Hugin Freiherr von Greim

Der Germanische Jahreslauf

Institut für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung

Hugin Freiherr von Greim

Der Germanische Jahreslauf

(c)Institut für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung 1.Auflage (03/2010)

Inhalt:
· 1. Der Jahreskreis · 1.1. Entstehung und Hintergrund · 1.6. Die Berechnung der Mondfeste · 1.2. Sonnen- und Mondfeste · 1.7. Die Zeitpunkte der Sonnenfeste · 1.3. Die heutige Bedeutung heidnischer · 1.8. Astronomische Grundlagen Feste · 1.4. Was Jahresfeste mit Magie zu tun haben · 2. Heidnische Ursprünge anderer Festbräuche · 2.1. Die Adventszeit · 1.5. Die acht Jahresfeste · 2.2. Der Nikolaus · 1.5.1. Samhain (Totenfest) · 2.3. Die Rauhnächte · 1.5.2. Jul (Mittwinter) · 2.4. Silvester · 1.5.3. Imbolc (Lichterfest) · 2.5. Das Perchtenfest · 1.5.4. Ostara (Frühlingsfest) · 1.5.5. Beltane (Feuerfest) · 3. Sabbat und Esbat · 1.5.6. Litha (Mittsommer) · 1.5.7. Lughnasad (Schnitterfest) · 1.5.8. Mabonad (Herbstfest)

1. Der Jahreskreis
1.1. Entstehung und Hintergrund Dem Jahreszeitenzyklus war jede Tätigkeit auf dem Bauernhof (bishin zum Geschichtenerzählen) untergeordnet. Daraus resultierte die Beschaffung von Nahrung, Wärme, Kleidung, Vorräten und allem, was man zum Überleben brauchte. Das Zusammentreffen der jungen Leute, Werbung, Hochzeit und Familiengründung war ebenfalls saisonbedingt. Die glanzvollen Versammlungen zu den Jahreszeitenfesten mit ihren religiösen, politischen, sportlichen und künstlerischen Veranstaltungen und den Gelegenheiten zu Handel und Vergnügen belebten das Zugehörigkeitsgefühl und erneuerten periodisch den Zusammenhalt eines ganzen Volkes. Diese Feste, welche den Wechsel und den Höhepunkt der Jahreszeiten feierten, waren so tief im Glauben der Heiden verwurzelt, daß sogar die christliche Kirche nicht anders konnte, als sie sich zu eigen zu machen, obwohl das ursprüngliche Christentum überhaupt keine Feiertage hatte und diese auch nicht wollte. Aber die christianisierten Menschen wollten an ihren heidnischen Bräuchen und Festen festhalten, die ihnen so viel Freude bereiteten. Also blieb der Kirche nichts anderes übrig, als sich diese heidnischen Dinge zu eigen zu machen und mit einem christlichen Deckmantel zu verbrämen. Deshalb ähneln viele christliche Feiertage den heidnischen Jahresfesten in Zeitpunkt und Bräuchen sehr auffällig. Aber es ist im Grunde alles nur geklaut, um den "missionierten" Menschen, welche ihre geliebten Traditionen nicht aufgeben wollten, bei ihren Feiern einen christlichen Hintergrund aufzuzwingen. Durch den Vorwurf der Teufelsanbetung versuchte man die Menschen vergeblich von den magischen Riten und traditionellen Bräuchen abzubringen, die aber in Wahrheit natürlich nichts mit dem Teufel zu tun hatten und nicht nur wesentlich älter als das Christentum waren, sondern selbstverständlich auch keinerlei Bezüge zu irgendwelchen von Christen erfundenen Kunstfiguren wie Gott oder Teufel hatten. Es sind auch keine Parodien auf christliche Feste, denn sie sind viel älter, und man muß sich vor Augen halten, daß die Kirche von den Heiden abgeschaut hat und nicht umgekehrt. Außerdem würde ein solches Ansinnen einer "Schwarzen Messe" gleichkommen, und so etwas ist nicht Sinn der heidnischen Jahresfeste, die mit der naturfeindlichen Religion des Christentums nichts zu tun haben und auch nichts zu tun haben wollen.

1.2. Sonnen- und Mondfeste
Das sich ewige Jahresrad dreht sich mit dem Lauf der Sonne. Im Winter (der "Jahresnacht") wird sie nach heidnischem Glauben zur Sonnenwende neu geboren, wächst im Frühling (dem "Jahremorgen") heran, erreicht im Sommer (dem "Jahresmittag") mit der Sonnenwende ihren Höhepunkt, um im Herbst (dem "Jahresabend") langsam zu vergehen, am Herbstende zu sterben und im Winter wiedergeborgen zu werden, ein ewiger Kreislauf. Die Drehung des Jahresrades ist zeitlos und endet nie.

Die anderen vier Feiertage sind die Hauptfeste, und als Mondfeste, die immer zu einem bestimmten Voll- oder Neumond im Jahr begangen werden, sind sie entsprechend der jeweiligen Mondphasen bewegliche Feiertage, die jedes Jahr auf ein anderes Datum fallen, ähnlich wie heute Ostern. Die Mondfeste sind zwischen den Sonnenfesten angeordnet und wechseln sich mit diesen ab. Sie kennzeichnen die Mitte, beziehungsweise den Höhepunkt einer Jahreszeit und haben landwirtschaftliche und mythologische Bedeutung, zum Beispiel die spirituelle Vorbereitung auf die nächste Jahreszeit. Die Mondfeste sind keltischen Ursprungs und wurden anfangs nur von den Kelten gefeiert. Wo sich keltische und germanische Kultur vermischten, wurden sie aber auch von den Germanen übernommen und gehören hier, auch wenn ihre geläufigen Namen aus Irland kommen, zur einheimischen heidnischen Tradition. Ob und wann sich die germanische und die keltische Tradition durch Einwanderungen verband, ist nicht mehr feststellbar. Der Zyklus der acht Jahresfeste ist eigentlich ein relativ modernes Kunstprodukt aus den vier keltischen Mondfesten und den vier germanischen Sonnenfesten und wird erst seit ca. 150 Jahren von Okkultisten in dieser Kombination gefeiert. Aber er ist sehr kraftvoll. Die Gegenüberstellung des Mondes, der mit Attributen wie weiblich, Spiritualität, Emotion, Gefühl, Intuition und Passivität in Zusammenhang gebracht wird, mit der Sonne, die als männlich gilt, und der Materialität, Rationalität, Logik, Verstand und Aktivität zugeschrieben werden, stellt eine Polarität dar, im Jahresrad ein ewiger Wechsel und doch gleichzeitig eine untrennbare Einheit. Die acht großen Jahresfeste sind im einzelnen: Festname: Samhain Jul Imbolc Ostara Beltane Litha Bedeutung: Totenfest, Neumondfest Mittwinter, Wintersonnenwendfest Lichterfest, Vollmondfest Frühlingsfest, Vogelfest, Frühlings-Äquinoktium (Sonnenfest) Feuerfest, Vollmondfest Eichenfest, Mittsommer, Sommersonnenwendfest Herbstfest, Weinfest, Erntefest, Herbst-Äquinoktium (Sonnenfest) Datum: um den 31. Oktober 21. Dezember um den 1. Februar 21. März um den 30. April 21. Juni um den 31. Juli 23. September

Lughnasad Kornfest, Schnitterfest, Erntefest, Vollmondfest Mabonad

Diese Feste werden im weiteren Verlauf noch detailliert beschrieben. Zwischen jedem der einzelnen Feste liegt ein variabler Abstand von ungefähr sechseinhalb Wochen. Allgemein halten sich viele Kulturen daran, daß die Feiertage bei Sonnenuntergang

anfangen und erst mit dem nächsten Sonnenuntergang enden. Daher beginnt zum Beispiel Jul am Abend des 21. Dezembers und läuft durch den Tag des 22. Dezembers bis zum Sonnenuntergang. Die Ursprünge dessen sind bei den Germanen zu finden, denn bei ihnen begann jeder Zyklus mit Dunkelheit, und deshalb begann auch jeder neue Tag mit Einbruch der Nacht, also bei Sonnenuntergang, des vorherigen Tages und endete am Abend. So ist auch im Frankenland mitunter noch heute der Begriff "vürnächt" für "vorgestern" bekannt. Ebenso begann der Mondmonat mit dem dunklen Neumond. Auch das Jahr begann nach demselben Prinzip mit der dunklen Hälfte, dem Winter, denn man glaubte, daß das Dunkel das Licht in die Welt setzt, der Tag aus der Nacht entsteht und, analog dazu, das Leben aus dem Tod. In keltischer Zeitrechnung begann das Jahr zu Samhain (um den 31. Oktober), in germanischer Tradition nach den Rauhnächten (3. Januar).

