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Die Mieterzeitschrift – April 2015

Wohnen &
Gegensätze
THEMA

Engadin: junge Mieter
statt Luxustouristen

INTERVIEW

Ungarn braucht neue
Wohninitiativen

THEMA

Singapurs
Himmelsstürmer

Foto: Annick Haldemann

WOHNZIMMER

npg AG für nachhaltiges Bauen, Siedlung Burgunder, Bern Bümpliz.

2

April 2015 –

extra

wie manche behaupten. Jahrzehntelang habe man nur gebaut für die Reichen und Schönen. wo der Luxus. Viel Spass bei der Lektüre! Liza Papazoglou. die mich zur «Genossenschaft Wohnen bis 25» in Samedan begleitet. Richtige Löcher würden teils vermietet. Wie das im Engadin und andernorts funktionieren kann.ch Druck: Stämpfli AG. 10 Thema Singapurs Himmelsstürmer: Der staatliche ­Hochhausbau hat den ganzen Wohnungssektor umgekrempelt.ch Konzeption. wie das geht. Wie auch immer die Folgen für die Gesellschaft aussehen. www. Und muss sich ab und zu einfach einklinken. weil das Thema die Emotionen so hochkochen lässt. Denn der Markt richtet nicht einfach alles von sich aus. wo Gewinn lockt. findet Architekt Bence Komlósi. Es geht um zahlbaren Wohnraum im Oberengadin – ein rares Gut in einer Region. nimmt Susanne Bonaca kein Blatt vor den Mund. Nun gebe es kaum mehr zahlbare Wohnungen und die meisten Jungen zögen ins Unterland. 24 Rätsel IMPRESSUM extra Die Mieterzeitschrift Ausgabe April 2015 Herausgeber: Wohnbaugenossenschaften Schweiz.partner-partner. mit einer Freundin eine Vier­einhalbzimmerwohnung für 3200 Franken zu mieten. 14 Interview «Die Einheimischen haben ihre Grossmütter samt Nachthemd verkauft – und heute finden ihre Goofen nichts mehr zum Wohnen!» Jawoll. Und nicht nur das.wbg-schweiz.wbg-schweiz. so deutlich werden muss man manchmal.ch/zeitschrift_wohnen wohnen@wbg-schweiz. «Und die Einheimischen haben dabei kräftig mitverdient». Layout. zeigen die Beiträge dieses Hefts. 16 Thema Inspirierende Gegensätze im Mehrgenerationen­ haus: Eine Bilanz nach drei Jahren Leben in der Siedlung ­Heizenholz. In Silvaplana. Gemäss seiner Logik wird nur dort investiert. sind die Gespräche vor Ort. 8042 Zürich. weil sie nichts anderes fand. Bern April 2015 – extra 3 . 20 Porträt Rentner Sigi Blarer und Studentin Anne Raith wohnen zusammen – für beide ein Gewinn. ist nur jede vierte Wohnung ganzjährig bewohnt. Natürlich geht es auch anders. Anlass für die markigen Worte der Fotografin. Sie ist eine aufmerksame Zuhörerin.ch Redaktionelle Verantwortung: Liza Papazoglou www. Redaktorin Ungarn braucht dringend genossenschaftliche Initiativen von der Basis.und Zweitwohnungsbau den ganzen Immobiliensektor auf den Kopf gestellt und zu extremen Gegensätzen geführt hat. 22 Tipps 23 Kolumne Bice Aeberli: Gelandet. Druckvorstufe: Partner & Partner AG.EDITORIAL INHALT 2 Wohnzimmer Cover: Steinbock über Pontresina/Foto: Susanne Bonaca 4 Thema Junge Mieter statt Luxustouristen im Ober­ engadin: «Wohnen bis 25» zeigt. Solche Schieflagen im Wohnungssektor sind leider keine Ausnahme. Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger. wo die Fotografin lebt. zu unverschämten Preisen. Ihre eigene Tochter sei gezwungen gewesen. Bucheggstrasse 109. www.

ab und zu eine Handvoll Häuser. Moritzer Hotelier Mitte des 19. Mit durchschlagendem Erfolg.THEMA WOHNEN IM OBERENGADIN Junge Mieter statt Luxustouristen TEXT: LIZA PAPAZOGLOU/FOTOS: SUSANNE BONACA Das Oberengadin ist ein teures Pflaster. In. lässt die Lautsprecherdurchsage wissen. Für viel frischen Wind sorgt nun «Wohnen bis 25» – ein ziemlich ungewöhnliches Projekt. als sich die Bahn auf meinem Weg nach Samedan durch eine prächtige alpine Landschaft windet. in zahllosen Kurven.und ausländi- . einsame Bergflanken. Seit 1903 befördert die Rhätische Bahn auf dieser Strecke Reisende ins Engadin. Günstige Mieten sind Mangelware. die zum Unesco-Weltkulturerbe gehö- 4 April 2015 – extra ren. Mittelland und städtische Hektik liegen längst weit zurück. Das ebenfalls mit Pionieren aufwartet: Der Legende nach erfand ein pfiffiger St. Bis ins Hochtal hinauf überwinden die kühnen Konstruktionen. Jahrzehntelang wurde vor ­allem in Luxuswohnungen investiert. tausend Höhenmeter – ein Paradestück aus der Zeit der Bahnpioniere. über Viadukte und durch Kehrtunnels entlang der Albulalinie. Verschneite Tannenwipfel. ­Genossenschaften ebenso. Jahrhunderts sozusagen den Schweizer Wintertourismus.

Kontingente für Zweitwohnungen oder Spezialbesteuerungen lange kaum spürbar Wirkung. Sie zahlen aber auch ihren Preis: Dorfkerne entleeren sich und hinterlassen zerfallende oder luxussanierte Altbauten. Läden. entfalteten Massnahmen wie Zonen für Einheimische. wie ein Blick auf aktuelle Angebote zeigt. Obwohl der Kanton und die meisten Gemeinden bereits seit Jahren versuchten. in Orten wie Silvaplana. sehr tiefe Steuersätze und Geld. Ein zweischneidiges Schwert Zwischen 1970 und 2012 hat sich der Wohnungsbestand im Oberengadin von 6800 auf 20 800 verdreifacht. für Luxusobjekte wird oft deutlich mehr verlangt. Mit den bekannten Folgen: exzessiver Zweitwohnungsbau und teils astronomische Immobilienpreise. Mit nach oben offener Skala. und auch die Mietzinse zogen kräftig an. Die Region ist reich an Naturschönheiten. den imposanten Bergen und der schönen Natur.» Mangelware bezahlbare Mieten sche Touristen kamen – und kommen – in Scharen. «In einigen Orten ist nur jede vierte Wohnung das ganze Jahr über bewohnt. fallen die Mietzinse happig aus – was bei Löhnen. Villen. In Pontresina etwa hat man für eine grosszügige Viereinhalb-Zimmer-Wohnung fast vier Millionen Franken hinzublättern. Celerina oder Madulain ist gar nur gut jede vierte Wohnung das ganze Jahr über bewohnt. angelockt von den vielen Sonnentagen. Gemeinden überaltern. Der Zweitwohnungsbau führte nicht nur zu einem Boom im Luxussegment.3 Millionen Franken. Und kaufen. Und wenn. greifen um sich. Und die Wohnsituation ist völlig aus dem Häuschen. Kein Wunder.THEMA Wohnen ist im Oberengadin nicht nur in St. Die ständige Wohnbe­ völkerung nahm dabei nur um 14 Prozent zu. Sechs von zehn Wohnungen in den elf Tal­ gemeinden sind Zweitwohnungen. sondern riss auch den übrigen Immobilienmarkt mit sich. 2014 kostete gemäss dem neusten «Immo-Monitoring» von Wüest & Partner im Oberengadin die Hälfte der Vier-ZimmerWohnungen mindestens 1. An attraktiven und gut bezahlten Arbeitsplätzen mangelt es. glänzen im Luxus. Schulen schrumpfen oder werden zusammengelegt. auch immer mehr Wohnungen. Der Siedlungsgürtel frisst sich mehr und mehr in die Landschaft. das die Handänderungs. Ausserhalb der Saison gleichen sie bisweilen Geisterstädten. Von dieser Situation profitieren viele Einheimische – etwa durch die boomende Bauund Immobilienbranche. April 2015 – extra 5 . Postämter und Apotheken verschwinden. lockt der Mietwohnungsbau angesichts solch lukrativer Alternativen nur wenige Investoren. vor allem seit den 1970er-Jahren. Frönen mondänen Vergnügungen. Moritz zum Luxusgut ­geworden – vor allem wegen dem boomenden Zweitwohnungsbau. Häuser. die locker tausend Franken unter dem mittelländischen Niveau liegen. ganze Ortsteile fallen monatelang in Dornröschenschlaf. dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Von 2002 bis 2012 haben sich die Preise im Eigentumsbereich verdoppelt. Ihr Charme leidet aber wie hier in Pon­ tresina zunehmend an den ausfransenden Bauzonen. etwa gleich viel wie in Zürich. Randzonen fransen aus. zum Problem wird. viele Junge wandern ab.und Grundstückgewinnsteuern üppig in die Gemeindekassen spülten.

