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Der androgenetische Haarausfall

Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping: 22.02.2006

Der androgenetische Haarausfall kommt durch das Dihydrotestosteron zustande, das zum Tod von Haarzellen führt, in denen es gebildet wird.

Damit das Dihydrotestosteron gebildet werden kann, müssen bei Menschen mit androgenetischem Haarausfall zwei Faktoren zusammen kommen:

Da ist einmal das Vorhandensein eines bestimmten Enzyms in den Haarzellen, nämlich das der 2,5 alpha Reduktase, die Testosteron zu
Dihydrotestosteron umwandelt.

Einige Menschen bilden dieses Enzym genetisch bedingt in erhöhter Menge in ihren Haarzellen und die können den androgenetischen Haarausfall
bekommen, andere nicht und die haben sozusagen Glück, weil sie nicht betroffen sind.

Zum anderen muss genügend Testosteron vorhanden sein, das die 2,5 alpha Reduktase zu Dihydrotestosteron umwandeln kann.

Da Männer mehr Testosteron haben als Frauen, ist der androgene, das heißt durch männliche Hormone verursachte Haarausfall bei ihnen häufiger.

Aber es gibt auch Frauen, bei denen besonders nach den Wechseljahren, der Testosteronspiegel hoch genug ist, um der 2,5 alpha Reduktase die
Produktion von Dihydrotestosteron zu ermöglichen, das zum Tod der Haarzellen führt.

In jungen Jahren ist das selten der Fall.

Aber es kommt zum Beispiel vor, wenn während der Schwangerschaft durch einen männlichen Fötus Testosteron gebildet wird, das in das Blut der
Mutter übertritt.
Bei den Frauen, die erblich bedingt viel 2,5 alpha Reduktase in ihren Haarfollikeln haben, kann das zu androgenetischem Haarausfall führen, der
nach der Geburt zum Ende kommt.

Auch nach den Wechseljahren, besonders nach natürlichem Eintreten der Wechseljahre, kann es zu einem Testosteronanstieg kommen und damit
bei Frauen mit genügend 2,5 alpha Reduktase zum Haarausfall.
Beim Eintritt der natürlichen Wechseljahre hört nämlich die Östrogenproduktion durch die Eierstöcke auf, nicht aber die Produktion der Androgene.
Dadurch werden die jetzt relativ gesehen mehr.

Verhindern kann man das durch die Entfernung der Eierstöcke. Dann können sie weder Östrogene noch Androgene bilden und frau hat nicht mehr
solche Probleme durch Vermännlichungserscheinungen.

Die Entfernung der Eierstöcke macht aber auch Probleme. Denn durch den Mangel an Androgenen wird die Libido also die Lust auf Sex geringer,
die an und für sich nach den Wechseljahren durch den Anstieg der Androgene zunimmt.

Haarausfall bei Antihormonbehandlung von Brustkrebs

Auch bei der Behandlung von hormonabhängigem Brustkrebs ist der Haarverlust eine gefürchtete Nebenwirkung:
Wenn an den Brustkrebszellen bei der histochemischen Untersuchung Östrogenrezeptoren gefunden werden, versucht man das Wachstum der
Krebszellen zu unterdrücken, indem man diese Rezeptoren entweder mit Molekülen wie Tamoxifen besetzt, so dass die natürlichen Östrogene sich
nicht mehr an die Rezeptoren anlagern können oder indem man die Östrogenbildung unterdrückt.

Während die Verdrängung der natürlichen Östrogene durch Tamoxifen wohl nur selten zu einem starken Testosteronanstieg führt, ist dieser Effekt
bei der Gabe von Aromatase Hemmern häufiger.
Die Aromatase Hemmer werden zur Unterdrückung der Östrogenbildung gegeben. Sie sollen die Umwandlung von Hormonvorstufen in Östrogene
hemmen.
Da die Hormonvorstufen durch die Wirkung der Aromatasehemmer nicht mehr in Östrogene umgewandelt werden, stehen sie statt dessen für die
Umwandlung in Testosteron zur Verfügung und es kommt zu einem Testosteronanstieg, der bei den Frauen mit genügend 2,5 alpha Reduktase
wieder zur Bildung von Dihydrotestosteron führt, das den Haarausfall verursacht.
Es gibt einige Hemmstoffe der 2,5 alpha Reduktase, die bewirken, dass kein Dihydrotestosteron mehr gebildet wird. Dabei handelt es sich um das
Medikament Propecia, das in Deutschland für Frauen nicht verschrieben werden darf, weil es in der Schwangerschaft bei männlichen Föten zu
Missbildungen an den Geschlechtorganen führen kann.

