- österreiCh

16
österreich
;1S ihr wohl an Alain
Oelon gefallen m,1g:
der verletzliche Ma-
cho? Der melanchuli -
sche EinzelgSinger: Der eiskalte Engel ? Jean
Pi erre Melvilles gleichnamiges Gangster-
epos aus 1967 mit Delon in der Titelrolle
ist jeclcnf311s ihr Lieblingsfilm und der schö-
ne Pariser ihr Lieblingsst;lr, gab sie "ergan-
genen Donnerstag in ihrem Leibbhm, der
"Kronen Zeitung", launig zu Protokoll.
Der gegenwiirtige Li eblingsautor der
51-jährigen FPÖ-Landcsrätin Barbara Ro-
senkranz heißt Christopher Caldwell , ist ein
US-JourTl<l list und sch reibt Bücher wie "Ge-
danken über di e Revolution in Europa. Im-
mi gration, Islam und der \ Vesten". Der bri -
ti sche "Gu:lrdian" befand das Buch in einer
Rezension für "ishllll0phob"; Caldwell pfle-
ge eine "Kul tur der Angstmache".
Das trifft es einigermaßen. Seit gut zwei
J:lhrzehnten verbreiten B;1rbafit und ihr Gat-
te I lorst J;lkoh Rosenkranz, 67, die Kunde
von der großen Gefahr: Stoppt Zuwande-
rung, hütet euch vor 1\ loslems, bannt Milla-
rene, rettet die Familie, ächtet ver-
j:lgt Femini stinnen, bleibt deutsch! 0:1 gibt
es keine knieweichen Rückzi eher wi e bei
Haider, kein Herumgedruckse wie bei Stra-
che. Barbara Rosenkranz - die eiserne Lady
:Jll S dem \Veinviertel, wo Korn und K:lrrof-
fein aus fettem Boden schießen wie Kinder
Chefredakteur Sven Gächter
und Gäste diskutieren über die
Kandidatur von Frau Rosenkranz.
Schalten Sie am Montag, dem
8.3., um 19.45 auf PULS 4 zu
"Talk of Town".
;lUS fruchtbarem Schoß: Zehn hat sie zur
\-\felt gebracht, und alle tragen sie Namen,
al s seien sie germani schen Heldensagen ent-
sprungen. Der Schäferhund cl cr Famili e
heißt "Greif".
Am 25. April wird sich Frau Rosenkranz
UIll das Amt des Bundespriiside ntell der
Republik Österreich bewerben. Schon ein-
mal, 1980, war ein Rechtsrad iblcr bei Prä-
sidenrsehaftsw:thl en angetreten: Norben
Burger, Chef der NDP und enger Freund
von Horst Rose nkranz, hatte damal s 3,4
Prozent der Stimmen erreicht. FPÖ-Ob-
mann 1-1. C. Strache traut seiner Kmclida-
tin das Zehnfache zu.
Codiert. Die Zei ten haben sich geändert und
,lUch di e der Politiker. Burger
und seine Konsorten h.men ihre Sprüche
noch ungeniert hinausgegrölt, ihre N:lCh-
folger beherrschen liingst ein verbindli ches
Codierungssystcm. \\'ird Barbar'l Rosen-
kranz, wie unliingst im ÖI-"Morgenjourn,ll",
gefr:lgt, ob sie Zweifel an der Exi stenz von
Gaskammern hege, dann ant\mrtct sie: "Ich
habe d:1S \ Vi ssen, das ein Österreicher hat,
der zwischen 196-l und 1976 in österreichi-
schen Schulen waL" Zweifelt sie nun an
G,lskammern oder nicht:
ßefraf,rt, ob cb s Leugnen des Holocaust
straffrei bleiben soll te, erklärt sie: "Es be
M
stehen Gesetze gegen \ Te rhetzung und Ver-
leumdung, die selbstverständlich die Mei -
nungsfreiheit in den Grenzen des zivilisier-
ten Miteinanders ha.lten." "Vas heißt das?
Al s Ingrid Thurnher in der "ZiB 2" von
Rosenkranz wissen woll te, ob ihrer Meinung
nach das Verbreiten von NS- Ideologie nicht
mehr verfolgt werden sollte, meinte Rosen-
kranz, "dass jener des Verhotsgesetzes,
der sich mit der ,\ lei nungsäußerung befasst,
ein sehr unklares Tatbild hat, dass er unbe-
stimmt ist, damit zum politi schen Mi ss-
brauch guten Anlass gibt und dass die Fra-
ge der freien ,\ leinungsäußerung natürlich
nur grundsätzlich beantwortet werden kann".
