IMPRESSUM

Zukunftsinstitut I Gutes Geld

VOR WORT

Herausgeber
Zukunftsinstitut GmbH
Kaiserstr. 53, 60329 Frankfurt
Tel. + 49 69 2648489-0, Fax: -20
info@zukunftsinstitut.de

Chefredaktion
Thomas Huber

Autoren
Thomas Huber
Anja Kirig
Christian Rauch
Christian Schuldt

Liebe Leserinnen und Leser,
Über Geld spricht man nicht! – Dieses gesellschaftliche
Tabu hat bis heute weithin Bestand und in mancherlei
Hinsicht durchaus seine Berechtigung. Dass wir es als
Trend- und Zukunftsforscher dennoch tun, hat hingegen
einen einfachen Grund. Die Art und Weise, wie wir
mit Geld umgehen, wandelt sich derzeit so sehr wie nie
zuvor. Keine Frage: Bereits in den letzten Jahrzehnten
gab es Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft,
die zu wichtigen Neuerungen beigetragen haben –
angefangen bei der zunehmenden Verbreitung von
Kreditkarten und Kartenzahlungssystemen oder des
Online-Bankings über die Einführung des Euros bis
hin zur beginnenden Ära des E-Commerce. Doch nichts
davon hat bisher eine vergleichbare Wirkung entfaltet
wie die aktuelle Dynamik. Die Zukunft des Geldes hat
eine völlig neue Qualität: Das Universalmedium wandelt
sich nicht nur in seinen Transaktionsformen, sondern
vor allem auch in seinen sozialen Funktionen.
Während sich Handelsunternehmen, Banken und Zahlungsdienstleister, IT- und Telekommunikationskonzerne
derzeit Gedanken über Innovationen, neue Systeme
und Standards zum bargeld- und kartenlosen Bezahlen
machen, reichen die „Money-Trends“, die die Ökonomie
von morgen bestimmen werden, bereits viel weiter.
Die Autoren der Studie sprechen gar vom „geldlosen
Geld“. Anhand vieler Best Practice-Beispiele zeigen
sie, wie die Spielregeln der vernetzten Wirtschaft neue
Akteure auf den Plan rufen und etablierte Player unter

Innovationsdruck setzen. Denn im Zuge des Megatrends
Konnektivität geraten auch Geld und Finanzen in den
Sog digitaler Vernetzung – mit positiven Effekten. Mobile
Payment, virtuelle Währungen, Crowdinvesting, Shareconomy, Peer-to-Peer-Kredite, Social Money und Social
Banking – eine Fülle an Innovationen rund ums Geld
setzt einen Prozess in Gang, der auf grundlegende Weise
vieles von dem ändert, was wir bis heute als selbstverständlich erachten: Alltagspraktiken, Konsummuster,
Investitions- und Anlageverhalten, die Gestaltung des
Point of Sale, Geschäftsprozesse und Wirtschaftskreisläufe. Letztlich sind mit einer neuen Kultur des Bezahlens und im Umgang mit Geld auch ganz neue Wertmaßstäbe und Formen der Wertschöpfung verbunden.
Das hat enorme Konsequenzen: Was lange Zeit nur
als abstraktes Szenario für die Welt des Konsums,
des Handels und der Finanzen diskutiert wurde, wird
nun Wirklichkeit. Wie diese neuen Realitäten aussehen
werden, zeigen wir mit dieser Trendstudie.
Die Chancen und Potenziale für Unternehmen sind
enorm. Genauso vielfältig sind aber auch die Anforderungen an Unternehmer und Manager. Es ist definitiv
an der Zeit, über neue Businessmodelle und Strategien
in der Kommunikation mit Kunden nachzudenken,
über erweiterte Wertschöpfungsketten, Produkt- und
Serviceinnovationen für das 21. Jahrhundert.
Wir möchten mit dieser Studie einen Beitrag dazu leisten
und wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre!

Redaktionelle Mitarbeit
David Dorn

Lektorat
Katja-Elisabeth Pfrommer

Grafik-Design

Thomas Huber
Chefredakteur

Christian Rauch
Mitglied der Geschäftsleitung

simone leitenberger_konzept und gestaltung
www.simoneleitenberger.de
ISBN 978-3-938284-90-2
© Zukunftsinstitut GmbH, September 2014
Alle Rechte vorbehalten.

3

299_ZI_Studie_GELD_14-09-18_CS6.indd 2-3

18.09.14 11:20

Zukunftsinstitut I Gutes Geld

D I E E VO LU T I O N D ES G E LD ES

Inhalt

DIE EVOLUTION DES GELDES

Seite 8
Geld ist das älteste und wichtigste
Informationssystem der Menschheit.
Eine Erfolgsgeschichte – mit offenem Ausgang

................................... 8

DIGITAL FINANCE ...................................................... 12

D I G I TA L F I N A N CE

SOCIAL MONEY: Geld neu denken und machen ......................... 16

Seite 12

Der digitale Lebensstil erzeugt
ein anderes Geldsystem. Finanzen
im Zeitalter von Transparenz
und Partizipation

SHARE, CARE & CHANGE: Geldloses Geld wird Normalität ......... 19
DO-IT-YOURSELF-MONEY: Die Kraft des Komplementären ........ 20
VIRTUELLE WÄHRUNGEN: Der Aufstieg digitalen Geldes ........... 23
MOBILE PAYMENT: Die Flexibilisierung des Bezahlens ............... 24
TRUST ECONOMY: Die neue Netz-Wirtschaft ............................. 26
HYBRIDISIERUNG: Herausforderungen für Geldsysteme ............. 27
FINANCE 3.0: Geld im Internet der Dinge ....................................... 28

CAS H LESS FUT UR E

DIE ZUKÜNFTE DES GELDES ............................................... 31

Seite 34

Wie wir in Zukunft bezahlen
werden und digitale Währungen
Wertschöpfung und Märkte
verändern

CASHLESS FUTURE .................................................. 34
BEZAHLEN NACH DEM PEER-TO-PEER-PRINZIP ................ 38
DAS ENDE DES BARGELDS IM HANDEL ................................. 41
MOBILE MONEY: Das Handy wird zur Geldbörse ....................... 43
VIRTUELLE WERTSCHÖPFUNG: Digi-Währungen verändern
die Märkte ........................................................................................... 48
KRYPTOWÄHRUNGEN: Pop-up-Money im virtuellen
Kapitalmarkt ...................................................................................... 51

FUTURE VALUES ........................................................

