den vor dem vollen Tageslicht machte man sich auf, fuhr in dichter Finsternis die Vulkanhänge hinauf

und traf unterwegs auf eine Kolonne von Fahrzeugen, Begeisterten, die das Schauspiel auch sehen wollten. Denn der Haleakala, abgesehen von der grossen Fernsicht, ist bekannt dafür, dass die Sonne dort beim Aufgang zuerst einen goldenen Streifen bildet, bevor sie ganz erscheint. Und dann steht man da und wartet, und wartet, mit Kameras, Ferngläsern und dick bis dickstens in warme Kleider verpackt, bis der ersehnte Augenblick endlich eintritt. Ein kleiner goldener Streifen am Horizont, eine Ankündigung des kommenden Lichts—ist das

ersten Zeugen am leeren Grab sind. Denn damals, zur Zeit des römischen Reichs, galten Frauen eben nicht als zuverlässige Zeugen vor Gericht, ihr Zeugnis konnte angefochten werden, einfach weil sie Frauen waren. Ich weiss, gemein, aber trotzdem. Mit anderen Worten: Wenn jemand diesen Bericht künstlich konstruiert, erfunden hätte, dann hätte er ganz sicher Männer als erste Zeugen eingesetzt, weil es damals viel überzeugender gewirkt hätte. Möglichst noch besonders respektable, wichtige Männer— und um Himmels willen solche, die gleich verstehen, was los ist! Deine Erfahrung ist wichtig! Was bedeutet das für uns heute? Du denkst vielleicht auch, dass Deine Erfahrung nicht besonders wichtig ist. Dass Du nicht bedeutend oder überzeugend genug wärst, um zu beeindrucken. Dass Du zu wenig gefunden hättest—nur ein leeres Grab, was ist das schon! Wir hätten viel lieber den Engel mit dem Blitz gesehen! (Das hat Gott— ironischerweise—den „unwürdigsten“ Zeugen vorbehalten, den römischen Soldaten nämlich, und denen hat‘s nicht mal gefallen, „wurden, als wären sie tot“, Mt 28,3). Und trotzdem: Deine Erfahrung zählt! Was gerade Du mit Jesus erfahren hast, wie er Dich getragen, beschützt, getröstet, ermutigt hat, Dir begegnet ist, zählt, denn es wird sicher Menschen geben, denen nur Du es bezeugen kannst! Lassen wir uns nicht einschüchtern: Vom Blut Jesu am Kreuz fliesst durch die Auferstehung das Lebenswasser zu allen Menschen, die ihn hören. Das symbolisiert das rote Tuch hier am Kreuz und die blauen Tücher, die davon ausgehen und die wir jetzt durch die Reihen geben. Wir gehören zu ihm und wir gehören zusammen. Amen.

Falkenstrasse 1 8630 Rüti

Predigt vom Ostersonntag 2008

Eine donnernde Antwort In der Botschaft von Ostern steckt eine Kraft, die schon manchen überrascht hat. Wahrscheinlich erinnert Ihr Euch nicht an den Namen Nikolai Ivanovich Bukharin. Zu seiner Zeit war er einer der mächtigsten Männer auf der Welt. Als russischer kommunistischer Leiter nahm er teil an der bolschewistischen Revolution 1917, war Herausgeber der staatlichen sowjetischen Zeitung Pravda (was übrigens „Wahrheit“ bedeutet) und volles Mitglied des Politbüros. Seine Werke über Wirtschaft und Politik werden heute noch gelesen. Es gibt eine Geschichte über eine Reise, die er 1930 von Moskau nach Kiev machte, um vor einer riesigen Versammlung eine Rede über das Thema „Atheismus“ zu halten. Er wandte sich an die Menschenmenge und feuerte eine Breitseite nach der anderen ab, schoss Beleidigungen und Argumente gegen das verhasste Christentum ab. Eine Stunde später war er fertig. Er schaute sich um und sah, was aussah wie die rauchenden Aschereste dessen, was einmal der Glaube der versammelten Menschen gewesen war. „Gibt es irgendwelche Fragen?“, wollte Bukharin wissen. Lastende Stille füllte das Auditorium, aber dann näherte sich ein Mann der Plattform, stieg herauf zum Red-

alles? Wird das wirklich den vollen Tag bringen? Es wird! Auch wenn es nur wie ein kleiner Anfang aussieht.