\Vie denn, bine schön?
Barbara Rosenkra nz, geboren 1958 in
Sal zburg, ist sechs, als sie ihre Eltern verliert.
Sie wächst in einem Lnternat auf und snldi ert
einige Semester bng in "Vien Geschichte
und Philosophie. Sie ist 21 , al s ihre erste
Tochter geboren wird, weitere Kinder folgen
fast imJahresabstand. Nur der letzte der zehn
Sprösslinge, \Volf, 8, ist ein N:lehzügler.
Di e Familie lebt von Beginn an in einem
ausgebauten \Vinzerhaus in Scebarn, nörd-
li ch des ßi sambergs, 20 Autominuten von
"Vi en. Der Vater ihrer Kinder, I-Iorst Jakob
Rosenkranz, ein stämmiger Mann, 15 Jahre
älter als sie, arbeitet fü r das Filmunterneh-
men des" \ Vochenschau" -Starreporters OHO
Pammer als Cutter. Dennoch gibt es im
Hause Rosenkranz lange keinen Fernsehap-
Parteichef Haider, Neopotitikerin Rosenkranz 1994 "Haider war si e nie ganz geheuer.
Sein bubenhafter Charme hat bei ihr überhaupt nicht gezogen"
I
I
"Mutige Mutter" I
Hans Dichand hat Barbara Rosenkranz zur Kandidatin hochgejubelt - und merkt reichlich spät,
mit wem er sich da eingelassen hat. Die "Krone"-Miteige\' tümer von der WAl. sind beunruhigt.

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H. -c StndIe
auch offllJrl In detJ
Ilftl'l Hr!fnz R-
eni.widi 'o\oOt'den 1ft
E
r wollte es noch einmal wissen. Mit 87
hatte Hans Di chand einen Kanzler ge-
macht, jetzt, im 90. Lebensjahr, arbeitete er
am ganz großen Projekt: Die "Krone"
macht auch Präsidenten. "Wählen wir sie,
sie wird eine gute Bundespräsidentin für
Österreich sein!", rief Di chand Montag ver-
gangener Woche zur Wahl der FPÖ-Kan-
didatin Barbara Rosenkranz auf. Vier Tage
später schien das Feuer erlo-
schen: Nach Rosenkranzens Uberlegungen
zur Abschaffung des NS-Verbotsgesetzes
drohte der alte Herr in der Samstagausgabe
mit Liebesentzug: Es sei "ein Gebot der
Stunde, dass sich Barbara Rosenkranz von
all en nationalsozial.istischen Gedanken ei-
desstattlich distanziert." Alles andere würde
sie als Kandidatin "disqualifi zieren".
Spät konunt er drauf. Immerhin hane
der Magnat die Kandidatur der "mutigen
Mutter" (Dichand) seit Monaten organi-
siert.
Begonnen hatte alles im Frühjahr zoos.
Der "Krone"-Chef hatte es für nötig be-
funden, in seinem Blatt gegen den EU-Lis-
sabon-Vertrag zu kampagnisieren: Darüber
müsse eine Volksabstimmung entscheiden,
forderte die "Krone". Dass der Nationalrat
und damit die SPÖ den Vertrag dann ein-
fach im Parlament durchwinkten, versuch-
te der designierte ParteichefWerner Fay-
mann weni ge Wochen nach dem Beschluss
durch den bekannten Huldigungsbri ef an
Dichand zu kompensieren: Ab jetzt werde
man immer abstinunen lassen, gelobte der
Fast-schon-Kanzler.
Bundespräsident Heinz Fi-
schet widerstand der Versu-
sich einen mächtigen
Freuhd zu sichern: Zur Un-
seiner Gegen-
zeicljnung der Lissabon-Rati-
fizieJiUng ließ er ein Verfas-
sunIDigutachten anfertigen,
diesds befand die Vorgangs-
des Nationalrats fur
I
korrekt.
vergaß Dichand
rue.
lrnJuni Z009 war der Tag
der Revanche gekommen: Im
briefseite die Kandidatin. Verseschmied
Wolf Martin fiel in den Jubel ein: .Auf die
Blauen fiele Glanz / sicher durch Frau Ro-
senkranz."