Günstige und attraktive Wohnungen All dies trug – neben baulichen Massnahmen wie einheitlichen Grundrissen und Materialien – wesentlich dazu bei. initiierte deshalb 2012 mit Gleichgesinnten die Genossenschaft Wohnen bis 25 – und damit ein ziemlich einzigartiges Projekt. Diese erlaubt nur «der Gemeinde dienliche Bau- ten». 6 April 2015 – extra «Junge Leute sind vom akuten Mangel an ­bezahlbaren Wohnungen besonders betroffen. . Die grösste Hürde stellte die Beschaffung des Eigenkapitals dar. im dunkel schimmernden markanten Quader. Dort. weiss auch der hier wohnhafte Ernst Huber. der sich nicht nur darum kümmerte. der auch im Vorstand der benachbarten Genossenschaft Oberengadiner Lehrlingshaus sitzt. sagt Ernst Huber. Trotzdem musste sie immerhin sieben Millionen Franken für die Finanzierung aufbringen. eine mit viereinhalb Zimmern 1600 Franken. Sie stellte das Land zu einem symbolischen Baurechtszins von 280 Franken pro Jahr zur Verfügung. Für 2600 Franken. sondern auch das ganze Gebäude plante. Dieses spezielle Konzept überzeugte denn auch die Gemeinde. kostet eine ZweieinhalbZimmer-Wohnung 1050  Franken. Der Kanton übernahm überdies einen kleinen Beitrag an die Ausstattung des Wohnhauses mit Wärmepumpe sowie Photovoltaikanlage für den umweltgerechten Minergie-P-Standard. dass die Genossenschaft günstig bauen konnte. exklusiv Nebenkosten.» die am Anfang ihrer Berufslaufbahn oder in einer Zweitausbildung stehen und von dieser Starthilfe sehr profitieren können. Viele können es sich nicht leisten. eine Bürgschaft die Hypothekar-Bürgschaftsgenossenschaft (HBG). Als ich anreise. Ein zinsgünstiges Darlehen gewährte der vom Bund gespeiste Fonds de Roulement. Und zwar eine ganz besondere. Der Schreinermeister und Architekt.bis Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen im vierstöckigen Bau ausschliesslich an Leute zwischen 18 und 25 Jahren.THEMA Trotz bester Lage nahe beim Bahnhof bietet die Überbauung der «Genossenschaft Wohnen bis 25 Samedan» (dunkles Gebäude in der Bildmitte) günstige Wohnungen für junge Leute. Und die Gemeinde gewährte auf dem etwa tausend Quadratmeter grossen Grundstück auch eine deutlich über der Norm liegende Ausnützungsziffer. Vermietet werden die 27 Eineinhalb. «Junge Leute sind vom akuten Mangel an bezahlbaren Wohnungen besonders betroffen. Dass günstige Mietwohnungen Mangelware sind. So sei gewährleistet. eine faire Hypothekenfinanzierung die Raiffeisenbank. von zuhause auszuziehen oder nach der Ausbildung im Oberengadin zu bleiben». erzählt Ernst Huber. der mich am Bahnhof abholt und zu einem Neubau an bester Lage ganz in der Nähe begleitet. obwohl er in der Zone öffentlicher Bauten liegt. «Wir haben uns bewusst für diese ‹Altersguillotine› entschieden». Es geht auch anders Genossenschaft nur für junge Mieter In Samedan berappt man gemäss Statistik für eine Mietwohnung etwa sechzig Prozent mehr als das Schweizer Mittel. Und zwar nur an solche mit Steuersitz im Dorf. dass die günstigen Wohnungen dauerhaft jungen Menschen zugute kommen. Wohnen bis 25 erfüllt dieses Kriterium. erteilte das wegen der angrenzenden Strasse nötige Näherbaurecht und bewilligte den Bau. Schliesslich kamen durch Anteilscheine und Privatspenden die nötigen 350 000 Franken zusammen. erzählt Ernst Huber. Möglich macht dies eine Wohnbaugenossenschaft. wenn auch auf unkonventionelle Weise. ist gerade eine neue Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung ausgeschrieben.

meint der 23-jährige Lorenzo Derungs. findet er. und geniessen neben der günstigen Miete auch die Vorzüge eines Neubaus. Coiffeuse. Er und Angela Duschletta hatten lange vergebens «etwas Anständiges» gesucht. Hockeyspieler und Berufsmaturanden. Und auf die Bedürfnisse von Jungen ausgerichtet. sondern auch mit der dunklen Eternitfassade von anderen Gebäuden in Samedan ab. Zufriedene Mieter Das Paar. Wir haben mittlerweile auch eine What’s-App-Gruppe gebildet und machen viel ab. Bahnangestellte und Dachdecker. Wobei es um mehr geht. Besonders freut sich der Genossenschaftspräsident. Heute wohnen rund sechzig Menschen im Haus für Junge – allein. wie gut es hier ist». April 2015 – extra 7 . der trotz kostenbewusster Bauweise von solider Qualität und attraktiv ist. Verkäuferin und Banker. kleiner und um einiges teurer. dass die Bäder mit Duschen statt Badewannen ausgestattet sind. Man treffe sich. Die war aber alt. In nur gut einem Jahr wurde dann das Haus samt Tiefgarage durch regionale Firmen erstellt. Diese hatte die Genossenschaft Wohnen bis 25 eigens in einer Umfrage ermittelt. Hier nun haben sie mehr Platz Wohnen bis 25 hebt sich nicht nur mit seinem Konzept. Besonders aber schätzen die beiden jungen Leute das unkomplizierte Zusammenleben mit ihren Nachbarinnen und Nachbarn. Wichtiger aber ist: «Das sind wirklich super Leute hier. die etwa dazu führte. alleinerziehend mit Kind und in Wohngemeinschaften.THEMA «Die Gemeinschaft und das unkomplizierte Zusammenleben sind das Beste hier. Und sie leben gern hier. bereits im Juli 2014 zogen die ersten Mieterinnen und Mieter ein. dass sie im nächsten Jahr aus Altersgründen wieder ausziehen müssen. «Das ist eigentlich das Beste am Ganzen».» so Lorenzo Derungs. als Paar. als beispielsweise auch mal spät abends waschen zu können – auch wenn sie darüber natürlich froh sind. kann das nur bestätigen. esse oder feiere auch mal gemeinsam. Darunter sind Maurer. Immerhin teilten sie im Unterschied zu vielen ihrer Bekannten bereits vorher gemeinsam eine Wohnung in Samedan. dass dem Projekt an der Gemeindeversammlung im April 2013 fast unisono zugestimmt wurde.» Schlank und Schlag auf Schlag über die Bühne ging der Rest. dessen helle und geräumige Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung wir anschauen. Lorenzo Derungs und Angela Duschletta fühlen sich wohl im Haus für Junge und bedauern. «Ich bin positiv überrascht.

Moritz und Scuol. Auch die drei Wechsel. In den letzten Jahren sind im ganzen Kanton weniger als ein Dutzend lokaler Genossenschaftsgründungen zu verzeichnen. Für Angela Duschletta und Lorenzo Derungs heisst es im nächsten Jahr schon wieder weiterziehen. Ernst Huber ist zufrieden. Genossenschaftliches Wohnen haben die beiden vorher nicht gekannt. Diese befürchteten eine Ghettobildung. Und zwar nicht nur wegen ihres Alters. Ähnliche Angebote dürften sie allerdings kaum finden. dass wir befristet hier leben». Grössere Gründungen gehen vorwiegend auf Bahnen und Bundesbetriebe zurück. da der junge Mann dann 25 wird. Wenige Genossenschaften Ob Eigentums. fallen die Preise in der Regel happig aus. Und sie könnten sich gut vorstellen. alles laufe sehr gut. die es zum Projekt gab. via «Busch­ telefon» unter den Jungen und Warteliste sind die begehrten Wohnungen ohne Probleme wieder vermietbar. über alle Stockwerke offene Treppe im fröhlich-orangen Treppenhaus und die Waschküchen auf jeder Etage. «Schade ist das natürlich schon sehr. ist für Ernst Huber klar. An der ersten Mieterversammlung letzten November wurde überdies den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Budget zugesprochen. kommentiert er knapp. Nun stehen neben dem üb- lichen Mobiliar ein Tischfussballkasten sowie ein Ping-Pong-Tisch für die Spielernaturen und ein Riesensofa zum Fläzen bereit. Nach bald einem Jahr Betrieb gebe es keine nennenswerten Probleme. die in den 1940er. Ansonsten prägen verstreute Klein. Gelegenheit für Begegnungen bieten deshalb die grosse. Wohnen 7-8/2011). mit dem sie den Gemeinschaftsraum selber einrichten konnten. Auch die vereinzelten kritischen Stimmen aus Bevölkerung und Verwaltung.THEMA Gemeinschaft als Plus «In den letzten Jahren wurden im ganzen Kanton nur wenige Baugenossen­ schaften gegründet.bis 1970-Jahren Wohnraum für ihre Angestellten errichteten. «Solche Vorurteile zeugen von einer seltsamen Einstellung gegenüber Jungen». Chaos. auch nach ihrem Auszug wieder so zu wohnen. «An der ersten Mieterversammlung waren alle happy». Drogen. die meisten davon für kleine Wohnen-im-­AlterProjekte. die bereits stattfanden. von denen etwa vierzig Prozent allein in und um Chur und Landquart zu finden sind. unter anderem auch in Samedan.oder Mietwohnungen: Wenn in Oberengadiner Dörfern wie Samedan gebaut wird. resumiert er. sind mittlerweile verstummt. liefen reibungslos ab.» Dass Gemeinschaftliches zu einer genossenschaftlichen Überbauung gehört.und Kleinstgenossenschaften das Bild. Seine Partytauglichkeit hat der Raum bereits mehrfach bewiesen. St. Was sie auch flugs taten. Aber wir wussten ja von Anfang an. 8 April 2015 – extra Wohnbaugenossenschaften gibt es generell nicht viele in der Region. im Unterengadin «Chasa Reisgia» 13 Woh- . Aktuell sind es gemäss den verfügbaren Zahlen im ganzen Kanton gut zwei Dutzend mit etwa 750 Wohnungen. So erstellte 2011 in Bonaduz «in buona compagnia – Genossenschaft Wohnen 50+» 26 Wohnungen (vgl. hier haben sie es schätzen gelernt. meint seine Partnerin.