56

F UTUR E VALUES

G U TES G E LD

Seite 58

Geld und Bezahlbarkeit
in der Gesellschaft von morgen.
Was in Zukunft wertvoll ist
und worin wir investieren

GREENVESTMENT: Privatkunden als Motoren des Wandels ........ 58
ALTERNATIVWÄHRUNGEN FÜR REGIONALE
WIRTSCHAFTSKREISLÄUFE ................................................ 62
REPUTATION ALS WÄHRUNG: Das soziale Kapital .................. 64
PARTIZIPATIONSGESELLSCHAFT:
Vertrauen als Grundbedürfnis .......................................................... 65
KOLLABORATIVER KONSUM: Macht und Mythos .................... 71
Beginn der Finanzkrise

SHARING-ECONOMY: Die Wertschöpfung von morgen ............. 75
NOFIT – Unternehmen ohne Profitabsicht ....................................... 81

Erste Kreditkarten werden
in den USA an Hotelstammgäste ausgegeben

Mineralölfirmen und Kaufhäuser
geben Kreditkarten aus

Universelle Kreditkarte
kommt auf den Markt

Alfred Richter
erfindet
das PIN/TANVerfahren

18 94

1920

1950

1976

6

299_ZI_Studie_GELD_14-09-18_CS6.indd 6-7

Durch
Bildschirmtext
(BTX) wird
erstmals
Home-Banking
möglich

Einführung
der Geldkarte,
Prepaid-Karte

1983

1996

Der SocialPaymentService
Flattr wird
gegründet

Einführung der Mobile PaymentWährung M-Pesa in Kenia durch
2010
Vodafone, steigend
Im Internet
wird bereits
Rund 100.000 2 0 0 7
mit über Chinesen leben
50 ver- hauptberuflich
schiedenen
vom virtuellen
Zahlungs- „Gold Farming“
Einführung
mitteln in sog. Massive
von Bitcoins
abgeEinführung
Multiplayer
als digitales
rechnet
des Euros
Online Games
Geld

2002

2003

2005

2009

Google
Wallet
kommt
auf den
Markt

2 0 11

30% aller
Onlinekäufe
zahlen
deutsche
Verbraucher
per Paypal

2012

7

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Zukunftsinstitut I Gutes Geld

D I E E VO LU T I O N D ES G E LD ES

Inhalt

DIE EVOLUTION DES GELDES

Seite 8
Geld ist das älteste und wichtigste
Informationssystem der Menschheit.
Eine Erfolgsgeschichte – mit offenem Ausgang

................................... 8

DIGITAL FINANCE ...................................................... 12

D I G I TA L F I N A N CE

SOCIAL MONEY: Geld neu denken und machen ......................... 16

Seite 12

Der digitale Lebensstil erzeugt
ein anderes Geldsystem. Finanzen
im Zeitalter von Transparenz
und Partizipation

SHARE, CARE & CHANGE: Geldloses Geld wird Normalität ......... 19
DO-IT-YOURSELF-MONEY: Die Kraft des Komplementären ........ 20
VIRTUELLE WÄHRUNGEN: Der Aufstieg digitalen Geldes ........... 23
MOBILE PAYMENT: Die Flexibilisierung des Bezahlens ............... 24
TRUST ECONOMY: Die neue Netz-Wirtschaft ............................. 26
HYBRIDISIERUNG: Herausforderungen für Geldsysteme ............. 27
FINANCE 3.0: Geld im Internet der Dinge ....................................... 28

CAS H LESS FUT UR E

DIE ZUKÜNFTE DES GELDES ............................................... 31

Seite 34

Wie wir in Zukunft bezahlen
werden und digitale Währungen
Wertschöpfung und Märkte
verändern

CASHLESS FUTURE .................................................. 34
BEZAHLEN NACH DEM PEER-TO-PEER-PRINZIP ................ 38
DAS ENDE DES BARGELDS IM HANDEL ................................. 41
MOBILE MONEY: Das Handy wird zur Geldbörse ....................... 43
VIRTUELLE WERTSCHÖPFUNG: Digi-Währungen verändern
die Märkte ........................................................................................... 48
KRYPTOWÄHRUNGEN: Pop-up-Money im virtuellen
Kapitalmarkt ...................................................................................... 51

FUTURE VALUES ........................................................

56

F UTUR E VALUES

G U TES G E LD

Seite 58

Geld und Bezahlbarkeit
in der Gesellschaft von morgen.
Was in Zukunft wertvoll ist
und worin wir investieren

GREENVESTMENT: Privatkunden als Motoren des Wandels ........ 58
ALTERNATIVWÄHRUNGEN FÜR REGIONALE
WIRTSCHAFTSKREISLÄUFE ................................................ 62
REPUTATION ALS WÄHRUNG: Das soziale Kapital .................. 64
PARTIZIPATIONSGESELLSCHAFT:
Vertrauen als Grundbedürfnis .......................................................... 65
KOLLABORATIVER KONSUM: Macht und Mythos .................... 71
Beginn der Finanzkrise

SHARING-ECONOMY: Die Wertschöpfung von morgen ............. 75
NOFIT – Unternehmen ohne Profitabsicht ....................................... 81

Erste Kreditkarten werden
in den USA an Hotelstammgäste ausgegeben

Mineralölfirmen und Kaufhäuser
geben Kreditkarten aus

Universelle Kreditkarte
kommt auf den Markt

Alfred Richter
erfindet
das PIN/TANVerfahren

18 94

1920

1950

1976

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Durch
Bildschirmtext
(BTX) wird
erstmals
Home-Banking
möglich

Einführung
der Geldkarte,
Prepaid-Karte

1983

1996

Der SocialPaymentService
Flattr wird
gegründet

Einführung der Mobile PaymentWährung M-Pesa in Kenia durch
2010
Vodafone, steigend
Im Internet
wird bereits
Rund 100.000 2 0 0 7
mit über Chinesen leben
50 ver- hauptberuflich
schiedenen
vom virtuellen
Zahlungs- „Gold Farming“
Einführung
mitteln in sog. Massive
von Bitcoins
abgeEinführung
Multiplayer
als digitales
rechnet
des Euros
Online Games
Geld

2002

2003

2005

2009

Google
Wallet
kommt
auf den
Markt

2 0 11

30% aller
Onlinekäufe
zahlen
deutsche
Verbraucher
per Paypal

2012

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DIGITAL FINANCE

Foto: Alberto Masnovo

Die
Evolution
des
Geldes

GELD IST DIE EINZIGE SPRACHE, DIE ÜBERALL
AUF DER WELT VERSTANDEN WIRD, UND ZUGLEICH
DAS ÄLTESTE UND WICHTIGSTE INFORMATIONSSYSTEM
DER MENSCHHEIT. SEIT URZEITEN BEGLEITET GELD
DIE GESELLSCHAFTLICHE EVOLUTION.

8

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DIGITAL FINANCE

Foto: Alberto Masnovo

Die
Evolution
des
Geldes

GELD IST DIE EINZIGE SPRACHE, DIE ÜBERALL
AUF DER WELT VERSTANDEN WIRD, UND ZUGLEICH
DAS ÄLTESTE UND WICHTIGSTE INFORMATIONSSYSTEM
DER MENSCHHEIT. SEIT URZEITEN BEGLEITET GELD
DIE GESELLSCHAFTLICHE EVOLUTION.

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EINLEITUNG

Zukunftsinstitut I Gutes Geld

Geld als Vergleichsmedium:
Eine Erfolgsgeschichte – mit offenem Ausgang

Schon die Schrift wurde erfunden, um Buchführungsangelegenheiten
zu organisieren: Die frühesten schriftlichen Zeugnisse der Menschheit,
entstanden um 3200 v. Chr. in der sumerischen Stadt Uruk,
handeln nicht von Mythen oder religiösen Gleichnissen, sondern
von Einlagegeschäften, Transaktionen und Kreditvergaben.