1.3. Die heutige Bedeutung heidnischer Feste
Ein Grundgedanke der heidnischen Jahresfeste ist der Einklang mit den Kreisläufen der Natur, deren wichtigster Zyklus der Kreis der Jahreszeiten ist. Spätestens seit der Zeit der Megalithenkultur, deren Bauten nach exakten astronomischen Berechnungen errichtet wurden (zum Beispiel Stonehenge), ist das heidnische Jahr ein Sonnenjahr, das durch die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen gegliedert ist. Die Anfänge (Sonnenfeste) und Höhepunkte (Mondfeste) der vier Jahreszeiten gliedern das Jahr in acht Teile. Sie sind die "acht Speichen am Rad des Jahres". Doch welche Bedeutung haben die alten Jahreszeitenfeste mit ihren Natur- und Fruchtbarkeitsriten heute für einen modernen Menschen in einer technisierten Welt? Viele Menschen feiern heutzutage doch ganz andere Feste, zum Beispiel Weihnachten und Ostern, genießen den l. Mai als zusätzlichen Feiertag, und manche begehen außerdem kirchliche Feste wie Allerheiligen, Lichtmeß, Johannisnacht oder Erntedankfest. Was also hat man noch mit Sonnen- und Mondfesten zu tun, welche die Vegetationszyklen feiern? All die eben aufgeführten Beispiele von Feiertagen sind in Wahrheit alte Jahreszeitenfeste germanischen und keltischen Ursprungs. Es waren tatsächlich heidnische Feiertage, welche von der Kirche zuerst bekämpft und verteufelt und dann, weil im Volk nicht ausrottbar, von dieser übernommen und mit einem christlichen Hintergrund versehen wurden. Aber viele der alten Bräuche haben die Zeiten überdauert. Also schön, wenn man diese Feste ohnehin feiert, wenn vielleicht auch in anderer Form, dann ist ja alles in Ordnung - sollte man meinen. Außerdem erscheinen bäuerliche Fruchtbarkeitsriten als Relikte einer lang vergessenen Zeit und gehören nicht mehr in eine moderne Welt, in welcher alles jederzeit zur Verfügung steht, die Fruchtbarkeit der Erde durch Kunstdünger gelöst zu sein scheint und die Fruchtbarkeit des eigenen Körpers gar nicht immer erwünscht ist. Es gibt aber Menschen, die sehen das ganz anders. Viele Anhänger des Heidentums, des Paganismus, des Asatru, des Wicca, des Hexentums und anderer heidnischen Strömungen betrachten die Jahresfeste als Ausdruck der Verbundenheit mit ihren Ahnen und deren keltischgermanischer Tradition und mit der Natur und ihren Kräften und ihrem Kreislauf. Da sich nach dem magischen Grundsatz "wie oben, so unten" der Makrokosmos Natur im Mikrokosmos Mensch widerspiegelt, kann der bewußtere Umgang mit der Natur eben auch etwas im Menschen selbst bewegen und seine eigenen Kräfte mobilisieren. Die heidnischen Jahresfeste sind eine schöne Möglichkeit dazu.

Was das Ganze nun mit den von der Kirche so verteufelten Fruchtbarkeitsriten zu tun hat, wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, was diese Riten den Menschen von damals oder den heute noch naturverbundenen Menschen bedeutet haben mögen. Die Theorie, daß die Riten und die Magie in einer Zeit oder Kulturstufe, in der die Menschen die wissenschaftlichen Zusammenhänge der Welt noch nicht durchschauen konnten, eine Form der vorwissenschaftlichen Weltbewältigung waren, kann man als längst überholt betrachten, auch wenn sie im 20. Jahrhundert in der populärwissenschaftlichen Literatur noch weit verbreitet war. Einer wesentlich plausibleren, aber nicht endgültig zufriedenstellenden Theorie zufolge, versuchten die Menschen durch Sympathiemagie, die Fruchtbarkeit der Erde anzuregen und den Lauf der Gestirne in der Regel zu halten. Sympathiemagie findet dort statt, wo der Vollzug einer Handlung (Ritual) geschieht, um einen anderen ähnlich strukturierten Vorgang zu erzeugen oder zu verstärken, ohne kausal mit ihm verbunden zu sein. Ein Beispiel wäre, wenn Hexen auf Stecken oder Besen um ein Feld "reiten" und dabei versuchen, möglichst hoch zu springen, damit das Korn ebenso hoch wachsen soll. Der bisher wohl tiefgehendste Erklärungsversuch ist von neueren Ethnologen (Völkerkundlern) gemacht worden und geht davon aus, daß im Fest, im Kult, im Ritual für die Vollziehenden die gängige Realitätsauffassung und -erklärung außer Kraft gesetzt wird, daß der Mensch darin (und nicht nur darin) seine andere, seine unzivilisierte, unkonditionierte Seite erfahren kann und nur aus dieser Erfahrung heraus sich wirklich als "zivilisiert", als ein in die Stammkultur integriertes Wesen erfahren kann. Damit eng zusammen hängt auch die in Festen häufig auftretende Aufhebung aller oder doch vieler Tabus, wovon ein kümmerliches Relikt noch im heutigen Karneval zu finden ist. Das Tabu wird aber nicht zur persönlichen, ungehemmten Vergnügung der Einzelnen aufgehoben, wie oft unterstellt wird. Richtig zelebriert besteht der Einzelne nicht mehr im Zustand eines abgesondertes Bewußtsein, das sich "vergnügen" könnte, sondern ist aufgelöst in den mythischen Zustand des Außer-der-Zeit-Seins, integriert in ein Gruppenbewußtsein. So wertvoll dieser Versuch des Verstehens auch sein mag, so würde sich ein Mensch der damaligen Zeit in diesen Theorien wohl kaum selbst wiedererkennen. Das soll nicht bedeuten, daß die Theorien falsch seien, doch der in den Riten lebende Mensch hat eine mythische Denk-, Fühl-, und Erfahrungsweise, die durch theoretische Hilfskonstruktionen eben nur teilweise nachvollziehbar ist. Doch können diese Theorien zumindest zeigen, daß der moderne Mensch, wie überlegen er sich auch fühlen mag, auf diesem Gebiet der Erfahrung seiner eigenen Ganzheit noch ein Neuling ist. Er hat sehr lange Reifeprozesse nachzuholen, denn seine magische Persönlichkeit, das Unbewußte, muß den weit davongelaufenen, vereinsamten Intellekt wieder einholen, sich mit ihm wieder zur voll integrierten Person vereinigen. Damit soll natürlich die Wichtigkeit und Großartigkeit der intellektuellen Entwicklung nicht in Frage gestellt, sondern lediglich auf ihre Einseitigkeit hingewiesen werden. Die Frage ist nur, wie eine solche Ganzheit zu bewerkstelligen ist. Man kann ja nicht einfach beschließen, ab sofort wieder mythisch zu denken, und die Menschheit kann und sollte auch nicht wieder dahin zurück, wo sie (möglicherweise) vor über tausend Jahren war. Den neuen Mythos wird den Menschen niemand schenken, und man kann ihn auch nicht einfach nachlesen. Man muß ihn sich selbst erarbeiten, ihn erfahren und erleben. Diese Arbeit kann einem niemand abnehmen, und man wird sie sich schon selbst machen müssen - wenn man es will.

1.4. Was Jahresfeste mit Magie zu tun haben
Hinsichtlich Jahresfesten und damit verbundenen magischen Ritualen kommen sehr häufig zwei Irrtümer vor. Der erste ist die Behauptung, daß der moderne Mensch den Jahreskreis und das Erntejahr eigentlich gar nicht richtig nachvollziehen könne, schließlich arbeitet er ja nicht mehr unbedingt auf dem Feld und bezieht statt dessen seine Lebensmittel aus dem Supermarkt. Sicherlich vergißt man dadurch häufig, wo das Essen wirklich herstammt, aber auch in früheren Zeiten gab es schon genügend Menschen, die keine Felder mehr bestellten, weil sie Handwerker, Soldaten, Priester oder an Adelshöfen tätig waren und somit ihre Nahrung nicht direkt durch ihre Arbeit erlangten. Diese haben die Feste jedoch auch schon mitgefeiert - allerdings muß man zugestehen, daß oftmals der Grund dafür der war, daß man außer Arbeit so gut wie keine Freizeit hatte, und man wenigstens zu den Festen andere Menschen treffen konnte, um Erfahrungen und Neuigkeiten auszutauschen oder jemanden kennenzulernen. Der zweite Irrtum besteht in der Annahme, alle Menschen, die Jahresfeste feierten, hätten auch Rituale durchgeführt. Dies war aber - damals wie heute - eher den spirituell lebenden Menschen vorbehalten, nicht der breiten Masse. Schon immer übernahmen dies die Priester stellvertretend für die Allgemeinheit, oder die Magier verfolgten damit ihre eigenen Ziele. Auch diese Personen hatten meist mit dem eigentlichem Jahreslauf der bäuerlichen Ernte nur wenig zu tun. Festrituale sind durchaus magische Rituale, aber sie unterscheiden sich von gewöhnlichen magischen Ritualen dadurch, daß sie nicht an einen übergeordnete Zweck gebunden sind. Ein magisches Ritual, bei dem ein Zauber gewirkt werden soll, dient immer dem Zweck der magischen Operation und ist daher auf diesen ausgerichtet. Bei einem Festritual ist dagegen das Ritual selbst der Zweck, und es werden auch magische Kräfte angerufen, aber es wird in der Regel kein konkreter Zauber im eigentlichen Sinne gewirkt. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, und man kann beides miteinander verbinden, aber normalerweise ist der Sinn eines Festes eben der, es zu feiern und der Zweck des Festrituals die Verbundenheit. Daher eignen sich Festrituale natürlich auch zum "Üben" von Ritualen für den Anfänger, der sich vielleicht nicht gleich an "richtige" magische Operationen heranwagen mag. Das weitgehende Fehlen der Zweckgebundenheit an irgendwelche dahinter- oder darüberstehenden Ziele erschwert natürlich auch die Deutungsversuche überlieferter Traditionen, denn deuten kann man eben dann am besten, wenn irgendwelche über das Konkrete hinausgehende Zwecke unterstellt werden. Wenn man die damaligen Menschen nach dem Grund ihrer Riten gefragt hätte, dann wären sicherlich manche Antworten gewesen, daß die Götter es so wollten oder daß auch die Vorväter jener Menschen das schon immer so gemacht haben etc. Dieser Haltung mag natürlich zum Teil auch mangelnde Reflexion zugrunde liegen, doch gibt sie ebenso wieder, daß solche Riten eben keinem Zweck mehr unterliegen, der über sie selbst hinausgeht. Wie zum Beispiel ein Spiel keinen weiteren Zwecken unterworfen ist, so ist es auch das Festritual nicht. Und wer meint, ein Spiel wäre nur ein "Einüben der lebenswichtigen Verhaltensweisen der Erwachsenen", der hat eben noch nie richtig gespielt. Im Ritual kann man in den völligen Freiraum der Seele gelangen, sozusagen "zwischen die Welten", in einer eigentümlichen Wachheit eines veränderten Bewußtseins, welche die Magier als gnostische Trance bezeichnen. Und in diesem Freiraum kann dann das Archetypische des Menschen erscheinen, kann eine tiefe innere Verbindung und Einbindung des Menschen in den universalen Rhythmus der Natur stattfinden, für manche auch zu den Göttern, die auch nur archetypische Charakterzüge des

