anfangs. München 1990  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. München 1991 Christa Wolf. © öbvhpt. Stuttgart 1986 Alexander Stephan: Christa Wolf. Die Darstellung der Männer: Welche Männerfiguren werden dargestellt? Wie verhalten sie sich? Wodurch sind sie gekennzeichnet? Untersuchen Sie dabei besonders die Figuren von Achilles und Aineias. Beck. Welche Personen stehen Kassandra nahe? Fragen zum Inhalt: Der Krieg: Durch welche Entwicklungen wird der Krieg herbeigeführt? Wer ist dafür verantwortlich? Welche Veränderungen entstehen dadurch am Hof des Priamos? Die Gegenwelt am Skamandros: Was geschieht dort? Wodurch ist diese Gegenwelt gekennzeichnet? Wie verhalten sich die Menschen dort zueinander? Die Darstellung der Frauen: Welche Frauenfiguren werden dargestellt? Wie verhalten sie sich? Wodurch sind sie gekennzeichnet? Untersuchen Sie dabei besonders das Schicksal von Penthesilea und Polyxena. von Angela Drescher. H. Aufl. C.und Endpunkt dieser Entwicklung. 4.Christa Wolf: Kassandra ARBEITSBLATT (Siehe Zugänge. 318) Fragen zur Hauptfigur: Stellen Sie den schmerzhaften Entwicklungsprozess Kassandras genau dar. Studien – Dokumente – Bibliographie. Ein Arbeitsbuch. Metzler. Luchterhand. Die positiven Gegenfiguren Anchises und Arisbe: Wodurch ist ihr Charakter gekennzeichnet? Wie ist ihr Verhalten? Was an ihrem Verhalten und an ihren Eigenschaften lässt sie positiv erscheinen? Vergleich mit der „Ilias“ des Homer: Christa Wolf hat gegenüber der Gestaltung des Stoffes durch Homer große Veränderungen vorgenommen. Stellen Sie einen Vergleich an: Wie ist Achilles in der „Ilias“ dargestellt? Wie bei Christa Wolf? Literaturhinweise: Sonja Hilzinger: Christa Wolf. S.

sondern nur ganz einfach ein mieser Charakter. Doch die Bürger hindern ihn daran. letzterer rät ihm schließlich zur Flucht. Alfred Ill. aufzuteilen auf die Familien der Stadt. Er kann kein Mitleid in uns erwecken. Tragisch ist die Komödie nur wegen des tödlichen Ausgangs für Ill. überall macht sich ein geborgter Wohlstand breit. Doch bald wird deutlich. Unübersehbar sind die Zeichen der Armut und der Herabgekommenheit. in einen Kramladen eingeheiratet und Claire. ein plötzliches Bildhaftmachen und gerade darum fähig. Das führt Dürrenmatt konsequent an der Korrumpierbarkeit der Güllener vor. Dieser hatte nämlich. es endet mit seinem Untergang. kleiden sich neu ein – alle tragen auf einmal neue gelbe Schuhe –.und Verhaltensweisen der Wohlstandsgesellschaft der fünfziger Jahre. stellt Claire bedrohliche Fragen. als sie eine Vaterschaftsklage einreichte.Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame INFORMATIONSBLATT Inhalt: Die Milliardärin Claire Zachanassian besucht nach mehr als vierzig Jahren die Stadt ihrer Jugend. sodass sich Ill in sein Schicksal ergibt. eine große Arbeitslosigkeit herrscht. Zunächst wird mit großem Pathos unter Verweis auf die „abendländischen Werte“ das Angebot Claires abgelehnt. sie nennt es Gerechtigkeit. Deshalb hat er auch unser Mitleid. die behaupteten. Schon beim Empfang. wie er sich auch entscheidet. Komödie ist daher die wichtigere Bezeichnung. obwohl seine Beziehung zu Claire nicht ohne Folgen blieb. Seine Frau schafft sich einen  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Ein Chor rechtfertigt ausdrücklich das Verhalten der Güllener. Immer mehr Menschen wenden sich von Ill ab. er schreibt dazu: „Die Groteske ist eine äußerste Stilisierung. wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat. die er nicht beeinflussen kann. mit Hilfe von bestochenen Zeugen.“ Dürrenmatt geht dabei von einer Geschichte aus. indem er alte Gefühle zynisch benützt. ohne Tendenz oder Reportage zu sein. dass sie beide falschen Zeugen aufstöbern. doch beim Festbankett lässt sie die Katze aus dem Sack: Sie bietet der Stadt 500 Millionen und noch einmal 500 Millionen. Er hätte immer anders. Dürrenmatt spricht von einer Groteske. denn der tragische Held steht vor einer Entscheidung. sie kaufen ein. alle Betriebe mußten schließen. Friedrich Dürrenmatt nennt sein Stück eine tragische Komödie. zeigt sich daran. Aber bald machen die Güllener Schulden (auf das zukünftige Blutgeld). Sie fällen im Namen der Gerechtigkeit das Urteil über ihn und vollziehen es in einem Akt von Lynchjustiz. der nicht ohne Pannen abläuft. Diese Stadt ist in den letzten Jahren völlig verarmt. schließlich erreicht die Korrumpierbarkeit selbst Ills Familie. Ill hingegen ist kein tragischer Held. niemand wird davon nicht ergriffen. die zu Ende gedacht werden muss. Jetzt will sie Rache. Wien 2007 . als Hure diffamiert. Aber tragisch ist nicht im klassischen Sinne zu verstehen.“ Zu Ende gedacht werden hier die Handlungs. blenden und kastrieren ließ. © öbvhpt. ihre Jugendliebe. Claire überreicht den Scheck. noch beim Lehrer oder dem Pfarrer findet er Unterstützung. wie leicht sie zu korrumpieren sind. Wie ernst es ihr damit ist. für den Tod Ills. im moralischen Sinne besser handeln können. Die Güllener erhoffen sich vom Besuch der alten Dame finanzielle Unterstützung. mit ihr geschlafen zu haben. Die Güllener weisen dieses Geschäft vorerst entrüstet zurück. Am Schluss erstrahlt die Stadt im neuen Glanz. Der Arzt stellt „Tod durch Herzschlag“ fest. weder beim Bürgermeister noch beim Polizisten. mehr noch die Gegenwart aufzunehmen. Zeitfragen. „Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht. soll Claire dazu bewegen. Güllen.

