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Deutscher Bundestag Drucksache 17/900

17. Wahlperiode 16. 03. 2010

Unterrichtung
durch den Wehrbeauftragten

Jahresbericht 2009 (51. Bericht)

Zugeleitet mit Schreiben des Wehrbeauftragten vom 16. März 2010 gemäß § 2 Absatz 1 des Gesetzes über den Wehr-
beauftragten des Deutschen Bundestages.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode –3– Drucksache 17/900

Vorwort
Wenn ich in meiner besonderen Verantwortung auf das zurückliegende Jahr blicke,
dann ist das Jahr 2009 für die Bundeswehr nüchtern betrachtet zunächst einmal von
der nachfolgenden Opfer-Bilanz geprägt:
Fünf gefallene Bundeswehr-Soldaten.
36 verwundete Soldatinnen und Soldaten.
418 offiziell registrierte Soldatinnen und Soldaten mit posttraumatischen Belas-
tungsstörungen.
Ohne mein Resümee des Berichtsjahres auf diese Opferbilanz reduzieren zu wollen,
mache ich keinen Hehl daraus, dass ich im Rückblick gerade auch an die für mich
schlimmsten Tage denke. Und das sind jene Tage, an denen ich jeweils vor dem Sarg
eines gefallenen Soldaten stand, um diesem die letzte Ehre zu erweisen. Es sind die
Szenen der Trauerfeiern, in denen die Eltern, Ehefrauen, Lebensgefährtinnen,
Freunde und Kameraden Abschied nehmen müssen von einem geliebten Menschen.
Und es sind auch die Stunden, in denen ich mir einsam und verlassen vorkomme,
weil ich weiß, dass meine Beileidsbekundungen, alle tröstlich gemeinten Worte ge-
genüber den Angehörigen nichts ändern können an der Tatsache, dass der gefallene
Sohn, Ehemann, Freund und Kamerad niemals zurückkehren wird. Es bleiben dann
stets mehr Fragen als Antworten. Es bleiben auch Zweifel. Wie könnte es auch an-
ders sein.
Und in diesen Stunden der Trauer über den Verlust eines jungen Menschen, wird mir
immer wieder die gern verdrängte Brutalität des „nicht-internationalen bewaffneten
Konfliktes“ in Afghanistan vor Augen geführt. Aber aus dieser Trauer über unsere
gefallenen Soldaten ist bei mir auch eine Sensibilität und Ungeduld entstanden mit
Blick auf sämtliche Fragen, die mit dem Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten im
Einsatz zu tun haben, ihrer medizinischen und sozialen Versorgung sowie der Be-
treuung. Deshalb reagiere ich inzwischen zugegebenermaßen ungehalten, wenn mir
Soldaten beispielsweise berichten, dass es bis zum heutigen Tage nicht gelungen ist,
die infanteristischen Truppenteile, die im vergangenen Jahr die Hauptlast der schwe-
ren Gefechte im Raum Kunduz zu tragen hatten, mit der ausreichenden Zahl von ge-
schützten Fahrzeugen auszustatten. Und dazu gehören auch die Fahrzeuge für die
Ausbildung in den Heimatstandorten. Obwohl ich in allen meinen Berichten immer
wieder unmissverständlich auf diesen Mangel hingewiesen hatte, wird von der mili-
tärischen Führung hingenommen, dass als Kraftfahrer eingesetzte Soldaten erst im
Einsatzland mit den gepanzerten Spezialfahrzeugen vertraut gemacht werden. Das
Beherrschen der nicht einfach zu lenkenden Fahrzeuge ist aber oftmals entscheidend
für das Überleben im Einsatz. Gerade deshalb fehlt mir jedes Verständnis für dieses
gravierende Defizit in der Ausstattung und in der Ausbildung. Aber es gibt noch wei-
tere weithin bekannte Mängel hinsichtlich der notwendigen Ausbildung, Material-
ausstattung und Vorbereitung, die ich aus naheliegenden Sicherheitsgründen nicht
öffentlich im Detail thematisiere. Auch hier stellt sich mir die Frage, weshalb es
nicht möglich war, im Laufe der Jahre die Mängel abzustellen.
Der von bestimmter Seite immer wieder gehörte Einwand, es stehe hierfür kein oder
zu wenig Geld zur Verfügung, ist für mich nicht hinnehmbar. Wohlwissend, dass es
zwar keinen hundertprozentigen, aber durchaus einen optimalen Schutz für die Sol-
daten im Einsatz gibt, haben zumindest die Verantwortlichen im Deutschen Bundes-
tag nach meiner Kenntnis zu keiner Zeit nachgewiesene und realisierbare militäri-
sche Notwendigkeiten abgelehnt. Deshalb muss ich auch an dieser Stelle meine
begründeten Zweifel an bestimmten Führungs- und Entscheidungsstrukturen der
Bundeswehr unterstreichen. Bereits bei der Vorstellung meines vorletzten Tätigkeits-
berichtes hatte ich gefragt, ob gewisse Mängel und Defizite der Bundeswehr mit den
Ansprüchen einer modernen Einsatzarmee zu vereinbaren seien. Die Antwort liegt
auf der Hand: ein deutliches Nein! Die Realität in den Streitkräften ist gekennzeich-
net durch unübersichtliche Führungsverantwortung, zu viel Bürokratie, Reibungs-
verluste durch Trennung von Truppe und Truppenverwaltung sowie veraltete Perso-
nal- und Materialplanung, um nur die wichtigsten Stichworte zu nennen.
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Vor dem Hintergrund der nicht einfacher und ungefährlicher werdenden Auslands-
einsätze richte ich an alle militärisch und politisch Verantwortlichen deshalb den
dringenden Appell, bei der bevorstehenden Überprüfung der Bundeswehrstruktur die
Voraussetzungen für diese aus meiner Sicht unverzichtbare Modernisierung unserer
Streitkräfte zu schaffen.
Die aus den oben beschriebenen persönlichen Erfahrungen resultierende Ungeduld
veranlasst mich auch, eine weitere von vielen Soldaten mir gegenüber geäußerte
Klage anzusprechen, nämlich den fehlenden Rückhalt für die Soldaten durch die
deutsche Gesellschaft. Auch im vergangenen Jahr wurde dieses Problem bei jedem
meiner Truppenbesuche in den Heimatstandorten und in den Einsatzgebieten von
den Soldatinnen und Soldaten angesprochen. Für unsere Bundeswehrangehörigen ist
ganz einfach nicht nachvollziehbar, weshalb ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger ih-
nen so wenig Beachtung und – wie die Soldaten es selber formulieren – „moralische
Unterstützung“ schenken, obwohl sie ihre Gesundheit und ihr Leben für deutsche In-
teressen und im Auftrag des Deutschen Bundestages einsetzen. Was unsere Soldaten
erwarten, ist mehr Empathie, mehr menschliche Zuwendung. Christen sprechen in
diesem Zusammenhang auch von Nächstenliebe. Und diese menschliche Zuwen-
dung darf nicht – wie es leicht geschehen mag – mit der politischen Akzeptanz der
Auslandseinsätze der Bundeswehr gleichgesetzt oder verwechselt werden. Wenn die
Soldaten sich mehr ehrliches menschliches Interesse statt – wie Bundespräsident
Prof. Dr. Horst Köhler es ausdrückte – „freundliches Desinteresse“ wünschen, dann
fordern sie für sich das ein, was in den meisten Ländern als Selbstverständlichkeit
betrachtet wird. Auch in vielen anderen verbündeten Staaten, die sich gemeinsam
mit Deutschland in den Einsatzgebieten engagieren, sind die jeweiligen Mandate
politisch umstritten. Die Qualität des in der Gesellschaft ausgetragenen Diskurses
unterscheidet sich dort kaum von der in unserem Land. Und trotzdem gibt es einen
wesentlichen Unterschied. Im Gegensatz zu unserem Land nehmen die Zivilgesell-
schaften in anderen Ländern durchweg regen Anteil am Schicksal der Soldaten. In
diesen Ländern identifiziert man sich auch nicht zwingend mit den Einsätzen, sehr
wohl aber mit den Menschen, die in diese Einsätze geschickt werden.
Daraus jetzt vorschnelle negative Schlussfolgerungen mit Blick auf die deutsche
Situation ziehen zu wollen, wäre meines Erachtens aber unangebracht. Unabhängig
von der besonderen und nicht vergleichbaren Geschichte unseres Landes hat es im-
mer wieder starke Belege für die Tragfähigkeit der Solidargemeinschaft gegeben.
Beispielhaft kann ich selbst auf die große positive öffentliche Resonanz aus der Be-
völkerung bei meiner Darstellung der zum Teil katastrophalen Beschaffenheit bun-
desdeutscher Kasernen verweisen. Nicht zuletzt aufgrund des gesellschaftlichen
Drucks wurde seinerzeit ein Sonderprogramm für die Kasernensanierung aufgelegt.
Als weiteres Beispiel nenne ich die Reaktionen auf den Fernsehfilm „Willkommen
zu Hause“, der das Schicksal eines unter posttraumatischen Belastungsstörungen lei-
denden Afghanistan-Heimkehrers erzählt. Dieser Film löste geradezu eine Welle von
Betroffenheits- und Solidaritätsbekundungen aus vielen Teilen der Gesellschaft aus.
Was jedoch für mich ebenso eindrucksvoll die Bereitschaft zum Mitgefühl für unsere
Soldaten unterstreicht, sind die lokalen Initiativen an den Bundeswehrstandorten.
Überall dort, wo die Möglichkeit besteht, Einblick in das „Innenleben“ der Bundes-
wehr in den Kasernen zu bekommen, gibt es in der Regel nicht nur bei den offiziel-
len Vertretern der Kommunen, sondern auch in der Bevölkerung des Bundeswehr-
standortes ein reges Interesse. Das wird mir besonders deutlich, wenn öffentliche
Gelöbnisse, Jubiläumsveranstaltungen oder Verabschiedungsappelle für Einsatz-Sol-
daten statt finden. Deshalb ist es aus meiner Sicht auch möglich, die für die Soldaten
unbefriedigende Situation mit Blick auf die fehlende gesellschaftliche Unterstützung
zu verbessern. Es kann aber nur gelingen, wenn dieses Thema nicht nur Sache der
politischen Organe und Verantwortungsträger, sondern aller großen gesellschaftli-
chen Institutionen und Organisationen wird. Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände,
die Protagonisten aus Kultur und Wissenschaft sowie die Kirchen in Deutschland
können mit ihren vielfältigen Möglichkeiten ganz wesentlich ihren Beitrag zur Ver-
besserung der gesellschaftlichen Unterstützung unserer Soldatinnen und Soldaten
leisten. Sonntagsreden helfen nicht weiter. Die Unterstützung muss vielmehr organi-
siert werden. Ich selbst werde dabei gerne helfen, wo immer ich es vermag.
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Das zurückliegende Jahr gehört für die deutschen Streitkräfte zu den ereignisreichs-
ten in ihrer 55jährigen Geschichte. Zunächst der Aufwuchs des bisher größten
Auslandseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan mit einer Personalstärke von
4 500 Soldatinnen und Soldaten. Eine sich verschärfende Sicherheitslage, die ge-
kennzeichnet war von stundenlangen schweren Gefechten mit den bereits geschilder-
ten Opfern in den eigenen Reihen, aber ebenso geprägt war von getöteten gegneri-
schen Kräften auf der Seite der Taliban und deren Verbündeten. Im Zuge dieser sich
verschärfenden Lage im Raum Kunduz, dann das bekannte Bombardement zweier
Tanklastzüge mit einer unbekannten Zahl von zivilen Opfern. Und in Folge dieser
militärischen Operation dann zunächst die Entlassung des Generalinspekteurs
Wolfgang Schneiderhan, des Staatssekretärs Dr. Peter Wichert und schließlich der
Rücktritt des Bundesministers Dr. Franz Josef Jung, sowie die Einsetzung eines Un-
tersuchungsausschusses durch den Deutschen Bundestag. Nicht unerwähnt bleiben
darf in dieser Aufzählung der bedeutsamen Ereignisse im Jahre 2009 die von der
neuen Koalition beschlossene Reduzierung der Wehrpflichtdauer von bisher neun
auf künftig sechs Monate.
All dies ist selbstverständlich nicht spurlos an den Soldaten vorbeigezogen. Wie
könnte es auch anders sein? Die geschilderten Ereignisse stellen für die Soldaten
eine große „Herausforderung“ dar, wie es in der bundeswehreigenen Terminologie
gern formuliert wird. Nach meiner Beobachtung hatten die politischen und sonstigen
Folgen der „Kunduz-Operation“ erhebliche Auswirkungen auf alle Ebenen der Bun-
deswehr. Unabhängig von der noch ausstehenden rechtlichen Würdigung des Bom-
bardements und von den möglichen Erkenntnissen und Ergebnissen des Bundestags-
untersuchungsausschusses konnte ich in den Reihen der Streitkräfte keine einzige
Stimme vernehmen, die sich nicht solidarisch zeigte mit Oberst Georg Klein, dem
verantwortlichen Kommandeur für den Angriff auf die Tanklaster. Die Reaktionen
reichen von menschlicher Sympathie über Verständnis für eine schwierige, wenn
auch folgenreiche Entscheidung bis hin zu Respekt und Anerkennung für einen da-
mals notwendig erscheinenden Schritt, um eine Gefahr für die unterstellten deut-
schen Soldaten abzuwenden.
Selber mache ich keinen Hehl aus meiner persönlichen menschlichen Haltung ge-
genüber Oberst Klein. Ich lernte ihn im Sommer des vergangenen Jahres anlässlich
meines Truppenbesuches bei den deutschen ISAF-Kräften in Afghanistan kennen.
Nachdem ich gemeinsam mit meinen Mitarbeitern im deutschen Feldlager Kunduz
gelandet war und unmittelbar danach zum Gespräch im Büro von Oberst Klein Platz
genommen hatte, erreichte uns die Nachricht über ein schweres Gefecht, bei dem
deutsche Soldaten von Aufständischen massiv beschossen wurden. In den folgenden
60 Minuten trafen fortlaufend weitere Meldungen ein über einen schwer verwunde-
ten Soldaten, der schließlich gerettet werden konnte. Während dieser Stunde äußers-
ter Angespanntheit, in der sich die eingehenden Meldungen aus dem laufenden Ge-
fecht überschlugen, hatte ich Gelegenheit, einen Kommandeur zu erleben, der trotz
der entstandenen Hektik und der eskalierenden Situation ruhig, professionell und be-
sonnen seine Anweisungen gab. Was mir als Zeuge dieser Szene aus der realen Ein-
satzwirklichkeit jedoch am meisten Respekt abverlangte, war die Tatsache, dass für
Oberst Klein das Wohlergehen seiner ihm anbefohlenen Soldaten die allererste Prio-
rität hatte.
Dieser Truppenbesuch war für mich auch in einem weiteren Punkt von elementarer
Bedeutung. Ich traf während des Aufenthaltes in Kunduz mit den Angehörigen jener
Schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force) zusammen, die wenige Stunden
zuvor in die oben beschriebenen Gefechte verwickelt waren. In dieser Gesprächs-
runde schaute ich in die Gesichter der überwiegend noch sehr jungen Soldaten, die
gezeichnet waren von den schrecklichen Erlebnissen im Gefecht. Sie schilderten mir
anschaulich, wie ihre Patrouille in einen Hinterhalt geraten war und dann mit Panzer-
fäusten und anderen schweren Waffen vom Gegner stundenlang attackiert wurde. Es
gab verwundete Kameraden, für die jedoch keine Lebensgefahr mehr bestand. Die
Soldaten schilderten mir aber auch, wie etliche der gegnerischen Kräfte getroffen
und vermutlich auch getötet wurden. Spätestens nach diesen Schilderungen wurde
mir richtig bewusst, was es für die Soldaten bedeutet, wenn man diese Gefechte, die
sich im Grunde durch nichts von anderen Kriegsszenarien unterschieden, in der Hei-
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mat verharmlosend als „Unterstützungseinsatz für die afghanische Regierung“ be-


zeichnet.
Zwei weitere Begegnungen im Rahmen meiner Tätigkeit sind für mich ebenfalls
kennzeichnend für grundlegende Veränderungen in der Bundeswehr. Im vergange-
nen Jahr lud ich erstmalig Angehörige von gefallenen oder auf andere Weise ums Le-
ben gekommenen Soldatinnen und Soldaten ein. Die Hinterbliebenen schilderten mir
in zum Teil sehr anrührender Weise ihre individuelle Trauerarbeit nach dem Verlust
des geliebten Menschen. Aber ebenso offen berichteten sie über erlittene Enttäu-
schungen aufgrund mangelnden Einfühlungsvermögens. Was alle Angehörigen je-
doch verband, war der Wunsch nach einem „Netzwerk von Betroffenen“, um sich
gegenseitig zu stützen und zu stärken. Gerade deshalb bin ich erfreut über das Zu-
standkommen einer Selbsthilfe-Initiative von Hinterbliebenen.
Bei einer anderen Begegnung traf ich mit im Einsatz verwundeten Soldaten und de-
ren Partnerinnen in Berlin zusammen. Für mich war wichtig zu erfahren, wie es den
Soldaten seit ihrer Verwundung ergangen war. Und so schilderten mir die Soldaten
sehr eindrucksvoll ihre jeweilige medizinische Behandlung bis hin zu den vielen As-
pekten der sozialen Versorgung und Betreuung. Auch berichtete mir ein Soldat aus
dieser Runde, er sei körperlich und seelisch schwer verwundet aus dem Afghanistan-
Einsatz zurück gekehrt. Als „schlimme Erfahrung“ bezeichnete dieser Kamerad den
Umstand, dass er es in den zurückliegenden Wochen wegen der Behandlung seiner
posttraumatischen Belastungsstörung mit insgesamt acht (!) verschiedenen Psychia-
tern und Psychologen zu tun hatte. Jedes Mal habe er seine Krankengeschichte neu
berichten müssen. Ein Beispiel dafür, wie sich der Personalmangel und das Fehlen
von angemessenen Strukturen für einen betroffenen Soldaten auswirken können. Die
Ehefrauen und Lebensgefährtinnen der verwundeten Soldaten berichteten mir aus ih-
rer Sicht die schwierigsten Erfahrungen seit dem Unglück: Von der ersten Schreck-
sekunde über die Nachricht von der schweren Verwundung bis zum Problem, den
Kindern die schlimme Nachricht möglichst schonend zu vermitteln. Ebenso offen
schilderten mir einige Frauen, wie sich ihre Männer seit der Verwundung negativ
verändert hätten. Verhaltensauffälligkeiten, wie aggressive oder depressive Reaktio-
nen seien keine Seltenheit. Eindrucksvoller als in dieser Gesprächsrunde hatte ich
bisher nicht geschildert bekommen, wie sich die körperliche oder seelische Verwun-
dung eines Soldaten auf die Familie des Betroffenen auswirkt.
Sorge bereiten mir die zunehmenden Probleme im zentralen Sanitätsdienst der Bun-
deswehr. Die Kündigung von 130 Sanitätsärzten, die Schließung oder Zusammenle-
gung von Krankenhausabteilungen, die zunehmende Belastung von Ärzten und Sani-
tätern durch die Einsätze und immer stärker um sich greifenden Arzt-Vakanzen in
den Heimatstandorten sind Indizien dafür, dass die Sanitätsführung diese Problem-
felder viel zu spät aufgegriffen hat, obwohl die wichtigsten Defizite nicht zuletzt in
den Tätigkeitsberichten des Wehrbeauftragten regelmäßig konkret angesprochen
wurden. Zwischenzeitlich liegen zwar die ersten Vorschläge für unbedingt notwen-
dige Verbesserungen vor; allerdings greifen diese auch nach Meinung von Experten
nicht weit genug, oder es fehlt an Vorschlägen hinsichtlich der Finanzierung.
Obwohl der Deutsche Bundestag bereits vor langer Zeit in einem fraktionsübergrei-
fenden und einstimmig gefassten Beschluss die Schwerpunkte für die Versorgung
von PTBS-erkrankten Soldaten formulierte, hat die Sanitätsführung trotzdem nur
sehr zögerlich reagiert. Ich bleibe bei meiner vielfach geäußerten Auffassung, dass
ein eigenständiges PTBS-Institut für Prophylaxe, Therapie und Forschung die
Grundlage für ein umfassendes Konzept bilden muss.
Die Vereinbarkeit von Familie und Dienst hat für die Soldatinnen und Soldaten zwi-
schenzeitlich eine ebenso hohe Priorität wie eine angemessene Bezahlung oder die
sozialen Rahmenbedingungen für den Soldatenberuf. Dieser hohe Stellenwert ist
eine Folge der Transformation der Streitkräfte. Die sich aus der Transformation erge-
benden Belastungen wirken sich nicht nur auf die Soldaten, sondern auch auf deren
Familien negativ aus. Die Einsatzhäufigkeit, die teilweise verschärfte Sicherheits-
lage in manchen Einsatzgebieten, die Abwesenheitszeiten durch Lehrgänge und
Übungen sowie das Pendeln über weite Entfernungen zwischen Wohnort und Ka-
serne sind Ursache für den Unmut vieler Soldatinnen und Soldaten. Auch wenn die
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politische und militärische Führung inzwischen wegen des zunehmenden Drucks aus
der Truppe nicht mehr umhin kommt, die unzulängliche Familienfreundlichkeit der
Bundeswehr einzugestehen, hat sich während der zurückliegenden Jahre leider nicht
sehr viel konkret bewegt. Was fehlt, sind insbesondere Kinderbetreuungsplätze.
Erste Ansätze für einige wenige Modellprojekte sind im Entstehen, diese reichen
aber bei weitem nicht aus. Ebenso wie bei der Schaffung von Pendlerwohnungen für
nicht kasernenpflichtige Soldaten wird eine akzeptable Problemlösung bei Kinder-
tagesstätten ohne eine stärkere finanzielle Beteiligung des Dienstherrn nicht darstell-
bar sein.
Mehr Fragen als Antworten ergeben sich zunächst einmal aus der Entscheidung der
amtierenden Bundesregierung, die Wehrpflicht von bisher neun auf künftig sechs
Monate zu verkürzen. Aus den Reihen der Streitkräfte höre ich überwiegend Skepsis
und Verunsicherung bis hin zu der nicht selten gehörten Auffassung, wenn kein in-
haltlich sinnvolles Konzept für die verkürzte Wehrpflicht vorgelegt werde, solle die
derzeitige Koalition die Wehrpflicht doch lieber gleich abschaffen. Im Vordergrund
steht hierbei die Sorge, die verkürzte Wehrpflicht sei nicht geeignet, einen sinnvollen
Wehrdienst zu gewährleisten. Nur eine Minderheit in der Bundeswehr vertritt eine
zustimmende Meinung zum neuen Wehrdienst „W6“.
Als bekennender Anhänger der Wehrpflicht bin ich zugegebenermaßen nicht ganz
frei in der Bewertung dieser Frage. Trotzdem will ich aus meiner Perspektive auf ei-
nige Aspekte hinweisen. Die Debatte um die Zukunft unserer Wehrpflicht wird da-
durch nicht einfacher, dass die Wehrpflicht bei fast allen Verbündeten zwischenzeit-
lich abgeschafft wurde. Zusätzlich erschwert wird eine transparente und damit
nachvollziehbare Bewertung dadurch, dass nach meinen Erkenntnissen die negativen
Auswirkungen der Umwandlung von einer Wehrpflichtarmee zu einer Berufsarmee
in den besagten Staaten höchstens hinter vorgehaltener Hand zugegeben werden.
Auch die aus der Umwandlung entstehenden Mehrkosten für Rekrutierung und
Attraktivitätssteigerung sind nicht eindeutig verifizierbar. Daher wird man sich in
der weiteren Diskussion in Deutschland vermutlich ausschließlich auf die eigenen
historischen, sicherheitspolitischen und gesellschaftlichen Erfahrungen verlassen
müssen. Nach meiner Einschätzung steht die ganz überwiegende Mehrheit der Füh-
rungspersönlichkeiten in unseren Streitkräften, vom Chef der Ausbildungskompanie
bis zum Generalinspekteur, ohne Wenn und Aber zur Wehrpflicht. Diese Generation
ist selber geprägt von den positiven Erfahrungen in einer Wehrpflichtarmee und ver-
tritt deshalb naturgemäß auch offensiv die Beibehaltung. Und zwar auch dann, wenn
die derzeitige Qualität aufgrund der beschlossenen Verkürzung der Wehrdienstdauer
nicht im vollen Umfang beibehalten werden kann.
Bei allen Argumenten, die jetzt in der notwendigen Veränderung der Wehrdienst-
dauer abzuwägen sind, sollte nicht vergessen werden, welche Kritikpunkte nicht zu-
letzt von meinen Vorgängern und mir seit der Umwandlung von der reinen Verteidi-
gungs- zur Einsatzarmee aufgeworfen wurden. Bei der Neugestaltung unseres
Wehrdienstes muss im Interesse der Planungssicherheit für die Streitkräfte und der
künftigen Einberufungsjahrgänge der neue Grundwehrdienst „W6“ mit einer belast-
baren Struktur und mit einer ausreichenden Finanzausstattung versehen werden. Be-
merkenswert finde ich in diesem Zusammenhang die vom Bundeswehrverband erar-
beiteten zehn grundsätzlichen Fragen zu der Ausgestaltung des Grundwehrdienstes
„W6“ an die militärische Führung und die politischen Verantwortungsträger.
Wenn sich ausländische Politiker, Diplomaten und Vertreter von Institutionen an
mich wenden, um mehr zu erfahren über das Amt des Wehrbeauftragten, stelle ich
immer wieder fest, wie groß das Interesse an unseren deutschen Erfahrungen mit der
parlamentarischen Kontrolle der Streitkräfte ist. Aus so manchem anfänglichen Ge-
dankenaustausch hat sich ein intensiver bilateraler Kontakt ergeben, der in einigen
Fällen dazu führte, dass unsere Institution mehr oder weniger vollständig adaptiert
wurde. Beispielhaft seien Südkorea, Argentinien und Bosnien-Herzegowina genannt.
Aus diesen internationalen Erfahrungen habe ich das Vorhaben entwickelt, die ver-
gleichbaren Ombudsleute und Wehrbeauftragten zusammenzuholen mit dem Ziel,
die sehr unterschiedlichen rechtlichen und sonstigen Rahmenbedingungen für die
Kontrollorgane zu harmonisieren. Dieses Treffen fand im vergangenen Jahr in Berlin
statt. Insgesamt 18 Staaten folgten meiner Einladung, die in Kooperation mit der
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Stiftung „Geneva Centre for the Democratic Control of Armed Forces“ ausgespro-
chen wurde. Diese große Resonanz und das außerordentlich positive Echo auf meine
Initiative sind ein Beleg dafür, dass die Bereitschaft für eine enge und pragmatische
Kooperation aller Ombudsinstitutionen sehr groß ist und vorangetrieben werden
sollte. Gefreut habe ich mich in diesem Zusammenhang über die Anregung zur
Schaffung eines Europäischen Wehrbeauftragten. Gerade vor dem Hintergrund, dass
in vielen Staaten der Welt Soldaten nach wie vor für politische Zwecke missbraucht
werden und die Menschenrechtssituation der Soldaten in zahlreichen Teilen der Welt
als katastrophal bezeichnet werden muss, bekommt die internationale Zusammenar-
beit der Ombudsinstitutionen eine herausragende Bedeutung.
Die rund fünfeinhalb Tausend Eingaben pro Jahr sind nicht zuletzt auch Ausdruck
vieler Probleme, die unsere Soldatinnen und Soldaten belasten. So werden die Tätig-
keitsberichte des Wehrbeauftragten oftmals als reine Mängelberichte wahrgenom-
men. Das wird jedoch weder der „Stimmung in der Truppe“ noch der Leistungsfä-
higkeit unserer Streitkräfte gerecht. Deshalb ist es mir ein aufrichtiges, wichtiges
Anliegen, unseren Soldatinnen und Soldaten auch in meiner Verantwortung ganz
herzlich dafür Dank zu sagen, dass sie trotz oftmals schwierigster Rahmenbedingun-
gen in den Heimatstandorten und in den Auslandseinsätzen ihre Aufgaben – insge-
samt betrachtet – exzellent meistern. Unsere Soldatinnen und Soldaten leisten einen
unglaublich guten Job!
Das wertvollste Gut in unserer Bundeswehr sind die Menschen. Großartige Frauen
und Männer, gestandene Persönlichkeiten, hochprofessionelle und tüchtige Soldaten,
die keinen Vergleich mit anderen Armeen in der Welt zu scheuen brauchen. Und
diese Frauen und Männer haben es ganz einfach verdient, dass wir sie nicht allein
lassen mit ihren Fragen und Sorgen, sondern ihnen das gegeben wird, was sie für ih-
ren schweren und von vielfältigen Belastungen gekennzeichneten Dienst benötigen!
Mein besonderer Dank gilt auch diesmal dem Deutschen Bundestag mit seinem Prä-
sidenten, Prof. Dr. Norbert Lammert, sowie dem Präsidium und vor allem den Mit-
gliedern des Verteidigungsausschusses mit Dr. h. c. Susanne Kastner als Ausschuss-
vorsitzende und auch den zuständigen Berichterstattern im Haushaltsausschuss für
das ausgezeichnete und in jeder Hinsicht vertrauensvolle Zusammenwirken. In die-
sen Dank schließe ich ausdrücklich die ehemalige Vorsitzende des Verteidigungsaus-
schusses, Frau Ulrike Merten, ein.
Weiterhin sage ich dem ehemaligen Bundesminister der Verteidigung, Dr. Franz
Josef Jung, aber auch seinem Nachfolger, Dr. Karl-Theodor Freiherr von und zu
Guttenberg, der politischen und militärischen Führung des Ministeriums und der
Streitkräfte meinen herzlichen Dank für die Unterstützung meiner Arbeit. Dem aus-
geschiedenen Generalinspekteur, General Wolfgang Schneiderhan, danke ich für das
langjährige außerordentlich konstruktive und von gegenseitigem Vertrauen geprägte
Zusammenwirken.
Ausdrücklich danken will ich schließlich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
für die Bewältigung eines hohen Arbeitspensums, für ihr großartiges Engagement
und ihre Kompetenz, ohne die ich meiner Aufgabe nicht gerecht werden könnte.

Reinhold Robbe
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode –9– Drucksache 17/900

Inhaltsverzeichnis
Seite

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

1 Das Berichtsjahr im Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

2 Auslandseinsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.1 Einsatzvorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.2 Ausrüstung und Ausstattung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.3 Führungsverhalten im Einsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.4 Einsatzhäufigkeit und Einsatzdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.5 Betreuung im Einsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.5.1 Sport im Einsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.5.2 Verpflegung im Einsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.5.3 Weihnachtsgruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.7 Unterbringung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.8 Auslandsverwendungszuschlag (AVZ) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

3 Auslandsdienststellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

4 Führung und Ausbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23


4.1 Führungsverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
4.2 Situation in der Allgemeinen Grundausbildung . . . . . . . . . . . . . . . . 25
4.3 Umgang mit Alkohol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
4.4 Rechtskenntnisse und Bearbeitungsdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
4.5 Situation in der Rechtspflege der Bundeswehr . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
4.6 Ausbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
4.7 Flugstunden bei Heeresfliegern und in der Luftwaffe . . . . . . . . . . . 29
4.8 Soldatenbeteiligungsgesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
4.9 Benachteiligung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
4.10 Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit . . . 32

5 Personal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5.1 Personalumfang und Bewerberaufkommen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5.2 Attraktivität der Bundeswehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5.3 Demographischer Wandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5.4 Eingaben zum Personalwesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
5.4.1 Beförderungssituation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
5.4.1.1 Mannschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
5.4.1.2 Unteroffiziere ohne Portepee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
5.4.1.3 Unteroffiziere mit Portepee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
5.4.1.4 Offiziere . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
5.4.2 Mängel bei der Bearbeitung von Personalangelegenheiten . . . . . . . 37
5.4.3 Beurteilungswesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
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5.4.4 Dienstzeugnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
5.5 Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39

6 Selbsttötungen und Unglücksfälle mit Todesfolge . . . . . . . . . . . . 40

7 Frauen in den Streitkräften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40


7.1 Integration von Frauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
7.2 Schwangerschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
7.3 Militärische Gleichstellungsbeauftragte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

8 Vereinbarkeit von Familie und Dienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42


8.1 Kinderbetreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
8.2 Elternzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44

9 Sexuelle Straftaten, Diskriminierung und Belästigung . . . . . . . . 45

10 Wehrpflicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
10.1 Vorzeitige Entlassung aus dem Wehrdienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
10.2 Kriegsdienstverweigerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
10.3 Sinnvolle Dienstgestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

11 Reservisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
11.1 Einsatzplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
11.2 Finanzielle Leistungen für selbstständig tätige Reservisten . . . . . . . 50
11.3 Beförderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

12 Zentraler Sanitätsdienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
12.1 Personalsituation der Sanitätsärzte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
12.2 Personallage bei den Feldwebeln des Sanitätsdienstes . . . . . . . . . . . 52
12.3 Klinische Versorgung in den Bundeswehrkrankenhäusern . . . . . . . 52
12.4 Truppenärztliche Versorgung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
12.5 Verbesserung der Attraktivität des Sanitätsdienstes . . . . . . . . . . . . . 54
12.6 Vorbereitung der Angehörigen des Sanitätsdienstes auf Auslands-
einsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
12.7 Grundversorgung der Soldaten im Inland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
12.8 Posttraumatische Belastungsstörungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
12.9 Erschwernisse im Rahmen der Bearbeitung von Wehrdienst-
beschädigungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
12.10 Radarstrahlenproblematik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
12.11 Dauer der Beihilfebearbeitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58

13 Infrastruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
13.1 Verfahren bei Baumaßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
13.2 Infrastrukturmängel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/900

Seite

13.3 Pendlerunterkünfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59

14 Zulagenwesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
14.1 Erhöhung der Stellenzulage für Piloten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
14.2 Einführung einer Zulage für Sanitätsoffiziere . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
14.3 Erhöhung der Minentaucherzulage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61

15 Umzugskostenzusage und Versetzungspraxis . . . . . . . . . . . . . . . 61

16 Versicherungsschutz von Soldatinnen und Soldaten, die an


Auslandseinsätzen teilnehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62

17 Institutionelle und eigenverantwortliche Fürsorge


in der Bundeswehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62

18 Medien der Bundeswehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63

19 Militärseelsorge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64

20 Internationale Zusammenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
20.1 Besuch des US-Militärkrankenhauses in Landstuhl . . . . . . . . . . . . . 65
20.2 Arbeitstreffen mit dem Ombudsmann der niederländischen
Streitkräfte in Den Haag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
20.3 Internationale Konferenz der für die Streitkräfte zuständigen
Ombudsinstitutionen in Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
20.4 Deutsch-österreichischer Soldatenworkshop in Berlin –
„Salzburger Forum II“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
20.5 Besuch in Frankreich, Saumur und Paris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67

21 Anlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69

22 Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
Drucksache 17/900 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

1 Das Berichtsjahr im Überblick stein, Brandenburg und dem Saarland sowie die Bundes-
tagswahl vom 27. September 2009.
International war das Jahr 2009 von den Bemühungen zur
Restrukturierung des weltweiten Finanz- und Wirt- Für die Bundeswehr zeichneten sich insbesondere durch
schaftssystems sowie der Weltklimakonferenz von Ko- den Ausgang der Bundestagswahl Veränderungen ab. Im
penhagen geprägt. Darüber hinaus zeichneten sich mit Koalitionsvertrag kündigte die neue Bundesregierung an,
dem Amtsantritt Barack Obamas als 44. Präsident der die Dauer der Wehrpflicht bis zum 1. Januar 2011 auf
Vereinigten Staaten von Amerika wichtige sicherheitspo- sechs Monate zu verkürzen. Darüber hinaus soll eine vom
litische Weichenstellungen ab. Im August kündigte er den Bundesminister der Verteidigung einzusetzende Kommis-
Abzug aller amerikanischen Soldaten aus dem Irak bis sion bis Ende 2010 einen Vorschlag über Eckpunkte einer
zum Ende des Jahres 2011 an. Die Zahl der in Afghanis- neuen Organisationsstruktur der Bundeswehr einschließ-
tan eingesetzten amerikanischen Soldaten dagegen soll, lich einer Straffung der Führungs- und Verwaltungsstruk-
wie Präsident Obama Anfang Dezember erklärte, in der turen erarbeiten. Meines Erachtens wäre es wünschens-
ersten Jahreshälfte 2010 um weitere 30 000 aufgestockt wert, damit eine Verbesserung der Personalsituation in
werden. Ab Juli 2011 soll nach den Plänen des Präsiden- den Einheiten und Verbänden zu verbinden.
ten mit dem Abzug der amerikanischen Soldaten aus
Afghanistan begonnen werden. Dauer und Umfang des Mit dem vorliegenden Jahresbericht werden wie üblich
Abzugs sollen sich dabei nach der Sicherheitslage rich- die Mängel und Defizite aufgezeigt, die im Laufe des Jah-
ten. Der afghanische Präsident Karzai hat hierzu seinen res an mich herangetragen wurden beziehungsweise mir
Willen bekundet, die vollständige Sicherheitsverantwor- bekannt geworden sind. Das schließt unter anderem die
tung für sein Land bis 2014 zu übernehmen. Auslandseinsätze ein, die einmal mehr in meinem beson-
deren Fokus standen.
Die Stärkung der US-Kräfte hat auch Auswirkungen auf
den deutschen Verantwortungsbereich im Norden Afgha- Mit der Bombardierung von zwei Tanklastzügen am
nistans. Seit Anfang 2010 wird die Zahl der amerikani- 4. September 2009 in der Nähe von Kunduz erreichte die
schen Soldaten in der Nordregion auf bis zu 5 000 aufge- Diskussion um die deutsche Beteiligung an internationa-
stockt. Die verstärkten Kräfte sollen im Rahmen der len Einsätzen zur Stabilisierung und Friedenssicherung
ISAF-Mission durch das zuständige deutsche Regional- einen neuen Höhepunkt. Wie in einem Brennglas verdich-
kommando geführt werden. tete dieser von einem deutschen Offizier befohlene und
mit amerikanischer Unterstützung durchgeführte Luft-
Im Anschluss an diese Ankündigungen wurde auch die schlag die Frage nach dem Sinn und Zweck des Einsatzes
Personalobergrenze des Deutschen ISAF-Kontingents um deutscher Soldaten in Afghanistan sowie dem Umfang
insgesamt 850 auf 5 350 Soldaten erhöht. Davon sollen und den Grenzen ihres Auftrags. Im Zuge der Aufklärung
500 Soldaten die Zahl des im Ausbildungsbereich einge- des Vorfalles trat der frühere Verteidigungsminister,
setzten Personals erhöhen. 350 Soldaten sind als flexible Dr. Franz Josef Jung, zurück. Darüber hinaus wurden der
Reserve vorgesehen, um auf besondere Situationen wie Generalinspekteur der Bundeswehr und ein Staatssekretär
etwa die Parlamentswahlen angemessen reagieren zu im Bundesministerium der Verteidigung in den Ruhe-
können. Zugleich wurde das Mandat bis zum 28. Februar stand versetzt.
2011 verlängert. Die Bundesregierung beschloss zudem,
die Mittel für den zivilen Aufbau Afghanistans auf Standen anfangs vor allem die zivilen Opfer der Bombar-
430 Millionen Euro jährlich zu erhöhen und damit nahezu dierung im Zentrum der Diskussion, weitete sich diese
zu verdoppeln. sehr schnell auch auf die Frage nach dem Ziel des Luft-
schlages aus. Sollte mit den Tanklastzügen eine poten-
Auf europäischer Ebene zeichneten sich im Berichtsjahr zielle Gefahrenquelle ausgeschaltet werden oder ging es
ebenfalls weitreichende Veränderungen ab. Am 1. De- auch um die gezielte Tötung von Anführern der Taliban-
zember 2009 trat der so genannte Lissabon-Vertrag in Milizen? Diesen und anderen Fragen geht der Verteidi-
Kraft. Er stärkt die Rechte des Europäischen Parlaments gungsausschuss als Untersuchungsausschuss des Deut-
sowie der nationalen Parlamente im Rahmen des Europäi- schen Bundestages nach. Dem Ergebnis seiner Prüfung
schen Gesetzgebungsverfahrens und macht im Europäi- und Bewertung hat der Wehrbeauftragte nicht vorzugrei-
schen Ministerrat Mehrheitsentscheidungen möglich. Mit fen.
Herman van Rompuy übernahm erstmals ein für zweiein-
halb Jahre gewählter Ratspräsident den Vorsitz im Euro- Gleiches gilt für die mögliche Eröffnung eines Ermitt-
päischen Rat der Staats- und Regierungschefs. Darüber lungsverfahrens, die derzeit von der Bundesanwaltschaft
hinaus wurde Catherine Ashton zur „Hohen Vertreterin geprüft wird. Für ein solches Ermittlungsverfahren ist un-
für die Außen- und Sicherheitspolitik“ der Europäischen ter anderem die rechtliche Einordnung des Einsatzes von
Union bestellt. Welche Impulse sich daraus für die Euro- entscheidender Bedeutung. Der Bundesminister der Ver-
päische Sicherheits- und Verteidigungspolitik ergeben, teidigung hat insoweit von „kriegsähnlichen Zuständen“
bleibt abzuwarten. in Afghanistan gesprochen. Kommt man zu der An-
nahme, es handelt sich in Afghanistan um einen so ge-
In Deutschland stand das Jahr 2009 im Zeichen der anhal- nannten „nicht-internationalen bewaffneten Konflikt“,
tenden Wirtschaftskrise und zahlreicher Wahlen, darunter hätte das zur Folge, dass das Verhalten der deutschen Sol-
die Europawahl vom 7. Juni, Landtagswahlen in den Bun- daten nicht am nationalen Strafrecht, sondern am Kriegs-
desländern Hessen, Sachsen, Thüringen, Schleswig-Hol- völkerrecht zu messen wäre. Die Bundesanwaltschaft
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/900

wird unter anderem über diese Rechtsfrage zu entschei- zeichnet werden. Nicht nur, dass es, wie das Bundesver-
den haben. waltungsgericht festgestellt hat, an einer ausreichenden
Rechtsgrundlage für die neuen Beurteilungsrichtlinien
Ohne diesen Entscheidungen vorgreifen zu wollen ist ei-
fehlt, das Gericht äußerte auch erhebliche Bedenken ge-
nes festzuhalten: Im Ergebnis geht es in den genannten
gen die Regelungen an sich. Einzelheiten dazu finden
Verfahren um nicht weniger als die Frage, was im Rah-
sich im Kapitel „Beurteilungswesen“. Angesichts der
men des Afghanistaneinsatzes rechtlich zulässig und ob
Zahl der Beurteilungen, die bereits auf der Grundlage des
das rechtlich Zulässige auch politisch gewollt ist. Die
neuen – vom Gericht verworfenen – Beurteilungssystems
Soldaten haben einen Anspruch darauf, dass beide Fragen
erstellt wurden, habe ich Verständnis dafür, dass das Bun-
beantwortet werden. Für sie und ihren Auftrag sind die
desministerium der Verteidigung jetzt versucht, einen
Antworten auf diese beiden Fragen existenziell. Ohne
vertretbaren „modus vivendi“ zu finden. Wenn es aber um
diese Antworten wäre es unverantwortlich, sie weiterhin
die Langzeitwirkung von Beurteilungen geht, die – trotz
in den Einsatz zu schicken.
rechtswidriger Grundlage – bestandskräftig geworden
Auch wenn die Auslandseinsätze derzeit im Zentrum der sind, kann man meines Erachtens mit dem formalen Hin-
Aufmerksamkeit und Diskussion stehen, darf nicht über- weis auf die Rechtskraft nicht einfach zur Tagungsord-
sehen werden, dass sich der Auftrag der Bundeswehr nung übergehen.
nicht in den derzeitigen Beteiligungen an internationalen
Auf die Ausbildung des Führungsnachwuchses bei den
Einsätzen erschöpft. Nach Artikel 87a des Grundgesetzes
Offizieren und Unteroffizieren bin ich bereits mehrfach
stellt der Bund Streitkräfte zur Verteidigung auf. Diese
eingegangen. Die nachhaltigen Klagen sowohl von Aus-
Streitkräfte sind unter anderem im Rahmen der NATO
bildern als auch von den auszubildenden Soldatinnen und
und der Europäischen Union in Bündnissysteme einge-
Soldaten über den fehlenden Praxisbezug der Ausbildung
bunden, in denen sie Aufgaben und Verpflichtungen
hielten im Berichtsjahr unverändert an.
übernommen haben, die über die derzeitigen Einsatzbe-
teiligungen hinausgehen. Wenn die Bundeswehr ihrem Auffallend viele Klagen wurden aus Ausbildungskompa-
Auftrag im Rahmen dieser Verpflichtungen auch in Zu- nien an mich herangetragen. Der Bericht geht darauf in
kunft nachkommen soll, braucht sie dafür geeignete einem eigenständigen Kapitel ein. Diese Klagen treffen
Strukturen, einen entsprechenden Personalkörper und jetzt mit den Planungen zur Verkürzung der Dauer der
eine gesicherte Finanzierung. Meines Erachtens bedarf es Wehrpflicht zusammen. Erledigt sind sie dadurch nicht,
erheblicher Anstrengungen, wenn das gesichert bleiben im Gegenteil. Man kann nur hoffen, dass es im Zuge der
soll. Neuplanung gelingt, Auftrag und Ausstattung der Ausbil-
dungskompanien, und zwar materiell wie personell, auf
Einen Schwerpunkt bildet die materielle Ausstattung.
eine neue, bessere Grundlage zu stellen. Die Rahmenbe-
Klagen über Defizite im Hinblick auf die persönliche
dingungen dafür sind schwierig. Gerade deshalb würde
Ausrüstung und fehlendes Gerät sind ein Standardthema
ich es begrüßen, wenn das Parlament der Neugestaltung
in nahezu allen Gesprächen, die ich führe. Woran es im
der Wehrpflicht besondere Aufmerksamkeit schenken
Einzelnen fehlt und welche Auswirkungen das auf die
würde. Der Eindruck, den die Wehrpflichtigen von der
Einsätze hat, ist auch in diesem Jahresbericht ausführlich
Bundeswehr gewinnen, hat entscheidenden Anteil an dem
dargestellt.
Bild, dass sich die Gesellschaft von der Bundeswehr
Auf die Entwicklung im Personalbereich bin ich bereits in macht und auch darauf, wie viele und welche Wehrpflich-
meinen vorangegangenen Berichten eingegangen. Die ak- tigen sich dazu entschließen, länger in der Bundeswehr zu
tuellen Zahlen zum Personalumfang und zum Bewerber- dienen.
aufkommen sind unter der Überschrift „Personal“ zusam-
Die Vereinbarkeit von Familie und Dienst ist eines der
mengestellt. Die sich darin abzeichnende Tendenz gibt
meist genannten Stichworte, wenn es um Maßnahmen zur
Anlass zur Sorge. Hinter den nüchternen Zahlen steht die
Steigerung der Attraktivität des Dienstes in den Streit-
Qualität des Nachwuchses. Unter der Überschrift „Füh-
kräften geht. Der Jahresbericht geht auf den aktuellen
rung und Ausbildung“ behandelt dies der Bericht erneut
Sachstand dazu ein. Schon seit mehreren Jahren ist das
ausführlich.
Bundesministerium der Verteidigung um Verbesserungen
Die Attraktivität des Dienstes in den Streitkräften speist in diesem Bereich bemüht. Indes klagten Betroffene er-
sich aus vielen Quellen. Eine davon ist die Laufbahn- neut darüber, dass diese Bemühungen dem Bedarf nicht
perspektive. Ohne die erforderliche Zahl an Planstellen annähernd gerecht würden. Auch hier soll nach dem Ko-
ist die Aussicht auf Beförderung und damit die Laufbahn- alitionsvertrag nachgebessert werden. Ich bin allerdings
perspektive beeinträchtigt. Wie sich die diesbezügliche sicher, dass das ohne den Einsatz zusätzlicher Haushalts-
Situation in den einzelnen Laufbahngruppen derzeit dar- mittel in diesem Bereich nicht gelingen wird.
stellt, ist unter dem Stichwort „Beförderungssituation“
Besondere Sorge bereitet mir nach wie vor der Sanitäts-
ausgeführt.
dienst der Bundeswehr. Der Aderlass von mehr als
Beförderungen setzen entsprechende Beurteilungen vo- 120 Ärzten, die der Bundeswehr allein im Zeitraum von
raus. Im Jahr 2006 wurde bekanntlich ein neues Beurtei- Januar 2008 bis April 2009 den Rücken gekehrt haben,
lungssystem eingeführt, dass mehr Transparenz und Be- hat tiefe Spuren hinterlassen. Ohne den Rückgriff auf das
urteilungsgerechtigkeit schaffen sollte. Im Nachhinein zivile Gesundheitssystem wäre die sanitätsdienstliche
kann das neue Beurteilungssystem nur als Fehlschlag be- Versorgung der Soldatinnen und Soldaten nicht mehr zu
Drucksache 17/900 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

gewährleisten. Der Bericht geht darauf unter anderem am nahme für unsere Bundeswehrsoldaten zu fordern. Die
Beispiel der klinischen Versorgung in den Bundeswehr- Soldatinnen und Soldaten sind Staatsbürger in Uniform.
krankenhäusern ein. Ein besonderes Kapitel ist erneut der Sie haben ihren Auftrag vom Deutschen Bundestag erhal-
Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen ge- ten, der gewählten Vertretung des deutschen Volkes. Es
widmet. Die Kapazitäten zur Erforschung und Behand- reicht absolut nicht aus, von den Soldaten zu verlangen,
lung der betroffenen Soldatinnen und Soldaten sind nach sich als Staatsbürger zu begreifen und ihren Auftrag
wie vor unzureichend. Hier wird der Dienstherr seiner – auch unter Einsatz des eigenen Lebens – auszuführen.
Fürsorgepflicht aus meiner Sicht seit längerem nicht ge- Das Mindeste, was die Soldaten verlangen können, ist,
recht. dass ihr Einsatz am Hindukusch entsprechend gewürdigt
wird. Sie sind nicht Angehörige irgendeiner abstrakten
Ungeachtet der Mängel und Defizite darf nicht übersehen
Armee, sie sind Menschen aus der Mitte unserer Gesell-
werden, was die Soldatinnen und Soldaten der Bundes-
schaft.
wehr für uns alle leisten. Dafür gebührt ihnen unser Dank.
Im Jahr 2009 feierte die Bundesrepublik Deutschland ihr Seit Beginn des Einsatzes im Kosovo im Jahre 1999 ha-
60jähriges Bestehen und gedachte des Mauerfalls vor ben mehr als 100 000 Bundeswehrangehörige ihren
20 Jahren, der zur Wiedervereinigung in Frieden und Dienst in den KFOR (Kosovo Force)-Kontingenten ge-
Freiheit führte. Die Streitkräfte haben erheblichen Anteil leistet.
daran, dass wir diese Jubiläen begehen konnten.
Die Bundeswehr beteiligt sich derzeit mit rund 2 200 Sol-
Der Dienst in diesen Streitkräften ist fordernd und mit ho- datinnen und Soldaten an der KFOR-Mission. Sie ist
hen persönlichen Risiken und Gefahren verbunden. Um damit der größte Truppensteller. Zusätzlich steht in
so mehr schulden wir den Frauen und Männern, die sich Deutschland ein Bataillon – die Operational Reserve
diesem Dienst für die Gesellschaft stellen, auch öffentlich Force (ORF) – bereit. Es kann im Bedarfsfall zur Unter-
Respekt und Anerkennung. stützung der KFOR zügig in die Region verlegt werden.