Menschen selbst verkörpern. Eben durch das Fehlen eines übergeordneten Zweckes befreit sich der Mensch von seinen persönlichen Ansprüchen und Zielen und macht sich offen und bereit für ein Mitschwingen im großen Reigen der Natur, in dem er einfach so sein darf, wie er wirklich ist. Und es ist großartig, dieses bewußte Erleben mit Gleichgesinnten teilen zu können und gemeinsam zu feiern und sich daran zu erfreuen. In diesem Zustand, der von außen besehen ein anderer Zustand des Bewußtseins sein mag, von "innen" aber ein anderer Zustand der Welt ist, hat der Mensch die magische Einheit mit der Natur erreicht, und in dieser magischen Welt kann im gegenseitigen Mitschwingen auch der Natur ein anderer Impuls gegeben werden, so wie man eine riesige Glocke mit einem kleinen Stab zum Schwingen bringen kann, indem man sie im rechten Rhythmus immer wieder antippt. So ist das Eintauchen in den Rhythmus der Natur auch ein Eintauchen in den Rhythmus der eigenen Seele und umgekehrt. Und daher sind die Jahresfeste nur sinnvoll in ihrer Geschlossenheit zu feiern. Ob man das eine oder andere Fest mehr oder weniger betont, ob man einen Zyklus von 4, 6 oder 8 Festen hat, ist dafür irrelevant. Wichtig ist, daß ein Zyklus besteht, in dem nach Möglichkeit auch durchgehende rituelle Motive in ihren jeweiligen Veränderungen erhalten bleiben. Ein buntes Potpourri aus verschiedenen Traditionen tut es da langfristig nicht, denn der Organismus, die Natur und die Seele sind Ganzheiten, aus denen man nicht einfach Teile fort- oder unberücksichtigt lassen kann. Durch den Lauf der Jahre kann dann auch der zyklische Lauf allen Seins erfahren werden, wird das gegenseitige Sich-Bedingen von Tod und Leben deutlich. Wenn aus den scheinbar abgestorbenen, dürren Ästen im Frühling wieder das leuchtende, frische Leben sprießt und im Herbst in seiner voll erblühten Fülle wieder in den sterbenden Moder des Waldbodens zurücksinkt, so ist dies ein Gleichnis, das keiner weiteren Erläuterung bedarf. So erfüllt sich die menschliche Sehnsucht nach Ewigkeit nicht im Warten auf eine ferne, nicht endende Zeit, sondern im völligen Eintauchen in den mythischen, zeitlosen Augenblick. Die meisten modernen Menschen sind allem Rituellen und Zeremoniellen weitgehend entfremdet (worden). Die Jahresfeste sind ihrer ursprünglichen Inhalte überwiegend entkleidet und nur in wenigen Gegenden noch wirklich intakt. Zur Neubelebung muß man zunächst einmal darauf achten, daß man nicht einfach irgendwelche (angeblich) alten Riten nachzuahmen versucht, nur weil sie so schön alt sind und - vielleicht - von Kelten oder Germanen stammen oder von noch älteren Kulturen. Außerdem ist auch viel Unsinn darüber im Umlauf. Ein schlichtes, selbstgemachtes Ritual, das einen wirklich innerlich berührt, ist viel sinnvoller als ein großartiges Theater, für dessen Verständnis man erst jahrelang üben muß. Nicht, daß es nicht darauf ankäme, wie ein Ritual aufgebaut und durchgeführt wird, aber die eigene Ergriffenheit ist es, die einen über die inneren Grenzen hinausträgt, nicht die geheimnisvollen Worte anderer. So sollen auch die hier angebotenen Informationen nur als Anregungen dienen, auf die jeder seine eigenen Festrituale aufbauen kann. Solche Riten stellen dann auch eine willkommene Gelegenheit dar, die eigene Kreativität wieder zu beleben, und es spricht auch nichts gegen ziemlich ungeplante Rituale, in denen man sich ganz auf die eigene Spontaneität und Eingebung verläßt, wenn man in solchen Handlungen schon etwas zu Hause ist. Es ist immer gut, mit Symbolen sparsam umzugehen, nichts zu überladen - was man nicht versteht, lenkt nur vom Wichtigen ab. Und wenn möglich, sollte man auch Symbole und Handlungen benutzen, mit denen man wirklich etwas verbindet.

1.5. Die acht Jahresfeste
Die im Folgenden aufgeführten Deutungsversuche der acht Jahresfeste und ihrer Riten basieren auf Überlieferungen, historischen Quellen, Interpretation heutiger traditioneller Bräuche, deren Auslegung durch verschiedene heidnische Strömungen und meiner eigenen Einschätzung ihrer Plausibilität. Die Ausführungen erheben also keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder gar Wissenschaftlichkeit. Es sei jedem selbst überlassen, eine völlig andere Auffassung von seinen eigenen Festen und Ritualen zu haben und zu behalten. Die hier angesprochenen Aspekte sind nur als Anregungen für Möglichkeiten der Interpretation und des Begehens dieser Feste gedacht. Fertige Zeremonien werden hier ebensowenig vorgegeben wie vorgekaute Rituale. Geliefert wird lediglich ein mögliches Gerüst, das es selbst mit Inhalten zu füllen gilt. Nach heidnischem Glauben ist der Jahreskreis mit dem Sonnenlauf verbunden, wobei für manche Heiden die Sonne den gehörnten Gott (männlich) und die Erde durch die Göttin (weiblich) repräsentiert wird. Im Wicca heißen der Gott Cerunnos und die Göttin Cerydwen, bei den Germanen sind es Balder oder Odin und Frigg. Diese Götter sind für die meisten aber eben nur Symbole, und für die atheistischen Heiden eben einfach Sonne und Erde. Im Symbolismus des Jahresrades wird die Sonne zu Jul (Wintersonnenwende am 21. Dezember) in der dunkelsten Nacht des Jahres wiedergeboren. Ihre Kraft ist gering, und der Sonnengott noch ein Baby, das langsam heranwächst und von der Erde (der Göttin) mit der in ihr verbliebenen Sonnenkraft es alten Jahres genährt wird. Die Erde befindet sich als Göttin noch symbolisch in der sogenannten schwarzen Phase, wo sie als alte Frau dargestellt wird, die noch um die verstorbene Sonne trauert. Zu Imbolc (um den 1. Februar) ist die Sonne merklich größer geworden, der Gott zum Knaben herangewachsen. Die Erde tritt als Göttin symbolisch in die sogenannte weiße Phase ein, in der sie als junges Mädchen dargestellt wird. Zu Ostara (Tagundnachtgleiche am 21. März) ist die Sonne schon genauso stark wie die Dunkelheit. Der Gott ist zum Krieger herangereift, bekommt seine Waffen, und sein Kampf gegen die Dunkelheit beginnt sich zu seinen Gunsten zu wenden, wie man am überall sprießenden Grün des beginnenden Frühlings sieht. Zum ersten Mal begegnen sich Gott und Göttin in einem harmlosen, scheuen Werben. Zu Beltane (um den 30. April) ist die Sonne der Dunkelheit überlegen, und der Sonnengott zum Mann ausgewachsen. Auch die Erde tritt als Göttin symbolisch in die sogenannte rote Phase ein, in der sie in der Gestalt einer fruchtbaren Frau dargestellt wird. Beide heiraten zu Beltane, vereinigen sich und zeugen eine neue Sonne (der Sonnengott zeugt sich sozusagen selbst, beziehungsweise seine nächste Inkarnation), die im Leib der Erde heranwächst. Zu Litha (Sommersonnenwende am 21. Juni) ist die Sonne auf dem Höhepunkt ihrer Kraft und der Gott ausgewachsen. An diesem längsten Tag des Jahres triumphiert der Sonnengott über die Dunkelheit, aber er weiß, daß seine Tage gezählt sind, und indem er der Erde sein Kraft für die Ernte und das Kind gibt, wird sein Leben fortan langsam schwinden. Zu Lughnasad (um den 31. Juli) beginnt die Erntezeit, und die Sonne brennt in dieser heißesten Zeit des Jahres für eine gute Ernte auf das Land. Der Sonnengott opfert seine Kraft und sich selbst der Erde und der Ernte und damit für die Menschen, damit diese mit der Sonnenkraft in der Erde, die in die Ernte übergeht, die dunkle Zeit des Winters überstehen können. Aber auch das im Leib der Göttin heranwachsende Sonnenkind erhält diese Kraft.

