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Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit

als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen

5.5. Verwundung und Verwundbarkeit
in der Biographie von Schamanen
Nachdem deutlich geworden ist, das eigene Verletzungen nicht notwendig zu einem heilsamen Wirken des Seelsorgenden führen, sondern durchaus heilungshindernd, wenn nicht sogar krankmachend wirken können, ist deutlich, dass es zu einer Transformation eigener Verletzungen kommen muss, wenn der Seelsorgende hilfreich sein will.
Ich wende mich zunächst ethnologischen Betrachtungen zu, die u. U. etwas über sehr frühe
Formen der Heilkünste auszusagen wissen und vielleicht auf erste Spuren führen in welche
Richtung ein produktives Transformationsgeschehen sich entwickeln könnte.
Schamanismus gilt als die wohl älteste bekannte Form der Heilkunst.1 Seine Ursprünge reichen mehrere 10.000 Jahre (in die Vergangenheit) zurück.2 Ein territorialer Ursprung des
Schamanismus ist nicht präzise auszumachen, jedoch gilt Zentral- und Nordasien als die Region wo sich das „Phänomen offenbar in seiner vollständigsten Form bekundet hat…. Er hat
dort den Vorzug einer Struktur, in welcher sich Elemente, die in der übrigen Welt nur zerstreut vorkommen…, schon in einer besonderen Ideologie integriert darstellen “3.
Das Wort Schamane ist ostasiatischen Ursprungs. „Saman“ ist ein Wort der sibirischen Tungusen und bedeutet „einer der erregt, bewegt, erhoben ist“.4 Es ist abgeleitet von der Verbalwurzel der Zeitworte „tanzen, springen, sich bewegen, sich schütteln“. „Die ursprüngliche
Bedeutung des Wortes „saman“ scheint deshalb die des ekstatischen Tanzens zu sein.“ 5 In
der Ethnologie ist der Begriff „Schamane“ zu einem Sammelbegriff für Heiler, deren Heilungspraxis unter Bedingungen veränderten Bewusstseins erfolgt, in den unterschiedlichsten
Kulturen geworden.6
Das westliche Bild vom Schamanen hat in den letzten Jahrhunderten einen erheblichen
Wandel durchlaufen. Im 17. und 18. Jahrhundert weisen christlich geprägte Zeugnisse Schamanen als mit dem Teufel im Bund stehend aus.7 „Zwangsweise Massentaufe, Verfolgung
von Schamanen und Verbrennung ihrer Paraphernalia wurden sanktioniert durch kaiserliches Edikt Peters des Großen, das verkündete ‚Es gibt nur einen Gott im Himmel und nur einen Zar auf Erden‘.“8
Ab dem 19. Jahrhundert kam eine neue Einschätzung des Schamanismus hinzu: Der Schamane als Geistesgestörter.9 Sie werden als „veritable Idioten“10 oder an „arktischer Hysterie“11
1

Vgl. Rössl, Transformation (2009), S. 16.
Vgl. Hoppal, Schamanen (1994), S. 13.
3
Eliade, Schamanismus (1975), S. 16.
4
Walsh, Schamanismus (2007), S. 19.
5
Jilek, Scharlatan (2003), S. 58.
6
Rösing, Trance (2003), S.86
7
Vgl. Hoppal, Schamanen (1994), S. 46 / Kasten, Samen (1983), S. 114.
8
Jilek, Scharlatan, (2003), S.59.
9
Vgl. Wilken, Schamanisme (1887).
2

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“15 U.a. es gibt keinen Grund und keine Entschuldigung. 12 Devereux. die Geister zu beherrschen. 13 Kroeber. die an den Geistern leiden. aber es gerieten vier Aspekte (Geister. S. eine charismatische Persönlichkeit mit der Macht. 15 Levi-Strauss.225. erhält ihren charakteristischen Zug daher. eröffnete die Möglichkeit das Phänomen des Schamanismus mit einem über den Positivismus hinausgehenden. Anthropologie (1977). anderen Menschen zu helfen. Ekstase. Beide machen sich zum Objekt von Übertragungen und heilen so.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen leidend dargestellt. Anthropologie (1977). 269. Indian (1931). zu folgender Definition: „In allen tungusischen Sprachen bezeichnet dieser Begriff (saman) Menschen beiderlei Geschlechts. Wenn die Geister durch 10 Wissler. ins Blickfeld: a) Stellt man die für Schamanen typische Interaktion mit Geistern in den Vordergrund gelangt man u. S. Levi-Strauss. wodurch sie ein höheres Wissen über die Dinge erlangen: „Ein Schamane ist ein inspirierter Prophet und Heiler. die zum Ausgangspunkt einer Definition werden konnten. in der Weise. 204. 14 Vgl. erweiterten Wissenschaftsbegriff zu beleuchten. 169ff. daß er diese in den Körper hineinnimmt.“16 Diese Geister werden zu Heilzwecken inkorporiert. es sei denn im Menschen selbst.14.318. Religion). 11 2 . die eine Aufwertung nichtwestlicher Kulturen beinhaltete. die zur Beherrschung der Geister gelangt sind. S. dass sie ihre Seele auf Astralreisen schicken können. Psychoanalytisch geschulte Anthropologen stellten fest: „Kurz. die Psychoanalyse.14 Er skizziert Parallelen zwischen der Rolle des Psychoanalytikers und der Rolle des Schamanen. dass in der technischen Zivilisation kein Platz mehr ist für die mythische Zeit. S. 16 Shirokogoroff.U.“13 Eine andere Betrachtungsweise des Schamanismus verdankt sich auch dem Werk von Claude Levi-Strauss. Czaplicka. S. die Mechanismen ihrer Wirkungskraft besser zu verstehen. Beide stellen eine direkte Beziehung zum Bewussten und eine indirekte Beziehung zum Unbewussten her. willentlich die Geister in sich hineinrufen können und sich der Macht über diese Geister zu eigenen Zwecken bedienen können.“12 Oder der Schamane wird als Exponent der Pathologie seiner „primitiven“ Kultur betrachtet: „Nicht nur die Schamanen stecken tief in Psychopathologie. Nature (1952). Aboriginal (1914). der Schamanen und der Zauberer. speziell dazu. Einigkeit über eine Definition des Schamanismus konnte so in der Ethnologie zwar nicht hergestellt werden. Symbol.Tungus (1935). S. Dieser Feststellung kann die Psychoanalyse… die Hoffnung entnehmen… durch eine Gegenüberstellung ihrer Methoden und Ziele mit denen ihrer großen Vorgänger. Ioan Lewis hält es darüber hinaus aber auch für ein Kennzeichen von Schamanen. Er hielt die Parallelen für so bedeutsam das er feststellte: „Die moderne Form der schamanischen Technik. sondern oft auch das gesamte Laien-Publikum von primitiven Gesellschaften. diese Betrachtungsweise. Ethnopsychiatry (1980). den Schamanen nicht als einen schweren Neurotiker oder gar Psychotiker anzusehen.

