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Schreib- und Denk-Werkstatt Museologie

Drosendorf | 28. Mai – 3. Juni 2007

MUSEUM | DIFFERENZ | VIELFALT
Roswitha Muttenthaler

In der kritischen wissenschaftlichen Reflexion des Museums wurde es als "kultureller
Schlüsselort"1 bezeichnet, als Ort "umkämpfter Identitäten"2 oder "zivilisierender Rituale"3, es wurden Forderungen erhoben wie die nach einer "Schule des Befremdens"4
oder einem "Laboratorium konkurrierender Sinnstiftungsentwürfe"5. Gemeinsam ist
diesem Nachdenken, dass das Museum als zentrale Instanz zur Verhandlung von Repräsentationen erkannt wird. Dass Museen als Orte der Identitätsstiftung und Repräsentation gelten, als Orte, in denen Gedächtnisbeziehungen hergestellt werden,6 als
Orte, in denen sich Gesellschaften ihrer sozialen und kulturellen Praktiken versichern,
inkludiert zentrale Fragen nach der Definitions- und Handlungsmacht. Welche Geschichten, Bilder und Deutungen auch immer in Museen und Ausstellungen angeboten
werden, es sind auch Erzählungen und Projektionen zu Männern und Frauen bzw.
deren Verhältnis zueinander, zu "Eigenem" und
"Anderem" etc. So einfach diese Einsicht ist,
Differenzkategorien wie Gender, Race und
Class werden in der Praxis noch immer wenig
mitreflektiert. Wie sind Forderungen nach
kultureller Diversität in die musealen Praktiken
des Sammelns, Dokumentierens, Forschens,
Ausstellens und Vermittelns zu verankern? Wer
ist ermächtigt, wie auf sich und andere zu
schauen? Museen und Ausstellungen sind längst nicht mehr Orte, wo etwa die
adäquate Repräsentation von Frauen oder ethnischen Gruppen mit politischem Aktionismus eingefordert wird. Mit Paradigmenwechseln wie der Verlagerung des Fokus
von der Kategorie Frauen auf das Geschlechterverhältnis oder der Überschneidung
verschiedener Differenzkategorien erweiterten sich die Fragestellungen, vielfältige
Differenzen gerieten in den Blick. Welche Möglichkeiten und Strategien gibt es nun-

Abb. 1 Installation von
Nasen, Ausstellung
"Fremdkörper – fremde
Körper" 2000. Hygienemuseum Dresden. Foto:
DHMD

die das Fremde.mehr. Expo Schweiz 2002."7 Das im Museum gesammelte und gezeigte Objekt ist als musealisiertes per se fern gerückt und fremd. So konstatierte Gottfried Korff: "Der.und Fremdheitserfahrung in ihrer Verflechtung offen zu Abb. welche museums. die aus räumlich und/oder zeitlich entfernten Welten stammen und nicht mehr gebraucht werden.und ausstellungswirksamen Impulse im Umgang mit diesem Spannungsverhältnis freigesetzt werden. mit welchen Zielen und in welcher Weise Museen den Konstituierungsprozess von eigen und fremd wahrnehmen."10 Damit stellt sich die Frage.und diversitätssensibles Sammeln und Ausstellen können entwickelt werden? Darüber könnte in der diesjährigen Denk. gesellschaftlicher wie kultureller Selbstkon- 2 .9 Die Herausforderung für jedes Museum besteht nun darin. sondern andererseits dieses Fremde durch die sinnliche Erlebbarkeit in der Ausstellung nah gerückt. 2 Ausstellung "Heimatfabrik". Ergreift es die Chance. So steht bereits im Kern des Museums die Erfahrung mit dem Fernen und Fremden. zur mentalen Fremdheit kommt die physische Nähe des Objektes. die Wahrnehmung von Doing Gender in der visuellen Kultur zu sensibilisieren und die in Museen eingeschriebenen Diskurse lesbar zu machen? Wie können mit aktuellen Diskursen zu Alterität und kultureller Diversität museale Praktiken im Hinblick auf die Produktionsmacht von Zuschreibungen und kulturellen Ausgrenzungen befragt und unterlaufen werden? Welche Konzeptionen für gender.8 Dies meint Ethnographica ebenso wie den Schreibkiel oder die Rauchküche. das Fremde ist Gegenstand des Museums. Identität und Differenz sind eine zentrale Frage politischen Handelns. Mit der Frage nach der Inanspruchnahme des Museums als Repräsentationsort für Identitätsbildungswünsche eröffnet sich auch das Spannungsfeld von eigen und fremd. das historisch überholte. die. sowohl in museologischer Hinsicht als auch auf erkenntnistheoretischer und gesellschaftspolitischer Ebene. Foto: Herbert Posch halten oder domestiziert es – wie Gottfried Korff formuliert – Alteritäten zu "Fluchtwelten. Aus diesem Spannungsverhältnis leiten sich Staunen und Neugierde her und damit die Möglichkeit einer sinnlichen Erkenntnis. konträr-faszinativ zur Befriedigung der Sehnsucht nach regionaler Identität einsetzen.und Schreibwerkstatt nachgedacht und diskutiert werden. das als ein konstituierendes Element des Museums gesehen werden kann. Im Museum wird nun das ehemals Lebensweltlich-vertraute durch die Musealisierung nicht nur fremd gemacht. Identitäts. da es sich um Dinge handelt.