Zu Mabonad (Tagundnachtgleiche am 23. September) beginnt die Kraft der Sonne nachzulassen, und ab jetzt zeichnet sich der Sieg der Dunkelheit ab, denn die Nächte werden wieder länger als die Tage. Der Sonnengott opfert seine letzten Kräfte und sich selbst der Erde und der Ernte und bereitet sich langsam bis zum Spätherbst auf das Sterben vor. Derweil reift in der Erde (im Leib der Göttin) seine nächste Inkarnation heran und nährt sich ebenfalls von der nachlassenden Sonnenkraft. Zu Samhain (um den 31. Oktober) stirbt die Sonne (der Sonnengott), und die dunkle Jahreshälfte beginnt. Die Erde tritt als Göttin in die sogenannte schwarze Phase ein und wird als alte Frau dargestellt, die um ihren verlorenen Sohn trauert. Damit hat sich der Jahreskreis geschlossen, und der Zyklus beginnt von Neuem, während die Sonne auf ihre Wiedergeburt zu Jul wartet. Man kann sich darüber streiten, welches Fest das erste im Jahresrad sein soll. Allgemein geht die keltische Auffassung davon aus, daß zu Samhain das neue Jahr beginnt, daher ist es bei den Kelten auch das erste Fest. Bei den Germanen ist teilweise Jul der erste Festtag, da nun die Sonne wiedergeboren wird, teilweise aber auch erst Imbolc, da Jul noch zum alten Jahr gehört und das neue Jahr erst nach den Rauhnächten anfängt. Daß auf dieser Seite mit Samhain begonnen wird, ist nicht Ausdruck der Nähe zur keltischen Tradition, sondern liegt einfach daran, daß sich diese Zählweise einfach am häufigsten in Heidenkreisen wiederfindet. Das kann aber jeder so halten, wie er mag.

1.5.1. Samhain (Totenfest)
Namen: Samhain, Totenfest, Ahnenfest, Ahnen- und Asenblod, Mittherbst, Third Harvest Kategorie: Hauptfest, Mondfest zu Neumond, keltisch Datum: beweglicher Feiertag am 11. Jahresneumond (um den 31. Oktober) Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Skorpion Bedeutung im Jahresrad: Herbstmitte, Beginn der Jahresnacht, der dunklen Jahreshälfte Christliche Entsprechung: Allerheiligen, Allerseelen, Halloween Art des Feiertages: Totenfest, Fest der Toten, der Ahnen und der Anderswelt, 3. Erntefest Symbole: Kürbis, Rübe und Totenschädel Bedeutung: Samhain ist ein Fest des Abschieds von der Sonne und ein Totenfest, bei dem der verstorbenen Freunde, Verwandten und Ahnen gedacht wird. Die Ahnen werden geehrt, denn sie waren die Vorbereiter des eigenen Lebens und sind der einzige Grund, warum man selbst auf der Welt ist. Gleichzeitig ist es das dritte und letzte Erntefest, welches den Vegetationszyklus des Jahres abschließt. Es ist ein ernsthaftes, nachdenkliches, düsteres und feierliches Opferfest, aber kein Fest der Trauer. etymologisch: "Samhain" leitet sich vom keltischen beziehungsweise alt-irischen "sam-huin" her, von "sam" (Sommer) und "huin" (Ende), also "Sommers Ende". Dies weist darauf hin, daß mit diesem Feiertag die dunkle Jahreshälfte beginnt. Samhain wird in Irland "Sow-in", in Wales "Sow-een", in Schottland "Sav-en" und in den USA "Sam-hane" ausgesprochen. Der Begriff "Blod" beziehungsweise "Blót" ist altnordisch und bedeutet Opfer. Ahnenblod (AhnenOpfer) oder Asenblod (Asen-Opfer) sind später entstandene Kunstworte, die im germanischen Glauben ausdrücken, daß mit diesem Fest den Ahnen oder auch Asen (Göttern) ein Opfer dargebracht wird. Der englische Begriff "Third Harvest" (dritte Ernte) weist darauf hin, daß Samhain das dritte, letzte und abschließende Erntefest (neben Lughnasad und Mabonad) im Jahreskreis ist. Es ist die "Fleischernte", denn zu diesem Zeitpunkt wurden alle Nutztiere geschlachtet, die man nicht über den Winter bringen wollte oder konnte. Als Fest am Ende der Ernte bezeichnet es auch das Ende des agrarischen Jahreszyklus. Zeitpunkt: Samhain wird immer in einer Neumondnacht gefeiert, genau genommen in der 11. Neumondnacht des Mondjahres (künstlich nimmt man den Neumond um den 31. Oktober). Im Gegensatz dazu finden die drei anderen Mondfeste bei Vollmond statt. Die Zeit des zunehmenden Mondes steht für Wachstum und Entstehung, der Vollmond für den Punkt größter Kraft, der abnehmende Mond für den Rückzug der Natur und schließlich der Neumond für den Punkt geringster Kraft und den Tod. Dies erklärt, warum dreimal an Vollmonden, den Krafthöhepunkten des Mondzyklus, gefeiert wird und Samhain, im Gegensatz dazu, an einem Neumond begangen wird. Der Tod kann nur am Tiefpunkt der Kraft des Mondes gefeiert werden. Heute feiern viele Heiden Samhain der Einfachheit halber am 31. Oktober, doch das Fixdatum berücksichtigt nicht den korrekten Mondstand. Die Datumsgleichheit mit Halloween ist nicht zufällig, denn dieses Fest ist in Amerika aus Samhain entstanden. Jahresrad: Dieses Fest teilt das Jahr in eine Winter- und eine Sommerhälfte, in eine "Jahresnacht" und einen "Jahrestag", daher ist Samhain neben seinem "Teilungspartner" Beltane einer der beiden höchsten keltischen Feiertage. Es ist das düsterste, ernsthafteste und auch feierlichste Fest des Jahresrades. Gleichzeitig markiert es den Höhepunkt des Herbstes. Mit diesem Tag öffnet und schließt sich für

die Kelten das Rad des Jahreskreises, denn Samhain ist bei ihnen das Ende des alten Jahres und der Beginn des Neuen. Das alte Jahr endet mit dem Samhain-Abend, und das neue Jahr beginnt mit dem nächsten Sonnenaufgang. Die Samhain-Nacht gilt als eine Art zeitlose Zeit "zwischen den Welten". Natur: Die Natur bereitet sich auf den Prozeß des Sterbens vor. Die Zeit um Samhain herum ist das Ende aller warmen Tage. Dies ist die Zeit, in der die Kälte tief in die Knochen zieht. Das Jahr geht zu Ende. Die Zeit der Ernte und Fülle ist vorbei. Man nimmt Abschied von der Vegetation und weiß um den Beginn der Zeit, in der man darauf angewiesen ist, von den Früchten des vergangenen Jahres zu überleben, die man beschafft hat, um die dunkle Zeit zu überstehen. Samhain ist die Zeit, in der die Natur stirbt. Alles, was lebt, reduziert sich auf ein Minimum, zieht sich zurück in das Erdreich. Die Zugvögel sind ins Winterquartier im warmen Süden verschwunden, die Tiere beginnen den Winterschlaf, es wird still draußen. Die Natur bereitet sich darauf vor, bis Imbolc (um den 1. Februar) zu ruhen, und das Land ist kalt und grau. Die Nacht wird länger, und das Mondlicht und die Sterne bleiben länger am Himmel. Heiden: Die Sonne (der gehörnte Sonnengott) hat sich geopfert und ihre Kraft für die Ernte in die Erde gegeben. Geschwächt stirbt die Sonne (das Licht) an diesem Tage, um zu Jul (Wintersonnenwende) wiedergeboren zu werden. Wie das Leben zieht sich auch die Sonnenkraft über den Winter in den Schoß der Erde zurück. Die Erde (die Göttin) trauert um ihren verlorenen Sohn. Sie ist jetzt eine alte Frau und trägt schwarz. In diesem Bild geht man davon aus, daß die Erdmutter in einem Jahr die Lebensphasen einer Frau (Mädchen, Mutter, alte Frau) durchläuft. Dabei repräsentiert der dritte Aspekt die dunkle Seite, die Vergänglichkeit, das Alter, Herbst und Winter und den Tod. Die alte Frau, bei den Kelten Cailleach genannt, regiert den Winter hindurch, von Samhain bis Imbolc (ca. 1. Februar). Germanen: Die gesamte Zeit von der Erschaffung der Welt bis zu ihrem Untergang findet sich in der Symbolik des Jahreskreises. Die Germanen dachten damals, daß die Natur stürbe. Deshalb wurde den Ahnen, Göttern und der Toten gedacht, indem man Opfer darbrachte. Die Germanen schmückten die Gräber mit Getreide, Nüssen und anderen Dingen. Es wurden aber, entgegen aller Behauptungen, keine Menschenopfer dargebracht. In dieser Symbolik steht der Winter für die Zeit der Götterdämmerung (Ragnarök), den Untergang des Lebens. Die Eisriesen (Jöten und Thursen) stürmen Asgard. Odins in der Schlacht gefallenen Krieger (die Einherier) in Walhalla wurden gerufen, um in der bevorstehenden Götterdämmerung auf Seiten der Götter zu kämpfen. Die Götter fallen in diesem letzten Kampf, aber nicht ohne die Hoffnung auf ihre Wiederkehr zu hinterlassen. Der Lichtgott Balder oder Baldur (die Sonne) vollendet seinen Abstieg ins Totenreich beim Julfest (21. Dezember) und mit dem neuen Impuls der Schöpfung beginnt der Kreislauf von neuem, wenn zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende sein Wiederaufstieg zu Asgards Höhen seinen Anfang nimmt. Samhain, das Fest der Winternacht, stimmt auf diese bedeutende Zeit des Wandels und der Läuterung ein. Es dauert eigentlich drei Tage. An diesem Fest wird der Ahnen der Sippe gedacht. Samhain ist neben Imbolc auch das zweite Disenopfer (altnordisch: Dísablót) des Jahres. Die Frage, was Disen sind, läßt sich nicht eindeutig klären. Zum einen könnten die Disen eine Gruppen von weiblichen Gottheiten sein, die nicht näher in der Mythologie benannt werden. Damit stehen