die das Ungeheure der Welt besingen. Was bleibt. der Sohn ein Auto. ist: „Die Dramatik kann den Zuschauer überlisten. dass die Welt erklärbar und veränderbar sei. aber nicht zwingen. die Hüter des Gesetzes. sich der Wirklichkeit auszusetzen. die den Menschen den Naturkatastrophen.“ Literaturhinweis: Erläuterungen und Dokumente zu Friedrich Dürrenmatt „Der Besuch der alten Dame“. Sind hier die Chorsprecher aber die Weisen. sind es bei Dürrenmatt die „heruntergekommenen“ Güllener. Geht dieser davon aus. scheitert daran. die Tochter nimmt Tennisstunden. Die Güllener sind völlig in ihrer Hand. und fordert damit den Zuschauer zu deren Veränderung auf. © öbvhpt.Pelzmantel an. Philipp Reclam jun. Damit ist das Schicksal Ills besiegelt. die brachliegenden Fabriken zu sanieren.. Alten. Hg. So wie Max Frisch in „Biedermann und die Brandstifter“ setzt auch Dürrenmatt parodistisch einen Chor ein. dem Krieg und der Armut überliefert. Wien 2007 . Claire solle mit viel weniger Geld helfen. In grotesker Umkehr rechtfertigen sie seine Verurteilung mit eben jenen abendländischen Werten. ihr standzuhalten oder sie gar zu bewältigen. so sieht Dürrenmatt die Welt als unüberschaubar und daher auch nicht beeinflussbar. dass diese schon längst alle ihr gehören – eigentlich die ganze Stadt. Stuttgart 1979  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Deutlich unterscheidet sich Dürrenmatt von Bertolt Brecht. Er bezieht sich dabei auf die „Antigone“ des Sophokles. Ein letzter Vorschlag des Lehrers. die die Größe des Menschen feiern und klar Recht von Unrecht unterscheiden. von Karl Schmidt.

Zwei große Themen stehen im Vordergrund: Wann und unter welchen Bedingungen ist ein Volksaufstand gerecht? Schiller. aber keinen wirklichen Anlaß. Tell wird von den Aufständischen als großer Held gefeiert. des alten Zustandes ist das Ziel. Erst wenn er und seine Familie aufs höchste in ihrer Existenz bedroht sind. „dass es auch anders hätte sein können“. sondern die Wiederherstellung der alten Rechte. sinnbildhaft „ in die Knie zu zwingen“. Mit dem Tyrannenmord gibt er aber auch das Signal zum Aufstand der Schweizer. den sie auf dem Rütli feierlich beschwören („Rütlischwur“). dass er Tell in einem großen Monolog vor dem Schuss auf Geßler noch einmal alle seine Gründe zusammenfassen und am Ende des Stückes noch einmal den Unterschied zur Tat des Parricida erklären lässt. doch Tell lässt Geßler wissen. und er ironisiert die Personen  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Uri und Unterwalden werden von den habsburgischen Vögten in ihren Rechten beschnitten und grausamer Willkürherrschaft unterworfen. Sie beschließen daher unter maßgeblicher Führung des Bauern Stauffacher einen Bund. darf der einzelne zur Gewalt greifen. tötet er den Tyrannen. So hätte Tell schon früher Gelegenheit gehabt. in dem er zeigt. und weil er sich und seine Familie aufs äußerste gefährdet sieht. Tell kann sich befreien. mit einer Armbrust einen Apfel vom Kopf des eigenen Sohnes zu schießen. weil weder der Rütlischwur noch die Tell-Figur historisch beweisbar sind. Er schreibt einen Gegentext. Wilhelm Tell nimmt am Schwur nicht teil. Wien 2007 . Dazu müssen alle Mittel versucht und ausgeschöpft werden. So wird er gefangen genommen und fortgeführt. den grausamen Vogt zu töten. dass ein zweiter Pfeil ihn niedergestreckt hätte. wenn man ihn braucht. indem sie ihn grüßen. Wann ist der Tyrannenmord gerecht? Schiller zieht auch hier enge Grenzen. hätte er sein Kind getötet. lässt sich allein daraus erkennen. Max Frisch verfolgt mit seiner Erzählung ein ganz anderes Ziel. Tell gerät in Konflikt mit den Landvogt Geßler. Sie wollen ihre Rechte notfalls auch mit Gewalt erkämpfen. Wie wichtig Schiller diese Begründung ist. Noch einmal verteidigt er seine Tat als gerecht. Der Schuss des verzweifelten Vaters gelingt. © öbvhpt. den dieser aufgestellt hat. es herrscht eher Langeweile als dramatische Zuspitzung. Er möchte die Schweizer Nationallegende in Frage stellen. als er einem Hut nicht die Reverenz erweist. der seinen eigenen Oheim aus niedrigen Motiven ermordet hat. der sich ja enttäuscht von der Französischen Revolution abgewendet hat. Er muss sich daher notgedrungen mit Schillers Schauspiel auseinandersetzen. nur die Verletzung der unveräußerlichen Naturrechte des Menschen erlaubt Widerstand. Geßler zwingt daraufhin Tell.Friedrich Schiller: Wilhelm Tell INFORMATIONSBLATT Max Frisch: Wilhelm Tell für die Schule Inhalt von Schillers „Wilhelm Tell“: Die freien Bewohner der Schweizer Waldstätten Schwyz. der Aufstand muss möglichst unblutig verlaufen. um die Schweizer. der fast ohne Blutvergießen rasch erfolgreich ist. durch die Gründe scheint ihm die Tat sittlich gerechtfertigt. will aber zur Verfügung stehen. Wichtigste Kennzeichen seiner Erzählung sind: Er entdramatisiert die Handlung. nennt folgende Bedingungen: Nicht Neues soll geschaffen werden. den er den „Begründer eines nationalen Selbstmissverständnisses“ nennt. diesmal vor Johannes Parricida. Schiller hat mit diesem Schauspiel der Schweiz einen Nationalhelden geschaffen.