Seit Jahrtausenden prägt das Medium Geld das
menschliche Miteinander und passt seine Form und
Funktion dem sozialen und technologischen Wandel
an. Auch heute befinden wir uns in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, angetrieben durch die
Kommunikationsmöglichkeiten des Internets und den
neuen Modus der Vernetzung, der sämtliche Bereiche
von Gesellschaft und Wirtschaft prägt.
Der digitale Wandel und der Megatrend Konnektivität
heben gesellschaftliche und ökonomische Systeme
auf eine neue Evolutionsstufe, erzeugen eine neue
Realität – die auch das uralte Medium Geld revolutioniert. Es gibt kaum einen spannenderen Moment, um
der Frage nach der Zukunft des Geldes nachzugehen:
Welche Rolle wird das Geld in der kommenden Netzwerkgesellschaft spielen? Welche Formen wird es
annehmen, und nach welchen Maßgaben werden wir
Geld in Zukunft benutzen?
Dass das Medium Geld bis heute sprichwörtlich die Welt
regiert, liegt an seiner hochgradig flexiblen Verwendbarkeit. Seine Nutzung ist eine Abstraktionsleistung,
die eine Fülle von Einsatzmöglichkeiten eröffnet: Geld
kann Tausch-, Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel sein, und als allgemeine Recheneinheit schafft
es einen gemeinsamen Verständigungsnenner. Immer
ist Geld dabei eine Form von Komplexitätsreduktion.
Es vereinfacht die Welt, indem es Unvergleichbares
10

299_ZI_Studie_GELD_14-09-18_CS6.indd 10-11

vergleichbarer macht. Das gelingt mit einer trickreichen Kanalisierung von Kommunikation:
Einerseits reduziert Geld die Anzahl möglicher Anschlusskommunikationen. Weil nur noch zählt, was
im Medium Geld kommuniziert wird. Oder anders
ausgedrückt: Nur was sich mit Geld bezahlen lässt,
hat einen Wert. Andererseits eröffnet es eine Vielzahl
neuer Kommunikationsoptionen. Da sich prinzipiell
alles Mögliche in die Sprache des Geldes übersetzen
lässt, sprich: weil sich mit Geld inzwischen fast alles
kaufen lässt. Vor einigen Jahren bot ein junger Mann
aus Seattle über eBay sogar seine Seele zum Verkauf
an. Die Gebote der Auktion steigerten sich bis auf
400 Dollar für die immaterielle Ware.
Seine Ermöglichungsfunktion erfüllte das Medium
Geld zunächst als allgemeines Tauschmittel, in Form
von Warengeld. Als erste erfolgreiche Währung gilt
die Kauri-Muschel, die sich ab 1500 v. Chr. vom alten
China aus verbreitete. Nachhaltiger, vor allem wegen
ihrer physischen Beständigkeit, war der Siegeszug der
Edelmetalle Gold und Silber, die sich im Mittelalter in
vielen Ländern zur offiziellen Währung entwickelten.
Ebenfalls im Mittelalter wurde in Europa das Papiergeld populär, das bereits im 10. Jahrhundert in China
erfunden worden war. Im 19. Jahrhundert entwickelte
sich der bargeldlose Zahlungsverkehr, der im

20. Jahrhundert zum Standard wurde und den Interbankenhandel sowie Überweisungen für alle ermöglichte. Diese fortwährende Abstrahierung und Generalisierung hat zu einer quasireligiösen Allgegenwart des
Geldes geführt: „Die bürgerliche Gesellschaft ersetzt
die Omnipräsenz Gottes durch die Omnipräsenz des
Geldes“, meinte der Soziologe Niklas Luhmann.
So wie die Omnipräsenz Gottes rein virtuell ist und
keine physische Entsprechung hat, ist auch das heutige
Geld nicht mehr gebunden an eine materielle Wirklichkeit. Bereits im frühen 20. Jahrhundert, ausgelöst durch
den Finanzbedarf zu Beginn des Ersten Weltkriegs,
wichen die meisten Staaten von der Deckung des
Geldes durch Edelmetalle ab. Das heutige Zentralbankgeld wie Dollar und Euro ist sogenanntes Fiatgeld (von
lat. fiat: „Es werde“): eine monetäre Creatio ex nihilo,
die auf der Kreditvergabe privater Banken beruht. So
gründet das heutige Geldsystem ausschließlich auf dem
Vertrauen der Teilnehmer und dem Glauben an die
Stabilität staatlicher Währungen, die durch geldpolitische Regulierungsmaßnahmen gewährleistet werden
soll. Genau hier aber hat das Vertrauensverhältnis
zum Geld, insbesondere in westliche Währungen, tiefe
Risse erlitten. So wurde die Finanzkrise von 2008 nicht
zuletzt ausgelöst durch eine Ära ausufernder Liquidität:
Allein zwischen 1987 und 2006 war die Geldmenge in
den USA um rund 300 Prozent angewachsen. Zudem

herrscht ein wachsendes Unbehagen gegenüber den
selbstverstärkenden Mechanismen des Spar- und
Kreditzinsensystems sowie der zinsgesteuerten Umverteilung von unten nach oben. Weil steigende Schulden
aufgrund von Kreditzinsen nicht mehr bedient werden
können, ist permanentes Wachstum zur obligatorischen
Rahmenbedingung geworden, um das System am
Laufen zu halten. Wirklich gedämpft werden kann diese
Dynamik im Zweifelsfall nur mittels einer Aufrechnung
der überbordenden Vermögen und Schulden, sei es in
Form einer Währungsreform, eines Schuldenschnittes
oder eines „Crashs“. Die Folge ist ein Machtverlust der
Zentralbanken, eine Flucht aus zentralen Währungen
wie Dollar, Euro und Pfund – und die Suche nach alternativen Zahlungssystemen und Wertspeichern.
Vor diesem Hintergrund eröffnet der digitale Wandel
völlig neue Optionen und Potenziale. Die Hypervernetzung der Gesellschaft schafft eine Fülle an Möglichkeiten für einen neuen Umgang mit Geld und für
alternative Zahlungs- und Abrechnungssysteme,
in analoger wie in digitaler Form, die zum Teil schon
eigene, unabhängige Währungsräume im virtuellen
Raum bilden. Die Zukunft des Geldes hat bereits
begonnen. Sie wird angetrieben von einem Prozess,
der unsere Gegenwart schon nachhaltig verändert
hat: der digitalen Transformation der Gesellschaft. //
11

18.09.14 11:22

EINLEITUNG

Zukunftsinstitut I Gutes Geld

Geld als Vergleichsmedium:
Eine Erfolgsgeschichte – mit offenem Ausgang

Schon die Schrift wurde erfunden, um Buchführungsangelegenheiten
zu organisieren: Die frühesten schriftlichen Zeugnisse der Menschheit,
entstanden um 3200 v. Chr. in der sumerischen Stadt Uruk,
handeln nicht von Mythen oder religiösen Gleichnissen, sondern
von Einlagegeschäften, Transaktionen und Kreditvergaben.