2 Auslandseinsätze Auch im Jahr 2009 haben die Soldatinnen und Soldaten


dort ihren wichtigen Dienst mit Bravour absolviert und zu
Auch in diesem Berichtszeitraum waren die Soldatinnen stabilen Verhältnissen im Kosovo beigetragen. Das ist
und Soldaten der Bundeswehr wieder stark in den Aus- noch immer notwendig, um im Land weitere internatio-
landseinsätzen engagiert. Dafür möchte ich Ihnen an die- nale Unterstützungsmaßnahmen umsetzen zu können. So
ser Stelle ausdrücklich Dank sagen. Die Angehörigen un- erreichte die EU-Mission im Kosovo EULEX (European
serer Bundeswehr leisten eine hervorragende Arbeit in Rule of Law Mission) 2009 mit rund 1 750 internationa-
den Einsatzgebieten. Dass in Anerkennung der Gefahr für len Mitarbeitern ihre volle Einsatzfähigkeit. 100 deutsche
Leib und Leben der Soldaten nun auch öffentlich ver- Polizisten und über 20 zivile Experten aus Deutschland
mehrt von „Gefallenen“ und „Verwundeten“ gesprochen sind daran beteiligt. Diese unterstützen das seit 2008 un-
wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung, sich der Ein- abhängige Kosovo beim Aufbau einer multiethnischen
satzrealität zu stellen. Diese Veränderung haben die Sol- Polizei und Justiz sowie eines entsprechenden Verwal-
daten sehr wohl registriert. tungsapparats.
2009 wurden in Afghanistan zum zweiten Mal Präsident- Die maritimen Einsatzverbände unserer Bundeswehr im
schaftswahlen durchgeführt. Zur Absicherung dieser Rahmen der United Nations Interim Force in Lebanon
Wahlen haben auch unsere Soldatinnen und Soldaten (UNIFIL) im Mittelmeer und der Operation Enduring
ganz wesentlich beigetragen. Freedom (OEF) am Horn von Afrika waren ebenfalls Ziel
Auf besonderes Unverständnis trafen bei den Soldaten meiner Auslandstruppenbesuche. Seit Oktober 2006 be-
Berichte, in denen versucht wurde, die zunehmenden teiligt sich Deutschland an der Operation UNIFIL, um die
Überfälle auf deutsche Patrouillen als kurze Schusswech- Seewege vor dem Libanon zu kontrollieren und Waffen-
sel zu bagatellisieren. Tatsächlich handelte es sich um schmuggel zu unterbinden. Das Mandat des Bundestages
Gefechte, die überwiegend mehrere Stunden dauerten. deckt den Einsatz von bis zu 1 200 Soldaten im Rahmen
Das lässt im Ansatz erahnen, welchen Belastungen die dieser Task Force ab. An der Überwachung der Seege-
Soldaten tatsächlich ausgesetzt sind. Leider gab es auch biete am Horn von Afrika im Rahmen von OEF beteiligt
in 2009 wieder Verwundete und Tote zu beklagen. So fiel sich die Bundeswehr nunmehr seit Februar 2002. Für die
ein Soldat am 29. April 2009, als eine deutsche Patrouille US-geführte Antiterroroperation mandatierte der Bundes-
in einen Hinterhalt geriet. Drei weitere Kameraden verlo- tag am 3. Dezember 2009 den Einsatz von bis zu
ren ihr Leben, als im Rahmen eines Gefechts am 23. Juni 700 deutschen Soldaten. Beide Einsätze verliefen im Be-
2009 ein Transportpanzer Fuchs verunglückte. Betroffen richtszeitraum planmäßig und ohne nennenswerte Zwi-
war in beiden Fällen eine Patrouille des PRT Kunduz. Am schenfälle oder Besonderheiten.
5. Oktober 2009 verstarb ein Soldat an den Spätfolgen ei-
Neben den Einsatzgebieten habe ich im Berichtsjahr auch
nes Anschlages, der sich bereits am 6. August 2008 in der
Einheiten aufgesucht, die dauerhaft im Ausland statio-
Nähe des PRT Kunduz ereignet und bei dem der Kamerad
niert sind, um dort ihren Auftrag zu erfüllen. So führte
schwere Brandverletzungen erlitten hatte.
mich meine Aufgabe als Wehrbeauftragter in die USA,
Gerade vor dem Hintergrund dieser tragischen Ereignisse wo ich mir einen Eindruck von den Gegebenheiten beim
werde ich nicht nachlassen, mehr Verständnis und Anteil- Deutschen Luftwaffenkommando USA und Kanada ver-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/900

schaffte, und nach Sardinien zum Taktischen Ausbil- fürchten ist, nicht haltbar. Hier muss nachgebessert und
dungszentrum der Luftwaffe in Italien. Der letztgenannte neuwertiger Ersatz gestellt werden. Klage wurde von den
Besuch war nicht angekündigt. Damit hat erstmals ein un- Gesprächsteilnehmern einmal mehr über die schlechten
angemeldeter Truppenbesuch im Ausland stattgefunden. Kommunikationsverbindungen nach Deutschland ge-
führt. Die ausschließlich für Sanitätsoffiziere und Luft-
Die Situation der Soldaten, die in den USA und auf Sardi-
fahrzeugführer gewährte Zulage („Kündigungsverhinde-
nien ausgebildet werden, ist natürlich eine andere als die
rungsprämie“) rief auch im KFOR-Kontigent Unmut und
derjenigen Bundeswehrangehörigen, die ihren Dienst in
Unverständnis hervor.
Afghanistan, auf dem Balkan oder in den maritimen Kon-
tingenten leisten. Gleichwohl sind die Soldatinnen und Als beleidigend und demotivierend wurde das Führungs-
Soldaten auch in jenen Auslandsverwendungen in einer verhalten eines Kontingentführers kritisiert. Im Rahmen
besonderen Situation, die ganz eigene Probleme zeigt. einer offiziellen Veranstaltung im Beisein von Soldaten
Letztlich geht es mit Blick auf alle im Ausland eingesetz- anderer Nationen hatte er den Eindruck erweckt, die deut-
ten Soldaten darum, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich schen Soldaten hätten ihren Einsatz ohne jeglichen Nut-
mit ihren Anliegen auch persönlich an den Wehrbeauf- zen absolviert. Im Kapitel „Führungsverhalten im Ein-
tragten wenden zu können. Sie sollen wissen, dass sie satz“ ist dazu Näheres ausgeführt. Treten Konflikte auf,
auch außerhalb Deutschlands nicht auf sich allein gestellt müssen sie sachlich angesprochen und gelöst werden. Die
sind. Gesamtleistung des Kontingents öffentlich in Abrede zu
stellen verärgert nicht nur die deutschen Soldaten, son-
Bei meinen Truppenbesuchen im Ausland wurden The-
dern beschädigt auch deren Ansehen. Hier fehlte offenbar
men angesprochen, die – nach meiner Wahrnehmung – in
das nötige Fingerspitzengefühl im Führungsverhalten,
der ganzen Truppe kritisch diskutiert werden. So rief
das man von einem Bundeswehroffizier – insbesondere in
– unabhängig von der persönlichen Betroffenheit – die
internationaler Verwendung – erwarten darf.
Gewährung einer Zulage für Ärzte und Piloten nachhalti-
gen Unmut und Unverständnis hervor. Dabei war nicht Vom Bundestagspräsidenten, Prof. Dr. Norbert Lammert,
etwa Neid der auslösende Faktor, sondern die fehlende hingegen gab es uneingeschränkte Anerkennung für die
Anerkennung all der anderen Soldaten, die nicht weniger deutschen Soldatinnen und Soldaten. Er zeigte sich beein-
Leistung bringen und Einsatz zeigen als ihre begünstigten druckt von dem bislang Erreichten. Allerdings fand der
Kameraden. Mit anderen Worten, es geht um die Aner- Bundestagspräsident auch kritische Worte was die Unter-
kennung des persönlichen Engagements jedes Einzelnen stützung der Soldaten durch die deutsche Bevölkerung
und um eine ehrliche Auseinandersetzung in der Truppe betraf. Zwar stehe das Parlament mehrheitlich hinter den
mit vorhandenen Problemen. Die Soldaten wissen um die Auslandseinsätzen der Bundeswehr, in der Gesellschaft
Personallage in den Reihen der Piloten und Ärzte. Daher aber sei dies umgekehrt.
sprechen sie auch offen an, dass die Zulage in ihren Au-
gen nicht dazu geschaffen worden sei, Leistung zu beloh- Deutsches Einsatzkontingent ISAF – Afghanistan,
nen oder besondere Belastungen und Erschwernisse aus- Usbekistan
zugleichen, sondern eine weitere Abwanderung in den
zivilen Gesundheitsbereich und die Privatwirtschaft aus (Truppenbesuch vom 5. bis 13. Juni 2009 in Mazar-e-
diesen Berufsgruppen zu verhindern. Sie bezeichnen die Sharif, Feyzabad, Kunduz, Kabul und Termez)
Zulage daher auch als „Kündigungsverhinderungsprä- Bei meinen letzten Besuchen in den Einsatzorten in
mie“ oder als „Gespenst des Marburg-Virus“. Hier ist Afghanistan wurden mir wiederholt Mängel aufgezeigt,
mehr Mut zur Ehrlichkeit im Umgang mit den Soldaten die die Soldaten im Einsatz nun schon über Jahre hinweg
gefragt. beklagen und die ich in jedem Bericht aufs Neue the-
matisieren muss, weil sie die Einsatzfähigkeit und zum
Deutsches Einsatzkontingent KFOR – Kosovo Teil die Sicherheit unserer Soldaten in erheblichem Maße
beeinflussen. Dies betrifft vor allem die Materiallage.
(Truppenbesuch vom 7. bis 8. Januar 2009 in Prizren und
Verschiedentlich wurde ich darauf aufmerksam gemacht,
Pristina)
dass die Versorgung mit Ersatzteilen nur schleppend
Im Januar hatte ich die Gelegenheit, den Präsidenten des läuft. Gleiches gilt, wenn defektes Material und Gerät in
Deutschen Bundestages, Herrn Prof. Dr. Norbert Gänze ersetzt werden muss. Ersatzbeschaffungen ziehen
Lammert, bei einem Besuch im Kosovo zu begleiten und sich oft über Monate hin. Kritisch wird es, wenn bei-
dabei auch mit den Soldatinnen und Soldaten des deut- spielsweise die Einsatzbereitschaft medizinischen Geräts
schen KFOR-Kontingents zusammenzutreffen. Im Ge- oder geschützter Fahrzeuge tangiert ist. So durften nach
spräch mit Angehörigen des Kontingents konnten wir uns Aussage der Soldaten zum Beispiel zwei Fahrzeuge vom
einen unmittelbaren Eindruck von den Einsatzbedingun- Typ FENNEK nicht mehr bewegt werden, weil die vorde-
gen vor Ort verschaffen. Die Unterkunftssituation wurde ren Staukästen beschädigt waren und nicht ersetzt werden
zum Teil als kritisch beschrieben. Die Feldhäuser und konnten. Weiterhin wurde mir gegenüber des Öfteren das
Unterkunftscontainer haben die vorgesehene Dauer ihrer Fehlen von Nachtsichtgeräten (LUCIE) für infanteristi-
Nutzung deutlich überschritten. In einem Fall musste eine sche Einheiten angesprochen. Vor dem Hintergrund der
Unterkunft wegen massiven Schimmelbefalls geschlos- verschärften Sicherheitslage können die Soldaten hier ein
sen werden. Die beschriebenen Zustände sind, zumal zügiges Handeln seitens des Dienstherrn erwarten.
wenn eine Gesundheitsgefährdung der Soldaten zu be- Schließlich erwartet man von der Truppe, dass sie ihren
Drucksache 17/900 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Auftrag erfüllt. Dazu benötigt sie die entsprechende Aus- noch immer keiner befriedigenden Lösung zugeführt wer-
rüstung. Auch sind noch immer nicht genügend ge- den konnte.
schützte Fahrzeuge zum Beispiel vom Typ WOLF SSA
im Einsatzland vorhanden. Hier wird die Bundeswehr ih- Deutsches Einsatzkontingent OEF
rem Anspruch, eine moderne Armee zu sein, nicht ge-
recht. Sie reagiert weder zügig noch flexibel. (Truppenbesuch vom 31. März bis 4. April 2009, Fregatte
MECKLENBURG-VORPOMMERN, Maskat, Oman)
Ich kann auch zu keinem anderen Schluss kommen, wenn
ich mir ansehe, welche Mängel die Ausbildung für den Die Angehörigen der Deutsche Marine des OEF-Kontin-
Einsatz noch immer aufweist. Wie schon im vergangenen gents sind einer hohen zeitlichen Einsatzbelastung ausge-
Berichtszeitraum beklagten die Soldaten, dass noch im- setzt. Mir gegenüber sprachen die Soldaten der Fregatte
mer nicht genügend geschützte Fahrzeuge vom Typ MECKLENBURG-VORPOMMERN von 200 Einsatz-
DINGO und DURO in Deutschland zur Vorausbildung oder Abwesenheitstagen und mehr. Die Sorgen der see-
der Militärkraftfahrer zur Verfügung stehen. Gleiches gilt gehenden Einheiten sind dabei ähnlich gelagert wie in
für die Ausbildung an Führungs- beziehungsweise Kom- anderen Einsatzkontingenten und betreffen die Kommu-
munikationsmitteln wie den TETRAPOL-Geräten, die nikation ebenso wie Belange der Sicherheit. So sei Si-
die Soldaten letztendlich bedienen müssen, wenn sie im cherheitsausstattung für den Schutz des Bedieners einer
Einsatzgebiet sind. Nicht anders – so schilderten es mir Waffenstation nicht rechtzeitig geliefert worden. Die Sol-
die Soldaten – verhält es sich bei der Sanitätsausbildung. daten haben sich hier anderweitig behelfen müssen.
Auch hier bekommt der Soldat das Material zum Teil erst Was die Information und Kommunikation angeht, so
im Einsatzland in die Hand. Hier muss dringend nachge- wünschen sich die Marinesoldaten einen umfangreiche-
bessert werden. Die Soldaten müssen im Ernstfall wissen, ren Zugriff auf Presseinformationen sowie auch bessere
was zu tun ist und wie. Sie sollen schnell und richtig Kommunikationsmöglichkeiten nach Deutschland. Nach-
reagieren können. Eine gründliche Vorausbildung kann dem der Vertragspartner der Bundeswehr, die Firma KB
für die Bundeswehrsoldaten im Einsatz überlebenswich- Impuls, die auch in anderen Einsatzgebieten Telefon- und
tig sein. Internetverbindungen für die Bundeswehrangehörigen
bereitstellt, für den Betrieb der Telefoncontainer in
Weiterhin wurde seitens der Soldaten gewünscht, die Ein-
Djibuti verantwortlich zeichnet, hat sich die Qualität des
satzvorausbildung realitätsnäher zu gestalten. Geriete
Angebots nach Aussage der Soldaten merklich ver-
man im Einsatzland in einen Hinterhalt, sei die tatsächli-
schlechtert. „Seitdem funktioniert dort gar nichts mehr.“
che Anzahl der Angreifer weitaus höher als in den zuvor
erklärte ein Offizier, was andere Kameraden sogleich be-
geübten Szenarien. In diesem Zusammenhang wurde als
stätigten. Ausreichend Internetplätze seien ebenfalls nicht
weiterer notwendiger Punkt die umfassende Einbindung vorhanden. Die Kommunikation in die Heimat ist unter
der Sanitätstruppe in die Einsatzvorausbildung angespro- dem Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Dienst
chen. Das Zusammenwirken von Infanterie und Sanität von großer Bedeutung und war immer wieder ein zentra-
im Gefecht müsse auch gemeinsam geübt werden. Das les Thema in den Gesprächsrunden. Für die Marinesolda-
finde derzeit so nicht statt, sei aber genau die Situation, in ten ebenso wichtig ist die Ausgestaltung der „Liberty
die man im Einsatz komme, wenn man tatsächlich in ein Port-Regelung“. Hier stieß auf Unverständnis, dass Un-
Gefecht verwickelt werde. Die Sanitätssoldaten sprachen verheiratete ihre Partnerin oder ihren Partner auf eigene
sich zudem dafür aus, in ihrem Falle auch mehr Wert auf Kosten einfliegen lassen müssten, während für Ehepart-
die Schießausbildung zu legen. Auch sie müssen selbst- ner die Kosten erstattet würden. Eine Änderung dieser
verständlich Sicherheit im Umgang mit ihrer Handwaffe Regelungen ist jedoch bisher nicht beabsichtigt.
erlangen, um für ihren Eigenschutz sorgen zu können,
wenn es notwendig wird. Ansonsten besteht die Gefahr,
dass sie zu einer zusätzlichen Belastung für ihre im Ge- Deutsches Einsatzkontingent UNIFIL
fecht stehenden Kameraden werden. (Truppenbesuch vom 27. bis 29. April 2009, Tender
WERRA, Schnellboot DACHS, Limassol, Zypern)
Seit vielen Jahren wurden nicht nur im Einsatzgebiet
ISAF die qualitativ und quantitativ unzureichenden Kom- Wie bei meinem Truppenbesuch bei den Marinekräften
munikationsverbindungen in die Heimat beanstandet. Ob- der OEF berichteten mir auch die Soldaten des Einsatz-
wohl dieses für die Soldaten grundsätzliche Problem im- kontingents UNIFIL von einer hohen Einsatzbelastung.
mer wieder auch in den Jahresberichten zur Sprache So haben einzelne Besatzungsmitglieder des Tenders
gebracht wurde, war das Bundesministerium der Verteidi- WERRA 300 Abwesenheits- beziehungsweise Einsatz-
gung bisher nicht in der Lage, für eine spürbare Verbesse- tage innerhalb eines Jahres zu verzeichnen. Die Ursache
rung Sorge zu tragen. Mit Schreiben vom 25. September hierfür liege, so war zu hören, in der mangelnden Einsatz-
2009 wurde mir mitgeteilt, dass aufgrund der berechtig- fähigkeit der vorgehaltenen Personalergänzung. Die
ten Beanstandungen und der gestiegenen Erwartungshal- Mannschaft gehe zudem nach der Rückkehr aus dem Ein-
tung ein neues Ausschreibungsverfahren eingeleitet wor- satz zwar in eine einmonatige Urlaubsphase, direkt im
den sei, das am Jahresende allerdings noch nicht Anschluss stehe aber schon wieder die Teilnahme an ei-
abgeschlossen war. Ich habe kein Verständnis dafür, dass nem Manöver an, kritisierten die Soldaten. Das Thema
trotz der seit langem bekannten Defizite das Problem der unterschiedlichen Behandlung der Reisebeihilfe be-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/900

züglich eheähnlicher Lebensgemeinschaften und verhei- eingeschränkt möglich. Häufig musste improvisiert wer-
rateter Paare wurde auch hier zur Sprache gebracht. den. So wurden beispielsweise Patrouillen mit Lastkraft-
wagen vom Typ UNIMOG simuliert, ein Fahrzeug, das in
Im Zusammenhang mit dem Zulagenwesen beklagten die Afghanistan gar nicht zum Einsatz kommt.
Minentaucher akute Nachwuchsprobleme. Zwar werde
auch für die Minentaucher eine Zulage gewährt, doch sei Wo Fahrzeuge vom Typ DINGO zur Verfügung standen,
sie wesentlich geringer als die Zulage für Kampfschwim- klagten Soldaten darüber, dass die Kraftfahrerausbildung
mer oder Angehörige des Kommando Spezialkräfte. aufgrund der begrenzten Zahl an Ausbildungsstunden
Potentieller Nachwuchs bemühe sich daher auch aus kaum über ein Kennenlernen des Fahrzeugs hinaus-
finanziellen Gründen eher um eine Verwendung bei die- komme und das Fahren mit Nachtsichtgerät oftmals gar
sen Verbänden. Weiterhin sprachen sich die Kontingent- nicht ausgebildet werde. Um Defizite in der Vorausbil-
angehörigen für bessere Sportmöglichkeiten im Camp dung im Inland auszugleichen, wurde die Konvoi- und
Limassol aus. Geländeausbildung teilweise in das Einsatzland verlegt.
Dabei kam es aufgrund fehlender Fahrpraxis zu Unfällen.
Einige Punkte wurden in beiden maritimen Kontingenten
Zwei Soldaten, die als Militärkraftfahrer für den Einsatz
thematisiert. Die mir geschilderte Praxis des „gesteuerten
in Afghanistan vorgesehen waren, teilten mir in ihren
Ausbaus“ stimmt mich dabei mehr als nachdenklich. Die-
Eingaben mit, dass sie unter Hinweis auf die unzurei-
ser Begriff bezeichnet das gezielte Ausbauen von Ersatz-
chende Ausbildung ihre freiwillige Bewerbung für einen
teilen aus anderen Schiffen, um die Kosten, die bei der
Einsatz zurückgezogen hätten.
Anschaffung neuer Ersatzteile anfallen würden, einzuspa-
ren. Die Soldaten nennen diese Praxis „Kannibalismus“. Klage wurde auch über eine unzureichende Ausbildung
Das Verfahren dient dem Ziel, wenigstens den Einsatz der an Schusswaffen, namentlich der Maschinenpistole MP 7
noch fahrtüchtigen Einheiten zu gewährleisten. Auch hier und dem Maschinengewehr MG 4, geführt. Oftmals, so
zeigt sich wieder, dass die Bundeswehr als Einsatzarmee die Soldaten, beschränke sich die Ausbildung auf eine
offenbar nicht mit den nötigen finanziellen Ressourcen Einweisung in die Handhabung der Waffe und ein kurzes
ausgestattet ist. Schießen, wenn eine solche Ausbildung in Deutschland
Auf Unverständnis stieß weiterhin das Verfahren zur Per- überhaupt stattfinde. Darauf wiesen insbesondere Sani-
sonalauswahl. Die Soldaten beklagten, dass sie als Unter- tätssoldaten hin. So berichtete beispielsweise ein in
offiziere ohne Portepee kaum die Möglichkeit hätten, in Kunduz eingesetzter Arzt, zuletzt während seiner Grund-
die Laufbahn der Unteroffiziere mit Portepee zu wech- ausbildung im Jahr 1998 mit einer Handfeuerwaffe ge-
seln. Es sei einfacher – so wurde mir erklärt – erst einmal schossen zu haben.
als Obermaat aus der Truppe auszuscheiden, um sich Sanitätssoldaten, insbesondere solche, die auf einem be-
dann für die Wiedereinstellung in die Laufbahn der weglichen Arzttrupp (BAT) eingesetzt werden sollten, be-
Bootsmänner zu bewerben. Statt auf eigenen Nachwuchs klagten sich auch darüber, nicht gemeinsam mit Infante-
mit praktischer Truppenerfahrung zu setzen, stelle der riekräften geübt zu haben.
Dienstherr lieber externes Personal ein, das zwar über die
notwendigen beruflichen Qualifikationen verfüge, aber Derartige Ausbildungsdefizite sind aus meiner Sicht nicht
keinerlei Erfahrung in der Truppe – insbesondere im Be- hinnehmbar. Das reibungslose Zusammenwirken der Sol-
reich Menschenführung – habe. Für Unteroffiziere ohne daten kann in bestimmten Situationen über Leben und
Portepee wirke sich diese Praxis demotivierend aus. Das Tod entscheiden. Insbesondere in einem Gefecht muss je-
gleiche Thema ist zuvor auch von anderen nichtmariti- der Patrouillenteilnehmer wissen, wo sein Platz ist und
men Einheiten angesprochen worden. Auf Kritik stieß zu- welche Aufgabe er zu erfüllen hat.
dem, dass für die Einsätze UNIFIL und OEF Auslands-
verwendungszuschlag (AVZ) in unterschiedlicher Höhe 2.2 Ausrüstung und Ausstattung
gewährt wird.
Die Erfüllung des Auftrags setzt eine sachgerechte und
2.1 Einsatzvorbereitung angemessene Ausstattung mit den erforderlichen Waffen
und Geräten voraus. Das war nicht immer und überall ge-
Angesichts der zugespitzten Bedrohungslage in den Ein- währleistet.
satzgebieten, insbesondere in Afghanistan, kommt der
Einsatzvorbereitung entscheidende Bedeutung zu. Immer In Afghanistan wurde in allen Einsatzorten der unzurei-
häufiger werden Soldatinnen und Soldaten im Einsatz in chende Bestand an geschützten Fahrzeugen gerügt. Die
Kampfhandlungen verwickelt. In solchen Situationen ist ohnehin angespannte Situation verschärfte sich, sobald
für sie die sichere Handhabung der Waffen und des Ge- Fahrzeuge nach Unfällen oder Anschlägen ausfielen, weil
räts überlebenswichtig. Um so schwerer wiegen die dies- für diese Fahrzeuge kein Ersatz verfügbar war.
bezüglichen Mängel in der Ausbildung, über die mir er-
neut berichtet wurde. Angehörige der Fernmeldetruppe rügten den unzurei-
chenden Minenschutz eines bestimmten Fahrzeugtyps,
Nach wie vor fehlt es für die Einsatzvorausbildung an ei- der häufig als bewegliche Befehlsstelle genutzt wird. We-
ner ausreichenden Zahl von Fahrzeugen des Typs gen des unzureichenden Schutzes dürfen diese Fahrzeuge
DINGO. Das Üben einsatztypischer Szenarien nach dem außerhalb des Feldlagers nur mit starkem Begleitschutz
Grundsatz „Übe, wie Du kämpfst!“ war infolgedessen nur fahren. Darüber hinaus werden sie nur mit Fahrer und
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Beifahrer besetzt. Der Rest der Besatzung wird auf an- Gefechtshelm getragen werden können. Insoweit ist er-
dere Fahrzeuge mit höherer Schutzklasse verteilt. freulich, dass zwischenzeitlich die Beschaffung von
300 Helmsprechsätzen für den Transportpanzer FUCHS
Angehörige der Feldjägertruppe berichteten, dass ein Er- eingeleitet wurde. Allerdings ist nicht verständlich, wa-
mittlertrupp in Feyzabad mangels Verfügbarkeit besser rum erst jetzt Abhilfe geschaffen werden konnte.
geschützter Fahrzeuge die Fahrt zu einem Verdachtsort,
an dem eine Sprengladung vermutet wurde, nur mit ei- Ausstattungsdefizite gab es nicht nur in Afghanistan. Für
nem leicht geschützten Fahrzeug vom Typ WOLF MSS den Einsatz im Rahmen der Operation Enduring Freedom
ohne Störsender durchführen musste. In Kunduz führten (OEF) am Horn von Afrika sollte die Fregatte
die Brandschutzkräfte unter Hinweis auf die hohe Bedro- MECKLENBURG-VORPOMMERN zum Schutz der
hungslage Klage darüber, dass sie täglich die Strecke vom MG-Schützen mit beschusssicheren Platten am vorderen
PRT zum zwei Kilometer entfernten Flughafen in unge- und hinteren MG eingerüstet werden. Aufgrund von Lie-
schützten Fahrzeugen zurücklegen mussten. Nach Über- ferschwierigkeiten der Industrie wurde der Einbau des
prüfung durch die zuständige Fachaufsicht wurden diese Schutzsystems auf den Zeitraum nach Rückkehr der Fre-
Fahrten untersagt. gatte aus dem Einsatz verschoben. Die Soldatinnen und
Soldaten auf der MECKLENBURG-VORPOMMERN
Neben der zu geringen Anzahl von Fahrzeugen wurde konnten von dem verbesserten Schutz nicht mehr profitie-
vielfach auch über die mangelnde Eignung eines be- ren.
stimmten Fahrzeugtyps für den Gefechtseinsatz sowie die
unzureichende Bewaffnung geklagt.
2.3 Führungsverhalten im Einsatz
Angesichts der häufigen Gefechtssituationen in Afghanis-
tan müssen die Fahrzeuge und Waffen der Bedrohungs- Vor dem Hintergrund konkreter Bedrohungen wird die
lage angepasst werden. Die erforderlichen technischen Verantwortung von Vorgesetzten für die Gesundheit und
Verbesserungen sind offensichtlich erkannt. Laut Aussage das Leben ihrer Untergebenen im Einsatz besonders deut-
des Bundesministeriums der Verteidigung ist mit der In- lich. Soldaten müssen darauf vertrauen können, dass ihre
stallation entsprechender Waffenstationen allerdings nicht Vorgesetzten sie nicht unnötig Gefahren aussetzen. Nur
vor dem III. Quartal 2010 zu rechnen. dann werden sie ihnen auch in kritischen Situationen fol-
gen. Leider genügten im Berichtsjahr selbst höhere Vor-
Gegenstand von Kritik war im Berichtsjahr auch die un- gesetzte nicht immer diesen Ansprüchen.
zureichende Versorgung mit Ersatzteilen und Ersatzgerä-
ten. So fehlte es beispielsweise an einem Tauschvorrat für So erklärte ein Kommandeur im Dienstgrad Oberst im
die Nachtsichtbrille LUCIE. Grundsätzlich ist jeder au- Rahmen einer Besprechung zur Planung eines Landmar-
ßerhalb des Feldlagers operierende Soldat mit einer sol- sches von Kabul nach Baiman, er werde im ersten Fahr-
chen Brille ausgestattet. Im Falle eines Defekts oder Ver- zeug sitzen, um eine bessere „Aussicht“ zu haben und
lustes standen aber keine Ersatzbrillen zur Verfügung. weil bei Überfällen in der Regel nicht das erste, sondern
Reparaturzeiten von bis zu drei Wochen führten zu einem das zweite oder dritte Fahrzeug angesprengt werde. Als
vorübergehenden Mangel an Nachtsichtbrillen. Mit der während des Marsches eines der Fahrzeuge ausfiel, ent-
Verlegung eines Instandsetzungskommandos nach Kun- schied der Stabsoffizier entgegen der bestehenden Be-
duz konnten die Instandsetzungszeiten zwar verkürzt fehlslage, die Besatzung des ausgefallenen Kraftfahr-
werden, ein Tauschvorrat ist aber nach wie vor nicht vor- zeugs mit einem angemieteten zivilen, nicht geschützten
handen. Minibus von einem unbekannten einheimischen Fahrer
bei unbekannter Routenführung in einer mehrstündigen
Das Sanitätsrettungszentrum in Feyzabad meldete Ende Fahrt getrennt vom Konvoi nach Kabul fahren zu lassen,
März einen Bedarf von drei neuen Röntgenschürzen, weil obwohl in Bagram bei rechtzeitiger Auftragserteilung
die vorhandenen starke Beschädigungen im Bereich der eine Task Force mit geschützten Fahrzeugen zeitgerecht
Außenhaut aufwiesen. Es dauerte zwei Monate, bis die bereitgestanden hätte. Wegen dieser und weiterer Dienst-
neuen Röntgenschürzen in Feyzabad eintrafen. pflichtverletzungen wurde der Oberst vorzeitig aus dem
Einsatz abgelöst und gegen ihn ein gerichtliches Diszipli-
Zum Schutz der Augen bei Anschlägen tragen die Solda- narverfahren eingeleitet.
ten in den Fahrzeugen Schutzbrillen. Allerdings waren
für diese Brillen zunächst keine Sehhilfeeinsätze für Bril- Ein Hauptmann reagierte im Inland auf die Meldung, dass
lenträger verfügbar. Nachdem bereits im Januar 2009 ein zwei seiner Soldaten aus psychischen Gründen aus Kun-
geeignetes Brillenmodell auf dem Markt identifiziert und duz nach Deutschland zurückgeführt werden müssten mit
die Einsatznotwendigkeit Anfang März 2009 festgestellt den Worten: „Was glauben die denn, wo wir hier sind?
worden war, erfolgte die Freigabe der Haushaltsmittel Bei einer Kaffeefahrt oder auf dem Ponyhof? Infanteris-
erst am 24. Juli 2009. Einen Zeitraum von über vier Mo- ten sind in letzter Konsequenz dazu da, zu töten oder ge-
naten von der Feststellung der Einsatznotwendigkeit bis tötet zu werden.“ Solche Äußerungen untergraben das
zur Freigabe der Haushaltsmittel trotz anerkannter Dring- Vertrauen der Soldaten in ihre Vorgesetzten nachhaltig.
lichkeit halte ich für entschieden zu lang.
Im Kosovo fehlte es einem Kontingentführer am nötigen
Bereits seit Jahren beklagen die Sicherungsschützen und Einfühlungsvermögen im Umgang mit seinen Soldaten.
Kommandanten des Transportpanzers FUCHS, nicht mit Während der Silvesterfeier des Kontingents wollte er sich
Sprechsätzen ausgestattet zu sein, die unter dem gegen 22:00 Uhr mit einer Neujahrsansprache an seine
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19 – Drucksache 17/900

Soldaten wenden. Als er aufgrund der ausgelassenen unseren Soldatinnen und Soldaten zu körperlicher und
Stimmung und des undisziplinierten Verhaltens Einzelner geistiger Fitness zu verhelfen, aber auch zu einem mög-
dafür nicht die nötige Aufmerksamkeit fand, teilte er lichst hohen Maß an seelischer Ausgeglichenheit.
stattdessen über ein Mikrofon mit, dass er die Feldjäger
angewiesen habe, jeden alkoholauffälligen Soldaten mit Aus meiner Sicht wird jedoch dem Thema „Betreuung im
zur Militärpolizei-Station zu nehmen. Darüber hinaus Einsatz“ nicht auf allen Führungsebenen und in allen Ver-
drohte er allen Anwesenden für den Fall eines Verstoßes antwortungsbereichen die angemessene Aufmerksamkeit
gegen die Alkoholbestimmungen mit empfindlichen Diszi- geschenkt.
plinarmaßnahmen und dem Absehen von der Verleihung So ist auch das Verständnis für den Sport im Einsatz als
der Einsatzmedaille. Die anwesenden Soldaten fühlten sich absolut notwendige Pflichtaufgabe des Dienstherrn erst in
dadurch unter Generalverdacht gestellt. Sie empfanden das den letzten Jahren gewachsen. Im Gegensatz zu verschie-
Verhalten des Kontingentführers als Herabwürdigung ihrer denen verbündeten Streitkräften ist erst in jüngster Zeit
Leistungen, weil er nur Drohungen aussprach und keine die Bedeutung der sportlichen Betätigung für die zum
Worte des Dankes für die Leistungen der Soldaten im Ein- Teil schwer belasteten Bundeswehrsoldaten in den Ein-
satz fand. Der Befehlshaber des Einsatzführungskomman- satzgebieten allgemein anerkannt worden. Die Versor-
dos der Bundeswehr stellte zutreffend fest, dass die Ab- gung mit Kommunikationseinrichtungen wie Telefon und
sicht des Kontingentführers, ein „aus dem Ruder Laufen Internet sowie die Feldpost sind ebenfalls wesentliche
der Veranstaltung durch alkoholisierte Soldaten“ zu ver- Betreuungsmodule, deren Qualität direkte Auswirkungen
hindern, in der Art der Durchführung kontraproduktiv auf die „Stimmung in der Truppe“ hat.
und ein Führungsfehler gewesen sei.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die kulturelle Betreuung
2.4 Einsatzhäufigkeit und Einsatzdauer in den Einsatzgebieten, insbesondere in Afghanistan. Ge-
rade angesichts der zunehmenden Belastungen aufgrund
Bereits in meinen letzten Jahresberichten hatte ich auf häufiger Gefechte sind die in der ISAF-Mission einge-
hohe Einsatzbelastungen von Soldatinnen und Soldaten in setzten Soldaten dankbar für ein gutes kulturelles Ange-
Spezialverwendungen hingewiesen. Diese Belastungen bot. Nach meinen Gesprächen mit der Truppe besteht da-
hielten auch im Berichtsjahr an. Besonders betroffen wa- bei keineswegs nur der Wunsch nach „Berieselung“, was
ren Soldaten des Geoinformationsdienstes und solche aus ja ein DVD-Spieler ebenso gut leisten könnte, sondern
dem Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit nach echter Zerstreuung und anregender Unterhaltung.
(CIMIC). So absolvieren viele Soldaten des CIMIC-Zen-
trums jährlich mehrmonatige Einsätze. Eingaben über Auch dieser Betreuungsbereich ist nach meinen Erkennt-
eine hohe Einsatzbelastung erreichten mich im Berichts- nissen innerhalb der Streitkräfte stark von Zufälligkeiten
jahr einmal mehr auch aus der Marine. Insbesondere die geprägt und im Einzelnen abhängig vom guten Willen
Schnellbootfahrer beklagten lange Abwesenheitszeiten und Engagement der mit der kulturellen Betreuung be-
durch Auslandseinsätze, Hafenwachen und Übungen. fassten Dienststellen. So finden beispielsweise in unre-
Verschärfend wirkte sich dabei die angespannte Personal- gelmäßigen Abständen Auftritte von kleinen Musikbands
situation bei den Unteroffizieren an Bord aus. und einzelnen Künstlern statt. Diese fokussieren sich in
erster Linie auf den Geschmack der jüngeren Kontingent-
Probleme gab es auch bei der Gestellung von Fachperso- angehörigen, allerdings gab es erstmalig auch Theaterbei-
nal. So konnte in Kunduz der Dienstposten des Truppen- träge von einzelnen Künstlern oder Gruppen. Ein
arztes über mehrere Monate – mit einer geringen Unter- weiteres Novum stellt die Durchführung einer Betreu-
brechung – mangels geeigneten Personals nicht besetzt ungsmaßnahme beim UNIFIL-Kontingent dar, bei der
werden, obwohl die Besetzung nach Einschätzung des eine Theatergruppe aus Deutschland ins Einsatzgebiet
Einsatzführungskommandos der Bundeswehr unter ope- verlegt wurde. Jedoch fehlt es an einem mit Finanzmitteln
rativen Gesichtspunkten zwingend geboten war. Die Tä- unterlegten Konzept, das eine kontinuierliche und ver-
tigkeit musste in Zweitfunktion durch andere Ärzte wahr- lässliche kulturelle Betreuung in den verschiedenen Ein-
genommen werden. satzregionen der Bundeswehr sicherstellt. Weiterhin muss
an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Betreuung
2.5 Betreuung im Einsatz durch sogenannte „Soldatenbands“ unter dem Motto
„Soldaten spielen für Soldaten“ aus versorgungsrechtli-
Bei meinen Truppenbesuchen in den Einsatzgebieten ist chen Gründen derzeit durch das Verteidigungsministe-
mir von den Soldatinnen und Soldaten immer wieder der rium nicht gebilligt wird.
besondere Stellenwert der Truppenbetreuung vorgetragen
worden. Die Trennung von der Familie über Monate hin- So wurde mir vorgetragen, dass sieben Soldaten und zwei
weg und die Herauslösung der Soldatinnen und Soldaten Zivilisten, die in ihrer Freizeit als Musikgruppe eine mu-
aus ihrem heimatlichen Milieu stellen ganz besondere sikalische Betreuungstour durch alle deutschen Stütz-
Herausforderungen für die Soldaten, aber auch für deren punkte in Afghanistan unternehmen wollten, ein Auftritt
Angehörige dar. Unabhängig von optimalen Kommunika- untersagt wurde. Die vom Deutschen Einsatzkontingent
tionsmöglichkeiten mit dem sozialen Umfeld in der Hei- ISAF beantragte und vom Einsatzführungskommando der
mat ist die Betreuung im Einsatz auch eine Form des Bundeswehr gebilligte Betreuungsmaßnahme wurde vom
Ausgleichs für die mannigfaltigen Entbehrungen. Ziel ei- Bundesministerium der Verteidigung unter Hinweis auf
ner gelungenen Soldatenbetreuung könnte und sollte sein, etwaige versorgungsrechtliche Nachteile der Bandmit-
Drucksache 17/900 – 20 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

glieder im Falle einer Gesundheitsschädigung abgelehnt. ßigste Lösung ist, auf einen Sportlehrer zurückzugreifen,
Dies stieß sowohl im Kontingent als auch bei den Künst- der die handwerklichen Arbeiten eines Mechanikers fach-
lern auf Unverständnis. gerecht erledigen soll, bezweifle ich. Zum einen können
die zivilen Sportlehrer der Bundeswehr lediglich im Rah-
Nicht unerwähnt bleiben dürfen an dieser Stelle die be- men der Freiwilligkeit ins Einsatzgebiet verlegt werden,
merkenswerten Anstrengungen der Evangelischen und so dass nicht gewährleistet werden kann, dass durchgän-
Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreu- gig fachkundiges Personal vor Ort ist. Zum anderen ist es
ung. Aber auch die Initiativen einzelner Soldaten auf der aus meiner Sicht sinnvoller, die Wartungsarbeiten durch
einen und engagierter Künstler oder Künstlergruppen auf qualifiziertes Personal – zum Beispiel durch Fachkräfte
der anderen Seite verdienen Respekt und Anerkennung. des jeweiligen Herstellers – durchführen zu lassen. Der
Schließlich will ich die ausgezeichnete Arbeit der für die Einsatz von Firmenpersonal in den Auslandskontingenten
Einsatzbetreuung zuständigen Stelle beim Einsatzfüh- ist jedoch nicht vertraglich geregelt.
rungskommando hervorheben.
Damit auch die durchgehende fachliche Begleitung des
Eine gute Betreuung ist ein entscheidender Faktor für die Dienstsports sichergestellt wird, sollte sich die Bundes-
Motivation der Soldaten im Einsatz. In einem Umfeld mit wehr nicht nur der bei ihr angestellten zivilen Sportlehrer
wenig Rückzugsmöglichkeiten bietet sie den Soldaten bedienen, sondern verstärkt auf eigene Ressourcen wie
Zerstreuung und Ablenkung vom Einsatzalltag. Einen be- die in der Truppe vorhandenen Offiziere mit Sportstu-
sonderen Höhepunkt stellen dabei Künstlerauftritte im dium, Fachsportleiter und Übungsleiter zurückgreifen.
Rahmen der Truppenbetreuung dar. Solche Auftritte wer-
den von den Soldaten nicht nur als angenehme Abwechs- Die Soldatinnen und Soldaten der maritimen Einsatzkon-
lung empfunden, sondern auch als Anerkennung ihres tingente können bedauerlicherweise auf keinerlei eigene
fordernden Dienstes im Einsatz. Insoweit sollte es im In- Sportinfrastruktur zurückgreifen und sind auf die Nut-
teresse des Dienstherrn liegen, Künstlergruppen, die vor zung ziviler Strukturen oder der befreundeter Nationen
den Soldaten auftreten möchten, die Reise in die Einsatz- angewiesen. Seegehende Einheiten sind nach meinem Er-
gebiete zu ermöglichen. kenntnisstand nur sehr unzureichend mit Sportgeräten
ausgestattet. Nur dem Improvisationstalent der betroffe-
2.5.1 Sport im Einsatz nen Soldaten ist es zu verdanken, dass im eingeschränk-
ten Rahmen Sport an Bord der Schiffe der Marine mög-
Die Einsatzbedingungen, denen unsere Soldatinnen und lich ist. Hier geht es vor allem darum, bei der Planung der
Soldaten im Auslandseinsatz ausgesetzt sind, stellen neuen Fregatten und Korvetten entsprechenden Raum für
höchste Ansprüche an die körperliche Leistungsfähigkeit. die sportliche Ertüchtigung verbindlich vorzusehen.
Um diesen Ansprüchen gerecht werden zu können, bedarf
es entsprechender Rahmenbedingungen zur Ausübung 2.5.2 Verpflegung im Einsatz
des Dienstsports. Dessen Durchführung im Auslandsein-
satz ist bisher im Gegensatz zum Dienstbetrieb in Mit Unverständnis nahmen die Soldaten in Kunduz zur
Deutschland nicht ausreichend geregelt. Die ZDv 3/10 Kenntnis, dass es ihnen unter Hinweis auf den in
„Sport in der Bundeswehr“ berücksichtigt die Anforde- Deutschland erstellten verbindlichen Verpflegungsplan
rungen und Besonderheiten der Auslandseinsätze nicht. verwehrt wurde, in der von der Einsatzwehrverwaltung
Ob ein Soldat Sport treibt oder nicht, bleibt ihm dort im betriebenen Truppenküche im Einzelfall Grillfleisch an-
Rahmen der Freiwilligkeit weitgehend selbst überlassen. stelle der Abendverpflegung zu empfangen. Stattdessen
Sport muss aber auch im Auslandseinsatz durch eine ent- musste Grillware für teures Geld bei der Einsatzwehrver-
sprechende Befehlsgebung geregelt und damit verpflich- waltungsstelle käuflich erworben werden. In Mazar-e-
tend sein, zumal der Basis-Fitness-Test als beurteilungs- Sharif dagegen, wo die Truppenküche von einem privaten
relevantes Kriterium Verwendung findet und körperliche Anbieter betrieben wird, war die Ausgabe von Grill-
Ertüchtigung ein anerkanntes Mittel zur Stressbewälti- fleisch anstelle der Abendverpflegung ohne weiteres
gung und Regeneration ist. Hinzu kommt, dass Sportge- möglich. Von den Soldaten wurde die Regelung in Kun-
räte in ausreichender Zahl und in einer hohen Qualität duz als typisches Beispiel für bürokratische Entscheidun-
vorgehalten werden müssen. Dies ist leider in den Ein- gen empfunden, die an den Bedürfnissen der Betroffenen
satzgebieten noch nicht überall der Fall. Auch eine aus- vorbeigehen.
reichende Infrastruktur muss bereitgestellt werden.
Erfolglos blieb in Kunduz zunächst auch die Bitte, die
Um die sportfachliche Betreuung im Einsatz zu gewähr- Operationskräfte mit isotonischen Getränken zu versor-
leisten, wurde der temporäre Dienstposten des Sportoffi- gen. Bei Temperaturen von bis zu 40°C ist die Bereitstel-
ziers eingerichtet. Allerdings – so berichteten mir die Sol- lung elektrolythaltiger Getränke zur Aufrechterhaltung
datinnen und Soldaten – wird er derzeit genutzt, um einen der Einsatzfähigkeit aus meiner Sicht nicht nur sinnvoll,
zivilen Sportlehrer ins Einsatzgebiet zu verlegen, der die sondern dringend notwendig. Für mich ist daher nicht
Wartungsarbeiten an den Sportgeräten durchführen soll. verständlich, warum das Bundesministerium der Verteidi-
Das ist notwendig, weil durch die starke Nutzung der gung erst Ende Juni 2009 gestattete, das Deutsche Ein-
Sportgeräte im Einsatzland auch ein erhöhter Verschleiß satzkontingent ISAF mit isotonischen Getränken zu ver-
an diesen Geräten auftritt. Ob es allerdings die zweckmä- sorgen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 21 – Drucksache 17/900

2.5.3 Weihnachtsgruß mando der Bundeswehr den Mangel und räumte ein, dass
sowohl die Unterkunfts- als auch die Sanitärcontainer die
Das Weihnachtsfest bietet dem Dienstherrn eine gute Ge- vorgesehene Nutzungsdauer überschritten hätten. Ein An-
legenheit, sich bei den im Einsatz befindlichen Soldaten trag der Truppe auf Depotinstandsetzung der Container-
mit einer kleinen Geste für ihren Dienst fern der Heimat module wurde im August 2007 unter Hinweis auf die un-
zu bedanken. Dabei geht es nicht um wertvolle Ge- gewisse Zukunft abschlägig beschieden. Am 9. Februar
schenke; Auswahl und Zusammenstellung der Präsente 2008 teilte das Einsatzführungskommando der Bundes-
sollten aber auf den Anlass und den Empfängerkreis ab- wehr mit, dass das Feldlager Airfield voraussichtlich Ein-
gestimmt sein. Das war Weihnachten 2008 nicht der Fall. satzliegenschaft werde, ein entsprechendes Bedarfskon-
Soldaten aus Afghanistan zeigten sich in Eingaben an zept vorbereitet und dem Bundesministerium der
mich entrüstet über ein Weihnachtspaket des Dienstherrn, Verteidigung am 30. Oktober 2008 zur Entscheidung vor-
das ihnen im Einsatz überreicht worden war. Sie rügten
gelegt werde. Nach mehreren Anfragen wurde Anfang Ja-
sowohl den Inhalt, offensichtlich Billigartikel aus Fern-
nuar 2010 mitgeteilt, dass demnächst eine Schließung
ost, als auch die Form der Übergabe. Die Geschenke wur-
von Prizren-Airfield zu erwarten und damit eine Umset-
den den Soldaten in einem braunen Pappkarton ohne
zung weiterer Infrastrukturmaßnahmen nicht mehr sinn-
weihnachtliche Verpackung überreicht. Auch die beige-
voll sei. Es kann nicht angehen, dass Soldaten über meh-
legte Grußkarte ließ einen persönlichen Bezug vermissen.
rere Jahre hinweg in Unterkünften untergebracht sind, bei
Der Unmut über die Geschenke war derart groß, dass die
denen zwar dringender Handlungsbedarf erkannt wird,
Ehefrau eines in Afghanistan eingesetzten Soldaten im
die Umsetzung von Maßnahmen jedoch so lange hinaus-
Rahmen eines Empfangs der Bundeskanzlerin Fotos von
gezögert wird, bis sich das Problem durch Zeitablauf erle-
diesen Geschenken übergab, die ihr der Ehemann zuvor
digt. Durch ein solches Vorgehen erleidet das Vertrauen in
aus dem Einsatzland zugesandt hatte.
einen fürsorglichen Dienstherrn erhebliche Einbußen.
Zum Weihnachtsfest 2009 sollte den Soldaten in den Ein-
satzgebieten ein Schreiben des Generalinspekteurs mit ei- 2.8 Auslandsverwendungszuschlag (AVZ)
ner Gedenkmünze und seiner Unterschrift sowie eine CD
mit Weihnachtsmusik überreicht werden. Da das beauf- Wie bereits im Vorjahr beklagten insbesondere die Solda-
tragte Unternehmen die Gedenkmünzen nicht rechtzeitig ten, die regelmäßig Dienstreisen in die Einsatzgebiete un-
fertig stellen konnte, wurde von dem Weihnachtspräsent ternehmen müssen, dass der AVZ nur im Falle einer
Abstand genommen. Stattdessen wurden die für die Sol- Kommandierung ins Einsatzgebiet gezahlt wird. Bei einer
daten bereitstehenden Mittel den jeweiligen Dienststel- Auslandsdienstreise von weniger als 14 Tagen besteht
lenleitern und Kommandeuren zur Ausgestaltung einer kein Anspruch auf AVZ.
persönlichen Danksagung zur Verfügung gestellt. Das
war nach Lage der Dinge eine naheliegende Lösung. Bezüglich der im Einsatz zum Teil schwerstverwundeten
Gleichwohl brachten nicht wenige Soldaten ihre Enttäu- und zur weiteren medizinischen Behandlung nach
schung und ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck. Deutschland ausgeflogenen Kameraden zeigten sich die
Auch wenn die Bemühungen des Ministeriums ein- Soldatinnen und Soldaten darüber bestürzt, dass der be-
schließlich der vom Bundesminister der Verteidigung reits für den gesamten Monat im Voraus gezahlte AVZ
übermittelten Weihnachtsgrüße anzuerkennen sind, so nach der geltenden Rechtslage vom Tage nach Verlassen
habe ich kein Verständnis dafür, dass nicht bereits bei der des Einsatzlandes an grundsätzlich zurückzufordern ist.
zeitgerechten Vergabe des Auftrages darauf geachtet Zwar hat das Bundesministerium der Verteidigung in ak-
wurde, ob der Vertragspartner die Anforderungen zur tuellen Fällen – auch nachdem ich mich eingeschaltet
Herstellung einer solchen Medaille auch erfüllen konnte. hatte – von einer Rückforderung für den laufenden Monat
abgesehen. In einer weiteren Stellungnahme kündigte es
2.7 Unterbringung unter Bezugnahme auf die zuvor verfügte Regelung aller-
dings an, dass „zur grundsätzlichen Vermeidung von für
In den Vorjahren war der überwiegende Teil der in Mazar- die betroffenen Soldatinnen und Soldaten unerfreulichen
e-Sharif eingesetzten Soldaten auf Stuben mit Dreierbele- AVZ-Überzahlungen“ der AVZ ab 1. Mai 2010 künftig
gung untergebracht. Auf das Erfordernis, bei einem Auf- nicht mehr im Voraus, sondern monatlich nachträglich
wuchs der Kräfte zeitgerecht auch die erforderliche Un- ausgezahlt werde. Lediglich zu Beginn der besonderen
terbringungskapazität zu schaffen, hatte ich bereits in Auslandsverwendung werde im Voraus ein einmaliger
meinem letzten Jahresbericht hingewiesen. Abschlag in Höhe von 15 Tagessätzen der für das Ein-
Auch die Unterbringung der Soldaten des QRF-Verban- satzgebiet jeweils festgesetzten AVZ-Stufe gezahlt. Ich
des in Kunduz wurde beanstandet. Sie waren lediglich in habe erhebliche Bedenken, ob man mit einer solchen Lö-
Zelten untergebracht und damit trotz ihres fordernden sung der besonderen Situation der nach Verwundung oder
Auftrages qualitativ erheblich schlechter gestellt als ihre gar Tod in die Heimat zurückgeführten Soldaten und de-
Kameraden in den Unterkünften. ren Angehörigen gerecht wird. Aus diesem Grund habe
ich den Bundesminister der Verteidigung auf die geplante
Im Feldlager Airfield in Prizren monierten die Soldaten Änderung der Verwaltungspraxis aufmerksam gemacht
undichte Dächer der Containerwohnmodule, durch die und ihn eindringlich gebeten, von der Änderung abzuse-
Regenwasser in die Mittelgänge der Module eindrang. In hen. Nicht nur, weil mit ihr der Unmut der Soldaten he-
seiner Stellungnahme bestätigte das Einsatzführungskom- raufbeschworen wird, sondern auch, weil die Änderung
Drucksache 17/900 – 22 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

erkennbar darauf abzielt, einen Verzicht auf Rückzahlun- chende Erfahrungen zu sammeln. Piloten mit entspre-
gen aus Billigkeitsgründen von vornherein zu vermeiden. chend langjähriger und umfassender Flugerfahrung soll-
ten für die Ausbildung zum Fluglehrer gewonnen werden.
Zur Schaffung von Rechtssicherheit sollte in der
Dies könnte über eine entsprechende Aufwertung der
Auslandsverwendungszuschlagsverordnung festgeschrie-
Fluglehrerdienstposten erreicht werden, die nach Aus-
ben werden, dass im Einsatz verwundeten Soldaten der
kunft der Soldaten derzeit im Wesentlichen lediglich mit
AVZ zumindest für den Rest des Monats, in dem eine Re-
der Besoldungsgruppe A 11 dotiert sind.
patriierung stattgefunden hat, weiter zusteht.
Die in den USA stationierten Soldatinnen und Soldaten
3 Auslandsdienststellen beschäftigen unter anderem Fragen im Zusammenhang
mit dem Umzug und dem Dienst am Auslandsstandort.
Deutsches Luftwaffenkommando USA und Kanada So bemängelten sie, dass die Kosten für eine Wohnungs-
(Truppenbesuch vom 23. bis 27. August 2009, besichtigungsreise vor Versetzung ins Ausland nur für
Washington, Reston, El Paso, Holloman) eine Person erstattet werden. Auf mein entsprechendes
Überprüfungsersuchen hin hat das Bundesministerium
Im August des Berichtsjahres führte mich ein Truppenbe- der Verteidigung Verständnis für das Anliegen der Solda-
such zu den Dienststellen des Deutschen Luftwaffenkom- ten gezeigt, weil gewöhnlicherweise beide Partner ge-
mandos in den USA und Kanada. Derzeit befinden sich meinsam eine Wohnung suchen oder besichtigen. Ich
rund 1 600 Bundeswehrsoldaten in den Vereinigten Staa- begrüße daher, dass im Rahmen der anstehenden Novel-
ten. Bei meinem Besuch trugen Soldatinnen und Soldaten lierung des Umzugskosten- und Trennungsgeldrechtes
vor allem Themen vor, die unmittelbar mit der Versetzung dieses Problem mit dem Ziel einer Angleichung an die In-
zum Dienstort im Ausland oder mit der Rückversetzung landsregelung gelöst werden soll. Danach sollen die Aus-
nach Deutschland in Zusammenhang standen. Dabei ging lagen für zwei Reisen einer Person oder einer Reise von
es um Dinge, die organisatorische Abläufe vor dem zwei Personen zum Suchen oder Besichtigen einer Woh-
Wohnortwechsel beeinflussen, wie zum Beispiel die nung erstattet werden. Neben Fahrkosten bis zur Höhe
Übernahme der Umzugskosten. Kritisiert wurde auch der der billigsten Fahrkarte der allgemein niedrigsten Klasse
1. Oktober als Stichtag für Versetzungen auf internatio- eines regelmäßig verkehrenden Beförderungsmittels sol-
nale Dienstposten. Bei Rückversetzungen wird es für Fa- len weiter Tages- und Übernachtungsgelder für höchstens
milien mit Kindern problematisch, weil das neue Schul- zwei Reise- und zwei Aufenthaltstage gewährt werden.
jahr in Deutschland bereits in den Monaten August und
September beginnt. Auf Unverständnis stieß bei den Soldaten auch die Rege-
lung, dass sie bei der Inanspruchnahme von Familien-
Die Luftwaffensoldaten thematisierten weiterhin die Si- heimflügen nach Deutschland innerhalb der vorgeschrie-
tuation im Personalbereich. Sie beklagten, dass War- benen Mindestzeit von 14 Tagen Deutschland nicht
tungspersonal, das in Deutschland gerade erst die Ausbil- verlassen dürfen.
dung abgeschlossen habe, in die USA versetzt werde und
dort eigenverantwortlich die Wartung der Flugzeuge vor- Als unbefriedigend wurde im Zuge des Abbaus von Zivil-
nehmen solle. Zurzeit sei es kaum möglich, den Kamera- personal schließlich auch die Entscheidung empfunden,
den erfahrene Luftfahrzeugmechaniker zur Seite zu nur noch am Standort Holloman einen katholischen Mili-
stellen. Hier wäre es besser, wenn das neue Wartungsper- tärseelsorger zu haben. In dem 80 Meilen entfernten Fort
sonal zuerst in Deutschland Erfahrung sammeln könnte, Bliss soll lediglich ein katholischer Pfarrhelfer verbleiben
bevor ihm solch verantwortungsvolle Aufgaben zur ei- und die Militärseelsorge vor Ort unterstützen. Dies wird
genständigen Ausführung übertragen werden. Die Arbeit von vielen Soldaten in Anbetracht des Umfangs des Be-
der Flugzeugwarte hat wesentlichen Einfluss auf die treuungsbedarfs in beiden Standorten als nicht ausrei-
Flugsicherheit. Hier sollte neben einer gründlichen Aus- chend angesehen.
bildung auch das Sammeln von praktischer Erfahrung un-
ter Anleitung von erfahrenem Personal selbstverständlich Taktisches Ausbildungszentrum der Luftwaffe, Italien
sein, bevor einem Kameraden ein erhebliches Maß an ei-
(Truppenbesuch vom 16. bis 18. September 2009,
gener Verantwortung übertragen wird.
Decimomannu)
Ähnliches wurde mir auch über die Situation im Bereich
Dieser Truppenbesuch stellt in der nunmehr fünfzigjähri-
der Fluglehrerausbildung berichtet. Die hierfür vorgese-
gen Geschichte der Institution des Wehrbeauftragten ein
henen Piloten hätten eine Flugerfahrung von maximal
Novum dar. Es war der erste Truppenbesuch im Ausland,
500 Stunden vorzuweisen. Diese Anzahl an Flugstunden
der unangemeldet erfolgte. Bei anderen Auslandstruppen-
sei viel zu gering. Die fehlende Flugerfahrung, so wurde
besuchen ist dies in dieser Form bisher aus organisatori-
mir erklärt, resultiere unter anderem daraus, dass die Pilo-
schen Gründen nicht möglich gewesen.
ten neben ihrem eigentlichen Auftrag für verschiedene
Nebenfunktionen ausgebildet werden müssten, so zum Bereits 1960 wurde das „Deutsche Luftwaffenübungs-
Beispiel zum Drohnenbediener. Da bleibe für das Fliegen platzkommando Italien“ aufgestellt. Seit 1983 trägt es
nicht mehr viel Zeit übrig. Wer seine Erfahrungen als seine bis heute gültige Bezeichnung. Die Geschwader-
Flugzeugführer an den Nachwuchs im Rahmen einer fun- kommandos der Luftwaffe absolvieren hier die taktische
dierten Ausbildung weitergeben soll, muss natürlich Verbandsausbildung mit verschiedenen Waffensystemen
zuvor auch die Chance gehabt haben, als Pilot entspre- sowie mit Kommandos befreundeter Streitkräfte. Das
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 23 – Drucksache 17/900