Mitte September Z009 warf Erwin Pröll
das Handtuch: Die Umfragewerte hatten
sich trotz "Krone"-Kampagne seit Juni
nicht verändert. Jetzt bli eb Dichand nur
noch Rosenkranz, woll te er bei der Präsi-
dentenwahl mionischen. Inuner hitziger
forderten nWl die "Krone"-Leserbrief-
schreiber, die Weinpolters und Pestitscheks,
ihre Kandidatur ein. Nur noch einen galt
es jetzt zu überzeugen: H. C. Strache, dem
die rechte Mama etw"3S zu uncool war. Vor-
"Krone' -Jubel in der Mittwochausgabe, Dichand-liebesentzug am Samstag
"Eidesstattliche Erklärung ist Gebot der Stunde"
.Krone"-wocheneLmagaZin wünschte sich
der Chef des den niederästerreichi-
sehen Erwin PröU in die
Hofburg. Pröll na.rm den BaU rasch auf:
• Wenn alle bürgerijchen Parteien (er zählt
dazu auch die FPq. Anm.) und die Grünen
einen Kandidaten ,pominieren, dann ist die
Wahrscheinlichkeit eines zweiten Wahl-
gangs sehr groß" J fueinte er in JtÖster-
reich". Bei einer Spchwahl würde es dann
.zu einer Abstimm:rg des bürgerlichen La-
gers gegen ,Li nks' ergänzte Pröll
in "News". Mit anHeren Worten: Dann
könnte es eine Wahlempfehlung der FPÖ
für ihn geben - di9 einzige Chance, um
den zu diesem ZeigJunkt mit 62 zu 25 Pro-
zent in Front liegehden Heinz Fischer zu
schlagen. \
Freund Dichand wusste auch schon, wer
das "bürgerliche Lfger" neben Pröll ver-
treten soll: Barbara Rosenkranz, die als
Einzige im gegen das Lissa-
bon-Papier Langsam lief die
Kampagne-Maschiperie für di e niederös-
terreichische an.
Der erste Rosenlvanz feiernde Brief auf
der vom HerausgeBer selbst redigierten
Leserseite von "Konrad WIndisch,
Wien". Der heute 1, 7-jährige Windisch war
einer der Rechtsradikalen
der Nachkriegszeitiund schon in den funf-
ziger und sechzige Jahren mehrfach we-
gen neonazistischeli Wiederbetätigung ver-
urteilt worden.
In den folgenden onaten besangen di e
üblichen Beiträger uf Dichands Leser-
I
vergangenen Freitag zeigte ihm die "Kro-
ne", wo es langging: "Dass Strache selbst in
den Ring steigt, ist zu bezweifeln ... ", hieß
es etwas drohend auf Seite drei.
48 Stunden später war Barbara Rosen-
kranz offizielle Kandidatin der FPÖ.
Dichands SO-Prozent-Miteigentümer,
di e Westdeutsche Allgemeine Zeitung
(WAZ), beobachtet die Vorgänge im Wie-
ner Pressehaus beunruhigt. Teilnehmer ei-
nes Abendessens mit Ex-Kanzler A1fred
Gusenbauer und WAZ-Chef Bodo Hom-
bach vor einigen Wochen in Wien berich-
ten, Hombach habe sich verblüfft darüber
gezeigt, wi e demütig die Parteien Dichands
Kampagnenjournalismus hinnehmen, den
er total ablehne. In Deutschland wäre so
etwas nicht möglich, habe Hombach ge-
meint.
Ändern kann die WAZ daran kaum etwas.
Redakti onell hat nach wie vor der Patriarch
das Vorrecht. H. L.
MSfl 010. C 19
österreich
par:1t: i\':lchrichtcn ;J US der Außcll\\'elt pas-
sen ni cht zum her/JIl'tischen Erzichungsstil
der jungen FLlll .
