seinem fünften Lebensjahr hofften und beteten, dass ein Wunder geschehen würde, damit er wieder würde sehen

können. Sie wollte so sehr, dass er sein Augenlicht wiedergewinnen sollte. Dann, eines Tages, als der kleine Junge fünf Jahre alt war, erklärte ihnen der Doktor im Ort, dass er von einem neuen Spezialisten, einem Chirurgen gehört hatte, der eine neue Behandlung anwandte, die ihrem Sohn eben genau würde helfen können. Die Eltern freuten sich riesig über diese Aussicht, ihre Freude wurde aber sehr schnell gedämpft, als sie die Kosten für diese Prozedur erfuhren. Sie waren nämlich nicht wohlhabend, manche würden sie sogar arm nennen. Und Reise sowie Operation würden einen beträchtlichen Betrag verschlingen. Aber die Sache verbreitete sich im Ort und ihre Kirche sammelte, um ihnen zu helfen. In kurzer Zeit war das Geld bereit und sie konnten in die Großstadt fahren für die Operation. Am Morgen, als sie losfuhren, sammelte der kleine Junge seine Sachen, einschließlich seines schon ziemlich zerlumpten Teddybären. Ein Ohr war abgebissen, ein Auge fehlte und er platzte an den Nähten. Seine Mutter sagte: „Sohn, warum willst Du diesen alten Teddybär noch mitnehmen, der ist doch schon völlig kaputt. Vielleicht können wir Dir einen Neuen kaufen, wenn wir zurückkommen.“ Aber er sagte: „Nein, ich brauche ihn.“ Also fuhren sie los nach Boston. Er klammerte sich den ganzen Weg an dem Teddybären fest. Der Chirurg spürte, wie wichtig dieser Teddy dem kleinen Jungen war und darum erlaubte er ihm, ihn bei allen Untersuchungen vor der Operation bei sich zu haben. Am Morgen der Operation brachten die Krankenhausangestellten zwei Operationskleider. Eine für den kleinen Jungen und eine noch kleinere Version für den Teddybären und ab ging es in de Operationsraum, wo der kleine blinde Junge auf der Tragbahre sich von Herzen festhielt an seinem geliebten Teddybären. Die Operation verlief gut. Nach ein paar Tagen wurden die Bandagen entfernt und – oh Wunder! – es war tatsächlich gelungen! Der Junge konnte sehen! Zum ersten Mal in seinem Leben sah er das

Gesicht seiner Mutter, seinen Vater, den Arzt, die Blumen, die Süßigkeiten und die Ballons der Leute, die für ihn gesorgt hatten. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er seinen Teddybären. Es war ein Freudenfest! Als die Zeit sich näherte, wo er das Krankenhaus verlassen sollte, kam der Chirurg zu ihm ins Zimmer. Er hatte wirklich eine innere Bindung an den kleinen Jungen entwickelt und sie verabschiedeten sich mit Freudentränen in den Augen. Dann wandte sich der Doktor, um zu gehen, da rief ihn der kleine Junge zurück. „Doktor“, sagte der kleine Junge „ich möchte, dass Sie das hier haben!“ Er hielt ihm den Teddybär entgegen. Der Doktor versuchte, es abzulehnen, aber der kleine Junge bestand darauf. „Doktor, ich habe kein Geld, deswegen möchte ich Ihnen meinen Teddybären geben, um sie dafür zu bezahlen, dass Sie mir geholfen haben, wieder sehen zu können. Ich möchte, dass Sie ihn haben. Es ist meine Art, danke zu sagen.“ Der Doktor nahm den Teddybär, schüttelte die Hand des kleinen Jungen und wünschte ihm alles Gute und noch lange Zeit später war im zehnten Stockwerk des weißen Gebäudes dieses Krankenhauses ein Teddybär zu sehen, platzend an den Nähten, mit einem abgebissenen Ohr und einem fehlenden Auge. Und darunter war ein Schild in der Handschrift des Chirurgen. Darauf stand: „Das ist der höchste Lohn, den ich je erhalten habe in der Ausübung meines Berufes“. Auch wenn es nicht viel ist, was wir Gott bringen können, unsere Dankbarkeit bedeutet Bände für ihn. „Mit Kindern vergehen die Jahre wie im Flug. Doch Augenblicke werden zu Ewigkeiten.“ (Jochen Mariss). Die größte Hoffnung von Euch, Markus und Brigitt ist, dass die Zeit hier auf der Erde hier mit Eurer lieben kleinen Damaris münden wird in die Ewigkeit zusammen mit Gott, denn das ist sein größter Segen. Amen.