Taktische Ausbildungskommando der Luftwaffe unter- und Bewerber den Erwartungen nicht entsprechen, Lehr-
stützt sie dabei. gangsvoraussetzungen nicht erfüllen oder sich zum Vor-
gesetzten als ungeeignet erweisen.
Die Soldaten des Ausbildungskommandos sind im We-
sentlichen zufrieden mit dem Dienst und den Arbeitsbe- Dazu ein Beispiel:
dingungen. Bemängelt wurde, wie schon von den in den
USA eingesetzten Kameraden, die Regelung bezüglich Ein zum 1. Januar 2005 einberufener Grundwehrdienst-
der Wohnungsbesichtigungsreisen. Beklagt wurde außer- leistender, der seinen Wehrdienst freiwillig verlängert
dem, dass die Kapazitäten für die Sprachausbildung Ita- hatte, wurde nach erfolgreicher Eignungsfeststellung im
lienisch nicht ausreichen, obwohl sie für die Kommunika- Frühjahr 2008 als Feldwebelanwärter eingeplant. Nach
tion mit italienischen Kameraden und Einheimischen der Beförderung zum Stabsunteroffizier wurde er als
zwingend erforderlich ist. Die Sportinfrastruktur wurde in Hilfsausbilder in der Allgemeinen Grundausbildung ein-
Teilen als dringend sanierungsbedürftig bewertet. Auch gesetzt. Da er nach der Einschätzung seiner Vorgesetzten
gab es hier Beschwerden, die bereits von anderen Trup- „eklatante Mängel im Bereich der allgemein militärischen
penteilen wiederholt geäußert wurden. Insbesondere Ausbildung und körperlichen Leistungsfähigkeit“ nicht
stand das Beurteilungswesen in der Kritik. abstellen konnte und sich als „weit entfernt vom feldfähi-
gen Soldaten“ erwies, musste er die Grundausbildung ge-
meinsam mit den Rekruten noch einmal wiederholen. Im
4 Führung und Ausbildung Verlauf dieser Ausbildung fühlte sich der Soldat durch
Maßgabe und Richtschnur für die Führung und Ausbil- Kritik seiner Vorgesetzten in Anwesenheit von Rekruten
dung in der Bundeswehr sind die Grundsätze der Inneren wiederholt gedemütigt. Er wandte sich deshalb an mich
Führung. Ihre Vermittlung und Weiterentwicklung liegt und beanstandete zusätzlich, später zu einem Feldwebel-
unter anderem in den Händen des Zentrums Innere Füh- lehrgang kommandiert worden zu sein, obwohl zwin-
rung, dessen wertvoller Beitrag dazu gar nicht hoch ge- gende Lehrgangsvoraussetzungen, in diesem Fall der
nug bewertet werden kann. Die breite Angebotspalette Nachweis des Sportabzeichens, nicht vorgelegen hätten.
des Zentrums Innere Führung spiegelt dessen Leistungs- Aus diesem Grunde sei er von dem Lehrgang wieder
fähigkeit wieder. An dieser Stelle möchte ich die Gele- abgelöst worden. In seiner Stellungnahme rügte der zu-
genheit nutzen, mich beim Kommandeur des Zentrums, ständige Befehlshaber in Übereinstimmung mit dem Di-
Herrn Brigadegeneral Alois Bach, und den ihm unterstell- visionskommandeur, dass der Einsatz eines Feldwebelan-
ten Mitarbeitern und Soldaten ganz herzlich für die gute wärters im fünften Dienstjahr als Rekrut unzweckmäßig
Zusammenarbeit und Unterstützung zu bedanken; na- und unangemessen gewesen sei. Weitere Konflikte seien
mentlich danke ich Oberst Siegfried Morbe, der mit gro- dadurch geradezu herausgefordert worden. Im Hinblick
ßem Engagement und Erfolg einige meiner Projekte sehr auf die Entsendung zum Lehrgang wurden die zuständi-
tatkräftig begleitet hat. gen Vorgesetzten eindringlich darüber belehrt, dass zwin-
gende Lehrgangsvoraussetzungen zu beachten seien. Der
Nicht unerwähnt lassen möchte ich in diesem Zusammen- Petent verzichtete schließlich auf das Verbleiben in der
hang auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Feldwebellaufbahn und wurde einvernehmlich nach § 55
Beirat Innere Führung unter der bewährten Leitung von Absatz 4 Soldatengesetz aus der Bundeswehr entlassen.
Prof. Dr. Reiner Pommerin.
Bei allem Verständnis dafür, dass dem Petenten von sei-
Auch in diesem Berichtsjahr galt meine besondere Auf- nen unmittelbaren Vorgesetzten ein weiterer Werdegang
merksamkeit dem Führungsverhalten von Vorgesetzten in der Bundeswehr ermöglicht werden sollte, stellt sich
und Fragen der Ausbildung. Klagen über Defizite in die- gerade im vorliegenden Fall die Frage, ob der Einsatz als
sen Bereichen reißen nicht ab. Gleichgültigkeit, Überlas- Ausbilder in der Allgemeinen Grundausbildung im Inte-
tung, Frustration, mangelnde Eignung zur Menschenfüh- resse des Petenten und der auszubildenden Rekruten nicht
rung, Ausbildungsdefizite, unzureichende Erfahrung und bereits früher hätte beendet werden müssen und ob er sich
Kommunikationsdefizite von Ausbildern und Vorgesetz- für seinen Verband überhaupt als Verstärkung hätte erwei-
ten geben immer wieder Anlass zu Klagen. Vor diesem sen können.
Hintergrund stellte sich im Berichtsjahr erneut die Frage,
ob bei der Aus- und Weiterbildung des Offizier- und Un- Die anhaltenden Probleme im Zusammenhang mit der
teroffiziernachwuchses neben der fachlichen Ausbildung Gewinnung und Ausbildung des Führungsnachwuchses
auch den so wichtigen Fragen der Menschenführung, der waren auch Gegenstand einer viertägigen Informationsta-
Rechtskenntnisse und des Rechtsbewusstseins genügend gung, die ich im Juni des vergangenen Jahres mit Solda-
Raum gegeben wird und die Inhalte sachgerecht vermit- tinnen und Soldaten aller Dienstgradgruppen in Berlin
telt werden. durchführte. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse decken
sich mit einschlägigen Eingaben und sind in den nachfol-
Wichtig ist aus meiner Sicht, dass den Bewerberinnen genden Ausführungen näher dargelegt.
und Bewerbern für die Laufbahnen der Offiziere und Un-
teroffiziere schon vor ihrer Erstverpflichtung deutlich ge- 4.1 Führungsverhalten
macht wird, was die Bundeswehr von ihnen als zukünf-
tige Vorgesetzte erwartet, und dass der Dienstherr die ihm Defizite im Führungsverhalten militärischer Vorgesetzter
gegebenen Möglichkeiten ausschöpft, korrigierend einzu- und elementare Verstöße gegen die Grundsätze der Inne-
greifen, wenn sich herausstellt, dass die Bewerberinnen ren Führung waren erneut auf allen Führungsebenen zu
Drucksache 17/900 – 24 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

verzeichnen. Vorgesetzte wurden ihrer Vorbildfunktion verbot und einer Kürzung der Dienstbezüge verurteilt.
nicht gerecht und büßten dadurch Vertrauen sowohl bei Zugleich hob das Truppendienstgericht die zuvor vom
den ihnen unterstellten Soldaten als auch bei ihren Vorge- Kompaniechef verhängte Disziplinarbuße auf. In einem
setzten ein. sachgleichen Strafverfahren wurde der Soldat wegen ent-
würdigender Behandlung eines Untergebenen auch straf-
Dazu einige Beispiele: rechtlich zur Verantwortung gezogen.
Ein Batteriechef im Range eines Hauptmanns goss im Vergleichbare Eingaben erreichen mich nahezu täglich.
Rahmen einer Ausbildungsbesprechung im Gelände ei- Sie legen Zeugnis davon ab, dass Vorgesetzte aller
nem Oberfeldwebel, der eine Frage nicht beantworten Dienstgrade bedenkenlos ihre soldatischen Pflichten und
konnte, einen Becher Tee vor die Füße und sagte: „Da ha- die Vorgaben der ZDv 10/1 „Innere Führung“ missachten.
ben Sie ’ne Landesgrenze, jetzt rammen Sie noch ein Vielen von ihnen fehlt es schon am Respekt vor den
Messer rein und sagen: Hier ist der Feind und da sind wir, Rechten und der Persönlichkeit Untergebener. Im Rahmen
und schon versteht es der dümmste Grenadier!“ Am meiner bereits erwähnten Informationstagung umschrieb
nächsten Tag bemängelte der Hauptmann bei einer Be- ein Bataillonskommandeur dies anschaulich damit, dass
sprechung die generelle Einstellung einiger Kameraden den Ausbildern auf den verschiedenen Ebenen immer häu-
zum Dienst, die damit „im Zivilleben als Hartz-IV-Emp- figer ein „moralisches Koordinatensystem“ fehle.
fänger enden“ würden. Im Kreise der anwesenden Teil-
einheitsführer herrschte Einigkeit, dass diese Äußerung Nichts anderes gilt für die immer wieder festzustellenden
dem Oberfeldwebel galt. ehrverletzenden und herabwürdigenden Formulierungen,
von denen es auch im Berichtsjahr eine Vielzahl von Bei-
Ein Wehrpflichtiger wurde trotz starker Schmerzen in der spielen gab.
Seite mit mehrfachem Erbrechen und seines Hinweises an
den Arzt, es könne sich um den Blinddarm handeln, zu- Ein als Kompaniechef eingesetzter und nach Aussagen
nächst nur „krank auf Stube“ geschrieben. Der Soldat seiner Vorgesetzten unerfahrener und überforderter Ober-
hatte den ganzen Tag und die ganze Nacht Schmerzen. leutnant bestellte einen ihm unterstellten Hauptgefreiten
Trotzdem schätzte ihn am nächsten Morgen sein Zugfüh- wegen eines Fehlverhaltens zu sich. Der Vorgesetzte traf
rer als „voll einsatzfähig“ ein. Ein anderer Arzt diagnosti- den Soldaten auf dem Weg zu einer anderen Besprechung
zierte jedoch kurz darauf den Verdacht einer akuten auf dem Flur und befahl ihm, vor einem Treppenaufgang
Blinddarmentzündung und veranlasste den Transport in des Dienstgebäudes bis zu seiner Rückkehr von der Be-
das nächste Krankenhaus. Dort wurde eine lebensbedroh- sprechung zu warten. Der Oberleutnant schätzte deren
liche Blinddarmentzündung festgestellt und sofort eine Dauer auf 30 bis 45 Minuten. Allerdings kehrte er erst
Operation veranlasst. Während der Soldat nach der Ope- nach circa 90 Minuten zum wartenden Hauptgefreiten zu-
ration sechs Tage im Krankenhaus lag, war er anschei- rück. Beide gingen vor das Gebäude, hierbei bezeichnete
nend von seinen Vorgesetzten „einfach vergessen“ wor- der Offizier den Soldaten als „größten Verpisser der
den. Er erhielt weder Besuch aus seiner Kaserne, noch Kompanie“. Im Weiteren führte er das beabsichtigte Ge-
sonst eine Betreuung. So verfügte der Soldat – bis seine spräch mit dem Soldaten in seinem Dienstzimmer. Der
Eltern ihn besuchten – weder über Wechselwäsche noch Vorgesetzte unterbrach schließlich die Unterredung und
über Waschzeug. Auch nach Ansicht des von mir um schickte den Soldaten vor die Tür. Er solle dort warten.
Überprüfung gebetenen Befehlshabers ist es völlig unver- Als der Soldat das Dienstzimmer durch das Geschäfts-
ständlich und in keiner Weise hinnehmbar, dass keiner zimmer verließ, sagte der Vorgesetzte sinngemäß zu den
der Vorgesetzten auf die Idee kam, sich um den Kamera- im Geschäftszimmer tätigen Soldaten: „Achten Sie da-
den zu kümmern, obwohl sein Krankenhausaufenthalt im rauf, dass keiner mit dem Hauptgefreiten Arschloch redet
Zug bekannt war. Selbst den Rücktransport in die Ka- und er sich nicht von der Stelle bewegt.“ Dem Oberleut-
serne musste er, trotz eines Anrufes in seiner Einheit mit nant wurden auch weitere verbale Entgleisungen zur Last
der Bitte um Abholung aus dem Krankenhaus, selbst or- gelegt. Gegen ihn wurde eine empfindliche Disziplinar-
ganisieren. buße verhängt.
Ein Hauptfeldwebel und Zugführer äußerte vor den Sol- Ein Oberfeldwebel bezeichnete einen Stabsunteroffizier
daten seines Zuges nach einer für ihn unbefriedigenden nach Alkoholgenuss als „fettes Schwein“, „Arschloch“,
Ausbildung: „Wenn Ihr gefickt werden wollt, dann ma- „Assi“ und „Witz als Soldat“. In seiner Vernehmung
chen wir das wie in der Allgemeinen Grundausbildung!“ räumte der Oberfeldwebel ein, unter Alkoholeinfluss
Einen Obergefreiten fuhr er in Anwesenheit von Kamera- schnell ausfällig zu werden. Ein Batteriefeldwebel äu-
den an: „Wenn jemand sagt, Sie sind ein Arschloch, dann ßerte, als ein Oberfeldwebel ohne anzuklopfen sein
sind Sie eins!“ Unter Alkoholeinfluss fragte er seinen Dienstzimmer betrat: „Ich bin doch keine Nutte, bei der
Kraftfahrer, ob er gerne Auto fahre. Als der Hauptgefreite jeder reinkommen kann.“ Ein Kompaniechef nannte sei-
dies bejahte, fragte er ihn: „Warum lernst Du es dann nen Verband vor einem Soldaten seiner Kompanie ein
nicht?“ Auf die Entgegnung, er müsse ja nicht mit ihm „Inzestbataillon“. Ein Oberstleutnant bezeichnete anwe-
fahren, drohte der Zugführer: „Wir können ja mal sehen, sende Hauptleute als „blöd“ und einen Kameraden als
wie es sich mit zwei gebrochenen Händen weiterfährt!“ „den leistungsschwächsten Stabshauptmann der Bundes-
Der Hauptfeldwebel wurde von der Führung seines Zuges wehr“. Zu Fachdienstoffizieren bemerkte er gegenüber ei-
entbunden. In dem eingeleiteten gerichtlichen Diszipli- nem Kameraden: „Manchmal kotzt mich dieses Fachdie-
narverfahren wurde der Soldat zu einem Beförderungs- nerpack so an.“
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 25 – Drucksache 17/900

Besonders erschreckend ist die Herabwürdigung von Defizite in der fachlichen Qualifikation und in der Men-
Mannschaftsdienstgraden durch Vorgesetzte. In entspre- schenführung sind bei Gruppenführern, Zugführern und
chenden Eingaben wurde mir von inakzeptablen Ausdrü- bisweilen auch auf Einheitsführerebene festzustellen.
cken wie „niederes Fußvolk“, „Spasti“ oder gar „alles Häufig sind es gerade die unerfahrenen Stellvertreter, die
Pflegefälle“ berichtet. In einem Fall bezeichnete ein Batte- auf sich gestellt und ohne hinreichende helfende Dienst-
riefeldwebel ihm unterstellte Mannschaften als aufsicht den Ansprüchen nicht genügen. Nach wie vor
„Pflaume“, „hohle Frucht“ und „Idiot“, in einem anderen gilt: Gerade in den Ausbildungseinheiten bedarf es des
Fall eröffnete ein Hauptfeldwebel den ihm unterstellten Einsatzes besonders qualifizierter und erfahrener Vorge-
Mannschaftssoldaten, er sehe sie als „Feindbilder“. setzter. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus.
Ein Bataillonskommandeur vertrat die Auffassung, dass
4.2 Situation in der Allgemeinen seiner Ausbildungskompanie Personal zugewiesen wor-
Grundausbildung den sei, das anderenorts nicht gebraucht wurde. Ein ande-
rer Bataillonskommandeur bemerkte, dass unerfahrene
Auch im vergangenen Jahr galt den Ausbildungskompa- Ausbilder erst lernen müssten, mit der ihnen übertragenen
nien von meiner Seite besondere Aufmerksamkeit. In ih- Machtfülle vernünftig umzugehen. Die Rekruten selbst
nen erleben junge Männer und Frauen zum ersten Mal, bestätigten diese Einschätzung und rügten die fachliche
was es heißt, Soldat zu sein und sich in eine militärische Inkompetenz einzelner Ausbilder und die Neigung insbe-
Gemeinschaft einzuordnen. Mein Dank gilt den Ausbil- sondere junger Offizieranwärter, ihre Unfähigkeit und
dern und Vorgesetzten, die sich trotz schwieriger Rah- Unerfahrenheit durch flotte Sprüche und überzogene
menbedingungen und hoher zeitlicher Belastung der Härte, aber auch durch ungerechtes Verhalten und Belei-
verantwortungsvollen Aufgabe der Anleitung und Ausbil- digungen zu überspielen.
dung junger Rekruten mit großem Engagement und Ein-
satz stellen. Diese häufig zu vernehmenden Vorwürfe und im Zuge
der Eingabenbearbeitung auch bestätigten Fehlverhal-
Auf die angespannte Situation in der Allgemeinen Grund- tensweisen untermauern, dass die Personalsituation und
ausbildung hatte ich bereits in meinem vorangegangenen darüber hinaus auch die Rahmenbedingungen in den Aus-
Jahresbericht hingewiesen. Sie hat sich im Berichtsjahr bildungseinheiten insgesamt dringend einer kritischen
nicht entspannt. Zu viele Rekruten, zu wenig Ausbilder Überprüfung bedürfen. Der bleibende Eindruck von ih-
und Schwierigkeiten bei der Unterbringung und Ausbil- rem Wehrdienst entsteht bei den Wehrpflichtigen vor al-
dung kennzeichneten vielerorts nach wie vor das Bild. lem aufgrund der Abläufe und der menschlichen sowie
Auch erreichten mich erneut Klagen über Herabwürdi- fachlichen Qualifikation der Ausbilder in den Ausbil-
gungen, überzogene Härte, unzulässige Dienstgestaltung dungseinheiten. Hier entscheidet sich nach meiner Ein-
sowie Überforderungen bei Märschen und Sport. schätzung nicht selten, ob Soldaten länger bei der Bun-
deswehr bleiben wollen und was sie als Multiplikatoren
Dazu ein Beispiel: über ihren Dienst in den Streitkräften berichten.
In einer Ausbildungskompanie begannen die Pflichtver- Neben qualifizierten Ausbildern, die ihren Ausbildungs-
letzungen bereits mit der Aufstellung eines vorschrifts- auftrag engagiert und verantwortungsbewusst durch-
widrigen Dienstplans. Schon am fünften Tag der Grund- führen, bedarf es auch akzeptabler Rahmenbedingungen,
ausbildung wurde dort ein Eingewöhnungsmarsch insbesondere im Hinblick auf die Unterbringung und Be-
angesetzt, der sechs statt der erlaubten fünf Kilometer treuung der Rekruten. Das war häufig nicht der Fall. Be-
umfasste. Darüber hinaus wurde er auf einen Sonntag ge- reits 2005 hatte der damalige Bundesminister der Vertei-
legt, obwohl gemäß der Ziffer 1605 der ZDv 40/1 „Stand- digung, Dr. Franz Josef Jung, entschieden, ab dem Jahr
ortdienstvorschrift“ jeder Dienst an Sonntagen auf das 2006 jährlich sechseinhalbtausend Grundwehrdienstleis-
unerlässliche Mindestmaß zu beschränken ist. Hinzu tende mehr einzuberufen. Dies stellt die Vorgesetzten vor
kam, dass ein Marschgepäck von bis zu zehn Kilogramm Ort noch immer im Hinblick auf deren Unterbringung
befohlen wurde, obwohl die entsprechende Ausbildungs- und Ausbildung vor erhebliche Probleme.
vorschrift bei einem Eingewöhnungsmarsch ausdrücklich
kein Gepäck vorsieht. Zuletzt wurde noch ohne nähere Dazu mehrere Beispiele:
Überprüfung eine neue Marschroute gewählt, durch die die Ein Kommandeur sprach von einer maximalen Kapazität
erlaubte Marschlänge von fünf Kilometern sogar verdop- seiner beiden Ausbildungskompanien von je 160 Rekru-
pelt wurde. Das Ergebnis war, dass die zum Teil völlig un- ten. Zugewiesen wurden ihm jedoch jeweils 190. Schon
trainierten Rekruten mit noch nicht eingelaufenen Stiefeln bei 160 Rekruten müsse – so führte er aus – die Hälfte in
einen 10-Kilometer-Marsch absolvierten, der frühestens im Stuben mit sieben oder acht Mann untergebracht werden.
zweiten Ausbildungsmonat vorgesehen ist. Weil im Ge- Dies erhöhe keineswegs die Attraktivität des Dienstes.
päck der Rekruten teilweise zur Mitnahme befohlene Klei-
dungsstücke fehlten, wurde der Marsch mit einer vor- Ein anderer Bataillonskommandeur trug vor, dass er bis
schriftswidrigen Verlängerung von circa 600 Metern „in zum letzten Tag vor dem Einberufungstermin keine ge-
beschleunigtem Tempo“ beendet. Dieser abschließende naue Kenntnis gehabt habe, wie viele Rekruten seiner
„Eilmarsch“ führte zum Ausfall von sieben Soldaten, von Ausbildungskompanie tatsächlich zugewiesen würden.
denen drei im Krankenhaus behandelt werden mussten. Zudem würden die Rekruten seit zehn Jahren „vorüberge-
Drucksache 17/900 – 26 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

hend“ in sanierungsbedürftigen Gebäudeteilen unterge- untersagt wie die Teilnahme an dienstlichen Tätigkeiten
bracht. in der Öffentlichkeit. Aufgrund seiner Erkrankung unter-
zog sich der Soldat einer Entziehungstherapie. Da er
Ein Oberfeldwebel und stellvertretender Zugführer in ei-
diese von sich aus abbrach, wird die Einleitung eines
ner Ausbildungskompanie beanstandete, dass in seiner
Dienstunfähigkeitsverfahrens als unumgänglich angese-
Ausbildungskompanie seit Jahren pro Quartal 50 Rekru-
hen.
ten mehr als vorgesehen auszubilden gewesen seien, ohne
dass die Zahl der Ausbilder erhöht worden sei. In vielen Fällen führte erhöhter Alkoholkonsum zu Tät-
Immer wieder werden mir aus allen Bereichen der Bun- lichkeiten unter Kameraden sowie gegenüber Dritten.
deswehr diese nahezu querschnittlich anzutreffenden Pro-
bleme in Ausbildungseinheiten geschildert. Ausbilder Auch dafür drei Beispiele:
sind über Jahre hinweg Quartal für Quartal ohne Unter- Für ein Zugfest wurde mit einer Gaststätte ein Pauschal-
brechungen weit über die normalen Dienstzeiten hinaus preis für Speisen und Getränke vereinbart. Im Verlaufe
in der Ausbildung gefordert. Zeit zu einer systematischen der Veranstaltung beschimpfte ein Matrose in stark alko-
Vorbereitung der Ausbildung bleibt ihnen kaum. Viele holisiertem Zustand seine Kameraden. Als die Veranstal-
verfügen nicht einmal über Diensträume, in denen sie die tung deshalb abgebrochen werden musste und der Zug
Ausbildung ungestört vorbereiten und sich innerhalb des vor der Gaststätte antreten sollte, schlug der Soldat um
Zuges zu Besprechungen treffen können. sich und wehrte sich heftig auch gegen Vorgesetzte, die
Aufgrund der in den ersten Wochen in den meisten Aus- ihn zu beruhigen versuchten. Viereinhalb Stunden nach
bildungskompanien zu verzeichnenden Ausfälle aus ge- dem Vorfall wurde bei dem Soldaten noch eine Blutalko-
sundheitlichen oder anderen Gründen erhöht sich der ad- holkonzentration von 2,08 Promille festgestellt. Der zu-
ministrative Aufwand für die Kompanieführung sowie ständige Disziplinarvorgesetzte rügte die späte Reaktion
das Geschäftszimmerpersonal und die Kompaniefeldwe- der Vorgesetzten und verbot für die Zukunft die Durch-
bel erheblich. Hier fühlen sich die oft in Erstverwendung führung derartiger Veranstaltungen.
eingesetzten Einheitsführer, aber auch manche Zugführer
und erst recht junge oder nur vertretungsweise eingesetzte Ein Hauptfeldwebel hatte als Belohnung für die guten
unerfahrene Gruppenführer völlig überfordert. Rekruten- Leistungen ihm unterstellter Soldaten eine „Poolparty“ in
zuweisungen müssen sich an den Rahmenbedingungen einem selbstorganisierten, aufblasbaren Bassin veranstal-
vor Ort orientieren. Insgesamt erfordert die Situation in den tet, das mit warmen Wasser gefüllt war. Nach dem Ende
Grundausbildungseinheiten eine grundsätzliche Überprü- der Party duschte der erheblich alkoholisierte Soldat und
fung und schnelle Verbesserung. Von der Funktionsfähig- versuchte sodann, sich völlig unbekleidet auf einer Mann-
keit und der Effektivität, vor allem aber auch der Motiva- schaftsstube eine kurze Sporthose anzuziehen. Dabei fiel
tion und der Leistungsfähigkeit des Ausbildungspersonals er aufgrund seiner starken Alkoholisierung rückwärts in
hängt die Qualität des Nachwuchses und die Bereitschaft einen Spind und blieb dort mit der Hose in den Kniekeh-
zur Weiterverpflichtung entscheidend ab. Das gilt insbe- len liegen. Den erschrockenen und verwirrten Gesichts-
sondere, wenn der Wehrdienst künftig verkürzt wird. ausdruck eines Obergefreiten, der in diesem Augenblick
die Stube betrat, deutete der Hauptfeldwebel als Grinsen.
4.3 Umgang mit Alkohol Er stand auf, ging auf ihn los und schlug ihm ins Gesicht.
Der geschädigte Soldat sah von einer Meldung ab, da er
Übermäßiger Genuss von Alkohol stellt eine Gefahr für Nachteile für seinen laufenden Antrag auf Verlängerung
die Sicherheit, die Disziplin und die militärische Ordnung seiner Dienstzeit befürchtete. Gegen den Hauptfeldwebel
dar. wurde ein gerichtliches Disziplinarverfahren eingeleitet.
Im Berichtsjahr wurde deutlich, dass von Soldaten aller Wegen eines Alkoholexzesses wurde einem Hauptfeld-
Dienstgradgruppen eine Vielzahl schwerwiegender webel ein Alkoholverbot in der Kaserne erteilt. Entgegen
Dienstpflichtverletzungen nach übermäßigem Alkoholge- diesem Verbot ließ sich der Soldat wenige Monate später
nuss begangen wurde. von Kameraden überreden, seinen Ausstand zu feiern.
Zwei Beispiele: Als ein Stabsunteroffizier an dem anschließenden Besuch
einer Diskothek nicht teilnehmen wollte, schlug ihm der
Ein Oberleutnant wurde mit einem Verweis gemaßregelt, Hauptfeldwebel plötzlich und unangekündigt mit der
weil er entgegen den Bestimmungen der ZDv 14/3 Faust in die Genitalien. Dann schlug er ihm nochmals mit
„Wehrdisziplinarordnung“ während eines Truppen- der flachen Hand gegen den Kopf und griff dem am Bo-
übungsplatzaufenthaltes in Anwesenheit ihm unterstellter den liegenden Stabsunteroffizier mit den Fingern in den
Soldaten ein Dienstfahrzeug fuhr, obwohl er zuvor Alko-
Mund. Hierbei versuchte er, den Kopf des Kameraden zu
hol getrunken hatte.
drehen und ihn auf die Beine zu ziehen. Zuletzt packte er
Ein bekanntermaßen alkoholabhängiger Hauptfeldwebel ihn noch am Ohr. Der Geschädigte erlitt eine Gehirn-
blieb infolge übermäßigen Alkoholkonsums wiederholt erschütterung und eine leicht blutende Wunde am Ohr. In
dem Dienst unerlaubt fern. Ihm wurde für die Dauer von erster Instanz wurde der Hauptfeldwebel in den Dienst-
zwölf Monaten die Verwendungsfähigkeit als Panzerfeld- grad eines Hauptgefreiten herabgesetzt. Besonders er-
webel aberkannt. Sicherheitsrelevante Tätigkeiten und schreckend ist, dass keiner der umstehenden Kameraden
die Teilnahme am scharfen Schießen wurden ihm ebenso und Untergebenen dem Stabsunteroffizier zu Hilfe kam.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 27 – Drucksache 17/900

Leider werden teilweise auch Offiziere im Zusammen- nem anderen Fall wurde wegen eines Antrags auf Entlas-
hang mit Alkoholkonsum auffällig. So belästigte bei- sung gemäß § 55 Absatz 5 Soldatengesetz von der
spielsweise ein Oberstleutnant nach erheblichem Alko- Verhängung einer einfachen Disziplinarmaßnahme abge-
holkonsum Passanten, randalierte in einem Hotel und sehen, obwohl die Entlassung kein Ausschlussgrund für
befuhr stark alkoholisiert mit seinem Privatwagen eine die Verhängung einer Disziplinarmaßnahme ist. In beiden
Einbahnstraße in entgegen gesetzter Richtung. Die diszi- Fällen konnte eine an sich für erforderlich erachtete, neue
plinaren und strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Verhängung nicht erfolgen.
Stabsoffizier sind noch nicht abgeschlossen.
Weiteren Rechtsverstößen lagen unter anderem folgende
Natürlich dürfen die genannten Fälle nicht verallgemei- Sachverhalte zugrunde: „Disziplinarbücher“ wurden auf
nert werden. Sie geben aber Anlass, einmal mehr auf das Zugführerebene geführt, obwohl das in die originäre Zu-
Problem des Umgangs mit Alkohol eindringlich hinzu- ständigkeit des Disziplinarvorgesetzten fällt. Eine Durch-
weisen. Alle Soldaten, Vorgesetzte wie Untergebene, suchung wurde ohne richterliche Zustimmung angeord-
bleiben aufgefordert, übermäßigem Alkoholkonsum zu net. Ermittlungsunterlagen wurden unzulässigerweise
entsagen und Pflichtverletzungen in diesem Bereich klar vernichtet und stattdessen Erzieherische Maßnahmen aus-
und entschieden entgegenzutreten. Wo Vorgesetzte gar gesprochen. Beschwerden wurden nicht bearbeitet, weil
selbst auffällig werden, handeln sie nicht nur pflichtwid- der zuständige Bearbeiter wegen mangelhafter Rechts-
rig, sondern verspielen auch das Vertrauen ihrer Unterge- kenntnisse meinte, dieses sei wegen der sachgleichen
benen und werden selbst zum Sicherheitsrisiko. Mit der Eingabe entbehrlich. Das Bundesministerium der Vertei-
Stellung eines Vorgesetzten ist das nicht zu vereinbaren. digung selbst wies in der Stellungnahme zu einer Be-
schwerde gegenüber dem Bundesverwaltungsgericht un-
4.4 Rechtskenntnisse und Bearbeitungsdauer zulässigerweise auf eine einfache Disziplinarmaßnahme
hin, die mehr als zehn Jahre zuvor verhängt worden war.
Wie wiederholt dargestellt sind fundierte und umfassende Darüber hinaus wurde ein zehn Jahre zuvor eingeleitetes
Kenntnisse des Wehrrechts, vor allem des Soldaten- und strafrechtliches Ermittlungsverfahren erwähnt, das längst
Disziplinarrechts, für Vorgesetzte unerlässlich. Besonders wieder eingestellt worden war. Beide Vorgänge waren für
von Disziplinarvorgesetzten ist zu erwarten, dass sie das Beschwerdeverfahren ohne Relevanz und hätten nicht
Sachverhalte rechtlich bewerten können. Bei Unsicher- Gegenstand der Stellungnahme werden dürfen. Erklärend
heiten sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, den Rat verwies das Bundesministerium der Verteidigung auf die
des Rechtsberaters einzuholen. Das wurde nicht immer personalführende Stelle, die es versäumt habe, die Perso-
beachtet. So kam es in Einzelfällen zu eklatanten Pflicht- nalakte gemäß den Tilgungsbestimmungen zu führen.
verletzungen. Das entschuldigt jedoch nicht die eigenen Defizite bei der
In einem Fall wurde ein Hauptgefreiter einem Oberfeld- Beachtung rechtlicher Vorgaben.
webel zur Unterstützung zugeteilt. Als dieser ihm nach Bedenklich waren auch die rechtlichen Bewertungen ei-
Erledigung des ursprünglichen Auftrags mitteilte, dass nes Divisionskommandeurs. In diesem Fall hatte sich das
sein Einsatz drei Stunden über die Rahmendienstzeit hi- Vorbringen eines Petenten, dass ein Vorgesetzter die Prü-
naus erforderlich sei, wollte der Mannschaftsdienstgrad fung einer Unteroffizierkasse vorschriftswidrig unterlas-
deswegen mit seinem unmittelbaren Vorgesetzten spre- sen habe und Gelder teilweise satzungswidrig verwendet
chen. Daran hinderte ihn jedoch der Oberfeldwebel, der worden seien, bestätigt. Gleichwohl erklärte der Divi-
ihn mit einem Griff am Arm festhielt, ihn ins „Achtung“ sionskommandeur in seiner Stellungnahme, dass er „nicht
stellte und belehrte, seine Befehle auszuführen. Andern- im Ansatz erkennen“ könne, dass „die in der Eingabe vor-
falls drohte er ihm die vorläufige Festnahme an. Der getragenen Sachverhalte die Grundrechte oder die Grund-
Oberfeldwebel verkannte in diesem Fall, dass er nicht sätze der Inneren Führung verletzt hätten“.
mehr befugt war, den Hauptgefreiten zu weiteren Erledi-
gungen einzuteilen. Darüber hinaus hätte nur der zustän- In einem anderen Fall habe ich ein Besonderes Vorkomm-
dige Disziplinarvorgesetzte einen Dienst über die Rah- nis zu einem Schießunfall von Amts wegen aufgegriffen.
mendienstzeit hinaus befehlen können. Vor allem aber Auch bei diesem Vorgang hatte die Einleitungsbehörde
hätte der Oberfeldwebel wissen müssen, dass Befehle Zweifel, ob der betreffende Sachverhalt auf einen Verstoß
nicht mittels körperlichen Zwangs durchgesetzt werden gegen die Grundsätze der Inneren Führung schließen
dürfen und dass in der konkreten Situation weder der An- lasse. Das Bundesministerium der Verteidigung, dem der
lass noch die Befugnis vorlagen, eine vorläufige Fest- Vorgang den Vorschriften entsprechend zur Entscheidung
nahme anzudrohen. Zu Recht kritisierte der von mir um vorgelegt worden war, stellte fest, dass Fragen der Dienst-
Überprüfung gebetene Befehlshaber, dass der Oberfeld- gestaltung und Ausbildung durchaus Fragen der Inneren
webel trotz der massiven Verletzungen von Dienstpflich- Führung sind und damit die Zuständigkeit des Wehrbe-
ten nur belehrt und nicht mit einer einfachen Disziplinar- auftragten berühren.
maßnahme belegt wurde.
Für nicht akzeptabel halte ich nach wie vor lange Bear-
Mangelnde Rechtskenntnisse führen zu Fehlern in der beitungszeiten von Disziplinarvorgängen. In diesem
Anwendung des Disziplinarrechts und treten bei Vorge- Zusammenhang darf ich auf ein Rundschreiben des Bun-
setzten aller Dienstgradgruppen auf. In einem Fall wurde deswehrdisziplinaranwalts an die ihm unterstellten Wehr-
aufgrund der fälschlichen Annahme eines Formfehlers disziplinaranwälte vom Januar 2009 verweisen, in dem er
eine einfache Disziplinarmaßnahme aufgehoben. In ei- unter anderem noch einmal ausdrücklich und ausführlich
Drucksache 17/900 – 28 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

auf den Grundsatz der Konzentration und Beschleuni- für die Rechtslehre in den Streitkräften und für die Auf-
gung von gerichtlichen Disziplinarverfahren hingewiesen gabe als Wehrdisziplinaranwalt einheitlich und umfas-
hat. Dass sich das Problem nicht auf Einzelfälle be- send ausgebildet. Ebenso erfreulich ist es, dass sowohl
schränkt, zeigen zahlreiche überprüfte Eingaben. bei den Sanitätskommandos als auch bei den Wehrbe-
reichskommandos jeweils ein zweiter Rechtsberater-
In einem Fall wurden disziplinarrechtliche Schritte gegen
dienstposten eingerichtet wurde. Darüber hinaus begrüße
einen Soldaten eingeleitet, der sich Anfang 2007 pflicht-
ich ausdrücklich, dass den durch Auslandseinsätze verur-
widrig verhalten haben sollte. Das Disziplinarverfahren
sachten Vakanzen dadurch begegnet wurde, dass zehn zu-
wurde nach wenigen Monaten eingestellt. Ungeachtet
sätzliche Dienstposten zur übergreifenden Einsatzwahr-
dessen erhielt ich die Ende 2007 erbetene Stellungnahme,
nehmung eingerichtet wurden.
abgesehen von wenig aussagekräftigen Zwischenberich-
ten, erst im Mai 2009, mithin also nach mehr als einein- Da alljährlich aufgrund von Abgängen 15 bis 18 Dienst-
halb Jahren. Zusätzlich konnte ich den beigefügten Unter- posten im Rechtspflegebereich nachzubesetzen sind, ist
lagen entnehmen, dass die erforderlichen, aber nicht sehr es wichtig, vorausschauend und zeitgerecht dafür Sorge
schwierigen Sachverhaltsermittlungen erst knapp 14 Mo- zu tragen, dass in der Rechtspflege keine Vakanzen ent-
nate nach dem Vorfall durchgeführt worden waren. stehen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die vom Bun-
Ein anderer, ebenfalls einfach gelagerter Fall, bei dem ein desministerium der Verteidigung zu Recht angewiesene
Vorgesetzter unerlaubt ein Dienstfahrzeug benutzt haben zweimalige Rechtsfortbildung in den Verbänden ab dem
soll, ist seit Juni 2007 in der Bearbeitung. Bereits Anfang Jahr 2009 und die sachgerechte Erledigung der vielfälti-
2008 sollten die disziplinaren Ermittlungen eingestellt wer- gen Arbeit – nicht zuletzt die des Wehrdisziplinaranwal-
den. Die Ermittlungen wurden dann kurzzeitig neu auf- tes – in vertretbarer Zeit erledigt werden kann. So war es
genommen, ohne wesentlich neue Erkenntnisse hervor- im Jahr 2008 lediglich in 367 von insgesamt 574 Verbän-
zubringen. Ende 2008 sollte das Schlussgehör vor der den möglich, zumindest den einen für dieses Jahr vorge-
endgültigen Verfahrenseinstellung durchgeführt werden. sehenen Rechtsunterricht durchzuführen. Bei 207 Ver-
Auch das verzögerte sich. Monatelang erfolgten keine bänden musste der Rechtsunterricht ausfallen, wozu
wesentlichen Verfahrenshandlungen in der Angelegen- 39 Dienststellen im Ausland gehörten.
heit. Anfang Oktober 2009 wurde schließlich festgestellt, Was die Stehzeiten angeht, so bleibt es bei meiner 2008
dass der Soldat zu einer anderen Dienststelle versetzt erhobenen Forderung: Neu in der Rechtspflege einge-
worden war, womit ein neuer Disziplinarvorgesetzter für stellte Mitarbeiter sollten in Anbetracht der Stofffülle und
die weitere Erledigung zuständig wurde. Dieser beabsich- der zu sammelnden Erfahrungen in ihrer ersten Verwen-
tigt, das seit über zweieinhalb Jahren anhängige Verfah- dung eine Mindeststehzeit von zwei Jahren haben und
ren nun zu einem raschen Abschluss zu bringen. Bis nicht zu Beginn als Rechtslehrerin oder Rechtslehrer ein-
Februar 2010 waren mir jedoch keine weiteren Verfah- gesetzt werden. Dies gilt umso mehr, wenn diese Mit-
rensschritte bekannt gegeben worden. arbeiter nicht auf eigene Truppenerfahrungen als Soldat
zurückblicken können.
4.5 Situation in der Rechtspflege der
Bundeswehr 4.6 Ausbildung
Die zuvor geschilderten Defizite verdeutlichen, dass der Bereits im Jahresbericht 2008 hatte ich mich ausführlich
Rechtsaus- und -weiterbildung in den Streitkräften eine und kritisch mit der Qualität der Offizier- und Unteroffi-
besondere Bedeutung zukommt. Dies gilt für die Rechts- zierausbildung auseinandergesetzt. Nach wie vor sind
ausbildung an den Schulen der Bundeswehr und für die hier erhebliche Defizite festzustellen.
einsatzvorbereitende Ausbildung durch Angehörige der
Rechtspflege der Bundeswehr. Es gilt aber auch für die Bataillonskommandeure beanstandeten, dass viele junge
ständige Weiterbildung in den Verbänden und für die all- Unteroffiziere und Offiziere sich nur so weit engagierten,
tägliche rechtliche Beratung der Disziplinarvorgesetzten wie es unbedingt erforderlich sei. Eigeninitiative und ein
durch die Rechtsberaterinnen und Rechtsberater. Voraus- Blick über den Tellerrand hinaus sei bei vielen nicht mehr
setzung ist, dass in allen Kommandobehörden und Schu- zu erwarten. Andere Kommandeure bezweifelten, ob alle
len eine am Auftrag orientierte Zahl von Dienstposten Unteroffizier- und Feldwebelanwärter, die von den Zen-
ausgewiesen ist und dass diese Dienstposten auch besetzt tren für Nachwuchsgewinnung als fachlich qualifiziert
sind. Berufsanfänger bedürfen einer einheitlichen und und charakterlich geeignet eingestuft würden, den tat-
ausführlichen Einarbeitung in der ersten Verwendung, in sächlichen Ansprüchen im Truppenalltag gewachsen
der sie unter Anleitung erfahrener Kolleginnen und Kol- seien.
legen Sicherheit in einer bis dahin für die meisten frem-
Nach wie vor klagen Ausbilder und Lehrgangsteilnehmer
den Materie gewinnen können.
in gleicher Weise über den fehlenden Praxisbezug sowohl
Hier hat es im Berichtsjahr positive Entwicklungen gege- der Offizier- als auch der Unteroffizierausbildung. Erfah-
ben. Die Zentrale Ausbildungseinrichtung für die Rechts- rene Bataillonskommandeure rügten eine Verschulung
pflege (ZAR) am Zentrum Innere Führung hat am 4. Sep- der Ausbildung mit zum Teil praxisfernen Ausbildungs-
tember 2009 offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Hier gebieten, die für die Erfüllung des eigentlichen militäri-
wird vorrangig das Personal der Rechtspflege für die schen Auftrags nicht bedeutsam seien. Die Ausbildung
Rechtsberatung im Grundbetrieb und im Einsatz sowie zum militärischen Führer werde zugunsten der „absi-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 29 – Drucksache 17/900

chernden Ausbildungsgebiete“ vernachlässigt; auch Dadurch komme es zu deutlichen Einschränkungen im