findet bei Frisch gar nicht statt. Dazu musste Frisch auch gravierende Veränderungen vornehmen: Die ganze Erzählung ist auf Geßler zugeschnitten. Die Schweizer selbst – bei Schiller offen und freiheitsliebend – werden zu menschenscheuen.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Wien 2007 . unterbricht Frisch den Erzählfluss durch eine Reihe von Fußnoten mit dokumentarischem Material. das Ganze wird von einem allwissenden Erzähler berichtet. weil Geßler dem schießwütigen Tell ganz einfach den Pfeil wegnimmt. selbstbestimmt. manche Szenen fehlen überhaupt.und das Geschehen. bei Frisch werden sie durch ihre Umgebung gedrängt und beeinflusst. © öbvhpt. Geßler und Tell wechseln auch die Rollen: Aus dem unmenschlichen Geßler bei Schiller wird ein menschlicher. der Zufall und Missverständnisse spielen eine entscheidende Rolle. fremdenscheuen „Hinterwäldlern“. er ist die Hauptperson. während bei Schiller feierliches Pathos vorherrscht. Aus der gerechten Tat (Geßlermord) mit Signalwirkung ein sinnloser Mord ohne Konsequenz für die Schweizer. Im klassischen Drama handeln die Menschen souverän. Um seine Erzählung historisch wahrscheinlich erscheinen zu lassen. der Apfelschuss. Der Höhepunkt bei Schiller. aus dem menschlichen Tell wird ein unmenschlicher Mörder aus dem Hinterhalt.

© öbvhpt. die sein Grab umschlingt.Wassergeister vergehen sonst spurlos mit Geist und Leib. kennengelernt. Durch die Heirat wird sie „gar sittig und still“. Mitleidig nehmen sie sie mit auf Huldbrands Burg. Doch die stolze Ziehtochter des Herzogs ist empört über diese „Degradierung“ und beschimpft sie wütend. die eigentlich von Wassergeistern abstammt. wenn sie sterben. „schamhaft“. Als Undine dem Ritter all das erzählt. verstößt er sie. deren Geliebter er bald wird. sondern als „du schöner Freund“. das gesellschaftliche Konventionen und Rollen akzeptiert und sich dem Manne unterordnet. das sie aus den Fluten zieht. die Ziehtochter eines mächtigen Herzogs. obwohl ein Traum ihn davor warnt. ein bescheidenes. sodass er sie schließlich heiratet. Durch die Hochzeit erhält Undine. bleibt aber in seiner Liebe unbeirrt. ihr treu zu bleiben. weil sie noch immer Verbindung zu diesen Mächten hat. fühlt er ein seltsames Schaudern. in geheimnisvoller Nähe ist immer der Wasserfürst Kühleborn. Huldbrands Ärger wächst. Zum Schluss wird  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. und als offenbar Kühleborn aus Bertaldas Hand ein Goldhalsband entreißt und Undine ihre magischen Kräfte zeigt. Immer näher kommt ihm nun Bertalda. ein Oheim Undines. selbstbewusst. unterwürfiges „Weibchen“. ein mächtiger Wasserfürst. Huldbrand sieht sie nicht als Ritter und Standesperson. die ihn zu einem Wagestück auffordert: Er soll einen berüchtigten Wald durchqueren. Später zieht das junge Paar in die Stadt. was ihren Oheim Kühleborn zur Rache treibt. Auch bei seinem Begräbnis taucht sie wieder auf. Dadurch gewinnt sie die Liebe Huldbrands zurück. dies konnte aber nur durch die innigste Liebe eines Menschen geschehen. immer liebloser behandelt er Undine.Friedrich de la Motte Fouqué: Undine Ingeborg Bachmann: Undine geht INFORMATIONSBLATT Inhalt von Fouqués „Undine“: Der Ritter Huldbrand von Ringstetten hat bei einem Turnier Bertalda. Jetzt redet sie ihn mit „mein Herr“ an. Hier wendet sich Huldbrand immer mehr von Undine ab und Bertalda zu. der ihn auf eine Landzunge zur Hütte eines alten Fischerehepaares führt. die wegen ihres hartherzigen Stolzes sowohl von ihren Zieheltern als auch von ihren wahren Eltern verstoßen worden ist. In der Stadt schließen Undine und Bertalda enge Freundschaft. Undine meint diese noch zu stärken. „engelmild und sanft“. deshalb wollte ihr Vater. Doch in der Nacht kommt Undine und tötet ihn mit einem Kusse. Aber bei einer Reise auf der Donau nach Wien kommt es zur Katastrophe.Wassergeister treiben ihr Spiel um das Boot. nicht ohne ihn aufzufordern. Faszinierend an dieser Erzählung ist vor allem das Frauenbild: Undine erscheint zunächst als temperamentvoll. widersetzt sich dem herrschenden Rollenbild der Frau. spontan und respektlos. Sie ignoriert gesellschaftliche Konventionen. eine Seele. Dort lernt er deren Pflegetochter Undine kennen. wo sie sich schließlich in eine Quelle verwandelt. Wien 2007 . Dabei wird er aber durch geheimnisvolle Mächte auf einen bestimmten Weg gedrängt. Undine und Huldbrand wollen am nächsten Tag die Stadt verlassen und treffen dabei auf Bertalda. indem sie Bertalda mit einem wunderschönen Korallenhalsband tröstet. als sie bei der Namenstagsfeier Bertaldas deren wahre Abkunft verrät: Sie ist eigentlich die Tochter der alten Fischersleute. Darauf muss Undine gehen. „bis ihm der Atem entging“. dass sie in den Besitz einer Seele gelange. aber Undine kann beide gerade noch retten.