Seit Jahrtausenden prägt das Medium Geld das
menschliche Miteinander und passt seine Form und
Funktion dem sozialen und technologischen Wandel
an. Auch heute befinden wir uns in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, angetrieben durch die
Kommunikationsmöglichkeiten des Internets und den
neuen Modus der Vernetzung, der sämtliche Bereiche
von Gesellschaft und Wirtschaft prägt.
Der digitale Wandel und der Megatrend Konnektivität
heben gesellschaftliche und ökonomische Systeme
auf eine neue Evolutionsstufe, erzeugen eine neue
Realität – die auch das uralte Medium Geld revolutioniert. Es gibt kaum einen spannenderen Moment, um
der Frage nach der Zukunft des Geldes nachzugehen:
Welche Rolle wird das Geld in der kommenden Netzwerkgesellschaft spielen? Welche Formen wird es
annehmen, und nach welchen Maßgaben werden wir
Geld in Zukunft benutzen?
Dass das Medium Geld bis heute sprichwörtlich die Welt
regiert, liegt an seiner hochgradig flexiblen Verwendbarkeit. Seine Nutzung ist eine Abstraktionsleistung,
die eine Fülle von Einsatzmöglichkeiten eröffnet: Geld
kann Tausch-, Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel sein, und als allgemeine Recheneinheit schafft
es einen gemeinsamen Verständigungsnenner. Immer
ist Geld dabei eine Form von Komplexitätsreduktion.
Es vereinfacht die Welt, indem es Unvergleichbares
10

299_ZI_Studie_GELD_14-09-18_CS6.indd 10-11

vergleichbarer macht. Das gelingt mit einer trickreichen Kanalisierung von Kommunikation:
Einerseits reduziert Geld die Anzahl möglicher Anschlusskommunikationen. Weil nur noch zählt, was
im Medium Geld kommuniziert wird. Oder anders
ausgedrückt: Nur was sich mit Geld bezahlen lässt,
hat einen Wert. Andererseits eröffnet es eine Vielzahl
neuer Kommunikationsoptionen. Da sich prinzipiell
alles Mögliche in die Sprache des Geldes übersetzen
lässt, sprich: weil sich mit Geld inzwischen fast alles
kaufen lässt. Vor einigen Jahren bot ein junger Mann
aus Seattle über eBay sogar seine Seele zum Verkauf
an. Die Gebote der Auktion steigerten sich bis auf
400 Dollar für die immaterielle Ware.
Seine Ermöglichungsfunktion erfüllte das Medium
Geld zunächst als allgemeines Tauschmittel, in Form
von Warengeld. Als erste erfolgreiche Währung gilt
die Kauri-Muschel, die sich ab 1500 v. Chr. vom alten
China aus verbreitete. Nachhaltiger, vor allem wegen
ihrer physischen Beständigkeit, war der Siegeszug der
Edelmetalle Gold und Silber, die sich im Mittelalter in
vielen Ländern zur offiziellen Währung entwickelten.
Ebenfalls im Mittelalter wurde in Europa das Papiergeld populär, das bereits im 10. Jahrhundert in China
erfunden worden war. Im 19. Jahrhundert entwickelte
sich der bargeldlose Zahlungsverkehr, der im

20. Jahrhundert zum Standard wurde und den Interbankenhandel sowie Überweisungen für alle ermöglichte. Diese fortwährende Abstrahierung und Generalisierung hat zu einer quasireligiösen Allgegenwart des
Geldes geführt: „Die bürgerliche Gesellschaft ersetzt
die Omnipräsenz Gottes durch die Omnipräsenz des
Geldes“, meinte der Soziologe Niklas Luhmann.
So wie die Omnipräsenz Gottes rein virtuell ist und
keine physische Entsprechung hat, ist auch das heutige
Geld nicht mehr gebunden an eine materielle Wirklichkeit. Bereits im frühen 20. Jahrhundert, ausgelöst durch
den Finanzbedarf zu Beginn des Ersten Weltkriegs,
wichen die meisten Staaten von der Deckung des
Geldes durch Edelmetalle ab. Das heutige Zentralbankgeld wie Dollar und Euro ist sogenanntes Fiatgeld (von
lat. fiat: „Es werde“): eine monetäre Creatio ex nihilo,
die auf der Kreditvergabe privater Banken beruht. So
gründet das heutige Geldsystem ausschließlich auf dem
Vertrauen der Teilnehmer und dem Glauben an die
Stabilität staatlicher Währungen, die durch geldpolitische Regulierungsmaßnahmen gewährleistet werden
soll. Genau hier aber hat das Vertrauensverhältnis
zum Geld, insbesondere in westliche Währungen, tiefe
Risse erlitten. So wurde die Finanzkrise von 2008 nicht
zuletzt ausgelöst durch eine Ära ausufernder Liquidität:
Allein zwischen 1987 und 2006 war die Geldmenge in
den USA um rund 300 Prozent angewachsen. Zudem

herrscht ein wachsendes Unbehagen gegenüber den
selbstverstärkenden Mechanismen des Spar- und
Kreditzinsensystems sowie der zinsgesteuerten Umverteilung von unten nach oben. Weil steigende Schulden
aufgrund von Kreditzinsen nicht mehr bedient werden
können, ist permanentes Wachstum zur obligatorischen
Rahmenbedingung geworden, um das System am
Laufen zu halten. Wirklich gedämpft werden kann diese
Dynamik im Zweifelsfall nur mittels einer Aufrechnung
der überbordenden Vermögen und Schulden, sei es in
Form einer Währungsreform, eines Schuldenschnittes
oder eines „Crashs“. Die Folge ist ein Machtverlust der
Zentralbanken, eine Flucht aus zentralen Währungen
wie Dollar, Euro und Pfund – und die Suche nach alternativen Zahlungssystemen und Wertspeichern.
Vor diesem Hintergrund eröffnet der digitale Wandel
völlig neue Optionen und Potenziale. Die Hypervernetzung der Gesellschaft schafft eine Fülle an Möglichkeiten für einen neuen Umgang mit Geld und für
alternative Zahlungs- und Abrechnungssysteme,
in analoger wie in digitaler Form, die zum Teil schon
eigene, unabhängige Währungsräume im virtuellen
Raum bilden. Die Zukunft des Geldes hat bereits
begonnen. Sie wird angetrieben von einem Prozess,
der unsere Gegenwart schon nachhaltig verändert
hat: der digitalen Transformation der Gesellschaft. //
11

18.09.14 11:22

Foto: Jimmy Anderson

Digital
Finance
Mit dem Smartphone wird eine bargeldlose Zukunft plötzlich vorstellbar.

Der digitale Lebensstil erzeugt
ein anderes Geldsystem

Geld und Finanzen im Zeitalter von Transparenz und Partizipation:
Der Wandel des Internets vom reinen Rezeptionsmedium zum
„Mitmach-Medium“ des Web 2.0 und die immer dichter und mobiler
werdende digitale Vernetzung üben einen nachhaltigen Einfluss
auf sämtliche Gesellschaftsbereiche aus. Besonders deutlich ist
dieser Veränderungsprozess im Wirtschaftssystem zu beobachten.
12

299_ZI_Studie_GELD_14-09-18_CS6.indd 12-13

Dort ist die Relevanz der nutzergetriebenen Interaktion rasant zum dominanten Erfolgsfaktor avanciert.
Nach dem Motto „von der Masse zur Community“ hat
sich der E-Commerce zum Social Commerce weiterentwickelt. Konsumenten vertrauen heute zunehmend der
virtuellen Crowd. Sie nutzen neue Potenziale in Sachen
Produktauswahl, Preisvergleich und Einkaufserlebnis –
auch in Finanzangelegenheiten, etwa in Form von
Social Saving, dem gemeinschaftlichen Sparen auf
individuelle oder kollektive Ziele hin.
Banken und Finanzdienstleister stellt dieser Umbruch
vor große Herausforderungen. Wenn sich Communitys
in sozialen Netzwerken oder Foren zum Thema Geldanlage autonom austauschen, müssen Dienstleister
ihre bisherigen Geschäftspraktiken überdenken.

