Friede Deiner Seele, liebe ... ! Was verzagst Du so? Wo ist Dein Glaube?

Verspricht der Herr etwa nicht, denjenigen alles Nötige zu schenken, die das Reich und die Wahrheit Gottes suchen? Prüfe Dich ob Du das wirklich suchst, ob Du an das ewige Leben glaubst und an die Lehre der heiligen orthodoxen Kirche oder genauer an die Lehre des Herrn, wonach jeder Mensch nach dem Tod seinen Lohn nach seinem Glauben und seinen Taten empfängt. Glaubst Du an die Worte des Herrn, daß Dir ohne den Willen des himmlischen Vaters kein Haar vom Haupt fällt? Wenn Du das allles glaubst und dazu noch weißt, daß der Herr die Welt so geliebt hat, daß er seinen Sohn der Schande und dem Kreuz preisgegeben hat, um jeden, der an ihn glaubt, zu retten, dann sollst Du Dich ohne Murren dem Willen des Allmächtigen fügen. Weine nicht über den Verlust Deiner Stelle, sondern darüber, daß wir auf Gottes Liebe mit Murren, Kleinmut, Ungeduld und allerlei Gebotsübertretungen antworten. Sagt ·nicht der Herr selbst, wen er liebe, den bestrafe er und entreiße ihn durch Leiden der Erde? Auf diese Weise hilft er uns, unser Herz nicht nur während der Liturgie emporzuheben, sondern immerdar. Wir haben doch kein Recht, dem Herrn vorzuschreiben was er mit uns tun soll! Wenn wir uns ihm aber fügen' müssen, hören wir auf, zu murren und irdische Unbilden zu beweinen und beweinen unsere Sünden, unsere ständigen Übertretungen seiner Gebote, unseren Kleinmut, unseren Unglauben, unsere Gefühllosigkeit, mit denen wir den Herrn Tag für Tag beleidigen. Sehen wir indes unsere Sünden nicht, sollen wir um so mehr weinen, da unsere Seele sich verhärtet und verfinstert hat und unser inneres Auge erblindet ist. Verneigen wir uns bis zur Erde und bitten wir den Herrn: "Gibt mir, meine Sünden zu sehen!" Und wenn wir uns durch Reue läutern, werden wir sehen, daß die uns herabgesandten Leiden ein Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit und Liebe sind; wir werden erkennen, daß wir diese Leiden mehr benötigen als alle irdischen Güter. Die Mutter des Herrn, "reiner als die Kerubim und ungleich ruhmvoller als die Serafirn", wie es im Gebet heißt, hat ein solches Leid erlitten, neben dem Deine schlimmsten Leiden nichts sind. Zudem läßt der Herr keine Versuchungen und Leiden auf uns zukommen die unsere Kräfte übersteigen. Du hast noch nicht bis aufs Blut gekämpft, ja, hast Du überhaupt den Feind, hast Du Deine Leidenschaften bekämpft? Hast Du nicht in den Tag hinein gelebt, hast Du nicht Deine Nächsten verletzt, hast Du nicht grob, nicht geschwätzig gewesen usw.?

Überprüfe Dein ganzes Leben im Gebet bereue Deine Vergangenheit aufrichtig und mit Tränen, gelobe dem Herrn, alle Deine Kräfte im Kampf gegen die Sünde einzusetzen. Arbeite an dieser Aufgabe, und bald wirst Du Gottes Gnade spüren, ja ihm vielleicht aus voller Seele für die erduldeten Leiden danken. Übe Demut vor dem Herrn und vor den Menschen. ( ... ) Verzweifle nicht, erdulde den Herrn, beweine Deine Sünden, Deinen Kleinmut, Deinen mangelnden Glauben an Gottes Vorsehung, und der Herr wird Dich trösten. Vergib mir, bete für mich. Der Herr segne, erleuchte und tröste Dich.

http://www.scribd.com/doc/27159986/Briefe-Eines-Russischen-Starzen-anSeine-Geistlichen-Kinder

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