nerpult und stellte sich nahe neben den kommunistischen Leiter. Er liess seine Augen über die Menschenmenge links und rechts wandern. Dann erhob er die Stimme und rief den traditionellen Gruss der russisch-orthodoxen Kirche: „Christus ist auferstanden!“ En masse erhob sich daraufhin die Menge wie ein Mann und die Antwort kam wie ein Donner: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Von Versagern zum Elitetrupp Die Botschaft von Ostern hat das Leben der ersten Jünger und Tausender und Millionen nach ihnen verändert wie keine andere. Aus einer kleinen Gruppe verschüchterter Gestalten, die später am liebsten wieder Fischen gehen wollten und sogar das Abnehmen des Leichnams Jesu vom Kreuz anderen überliessen, wurde der schlagkräftige Trupp von Elitesoldaten, der mit Gottes Segen einen Strom von Jüngern produzierte, unter dem die römische Militärmacht später eines Tages kläglich nachgeben musste und das Christentum zur Staatsreligion erklären. Sie hatten sich nicht einmal getraut, den Leichnam Jesu selbst einzubalsamieren – aber mit dem Wahrwerden der Auferstehung Jesu und ihrer Folgen wurden sie selbst mit einer Kraft gesalbt, die die damalige Welt aus den Angeln hob.

Ich möchte Euch noch einen kulturellen Hintergrund verraten, der wichtig ist, um den Auferstehungsbericht zu verstehen: Es ist etwas Besonderes, dass gerade Frauen die

Wolfgang v. Ungern-Sternberg Tel. 055 241 16 35 wolfgang.vonungern@chrischona.ch

Augen. Und als die Musik schliesslich, endlich stoppte, spendeten sie der verschiedenen Anna eine donnernde Ovation, deren Echo immer weiter in die Nacht hineinklang. Eine leere Bühne mit einem Spotscheinwerfer, aber in ihren Herzen war sie lebendig. Für viele ist das ihre Vorstellung, die sie von Ostern haben. Er wurde gekreuzigt, und sie denken, er starb, wie alle von uns eines Tages sterben werden und wurde in ein geborgtes Grab gelegt, und in den Herzen seiner Jünger lebt er weiter. Sie sehen Jesus als grossen Weisheitslehrer, der bedeutende Worte gesprochen hat – aber über ihn als lebendige Person denken sie nicht nach. Für sie ist es nur der Widerhall seiner Worte und ihre Auswirkung, die lebendig geblieben sind. Wenn sie doch nur der Person Jesu begegnen könnten, wie es die ersten Frauen und die ersten Jünger am Ostermorgen getan haben. Kennen Sie die tragikomische Erklärung von Woody Allen zum Thema „Unsterblichkeit“? „Ich will nicht durch meine Arbeit Unsterblichkeit erlangen“, sagte er. „Ich will Unsterblichkeit erlangen, indem ich nicht sterbe.“ Welche Art von Unsterblichkeit bekommen wir? Sind wir nur deswegen „unsterblich“, weil diejenigen, die uns lieben, sich an uns erinnern und gerne an uns denken? Oder hat Gott zu Ostern eine ganz neue Tür aufgestossen, eine die in die Unendlichkeit führt und die Pforten der Hölle und des Todes überwunden hat? Der Beweis für unser grösstes Geschenk Paulus schreibt im ersten Korintherbrief, dass die Auferstehung Jesu der Beweis dafür ist, dass auch wir auferstehen werden: „Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den

Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ 1. Kor. 15,16—20 Erinnern Sie sich noch an das Lied der Gruppe „Queen“, den alten Schlager „Who wants to live forever?“ – „Wer will für immer leben?“ Sie singt diesen Text mit so grosser Inbrunst, dass man spüren kann, dass hier eine auf das Äusserste bewegte Seele dahintersteht – was auch immer sie im Einzelnen für Vorstellungen vom Leben nach dem Tode gehabt haben mögen. Eines Tages werden sich für uns die Worte „Er führte mich hinaus ins Weite“ (Ps. 18,20) auf umwerfende Art und Weise bewahrheiten: Die Auferstehung Christi ist ein Fanal, ein Leuchtfeuer, ein Vorbote kommender phantastischer Dinge. Wir sagen manchmal „Grosse Dinge werfen ihre Schatten voraus“ – aber in diesem Fall werfen sie ihr Licht voraus! Wie ein Sechser im Lotto Die eine Auferstehung Jesu ist der Vorbote grosser, weltweiter Ereignisse: Dass nämlich wir auferstehen werden! Sie ist im Prinzip etwas wie der Brief von der Lotteriegesellschaft, dass man den Sechser im Lotto gewonnen hat—man weiss genau: Der Brief ist noch nicht der Gewinn, aber er macht es sicher, dass man an kriegen wird! Die Kugeln sind schon in die richtigen Röhrchen gefallen oder gezogen worden, das entscheidende Ereignis hat schon stattgefunden—dass der Gewinn ausgeliefert wird, ist nur noch eine Frage der Zeit! Dass Jesus aufersteht, ist der Beweis dafür, dass der Tod besiegt ist, dass sich das ganze Muster des Universums jetzt geändert hat: Jetzt erst ist den Gläubigen bestätigt, dass die Tür zur Ewigkeit für sie offensteht. Nebenbei bemerkt, Preisfrage: „Hätte man die Auferstehung Jesu fotografieren können?“ Antwort: „Nein, es wäre zu hell gewesen!“ (Mat 28,3: Über den Engel des Herrn, der den Stein wegwälzte, heisst es, „seine Gestalt war wie der Blitz“) (Es ist eine Lieblingsfrage von Leuten, die gerne hinterfragen wollen, ob die Auferstehung denn auch wirklich historisch geschehen wäre—und die Antwort drückt aus: Sie ist zwar schon historisch geschehen und man hätte dabei sein

können—aber sie ist weit mehr als nur ein historisches Ereignis!) Ein Lehrer fragte seine Sonntagsschulkinder einmal, nachdem er gerade davon erzählt hatte, wie Jesus ins Grab gelegt worden war, voller Begeisterung: „Na, und was meint ihr, was Jesus wohl gesagt hat, als er dann wieder auferstanden und aus dem Grab herausgekommen ist?“ Eine Hand schoss hoch vom hinteren Ende des Zimmers. Sie gehörte einem ganz aufgeregten kleinen Mädchen, das begeistert aufsprang und rief: „Ich weiss es, ich weiss es!“ „Gut“, sagte der Lehrer, „dann sag es uns.“ Und das Mädchen streckte seine Arme hoch in die Luft und sang laut heraus: „Ta – dah!“ Was Jesus nach der Auferstehung als Erstes gesagt hat, können wir nachlesen (er hat Maria von Magdala getröstet), aber für uns heute ist vor allem mit entscheidend, was er uns mit der Auferstehung gesagt hat: Dass wir nämlich das Recht bekommen werden, mit aufzuerstehen! Ein Ereignis mit grossen Wellen Die Auferstehung war am Anfang ein Ereignis, das nur von wenigen gesehen wurde. Aber es war der Anfang einer weltweiten Veränderung. Sie war wie der goldene Streifen am Horizont, der den Sonnenaufgang ankündigt. Wie anziehend das zu beobachten ist, habe ich besonders eindrücklich auf einem Vulkan erlebt, dem Haleakala auf Hawaii. Fast Stun-

Christus war auferstanden. Aber was bedeutet das eigentlich? Eine leere Bühne, aber kein ein leeres Grab? Von dem russischen Ballettstar Anna Pavlova wird eine seltsame Begebenheit berichtet. Sie war der tanzende Superstar des angehenden 20. Jahrhunderts und wird von machen als die grösste Ballerina aller Zeiten angesehen. Ihr eindrücklichster Auftritt aber ereignete sich nach dem Tod. Anna hatte diejenige Rolle spielen sollen, die sie berühmt gemacht hatte, den Sterbenden Schwan, im Apollo-Theater in London. Tragischerweise starb zwei Tage vor der Aufführung an einer Lungenentzündung. Trotzdem füllte sich an dem vereinbarten Abend das Apollotheater mit einer Menge ihrer Fans. Das Orchester begann zu spielen, der Vorhang hob sich, das Spotli cht flammte auf und die ganze Zuschauerschaft erhob sich. Sie blickten alle in den grossen Lichtfleck, der über die Bühne wanderte, begleitet von der Orchestermusik. Während das Licht tanzte und das Orchester spielte, erinnerten sie sich an Anna Pavlova. In ihren Herzen konnten sie sie auf der Bühne sehen, in weiss gekleidet und mit ihren blitzenden, dunklen