S. Hoppal. 24 Vgl.“24 17 Lewis.“19 Ein äußeres Zeichen für die Kraft des Schamanen ist der Schamanenbaum (oft ein Stab).Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen ihn sprechen.“23 Für Claude Levi-Strauss sind die Symbole. c) Einige Ethnologen setzten auf der symbolischen Ebene eines schamanischen Rituales an. Diese drei Regionen sind nicht mit einer christlichen Vorstellung von Hölle. vgl.Zustände unmittelbar ausgedrückt werden können. d. „Die mittlere Welt ist der Wohnsitz des Menschen. Erde. Schamanismus (1975).und Unterweltfahrten herbeigeführt wird.h. Levi-Strauss. die von unterschiedlichen Geistern bewohnt werden („guten“ und „bösen“). Anthropologie (1977). Anthropologie (1977). kommt man wie Mircea Eliade zu folgender Definition: „Eine allererste Definition dieses komplexen Phänomens. 224 18 3 . „Denn die Form des Mythos ist wichtiger als der Inhalt der Erzählung. Heilige Schriften (2007).“21 Nach Mircea Eliade „ist das spezifische Element des Schamanismus nicht die Verkörperung von Geistern durch den Schamanen.20 b) Setzt man bei dem Phänomen der in schamanischen Riten fast immer zutage tretenden Ekstase an.und Unterweltfahrten diesen dreischichtigen Kosmos zu durchstreifen. hat er zumeist auch die Fähigkeit zum mystischen Flug und anderen außerkörperlichen Erfahrungen. im Nabel der Erde. einen Erfahrung in geordneter und verständlicher Form zu erleben. 461. um Macht zu erwerben oder um diejenigen zu diagnostizieren und zu behandeln. Nicolazzi (1995). 21 Eliade. wäre: Schamanismus = Technik der Ekstase. sondern die Ekstase.“17 Um dies besser zu verstehen ist ein kurzer Blick auf den schamanische Kosmos nötig. Schamanismus (1975).“22 Der Schamane erscheint hier als ein Meister der Schwellenerfahrung. „um zu lernen. 208-210. auch Kakar. 22. der sich bei Ritualen oft im Mittelpunkt des Geschehens befindet. S. vgl. S. das heißt zur günstigen Neuordnung jener Reihe.“18 Die Schamanen nun sind dazu befähigt auf ihren Himmels. und vielleicht die am wenigsten gewagte. 14. 116. sie wechseln nicht in die obere oder untere Welt. Einen kurzen Überblick über die Geschichte der BönReligion bietet Frenschkowski. 20 Diese Weltbild der Schamanen hat seinen Ursprung in der Bön Religion (einer vorbuddhistischen schamanischen Religion in Tibet). Dieser teilt sich in drei Regionen. Schamanismus (2007). Schamanen (1994). welche durch die Himmels. 19 Walsch. 116. in der unformulierte und anders nicht formulierbare. 22 Eliade. S. 23 Levi-Strauss. die sonst anarchisch und nicht ausdrückbar bliebe) führt zur Lösung des physiologischen Prozesses. 13-15. 40-42. Schmamanen (1989). S. Die mittlere Welt ist den lebenden und den toten Seelen vorbehalten. eine mittlere und eine obere Welt. Die obere und die untere Welt sind in verschiedene Schichten untergliedert. Claude Levi-Strauss: „Der Schamane gibt seiner Kranken eine Sprache. 217. die Hilfe und Heilung bei ihm suchen. S. die Mythen. Himmel zur Deckung zu bringen. S. Und der Übergang zu dieser sprachlichen Ausdrucksform (die es gleichzeitig ermöglicht. S. Diese vertikale Achse verbindet die Welten miteinander. die in diesem Prozess der Sprachfindung angeboten werden nicht entscheidend. ein riesiger Baum aufragt…. Schamanen (2006). S. in deren Mitte. deren Verlauf die Kranke sich unterwirft. Vgl. in eine untere.

die auf der Grundlage intensiver Feldforschungen im südlichen Zentralasien durchgeführt und ausgewertet wurden. 14 Halifax. S. und es verlangt die Kenntnis der Gegenstände. alles ist beseelt und jedes hat seine eigene Identität. Schamanen (1994). Dabei wurde deutlich. Hymnen und Legenden) hütet. Gebete. 1994 veröffentlichte sie die Ergebnisse dieser Feldforschungsarbeiten in Form einer Monographie29. nicht nur eine frühe Entwicklungsstufe der Religion und nicht nur eine psychomentale Erscheinung. „Schamanentum beinhaltet mehr als das Ausführen vorgeschriebener heiliger Handlungen. 29 Vgl. Indien. sowie mit den Kräften. Pflanzen. Ihr Forschungsschwerpunkt gilt der Ethnomedizin.“26 Mihaly Hoppal hat diese verschiedenen Definitions-Aspekte zu einer überzeugenden Definition zusammenfließen lassen: „Der Schamanismus ist nicht nur eine archaische Ekstasetechnik. dass nur jeweils einzelne Aspekte dieser Definition in der jeweiligen Realität zum Vorschein kommen und andere eine Erweiterung erfahren.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen Vielmehr kommt es darauf an. Schamanen auf dem Dach der Welt (1994). dass sie dazu taugen eine Ordnung in die Widersprüchlichkeiten menschlicher Existenz bringen zu können. diese Reiche verbinden. Es ist eine innige mystische Begegnung mit den Bereichen von Leben und Tod. Schamanen (1983). das die heiligen Texte (Schamanengesänge. 11 27 Hoppal. Eine Tätigkeit als Lehrbeauftragte an der Universität Konstanz schloss sich daran an. die den Schamanen bei der Aneignung der Ekstasetechnik leiten.5. 32f 28 Dr. die Initiation und das heilende Handeln ladakhischer Schamaninnen und Schamanen. in seinen Teilen wie als Ganzes. Schamanen auf dem Dach der Welt Die Ethnologin Dr. Wirklichkeit (1999). die bei der Seance zur Heilung oder zur Wahrsagung benötigt werden. dort führte sie eine Untersuchung zu tibetanisch-ladakhischen Schamanen durch. Sie beschreibt dort ausführlich die Berufung. 26 4 . Amelie. in Varanasi. ein Bewußtsein und Empfindungen. wird sich zeigen. sondern ein komplexes religiöses System. d) Den Stellenwert des empfundenen (nicht wie bei Levi-Strauss behaupteten) Religiösen rücken andere Ethnologen bei einer Definition des Schamanismus in den Mittelpunkt.“27 Bei der Betrachtung dreier Studien. bevor er heilend tätig werden kann. Dieses System umfaßt den Glauben.“25 Die Schamanen begreifen ihre Welt als grundsätzlich personifiziert. Im Allgemeinen treten alle diese Elemente gemeinsam auf. Steine. S. und das Wissen. 25 Halifax. besitzt einen Willen. S. Amelie Schenk28 befragte und beobachtet (1984-1987) 21 Schamaninnen und Schamanen im Ladakh. Bäume. der die Hilfsgeister der Schamanen verehrt. Gewässer. 5. Amelie Schenk lehrte von 1984-1987 an der Benares Hindu University. Leitend wird die Fragestellung bleiben.1. dass ein tibetischer Heiler erst selbst erkranken muss. Schenk. Es beinhaltet die Regeln. „Auch der Kosmos selbst. ob und wie wir die Wirkkräfte seelsorgerlichen Handelns auf der Grundlage eigener Verwundung und Verwundbarkeit hier besser verstehen lernen.