Anders als ß.lrha r;1 ist Horst schon in den
achtziger Jahren poli tisch hoch:lkri,·. Er be-
wegtsi ch im Kn:is um i\' DP-ChefNorherr
Burger, seit den fünfziger J;lhrell unumstrit-
tener Anführer der radibieIl Rechten in Ös-
terreich. Dorr trifft I-forst Roscnkranz alle
Granden der Bewegung: den derzeit eille
vierjährige Haftstrafe absitzenden Gerd
I-Ionsik, den bekcnncnden Neonazi Gott-
fricd Küssel und Bruno !-I :l;1S, der wegen
i\'S- \ Vicderbetätigung neun :VlclI1atc be-
dingt ausgefassr hane. Ein junger Mann na-
mens I leinz-Chri sti ,lIl Srnlche ist damal s
mit einer ßurger-' Iochter liien,
Rabauken. B,lrbanl Rosenkranz ist nicht mit
der Rabaukentruppe unter"'egs. Si e tritt
1989 der FPÖ bei lind wird ,Vl itg1ied des
Gemeinderats, Oft m,lrschi err sie mit einem
Korb durch den Ort und "crrtilt Inforlll<l-
tionsm:lteri:ll. Ihr Thenu ist die Famil ien-
politik. 1992 schrei ht Barb<lr,l Rosenkranz
in einem Leserbricf an di e "Presse" gegen
den Ausbau ,'on Kindergärten an: Das sei
"inhumane koll ekti ve Frcmdve rwahrung
kJeinster Kinder", di e sie an den Ostbl ock
ermnere.
Gatte fforst hat ei n anderes Thema gt:-
funden. Schon 19B8 war er bei der L'lnd-
Sonnwendfeier am Cobenzt 2001
Ideologische Bekenntni sse pünktlich zur Mittsommernacht
Kameraden Horst Rosenkranz (im Kreis), Küssel
(vorne links) Seit mehr als zwei Jahrzehnten
immer im Unkreis von Recht sradikalen
t:lgswahl in Niederösrcrreich Kandidat der
Gruppe "Ein Herz für Inl ilnder" gewesen.
Im Sommer 1990 meldet er die Li ste
zur AusländerAur" an, mit der cr als Spit-
zenkandid:H in di e Nationalratswah len ge-
hen will. Auf seiner Liste findet sich di e
Nomenkhlnlra des Rechtsextremis mus. Die
Kreiswahlbehörde \ \ 'ien untersagt die Kan-
di datur. Politisch zustilndig für das Verbot
ist Stadtrat f hlll nes Swobod,l, heute Euro-
luabgeordneter der SPÖ. Der \ 'erf<lss ungs-
geri chtshof bestätigt ei ni ge .\ lonate spiiter
Verbot.
I lorst Rosenkr;lllz konzentriert sich auf
die Publi zistik: Sei ne bi s heure existierende
Zeitschrift "Fakten" erscheint erstmals 1990.
Tr:iger des ß[ atts ist eier \ 'erein "Kriti sche
Demokraten", in dessen Vorstand der
S(;latspoli zei bekannte Leurc sitzen. Einige
von ihm:n hattt:n 19R7 einen Anschlag
auf ein von linken Autonolllt:n besetztes
I-laus in der \Viener Aegidigasse verübt.
Das "Fakten"-Blan des Horst Rost n-
kranz agi ert unverhlümt. Ein Mit'lrbeiter
wird 1991 zur ' Iagung der Holocaust-Lcug-
ner im bayerischen \ Vunsiedl geschickt und
beri chtet unter dem Pseudonym "Dank-
wart": "Al s der Kongress beender, da riefen
alle Teilnehmer spontan im Chor das \ VOft,
das behördli ch so verpönt und gefürchtet:
,Auschwitz, Auschwitz, Auschwitz'."
Di e Rosenkr:1Ilz-Zeinmg bewirbt auch
einsch1;igigc Llteramr und lonträger, zum
Beispiel das \Verk "Eini gkeit, Recht und Frei -
heit": "Auf zwei LanbTSpiclplatten wird der
Hörer mit ei ner der besten Reden l liders
bebnnt gemacht. Tei ls scharf, teils ironi sch,
teils ycrsöhnlich wies der Reichskanzler jede
US-Ei nmischung entschieden zunick. "
Di e Tonlage des Blatts hat sich his heute
nicht geändert. Im Jänner 2009 agitieren die
"Elkren" gegen "Torschlagwone wie di e an-
geblichen Verbrecht n der \Nehrm3chr und
die Gräuel der KZs ... ein Gewi rr \'on Lii -
gen und Entstel lungen". FPÖ-Rcchtsaußcn
OtrO Scrinzi, 92, in derselben Ausgabe üher
US-Präsident ßarack Obama: "Ein mit an-
onymen \Verbemilliarden hochgepushtcr
halbschw'lrzt r Messias."