Foto: Roswitha Muttenthaler miteinander verschränkte und aufeinander bezogene Repräsentationsregimes gibt. konsumiert und reguliert."11 Da Identitätskonzepte der Logik der Moderne verpflichtet sind. so ist sie doch der Machtkritik verpflichtet. Repräsentationen werden als kollektive Vorstellungen. Wesentliche Eigenschaften von "Repräsentationen" sind unter anderem die Wirkung im öffentlichen Raum. das Unmittelbarkeit. dass ein Entkommen nicht gelingen kann. dass es unterschiedliche. Stuart Hall behauptet. eröffnet sich das Potential. Race und Class gründet. doch auch die Erkenntnis. indem Bedeutungen durch symbolische Repräsentationssysteme geschaffen werden. individuelle wie kollektive Prozesse von Sinnstiftungen im Rahmen jeweiliger gesellschaftlicher Verfasstheiten zu reflektieren. die Macht der Oberfläche und der kollektive Repräsentationscharakter.14 Dekonstruktivismus. Wenn es kein Entkommen aus der Repräsentation gibt. Ausstellung "Aufmüpfig & angepasst" 1998. Die Auseinandersetzung über eigen und fremd beruht auf kollektiven Konstruktionen von (Geschichte als) Gedächtnis. inwiefern ein Museum reflektiert.12 sind Ausschlüsse programmiert. dass die Konstruktion von Identität der Differenz bedarf. als soziale Formen und als vergegenwärtigende Repräsentanten verstanden. wie Museen ihr Selbstverständnis begründen. Sammlungen und Ausstellungen organisieren. was sind die Effekte von Repräsentationen. Diese sind für die Art und Weise zentral. nicht die Fiktion universeller Identitäten und den Anspruch auf neutrale Allgemeingültigkeit aufrechtzuerhalten. sondern Raum für Auseinandersetzung um konkurrierende Entwürfe zu geben. Präsenz und Wahrheit als seine Gründe in Anspruch nimmt. Abb. Obgleich diesem Problem nicht zu entkommen ist. Er meint damit ein System. dies ging mit der Kritik an der Repräsentation einher. die besagt. 3 Ausstellungsmöbel in Form einer Frau. denn "Identitäten werden in und durch Kultur produziert. sondern differenzierende Repräsentationen.13 In diesem Sinn gilt es für Museen. dass jedes Repräsentationssystem ein Machtsystem sei. ist es entscheidend. Zwar gab es den Impuls. ihre Räume. Diese galt es zu analysieren. der Repräsentation zu entkommen. Werden diese Kategorien als historische und damit der Veränderung unterliegende Konstrukte und die Grenzen als fließend erkannt.zeptionen und Praktiken. dass es auf Differenzierungen entlang von Kategorien wie Gender. Gefordert sind nicht mehr vereinheitlichende Spiegelungen kollektiver Identität. In den 1980er Jahren wurde der Begriff Repräsentation zu einem Schlüsselbegriff. Aufgrund der Erkenntnis. Museen bilden als Kulturinstitutionen einen Rahmen dafür. die im Wesentlichen eine Machtkritik ist: also wer und was ist wie repräsentiert. verloren historische "Meistererzählungen" ihren Sinn. Poststruk- 3 .

beschäftigte sich mit den symbolischen und vor allem sprachlichen Darstel- 4 . Gleichzeitig hört das Subjekt auf. Ursprung. der durch Verweisen und Stellvertreten funktioniert. Zentrum und Herr seiner Repräsentationen zu sein. In den Blick genommen wurde zum einen die Funktion von Quellen als "Repräsentanz" von historischen Momenten und von repräsentatorischen Regimes. Es wurde den Beziehungen zwischen materiellen Erzeugnissen und ihrem Verweischarakter sowie ihrer symbolisch-sinnhaften Struktur nachgegangen. ist damit grundlegend in Frage gestellt. Ideen und Intentionen zum Ausdruck zu bringen. die in Rahmen von Codes bzw.15 DAS MUSEUM ALS UMKÄMPFTES FELD DES SYMBOLISCHEN Zum Museum als Ort der Repräsentation gibt es – angeregt durch verschiedene Disziplinen – einen breiten Diskurs. sondern verweist auf die komplexen Prozesse der Realitätskonstruktion. Repräsentation beschreibt den Prozess der Sinnkonstituierung über Zeichen. 4 Inszenierung zu "Der Schwarze". das Denken der Repräsentation zu demystifizieren. und Repräsentation ist ein zentrales Merkmal sprachlich-symbolischer Prozesse.turalismus. Repräsentation ist nicht länger Darstellung. Ins Zentrum rückte die Macht von Quellen als vermittelnde "Repräsentationen" zwischen Strukturen und Vorstellungen. Das Vermögen der Sprache. Foto: DHMD die "auf Wirkung" bei der Produktion von Sinn. insbesondere jenen. Hier kam auch das Museum ins Spiel. Diskursanalyse und Cultural Studies bemühten sich. Systemen Bedeutung gewinnen. Ausstellung "Fremdkörper – fremde Körper". Seit den 1980er Jahren griff etwa die Geschichtswissenschaft den Begriff Repräsentation auf. die ihre Aufzeichnung konstituierten. Zum anderen wurde den historischen Funktionen von Relikten nachgegangen. In der dekonstruktivistischen Diskursanalyse wird Repräsentation folgendermaßen beschrieben: Repräsentation ist ein Vermittlungsvorgang. zu denen auch Objekte zählen. Handlung oder Vorstellungen angelegt sind. Hinterfragt wurde der Status und interpretatorische Wert von Quellen. Vorstellung oder Vergegenwärtigung von etwas. Hygienemuseum Dresden 2000. das der Darstellung vorgängig wäre. Auch die Ethnologie fokussierte seit den 1980er Jahren die Problematik der Repräsentation. Erfahrungen. Abb. Poststrukturalistische Theorien verweisen auf die prinzipiell instabile Beziehung zwischen Zeichen und Objekt.