Falkenstrasse 1 8630 Rüti

Predigt vom 06. April 2008

Liebe Eltern und Verwandte, liebe Gemeinde, „Wie die Blüte das Lächeln der Pflanze, so ist die Kindheit das Lächeln des Menschenlebens.“ (Peter Hille) Kinder sind so unglaublich wertvoll und sie machen unser Leben reich. Aber manchmal kommt der Segen in etwas verblüffender Verpackung. Vor einigen Jahren berichtete eine leitende, internationale, medizinische Fachzeitschrift in einem Artikel über Dr. Paul Ruskin über die „Stadien des Alterns“. In diesem Artikel beschreibt Dr. Ruskin eine Fallstudie, die er seinen Studenten in der Medizinvorlesung vorgelegt hatte. Er beschrieb den Fall dieses Patienten wie folgt: „Der Patient spricht weder, noch versteht er das gesprochene Wort. Manchmal brabbelt sie unzusammenhängend vor sich hin für Stunden und Stunden. Sie ist desorientiert hinsichtlich von Menschen, Orten und Zeiten. Allerdings antwortet sie auf ihren Namen, Ich habe mit ihr die letzten sechs Monate bereits gearbeitet, aber sie zeigt immer noch völliges Desinteresse für ihre physische Erscheinung und macht keinerlei

Wolfgang v. Ungern-Sternberg Tel. 055 241 16 35 wolfgang.vonungern@chrischona.ch

Anstrengung, in der Sorge für sie mitzuwirken. Sie muss gefüttert und gebadet und von anderen angezogen werden. Deswegen, weil sie keine Zähne hat, muss ihr Essen püriert werden. Ihr Hemd ist meistens verschmutzt von ihrem fast ständigen Sabbern. Sie kann nicht laufen. Ihre Schlafrhythmen sind erratisch. Oft wacht sie mitten in der Nacht auf und ihr Schreien weckt Andere auf. Sie ist zwar meistens freundlich und glücklich, aber einige Male pro Tag wird sie ohne ersichtlichen Grund recht wütend. Dann heult sie, bis jemand kommt, um sie zu trösten.“ Nachdem er seiner Klasse diesen herausfordernden Fall vorgelegt hatte, fragte Dr. Ruskin seine Studenten, ob irgendeiner von ihnen sich freiwillig bereit erklären würde, sich um diese Person zu kümmern. Niemand wollte. Dann sagte Dr. Ruskin: „Ich bin überrascht, dass niemand von Euch angeboten hat, zu helfen, denn tatsächlich ist sie mein Lieblingspatient. Ich habe unglaubliche Freude daran, für sie zu sorgen und ich lerne so viel von ihr. Sie hat mir eine Tiefe der Dankbarkeit gezeigt, die ich vorher noch nie gekannt habe. Sie hat mich den Geist des unerschütterlichen Vertrauens gelehrt. Und sie hat mich die Kraft der bedingungslosen Liebe gelehrt.“ Dann sagte Dr. Ruskin: „Lasst mich Euch ihr