Die beiden anderen Studios und die acht Wohnungen des zweiten Hauses vermietet sie an einheimische Genossenschafter. dafür verfügen die Wohnungen über einen gehobenen Standard und sind vorwiegend mit heimischen. Die Unterengadiner Gemeinde Tarasp hat bereits vor rund 25 Jahren das Gebiet Curtin am Fusse von Schloss Tarasp ausgeschieden. Weitere Pläne aus anderen Bündner Regionen. Das ist auch Ernst Hubers Fazit. statt sie gemeinnützigen Bauträgern anzubieten. Gleichzeitig bleiben Erweiterungen und Umnutzungen bestehender Gebäude weiterhin möglich und können altrechtliche Wohnungen in Zweitwohnungen umgewandelt werden. Ebenfalls ein Thema: Baugenossenschaften sind für ihre Vorhaben in der Regel auf die Unterstützung der Gemeinden angewiesen. weiss Jacques-Michel Conrad. bar. Im Oktober 2014 konnten ihre zwei Häuser samt Annexbau mit vier Studios bezogen werden. Weitere Projekte sind erst in Planung beziehungsweise im Bau. 2014 stellte «Curtin» in Tarasp zwei Gebäude fertig (siehe Kasten). die ihnen vor allem in Form von günsti- «Baugenossenschaf­ ten sind auf die Unter­ stützung der Gemeinden angewiesen. Mit 2000 Franken für eine Viereinhalb-Zimmer-Wohnung liegt der Mietzins eher im oberen Segment. Erstellt wurde die Siedlung im Minergie-Standard. Geschäftsführer des Regionalverbands Wohnbaugenossenschaften Ostschweiz. dass ihre Bremswirkung nun tatsächlich langsam einsetzt und weniger neu gebaut wird. So oder so aber gibt es ein unschlagbares Argument für den genossenschaftlichen Wohnungsbau: Die langfristig günstigen Mieten dank Verzicht auf Gewinn. sofern die Baubranche sich schlecht entwickelt und der Tourismus wegen der Frankenstärke noch mehr kriselt. um gute und bezahlbare Wohnungen zu schaffen. natürlichen Materialien gebaut. ist erfreulich. ist derzeit offen. Vor allem die Finanzierung der Überbauung mit relativ wenigen Wohnungen stellte die Wohnbaugenossenschaft vor grosse Herausforderungen. kennt auch Jacques-Michel Conrad. Und in Pontresina beispielsweise habe die Gemeinde eine Liegenschaft einer Pensionskasse verkauft. Die Gemeinde unterstützte zwar das Projekt mit einem Darlehen und verkaufte das Und wie weiter? Wie sich die Situation im Oberengadin entwickeln wird. Noch nicht wirklich klar sind die Konsequenzen der 2012 angenommenen Zweitwohnungsinitiative. Eine solche Unterstützung sei aber im Oberengadin nicht immer zu haben. Auf der anderen Seite ist auch denk- Bauland zu einem vergünstigten Preis. um mit dem Erlös die Baukosten zu entlasten. Um das vorhandene Know-how zu nutzen und mehr Schlagkraft zu erreichen. Trotzdem musste sie fünf Wohnungen und zwei der Studios verkaufen. die entsprechenden Wohnungen sind oft aber immer noch überteuert.und langfristig auf den Mietwohnungsmarkt auswirken. um das Dorf zu beleben und den Bau von günstigem Wohnraum für ortsansässige Familien und Senioren zu ermöglichen.» gem Baurechtsland und Darlehen unter die Arme greifen. die bei der Gemeinde Schiffbruch erlitten. Häufiger werde Baurechtsland Einheimischen zum Bau von Eigentumswohnungen oder Häusern abgegeben. Indikatoren wie die Anzahl Baugesuche weisen aber darauf hin. Das funktioniert und hilft der Bevölkerung und dem ganzen Tal!» April 2015 – extra 9 . die offenbar erfolgreich bei der Gemeinde intervenierten. Zwar gibt es derzeit mehr Leerstände als auch schon. aber kaum miteinander vernetzt. moniert Flurina Bezzola von der dortigen SPSektion. sind sie danach in der Regel nicht weiter aktiv. Gebaut wurden aber lediglich zwei Einfamilienhäuser. die den Zweitwohnungsanteil auf zwanzig Prozent beschränken will. Curtin: Genossenschaftsbau mit Hindernissen Zu wenig schlagkräftig Soweit. Junge Leute zögen eher weg als sich selber für Genossenschaftsprojekte zu engagieren. Dass neue Baugenossenschaften selbst in Höchstpreisregionen wie dem Oberengadin entstehen. «Genossenschaften sind genau das richtige Modell. Wie in anderen ländlich geprägten Regionen auch haben die kleineren Bündner Genossenschaften begrenzte personelle Ressourcen und sind zwar gut lokal verankert. will der Regionalverband deshalb eine «Genossenschaft der Genossenschaften» gründen. bis dann 2011 die Wohnbaugenossenschaft Curtin gegründet wurde. so gut. nungen. dass Leute wegziehen. Wie sich solche Faktoren mittel. In La Punt-Chamues-ch scheiterte ein grosses genossenschaftliches Vorhaben bis jetzt am Widerstand von Zweitwohnungsbesitzern.THEMA Foto: zVg. als er mich zurück auf den Zug begleitet. Haben sie einmal gebaut. Zudem erhielt die Genossenschaft Darlehen vom Fonds de Roulement sowie günstige Hypotheken der Graubündner Kantonalbank. Für einen wirklich namhaften Beitrag zum preisgünstigen Wohnen reicht ihre Zahl aber nicht. ist ungewiss.

Seit der Unabhängigkeit als Stadtstaat 1965 wurden die historisch gewachsenen urbanen Gebiete mit ihren Shophouse-Quartieren (traditionelle chinesische Reihenhaussiedlungen). wie sie auch in Europa in der ersten Hälfte des 20. Wohnraum ohne fliessendes Wasser. In ihnen ist der Grossteil der Bevölkerung untergebracht. Jahrhunderts unter Arbeitern und Angestellten weit verbreitet waren. mit engen Zimmern und extrem hohen Belegungsdichten haben unter anderem die Entstehung der europäischen Genossenschaftsbewegun- . Es existieren zwei Singapur.THEMA 85 PROZENT DER BEWOHNER PROFITIEREN VOM STAATLICHEN WOHNUNGSBAU Singapurs Himmelsstürmer TEXT: SASCHA ROESLER*/FOTOS: KATJA JUG Singapur hat mit seinem umfassenden Programm des sozialen Wohnungsbaus den Hochhausbau massiv gefördert. in Singapur sei gewissermassen alles Infrastruktur. Auch durch nachfolgende Generationen werden diese bis heute praktiziert und kultiviert. malayisch. Eine ganze Nation neu untergebracht Das Erscheinungsbild Singapurs ist von den 23 New Towns geprägt. unsichtbare lebt in den Erinnerungen der Bewohner. Einkaufszentren und Esshallen über den eher herben Charme einer kompromisslos durchgesetzten Nationenbildung. Die Aussage des Science-Fiction-Autors William Gibson. mit der hier eine ganze Nation innerhalb eines halben Jahrhunderts neu untergebracht wurde. etwa beim Kochen. In ihre neuen Wohnungen brachten die umgesiedelten Grossfamilien ihre traditionellen Alltagsgewohnheiten mit. wie man sie von sozialistischen oder staatskapitalistisch geführten Ländern her kennt. In Gesprächen mit älteren Singapurern erfährt man von der Genugtuung über den im Laufe der letzten Jahrzehnte erreichten Lebensstandard. ­Entstanden ist so eine vielfältige Gebäudelandschaft. mit mangehalften sanitären Anlagen. Die Konsequenz jedoch. Beide Singapur existieren und beeinflussen die Art und Weise. Das sichtbare ist überzogen von einer futuristisch anmutenden Hochhauslandschaft. 10 April 2015 – extra völkerung wurde in die «New Towns» umgesiedelt – neu errichtete. die 85 Prozent der Bewohner beherbergt und Gemeinschaftliches mit Eigentum kombiniert. Essen und Schlafen. das andere. Viele erinnern sich noch an Wohnverhältnisse. ihren Kampungs (traditionelle Dörfer der malayischen Halbinsel) und ihren informellen Siedlungen (Slums) sukzessive abgerissen. Viele Quartiere fernab des glänzenden Bankenviertels verfügen mit ihren Strassen und U-Bahnstationen.und indischstämmige Be* Sascha Roesler ist Forscher am Future Cities ­Laboratory der ETH Zürich in Singapur und designierter SNF-Förderprofessor für populäre Architektur und Urbanisierung an der Accademia di Architettura in Mendrisio. Die grös­stenteils chinesisch-. modernistisch geplante Stadtteile. wie in der Stadt heute gewohnt und gelebt wird. ist vor dem Hintergrund der allumfassenden Präsenz dieser Wohnquartiere zu verstehen. ist beispiellos und macht längst und nicht bloss in Asien Schule.

Zum anderen setzt HDB auf Wohneigentum: Ur- sprünglich als Mietwohnungssystem für die Ärmsten Singapurs gedacht. die in die Höhe wachsen Singapur ist eine tropische Insel. Der Name hat sich längst verselbständigt: In Singapur wohnt man entweder in einem «HDB» – und meint damit ein Gebäude der Behörde – oder in einem «Condo». Standardisierung der Bauteile und einheitliche Normen sind enorme Kosteneinsparungen möglich. das sämtliche Belange des sozialen Wohnungssektors umfasst. und durch grosse Stückzahlen. Sie haben fast alle anderen Wohngebäude verdrängt. Hier in Singapur haben sie unmittelbar nach der Unabhängigkeit zur Etablierung eines umfassenden staatlichen Wohnbauprogramms geführt.THEMA In Singapur wachsen viele – meist staatliche – Hochhäuser in den Himmel. Häuser. gen befördert. Diese staatliche Priorisierung des erschwinglichen Wohnens unterscheidet Singapur grundlegend von anderen Ländern Südostasiens wie Indonesien. Zwei Aspekte kennzeichnen Singapurs Wohnungssektor: Zum einen laufen sämtliche Bemühungen im Bereich des sozialen Wohnungsbaus in einer einzigen Behörde. dem Housing Development Board (HDB). Staatliche Lenkung mit bemerkens­ werten Resultaten Anders als in vielen anderen postkolonialen Gesellschaften wurde die Erstellung von Wohnraum nicht privaten Marktkräften überlassen. wurde bald auf Wohneigentum umgestellt. Philippinen oder Thailand. sondern als ebenso wichtig wie die wirtschaftliche Entwicklung erachtet.» her Kompetenzenbündelung und politischer Durchschlagskraft im Wohnungssektor. Diese privaten Eigentumswohnungen versorgen die restliche Bevölkerung mit Wohnraum. Rund 85 Prozent der Bevölkerung Singapurs wohnt heute in einer Wohnung des HDB und 95 Prozent aller Einheiten sind im Besitz ihrer Bewohner. zusammen. wurde das Programm rasch auf allgemeines Wohneigentum umgestellt – der politische Slogan dazu lautete «property-owning democracy» (Demokratie der Eigentümer). Die geografischen und klimatischen Bedingungen führen zu einem ganz besonderen Massenwoh- April 2015 – extra 11 . wo die unzureichende Präsenz des Staates im Wohnungssektor nach wie vor zu prekären Lebensbedingungen vieler Bevölkerungsgruppen führt. Diese Fokussierung führt zu ho- «Ursprünglich als Miet­ wohnungssystem für die Ärmsten gedacht. was für Condominium steht.