als es noch kein geschärftes Bewusstsein für Frauenfragen gab. verkörpert in einem Mann namens Hans. © öbvhpt. sie wird nicht nur durch die Liebe beseelt. und auch aus einem tragischen Gegensatz: Undine ist gleichzeitig zur Liebe verurteilt und zum Männerhass. in radikaler Verallgemeinerung an.“ Aber dieser kurzen Aufhebung der Entfremdung folgt immer der Verrat. wenn man sich diesen Rollenzwängen widersetzt. aber auch Trauer. Sie bedient sich dabei der mythischen Figur der Undine als Sprecherin. durch die Hochzeit wird sie „domestiziert“. Wien 2007 .und Trauerrede gesprochen. von der Frauenbewegung noch keine Rede sein konnte. Sirene. und sie klagt deren immerwährenden Verrat an. man hat von einer Schmäh. Sie ist sich und dem anderen Geschlecht verfallen. aber auch zur Quelle. sondern muss sich eigentlich auch unterwerfen.  SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. der Feminismus in den Anfängen war. S. gefangen in ihren typischen Rollen. die sich um das Grab schlingt. ihre Respektlosigkeit ist ihr sozusagen nur als Naturwesen gestattet. sie klagt die Männer an. Eine freie.“ Ingeborg Bachmann hat mit dieser Erzählung ein Thema dargestellt. Undine klagt die Menschen und die Männer. „Weil ich zu keinem Gebrauch bestimmt bin und Ihr Euch nicht zu einem Gebrauch bestimmt wusstet. Der Text beginnt mit der Schmähung „Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer!“ und endet mit dem sehnsüchtigen Ruf „Komm. Dieser Text bezieht seine Spannung aus dem Gegensatz von Anklage. war alles gut zwischen uns. Und es wird nicht erzählt. Ingeborg Bachmann nimmt in ihrer Erzählung „Undine geht“ darauf Bezug. Liebe wird nur möglich. das zum Hauptthema ihres großen Romans „Malina“ (siehe Zugänge. Nur einmal. 1961. Schon sehr früh. stellte sie in äußerster Schärfe und Radikalität die Situation der Frau dar. Komm. Undines Selbstbewusstsein. Einerseits demütigzüchtige Hausfrau. andererseits erotisch anziehende Nixe. 308) geworden ist. nicht voneinander Gebrauch macht. die doch dem Ruf Undines folgen. Sie klagt die Männer und deren Frauen an. gleichberechtigte Beziehung der Geschlechter findet nur kurz in dem von der übrigen Gesellschaft abgetrennten Raum auf der Halbinsel bei den Fischersleuten statt. Wir liebten einander. Undine scheint somit typisch männliche Wünsche widerzuspiegeln.sie zum mörderisch-zärtlichen Todesengel.

eine sprachspielerische Richtung der Dichtung. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1967 die meinungsbildende Institution auf literarischem Gebiet. Schon die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland im Zeichen des Kalten Krieges. nonkonformen Literatur. Wien 2007 . das so genannte Wirtschaftswunder. Behaglich richtete man sich in einer „biedermeierlichen“ Welt ein. einen Gesellschaftsroman und einen Deutschlandroman. setzten sich auch im geistigen Leben die restaurativen Tendenzen durch. KritikerInnen. Vor allem die Gleichsetzung Deutschlands mit dem Künstler. eine Vereinigung von AutorInnen. machte deutlich. Vom Dadaismus und verwandten Strömungen beeinflusst war die „Konkrete Poesie“. © öbvhpt. Er hatte sich zunächst auf die Seite des Nationalsozialismus gestellt. Hans Werner Richter (1908-1993) und Wolfgang Borchert (1921–1947). die jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Vergangenheit und eigener Schuld verhinderte. Seine Konsequenz aus diesem Ereignis bestand nach 1945 darin. die einmal im Jahr zusammentrafen und Texte von eingeladenen AutorInnen diskutierten und kritisierten. Damit wurde er bald zum repräsentativen Autor. sich später aber distanziert und war mit einem Schreibverbot belegt worden. LektorInnen und VerlegerInnen. der noch den bürgerlich-konservativen Traditionen der Kaiserzeit und der Weimarer Republik verhaftet war.Zusammenfassung: Die deutsche Literatur nach 1945 Die Hoffnung mancher auf einen radikalen Neuanfang nach 1945 blieb unerfüllt. des Aufbaus einer neuen. einen Faustroman. dass nicht ein radikaler neuer Anfang. Lyrik Beispielhaft für den Rückgriff auf Traditionen der Weimarer Republik ist vor allem Gottfried Benn. bestärkte viele Menschen noch in einer politischen Selbstzufriedenheit. Ähnliches gilt auch für die Literatur. Darin verwob Mann vier große Geschichten: Einen Künstlerroman. modernen. Die Vorstellung von einem „Nullpunkt“ oder „Kahlschlag“ entsprach mehr einem Wunschdenken als der Realität. Sie war eine Gründung von Hans Werner Richter im Jahre 1947. Nach einer kurzen Phase der Auseinandersetzung mit der Rolle von Schriftstellern im NS-Regime und mit dem Missbrauch der Sprache. S. Für den Neuanfang steht die Literatur des „Kahlschlags“: Wolfdietrich Schnurre (1920–1989). Sein Roman „Doktor Faustus“ löste heftige Diskussionen aus. so wie Deutschland von Adolf Hitler. In der Tradition der naturmagischen Lyrik (siehe Zusammenfassung „Literatur der Neuen Sachlichkeit“. die sich vor allem auf konservativ-bürgerliche Wertvorstellungen der Weimarer Republik berief. die mit dem „konkreten Material“ der Sprache. sondern Restauration und Restitution die politische Richtung bestimmten. 91) standen und ihre Fortführung betrieben Günter Eich und Peter Huchel. mit 10 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat und von diesem geholt wird. mit der Leitfigur Konrad Adenauer. jedes politische Engagement abzulehnen. Gegen die restaurativen Tendenzen setzte sich auch die Gruppe 47 zur Wehr. Das in den fünfziger Jahren einsetzende Wirtschaftswachstum. vor allem durch seinen Gedichtband „Statische Gedichte“. alles nur mehr dem schöpferischen Akt unterzuordnen. Auseinandersetzungen gab es auch um die Aufnahme der Exilautoren. sorgte für Aufregung. besonders von Thomas Mann.