Karrieresprung. Leben kann Rosenkranz
"on seiner Zeinmg ni e, Anfang der neun zi-
ger Jahre wird er von seiner Fil'm<1 als ClIt-
;er den ORF ßurgcnland verliehen. Dort
produziert er ausgerechnet das J\ 1 inderhci-
tenprogramm in kroati scher Sprache. Am
Par kplatz s[idlt den Kollegen ein Sticker:lJ1
der Hccksclu:i be seines Autos ins Auge:
"I hin a Deutscher." Als ei ne Mitarbeiterin
Roscnkr'lI1z' Namen im Impressum eines
Hetz- Flugblatts gegen Ausländer findet,
wird er hi nausgeworfen. Er hleibt fortan zu
Il ause bei den inzwischen siebtn Kindern
und jobbt gelegentlich als Nachtportier in
einem Hotel.
Da trifft es sich gut, dass Fnm Barbara,
mittlerweil e 35, Karritre macht: 1993 kan-
didiert sie Platz fünf der FPÖ-Lal1dtags-
w:lhl-Listt. Sie ist in guter Gesellschaft: Vor
ihr, ,lUf Platz vier, rangiert Edwin Ramhos-
sek aus Perchtoldsdorf, '\'Ii tglied der rechts-
r;ldiblen "Kameradsch,lft Prinz Eugen".
Hinter ihr, ,1IJf Li stenpl atz sechs, findet sich
der FPÖ-Obma nl1 "on \N'iencr i\ leustadt,
\Volfgang l-Iaberler, in dessen Pancisekre-
tariat die Polizei drei Jahre zuvor eine
"Srurmt.mppe Ost" ausgehoben hatte. Di e
jungen Radikal en hatten dort Neonazi-Pro-
paganda produziert.
In der Partei schaden Barbara Rosen-
knll1z die Umtriebe ihres Gatten also nicht,
aber Journali sten fragen jetzt bei der neuen
Abgeordneten nach. Deren Antworten sind
bis heute di eselben: "leh kann nicht sehen,
dass er etwas Ehrenrühri ges mache" Oder:
,, \Venn di e Staatsanwaltscha ft ni chts dran fin-
der, kann ich auch nichts dran finden." Oder:
"",/enn er mich fragt, ob ein Beistrich fehlt,
dann sage ich es ihm." Und sie fügt hinzu,
er sei seinen Kindern "ein heiß geli ebter Va-
t<..T" . Noch heme versammle sich die ganze
Sippe jeden Sonntag zum gemeinsamen
Nbhl , di e M.utter kocht.
Es gehört zur pol itischen Stilisierung der
Barbara Rosenkranz, ihr F an-uli enleben ideo-
logisch zu überhöhen. Jeder am Tisch hat
seinen Platz, jeder seine Aufgabe. Es gehe
um die "gmndsät zli chen Einheiten, die
grundsätzliche Ordnung, die Nation, das
Lllld, die Ileimat", bringt sie ihr politi sches
Gefühlsleben 2004 bei einer Sonnwendfeier
auf den Nenner: "Die Regeln für uns selbst
finden wir in der Natur, sie müssen unserem
Cesell schaftsleben zugmnde gelehrt werden. "
Barbara Rosenkranz - eine "Sozialdarwi-
nistin"? In Perverticnmg der Lehre des gro-
ßen Biologen postuliert der "Sozialdarwi-
ni sI1l lls" di e "natürliche Auslese beim ..
"Fakten"-TItelblatt aus 1990
"Auschwitz, Auschwi tz, Auschwitz"
fakten
_ '011_10"
Jude
Schafe, Apfelwein
Der Verlag,
herausgab,
die Bücher von Barbara Rosenkranz und Martin Graf
bereits in dritter Generation rechtsradikale Machwerke.
D
as rroICrarnm bietet Beschauliches.
In den des Grazer Stocker
Verlags kJlnn sich über "Schathaltung
heute", "Most Apfelwein" und "Süßes
Groß,mutteri Küche" informieren.
bereits 1917 vom
Landwirt Le<>pollo Stocker gegründete
Verlagshaus Jahren in eine Toch-
terfirma den Ares Verlag, be-
nannt nach "Gott des
Kriegs, des und des Massakers"
(Wikipedia). sind etwa Werke wie
,Jüdischer , "Der jWl.ge
Hitler" und Sozialisten in der
NSDAP" - durchwegs Arbei-
m_
"-' , ...... u _
Ver'stä"dnis für die NS-
zwei hochrangige
F finden sich im Auto-
Verlea:er Dvorak-Slocker, Autorin Rosenkranz
(2008) ,,Arbeiten mit viel Verständni s für die
NS-Id.ologi."
geführten Wochenzeirung "Zur Zeit"
beteilige.