wo es darum ging. sondern "sprechen" auch über Verborgenes. in denen sich Repräsentationsbedürfnisse. individuelle und kollektive Narrationen sowie gesellschaftliche Diskurse und Wissensformen manifestieren. sondern auch. Museen schaffen demnach nicht nur Bilder. 5 Inszenierung "Männer(blicke)". die den gesellschaftlichen Normen und Werten entsprechen. Denn sie repräsentieren nicht nur das. instabile Normen andauernd und vehement zu verfestigen. was dem öffentlichen Diskurs und der Wahrnehmung entzogen werden soll und damit ausgeschlossen wird. Ausstellung "Reiz & Scham" Textilmuseum Ratingen 2005. wie beispielsweise außereuropäische Kulturen in den Völkerkundemuseen und Völkerschauen. dass Museen der gesamten Gesellschaft verpflichtete Orte des kulturellen Erbes seien. etwa die Autorisierung von Ausstellungen. was zu sehen ist. "Die Herstellung von Bedeutung in der musealen Klassifizierung und Präsentation wird als adäquate Repräsentation mystifiziert. an denen die Frage. Sie sind Orte von hohem Prestige. von besonderer gesellschaftlicher Relevanz ist."16 Ein.lungsweisen kultureller Selbst. die Anerkennung der Forschungsobjekte als Subjekte. Foto: Roswitha Muttenthaler .und Ausschlussverfahren sind also für die Institution Museum konstitutiv. Zum anderen stell- 5 Abb. die Problematik von Ausgrenzung und Integration durch Repräsentationsstrategien. Vor dem Hintergrund kollektiver Identitätspolitiken wurde das Feld des Sehens zu einem umkämpften Schauplatz.17 Museen sind ein Teil der kulturellen Praktiken. Seit den 1970er Jahren war die Institution Museum in zweifacher Hinsicht in den Blickpunkt der Kritik geraten: Zum einen rekurrierte die Kultur.und Museumspolitik zunehmend auf den demokratischen Anspruch. welche Personen und Gruppen wie dargestellt sind. die Partizipation von communities. die Herkunft und die heutigen Eigentümer von Museumsobjekten.und Fremdbeschreibung. Vor allem in USamerikanischen Publikationen wurden auch Fragen der Repräsentation von kolonisierten Völkern und Minderheiten in Museen diskutiert. Zeit und Ordnung der Sammlung löschen die konkrete gesellschaftliche Arbeit ihrer Erzeugung aus. Bestimmte gesellschaftliche Gruppen oder Kulturen wurden von Repräsentationspraktiken entweder ausgeschlossen oder als Andere markiert. Als Repräsentationsorte von gesellschaftlichen Eliten wurden Museen daher immer wieder für unterschiedliche marginalisierte Gruppen zu Kristallisationspunkten in der Auseinandersetzung um kulturelles und soziales Kapital.

ob die Herstellung von Differenz oder Ähnlichkeit im Vordergrund steht.18 Im Unterschied zu museal vernachlässigten sozialen Schichten – wie ArbeiterInnen. Denn insbesondere Kunstmuseen waren immer schon voll von Frauenbildern ebenso wie die ethnographischen Museen voll von Darstellungen fremder Kulturen waren.ten in Museen Marginalisierte. dass die künstlerische Produktion nichtwestlicher Kulturen vielen KünstlerInnen der Moderne als Inspirationsquelle diente. Foto: Roswitha Muttenthaler werden. Museen stützen nicht nur durch Einschluss. wie Inhalte präsentiert werden. manifestieren sich gängige Konstruktionen der Geschlechterverhältnisse und im Umgang mit unterschiedlichen Ethnien sowie marginalisierten sozialen Gruppen. eigene Museumsräume zu schaffen. Denn diese "Gleichstellung" war nur um den Preis der Entkontextualisierung und der Reduktion auf rein formale Kriterien möglich. ethnische Minderheiten und einige soziale Schichten die Forderung nach eigenbestimmten Repräsentationen an die bestehenden Institutionen. Zum Beispiel wenn nichtwestliche traditionelle Artefakte wie moderne Kunst präsentiert Abb. Die Frage war hier vielmehr die nach der (Verfügungs-)Macht über die Bildproduktionen und Narrative.19 Museen tendieren dazu. also das. auch wenn das dem Großteil der Bevölkerung schon lange nicht mehr entspricht. was sich von unserer Kultur oder unserem Lebensalltag unterscheidet. Damit wurde auch die Präsentationsweise gerechtfertigt: da ethnografische 6 . KULTURELLE DIVERSITÄT In der Präsentation der Anderen können etwa zwei Darstellungsverfahren wirksam werden: Je nachdem. das Besondere zu betonen. 6 Detail der Vitrine "Plains". Museum für Völkerkunde Wien 2004. wie Frauen. kann von exotisierenden oder assimilierenden Ausstellungsstrategien gesprochen werden. oder sie versuchten. die bis in die 1970er Jahre kaum in Museen vertreten waren. kann problematisch sein. oder Erwerbslose oder MigrantInnen. die bis heute in den meisten Museen fehlen – stellte sich die Situation bei Frauen und ethnischen Gruppen etwas anders dar. Die Ähnlichkeit von Motiven und Formen wurde vor allem darauf zurückgeführt. Ähnlichkeiten in den kulturellen Ausdrucksformen herauszuarbeiten. Aber auch der Versuch. So wird bei der Präsentation nichtwestlicher Gesellschaften oftmals der Schwerpunkt auf traditionelle Lebensweisen gerichtet.und Ausschlussverfahren Herrschaftsdiskurse. auch durch die Art.

kollektive Konstruktionen von Kultur. Identität. Das Ziel vieler feministischer Initiativen war es daher. um darin frei über Sammelstrategien und Ausstellungspolitik 7 . wo Frauen als handelnde Subjekte. GENDER Die Kritik der Repräsentation bildete seit den 1980er Jahren auch ein zentrales Anliegen feministischer Kritik. eigenbestimmte Bilder zu produzieren. dass die erzählten Geschichten "authentischer". im Sinne von näher an der "Wahrheit" sind. sei es legitim sie wie moderne Kunst auszustellen. Da jedoch alle an der Geschichtserzählung und am Musealisierungsprozess beteiligten AkteurInnen von ihren kulturellen Denkmustern geprägt sind. autonome Orte zu schaffen. als Trägerinnen historischer und kultureller Leistungen gezeigt wurden. gilt es aber mitzureflektieren. Geschichtsbildern und Wissenschaftskonzepten. Dabei kamen unterschiedliche Strategien und Taktiken zum Einsatz: eine lief darauf hinaus. Voraussetzung dafür ist jedoch. Einen breiten Diskurs zur Frage der Repräsentation nichtwestlicher Kulturen in Museen gibt es seit ca.20 Dass es sich bei der Einordnung der Objekte in ein spezifisch (westliches) kulturelles Raster auch um eine Vereinnahmung handelt. als sie lange Zeit als direkter Ausdruck sozialer Realität angesehen wurden. besteht die eigentliche Herausforderung nicht so sehr darin. andererseits kann das Involviertsein auch den Blick verstellen. die "Wahrheit" herauszufinden. Die Innensicht einer Problematik gewährleistet einerseits Erkenntnisse und Sensibilitäten. Stereotype Darstellungen und Repräsentationen von Frauen waren insofern zentrales Thema feministischer Ansätze. 30 Jahren vor allem im anglo-amerikanischen Raum. garantiert zwar nicht. aber dadurch können weitere. Geschichte und Gedächtnis auszuhandeln.Objekte die künstlerische Produktion der Moderne anregten und bereicherten. um Communities in die Repräsentation einzubinden. die "Forschungsobjekte" als Subjekte anzuerkennen und Museen als aktiven Teil eines Prozesses zu sehen. Museumsinhalte von VertreterInnen der betroffenen Bevölkerungsgruppen bearbeiten zu lassen. in einen aktuellen Austausch mit ihrem gegenwärtigen Publikum einzutreten. sondern in der multiperspektivischen Repräsentation von kulturellen Praktiken. wo auch von diversen ethnischen Bevölkerungsgruppen dementsprechende Forderungen an Museen gestellt wurden. die Außenstehenden oftmals fehlen. Unter anderem wurden partizipatorische Angebote entwickelt. vielleicht gegenläufige Perspektiven eingeführt werden.