Foto zeigen.“ Er zog ein Foto heraus und gab es herum. Es war das Foto von seiner sechs Monate alten Babytochter. Was Gott uns gibt Nun, ich mag diese Geschichte aus verschiedenen Gründen. Zum einen zeigt sie uns, dass geliebt zu werden oft nicht davon abhängt, was wir selbst tun, nicht davon abhängt, wie wir uns verhalten oder ob wir es „wert sind“, von unserer Zuverlässigkeit her. Ist nicht eine Kindersegnung ein fantastisches Bild dafür, wie wir vor Gott stehen? Seht Euch Damaris einmal an hier. Hier sitzt sie bei ihren Eltern auf dem Schoß und sie kann nicht sprechen, sie kann nicht schreiben, sie kann nicht lesen, sie kann nicht laufen, sie kann niemandem bei irgendwas helfen und alle, alle, alle haben sie lieb! Jemand anderer Ansicht? Bitte die Hand heben? Niemand? Das habe ich mir gedacht! Es hätte mich auch sehr gewundert. Seht Ihr, wenn es uns so leicht fällt, uns vorzustellen, dass man geliebt sein kann, einfach deswegen, weil man da ist, weil man Sohn oder Tochter ist, ohne das man selbst irgendetwas tun kann, außer vielleicht lächeln und Papi und Mami in die Nase kneifen – der Reflex kommt schon sehr früh. Es ist übrigens spannend, wie feste Babys in die Nase kneifen können, man merkt, da steckt richtig Kraft in den kleinen Ärmchen. Eine sehr süße Erfahrung… Aber das Entscheidende ist doch: „Man kann nicht leben, ohne jemand zu vertrauen.“ (Stefan Heym). Gottes Segen kommt uns entgegen. Ohne Vorleistung. So wie bei diesem Kind. Wir stehen wir Kinder am Rand eines großen Ozeans. Begleitung durch den Ozean des Lebens „Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean“, sagte der große Isaac Newton. Für ein Kind ist der Ozean die Reise seines Lebens. Neue Plätze, Orte, Bilder, Gerüche, Menschen, Erfahrungen, die es machen wird und von denen es jetzt noch so gar nichts weiß. Für uns sind der Ozean, die Fragen unseres Lebens, die wir uns stellen und die wir ohne Wegweisung von Gott her aus uns selbst heraus nicht

würden beantworten können. Wir wissen nicht, wo der Weg unseres Lebens hinführt – und wo er wirklich herkommt. Und wenn wir ein Stück auf dem Weg zurückgelegt haben, wissen wir nicht, ob das jetzt im Wesentlichen schon alles war, was wir vom Leben erleben werden oder ob wir bereits den Horizont unserer Reichweite erreicht haben. Es geht uns – bei der Einsegnung darf man ja einmal eine Kindergeschichte erzählen – wie der kleinen Ente Fridolin.

Eines Tages bricht Fridolin auf und macht sich auf die große Reise. Sein Ziel ist weiter als der Horizont. Er will das Meer überqueren, um nach Afrika zu gelangen. Und so paddelt er tapfer los, den kleinen Waldbach entlang, bis er auf ein großes Gewässer kommt, das er mit großer Tapferkeit überquert. Wir wissen, dass er in Wirklichkeit nur den Waldteich überquert hat, aber er, woher soll er wissen, dass das eben nicht das große Meer war, sondern nur ein kleiner Teich? Wenn die Eltern ihr Kind Gott zum Segen darbringen, dann bedeutet das, dass sie selbst es sehr lieben und ihm das Beste für sein Leben gönnen. Deswegen, weil sie wissen, dass jemand da ist, der es auf allen Reisen seines Lebens wird begleiten können – im Gegensatz zu ihnen selbst. „Der HERR hat unser gedacht, er wird segnen. Er segne das Haus Israel, er segne das Haus Aaron. Er segne, die den HERRN fürchten, die Kleinen samt den Großen.“ Psalm 115, 12.13