Der Stocker Verlag hatte sich schon
bald nach seiner Gründung einschlägig
engagiert. Bereits 1921 erschien der Rat-
geber "Gebt den Kindern deutsche Na-
rnen!". Es fo lgeen die Pamphlete ,Juden-
tum und Sozialdemokratie", ,Juda. Kriti-
sche Betrachtungen über Wesen und
Wirken des Judentums" und 1924 die
Hetzschrift ,Juden-Fibel".
Eine Blüee erlebte Stockers Verlag na-
turgemäß ab 1938.
1 1 ... ' ..... ' 01 ... .. I _ , 01 , ... ..
...... I __ I-
Dritte Natio-
n Martin Graf gab
Nach 1945 verbrachte Leopold Stocker
vier Monate in U-Haft und drei Monate
in Hausarrest. Das konnte ihn nicht bie-
gen. Schon wenig später interessierte sich
die Staatsanwaltschaft neuerlich für ihn,
weil er eine von geflüchteten Nazi-Grö-
ßen in Buenos Aires herausgegebene Zeit-
schrift namens "Der Weg" in Österreich
verbreitete.
.14_"._ ... _ .. ....
!.o' .. .
dort unläm!.r Buch ,,150 Jahre
Bu,rS<:h,:nstf"ft" n in Österreich"
heraus, die
kJlndidatin il Rosenkranz ließ
2008 ihr anpifellüni"tiS<:hes Buch
dem Weg zum
g' M,enschen
lf
im
Ares Verlag! ,erse:heinen.
Chef ist der Enkel des
Dvorak-Sto-
hält engen
u der
B und ist mit zehn
vom FPÖ-Europa-
ab!:eordrletiin Andreas Mölzer
Nach Stockers Tod übernahm 1950 sei-
ne Tochter lIse Dvorak-Stocker das Ver-
lagshaus, 1995 machte sie ihrem Sohn
Platz.
Ein anderes Mutter/Sohn-Verhältnis ist
Thema eines Verlagsobjekts: Dorothea
Haider veröffentlichte vor wenigen Mo-
naten ihr Erinnerungsbuch "Mein Sohn
Jörg" natürlich im Stocker Verlag. H. L.
21
österreich
K.lInpf ums D,lsrin" :luch im menschlichen
Zusammenleben. Das Sta rke, d.ls rassisch
Gesunde werde siegen, das Schwache aus-
gemerzt, hieß es im i\'a tional sozial isl1lus.
Kur fol gcriclnig, dass Alt-Idl,;ologe Scri ll7.i
bei einem Syrnposium in Kirnten im Vor-
jahr Darwin frech als "geistigen Vater des
dritten Lagers" vereinna hmte - übrigens in
Anwesenheit von B:.lrh:lra Rosenkranz.
In der FPÖ steigt sie ab Ende der neun-
ziger Jahre stetig auf. 1998 wird Rosenkranz
Landessekretärin in Niederöstcrreich, 2002
Abgeordnete ZUIll ein Jahr sp;i-
rer Landcsparreichefin.
,J örg I-Iaider war sie nie ganz geheuer",
erziihlt ei ner seiner \ Veggef.ihrten. "Sein
bubenhafter Charme hat bei ihr überhaupt
nicht gezogen." Dennoch ist Rosenkranz
geladen, :Ils Haider im Sommer 2002 die
Größen der europiiischen Rechten zu einem
Geheil1l trctTell an den \Vönhersee holt.
Und sie ist wenige \ Vochen spiiter auch in
Knittelfcl d mit \'on der Parrit:, al s Ilaider,
Str.lche, Stadler und die Scheuch- Sruder den
rechten P;lrteiAiigei gl,;gcn die Liberalt.: n UIIl
Sus:lnne Ri ess- Passer put<;chen lassen.