welche Experimentierbereitschaft unterdessen bei Singapurs HDBs herrscht. Unterscheiden sich HDBs der 1960er. die dazu benötigte Energie ist für eine durchschnittliche Familie längst kein wichtiger Kostenfaktor mehr.bis 25-stöckigen Punktbauten der Anfangszeit sind unterdessen doppelt so hohe. obschon die dünnwandigen Gebäudehüllen zu einem hohen Elektrizitätsverbrauch führen. werden jüngere HDBs ähnlich wie die Privat­gebäude mit immer grösseren Glasanteilen an der Aus­ Im neuen Vorzeigeprojekt pinnacle@duxton verbinden zwei begehbare Plattformen die sieben fünfzigstöckigen Wohntürme. «In luftiger Höhe werden Aussenräume für die ­Bewohner geschaffen. Bis Mitte der 1990er-Jahre wurden die Wohnungen ausschliesslich natürlich belüftet. . frei gestaltete Gebäude geworden. Stock In den letzten beiden Jahrzehnten wurde der allgemeine Lebensstandard deutlich angehoben. für die Querlüftung konzipierten Wohnungen mit Klimaanlagen aus. In luftiger Höhe werden so Aussenräume für die Bewohner geschaffen. musste zunehmend in die Höhe gebaut werden. 12 April 2015 – extra senhülle ausgestattet. die die einzelnen Wohntürme miteinander verbinden. Solche Entwicklungen zeigen. dass Singapur – dies etwa im Unterschied zu Hongkong – trotz der hohen Dichte eine stark durchgrünte Stadt mit grosszügigen Aussenräumen geworden ist. was etwa der Grösse des Kantons Solothurn entspricht? Und wie konzipiert man Wohnungen. Tropische Pflanzen und Bäume bilden in vielen HDBSiedlungen einen willkommenen Kontrast zu den schematisch gestalteten Wohngebäuden.THEMA nungsbau. Aus 10.» Toa Payoh verfügt wie viele HDB-Siedlungen über ­begrünte Aussenräume. Wie bringt man eine noch immer wachsende Bevölkerung von derzeit 5. Die für schweizerische Begriffe unvorstellbaren Gebäudehöhen und geringen Gebäudeabstände machen es möglich.5 Millionen Menschen auf 700 Quadratkilometern unter.bis 16-stöckigen Scheibenbauten und 20. obschon draussen Temperaturen von 32 Grad Celsius und achtzig Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen? Die städtebaulichen und architektonischen Antworten auf diese Fragen haben sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten stark verändert. Diese neuste Vorzeigeüberbauung besteht aus sieben Türmen mit fünfzig Stockwerken und verfügt über zwei Plattformen.bis 1980erJahre mit ihrem rohen Standardisierungsmodernismus noch deutlich von den wesentlich freier gestalteten Condos. Immer mehr Singapurer statten seitdem ihre durchlässigen. in denen man sich gerne aufhält. Von Haus zu Haus im 50. Um die erforderliche Dichte zu erreichen. Das begünstigt eine immer stärkere Angleichung von HDBs und Condos. wie das pinnacle@duxton exemplarisch zeigt.

die sich teilweise gleich mehrere Wohnungen kaufen können. Das Erfolgsmodell HDB gerät jedoch in den letzten Jahren zunehmend unter Druck. Junge und alte Bewohner frönen hier ihrem Fitnessprogramm oder treffen sich zum gemeinsamen Chi-Gong oder Tai-Chi. quartiereigene Schnellbahn und neu angelegtes Naherholungsgebiet vermögen die Beschränkung aufs Wohnen und die fehlenden Arbeitsplätze vor Ort nicht zu kompensieren. den sozialen Wohnungsbau verwaltende Behörde die jüngeren gesellschaftlichen Entwicklungen genügend repräsentiert. Der finanzielle Gewinn der älteren Bevölkerung geht dadurch zunehmend zulasten der jüngeren. sie sagt viel aus über den fürsorgerischen Staat Singapur und sein Organisationsvermögen. Je länger. sozial und kulturell vielfältigen Wohnquartieren weiter steigen. was insbesondere für junge Familien. dass sich siebzig Prozent aller Haushalte eine Vier-Zimmer-Wohnung und sogar neunzig Prozent eine Drei-ZimmerWohnung leisten konnten.und Spielplätze. Hier werden für umgerechnet zwei bis vier Franken Menüs aus dem gesamten asiatischen Essensspektrum feilgeboten. wo sich vor allem ältere Bewohner gerne treffen. bildet das im Bau befindliche. Aussenräume wie diese erweitern das «Void Deck». dass die planerischen Konzepte nach wie vor viel zu sehr auf Infrastrukturbau und zuwenig auf einen guten Nutzungsmix zielen.» welch internationalen Qualitätsstandards das HDB unterdessen verfährt. die zu jeder grösseren HDB-Siedlung gehören. die Gewerbe und kreative Berufszweige zulässt. April 2015 – extra 13 . ob eine einzige. nicht jedoch auf Fussgänger ausgerichtet ist und die Fortbewegung bei tropischem Klima äusserst anstrengend macht. vollständig durch die staatlich kontrollierten Hawker Centres ersetzt. Die Überbauung belegt jedoch. … aber auch Schlafstädte Insbesondere in den Anfangsjahrzehnten achtete das HDB streng auf die ethnische Zusammensetzung in den Gebäuden und Siedlungen. Denkbar ist durchaus. das durch Stützenraster freigespielte Erdgeschoss. Indem die Gebäude mittels Stützen vom Boden abgehoben werden. ganz im Norden angesiedelte Punggol eine Schlaf. Problematisch ist auch das Verkehrssystem. ältere Personen. das auf Auto und U-Bahn. Singapur verfügt über keine staatliche Altersvorsorge. wird die natürliche Belüftung des Quartiers gefördert und durch die Verschattung der Aufenthalt draussen erträglich. In immer mehr Hochhäusern finden sich unterdessen Void Decks auch in den oberen Geschossen und ermöglichen so den Bewohnern einen begrünten Aussenraum.beziehungsweise Satellitenstadt wie aus dem Bilderbuch. Weit wichtiger für Begegnungen sind jedoch die «Hawker Centres»: Esshallen. In den Anfangsjahren wurden die Preise von HDB so festgelegt. Mit wachsender zivilgesellschaftlicher Ausdifferenzierung wird auch der Bedarf an ökonomisch. die sich zu gegebener Zeit wieder kapitalisieren lassen. Während frühe New Towns wie etwa das in der Inselmitte gelegene Toa Payoh dank gewachsener Quartierstrukturen und trotz Grösse und Repetition der Volumen lebendig wirken. Auch die mit viel architektonischer Ambition errichtete Vorzeigesiedlung Punggol Waterway Terraces des Westschweizer Architekturbüros group8 behebt dieses grundsätzliche Manko nicht. die Wohn­ eigentum erwerben möchten. nach «Staatlich kontrollierte ­Esshallen gehören zu jeder grös­seren HDB-Siedlung. den der Stadt­ staat im Laufe weniger Jahrzehnte durchlaufen hat. Beim Gang durch unterschiedliche New Towns bekommt man einen Eindruck von der Bevölkerungszusammensetzung und dem rasanten gesellschaftlichen Wandel. Zeitgenössische Architektur. Entsprechend wird das System des Wohn­ eigentums heute zugunsten eines sozialeren Mietsystems in Frage gestellt. die selbständiges Denken und Eigeninitiative nicht nur in der Wirtschaft. Die Preise im Wohnungssektor steigen weit stärker als die Einkommen. wie sie in anderen asiatischen Ländern nach wie vor zu finden sind.THEMA Nachbarschaften und Esshallen… Typisch für die Aussenräume vieler HDBSiedlungen sind Sport. Ein Erfolgsmodell unter Druck Der staatliche Wohnungsbau war das vielleicht wichtigste Instrument. vielmehr kaufen Singapurer als Altersvorsorge HDB-Wohnungen. unterdessen wird eine ethnische Durch­mischung bewusst angestrebt. die den Bewohnern Kauf und Verkauf der Wohnungen erlauben. desto mehr begünstigt das Finanzierungssystem von HDB-Wohnungen aber gut verdienende. Alternativen gefragt Auch soziale Argumente sprechen für eine Renovation des Systems HDB. um in die Monotonie seiner Siedlungen architektonische Qualität und Abwechslung zu bringen. dass das Wohngenossenschaftssystem europäischer Prägung irgendwann auch in Singapur Einzug hält. Es fragt sich. Längst gibt es hier Anzeichen für die Bildung einer Bürgergesellschaft. In Singapur wurden die fliegenden Händler und Suppenküchen. zu einer immer grösseren Belastung wird. um die nationale Identität in der multikulturellen und vielsprachigen Gesellschaft Singapurs zu fördern. Punggol ist ein Beispiel dafür. sondern auch in Politik und Kultur fordert und praktiziert. Die Kombination von staatlichem Wohnungsbau und staatlich ermöglichten Esshallen ist vielleicht das Kennzeichen einer typischen HDB-Siedlung schlechthin. Not täte eine Diversifizierung. In vielen Hochhausblocks gibt es Läden und Esshallen. Typisch für das staatskapitalische System Singapurs wurden quasi über die Hintertür regulierte Marktbedingungen eingeführt.