24 Auch Irit Rogoff analysierte das Museum als Ort hegemonialer Kultur. auf das geschaut wird. Eine andere bestand darin. zwischen Frau (woman) und Frauen (women) zu unterscheiden.21 Zur Frage der Repräsentation argumentierte etwa Teresa de Lauretis in den 1980er Jahren. Ausstellung "Aufmüpfig & angepasst" 1998.23 Dies wurde auch für museale Repräsentationen festgestellt. 7 Inszenierung Alma Mahler-Werfel. Foto: Roswitha Muttenthaler Museen und Ausstellungen als handelnde Subjekte abwesend seien. die Repräsentation des weiblichen Körpers als Ort der Sexualität und des visuellen Vergnügens."22 De Lauretis schlägt vor. quasi also eine Leerstelle der kulturellen Fiktionen selbst ist. bestimmte Bedeutungen zu repräsentieren. doch gleichzeitig herrschende. Als Repräsentationsbild ist die Frau anwesend. von männlichen Projektionen dominierte Vorstellungen von Frauen im Objektstatus in den Repräsentationen verfügbar gemacht werden. und ‚die Frau’ als das Andere markiert. dass das Bild der Frau eine bestimmte Funktion in einem kulturell tradierten Repräsentationssystem zu übernehmen hat. Repräsentationen der Frau können oft als Spiegel und Projektionsfläche für den sie erschaffenden Mann dienen.entscheiden zu können. Das Besondere aber ist. ‚Die unterschiedlichsten Frau’ stellt eine Referenzpunkte Konstruktion des dar. als repräsentiertes Subjekt und Produzentin ist sie abwesend. Die Repräsentation der Frau als Bild umfasst die Frau als Objekt. Foto: Herbert Posch Frau im Netz der kulturellen Repräsentationen besteht darin. 8 Detail aus Inszenierung des Autos "Aurelia". dass ‚die Frau’ als das Andere für etwas einsteht. die allerdings nicht außerhalb der kulturellen Diskurse definiert werden kann. Dieser imaginierten Weiblichkeit kommt dabei die zentrale Aufgabe zu. gesamten die die westlichen Repräsentationssystems durchdringt. Wegweisend beschrieb Viktoria Schmidt-Linsenhoff. Kreativität und Kulturprodukte stellvertretend zum Ausdruck. gleichsam Objekt und Zeichen seiner Kultur und seiner Kreativität. gleichsam Telos und Ursprung des männlichen Begehrens und des männlichen Drängens nach Repräsentation zu sein. die Frau als Bild der Schönheit. indem sie Verfahrensweisen und 8 . auf die beliebige Attribute projiziert und appliziert werden können. Auch Elisabeth Bronfen konstatierte: "Der Wert der Abb. Autostadt Wolfsburg 2002. Dem Begriff ‚Frauen’ kommt dagegen eine reale historische und physische Existenz zu. wie Frauen in Abb. Als Imaginationen bringen diese Repräsentationen seine Macht. die Spielräume innerhalb des Systems zu nutzen und so die Grenzen der Ordnung des Ortes zu verschieben.

die die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs aus dem Blickwinkel der Zivilbevölkerung zeigten. wenn es 9 Abb.und Gewaltapparat des NS-Regimes hier ausgespart blieb.25 In dieser traditionellen binären Logik der Symbolisierungen wird dem schwachen Zeichen der Begriff des Weiblichen zugeordnet. Ausstellung "Reiz & Scham" Textilmuseum Ratingen 2005. würde der Referent Mann als Bezugspunkt in den Geschlechterbeziehungen vernachlässigt. dass das Geschlecht vor allem dann ins Spiel kam. dass es durch dieses Instrument der "Feminisierung" zu einer Nivellierung des Opferbegriffes kommen kann. in welcher Form und Funktion bisher nicht legitime Erzählungen – wie die von Frauen und Alltagskultur – in die Museen Eingang finden können. An Hand einiger Ausstellungen. das anhand binärer Oppositionen von starken und schwachen Zeichen funktioniert". Durch den Fokus auf die Frauengeschichte würde das Wissen um die Geschlechterverhältnisse vorausgesetzt und damit geriete die sozial bedingte männliche Dominanz aus dem unmittelbaren Blick. konnten teilnehmende Reaktionen und Identifikationsprozesse eines breiten Publikums gefördert werden.26 Seit den 1980er Jahren wurde – mit der zunehmenden Infragestellung des kohärenten Subjekts Frau – auch die alleinige Konzentration auf die Repräsentation der Frau oder von Frauen kritisiert: Da in den meisten Frauenausstellungen vor allem die verschütteten Leistungen von Frauen oder Zeugnisse ihres Alltagslebens gezeigt werden sollten.und Objektwahl. können sich alle als Opfer etwa des Bombenkriegs der Alliierten und der materiellen Notlage fühlen. Problematisch dabei ist. erhielten diese Repräsentationen eine integrative Funktion: Rogoff bezeichnete dies als Feminisierungsprozess. Indem jedoch die TäterInnen und die politisch Verantwortlichen aus dem Blick geraten. Dabei hinterfragte sie auch. problematisierte sie. Rückblickend betrachtet leisteten auch gesellschaftskritische Ausstellungen zur Frauengeschichte und -kultur ungeachtet ihrer politischen und emanzipatorischen Bedeutung einen Beitrag. Indem vor allem die Lebensrealität von Frauen ins Zentrum gerückt wurde. 9 Top-Ten der Männerunterhosen. Da die Zivilbevölkerung und vor allem Frauen die Narrative zum Zweiten Weltkrieg tragen. dass nur das Alltägliche thematisiert wurde und der politische Macht. Foto: Roswitha Muttenthaler . Zum anderen verweist der Begriff Feminisierung auf ein "Darstellungssystem. zum einen wegen der Themen.Instrumente der musealen Bedeutungsproduktion in den Blick nahm.