könnten wegen der Kürze der Lehrgänge und der gleich- Aus- und Weiterbildungsbetrieb CH-53.
wohl abzuhandelnden Stofffülle in den meisten Ausbil-
dungsgebieten Themen nur angerissen und keinesfalls Es ist nachvollziehbar, dass für den Auslandseinsatz nur
vertieft behandelt werden. Hubschrauberbesatzungen mit langjähriger Flug- und
Einsatzerfahrung eingesetzt werden. Gleichzeitig fallen
Wohin mangelnde Ausbildung und Erfahrung führen kön- diese Besatzungen aber für die Ausbildung im Inland aus.
nen, zeigten allein die Unfälle mit Gefechtsfahrzeugen im Das geht zu Lasten der jungen Piloten, denen Ausbilder
zweiten Halbjahr 2009. In den von der Bundeswehr be- und Flugstunden für ihre Schulung fehlen. Dadurch ent-
reits abschließend überprüften Fällen wurden mangelnde steht ein Teufelskreis, der sich selbst immer mehr ver-
Fahrpraxis und Unerfahrenheit des Fahrers sowie unange- stärkt. Eine Besserung der Situation ist aus Sicht des Bun-
messenes Reagieren als Ursache erkannt. In einem dieser desministeriums der Verteidigung erst mittelfristig zu
Fälle war auch die mangelnde Erfahrung des Komman- erwarten. Dies ist ein untragbarer Zustand, der dringend
danten mitursächlich. der Abhilfe bedarf.
In einem weiteren Fall wurde ausdrücklich festgestellt, Ähnlich verhält es sich mit dem Hubschraubersystem
dass es sich „um einen jungen Kraftfahrer mit noch wenig UH-1D. Da das Nachfolgemodell NH90 noch nicht in
Erfahrung“ handele, der „im Vergleich zu anderen Mili- dem vorgesehenen Umfang verfügbar ist, muss die Aus-
tärkraftfahrern der Kompanie nicht zu den stärksten“ ge- bildung auf dem alten Fluggerät durchgeführt werden. In
höre. Für den unmittelbar bevorstehenden Einsatz in einzelnen Einheiten stehen dafür aber nur noch 20 bis
Afghanistan müsse er „seine Fähigkeiten deutlich stei- 25 Prozent der ursprünglich vorgesehenen Flugstunden
gern“. Hier müsste sich eigentlich den Vorgesetzten die zur Verfügung. Da auch hier vorrangig den für einen Aus-
Frage aufdrängen, ob der Einsatz eines solchen Kraftfah- landseinsatz vorgesehen Piloten Flugstunden zugeteilt
rers in einem so schwierigen Gelände wie in Afghanistan werden, hat sich die Verteilung der Stunden einseitig zu-
unter den bestehenden Umständen überhaupt verantwor- gunsten der Einsatzpiloten verschoben. In der Tendenz
tet werden kann. wird geschätzt, dass in dem betroffenen Verband die
Dienstzeit nur noch zu 10 Prozent mit dem eigentlichen
Aus meiner Sicht ist im Rahmen der Ausbildung ein aus- fliegerischen Dienst zu tun hat. Der Regimentskomman-
gewogenes Verhältnis zwischen erlebtem Truppenalltag deur wies darauf hin, dass nur noch ein geringer Teil der
und Lehrgangsausbildung unabdingbar. Selbstverständ- Hubschrauberführer des Regimentes fliegerisch gefordert
lich sollte dabei sein, dass Verbände materiell und perso- und gefördert werden könne.
nell voll einsatzbereit sind und von Vorgesetzten geführt
werden, die bei den Offizieren über Stehzeiten von min- Die Reduzierung und Umverteilung der verfügbaren
destens drei Jahren und bei den Unteroffizieren über hin- Flugstunden hat auch Auswirkungen auf die Flugsicher-
reichende Fachkenntnisse und Erfahrung verfügen. heit. So ereignete sich im 1. Halbjahr 2009 in dem betrof-
fenen Regiment durchschnittlich alle 109 Flugstunden ein
Ich begrüße ausdrücklich, dass inzwischen eine Prüfung Zwischenfall, dass heißt ein Vorkommnis, das die Flug-
der Strukturen der Streitkräfte in Angriff genommen sicherheit beeinträchtigt hat oder hätte beeinträchtigen
wurde. Es bleibt zu hoffen, dass dies zu einer deutlichen können. 2006 lag der Schnitt noch bei immerhin
personellen Verstärkung der Verbände zu Lasten der An- 277 Flugstunden. Die Häufigkeit an Zwischenfällen hat
teile in den Ämtern und Kommandobehörden führt. sich dort innerhalb von drei Jahren also mehr als verdop-
pelt. Der Regimentskommandeur stellte fest, dass sich der
4.7 Flugstunden bei Heeresfliegern und Verband am Ende der noch auszuschöpfenden Möglich-
in der Luftwaffe keiten sehe.
Alarmierend sind Klagen aus den fliegenden Einheiten Auch in der Luftwaffe wurde mir vorgetragen, dass mit
über „die immer größer werdende Diskrepanz zwischen der Zahl der Flugstunden die Qualität der Flugausbildung
steigenden Anforderungen und Aufträgen einerseits und sinke. Langfristig werde sich dies nach Ansicht der
den zur Verfügung stehenden Ressourcen andererseits“. verantwortlichen Vorgesetzten auf die Flugsicherheit aus-
wirken, weil den Piloten die so wichtige Erfahrung fehle.
So trugen mir bei einem Truppenbesuch Heeresflieger- Ein Kommodore verwies darauf, dass er sich selbst mit
offiziere vor, dass beim Transporthubschrauber CH-53 seinen Flugstunden knapp über dem Minimum dessen be-
die geringe Anzahl an Flugstunden zu deutlichen Ausbil- wege, was zum Erhalt seines Flugscheines vorgeschrie-
dungsdefiziten insbesondere jüngerer Piloten führe. Infol- ben sei.
gedessen müssten die älteren, erfahrenen Hubschrauber-
führer mehr Einsätze fliegen. Das Bundesministerium der Wie gefährlich sich mangelnde Erfahrung auswirken
Verteidigung bestätigte dies, merkte aber an, dass das kann, zeigt ein Unfall mit einer Transall. Dabei wurde ein
nicht auf die im Haushalt vorgesehenen Flugstundenober- Übungsflug als taktische Weiterbildung eines Komman-
grenzen zurückzuführen sei. Ursächlich dafür sei viel- dantenschülers durchgeführt, bei dem dieser den Platz des
mehr die schwierige Ersatzteilversorgung. Da Ersatzteile Kommandanten einnahm. Ihm zur Seite gestellt war ein
vorrangig den Einsatzkontingenten zugewiesen würden, erfahrener Kommandant. Während des Fluges wurde ein
seien im Inland weniger Hubschrauber einsatzbereit. Eine Abschnitt als Sichtflug durchgeführt, wobei es zu einem
Erhöhung der Nutzungsrate sei momentan nicht möglich. plötzlichen Einflug in die Wolken kam. Da die Piloten
Drucksache 17/900 – 30 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

keine Sicht mehr hatten, brachen sie den Weiterflug ab, In diesem Zusammenhang begrüße ich es ebenfalls aus-
um zum Flugplatz zurückzukehren. Bei dem eingeleiteten drücklich, dass sich das Zentrum Innere Führung durch
Kurvenflug streifte die Maschine wegen zu geringer entsprechende Lehrgangsangebote und die Nutzung
Flughöhe einen Baum. Neben Schäden am Fahrwerk und moderner Medien verstärkt für die Beteiligungsrechte
Flugzeugrumpf wurde ein Höhenleitwerk teilweise abge- einsetzt. So wurde neben den jährlich stattfindenden
trennt. Ursächlich für das zu niedrige Fliegen war nach Lehrgängen zum Thema „Soldatenbeteiligungsgesetz“
den Feststellungen des Flugunfallberichts, dass bei der für Disziplinarvorgesetzte und Soldaten, die das Solda-
Vorbereitung des Flugweges ein bewaldeter Hügel nicht tenbeteilungsgesetz anwenden müssen, erstmals im Be-
erkannt worden war. Auch wurde festgestellt, dass die richtsjahr ein Lehrgang für Sprecher der Versammlungen
Besatzung bei dem Wolkeneinflug weder schnell genug der Vertrauenspersonen des Verbandes, des Kasernenbe-
noch adäquat reagiert hatte. reichs und des Standortes angeboten. Dieser Lehrgang
wird künftig jährlich viermal durchgeführt. Im Hinblick
4.8 Soldatenbeteiligungsgesetz auf geschätzte über 3 000 Vertrauenspersonen in den
Streitkräften, wobei ihre Stellvertreter hier nicht berück-
Die Soldaten sollen als Staatsbürger in Uniform in unter- sichtigt werden, ist davon auszugehen, dass Bedarf an
schiedlicher Ausgestaltung ihrer Beteiligungsrechte zu ei- diesem Ausbildungsangebot besteht.
ner wirkungsvollen Dienstgestaltung und fürsorglichen
Berücksichtigung der Belange des Einzelnen beitragen. Seit 2007 wurde von Soldaten beklagt, dass in den beson-
Mit der Ausübung der im Soldatenbeteiligungsgesetz ge- deren Auslandsverwendungen keine Versammlungen der
regelten Beteiligungsrechte erleben die Soldaten im Rah- Vertrauenspersonen mehr gebildet werden. § 32 Absatz 1
men der Inneren Führung die von ihnen zu verteidigende des Soldatenbeteiligungsgesetzes (SBG) sieht vor, dass
gesellschaftliche Werteordnung auch im Truppenalltag. die Vertrauenspersonen eines Verbandes oder einer ver-
gleichbaren militärischen Dienststelle die Versammlung
Nahezu in jedem meiner Jahresberichte werden die nach- der Vertrauenspersonen (Versammlung der Vertrauens-
folgend beschriebenen Mängel benannt. Für mich ist personen des Verbandes) bilden. Nach § 32 Absatz 2
nicht erkennbar, dass die in den jeweiligen Stellungnah- und 3 SBG sind Versammlungen der Vertrauenspersonen
men des Bundesministers der Verteidigung zur Behebung des Kasernenbereiches und des Standortes zu bilden. § 32
der Defizite angekündigten Maßnahmen auch nur annä- Absatz 6 SBG sieht vor, dass die Versammlungen der
hernd Wirkung entfaltet hätten. Vertrauenspersonen die gemeinsamen Interessen der Sol-
daten gegenüber dem Führer des Verbandes, dem Kaser-
Die Beteiligungsrechte können nur dann umfassend nenkommandanten oder dem Standortältesten vertreten.
wahrgenommen werden, wenn die von den Soldaten ge- Mit Erlass des Bundesministeriums der Verteidigung vom
wählten Vertrauenspersonen in angemessener Form in ihr Juni 1997 wurde auf Anfrage des Gesamtvertrauensper-
Amt eingewiesen und entsprechend ausgebildet werden. sonenausschusses beim Bundesministerium der Verteidi-
Auch in diesem Berichtsjahr war auf den vier Tagungen gung (GVPA) festgestellt, dass für die Bildung der Ver-
der „aktion kaserne“ für Vertrauenspersonen der Mann- sammlungen der Vertrauenspersonen in besonderen
schaften zum wiederholten Mal festzustellen, dass die Auslandsverwendungen die allgemeinen Bestimmungen
Vorschriften zur Einweisung und Ausbildung der Vertrau- der §§ 32 bis 34 SBG gelten. Mit Erlass vom Oktober
ensperson nur teilweise eingehalten worden waren. Na- 2007 teilte das Bundesministerium der Verteidigung mit,
hezu die Hälfte der rund 110 Tagungsteilnehmer wurde dass der vorgenannte Erlass ungültig und „zu vernichten“
nicht umfassend oder alsbald nach ihrer Wahl zur Ver- sei, weil die Wahl von Versammlungen der Vertrauens-
trauensperson in ihr Amt eingewiesen. Die Übergabe der personen in besonderen Auslandsverwendungen zurzeit
ZDv 10/2 „Beteiligung der Soldaten durch Vertrauensper- nicht explizit gesetzlich geregelt sei. Im Einzelfall könne
sonen“ und der „Handakte für Vertrauenspersonen“ durch das Bundesministerium der Verteidigung auf formlosen
den Disziplinarvorgesetzten erfolgte oft ohne Einwei- Antrag hin Ausnahmen hinsichtlich der Versammlung der
sung. Bisweilen wurden diese Unterlagen unvollständig Vertrauenspersonen des Verbandes und der Feldlager fest-
oder nicht durch den Disziplinarvorgesetzten persönlich legen. Sei eine Ausnahme nicht festgelegt, beteiligen die
an die neu gewählte Vertrauensperson ausgehändigt. Kommandeure der Einsatzverbände oder die Feldlager-
Viele Vertrauenspersonen der Mannschaften stellten erst kommandanten die Vertrauenspersonen des Verbandes
im Rahmen der Tagungen fest, dass sie aus Unkenntnis oder des Feldlagers im Rahmen der verantwortungsvollen
vom Umfang ihrer Beteiligungsrechte diese im Truppen- Zusammenarbeit.
alltag bisher nicht ausreichend eingefordert beziehungs-
weise wahrgenommen hatten. Auch wurden erneut über Nach kontroverser Diskussion im Bundesministerium der
die Hälfte der Tagungsteilnehmer nach ihrer Wahl nicht Verteidigung wurde auf Staatssekretärsebene entschieden,
alsbald oder überhaupt nicht für ihre Aufgaben in der ge- dass in besonderen Auslandsverwendungen keine Ver-
setzlich vorgesehenen Seminarform ausgebildet. Es ist trauenspersonenversammlungen zu bilden sind. Aus mei-
daher ausdrücklich zu begrüßen, dass die „aktion ka- ner Sicht lässt aber das geltende Recht diese Versamm-
serne“ als eine Initiative der katholischen Jugendver- lungen in allen Einsatzgebieten zu. Aus diesem Grunde
bände im Bund der Deutschen Katholischen Jugend im bat ich den Bundesminister der Verteidigung, sich dieser
Rahmen der freien Bildungsarbeit unter anderem zum Angelegenheit persönlich anzunehmen. Er kam zu dem
Thema Soldatenbeteiligung jedes Jahr vier Tagungen für Schluss, dass bei weiter Auslegung des § 32 SBG Ver-
Vertrauenspersonen der Mannschaften durchführt. trauenspersonenversammlungen auch in besonderen
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 31 – Drucksache 17/900

Auslandsverwendungen möglich seien, und stimmte der ter, weil der Bataillonskommandeur inzwischen dorthin
Bildung solcher Versammlungen im Einsatz daher grund- versetzt worden war. Der Divisionskommandeur rügte in
sätzlich zu. Schließlich entschied der 1. Wehrdienstsenat seiner Stellungnahme, dass die in der Eingabe des Peten-
des Bundesverwaltungsgerichts in einem Wehrbeschwer- ten kritisierten Missstände durch die Bataillonsführung
deverfahren im Juli 2009, dass das Feldlager Camp Mar- nicht ernst genommen worden seien, zwischen den Be-
mal einen Kasernenbereich im Sinne des § 32 Absatz 2 fehlsebenen keine vernünftige Arbeitsbeziehung herge-
SBG darstellt, in dem eine Versammlung der Vertrauens- stellt worden sei und sich der Bataillonskommandeur
personen des Kasernenbereiches zu bilden ist. schon durch die Eingabe als solche persönlich angegrif-
fen gefühlt habe.
In einem weiteren Beschluss vom Juli 2009 erklärte der
1. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts die In einem anderen Fall nahm ein Bataillonskommandeur
Wahl zum fünften GVPA für ungültig. Das Bundesver- die Eingabe eines Hauptfeldwebels seines Bataillons so-
waltungsgericht stellte fest, dass in zwei Organisationsbe- gar zum Anlass, diesen mit einer Erzieherischen Maß-
reichen fehlerhafte Wahlunterlagen an die Wähler ver- nahme in Form einer aktenkundigen Belehrung über das
sandt worden waren. Weiterhin hatte es Verfahrensfehler Einhalten der Wahrheitspflicht gemäß § 13 Soldatenge-
im Zusammenhang mit der Wahlbeteiligung der für die setz zu belegen. Die Belehrung enthielt den Hinweis an
Dauer besonderer Auslandsverwendungen gewählten den Soldaten, dass „er sich bei ähnlichen Situationen zu-
Vertrauenspersonen gegeben. Im Übrigen waren in einem nächst an seine Vorgesetzten vor Ort wenden solle“. Be-
Organisationsbereich mehrere Namen von Wahlberech- merkenswert an diesem Fall ist, dass das Bundesministe-
tigten in einem Wählerverzeichnis anonymisiert worden. rium der Verteidigung in seiner Stellungnahme auf dieses
Diese Verstöße waren nach Auffassung des Bundesver- erhebliche Fehlverhalten nicht einging. Erst den mir auf
waltungsgerichts geeignet, sich auf das Wahlergebnis ausdrückliche Mahnung zur Verfügung gestellten Ermitt-
auszuwirken. Auf der Grundlage dieser Entscheidung ist lungsunterlagen und Stellungnahmen der beteiligten
die Neuwahl des sechsten GVPA durchzuführen. Der Dienststellen war zu entnehmen, dass sowohl der Be-
fünfte GVPA führt die Geschäfte bis zur ersten Sitzung fehlshaber des entsprechenden Führungskommandos als
des neu gewählten sechsten GVPA weiter. Ich gehe davon auch der unterstellte Bereich die Unzulässigkeit der Be-
aus, dass bis dahin der alte GVPA die Geschäfte ohne lehrung erkannt und deutlich kritisiert hatten. Zudem
Einschränkungen ordnungsgemäß weiterführen kann. musste ich feststellen, dass die befohlene Aufhebung der
schriftlichen Belehrung erst zwei Monate nach der An-
4.9 Benachteiligung weisung des Befehlshabers erfolgte.
Das Thema einer möglichen Benachteiligung aufgrund In Einzelfällen kann ich nachvollziehen, dass Vorgesetzte
der Tatsache, dass eine Soldatin oder ein Soldat sich an enttäuscht sind, wenn sich Soldaten nicht unmittelbar an
den Wehrbeauftragten wendet, ist nach wie vor virulent. sie wenden, sondern den Weg der Eingabe an mich wäh-
Erneut beklagten sich Petenten darüber, aufgrund ihrer len. Für Kritik an dem Petenten ist in einem solchen Falle
Eingaben benachteiligt worden zu seien, etwa durch Aus- gleichwohl kein Raum. Er kann frei entscheiden, welchen
grenzung, eine schlechte Beurteilung, eine abschlägige Weg er wählt. Mit der Eingabe an den Wehrbeauftragten
Entscheidung hinsichtlich der angestrebten Übernahme nimmt er schließlich ein ihm gesetzlich verbrieftes Recht
als Soldat auf Zeit oder auf andere Weise. In einigen Fäl- wahr. Berechtigt ist allerdings die Frage, ob und wenn ja,
len war das Misstrauen begründet. warum der Soldat nicht das nötige Vertrauen hatte, sich
mit seinem Anliegen an seinen Vorgesetzten zu wenden.
Zwei Beispiele: Dem nachzugehen ist sinnvoll und angezeigt.
Ein Hauptmann und Kompaniechef trug mir gegenüber Grundsätzlichen Bedenken eines Amtschefs begegnete
verschiedene grundsätzliche organisatorische Mängel die Überprüfung einer Eingabe, bei der ich ihm den Na-
vor, die den Soldaten seiner Einheit den Arbeitsalltag men des Petenten nicht mitgeteilt hatte. Aufgrund des
erschwerten. Zuvor hatte er unter anderem den stellver- ausdrücklichen Wunsches des Petenten hatte ich davon
tretenden Bataillonskommandeur über seine Eingabe un- abgesehen. Die Bedenken des Amtschefs kann ich nicht
terrichtet. Ungeachtet dessen wertete der Bataillonskom- teilen. Im § 9 des Wehrbeauftragtengesetzes ist dem
mandeur sein Verhalten als deutlichen Vertrauensbruch Wehrbeauftragten ausdrücklich die Möglichkeit einge-
und sah keine Grundlage mehr für eine weitere gemein- räumt, von der Nennung des Namens des Petenten abzu-
same Zusammenarbeit. Den Petenten stellte er vor die sehen, insbesondere wenn der Petent dies wünscht.
Wahl, entweder einen von drei vorgeschlagenen Dienst-
posten in anderen Verbänden anzunehmen oder eine Solche Fälle sind nicht mit anonymen Eingaben zu ver-
Spannungsversetzung in Kauf zu nehmen. Zur Verset- wechseln, in denen sich der Petent auch mir gegenüber
zung des Petenten kam es nicht mehr, weil kurze Zeit spä- nicht zu erkennen gibt. Solche Eingaben werden nach § 8
ter der Kommandeur versetzt wurde. Der zuständige Wehrbeauftragtengesetz nicht bearbeitet. Indes kann ich
Befehlshaber erkannte in Übereinstimmung mit der Be- nach § 1 Absatz 3 Wehrbeauftragtengesetz nach Aus-
wertung des Divisionskommandeurs in dem Verhalten übung pflichtgemäßen Ermessens auch Sachverhalte aus
Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen das Benachteili- solchen Schreiben aufgreifen, wenn sich daraus Anhalts-
gungsverbot des § 7 Wehrbeauftragtengesetz und gab dies punkte für die Verletzung von Grundrechten von Soldaten
an das Bundesministerium der Verteidigung zwecks oder der Grundsätze der Inneren Führung ergeben. Wenn
rechtlicher Bewertung und gegebenenfalls Ahndung wei- das geschieht, weise ich allerdings regelmäßig darauf hin,
Drucksache 17/900 – 32 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

dass es sich zunächst nur um Anhaltspunkte handelt, de- Ein Flieger zeigte während der Allgemeinen Grundaus-
nen keine namentliche Eingabe zugrunde liegt. bildung in der Truppenunterkunft vor Soldaten den „Hit-
lergruß“ und sagte am gleichen Tag zu einem anderen
4.10 Rechtsextremismus, Antisemitismus und Zeitpunkt im Gespräch mit anderen Rekruten: „Der Ge-
Fremdenfeindlichkeit freite A. ist ja ganz in Ordnung, aber wieso ist ein Kanake
beim Bund?“ Der Flieger erklärte, dass er den „Hitler-
Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeind- gruß“ aus Spaß gezeigt habe. Für seine Äußerung ent-
lichkeit verstoßen gegen unsere Werteordnung und kön- schuldigte er sich, weil er „erst im Nachhinein begriffen
nen in der Bundeswehr nicht geduldet werden. Soldaten, habe, worum es eigentlich geht“. Die Sache wurde an die
die in diesen Bereichen auffällig werden, verletzen regel- Staatsanwaltschaft abgegeben. Gegen ihn wurde ein Dis-
mäßig ihre soldatischen Pflichten, was dienstrechtlich ziplinararrest verhängt.
und gegebenenfalls auch strafrechtlich zu verfolgen ist.
Besonders bedenklich ist es, wenn Unteroffiziere und Of-
In diesem Berichtsjahr wurden in der Bundeswehr fiziere einschlägig auffällig werden. Dies kann das Anse-
122 „Besondere Vorkommnisse“ mit Verdacht auf rechts- hen der Bundeswehr beschädigen und zur Verunsicherung
extremistischen oder fremdenfeindlichen Hintergrund ge- bei Kameraden und Untergeben führen.
meldet. In meiner Amtszeit waren in den Jahren 2005 und
2006 jeweils 147 und in den beiden darauf folgenden Jah- Drei Beispiele:
ren 129 und 121 einschlägige „Besondere Vorkomm- Ein Obermaat und Bootsmannanwärter verschickte wäh-
nisse“ gemeldet worden. rend seiner Dienstzeit über seinen privaten Laptop an drei
In rund 25 Prozent der gemeldeten Fälle konnte nach den Kameraden eine Nachricht, die aus Sonderzeichen ein zu-
durchgeführten Ermittlungen der Anfangsverdacht nicht sammengesetztes Kopfbild von Adolf Hitler und folgen-
bestätigt beziehungsweise Soldaten nicht eindeutig als den Text enthielt: „Du wurdest soeben GEHITLERT!
Täter überführt werden. Bei den Tätern und Tatverdächti- HITLERE andere Leute, um auch ein Führer zu werden.
gen handelte es sich zu rund 58 Prozent um Grundwehr- Du darfst mich nicht ZURÜCKHITLERN, da ich jetzt
dienstleistende beziehungsweise freiwillig länger Wehr- dein Führer bin.“ Der betroffene Soldat gab in seiner Ver-
dienst Leistende. Mit rund 39 Prozent waren Zeitsoldaten nehmung an, dass er diese Nachricht von einem ehemali-
sowie 2 Wehrübende und 2 Berufssoldaten vertreten. gen Schulfreund erhalten und lediglich weiter verschickt
habe, ohne sich über den Inhalt Gedanken zu machen. Er
Aufgeteilt nach Dienstgradgruppen waren von den Er- habe kein rechtsradikales Gedankengut verbreiten wol-
mittlungen rund 80 Prozent Mannschaftssoldaten, 18 Pro- len. Er sei sich über die Tragweite seiner Handlung nicht
zent Unteroffiziere und 2 Prozent Offiziere betroffen. bewusst gewesen. Er habe dies als harmlosen Spaß aufge-
Erneut wurden insbesondere das Hören von rechtsextre- fasst. Die Sache wurde an die Staatsanwaltschaft abgege-
mistischer und ausländerfeindlicher Musik, das Zeigen ben. Gegen ihn wurde eine Disziplinarbuße verhängt, de-
des „Hitlergrußes“, „Sieg-Heil-Rufe“, rechtsextremisti- ren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.
sche und ausländerfeindliche Äußerungen sowie Schmie- Ein Oberfeldwebel sagte auf dem Biwakplatz eines
rereien mit einschlägigem Inhalt gemeldet. Gewaltdelikte Übungsplatzes zu den rund 40 angetretenen Soldaten fol-
mit rechtsextremistischem oder fremdenfeindlichem Hin- gendes: „Ihr seht aus wie Juden, die nach Auschwitz de-
tergrund wurden nicht gemeldet. portiert werden.“ Zu einem späteren Zeitpunkt am selben
Die Motive der Täter waren unterschiedlich. Rechts- Abend äußerte er sich in der Truppenunterkunft sinnge-
extreme oder ausländerfeindliche Gesinnung war oft mäß wie folgt: „Ihr seht wirklich aus wie Juden, die aus
nicht nachzuweisen. Insbesondere bei den jungen Mann- dem KZ Auschwitz entlassen wurden.“ In seiner Verneh-
schaftssoldaten war in vielen Fällen von einer fehlenden mung räumte er ein, dass er den zweiten Satz getätigt
charakterlichen Reife auszugehen. Häufig wurde ihnen habe. An den ersten Satz könne er sich nicht erinnern. Er
ihr Fehlverhalten erst im Rahmen der disziplinaren oder schäme sich zutiefst für diese Äußerungen. Nachdem ihm
strafrechtlichen Ermittlungen in aller Deutlichkeit be- die Vertrauensperson der Mannschaften einige Tage spä-
wusst. Ungeachtet dessen bleibt ihr Verhalten inakzepta- ter gemeldet habe, dass sich Soldaten seines Zuges be-
bel. schweren wollten, sei ihm erst bewusst geworden, was er
da gesagt habe. Er habe sich dann umgehend vor seinen
Zwei Beispiele: Zug gestellt und sich für seine Aussagen entschuldigt.
Der betroffene Soldat wurde von seinen Aufgaben als
Ein Gefreiter zeigte ohne vorherige Aufforderung auf der stellvertretender Zugführer entbunden und bis auf weite-
Stube im Beisein von Stubenkameraden den „Hitlergruß“ res im Innendienst ohne Führungsfunktion eingesetzt.
und ließ sich dabei fotografieren. Seine Handlungsweise Gegen ihn wurde ein Disziplinararrest verhängt.
erklärte er damit, dass es sich um einen „Dumme-Jungen-
Streich“ gehandelt habe. Gegen ihn wurde ein Diszipli- Ein an einer Bundeswehruniversität studierender Fahnen-
nararrest verhängt. Der Gefreite, der ihn fotografiert junker fiel dadurch auf, dass er auf seiner öffentlich
hatte, räumte in seiner Vernehmung ein, falsch gehandelt zugänglichen Profilseite der Internetseite „meinVZ/
zu haben. Er mache sich deswegen große Vorwürfe. Sein StudiVZ“ eine Comicfigur aus der im MTV gezeigten
Fehlverhalten wurde mit einer Disziplinarbuße geahndet. Fernsehsatiresendung „South Park“ eingestellt hatte, die
Im Übrigen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Adolf Hitler mit erhobenem Arm und Hakenkreuzbinde
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 33 – Drucksache 17/900

darstellte. Gegen ihn wurde eine Disziplinarbuße ver- Innern von 2006 wie folgt zitiert: „Bei der Neuen Rechten
hängt. handelt es sich um eine in den 70er-Jahren in Frankreich
aufgekommene geistige Strömung, die sich um eine Intel-
Im Berichtsjahr verbot der damalige Bundesminister des
lektualisierung des Rechtsextremismus bemüht. Sie be-
Innern, Dr. Wolfgang Schäuble, die rechtsextreme „Hei-
ruft sich unter anderem auf antidemokratische Denker,
mattreue Deutsche Jugend – Bund zum Schutz für Um-
die bereits zur Zeit der Weimarer Republik unter der Be-
welt, Mitwelt und Heimat e. V“ (HDJ). Da mir mitgeteilt
zeichnung ,Konservative Revolution‘ aktiv waren. Die
worden war, dass von diesem Verbot auch Soldaten der
Aktivisten der ,Neuen Rechten‘ beabsichtigen die Besei-
Bundeswehr betroffen seien, bat ich das Bundesministe-
tigung oder zumindest die Beeinträchtigung des demokra-
rium der Verteidigung um Stellungnahme. Das Ministe-
tischen Verfassungsstaates und versuchen, zunächst einen
rium teilte mir daraufhin mit, dass sich nach seinen Er-
bestimmenden Einfluss auf den kulturellen Bereich zu er-
kenntnissen weder unter dem Führungspersonal noch
langen, um letztlich den demokratischen Verfassungsstaat
unter den Mitgliedern des verbotenen Vereins „HDJ“
zu delegitimieren und das politische System grundlegend
Bundeswehrangehörige befunden hätten. Geprüft werde
zu verändern.“
lediglich, ob drei Soldaten mögliche Bezüge zur verbote-
nen „HDJ“ aufweisen. Zu dem Ergebnis der Ermittlungen In dem Forschungsbericht werden der „Neuen Rechten“
wurde mir auf Nachfrage mitgeteilt, dass ein Soldat als folgende Politikziele zugeordnet: Stärkung der nationalen
Extremist eingestuft, deshalb in das Dienstverhältnis ei- Identität; deutsche Interessen gegenüber dem Ausland
nes Grundwehrdienstleistenden zurückgestuft und inzwi- hart und energisch durchsetzen; dafür sorgen, dass
schen aus der Bundeswehr entlassen worden sei. In den Deutschland wieder von einer starken Elite geführt wird;
beiden anderen Fällen habe der Verdacht extremistischer die Zuwanderung von Ausländern nach Deutschland
Bestrebungen ausgeräumt werden können. Alle drei Fälle stoppen; dafür sorgen, dass sich in Politik und Gesell-
waren nicht als „Besondere Vorkommnisse“ gemeldet schaft immer der Stärkere durchsetzt; den Einfluss der
worden. Parlamente einschränken.
Zukünftig sollte sichergestellt werden, dass ich über der-
Der Befragung nach lehnt die Mehrheit der Studierenden
artige Sachverhalte, auch wenn sie nicht als „Besondere
an den Bundeswehruniversitäten das „neurechte“ Gedan-
Vorkommnisse“ mit Verdacht auf rechtsextremistischen
kengut ab. Allerdings stimmen 13 Prozent der Studieren-
oder ausländerfeindlichen Hintergrund gemeldet werden,
den mindestens vier von sechs Politikzielen der „Neuen
in jedem Fall von den zuständigen Dienststellen unter-
Rechten“ zu und weisen eine gewisse Affinität zu deren
richtet werde.
politischen Vorstellungen auf, ohne dass es ihnen im Ein-
Erst im Berichtsjahr erfuhr ich, dass das Sozialwissen- zelfall bewusst sein muss. Die Zustimmung der Soldatin-
schaftliche Institut der Bundeswehr im Auftrag des Bun- nen und Soldaten zu den ausgewählten Politikzielen der
desministeriums der Verteidigung im November und De- „Neuen Rechten“ in dem festgestellten Ausmaß ist aus
zember 2007 eine repräsentative Studentenbefragung an meiner Sicht sehr ernst zu nehmen.
beiden Bundeswehruniversitäten durchgeführt hatte. An
dieser Untersuchung hatten mehr als 2 300 Studierende Soweit diesen politischen Vorstellungen bewusst zuge-
teilgenommen. Da ich mir von den Ergebnissen dieser stimmt wird, stellt sich die Frage, ob diese Soldatinnen
Untersuchung wichtige Hinweise auf die Studien-, Be- und Soldaten in jedem Fall bereit sind, der Bundesrepu-
rufs- und Lebenssituation der Studierenden versprach, bat blik Deutschland treu zu dienen und durch ihr gesamtes
ich das Bundesministerium der Verteidigung Anfang Fe- Verhalten für die freiheitliche demokratische Grundord-
bruar 2009, mir den Forschungsbericht kurzfristig zu- nung im Sinne des Grundgesetzes einzutreten. Soweit
kommen zu lassen. Obwohl das Bundesministerium der dem Einzelnen die angesprochene Affinität zu rechtem
Verteidigung in Aussicht stellte, mir die erbetenen Unter- Gedankengut tatsächlich nicht bewusst sein sollte, ist den
suchungsergebnisse zu gegebener Zeit zur Verfügung zu Studierenden der Vorwurf zu machen, sich unkritisch von
stellen, kam es im Berichtsjahr nicht dazu. politischen Zielen einnehmen zu lassen. Von Offizieren
beziehungsweise angehenden Offizieren, die Führungs-
Stattdessen berichtete im Oktober 2009 die Presse über aufgaben übernehmen sollen, ist mehr zu erwarten. Das
die Ergebnisse der Studentenbefragung. Danach sollen Anforderungsprofil verlangt gerade bei Offizieren, dass
13 Prozent der Studierenden Politikzielen der „Neuen sie Analysefähigkeiten besitzen, die über rein militärische
Rechten“ zugestimmt haben. Gesichtspunkte hinausgehen.
Das Bundesministerium der Verteidigung hielt den For-
In diesem Zusammenhang ist auch zu bemängeln, dass
schungsbericht zunächst weiter unter Verschluss. Erst im
die Frage nach dem allgemeinen Interesse an Politik von
Februar 2010 übersandte es mir den Bericht, der im Au-
13 Prozent der Studierenden an den Bundeswehruniversi-
gust 2009 abgeschlossen und mir inzwischen schon von
täten mit kaum (12 Prozent) oder gar nicht (1 Prozent)
dritter Seite zugänglich gemacht worden war. Wie mir das
politisch interessiert beantwortet wurde. Politisches Inte-
Ministerium mitgeteilt hat, soll der Bericht in Kürze ver-
resse der Bürger ist für eine funktionstüchtige Demokra-
öffentlicht werden.
tie notwendig. Aus meiner Sicht muss jedenfalls von je-
In dem Bericht wird bei der Beschreibung der „Neuen dem angehenden Offizier erwartet werden, dass er
Rechten“ unter anderem auch die damalige Definition im Interesse für politische Zusammenhänge und Entwicklun-
Verfassungsschutzbericht des Bundesministeriums des gen mitbringt.
Drucksache 17/900 – 34 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

5 Personal Stichworten Beförderungschancen, Vereinbarkeit von Fa-


milie und Dienst, Zulagenwesen und Infrastruktur setzt
Der mit Abstand wichtigste und wertvollste Faktor für die sich der Bericht mit einigen Aspekten der Attraktivität
Gewährleistung der Einsatzbereitschaft und Einsatzfähig- des Dienstes detailliert auseinander.
keit der Bundeswehr sind die Menschen, die in ihr die-
nen. Nur wenn der Bundeswehr fachlich qualifiziertes Dass die Attraktivität des Dienstes in den Streitkräften
und motiviertes Personal in ausreichendem Umfang zur weiter gesteigert werden muss, sieht auch die neue Bun-
Verfügung steht, kann sie ihren Auftrag erfüllen. Es sind desregierung. Im Koalitionsvertrag hat sie sich zum Ziel
aus meiner Sicht begründete Zweifel angebracht, dass das gesetzt, bis Ende 2010 ein Maßnahmenpaket vorzulegen,
auch in Zukunft gewährleistet bleibt. Vor diesem Hinter- in dem es unter anderem um die Verbesserung der Verein-
grund erscheint es geboten, einige grundsätzliche Bemer- barkeit von Familie und Dienst, die Schaffung von
kungen zur Personallage der Bundeswehr voranzustellen. Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die Reduzierung der
Versetzungshäufigkeit und die zügige Fortführung der
5.1 Personalumfang und Bewerber- Modernisierung „Kasernen-West“ geht. Darüber hinaus
aufkommen soll ein neues Laufbahnrecht realisiert werden.
Im Berichtsjahr 2009 dienten in der Bundeswehr durch- Aus meiner Sicht erfordert die Steigerung der Attraktivi-
schnittlich knapp 250 000 Soldatinnen und Soldaten. tät ein Bündel von Maßnahmen, zu denen im Bereich des
Rund 62 000 davon waren Wehrdienstleistende, davon Personalwesens unter anderem eine Verbesserung der
37 000 Grundwehrdienstleistende und 25 000 freiwillig Planstellensituation gehört. Auch das Zulagen- und Prä-
länger Wehrdienst Leistende, 131 000 Soldaten auf Zeit miensystem kann und muss attraktiver gestaltet werden,
und 57 000 Berufssoldaten. Aufgegliedert auf die Lauf- zum Beispiel im Hinblick auf Regelungen über den
bahngruppen ergibt sich folgende Verteilung: 37 000 Offi- Dienstzeitausgleich und einsatzbedingte Mehrbelastun-
ziere, 113 000 Unteroffiziere und 100 000 Mannschaften. gen. Darüber hinaus muss meines Erachtens das Lauf-
Insgesamt konnte damit die Sollstärke des Personalstruk- bahnrecht flexibilisiert werden. Dazu gehören verbesserte
turmodells 2010 von 252 500 Soldaten nahezu erreicht Aufstiegsmöglichkeiten und Erleichterungen beim Lauf-
werden. bahnwechsel. Ferner sollte über eine weitere Verein-
fachung des Eintritts von Seiteneinsteigern und mehr
Der jährliche Einstellungsbedarf der Bundeswehr liegt Flexibilität bei den Dienstzeitfestsetzungen und Zurruhe-
derzeit bei circa 23 700 Soldatinnen und Soldaten. Mit setzungen nachgedacht werden.
21 784 Einstellungen im Jahr 2009 wurde diese ange-
strebte Zahl allerdings unterschritten. 14 000 Stellen Neben allen materiellen Maßnahmen darf aber auch das
konnten mit externen Bewerbern besetzt und knapp Ansehen des Soldatenberufs nicht außer Acht gelassen
7 800 Soldatinnen und Soldaten durch Binnenwerbung werden. In den zahllosen Gesprächen, die ich führe, be-
gewonnen werden. stätigt sich immer wieder, wie sehr sich Soldatinnen und
Soldaten mit der Bundeswehr und ihrem Dienst identifi-
Das Bewerberaufkommen im Jahr 2009 bedarf differen- zieren, wie sehr ihre berufliche Zufriedenheit aber ande-
zierter Betrachtung: Bei der Laufbahn der Offiziere gab rerseits auch von einer entsprechenden politischen und
es mit rund 9 000 Bewerbungen gegenüber rund 9 600 im gesellschaftlichen Anerkennung ihres Dienstes abhängt.
Jahr 2008 ein Minus von 6 Prozent, was allerdings einen Auf meiner Informationstagung im Juni 2009 „Attrakti-
weniger starken Rückgang als in den Vorjahren bedeutet. vität des Soldatenberufs – Chancen, Herausforderungen,
Bei den Mannschaften und Unteroffizieren ist mit gut Perspektiven“ wurde von nahezu allen Teilnehmern die
37 000 Bewerbungen gegenüber 26 500 im Vorjahr ein Bedeutung dieses Themas herausgestrichen. Das Gefühl,
deutlicher Anstieg von 28 Prozent zu verzeichnen. Es von der Gesellschaft nicht anerkannt zu werden, lässt
bleibt abzuwarten, ob darin eine Trendumkehr gesehen nicht wenige Soldatinnen und Soldaten zweifeln, ob sie
werden kann und wie sich das Bewerberaufkommen ins- mit der Entscheidung, Zeit- oder Berufssoldat zu werden,
gesamt in den nächsten Jahren vor dem Hintergrund des die richtige Entscheidung getroffen haben.
demographischen Wandels einerseits und der aktuellen
Finanz- und Wirtschaftskrise andererseits entwickeln
wird. Im Übrigen sagt die Zahl der jeweiligen Bewerber 5.3 Demographischer Wandel
noch nichts über deren Qualität aus. Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die
Bundeswehr habe ich bereits in meinem letzten Jahresbe-
5.2 Attraktivität der Bundeswehr richt angesprochen. Angesichts des Rückgangs der Ge-
burtenraten Anfang der 90er Jahre steht die Bundeswehr
Auf der offiziellen Homepage der Bundeswehr findet sich vor dem Problem, auch in Zukunft eine ausreichende
unter dem Stichwort „Jugend und Karriere“ der Satz: Zahl geeigneter Bewerberinnen und Bewerber für den
„Als attraktiver Arbeitgeber bietet die Bundeswehr ein Dienst in den Streitkräften zu gewinnen.
vielfältiges Angebot an Karriere- und Berufschancen in
allen Bereichen und Laufbahnen“. Was die Vielfalt des Das Bundesministerium der Verteidigung hat diese He-
Angebots angeht, so trifft dieser Satz sicherlich zu. Frag- rausforderung erkannt und bereits Anfang 2007 die Ar-
lich ist, ob dieses Angebot insbesondere im Vergleich mit beitsgruppe „Demographischer Wandel“ eingesetzt, die
dem zivilen Arbeitsmarkt und Wettbewerbern im öffentli- nach ihren Berichten vom Februar und September 2008
chen Sektor auch hinreichend attraktiv ist. Unter den im September 2009 bereits ihren dritten Bericht vorgelegt
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 35 – Drucksache 17/900

hat. Auftrag und Vorgehensweise der Arbeitsgruppe fin- genheiten der Zeit- und Berufssoldaten im Berichtsjahr
den meine nachdrückliche Unterstützung. folgende Schwerpunkte ergeben.
Ein Arbeitsschwerpunkt betrifft die Senkung des perso-
nellen Ergänzungsbedarfs. Die Überlegungen gehen da- 5.4.1 Beförderungssituation
hin, den jährlichen Personalergänzungsbedarf durch eine Fast in allen Laufbahngruppen kam es im Jahr 2009 zu
Erhöhung des Anteils längerdienender Soldatinnen und Wartezeiten und Verzögerungen bei Beförderungen und
Soldaten zu reduzieren. In diesem Zusammenhang sind Einweisungen in die jeweiligen Planstellen. Hierzu er-
allerdings zunächst die Ergebnisse der aufgrund des Ko- reichten mich im Berichtsjahr weit über 200 Eingaben.
alitionsvertrages einzusetzenden Kommission zur Erar- Ursache der Missstände waren erneut fehlende Planstel-
beitung einer neuen Organisationsstruktur abzuwarten. len. Das führte – notwendigerweise – zur Bildung von
Besonderes Augenmerk legt die Arbeitsgruppe auf die Beförderungs- und Eignungsreihenfolgen, die ihrerseits
Flexibilisierung des Soldaten- und Laufbahnrechts. Ob- Eingaben nach sich zogen. Einige Verzögerungen waren
wohl für Seiteneinsteiger und Seiteneinsteigerinnen be- auf vermeidbare Fehler bei der Personalbearbeitung zu-
reits diverse Einstiegsmöglichkeiten, zum Beispiel die rückzuführen. Im Einzelnen ergibt sich folgendes Bild:
Einstellung mit höherem Dienstgrad, existieren, soll die-
ses Spektrum zeitgemäß und zukunftsorientiert erweitert 5.4.1.1 Mannschaften
werden. Ziel ist es, das bisher weitgehend geschlossene
militärische Personalsystem so zu verändern, dass rascher Nachdem es im Jahr 2008 aufgrund der Bereitstellung zu-
auf aktuelle Bedürfnisse reagiert werden kann. Flexible sätzlicher Planstellen zu einem weitgehenden Abbau des
Anpassungen der Verpflichtungszeit gehören dazu ge- Beförderungsstaus bei der Beförderung zum Stabsgefrei-
nauso wie die Erleichterung und Ausweitung von Lauf- ten gekommen war, wurde dieses Problem im Berichts-
bahnwechseln. jahr leider wieder akut. Für viele Hauptgefreite verzö-
gerte sich die Beförderung zum Stabsgefreiten.
Die in der Arbeitsgruppe thematisierten Anstrengungen Ursächlich dafür war, dass – um die Attraktivität der
zur Verbesserung der Integration von Soldaten mit Migra- Mannschaftslaufbahn zu verbessern und den bestehenden
tionshintergrund werden durch die am Zentrum Innere Bedarf insbesondere für die Auslandseinsätze zu decken –
Führung eingerichtete Zentrale Koordinierungsstelle für Mannschaftsdienstgrade über die Regelverpflichtungszeit
Interkulturelle Kompetenz wahrgenommen und umge- von vier Jahren hinaus auf acht und in Einzelfällen sogar
setzt. Neben Seminaren und Informationstagungen liegt auf zwölf Jahre weiter verpflichtet wurden. Da der Auf-
der aktuelle Schwerpunkt auf dem Aufbau eines interdis- wuchs an Planstellen mit dieser Entwicklung nicht Schritt
ziplinären Netzwerkes von Sachverständigen sowie in der hielt, kam es zum Beförderungsstau. Die derzeitige War-
Erarbeitung eines Konzeptes für einen Pilotlehrgang zur tezeit beträgt nach Erfüllen der zeitlichen Mindestvoraus-
Interkulturellen Kompetenz. setzungen zwischen drei und sechs Monate.
Die Vielzahl der mit dem Ziel der Attraktivitätssteigerung Aufgrund fehlender Planstellen gibt es inzwischen auch
durchgeführten Untersuchungen mündete in ein „Ganz- für Obergefreite bei der Beförderung zum Hauptgefreiten
heitliches Konzept zur Steigerung der Attraktivität des Wartezeiten von etwa drei Monaten.
Dienstes in den Streitkräften“. Dieses Konzept beruht im
Wesentlichen auf der Verstärkung und dem Ausbau von Das ist aus meiner Sicht bedauerlich und trägt nicht zur
drei Säulen: Attraktivität der Mannschaftslaufbahn und zur Steigerung
der Motivation der Soldaten bei. Der Anreiz einer länge-
– dem Ansehen der Streitkräfte als Organisation und Ar- ren Verpflichtungszeit wird durch den Nachteil von War-
beitgeber und dem Ansehen des Soldatenberufs als tezeiten bei der Beförderung leider geschmälert.
solchem,
Erschwerend kommt hinzu, dass die bei Beförderungen
– den Streitkräften als Ausbildungsorganisation und hinzunehmenden Wartezeiten in den einzelnen Teilstreit-
– den materiellen und sozialen Rahmenbedingungen des kräften unterschiedlich lang sind. Besonders augenfällig
Dienstes, die auch das persönliche und familiäre Um- wird diese Tatsache bei Angehörigen der Streitkräfteba-
feld einschließen. sis, in der Soldaten aus allen Teilstreitkräften ihren Dienst
leisten. So kommt es nicht selten vor, dass Soldaten, die
Das Modell erscheint vernünftig, ist bisher aber nur eine der selben Einheit angehören, sich möglicherweise sogar
Absichtserklärung. Seine Tragfähigkeit und Belastbarkeit ein Dienstzimmer teilen, trotz gleicher Voraussetzungen
wird sich erweisen müssen. Das werde ich mit besonderer und gleicher Arbeitsleistung unterschiedlich lang auf ihre
Aufmerksamkeit verfolgen. Beförderung warten müssen.