Neben Böll der wichtigste Autor dieser Zeit war Günter Grass (geb. 274 ff. siehe Zugänge. S. „Das Einhorn“. Gegen eine unpolitische Literatur wandte sich in sechziger Jahren immer deutlicher eine politisch engagierte. 1926): Er schreibt Romane und Kurzgeschichten. „Das Treibhaus“. Max Frisch (1911–1991): „Biedermann und die Brandstifter“ (siehe Zugänge. Heiner Kipphardt (1922–1982): „In der Sache J. „Oberösterreich“. „Geisterbahn“. In der Tradition des Volksstückes der zwanziger Jahre. 1927) liefert in seinen Romanen eine genaue Beschreibung und Analyse der Bundesrepublik. Aus dem Leben der Gesine Cresspahl“. etwa der Werke Ödön von Horváths. entstanden in den sechziger Jahren kritische Volksstücke: Martin Sperr (geb. Peter Weiss (1916–1982): „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats“ und „Die Ermittlung“. Das Schauspiel „Der Stellvertreter“ behandelt die Frage der Mitwisserschaft und damit der Mitschuld von Papst Pius XIII. Epik Viele Romane dieser Zeit setzten sich kritisch mit der Wirklichkeit der Bundesrepublik auseinander. Friedrich Dürrenmatt (1921–1990): „Der Besuch der alten Dame“. Robert Oppenheimer“. 1931).). Martin Walser (geb. der dabei die verschiedenen sozialen Milieus kennenlernt. auf der Bühne aufzuarbeiten. „Physiker“. 1927): „Die Blechtrommel“ (siehe Zugänge. eine Dramatisierung des Frankfurter Auschwitzprozesses. „Billard um halbzehn“. Siegfried Lenz (geb. nämlich das dokumentarische Theater. an der Judenvernichtung. die er dadurch gewinnt. „Maria Magdalena“. 268 ff. Eine neue Form des Theaters eröffnete Rolf Hochhuth (geb.).den Lauten. Eugen Gomringer und Franz Mon. Ansichten eines Clowns“. Wien 2007 . Franz Xaver Kroetz (geb. 272) wurde in seinen Romanen und Kurzgeschichten zunehmend zu einem gesellschaftskritischen Autor: „Haus ohne Hüter“. kritische Lyrik. letztere in der Nachfolge Hemingways. Drama Große Bedeutung für das Theater der fünfziger und sechziger Jahre hatten die Schweizer Autoren Frisch und Dürrenmatt. 1946): „Stallerhof“. Tod in Rom“. Es war dies der Versuch. Gerd Gaiser (1908–1976) kritisierte in seinem Roman „Schlussball“ eine neureiche Wohlstandsgesellschaft. © öbvhpt. dass er als Hauptfigur einen Handlungsreisenden durch Deutschland reisen lässt. „Gruppenbild mit Dame“. „Halbzeit“. Geschichte möglichst getreu. S. „Der Sturz“. Die wichtigsten Vertreter waren Helmut Heißenbüttel. versucht sich in einem anderen Land unter einem 11 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. den Buchstaben und deren auch visueller Anordnung spielte. Der Schweizer Max Frisch behandelte in seinem Roman „Stiller“ das Problem der Identität. unzufrieden mit seiner Existenz. „Andorra“. Uwe Johnson (1934–1984): „Mutmaßungen über Jakob. 1944): „Jagdszenen aus Niederbayern“. Heinrich Böll (1917–1985. S. Auch Wolfgang Koeppen (1906-1996) unterzog die Bundesrepublik einer scharfen Kritik: „Tauben im Gras“. nach den Dokumenten. deren wichtigster Vertreter Hans Magnus Enzensberger mit den Gedichtbänden „Verteidigung der Wölfe“ und „Blindenschrift“ war. „Jahrestage. Besonders erfolgreich war sein Roman „Deutschstunde“. Ein Bildhauer.