Welche Umwälzungen beim ­Wohnen seither stattfanden und welche Rolle Genossen­ schaften dabei spielen. so viele wir nirgends sonst. Wohnenextra: Können Sie uns kurz schildern. Mittlerweile besteht ein hoher Sanierungsrückstau. Sie wollten deshalb die Wohnungen unbedingt loswerden und verkauften sie extrem billig an die Bewohner. Ihr Engagement reichte aber nur bis zur Wohnungstür – für Aussenräume oder Treppenhäuser fühlte sich niemand zuständig. Auch wenn natürlich an attraktiven Zentrumslagen in Budapest vieles renoviert wurde mit Hilfe von EU-Geldern. Gab es auch Baugenossenschaften? Ja. später die bekannten Plattenbausiedlungen. die im Sozialismus ja ideologisch belastet waren. Zudem fehlten den Stockwerkeigentümerschaften ebenso wie früher dem Staat die Mittel für Renovationen. erklärt der Architekt Bence Komlósi*. Es gab zum Beispiel keinerlei demokratische Mitsprache oder Selbstorganisation. Die Privatisierung brachte aber auch Probleme mit sich. Doch auch diesen fehlte das Geld. Da der Staat pleite war. Der Staat baute so nach dem Zweiten Weltkrieg viel. Im Gegenteil: Die Leute waren skeptisch gegenüber allen «Zwangsgemeinschaften». . In Ungarn wurden so über neunzig Prozent der Wohnungen privatisiert. renovierten sie. Denn auch sie waren vollständig vom Staat kontrolliert und die Genossenschaften mit solchen in westlichen Ländern nicht wirklich zu vergleichen. zuerst Backsteinbauten. Deshalb wohnen heute die meisten Ungarn im Stockwerkeigentum. Das galt für den Wohnraum ebenso wie für Arbeitsplätze. 14 April 2015 – extra Was änderte sich mit der Wende? Es gab eine enorme Privatisierungswelle im Immobiliensektor. auch das Zusammenleben war kein Thema. wie der Wohnungssektor in Ungarn bis 1989 funktionierte? Bence Komlósi: Im sozialistischen Staat war die Grundversorgung der Bevölkerung staatlich garantiert. sieben Prozent der Wohnungen waren genossenschaftlich – aber mehr dem Namen nach. Zum Beispiel handelten die meisten Neubesitzer nun nach dem Motto «Meine Wohnung – meine Burg»: Um diese kümmerten sie sich. auch wenn sich manchmal mehrere Generationen eine kleine Wohnung teilen mussten und bis zu drei Personen in einem Zimmer lebten. Alles in allem funktionierte die Versorgung. etwa von Heizungen. übergab er die meisten Gebäude den Kommunen.INTERVIEW DER WEITE WEG VOM STAATLICHEN WOHNUNGSSEKTOR ZU NEUEN WOHNFORMEN «Genossenschaft? Nein danke!» INTERVIEW: LIZA PAPAZOGLOU Bis 1989 lag in Ungarn der gesamte Wohnungssektor in staatlicher Hand. schnell und günstig. Die Wende brachte eine beispiellose ­Privatisierungswelle mit sich. Ist das nicht ein Vorteil für die Bewohner? Zum Teil schon.

was genossenschaftliches Bauen und Wohnen heisst. Nötig sind also Informationen und Austausch mit Genossenschaften und Hochschulen anderer europäischer Länder. Schliesslich darf man nicht vergessen. Weshalb? Sie könnten als nicht-profitorientierte Organisationen bezahlbaren Wohnraum schaffen. In den letzten zehn Jahren gab es in Ungarn keine einzige Baugenossenschafts- gründung. obwohl dringender Handlungsbedarf besteht – etwa bei älteren Menschen oder Studierenden. Dort erforschte er demokratische Bottom-Up-Initiativen für nach­ haltiges Wohnen in Ungarn. sodass sie ähnlich wie Stockwerkeigentümerschaften funktionieren und mit den gleichen Problemen konfrontiert sind. wo Staat und Privatinvestoren kaum etwas tun. Ausserdem leiden sie unter ihrem schlechten Image aus sozialistischen Zeiten – hört nur schon jemand das Wort «Genossenschaft». Und es mangelt am Wissen. Nach Zürich. entsprechend fehlt es an staatlicher Unterstützung. sagt er gleich «nein danke!». das das Thema auch in die Medien und ins Bewusstsein der Leute bringen will. Und zwar auch dort. Was aber wenig verwundert. Denn es existiert weder eine genossenschaftliche Tradition noch eine staatliche Förderung. Schlimm ist die Lage seit der Wirtschaftskrise 2008. Bisher gibt es in Ungarn kaum solche Bewegungen. die ihren Innenhof selber gestaltete. im ganzen Land wurden 2014 nur etwa 8300 Wohnungen erstellt. dem Staat fehlt das Geld dazu. Im Wohnbereich fehlen solche Initiativen vor allem. Sie könnten auch alternative Wohnformen wie Wohngemeinschaften initiieren. zwanzig Prozent verschuldet. Für Investoren lohnt sich Bauen derzeit nicht. bis die Leute wirklich gemerkt haben. brachte ihn 2012/2013 ein Weiterbildungs-Master­ studiengang des ETH-Wohn­forums. 14 Prozent der Menschen leben unter der Armutsgrenze. in Budapest etwa ein Urban-Gardening-Projekt oder eine Gemeinschaft. Als Lösung schlagen Sie Initiativen «von unten» vor. Derzeit vertieft der ­Architekt das Thema mit einem Ferndoktorat an der Moholy-Nagy University of Art and Design ­Budapest (MOME). Anderseits verlottern Wohnungen oder stehen leer. zwölf Prozent sind arbeitslos. April 2015 – extra 15 . Der Neuwohnungsbau ist deshalb praktisch zum Erliegen gekommen. Das ist ein Witz! Und die Baugenossenschaften? Die konnten das Problem bisher auch nicht lösen. Leider haben die Politiker keine Ahnung von genossenschaftlichem Bauen. dass unsere Demokratie erst 25 Jahre alt ist. Es braucht wohl noch länger. Andere Anbieter gibt es nicht. INTERVIEW *Bence Komlósi (32) studierte Architektur an der Budapest University of Technology and ­Design (BUTE). Was braucht es. weil sie sehr viel Kapital benötigen. Sie müssten sich dringend weiterentwickeln. derzeit beteilige ich mich an der Gründung eines solchen Netzwerkes. Wie stellt sich die Situation heute dar? Es existieren kaum Alternativen zum Wohnungskauf – nur können sich diesen viele schlicht nicht leisten. Zudem glaube ich. ähnlich wie sie selbstorganisierte Genossenschaften bei uns praktizieren. damit diese Fuss fassen können? Es gibt erst vereinzelte Beispiele für zivile Initiativen. wie viel sie selber bewirken können. dass auch die Genossenschaftswohnungen grösstenteils privatisiert wurden. die in Ungarn bis jetzt praktisch inexistent sind. weil niemand Geld für Sanierungen aufbringt. Die raren Mietwohnungen sind oft überteuert. wissen aber nicht. wie sie das machen sollen und kennen auch die westeuropäischen Vorbilder nicht. Kommt hinzu. wo er heute lebt und arbeitet. Den alten Genossenschaften hingegen fehlt es an Know-how. Die Wohnsituation wird immer schwieriger und ist eigentlich paradox: Einerseits steigt die Zahl der Obdachlosen.Foto: zVg. da sie profit­ orientierten Privatinvestoren gehören. dass eine demokratische Or- ganisation und gemeinsame Verantwortung zu gesellschaftlich viel nachhaltigeren Lösungen führen als andere Modelle.

gemeinsame Aktivitäten und Rückzugsorte: In der ­Siedlung Heizenholz der Genossenschaft Kraftwerk1 in Zürich Höngg haben ­unterschiedliche Lebensentwürfe Platz. 16 April 2015 – extra . WGs und Clusterwohnungen. Wie bewährt sich das Konzept im Alltag? Drei Jahre nach Bezug zieht Bewohnerin Esther Spinner Bilanz. Familien und Singles.THEMA INSPIRIERENDE GEGENSÄTZE Am Stadtrand TEXT: ESTHER SPINNER */FOTOS: KATRIN SIMONETT Junge und Lebenserfahrene.