doch mein Neffe hielt mich zurück…. Vgl.unsicher und empfindlich ist. „Ich glaube eine Person die viel grübelt…. dass ich ganz plötzlich.rannte ich fort oder beleidigte und beschimpfte andere ohne Grund. dass der Betroffene zum Schamanen berufen ist. 204. Der Berufene handelt unter einem inneren Zwang. aber auch ihre Familien. Mein Bewusstsein war dann wie fortgetragen. unter diesen Veränderungen leiden und sie z. ja.34 Nach ladakhischem Verständnis haben in solchen Fällen Geistwesen von dem Betroffenen Besitz ergriffen.“32 Lhapa Padma: „Ich wurde dann wie verrückt. S. der sich in eine Gottheit verwandelt hat“31) selbst. wechseln sich ab. 30 Schenk. Man vermutete auch.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen Berufungsleiden „Der Heiler muß erst verwundet werden. 204. Handelt es sich auch um einen „De“ und um einen „Lha“. ist von einer gewöhnlichen Störung auszugehen. Schamanen (1994). Trance (1996). ich sei nun endgültig verrückt geworden.T. als müsste ich die Leute mit allen möglichen Dingen bewerfen. lange nicht zu deuten wissen. nicht 24 Stunden am Tag. 32 zitiert in: Schenk. Ein Schamane hätte nun die Aufgabe diesen Menschen zur Gesundheit zurückzuführen. Stellt es sich heraus. 228. Oft wurde ich dabei auch sehr wütend. Mir wurde übel. die man nach westlichen Maßstäben als Anzeichen für eine schwere psychische Störung benennen könnte. Nur manchmal . Schenk. S. Beide Bewusstseinsmodalitäten vermischen sich in der Person. mal dorthin. Schenk. Trance als Therapie (1996).“ 33 Diese und andere Erinnerungen an die Berufungsleiden zukünftiger Schamaninnen und Schamanen machen deutlich. Dazu zwei rückblickende Äußerungen von Lhapas („Lhapa“ ist die Selbstbezeichnung tibetisch-ladakhischer Schamanen und bedeutet „Mensch. und schließlich verlor ich alle meine Sinne. die als eine mögliche Berufung zum Schamanen betrachtet werden kann. Es kam vor. S. S. In diesem Zustand wollte ich immer…ins Wasser springen. S. um später die Wunden anderer zu heilen. Schamanismus. Lhapa Sonam: „Natürlich war ich nicht jeden Tag verrückt. Nicht jeder Mensch kann nach ladakhischer Auffassung Schamane werden. das was ich gerade tat. 34 Vgl. Grob umrissen kann es sich dabei um ein negatives Geistwesen „De“ oder um ein positives Geistwesen „Lha“ handeln. deutet dies darauf hin. und mir war. 31 5 . Wie ein wütender Irrer lief ich mal hierhin. in die kommt ein Lha mit Leichtigkeit.57. 33 zitiert in: Schenk. wie sehr die Betroffenen. dass es sich ausschließlich um einen „De“ handelt.“30 Eine Krankheit. Schamanen (1994).wie aus heiterem Himmel . erscheint dort zunächst mit Symptomen. 22-58. Ich war vollkommen durcheinander. unterbrach und in einen tiefen Schlaf verfiel. Einmal war ich drauf und dran in den Indus zu springen.

83. Dies erscheint nur auf den ersten Blick widersinnig zu sein. desto eher findet ein Lha in den Betroffenen. Vgl. 28.h. dass man gerne ein Lahpa sein möchte. 205f. Rinpoches (buddhistische Äbte) entscheiden nach tradierten Tests. S.“37 Lamas (buddhistische Mönche) bzw. c) Nur der „De“ wird ausgetrieben und der Umgang mit dem verbleibenden „Lha“ wird eingeübt. 40 Jona wäre hier als eine alttestamentliche Parallele zu nennen. fördernden Umfeld aufwachsen….Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen Ich glaube es hat nichts damit zu tun. Trance.38 Handelt es sich um eine Schamanenkrankheit gibt es drei Möglichkeiten damit umzugehen 39: a) Der Betroffene versucht die Tatsache seiner Berufung zu ignorieren. 37 Hubertus Breuer. Sie ist nach schamanischem Verständnis gefährlich.12. dass viele dieser Kinder ein großes Potential haben . die eine Schamanenausbildung mit sich bringt. Trance. 39 Vgl. dass Menschen mit einer Veranlagung für Depression in fördernden Umfeldern geistig leistungsfähiger sind. S. sie können sich häufig besser konzentrieren. S. die der Lha. So demonstrieren Studien.40 b) Sowohl „De“ wie „Lha“ werden gleichzeitig ausgetrieben. bildet das Schicksal eines Schamanen. eine Schamanenkrankheit handelt.2010. d. Belgien 2006. „Damit tritt der von dem Lha Überwältigte in ein neues Leben ein. Die hat meist schwere Schicksalsschläge.7. 41 Schenk. 38 Vgl.“35 Ein Schamane zu werden ist also keine willentliche Entscheidung. S. SZ. die wenig parkha (spirituelle Kraft) besitzen oder aber gar kein parkha. der seine Bestimmung nicht annimmt ebenfalls eindrücklich ab. Anders ausgedrückt: Bei einem Schamanenkandidaten sollte es sich um eine wenig Ich-starke Persönlichkeit handeln. S. Neuere Untersuchungen legen ein Umdenken in der Entwicklungspsychologie nahe: “Galten Kinder mit einer Veranlagung zu Stressempfindlichkeit. der sich mit Krankheit an dem Betroffenen rächen kann. Depression. Der Film „Khadak“. 58-97. ihr Arbeitsgedächtnis arbeitet effizienter und sie entscheiden reflektierter und gewissenhafter. je schwankender die seelische Verfassung ist.“41 35 Lhapa Sonam. stellt sich jetzt heraus. Trance. je körperlich schwächer. Diese Möglichkeit wird gewählt. Brosens. als Vergleichsgruppen. Schamanen.wenn sie nur in einem emotional unterstützenden. Löwenzahn und Orchidee. Nach den von Amelie Schenk zusammengetragenen Äußerungen von ladakhischen Schamanen hierzu36 läßt sich diese Disposition so beschreiben: Je weniger Lebensenergie. vielmehr beruht die Berufung dazu auch auf einer psychischen Disposition. ob es sich um ein Berufungsleiden. Schenk. Der Lha kommt zu denjenigen. Schamanen. Schenk. weil dies eine Verärgerung des „Lha“ zu Folge haben könnte. wenn die Familie die finanziellen Belastungen nicht auf sich nehmen will.206. zitiert bei: Schenk. bis hin zum eigenen Tod oder dem von Angehörigen zur Folge. 205. zum Folgenden: Schenk. S. Angststörung oder ADHS als von Geburt an belastet. 36 6 . genaugenommen in eine andere Dimension.