Es gilt, mehr aktive Beteiligung und Produkttransparenz zuzulassen und das Bröckeln der eigenen
Vormachtstellung zu akzeptieren. Zugleich bietet
Social Media gerade im Finanzbereich auch eine große
Chance, den Anschluss nicht zu verlieren, enttäuschte
Privatkunden nach der Glaubwürdigkeitskrise in
den Jahren nach 2008 zurückzuerobern und eine
Markenwelt im Netz zu kreieren, die den Verbraucher
ins Zentrum stellt.
Erste Beispiele, wie solche Social-Strategien aussehen
könnten, liefern sogenannte Social Banks. So setzt
die US-amerikanische Simple Bank gezielt auf Kundennähe durch Transparenz und Einfachheit, die neuseeländische ASB Bank hat die erste „Facebook-Bankfiliale“ gegründet, bei der sich Kunden im Chat mit
13

18.09.14 11:22

Foto: Jimmy Anderson

Digital
Finance
Mit dem Smartphone wird eine bargeldlose Zukunft plötzlich vorstellbar.

Der digitale Lebensstil erzeugt
ein anderes Geldsystem

Geld und Finanzen im Zeitalter von Transparenz und Partizipation:
Der Wandel des Internets vom reinen Rezeptionsmedium zum
„Mitmach-Medium“ des Web 2.0 und die immer dichter und mobiler
werdende digitale Vernetzung üben einen nachhaltigen Einfluss
auf sämtliche Gesellschaftsbereiche aus. Besonders deutlich ist
dieser Veränderungsprozess im Wirtschaftssystem zu beobachten.
12

299_ZI_Studie_GELD_14-09-18_CS6.indd 12-13

Dort ist die Relevanz der nutzergetriebenen Interaktion rasant zum dominanten Erfolgsfaktor avanciert.
Nach dem Motto „von der Masse zur Community“ hat
sich der E-Commerce zum Social Commerce weiterentwickelt. Konsumenten vertrauen heute zunehmend der
virtuellen Crowd. Sie nutzen neue Potenziale in Sachen
Produktauswahl, Preisvergleich und Einkaufserlebnis –
auch in Finanzangelegenheiten, etwa in Form von
Social Saving, dem gemeinschaftlichen Sparen auf
individuelle oder kollektive Ziele hin.
Banken und Finanzdienstleister stellt dieser Umbruch
vor große Herausforderungen. Wenn sich Communitys
in sozialen Netzwerken oder Foren zum Thema Geldanlage autonom austauschen, müssen Dienstleister
ihre bisherigen Geschäftspraktiken überdenken.

Es gilt, mehr aktive Beteiligung und Produkttransparenz zuzulassen und das Bröckeln der eigenen
Vormachtstellung zu akzeptieren. Zugleich bietet
Social Media gerade im Finanzbereich auch eine große
Chance, den Anschluss nicht zu verlieren, enttäuschte
Privatkunden nach der Glaubwürdigkeitskrise in
den Jahren nach 2008 zurückzuerobern und eine
Markenwelt im Netz zu kreieren, die den Verbraucher
ins Zentrum stellt.
Erste Beispiele, wie solche Social-Strategien aussehen
könnten, liefern sogenannte Social Banks. So setzt
die US-amerikanische Simple Bank gezielt auf Kundennähe durch Transparenz und Einfachheit, die neuseeländische ASB Bank hat die erste „Facebook-Bankfiliale“ gegründet, bei der sich Kunden im Chat mit
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DIGITAL FINANCE

Bankberatern sieben Tage in der Woche auf Augenhöhe
austauschen können, und die Münchner Fidor Bank
punktet mit technisch avancierten Applikationen wie
einem E-Wallet zum mobilen Geldtransfer zwischen
den Nutzern. Auch diese Beispiele verdeutlichen:
Die Digitalisierung ist keine rein technologiegetriebene
Entwicklung, sondern vor allem ein sozialer Prozess.
Der digitale Wandel rückt den Menschen mehr
denn je ins Zentrum. Das Finanzsystem – und damit
auch das Geld – muss sich dem neuen digitalen
Lifestyle anpassen.
Eine relevanter werdende Rolle spielt dabei die mobile
Revolution. 2013 wurden weltweit mehr als eine Milliarde Smartphones verkauft, Tendenz steigend.
In der Always-on-Gesellschaft ist das Handy zu einem
Alltagsbegleiter geworden, der neue Communitys und
Konsumgewohnheiten entstehen lässt. Wir sind immer
mehr unterwegs, berufl ich wie privat, und entwickeln

dadurch eine „Mobil-Identität“, die sukzessive zur
neuen Normalität wird. Eine Folge dieser Mobilisierung
sind immer flexibler und situativer werdende Zugänge
zum Geld. Schon heute kann man Bargeld nicht nur
an Automaten – allein in Deutschland sind das rund
56.000 – oder in Bankfi lialen, sondern auch an Tankstellen oder in Supermärkten erhalten. In diesem
Kontext entsteht ein großer Zukunftsmarkt für innovative Lösungen, die passgenau auf mobile Bedürfnisse zugeschnitten sind – umso mehr, je stärker
die Konvergenz von realer und virtueller Welt wächst
und das „Internet der Dinge“ Gestalt annimmt.
Flexibilisierung ist ein durchgängiges Muster des
digitalen Lifestyles. Angetrieben wird es von den Megatrends Konnektivität und Individualisierung, die
starken Einfluss auf die Märkte und Branchen der Zukunft ausüben. Von Konsumverhalten über Medien-

E-Commerce: Das Internet wird zum Marktplatz
Anteil der Personen, die in den letzten 3 Monaten im Internet eingekauft haben (Prozent)

70

Großbritannien

60

Deutschland

50

Österreich
40

EU

30

Spanien

20

Ungarn
Italien

10

2002

2003

2004

Quelle: Eurostat 2014

14

299_ZI_Studie_GELD_14-09-18_CS6.indd 14-15

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

nutzung bis hin zur Kundenbindung: Konsumenten
haben heute individuellere Ansprüche und erwarten
personalisierbare Produkte, um die eigenen Wünsche
und Bedürfnisse zu verwirklichen. Das gilt auch beim
Thema Geld und Bezahlen: Die neue Vielfalt an Lebensformen und -stilen, der wachsende Wunsch nach
Autonomie und Selbstbestimmung führen nicht nur zu
neuen Konsumpräferenzen, sondern prägen auch den
Umgang mit Finanzprodukten. Als ein Schritt in diese
Richtung können Angebote im Bereich „Mass Customization“ gesehen werden, etwa Affi nity Credit Cards,
die auf bestimmte Interessengruppen zugeschnitten
sind – von der Golf Card mit reduzierter Greenfee bis
zur WWF-Card, die bei jeder Transaktion einen SoliSupport abbucht. Denkbar sind in diesem Umfeld aber
auch usergenerierte Finanzprodukte und BusinessModelle, bei denen die Kunden in den Entwicklungsprozess einbezogen werden oder die Produkte selbst
zusammenstellen.
Gewissermaßen komplementär zur fortschreitenden
Flexibilisierung der Lebensverhältnisse liegt ein
weiterer großer Treiber des digitalen Lebensstils:
der Fokus auf Nachhaltigkeit, Qualität und Ressourcenschutz, bekannt als „Lifestyle of Health and Sustainability“ (LOHAS). Eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete
Konsumkultur verschiebt die Koordinaten des Wirtschaftssystems zugleich in Richtung einer „Wohlfühl-Ökonomie“. Denn es geht dabei nicht nur um
die Attribute „fair, grün und gesund“, sondern ebenso
um eine Steigerung der individuellen Lebensqualität
und des sorgenfreien Genießens.
LOHAS-BANKEN

zeigen, wie der Nachhaltigkeitsgedanke auch bei
Finanzprodukten umgesetzt werden kann. Sei es
durch ethisch-ökologische Geldanlagen, wie sie
etwa die EthikBank oder die GLS-Bank („Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“) anbieten,
oder in Form „grüner“ Kreditkarten. Bei der Visa
GreenCard, wie sie beispielsweise ClimaCount
vertreibt, werden für alle Produkte und Dienstleistungen, die man mit ihr bezahlt, automatisch
die damit verbundenen CO2-Emissionen ermittelt
und anschließend per Spende an Klimaschutzprojekte kompensiert.
www.visagreencard.nl / www.climacount.com

Illu: DrAfter123

Zukunftsinstitut I Gutes Geld

Wettstreit der Systeme: Derzeit ist noch völlig offen,
welche Bezahlarten die Oberhand gewinnen.