Abschleifen. das Alter stand nicht im Vordergrund. dass unsere Küchen. meine Umgebung wieder neu zu sehen. einölen. je nach Lust und Jahreszeit an der Sonne und im Stras­ senlärm. sind gut besucht. Davor hatte sie zehn Jahre lang in deren Stammsiedlung Hardturm im Zürcher Kreis 5 gewohnt. aber nicht festgeschrieben. die Wege im und ums Haus sind bekannt. * Die Schriftstellerin Esther Spinner zog Anfang 2012 in der Siedlung Heizenholz ein. So weit weg zu ziehen! So abseits! Uns gelingt es am Hönggerberg. Heute sind etwa 15 Prozent der Mieterinnen und Mieter über 55 Jahre alt. Doch letzthin half mir der fremde Blick. «Pensionierte hüten Kinder oder kochen zur Entlastung in den jungen Familien. Von Anfang an engagierte sie sich als ­Co-Leiterin der Begleitgruppe für das neue Projekt und berichtete als Kolumnistin in Wohnen regelmässig über diese Zeit. Alle Arbeitsgruppen haben sich nach Interessen gefunden. Mitarbeit ist erwünscht. Ecken und Kanten. die uns das ganze Jahr frische Kräuter liefert. der sonst von jungen Frauen bestritten wird. wunderte mich. Viel Lob spendete der Besuch aus der Siedlung Hardturm den Architekten. ein­ wintern oder umgekehrt: auswintern. die Abflussrinnen gesäubert und die Küche im Gemeinschafts­ raum geputzt. Wald und aufs Hasenge­ hege unterscheidet sich stark vom früheren auf spiegelnde Fassaden. Die Gewöhnung hat einen Nachteil: Das Bewusstsein für die Qualität unseres Wohnortes und unserer Wohnungen sinkt. und ich sah. April 2015 – extra 17 . Tagsüber wird auf den Ter­ rassen oder der Wiese gelernt. Stadt und Land zu verbinden. Bisher ist meines Wissens noch keiner ausgebüxt. füttern die Hasen und las­ sen sie gar frei springen. viele Details wur­ den entdeckt und gewürdigt. schön sind. in dem intensiv über Wohnungsgrössen.THEMA Seit drei Jahren lebe ich in der Siedlung Heizenholz. Am Stadtrand fand die Genossenschaft zwei dafür geeignete Gebäude.» worden. einwintern In den drei Jahren hat sich dank gemeinsa­ mer Aktivitäten ein vielfältiges Geflecht von Beziehungen etabliert. Die grosszügigen Aussenräume sind nicht nur für Kinder eine Freude. inklusive Stolpersteinen. oder hinter dem Haus im Schatten mit Wiesenblick. regelmässig oder in Notfällen. aufstellen. bei allen Vorbehalten. Kinder spielen im Weidenhäuschen. gelesen. doch an den öffent­ lichen Verkehr sind wir nach wie vor bestens angebunden. Aber auch die Terras­ sen werden geschrubbt.und Wohngenossenschaft Kraftwerk1. Der Blick aus meinem Fenster auf Wiese. In diesen Jahren ist der Alltag Routine geworden. Vor allem die Gartenmö­ bel geben zu tun: abschleifen. der zweiten Siedlung der Bau. Und da wird jeweils wirklich gearbeitet. Die Kräuterspirale. Eine der Pensionier­ ten macht mit beim Mittagstisch. Und so sah auch ich die grünen Fensterrahmen mit neu­ en Augen. muss gejätet werden. Katzen sonnen sich auf der Bank rund um den Kirschbaum. Das Projekt war von Anfang an als Mehrgenerationenhaus geplant. einölen. ab­ stauben. viermal im Jahr an den Hausversammlungen das Budget erstellt und falls nötig Probleme diskutiert. Da sitzen wir beim Nachtessen zusammen. Dass auch die Lage am Stadtrand gewürdigt wurde. die zusammen das Fit­ nesscenter und die Seniorenuni besucht. sondern als Möglichkeit. ge­ faulenzt. die Aktions­ tage. Die Siedlung verfügt über 22  Wohnungen von einem bis sechseinhalb Zimmern sowie zwei gros­ se Clusterwohnungen und zwei Wohnungen für Wohngemeinschaften. sah die vielen gemeinsamen In­ nen. die zweimal jährlich durchgeführt wer­ den. andere hüten Kinder. Zweimal jährlich werden am Aktionstag anstehende Arbeiten erledigt. private und haus­ bezogene. die sie mit einem Neubau und einer grossen gemeinsamen Terrasse verband.und Aussenräume nicht als Verschwen­ dung. waren wir doch vor dem Umzug eher bespöttelt Die Siedlung Heizenholz in Zürich Höngg entstand in einem vierjährigen partizipativen Prozess. Daneben gibt es auch eine Gruppe Ältere. oder es wird zur Entlastung in einer der jun­ gen Familien gekocht. Fitnesscenter und Seniorenuni Auch über die Generationen hinweg sind Be­ ziehungen entstanden. Der Bus bringt uns in gut zwanzig Minuten ins Zentrum. Viele im Hause arbei­ ten in einer Arbeitsgruppe mit. Ausstattung und Vorstellungen des Zusammenwohnens diskutiert wurde.

pragmati­ sche Lösungen zu finden. Hand­ schuhen. was haltbar ist. der Salle commune – der Name lehnt sich an «Terrasse commune» an. Zweimal im Monat wird für gegen vierzig Menschen gekocht. doch die Freude am Depot ist gross und konsumiert wird regelmässig. dass wir ein zu­ sätzliches Gestell kaufen mussten. Die lauten Partys haben wir auf zwölf pro Jahr beschränkt. Das Voneinander-Lernen hält sich dabei nicht an Altersvorgaben. Die dimm­ bare Lichtwolke kann je nach Wunsch einge­ setzt werden. umso kinderreicher wird das Haus.oder dreimal jährlich und wer­ den an den anderen 19 Treffen bekocht. Brockenhaus und geschenkte Stühle Die Salle commune ist mittlerweile gut ein­ gerichtet. ein Beamer. Ich jedenfalls lernte von unserem jüngsten Kochmitglied. Diese Regelung zeigt. unserem Gästezim­ mer. Dafür ist unsere Siedlung zu klein. Dank den Kindern haben wir an Menschen zu. Reis und Nudeln.THEMA Die Kinder sind bald die stärkste Gruppe im Mehrgenerationenhaus. Das Konsumdepot ist wirklich ein Depot: Da lagern Mehl und Linsen. Denn auch die Kochteams sind alters­ mässig gemischt. Ich stolpere über Stiefel. über ein Roll­ brett. wie ich Lauch effizienter wa­ schen kann. Viel Arbeit. der an einigen Stunden pro Tag offen ist.und an Quadrametern pro Person abgenommen. 34 Quadratmeter pro Person Je weiter ich im grösseren Treppenhaus nach oben steige. stosse mir das Schienbein an einem Anhänger. Später konnten wir zusätzliche Klapptische kaufen und ei­ nen Satz Stühle aus dem Brockenhaus. das für dreissig Franken pro Nacht zu mieten und sehr beliebt ist. alles. die fast vierzig Jahre jünger sind als ich. Ein Konzept. Ebenfalls gut funktioniert das Konsum­ depot. Wein und Sirup. so dass an­ . in dem eine Puppe schläft. «Dank den Kindern haben wir an Menschen zuund an Quadrametern pro Person abgenommen. Das uns zur Verfügung stehende Geld reichte am Anfang nirgends hin. Ein wichtiger Treffpunkt ist der Circolo. Die Hol. dies inklusive 18 April 2015 – extra Gemeinschaftsflächen wie den Terrassen. verheddere mich in Windjacken. Doch das Herzstück bilden immer noch geschenk­ te Möbel: drei unterschiedliche Tische. So koche ich in meiner Gruppe mit Frauen. Mützen. Nach mehreren Lärmklagen haben wir uns zusam­ mengesetzt und die so genannten RotpunktPartys ins Leben gerufen. Im Durchschnitt bele­ gen wir pro Person nur noch 34 statt der vor­ gegebenen 35 Quadratmeter. damit Lärmbetroffene sich das Oberstübli re­ servieren können. Sie müssen auf dem Reservationskalender mit einem roten Punkt gekennzeichnet werden. das aufgeht und Beziehungen schafft. wie das Heizenholz­ projekt von den Architekten genannt wurde – und dem Oberstübli. Die Vierer-Kochteams kochen zwei. drei ebenfalls unterschiedliche Sofas.und Bringbiblio­ thek wird so eifrig genutzt. ja. Einmal pro Monat wer­ den die Strichlisten ausgezählt und per Mail wird eine Rechnung verschickt. Im Gegensatz zur Stammsiedlung Hardturm haben wir keinen Laden.» Wie die meisten Gemeinschaftsräume ist auch unsere Salle commune nicht für laute Partys oder Konzerte eingerichtet. dass wir als Gemeinschaft fähig sind. eine Leinwand und eine Musikanlage stehen seit kurzem al­ len zur Verfügung. So wurde die Salle commune zunächst mit ge­ spendeten Möbeln bestückt. oder sich von einer jungen Mitbewohnerin Spanisch beibringen lässt.

und nicht alle lassen sich mit einem roten Punkt lösen. V wie Verände­ rung. in der die Altersspanne sehr bewusst weit ge­ wählt wurde. Dass der gemeinsame Pro­ zess. Natürlich kommen auch wir nicht um Konflikte herum.» aktiv ältere Menschen ansprechen. nicht alle die Himbeeren genau dort wollten. Besonders gelobt werden die gemeinsamen Terrassen. der nicht an der eige­ nen Wohnungstür aufhört. dass sich fast alles erfüllte. dann in den beiden Wohngemein­ schaften oder den Clusterwohnungen. wo sie nun wachsen. hier leben dafür viele Kinder. Überraschenderweise lebt die Gruppe mit den ältesten Bewohnerinnen nicht etwa in einem Cluster. wird von al­ len Befragten betont. Wir müssen wohl «In einer der beiden Clusterwohnungen gab es einen einzigen Wechsel in drei Jahren.und Wohngenossenschaft. Da röten sich Wiese und Wald. besonders wichtig war.ch. An der wird es uns auch in Zukunft nicht mangeln. und wenn. Die Anzahl Kinder zu beschränken wäre hin­ gegen nicht in unserem Sinn. die uns so we­ nig wie möglich einengen. Dass wir gut funktionieren. Fast alles erreicht Also alles bestens in der neuen Kraftwerk1Welt? Fast. Damit werden die Kinder wohl bald zur stärksten Gruppe der Siedlung. bescheinigt uns auch eine eben erschienene Begleitstudie. Geschätzt wird auch die Mitsprache im Alltag. Es gelingt uns ganz gut. in der andern sind alle um die vierzig. Eigeninitiative wird grossgeschrieben. was wir uns damals in der Begleitgruppe vorge­ nommen hatten.THEMA fängliche Darlehen zurückbezahlt und eine eigene Gefriertruhe für die Sorbettos ange­ schafft werden konnte. einander zuzuhören und die verschie­ denen Standpunkte zu würdigen. Dass nicht alle den neuen Schrank für die Gartenwerkzeuge schön finden. Download über www. Noch nicht ganz erfüllt sind die Altersvorgaben. Hase im letzten Sonnenstrahl Dieses Jahr feiert die Genossenschaft Kraf­ werk1 ihr zwanzigjähriges Bestehen. Und seit meinem Besuch freue ich mich ganz be­ wusst am Altbekannten. sondern in einer Wohngemeinschaft.kraftwerk1. same Wohnraum stehe hingegen oft leer. nossenschaft setzt auf Mitbestimmung und Mitarbeit und scheint damit richtig zu lie­ gen. Besonders schön ist die Abendstimmung. Die bürokrati­ schen Wege sind kurz. das ich im und ums Haus entdecken kann. Auch die bei­ den Clusterwohnungen sind verschieden. wo bei jedem Zimmer eine eigene Teeküche und ein WC zur Verfügung stehen. wenn Zimmer oder Wohnungen zu vergeben sind. Erstaunlich stabil Wechsel im Haus gab es bisher kaum. interessanterweise aus­ genommen die der beiden Clusterwohnun­ gen. da setzt sich der kleine Hase im letzten Sonnenstrahl auf dem Hasenhaus zurecht und streckt seine Ohren als V in den Himmel. In der Siedlung Heizenholz jedenfalls sind wir froh um Strukturen. so gab es in der einen Clus­ terwohnung bis jetzt einen einzigen Wechsel. So begeistert mich nach wie vor der Ausblick aus meinem Fens­ ter. In diesen Wo­ chen werden drei weitere in die Frühlings­ sonne blinzeln. Doch wir versuchen immerhin. Mir ist es lieber so. eine dritte ist im Bau und soll ab diesem Sommer bezogen werden. Andreas Huber: Begleitstudie Kraftwerk1 Heizenholz. von ­immoq Gmbh / age stiftung / Kraftwerk1 Bau. Die Alters­ unterschiede werden mehrheitlich als Berei­ cherung empfunden. Gut genutzt werden laut Studie die Ge­ meinschaftsflächen. was das Einleben erleichterte. mit all den Ge­ gensätzen zurecht zu kommen. 2010–2014. Küche und Essplatz seien in den Clus­ tern zwar wichtige Treffpunkte. Das anspruchsvolle Leben in der Gruppe liegt nicht allen gleich gut und muss zuerst er­ probt werden. dank denen unkomplizierte Be­ gegnungen möglich sind. Hrsg. ebenso das Wohnen am Stadtrand. April 2015 – extra 19 . im Gespräch zu blei­ ben.und ein Landleben ermöglicht. Von 25 bis 70 reicht sie. als lange Diskussionen zu führen über Schränke oder Pflanzbeete. In der einen wohnen Menschen zwischen vier­ zig und sechzig Jahren und ein einjähriges Kind. Da lässt sich nachlesen. Die Ge­ Begleitstudie Marco Hoffmann. Einige Mieterinnen und Mieter kannten sich dadurch schon vor dem Einzug. Zu we­ nig Menschen über 55 Jahren wünschen sich offenbar einen Alltag. der gemein­ Zweimal im Jahr werden an gemeinsamen Aktionstagen Garten und Terrasse auf ­Vordermann gebracht. damit müssen wir leben. der schon in der Projektierungsphase begann. Ich staune immer wieder über alles Neue. In der zweiten WG sind die Unterschiede kleiner. In die­ ser Zeit wurden zwei exemplarische Siedlun­ gen realisiert. das uns ein Stadt. Doch auch diese Gruppen sind erstaunlich stabil.