119-140 nachzulesen. 47 Lahpa Sonam bei Schenk. Schenk. das „Lhaphok“. Er bereitet sich nun auf die An- 42 Vgl. dass meine Schüler nach vier bis fünf Monaten keine Schmerzen mehr haben. Schamanen (1994). d. „Die ganze Last oft jahrelanger Leiden. die sein Selbstvertrauen stärken wird. d.44 Zu Beginn versetzen sich Ausbilder (ein Lehrschamane) und Auszubildender gleichermaßen in einen Trancezustand45. 107. 48 Schenk. der Trennungszeremonie herumsprechen. Ich… stand eine lange Leidenszeit durch. Durch die Anwesenheit anderer wird sich der Erfolg. 45 Wie dieser Zustand zu charakterisieren ist werde ich weiter unten genauer darlegen.“46 Die Trennung von „De“ und „Lha“ ist kein einmaliger Akt. S. S. S.“47 Der zukünftige Schamane tritt jetzt in eine weitere Phase der Ausbildung ein. 44 Schenk. Schamanen (1994). Ich achte darauf. 98f. dass er einmal weitgehend geheilt werden wird. Sie erfolgt über einen längeren Zeitraum. Die Zeremonie findet im Beisein der Eltern und jeweils fünf Jungen und fünf Mädchen statt. dass sich nicht mehr der „De“ sondern der „Lha“ im Auszubildenden durchsetzt. 43 7 .h.43 Sie soll mit dazu beitragen. S. Es kann ihm Gewissheit geben. dass der Schüler einen Bund mit seinem Lha schließt. auch zu meistern. so er sich eingestellt hat. so die Überzeugung der Bewohner des Ladakh. Schamanen (1994). ist der zukünftige Schamane in der Lage die Prüfungsaufgaben. Schamanen (1994). Schamanen (1994). Vor der Trennung von lha und de ist es sehr schmerzhaft.42 Die entscheidende Einweihungszeremonie bei der Ausbildung zum Schamanen stellt eine Trennungszeremonie dar. denn nur wenn sich der „Lha“ durchsetzt. der Transformation vollzieht sich ohne aktives zutun von Ausbilder und Auszubildenden. Eine ausführliche Darstellung einer solche Trennungszeremonie ist in Schenk. d. „Lha“ heißt „Gottheit“ und „phok“ so viel „Gabe“48. so einer Kommunikation der „Lhas“ untereinander. damit der Schamane für andere heilsam werden kann.h. Er muss lernen seinen Umgang mit Lha zu kontrollieren. Sie hat zugleich aber auch die Qualität einer Prüfung. er muss das Eindringen des Lha in seinen Körper akzeptieren lernen und Methoden erlernen. die er dann zu erledigen hat.h. Erst wenn er seine Erkrankung integriert hat. „Ehe lha und de gesondert waren. 46 Schenk. danach aber ist es verhältnismäßig einfach. Der zukünftige Schamane erfährt so eine kulturelle Bestätigung. wie er bewusst dieses Eindringen steuern kann. S. kann er wirksam werden. S. Zweifel und Unsicherheit ist jetzt von ihm genommen. Der „Lha“ des Lehrschamanen soll dabei den „Lha“ des Auszubildenden herbeirufen und ihn lehren. Schamanen (1994). ein Teil der Ausbildung. Es kommt hier also. mußte ich viel durchmachen.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen Ausbildungsgeschehen Deutlich ist. dass es zu einer Transformation des Berufungsleidens kommen muss. 103.101. 103 zitiert. Die Ausbildung zielt drauf ab.

Er sensibilisiert sich so für Dinge. S. Vgl. in denen sich die Träumenden selbst als Heilerinnen oder Heiler sehen. Sakti. 209.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen nahme der Gabe vor. Diese werden dann von einem Lahma oder einem Schamanen gedeutet. sich aus dem Umfeld der Dorfgemeinschaft heraus zu begeben. Dazu gehören der Besuch von heiligen Stätten (Pilgerfahrten) und der Kontakt zu heiligen Personen (besonders angesehenen Äbten oder Schamanen). die zunächst 10. Takthok. der ein weiterer Ausweis der Meisterung des „Lha“-Zustandes ist und gleichzeitig wird die 49 Mit Prostrationen ist das sich mit dem ganzen Körper auf die Erde werfen gemeint. Schamanismus (1994). Sumda. den Buddhismus. Der Kandidat steigert so sicher auch seine persönlichen Ängste mit den „Geistern“ alleine zu bleiben. Schenk. Gleichzeitig macht er aber auch die Erfahrung. 19ff. Die Pilgerfahrten richten das Augenmerk des zukünftigen Schamanen auf die Welt der institutionalisierten Religion.51 Die Abkehr von den äußeren Menschen ist also als eine Zuwendung zum eigenen inneren Menschen zu verstehen. scheint eine ähnliche Struktur aufzuweisen (vgl. Die Begegnung Jesu mit dem Teufel in der Wüste. Basgo und besuchte die Rinpoches von Hemis. dazu das Kapitel 6.52 Einen anderen Schwerpunkt dieser inneren Reinigung bildet die Konzentration auf das Heilige. Wohin sie sich auch weiterhin mindestens einmal im Jahr z.000 mal drei verschiedene Mantras (also insgesamt 30. dass sich eine Verwandlung bereits vollzogen habe oder sich Bahn breche. Bei jeder Begegnung erhalten sie einen neuen Ritualgegenstand. S. Trance (1996). Schenk. Mönche (1995). Trance (1996). Vgl. vermögen im Schamanenschüler das Gefühl verstärken.000 Prostrationen49 hinter sich brachte und dann 10.“ 53 Die Klöster und die Begegnung mit den Äbten haben oftmals eine große Wirkung auf die Schamanenschüler. S. „Damals ging ich auf Pilgerfahrt nach Chiling. Thikse. die dann eine Deutung erfahren. Hier erfahren sie Bestätigung und Autorisierung54. er öffnet sich für das Göttliche. Niccolazzi. Handlungen. Bewegungsabläufe. 109. Amelie Schenk berichtet von einer Schamanenschülerin. Dies geschieht durch verschiedene Formen der inneren Reinigung. unerträgliche Vorstellungen und Erlebnisse teilweise integrieren zu können. 50 8 . 54 Auf diese Art und Weise zähmen die buddhistischen Klöster im Ladakh die schamanistischen Elemente der alten Bön-Religion und integrieren sie. wenn er längere Zeit in Abgeschiedenheit gelebt hat.T. Mt 4. Von der Selbstsorge des Seelsorgenden 52 Vgl. werden so in ihrem Selbstvertrauen gestärkt. Auch kam an all diesen Orten der Lha zu mir. 1-11). Meistens sind es Träume. diese Situation überstanden und gestaltet zu haben. die dem normalen Auge verborgen bleiben. Während dieser Zeit aß sie sehr wenig und zog sich in eine Einsiedelei zurück.50 Man wird dieses Handeln sicher auch als eine Art Selbstsorge verstehen können. 51 Vgl. 53 Lhamo Chorol zitiert bei Schenk. Stakna und den Kushok Bakula von Spituk.3. sogar für sechs Monate zur Meditation zurückzieht. 207-209. Alle diese Äbte testeten und segneten mich. Dazu gehören auch Träume und Visionen. Dazu gehört auch der Wunsch dich abzusondern. S. Ein erster Weg zur inneren Reinigung eröffnet sich durch die Konzentration auf monotone Rhythmen. Die Träume. oder ein „Lha“ als ein Beschützer der Träumenden erscheint.000) aufsagte. Aus einer solchen Phase wird der Schamanenanwärter gestärkt hervorgehen und gelernt haben.