sie in der Nähe anderer bekannter Gottheiten wie zum Beispiel Frigg, Freyja oder Perchta (Berchta, Frau Holle, Hel) usw. oder sind mit ihnen identisch. Zum anderen aber deutet einiges darauf hin, daß "Dis" einfach eine Bezeichnung für "Frau" war, denn viele germanische Frauennamen enden auf "dis" (zum Beispiel Freydis, Hjordis usw.). Freyja wird beispielsweise auch als Vana-Dis, also Vanenfrau (Freyja stammt aus dem Göttergeschlecht der Vanen, im Gegensatz zu den Asen) bezeichnet. Vielleicht war der Begriff aber auch für Frauen vorbehalten, denen man übernatürliche Fähigkeiten zusprach. So würde sich die Interpretation Frauenopfer anbieten, wobei damit natürlich ein Opfer für die Frauen gemeint ist und nicht etwa, daß die Frauen geopfert würden. Begonnen wurde das Fest mit der Entzündung des Totenfeuers auf einem Hügel. Danach fand eine feierliche Anrufung Odins (Wotan) und Heimdalls statt. Die Wotansgans wurde geopfert, und aus dem Brustbeinknochen des Tieres der Verlauf des Winters gedeutet. Im Totenfeuer wurde eine Strohpuppe verbrannt. Am Feuer wurde dann das gemeinsame Trinken (altnordisch: Drekka), die Wotansminne, begangen, bei dem sich Trinkwünsche zugerufen wurden. Bei den Germanen war "Minne" aber im Sinne von Gedenken zu verstehen, nicht als Liebeswerben wie im Mittelalter. Überliefert sind das Antrinken von Schönheit, Stärke, Segen für den Winter, Heirat und Kindersegen. Anschließend wurde in ein Horn geblasen, welches Heimdalls Horn (die Mondsichel) symbolisierte, um die Toten zu sammeln, so wie Odin die Einherier rief. Danach wurde in einem Fackelumzug mit viel Lärm und Getöse, Peitschenknallen und Geklapper die Wilde Jagd nachgestellt. Die Leute trugen früher Laternen aus ausgehöhlten Futterrüben (für die Sonne und den Mond) mit sich. Die Umherziehenden waren mit Schellen behängt, gehörnt und rußbeschmiert. Man zog zu den Gräbern der Ahnen und opferte dort Getreide, Mehl, Butter, Eier und Wachs. Man überschüttete die Gräber mit Korn. Nach der Rückkehr fand ein ausgedehntes Mahl statt, bei dem ein Gedeck und drei Messer mit aufgetragen wurden, die aber keiner der Gäste benutzte. Ein Teil der Speisen und Getränke wurden für die Ahnen an diesem leeren Platz aufgetragen und dort stehengelassen. Im Haushalt opferte man den Disen, indem man Brot und Fett während des Festes und der Nacht in der Stube stehenließ. Kelten: Die Kelten glaubten an die Reinkarnation und daß der Tod eine Notwendigkeit für neues Leben darstellt. Samhain ist ein Fest des Todes und der Hoffnung auf neues Leben. Das Totenfest war bei den Kelten auch ein Neujahrsfest, das den alten Zyklus abschließt und zum neuen Zyklus überleitet. Die Kelten feierten Samhain mit Maskeraden, Feuern und Opfern als Fest des Saman, einem keltischen Todesgottes. Für die Kelten starb auch die Sonne als Sonnengott in dieser Nacht. Diese Nacht war voll von übernatürlicher Magie, und die Geister der Vorfahren konnten die Feiernden heimsuchen. Das Samhain-Fest war auch der Rabengöttin Morrigan geweiht. Christen: Allerheiligen beziehungsweise Allerseelen ist der Tag, der von der römisch-katholischen Kirche zum Gedenken an die im Glauben Verstorbenen bestimmt worden ist. Es wird heutzutage wird von den Katholiken am 1. November gefeiert. Man gedenkt der Verstorbenen und besucht die Gräber, um den Verstorbenen die Ehre zu erweisen und stellt als Ersatz für die Gaben und leuchtenden Rüben aus früheren Zeiten Blumen und Grableuchten auf. Zur Verbindung von Samhain mit Allerheiligen kam es, als die Römer die Kelten unterwarfen und

diese dann "Christen" wurden. Die Kelten hielten aber weiterhin an vielen ihrer Bräuche fest, auch an dem um den 31. Oktober gefeierten Totenfest Samhain. Deshalb ordnete Papst Gregor IV. im Jahre 837 u.Z. im Einklang mit der Politik der Kirche, die Bräuche der Bekehrten zu "christianisieren", anstatt sie abzuschaffen, an, daß der 1. November von der ganzen katholischen Christenheit als Tag "aller Heiligen" gefeiert werde. So wurde durch einen diplomatischen Schachzug der Kirche ein durch und durch heidnisches Fest samt dem ganzen Drum und Dran mit der heidnischen Totenverehrung vereint. In christlicher Zeit nahm das Seelenfest allmählich spukhaften Charakter an und galt als günstiger Zeitpunkt für Geisterbeschwörer. Von Samhain wurde noch ein weiterer christlicher Feiertag abgeleitet, aber auf ein anderes Datum gelegt. Der christliche St. Martinstag gründet sich zwar auf die biblische Anekdote vom barmherzigen Römer Martinus, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte, aber die Festbräuche ähneln den germanischen Samhain-Traditionen so stark, daß es keinen Zweifel an ihren Quellen gibt. Vom germanischen Totenfeuer kann man das heutige Martinsfeuer ableiten und die Wotansgans als Opfertier findet sich in der Martinsgans wieder. Laternen und Lampions sind unzweifelhaft Nachfolger der ausgehöhlten Rüben, die in dieser Nacht leuchteten. historisch: Schon bei den alten Griechen gab es einen Tag der Totengeister. Die altgriechischen Anthesterien waren ein Seelenfest, in dessen Verlauf die Abgeschiedenen die Welt der Lebenden besuchten. Die Ahnenseelen wurden vor dem Wintereinbruch gewärmt und besänftigt, indem man nächtliche Feuer entzündete. Der Monat November verschlingt beziehungsweise tötet nach alter Auffassung die Sonne. Vergegenwärtigt man sich die Symbole der Drachen, Lindwürmer und Schlangen, und bedenkt man, daß das Samhain-Sternzeichen Skorpion etwa bis zum Erscheinen der Jesuiten im 16. Jahrhundert noch eine Schlange war, wird die Verbindung zum Sonnentöter Schlange deutlich. Auch im jüdischen Stamm Dan wurde dieses Sternbild als gekrönte Schlange dargestellt, aber so weit braucht man gar nicht zu gehen, allein die Midgardschlange galt als Weltwinterzeichen. Brauchtum: Man glaubte, daß in dieser Nacht die Wände und Schleier, welche die materielle Welt von der "Anderswelt" trennen sind, am dünnsten und durchlässigsten sind (besonders im Nebel). Die Bewohner der Anderswelt und des Totenreichs kommen, so glaubte man, manchmal herüber, um umherzustreifen und Menschen, die sie für würdig befanden, mit in ihre Welt zu nehmen. Die Menschen hatten Angst, höhlten Futterrüben aus und schnitzten erschreckende Gesichter hinein (höchstes druidisches Symbol für Schutz). Dann wurde die Rübe mit einer Kerze darin zum Schutz des Hauses ans Fenster oder in den Garten gestellt, um die bösen Wesen abzuschrecken. Man stellte als Schutz für jedes Kind im Haushalt einen solchen Rübenkopf auf. Ursprünglich stand der Rübenkopf in Irland auch symbolisch für den "Edlen Kopf" von Bran dem Gesegneten. In Deutschland hat sich der Brauch der ausgehöhlten und beleuchteten Rüben in Form leuchtender Laternen und Lampions am St. Martinstag erhalten. Die von Halloween bekannten ausgehöhlten Kürbislaternen, welche heute meist statt der Rüben Verwendung finden, sind ein neuzeitlicher Brauch. Alle 27 Arten der Gattung Kürbis sind nämlich neuweltliche Pflanzen, d.h. sie stammen alle aus Amerika und waren somit vor dem 16. Jahrhundert in Europa nicht bekannt. Zwar werden in der Verordnung "Capitulare de villis" von 812, welche die in Gärten anzubauenden Pflanzen regelt, durch Karl den Großen bereits "cucurbitae" genannt, doch handelt es sich hierbei um den afrikanischen Flaschenkürbis Kalebasse (lat.: Lagenaria), der zwar spätestens seit der