Dank «Wohnen für Hilfe» ­profitieren beide. deren Räume sie gar nicht mehr alle nutzen. 20 April 2015 – extra . Studierende dagegen haben grosse ­Mühe.PORTRÄT WOHNEN FÜR HILFE – EIN PROJEKT DER PRO SENECTUTE KANTON ZÜRICH «Wir haben viel ­voneinander gelernt» TEXT: DANIEL KRUCKER / FOTO: URSULA MARKUS Alte Menschen leben nicht selten in Wohnungen oder Häusern. eine bezahlbare Unterkunft zu finden.

» Anne Raith hat als Kind viel Zeit bei ihren Grosseltern verbracht und besucht sie regel­ mässig. werde ich mich bei der Pro Senectute melden und sagen. Natürlich ist er auch froh um die Unterstützung im Haushalt. Seefeldstrasse 94a. die Sachen so schön arrangiert? Anne Raith wohnt seit bald zwei Jahren im Rahmen des Projekts «Wohnen für Hilfe» der Pro Senec­ tute Kanton Zürich kostenlos bei Sigi Blarer. ältere Menschen in ihrem Wunsch nach Selbständigkeit unterstützen und der Gefahr der Isolation entgegenwirken. das beiden schmeckt. Bis es soweit ist. Es wurde still im Haus. Vom Wohnen-für-Hilfe-Projekt hatte der frü­ here Serviceleiter für Kälte. Anne Raith wird an der Premiere auch im Publi­ kum sitzen. Sie kennt also die ältere Generation. die im Reihenhaus von Sigi Blarer in Dietlikon ein Zimmer bezogen hat. Wer interessiert ist. Wie schon das Jahr zuvor. Sigi Blarer ist gut vorbereitet: Auf dem gros­ sen Tisch im Wohnzimmer hat er Getränke und Gläser auf kristallenen Untersetzern für den Schreibenden und die Fotografin aufge­ tragen. Als Gegenleistung bietet sie Unterstützung im Haushalt und Alltag. Die Rollen sind dann aufgeteilt wie in einer gewöhnlichen WG: Mal kochen die beiden zusammen. Gleichzeitig leistet das Projekt einen Beitrag zur Entschärfung der Wohnraumknappheit bei Studierenden.PORTRÄT ZU DEN PERSONEN Sigi Blarer (80) und Anne Raith (27) kommen ohne Stoppuhr und Putzplan bestens miteinander aus. «Das stimmt». ergänzt der Hausherr. Seit über zehn Jahren ist Sigi Blarer nämlich ehrenamtlich für die Pro Senectute Kanton Zürich tätig. die ihm mittlerweile genauso wichtig geworden ist: «Es ist schön. Die Pro-Senectute-Wohnpartnerschaften sehen vor. Die Frage.und Klimaanla­ gen bereits gehört. wenn ein Menu auf dem Plan steht. «Dank dem Kontakt zu den jungen Menschen habe ich Ansichten und Meinun­ gen teilweise relativiert oder gar korrigiert. wo man auch gemeinsam isst. Ich habe von ihm vor allem gelernt. Sigi Blarer blickt deshalb mit etwas Wehmut auf den kommenden Sommer. «Wir verste­ hen uns wirklich gut und verbringen auch sonst Zeit miteinander. ob die zwölf Stunden auf die Minute genau kontrolliert werden. Nach dem Tod seiner Frau 2009 hat sich sein Leben noch einmal komplett geändert. aber meist mehr als ein. wfh@pszh. wie zum Beispiel Spaghetti Bolognese. Herr Blarer ist nicht der Stoppuhr-Typ». Da ist er sich ganz sicher. ist das gar nicht nötig». «Ich sagte mir: Platz genug habe ich ja. die zeitlich klar de­ finiert ist. Nicht jeden Tag.» Umgekehrt hat auch der Logis­ geber Sigi Blarer neue Erfahrungen gesam­ melt. Postfach. Fast wie in einer gewöhnlichen WG Zwischen Sigi Blarer und Anne Raith scheint eine besondere Chemie zu spielen. ‹Schickt mir wieder jemanden!›.» Er werde sicher nicht den Fehler machen und die neue Studentin mit Anne Raith verglei­ chen. Gute Erfahrungen Anne Raith ist die vierte Studierende. Die Wohngemeinschaft Blarer-Raith kommt auch ohne Putzplan aus. Seit bald vierzig Jahren führt er bei Amateurgruppen Regie. zwei Mal pro Woche. die Psychologiestudentin Anne Raith. beim generationsübergreifenden Wohnen mitzu­ machen. Die Küche ist wie in vielen Wohnpartner­ schaften der zentrale Treffpunkt. wenn man abends mal später nach Hause kommt und im oberen Stock schon Licht brennt. Bald ist Premiere.» Bald Zeit zum Abschiednehmen Anne Raith wird für ihre Therapeutenausbil­ dung bald zurückkehren nach Deutschland. «Weil wir einfach gut harmonieren und miteinander reden. dass die Logisnehmer pro Monat so viele Stunden Hilfe leisten. Das ist im Gespräch immer wieder spürbar. wie es ist. Oder hat vielleicht seine Mitbewoh­ nerin.» er seine Motivation auf den Punkt. Die Wohnpart­ nerschaft hat aber auch eine Seite. wie das zur Verfügung gestellte Zimmer Quadratmeter hat. Mit dem Angebot «Generationenübergreifende Wohnpartnerschaften – Wohnen für Hilfe» möchte Pro Senectute Kanton Zürich den Austausch zwischen den Generationen fördern. 8034 Zürich 058 451 50 26. Im Fall von Anne Raith sind es zwölf. und so viele Studenten suchen eine Unterkunft». wenn man älter wird. «Nein. stellt Anne Raith klar. nachdem über mehrere Monate zwei Mal wöchentlich geprobt wurde. sagt die junge Frau.ch April 2015 – extra 21 . wendet sich für einen Erstkontakt an:  Pro Senectute Kanton Zürich Annelene Paul. dass man nichts im Leben aufschieben sollte. wird am Tisch mit Gelächter quittiert. dass Be­ suche niemals einen so tiefen und umfassen­ den Einblick in das Leben älterer Menschen ermöglichen. mal bereitet jedes sein eigenes Essen zu. dem Theater. dass man die Dinge im Leben nicht aufschie­ ben sollte. Die Theaterbegeis­ terten unter den Angestellten der Psychiatri­ schen Klinik Wil arbeiten mit ihrem Probe­ meister nun bereits im siebten Jahr. die diesen Sommer an der Universität Zürich den Mas­ ter in Psychologie abschliesst. Die Erfahrungen und Erlebnisse mit Sigi Bla­ rer haben ihr jedoch klar gemacht. «Durch das Zusammenleben mit Herrn Blarer habe ich ein klares Bild da­ von bekommen. Nur ganz selten sitzen die beiden in der Frühe nicht am Küchentisch zusammen. Aber: «Wenn Frau Raiths Auszugstermin feststeht.» Fast schon zum Ri­ tual geworden ist das morgendliche Kaffee­ trinken. bringt «Ich habe von ihm vor allem gelernt. widmet sich der Senior weiter seiner grossen Leidenschaft.