5.4 Eingaben zum Personalwesen Um einen Teil des Beförderungsstaus abzubauen, wird
die Planstellenausstattung für Mannschaften, die als Sol-
Im Rahmen der Bearbeitung von rund 1 400 Eingaben daten auf Zeit im Heer dienen, im Rahmen der Haushalts-
zum Personalwesen sowie unter Berücksichtigung meiner aufstellung 2011 angepasst. Im Vorgriff darauf wurde im
Truppenbesuche, der Gespräche mit Soldatinnen und Sol- November 2009 eine Übergangslösung geschaffen.
daten in meinem Haus sowie der diesjährigen Informa- 1 300 Planstellen im Berufsförderungsdienst für Fach-
tionstagung haben sich im Bereich der Personalangele- unteroffiziere, die derzeit noch nicht benötigt werden,
Drucksache 17/900 – 36 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

wurden vorübergehend für Mannschaften zur Verfügung 5.4.1.3 Unteroffiziere mit Portepee
gestellt, um zeitnahe Beförderungen zum Stabsgefreiten
Auch zahlreiche Unteroffiziere mit Portepee verliehen ih-
zu ermöglichen. Durch die im Wege der Beförderung frei
rer Unzufriedenheit mit ihrer Beförderungssituation in
werdenden Stellen kann auch die Beförderung von Ober-
Eingaben Ausdruck. Den Schwerpunkt bildeten dabei
gefreiten zum Hauptgefreiten zeitnäher erfolgen. Ich be-
Oberfeldwebel und Oberbootsleute, die auf ihre Beförde-
grüße diese Maßnahmen unter dem Gesichtspunkt der
rung zum Hauptfeldwebel beziehungsweise Hauptboots-
Flexibilisierung und Attraktivitätssteigerung ausdrück-
mann warten. Daneben klagten auch viele Hauptfeldwe-
lich.
bel und Hauptbootsleute über zu lange Wartezeiten bei
Leider kam es hinsichtlich der Beförderung zum Stabsge- der Beförderung zum Stabsfeldwebel beziehungsweise
freiten auch zu Fehlern bei der Personalbearbeitung. Stabsbootsmann.
Ein Beispiel: Ursächlich für diese Situation ist die Tatsache, dass trotz
stetiger Verbesserungen die Zahl der für eine Beförderung
Ein Hauptgefreiter wandte sich mit einer Eingabe an notwendigen Planstellen in diesem Bereich immer noch
mich, weil er nach dreieinhalb Jahren Dienstzeit noch nicht ausreicht. Unabhängig davon, dass eine weitere Ver-
nicht zum Stabsgefreiten befördert worden war. Im Rah- besserung dieser Planstellensituation wünschenswert ist,
men der Überprüfung stellte sich heraus, dass der Petent muss die Personalführung das für die Bildung der Beför-
„Wiedereinsteller“ war und seine Vordienstzeit – er hatte derungsreihenfolgen maßgebliche Verfahren transparent
vor seiner Wiedereinstellung als Zeitsoldat seinen neun- und die entscheidenden Kriterien deutlicher machen. Es
monatigen Grundwehrdienst abgeleistet – bei der Rei- gibt immer wieder Eingaben, die zeigen, dass den Betrof-
hung in der Beförderungsreihenfolge unberücksichtigt fenen die für die Reihenfolgenbildung maßgebliche Be-
geblieben war. Der Soldat wurde rückwirkend in eine förderungsrichtlinie nicht oder nur unzureichend bekannt
Planstelle der Besoldungsgruppe A 5 eingewiesen und für ist. Immer wieder verweisen Petenten mit Unverständnis
die davor liegende Zeit schadlos gestellt. und Ungeduld darauf, dass sie in der Vergangenheit für
ihre dienstlichen Leistungen förmliche Anerkennungen,
5.4.1.2 Unteroffiziere ohne Portepee Leistungszulagen und Ähnliches erhalten hätten, gleich-
wohl aber nicht befördert würden. Ihnen ist offensichtlich
Hinsichtlich der Beförderung zum Stabsunteroffizier so-
nicht bekannt, dass nach der einschlägigen Beförderungs-
wie zum Feldwebel erreichten mich im Berichtsjahr nur
richtlinie zum Beispiel förmliche Anerkennungen und
vereinzelt Eingaben. In diesen Fällen war die ausgeblie-
Leistungszulagen keinen direkten Einfluss auf die Rei-
bene Beförderung auf Fehler bei der Personalbearbeitung
henfolgenbildung haben. Diese erfolgt vielmehr auf der
zurückzuführen.
Grundlage der dienstlichen Beurteilungen sowie der
Ein Beispiel: Dauer der Teilnahme an Auslandseinsätzen. Das ist aus
meiner Sicht nicht zu beanstanden, zumal Anerkennun-
Im März 2009 wandte sich ein Unteroffizier (w) an mich, gen für herausragende Leistungen sich bereits in den Be-
weil sie nach dem Abschluss ihrer ZAW-Maßnahme im urteilungen niederschlagen.
Januar 2008 noch nicht zum Stabsunteroffizier befördert
worden war. Die Überprüfung ergab, dass die Petentin Wie wichtig eine weitere Verbesserung der Planstellen-
seit Januar 2008 die Mindestvoraussetzungen für die Be- situation ist, zeigen eindringlich die Fälle eines Oberfeld-
förderung zum Stabsunteroffizier erfüllte. Sowohl den webels und eines Hauptfeldwebels, die mit ihrem jeweili-
allgemeinmilitärischen als auch den militärfachlichen gen Dienstgrad zur Ruhe gesetzt wurden. Zwar sind diese
Teil der Fachunteroffizierprüfung hatte die Soldatin be- Fälle nicht die Regel, gleichwohl verdeutlichen sie die
standen. Die Ernennung wurde jedoch durch die zustän- Gefahr, dass bei Weiterbestehen des Beförderungsstaus
dige personalbearbeitende Stelle nicht eingeleitet. Auch und gleichzeitigem striktem Festhalten an der Beförde-
wurde der Abschluss der ZAW-Maßnahme nicht vollstän- rungsreihenfolge, wozu die Personalführung verpflichtet
dig und richtig in den Datenbestand eingepflegt, so dass ist, das grundsätzliche Laufbahnziel – der Dienstgrad
keine Planstelle zur Beförderung zur Verfügung gestellt Stabsfeldwebel – unter Umständen nicht erreicht werden
werden konnte. Letztlich wurde die Petentin zum Stabs- kann. Das beschäftigt insbesondere altgediente Portepee-
unteroffizier befördert und rückwirkend ab Januar 2008 unteroffiziere, die bislang davon ausgegangen sind, dass
schadlos gestellt. der Dienstherr ihnen das Erreichen des Laufbahnzieles
auch ermöglicht. Sollte diese allgemeine Laufbahnper-
Zahlreiche Stabsunteroffiziere aus der Laufbahn der Un- spektive vermehrt nicht mehr erreicht werden können,
teroffiziere wandten sich an mich, weil sie nach Erfüllung könnte das nicht unerhebliche Auswirkungen auf die At-
der Voraussetzungen vergeblich auf ihre Einweisung in traktivität der Feldwebellaufbahn insgesamt haben.
eine Planstelle der Besoldungsstufe A 7 warteten. Nach
einer Dienstzeit von sechs Jahren ist eine solche Einwei-
5.4.1.4 Offiziere
sung möglich. Auch hier lag die Ursache nicht in einem
Fehl an Planstellen, sondern in einer teilweise mangelhaf- Der Schwerpunkt der Eingaben in diesem Bereich lag bei
ten Personalbearbeitung. In einem Fall führte die Eingabe den Oberleutnanten, die auf ihre Beförderung zum Haupt-
dazu, dass ein Stabsunteroffizier im Ergebnis wegen der mann und Hauptleuten, die auf ihre Einweisung in die
verspäteten Einweisung für ein dreiviertel Jahr rückwir- Besoldungsgruppe A12 warten, sowie bei Majoren, die
kend schadlos gestellt werden musste. sich über Wartezeiten bei der Beförderung zum Oberst-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 37 – Drucksache 17/900

leutnant beklagten. Auch diese Wartezeiten gehen auf die plinaren Vorermittlungsverfahrens noch ein Förderungs-
nicht ausreichende Zahl an Planstellen zurück. Wie in den verbot nach Ziffer 135 der ZDv 20/7 „Bestimmungen für
anderen Laufbahnen ist auch hier eine Beförderungsrei- die Beförderung, Einstellung, Übernahme und Zulassung
henfolge auf der Grundlage der dazu vom Bundesministe- von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr“ enthielt.
rium der Verteidigung erlassenen Beförderungsrichtlinie Formal war das Förderungsverbot nach Einstellung des
zu bilden. Letztlich gelten die Ausführungen zur Beförde- Vorermittlungsverfahrens aufgehoben worden. Diese
rungssituation der Unteroffiziere mit Portepee sinngemäß Aufhebung war beim Wechsel des für die Personalfüh-
auch für die Beförderungssituation der Offiziere. rung zuständigen Dezernats innerhalb des Personalamtes
der Bundeswehr aus nicht mehr nachvollziehbaren Grün-
Kritikwürdig war zudem die Wartezeit, die zwischen ei- den aber nicht dokumentiert worden, so dass der Sperr-
ner Versetzung auf einen A15 bewerteten Dienstposten vermerk in den Akten verblieb. Der Petent wurde durch
und der erst später folgenden Einweisung in die entspre- entsprechende Beförderung sowie rückwirkende Einwei-
chende Besoldungsgruppe liegt. Diese „Wartezeit“ be- sung in die notwendige Planstelle schadlos gestellt. Für
trägt mittlerweile knapp drei Jahre – eine aus meiner den Zeitraum zwischen dem frühestmöglichen Beförde-
Sicht nicht vertretbare Belastung der Betroffenen. Beson- rungstermin und dem Tag der rückwirkenden Einweisung
ders ärgerlich sind die Fälle, in denen es durch Fehler bei wurde darüber hinaus die Schadensbearbeitung eingelei-
der Reihenfolgenbildung zu weiteren Verzögerungen tet. Zudem wurden durch die Fachaufsicht geeignete
kommt. Maßnahmen ergriffen, damit sich ein solcher Fehler nicht
Ein Beispiel: wiederholt.
Ein Oberstleutnant, der seit 40 Monaten auf einem mit So bedauerlich dieser Fehler für den Betroffenen war, ist
A15 bewerteten Dienstposten eingesetzt war, beklagte dennoch festzustellen, dass nach Bekanntwerden des
sich darüber, immer noch nicht in die entsprechende Plan- Mangels im Rahmen der Bearbeitung der Eingabe unver-
stelle eingewiesen worden zu sein. Die Überprüfung er- züglich alle notwendigen Schritte ergriffen wurden, um
gab, dass aufgrund eines Fehlers bei der Anwendung des den beim Petenten entstandenen Schaden zu beseitigen.
computergestützten Personalwirtschaftssystems die Steh- In einem anderen Fall beklagte ein Oberfeldwebel, dass
zeit auf dem mit A15 dotierten Dienstposten im Rahmen sein Antrag auf Übernahme zum Berufssoldaten nicht
der Erstellung der Einweisungsreihenfolge bei dem Pe- rechtzeitig an die Stammdienststelle der Bundeswehr
tenten und weiteren Betroffenen nicht berücksichtigt wor- weitergeleitet worden sei. Die Überprüfung ergab, dass
den war. Nachdem dieser Fehler aufgefallen war, wurden der zuständige Bearbeiter in der Truppe den Antrag des
die Soldaten rückwirkend eingewiesen. Dabei kam es zu Petenten sowie die Anträge von vier weiteren Soldaten
einem weiteren Kuriosum. Da der Datenfehler bei mehre- nicht bearbeitet und weitergeleitet hatte. Aufgrund der
ren Offizieren aufgetreten war und für die Betroffenen unterbliebenen Vorlage der Anträge konnten die fünf Be-
nicht genügend Planstellen zur Verfügung standen, werber in den Auswahlkonferenzen nicht betrachtet wer-
musste erneut eine Reihung vorgenommen werden. Der den. Um mögliche Laufbahnnachteile zu vermeiden, wur-
Petent wurde unter Zugrundelegung des Zeitpunkts seiner den die Bewerbungsunterlagen nach Bekanntwerden des
möglichen Einweisung finanziell schadlos gestellt. Versäumnisses unverzüglich der Stammdienststelle für
Im Ergebnis ist hinsichtlich der Beförderungssituation der eine Nachbetrachtung vorgelegt. Dem Antrag des Petenten
Offiziere festzuhalten, dass auch diese weiter verbessert konnte – vorbehaltlich der gesundheitlichen Eignung – ent-
werden muss, weil sowohl die Berufszufriedenheit der sprochen werden. Gegen den Bearbeiter wurden diszipli-
Offiziere als auch die Attraktivität des Offizierberufs nare Vorermittlungen eingeleitet.
maßgeblich von den Beförderungsmöglichkeiten geprägt Eine Eignungsübende kritisierte, dass sie zunächst vom
werden. Zentrum für Nachwuchsgewinnung ohne Bedenken ein-
berufen, zum Ende ihrer Eignungsübung aber wegen zu
5.4.2 Mängel bei der Bearbeitung von Personal- geringer Körpergröße für nicht borddiensttauglich erklärt
angelegenheiten worden sei. Im Rahmen der Überprüfung stellte sich he-
raus, dass die Petentin mit einer Körpergröße von 1,55 m
Die Bearbeitung von Personalangelegenheiten gibt immer zwar die Anforderungen für die Borddiensttauglichkeit
wieder Anlass zu Beanstandungen. Insgesamt gingen nicht erfüllte, es aber die Möglichkeit einer Ausnahmege-
dazu über 200 Eingaben ein. Bei einem Personalkörper nehmigung gibt. Einem entsprechenden Antrag der Pe-
von 250 000 Soldaten und Millionen von Personalvor- tentin wurde stattgegeben. Sie leistet ihren Dienst als
gängen sind Fehler nicht auszuschließen. In vielen Fällen Bootsmann (w) auf einer Fregatte der Bundeswehr.
wären sie bei größerer Sorgfalt aber vermeidbar gewesen.
Besonders misslich ist es für die Betroffenen, wenn ein
Fehler in der Personalbearbeitung Auswirkungen auf den 5.4.3 Beurteilungswesen
weiteren beruflichen Werdegang hat. Ein zentrales Problem im Personalwesen der Bundeswehr
Ein Beispiel: ist derzeit die mit erheblichen Verunsicherungen behaf-
tete Beurteilungspraxis und die ihr zugrunde liegende,
Ein Stabsarzt beklagte seine noch nicht erfolgte Beförde- unbefriedigende Vorschriftenlage. Im Berichtsjahr 2009
rung zum Oberstabsarzt. Die Überprüfung ergab, dass die erreichten mich zu Beurteilungsfragen rund 150 Einga-
Personalakte des Petenten aufgrund eines früheren diszi- ben. Darüber hinaus war das Beurteilungssystem Thema
Drucksache 17/900 – 38 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

bei nahezu allen meinen Truppenbesuchen. Die dabei nügenden Ermächtigungsgrundlage bedurft hätte – etwa in
spürbare Verunsicherung der Soldaten und ihre Unzufrie- der Soldatenlaufbahnverordnung. Aus der Sicht des Bun-
denheit ist aus meiner Sicht verständlich, wenn man sich desverwaltungsgerichts genügte es nicht, die neuen Rege-
die Bedeutung von Beurteilungen vor Augen führt. lungen – wie geschehen – durch Erlass in Kraft zu setzen.
Darüber hinaus hat das Gericht aber auch inhaltlich zu
Einem funktionierenden Beurteilungssystem kommt für den Beurteilungsrichtlinien Stellung genommen. Es kriti-
das innere Gefüge der Bundeswehr eine herausragende
sierte das Beurteilungssystem in seinen wesentlichen
Bedeutung zu. Beurteilungen sind – wie in der öffentli-
Grundlagen – insbesondere die Größe und Homogenität
chen Verwaltung und in der Wirtschaft – auch und insbe-
der Vergleichsgruppen, die Struktur und den Umfang der
sondere im soldatischen Alltag eines der wichtigsten,
Richtwertvorgaben und in diesem Zusammenhang auch
aber auch schwierigsten Motivations- und Führungs-
den Abstimmungsprozess zwischen den beurteilenden
instrumente. Beurteilungen stellen die wichtigste Grund-
Vorgesetzten. Nach Auffassung des Bundesverwaltungs-
lage für Personalauswahlentscheidungen dar. Sie sind ei-
gerichts sind die einschlägigen Bestimmungen unzurei-
nerseits ein direkt aus der Verfassung abgeleitetes
chend und in der Form nicht haltbar.
Instrument zur Planung und Steuerung der Personalent-
scheidungen des Dienstherrn und dienen andererseits der Das Bundesministerium der Verteidigung hat im Oktober
Förderung und Entwicklung der beruflichen Perspektiven 2009 darauf reagiert und die ZDv 20/6 „Bestimmungen
der Untergebenen. Beurteilungen beeinflussen maßgeblich über die Beurteilungen der Soldatinnen und Soldaten der
den Werdegang der Soldatinnen und Soldaten. Sie sind Bundeswehr“ in wesentlichen Teilen neu gefasst. Zuvor
eine der wichtigsten Grundlagen für persönliches Fortkom- war bereits durch eine Änderung der Soldatenlaufbahn-
men, Aufstiegsmöglichkeiten und berufliche Perspektiven. verordnung die vom Bundesverwaltungsgericht gefor-
Die beurteilenden Vorgesetzten tragen dabei ein erhebli- derte Ermächtigungsgrundlage geschaffen worden.
ches Maß an Verantwortung. Sie müssen bei allen Ent-
scheidungen einerseits dem Interesse der Streitkräfte an Ich begrüße die vorgenommenen Änderungen ausdrück-
dem „richtigen Personal an der richtigen Stelle“ Rechnung lich als erforderliche Schritte zu einem gerechteren Beur-
tragen, andererseits aber auch die berufliche und soziale teilungssystem. Allerdings gibt es weitere offene Fragen
Entwicklung ihrer Soldaten im Auge haben. und Anhaltspunkte dafür, dass dieses Thema auf der Ta-
gesordnung bleibt. So könnte zum Beispiel die Neufas-
Beurteilungen stellen somit ein zentrales Instrument der
sung der Vergleichsgruppen vor dem Hintergrund der
Inneren Führung dar. Deshalb ist es für die beurteilenden
diesbezüglichen Ausführungen des Bundesverwaltungs-
Vorgesetzen wie für die Soldaten von herausragender Be-
gerichts zu Problemen führen. Inwieweit danach die
deutung, dass ein transparentes, faires und dem Prinzip
Neufassung der ZDv 20/6 „Bestimmungen über die Beur-
der Bestenauslese gerecht werdendes Beurteilungssystem
teilungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr“
als Grundlage aller Beurteilungen und darauf gestützter
praktikabel und in jeder Hinsicht rechtmäßig ist, muss die
Personalentscheidungen vorhanden ist. Dieser berechtigte
Zukunft zeigen. Ich werde jedenfalls die Anwendung der
Anspruch basiert auf dem Gerechtigkeitsempfinden eines
neugefassten Vorschrift aufmerksam beobachten.
jeden Soldaten und ist tief in ihm verankert. Gerade des-
halb betrachte ich die Kritik am Beurteilungswesen seit Unter Bezugnahme auf die Entscheidung des Bundesver-
einiger Zeit mit erheblicher Sorge. waltungsgerichts forderten Petenten, dass ihre Beurtei-
Schon das im Jahr 1999 neu eingeführte Beurteilungssys- lungen korrigiert beziehungsweise neu erstellt werden
tem erfüllte nicht die darin gesetzten Erwartungen, ein müssten. Diese Forderung ist verständlich, gleichwohl ist
transparentes und gerechtes Verfahren zur Bestenauslese sie nicht in dem gewünschten Umfang realisierbar. Das
zu verwirklichen und inflationären Tendenzen bei der Bundesverwaltungsgericht hat dazu entschieden, dass die
Vergabe von Höchstnoten entgegenzuwirken. Die Folge Bestandskraft der bisher auf der Grundlage des neuen Be-
war die Einführung eines grundlegend neu gestalteten Be- urteilungssystems erstellten und unanfechtbar geworde-
urteilungssystems zu Beginn des Jahres 2006. Auch die- nen Beurteilungen unberührt bleibe. Ihre Überprüfung
ses System war mit Mängeln behaftet, was nicht zuletzt könne nur im Rahmen der Dienstaufsicht erfolgen. Dies
die Vielzahl von Eingaben in den folgenden Jahren be- bedeutet, dass alle unanfechtbar gewordenen Beurteilun-
legt. Bereits in meinen letzten beiden Jahresberichten gen wirksam bleiben, wenn sie nicht im jeweiligen Ein-
habe ich darüber berichtet. Kritisiert wurden in erster Li- zelfall aufgehoben werden.
nie die Vergleichsgruppenbildung, die Richtwertvorgaben
Ich halte es – den praktischen Erfordernissen geschuldet –
sowie die Beeinflussung der Notengebung durch höhere
für richtig, wenn nicht alle Beurteilungen, die aufgrund
Vorgesetzte im Rahmen von Abstimmungsgesprächen.
des „gekippten“ Beurteilungssystems entstanden sind – es
Viele in Eingaben vorgetragene Bedenken und Beschwer- könnten rund 70 000 sein – wieder aufgehoben und neu
den fanden ihre ausdrückliche Bestätigung im Beschluss gefasst werden. Dies erscheint mir insbesondere für die
des 1. Wehrdienstsenats des Bundesverwaltungsgerichts Fälle vertretbar, in denen eine Beurteilung keine weite-
vom 26. Mai 2009, mit dem das heftig kritisierte Beurtei- ren, mögliche Nachteile fortsetzenden Folgen hat. Die
lungssystem für rechtswidrig erklärt wurde. Im Ergebnis weitaus schwierigere Frage ist, inwieweit diese – rechts-
stützte das Gericht seine Entscheidung auf die Feststel- widrigen aber bestandskräftigen – Beurteilungen als
lung, dass es für das neue Beurteilungssystem einer dem Grundlage für weitere Personalentscheidungen dienen
Vorbehalt des Gesetzes und der Wesentlichkeitstheorie ge- können, das heißt im Bewerberauswahlverfahren, bei
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 39 – Drucksache 17/900

Stellenbesetzungen und bei Beförderungsreihenfolgen musste ich mich an das Bundesministerium der Verteidi-
und Beförderungen herangezogen werden dürfen. gung wenden, damit die ausgeschiedene Soldatin endlich
im Mai 2009 ein akzeptables Dienstzeugnis erhielt. Be-
Das Bundesministerium der Verteidigung führt hierzu in denklich ist, dass nicht einmal die von mir zunächst ein-
dem neuen Erlass vom 16. Oktober 2009 aus, „Personal- geschaltete Division in der Lage war, der Petentin ein
auswahlentscheidungen, die aufgrund bestandskräftiger ordnungsgemäßes Dienstzeugnis zukommen zu lassen.
Beurteilungen von bereits abgeschlossenen Beurteilungs-
durchgängen getroffen wurden (zum Beispiel Versetzun- Ein Stabsunteroffizier kritisierte, dass sein vorläufiges
gen auf höherwertige Dienstposten, Beförderungen und Dienstzeugnis geändert worden sei. Im Februar 2009 war
Einweisungen in Planstellen höherer Besoldungsgruppen, ihm ein vorläufiges Dienstzeugnis ausgehändigt worden,
Auswahl zum Offizier des militärischen Fachdienstes), das vor der Freistellung vom militärischen Dienst zur
haben Bestand und sind weiterhin möglich und statthaft“. Teilnahme an der vorgezogenen Fachausbildung im Rah-
men der Berufsförderung zu erstellen war. Im März 2009
Diese Auffassung begegnet aus meiner Sicht nicht uner- wurde der Petent bei einer dienstlichen Veranstaltung ge-
heblichen Bedenken. Nach meiner Überzeugung darf es selliger Art, an der auch der Kompaniechef teilnahm, ver-
nicht sein, dass eine auf der Grundlage eines rechtswidri- abschiedet. Dabei äußerte der Soldat zu vorgerückter
gen Beurteilungssystems für einen Soldaten erstellte und Stunde im angetrunkenen Zustand und im Beisein von
daher von ihm als zutiefst ungerecht empfundene Beurtei- Dritten gegenüber dem Kompaniechef, das dieser der
lung für weitere Personalentscheidungen zum Nachteil schlechteste Major sei, den er in seiner Dienstzeit gehabt
des Soldaten herangezogen wird und sich damit der Ma- habe. Daraufhin erhielt der Petent eine Woche später ein
kel der rechtswidrigen Beurteilung im weiteren Berufsle- Dienstzeugnis, dessen Inhalt zu Ungunsten des Petenten
ben des Soldaten fortsetzt. Hier sollten – im Sinne der verändert worden war.
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts – Lösun-
gen im Einzelfall gefunden werden, damit erkanntes Un- Bei der Überprüfung wurde vorgetragen, dass es sich bei
recht nicht seine bewusste Fortsetzung findet. Ich werde der zweiten Fassung ebenfalls um ein vorläufiges Dienst-
diesen Bereich im Hinblick auf die beschriebene Bedeu- zeugnis gehandelt habe, das nur versehentlich als Dienst-
tung mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. zeugnis bezeichnet worden war. Da die vorgeschriebenen
Eröffnungs- und Anhörungsbestimmungen nicht einge-
5.4.4 Dienstzeugnis halten worden waren, war das zweite vorläufige Dienst-
zeugnis schon aus formalen Gründen aufzuheben. Die
Auch 2009 wandten sich zahlreiche Petenten an mich, Maßnahme des Kompaniechefs, den Soldaten mittels
weil ihnen nach Ablauf ihrer Dienstzeit entweder kein einer geänderten Fassung des Dienstzeugnisses zu diszi-
oder nur ein inhaltlich unzureichendes Dienstzeugnis er- plinieren, entspricht nicht den Bestimmungen für das Er-
teilt worden war. stellen von Dienstzeugnissen. Daher wurden der Kompa-
niechef und der Bataillonskommandeur schriftlich über
Es ist unerfreulich, dass dieses Thema, zu dem ich mich das vorschriftsmäßige Erstellen von Dienstzeugnissen be-
in meinen Jahresberichten wiederholt kritisch äußern lehrt.
musste, immer noch auf der Tagesordnung steht. Die Be-
deutung von Dienstzeugnissen für ausscheidende Solda-
ten und ihre Wiedereingliederung in das zivile Erwerbsle- 5.5 Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung
ben wird in der ZDv 20/6 „Bestimmungen über die Die Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr hängt
Beurteilungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundes- nicht zuletzt davon ab, welche Möglichkeiten den Solda-
wehr“ (Nr. 219 mit Anlage 23 „Richtlinien, Bearbei- tinnen und Soldaten zur beruflichen Qualifikation gebo-
tungshinweise und Beispiele für das Dienstzeugnis von ten werden. Die Zielsetzung der Bundeswehr, jedem län-
Soldatinnen und Soldaten“) zutreffend herausgehoben. ger dienenden Soldaten die Chance zu bieten, eine – im
Auf die große Verantwortung der Disziplinarvorgesetzten Vergleich zur Eintrittsqualifikation – höhere berufliche
für die zeitnah und wahrheitsgemäß, dabei aber mit „für- Qualifikation zu erwerben, ist uneingeschränkt zu unter-
sorglichem Wohlwollen“ zu erstellenden Zeugnisse wird stützen. Dem mit der Einführung neuer Laufbahnen im
ausdrücklich hingewiesen. Offensichtlich sind aber weder Jahre 2002 entstandenen Konzept der Zivilberuflichen
diese Vorschriften noch der ihnen zugrundeliegende Aus- und Weiterbildung (ZAW) kommt hierbei eine be-
Grundgedanke, den Soldaten den Sprung in das zivile Be- sondere Bedeutung zu. Ziel dieser Konzeption ist es ne-
rufsleben zu erleichtern, überall in der Truppe angekom- ben der Verbesserung der militärischen Auftragserfüllung
men. Hier besteht weiterhin verstärkter Aufklärungsbe- die Attraktivität des Dienstes durch Abschlüsse und Fort-
darf, was die folgenden Beispiele verdeutlichen. bildung in einem zivilen Ausbildungsberuf zu steigern.
Die Umsetzung dieser Konzeption war von Beginn an mit
Im Dezember 2008 beklagte sich ein Stabsunteroffizier
Schwierigkeiten behaftet, auf die ich in den letzten Jahren
(w) bei mir darüber, dass ihr zu ihrem Dienstzeitende
hinwiesen habe. Auch 2009 gab es wieder eine Reihe von
nach acht Jahren Dienstzeit ein völlig unzureichendes
Klagen, wie folgender Fall veranschaulicht:
Dienstzeugnis ausgehändigt worden sei. Das Zeugnis
wies unter anderem auf gesundheitliche und familiäre Zehn Teilnehmer einer ZAW-Maßnahme „Fachkauf-
Probleme hin. Aufgrund meines Einschaltens wurde der mann für Organisation – Meisterebene“ schilderten, sie
Petentin im März 2009 ein neues Dienstzeugnis erteilt. seien in ihrer sechsmonatigen ZAW-Maßnahme mit meh-
Da auch dieses den Anforderungen nicht entsprach, reren Unzulänglichkeiten konfrontiert worden. So habe
Drucksache 17/900 – 40 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

der Zeitraum der Vermittlung des umfangreichen prü- Die Hintergründe von Suiziden und Suizidversuchen blei-
fungsrelevanten Stoffes gerade einmal zwei Monate be- ben oft unklar. Lagen Indizien für ein Motiv vor, so deu-
tragen. Zuvor sei kein prüfungsrelevanter Stoff vermittelt teten sie meist auf Ursachen im privaten Umfeld des Ver-
und ein dreiwöchiger Urlaub für die Lehrgangsteilnehmer storbenen hin. Soweit sich Spannungen und Probleme im
angesetzt worden. Das vollständige Lehrmaterial in Form dienstlichen Umfeld abzeichneten, war ein ursächlicher
von Büchern habe erst circa einen Monat vor den Prüfun- Zusammenhang mit der Selbsttötung nicht festzustellen.
gen vor der Industrie- und Handelskammer und erst auf
Im Berichtsjahr 2009 wurden darüber hinaus für das In-
nachdrückliche Initiative der Lehrgangsteilnehmer selbst land zwei Unglücksfälle mit Todesfolge im Dienst gemel-
zur Verfügung gestanden. Einen verbindlichen Stunden- det, für das Ausland einer.
plan habe es nicht gegeben, so dass eine gezielte Unter-
richtsvorbereitung nicht möglich gewesen sei. Eine unzu-
längliche räumliche Unterbringung, Lärmbelästigungen 7 Frauen in den Streitkräften
während der Unterrichtsstunden sowie körperliche Beein- Im Berichtsjahr 2009 leisteten durchschnittlich
trächtigungen durch starke Farbgerüche aus einer unter 16 495 Frauen Dienst in der Bundeswehr. Ihr Anteil an
den Unterrichtsräumen gelegenen Autolackiererei hätten den Berufs- und Zeitsoldaten erhöhte sich von 8,4 Pro-
die Missstände komplettiert. zent im Vorjahr auf 8,7 Prozent. Dabei lag der Frauenan-
teil im Sanitätsdienst mit 7 035 Soldatinnen bei 41,3 Pro-
Mängel und Defizite im Zusammenhang mit ZAW-Maß- zent. Im Truppendienst waren es 9 461. Das entsprach
nahmen wurden mir auch von verschiedenen Teilnehmern einen Anteil von 5,5 Prozent.
meiner Informationstagung „Attraktivität des Soldatenbe-
rufs – Chancen, Herausforderungen, Perspektiven“ im
7.1 Integration von Frauen
Juni 2009 geschildert. Die Probleme betreffen dabei alle
an ZAW-Maßnahmen Beteiligte: die auszubildenden Sol- Im Rahmen meiner Tätigkeit nehme ich eine Vielzahl von
daten, die Lehrkräfte und das Umfeld des Soldaten in der Bemühungen der Bundeswehr wahr, den Prozess zur Inte-
Truppe. gration von Frauen voranzutreiben. Ich hoffe, dass die
Anstrengungen weiterhin auf einem hohen Niveau fortge-
Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass das Heer führt werden. Frauen tragen wesentlich zur Deckung des
die Konzeption zur Zivilberuflichen Aus- und Weiterbil- Personalbedarfs der Streitkräfte bei und stehen in ihrer
dung der Soldaten auf Zeit im Rahmen der militärfachli- Leistungsfähigkeit sowie Motivation den männlichen
chen Ausbildung in der Laufbahngruppe der Unteroffi- Soldaten in nichts nach. Es ist daher selbstverständlich,
ziere in Kraft gesetzt hat. Darin sind die Planung, die dass Frauen bei entsprechender Qualifikation nicht nur im
Steuerung, die Durchführung und die Zuständigkeiten im Inland, sondern auch im Ausland eingesetzt werden.
Heer hinsichtlich der ZAW-Maßnahmen für die Lauf-
bahngruppe der Unteroffiziere ohne Portepee sowie für Mittlerweile sind neun Jahre vergangen, in denen Solda-
die Feldwebellaufbahn geregelt. tinnen in allen Bereichen der Streitkräfte und in sämtli-
chen Verwendungsreihen ihren Dienst leisten können.
Zu meiner festen Überzeugung kommt der Zivilberufli- Leider bleiben Vorfälle, die antiquierte und mit Vorurtei-
chen Aus- und Weiterbildung eine herausgehobene Be- len belastete Anschauungen offenbaren, nach wie vor
deutung für die Attraktivität der Streitkräfte zu. Für viele nicht aus. So haben mich auch im Berichtsjahr Eingaben
Soldatinnen und Soldaten, die überlegen, ob sie sich frei- erreicht, in denen frauenfeindliche Einstellungen sichtbar
willig für den Dienst in der Bundeswehr melden sollen, wurden.
ist die Frage der beruflichen Aus- und Fortbildung ein mit Ein Beispiel:
entscheidender Faktor. Vor diesem Hintergrund stellt sich
für die Bundeswehr die Aufgabe, das an sich gelungene Ein Kompanietruppführer lief trotz der Anwesenheit von
Konzept einer Optimierung zuzuführen. Nach meinen In- Soldatinnen in seiner Einheit regelmäßig unbekleidet
formationen fehlt es bisher noch an einer effizienten Kon- über den Flur zu den Waschräumen. Darüber hinaus
trolle der Bildungsträger. Eine Nachbesserung in diesem machte er im Kameradenkreis keinen Hehl aus seiner
Bereich wäre zu begrüßen. Auch eine Zertifizierung der Meinung, dass Frauen in der Bundeswehr nichts zu su-
ZAW-Bildungsträger könnte meines Erachtens hilfreich chen hätten. Der Soldat wurde eingehend belehrt, derar-
sein. tige Äußerungen zu unterlassen. Darüber hinaus nahm
der zuständige Bataillonskommandeur die Auswertung
der Eingabe zum Anlass, die Aus- und Weiterbildung al-
6 Selbsttötungen und Unglücksfälle mit ler Vorgesetzten im Bereich der Inneren Führung zu in-
Todesfolge tensivieren. Beide Maßnahmen finden meine ausdrückli-
che Zustimmung.
Im Berichtsjahr wurden mir 24 so genannte Besondere
Vorkommnisse mit Verdacht auf Selbsttötung von Solda- Ein weiteres Beispiel, das sich im Rahmen eines Aus-
ten gemeldet. Der ganz überwiegende Teil der Suizide ge- landseinsatzes ereignete, zeigt, wie schwer es vielen Sol-
schah im Inland und außerhalb des Dienstes. Aus dem daten immer noch fällt, Soldatinnen im Berufsalltag als
Ausland wurde mir 2009 ein Fall bekannt. Ein Soldat des gleichberechtigte Kameradinnen zu akzeptieren. Ein
deutschen KFOR-Kontingents hatte sich das Leben ge- Oberstabsgefreiter zeigte kein Verständnis dafür, dass
nommen. seine Kameradinnen Kontakte zu Soldaten anderer Waf-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 41 – Drucksache 17/900

fengattungen pflegten. Sein Unmut darüber äußerte sich hingewiesen hatte. Solche Kenntnisse aus dem privaten
in Form von unkameradschaftlichem Verhalten und ehr- Umfeld der Petentin sind keine Umstände, die ihrer Eig-
verletzenden sowie obszönen Kommentaren. So äußerte er nung, Befähigung oder Leistung zuzurechnen sind. Es
im Rahmen des „Bergfestes“ eines Einsatzkontingents in handelte sich daher um sachfremde Erwägungen, deren
Gegenwart von Soldatinnen und Soldaten „Ja, fick mich“ Verwendung und Dokumentation unzulässig war.
und spreizte dabei die Beine als eine Frau Oberfeldwebel
mit einem anderen Kameraden die Feier verließ. An einem 7.2 Schwangerschaft
darauf folgenden Tag erklärte er öffentlich: „Da sieht man,
die Soldaten anderer Waffengattungen auf unserem Block Bereits im letzten Jahresbericht hatte ich aufgrund einer
können nicht ‚Hallo’ sagen, aber unsere Weiber ficken.“ Vielzahl von Eingaben auf die Probleme im Umgang mit
Zusammen mit einem weiteren Oberstabsgefreiten lief schwangeren Soldatinnen hingewiesen. In Übereinstim-
der Soldat abends an der Unterkunft von Kameradinnen mung mit dem Bundesministerium der Verteidigung
vorbei und rief „www.hackfresse.de“. wurde als Ursache dafür vor allem der Umstand benannt,
Soldatinnen und Soldaten haben einen Anspruch darauf, dass die Fülle an Vorschriften zum Mutterschutz für den
einzelnen Vorgesetzten schwer zu überblicken sei und es
dass der Dienstherr sie vor solchen Äußerungen von Ka-
meraden schützt. Im vorliegenden Fall konnte das völlig in Folge dessen häufig zu Unklarheiten und Problemen
inakzeptable Verhalten nicht mehr mit einer einfachen bei der Rechtsanwendung komme. So war es auch in ei-
ner in diesem Jahr an mich gerichteten Eingabe.
Disziplinarmaßnahme geahndet werden, weil sich die Er-
mittlungen seit dem Dienstvergehen länger als sechs Mo- Nachdem die Petentin ihren Disziplinarvorgesetzten von
nate hingezogen hatten und somit Verfristung eingetreten ihrer Schwangerschaft unterrichtet hatte, wurde ihr Ar-
war. Gleichwohl wurde der betroffene Oberstabsgefreite beitsplatz zwar grundsätzlich als „für eine Schwangere
eindringlich wegen seines Fehlverhaltens belehrt. Vor geeignet“ begutachtet. Darüber hinaus hätte jedoch der
dem Hintergrund der festgestellten Verstöße gegen § 12 Arbeitsplatz der Soldatin einer Gefährdungsbeurteilung
und § 17 Absatz 1 Soldatengesetz war es ferner zu begrü- unter Hinzuziehung der Unfallvertrauensperson/Fach-
ßen, dass die Förmliche Anerkennung, die der Soldat we- kraft für Arbeitssicherheit unterzogen werden müssen,
gen vorbildlicher Pflichterfüllung für das Fördern des was unterblieb. Ferner hatte man es versäumt, die
kameradschaftlichen Miteinanders in der Kompanie er- Schwangerschaft bei der Aufsichtsbehörde bekannt zu
halten hatte, zurückgenommen wurde. geben. Die Unwissenheit des zuständigen Vorgesetzten
Auslandseinsätze stellen höchste Anforderungen an die wurde in dem betroffenen Bataillon zum Anlass genom-
Soldatinnen und Soldaten. Der Dienstherr ist daher be- men, eine Weiterbildungsmaßnahme zum Thema „Ge-
müht, im Rahmen der Möglichkeiten vor Ort ein mög- setzlicher Mutterschutz“ durchzuführen.
lichst breit gefächertes Angebot zur Freizeitgestaltung an- Ungeachtet dieses Einzelfalles bedauere ich es sehr, dass
zubieten. die vom Bundesministerium der Verteidigung für das Be-
In einem Feldlager im Kosovo gibt es eine Sauna, deren richtsjahr 2009 angekündigte Maßnahme, die bestehen-
Nutzung zu bestimmten Zeiten Soldatinnen vorbehalten den Vorschriften zur besseren Verständlichkeit im „Hand-
ist. Diese Zeiten wurden von einem Kommandeur in Be- buch zur Vereinbarkeit von Familie und Dienst“
gleitung eines weiteren Offiziers missachtet. Sie betraten (Allgemeiner Umdruck 1/500) als Leitfaden in Form ei-
trotz eines entsprechenden Hinweises von anwesenden nes Überblicks zum Verfahren und zur Weisungslage be-
Soldatinnen den Ruheraum der Frauensauna. Nach einem züglich des Umgangs mit schwangeren Soldatinnen auf-
erneuten Hinweis, dass alle Frauen nackt seien, erwiderte zunehmen, erst im Januar 2010 umgesetzt wurde.
der betroffene Offizier sinngemäß, dass dies nicht sein
Problem sei und die Soldatinnen sich etwas anziehen soll- Anders als der oben beschriebene, auf Unkenntnis der
ten. Ein derartiges Auftreten ist inakzeptabel. Beide Offi- Rechtsvorschriften beruhende Fall war die folgende Ein-
ziere hätten die Privat- und Intimsphäre der anwesenden gabe einer Soldatin gelagert. Das Verhalten ihres Vorge-
Soldatinnen respektieren und sich einen Saunabesuch in setzten war von einer generellen Ablehnung gegenüber
dieser Zeit versagen müssen. Auch die Äußerung des Of- weiblichen Soldaten geprägt und verschlimmerte sich
fiziers entsprach in keiner Weise dem gebotenen Maß an noch, als feststand, dass die Petentin schwanger war. Der
Zurückhaltung in einer derart prekären Situation. Hinzu betroffene Vorgesetzte im Rang eines Offiziers äußerte
kam schließlich, dass eine angemessene Entschuldigung beispielsweise gegenüber einem Kameraden, dass die
gegenüber den Kameradinnen nicht unverzüglich, son- Soldatin nur schwanger geworden sei, um nicht in den
dern erst bei einem späteren Gespräch erfolgte. Auslandseinsatz zu müssen, was nunmehr andere Offi-
ziere „auszubaden“ hätten. Hinzu kam, dass die Spannun-
Ein weiterer Fall zeigt, wie schwer es einigen Soldaten gen zwischen der Petentin und dem Offizier durch wei-
nach wie vor fällt, sich bei Beurteilungen und Stellung- tere Vorgesetzte wahrgenommen wurden, ohne dass diese
nahmen zu Anträgen von Soldatinnen von einem über- darauf reagierten. Gegen den Offizier wurde ein strenger
kommenen Rollenverständnis zu lösen. Eine Petentin Verweis verhängt. Ferner fand durch den zuständigen
beschwerte sich zu Recht darüber, dass ihr Disziplinar- Kommandeur eine Unterrichtung der Offiziere seiner
vorgesetzter in seiner ablehnenden Stellungnahme zu Einheit zum Thema „Mobbing“ und zu einer zweckmäßi-
einem Antrag auf Weiterverpflichtung und Laufbahn- gen sowie zielführenden Vorgehensweise in einem sol-
wechsel auf ihre Situation als alleinerziehende Mutter chen Fall statt.
Drucksache 17/900 – 42 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

7.3 Militärische Gleichstellungsbeauftragte zivile oder militärische Angehörige des Stabes zurückzu-
greifen. Durch diese fortlaufende Diskontinuität des Un-
2009 fand die Neuwahl der Gleichstellungsbeauftragten terstützungspersonals wird ihre Arbeit, die ein hohes Maß
statt. Das möchte ich zum Anlass nehmen, mich bei den an Vertrauen zwischen Soldatinnen oder Soldaten und der
bisherigen Amtsinhaberinnen für die engagierte und ver- Gleichstellungsbeauftragten erfordert, außerordentlich er-
trauensvolle Zusammenarbeit zu bedanken. Die erste Mi- schwert.
litärische Gleichstellungsbeauftragte beim Bundesminis-
terium der Verteidigung, Frau Hauptbootsmann Daniela
Klante, versah ihre Aufgabe mit außerordentlich großem 8 Vereinbarkeit von Familie und Dienst
Engagement. Dafür sage ich meinen ganz persönlichen
Bereits im Jahr 2007 hat der Generalinspekteur der Bun-
Dank und wünsche ihr sowie allen bisherigen Amtsinha-
deswehr die Teilkonzeption Vereinbarkeit von Familie
berinnen alles Gute und weiterhin viel Erfolg in der Bun-
und Dienst in Kraft gesetzt. Sie bildet die konzeptionelle
deswehr.
Grundlage für die Verbesserung der Vereinbarkeit von Fa-
Nach meiner eigenen Erfahrung leisten die Gleichstel- milie und Dienst. Seither wird an ihrer Umsetzung gear-
lungsbeauftragten durch Beratung und Hilfestellung in beitet. Einige Ansätze haben bereits Niederschlag in ge-
gleichstellungsrelevanten Fragen einen substanziellen änderten Vorschriften und Pilotprojekten gefunden.
Beitrag zur Förderung der Gleichstellung in der Bundes-
Dennoch stiegen die Eingaben zu diesem Thema im Be-
wehr. Bei Gesprächen mit ihnen habe ich immer wieder
richtsjahr erneut an. Offenbar sehen viele Soldatinnen
festgestellt, dass sie großes Vertrauen genießen. Gerade in
und Soldaten noch keine spürbaren Erleichterungen. Der
Konflikten und Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten
Unmut wird zum Beispiel in der Äußerung eines Petenten
nehmen sie regelmäßig eine Vermittlerrolle ein. Darüber
deutlich, dass „Familienzusammenführung in der Bun-
hinaus werden sie beispielsweise häufig bei Problemen
deswehr noch nicht so gefördert wird, wie dies in den
im Zusammenhang mit Versetzungen oder Verwendungs-
Medien immer angepriesen werde“. Auch der Begriff
planungen aktiv und beraten in allen Fragen, die die Ver-
„Alibi-Projekt“ in Bezug auf die Teilkonzeption war zu
einbarkeit von Familie und Dienst betreffen.
lesen.
Nicht selten waren in Stellungnahmen der Gleichstel-
lungsbeauftragten die entscheidenden Hinweise für die Die Durchführung und Umsetzung der Pilotprojekte ver-
Beurteilung einer Eingabe enthalten und mit ihrer Hilfe folge ich aufmerksam. Auffallend ist, dass sie überwie-
konnte Petenten schnell und unbürokratisch geholfen gend unter der Prämisse stehen, keine zusätzlichen Haus-
werden. Den neu Gewählten und ihren Stellvertreterinnen haltsmittel aus dem Einzelplan 14 aufzuwenden. Ich habe
wünsche ich viel Erfolg bei ihrer Arbeit und der Umset- Zweifel, dass substantielle und nachhaltige Verbesserun-
zung ihrer Ziele. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit gen kostenneutral realisierbar sind. Es wäre erfreulich,
mit ihnen und möchte stellvertretend die militärische wenn die nach der letzten Bundestagswahl von der neuen
Gleichstellungsbeauftragte beim Bundesministerium der Koalition getroffenen Vereinbarungen für ein Maßnah-
Verteidigung, Frau Oberleutnant Mona Stuber, nennen. menpaket zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in
der Bundeswehr und für Verbesserungen der Vereinbar-
Leider ist das von mir im letzten Jahresbericht angespro- keit von Familie und Dienst sowie für die Schaffung von
chene Problem der unzureichenden personellen Unter- Kinderbetreuungsmöglichkeiten finanzielle Spielräume
stützung der Gleichstellungsbeauftragten noch nicht öffnen würden.
abschließend gelöst. Ich freue mich, dass die Arbeit der
Gleichstellungsbeauftragten im Kommando der 4. Luft- Die Teilkonzeption formuliert unter anderem klare Forde-
waffendivision Unterstützung erfährt. Auch wurde in der rungen im Hinblick auf eine „familienorientierte Perso-
Stammdienststelle der Bundeswehr ein Dienstposten nalführung“. Dies ist sehr zu begrüßen, denn vor allem
„Stabsunteroffizier/Unteroffizier – Unterstützungsperso- die langfristige Planbarkeit erleichtert Soldatenfamilien
nal für GleiBmil SDBw“ eingerichtet Damit besteht aller- ihre Lebensgestaltung und führt zur Berufszufriedenheit.
dings nur eine administrative und keine fachspezifische Der Stellenwert einer intakten familiären Bindung für die
Unterstützung. Der Dienstposten soll 2010 im Zuge der Motivation zur Erfüllung des dienstlichen Auftrages kann
nächsten STAN-Erörterungen erneut begutachtet werden. nicht oft genug erwähnt werden. Derzeit wird in ausge-
Ich hoffe, dass dabei der umfangreichen Arbeit der wählten personalbearbeitenden Stellen mit 1 200 Offi-
Gleichstellungsbeauftragten in der Stammdienststelle der zieren ein Pilotprojekt zum Personalmanagement durch-
Bundeswehr Rechnung getragen und entsprechend fach- geführt. Gemeinsam versuchen Personalführung und
kundiges Unterstützungspersonal zur Verfügung gestellt Betroffene Zielvorstellungen zu entwickeln, die die Ver-
wird. wendungswünsche im Hinblick auf eine möglichst lang-
fristige individuelle Planungsperspektive mit den Erfor-
Nach wie vor kritisch sehe ich die Lage im Sanitätsdienst, dernissen des militärischen Personalmanagements soweit
wo es aufgrund der hohen Frauenquote zu einer vermehr- wie möglich in Einklang bringen. Die Zielvorstellungen
ten Inanspruchnahme der Gleichstellungsbeauftragten werden schriftlich festgehalten und periodisch aktuali-
kommt. Im Sanitätsführungskommando beispielsweise siert. Unteroffiziere sind vorerst nicht einbezogen, weil
beschränkt sich die Unterstützung auf ablauforganisatori- sie in der Regel länger auf einem Dienstposten und an ei-
sche Regelungen. Das hat zur Folge, dass die Gleichstel- nem Standort verwendet werden. Ende 2010 wird es erste
lungsbeauftragte gezwungen ist, auf unterschiedliche Erkenntnisse zu dem Projekt geben.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 43 – Drucksache 17/900

Bereits jetzt sind Vorgesetzte und Personalführung in den Um diese Schwierigkeiten anzugehen und insgesamt die
Zentralen Dienstvorschriften 10/1 und 20/1 ausdrücklich Betreuungssituation für die Kinder von Bundeswehrange-
aufgefordert, auf familiäre und partnerschaftliche Be- hörigen zu verbessern, wurde in den vergangenen beiden
lange der Soldatinnen und Soldaten bei der Umsetzung Jahren im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidi-
dienstlicher Erfordernisse Rücksicht zu nehmen. Ent- gung von der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung
scheidend ist, dass dabei Ermessensspielräume erkannt und Betrieb mbH (g.e.b.b.) ein Pilotprojekt zur Realisie-
und genutzt werden. rung von Kinderbetreuungslösungen durchgeführt, das
ich bereits in meinem letzten Jahresbericht angesprochen
Dazu ein positives Beispiel: hatte. An zehn ausgewählten Standorten wurde eine Be-
darfsanalyse erstellt. Im Berichtsjahr konnten so zum
Ein Kompaniechef stellte einen Stabsunteroffizier, der für
Beispiel am Standort Seedorf 40 und am Standort Wes-
den Auslandeinsatz vorgesehen war, dem aber wegen der
terstede zwölf Belegplätze in Kindertageseinrichtungen
unregelmäßigen Arbeitszeiten seiner Ehefrau ein bedeu-
neu geschaffen werden.
tender Teil der Betreuung der zweijährigen Tochter oblag,
auf den letzten Platz des „Sicherheitszuschlages“ für ein Nach den bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt zeich-
Einsatzkontingent. Damit war eine Teilnahme am Aus- net sich unter anderem bei den Bundeswehrkrankenhäu-
landseinsatz für den Soldaten äußerst unwahrscheinlich. sern und Universitäten der Bundeswehr ein größerer Be-
treuungsbedarf ab. Für die Universität der Bundeswehr
Das Bundesministerium der Verteidigung selbst hat den
München etwa wurde ein dauerhaft gesicherter Bedarf für
Anspruch, familienfreundliche Strukturen aufzuweisen
eine Krippe mit 36 Plätzen festgestellt. Da Belegrechte in
und nimmt am Zertifizierungsverfahren des „audit beruf-
anliegenden Kindergärten nach Einschätzung der Projekt-
undfamilie“ teil. Die Zertifizierung liegt vor und soll im
verantwortlichen nicht realisierbar sind, wird die Errich-
Sommer 2010 offiziell erteilt werden. Damit ist doku-
mentiert, dass sich das Ministerium Ziele zur Weiterent- tung eines Betriebskindergartens erwogen und geprüft, ob
wicklung familienfreundlicher Angebote in den Berei- eine Betreiber- oder eine Eigenlösung wirtschaftlicher ist.
chen Arbeitszeit, Arbeitsplatz, Führungskompetenz und Darüber hinaus finden momentan an mehr als 30 Stand-
Personalentwicklung gesetzt hat. Da das Verfahren alle orten Bedarfserhebungen statt. Positiv ist anzumerken,
drei Jahre wiederholt wird, ist eine kontinuierliche Über- dass im Zuge der Projektphase über 9 000 bereits beste-
prüfung und Weiterentwicklung sichergestellt. Gut wäre hende Belegrechte an 150 Standorten und 350 Betreu-
es, wenn das Zertifizierungsverfahren auf die gesamten ungseinrichtungen „wieder entdeckt“ wurden. Diese kön-
Streitkräfte ausgeweitet würde. nen nun über die Sozialdienste abgefragt werden.