Antike im Mittelmeerraum bekannt ist, jedoch botanisch nicht zu den Kürbisgewächsen zählt und aufgrund seiner großen Wärmebedürftigkeit als langjährige Kultur im nördlichen und mittleren Europa nicht angebaut werden kann. Zudem eignet er sich auch nicht gut zur Laterne. Da Karls Gesetz auch weitere Pflanzen auflistet, die in Mitteleuropa (außer vielleicht in Weinbaugebieten) eindeutig keine Chance haben, dauerhaft über den Winter zu kommen, wie Lorbeerbaum, Pinie, Feige, Melone usw., wird angenommen, daß Karl die Pflanzenliste einfach von seinem Sohn Ludwig dem Frommen übernommen hat, der über Aquitanien (Südfrankreich) herrschte, was die zahlreichen sehr wärmebedürftigen Pflanzen in der Liste erklären könnte. Die bekannten Kürbislaternen, die heute zu Halloween üblich geworden sind, sind wahrscheinlich erst von den irischen Einwanderern in Nordamerika "erfunden" worden, welche sie "Jack O'Lantern" nannten und als Ersatz für ihre von Irland her gewohnten Rübenlaternen verwendeten, da der Kürbis sowohl größer als auch einfacher zu schnitzen ist als die historisch korrekte Futterrübe. Als Dank und zur Besänftigung der Naturgeister, Elfen, Gnome, Kobolde, Dämonen und auch der Ahnengeister und Toten stellte man in früheren Zeiten aber auch Essen und Getränke sowie Leckereien nach draußen, um diese Wesen zu nähren und wohl zu stimmen. Man wollte seinen Ahnen auf diese Weise Ehre und Gastfreundschaft erweisen. Selbst wenn die Speisen unberührt erschienen, sollte ihre Essenz auf die Geister der Ahnen übergehen. Zu Ehren der Verschiedenen wurde das Haus blitzblank geputzt, das Feuer besonders sorgfältig gewartet und Quellwasser, Speisen und Tabak auf den Tisch oder vor den Kamin gestellt. Jedermann ließ die Haustür unverschlossen, verkrümelte sich aber früh ins warme Bett, denn die Toten schätzten es nicht, von den Lebenden beobachtet zu werden. Nach dem Volksglauben ist es nicht ratsam, sich in dieser Nacht nach Schritten umzuwenden, denn die Toten behalten einen sonst leicht bei sich. Umgekehrt verkleidete sich aber traditionell das Jungvolk als solche Totengestalten, um die wandernden Geister in die Irre zu führen, erbettelte Gaben für eine Feier, stellte unter viel Lärm Unfug an oder erschreckte Spätheimkehrer, mit Vorliebe Angeheiterte. Daraus entstand Halloween, das mit irischen Auswanderern in die USA gelangte und dort in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die heute bekannte Ausprägung entwickelte. Die Kinder verkleiden sich als gruselige Gespenster und wandern von Tür zu Tür, um Süßigkeiten ("treats") zu sammeln. Wer nichts gibt, wird "von dem Schabernack der bösen Geister" ("trick") heimgesucht. Auch hier ist die Parallele zu den Gaben aus früheren Zeiten deutlich zu erkennen. Früher glaubte man, daß tatsächlich Höllenwesen zu Samhain die Welt heimsuchten. Wo ihr stinkender Atem hintraf, starb die Vegetation ab. Jedes Kind wußte, daß man nach Samhain keine Brombeeren mehr vom Strauch essen durfte, denn sie waren nun giftig, da die Dämonen daraufgespuckt oder auch eine andere Körperflüssigkeit darüber gesprüht hatten. Auch die Ernte aus Feld und Garten mußte von den Bauern bis zu diesem Datum eingebracht sein, die Wintersaat im Boden liegen und die Wildfrüchte aus Hecken und Wald gesammelt sein. Nach altem Volksglauben wurde die bis dahin nicht eingebrachte Ernte von den Nachtgeistern vernichtet. Die im Spätsommer geernteten Früchte wurden nun eingemacht. Brennstoff für den ganzen Winter war säuberlich am Haus aufgeschichtet, die Pacht und sonstige Schulden waren bezahlt (wenigstens im Idealfall) und das Vieh war von der Sommerweide zurück. Schon des knappen Futters wegen, aber auch als Wintervorrat, wurden nicht unmittelbar notwendige, alte, kranke und schwache Tiere geschlachtet, bei denen man davon ausgehen mußte,

daß sie es nicht schaffen würden. In einer Zeit, da die Tierhaltung über den Winter wegen begrenzter Futtervorräte schwierig war, wurden die Tierherden wohlüberlegt auf das Maß reduziert, vom dem man glaubte, es über den Winter bringen zu können. Das Fleisch wurde teilweise ein einem letzten Fest verspeist. Durch Einlegen in Salz, Trocknen und Räuchern wurden außerdem die Vorratskammern der Familien für den bevorstehenden Winter gefüllt. Die Hausschlachtung fiel mit dem Opfer an die Götter zusammen, denen halb aus Dankbarkeit, halb aus Sorge um die Zukunft, zu diesem Zeitpunkt auch Feldfrüchte, Milch und mancherorts sogar Kinder dargebracht wurden. Deswegen wird der November von alters her auch als "blod monath" (Opfermonat) bezeichnet und darauf bezieht sich auch der Untertitel "Third Harvest" (engl.: dritte Ernte), womit die Fleischernte gemeint ist. Die Menschen früherer Zeiten bereiteten sich auf den Winter vor und versuchten mit allerlei Ritualen und Gebeten, der Sonne bei der kommenden Rückkehr zu helfen. Noch einmal bogen sich die Tische unter all den Köstlichkeiten, die Küche und Keller zu bieten hatten, noch einmal Festtrank und -schmaus, bevor die karge Zeit des Winters nahte. Im Winterhalbjahr mußte mit Dunkelheit, Kälte und vermehrt mit Krankheit, Mangel und Unfällen gerechnet werden. Das unbeschwerte Sommerleben in freier Natur, das kaum Nahrungssorgen kannte, war zu Ende. Das Leben spielte sich während der nächsten sechs Monate in engen, verrauchten Räumen rund ums Feuer ab. Dafür begann nun die Saison des Geschichtenerzählens. Auch Hochzeiten fanden zu Samhain oft statt, denn viele Heimkehrer (zum Beispiel Hirten) wollen nach der Zeit der Trennung ihre Bindung festigen. Es begann die Zeit der Pflege und Reparaturen der Gebrauchsgegenstände, um sie im Frühjahr wieder bereit zu haben. Samhain ist die Nacht der zwei Gesichter, zum einen ist da die Fülle der eingebrachten Ernte und des Geschlachteten, und zum anderen die Sorge um den bevorstehenden Winter mit seinen unberechenbaren Unbillen. Freude und Nachdenklichkeit wechseln sich ab, das Fest beinhaltet nicht die Art von überschwenglicher Fröhlichkeit, wie es einem Außenstehenden auf den ersten Blick erscheinen mag. Interessanterweise glaubte man selbst im katholischen Bayern noch Ende des 19. Jahrhunderts, daß die "armen Seelen" um diese Zeit für einen Tag das "Fegefeuer" verlassen durften, um auf Erden zu wandeln. Stellenweise stellte man nicht nur ein "Armeseelen-Essen" auf den Tisch, sondern achtete auch darauf, daß man keiner "armen Seele" etwas zuleide tat, beispielsweise durch unbedachtes Schließen einer Tür oder Hantieren mit Werkzeug. Man glaubte, daß ein Mädchen, welches in der Samhain-Nacht vor einem Spiegel einen Apfel schält, im Spiegelbild ihren späteren Gatten erkennen könne. spirituell: Samhain markiert den Beginn des "dunklen Jahres", den introspektiven Teil des Jahresrades, in dem man auf und vor allem in sich selbst schaut. Die Zeit der Außenaktivitäten und Ausflüge ist vorbei. Alles wird ruhiger, bedächtiger. Die Zeit nach Samhain ist diejenige, in der die Leute vorwiegend im Haus bleiben. Es ist eine stille, tote Zeit. Man hat mehr Sinn auf Mußestunden im Kreise der Familie, auf warme Getränke und Gebäck bei einem guten Buch und Kerzenlicht. Es ist mehr die Zeit des Nachdenkens über das vergangene Jahr und den jetzigen Zustand. Man ist viel intensiver mit dem eigenen Inneren, dem Unterbewußtsein verbunden. Die Lebenskraft der Natur zieht sich bei zunehmender Kälte ins Innerste zurück. Für den Menschen kann das auch ein Zeichen sein, sich vor Kälte und Dunkelheit in sein Innerstes zurückzuziehen, um dort Kräfte für künftige Neuentfaltung zu sammeln.