Kleider. dass der Verein für Schäden haftet. iur. Es gibt auch Genossenschaften. Das restliche Know-how sowie konkrete Unterstützung bei der Gründung eines eigenen Repair Cafés bietet die Stiftung Konsumentenschutz Schweiz (SKS). Er endet ohne Kündigung mit der Befristung. Besucherinnen und Besucher bringen ihre beschädigten Produkte dorthin und flicken sie unter Anleitung und mit Hilfe ehrenamtlicher Experten. dass auch befristete Mietverträge erstreckt werden können. Der Mieter müsste Dezibelmessungen vornehmen. deshalb gibt es auch nicht einfach die Norm. Wer sich deshalb über Kinderlärm beklagt. Dabei profitieren sie vom kostenlosen Fachwissen und können bei Kaffee und Kuchen neue Bekanntschaften schliessen. es gelten objektive Massstäbe. dies zu beweisen. Beschwerden gegen laute Musik hingegen haben grössere Chancen bei einer Mängelanfechtung. um selber aktiv zu werden und mit Mitgenossen oder Nachbarinnen aus dem Quartier das nächste Repair Café auf die Beine zu stellen. weil eine Reparatur im Fachgeschäft zu teuer ist oder vom Hersteller nicht angeboten wird. Lärm kann also grundsätzlich ein Mangel an der Mietsache sein. Haben Bewohner von genossenschaftlichen Reihenhäusern mehr Gestaltungsspielraum als Wohnungsmieter? Viele Mieter eines Reihenhauses meinen dies und verhalten sich wie Eigentümer. dass man von einer Senkung des Referenzzinssatzes nicht profitiert. Arbeitet jemand in der Nacht. Leitfaden. Lauter guter Gründe also. Andererseits muss die Mieterschaft auch nicht mit einer Erhöhung des Mietzinses während der Mietdauer rechnen. hat er also keinen Anspruch auf absolute Ruhe am Tag. Repair Café – jetzt selber gründen! Was. wenn die Vermieterin schriftlich zustimmt. Deshalb ist es sehr schwierig.repair-cafe. Je nach Standort der Wohnung und Wohngegend gelten allerdings verschiedene Höchstwerte. Wer haftet in Clusterwohnungen für Schäden in gemeinsam genutzten Räumen? Bei Schadenersatz muss unter anderem immer ein Verschulden nachgewiesen werden. Was muss ich als Mieterin oder Mieter dazu wissen? Es muss einem vor allem klar sein. dass ein befristeter Vertrag nicht kündbar ist.TIPPS FUNDSTÜCK RECHT Spezielle Regeln für spezielle Situationen Es gibt nicht die Mietwohnung. Die SKS übernimmt ausserdem unter bestimmten Bedingungen den Druck von Werbeflyern und unterstützt bei der Kommunikation. Mitglieder von Clusterwohnungen sollten deshalb eine Haftpflichtversicherung abschliessen. der Vermieter hat ihm diese bei Mietvertragsabschluss zugesichert. Lic. muss die Vermieterin dies dem Mieter beim Auszug unter Umstän- den entschädigen. da Eltern zum Beispiel die Lautstärke reduzieren oder ein Abspielgerät entfernen können. Dabei geht es nicht um das persönliche Empfinden. 22 April 2015 – extra Eine Abweichung von der Norm sind befristete Mietverträge. Deshalb sollte man bei Erneuerungen die Entschädigung schriftlich regeln. Macht sie dies. Schliesst eine Vermieterin jedoch mit den Mietern immer nur befristete Mietverträge ab. Finanzierung und Ablauf organisiert. Unbeliebt ist sicher der Bambus. Hat allerdings ein Garten nach der Erneuerung einen Mehrwert. Kann man sich gegen ihn wehren? Grundsätzlich gehört Kinderlärm zum Wohnen dazu. der alle wichtigen Fragen beantwortet – etwa. das gut zur Genossenschaftskultur passt: Engagierte Leute. kann eine Wiederherstellung des früheren Zustands nur verlangt werden. wird es nicht nur bei der Verwaltung schwer haben. Ein Konzept. Eltern können Verhaltensregeln aufstellen und Kinder dazu anhalten. so wird man irgendwann von einem unbefristeten Verhältnis ausgehen. deren Clusterbewohner einen Verein bilden. Myriam Vorburger ist Beraterin beim Rechtsdienst von ­Wohnbaugenossenschaften Schweiz. denn Mietzinsreduktionen können erst auf den nächsten Kündigungstermin geltend gemacht werden. eine vollständige Kontrolle über Kinderlärm kann aber Eltern nicht aufgebürdet werden. wenn Smartphone. Spielzeug. was Mieter in verschiedenen Wohnsituationen beachten sollten. Befristete Mietverträge haben auch zur Folge. es ist jedoch am Mieter. Ausser. Sie hat einen praktischen Leitfaden herausgegeben. . Aber auch für sie gilt Art.ch. und zwar auch für den Tag und die Nacht. Dabei könnten sie oft mit geringem Aufwand repariert und wieder verwendet werden. wenn Vermieterin und Mieterin dies schriftlich vereinbart haben. wie man zu Repaturprofis kommt. sich dagegen zu wehren. Eine sinnvolle Alternative zur Wegwerfpraxis bieten deshalb in immer mehr Ortschaften «Repair Cafés».und Haftungsfragen löst. einer Person dieses Verschulden nachzuweisen. Kinderlärm löst gegensätzliche Reaktionen aus. den Raum ausstattet oder Sicherheits. 260a OR: Veränderungen am Mietobjekt dürfen nur vorgenommen werden. Der Rechtsdienst von Wohnbaugenossenschaften Schweiz weiss. diese zu befolgen. Oft haben Genossenschaften auch Listen mit erlaubten und unerlaubten Pflanzen. Velos. CD-Spieler oder Mixer kaputt sind? Viel zu häufig landen solche Gegenstände auf dem Müll. wird es schwierig. Meldet sich niemand. wenn ein Härtegrund gegeben ist. Stühle. geeignete Räume und Erfahrungen mit selbstorganisierten Anlässen wie Velo­ flicketen sind oft bereits vorhanden. weitere Infos und Liste bestehender Repair Cafés: www. sondern auch vor einer Schlichtungsbehörde. In diesem Fall kann man vertraglich vereinbaren. Wichtig ist.

Die Vollblutmusikerin singt. Bice Aeberli (52) wurde ­bekannt mit der 1985 gegründeten Band «Baby Jail» und deren Hit «Tubel Trophy». Über Waschpläne lässt sich reden. damals 30. Vom Ideal in die Zweckmässigkeit. mitten im Kreis 4. Es dauerte eine Weile. Wahnsinn! In meiner Nachbarschaft ist die Genossenschaft Kalkbreite jetzt bewohnt und eröffnet. 1997 zog ich von der Dreiin eine Vierzimmerwohnung. Fenster. was uns allen den Alltag sehr erleichterte.KOLUMNE Gelandet 1994. diese Wohnung be­waschen? Mittagsruhe?» kommen zu haben. ermöglicht mir. Lärm und Chaos. In den ersten paar Monaten fielen mir die Decken jedes einzelnen Zimmers täglich auf den Kopf. steht seit zehn Jahren regelmässig mit dem «Aad Hollander Trio from Hell» auf der Bühne und ist seit 2012 wieder mit Baby Jail auf Tour. Hilfe! Meine Vorstellung von Familie war. mich mit Menschen auseinanderzusetzen und – für mich das Wichtigste überhaupt – mich damit zu beschäftigen. Umzug von einer Gross-WG mit Lebenspartner in eine Blockwohnung. Die Aussagen der Autoren decken sich nicht zwingend mit der Ansicht der ­Redaktion. Das konnte ich auch schon vor der Neugestaltung der Seebahnund Weststrasse. der Vater meiner Kinder konnte die Dreizimmerwohnung übernehmen. das Problem. Was für ein unfassbares Glück Alle drei Wochen ich hatte. was ich als ungemeinen Gewinn für das ganze Quartier empfinde. Ich war gelandet! Und bin es bis heute. eigentlich das erste Mal. etwas laute Kinder gehören einfach dazu. spielt Bass und Handorgel. laut! Unter mir lebte eine sehr empfindliche Dame. Meine neue Vierzimmerwohnung: Oben und unten Familien mit Kindern. viel Austausch. wo sie gebraucht wurden. mit nahen Freunden zusammen zu wohnen. und an den Fernseher der einsamen alten Frau gewöhnte ich mich ebenso. was mich antreibt: Musik! April 2015 – extra 23 . Über mir lief den ganzen Tag der Fernseher. alleine beziehungsweise ohne mich beim Spielen «Wo war ich gelandet? im Hof. damit ich morgens die Vögel zwitschern höre. zwischen den ehemaligen Ostund Westtangenten eingeklemmt. war mit einem Spaziergang über den schönen grünen Hof erledigt. Meine Kinder sind inzwischen flügge. In kürzester Zeit hatte Fidel Freunde im Hof gefunden und war. viele Erwachsene. ich lebe (wieder) in einer WG. Auf mich zurückgeworfen war ich erstmal ziemlich überfordert von der ganzen Situation. der wir einfach zu laut waren. Ich. sie war mit verschiedenen Formationen unterwegs. Wo war ich gelandet? Alle drei Wochen waschen? Mittagsruhe? Tatsächlich hatten meine beiden Jungs gar kein Problem. mit der neuen Situation fertig zu werden. Eingelebt habe ich mich dann schnell. war mir zu diesem Zeitpunkt alles andere als klar. in einer bezahlbaren Wohnung in der Stadt Zürich zu leben. und meine zwei Buben. VON BICE AEBERLI* *Wie erleben bekannte Persönlichkeiten das Wohnen in einer Genossenschaft? In ­unserer Kolumne erzählen sie aus ihrem Wohnalltag. und schlafe bei offenem Foto: zVg. beweglich zu bleiben. 5 und 3 Jahre alt. dass die Gummistiefel schon wieder nicht da waren. Viele Kinder. liebe Nachbarin. wenige bis keine Betreuungsprobleme. dass ich jetzt eigentlich auch in einer – wenn auch sehr grossen – WG gelandet war. Die Jungs mussten ihre Freunde und ihr Umfeld nicht mehr wöchentlich verlassen. Das Privileg. Die zweifache Mutter wohnt in der ABZSiedlung Kanzlei in Zürich. bis ich merkte.

den Frühling einzuläuten und sich von der Sonne wärmen zu lassen? Damit Sie sich die passende Lektüre dazu besorgen können.RÄTSEL Die Gewinnerinnen und Gewinner des Rätsels von extra 3/2014 sind: Herbert Schmid Riethof 7 8604 Volketswil Othmar Müller Zehntenstrasse 112 4133 Pratteln Erika Sutter Chemin du Crêt 37 2533 Evilard Blütenlese im Frühling Endlich werden die Tage wieder länger und die Lüfte lauer. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. auf dem Liegestuhl und mit einem Buch in der Hand. Bucheggstrasse 109. . Was gibt es da Schöneres. verlosen wir drei Büchergutscheine im Wert von je 100 Franken. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden ausgelost und schriftlich benachrichtigt. 8042 Zürich.ch oder schicken Sie uns eine Postkarte an Verlag Wohnen. Postfach. Juni 2015 an wettbewerb@wbg-schweiz. Mailen Sie uns das Lösungswort bis 15. als unter blühenden Bäumen.