In Bezug auf Alterität und kulturelle Diversität ist etwa das Musée d’Ethnographie de Neuchâtel zu erwähnen. So wurden in der Ausstellung "Le Musée cannibale" 2002 die musealen Praktiken. Eine Fragestellung. Bewahren. Indem die Geschlechterverhältnisse. Macht. Erkenntnisse aus der wissenschaftlich-analytischen Beschäftigung manifestieren sich seit einigen Jahren nicht allein in schriftlicher Form. zum Thema gemacht. es wird nicht mehr von fixierten sondern variablen und symbolischen Repräsentations-Positionen ausgegangen.und Handlungsstrukturen gibt. Erforschen und Ausstellen. die das Original. sondern finden auch ausstellungsgemäße Umsetzungen: Mit den Mittel der Ausstellung werden Praktiken von Museen und Ausstellungen reflektiert. das den eigenen Blick auf die Anderen mitdenkt. das Sammeln. konnten auch die patriarchalen Strukturen sinnfälliger werden. indem das museale Aneignen und Aufbereiten von Objekten in unmittelbare Beziehung zum Einverleiben im wahrsten Sinne des Wortes.27 Jeder Repräsentation wohnt ein performatives Moment inne. Nach Judith Butler. dass es kein völliges Entkommen aus den gegebenen Denk-.sich um Frauen handelte. Mit den Gender Studies wurden in Anlehnung an poststrukturalistische und dekonstruktivistische Ansätze der Repräsentationsbegriff weiterentwickelt. also dem Essen. Mit dem Paradigmenwechsel von der Kategorie Frauen zur Kategorie gender war verbunden. gestellt wurden. was Frauen oder Männer konstituiert oder konstituieren sollte. insbesondere das Verhältnis von Eigenem und Anderem zu reflektieren. die insbesondere bei einem ethnografischen Museum von besonderer Brisanz ist. verlagerte sich der Anspruch neuerer feministischer Theorien dahingehend. allererst performativ im Sinne eines wiederholenden Prozesses hervorbringen.und Ausstellungsstrategien erfolgte nicht nur diskursiv. Mit der Metapher des Verzehrens sollte die Faszination des "exotischen Festmahls" ebenso wie der Gewaltaspekt im Ausstellen fremder Kulturen den oftmals 10 . die unterschiedlichen Lebenschancen und -bedingungen von Frauen und Männern anschaulich gemacht wurden. seine Zugänge. dass es nur innerhalb des Systems zu Verschiebungen der Grenzen kommen kann. In dem Bewusstsein. vielmehr handelt es sich dabei um Imitationen. das sie zu imitieren scheinen. In den Ausstellungen ist es Konzept. BLICKE VERSCHIEBEN – ERZÄHLUNGEN EINBRINGEN Die Auseinandersetzung mit hegemonialen Museums. Männer ebenso in ihrer Geschlechtlichkeit zu thematisieren. Weder die soziale noch die biologische Geschlechtsidentität seien die Widerspiegelung eines "natürlichen" Zustandes. gibt es keine Klarheit darüber.

Im Ambiente eines großen Speisesaals – "Der Lebemann" benannt und mit roten Abb. kunstfertige oder primitive Wilde. Foto: MEN Wandtapeten. festlich gedeckten Tischen ausgestattet sowie erfüllt von Speisesaalgeräuschen – wurde ein Zusammenhang zwischen dem Verzehren von Speisen und dem Rezipieren von Ausstellungen hergestellt. In einer Küchen-Inszenierung übertitelt mit "Blackbox" wurde das Ausstellungsmachen mit dem Vorgang des Kochens gleichgesetzt. Ausstellung "Le musée cannibale" Musée d'ethnographie Neuchâtel. Die stark vergrößerten Abbildungen an den Wänden zeigten kannibalistische Szenen. es abstoßend – wie die auf Tellern angerichteten Augen –.28 So wurde unter dem Titel "Der Geschmack der anderen" mit der Inszenierung eines Arbeitstisches. Bekanntes wie die Inszenierung Schweizer Klischeebilder erfuhren durch die Kontextualisierung der ste- 11 Abb. Foto: MEN . der dem Inventarisieren. Ausstellung "Le musée cannibale" Musée d'ethnographie Neuchâtel. Spiegeln. zunächst die Rolle der Sammler reflektiert. in denen Objekte verpackt in Gläsern oder wie Gefriergut in Plastik. die sich der Praxis der Bevorratung und Aufbereitung widmeten. 10 Gedeckter Tisch."nach Alterität hungernden" BesucherInnen anschaulich gemacht werden. Jahrhundert angefertigt worden waren. Zwei Tische boten hingegen Bilder des Eigenen. Unter dem Titel "Der Kühlraum" waren die Museumsdepots als Vorratskammern zu lesen. Zu den als Speisen vorgesetzten Objekten wurden den BesucherInnen in Form von Menukarten auch Beschreibungen des Anderen aufgetischt – der edle. wobei die Museumspraktiken auch visuell in Analogie zur Essenzubereitung gesetzt wurden. Lustern. Die BesucherInnen konnten das Präsentierte goutieren.und Aluminiumbehältnissen lagen. 2002. etwa Stereotype der Schweizer Kultur. Dem folgten Abschnitte. Zu sehen waren Regale vollgefüllt mit Objekten sowie ein Kühlschrank und eine Kühltruhe. goldgerahmten Abbildungen. die von Weißen im 19. Zubereitung etc. wurden Konzeptionen bekannter Ausstellungsmacher und Ethnografen charakterisiert oder gar persifliert: "Association poétique á la Harald Szeemann" oder "Sacralisation à la Jacques Kerchache". In Form von Rezepten mit den Rubriken Zutaten. Dokumentieren und Erforschen von Ethnographica diente. 11 Gedeckter Tisch. 2002. exotisch oder vertraut finden.

