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Die Schöpfung des Himmels und der Erde. (Mo.

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Cyrenius bittet Mich aber um die Fortsetzung der Erläuterung der Mosaischen
Schöpfungsgeschichte in der entsprechenden Weise.

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Und Ich sage: ,,Freund, was Ich begonnen, werde Ich auch vollenden; nur steht
es vorderhand und vor der Zeit noch dahin, ob ihr es wohl fassen werdet. Denn
um die Mosaische Schöpfungsgeschichte ordentlich zu fassen, muß man sehr in
der Kenntnis über das ganze Wesen des Menschen sein, zu der es aber
ebensoschwer zu gelangen ist, wie zur richtigen und vollen Erkenntnis Gottes.

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Und so müßte Ich euch erst den ganzen materiellen, seelischen und geistigen
Bau des Menschen von Faser zu Faser und von Fiber zu Fiber zergliedern und
endlich zeigen, wie das Seelische sich zuerst aus dem Geistigen und das
Materielle aus Seelischem entwickelt und geformt hat, und unter welchen
zahllos vielen Entsprechungen, die wie die endlos vielen Lichtgrade mit den
ebenso vielen Lichtmangelgraden korrespondieren.

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Ihr sehet aus dem, daß dies so leicht und so geschwind, wie ihr es meint, der
Fall nicht sein kann; aber Ich werde euch dennoch soviel darüber sagen, als ihr
vorderhand ertragen könnet, und wofür mit einiger Überzeugung zu fassen ihr
schon in eurer Seele mit Erfahrungen und nötigen Vorkenntnissen versehen
seid. - Und so horchet denn!

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So da Moses spricht: ,Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde`, so will Moses
damit durchaus nicht den sichtbaren Himmel und die sichtbare, materielle Erde
verstanden haben, weil er als ein echter Weiser daran wohl nie gedacht hatte,
indem er stets nur die vollste innerste Wahrheit in seinem erleuchteten Sinne
hatte. Aber diese seine tiefe Weisheit verhüllte er in entsprechende Bilder, also,
wie er zum Zeugnisse dessen sein zu strahlendes Angesicht mit einer dreifachen
Verhüllung vor dem Volke verdecken mußte.

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Unter ,Himmel` aber, was Moses zuerst als erschaffen anführt, ist zu verstehen,
daß Gott die Intelligenzfähigkeit einstens, wie schon in der Zeit außer Seinem
ewigsten und geistreinsten Zentrum, wie gewisserart außer Sich hinausgestellt
hat - aber, wie gesagt, nur die Intelligenzfähigkeit. Diese ist gleich einem
Spiegel, der in der finstersten Nacht wohl auch die Fähigkeit besitzt, äußere
Gegenstände abbildlich in sich, oder vielmehr auf seiner glattesten Fläche,
vollkommen treu und wahr aufzunehmen und wiederzugeben. Aber in der
vollsten Nacht, und daselbst in der ebenso vollen Objektlosigkeit, ist der
Spiegel doch offenbarst eine Sache für nichts und wieder nichts!

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Moses aber berichtet darum sogleich neben der Hinstellung eines Himmels,
oder der Intelligenzfähigkeit außer dem Lebenszentrum Gottes, von einer
sozusagen gleichzeitigen Kreierung (Erschaffung) der Erde. Wer und was aber
ist wohl diese mosaische Erde? Ihr meinet wohl: ,Nun, diese, die uns trägt!` -
Oh, weit gefehlt, Meine Lieben!

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Sehet, unter der ,Erde` verstand Moses bloß die Assimilations- und
Attraktionsfähigkeit (Angleichungs- und Anziehungsfähigkeit) der
untereinander verwandten, hinausgestellten Intelligenzen, die fast ein Gleiches
ist mit dem, was einige Weltweise der Ägypter und Griechen Ideenassoziation
(Gedankenverbindung) nannten, wo aus verwandten Begriffen und Ideen
endlich ein ganzer mit Wahrheit erfüllter Satz zum Vorschein kommen muß.

9
Wenn aber in den von Gott hinausgestellten Intelligenzfähigkeiten zufolge ihrer
Verwandtschaft die wechselseitige Anziehung schon wie von selbst
mitbedungen war, so ergibt sich auch die dritte Folgerung wie von selbst,
nämlich daß sich die unter sich verwandten Intelligenzfähigkeiten auch wirklich
wechselseitig angezogen und ergriffen haben, - für welchen damals noch tief
geistigen Akt Moses offenbar doch kein tauglicheres und allgemeineres Bild
aufstellen konnte, als eben das Bild der materiellen Erde, die an und für sich
nichts als eben ein Konglomerat (Zusammengeballtes) von lauter
attraktionsfähigen und unter sich, wie in sich verwandten Substantialpartikeln
ist.

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Aber ,Es war noch finster auf der Tiefe` spricht Moses weiter. Wollte etwa
Moses dadurch im Ernste die Lichtlosigkeit auf der neugeschaffenen Erde
andeuten? Ich sage es euch, davon hatte dem weisen Moses selbst auch im
Anfange seines dümmsten Seins nie etwas geträumt! Denn Moses war ein tiefer
Kenner der Weltnatur und war in ägyptische tiefste Weisheit und Wissenschaft
zu eingeweiht, als daß er nicht gewußt hätte, daß die Erde - als ein Kind der
Sonne wenigstens um eine milliardmal Milliarden von Erdjahren jünger als die
Mutter Sonne - bei ihrer Entstehung nicht finster sein konnte; sondern Moses
hat damit nur abermals bildlich angedeutet, daß die Intelligenzfähigkeit und die
attraktionsfähige Verwandtschaft der Intelligenzen noch kein wie immer
geartetes Erkennen, Verständnis und Selbstbewußtsein - was alles identisch ist
mit dem einen Begriffe ,Licht` -, sondern das Gegenteil so lange bedingen muß,
bis sie sich ergreifen, sich danach zu drücken, zu reiben und also gewisserart
miteinander zu kämpfen anfangen.

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Habt ihr aber noch nie bemerkt, was da zum Vorschein kommt, wenn man
Steine oder Hölzer stark miteinander zu reiben anfängt? Sehet, da kommt dann
Feuer und Licht zum Vorschein! Und sehet, das ist das Licht, das Moses
entstehen läßt im Anfange!"

DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 2


Kapitel 219