Schamanismus. Diese vorbereitenden Übungen sind maßgeblich daran beteiligt. in der er orakelt und heilt.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen Bindung des zukünftigen Schamanen an den Buddhismus gestärkt. denn sobald 55 Vgl. Trance (1996). der eine narkotisierende Wirkung hat. die das Trancegeschehen begleiten. 114.55 Schamanen arbeiten im Ladakh immer im Rahmen eines religiös-institutionalisierten Gefüges. 108. gehört zunächst einmal die Bereitung des Raumes. So stellt z. denn dies das Ziel der Trance. Daran anschließend kommen weitere Dinge und Verfahren zur Anwendung.“56 Zum Erlernen einen Trancezustand kontrolliert herbeiführen zu können. S. Phänomene die einen Verlust des Körpergefühls beschreiben. Atembeklemmungen beschrieben62. Trance (1996) S.57 Der Schamane legt seine Ritualkleidung an. Sie ist quasi der Schrittmacher der Trance. Reise (1999). S. eine mit Wohlgerüchen gefüllte Muschel die Auslöschung des Geruchssinnes dar. ebenso werden die Ritualutensilien bereitgelegt. 56 9 . S. wenn der Trancezustand erreicht ist. daß der Schüler später lernt. so etwas wie eine Atmosphäre außer der Zeit zu schaffen.“61 Beim Einsetzen der Trance kommt es zu körperlichen Reaktionen des Schamanen. vgl.210f. Waschungen werden durchgeführt. Die Geschwindigkeit der Trommelschläge nimmt kontinuierlich zu und bricht ab.“60 Er wird zum Mittler zwischen den Dimensionen. die die Auslöschung menschlicher Wahrnehmungsformen symbolisieren. 210. Schamanismus (1994). „Furcht und Erstaunen erzeugen jene heilige Atmosphäre. 59 Vgl. Ihm wird klar. die die Zuschauer und die Patienten in ihren Bann ziehen. Schamanismus (1994). Schenk. Trance (1996). in Trance zu gehen.B. S. eine enge Welt.59 Auch auf die Patienten haben die „Hilfsmittel“ eine unmittelbare Wirkung. Schamanismus (1994). „Rufe ich den Lha. Auf dem Altar befinden sich Gegenstände. dann habe ich anfangs Schwierigkeiten. 61 Schenk. 163. „Der Schamane ist tatsächlich in der Lage. Unter anderem werden Gefühllosigkeit im ganzen Körper. 57 Vgl. S. 207. Druckgefühle im ganzen Körper. störenden und hemmenden Gedanken. 169. Der Schamane schafft mit ihnen eine Atmosphäre. umgeben von Dimensionen und Wesen höherer Qualität. Hyperventilation wird eingesetzt. Körpersteifheit.“58 Ein anderes wichtiges Hilfsmittel ist die Trommel. bis die Trance voll erreicht ist. Ein Altar wird aufgebaut. Schenk. um Reinheit zu symbolisieren. 58 Schenk. Schenk. dass die materielle Welt nur eine untergeordnete Welt ist. wird in großen Mengen abgebrannt. verstärkt sich die Kurzatmung solange. „Während des Rezitierens von Mantras. um in den Trancezustand zu gelangen: Weihrauch. des Singen von Gebeten. S. „Durch beide Methoden versiegen alle dem nun folgenden Ausbildungsgang widerstrebenden. Schenk. die den Patienten aufschließt für eine Begegnung mit nichtmenschlichen Wesenheiten…. 60 Schenk. hierzu auch das Kapitel 7 zur Triangularität dieser Arbeit 62 Schenk. S. 237.