die Aussagen über die Geschlechterdifferenz transportieren. indem auch Männer in ihrer Geschlechterrolle thematisiert wurden. Dem wollte die Ausstellung entgegenwirken. wobei vermeintlich eindeutige Zuweisungen immer wieder irritiert wurden. damit nicht Männer als die Norm und Frauen als das Besondere.29 Ziel der Ausstellung war jedoch nicht nur die Gegenüberstellung von Männer.und Männerdarstellungen. sondern auch die Thematisierung von traditionellen Wahrnehmungsformen und Blicken. Doch statt wie gewohnt vereinzelt auf Sockeln wurden sie auf einer niedrigen Palette dicht gedrängt präsentiert. sei nur auf zwei verweisen: das Ausstellungsprojekt "Männerwelten Frauenzimmer" 2005 und die Kunstausstellung "vis-à-vis: kleine unterschiede" im Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen 1996. Demgegenüber befanden sich Büsten bedeutender Männer. Erstere hatte die Form der Intervention in eine bestehende Präsentation . Plötzlich konnten die vertrauten Bilder ebenso exotisch und kurios anmuten. Mit der Betonung der erotischen Komponente der Rückenansicht wurde die stereotype Pose sich darbietender weiblicher Körper auf den Punkt gebracht. Beispielsweise wurden weibliche Aktskulpturen auf unterschiedlich hohen Sockeln so positioniert. Letztere widmete sich der Sammlungsstruktur des Museums und den gängigen Inszenierungen von Frauen. die sich der Geschlechtsspezifik von Sammlungen und Präsentationen widmeten. die Abweichung. dass sie den BetrachterInnen den Rücken zuwandten und sich das Gesäß der Figuren in einer Linie etwa in Augenhöhe der BesucherInnen befand. das Verhältnis von Hier und Anderswo. Bewusst wurde die Aufmerksamkeit nicht nur auf Frauendarstellungen gerichtet. suchten die Frauenakte.und Frauenbildern. das Gesicht zur Wand gewen- 12 . sondern als kulturgeschichtliche Zeugnisse. Ein ähnlicher Effekt wurde im letzten Raum unter dem Titel "Selber Menschenfresser" provoziert. Während den Köpfen der Blick entzogen wurde.reotypen Blicke auf die Anderen eine Verfremdung. Auf diese Weise büßten sie entindividualisiert Rang und Autorität ein. "… das eine gegenüber dem anderen zu sehen geben" – unter diesem Motto stand die Kunstausstellung "vis-à-vis: kleine unterschiede" im Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen 1996.eine Ausstellung in der Ausstellung. Opferthemen aus Religion und Kultur westlicher und nicht-westlicher Prägung waren dort gegenübergestellt. Im Zentrum der Präsentationen stand die Frage nach der Ähnlichkeit und des Unterschieds. und sie einer "erniedrigenden" Betrachtung ausgeliefert waren. Von den Beispielen. wahrgenommen werden. Dabei betrachtete die Kuratorin Birgit Schulte die Kunstwerke nicht nur unter dem Aspekt des autonomen künstlerischen Schaffens und des kunsthistorischen Kanons. die einer eigenen Betrachtung bedürfen.

sollten diese auch bewusst gemacht werden. Wien Museum 2005. Damit wurden die Verfahrensweisen im Museum selbst thematisiert. dem Blick "aktiv" zu entkommen. Dazu wurde an 5 ausgewählten Punkten eine Ausstellung in die vorhandene Ausstellung gestellt. In diesem Sinne waren die Interventionen als Statements zu begreifen. die im Depot des Wien Museum zu finden waren. zu Männern und Frauen vermittelt. die durch die Auswahl von Themen und Objekten und deren spezifische Präsentation in Bezug auf die Geschlechterbilder entstehen und was ausgeblendet bleibt. So wurden um das Grillparzerbild die Bilder der drei Schwestern Fröhlich 13 Abb. also durch welche Präsentationsformen welche Erzählungen gestützt werden. Auf diese Weise wurde die männlich-aktive Betrachterposition und die weiblich-passive Rolle ironisch unterlaufen. die den Blick auf das Präsentierte richtete und so die AusstellungsbesucherInnen in ihrer konventionellen Rezeptionshaltung spiegelte. die Effekte sichtbar zu machen.31 Ausgangspunkt für die Intervention "Männerwelten Frauenzimmer" war die Frage. Die Stationen waren als Eingriffe in der Dauerausstellung kenntlich gemacht und arbeiteten in erster Linie mit Exponaten. Das Ziel war. "Männerwelten Frauenzimmer". sondern es ging um das Beziehungsgeflecht. geschlechtersensiblen Blick auf die Person Grillparzer.30 Weiters war den montageartigen Zusammenstellungen immer eine Figur beigestellt. Welche Bilder und Erzählungen werden zum Geschlechterverhältnis. die Geschlechterrollen der gewählten Lebensform und so auch um einen neuen.det. Katharina und Josephine Fröhlich und deren Beziehungskonstellationen thematisiert. was das Wien Museum als kulturhistorisches und stadtgeschichtliches Museum in seiner Dauerausstellung explizit und implizit an Geschichtskonstruktionen in Hinblick auf die Kategorie Geschlecht anbietet. welche Möglichkeiten und Verschiebungen sich eröffnen. allein die ausgelassenen Frauen in die Erzählung einzubringen. Beispielsweise wurde in der so genannten "Grillparzer-Wohnung" die Wohngemeinschaft mit Anna. wenn dem Vorhandenen ein anderer Kontext gegenübergestellt wird. Die Intervention zielte aber nicht darauf. diskrete und voyeuristische Blicke durch die Anordnung der Objekte und Inszenierungen gezielt eingerichtet wurden. nahe und distanzierte. Durch die Interventionen sollte ausgetestet werden. die im Museum völlig ausgeblendet waren. Indem auf unterschiedliche Weise öffentliche und heimliche. Foto: Roswitha Muttenthaler . 12 Intervention in Grillparzer-Wohnung.