1926) mit den Romanen „Irrlicht und Feuer“ und „Stellenweise Glatteis“. Dieses Thema wird in dem Roman „Mein Name sei Gantenbein“ noch einmal durchgespielt. In fast allen diesen Romanen wurden Menschen aus bürgerlichem oder kleinbürgerlichem Milieu beschrieben. © öbvhpt. Als Arbeiter in deutschen Industriebetrieben“. „13 unerwünschte Reportagen“. die sich mit der Arbeitswelt literarisch auseinandersetzte. Dafür schien ihm die Reportage und die Dokumentation besser geeignet. sondern sie mit politischer Arbeit verbinden.Eine wichtige Aufgabe übernahm dabei die „Gruppe 61“. Erst spät begann man sich auch mit den Arbeitern und ihrer Arbeitswelt zu beschäftigen. direkte Erfahrung am Arbeitsplatz gewann.anderen Namen eine neue Identität aufzubauen. Zu den wichtigsten Vertretern gehört Max von der Grün (geb. Wien 2007 . Nach einigen Jahren kehrt er in die Schweiz zurück und wird vom Staat und der Bürokratie in seine alte Identität zurückgezwungen. Günter Wallraff (geb. deren Stoff er durch eigene. oft auch unter angenommenen Namen und falschen Angaben zur Person: „Wir brauchen Dich. Damit erregte er großes Aufsehen und löste heftige Diskussionen aus. ein Mensch gibt durch erschütternde Ereignisse in seinem Leben seine bisherige Identität Zug um Zug auf. 1942) wollte nicht bei der literarischen Auseinandersetzung stehenbleiben. 12 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. In dem Roman „Homo faber“ ist die Konstellation umgekehrt.

zu Innerlichkeit. S. Karin Struck und Verena Stefan (siehe Zugänge. Brachte im Bereich der Lyrik die Studentenbewegung eine starke Wendung zur politischen Lyrik. Walter Boehlich und Karl Markus Michel sprachen sogar vom „Tod“ der Literatur. konservative Wende vertritt Botho Strauß (geb. Sensibilität und Spontaneität wurden die prägenden Leitbegriffe. so ging man in den siebziger und achtziger Jahren unter den Schlagwörtern „Neue Subjektivität“ und „Neue Innerlichkeit“ verstärkt zu subjektiver Darstellung des Alltags. auf Metaphern. Den emanzipatorisch-aufklärerischen Anspruch der Studentenbewegung entwickelte eine neue Frauenliteratur weiter: Subjektivität. Dazu gehörte ein Verzicht auf „Künstlichkeit“ und „Artistik“. gemeint war. war Botho Strauß in den siebziger und achtziger Jahren erfolgreich.Zusammenfassung: Die deutsche Literatur seit Ende der sechziger Jahre Die studentische Protestbewegung in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre sah die Kunst. 64) schufen erste Werke für diese Richtung. vermehrtem Interesse an Lebensläufen und Autobiographien. Im Theater wurden die Tradition des Volksstückes und auch das Dokumentarische Theater fortgesetzt. 1925) zu nennen: „Eiszeit“. eine „Entschlackung“ der Lyrik wurden wichtig. der die Verfolgungshysterie der staatlichen Organe einerseits und die Manipulation der Massenpresse andererseits kritisch aufs Korn nahm. 13 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. dass sie andere Ausdrucksformen für ihre Inhalte suchten: Agitproplyrik (Lyrik im Dienste von Agitation und Propaganda). dass sie keine gesellschaftliche Funktion mehr besitze. Darauf reagierten Schriftsteller wie Hans Magnus Enzensberger. der persönlichen Erfahrung und auf Selbsterlebtes zurück. Straßentheater. „Goncourt oder die Abschaffung des Todes“. zu Fiktion und zu Mythos und Religion zu antworten. Wien 2007 . Radikale Subjektivität. Auf die Politisierung der sechziger Jahre begannen in den siebziger Jahren immer mehr jüngere Autoren mit einer Hinwendung zu Subjektivität. Eine aufklärungskritische. Dokumentarliteratur und Protokolle. 1944). 1929). das Sprechen wie im Alltag. Mit seinen Stücken. der 1976 im Alter von 32 Jahren an Krebs starb). © öbvhpt. verknüpft mit einer schonungslosen Darstellung der Gesellschaft bietet das Buch „Mars“ von Fritz Zorn (Pseudonym für einen Zürcher Millionärssohn. im besonderen die Literatur. Für letzteres sind zum Beispiel „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ typisch. Die Alltagssprache. Andere Autoren blieben bei ihrem politisch engagierten Schreiben. die bestehenden Verhältnisse zu ändern. Für kurze Zeit kehrten manche Autoren daher dem Schreiben überhaupt den Rücken. die so erfolgreichen Romane von Michael Ende (geb. die nicht imstande sei. Manche. wie Enzensberger. Für letztere Richtung ist vor allem Tankred Dorst (geb. Günter Walraff und Alexander Kluge damit. auch in ihrer oppositionellen Form als letztlich bürgerlich an. wie etwa Heinrich Böll mit dem Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“. um sich direkter politischer Praxis zuzuwenden. die die private Erfahrung von Nöten und Ängsten und die Abwendung vom Politischen darstellen.

Nirgends“. Wien 2007 . 318) setzten diese Befreiung aus starrer Vorgabe fort. gezwungen oder freiwillig. 1936) kritisierte mit seinen politischen Liedern immer unverhüllter Staat und Verhältnisse. nach. Andererseits führte die Beibehaltung der Zensur immer mehr zu kritischen Positionen. dem Aufbau des Sozialismus zu dienen. was 1976 zu seiner Ausbürgerung führte.“ eine Wende abzuzeichnen. Die Lyrik der DDR hielt sich an traditionelle Formen und Sprache. linksbürgerliche und kommunistische Literatur der vergangenen Jahrzehnte und verhinderte durch Publikationsbeschränkungen. 1928) Roman „Nachdenken über Christa T. Vorbilder waren Friedrich Klopstock. Die wichtigsten Vertreter sind Johannes Bobrowski (1917-1965). sodass man von einer neuerlichen Exilliteratur sprechen konnte. S. „Kindheitsmuster“ und vor allem „Kassandra“ (siehe Zugänge. Dazu förderte der Staat die antifaschistische. In den Jahren danach folgten ihm viele wichtige Autoren. S. Erst in den sechziger Jahren begann sich mit Christa Wolfs (geb.“ (siehe Zugänge. Wolf Biermann (geb.Zusammenfassung: Die Literatur der DDR Die Literatur war geprägt von der Aufgabe. Ulrich Plenzdorfs Roman „Die neuen Leiden des jungen W. 1935) und Günter Kunert (geb. Sie sollte dabei die Wirklichkeit realistisch abbilden und deren Veränderung im oben genannten Sinn zum Ziel haben (Sozialistischer Realismus). Bertolt Brecht. durch Lenkung der Verlage und Zensur das Entstehen einer ihm nicht genehmen Literatur. © öbvhpt. Sarah Kirsch (geb. 46) und Christa Wolfs Romane „Kein Ort. 1929) 14 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE.