dass diese Leere eine Abwesenheit des eigenen Bewusstseins zum Ausdruck bringt. S. dann werde ich leer. 207. d. Trance. S. 170. Dies erklärt auch das Phänomen. empfiehlt der Lha. zitiert bei Schenk. sondern einem höheren Wesen in sich selbst Platz zu machen und ihm so die Möglichkeit zu geben. Die innere Leere ist also die Grundbedingung dafür. Er findet aber durch den beschriebenen Transformati63 Lahpa Sonam. ist mein Körper.“63 Auf dem Höhepunkt der Trance tritt der Schamane dann in eine innere Leere ein. dass sich der Schamane nach Beendigung des Trancezustandes an nichts mehr zu erinnern vermag.h. Schamanismus (1994). auf der sich der „Lha“ und seine Wahrheiten. Der Tranceprozess dient einem praktischen Vorgang. Schenk. 66 Lahpa Tamdin. Das einzige. zitiert bei Schenk. was er sagt.“ 67 Hier stellen sich Ähnlichkeiten zur Mystik. Schamanismus (1994). den du sich bewegen siehst. was er tut. denn zu Beginn der Ausbildung ist der angehende Schamane von solchen Geistern (guten oder auch bösen) überflutet worden. Doch die Leere erreichen bedeutet für den Auszubildenden. „Das Ziel der Ausbildung ist… die innere Leere. was von mir bleibt. dass ein guter Geist in ihn einfahren wird. kommt ein Ratsuchender. 67 Schenk. Alles was geschieht. 114. ein Versagen oder Verschwinden der Ich-Persönlichkeit und des kulturgeprägten Menschen. Die Maßnahmen zur Unterstützung seines Selbstbewusstseins während der Ausbildung sind also ausgesprochen nötig. als ob mich einer zusammendrückt.68 Mit der Ausbildung zum Schamanen sind beileibe aber nicht alle ursprünglich vorhandenen psychischen und sozialen Probleme behoben. Schamanismus (1994). macht eine intensive Bearbeitung von Ängsten notwendig. S. Ein Schamane findet keine vollständige Heilung von seiner Berufungskrankheit. „Ich glaube man kann soweit gehen und sagen. 64 10 . nicht selbst zu verwirklichen. wohl aber in der Absicht die diesem Zugrunde liegt. ein Gebet oder ein Opferritual durchzuführen. den Eintritt Gottes vermag er nicht zu steuern. Prophezeiungen und Deutungen. heilt der Lha. 170. also eine äußerste Form von Verletzlichkeit.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen ich den Altar vorbereite… bekomme ich Atembeklemmungen… und es ist.“64 Von jetzt an geschieht alles unabhängig von einem vielleicht auch schwach vorhandenen Bewusstsein des Schamanen selbst. Heilung und Rat zukommen zu lassen. ist Werk des Lha. eine Projektionsfläche zu sein. dass sich eine Inkorporation eines Gottes/Geistes einstellen kann. S. 65 Dieser vollständige Kontrollverlust. Ich kann mich an nichts erinnern. Kommt ein Kranker. aber alles. von hinten und von vorne. Er tut und sagt jetzt Dinge zu denen er im Wachzustand nicht in der Lage wäre. Die innere Leere vermag der Schamane selbst herzustellen. den Mitmenschen.65 „Steigt der Lha herab. 68 Darauf und auf Parallelen zum Phänomen der Intuition werde ich im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher eingehen. ich bin nicht mehr ich selbst und weiß auch nichts mehr. zum Verständnis von Gebet und zu Grundeinsichten nahezu aller therapeutischen Verfahren eine. ungetrübt entfalten können. also ein Gefühl der Zeitlosigkeit entsteht. ist das Werk des Lha. das von einem Lama besorgt werden solle. ohne den Eintritt steuern zu können und ohne das Vertrauen darauf.“66 In dem Erreichen eines Zustandes innerer Leere unterscheidet sich der Schamanismus nicht vom Buddhismus.

in Anlehnung an Schenk.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen onsprozess ein Weg im Umgang damit und vermag dieses Leiden für andere produktiv zu machen. es nützt allen Abbildung: Entwicklungsgang eines ladakhischen Schamanen. es ist oft schmerzhaft. 213 69 Lahmo Chorol. … Ich habe unzählige Prostrationen gemacht. Aber ich denke mir. Jörg Keßen (2011). Mehr hat man mir nicht empfohlen. ich fühle mich nicht besser als vorher. 204 11 . Trance (1996). und ich weiß auch nicht mehr was ich machen soll. zitiert bei Schenk. ist nicht einfach. S. unzählige Male das Skyabdo-Mantra aufgesagt. „Ob es jetzt besser ist? Nein. Schamanismus (1994). S.“ 69 Oder: „Ein Lahmo zu sein.

2008 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Luzern zugesprochen. 74 Vgl. S. die ihre Forschungsergebnisse bündelt. kümmert sich um den Altaraufbau.G. 73 Prof. Nach langjährigen Feldforschungen bei den Quechua-sprachigen Indianern der Kallawaya-Region in den Anden Boliviens mit Vergleichsforschung in Süd-Peru und am Titicacasee. sondern an der Schamanenkrankheit. weiß um seine selbst erfahrenen Leiden. Man könnte sagen der Schamane begibt sich während einer Trance vollständig in die Hände anderer. ehe nach und nach deutlich wird. Diese Menschen werden stets erst für Verrückt gehalten. Rösing.72 Der Schamane bleibt auch während des Rituals verletzbar. bei denen gerade der Schamane erhebliche Verletzung erfahren kann. Schamanismus (1994). 198. sorgt aber auch dafür. er übereignet sich. Ina Rösing leitete bis zu ihrer Emeritierung das Institut für Kulturanthropologie am Universitätsklinikum Ulm.1.“70 Einen weiteren kleinen Aspekt zum Thema kann noch die Betrachtung der Anwesenheit von Helfern bei den Tranceritualen beitragen. 5. Auch verfügt der Helfer über Techniken.2. Diesem Helfer kommen eine ganze Reihe von praktischen Funktionen während und bei der Vorbereitung des Rituales zu. Sie veröffentlichte im Jahr 2003 hierzu eine Monographie. Ina Rösing73. Dr.5. Dr. die er nicht vollständig beseitigt findet und wird mit alle dem gerade so hilfreich. die den Schamanen aus seiner Trance herauszuholen vermögen. Schamanismus (1994). Besessenheit und Amnesie Die Kulturanthropologin Prof. oft auch gewaltsamen Aktionen“71. Er ordnet die Patienten.74 Dabei bestätigt sie durch ihre Feldforschungen zunächst die Ergebnisse von Amelie Schenk zum Berufungsleiden der Schamanen. durch das Eingehen eines vollständigen Kontrollverlustes und der Notwenigkeit von Helfern. 182. Schamanismus (1994). erforschte im Zeitraum von 1993-2001 Heilungsrituale im Ladakh. dass der Schamane nicht während des Rituals zu Schaden kommt.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen Menschen und Tieren. „Heftigkeit und Unkontrolliertheit während der Trance… führen häufig zu unberechenbaren.204 Schenk. dass sie nicht an einem beliebigen ‚normalen‘ Wahnsinn leiden. Trance. Trance (2003) 71 12 .1. „Die Berufungsgeschichten ladakhischer Schamanen. Jung). schlossen sich Feldforschung im tibetischen Kulturraum des Himalajas speziell bei den Changpa-Nomaden in Changthang an der Grenze zu China an. deshalb finde ich mich damit ab. 72 Schenk. Sie ist Psychotherapeutin (Integrative Therapie. was er manchmal nicht von alleine bewerkstelligen kann. schaltet seine Eigeninteressen aus. S. Die Krankheit besteht in 70 Lahmo Tsering.… enthalten immer wieder die gleichen Elemente…. auch wenn ich Schmerzen erdulden muss. S. C. zitiert bei Schenk. die ihn vor Selbstverletzungen schützen und eine Rückkehr aus der Trance herbeiführen können.