Außerdem hat es Östrogen ähnliche Eigenschaften und kommt bei Brustkrebs nicht in Frage

Was kann nun eine Frau, die die genetische Veranlagung zu androgenetischem Haarausfall hat machen, wenn sie sich mit dem Haarverlust nicht
abfinden kann?
Alternativen

Bei androgentischem Haarausfall durch Aromatasehemmer

a) statt Aromatasehemmern Tamoxifen oder ein ähnliches Medikament nehmen

Wenn frau auch Tamoxifen nicht verträgt

b) Entfernung der Eierstöcke.

Das vermindert die Östrogenproduktion und die Produktion von Androgenen, die nach den Wechseljahren, also wenn in den Eierstöcken keine
Östrogene mehr hergestellt werden, immer noch produziert werden.

Deshalb hat man nach den Wechseljahren oft eine Vermännlichung. Haare auf der Oberlippe und so weiter. Das kann man durch die Entfernung der
Eierstöcke auch vermeiden.

Die Entfernung der Eierstöcke reicht aber nicht, weil Frauen auch im Fettgewebe und an anderen Stellen Östrogene produzieren. Das ist ganz anders
als bei Mäusen und anderen Nagetieren, an denen die Östrogen so gerne untersucht werden. Besonders geeignet sind die Nagetiere als Versuchtiere
bei Brustkrebs deshalb nicht.

Über Beeinflussung des Enterohepatischen Kreislaufs

Östrogene werden dauernd von der Leber abgebaut und in den Darm abgegeben. Über den enterohepatischen Kreislauf werden sie dann aber aus
dem Darm wieder aufgenommen.

Durch Ballaststoffe wie geschroteten Leinsamen, kann man sie im Darm binden, damit sie wirklich ausgeschieden und nicht wieder aufgenommen
werden. Das könnte etwas bringen. Aber es ist nicht bekannt ob es reicht. Wenn man sich dazu entschließt, sollte man den Östrogenspiegel von Arzt
überprüfen lassen.

Durch Melatonin
Senkung des Östogenspiegels durch Melatonin. Melatonin verhindert die Herstellung der Aromatase und hat sehr vielfältige Wirkungen auf den
Östrogenspiegel. Man kann versuchen, ob man ihn damit herunter bekommt. Besonders zusammen mit der Eierstockentfernung ist das sinnvoll,
weil danach die Östrogene fast nur noch über die Aromatase hergestellt werden. Melatonin muss man abends vor dem Einschlafen in einer Dosis
von 40mg pro Tag nehmen. Das ist die physiologische Dosis, die auch etwas bringt.

In Deutschland braucht man für den Erwerb von Melatonin ein ärztliches Rezept und bekommt es dann in der internationalen Apotheke. In vielen
anderen Ländern z.B. in den USA und in Italien kann man Melatonin frei kaufen zum Beispiel in den USA. Es gilt da als Nahrungsergänzungsmittel
und nicht als Medikament. Und es ist sehr billig. In Italien gibt es aber nur Tabletten von bis zu 5mg und eine Frau muss dann entsprechend viel
davon nehmen. An und für sich ist Melatonin billiger und natürlicher in der Anwendung und hemmt auch das Wachstum von Brustkrebszellen.
Frauen, die zum Beispiel wegen Nachtarbeit eine gestörte Melatoninausschüttung haben, haben mehr Brustkrebs als andere.

In Deutschland ist es auch nicht verboten Melatonin einzunehmen, wie manche meinen. Es hat nur keine Firma einen Zulassungsantrag gestellt. Das
setzt nämlich Studien voraus und ist deshalb sehr teuer, so dass es sich für ein Präparat, für das kein Patentschutz erhalten werden kann, nicht lohnt.

Ergänzung:

Das scheint sich jetzt geändert zu haben, vielleicht weil Melatonin ja in Italien zugelassen ist und damit auch in der ganzen EU verkauft werden
darf. Es könnte sein, dass es deshalb jetzt auch hier schon rezeptfrei verkauft werden darf. Ich meine, ich habe es im Internet gesehen.

Verwandte Themen:

Antihormonbehandlung
Tamoxifen
Aromatasehemmern
Die Entfernung der Eierstöcke
Melatonin und Brustkrebs

Text im Archiv der Library of Congress: http://web.archive.org/web/20071214090121/http://www.erieping.de/bkhaar1.htm