So konnten Friedrich Torberg und Hans Weigel bis 1963 fast lückenlos verhindern. bei bundesdeutschen Verlagen zu verlegen. deren kennzeichnender Ausdruck auf politischer und wirtschaftlicher Ebene die Sozialpartnerschaft war. herausge 15 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Eng damit verbunden war eine konservative Wende. Dies wurde noch verstärkt durch die offizielle Politik der Regierungen. Bis weit in die sechziger Jahre bildeten die große Koalition. Die darauffolgende Besatzungszeit wurde daher auch nicht zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Rolle Österreichs und der Österreicher im nationalsozialistischen Herrschaftssystem genützt. dass Bertolt Brecht in Österreich aufgeführt wurde. Sie bestimmte mit ihrer Konsenspolitik auch in der Phase der Alleinregierungen von 1966 bis 1983 im Hintergrund maßgeblich mit.Zusammenfassung: Österreichische Literatur von 1945 bis zur Gegenwart Österreich verdankte seine Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft nicht einer gemeinsamen Erhebung der Bevölkerung. wurde abgelehnt. das einerseits seine Begründung in einem Rückgriff auch auf weit zurückliegende Epochen der österreichischen Geschichte suchte und andererseits Institutionen wie die Wiener Philharmoniker. Avantgardistische Strömungen und alles. Auf kultureller Ebene entsprach dem die bewusste Betonung eines Österreichbewusstseins. sich bemerkbar zu machen. Diese konservative Grundeinstellung der fünfziger und frühen sechziger Jahre war so etwas wie ein Spiegelbild der konservativen und bewahrenden Politik. die es allen modernen Ansätzen in Kunst und Literatur äußerst erschwerte. daher auch die Einnahmesituation der österreichischen Schriftsteller bis auf wenige Ausnahmen sehr schlecht. Die Voraussetzungen für eine moderne Literatur waren in Österreich nach 1945 äußerst ungünstig. sondern den alliierten Armeen. die Salzburger Festspiele zu diesem Zweck benutzte. der Proporz (eine Art Aufteilung aller einflussreichen Posten und Ämter unter den beiden großen Parteien ÖVP und SPÖ) und die dementsprechende Parteibuchwirtschaft (Besetzung wichtiger Posten und Ämter vorrangig nach Parteizugehörigkeit) die Grundlage des politischen Systems. mit denen außerdem lange Zeit nur konservative Autoren gefördert wurden. die Sängerknaben. Ab den sechziger Jahren gewannen die Zeitschriften „manuskripte“. waren und sind viele Autoren gezwungen. die höhere Auflagen bieten können. © öbvhpt. sondern man richtete es sich bequem mit der Lüge ein. Außerdem war und ist die Zahl der Leser in Österreich relativ gering. Gleich nach dem Krieg wurde Otto Basils „Plan“ wichtigstes Organ einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Eine wesentliche Rolle für die avantgardistische Literatur spielte die Zeitschrift des Theaters der Jugend „Neue Wege“. was als politisch links verdächtigt wurde. Die sich verschärfenden wirtschaftlichen Probleme der späten achtziger und neunziger Jahre führten wieder zur großen Koalition zwischen SPÖ und ÖVP. Eine gewisse Publikationsmöglichkeit boten Zeitschriften. So verhinderte die konservative Grundströmung fast jeden Ansatz in dieser Richtung. Österreich sei das erste Opfer gewesen. Da es auch für den kleinen literarischen Markt nur wenige Verlage für Gegenwartsliteratur gab und gibt. die offizielle Kulturpolitik stellte und stellt nur relativ geringe Mittel zur Verfügung. Die steigende Arbeitslosigkeit und die sich verschärfenden Verteilungskämpfe begannen auch das bisher so reibungslos funktionierende System der Sozialpartnerschaft in Frage zu stellen. Wien 2007 .