um den Patienten stärken zu können. begleitend vollzieht der zukünftige Schamane eine intensive und reinigende Frömmigkeitspraxis. 78 Rösing.137f. 96. aber sie bleibt auch nicht unverändert. Heiler (2007). 198.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen dem dramatischen Kampf zwischen einem lha. Der Schamane wird zu einem geliehenen Leib. Auch das Wesen der Trance beschreibt sie ähnlich wie Amelie Schenk.76 „Es ist eine sorgfältige. S. über die der Schamane verfügen sollte. S. Trance (2003). 80 Rösing. Trance (2003). S. S. darauf folgend die Lehre (unter Trance) bei einem Schamanen. präzise kontrollierte.79 Ein wichtiges Moment stellt dabei die möglichst geringe spirituelle Kraft dar. den er an eine Gottheit ausleiht. Der Schamane muss schwach bleiben.“81 Man könnte sagen: Ein Schamane muss in hohem Maße durchlässig (und damit auch zutiefst verletzlich) bleiben. wird sicher noch im Laufe dieser Arbeit näher betrachtet werden müssen. 142. Sie wird unter die Kontrolle des Heilers gestellt und damit transformiert zu dem Medium. die ihn besetzt.“75 Auch die Forschungsergebnisse von Amelie Schenk in Bezug auf die Ausbildungspraxis eines Schamanen werden von ihr bestätigt: Dem Berufungsleiden folgt die Prüfung durch einen Rinpoche. einer Gottheit. Trance (2003). und den de. auf der anderen Seite sie „der eigentliche Fokus der Heilung: Es wird immer auch oder ganz wesentlich darum gehen. welchen den ganzen Körper besetzen will. die spirituelle Kraft des Patienten zu stärken. 76 13 . 77 Rösing. S. denn nur so können die Kräfte der Gottheit das Gegenüber heilen. Trance (2003). 116. 140. S. Ganz real war der Schamane verwundet.das ist es. Nur wenn diese niedrig ist. In einer Seance wird die Wunde oder Krankheit. um heilen zu können. Die untersucht daran anschließend intensiv das Phänomen der Amnesie nach vollzogener Heilung unter Trance und bestätigt letztlich die Plausibilität dieses Phänomens. 120. 82 Rösing. Ina Rösing untersucht daran anschließend intensiv das Phänomen der Amnesie nach vollzogener Heilung unter Trance und bestätigt letztlich die Plausibilität dieses Phänomens. unter dem dort geheilt wird. den Dämonen. denn der Antwort sein sollte. bewußt eingeleitete Trance und ein sorgfältig ausgestalteter Ausstieg aus der Trance . S. 79 Rösing. am ‚Wahnsinn‘ erkrankt. Ob Seelsorge vor diesem Hintergrund nicht eher eine Wissenschaft der Frage. Rösing. Dem will ich hier aber nicht weiter nachgehen.82 Diese Amnesie führt nunmehr erneut in Paradoxien: 75 Rösing. kann der „Lha“ den Körper besetzen. 81 Rösing. wozu der sogenannte „Wahnsinn“ transformiert wurde.“77 „In dieser Kultur wird die erlittene Krankheit des Heilers nicht geheilt.80 Dies führt zu einer paradoxen anmutenden Praxis: Auf der einen Seite muss der Schamane über eine geringe spirituelle Kraft verfügen. 117.“78 Anders ausgedrückt ist es Bestandteil und Ziel der Ausbildung seine eigene Wunde als Heiler offen zu halten. Trance (2003). S. vorübergehend gewissermaßen ‚zurückgeholt‘ und ‚wieder gelebt‘. Trance (2003). Trance (2003).

Sie entziffert83 mithilfe eines Gehilfen eines Schamanen die Botschaften. 85 Dagmar Eigner leitet das Institut für medizinische Anthropologie der medizinischen Universität Wien. die sich in diesen Gesängen verbergen. die Dagmar Eigner zusammenträgt.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen . Trance (2003). Hierzu hat sie 24 Monate in Form von Feldforschungsaufenthalten in Nepal gelebt und gearbeitet.1. 86 Vgl. Ritual (2001). ihr müsst euer Bewusstsein reinigen. Dr. einem dem Ladahk benachbarten Gebiet. Nicht Wissen und Verfügbarkeit bilden die Grundlage schamanischen Heilens. 2001 erschien eine Monographie. ja.“84 Es ist also ein Appell an die Patienten Verantwortung für ihr Leiden zu übernehmen. Sie berichtet z. Schamanen können nicht beliebig lange unter Trance bleiben.5. Imagination Die Anthropologin Prof.Patienten Beziehung im west-östlichen Vergleich. Wenn ihr euer Bewusstsein nicht lenkt. nicht als Handelnder. Die Lehre erfolgt schließlich unter Trance und ist damit nicht erinnerbar. müssen. . Auch sie stellt ein Berufungsleiden fest. Den Kern der Botschaften fasst sie wie folgt zusammen: „Ihr seid für euch selbst verantwortlich. Ritual. Drama. von einer Schamanin: „Sie befiehl ein merkwürdige. Einer Ihrer Forschungsschwerpunkte bildet die Untersuchung der Arzt . 5.U. sondern auch hier wieder ein möglichst hohes Maß an Durchlässigkeit für die Wirkkraft einer Gottheit. Eigner. aber auch darin begründet ist. welches Schamanen zunächst durchleben müssen. 14 . schnell wieder entzieht. Er verfügt wohl über ein traditionelles Krankheitswissen. die nur der an seinem Schamanen gewöhnte Helfer übersetzen kann. .B. einzusehen. letztlich aber nicht um ein Wissen um die Heilung. dass die Gottheit nicht gezwungen werden kann und sich u.86 Die Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit. bestätigen zunächst die Resultate der Arbeiten von Amelie Schenk und Ina Rösing. dann ist die Hölle in euch. dass sie selbst zu ihrer Heilung beitragen können. Immer wieder trat 83 Die Schamanen sprechen in Trance eine nicht verständliche Sprache. 84 Rösing. die sie während und zur Einleitung der Trance anstimmen.1. Der Schamane versteht sich lediglich als Gefäß für eine Gottheit. was zum einen eine Frage von Kräften ist. S. 210.3.Ein ladakhischer Heiler vermag deshalb sein „Wissen“ nicht zu lehren. Im weiteren Verlauf ihrer Untersuchungen wendet sie sich den Gesängen der Schamanen zu.Der ladakhische Schamane ist ein Heilungsexperte ohne Heilungswissen.Das wirksamste Merkmal im Heilungsgeschehen ist fragil. die ihre Forschungsergebnisse zusammenfasst. Dagmar Eigner85 untersuchte zwischen 1984 und 1994 den Schamanismus in Zentral-Nepal. langandauernde Krankheit.