Wenn sich nun die Naturenergien zur Ruhe begeben und die Dunkelheit des Winters regiert, ist es deshalb Zeit, sich selbst zu beobachten, auszuruhen und sich auf das kommende Jahr vorzubereiten. Es ist Zeit für einen Rückblick auf das, was im gerade vergangenen Jahr getan wurde, was das Jahr und die eigenen Taten gebracht haben. Es ist eine Zeit, in der Abrechnung gehalten wird, eine Zeit, in der Einflüsse, Konzepte und Vorstellungen aus dem Leben gestrichen werden, die sich als nicht mehr nützlich erwiesen haben. Es ist auch eine Zeit, in der es im Hinblick auf den kommenden Winter angebracht erscheint, sich mit den persönlichen Ahnen wieder neu zu verbinden. Man feiert die Leben seiner Ahnen, die durch ihre Taten und Ideen die Vergangenheit und die Wurzeln der eigenen Existenz geschaffen haben. Man holt sich in den langen Winternächten Rat und Hilfe bei den Ahnen, verabschiedet sich von den Menschen die in den letzten Monaten gestorben sind, und heißt die Neugeborenen in der Welt willkommen. Es ist eine Gelegenheit, sich selbst kennenzulernen. Man blickt auch in die Zukunft, auf das neue Jahr und was es bringen wird. Die ständigen Assoziationen von Blut, Tod und Vergänglichkeit stammen aus der Natur. Die Natur scheint zu sterben, die Laubbäume verlieren ihre Blätter, die Felder liegen brach und die letzten Blumen erfrieren in den ersten Nachtfrösten. Dieses Beispiel der Natur vor Augen führt den Menschen zu Gedanken über seinen eigenen Tod und die Vergänglichkeit allen Seins, weswegen der November seit alters her so als "Totenmonat" geprägt ist. magisch: Wer ernst, mutig und magiebegabt ist, der feiert Samhain zusammen mit den Toten in einem Ritual. Zu Samhain ist die Trennung zwischen den Welten sehr dünn, heißt es, Vergangenheit und Gegenwart verbinden sich, und die Geister der Ahnen werden wach, so glaubte man. Durch das rituelle Gedenken leben sie im Geist der Menschen weiter und können im Ritual so lebhaft in die Erinnerung gerufen werden, daß man wirklich glaubt, sie seien erschienen (als Psychogone, das sind Projektionen aus dem eigenen Unterbewußtsein). Man wird sich bewußt, daß sie ein Teil von einem selbst sind, und daß der Tod ein Teil des Lebens und das "Totenreich" ein Teil der Welt ist, und daß es ohne den Tod auch kein Leben gibt im zyklischen Ablauf von Leben und Sterben in der Natur. Die Gesetze der Zeit scheinen für Momente auf den Kopf gestellt zu werden. Überall spürt man die Gegenwart des Todes. Die hauchdünne "Weltendecke" gibt den Toten (beziehungsweise den tief im Unterbewußtsein verankerten Erinnerungen an sie) zu Samhain die Möglichkeit, unter den Lebenden zu wandern und mit ihren Verwandten zu feiern. Sie warnen vor Gefahren und geben Ratschläge für die kommende Zeit. Man sollte sie willkommen heißen, und sich der Menschen, die einem mit Rat und Tat zur Seite standen, in dieser Nacht erinnern. Man betrauert die Toten nicht, sondern feiert mit ihnen und denkt daran, was sie an Gutem hinterlassen haben. Zu Samhain gehörte ein gutes Maß an Chaos, denn das Fest sitzt zwar an einer Nahtstelle im Jahreszyklus, schließt aber eine "Zeitenlücke" mit ein. Die helle Jahreshälfte und das Jahr selbst enden mit dem Abend dieses Festtages, vor der Neumondnacht, das keltische neue Jahr beginnt jedoch erst am nächsten Morgen. Die Nacht wird als dazwischenhängend empfunden - sie ist eine unmeßbare Zeit, also Ewigkeit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfallen. Deshalb kann sich hier auch das subjektive Zeitempfinden völlig anders darstellen als sonst, besonders in Ritual (eine nicht nur von mir bestätigte Erfahrung). Samhainrituale sind eine zweischneidige Sache, denn die "Anderswelt" entläßt offenbar nicht nur die Toten der Familie aus den Tiefen der eigenen Psyche, sondern zu Samhain quellen durch die dünne "Weltendecke" ebenso auch Geister, Dämonen und andere vom Unbewußten projizierte

Psychogone, die zu einem Problem für den Geist des Magiers werden können. Traditionell ist für Magier der letzte Vollmond vor Samhain der geeignetste Zeitpunkt für Rituale, die mit solchen von der Psyche erzeugten "Wesen" in Zusammenhang stehen. Man bereitet sich (evtl. schützend) auf ihr Erscheinen zu Samhain vor. In Ritualen zu Samhain begegnet der Magier möglicherweise Projektionen aus seinem eigenen Unterbewußtsein, die für ihn Personifikationen seiner Ahnen oder Dämonen sind. Solche Kontakte zu erzeugen fällt in dieser Nacht psychologisch wesentlich leichter als im übrigen Jahr, und so kann man von ihnen Klärung für Fragen, anstehende Pläne und Situationen erbitten. Man erhält vielleicht Antworten über Entscheidungen, die das Unterbewußtsein schon getroffen hat, ohne daß das Wachbewußtsein dies mitbekommen hat. Man muß sich nur zur Rückkehr vor Augen halten, daß all diese Begegnungen eben nur Projektionen des Unbewußten sind und nicht real. Allerdings können sich nach eigener Erfahrung in einem Gruppenbewutßsein auch die unterschiedlichen Erinnerungen der Gruppenmitglieder für die ganze Gruppe realistisch manifestieren, so daß man tatsächlich glaubt, auch die Ahnen der anderen seien wirklich anwesend. Üblicherweise werden zu Samhain Initiationen (Magier, Schamanen, Druiden und Priester) vorgenommen. In dieser Nacht können Orakel befragt und Kontakt zu den Wesen der Anderswelt hergestellt werden (sofern man an solche glaubt), denn es ist Frieden zwischen allen Völkern während dieser heiligen Nacht. Es ist das Fest, an dem alle Wesen symbolisch mit der Natur sterben und später wiedergeboren werden.

1.5.2. Jul (Mittwinter)
Namen: Jul, Mittwinter, Wintersonnenwende, Alban Arthuan, Yule, Sonarblod Kategorie: Nebenfest, Sonnenfest zur Wintersonnenwende, germanisch Datum: 21. Dezember (kalendarische Schwankungen zwischen 20. und 22. sind möglich) Astrologischer Zeitpunkt: Sonne 0° (Anfang) im Steinbock Bedeutung im Jahresrad: Wintersonnenwende (Solstituum), längste Nacht des Jahres, Winteranfang, als Wendepunkt Beginn der Reinigungszeit Christliche Entsprechung: Weihnachten Art des Feiertages: Julfest, Mittwinter, Wintersonnenwende, Fest der Wiedergeburt der Sonne Symbole: Mistel, Tanne und Hirschgeweih Bedeutung: Das Julfest ist ein Wendepunkt, eine Umkehr, ein Anfang, und an diesem Tag feiert man die Rückkehr von Licht und Leben. Jul ist der (Wieder-) Geburtstag der Sonne, der Tag des Triumphes des Lichts über die Dunkelheit. In der dunkelsten und längsten Nacht der Wintersonnenwende vollzieht sich eine Wendung, denn die Nächte werden von nun an immer kürzer, die Tage wieder länger. Es ist ein Freudenfest, bei dem die Rückkehr oder die symbolische Wiedergeburt der Sonne gefeiert wird. Die Menschen früherer Zeiten maßten der Wintersonnenwende als Rückkehr des Lichts besondere Bedeutung bei, denn ihr Schicksal war eng mit den wärmenden Strahlen der Sonne verbunden. Ohne Sonne gibt es kein Wachstum, ohne Wachstum reift keine Frucht und ohne Frucht ist keine menschliche Existenz möglich. Gleichzeitig ist diese Zeit in den nördlichen Breiten die Zeit der Kälte und der Winterstürme. Mit etwas Phantasie sieht man im nächtlichen Sturm die Götter, die in wilder Jagd durch die Lüfte rauschen, und oft mögen diese eisigen Stürme damals zum tödlichen Verhängnis geworden sein. Alle diese Umstände waren Grund genug, sich mit einem Fest über die neu geborene Natur zu freuen. Sicherlich war die Wintersonnenwende auch wichtig, um den Zeitpunkt der Saatausbringung zu bestimmen. etymologisch: Der altgermanische Festname Jul bedeutet im Nordischen "Rad des Lebens" und ist als Jahresrad im Sonnenlauf zu verstehen. Er ist ein Pluralwort, denn er bezeichnet sowohl das eigentliche Mittwinterfest als auch die folgenden Tage, die mit ihm verbunden sind. Auch das englische Yule kommt vom angelsächsischen Wort Yula, was "Kreis des Jahres" bedeutet. Die sprachliche Verwandtschaft zeigen auch das altnordische jòl oder jùl, das nordische hvel, das altenglische geòl, das angelsächsische hveol, das französische yule und das englische wheel. Der keltische Name Alban Arthuan bedeutet dagegen "das Licht des Arthur" und spielt auf die keltische Artussage an. Der Name Weihnachten ist ebenfalls heidnischen Ursprungs. Er ist genau wie das ursprünglich mittelhochdeutsche "zeihen nechten" eigentlich ein Pluralwort, welches "Weihenächte" bedeutet. Die Pluralform zeigt, daß das Fest sich ehemals über eine längere Zeit erstreckte, und nicht die Tage werden genannt, sondern die weihevollen Nächte, da der Name noch aus einer Zeit stammt, in der die Germanen nach Nächten rechneten. Das germanische Wort Sonarblod bedeutet Sonnenopfer.