vor allem durch seine Romane „Die Strudlhofstiege“ und „Die Dämonen“. S. Die Arbeitswelt stellt Gernot Wolfgruber (1944–2002) in seinen Romanen dar. 266) und Ingeborg Bachmann (siehe Zugänge. die nach dem Krieg noch weiterwirkten. Gerhard Roth (1942–. siehe auch Zugänge. begründet von Peter Henisch und Helmut Zenker. Erich Fried (1921–1988. der erfolgreichste experimentelle Lyriker. 307) versuchte zunächst mit seiner Technik des „ernsthaften Wortspiels“ in seinen „Warngedichten“ eher allgemein vor negativen Entwicklungen zu warnen. sind zu nennen: Peter Handke (geb. der die Autoren der avantgardistischen Gegenwartsliteratur praktisch geschlossen beitraten. S. © öbvhpt. S. Der Gegensatz zwischen konservativen und avantgardistischen Kräften wurde besonders deutlich im österreichischen PEN-Club. 1942): „Wunschloses Unglück“ (siehe Zugänge. Von den Exilautoren.. „Die Angst des Tormannes beim Elfmeter“. Enttäuscht von der konservativen Vorherrschaft darin – dessen Präsident Alexander Lernet-Holenia war aus Protest zurückgetreten. in denen eigeneErfahrungen verarbeitet sind: „Auf freiem Fuß“. Wien 2007 . 312). Eine besondere Entwicklung auf dem Gebiet der Lyrik zeigen viele Texte der „Wiener Gruppe“ (siehe Zugänge. achtziger und neunziger Jahre bestimmten. Die bäuerliche Arbeitswelt rückt Roland Innerhofer (1944–2002) ins Zentrum seiner Romantrilogie „Schöne Tage“.. die sich mit Österreich vor und nach dem Ersten Weltkrieg beschäftigten. Christine Lavant (1915–1973). S. S. ist wohl der bedeutendste Theodor Kramer (1897–1958). 278). 1924) prägten entscheidend das Bild der österreichischen experimentellen Literatur der Gegenwart. Eine gewisse Berührung mit der Wiener Gruppe hatte auch Ernst Jandl (1925–2000). 1921) Roman „Die größere Hoffnung“ setzt sich kritisch mit Faschismus und Weltkrieg auseinander (vergleiche auch Zugänge.): „Der große Horizont“. Robert Musil und Hermann Broch die großen Vorbilder. In seinen Gedichten experimentierte er mit Sprache. „Der kurze Brief zum langen Abschied“. Christine Busta (1915–1987). 48) sind hier zu nennen. 282). „Niemandsland“. Jandl und seine langjährige Lebensgefährtin Elfriede Mayröcker (geb. Thomas Bernhard (1931–1989): (siehe Zugänge. Bis in die sechziger Jahre war Heimito von Doderer (1896–1966) die dominierende Figur. S.geben von Alfred Kolleritsch. „Schattseite“. sprachlichen Verfahrensweisen und zerstörte die Normen des Sprachgebrauchs. Ilse Aichingers (geb. „Der stille Ozean“.. S. Von den jüngeren Autoren. Epik Auf dem Gebiet des Erzählens waren Franz Kafka. 16 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Seine Gedichte wendeten sich etwa gegen den Vietnamkrieg. weil Heinrich Böll 1972 den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte – gründeten Autoren wie Ernst Jandl die „Grazer Autorenversammlung“. Paul Celan (siehe Zugänge. 316). begann aber unter dem Eindruck der Protestbewegung in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre sich radikal zu engagieren. die vor allem die siebziger. immer mehr an Bedeutung. „Mein Jahr in der Niemandsbucht“. „Herrenjahre“. und „Wespennest“. „Landläufiger Tod“. Lyrik Gegen die Sprachverluderung der NS-Zeit versuchte man sich in der Lyrik zunächst der eigenen österreichischen Tradition zu vergewissern: Rainer Maria Rilke und Georg Trakl wurden die großen Vorbilder. „Die großen Wörter“.

Weinheim 1994 17 SchulbuchPlus: ZUGÄNGE. Philipp Reclam jun. Bd. 284). Drama Auf dem Theater war der Rückgriff auf die Tradition. S. von Jan Berg u. Neben diesen Stücken historischen Inhalts setzte sich Hochwälder auch kritisch mit der Gegenwart auseinander. vor allem durch die Fernsehfassung (siehe Zugänge.. ): Geschichte der deutschen Literatur vom 18. München 1993 Manfred Durzak (Hg. Am Beispiel einer Bauernfamilie wurde in sechs Folgen die Geschichte Österreichs von 1899 bis 1945 aufgearbeitet. Jahrhundert bis zur Gegenwart. 2. Kontinuität herzustellen. Christoph Ransmayr (geb. Band 12: Gegenwartsliteratur seit 1968. So kritisiert „Der Himbeerpflücker“ satirisch den alten und neuen Rechtsradikalismus. Deutscher Taschenbuch Verlag. das andere eine mit Sprache und ihrer Wirkung.Die bedeutendsten Schriftstellerinnen dieser Zeit sind: Ingeborg Bachmann (siehe Zugänge. ): Deutsche Gegenwartsliteratur. S. 320) feierte Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre mit seinen Romanen „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“. Deutscher Taschenbuch Verlag. das eine eine Auseinandersetzung mit der Institution selbst. Band 11: Die Literatur der DDR. Für das Fernsehen geschrieben wurde auch die „Alpensaga“ von Peter Turrini (geb. siehe Zugänge. Wien 2007 . Hg. © öbvhpt. 1946): „Die Liebhaberinnen“. Einen Entrüstungssturm lösten Carl Merz und Helmut Qualtinger mit dem Stück „Der Herr Karl“ aus. Frankfurt am Main 1981 Viktor Zmegac (Hg. In diesem Sinne gelangen Fritz Hochwälder (1911–1986) erfolgreiche Stücke: „Das Heilige Experiment“. Vorlesungen zur österreichischen Literatur 1945– 1990. besonders deutlich. S. „Die Klavierspielerin“. Stuttgart 1981 Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur. „Lust“. Literaturhinweise: Neues Handbuch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945. III/2: 1945-1980. 1944). München 1983 f. 308). der Versuch. Beltz Athenäum. Residenz. Fischer Taschenbuch Verlag. Neue experimentelle Wege auf dem Theater beschritt Peter Handke mit den Sprechstücken „Publikumsbeschimpfung“ und „Kaspar“. „Die letzte Welt“ und „Morbus Kitahara“ große Erfolge. Drastische Darstellung der Wirklichkeit auf der Bühne gelang Wolfgang Bauer (1941–2005) vor allem mit seinen frühen Stücken „Magic Afternoon“ und „Change“. „Der öffentliche Ankläger“. Elfriede Jelinek (geb. Salzburg–Wien 1995 Sozialgeschichte der deutschen Literatur von 1918 bis zur Gegenwart. 1954. Wendelin Schmidt-Dengler: Bruchlinien. Band 10: Literatur in der Bundesrepublik Deutschland bis 1967. 1944) und Wilhelm Pevny (geb. a. Aufl.