Die Beispiele zeigen Versuche, die alten Geldstrukturen an die neuen Gegebenheiten des Web 2.0 und der
Welt 2.0 anzupassen. Weitaus grundlegender und
folgenreicher ist dagegen die Suche nach echten Alternativen zu herkömmlichen Geld- und Finanzmodellen.
Die fortwährende Finanz- und Staatsschuldenkrise hat
das Vertrauen in das System des Zentralbankgeldes so
stark beschädigt, dass sich Währungsexperimente einer
wachsenden Beliebtheit erfreuen. Frei nach dem Motto
„es gibt kein richtiges Geld im falschen“ geht es dabei
weniger um grüne Kreditkarten als um einen grundlegenden Wandel unseres Geldverständnisses im Zeichen
des Sozialmediums Internet: alternative Ansätze für
künftige Geld- und Finanzsysteme, innovative Formen
des Bezahlens und neue Währungen im und durch das
15

18.09.14 11:22

DIGITAL FINANCE

Bankberatern sieben Tage in der Woche auf Augenhöhe
austauschen können, und die Münchner Fidor Bank
punktet mit technisch avancierten Applikationen wie
einem E-Wallet zum mobilen Geldtransfer zwischen
den Nutzern. Auch diese Beispiele verdeutlichen:
Die Digitalisierung ist keine rein technologiegetriebene
Entwicklung, sondern vor allem ein sozialer Prozess.
Der digitale Wandel rückt den Menschen mehr
denn je ins Zentrum. Das Finanzsystem – und damit
auch das Geld – muss sich dem neuen digitalen
Lifestyle anpassen.
Eine relevanter werdende Rolle spielt dabei die mobile
Revolution. 2013 wurden weltweit mehr als eine Milliarde Smartphones verkauft, Tendenz steigend.
In der Always-on-Gesellschaft ist das Handy zu einem
Alltagsbegleiter geworden, der neue Communitys und
Konsumgewohnheiten entstehen lässt. Wir sind immer
mehr unterwegs, berufl ich wie privat, und entwickeln

dadurch eine „Mobil-Identität“, die sukzessive zur
neuen Normalität wird. Eine Folge dieser Mobilisierung
sind immer flexibler und situativer werdende Zugänge
zum Geld. Schon heute kann man Bargeld nicht nur
an Automaten – allein in Deutschland sind das rund
56.000 – oder in Bankfi lialen, sondern auch an Tankstellen oder in Supermärkten erhalten. In diesem
Kontext entsteht ein großer Zukunftsmarkt für innovative Lösungen, die passgenau auf mobile Bedürfnisse zugeschnitten sind – umso mehr, je stärker
die Konvergenz von realer und virtueller Welt wächst
und das „Internet der Dinge“ Gestalt annimmt.
Flexibilisierung ist ein durchgängiges Muster des
digitalen Lifestyles. Angetrieben wird es von den Megatrends Konnektivität und Individualisierung, die
starken Einfluss auf die Märkte und Branchen der Zukunft ausüben. Von Konsumverhalten über Medien-

E-Commerce: Das Internet wird zum Marktplatz
Anteil der Personen, die in den letzten 3 Monaten im Internet eingekauft haben (Prozent)

70

Großbritannien

60

Deutschland

50

Österreich
40

EU

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Spanien

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Ungarn
Italien

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Quelle: Eurostat 2014

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nutzung bis hin zur Kundenbindung: Konsumenten
haben heute individuellere Ansprüche und erwarten
personalisierbare Produkte, um die eigenen Wünsche
und Bedürfnisse zu verwirklichen. Das gilt auch beim
Thema Geld und Bezahlen: Die neue Vielfalt an Lebensformen und -stilen, der wachsende Wunsch nach
Autonomie und Selbstbestimmung führen nicht nur zu
neuen Konsumpräferenzen, sondern prägen auch den
Umgang mit Finanzprodukten. Als ein Schritt in diese
Richtung können Angebote im Bereich „Mass Customization“ gesehen werden, etwa Affi nity Credit Cards,
die auf bestimmte Interessengruppen zugeschnitten
sind – von der Golf Card mit reduzierter Greenfee bis
zur WWF-Card, die bei jeder Transaktion einen SoliSupport abbucht. Denkbar sind in diesem Umfeld aber
auch usergenerierte Finanzprodukte und BusinessModelle, bei denen die Kunden in den Entwicklungsprozess einbezogen werden oder die Produkte selbst
zusammenstellen.
Gewissermaßen komplementär zur fortschreitenden
Flexibilisierung der Lebensverhältnisse liegt ein
weiterer großer Treiber des digitalen Lebensstils:
der Fokus auf Nachhaltigkeit, Qualität und Ressourcenschutz, bekannt als „Lifestyle of Health and Sustainability“ (LOHAS). Eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete
Konsumkultur verschiebt die Koordinaten des Wirtschaftssystems zugleich in Richtung einer „Wohlfühl-Ökonomie“. Denn es geht dabei nicht nur um
die Attribute „fair, grün und gesund“, sondern ebenso
um eine Steigerung der individuellen Lebensqualität
und des sorgenfreien Genießens.
LOHAS-BANKEN

zeigen, wie der Nachhaltigkeitsgedanke auch bei
Finanzprodukten umgesetzt werden kann. Sei es
durch ethisch-ökologische Geldanlagen, wie sie
etwa die EthikBank oder die GLS-Bank („Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“) anbieten,
oder in Form „grüner“ Kreditkarten. Bei der Visa
GreenCard, wie sie beispielsweise ClimaCount
vertreibt, werden für alle Produkte und Dienstleistungen, die man mit ihr bezahlt, automatisch
die damit verbundenen CO2-Emissionen ermittelt
und anschließend per Spende an Klimaschutzprojekte kompensiert.
www.visagreencard.nl / www.climacount.com

Illu: DrAfter123

Zukunftsinstitut I Gutes Geld

Wettstreit der Systeme: Derzeit ist noch völlig offen,
welche Bezahlarten die Oberhand gewinnen.