Mainstream. Ihrhara Rosenkral17_ h<lt auch
liingst ihre eigenen Kontakte geknüpft. Im
0Jovember 2001 hiilt sie bei der \ ierj;lhres-
fei er VOll Andrcas .\l ölzers \Vochenblatt
"Zur Zeit" auf Schloss Kranichberg bei
VOlksanwalt Stadler (re.), Sonnwendfeier am Cobenzl2001
Partner H. C. Strache, Rosenkranz
Der FPÖ-Chef zweitelte an der Zugkraft
der Kandidatin beim jungen Publikum
Gloggni tz die ßegrüßungsrede. Unter den
Ehrcngiisten befinden sich der ungarische
Anti semit Istvan Csurka und Filip ele \ Vin-
tel' vom rechtsradikal en Vlaams Blok aus
Belgien. Rosenkranz lobl sie als ,,1\ lenschen,
die sich ni cht delll ,\ lainstream anschli eßen
und eigensündig und frei denken".
Sie entzündet jetzt selbst ein
Sonnwendfeuer in Secbal"ll, um das sich die
Volkstreuen sch.,rcll. Am 11. j uni 1002 ist
Ewald St:lclkr ihr Festredner. Der damali ge
Volksanw'l lt ruft .mgesichts der Rosenkranz-
Ri eue dazu auf, "unseren \'olkscrhalt durch
starke und kinderreiche Familien
zu orga nisieren". All schliefknd
beklagt cr, 1945 sei es "zur Staatsideologie
geworden, dass wir :mgeblich \"on Faschi s-
"Es ist Staatsideologie, dass wir 1945 angeblich von Faschi smus und Tyrannei befreit worden sind"
mus und 'T}' nmnei befreit worden sind".
Bei der Rosenkranz-Mittsommernachts-
fete 2004 warnt Andreas t\tlölzer vor der Ge-
fährdung "unseres gewachsenen VolkstulIls"
durch Zuwanderung und Islam.
Auch Horst jakob Rosenkranz hat noch
seine Auftritte. \ lädt ihn der Ring
Freihei tlicher .lugend Oberösterreich - n,lch
Meinung von Experten die am weitesten
rechts stehende Untergli ederung der FPÖ
- zu Referaten. Ende 2002 ist er Gast bei der
notorischen "Arbeitsgemeinschaft für de-
mokratische Politik". Di e Ultras fei ern den
100. Geburtst3g vonj ose Antonio Primo ele
Ri\'era, dem Gründer der spani schen Fa-
schi stenpanei. Horst Rosenkranz referiert
über die Zukunft des Nationalstaats.
B,lrbanl Rosenkranz bleibt in cliesenJ ,lh-
ren auch in der prakti schen Politik ihrer
weltanschauli chen Berufung treu. Bei der
Zehnjahresfeier von "Zur Zeit" stellt sie
erstmals das Verborsgesetz infrage - übri-
gens mit derselben Formuli erung wie ver-
gangene \Voche in der "ZiB 2". Als Einzige
ihrer Fraktion stimll1t sie im Nationalrat ge-
gen den EU-Li ssabon-Vertrag, anders als
di e 'lIlderen Abgeordneten b uft sie 1005
nicht zu j örg I-biders ßZÖ über.
Ihre Stand festi gkeit verfehlt bei den al-
ten Kameraden ni cht die \ Virl,."ung. \ 'Or der
NJcionalratswahl 2006 ruft Gerd Honsik
noch \'on sei nem Fluchtort in Spanien aus
zu ei ner für Bar-
ba r,1 Rosenkranz auf: "Keine Stimme den
Volksfei nden und Verrätern!"
Al s sie im \·ergangenen Oktober bei den
Kulturragen" in Sirnitz spricht.
einer Heerschau rec!ncr Theoretiker, hat
sie einen hartgesottenen Vorredner: Der
deutsche Publizist ./ürgen Schwab, 43 , war
einst Chefideologe der NPD, hat sich VOll
dieser aber weil sie "den Parcei-
enstaat erhalten möchte und als Systemalter-
nati ve nicht glaubwürdi g ist". Sch\\"ab strebt
di e Heseiti gung des Parbment,lrisltlus an.
\Vohl ni cht zuletzt wegen solcher Kon-
takte nannte Landesh;lUponann Erwin Pröll
Barbara Rosenkr,lIl z einst "ein Sicherheits-
ri si ko". Dass Pröll s K1ubobmann Klaus
Schnecbergcr nur Stunden nach ihrer .. Ktir
zur der Kandidatin aufrief ("Ei n OV1'-
\Vähler wird, bevor er einen Il errn Fi scher
wähll, ei ne Fr-au Rosenkranz w;lhlen"), zählt
zu dcn erstell Überraschungen dicses
W"hlkaillpfs. •

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