Zeitpunkt: Die Wintersonnenwende (Winter-Solstituum) am 21. Dezember, die den Winterbeginn markiert, ist die längste Nacht des Jahres. Die Sonne steht an ihrem niedrigsten Punkt, 23° unterhalb der Ekliptik. Sie hat den südlichen Wendekreis erreicht und kehrt nach dem Norden zurück. Das "Mitt" in Mittwinter bedeutet hier nicht die tatsächliche Mitte des Winters, sondern einen der beiden Wendepunkte im Jahreslauf der Sonne, die an diesem Tag den Tiefpunkt ihrer Kraft und Einwirkung hat, im Gegensatz zum Höhepunkt Mittsommer. Jahresrad: Die Wintersonnenwende ist die längste Nacht beziehungsweise der kürzeste Tag des Jahres. Als Wendepunkt ist nun die immer dunkler werdende Zeit überstanden, die Tage werden weder länger und das neugeborene Licht (die Sonne) kehrt allmählich zurück. Bei den Germanen endete das Jahr mit dem Julfest. Das Julfest dauert eigentlich mehrere Tage, nämlich alle zwölf Nächte von der Wintersonnenwende bis zum Beginn des germanischen Jahres. Dieses zählt zwölf Mond-Monate (354 Tage), die durch die Zwölfnächte oder Rauhnächte, die Zeit zwischen den Jahren, mit dem Sonnenjahr harmonisiert werden. Natur: Von Litha (Sommersonnenwende) bis Jul schwindet das Licht langsam und jeden Tag gewinnt die Dunkelheit an Macht. Die Natur wird immer kälter und steht scheinbar starr im kalten Wind und dem Schnee des Winters. Für die Menschen damals war der Winter eine sehr harte Zeit der Herrschaft der Eisriesen über die Welt, in der man mehr als sonst ums Überleben kämpfen mußte. Noch ist die Natur im Winterschlaf und ringsherum augenscheinlich tot und regungslos. Die Bäume sind kahl und das Wasser zu Eis erstarrt. Der Schnee bedeckt alles wie ein Leichentuch. Alles erscheint tot und leblos. Doch das Leben hat sich nur zurückgezogen, denn obwohl nun die Tage wieder länger werden, und das Licht nun wieder zunimmt, steht die kälteste Zeit im Jahr noch bevor. Heiden: In der dunkelsten Nacht des Jahres wird die neue Sonne (wieder-) geboren, um den Menschen dieser Welt das segenspendende Licht und die Hoffnung zurückzubringen. Die Erde (die Göttin) gebiert die Sonne (den gehörnten Gott), der sich zuvor bei Beltane (um den 30. April) selbst gezeugt hat, weil er seinen Tod zu Samhain (um den 31. Oktober) voraussah. Noch immer trägt die Göttin Schwarz, weil sie um ihren Sohn und Gatten trauert, und sie wird als alte Frau dargestellt. Germanen: Als naturverwachsene Menschen haben die Germanen gewußt, daß es ohne die segnende und lebensspendende Kraft der Sonne kein Wachsen, Reifen und Ernten gibt. Sie sahen den "güldenen Wagen" am Himmel als Offenbarung des göttlichen Wirkens im All an, der den immerwährenden Kreislauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter hervorruft. Jenes ewige "Stirb und Werde", das nicht nur ihren persönlichen Lebensrhythmus bestimmt hat, sondern von dem alles Leben und Wachstum abhängig ist. In diesem Geist ist auch das Fest der Neugeburt des Lichts gefeiert worden. Sinnbildlich hat man diese neuerstehende Sonne mit einem neugeborenen Kind verglichen, das von Tag zu Tag größer und stärker wird, und als Kennzeichen den Strahlenglanz des Lichtgestirns um sich trägt. Weil dieses Bild auch gut mit dem langsamen Erwachen und Wachsen der Natur zusammenpaßt, haben die bäuerlichen Germanen das Sonnwendmysterium in der längsten und dunkelsten Nacht des

Jahres gleichzeitig als Ende des alten Jahres gefeiert. Das neue Jahr begann dann nach den 12 Rauhnächten, die mit Jul verbunden waren. Für die Germanen war Jul das höchste Fest des Jahres. Sie feierten die Wiedergeburt des Lichtes, und so wie die Sonne wiedergeboren wird, kehren auch die Götter in die Welt zurück. Zur Wintersonnenwende endet das zu Samhain (um den 31. Oktober) beginnende Ragnarök, die Götterdämmerung, in der die Götter sterben. Ragnarök ist ein Synonym für den Tod des Menschen, der alle Götter als Archetypen in sich vereinigt. Diese Zeit ist gekennzeichnet durch den Übergang der sterblichen Hülle in einen Zustand des ewigen Lichtes, der Seele und der Gedanken und Erinnerung, Attribute die dem Göttervater Odin durch seine beiden Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung) gegeben sind. Im Kampf gegen die Riesen verloren im Ragnarök außer Vidar und Vali alle Götter ihr Leben. Diese rächten ihren Vater (Odin) und zeugten einen neuen Gott, der als Reinkarnation von Odin beziehungsweise Balder angesehen wird. Das Licht siegt über die Dunkelheit und neues Leben wird entstehen. Die Gewißheit des ewigen Kommens und Gehens symbolisiert zur Zeit der neuen Sonne der Lichtgott Balder mit seiner Geburt. Dadurch gibt er dem Lauf der Natur zwischen Entstehen und Vergehen neue Kraft und neue Hoffnung. Der Mistelzweig, der Balder den Tod brachte (nur eine Mistel konnte ihn verwunden, weil man vergessen hatte, ihr zu erzählen, daß er unverwundbar ist) wird zum Heilssymbol. Mistelzweige, eine noch heute beliebte Weihnachtsdekoration, galten früher schon als Fruchtbarkeitssymbol zu Ehren der Göttin Freyja. Der in Skandinavien übliche Julbock (zum Beispiel ein strohgeschmückter Eichen- oder Eschenholzklotz) ist ein Symbol der kommenden Fruchtbarkeit und des Schutzes durch Thor, dessen heiliges Tier er ist. Vor Jul wurde im Wald feierlich ein Baum gefällt, dessen Stamm drei oder noch öfter zwölf Nächte hindurch, also die ganze Festzeit, langsam verbrannt wurde, zu Ehren des heiligen Herdfeuers (Ingwi-Agni) des Gottes Freyr. In dieser Zeit durfte man das Feuer nicht erneuern, höchstens vom Nachbarn Glut holen, wenn es ausging. Mit dem Anzünden und Verbrennen des Blockes verbanden sich Lieder, in denen Glück und Fruchtbarkeit für das kommende Jahr verheißen wurden. Auch mit dem glimmenden Julbock war die Vorstellung von der Erneuerung des Lebens verbunden. So durfte er in Schweden nicht gänzlich verbrannt werden, weil man glaubte, daß in ihm der Kuckuck verborgen sei, der die Fruchtbarkeit des Jahres gewährleiste, und daß bei vollständigem Verbrennen die Ernte geschädigt würde. Das letzte Stück wurde im Kornspeicher aufbewahrt. Mit ihm entzündete man zum nächsten Julfest den neuen Stamm. Der Sippenälteste hatte die Aufgabe den neuen Julblock zu entzünden und ihn zum Herd zu tragen. Mit dem Verschwinden des offenen Herdfeuers geriet der Julblock langsam in Vergessenheit. Der Julbock wurde manchmal auch im Julfeuer verbrannt. Zur Zeit der Besiedlung Islands wurde noch der Juleber durch das Haus getrieben und symbolisch für Gullinborsti geopfert, Freyrs Reiteber mit den güldenen Borsten. Dieser Eber stellt die Fruchtbarkeit und das Sonnenlicht dar. Nach dem Eberopfer (heute evtl. ein einfaches Schweinefleischgericht) nennt man auch die Sonnenwende Sonarblod und der Juleber ist der Sonargöttr (Leiteber). Mit dessen Borsten wurde orakelt, ein Überbleibsel davon ist heute das Glücksschwein aus Marzipan, mit dem man sich alles Gute wünscht. In Schweden und Dänemark hat der Brauch dergestalt überlebt, daß aus dem Korn der letzten Ernte im Winter ein schweineförmiges Brot gebacken wird, das ebenfalls Juleber genannt wird, die ganze Julzeit über auf dem Tisch steht und dann im Frühling von dem Pflüger und seinem Vieh gegessen wird. Er soll die Kraft des Korns wieder auf die Aussaat übertragen, ebenfalls eine Form des Wiedergeburtsmythos.

Das Orakel spiegelt sich jedoch weiterhin in den heutigen Silvesterbräuchen (zum Beispiel Bleigießen). Auf den Juleber oder den Schwurring wurden nun Schwüre abgelegt, heute die guten Vorsätze für das neue Jahr. Danach wurde als Besiegelung der Bragibecher (Bragi ist der Sängerund Dichtergott) mit Julbier oder Met getrunken. Damals wie heute schaffen erzählte Geschichten und gemeinsames Musizieren eine Atmosphäre der Geborgenheit und der Zusammengehörigkeit. Weil Jul das Familienfest ist, bei dem auch die Ahnen dabei sind, derer man dabei gedenkt und die in der Überlieferung als Wilde Jagd mit Odin durch d

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