Das Kind dem Segen Gottes anzubefehlen bedeutet, es in die Hände dessen zu legen, der für immer für es da sein kann, für es tragen und für es sorgen. Der Segen Gottes war im Alten Testament etwas sehr Handgreifliches. Es war die Rede davon, dass das Vieh auf der Weide sich vermehrt, dass die Ernte reichlich ausfallen wird, dass Gott gegen Feinde, die mit Schwert und Schild anrücken, helfen wird, dass er nachkommen schenken wird. Alles das ist immer noch gültiger Gegenstand vom Segen Gottes. Im Neuen Testament aber ist der Inhalt des Segens stark in eine andere Richtung gesehen. Man möchte nicht sagen er ist verschoben, denn warum sollen materielle Dinge kein Segen sein. Aber er erhält ganz ausdrücklich einen neuen Schwerpunkt. Im Neuen Testament wird betont, dass Gott unseren inneren Menschen entwickeln möchte, sodass er Gott ähnlicher wird. Sein größter Segen vollzieht sich darin, dass er seinen Sohn Jesus Christus für uns Am Kreuz gegeben hat, um uns die Tür, das Portal zu Gott wieder zu öffnen. Dass wir unsere Schuld loswerden können, weil er sie getragen hat und wir wieder vereint und versöhnt werden können mit unserem Schöpfer. Das ist das Geheimnis von Golgatha. In einem viertel oder halben Jahr wird Damaris laufen können. Langsam wird sie tastend zuerst ihre kleinen Schrittchen setzen und dann immer stolzer und freudiger in ihre neue, größer gewordene Welt hinausschreiten. Eines Tages müssen auch wir, selbst wir als Erwachsene, uns in Bewegung setzen, damit wir den Gott finden, von dem aller Segen kommt. Man kann einen Menschen nicht lieben, ohne ihn zu kennen – jemand mag sehr liebenswert sein, aber man muss ihn zunächst einmal treffen! Und bei Gott ist das genauso. Lieber Markus, liebe Brigitt, dass Ihr Euer Kind Gott darbringt, um es zu segnen, bedeutet, dass Ihr eines Tages oder in einem Abschnitt Eures Lebens das Erlebnis gemacht habt, dass Ihr Gott begegnet seid. Und Ihr habt erlebt, wie sein Wesen gütig ist, voller Gnade, voller Zustimmung zu Euch als Menschen, dass Ihr zu ihm gehö-

ren sollt, voller Liebe und voller Annahme. Und das, was Ihr Euch am allersehnlichsten wünscht für Damaris ist, dass Eure Damaris diesen lebendigen liebenden Gott eines Tages selbst kennen lernt. Euer größter Segen für Damaris besteht darin, dass Ihr ihr etwas weitergeben wollt von dieser Begegnung. Gott und der Ozean unseres Lebens als Erwachsene Nun mag mancher vielleicht denken, ob das nicht ein zu hochgestecktes Ziel ist. Ist das denn überhaupt legitim? Können denn die Eltern wissen, dass sie den richtigen Gott getroffen haben – oder dass sie überhaupt einen Gott getroffen haben? Kann man sich denn überhaupt vorstellen, dass es einen Gott gibt? Der Frager ist stets ehrenwert, denn wer fragt, schafft sich die Möglichkeit, seine Welt zu erweitern. Leider gibt es auch Menschen, die den „Fall Gott“ für sich schon längstens abgeschlossen meinen und die sich die Meinung gebildet haben, es könne keinen Gott geben. Das ist sehr schade, sagt die Bibel. Erinnert Ihr Euch noch an das Bild vom Entchen Fridolin an dem großen See, den er für das Meer gehalten hat? Wer glaubt „Gott gibt es nicht, weil ich ihn noch nicht erlebt habe!“, der macht den urtümlichen Fehler aller Menschen, die meinen, ihre Erfahrung der Welt wäre die Erfahrung der ganzen Welt. Wer meint „nur, was ich erfahren habe, gibt es“, der macht den Fehler von Fridolin. Er hält die begrenzte Welt seiner Erfahrung für alles, was ist. Albert Einstein sagte, „es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom“. Lassen wir uns nicht von vorgefassten Meinungen aufhalten, sondern machen wir uns auf den Weg, um dem lebendigen Gott zu begegnen, der uns seinen Segen schenken möchte. Können wir Gott etwas geben? Nun und wir sprechen immer vom Schenken. Gibt es denn gar nichts, was wir Gott zu geben haben? Auf der einen Seite nein, auf der anderen Seite ja, doch. Vor mehreren Jahren wurde einmal ein blinder Sohn geboren, bei dem die Eltern bis zu