können sich die zentralen Oppositionen westlicher Kulturdiskurse – Sein und Schein. stillgestellte Atmosphäre eines Künstlerzimmers durch zwei kleine Eingriffe unterlaufen.so hinzugefügt. die überwiegend auf dem Briefverkehr zwischen Grillparzer und den Fröhlich-Schwestern basierten und Einblicke in das Beziehungsgeflecht und das Zusammenleben gaben. Gegenüber wurde ein Ring. die den Schwestern Fröhlich gehörten. Durch eine parodistische Aneignung vollzieht sich ein Prozess der De-Regulierung von Bedeutungen. können Wahrnehmungen durch das Fremde. die Präsentationsformen – also wie Bedeutungen konstruiert und Zuschreibungen vorgenommen werden – zu reflektieren. Ver-Kleidung. möchte ich auf die Strategien der Parodie und der Maskerade verweisen. Der beleuchtete Spalt zwischen dem Kasten und der Tür stand sowohl für die unterbrochene Beziehung Grillparzers zu Katharina Fröhlich als auch für die Nähe zu den Schwestern durch das gemeinsame Wohnen. Beide Strategien spielen in der Kunst zunehmend eine Rolle. Als Abschluss wurde außerhalb der Wohnräume nicht nur das Leben der Schwestern Fröhlich. Mit dem Konzept der Maskerade in Form von Verhüllung. die sich als ordnungsstiftend und irri- 14 . Travestie etc. gezeigt. Als weitere Anregung. ohne es aber zu verdecken. dass die Parodierbarkeit des Originals die Konstruiertheit des Originals zeigt. Diese wenigen Objekte wurden in der Art einer Depotaufstellung angeordnet und standen so im Gegensatz zu der auf Vollständigkeit angelegten Präsentation der Grillparzer-Zimmer. der beständigen Verschiebung von Zeichen. Fetischismus. als symbolisches Objekt der Kontinuität gezeigt. dass sie das Grillparzerbild partiell überlagerten. In den Räumen waren Klanginstallationen zu hören. ein Geschenk Grillparzers an Katharina Fröhlich. die insbesondere auch Judith Butler aufgegriffen hat. Der Ring und der Kasten konnten als gegensätzliche Symbole ihres ambivalenten Verhältnis aufgefasst werden: Steht der Ring für Verbundenheit. Die Maskerade ermöglicht die Dechiffrierung kultureller Einschreibeprozesse. Im Wohnzimmer wurde die eingefrorene. Inkohärente verunsichert und ein Weg eröffnet werden. Davon ausgehend. die als selbstverständlich hingenommenen Kategorisierungen als eine Konstruktion zu verstehen. und sind auch für Ausstellungen zu denken. sorgt der Kasten für Abstand. Zum einen wurde jener Kasten. der die Verbindungstür zur Fröhlich-Wohnung verstellte. die ledig blieben und sich ihren Lebensunterhalt durch Musik verdienten. Wahrheit und Täuschung. sondern es wurden auch alle Objekte aus dem Sammlungsbestand des Wien Museums präsentiert. Identität und ihr ‚Mangel’ – überkreuzen. die auch anders konstituiert sein könnten. die den normativen Gebrauch irritieren. etwas verrückt.

Bei der Maskerade wird das Uneigentliche Modus der (Re-)Präsentation. so dass diese als Deutungsangebote begriffen werden können.34 Dies inkludiert den von Irit Rogoff eingeforderten "verantwortlichen Blick"35. Foto: Herbert Posch . Wesentlich scheint dabei. Expo Schweiz 2002. 15 Abb. für das Museum als Verhandlungsort im Sinn eines zwischen dem individuellen und kollektiven angelagerten "kommunikativen Gedächtnisses". gilt es. um Symbolisierungen zu verhandeln? Dies meint neben der Auseinandersetzung mit vergangenen wie gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen sowie den sozialen und kulturellen Praktiken auch jene mit ästhetischen Ausdrucksformen und Manifestationen. das heißt in Repräsentationen die Annahmen offen zu legen.h. wie dies etwa Homi Bhabha und Gaytari Spivak thematisierten. 13 Gefrierkammer. um Forum zu sein. Ausstellung "Aqua extrema".tierend zugleich offenbaren. für das Museum als reflexive und selbst-reflexive Institution zu plädieren.32 Wenn Differenz und Vielfalt im Museum thematisiert werden sollen. d.33 Welche Wege kann das Museum nun gehen. sondern ein In-Between zu denken. Mit solchen Verhandlungsprozessen gilt es weniger Innen und Außen voneinander abzugrenzen. in dem entsprechende Fragestellungen am Gegenständlichen entwickelt und provoziert werden können. ein Forum. Differenzen als Verhandlung von Grenzen zu verstehen.