8.1 Kinderbetreuung Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt sind im vorläufi-


gen „Leitfaden Kinderbetreuung – Empfehlungen zur
Angesichts häufiger Versetzungen, Kommandierungen, Vorgehensweise am Standort“ gebündelt, der als Anlage 6
Auslandseinsätze und vielfältiger sonstiger dienstlicher des Allgemeinen Umdrucks 1/500 veröffentlicht ist.
Verpflichtungen ist die Kinderbetreuung für viele Solda- Diese Anleitung soll es jedem Standort ermöglichen, für
tinnen und Soldaten das wichtigste Thema im Hinblick sich eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung zu realisieren.
auf die Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Über
30 000 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren leben in Sol- Der Leitfaden betont, dass Lösungen den Vorrang erhal-
datenfamilien. ten, die keinen Einsatz von Haushaltsmitteln aus dem
Einzelplan 14 erfordern. Andere Maßnahmen sollen nur
Die Probleme, mit denen sich die Soldatinnen und Solda- ausnahmsweise und unter der Voraussetzung des Nach-
ten im Zusammenhang mit Fragen der Kinderbetreuung weises der Wirtschaftlichkeit in Betracht kommen. Au-
an mich wandten, betrafen vor allem unzureichende Kin- ßerdem sieht der Leitfaden vor, dass die Standortältesten
derbetreuungsmöglichkeiten am Standort. Um mir ein für die Prüfung sowie Einleitung von Maßnahmen zur
persönliches Bild von der Situation vor Ort zu machen, Deckung des anfallenden Kinderbetreuungsbedarfs ver-
habe ich im vergangenen Jahr verschiedene Kinderbe- antwortlich sind. Auch wenn das Streitkräfteamt und die
treuungseinrichtungen innerhalb und außerhalb der Bun- g.e.b.b. beratend unterstützen und Kommandeurinnen
deswehr besucht. Neben der Betreuung selbst war auch und Kommandeure sowie Dienststellenleiterinnen und
die Frage der Übernahme zusätzlicher Betreuungskosten Dienststellenleiter einzubeziehen sind, wird voraussicht-
während eines Lehrgangs Gegenstand zahlreicher Einga- lich deutliche Mehrarbeit auf die Standorte zukommen.
ben und Gespräche. Darüber hinaus wurde auf Schwierig- Ein besonderes Augenmerk wird deshalb darauf zu legen
keiten bei der Kinderbetreuung während eines Auslands- sein, ob dies mit der vorhandenen Personalstruktur zu
einsatzes hingewiesen. leisten ist.
Die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen ist Aufgabe Besondere Engpässe in der Kinderbetreuung können
der Länder und Kommunen. Die entsprechenden Einrich- auftreten, wenn sich ein Elternteil im Auslandseinsatz be-
tungen sind auch von Bundeswehrangehörigen zu nutzen. findet. In einem solchen Fall besteht grundsätzlich die
Mehr als andere Familien sind Soldatenfamilien aber auf Möglichkeit, sich an das zuständige Familienbetreuungs-
flexible Anmeldefristen, erweiterte Öffnungszeiten und zentrum (FBZ) zu wenden. Eine solide Finanzausstattung
„gemeindefremde“ Kinderbetreuung angewiesen. der FBZ für diesen Zweck ist absolut notwendig.
Drucksache 17/900 – 44 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Hervorheben möchte ich das am 29. April 2009 frei ge- lich erachtet. In einer bis zum 31. März 2010 angelegten
schaltete Kinderbetreuungsportal, das im Intranet der Fragebogenaktion werden die Soldatinnen und Soldaten
Bundeswehr und erfreulicherweise nun auch im geschütz- mit ausbildungsbedingtem zusätzlichen Kinderbetreu-
ten Zugriff über das Internet für neun Pilotstandorte ver- ungsbedarf über die entstandenen Kosten befragt. Nach
fügbar ist. Es bietet zahlreiche Informationen, Links und Auswertung der Fragebogenaktion durch das Sozialwis-
Dokumente zum Download rund um das Thema Kinder- senschaftliche Institut der Bundeswehr soll entschieden
betreuung sowie einen Live-Chat zum direkten Aus- werden, ob und in welchem Umfang eine gesetzliche
tausch. Unter Eingabe unterschiedlicher Kriterien kann Grundlage für die Erstattung von Betreuungskosten im
nach einer geeigneten Kinderbetreuungsmöglichkeit an Rahmen von Aus-, Fort-, und Weiterbildungsmaßnahmen
den Pilotstandorten gesucht werden. Aufgeführt sind im Sinne von § 10 Soldatinnen- und Soldatengleichstel-
auch Ansprechpartner für die noch nicht im Projekt er- lungsgesetz geschaffen wird. Die Fragebogenaktion legt
fassten Standorte. Die Angebote unterliegen einer ständi- den Schluss nahe, dass auch hier letztlich die Kostenfrage
gen Weiterentwicklung, wobei der Informationsbedarf darüber entscheiden wird, ob die Soldatinnen- und Solda-
und die Änderungswünsche einbezogen werden sollen. ten mit Erleichterungen rechnen können. Es ist nachvoll-
Ich empfehle den Soldatinnen und Soldaten, durch reges ziehbar, wenn eine Soldatin Unverständnis zeigt, dass die
Feedback die Chance zu nutzen, das Portal ihren Wün- Zivilbeschäftigten der Bundeswehr auf der Grundlage des
schen entsprechend bedarfsgerecht auszubauen. Bis Ende Bundesgleichstellungsgesetzes (BGleiG) in begründeten
2010 soll darüber entschieden werden, ob es bundeswehr- Einzelfällen Kinderbetreuungsausgaben im Rahmen von
weit eingesetzt wird. Im Sinne der Familien hoffe ich, Fortbildungsmaßnahmen erstattet bekommen, während es
dass dies der Fall sein wird und dass, wie angekündigt, ab für Soldatinnen und Soldaten keine entsprechende Rege-
dem Jahr 2011 jeder Standort eine Aufnahme in dieses lung gibt.
Portal beantragen kann.
An dieser Stelle möchte ich mich für den Erkenntnisge- 8.2 Elternzeit
winn zu der geschilderten Thematik aus den verschie-
denen Begegnungen mit den Mitarbeitern der g.e.b.b., Elternzeit wird von Soldatinnen und Soldaten verstärkt in
insbesondere dem Mitglied der Geschäftsleitung, Gene- Anspruch genommen. Die dadurch bedingten Vakanzen
ralmajor Gertmann Sude, herzlich bedanken. Die bisher müssen kompensiert werden. Hiervon ist besonders der
geleistete Arbeit zur Ausweitung des Kinderbetreuungs- Sanitätsdienst aufgrund seines hohen Frauenanteils be-
angebots verdient Anerkennung. Sie sollte weitergeführt troffen.
und die daraus resultierenden guten Vorschläge sollten
Bisher ist eine Ersatzregelung nur möglich, wenn die Eltern-
umgesetzt und vor allem mit der notwendigen haushalts-
zeit mindestens zwölf Monate umfasst. Das Bundesministe-
mäßigen Ausstattung versehen werden.
rium der Verteidigung hat angekündigt, die Mindestzeit auf
Nach wie vor läuft an 36 Bundeswehrstandorten das sechs Monate zu reduzieren und das Bundesministerium
Pilotprojekt der Eltern-Kind-Arbeitszimmer. In dem mit der Finanzen aufgefordert, entsprechende Änderungen in
einem Computerarbeitsplatz ausgestatteten Arbeitszim- das Haushaltsgesetz 2010 einzubringen. Eine rasche Um-
mer mit angebundenem Kinderspielzimmer haben Eltern setzung wäre notwendig, um die Mehrbelastungen für die
die Möglichkeit, ihre Kinder im Alter von sechs Monaten Kameraden und Kameradinnen der Soldatinnen und Sol-
bis 18 Jahren vor Ort zu betreuen. An bis zu 20 Tagen pro daten in Elternzeit zu verringern. Damit einher geht die
Jahr sollen so besondere Notsituationen aufgefangen wer- Notwendigkeit, entsprechend ausgebildetes Personal für
den. In Ausnahmefällen können auch längere Betreu- die Vertretungen verfügbar zu haben. Die Personalfüh-
ungszeiten zugelassen werden. Nach den bisherigen Er- rung ist gefordert, die zur Kompensation elternzeitbe-
fahrungen wird die Einrichtung mit unterschiedlicher dingter Vakanzen angekündigten personellen Maßnah-
Auslastung gut angenommen. Die Evaluation nach Ab- men zügig umzusetzen und im erforderlichen Umfang das
schluss der Pilotphase wird Aufschluss über eine Auswei- notwendige Ersatzpersonal zu beschäftigen. Den durch
tung auf andere Standorte und die dauerhafte Einführung das Bundesministerium der Verteidigung aufgezeigten
der Eltern-Kind-Arbeitszimmer geben. Leider stehen bis- Weg, zum Beispiel die Verpflichtungs- oder Dienstzeit re-
her dafür keine gesonderten Haushaltsmittel zur Verfü- gional verfügbaren Personals mit entsprechender Qualifi-
gung. Die Zimmer werden mit bis zu 1 000 Euro aus dem kation zu verlängern, Zeitverträge für ehemalige Soldaten
Zentralen Betreuungsfonds finanziert. auf Zeit oder sonstige Seiteneinsteiger für die Dauer der
Vakanzen anzubieten beziehungsweise vermehrt Reser-
Die im Vorjahr angesprochene Problematik der Erstattung visten einzusetzen, halte ich für praktikabel. Er ermög-
von zusätzlichen Kosten für eine Kinderbetreuung, die licht kurzfristige flexible Lösungen.
anfallen, wenn Lehrgänge und Fortbildungsmaßnahmen
nicht am Dienstort stattfinden, ist bedauerlicherweise Als weitere Option plant das Bundesministerium der Ver-
nach wie vor nicht geklärt. Vor dem Hintergrund, dass das teidigung mehr Flexibilität bei der Teilzeitbeschäftigung,
gesamte Berufsleben der Soldatinnen und Soldaten von die anstelle von Elternzeit in Anspruch genommen wer-
Aus-, Fort- und Weiterbildung geprägt und die Zahl der den kann. Ein Gesetzgebungsverfahren zur Änderung von
Veranstaltungen entsprechend hoch ist, hat das Bundes- § 30a Soldatengesetz mit dem Ziel, Teilzeitbeschäftigung
ministerium der Verteidigung eine intensive Ermittlung während des Anspruchszeitraums auf Elternzeit mit weni-
der voraussichtlich anfallenden Folgekosten für erforder- ger als der bisher erforderlichen Hälfte der Rahmen-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 45 – Drucksache 17/900

dienstzeit zu ermöglichen, wird voraussichtlich Anfang arbeitern eines Autohauses und in Gegenwart eines
des Jahres 2010 angestoßen. Unteroffiziers über einen weiblichen, abwesenden Stabs-
unteroffizier: „Zur Belohnung könnte mir die Alte aus
Für Soldatinnen und Soldaten, die Elternzeit beantragen, dem Gezi einen blasen.“
ist die rechtzeitige Bearbeitung ihrer Anträge von immen-
ser Bedeutung. In beiden Fällen handelt es sich um sexistische, verach-
tende und abwertende Äußerungen über Kameradinnen.
Hierzu ein Beispiel: Erschwerend kam hinzu, dass sie in Anwesenheit von
Eine durch mehrere Stellen über Wochen verzögerte Be- Dienstgradniedrigeren erfolgten, so dass der Eindruck
arbeitung des Antrages eines Hauptfeldwebels auf Eltern- entstehen konnte, es sei zulässig, sich verachtend über
zeit führte dazu, dass er seinen Jahresurlaub einbringen Kameradinnen zu äußern. Das Verhalten des Hauptfeld-
musste, um seine neugeborenen Zwillinge betreuen zu webels wurde mit einer Disziplinarbuße geahndet. Zudem
können. Auch einen Anspruch auf Bezug von Elterngeld wurde er versetzt.
konnte er ohne die Bewilligung der Elternzeit nicht gel- In einem anderen Fall wurde die Intimssphäre einer Ka-
tend machen. meradin in eklatanter Weise verletzt:
Möglichst frühzeitige Rechtssicherheit ist außerdem bei Ein Fähnrich wandte sich gegen seine Entlassung, die mit
der Festsetzung von Dienstzeitverlängerungen im Zusam- seiner mangelnden Eignung zum Offizier der Bundes-
menhang mit der Elternzeit wünschenswert. Zeitsoldaten wehr begründet wurde. Der Fähnrich war in unberechtig-
und -soldatinnen, die ein Studium oder eine Fachausbil- ter Weise an Handyfotos einer Offizieranwärterin gelangt,
dung von mehr als sechs Monaten durchgeführt haben, die diese bei sexuellen Handlungen mit ihrem Freund
müssen die Elternzeit grundsätzlich nachdienen. Den Be- zeigten. Diese Aufnahmen leitete er anschließend – ohne
scheid über eine entsprechende Dienstzeitverlängerung Wissen und Zustimmung der Offizieranwärterin – an an-
erhielt eine Soldatin erst, als sie sich bereits im Berufsför- dere Kameraden weiter. Gegen den Fähnrich wurde eine
derungsdienst befand. Der Fall wurde vom Bundesminis- Disziplinarbuße verhängt. Seine Klage gegen die Entlas-
terium der Verteidigung zum Anlass genommen, zu prü- sung wurde rechtskräftig abgewiesen.
fen, ob künftig bereits im Bescheid über die Gewährung
Über diese Fälle hinaus hat mir das Bundesministerium
der Elternzeit die Entscheidung darüber getroffen werden
der Verteidigung 83 dienstliche Meldungen über straf-
kann, ob die Voraussetzungen des Nachdienens vorliegen.
rechtlich relevante Verstöße von Soldaten gegen das
Damit wäre die erforderliche Planungssicherheit für die
Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung übermittelt.
Soldatinnen und Soldaten gegeben. 20 Fälle davon gehören in den Bereich Verbreitung, Er-
werb und Besitz kinderpornographischer Schriften
9 Sexuelle Straftaten, Diskriminierung und (§ 184b StGB). In der überwiegenden Anzahl dieser Fälle
Belästigung hatten die Soldaten Bilddateien oder Videos mit entspre-
chenden Darstellungen auf ihre privaten Laptops, Handys
Auch 2009 erreichten mich Eingaben zu Fehlverhalten
oder Multimedia-Player heruntergeladen und diese in der
und Straftaten mit sexuellem Hintergrund. Hierzu zählen
Kaserne betrachtet. In wenigen Fällen wurden hierfür
nicht nur Straftaten gegen das Rechtsgut der sexuellen
auch Dienstcomputer beziehungsweise -server genutzt.
Selbstbestimmung, sondern auch sexuell motivierte Be-
Eine Reihe dieser Straftaten, die grundsätzlich die Entlas-
lästigungen oder Diskriminierungen.
sung der überwiegend länger dienenden Soldaten zur
Ein Beispiel für einen sexuell motivierten und diskrimi- Folge hatten, konnten aufgedeckt werden, weil sie von
nierenden tätlichen Übergriff im Dienst zeigt folgender Kameradinnen und Kameraden entdeckt und den Vorge-
Sachverhalt: setzten gemeldet wurden. Dieses couragierte Vorgehen
verdient Anerkennung.
Ein Oberfeldwebel fasste den Nacken einer ihm unter-
stellten Kameradin gegen deren Willen und zog ihren Allen Verletzungen des Rechtsguts der sexuellen Selbst-
Kopf anschließend grinsend in Richtung seines Genital- bestimmung, jeder sexuellen Belästigung und Diskrimi-
bereichs. Anschließend bezeichnete er die Soldatin nierung sowie jeder Verletzung der Intimssphäre muss
anderen Kameraden gegenüber abfällig mit den Worten: mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegengetreten
„… auch so ein Miststück.“ Gegen den Soldaten wurde werden. Das geschieht auch, wie die Beispiele zeigen.
ein gerichtliches Disziplinarverfahren eingeleitet. Darü- In diesem Berichtsjahr erreichten mich erneut einige Ein-
ber hinaus wurde er für sein Verhalten auch strafrechtlich gaben, in denen die Diskriminierung einer Soldatin oder
zur Verantwortung gezogen. eines Soldaten wegen deren homosexuellen Orientierung
Ein Beispiel für sexuelle Diskriminierung allein durch eine Rolle spielte. Auch wenn nach nunmehr geltender
verbale Äußerungen stellt folgender Fall dar: Rechtslage jede Benachteiligung von homosexuellen Sol-
datinnen und Soldaten untersagt ist, kann eine faktische
Bei einer Besprechung in Gegenwart von Untergebenen Benachteiligung nicht absolut ausgeschlossen werden.
sagte ein Hauptfeldwebel über einen nicht anwesenden Vor diesem Hintergrund kann nicht oft genug angemahnt
weiblichen Oberfeldwebel: „… seit wann richte ich mich werden, Benachteiligungen, diskriminierendes Verhalten
nach ihr, die hat ja einen Schlitz.“ Derselbe Hauptfeldwe- oder unangemessenen Umgang Vorgesetzten zu melden.
bel äußerte sich bei einem Dienstgang, bei dem ein Fahr- Der offene aber sensible Umgang mit eventuellen Proble-
zeug aus einer Werkstatt abzuholen war, gegenüber Mit- men, die sich im Zusammenhang mit der Homosexualität
Drucksache 17/900 – 46 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

einer unterstellten Soldatin oder eines Soldaten ergeben lut ungerechtfertigt. Ungeachtet dessen kann im Einzel-
können, sollte für Vorgesetzte selbstverständlich sein. In fall nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein Wehr-
diesem Zusammenhang halte ich es allerdings auch für pflichtiger so sehr schämt, dass ihm die Untersuchung
erforderlich, Vorgesetzten Hilfestellung zu leisten und ih- nicht möglich erscheint. In diesem Fall, so hat mir das
nen Wege aufzuzeigen, wie sie mit dem Thema souverän Bundesministerium der Verteidigung versichert, wird er
umgehen können. Nur so wird es auf Dauer möglich sein, auch nicht zu der musterungsärztlichen Untersuchung der
ein Klima des kameradschaftlichen Umgangs, der Tole- Genitalien gezwungen. Wünscht er eine Untersuchung
ranz und der gebotenen Zurückhaltung zu schaffen. Dank durch eine gleichgeschlechtliche ärztliche Person, wird
möchte ich an dieser Stelle dem Arbeitskreis Homo- diese im Rahmen der personellen Kapazitäten des Kreis-
sexueller Angehöriger der Bundeswehr (AHsAB e.V.) sa- wehrersatzamtes ermöglicht. Steht eine solche nicht zur
gen, der durch seine engagierte Arbeit eine wichtige Verfügung, wird dem Wehrpflichtigen eine Untersuchung
Stütze für homosexuelle Soldatinnen und Soldaten ist. der Genitalorgane durch eine in ziviler Praxis niederge-
lassene ärztliche Person angeboten. Hierzu erhält er eine
10 Wehrpflicht Überweisung. Ich rege an, auf diese Möglichkeit im
Merkblatt zu den Musterungsunterlagen hinzuweisen.
Die Debatte um die Wehrgerechtigkeit und die Zukunft
der Wehrpflicht wurde im Berichtsjahr unverändert wei- Probleme im Zusammenhang mit der Ableistung der
tergeführt. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) ver- Wehrpflicht treten mitunter bei Wehrpflichtigen mit dop-
warf eine Vorlage des Verwaltungsgerichts Köln zur Ver- pelter Staatsangehörigkeit auf. Sie müssen in Deutsch-
fassungswidrigkeit der derzeitigen Einberufungspraxis land Wehrdienst leisten, es sei denn bilaterale Abkommen
als unzulässig. Es bestätigte damit die Rechtsprechung mit dem zweiten Heimatstaat eröffnen ihnen ein Wahl-
des Bundesverwaltungsgerichts, nach der das Gebot der recht. So ist es im Verhältnis zu Dänemark. Ist ein deut-
Wehrgerechtigkeit bereits dann erfüllt ist, wenn der weit- scher Wehrpflichtiger zugleich dänischer Staatsbürger,
aus überwiegende Teil aller verfügbaren jungen Männer kann er bis zur Vollendung des 19. Lebensjahr wählen, in
zum Grundwehrdienst einberufen wird. Auf dieser Basis welchem Land er Wehrdienst leisten will. Die Kreiswehr-
ergab sich in den Jahren 2000 bis 2009 eine durchschnitt- ersatzämter sind verpflichtet, im Rahmen der Musterung
liche Ausschöpfungsquote von 82,8 Prozent. über dieses Wahlrecht zu informieren. In zwei mir be-
kannt gewordenen Fällen ist das nicht geschehen.
Die Wehrpflicht war auch Inhalt der Koalitionsverhand-
lungen. Nach Einschätzung der Koalitionsparteien hat Im ersten Fall wurde es schlichtweg versäumt, einem
sich die Wehrpflicht bewährt, wenngleich es in der Koali- 18jährigen Wehrpflichtigen bei der Musterung ein ent-
tion unterschiedliche Auffassungen über die langfristige sprechendes Merkblatt auszuhändigen. Im zweiten Fall
Beibehaltung der Wehrpflicht gibt. Vor dem Hintergrund wurde auf die Aushändigung des Merkblattes verzichtet,
der veränderten sicherheitspolitischen Lage, des Auftra- weil der Wehrpflichtige das 19. Lebensjahr bereits über-
ges und des Aufgabenspektrums der Bundeswehr soll die schritten hatte und das Wahlrecht deshalb bereits verfris-
Dauer der Wehrpflicht allerdings auf sechs Monate redu- tet war. Beide Fälle wurden auffällig, als die jungen Män-
ziert werden. Mit der Verkürzung des Wehrdienstes wird ner, die ihren Wehrdienst in Dänemark ableisten wollten,
die Zahl der Einberufungen steigen und damit die Wehr- von den deutschen Wehrersatzbehörden angeschrieben
gerechtigkeit erhöht. Offen ist, wie der verkürzte Wehr- wurden. Aufgrund der besonderen Umstände der jeweili-
dienst ausgestaltet werden soll. Aus meiner Sicht muss gen Fälle verzichteten die zuständigen Kreiswehrersatz-
eine optimale Ausbildung mit einer vernünftig und sinn- ämter auf eine Einberufung in Deutschland und ermög-
stiftend ausgelegten Dienstzeit im Mittelpunkt stehen. lichten den Betroffenen damit die Ableistung der
Die Arbeiten der vorgesehenen Kommission, die einen Wehrpflicht in Dänemark. Außerdem hat das Bundesamt
Vorschlag für die Eckpunkte einer neuen Organisations- für Wehrverwaltung diese Fälle zum Anlass genommen,
struktur erarbeiten soll, werden innerhalb und außerhalb die Wehrersatzbehörden anzuweisen, Wehrpflichtigen,
der Bundeswehr mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. die im Fragebogen zur Musterungsvorbereitung angeben,
Mehrfach wurde im Berichtsjahr von Wehrpflichtigen eine doppelte Staatsangehörigkeit zu haben, künftig nach
Kritik an Genitaluntersuchungen im Rahmen der Muste- Rücksendung des Bogens stets das entsprechende Merk-
rung geäußert. Kern der Kritik war, dass die Untersu- blatt zu übersenden.
chungen zunehmend von Ärztinnen bei gleichzeitiger An-
wesenheit weiblichen Assistenzpersonals durchgeführt 10.1 Vorzeitige Entlassung aus dem
werden und die Wehrpflichtigen dadurch in ihrem Wehrdienst
Schamgefühl verletzt würden. Grundsätzlich ist festzu-
stellen, dass die Ganzkörperuntersuchung zur Prüfung der Im Berichtsjahr haben mich zahlreiche Eingaben erreicht,
Wehr- und Dienstfähigkeit zwingend erforderlich ist. Das in denen Wehrdienstleistende eine vorzeitige Entlassung
Berufsethos der Ärztinnen und Ärzte sieht „geschlechtli- aus dem Grundwehrdienst begehrten. Soweit sie hierfür
che Neutralität“ vor, sie ist ein wesentlicher Faktor der keine gesundheitlichen Gründe geltend machten, begrün-
Professionalität. Im Übrigen sind die Ärztinnen und As- deten sie ihr Anliegen in der Regel mit ihrer Ausbil-
sistentinnen in Bezug auf diese Thematik in hohem Maße dungssituation beziehungsweise einem zugesicherten
sensibilisiert. Ihnen pauschal mangelndes Taktgefühl oder in Aussicht gestellten Ausbildungsplatz. In wenigen
oder gar sexuelle Motive zu unterstellen, ist deshalb abso- Fällen wurde dem Wunsch der Petenten, aus Ausbil-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 47 – Drucksache 17/900

dungsgründen vorzeitig aus dem Wehrdienst entlassen zu Umgekehrt erreichten mich auch Eingaben, in denen
werden, entsprochen. Wehrdienstleistende kritisierten, gegen ihren Willen aus
gesundheitlichen Gründen vorzeitig beziehungsweise vo-
So wurde beispielsweise ein Wehrpflichtiger unter Hin- rübergehend aus dem Dienst in der Bundeswehr entlassen
weis auf die Härtefallregelung nach § 29 Absatz 4 Num- worden zu sein. Die Gründe für die vorzeitige bezie-
mer 1 Wehrpflichtgesetz vorzeitig aus dem Wehrdienst hungsweise vorübergehende Entlassung waren in den
entlassen. Entscheidend war, dass ihm nach vielen ver- überprüften Fällen jedoch nicht zu beanstanden. Aus mei-
geblichen Bemühungen erst nach Antritt des Wehrdiens- ner Sicht hat die Bundeswehr hier fürsorglich und letzt-
tes unerwartet ein Ausbildungsplatz angeboten worden lich im Sinne der Petenten gehandelt.
war.
Bei Petenten, die eine vorzeitige Entlassung aus dem 10.2 Kriegsdienstverweigerung
Wehrdienst aus gesundheitlichen Gründen anstrebten, Auch 2009 erreichten mich Eingaben zur Verweigerung
waren wiederholt Abweichungen zwischen dem Ergebnis des Kriegsdienstes. Dieses Recht besteht für jedermann,
der Musterung und dem Ergebnis der Einstellungsunter- der den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgrün-
suchung festzustellen. Dafür gab es unterschiedliche den ablehnt (Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz).
Gründe. Die Abweichungen sind insbesondere dann kri-
tisch zu hinterfragen, wenn zwischen Musterung und Ein- Im Jahr 2009 wurden 3 063 Soldatinnen und Soldaten
berufung lediglich ein kurzer Zeitraum liegt. Bedenklich nach Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer aus dem
ist, wenn bei einem größeren Anteil der Wehrpflichtigen Dienst entlassen. Das waren 820 mehr als im Jahr zuvor.
erst im Rahmen der Einstellungsuntersuchung festgestellt Von den genannten 3 063 Kriegsdienstverweigerern wa-
wird, dass sie aus gesundheitlichen Gründen dienstunfä- ren 2 876 Grund- oder freiwillig länger Wehrdienst Leis-
hig sind. So wurde zum Beispiel seitens einer Ausbil- tende, 185 Soldatinnen und Soldaten auf Zeit und zwei
dungskompanie beanstandet, dass „ganze Busladungen“ Berufssoldaten. Unter den Zeit- und Berufssoldaten, die
an Rekruten nach ihrer Einberufung ins nächstgelegene den Kriegsdienst mit der Waffe verweigerten, waren
Bundeswehrkrankenhaus gebracht werden mussten, um zwölf Frauen, drei weniger als im Vorjahr.
dort festzustellen, dass sie aus gesundheitlichen Gründen Wehrpflichtige Männer, die sich darauf berufen, müssen
nicht hätten einberufen werden dürfen. Grundsätzlich sei als Kriegsdienstverweigerer anerkannt werden und Zivil-
bei vielen Rekruten zu beobachten, dass sie körperlich dienst ableisten. Wie ich bereits im Jahresbericht 2008 er-
nicht belastbar seien; es sei unverständlich, dass diese läutert habe, kann ich aus rechtsstaatlichen Erwägungen
Soldaten überhaupt einberufen würden. „Totalverweigerung“ nicht unterstützen. Hinsichtlich der
mir vorliegenden Eingaben sind von dieser Gruppe junger
Die mangelnde körperliche Leistungsfähigkeit vieler jun- Männer, die jede Form des Wehr- oder Ersatzdienstes ab-
ger Männer wird auch an folgenden Zahlen deutlich: Von lehnen, diejenigen zu unterscheiden, die außerhalb der
den 417 300 im Jahr 2009 mit der Vergabe eines Taug- bestehenden neunmonatigen Wehrpflicht als aktive Sol-
lichkeitsgrades gemusterten jungen Männern wurden datin oder aktiver Soldat einen Antrag auf Kriegsdienst-
42,7 Prozent als „nicht wehrdienstfähig“, 3,0 Prozent als verweigerung (KDV) stellen.
„vorübergehend nicht wehrdienstfähig“, 50,8 Prozent als
„wehrdienstfähig mit Einschränkungen für bestimmte Tä- Bei den zuletzt genannten Fällen gab es wiederholt Pro-
tigkeiten“ und lediglich 3,4 Prozent als wehrdienstfähig bleme im Rahmen der Antragsbearbeitung. Das Gesetz
im Sinne von „voll verwendungsfähig“ eingestuft. zur Neuregelung des Rechts der Kriegsdienstverweige-
rung (KDVNeuRG) führt aus, dass ein entsprechender
Darüber hinaus ließen die Ermittlungen zu den Eingaben Antrag „von der Antragstellerin oder vom Antragsteller
deutlich werden, dass eine vorzeitige Entlassung aus dem schriftlich oder zur Niederschrift beim Kreiswehrersatz-
Wehrdienst aus gesundheitlichen Gründen wiederholt amt zu stellen“ ist. Der Erlass des Bundesministeriums
durch Fehler bei der Bearbeitung der zugrunde liegenden der Verteidigung „Behandlung von Soldatinnen und Sol-
Personalvorgänge verzögert wurde. So wurde teilweise daten, die ihre Anerkennung als Kriegsdienstverweigerin
der Zeitraum überschritten, innerhalb dessen Wehrpflich- beziehungsweise Kriegsdienstverweigerer beantragt ha-
tige gemäß § 29 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 Wehrpflicht- ben“ enthält ergänzende Erläuterungen. Dort wird ausge-
gesetz im Wege der so genannten Schnellentlassung vor- führt, dass „der oder die nächste Disziplinarvorgesetzte
zeitig aus dem Wehrdienst entlassen werden können. Die sie beziehungsweise ihn zu veranlassen hat, einen ent-
daraufhin eingeleiteten Verfahren zur Feststellung der sprechenden Antrag schriftlich oder zur Niederschrift
Dienstunfähigkeit zogen sich in der Regel über mehrere beim zuständigen Kreiswehrersatzamt zu stellen“. Mir ist
Monate hin. In der Zwischenzeit wurden die Soldaten mitgeteilt worden, dass in Teilen der Truppe, unter Um-
häufig in den Status „krank zu Hause“ versetzt und daher ständen auch aufgrund der zuletzt zitierten Ausführungen
in ihrer Lebensgestaltung und -planung stark einge- im oben genannten Erlass, davon ausgegangen wird, An-
schränkt. Es ist nicht verwunderlich, wenn sie diese Zeit tragsteller müssten sich zur Einhaltung des Dienstweges
als verlorene Lebenszeit empfinden. Insofern sollte den grundsätzlich an den oder die nächste Disziplinarvorge-
Vorgaben für die Schnellentlassung mehr Beachtung ge- setzte wenden. Ich kann gut nachvollziehen, dass es aus
schenkt und darauf geachtet werden, die Verfahren zur Gründen der Zweckmäßigkeit wünschenswert wäre,
Feststellung der Dienstunfähigkeit möglichst zügig wenn KDV-Antragsteller, die sich direkt an das Kreis-
durchzuführen. wehrersatzamt wenden, gleichzeitig ihren Disziplinarvor-
Drucksache 17/900 – 48 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

gesetzten über die Antragstellung informieren. So kann macht, wenn man jeden Sonntagabend auf der Fahrt in
unverzüglich gewährleistet werden, dass der oder die Dis- die Kaserne an die kommende Woche denkt. Der
ziplinarvorgesetzte die Einhaltung aller im Zusammen- Dienstalltag ist im Großen und Ganzen langweilig, weder
hang mit der Antragstellung stehenden Auflagen, wie fördert noch fordert er einen im Geringsten. … Wenn
zum Beispiel eine Befreiung vom Waffendienst, gewähr- man dann auch noch mehrmals von seinem Vorgesetzten
leistet. Eine Meldepflicht des Antragstellers besteht je- hört, dass man für einen W9er eigentlich keine Verwen-
doch nicht, was gegebenenfalls gegenüber der Truppe dung hat, dann frage ich mich, weshalb ich eigentlich hier
klarzustellen ist. bin. Es macht mich wütend, aus meinem Leben gerissen
zu werden für nichts“.
Ein weiterer Kritikpunkt in Eingaben war die Bearbei-
tungsdauer von KDV-Anträgen, die teilweise zu unange- In einem anderen Fall beklagte ein als Stabsdienstsolda-
messenen Verzögerungen bei der Entlassung von Solda- tengehilfe eingesetzter Grundwehrdienstleistender, er
tinnen und Soldaten geführt hat. habe morgens immer Kaffee kochen und das Frühstück
In einem Fall hatte das Personalamt der Bundeswehr erst aus dem Mannschaftsheim holen müssen. Den Rest des
nach über einem Monat die erbetene Stellungnahme beim Tages habe er damit verbracht, aus dem Fenster zu
Bundesamt für Zivildienst abgegeben. In einem anderen schauen und den Tag abzuwarten. Da ihm das Ganze ir-
Fall nahm die Bearbeitungszeit der Stammdienststelle der gendwann langweilig geworden sei, habe er Ordner und
Bundeswehr für eine Stellungnahme mehr als drei Mo- Dienstvorschriften gelesen. Sei dies jedoch seinem Vor-
nate in Anspruch. Grund dafür waren erhebliche Kommu- gesetzten aufgefallen, so habe er ihn dazu verdonnert, ein
nikationsprobleme zwischen dem zuständigen Kreiswehr- Militärfahrzeug von innen zu putzen oder den Keller auf-
ersatzamt, der Stammdienststelle der Bundeswehr und zuräumen.
dem Bundesamt für Zivildienst. „Gammeldienst“ ist nicht akzeptabel. Er löst nicht nur
Die Bearbeitungsprobleme beschränkten sich jedoch Unzufriedenheit und Enttäuschung bei den Soldaten aus,
nicht nur auf die Bearbeitungsdauer. In einem anderen sondern schädigt auch das Ansehen der Bundeswehr in
Fall verlängerte die Kompanie trotz Kenntnis vom KDV- der Bevölkerung. Daher gilt es, die Rahmenbedingungen
Antrag die Dienstzeit einer Petentin und eröffnete ihr die so zu gestalten, dass Wehrpflichtige nach ihrer Grundaus-
Kommandierung zum Feldwebelanwärterlehrgang. Diese bildung sinnstiftend eingesetzt werden können. Dem ist
Entscheidung war falsch, weil der Soldatin die nach § 3 im Berichtsjahr nicht immer entsprochen worden. Nicht
Soldatengesetz geforderte grundsätzliche Eignung für die zuletzt die Erhöhung der Zahl der Einberufungen hat
Feldwebellaufbahn aufgrund ihrer Absicht, den Kriegs- viele Verbände angesichts der beschränkten Ressourcen
dienst verweigern zu wollen, abzusprechen war. Zu die- vor erhebliche Probleme gestellt: Es fehlt nicht nur an
sem Ergebnis hätte die Kompanie unabhängig von der Ausbildungs- und Unterbringungskapazitäten für Grund-
Tatsache, dass über den Antrag auf KDV noch nicht ent- wehrdienstleistende, sondern es mangelt auch an sinnvol-
schieden war, kommen müssen. len Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten nach der Grund-
ausbildung. Eine Lösung dieser Problematik beschränkt
10.3 Sinnvolle Dienstgestaltung sich nicht allein auf die Bewältigung organisatorischer
und materieller Fragen. Erforderlich ist darüber hinaus,
Auch 2009 erhielt ich Eingaben von Grundwehrdienst- dass die jeweiligen militärischen Vorgesetzten das gebo-
leistenden, die ihren Unmut und ihre Enttäuschung da- tene Verständnis für den Wunsch der Wehrpflichtigen
rüber zum Ausdruck brachten, nach Abschluss der Allge- nach einer adäquaten Beschäftigung aufbringen und dies-
meinen Grundausbildung in ihren Stammeinheiten nicht bezüglich auch von sich aus Ideen und Engagement ent-
sinnvoll beschäftigt zu werden und im dienstlichen Alltag falten.
mit sehr viel Leerlauf konfrontiert zu sein. Diese häufig
als „Gammeldienst“ apostrophierte Situation wird von 11 Reservisten
den Betroffenen oft als demotivierend, psychisch belas-
tend und als verlorene Lebenszeit empfunden. Eine Be- Die Umsetzung der Konzeption für Reservistinnen und
stätigung fand das Phänomen des „Gammeldienstes“ Reservisten der Bundeswehr vom 10. September 2003 ist
auch durch Aussagen von Teilnehmern des zweiten Sol- im Berichtsjahr weiter fortgeschritten. Allerdings stag-
datenworkshops für Wehrpflichtige aus Deutschland und nierte die Anzahl der beorderten Reservistinnen und Re-
Österreich, den ich im Oktober in Berlin veranstaltet servisten im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung
habe. ist nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidi-
gung insbesondere auf die Auflösung alter Beorderungs-
Zwei Beispiele:
verhältnisse zurückzuführen. Die zu Beginn des Jahres
Ein im sechsten Dienstmonat stehender Grundwehr- 2010 knapp 40 000 beorderten Reservistinnen und Reser-
dienstleistender wandte sich mit folgenden Worten an visten im Ergänzungsumfang seien dagegen ausschließ-
mich: „Ich schreibe Ihnen, um meinen Unmut darüber lich in den neuen Strukturen ausgeplant und für den
zum Ausdruck zu bringen, dass ich zu einem Dienst he- Dienst in den Streitkräften verfügbar. Wie das Bundes-
rangezogen werde, der den Namen Dienst gar nicht ver- ministerium der Verteidigung einräumt, wird der für das
dient, es sei denn, man versteht dienen als warten. Dieses Jahr 2010 mit der Einnahme der Zielstruktur angestrebte
Warten empfinde ich als eine sehr qualvolle und demoti- Umfang von 95 000 beorderten Reservistinnen und Re-
vierende Angelegenheit, die einen regelrecht depressiv servisten aus heutiger Sicht nicht erreicht werden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 49 – Drucksache 17/900

Mit ihrem Engagement leisten die Reservisten einen Reservist wenige Tage vor dem Einsatz schriftlich in
wertvollen Beitrag zur Aufgabenerfüllung der Bundes- knapper und unpersönlicher Weise darüber informiert,
wehr. Hierfür gebührt ihnen Dank und Anerkennung. Ihr dass er aufgrund kurzfristiger Personaländerungen aus
Einsatz wird in vielfältiger Weise durch die Arbeit des dem vorgesehenen Auslandseinsatz ausgeplant worden
Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr sei. Hintergrund der Ausplanung war, dass die Einheit, in
e. V. unterstützt und begleitet. Einen besonderen Dank der der Reservist seinen Auslandseinsatz absolvieren
möchte ich daher stellvertretend für die vielen Reservis- sollte, ersatzlos gestrichen worden war. Das Bataillon be-
ten, die sich in diesem Verband engagieren, seinem lang- mühte sich zwar umgehend um eine anderweitige Ein-
jährigen Präsidenten und heutigen verteidigungspoliti- satzverwendung, aber erst als diese Bemühungen erfolg-
schen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen los blieben, wurde der Reservist über seine Ausplanung
Bundestag, Herrn Ernst-Reinhard Beck, MdB, ausspre- informiert. Zu kritisieren ist, dass er nicht unverzüglich
chen. Meine besten Wünsche gelten auch dem neuen Prä- über die ersatzlose Streichung der für den Auslandsein-
sidenten des Reservistenverbandes, Herrn Gerd Höfer, satz vorgesehenen Einheit und der hieraus erwachsenden
der sich ebenfalls seit vielen Jahren auf der politischen Konsequenzen informiert wurde, um ihm frühzeitig eine
Ebene wie auch im Rahmen seiner Verbandstätigkeit für neue Planungssicherheit für seine zivilberuflichen und fa-
die Belange der Reservisten einsetzt, sowie seinem neuen miliären Belange zu ermöglichen. Darüber hinaus ließ
Stellvertreter, Herrn Oberst a. D. Roderich Kiesewetter, das Schreiben an den Reservisten die in diesem Fall ange-
MdB. messene kameradschaftliche Sensibilität vermissen.
Häufig werden Reservisten aufgrund ihrer Qualifikation Zu den Rahmenbedingungen, die es bei der Vorbereitung
als Spezialisten in Verwendungsbereichen eingesetzt, de- des Einsatzes eines Reservisten zu berücksichtigen gilt,
ren personeller Bedarf sich nicht allein aus den Reihen zählt der ihnen zustehende Urlaubsanspruch. Gemäß
der aktiven Soldaten decken lässt. Dies gilt etwa für das Nummer 126 der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 20/3
Sanitätswesen wie auch für Aufgabengebiete im techni- „Wehrübungserlass, Militärische Personalführung, Reser-
schen, logistischen und administrativen Bereich. Umso visten und personelle Mobilmachung“ sind die während
wichtiger ist es, dem dienstlichen Umfeld von Reservis- einer Wehrübung oder Übung entstehenden Urlaubs-
ten besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Unzurei- ansprüche innerhalb des diese Ansprüche begründenden
chende Arbeitsbedingungen, Fehler in der Personalbear- Wehrdienstes abzugelten, weil sie mit Beendigung des
beitung und mangelnde Fürsorge gegenüber Reservisten Wehrdienstes erlöschen. Ergänzend legt die Dienstvor-
können deren Bereitschaft, sich für die Belange der Bun- schrift fest, dass die während einer besonderen Auslands-
deswehr zu engagieren, empfindlich beeinträchtigen. verwendung entstandenen Urlaubsansprüche innerhalb
Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Auslandseinsätze, der für diesen Einsatz maximal zulässigen Dauer von je-
bei denen Reservisten in der Regel einen erheblichen or- weils sieben Monaten abzugelten sind.
ganisatorischen Aufwand im persönlichen und berufli-
chen Umfeld auf sich nehmen, um diese Einsätze wahr- Diesen Vorgaben wurde bei der Einsatzplanung nicht im-
nehmen zu können. mer Rechnung getragen. So hat sich beispielsweise im
Rahmen der Ermittlungen zur Eingabe eines Oberstabs-
11.1 Einsatzplanung arztes der Reserve herausgestellt, dass bereits bei den
vorbereitenden Planungen seines Einsatzes Fehler hin-
In einer Reihe von Eingaben wurde Kritik an den vorbe- sichtlich der Berücksichtigung des Urlaubsanspruchs un-
reitenden Maßnahmen zur Durchführung von Wehrübun- terlaufen waren. Gemäß den Vorschriften muss der „Out-
gen und besonderen Auslandseinsätzen geübt. Beanstan- Termin“ so geplant werden, dass die Dauer der Wehr-
det wurden hierbei unter anderem eine lange Bearbeitung übung den Abbau der erworbenen Urlaubsansprüche er-
von Personalvorgängen und dadurch ausgelöste Pla- möglicht. Das war in diesem Fall nicht geschehen.
nungsunsicherheiten sowie Planungsmängel hinsichtlich
der zeitlichen und inhaltlichen Einsatzgestaltung. Die Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Motiva-
Eingaben haben erneut deutlich gemacht, wie wichtig es tion von Reservisten haben auch die Bedingungen, unter
für Reservisten ist, rechtzeitig Klarheit über den zeitli- denen sie von ihren Wohnorten zu ihren Einsatzorten be-
chen Rahmen ihres Einsatzes zu haben, um sich beruflich ziehungsweise von ihren Einsatzorten zu ihren Wohn-
und privat hierauf in angemessener Weise vorbereiten zu orten befördert werden. Dies gilt insbesondere im Hin-
können. Bei allem Verständnis für die komplexen Pla- blick auf Auslandseinsätze. Im Berichtsjahr haben sich
nungsprobleme, die die Ein- und Ausplanung von Reser- verschiedentlich Reservisten im Auslandseinsatz darüber
visten nach sich ziehen, unterstreichen die Eingaben die beklagt, dass die ihnen zustehende Beförderung mit öf-
Notwendigkeit, die entsprechenden Personalvorgänge fentlichen Verkehrsmitteln vom Wohnort zum inländi-
zeitnah sowie mit der gebotenen Sorgfalt und Sensibilität schen Zielflughafen und nach Beendigung des Einsatzes
gegenüber den Belangen der Reservisten zu bearbeiten. von dort zurück zum Wohnort umständlich und mit Un-
wägbarkeiten verbunden gewesen sei. Als erschwerender
Ein Beispiel:
Faktor trete das in der Regel mitgeführte Vollgepäck
Nach mehrmonatiger Vorbereitung auf eine besondere hinzu. Zwar gewährleiste die Bundeswehr den Transport
Auslandsverwendung mit umfangreichen Vorkehrungen vom Leitverband zum Flughafen und zurück, eine Inan-
im privaten und zivilberuflichen Umfeld sowie abge- spruchnahme dieses Weges bedeute jedoch oftmals die
schlossener einsatzvorbereitender Ausbildung wurde ein Inkaufnahme von Umwegen im Vergleich zu einer direk-
Drucksache 17/900 – 50 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

ten Beförderung zwischen Wohnort und Flughafen bezie- selbstständiger Reservisten nach einem finanziellen Aus-
hungsweise zwischen Flughafen und Wohnort. Vor die- gleich für eine wehrdienstbedingte Unterbrechung ihrer
sem Hintergrund wird seitens der Reservisten angeregt, beruflichen Tätigkeit im Rahmen der gesetzlichen Unter-
für den individuellen Transport Dienstfahrzeuge der Bun- haltssicherung stärker entgegenzukommen.
deswehr einzusetzen. Das Bundesministerium der Vertei-
digung hat in seinen Stellungnahmen zu den betreffenden 11.3 Beförderungen
Eingaben stets unterstrichen, dass die Beförderung der
Reservisten bei Dienstantritt und nach Beendigung des Die Motivation der Reservisten wird auch durch die Be-
Einsatzes den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit unter- förderungssituation wesentlich beeinflusst. Das haben er-
liege. Insofern sei ein individueller Transport mit Dienst- neut Eingaben deutlich gemacht, in denen Reservisten
fahrzeugen der Bundeswehr nach den einschlägigen beklagten, entgegen ihren Erwartungen nicht befördert
Vorschriften nur in Ausnahmefällen unter engen Voraus- worden zu sein.
setzungen möglich und komme in der Regel nicht in Be- Ärgerlich ist, wenn die ausgebliebenen Beförderungen
tracht. auf Fehler bei der Bearbeitung der entsprechenden Perso-
Aus meiner Sicht schließt das Wirtschaftlichkeitsgebot nalvorgänge zurückzuführen sind.
aber nicht aus, den Transportbedürfnissen von Reservis- Ein Beispiel:
ten zu Einsatzbeginn und Einsatzende im Rahmen flexi-
bler Lösungen stärker als bisher entgegenzukommen. Ein Oberfeldwebel der Reserve, der seit März 2003 zu ei-
nem Materialdepot beordert und als Feldpost-Feldwebel
eingeplant war, beanstandete, noch nicht zum Hauptfeld-
11.2 Finanzielle Leistungen für selbstständig
webel der Reserve befördert worden zu sein. Die Über-
tätige Reservisten
prüfung ergab, dass das Versorgungs- und Ausbildungs-
Nach § 13a Absatz 2 des Unterhaltssicherungsgesetzes zentrum versäumt hatte, die Beförderung einzuleiten,
(USG) werden einem selbstständigen Wehrpflichtigen zur obwohl die Voraussetzungen hierfür seit dem 2. Januar
Fortführung seiner Tätigkeit während des Wehrdienstes 2006 vorlagen. Nachdem der Fehler bemerkt worden war,
die angemessenen Aufwendungen für eine Ersatzkraft, wurde die Beförderung mit deutlicher zeitlicher Verzöge-
die an seiner Stelle tätig wird, oder die angemessenen rung beim Logistikregiment beantragt, der entsprechende
Mehraufwendungen, die dadurch entstehen, dass der Antrag allerdings erst im Rahmen der Überprüfung der
Wehrpflichtige seine Aufgaben im Betrieb für die Zeit Eingabe des Reservisten tatsächlich bearbeitet. Mit Wir-
seiner wehrdienstbedingten Abwesenheit teilweise oder kung vom 1. September 2008 wurde der Reservist
ganz auf Betriebsangehörige überträgt, bis zu 307 Euro je schließlich zum Hauptfeldwebel der Reserve befördert.
Wehrdiensttag erstattet. Kann er diese Leistung nicht be-
Solche gravierenden Nachlässigkeiten bei der Personal-
anspruchen, so steht ihm eine Mindestleistung nach § 13c
bearbeitung sind nicht entschuldbar und eindeutig zu rü-
USG (Tabellenleistung) zu.
gen. Die Eingabe bewirkte, dass eine Ausnahmegenehmi-
2009 beklagten sich mehrfach Reservisten, die zivilberuf- gung erteilt wurde. Sie ermöglichte, den Petenten ohne
lich als Fachärzte in einer Gemeinschaftspraxis tätig sind Einhaltung der vorgeschriebenen Mindestwartezeit von
und an einer Wehrübung teilgenommen haben, darüber, einem Jahr nach Ableistung von 24 Wehrübungstagen im
dass ihnen für ihre Vertretung während ihrer wehrdienst- Dienstgrad Hauptfeldwebel der Reserve und Vorlage ei-
bedingten Abwesenheit keine finanzielle Erstattung nach ner Beurteilung zum Stabsfeldwebel der Reserve zu be-
§ 13a Absatz 2 USG, sondern lediglich eine Mindestleis- fördern.
tung nach § 13c USG zugebilligt worden sei. Zur Begrün-
Im Berichtsjahr haben mich mehrere Eingaben erreicht,
dung führten die Unterhaltssicherungsbehörden an, dass
in denen im Ausland eingesetzte beziehungsweise für ei-
die nach § 13a Absatz 2 USG geltend gemachten Auf-
nen Auslandseinsatz eingeplante Zivilbeschäftigte der
wendungen nicht angemessen seien, weil die Gesellschaf-
Bundeswehr ihre Unzufriedenheit über den ihnen verlie-
terverträge der Petenten Regelungen enthielten, die eine
henen militärischen Dienstgrad sowie ihre Beförderungs-
unentgeltliche Vertretung des Reservisten durch den be-
perspektive als Reservist zum Ausdruck gebracht haben.
ziehungsweise die Mitgesellschafter für die Dauer der
Aufgrund einer am 17. August 2009 in Kraft getretenen
Wehrübung implizierten. Diese Auffassung ist umstritten
Änderung der ZDv 20/3 „Wehrübungserlass, Militärische
und teilweise Gegenstand gerichtlicher Auseinanderset-
Personalführung, Reservisten und personelle Mobilma-
zungen. Die Entscheidung der Unterhaltssicherungsbe-
chung“ konnte ihrem Begehren teilweise abgeholfen wer-
hörden, den Reservisten lediglich die von diesen als un-
den. Diese ermöglicht es unter anderem, Zivilpersonal der
zureichend empfundene Mindestleistung nach § 13c USG
Bundeswehr in fachbezogener Verwendung einen vorläu-
zuzusprechen, hat deren Bereitschaft, sich weiterhin für
fig höheren Dienstgrad gemäß Vergleichstabelle zu ver-
die Bundeswehr zur Verfügung zu stellen, verständlicher-
leihen und ihren Dienstposten als Beorderungsdienstpos-
weise nachdrücklich negativ beeinflusst.
ten anzuerkennen. So wurde einem Hauptgefreiten der
Angesichts des akuten Mangels an ärztlichem Personal in Reserve, der als Zivilangestellter der Bundeswehr in die
der Bundeswehr und des daraus resultierenden verstärk- Entgeltgruppe E 6 eingestuft war, für eine geplante be-
ten Bedarfs an Reservisten mit entsprechender medizini- sondere Auslandsverwendung mit fachbezogener
scher Qualifikation halte ich diese Entwicklung für pro- Verwendung der Dienstgrad Feldwebel vorläufig verlie-
blematisch. Ich rege an, den Bedürfnissen zivilberuflich hen. Sobald er die einschlägigen Voraussetzungen gemäß
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 51 – Drucksache 17/900

der ZDv 20/7 „Bestimmungen für die Beförderung, Ein- bereithalten, ausbilden und abstellen. Gebraucht werden
stellung, Übernahme und Zulassung von Soldatinnen und insbesondere Rettungsmediziner sowie Chirurgen und
Soldaten der Bundeswehr“ – im Wesentlichen 24 Wehr- Anästhesisten. Gerade in diesen Bereichen ist der Beset-
übungstage sowie eine Beurteilung – erfüllt, kann ihm zungsgrad aber nicht zufriedenstellend. So waren bei den
dieser Dienstgrad endgültig verliehen werden. Anästhesisten im Jahre 2009 von 161 Dienstposten nur
113 besetzt, bei den Chirurgen 100 von 136 Dienstposten.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Soldat, den Darüber hinaus ist etwa ein Drittel der Fachärzte mit ent-
ich während meines letzten Truppenbesuchs in Mazar-e- sprechenden Qualifikationen nicht für den Auslandsein-
Sharif kennen gelernt habe. Dem ehemaligen Stabsfeld- satz verwendungsfähig. Für die verbliebenen Ärztinnen
webel der NVA und ausgebildeten Facharbeiter war mit und Ärzte ist die Einsatzbelastung dadurch besonders
55 Jahren der Dienstgrad eines Obergefreiten verliehen hoch.
worden. Das entsprach seiner zivilen Beschäftigung als
Lagerarbeiter im Bundeswehrdienstleistungszentrum Personalengpässe gibt es auch im Bereich der Augenheil-
Dresden, die er lediglich vorübergehend im Einsatz zu kunde und bei den Zahnärzten. Die entsprechenden
leisten hatte. Auch wenn die Einstufung den Vorschriften Dienstposten können im Einsatz häufig nur eingeschränkt
entsprach, kann ich gut nachvollziehen wie dieser Mann besetzt werden.
empfunden haben muss, wenn er als Obergefreiter mit
55 Jahren von Kameraden gefragt wurde, was er denn 12.1 Personalsituation der Sanitätsärzte
Schlimmes „verbrochen“ habe.
In der Truppe hört man häufig die resignierende Feststel-
lung: „Die Zahl der Einsätze steigt, die der Bundeswehr-
12 Zentraler Sanitätsdienst ärzte sinkt.“
Die Ausrichtung der Bundeswehr auf den Einsatz hat Dem sich aufgrund der Einsätze abzeichnenden Mehrbe-
auch die Aufgaben und die Struktur des Zentralen Sani- darf an Ärzten hat der Sanitätsdienst im Personalstruktur-
tätsdienstes maßgeblich verändert. Im Mittelpunkt des modell 2010 mit einer Erhöhung der Zahl der Dienstpos-
Auftrags steht die sanitätsdienstliche Einsatzunterstüt- ten für Sanitätsoffiziere von 3 176 auf 3 496 Rechnung zu
zung. Die Qualität dieser Einsatzunterstützung erfährt tragen versucht. Anfangs gelang es auch, durch eine jähr-
breite internationale Wertschätzung. liche Einstellung von 234 Sanitätsoffizieranwärtern den
Ungeachtet dessen hat sich die Lage des Zentralen Regenerationsbedarf zu decken und mit der zusätzlichen
Sanitätsdienstes der Bundeswehr in den letzten Jahren Gewinnung von bereits approbierten Seiteneinsteigerin-
insgesamt dramatisch verschlechtert. Zunehmender Per- nen und Seiteneinsteigern einen ausreichenden Personal-
sonalmangel und Arbeitsüberlastung kennzeichnen die aufwuchs zu realisieren. Bis 2007 verlief der notwendige
Situation insbesondere in den Bundeswehrkrankenhäu- Personalaufwuchs der Sanitätsoffiziere planmäßig. Seit-
sern. Das stellt die Führung des Sanitätsdienstes nach de- dem hat sich die Entwicklung aber umgedreht: Der Bun-
ren eigener Bewertung vor eine besondere Herausforde- deswehr gehen jetzt die Ärzte aus.
rung. Ursächlich für die eingetretene „Schieflage“ des Der sprunghafte Anstieg unplanmäßiger ärztlicher Perso-
Sanitätsdienstes ist nach meinen Erkenntnissen vor allem nalverluste im Jahr 2008 und im 1. Quartal 2009 mit rund
die unzureichende Personalstruktur, die den Anforderun- 120 Abgängen führte kurzfristig zu einem empfindlichen
gen der Einsatzrealität nicht gerecht wird. Trotz der sich Rückgang des Personalumfangs bei den Sanitätsoffizie-
schon seit Jahren abzeichnenden Entwicklung, auf die ich ren. Bei mehr als zwei Drittel der Abgänge handelte es
in meinen Jahresberichten wiederholt hingewiesen habe, sich um junge Assistenzärztinnen und -ärzte in der ersten
ist es der Sanitätsführung aus für mich nicht nachvoll- Hälfte der klinischen Weiterbildung beziehungsweise zu
ziehbaren Gründen nicht gelungen, den negativen Trend Beginn der Verwendung als Truppenarzt, die den Streit-
beim Personal aufzuhalten. Die unentgeltliche truppen- kräften aktuell beziehungsweise in naher Zukunft für die
ärztliche Versorgung für die Soldatinnen und Soldaten truppenärztliche Versorgung im Inland und für die not-
droht dadurch Schaden zu nehmen. fallmedizinische Versorgung im Ausland fehlen. Dieser
Die truppenärztliche Versorgung im Inland kann derzeit Ausfall konnte auch nicht durch die vermehrte Gewin-
nur noch durch Mitnutzung ziviler Ressourcen sicherge- nung von Seiteneinsteigern in 2009 ausgeglichen werden.
stellt werden. Die Bundesregierung stellte dazu in einer Auch die Bewerberzahlen für die Laufbahn der Sanitäts-
Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage von Mitte Fe- offiziere sind stark rückläufig. Gab es 2006 noch
bruar 2009 fest „Unter anderem wird zu prüfen sein, in 2 100 Sanitätsoffizierbewerber, waren es Ende 2009 mit
welchem Umfang und welchem Zeitrahmen eine ver- 1 190 nur noch etwas mehr als die Hälfte, aus denen der
stärkte Abstützung auf Leistungen des zivilen Gesund- Ergänzungsbedarf von 260 Neueinstellungen gewonnen
heitswesens unausweichlich ist, um die medizinische Ver- werden muss. Außerdem fehlen immer mehr Sanitäts-
sorgung sicherzustellen“. ärzte auf ihren Dienstposten aufgrund von Fortbildungs-
maßnahmen sowie durch zunehmende Teil- und Eltern-
Um in den Auslandseinsätzen und bei humanitären Hilfs-
zeit sowie Mutterschutz.
maßnahmen die von der Sanitätsführung geforderte medi-
zinische Betreuung „wie im Inland“ zu gewährleisten, Mit Blick auf den hohen Anteil an Sanitätsoffizieranwär-
muss der Sanitätsdienst Ärzte verschiedener Fachrichtun- terinnen (circa 55 Prozent) und Sanitätsoffizierbewerbe-
gen sowie medizinisches Assistenz- und Hilfspersonal rinnen (circa 62 Prozent des Bewerberfeldes) sowie im
Drucksache 17/900 – 52 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Hinblick auf das Ziel, den Frauenanteil in der Laufbahn übergegangen, Weiterbildungszusagen deutlich früher zu
der Sanitätsoffiziere des Sanitätsdienstes auf 50 Prozent geben.
zu erhöhen, ist damit zu rechnen, dass die familienbe-
dingten Abwesenheiten weiter an Bedeutung gewinnen Darüber hinaus wird versucht, den Ärzten langfristig be-
werden. rufliche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten
aufzuzeigen, um sie möglichst lange an die Bundeswehr
Als unmittelbare Auswirkung dieser Personalentwicklung zu binden, denn gerade Fachärzte mit 20 bis 25 Dienst-
ist der Anteil längerfristig vakanter Arztdienstposten so- jahren sind für den zivilen Markt interessant. Ein leiten-
wohl in den regionalen Sanitätseinrichtungen als auch in der Oberarzt kann außerhalb der Bundeswehr deutlich
den Bundeswehrkrankenhäusern drastisch gestiegen. Er mehr verdienen.
droht angesichts des deutlich reduzierten Zulaufs von jun- Durch Einführung eines Zustimmungsvorbehalts des
gen Ärzten aus dem ersten klinischen Verwendungsab- Dienstherrn für den unmittelbaren Wechsel in ein Beam-
schnitt weiter zuzunehmen. Zwischenzeitlich waren bis tenverhältnis im Dienstrechtsneuordnungsgesetz, das im
zu 600 Stellen unbesetzt. Die freien Planstellen können, Februar 2009 in Kraft getreten ist, konnte die hohe Zahl
wie das Bundesministerium wiederholt bestätigt hat, aber der Abgänge von Sanitätsoffizieren in den öffentlichen
nur schrittweise nachbesetzt werden. Dienst gestoppt werden. Die Frage nach der Attraktivität
Die Ursachen dieser Personalentwicklung sind viel- des Sanitätsdienstes ist damit noch nicht beantwortet.
schichtig. Zum einen konnte das zivile Gesundheitssys-
tem durch vielfältige Vergünstigungen seine Attraktivität 12.2 Personallage bei den Feldwebeln des
für qualifiziertes Personal deutlich erhöhen. Zum anderen Sanitätsdienstes
leidet das deutsche Gesundheitssystem insgesamt an ei-
Im Gegensatz zur Situation bei den Ärzten hat sich die
nem zunehmenden Ärztemangel. Die Gründe dafür liegen
Personallage bei den Sanitätsfeldwebeln im Berichtsjahr
unter anderem in einem Rückgang der Zahl der Medizin-
verbessert. Dank weiteren Zulaufs aus der ZAW sowie
studenten und einer erheblichen Abwanderung von Ärz-
Neueinstellungen mit abgeschlossener Berufsausbildung
ten ins Ausland, in das Gesundheitsmanagement und die
sind rund 90 Prozent der Dienstposten für Sanitätsfeldwe-
Pharmaindustrie. Darüber hinaus werden bis 2015 rund
bel besetzt. Für 2010 wird sogar eine Besetzung der
57 000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand treten
Dienstposten von 95 Prozent erwartet. Allerdings bleibt
und das Personalproblem weiter verschärfen.
der Aufwuchs qualifizierter Fachkrankenschwestern/
Ursächlich für die zahlreichen Abwanderungen von Sani- Fachkrankenpfleger in den einsatzrelevanten Bereichen
tätsärzten waren nach meinen Erkenntnissen aus vielen Anästhesie und Intensivmedizin sowie operationstechni-
Gesprächen und Besuchen in vielen Fällen bessere Ange- scher Assistentinnen und Assistenten, die auch im zivilen
bote ziviler Kliniken. Sie bieten den jungen Sanitätsoffi- Gesundheitssystem eine Mangelqualifikation darstellen,
zieren eine zusammenhängende Facharztweiterbildung – wegen der intensiven Ausbildung weiterhin hinter der
und das in einer Zeit, in der diese als „Gegenleistung“ für Zielvorgabe zurück. Bis 2010 ist in diesem Bereich ledig-
ihr bundeswehrfinanziertes Studium drei Jahre als Trup- lich mit einem Besetzungsgrad von etwa 77 Prozent zu
penarzt tätig sein müssen. rechnen. Bei den Sanitätsfeldwebeln beträgt die Quote
weiblicher Soldaten rund 36 Prozent.
Die Bundeswehr, die gesetzlich verpflichtet ist, nach Eig-
nung, Befähigung und Leistung auszuwählen, kann eine 12.3 Klinische Versorgung in den Bundeswehr-
solche Facharztausbildung bei der Einstellung noch nicht krankenhäusern
zusichern.
Auch die Bundeswehrkrankenhäuser sind vorrangig auf
Die derzeitige Verpflichtungszeit eines Sanitätsoffiziers die Einsatzversorgung ausgerichtet. Dazu mussten so-
der Bundeswehr von 17 Jahren beinhaltet neben dem wohl organisatorisch als auch personell neue Strukturen
sechsjährigen Studium drei Jahre Weiterbildung. Das geschaffen werden. Im Zuge dieser Umstrukturierung
reicht für eine Facharztausbildung nicht aus. Um Facharzt wurden insbesondere die Kliniken in Koblenz und Ulm
zu werden, bedarf es einer Weiterverpflichtung von min- durch Einbettung in den regionalen zivilen Rettungs-
destens drei weiteren Jahren. Eine solche Weiterver- dienst und Aufnahme in die Landesbettenpläne zu soge-
pflichtung wird eignungsabhängig gewährt. Mehr als nannten Akutkrankenhäusern ausgebaut. Im Zuge der
50 Prozent eines Sanitätsoffizierjahrgangs machen davon Umstrukturierung hat sich der Anteil der Zivilpatienten in
regelmäßig Gebrauch. Das „Komplettangebot“ ziviler den Bundeswehrkrankenhäusern deutlich erhöht. Teil-
Kliniken mit einer garantierten Facharztweiterbildung ist weise liegt er schon bei zwei Dritteln des Gesamtpatien-
demgegenüber jetzt für viele Anreiz genug, dort zu unter- tenaufkommens.
schreiben.
Die Öffnung zur Versorgung stationär behandlungsbedürf-
Das Bundesministerium der Verteidigung selbst geht da- tiger Zivilpatienten war erforderlich, um über eine mög-
von aus, dass die Bilanz aus zu erwartenden Weiterbil- lichst große Zahl von Patienten mit akut lebensbedrohli-
dungsabschlüssen und Zurruhesetzungen für die klini- chen beziehungsweise komplexen Krankheitsbildern den
schen Fachgebiete nicht ausreicht, um die personelle Sanitätsärzten und dem medizinischen Fachpersonal die
Zielgröße des Personalstrukturmodells 2010 zu erreichen. Möglichkeit zu bieten, die für den Auslandseinsatz nötige
Um das Defizit auszugleichen, ist das Ministerium dazu Routine in der Behandlung schwerstkranker Patienten zu
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 53 – Drucksache 17/900