Die Beispiele zeigen Versuche, die alten Geldstrukturen an die neuen Gegebenheiten des Web 2.0 und der
Welt 2.0 anzupassen. Weitaus grundlegender und
folgenreicher ist dagegen die Suche nach echten Alternativen zu herkömmlichen Geld- und Finanzmodellen.
Die fortwährende Finanz- und Staatsschuldenkrise hat
das Vertrauen in das System des Zentralbankgeldes so
stark beschädigt, dass sich Währungsexperimente einer
wachsenden Beliebtheit erfreuen. Frei nach dem Motto
„es gibt kein richtiges Geld im falschen“ geht es dabei
weniger um grüne Kreditkarten als um einen grundlegenden Wandel unseres Geldverständnisses im Zeichen
des Sozialmediums Internet: alternative Ansätze für
künftige Geld- und Finanzsysteme, innovative Formen
des Bezahlens und neue Währungen im und durch das
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DIGITAL FINANCE

Zukunftsinstitut I Gutes Geld

Netz. Den gemeinsamen Nenner bilden dabei die neuen
Möglichkeiten der Vergemeinschaftung, die durch
das World Wide Web geschaffen werden und das Geld
„social“ werden lassen.

Social Money:
Geld neu denken und machen
Der Siegeszug sozialer Medien und Netzwerke ist
nur ein besonders augenscheinliches Beispiel für die
Tatsache, dass das Internet die Welt zusammenwachsen

lässt. Die soziale Kraft, die vom Netz ausgeht, erstreckt
sich auf die gesamte Gesellschaft und demokratisiert
auch das Finanz- und Wirtschaftssystem. Zusehends
verteilt sich die Machtbalance von wenigen großen
Playern hin zu vielen kleinen Akteuren, die mitbestimmen wollen und können. Und sie verändert auch unsere
Arbeits- und Organisationskultur, wie das Thema
„Social Business“ zeigt. In Zuge dieser Transformation
wird auch das Medium Geld „resozialisiert“. „Märkte
sind Gespräche“, hieß es bereits 1999 im programmatischen Cluetrain-Manifest (www.cluetrain.com).
Heute, anderthalb Jahrzehnte später, ist diese Proklamation längst Realität geworden. Im Netz tauschen

Geldanlagen mit doppeltem Gewinn
Umwelt- und nachhaltigkeitsorientierte Publikumsfonds in Europa
(Anzahl und verwaltetes Vermögen in Milliarden Euro)
110

1.100
1.000

100
Zahl der Fonds (kumuliert, linke Skala)
Anlagevolumen in den Fonds (in Mrd. Euro, rechte Skala)

900

90

800

80

700

70

600

60

500

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30

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1984

1989

1994

Quelle: Avanzi SRI Research, Vigeo

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2001

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012 2013

sich kritische Konsumenten über die Vor- und Nachteile von Produkten aus, „empowerte“ Verbraucher
interessieren sich mehr denn je für Herstellungsbedingungen, Ressourcenverbrauch und Umweltverträglichkeit von Produkten. Der Markt verlangt
heute von Unternehmen ein zunehmendes Maß an
Transparenz.
Im Zeichen des LOHAS-Trends wird Wachstum
zusehends umdefi niert zu einer Mixtur aus Ökonomie,
Ökologie und sozialem Engagement. Themen wie
Globalisierung, Klimawandel und Rohstoff verknappung sind inzwischen dauerpräsent, das Umweltund Verantwortungsbewusstsein von Konsumenten
steigt kontinuierlich. Für Unternehmen wird daher
die strategische Entwicklung einer Corporate Social
Responsibility immer unerlässlicher. Wir erleben
die Evolution einer neuen Business-Moral: Kunden
erwarten eine „Good Governance“, ein konstruktives
Mitdenken bei der Lösung großer gesellschaftlicher
Herausforderungen. In dieser neuen GreenonomicsWirtschaft können sich auch ethisch-ökologische
Kriterien zum Anlagetrend entwickeln. Nicht
Marketing-Hypes, sondern nachhaltige Investments
sind zunehmend der Garant für gute Börsenkurse –
der Finanzmarktkrise zum Trotz.
Banken und Finanzdienstleister müssen im Zuge dieser
Entwicklung radikal umdenken. Heute und in Zukunft
geht es verstärkt darum, die eigene Mitverantwortung
zu erhöhen, gesellschaftliches Bewusstsein besser
zu kommunizieren und Wertediskussionen nicht nur
zuzulassen, sondern aktiv zu fördern. Nur so lässt sich
das Vertrauen der Kunden gewinnen und halten. Zudem
ist ein aktives Nachhaltigkeitsmanagement auch die
aussichtsreichste Strategie, um Vertrauens- und Reputationsverluste mittel- und langfristig auszugleichen.
So könnte künftig der Einbezug von Umwelt- und Sozialkriterien in Aktienanalysen oder eine Reputationsbeurteilung von Asset Managern zum Standard werden,
und neue Bewertungssysteme für Finanzprodukte
könnten neben Rendite, Liquidität und Risiko auch
den sozial-ökologischen Mehrwert berechnen.
Diese allgemeine Tendenz zur Remoralisierung
der Wirtschaft erfasst auch das amoralische Medium
Geld, das in seiner Abstraktheit eigentlich gerade

die Befreiung von moralischen oder wohltätigen
Begründungen und Rechtfertigungen verspricht.
Getragen von der Vision eines intakten Ökosystems
und einer lebenswerten Zukunft, bildet sich ein neues,
nachhaltigkeitsorientiertes Geldbewusstsein heraus.
Auch eine wachsende Aufmerksamkeit für die potenziell
gemeinschaftsschädigenden Effekte eines Zinssystems,
das Vermögende durch Sparzinsen fördert und Minderbemittelte durch Kreditzinsen sanktioniert, trägt dazu
bei, die ethische Wertneutralität des Geldes infrage
zu stellen.
Parallel dazu werden die „ermächtigten“ Kunden
zusehends unabhängiger von den Zwängen der
Massenproduktion. Angefangen bei der wachsenden
Verschmelzung von Internet und Handy, über die freie
Verfügbarkeit von Open-Source-Software wie LinuxBetriebssystemen oder Wiki-Enzyklopädien bis hin
zur Open Hardware des Maker Movements, die digitale
Do-it-yourself-Produktionen ermöglicht, verwandelt
das Openness-Potenzial des Internets Konsumenten
immer mehr in Prosumenten. Über das Netz teilen
sie innovative Ideen und setzen sie eigenmächtig um,
frei von den Beschränkungen des Big Business. Damit
bietet das Netz auch einen optimalen Nährboden für
neue, kollektivistische Formen der Geldgenerierung.
PRIVATE EQUIT Y DURCH COMMUNIT Y

Ein großes Projekt mit vielen Kleinbeiträgen zu
starten, das ist eigentlich keine neue Idee. Doch
die Realisierung ist durch das Internet so einfach
geworden wie nie zuvor. Crowdfunding-Plattformen
wie Kickstarter, Indiegogo oder Startnext helfen
dabei, Menschen mit gleichen Interessen zusammenzubringen, um gemeinsame Projekte zu fi nanzieren. „Von der Masse zur Community“ lautet
die Devise, die immer öfter auch fürs Sparen auf
ein gemeinschaftliches Ziel hin gilt.
Das Netz liefert das Potenzial, schnell und unkompliziert eine kritische Masse an „Investoren“
zu erreichen und so die aktive Beteiligung vieler
verschiedener Menschen an den unterstützten
Projekten zu ermöglichen.
www.kickstarter.com
www.indiegogo.com
www.startnext.de
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DIGITAL FINANCE

Zukunftsinstitut I Gutes Geld

Netz. Den gemeinsamen Nenner bilden dabei die neuen
Möglichkeiten der Vergemeinschaftung, die durch
das World Wide Web geschaffen werden und das Geld
„social“ werden lassen.