sondern letztlich durch Anbieten von Nahrung besänftigt. Eigner. 49 90 Vgl. bevor er wieder aus ihm ausfährt und unter Umständen in den Patienten wiedereinfährt. 219.90 Dies findet eine Parallele in dem Wissen. Diese Transformations-Krise wird auch in Zentral Nepal von einem Lehrer begleitet. lässt der Schamane diesen bösen Geist zunächst in sich selbst einfahren. welches in den meisten Therapieformen eingeschlossen ist. S. sondern ihnen einen Ort zu geben. S. das eine psychische Erkrankung nie wirklich geheilt werden kann. den sie mit „stellvertretender Besessenheit“ bezeichnet. Eigner. 214ff. dass diese zerstört werden.“87 Eine sich daran anschließende Transformation dieses Leidens ist auch hier notwendige Voraussetzung für eine Heiltätigkeit. Götter (1999). Bei dem Kampf der Schamanen mit den krankmachenden. der den Schamanenanwärter lehrt.“91 Dies findet eine Parallele in dem Wissen. Eigner. welches in den meisten Therapieformen eingeschlossen ist. 184. Er kennt diesen bösen Geist und vermag ihn so zu bändigen. Eigner. S. Um dies zu bewerkstelligen ist es notwendig die lebensundienlichen Anteile nicht zu verdrängen. Therapie (1994). 75f. S. „ Es geht vor allem um ein Kennenlernen der Geister während der Ausbildungszeit.92 Unter bestimmten Bedingungen stellt der Schamane unter der Trance fest. Dagmar Eigner beobachtet während der Heilrituale einen Vorgang. Bevor der zukünftige Schamane heilend tätig werden kann muss es in dieser Transformations-Krise zu einer Neuintegration der Persönlichkeit kommen. Sie spricht davon. S. Besessenheit (1994). und sie gab unverständliche Worte von sich. „mit den Kräften der spirituellen Welt umzugehen und sich selbst gegen das unheilvolle Wirken der krankheitsverursachenden Geister zu schützen“89. „Zur Zeit der initialen Krise werden neue Strukturen des Seins und des Erlangens von Wissen bereitet. 91 Eigner.46. dass das Durchlaufen dieser Krise mit großen Ängsten und einer vorübergehenden Desorientiertheit verbunden sind. Ritual (2001). 93 Vgl. S. Reinigung und der wachsende Kontakt mit der spirituellen Welt sind die Vorbedingungen für die erfolgreiche Arbeit der Schamanen und Schamaninnen. indem man ihnen Nahrung anbietet. dass die Auseinandersetzung des angehenden Schamanen mit seinen krankmachenden Geistern nicht dazu führt. Er verleiht also dem lebensundienlichen Anteil des zu Heilenden eine Sprache. 92 Vgl.“88 Auch sie macht deutlich. ja lässt ihn durch sich sprechen. das eine psychische Erkrankung durch eine Therapie nie wirklich geheilt werden kann. 50. Ritual (2001). Dazu ist es notwendig den lebens-undienlichen Anteilen einen Ort zu geben. sondern nur gelindert und bewusster erlebt werden wird. hungrigen Geistern während der Heilrituale werden diese nicht zerstört.93 87 Eigner.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen ein unkontrollierbares Zittern des Körpers auf. Ritual (2001). Um den Heilungsprozess zu unterstützen. dass der zu Heilende von einem bösen Geist besessen ist. sondern besänftigt werden. 88 15 . S. Ritual (2001). sondern nur gelindert und dann bewusster erlebt und gesteuert werden kann. so daß sie dann in geeigneter Weise mit ihnen umgehen können. 89 Eigner.

“96 5.Diese Transformation geschieht durch: Innere Reinigung (Isolation. . Pilgerfahrten) Erlernen eines kontrolliert herbeigeführten Trancezustandes. sondern transformiert. indem er sich zum Gefäß für einen „bösen“ Geist macht. Auch dieses findet eine Parallele in der psychotherapeutischen Praxis. Herstellen können einer heiligen Atmosphäre. um dem krankmachenden Geschehen standzuhalten. Angstkontrolle. Öffentliche Anerkennung und Erzeugen einer inneren Leere und Öffnung für einen fremden Geist (Kontrollverlust). . Psychotherapie (1998).Eine Transformation des erfahrenen Leides ist notwendig.4. S. Der Leidende kann den Therapeuten so als dem Mittragenden. Gaetano Benedetti hat daraus das Konzept der „Dualisierung“ gemacht.h. lassen sich. Benedetti. die eigentliche Verwundung bleibt bestehen und wird schließlich in jedem Heilhandeln unter der Heilung erneut aktualisiert. Ertrag Aus den hier analysierten Studien zum Schamanismus in unterschiedlichen Regionen des Himalayas. eine Dualisierung des Leides.Die Ursache dieses Leidens wird nicht vollständig beseitigt. auf dem Hintergrund des Seelsorgegeschehens. dass er diese zu teilen beginnt. Er regt beim Patienten eine Art Mimesis an: Mein Gegenüber wird mit dem bösen Geist fertig. um sie im Patienten zu stärken. .1. folgende weiterführende Aspekte festhalten: . als Gefährten. 278f.Unter dem Heilungshandeln wird an die Eigenverantwortlichkeit der Patienten appelliert.1. kann der Heiler in sich selbst eine stellvertretende Besessenheit. . 94 Ich werde dieses weiter unten noch ausführlicher darstellen.Wenn diese Eigenverantwortlichkeit erheblich eingeschränkt ist. um ihn vorzuverdauen und dem Patienten wieder zuzueignen. Ritual (2001). . 141ff. dann ist mir selbst das auch möglich. macht sich verletzbar. um hilfreich werden zu können. . um zum Heilenden berufen zu sein. 96 Eigner. als Seite der eigenen Existenz erleben.Die spirituelle Kraft eines Heilenden muss schwach bleiben.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen Der Schamane geht auch hier ein hohes Risiko ein. D.5. wenn sie über genügend eigene Stärke verfügt. Er tut dies dann. monotone Handlungen.94 Der Therapeut tritt hier in die Welt des Leidenden so ein. wenn er feststellt. hervorrufen. Auch deswegen braucht der Heiler einen Helfer während der Heilzeremonien. Vgl. dass sein Gegenüber nicht aus eigener Kraft seine existentielle Einsamkeit zu durchbrechen vermag. S.95 „Eine Person kann nur dann ein guter Schamane/Therapeut sein. 95 16 . sich ihm ausliefert.Ganz offensichtlich bildet eine intensive Leiderfahrung den Hintergrund.

1. Im nächsten Kapitel wird es nun darum gehen. um sich selbst zu einem Gefäß zu machen sind ihm zugänglich.2.97 .Der eigentliche Heilvorgang ist und bleibt fragil. . noch einmal intensiver nachgegangen 17 .Der Heilende vermag sein eigentliches „Wissen“ nicht zu lehren. er ist lediglich Gefäß für die Gottheit. ob sich ähnliche Transformationsmechanismen in den Biographien zeitgenössischer Therapeuten und Seelsorgern auffinden lassen. nur die Techniken. . denn letztlich bleibt der heilende Geist dem Zugriff des Menschen entzogen.Der Heilende ist hier ein Heilungsexperte ohne Heilwissen. 97 Dem wird unter 7.Promotionsprojekt von Jörg Keßen: „Birg in Deinen Wunden mich“ Die Akzeptanz und Transformation der eigenen Verwundbarkeit als Wirkhilfe im seelsorgerlichen Beziehungsgeschehen Darüber hinaus lässt das bisher Ausgeführte die Frage nach dem eigentlichen Subjekt der Seelsorge stellen.