erlangen. Diesem Ziel dient auch die Einrichtung zum zialkliniken behandelt werden können. Damit ging den
Teil zertifizierter Traumazentren und interdisziplinärer Bundeswehrkrankenhäusern und der Bundeswehr insge-
Notaufnahmen als Behandlungsschwerpunkte. Außerdem samt eine Kernfähigkeit zur Behandlung einsatzrelevan-
kooperieren die Krankenhäuser mit den örtlichen Univer- ter Verletzungen verloren. Dies führte dazu, dass bereits
sitäten und sind zum Teil selbst „akademische Lehrkran- ein schwer brandverletzter Soldat nicht mehr in einem
kenhäuser“. Bundeswehrkrankenhaus behandelt werden konnte. Das
hohe Renommee der Bundeswehrkrankenhäuser als Ma-
Im Rahmen der allgemeinmedizinischen Versorgung ste- ximalversorger lässt sich so nicht aufrechterhalten.
hen die Bundeswehrkrankenhäuser im verschärften Wett-
bewerb um Patienten mit dem zivilen Gesundheitsmarkt. Bereits in meinem letzten Jahresbericht habe ich meine
Grundvoraussetzung, um dabei bestehen zu können, sind Sorge über die sinkende Motivation der Ärzte zum Aus-
eine moderne Krankenhausstruktur und die Anpassung druck gebracht. Auch im Berichtsjahr wurde mir bei mei-
der Behandlungsabläufe an aktuelle wissenschaftliche nen Besuchen in den Krankenhäusern von einer spürbaren
Standards. Verschlechterung der Stimmung des Personals berichtet.
Dies kann vor dem Hintergrund der geschilderten ange-
Nach meinen Erkenntnissen aus Besuchen in den Kran- spannten dienstlichen und personellen Rahmenbedingun-
kenhäusern besteht hier noch großer Handlungsbedarf. gen nicht verwundern. Für viele Ärzte sind Schichtbe-
Die teilweise veralteten Verwaltungsstrukturen müssen triebe mit 70 bis 80 Wochenstunden und mehr keine
verbessert, insbesondere Krankenhausinformationssys- Seltenheit, manche von ihnen schieben einen Berg von
teme aufgerüstet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit jährlich über 1 000 Überstunden vor sich her.
gegenüber dem zivilen Gesundheitsbereich zu verbes-
sern. 12.4 Truppenärztliche Versorgung
Das zentrale Problem ist die auch von der Führung des Auch die Struktur und Lage der bisher flächendeckenden,
Sanitätsdienstes mit großer Sorge betrachtete prekäre Per- truppenärztlichen Versorgung haben sich grundlegend ge-
sonallage in den Bundeswehrkliniken. ändert. Dies war bereits Thema früherer Jahresberichte.
Bei den Fachärzten in den Bundeswehrkrankenhäusern Durch die Reduzierung der regionalen Sanitätseinrichtun-
waren 2009 teilweise über 20 Prozent der Dienstposten gen und die Aufgabe von Standorten ist der zeitliche Auf-
nicht besetzt, bei den Chirurgen waren es zeitweise sogar wand des einzelnen Soldaten, im Falle einer Erkrankung
über die Hälfte. 15 Prozent der Fachärzte waren langfris- eine sanitätsdienstliche Versorgung zu erhalten, deutlich
tig abwesend, so dass nur rund 60 Prozent der Dienstpos- größer geworden. Soweit Soldaten bei schwerwiegenden
ten tatsächlich besetzt waren. Gründe für längerfristige Verletzungen oder Erkrankungen eine sofortige ärztliche
Abwesenheiten waren insbesondere Elternzeit, Auslands- Behandlung benötigen, sind sie verstärkt auf Vertrags-
einsatz, Weiterbildung, Langzeiterkrankungen sowie Ver- ärzte, niedergelassene Ärzte und die zivilen Gesundheits-
wendungen in einem Kommandobereich. Durch Einbin- einrichtungen in der Nähe ihres Dienstortes angewiesen.
dung ziviler Fachärzte als Vertragsärzte sowie durch die
Einrichtung weiterer Arzthelfer-Dienstposten zur Entlas- Die truppenärztliche Versorgung leidet erheblich unter
tung der Sanitätsoffiziere von administrativen Tätigkeiten fehlendem Personal. Der Anstieg der unplanmäßigen
wird versucht, die Personallage zu verbessern. ärztlichen Personalverluste in 2008 und zu Beginn 2009
wirkte sich besonders bei den regionalen Sanitätseinrich-
Beim Krankenpflegepersonal, beim technischen Assis- tungen aus. Von den Dienstposten der Truppenärzte wa-
tenzpersonal sowie bei den Arzthelferinnen und Arzt- ren 2009 erneut 13 Prozent längerfristig vakant. Dazu
helfern ist die Lage aufgrund des erfolgten Abbaus des kam eine hohe Abwesenheit aus familienbedingten Grün-
Zivilpersonals sowie des kaum zu beschleunigenden Auf- den. Rund 13 Prozent der Truppenärzte ließen sich aus fa-
wuchses an qualifizierten militärischen Fachkräften eben- miliären Gründen beurlauben. Weitere 13 Prozent mach-
falls äußerst problematisch. Teilweise fehlte in den klini- ten von der Möglichkeit einer Teilzeitbeschäftigung
schen Pflegebereichen über ein Fünftel des Personals, so Gebrauch. Aus diesen Gründen sowie durch Auslandsein-
dass Praktikanten zur Aushilfe herangezogen werden sätze und Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen
mussten. Dem Mangel an Pflegepersonal soll durch waren insgesamt circa 43 Prozent der Truppenärzte abwe-
„Poolbildung“ und Schwerpunktsetzung bei der Dienst- send. Die Tagesantrittsstärke und damit der Anteil der
postenbesetzung entgegengewirkt werden. Truppenärzte, die zur ärztlichen Versorgung im Grundbe-
trieb tatsächlich zur Verfügung standen, lag damit 2009 er-
Wegen der kritischen Personalsituation konnten auch
neut bei etwa 60 Prozent. Die erforderliche Anwesenheit
2009 in den Kliniken Operationssäle nicht beziehungs-
von 75 Prozent konnte vorübergehend nicht einmal mit
weise nur durch Hinzuziehung ziviler Vertragsärzte be-
Hilfe von wehrübenden Sanitätsoffizieren und zivilen Ver-
trieben werden. Auch die Notaufnahme und Bereit-
tragsärzten sichergestellt werden. Die durchschnittliche Ta-
schaftsdienste konnten in den Kliniken zeitweise nur
gesantrittsstärke fiel teilweise auf 70 Prozent.
durch Vertragsärzte aufrechterhalten werden. Außerdem
musste im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz die Als elementarer Bestandteil der unentgeltlichen truppen-
einzige Station, die in der Bundeswehr schwere Brand- ärztlichen Versorgung erfüllen die Truppenärzte für die
verletzungen versorgen konnte, wegen fehlender Fach- Soldaten eine „hausärztliche“ Funktion. Aufgrund von
ärzte geschlossen werden mit der Folge, dass Soldaten Abwesenheiten und häufigen Versetzungen ist eine konti-
mit schweren Brandverletzungen nur noch in zivilen Spe- nuierliche Behandlung durch einen Arzt nur selten
Drucksache 17/900 – 54 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

gewährleistet. Ein vertrauensvolles Arzt-Patienten Ver- die sanitätsdienstliche Einsatzversorgung, insbesondere


hältnis kommt damit nicht zustande. Angesichts der ge- die einsatzmedizinische Notfallversorgung, sicherzustel-
schilderten Rahmenbedingungen wird sich die Situation len.
der truppenärztlichen Versorgung in absehbarer Zeit vo-
raussichtlich weiter verschlechtern. Es war und ist das erklärte Ziel der Bundeswehr, in den
Einsatzgebieten eine medizinische Versorgungsqualität
vorzuhalten, die der eines Kreiskrankenhauses in Deutsch-
12.5 Verbesserung der Attraktivität des land entspricht. Dieses ehrgeizige Ziel ist nach meiner
Sanitätsdienstes Überzeugung ein wesentlicher Grund für die Akzeptanz
Schon in meinem vorangegangenen Jahresbericht hatte der Auslandseinsätze bei unseren Soldatinnen und Solda-
ich die Frage aufgeworfen, wie unter den gegenwärtigen ten. Bisher war es möglich, in Notsituationen – bei schwe-
Voraussetzungen und Rahmenbedingungen die sanitäts- ren Verwundungen und lebensbedrohlichen Verletzungen
dienstliche Versorgung gesichert und die Attraktivität des durch Anschläge oder Unfälle – die Erstversorgung vor
Sanitätsdienstes gewahrt werden kann. Die Antwort auf Ort (so genannte „Goldene Stunde“) sowie die anschlie-
diese entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nach wie ßende lückenlose Rettungskette sicherzustellen. Das
vor offen. muss auch künftig unter allen Umständen gewährleistet
sein.
Die Führung des Sanitätsdienstes hat endlich auf die
ernste Lage reagiert. Um den Sanitätsdienst und beson- Nach meiner Einschätzung, die ich in Gesprächen mit
ders das Berufsbild „Sanitätsoffizier“ attraktiver zu ge- Einsatzteilnehmern sowie meinem Truppenbesuch in
stalten, wurden zu Beginn des Jahres 2009 Sofortmaß- Afghanistan im Juni 2009 im Hinblick auf die notfallme-
nahmen ergriffen. Dazu gehört die neu geschaffene dizinische Versorgung Verwundeter gewonnen habe, ha-
Zulage für Ärzte im Fach- und Rettungsdienst, die aber ben sich etwaige Mängel in Bezug auf die Rettungsketten
wegen ihrer Begrenzung auf Arztgruppen mit Abwande- bisher nicht negativ ausgewirkt. Auf die mir aufgefalle-
rungstendenzen ein falsches Signal gegeben und viel Un- nen Schwachstellen in der medizinischen Einsatzversor-
ruhe nicht nur in der Ärzteschaft ausgelöst hat. Die Zu- gung habe ich den Verteidigungsausschuss des Deutschen
lage kann daher nur als eine erste Maßnahme auf dem Bundestages nach meinem Afghanistanbesuch in einem
Weg zu einer deutlichen Verbesserung der Attraktivität Sonderbericht hingewiesen.
des Dienstes verstanden werden.
Ein Problem besteht darin, dass Einsatzteilnehmer neben
Die 2009 eingerichtete ministerielle Arbeitsgruppe „At- der teilweise fehlenden materiellen Ausrüstung und Aus-
traktivität und Funktionalität des Sanitätsdienstes der stattung nicht immer über die erforderliche einsatzorien-
Bundeswehr“ hatte den Auftrag, konkrete Vorschläge zu tierte rettungs- und notfallmedizinische Ausbildung und
erarbeiten, wie die Bindung des Personals an den Sani- Praxis verfügen sowie die notwendige Einweisung vor
tätsdienst erhöht und die Struktur und Funktionalität des dem Einsatz erhalten. Von Sanitätsoffizieren mit Ein-
Sanitätsdienstes verbessert werden können. satzerfahrung wird insbesondere das mangelnde Ausbil-
dungsniveau von Sanitätsärzten und Rettungsassistenten
In dem vorliegenden Maßnahmenkatalog sind personelle,
im Vergleich zum zivilen Rettungsdienst beklagt, das
finanzielle und strukturelle Verbesserungen und Anpas-
heißt fehlende praktische Rettungsdiensterfahrung und
sungen im Sanitätsdienst vorgesehen. So soll eine Neu-,
damit Routine – und das angesichts der erschwerten Be-
das heißt Höherbewertung von 196 kurativen Facharzt-
dingungen vor Ort. Einige Einsatzteilnehmer haben mir
Dienstposten erfolgen, die Personalführung soll verbes-
gegenüber darauf hingewiesen, dass sie sich aufgrund ei-
sert werden und die Laufbahngestaltung und Versorgung
gener Initiative in ihrer Freizeit durch freiwillige Einsätze
unter anderem im Hinblick auf die Berücksichtigung von
im zivilen Rettungsdienst die erforderliche praktische Er-
Einsätzen bei der Lebensarbeitszeit sollen überprüft wer-
fahrung aneignen.
den. Außerdem wird ein finanzielles Vergütungssystem
für ärztliche Anwesenheits- und Rufdienste in den Bun- Die angesprochenen Ausbildungsdefizite sind sehr ernst
deswehrkrankrenhäusern erwogen. Die Kompensation fa- zu nehmen, denn sie können in der Regel während des
milienbedingter Abwesenheiten soll ebenfalls verbessert Einsatzes nicht nachgeholt werden. Um den Einsatzerfor-
werden. Schließlich ist eine zentralisierte Führung der dernissen gerecht zu werden, hat der Inspekteur des Sani-
Bundeswehrkrankenhäuser beabsichtigt. Unabhängig von tätswesens inzwischen angewiesen, dass in Afghanistan
der offenen Frage, ob der Maßnahmenkatalog zu einer außerhalb von Lagern nur noch Arzttrupps eingesetzt
Verbesserung der Attraktivität des Sanitätsdienstes führen werden dürfen, wenn sie mit einem qualifizierten Ret-
kann, sind einige der Maßnahmen mit erheblichen Kosten tungsmediziner, das heißt einem Sanitätsoffizier Arzt-
verbunden und mit anderen Ressorts abzustimmen, so Rettungsmedizin („BAT-Arzt“), besetzt sind. Vorausset-
dass erst mittelfristig mit Resultaten zu rechnen ist. Der zung dafür ist allerdings, dass hinreichend Rettungsmedi-
Sanitätsdienst benötigt aber schnelle Lösungen. ziner zur Verfügung stehen. Künftig ist deshalb für jeden
Sanitätsoffizier-Arzt der Lehrgang „Notfallmedizin“ ver-
12.6 Vorbereitung der Angehörigen des pflichtend.
Sanitätsdienstes auf Auslandseinsätze
Die einsatzchirurgische Weiterbildung wurde mit dem
Rund 580 Angehörige des Sanitätsdienstes sind ständig Ziel eines höheren traumatologischen Kompetenzerwerbs
im Auslandseinsatz, darunter circa 130 Ärzte. Sie haben 2009 neu konzipiert. Auch Rettungsassistenten und Ein-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 55 – Drucksache 17/900

satzsanitäter sollen durch Einsätze im zivilen Rettungs- der Marine eingetreten ist. Deshalb wurde der Fall anony-
dienst mehr Wissen und Erfahrung sammeln, um im Ein- misiert zur beispielhaften Darstellung der Notwendigkeit
satz bestehen zu können. Außerdem soll die allgemeine ausführlicher Dokumentation in den Gesundheitsunterla-
Sanitätsausbildung der Truppe verbessert werden, um im gen sowie der umfassenden Aufklärungspflicht der Sani-
Einsatz gegebenenfalls auch ohne Sanitätspersonal quali- tätsoffiziere auf einer Tagung der Leitenden Sanitäts-
fizierte „Erste Hilfe“ leisten zu können. offiziere genutzt. Gegenüber dem Petenten wurde die
unterbliebene Information bedauert.
12.7 Grundversorgung der Soldaten
im Inland 12.8 Posttraumatische Belastungsstörungen
Auch wenn nach Umfragen ein Großteil unserer Soldatin- Ein Thema, das mich seit Beginn meiner Amtszeit be-
nen und Soldaten mit dem Sanitätsdienst zufrieden ist, schäftigt, sind die psychischen Belastungen der Soldatin-
beschwerten sich mir gegenüber immer wieder Soldaten- nen und Soldaten im Auslandseinsatz und deren mögliche
Patienten über die Realversorgung. Dazu gehörten Kla- gesundheitliche Folgen.
gen, die ich schon seit Jahren höre: Ständiger Wechsel bei Nicht zuletzt durch zwei Spielfilme im deutschen Fernse-
den behandelnden Ärzten, lange Anfahrtswege zu den Sa- hen sind Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)
nitätszentren, lange Wartezeiten, Nichteinhaltung von infolge eines Auslandseinsatzes verstärkt ins Blickfeld
Terminen, häufige Notfallsprechstunden und Begutach- der Öffentlichkeit gerückt.
tungen, die mehrere Wochen dauern. Seit kurzem wird
auch die telefonische Erreichbarkeit von Sanitätseinrich- Die Anzahl der an PTBS erkrankten Soldatinnen und Sol-
tungen bemängelt. Der Grund dafür ist offenbar, dass die daten hat sich seit Beginn der Auslandseinsätze der Bun-
Einrichtungen nicht mehr direkt angewählt werden kön- deswehr kontinuierlich erhöht. 2009 sind insgesamt
nen, sondern neu eingerichtete zentrale Fernsprech- 466 Soldatinnen und Soldaten mit der Diagnose PTBS
vermittlungsstellen den Kontakt herstellen. Die dortige behandelt worden. Damit hat sich die Anzahl der PTBS-
Auskunfts- und Vermittlungstätigkeit muss verbessert Erkrankten gegenüber 2008 mit 245 Fällen nochmals
werden. deutlich fast verdoppelt. Fast 90 Prozent der PTBS-Fälle
(418) entfallen auf Soldaten des ISAF-Kontingents. Für
Auch mit Beratungs- und Behandlungsfehlern musste ich den Anstieg gibt es zwei wesentliche Gründe: zum einen
mich 2009 wieder befassen. die erhöhte Zahl der Soldaten im Einsatz, zum anderen
Zwei Beispiele: die Zunahme der Einsatzintensität und die kriegsähnli-
chen Verhältnisse in Afghanistan, insbesondere im Raum
Eine Soldatin beklagte sich über einen Vertragsarzt, der Kunduz.
anlässlich diagnostischer Untersuchungen für eine „Kin-
derwunschtherapie“ sinngemäß geäußert habe, dass die Nach wie vor ungeklärt ist die Dunkelziffer psychisch er-
Natur sehr intelligent sei und bestimme, wer Kinder be- krankter Soldaten. Nach meinen Erkenntnissen werden in
kommen dürfe und wer nicht, wer sein Erbgut weiterge- der Truppe psychische Erkrankungen nach wie vor als
ben solle und wer nicht, und dass jemand mit einer Er- stigmatisierend empfunden und von Betroffenen insbe-
krankung (gemeint war die Petentin) vielleicht keine sondere aus Angst vor persönlichen Nachteilen nicht of-
Kinder bekommen solle. Der eingeschaltete Führungsstab fenbart. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die tat-
des Sanitätsdienstes bedauerte gegenüber der Soldatin sächliche Zahl psychisch Erkrankter um einiges höher
diese inakzeptablen Äußerungen. Der Vertragsarzt wurde liegt als die festgestellten Fälle. Um eine verlässliche Ab-
aufgefordert, sich künftig im Ton zu mäßigen und die not- schätzung der Größenordnung des Problems zu erhalten,
wendige Sensibilität im Umgang mit Patienten aufzubrin- wurde inzwischen ein entsprechender Forschungsauftrag
gen. vergeben (so genannte „Dunkelziffer-Studie“). Dies ist
ausdrücklich zu begrüßen.
Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung wurde bei einem
Psychische Belastungsstörungen dürfen auch in der Bun-
Petenten Darmkrebs festgestellt. Die entnommene Probe
deswehr kein Tabu-Thema mehr sein. Psychische Störun-
wurde im Bundeswehrkrankenhaus untersucht und dabei
gen wie PTBS müssen genauso wie körperliche Verlet-
eine erbliche Veranlagung zur Ausbildung bösartiger Tu-
zungen akzeptiert werden und dürfen nicht zu beruflichen
more festgestellt. Dieser Befund erreichte jedoch weder
Nachteilen für die betroffenen Soldatinnen und Soldaten
das den Petenten operierende zivile Krankenhaus noch
führen. Die verantwortlichen Vorgesetzten auf allen
den zuständigen Bundeswehrarzt. Der Befund wurde
Ebenen müssen noch weitergehender als bisher für diese
zwar in der G-Karte abgelegt, fand aber keine weitere Be-
Thematik sensibilisiert werden. Vorbehalte gilt es abzu-
achtung. Erst im Rahmen einer späteren Tumornachsor-
bauen.
geuntersuchung fiel dem untersuchenden Sanitätsoffizier
dieser Befund auf und wurde dem Patienten eröffnet. Der Was Informationen rund um das Thema PTBS angeht,
eingeschaltete Führungsstab des Sanitätsdienstes stellte wird das private Online-Beratungsangebot „www.angriff-
fest, dass, bedingt durch die Vielzahl der beteiligten Ein- auf-die-seele.de“, über das ich im letzten Jahr berichtet
richtungen, ein Kommunikationsversagen mit Informa- habe, inzwischen gut angenommen, und bietet kompe-
tionsverlusten zwischen Bundeswehrkrankenhäusern, tente Informationen und fachliche Beratung im Zusam-
regionalen Sanitätseinrichtungen sowie dem Zentralen menhang mit PTBS an. Das ungebrochene Interesse an
Sanitätsdienst der Bundeswehr und dem Sanitätsdienst diesem Angebot zeigt die große Anzahl der Zugriffe von
Drucksache 17/900 – 56 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

circa 140 000 pro Monat. Mein besonderer Dank gilt Inanspruchnahme ziviler Einrichtungen kompensiert wer-
Hauptfeldwebel Frank Eggen für das von ihm ehrenamt- den. Dies ist meines Erachtens nicht ausreichend. Der Sa-
lich geführte Online-Portal sowie Oberstarzt Dr. Peter nitätsdienst der Bundeswehr sollte selbst in der Lage sein,
Zimmermann aus dem Bundeswehrkrankenhaus Berlin allen betroffenen Soldatinnen und Soldaten die notwendi-
für die fachkundige Unterstützung und Beratung dieser gen Untersuchungen und Behandlungen schwerpunktmä-
Internetplattform. Als Schirmherr unterstütze ich dieses ßig in Traumazentren anzubieten. Zivile Einrichtungen
Forum durch einen engen Meinungsaustausch. Diese bei- sollten nur ausnahmsweise in diesen Prozess einbezogen
spielhafte Privatinitiative soll künftig zur besseren recht- werden. Nach meinen Informationen fühlen sich einige
lichen Absicherung in Vereinsform weitergeführt werden. zivile Therapeuten mit der Behandlung von Soldaten
überfordert oder lehnen sie ab. Die Bundeswehr muss da-
Seitens der Bundeswehr ist 2009 eine kostenlose ano- her alle Möglichkeiten ausschöpfen, um hinreichend
nyme Telefon-Hotline sowie ebenfalls eine Online-Bera- Fachärzte zu gewinnen. Dabei sollte vor allem die Attrak-
tung („www.ptbs-hilfe.de“) hinzugekommen. tivität des Dienste für diese Berufsgruppe verbessert wer-
Der in Gedenken an das im Jahr 2003 in Kabul verübte den.
Busattentat im Jahr 2009 gegründete Verein „Traumalos
PTBS sind häufig Gegenstand von Wehrdienstbeschädi-
e.V.“ mit dem Internetportal „www.traumalos.de“ bietet
gungsverfahren (WDB-Verfahren). Nach Auskunft des
Traumatisierten durch Information und Beratung Hilfe
Bundesministeriums der Verteidigung wurden bis heute
an. Eine weitere private Initiative ging im Berichtsjahr
über 600 WDB-Verfahren wegen PTBS durchgeführt. In
von Frau Birgit Klimkiewicz, der Mutter eines nach ei-
weniger als einem Drittel der Fälle wurde eine WDB an-
nem Afghanistaneinsatz an PTBS erkrankten Soldaten,
erkannt. Die hohe Zahl abgelehnter WDB-Anträge ist vor
aus. Auch sie hat vor kurzem aufgrund ihrer Erfahrungen
allem auf die schwere Beurteilung der Kausalität zwi-
mit der Erkrankung ihres Sohnes eine Selbsthilfegruppe
schen Einsatz und Erkrankung zurückzuführen, insbeson-
für Angehörige psychisch erkrankter Soldaten ins Leben
dere wenn die Erkrankung in einem größeren zeitlichen
gerufen. Die Selbsthilfegruppe „Eisblume“ bietet unter
Abstand zu dem Auslandseinsatz auftritt. Vor dem Hin-
dem Dach der „Jenny-Böken-Stiftung“ ihre Hilfe an.
tergrund der besonderen Fürsorgepflicht des Dienstherrn
Das Erkennen und Eingehen auf PTBS ist eine zentrale sollte darüber nachgedacht werden, ob angesichts des
Aufgabe der Vorgesetzten sowie der in den psychosozia- schwer zu führenden Beweises die Kausalität zwischen
len Netzwerken zusammengefassten Truppenärzte, Trup- dem Einsatz und der Erkrankung mit der Möglichkeit des
penpsychologen, Militärseelsorger und Sozialarbeiter. Gegenbeweises durch den Dienstherrn unterstellt werden
Inzwischen gibt es 79 standortbezogene psychosoziale kann.
Netzwerke.
Die bundeswehreigene Forschung auf dem Gebiet der
Belastete Soldatinnen und Soldaten ohne Anzeichen einer psychischen Gesundheit wird seit dem 1. Mai 2009 durch
therapiepflichtigen psychischen Erkrankung können im den Fachbereich Psychische Gesundheit am Institut für
Rahmen eines Erholungskonzeptes im vortherapeutischen den medizinischen Arbeits- und Umweltschutz in Berlin
Raum eine Präventivkur zur Unterstützung ihrer Regene- wahrgenommen. Ich stand dieser Konzeption von Anfang
ration durchführen. Seit 2005 nimmt die Anzahl der Prä- an skeptisch gegenüber. Ein unangemeldeter Besuch die-
ventivkuren kontinuierlich zu, wobei die Anzahl geneh- ser Einrichtung hat mich in dieser Haltung bestärkt. Die
migter Kuren im Berichtsjahr mit rund 1 440 gegenüber Dienstpostenausstattung ist für ein Forschungsinstitut
653 im Vorjahr nochmals um mehr als das Doppelte ge- nicht ausreichend. Auch die technische Ausstattung ist
stiegen ist. Die Durchführung der Präventivkuren erfolgt unzureichend. Ob unter solchen Rahmenbedingungen
in acht ausgewählten zivilen Einrichtungen. Forschungsleistungen in angemessenem Umfang und gu-
ter Qualität erbracht werden können, erscheint zumindest
Die Diagnostik und Behandlung psychisch traumatisierter
zweifelhaft. Das wird auch von anderer Seite so gesehen.
Soldatinnen und Soldaten erfolgt grundsätzlich an den
Erhebliche Kritik an der Forschungsqualität des Instituts
Bundeswehrkrankenhäusern und Fachsanitätszentren.
wurde vom Wissenschaftsrat geäußert.
Allerdings ist die Bundeswehr für die Behandlung trau-
matisierter Soldaten – auch 17 Jahre nach dem Auslands- Ein PTBS-Kompetenzzentrum, wie es der Deutsche Bun-
einsatz – noch nicht ausreichend gerüstet. Die Personal- destag 2009 gefordert hat, muss nach meiner Überzeu-
situation insbesondere bei den Fachärzten für Psychiatrie gung als zentrales eigenständiges Institut arbeiten und
ist äußerst angespannt. Von derzeit 38 besetzbaren forschen können und dazu mit ausreichend finanziellen
Dienstposten Sanitätsstabsoffizier-Psychiater sind nur Mitteln und hinreichend qualifiziertem Personal ausge-
22 besetzt. Die Personalengpässe haben bereits zur vo- stattet werden. Bei der Personalgewinnung wird auch die
rübergehenden Schließung einer Ambulanz und einer Attraktivität des Forschungsangebotes eine entscheidende
Bettenstation in den Abteilungen für Psychiatrie zweier Rolle spielen. Zudem halte ich eine enge Verzahnung der
Bundeswehrkrankenhäuser geführt. Im Afghanistanein- Forschung mit der Diagnostik und Behandlung in den
satz steht für rund 4 500 Soldaten gerade einmal ein Psy- Bundeswehrkrankenhäusern für erforderlich, um der Be-
chiater zur Verfügung. deutung eines Forschungs- und Kompetenzzentrums für
PTBS für die Bundeswehr gerecht zu werden, an dem
Daraus resultierende Engpässe bei der Diagnostik und Wissenschaftstransfer stattfinden kann. Auch in dem Ko-
Behandlung sollen nach Vorgabe des Ministeriums durch alitionsvertrag der neuen Bundesregierung wird die Be-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 57 – Drucksache 17/900

deutung eines solchen Zentrums herausgestellt, wenn da- hang nicht unterstellt werden sollte mit der Möglichkeit
rauf hingewiesen wird, dass „für infolge belastender des Gegenbeweises durch den Dienstherrn.
Ereignisse traumatisierte Soldatinnen und Soldaten die
Welche Folgen die bestehende Beweislast für einen Betrof-
Einrichtung eines Traumazentrums mit Priorität verfolgt
fenen haben kann, zeigte mir der Fall eines Oberstleutnants,
werden soll“.
der eine einsatzbedingte psychische Belastungsstörung gel-
tend machte. Die zuständige Wehrbereichsverwaltung
12.9 Erschwernisse im Rahmen der lehnte zunächst eine Wehrdienstbeschädigung wegen feh-
Bearbeitung von Wehrdienst- lenden ursächlichen Zusammenhangs zwischen Wehr-
beschädigungsverfahren dienstleistung und Gesundheitsstörung ab und führte die
Nach § 80 des Soldatenversorgungsgesetzes erhält ein Symptome auf „frühkindliche Erlebnisse“ zurück. Erst im
Soldat, der eine Wehrdienstbeschädigung erlitten hat, auf Rahmen der von mir angestoßenen Überprüfung wurde
Antrag eine Versorgung. Die Dauer der Bearbeitung der der Beschwerde des Betroffenen stattgegeben und eine
beantragten Wehrdienstbeschädigungsverfahren ist seit einsatzbedingte PTBS mit der Folge eines Schadensaus-
langem Quelle von Beanstandungen. gleichs anerkannt. Dieser und andere mir bekannte Fälle
machen deutlich, wie schwer es Betroffenen häufig fällt,
Das Verfahren selbst läuft regelmäßig wie folgt ab: Sach- eine PTBS als Grundlage für Ausgleichsansprüche nach-
verhaltsermittlungen durch die Wehrbereichsverwaltung zuweisen.
(WBV), anschließend versorgungsmedizinische gutach-
terliche Stellungnahme zur Beurteilung des kausalen Ein Beispiel eines überlangen WDB-Verfahrens sei an
Zusammenhanges zwischen Gesundheitsstörung und dieser Stelle erwähnt:
Wehrdienst mit Festlegung der Minderung der Erwerbsfä- Im August 2002 wurde ein Soldat auf der Heimfahrt vom
higkeit durch das Sanitätsamt der Bundeswehr sowie ab- Dienst in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem er sich
schließend Erstellung eines rechtsmittelfähigen Beschei- Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule zuzog. Auf
des durch die zuständige WBV auf der Grundlage der Antrag des Soldaten wurde Anfang 2003 das WDB-Ver-
versorgungsmedizinischen Stellungnahme. fahren durch die WBV eingeleitet. Die Sachverhalts-
ermittlungen wurden erst im Mai 2005 zum Abschluss
Dieser Verfahrensablauf birgt verschiedene Erschwer-
gebracht. Wegen fehlender Festlegung der Minderung der
nisse und Hemmnisse. Dazu gehören unter anderem die
Erwerbsfähigkeit durch das Sanitätsamt musste der Vor-
Verlängerung der Bearbeitungsdauer durch schwierige
gang im Oktober 2005 erneut dorthin zurückgegeben
Ermittlungen, mangelnde Mitarbeit der Verfahrensbetei-
werden. Im Dezember 2005 schlug das Sanitätsamt die
ligten sowie sich widersprechende fachärztliche Gutach-
Einholung eines orthopädischen Fachgutachtens im Bun-
ten beziehungsweise gutachterliche Äußerungen durch
deswehrkrankenhaus vor. Trotz mehrerer Erinnerungen
Ärzte ohne die hierzu erforderliche sozialmedizinische
ging das Gutachten erst im Juni 2009, das heißt dreiein-
Qualifikation, so dass das Sanitätsamt häufig noch ein
halb Jahre nach Erteilung des Gutachtenauftrags bei der
weiteres versorgungsmedizinisches Gutachten erstellen
WBV ein. Parallel dazu wurde im April 2003 im Auftrag
muss. Darüber hinaus geht nach Beendigung des Wehr-
der Versicherung des Verunfallten ein Gutachten zur Fest-
dienstes die Zuständigkeit für das WDB-Verfahren auf
stellung der Unfallfolgen erstellt. Dazu erbat die WBV
die Versorgungsämter der Länder über. Diese haben auf-
Anfang 2005 eine truppenärztliche Stellungnahme. Diese
grund von Personalabbau Kapazitätsprobleme bei der Be-
lag trotz Mahnungen erst im Juni 2009 vor. Nach Vorlie-
arbeitung.
gen des versorgungsmedizinischen Gutachtens durch das
Die zahlreichen Unwägbarkeiten des gesamten teilweise Sanitätsamt konnte erst gegen Ende des Jahres 2009 über
durch die Einschaltung von Gerichten noch verlängerten den WDB-Antrag entschieden werden. Bei Durchsicht
Verfahrens, die zu einer langjährigen Bearbeitungsdauer der WDB-Akte im Rahmen der von mir initiierten Über-
führen können, lassen bei Betroffenen immer wieder den prüfung wurde der wesentliche Grund der Verzögerungen
Vorwurf mangelnder Transparenz des Verfahrens auf- bei der Bearbeitung deutlich: Die Kontinuität der trup-
kommen. penärztlichen Behandlung als Voraussetzung der Kon-
trolle des Ablaufs des WDB-Verfahrens war nicht gege-
Der Nachweis der Kausalität zwischen der Gesundheits- ben. Durch Dienststellenwechsel wurde der Antragsteller
störung und dem Wehrdienst ist zentraler Bestandteil der im Zeitraum von 2003 bis 2007 von 12 unterschiedlichen
Begutachtung und entscheidend für die Anerkennung ei- Truppenärzten betreut. Für den Petenten war das WDB-
ner WDB. Insbesondere wenn es um posttraumatische Verfahren wegen der nicht geklärten Höhe des Versor-
Belastungsstörungen geht, ist neben der schwierigen Ab- gungsanspruchs Ende 2009 immer noch nicht abgeschlos-
grenzung zu Anpassungsstörungen die Kausalität zwi- sen. Dieses abschreckende Beispiel ist ein deutlicher Be-
schen Einsatz und Erkrankung schwer nachzuweisen. Ge- leg dafür, wie wichtig die ständige Überwachung eines
lingt es nicht, den Beweis des Ursachenzusammenhangs WDB-Verfahrens durch einen mit dem Verfahren betrau-
zu führen, geht dieses Risiko zu Lasten des WDB-An- ten Truppenarzt ist.
tragstellers. Vor diesem Hintergrund stellt sich im Inte-
resse der Betroffenen, zumeist Einsatzheimkehrer, aus
12.10 Radarstrahlenproblematik
meiner Sicht die Frage, ob es notwendig und zielführend
ist, dass die Kausalität im WDB-Verfahren positiv festge- 2009 befasste sich der Verteidigungsausschuss des Deut-
stellt werden muss, oder ob ein Kausalitätszusammen- schen Bundestages erneut mit der Radarstrahlenproblema-
Drucksache 17/900 – 58 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

tik und ließ sich vom Bundesministerium der Verteidigung tungsverfahren so zu gestalten, dass die Betroffenen
über den aktuellen Sachstand der Versorgungsanträge be- rechtzeitig vor Ablauf der von den Ärzten vorgegebenen
richten. Mit dem Interessenverband der Radarstrahlen- Zahlungsziele (in der Regel 2 bis 4 Wochen) über die Er-
opfer, dem „Bund zur Unterstützung Radargeschädigter stattungsbeträge verfügen können. Jedenfalls sind mona-
e.V.“, stehe ich in Kontakt. telange Bearbeitungszeiten mit der Fürsorgepflicht nicht
vereinbar. Deshalb erwarte ich, dass das Ministerium
Folgender Fall gibt mir Veranlassung, diese Problematik auch weiterhin alles unternimmt, um bundesweit die
nochmals aufzugreifen. Ein Radarstrahlenbetroffener selbstgesetzte Zielvorgabe einer maximalen Bearbei-
hatte sich im Juni 2000 an mein Amt gewandt. Nach Ab- tungsdauer von drei Wochen umzusetzen. Auch wenn
lehnung seines Antrages auf eine Entschädigungsleistung vom Ministerium Gründe für den Arbeitsrückstand vor-
durch die Bundeswehrverwaltung klagte er vor dem Ver- getragen wurden, bleibt die Frage, warum sie in dieser
waltungsgericht. Seine Klage hatte vor dem Oberverwal- massiven Form nur im Bereich der WBV West auftraten.
tungsgericht Erfolg. Der Bund wurde verpflichtet, die Er-
krankung des Klägers als Berufskrankheit anzuerkennen
und Entschädigung zu leisten. Trotz meiner Anregung, 13 Infrastruktur
das Verfahren nach neun Jahren im Interesse des Betrof-
13.1 Verfahren bei Baumaßnahmen
fenen zu beenden, legte das Ministerium wegen der mög-
lichen Präzedenzwirkung noch das zulässige Rechtsmittel Aufgrund der grundgesetzlichen Trennung von Streitkräf-
ein. Dieses Verhalten ist für mich im Hinblick auf das ten und Bundeswehrverwaltung sind die Streitkräfte für
persönliche Schicksal des Petenten nicht nachvollziehbar. die Durchführung von Baumaßnahmen auf die Wehrver-
Ich appelliere, in den wenigen noch offenen Fällen die waltung angewiesen. Da Aufgaben des Bauwesens nicht
Betroffenen endlich angemessen zu entschädigen. auf die Bundeswehrverwaltung übertragen worden sind
– was nach Artikel 87b Absatz 1 Satz 3 Grundgesetz
möglich wäre –, darf die Wehrverwaltung nur bauplaneri-
12.11 Dauer der Beihilfebearbeitung sche Vorarbeiten durchführen, während für die Bauaus-
Seit Jahren ist wegen der steigenden Zahl der Versor- führung die Bauverwaltungen der Länder zuständig sind.
gungsempfänger ein kontinuierlicher Zuwachs der
Baumaßnahmen der Bundeswehr erfordern danach die
Beihilfeanträge zu verzeichnen. Um deren Bearbeitungs-
Zusammenarbeit der Streitkräfte, der Bundeswehrverwal-
zeiten zu senken, hatte das Bundesministerium der Vertei-
tung, der Bauverwaltungen der Länder und in der Regel
digung bereits im Mai 2008 einen umfangreichen
die haushaltsrechtliche Zustimmung des Bundesministers
Maßnahmenkatalog erlassen. Die Zielvorgabe einer
der Finanzen (BMF). Dieses mehrstufige Verfahren, das
durchschnittlichen Bearbeitungszeit von 9 Arbeitstagen
durch die Einschaltung von Kontrollinstanzen auf den
und einer Höchstbearbeitungszeit von 15 Arbeitstagen
verschiedenen Ebenen noch komplexer wird – teilweise
wurde bis Ende September 2008 annähernd erreicht. Da-
sind über 10 Stellen beteiligt –, führt dazu, dass eine ver-
nach stiegen die Bearbeitungszeiten, insbesondere im Be-
lässliche zeitliche Planung kaum möglich ist. Planung
reich der WBV West wieder deutlich an. 2009 erreichten
und Realisierung von Bauvorhaben der Bundeswehr dau-
mich hierzu rund 70 Eingaben.
ern deshalb selbst unter günstigen Bedingungen oft meh-
Das Bundesministerium der Verteidigung berichtete mir rere Jahre. Zudem führen Schwankungen in den jährli-
dazu, dass ab Oktober 2008 EDV-Probleme aufgetreten chen Mittelzuweisungen zu Eingriffen in bestehende
waren. Im Februar 2009 habe ein fehlerhaftes Datenver- Planungen und laufende Bauvorhaben. Selbst wichtige
arbeitungsprogramm mit einem Totalausfall des Beihilfe- Vorhaben sind davon nicht ausgenommen. Durch derart
abrechnungssystems zu erheblichen weiteren Verzöge- bedingte Verzögerungen werden teilweise die Notwen-
rungen geführt. Ein hoher Krankenstand in der WBV digkeit und Zweckmäßigkeit von Bauvorhaben überholt
West sowie die Umsetzung der zum Jahresanfang in Kraft und machen Neuplanungen erforderlich. Erschwerend
getretenen Bundesbeihilfeverordnung und eine gestie- kommt hinzu, dass durch die verstärkte Bautätigkeit der
gene Zahl von Widersprüchen hätten zusätzlichen Ar- Bundeswehr aufgrund des laufenden Modernisierungs-
beitsaufwand verursacht. Zwischenzeitlich sei ein Ar- programms die Planungskapazitäten der Landesbauver-
beitsrückstau von bis zu 35 000 Anträgen eingetreten. waltungen überfordert sind.
Zum 1. März 2009 wurden daraufhin 30 zusätzliche Bei-
hilfedienstposten, davon 14 in der WBV West eingerich- Welche zeitlichen Verzögerungen sich aufgrund der
tet, deren Besetzung zum 1. Juli 2009 erfolgte. Die neuen Haushaltsvorgaben und der komplexen Organisations-
Mitarbeiter mussten zunächst ausgebildet werden, so dass struktur im Bereich der Bauvorhaben ergeben können,
sie erst danach zu einer nachhaltigen Reduzierung der zeigte sehr deutlich die Planung und Fertigstellung des
Antragsrückstände beitragen konnten. Weiterhin wurden Abfertigungsgebäudes für die Flugbereitschaft des Bun-
zur kurzfristigen Entlastung rund 11 Prozent der Bei- desministeriums der Verteidigung auf dem Flughafen
hilfeakten der WBV West auf andere Beihilfestellen ver- Köln/Bonn. Die Planung begann bereits im Jahr 1995.
lagert. Durch die erforderlichen baulichen Änderungen aufgrund
einer Überarbeitung des Sicherheitskonzepts und neuer
Auch wenn die Bundesbeihilfeverordnung keine zeitliche Vorgaben des Luftsicherheitsgesetzes und wegen der da-
Vorgabe für die Bearbeitung von Anträgen enthält, gebie- mit verbundenen Kostensteigerungen sowie haushaltsmä-
tet es die Fürsorgepflicht des Dienstherrn, das Erstat- ßigen Anerkennung der Mehrkosten erfolgte die Über-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 59 – Drucksache 17/900

gabe des Neubaus erst 2009, so dass der Zeitraum von der Ein in der Waldkaserne in Hilden stationierter Soldat be-
Planung bis zur Gebäudeübergabe rund 15 Jahre betrug. richtete über vermehrten Schimmelbefall im Keller und in
Unterkunftsräumen, der nach seiner Einlassung mit ei-
Die militärischen Bedarfsträger und Nutzer vor Ort, die nem gehäuften Auftreten von Atemwegserkrankungen
die militärischen Infrastrukturforderungen stellen, sind einherging. Das Bundesministerium der Verteidigung be-
– wie dargestellt – auf Entscheidungen der Wehrverwal- richtete dazu, die überwiegend in den 30iger Jahren er-
tung, der Landesbauverwaltungen sowie die Zustimmung richteten Gebäude wiesen in den Kellerräumen seit eini-
des BMF angewiesen. Die Nutzer beklagen mir gegen- gen Jahren Feuchtigkeitsschäden auf, was wegen der
über häufig, auf das Verfahren, insbesondere die eigentli- fehlenden Dauernutzung des Kellers für den Aufenthalt
che Bauausführung, kaum Einfluss zu haben. Obgleich von Personen kein gravierendes Problem darstelle. In ei-
sie Fehlentwicklungen bei der Bauausführung vor Ort am nem Gebäude sei indes auch in den Unterkunftsräumen
ehesten erkennen könnten, hätten sie kaum Möglichkei- Schimmel aufgetreten, was zu deren Schließung geführt
ten zum Eingreifen. Den Ausspruch von für die Infra- habe. Der vom Petenten vermutete Zusammenhang mit den
struktur Verantwortlichen „Öffentliches Bauen dauert verstärkt auftretenden Atemwegserkrankungen müsse be-
Jahre. Das ist ärgerlich.“ höre ich in diesem Zusammen- stätigt werden. Bei den Nutzern seien gehäuft unspezifi-
hang immer wieder. sche Symptome wie Bindehaut-, Hals- und Nasenreizun-
Bereits in meinen beiden letzten Jahresberichten hatte ich gen sowie Husten, Kopfschmerzen und Müdigkeit
auf die komplexen und teilweise unübersichtlichen Zu- aufgetreten, die bei längerer Nichtnutzung der Gebäude
ständigkeiten bei Baumaßnahmen hingewiesen. Es sollte rasch abgeklungen seien. Dies deute auf einen Zusam-
weiterhin geprüft werden, wie das Verfahren durch Straf- menhang hin. Auch wenn es sich nicht um ernsthafte Er-
fung und Bündelung von Aufgaben überschaubarer ge- krankungen handele, seien sofortige Sanierungsmaßnah-
staltet und zeitlich gekürzt werden kann. Dabei sollten men beziehungsweise eine Einstellung der Nutzung
insbesondere die Nutzer vor Ort bei der Bauausführung verfügt worden. Das Gebäude solle 2010 grundsaniert
und deren Kontrolle stärker eingebunden werden. werden.
Der Vorgang zeigt, dass die mir immer wieder berichteten
13.2 Infrastrukturmängel Fälle von Schimmelbefall wegen der möglichen gesund-
heitlichen Auswirkungen auf die Soldaten ernst genom-
Auch 2009 erreichten mich zahlreiche Eingaben, in denen
men werden müssen.
Mängel der Infrastruktur beanstandet wurden. Es zeichnet
sich indes ab, dass deren Anzahl nachlässt. Gleichwohl
gibt es trotz aller Fortschritte noch Sanierungsbedarf wie 13.3 Pendlerunterkünfte
die nachfolgenden Beispiele zeigen. Im Vorjahr hatte ich auf die Probleme der nicht unter-
Von einem Einheitsführer wurde beanstandet, dass die kunftspflichtigen Soldaten bei der Suche nach einer
Sanierung der sanitären Einrichtungen in einem Unter- bezahlbaren Unterkunft hingewiesen, wenn sie nach Voll-
kunftsgebäude in der Oberfeldkaserne in Immendingen endung des 25. Lebensjahres die Kaserne mangels ausrei-
auch nach sechs Monaten noch nicht abgeschlossen sei. chender Unterkunftskapazitäten verlassen müssen. Eine
Die beauftragten Unternehmen seien häufig gar nicht an- von mir angemahnte Lösung des Problems ist leider nicht
zutreffen. Seine Soldaten müssten die Sanitäranlagen in in Sicht; vielmehr verstärkt sich der Eindruck, dass die
einem Nachbargebäude nutzen, was gerade im Winter un- hierzu eingeleiteten Pilotprojekte unter Mitwirkung der
zumutbar sei. Die Prüfung ergab, dass die Verschiebung g.e.b.b. auf der Stelle treten und bislang keine wesentli-
der Arbeiten auf einem Verzug des beauftragten Unter- chen Verbesserungen gebracht haben.
nehmens beruhte. Das für die Vertragsabwicklung zustän- Ein wesentliches Hindernis dürften haushaltsrechtliche
dige staatliche Hochbauamt Freiburg war gehalten, die Beschränkungen sein. Aus dem allgemeinen Fürsorgege-
säumige Firma zunächst nach der Vergabe- und Vertrags- danken des § 31 Soldatengesetz lassen sich nach Auffas-
ordnung für Bauleistungen (VOB) mehrfach in Verzug zu sung des Bundesministeriums der Verteidigung keine
setzen. Trotzdem wurden nur Teilleistungen erbracht. Auf Ansprüche auf Bereitstellung von Unterkünften für nicht-
eine Vertragskündigung wurde wegen der mit einer Neu- unterkunftspflichtige Soldaten herleiten, weil die Fürsor-
ausschreibung verbundenen zeitlichen Verzögerung geleistungen des Dienstherrn bei Versetzungen und
verzichtet und zeitnah eine letzte Nachfrist zur Leistungs- Kommandierungen durch spezialgesetzliche Regelungen
erfüllung mit Androhung von Auftragsentzug und Scha- (Reisekosten-, Trennungsgeld- und Umzugskostenrecht)
densersatzforderungen gesetzt. Dieser Nachfrist kam das abschließend konkretisiert sind. Da es schlechterdings an
Unternehmen inzwischen nach, die Sanitäranlagen konn- einem militärischen Bedarf im Sinne des Haushaltsrechts
ten wieder zur Nutzung freigegeben werden. fehlt, dürfen für die in Pilotprojekten angedachten
Kooperationsmodelle mit der Wirtschaft keine Bundes-
Der Fall zeigt beispielhaft, wie neben der komplexen Zu-
mittel eingebracht werden.
ständigkeitsaufteilung bei der Ausführung von Baumaß-
nahmen auch zwingende Vorschriften des öffentlichen So hat das Bundesministerium der Verteidigung zu Über-
Vergaberechts zu erheblichen Verzögerungen führen kön- legungen, am Pilotprojektstandort Seedorf ein Grund-
nen, weil sie keine so flexiblen Reaktionen bei Leistungs- stück aus dem eigenen Ressortvermögen einem Investor
störungen erlauben, wie sie einem privaten Vertragspart- zur Errichtung mobiler Wohnheime zur Verfügung zu
ner möglich wären. stellen, darauf hingewiesen, dass dies nur im Rahmen ei-
Drucksache 17/900 – 60 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