Social Money:
Geld neu denken und machen
Der Siegeszug sozialer Medien und Netzwerke ist
nur ein besonders augenscheinliches Beispiel für die
Tatsache, dass das Internet die Welt zusammenwachsen

lässt. Die soziale Kraft, die vom Netz ausgeht, erstreckt
sich auf die gesamte Gesellschaft und demokratisiert
auch das Finanz- und Wirtschaftssystem. Zusehends
verteilt sich die Machtbalance von wenigen großen
Playern hin zu vielen kleinen Akteuren, die mitbestimmen wollen und können. Und sie verändert auch unsere
Arbeits- und Organisationskultur, wie das Thema
„Social Business“ zeigt. In Zuge dieser Transformation
wird auch das Medium Geld „resozialisiert“. „Märkte
sind Gespräche“, hieß es bereits 1999 im programmatischen Cluetrain-Manifest (www.cluetrain.com).
Heute, anderthalb Jahrzehnte später, ist diese Proklamation längst Realität geworden. Im Netz tauschen

Geldanlagen mit doppeltem Gewinn
Umwelt- und nachhaltigkeitsorientierte Publikumsfonds in Europa
(Anzahl und verwaltetes Vermögen in Milliarden Euro)
110

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1.000

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Zahl der Fonds (kumuliert, linke Skala)
Anlagevolumen in den Fonds (in Mrd. Euro, rechte Skala)

900

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Quelle: Avanzi SRI Research, Vigeo

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sich kritische Konsumenten über die Vor- und Nachteile von Produkten aus, „empowerte“ Verbraucher
interessieren sich mehr denn je für Herstellungsbedingungen, Ressourcenverbrauch und Umweltverträglichkeit von Produkten. Der Markt verlangt
heute von Unternehmen ein zunehmendes Maß an
Transparenz.
Im Zeichen des LOHAS-Trends wird Wachstum
zusehends umdefi niert zu einer Mixtur aus Ökonomie,
Ökologie und sozialem Engagement. Themen wie
Globalisierung, Klimawandel und Rohstoff verknappung sind inzwischen dauerpräsent, das Umweltund Verantwortungsbewusstsein von Konsumenten
steigt kontinuierlich. Für Unternehmen wird daher
die strategische Entwicklung einer Corporate Social
Responsibility immer unerlässlicher. Wir erleben
die Evolution einer neuen Business-Moral: Kunden
erwarten eine „Good Governance“, ein konstruktives
Mitdenken bei der Lösung großer gesellschaftlicher
Herausforderungen. In dieser neuen GreenonomicsWirtschaft können sich auch ethisch-ökologische
Kriterien zum Anlagetrend entwickeln. Nicht
Marketing-Hypes, sondern nachhaltige Investments
sind zunehmend der Garant für gute Börsenkurse –
der Finanzmarktkrise zum Trotz.
Banken und Finanzdienstleister müssen im Zuge dieser
Entwicklung radikal umdenken. Heute und in Zukunft
geht es verstärkt darum, die eigene Mitverantwortung
zu erhöhen, gesellschaftliches Bewusstsein besser
zu kommunizieren und Wertediskussionen nicht nur
zuzulassen, sondern aktiv zu fördern. Nur so lässt sich
das Vertrauen der Kunden gewinnen und halten. Zudem
ist ein aktives Nachhaltigkeitsmanagement auch die
aussichtsreichste Strategie, um Vertrauens- und Reputationsverluste mittel- und langfristig auszugleichen.
So könnte künftig der Einbezug von Umwelt- und Sozialkriterien in Aktienanalysen oder eine Reputationsbeurteilung von Asset Managern zum Standard werden,
und neue Bewertungssysteme für Finanzprodukte
könnten neben Rendite, Liquidität und Risiko auch
den sozial-ökologischen Mehrwert berechnen.
Diese allgemeine Tendenz zur Remoralisierung
der Wirtschaft erfasst auch das amoralische Medium
Geld, das in seiner Abstraktheit eigentlich gerade

die Befreiung von moralischen oder wohltätigen
Begründungen und Rechtfertigungen verspricht.
Getragen von der Vision eines intakten Ökosystems
und einer lebenswerten Zukunft, bildet sich ein neues,
nachhaltigkeitsorientiertes Geldbewusstsein heraus.
Auch eine wachsende Aufmerksamkeit für die potenziell
gemeinschaftsschädigenden Effekte eines Zinssystems,
das Vermögende durch Sparzinsen fördert und Minderbemittelte durch Kreditzinsen sanktioniert, trägt dazu
bei, die ethische Wertneutralität des Geldes infrage
zu stellen.
Parallel dazu werden die „ermächtigten“ Kunden
zusehends unabhängiger von den Zwängen der
Massenproduktion. Angefangen bei der wachsenden
Verschmelzung von Internet und Handy, über die freie
Verfügbarkeit von Open-Source-Software wie LinuxBetriebssystemen oder Wiki-Enzyklopädien bis hin
zur Open Hardware des Maker Movements, die digitale
Do-it-yourself-Produktionen ermöglicht, verwandelt
das Openness-Potenzial des Internets Konsumenten
immer mehr in Prosumenten. Über das Netz teilen
sie innovative Ideen und setzen sie eigenmächtig um,
frei von den Beschränkungen des Big Business. Damit
bietet das Netz auch einen optimalen Nährboden für
neue, kollektivistische Formen der Geldgenerierung.
PRIVATE EQUIT Y DURCH COMMUNIT Y

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die Realisierung ist durch das Internet so einfach
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GUTES GELD

Bezahlen, Investieren und die Wertschöpfung der Zukunft
>>  Faxantwort +49 (0) 69 26 48 48 9-20

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Exemplar(e) der Studie „Gutes Geld“ 
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zum Preis von je 220,– Euro zzgl. 7% MwSt., 91 Seiten

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Thomas Huber, Anja Kirig,
Christian Rauch, Christian Schuldt
September 2014
220,– € zzgl. 7 % MwSt.
ISBN 978-3-938284-90-2

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Willkommen im neuen Universum des Geldes!
Die neue Studie „Gutes Geld“ zeigt, wie die Spielregeln einer umfassend vernetzten Wirtschaft bislang unbekannte
Akteure auf den Plan rufen, etablierte Player unter Innovationsdruck setzen und dabei neue Chancen für Ihr Geschäftsmodell entstehen. Schwerpunkte von besonderer Relevanz:
■■ Die Evolution des Geldes
Geld ist das älteste und wichtigste Informationssystem der Menschheit. Eine Erfolgsgeschichte - mit offenem Ausgang
■■ Digital Finance
Der digitale Lebensstil erzeugt ein anderes Geldsystem. Finanzen im Zeitalter von Transparenz und Partizipation
■■ Cashless Future
Wie wir in Zukunft bezahlen werden und digitale Währungen Wertschöpfung und Märkte verändern
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Geld und Bezahlbarkeit in der Gesellschaft von morgen. Was in Zukunft wertvoll ist und worin wir investieren

Geschäftsbedingungen: Versandkostenanteil Inland 3,- Euro, Ausland 5,- Euro. Sie haben ein Rückgaberecht von zwei Wochen nach Erhalt der Ware laut BGB §312.
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Kontakt: Anna Kunz, a.kunz@zukunftsinstitut.de, Tel.: +49 (0)69 264 848 9-22

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