Wien 1998. die davon ausgehen. Redeweisen und Lesarten. als wolle er das Fremdwerden der Museumsgegenstände auch sprachlich ausdrücken.2 15 http://differenzen. 1997. die lebensweltlich nicht mehr gebraucht werden. Schaubühne. Christina Lutter. Innsbruck 1997. […] repräsentieren Gedächtnis. 43 Gottfried Korff: Fremde (der.) Das historische Museum. S. 40 "Erst an den Schnittstellen so disparater Beziehungen entsteht Gedächtnis als bewegliches Produkt von Strategien der Darstellung.2 2 Der Diskurs um Museen als Orte von "contested identities" nahm vor allem im angloamerikanischen Diskursen seinen Ausgang. 1998. Museum. 17. in modernen Machtstrukturen entwickeltes Produkt ist: Differenz wie Identität sind demnach Effekte von Macht. In: Museums Australia Journal 2-3/1991-92. 103 14 Astrid Deuber-Mankowsky: Repräsentationskritik und Bilderverbot. körperliche. Ausstellungen." Offe. S.edu/mzank/tr-deutsch/Bilderverbot. S. 8 9 Korff. politischen Kalküls und individueller Lebensgeschichten. sondern die Individuen beteiligen sich am Prozess einer erst zu entwerfenden Identität." ebenda 10 Korff.ac. Representing Identity and Diversity in a Changing World. Margaret Anderson: Material Culture & Australian Cultural Politics. Einstellungen. Identitätsfabrik. der Perspektiven. Carol Duncan: Civilizing Rituals inside the Public Art Museums. Nicht die Museen […] nicht die Objekte. In: Ein Viertel Stadt. die. Die physische Nähe des Objektes ist ebenso gegeben wie die psychische Fremdheit. Markus Reisenleitner: Cultural Studies.bu.at/glossar. die Dinge im Museum genannt hat: Zeichenträger. In: Gottfried Korff. S. Es sind die Dinge. […] dann ist mit der Aura tatsächlich eine Grundkonstellation des Museums umrissen. In: Frankfurter Allgemeine Magazin. Erinnerung. Das Spannungsverhältnis von nah und fern im Museum entspricht der Bedeutungskonfiguration des Benjaminschen Aura-Begriffes: "Wenn Aura die ‚einmalige Erscheinung einer Ferne (ist). S.h.html. Civilizing rituals dienen der Bildung wie Normierung und Regulierung des Subjekts. Oxford 1996. Fremde 1997.3.n. Vgl. in: Jürg Steiner (Hg. also die Erscheinung einer Ferne. und sie läßt sich auch in realen Objekten nicht dingfest machen. 1997. daß Differenz selbst ein historisch entstandenes. so nah sie sein mag. 1997. 91 16 . 8 7 8 Das Museumsobjekt "ist zum Semiophor geworden. die alle Beteiligten […] dazu aufnehmen.6 3 Carol Duncan beschreibt Museen als säkulare Räume einer rituellen Transformation. Fremde. 101 13 Nach Jürgen Habermas steht die kollektive Identität der individuellen nicht als Traditionsinhalt gegenüber. In: http://www. Öffentlichkeit. 3. visuelle und sprachliche. Entstellungen. Schule des Befremdens. S. Gordon Fyfe (Hg.1989 5 Gottfried Fliedl: Museum. 11 11 Kathryn Woodward zit. 2000. 9f. S.22006. das) und das Museum. S.): Theorizing Museums. wie Krzysztof Pomian mit einem merkwürdig klingenden Namen. Museumstechnik. Martin Roth (Hg. 3. nämlich die der Vermittlung des Unsichtbaren im Sichtbaren. Das moderne Denken ist nicht nur binär. Berlin 2000.8. Sie sind vielmehr Elemente oder Vehikel einer Beziehung zwischen Museumsbesuchern und -machern. Eine Einführung. d. Cultural Studies. Berlin 1997.2006 16 James Clifford: Sich selbst sammeln. Ordnung und Konsens bewirkende Rituale treten an die Stelle der Erfahrungen des alltäglichen Lebens." Sabine Offe: Ausstellungen." Lutter. Reisenleitner. 95 12 "Die Logik der Moderne beinhaltet die Logik der Differenz.php?sp=38. Frankfurt. London. Vgl. das Absolutsetzen von Differenz als binärem Gegensatz verunmöglicht Theorien der "Andersheit" (otherness).univie.B. S. Zur Frage des Umgangs mit dem ehemaligen jüdischen Viertel in Hohenems. Diese Opposition bzw. z. Erinnerung.)." Korff. Öffentlichkeit. New York 1990. S.1 Sharon Macdonald. Fliedl. an dem sich das Individuum wie an einem feststehenden Objektiven bildet. Objekten und Subjekten der Anschauung. der Wahrnehmung. Sie sind Teil von Beziehungen. New York 1995 4 Peter Sloterdijk: Museum. Labor. Identität wird immer in Abgrenzung zum Anderen definiert. Zur Projektreihe Ein Viertel Stadt. S. bewußte und unbewußte.8. so nah sie sein mag‘. sondern erzeugt Binaritäten als konstitutive Differenzen. S.103 6 Nach Sabine Offe wird in Museen eine Gedächtnisbeziehung konstituiert: "Der (kollektiven) Erinnerung ist an empirischen oder historisch authentischen Orten nicht habhaft zu werden. Fremde. S. in denen der/das Andere immer durch seine "Negativität" definiert werden. S. dennoch eine wichtige Funktion erfüllen.

Einstellungen. die sich den Subjekten entgegenstellen". S. Seiteneingänge. S. 35 Vgl. 41-49 17 . S. S. Vgl. S.2006. Museumsidee & Ausstellungsweisen. S. Lavine. 26 Ebd. Frankfurt 1991 28 Vgl.. Wien 1997 22 Dagmar von Hoff: Performanz/Repräsentation. Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Köln u. Korff. in: kritische berichte.): Le musée cannibale. 3 (1985).univie. 30 Ebd. 172f 33 Der von Jan Assmann geprägte Begriff entspringt seiner Erkenntnis. S. Kritische Anmerkungen zur Kunstgeschichte. 3. in: Roswitha Muttenthaler/Herbert Posch/Eva S. S. dazu: Gerlinde Hauer / Roswitha Muttenthaler / Anna Schober / Regina Wonisch: Das inszenierte Geschlecht. 269ff. In: kritische berichte.8. 2005. 130ff.. in: Silvia Baumgart u. 47 25 Irit Rogoff: Von Ruinen zu Trümmern. 374f 20 Karp. Exhibiting Cultures. dass es unmöglich sei. Feministische Strategien im Museum. Berlin 1993. London 1991.17 Vgl. Musée d’Ethnographie de Neuchâtel (Hg. 171 23 Ebenda.php?sp=38.at/glossar. 269. S.ac. 34 So plädiert Aleida Assmann für Museen als "Orte der Gegenstände. Denkräume zwischen Wissenschaft und Kunst. Neuchâtel 2002. 1997.-Sturm (Hg. Entstellungen. The Poetics and Politics of Museum Display.): Exhibiting Cultures. zwischen dem individuellen und sozialen Gedächtnis strikt zu unterscheiden. 117ff. Zur Repräsentation von Gender und Race in Ausstellungen. Fremde.).. 376 21 vgl.): Gender@Wissen. 132. S. Wien 2000. 1991. (Hg. Roswitha Muttenthaler / Regina Wonisch: Gesten des Zeigens. Eine Revision zum Thema ‚gender‘. Inge Stephan (Hg. Washington. S.a. Berlin 2000 18 Vgl. 27 http://differenzen. weshalb er für den Zwischenraum den des kommunikativen Gedächtnisses heranzieht. 4/1993. 32 von Hoff: Performanz/Repräsentation. Sabine Offe: Ausstellungen.a. 29 Birgit Schulte: Die Ausstellung vis-à-vis: kleine Unterschiede im Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen. S. Vgl. 2005. der Objekte.). Bielefeld 2006 19 Ivan Karp / Steven D.170f 24 Viktoria Schmidt-Linsenhoff: Sexismus und Museum. S. In: Christina von Braun. für "Museen als Orte des Erlernens des kleinen Einmaleins der Wahrnehmung" in Bezug auf ein kritisches Verständnis der Informationstechnologien. 18. Ein Handbuch der Gender-Theorien. 31 Ebd. Lavine (Hg. Irit Rogoff: Der unverantwortliche Blick.