ner zeitlich befristeten, entgeltlichen Mitbenutzung des 1. Januar 2009 und befristet bis zum 31. Dezember 2014
Grundstücks möglich sei. Vor diesem Hintergrund halte erhöht. Sie beträgt nunmehr monatlich 600 Euro, ist aber
ich es für notwendig zu prüfen, ob durch Änderungen im auf die Piloten der Luftwaffe beschränkt, die mit der Be-
Trennungsgeld- und Umzugskostenrecht, das abschlie- rechtigung eines Kommandanten auf Transportflugzeu-
ßend die Ansprüche der Soldaten regelt, zumindest finan- gen eingesetzt werden, für die eine Mindestbesatzung von
zielle Verbesserungen für die Soldaten erreicht werden zwei Luftfahrzeugführern vorgesehen ist. Welche Flug-
können. Dies könnte zum Beispiel durch eine gesetzliche zeuge danach für die Gewährung der Zulage in Betracht
Wahlfreiheit zwischen Umzugskostenvergütung oder kommen, wurde durch Verwaltungsvorschrift festgelegt.
Trennungsgeld und eine Pauschalvergütung erfolgen,
auch wenn dies zunächst keinen zusätzlichen Wohnraum In 408 Eingaben wurde beanstandet, dass die Zulage nur
schafft. im Bereich der Luftwaffe gewährt werde, so dass Heeres-
flieger, Hubschrauberpiloten, Marineflieger und Besat-
Eine Verbesserung ist zwischenzeitlich beim Trennungs- zungsmitglieder der NATO E-3A-Verbände zu Unrecht
übernachtungsgeld erfolgt. Bei der Ermittlung der ortsüb- nicht berücksichtigt würden. Stattdessen forderten die Pe-
lichen Miete ist künftig nicht mehr vom Durchschnitt der tenten eine Berücksichtigung aller Flugzeugführer oder
ermittelten Mieten, sondern von den festgestellten örtli- eine angemessene Zulagenerhöhung für alle fliegenden
chen Höchstmieten auszugehen. Ich begrüße diese Rege- Besatzungsmitglieder, abgestuft nach Verantwortungsbe-
lung, die insbesondere trennungsgeldberechtigten Pend- reichen, weil auch diese im Sinne einer Teamarbeit an
lern in Großstädten zugute kommt. Bord eines Flugzeuges erhebliche Verantwortung hätten
und zum Gelingen eines Einsatzes beitrügen.
Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Augustdorf,
wo durch weitgehende Eigeninitiative der Verantwortli- Das Bundesministerium der Verteidigung hatte die Erhö-
chen eine beispielhafte Lösung der Pendlerproblematik hung der Zulage damit begründet, dass in den letzten
gefunden werden konnte. Aufgrund der Umsetzung des beiden Jahren eine nennenswerte Zahl erfahrener Spezia-
neuen Nutzungskonzepts für die General-Feldmarschall- listen die Bundeswehr vorzeitig verlassen habe. Dazu ge-
Rommel-Kaserne in Augustdorf war es notwendig, allen hörten insbesondere Luftfahrzeugführer mit Komman-
nicht unterkunftspflichtigen Soldaten die Berechtigung dantenberechtigung auf Transportflugzeugen der Luft-
zum Wohnen in der Truppenunterkunft zu entziehen; le- waffe.
diglich in 60 Härtefällen konnte eine befristete Ausnah-
megenehmigung erteilt werden. Von den circa 300 nicht Ich halte die in den Eingaben erhobene Kritik im Wesent-
unterkunftspflichtigen Soldaten (Mannschaften und Un- lichen für begründet. Eine Erhöhung der Zulage nur für
teroffiziere) äußerten 200 den Wunsch nach Bereitstel- solche Gruppen, die gegenwärtig eine verstärkte Abwan-
lung einer Unterkunft in oder nahe der Kaserne. Als Ende derungstendenz zeigen, mag zwar unter Umständen deren
2006 ein ziviler Investor eine Siedlung in unmittelbarer Verbleib in der Bundeswehr sichern, für andere Besat-
Nachbarschaft übernahm, konnte durch Zusammenarbeit zungsmitglieder, die einen qualitativ gleichwertigen
des Kasernenkommandanten mit der Gemeinde August- Dienst leisten, stellt dies aber eine Benachteiligung dar,
dorf der Investor bewegt werden, die Wohnungen so zu die demotivierend wirkt und das Gefühl und den Zusam-
gestalten, dass sie für pendelnde Soldaten attraktiv wur- menhalt im fliegerischen Dienst erheblich beeinträchtigt.
den. Der Investor bietet Drei- und Fünf-Raumwohnungen Die Zulagenregelung ist unter Berücksichtigung ihres
an, die als Wohngemeinschaften genutzt werden können Ziels und ihrer Wirkung daher unausgewogen und kann
und je Einzelzimmer und Zimmergröße zwischen allenfalls ein erster Schritt in Richtung einer Verbesse-
175 und 225 Euro Warmmiete kosten. Er erhebt bei Sol- rung der Attraktivität des fliegerischen Dienstes sein.
daten keine Kaution, begnügt sich mit einer Kündigungs-
frist von einem Monat und bietet eine Komplettmöblie- 14.2 Einführung einer Zulage für Sanitäts-
rung einschließlich Einbauküche an. Der Mietpreis offiziere
beinhaltet auch Nebenkosten. Bereits 90 Pendler haben
Mit dem Dienstrechtsneuordnungsgesetz wurde auch eine
von diesem attraktiven Angebot Gebrauch gemacht.
Zulage für Sanitätsoffiziere Arzt mit der Fachkunde als
Auch an anderen Standorten werden unbürokratische Lö- Rettungsmediziner und für Fachärzte in Höhe von
sungen gesucht. So versucht man in Laupheim, zivile In- 600 Euro monatlich eingeführt. In 21 Eingaben beanstan-
vestoren zu gewinnen, die bezahlbaren Wohnraum für deten Ärzte, dass die Zulage den Sanitätsoffizieren Zahn-
Pendler zur Verfügung stellen. Allerdings kann die Lö- arzt, Veterinärmedizin und Apotheker versagt werde, ob-
sung der Pendlerproblematik nicht allein von Eigeninitia- wohl auch diese für die Versorgung im Einsatz wie im
tiven abhängen – der Dienstherr selbst muss nach einer Inland keine geringere Bedeutung hätten. Unverständlich
vernünftigen Lösung für alle Standorte suchen. sei, dass die Zulage nicht an die Einsatzfähigkeit für Aus-
landseinsätze gebunden sei und somit auch im Inland tä-
14 Zulagenwesen tige Ärzte von ihr profitierten.

14.1 Erhöhung der Stellenzulage für Piloten Von der Gewährung der Zulage sind etwa 800 Sanitätsof-
fiziere Arzt, die weder im Fachgebiet tätige Fachärzte
Mit dem Dienstrechtsneuordnungsgesetz (DNeuG) vom noch Rettungsmediziner sind, ausgeschlossen. Nach Aus-
5. Februar 2009 wurde die Stellenzulage für bestimmtes kunft des Bundesministeriums der Verteidigung war An-
fliegendes Personal der Luftwaffe rückwirkend zum lass für die Einführung der Zulage wie bei den Piloten der
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 61 – Drucksache 17/900

Umstand, dass qualifiziertes ärztliches Personal zuneh- sung der Zulagen für Minentaucher nunmehr mit Nach-
mend vorzeitig aus dem Dienstverhältnis ausschied. druck umgesetzt wird. Neben ausschließlich monetären
Verbesserungen ist auch zu prüfen, inwieweit strukturelle,
Die Zulage stellt zum einen auf qualitative Merkmale wie
laufbahnrechtliche und ausbildungstechnische Aspekte zu
eine höherwertige Ausbildung bei Fachärzten oder das
einer Steigerung der Attraktivität des Dienstes bei den
Erfordernis einer höheren Bereitschaft zur Weiterbildung
Minentauchern genutzt werden können.
ab, zum anderen auf das Kriterium der Abwanderungs-
tendenz und die Bedeutung der jeweiligen Arztgruppe für
die Einsatz- und Inlandsversorgung. Diese qualitativen 15 Umzugskostenzusage und
Kriterien überzeugen nicht. Es ist nicht einsehbar, dass Versetzungspraxis
Unterschiede im Umfang der Ausbildungsdauer zum Bei- Seit 2003 regelt der Transformationserlass, dass die Ver-
spiel zwischen Humanmedizinern und Zahnärzten oder setzung von Verheirateten beziehungsweise Unverhei-
des Umfangs der späteren Weiterbildung als Grund für rateten mit „berücksichtigungsfähigen“ Kindern auf
eine Differenzierung bei der Gewährung der Zulage her- maximal drei Jahre, die von Unverheirateten mit einer be-
halten sollen, Unterschiede in der tatsächlichen Belastung rücksichtigungsfähigen Wohnung auf maximal zwei
jedoch nicht berücksichtigt werden. Soweit auf das Krite- Jahre begrenzt wird. Dies hat zur Folge, dass die Zusage
rium der Abwanderungstendenz abgestellt wird, mag die der Umzugskostenvergütung (UKV) nicht erteilt wird
Auswahl der begünstigten Gruppen von Sanitätsoffizie- und die Betroffenen für die Zeitdauer der Versetzung An-
ren sinnvoll sein; grundsätzlich ist jedoch fragwürdig, spruch auf Trennungsgeld haben. Der Erlass wurde bisher
dieses Kriterium zum Anlass der Einführung einer Zulage jährlich verlängert, zuletzt bis Ende 2010.
zu nehmen. Eine rein monetäre Vergünstigung nur für
solche Ärzte, die eine erhöhte Abwanderungstendenz Ein Luftwaffensoldat kritisierte, dass er im Oktober 2002
zeigen, muss für alle anderen Arztgruppen – zumal wenn eine Versetzungsverfügung an seinen neuen Standort er-
sie letztlich eine qualitativ gleichwertige Leistung erbrin- halten habe, der geplante Dienstantritt aber erst für März
gen – demotivierend wirken. Ich halte daher die derzei- 2005 vorgesehen gewesen sei. Der Dienstantritt habe
tige Zulagenregelung auch im Bereich der Ärzte für un- dann wegen Verzögerungen bis September 2006 verscho-
ausgewogen. ben werden müssen. Zum Zeitpunkt der Zusage der Um-
zugskostenvergütung habe er noch keinen eigenen Haus-
stand besessen, so dass ihm die Umzugskostenzusage
14.3 Erhöhung der Minentaucherzulage
erteilt worden sei mit der Folge, keine trennungs-
Von den Minentauchern ist mir bei Truppenbesuchen im- geldrechtlichen Ansprüche geltend machen zu können.
mer wieder vorgetragen worden, dass die ihnen zustehen- Seit Oktober 2003 verfüge er über einen berücksichti-
den Zulagen, die in der Vergangenheit durch Kürzung gungsfähigen Hausstand. Wäre die Versetzung – wie bei
und Versteuerung reduziert worden seien, den erhebli- anderen Soldaten – zeitnah zum tatsächlichen Dienstan-
chen Anforderungen dieses Dienstes nicht mehr gerecht tritt verfügt worden, hätte sein Hausstand berücksichtigt
würden. Die Tauchgänge erforderten eine sehr hohe kör- und auf eine UKV-Zusage verzichtet werden können.
perliche und psychische Belastbarkeit. Die bisherige Zu- Durch das Auseinanderfallen von Versetzungsverfügung
lage von nur rund 380 Euro führe dazu, dass Minentau- und tatsächlichem Dienstantritt habe er seinen Tren-
cher zu zivilen Landesräumkommandos oder zu anderen nungsgeldanspruch verloren und fühle sich benachteiligt.
Bundeswehrverbänden wie dem KSK abwanderten. Da-
Das Bundesministerium der Verteidigung wies darauf
durch sind erhebliche Nachwuchsprobleme bei den Mi-
hin, dass die zum Zeitpunkt der Versetzungsverfügung
nentauchern entstanden; fast jeder zweite Dienstposten ist
wegen des fehlenden eigenen Hausstandes rechtlich kor-
nicht besetzt.
rekte Entscheidung inzwischen bestandskräftig geworden
Der Inspekteur der Marine räumt der Lösung der perso- sei und deshalb eine Rücknahme oder ein Widerruf nach
nellen Probleme der Minentaucher hohe Priorität ein. Be- dem Verwaltungsverfahrensgesetz nicht mehr in Betracht
reits 2008 sei eine Ressortforderung erarbeitet worden, in komme. Die Diskrepanz zwischen Versetzungsverfügung
der eine Anhebung der Erschwerniszulage auf 550 Euro und tatsächlichem Dienstantritt erklärte das Ministerium
vorgesehen gewesen sei, so dass die Minentaucher insge- damit, dass die frühzeitige Versetzung aus Gründen der
samt mit der Stellenzulage Zulagen in einer Gesamthöhe STAN-Bewirtschaftung zwingend bereits zu diesem frü-
von monatlich rund 700 Euro hätten erhalten können. Die hen Zeitpunkt habe erfolgen müssen. Deshalb sei auch,
Erhöhung der Zulagen sei bis zur nächsten Legislatur- als sich eine weitere Verzögerung abzeichnete, eine Auf-
periode zurückgestellt worden. Die bereits geleisteten hebung der Versetzung und deren spätere zeitnahe Neu-
Vorarbeiten ermöglichten nach der Bundestagswahl ein verfügung nicht möglich gewesen.
zügiges Handeln.
Dieses Ergebnis ist unbefriedigend. Den Betroffenen ist
Ich halte die Forderung der Minentaucher angesichts ih- es nicht zu vermitteln, dass sie im Gegensatz zu zeitnah
res Aufgabenspektrums und im Vergleich mit den Zula- versetzten Soldaten in vergleichbarer Situation ihren
gen für die Kampfschwimmer und Angehörigen des KSK Trennungsgeldanspruch verlieren, weil der Dienstherr zu
für berechtigt. Angesichts der Nachwuchsprobleme und einer anderen Personalplanung nicht im Stande ist. Für
des damit drohenden Verlustes der Fähigkeit der Bundes- mich stellt sich die Frage, ob hier nicht doch eine praxis-
wehr zur eigenständigen Kampfmittelbeseitigung erwarte nahe Lösung zugunsten des Soldaten möglich gewesen
ich, dass die Forderung nach einer angemessenen Anpas- wäre.
Drucksache 17/900 – 62 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

16 Versicherungsschutz von Soldatinnen und abgesichert sind, habe ich wenig Verständnis für das Ver-
Soldaten, die an Auslandseinsätzen halten der deutschen Versicherer, die das „aktive Kriegs-
teilnehmen risiko“ für unsere Soldaten, die im Einsatz gegebenenfalls
auch ihr Leben für ihr Land einsetzen müssen, nicht absi-
Neben den Versorgungsleistungen der Einsatz- und Be- chern.
schädigtenversorgung nach dem Soldatenversorgungsge-
setz ist für Einsatzteilnehmer der Lebens- und Unfallver-
17 Institutionelle und eigenverantwortliche
sicherungsschutz von großer Bedeutung.
Fürsorge in der Bundeswehr
Nach Pressemitteilungen des vergangenen Jahres verwei- Auch 2009 habe ich wieder Dienststellen des Sozialdiens-
gerten Versicherungsunternehmen zunehmend Leistun- tes der Bundeswehr besucht und mich von deren verant-
gen unter Hinweis auf die so genannte „Kriegsklausel“. wortungsvoller Tätigkeit im Bereich der sozialen Für-
Die Lebens- und Unfallversicherungen zugrunde liegenden sorge für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr
Verträge enthalten regelmäßig einen Versicherungsaus- aber auch für Versorgungsempfänger und Soldatenfami-
schluss für Fälle, in denen die Schädigung „unmittelbar lien überzeugen können.
oder mittelbar durch Kriegs- oder Bürgerkriegsereig- Obwohl für die Sozialberater das Leistungsspektrum
nisse“ verursacht wird. Diese Ausschlussklausel ständig steigt, ist die Dienstpostenausstattung seit Jahren
(„Kriegsklausel“) ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Ver- unverändert. Nach meiner Erkenntnis ist die Grenze der
sicherungsbedingungen. In welchen Fällen die „Kriegs- Belastbarkeit für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
klausel“ zur Anwendung gelangt, ist Sache der Vereinba- des Sozialdienstes inzwischen überschritten. Ich kann
rung zwischen den Vertragsparteien. Die Bundeswehr hat deshalb nur meine bereits mehrfach geäußerte Forderung
darauf keinen Einfluss. Dies gilt auch, wenn ein Versiche- wiederholen, das überholte Personaltableau aus dem Jahr
rer, der das passive Kriegsrisiko in der Unfallversiche- 2004 endlich dem jetzigen Arbeitsanfall im Sozialdienst
rung besonders mitversichert, diese besonderen Bedin- anzupassen.
gungen im Hinblick auf die Lage in Afghanistan kündigt.
Bei Lebens- und Unfallversicherungen gibt es unter- Aufgrund der begrenzten Personalkapazitäten des Sozial-
schiedliche „Kriegsklauseln“. Während in der Lebensver- dienstes werden private Eigeninitiativen zur Selbsthilfe
sicherung das so genannte. „passive Kriegsrisiko“ (die im Bereich der sozialen Fürsorge in der Bundeswehr im-
Einschränkung der Leistungspflicht gilt nicht, wenn die mer wichtiger.
versicherte Person in unmittelbarem oder mittelbarem Die in meinen Jahresberichten schon mehrfach erwähnte
Zusammenhang mit kriegerischen Ereignissen stirbt, an „Soldatenselbsthilfe gegen Sucht e.V.“ bietet als Mitglied
denen sie nicht aktiv beteiligt war) bei vielen Versiche- des psychosozialen Netzwerkes der Bundeswehr kompe-
rern vom Versicherungsschutz erfasst wird, ist dieses Ri- tente Suchtberatung und -betreuung für Soldatinnen und
siko im Rahmen einer privaten Unfallversicherung nach Soldaten zum Thema Alkohol. Durch persönliche Ge-
den zurzeit allgemein angewandten Versicherungsbedin- spräche mit Mitgliedern der Soldatenselbsthilfe sowie die
gungen für Soldaten im Auslandseinsatz in aller Regel Teilnahme von Mitarbeitern meines Amtes an Arbeitsta-
nicht mit versicherbar. Ein Versicherungsschutz für das gungen der Suchthelfer besteht ein enger Kontakt mit
„aktive Kriegsrisiko“, das heißt die aktive Teilnahme an dem Verein.
Kampfhandlungen, ist bislang – wenn überhaupt – nur in
begrenztem Umfang und gegen hohe Prämien zu errei- Auch für Soldatenfamilien gibt es neben den institutionel-
chen. Deshalb ist das neue Angebot einer französischen len Familienbetreuungszentren unabhängige private Initi-
Versicherung zu begrüßen, die auch deutsche Soldaten ativen auf ehrenamtlicher Basis, die sich um die Familien
gegen die Risiken von Kampfeinsätzen im Ausland absi- und Angehörigen von Soldaten insbesondere während der
chert. Auslandseinsätze kümmern. Das von Frau Katrin
Schwarz aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen als Ehefrau
Damit Soldaten keine Einbußen bei ihrer privaten Vor- eines Soldaten im Jahre 2000 ins Leben gerufene Inter-
sorge erleiden, werden gemäß § 63b des Soldatenversor- netangebot „www.frauzufrau-online.de“, das von Frau
gungsgesetzes seit dem 1. Juli 1992 Vermögensschäden Heike Bloch geführte „Forum für Soldatenfamilien e.V.“
in angemessenem Umfang ausgeglichen, wenn sich Ver- und das von Frau Barbara Treder geleitete Soldatenfami-
sicherer auf die „Kriegsklausel“ berufen und deshalb lien-Netzwerk sind ausgezeichnete Beispiele, die Dank
Leistungen verweigern. Dies bedeutet, dass sich die Aus- und Anerkennung verdienen.
gleichsleistung des Bundes an einem üblichen Versiche-
rungsschutz unter Berücksichtigung der persönlichen Le- Einsatzverletzten stehen die bekannten Leistungs- und
bensverhältnisse des Betroffenen und an den sonstigen Versorgungsansprüche nach dem Soldatenversorgungsge-
Umständen des Einzelfalles orientiert. Der Bund hat des- setz gemäß den Ergänzungen aus dem Einsatzversor-
halb in den bisherigen 21 Anwendungsfällen des § 63b gungsgesetz und Einsatz-Weiterverwendungsgesetz zu.
seit 1999 als Schadensausgleich die Leistung gezahlt, die Voraussetzung für die Geltendmachung des Anspruchs
der jeweilige Versicherer ohne Anwendung der „Kriegs- auf Weiterverwendung in der Bundeswehr trotz gesund-
klausel“ hätte erbringen müssen. heitlicher Einschränkungen nach dem Einsatz-Weiterver-
wendungsgesetz ist jedoch die Minderung der Erwerbsfä-
Auch wenn Einsatzteilnehmer im Rahmen des Versiche- higkeit (MdE) um mindestens 50 Prozent. In vielen
rungsschutzes durch den Schadensausgleich weitgehend Fällen wird dieser Erwerbsminderungsgrad nicht erreicht.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 63 – Drucksache 17/900

In Eingaben höre ich immer wieder die aus meiner Sicht druckende und wertvolle Begegnung. Die Gesprächsteil-
fallweise berechtigte Kritik an dieser gesetzlichen Hürde. nehmer brachten zum Ausdruck, dass die Betreuung
Es stellt sich für mich deshalb die Frage, ob unter dem durch Stellen der Bundeswehr noch nicht optimal sei.
Gesichtspunkt der umfassenden Fürsorgepflicht des Deshalb haben sich aus dem Kreis betroffener Angehöri-
Dienstherrn für seine einsatzbefohlenen Soldaten der ge- ger inzwischen durch das eindrucksvolle Engagement
setzlich festgelegte Erwerbsminderungsgrad nicht zu Einzelner beispielhafte Selbsthilfeinitiativen gebildet, die
hoch ist. Auch die rückwirkende Befristung des Einsatz- anderen Betroffenen uneigennützig Hilfe und Unterstüt-
Weiterverwendungsgesetzes auf Soldaten, deren Einsatz- zung anbieten. Besonders hervorheben möchte ich den
verletzung („Einsatzunfall“ nach dem Einsatzversor- „frau-zu-frau-online“-Chat, die Initiative „du-bist-nicht-
gungsgesetz) vor dem 1. Dezember 2002 entstanden ist, allein.net“ sowie die neu eingerichtete „Jenny-Böken-
wird aus meiner Sicht teilweise zu recht bemängelt. Ins- Stiftung“, deren Schirmherrschaft ich übernommen habe.
besondere bei Soldaten, die unter PTBS leiden, kommt Mein herzlicher Dank gilt den mutigen Initiatorinnen Ina
die Erkrankung zum Teil erst nach Jahren zum Ausdruck. Schlotterhose und Andrea Belja sowie Marlis Böken. Die
Um eine Erweiterung des Geltungsbereichs des Einsatz- neu gegründete Deutsche Kriegsopferfürsorge (DKOF)
Weiterverwendungsgesetzes im Interesse betroffener Sol- – „www.dkof.de“ – bietet unter anderem verwundeten
datinnen und Soldaten auszuloten, habe ich im Dezember Einsatzheimkehrern und Hinterbliebenen gefallener Sol-
2009 mit Fachleuten aus der Bundeswehr ein Gespräch daten Rechtsberatung an.
geführt.
Nach meiner Auffassung trifft den Staat eine besondere
Bislang wurden 111 Fälle nach dem Einsatz-Weiterver- Verantwortung sowohl im Hinblick auf die ums Leben
wendungsgesetz bearbeitet. Rund 30 Fälle wurden abge- gekommenen und gefallenen Soldaten als auch deren
lehnt, insbesondere wegen der Stichtagsregelung sowie Hinterbliebene. Insbesondere die Betreuung und Unter-
nicht festgestellter Kausalität zwischen Gesundheitsschä- stützung der Hinterbliebenen darf nicht allein der – ehren-
digung und Einsatz. Betroffen von der Ablehnung waren amtlichen – Selbsthilfe Betroffener überlassen bleiben. In
vor allem psychisch Erkrankte. In diesen Fällen sind die einem ersten Schritt hat der Dienstherr reagiert. Der So-
zugrundeliegenden WDB-Verfahren noch nicht abge- zialdienst der Bundeswehr bietet über das kommunikative
schlossen. Diese Erkenntnisse haben mich darin bestärkt, Netzwerk der Hilfe zusammen mit Psychologen, anderen
dass eine Evaluierung des Einsatz-Weiterverwendungsge- Diensten und der Seelsorge Beistand und Unterstützung
setzes sowohl im Hinblick auf die Stichtagsregelung als für die Hinterbliebenen an. Im Bundesministerium der
auch die 50 Prozent-Hürde im Interesse der betroffenen Verteidigung wurde jetzt auch eine zentrale Ansprech-
Soldatinnen und Soldaten geprüft werden sollte. stelle für Hinterbliebene eingerichtet. Außerdem be-
stimmt der neue Erlass „Fürsorge in Todesfällen von Sol-
Im Hinblick auf die Betreuung habe ich im Dezember 2009 datinnen und Soldaten“, dass die Bundeswehr die Kosten
erneut im Einsatz verletzte beziehungsweise verwundete für die Überführung und Bestattung trägt. Um die Anlage
Soldaten und deren Angehörige zu einem Erfahrungsaus- und Pflege der Gräber kümmern sich künftig die Bundes-
tausch eingeladen. Dabei wurde die sanitätsdienstliche wehrdienstleistungszentren.
Versorgung im Einsatz sowie die Rückführung nach
Deutschland ausdrücklich positiv beurteilt. Dies gilt nicht Darüber hinaus möchte ich auch allen anderen Hilfsorgani-
in gleichem Maße für die Betreuung in der Heimat. Im sationen danken, die in Not geratenen Soldaten 2009 wie-
Hinblick auf die Behandlung in den Sanitätseinrichtungen derum unbürokratische finanzielle Unterstützung geleistet
wurden der häufige Wechsel der behandelnden Ärzte und haben, insbesondere dem Bundeswehr-Sozialwerk, der
verspätete Untersuchungen kritisiert. Außerdem wurde „Heinz-Volland-Stiftung“, dem „von Rohdich’schen Lega-
vereinzelt die Qualität der Betreuung durch die militäri- tenfond“, der „Soldatentumor- und Unfallhilfe e.V.“ sowie
sche Führung bemängelt, insbesondere im Hinblick auf dem „Soldatenhilfswerk der Bundeswehr e.V.“. Diese Or-
die fehlende beziehungsweise nicht rechtzeitige Benach- ganisationen sind allerdings überwiegend auf Spenden an-
richtigung der Angehörigen über die Verletzungen sowie gewiesen, ohne die sie eine großzügige Kameradschafts-
wegen mangelhafter Reintegration der Verletzten in den hilfe nicht leisten können. Die „Stiftung Deutscher Offizier
militärischen Dienst. Die Arbeit der eingerichteten Netz- Bund“ hat im Juni 2009 in meinem Amt im Rahmen einer
werke wurde unterschiedlich beurteilt, vor allem im Hin- offiziellen Übergabe der „Soldatenturmor- und Unfall-
blick auf die teilweise ungenügende Einbeziehung der hilfe“ eine großzügige Spende zur Verfügung gestellt.
Angehörigen. Auch die großartige Idee von Soldaten, Kindern in aller
Um im Einsatz verletzte und verwundete Soldaten küm- Welt zu helfen, möchte ich in diesem Jahresbericht erneut
mert sich in finanziellen Notlagen unter anderem die hervorheben. Danken dafür möchte ich der Soldatenini-
2008 gegründete „Oberst-Schöttler-Versehrten-Stiftung“. tiative „Lachen Helfen e.V.“, dem Verein „Die Bundes-
Dem Vorstand dieser Stiftung gehört Stabsfeldwebel a. D. wehr hilft Kindern in der Dritten Welt e.V.“ und den Sol-
Stefan Deuschl an, der im November 2005 bei einem Ta- daten, die für die Kinderkrebshilfe großzügig Spenden
liban-Anschlag in Kunduz beide Beine verloren hat. gesammelt haben.
Im Januar 2009 hatte ich erstmals Hinterbliebene im
18 Medien der Bundeswehr
Dienst ums Leben gekommener und gefallener Soldatin-
nen und Soldaten zu einem Gedankenaustausch in meine Medien sind für eine moderne Informationsgesellschaft
Dienststelle eingeladen. Es war für mich eine sehr beein- von existentieller Bedeutung. Kein gesellschaftlicher Pro-
Drucksache 17/900 – 64 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

zess funktioniert mehr ohne Wissensaustausch und Kom- Aus vielen meiner Besuche in den Einsatzgebieten weiß
munikation. Auch die Soldatinnen und Soldaten nutzen ich, dass beispielsweise das von Soldaten gestaltete Hör-
die inzwischen internationalisierten, vielfältigen Ange- funkprogramm des Truppenbetreuungssenders „Radio
bote regelmäßig. Neben den klassischen Massenmedien Andernach“ sehr gut angenommen wird. Mit eigenen Re-
nehmen mehr denn je auch die so genannten Neuen Me- daktionen in den Einsatz-Gebieten in Bosnien, dem Ko-
dien einen breiten Raum in der täglichen Lebensgestal- sovo und in Afghanistan, einer Zentrale in Mayen und in
tung ein. Bei meinen Besuchen in der Truppe fällt mir im- Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Rund-
mer wieder auf, dass die heutige Soldatengeneration eine funksendern wird den Soldaten im Ausland über UKW
sehr gut informierte, aber auch sehr kritisch reflektie- eine ausgewogene Mischung aus Unterhaltung und Infor-
rende ist. mation geboten. Dieses Hörfunkprogramm ist meiner An-
sicht nach ein gutes Beispiel einer gelungen Truppenbe-
Jeder Soldat hat in der Regel die Möglichkeit, aus einer treuung. Leider hat der Sender sein Internetradio aus
nahezu unbegrenzten Zahl unterschiedlichster Medien- rundfunkrechtlichen Gründen einstellen müssen, so dass
angebote das für ihn Interessante, Informative oder Un- Soldaten außerhalb der Sendegebiete im Ausland nur
terhaltende auszuwählen. Die Bundeswehr verfügt mit noch einzelne Beiträge abrufen können.
ihren eigenen Medien über große Möglichkeiten, eine zu-
sätzliche Alternative zu bieten. Im Berichtsjahr begegneten mir wieder viele hoch moti-
vierte, kompetente und engagierte Redakteure, die bereit
Die besondere Chance dieser bundeswehreigenen Me- sind, das Optimum aus ihrer Arbeit herauszuholen. Er-
dienorgane besteht darin, die speziellen bundeswehrspe- neut hörte ich von ihnen jedoch Klagen hinsichtlich der
zifischen Themen so aufzubereiten, dass sie für die Sol- Presse- und Informationsarbeit der Bundeswehr. So sei
datinnen und Soldaten eine zusätzliche wertvolle beispielsweise das Zusammenwirken mit einigen Presse-
Informationsquelle darstellen. Wegen fehlender unabhän- und Informationszentren mitunter recht schwierig und un-
giger Leseranalysen gibt es nach meiner Kenntnis bislang kooperativ. Andererseits beklagten aber auch gestandene
aber leider keine belastbaren Bewertungen der einzelnen Presseoffiziere, dass die Pressepolitik deutlich rigider ge-
bundeswehreigenen Medienorgane. handhabt werde als dies früher der Fall war und ihre
Spielräume vor Ort immer kleiner würden. Zudem fühl-
Aus meinen Gesprächen mit Soldaten aus den unter-
ten sich einige Presseoffiziere auch nicht gut genug aus-
schiedlichen Ebenen kann ich jedoch die Erkenntnis zie-
gebildet, überfordert oder klagten über personell unterbe-
hen, dass die Printmedien der Bundeswehr nicht unbe-
setzte Informationszentren.
dingt für jeden attraktive Publikationen darstellen. Was
aus meiner Sicht zu kurz kommt, ist die intensive Ausein- Redakteure der Bundeswehrmedien sagten mir auch, dass
andersetzung mit originären Themen der Inneren Füh- ihnen daran gelegen sei, dass ihren Gesprächspartnern
rung. – häufig Mannschaften, Unteroffiziere und Feldwebel –
aus deren Aussagen und Berichten über ihre Situation
Vor dem Hintergrund der allgemeinen Bedeutung der keine Probleme entstehen. Dies sei jedoch zunehmend
Bundeswehrmedien betrachte ich die Entwicklung des schwierig, auch weil teilweise Kommandeure versuchten,
Bundeswehr-Fernsehens (bwtv), besser gesagt dessen Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen und es für
Stagnation in der Entwicklung, mit Skepsis und Sorge. die Bundeswehr keine festgeschriebenen Grundlinien der
Wie ich bereits in früheren Berichten angemerkt habe, Pressearbeit gäbe. An dieser Stelle sehe ich durchaus
fehlt ein belastbares und innovatives Konzept für das Handlungsbedarf.
Bundeswehr-Fernsehen. Andere Armeen beweisen, was
streitkräfteeigene Fernsehsender leisten können. Auf die Natürlich sind die Soldatinnen und Soldaten der Bundes-
Möglichkeiten für die Vermittlung von speziellen Infor- wehr mündige Bürger. Dennoch sind sie in ein System
mationen und Themen der Inneren Führung habe ich von Befehl und Gehorsam eingebunden, dessen Struktu-
ebenfalls immer wieder hingewiesen. Kooperationsmög- ren ihnen auch mit Blick auf die Presse- und Informa-
lichkeiten mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und tionsarbeit Handlungssicherheit ermöglichen sollten.
dem Parlamentsfernsehen liegen auf der Hand. Darüber
Die Bundeswehr hat ein großes Potential an engagierten,
hinaus gibt es Optimierungsmöglichkeiten und Potential
klugen Medienschaffenden. Sie sind meiner festen Über-
für Effizienzsteigerungen.
zeugung nach in der Lage, reflektiert und fair aus der
Seit mehreren Jahren gibt es bedauerlicherweise keine Truppe heraus zu berichten. Sie müssen aber auch die
Fortschritte bei der Weiterentwicklung des Bundeswehr- Möglichkeit erhalten, Probleme zu kommunizieren und
Fernsehens. Eine vom Bundesrechnungshof empfohlene Diskussionen anzuregen. Die Themen, die die Bundes-
Wirtschaftlichkeitsuntersuchung befindet sich nach Aus- wehr originär betreffen, sind bei den eigenen Medien im
sage des Verteidigungsministeriums bis heute in der Bear- Zweifel immer noch am besten aufgehoben.
beitung. Voraussichtlich sei auch im Jahre 2010 nicht mit
einem Ergebnis zu rechnen. 19 Militärseelsorge
Das Bundeswehr-Fernsehen sollte auf jeden Fall als wert- Auf die Bedeutung der Militärseelsorge im Hinblick auf
volle Chance für die Truppenbetreuung in den Heimat- den Beistand und die seelsorgerische Begleitung und Be-
standorten, insbesondere aber auch in den Auslandsein- treuung der Soldatinnen und Soldaten insbesondere vor
sätzen verstanden werden. dem Hintergrund der Auslandseinsätze habe ich in mei-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 65 – Drucksache 17/900

nen Jahresberichten regelmäßig hingewiesen. Ich kann Neben der Militärseelsorge engagieren sich die Katholi-
dies an dieser Stelle nur noch einmal eindringlich unter- sche und die Evangelische Kirche seit vielen Jahrzehnten
streichen. Bei meinen zahlreichen Gesprächen sowohl in auch in der Soldatenbetreuung. Mit dem Betreiben zahl-
den Einsatzgebieten als auch in den Inlandsstandorten be- reicher Soldatenheime und der „Oasen“ ergänzen die
stätigen mir Soldatinnen und Soldaten unabhängig von dazu gegründeten Arbeitsgemeinschaften KAS und EAS
ihrer konfessionellen Bindung immer wieder, wie wichtig das Betreuungsprogramm des Dienstherrn und sind aus
und wertvoll ihnen der Beistand und die Gespräche mit der Soldatenbetreuung nicht mehr hinweg zu denken.
Militärgeistlichen sind. Auch ihnen möchte ich für ihr Engagement herzlich dan-
ken.
In meiner besonderen Verantwortung sind die Militär-
geistlichen gerade deshalb von großer Bedeutung, weil
sie das „Innenleben“ der Streitkräfte aus der seelsorgerli- 20 Internationale Zusammenarbeit
chen Perspektive betrachten. Ihre Unabhängigkeit von 20.1 Besuch des US-Militärkrankenhauses
der militärischen Befehlskette und die aus dem Status des in Landstuhl
Seelsorgers resultierende besondere Vertrauenswürdig-
keit bilden für die Militärgeistlichen die Basis für ihre Ar- Am 11. März 2009 besuchte ich das US-Militärkranken-
beit in der Truppe. Deshalb profitiere ich entscheidend haus in Landstuhl. Das Landstuhl Regional Medical Cen-
von meinen vielfältigen Kontakten mit den Seelsorgern. ter (LRMC) ist mit circa 2 800 Mitarbeitern das größte
Aus meinen zahlreichen Gesprächen in den Heimatstand- Krankenhaus der US Army außerhalb der Vereinigten
orten und den Einsatzgebieten gewinne ich Erkenntnisse, Staaten und seit 1953 in Betrieb. Das Krankenhaus kann
die für mich eine besondere Qualität darstellen und mir insbesondere bei der Behandlung posttraumatischer Be-
tiefe Einblicke in die jeweilige Situation vor Ort verschaf- lastungsstörungen (PTBS) auf langjährige Erfahrungen
fen, die ich ohne den Austausch mit den Seelsorgern nicht zurückblicken. Anders als in Deutschland, wo PTBS erst
haben könnte. Für dieses aus meiner Sicht ausgezeichnete in den letzten Jahren ins Blickfeld des öffentlichen Inte-
Zusammenwirken will ich mich auch an dieser Stelle von resses rückte, werden Traumata bei US-Soldaten bereits
ganzem Herzen bedanken. seit dem Vietnamkrieg thematisiert. Spätestens seit dem
ersten Golfkrieg ist diese Erkrankung fest im Bewusstsein
Das breite Angebotsspektrum der Militärseelsorge spie- der amerikanischen Öffentlichkeit verankert.
gelt sich auch in der nach meiner Bewertung vorbildli-
chen Medienarbeit unserer beiden Kirchen wider. Den Bei meinem Besuch erhielt ich eine detaillierte Informa-
durchweg positiven Reaktionen von Soldatinnen und Sol- tion über den aktuellen Stand der angewandten Verfahren,
daten konnte ich entnehmen, dass sowohl das „JS-Maga- mit deren Hilfe PTBS bei Betroffenen diagnostiziert wer-
zin“ der evangelischen Seelsorge, wie auch das „Kom- den kann. Ein Kollegium von Fachärzten unterrichtete
pass“-Magazin der katholischen Militärseelsorge einen mich zudem über die neuesten Behandlungsmethoden. In
sehr guten Ruf genießen. Inhalt und Aufmachung dieser ausführlichen Gesprächen wurden neben Diagnose und
Publikationen sind geeignet, die Soldaten in ihrer beson- Behandlung von PTBS insbesondere auch die Bedeutung
deren Situation anzusprechen. Beide Organe setzten sich der vorsorglichen Aufklärung der Soldaten erörtert sowie
immer wieder auch kritisch mit Themen auseinander, die die Notwendigkeit einer Untersuchung der aus den Ein-
in den offiziellen Bundeswehrorganen leider gar nicht sätzen zurückkehrenden Soldaten herausgestellt.
oder nur unzureichend behandelt werden. Dem katholi-
schen „Kompass“-Magazin danke ich für die Möglich- Im Rahmen meines Besuchs konnte ich mir auch einen
keit, bereits seit einigen Jahren als Gastautor mit einer Eindruck von der großen Unterstützung der US-Soldaten
festen Kolumne in der Publikation vertreten zu sein. durch die amerikanische Zivilbevölkerung verschaffen.
Durch das Landstuhl Hospital Care Project beispiels-
Auch meine Teilnahme an den Gesamtkonferenzen der weise, einem gemeinnützigen Verein, werden verwundete
Militärgeistlichen beider Kirchen, an Soldatengottes- Soldaten in Landstuhl kostenlos mit Kleidung, Hygiene-
diensten und sonstigen Veranstaltungen ist für mich im- artikeln, Spielen, Büchern und DVDs versorgt. Dies kann
mer wieder eine ausgezeichnete Gelegenheit, den persön- nur Dank großzügiger Spenden realisiert werden.
lichen Gedankenaustausch mit vielen Seelsorgern zu
pflegen. Die Bundeswehr, für die das Thema „PTBS“ noch ein re-
lativ neues ist, kann meiner Auffassung nach von den
Ausdrücklich Dank sagen will ich den beiden Militär- langjährigen Erfahrungen der US-Streitkräfte auf diesem
bischöfen Dr. Martin Dutzmann für die Evangelische und Gebiet durchaus profitieren. Zumal sich die behandeln-
Dr. Walter Mixa für die Katholische Kirche in Deutsch- den Fachärzte und Psychologen gern für eine Intensivie-
land. Mit beiden Bischöfen verbindet mich eine von gro- rung der Kontakte zum Wissensaustausch im Hinblick
ßer Offenheit und gegenseitigem Vertrauen geprägte enge auf die Diagnose- und Behandlungsmethoden bereit zeig-
Zusammenarbeit. Aber auch mit dem Militärgeneralvikar ten.
und dem Militärgeneraldekan sowie allen Mitarbeitern in
beiden Kirchen gibt es ein freundschaftliches und kon- 20.2 Arbeitstreffen mit dem Ombudsmann der
struktives Zusammenwirken. Mein Dank und meine bes- niederländischen Streitkräfte in Den Haag
ten Wünsche begleiten in diesem Jahr insbesondere den
evangelischen Militärgeneraldekan, Dr. Peter Brandt, Auf Einladung des Ombudsmanns der niederländischen
nach seiner schweren Erkrankung. Streitkräfte, Admiral Michiel van Maanen, besuchte ich
Drucksache 17/900 – 66 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

am 20. April 2009 Den Haag und Hilversum. Der „In- Grußworten würdigten. Darüber hinaus wurden die Teil-
spekteur-Generaal der Krijgsmacht“ nimmt als unmittel- nehmer auch vom Bundespräsidenten empfangen.
bar dem Verteidigungsminister zugeordneter Berater auch
Unter den Teilnehmern der Konferenz war auch die ar-
die Aufgaben eines für die Soldaten zuständigen Om-
gentinische Verteidigungsministerin, Dr. Nilda Garré, die
budsmannes wahr. Nach einem intensiven Erfahrungsaus-
über den damals aktuellen Stand der Diskussion im Hin-
tausch wurde für die Zukunft eine enge und vertrauens-
blick auf die Einführung einer Ombudsinstitution in ih-
volle Zusammenarbeit vereinbart.
rem Land berichtete.
Während meines Besuches traf ich auch mit Mitgliedern Zum Abschluss der Konferenz verabschiedeten die Teil-
des Verteidigungsausschusses der 2. Kammer des nieder- nehmer eine „Berliner Erklärung“, in der sie ihren festen
ländischen Parlaments zu einem Gedankenaustausch zu- Willen zur Fortsetzung und Intensivierung der Zusam-
sammen. menarbeit bekundeten. Der Text ist diesem Bericht beige-
fügt.
20.3 Internationale Konferenz der für die
Streitkräfte zuständigen Ombuds- 20.4 Deutsch-österreichischer Soldaten-
institutionen in Berlin workshop in Berlin – „Salzburger
Vom 10. bis 12. Mai 2009 fand in Berlin auf meine Initia- Forum II“
tive hin und unter Mitwirkung des Geneva Center for the Als beispielhaft für die internationale Zusammenarbeit
democratic control for the Armed Forces (DCAF) die darf nach meiner Auffassung die enge und freundschaftli-
erste „Internationale Konferenz der für die Streitkräfte che Kooperation mit der Parlamentarischen Bundesheer-
zuständigen Ombudsinstitutionen“ statt. kommission des Österreichischen Nationalrates betrach-
Anlass für die Einberufung dieser Konferenz war für tet werden. So treffe ich mich nicht nur anlässlich
mich zunächst einmal die Tatsache, dass es in der Nach- offizieller Begegnungen wie den jeweiligen Jahresemp-
kriegsgeschichte bisher noch keine Initiative für eine Ko- fängen mit den Kollegen aus Österreich. Regelmäßig fin-
operation aller bestehenden Ombudsinstitutionen gege- den Arbeitssitzungen zwischen beiden Institutionen statt,
ben hatte. Abgesehen von einem engen Zusammenwirken bei denen der intensive und kontinuierliche Meinungsaus-
mit der Bundesheer-Kommission des Österreichischen tausch und die Entwicklung gemeinsamer Projekte auf
Nationalrates und weiteren bilateralen Beziehungen zu der Tagesordnung stehen. Von ganzem Herzen danken
einzelnen Ombudsleuten in Europa, Argentinien und Ko- will ich deshalb dem Präsidium der Bundesheerkommis-
rea bestand aus meiner Sicht die Notwendigkeit, alle Be- sion mit dem amtsführenden Vorsitzenden, Präsident und
auftragten und Ombudsleute zu einem Gedanken- und Er- Abgeordneter zum Nationalrat a. D. Anton Gaál, dem
fahrungsaustausch in Berlin einzuladen. Außerordentlich Vorsitzenden und Abgeordneten zum Nationalrat a. D.
begrüßt und unterstützt wurde meine Initiative vom Di- Paul Kiss sowie dem Vorsitzenden, Prof. Walter Seledec.
rektor des Genfer Instituts für die Demokratische Kon- Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang
trolle der Streitkräfte, Botschafter Dr. Theodor Winkler. die ausgezeichnete Unterstützung durch die beiden Ver-
Besonders froh bin ich über die große Resonanz auf diese teidigungsministerien in Wien und Berlin sowie durch die
Konferenz. Die meisten Ombudsleute aus den NATO- Botschaften. Diese enge Kooperation hat ganz sicher
Staaten folgten meiner Einladung und bekundeten ihre auch zu einer Vertiefung der allgemeinen guten nachbar-
Freude über diese Initiative und gleichzeitig auch die schaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Län-
grundsätzliche Bereitschaft für eine dauerhafte enge Zu- dern beigetragen.
sammenarbeit in der Zukunft. Vom 13. bis 16. Oktober 2009 habe ich zusammen mit der
Im Rahmen der Konferenz diskutierten Ombudsleute aus österreichischen Parlamentarischen Bundesheerkommis-
18 Staaten im Deutschen Bundestag über die Funktion sion den 2. Soldatenworkshop für junge Wehrpflichtige
und Aufgabe der speziellen Petitionseinrichtungen für aus Deutschland und Österreich durchgeführt. Die mehr-
Soldatinnen und Soldaten. Die Teilnehmer berichteten tägige Begegnung setzte eine im Jahr 2008 von den bei-
über die Erfahrungen und Besonderheiten ihrer Länder im den Kontrollinstitutionen in Salzburg unter dem Titel
Hinblick auf die Arbeit der jeweiligen Ombudsinstitutio- „Salzburger Forum“ ins Leben gerufene Tagung fort, in
nen. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl inter- der jungen Wehrpflichtigen die Gelegenheit zu einem ge-
nationaler Friedenseinsätze wurde die Notwendigkeit ei- meinsamen Informations- und Erfahrungsaustausch gege-
ner Harmonisierung der Standards mit Blick auf die ben werden soll.
rechtlichen und materiellen Rahmenbedingungen deut- In der Berliner Julius-Leber-Kaserne trafen sich je
lich. 20 Wehrpflichtige aus beiden Staaten und diskutierten zu-
sammen mit den Ombudspersonen über aktuelle Fragen
Die besondere Bedeutung dieser ersten Konferenz wurde
der Wehrpflicht.
auch dadurch unterstrichen, dass sowohl der Bundestags-
präsident, Prof. Dr. Norbert Lammert, als auch der dama- Dabei wurde sehr schnell deutlich, dass die allgemeine
lige Verteidigungsminister, Dr. Franz Josef Jung, der ehe- Wehrpflicht in Deutschland und in Österreich eine große
malige Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Zustimmung unter den jungen Rekruten erfährt und ge-
Gloser und die vormalige Vorsitzende des Verteidigungs- sellschafts- bzw. verteidigungspolitisch nach wie vor für
ausschusses, Ulrike Merten, die Veranstaltung in ihren sinnvoll gehalten wird. Die Wehrpflichtigen plädierten
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 67 – Drucksache 17/900

– ohne die Probleme hinsichtlich der Wehr- und Dienst- aber auch deutlich, welches Potential in diesem interkul-
gerechtigkeit auszublenden – übereinstimmend für deren turellen Fundus stecke.
Beibehaltung. Deutlich wurde bei der Veranstaltung aber Das 2008 in Salzburg begonnene und 2009 in Berlin fort-
auch, dass die Wehrpflicht, insbesondere ihre Ausgestal- gesetzte Projekt wurde von allen Seiten positiv aufge-
tung, keine starre Angelegenheit sein darf. In diesem Zu- nommen und dürfte im Folgejahr seine Fortführung in
sammenhang berichteten einige Teilnehmer auch von Österreich finden.
„Gammeldiensten“ in ihren Einheiten. Gerade deshalb
seien künftig neue Ansätze und Überlegungen nötig, um 20.5 Besuch in Frankreich, Saumur und Paris
die Wehrpflicht an die veränderte gesellschaftliche und
sicherheitspolitische Realität anzupassen. Die Rekruten Vom 9. bis 11. September 2009 nahm ich an der 7. Sum-
erarbeiteten dazu konstruktive Vorschläge. Das Spektrum mer Defence Conference in Saumur teil. Am Rande der
der Anregungen – insbesondere für Deutschland – reichte Konferenz nutzte ich die Gelegenheit, deutsche Soldaten
von einer grundsätzlichen Verringerung der Grundwehr- zu treffen, die in Paris und Umgebung ihren Dienst leis-
dienstzeit auf sechs Monate bis hin zu Vorschlägen mit ten.
Blick auf eine Verbesserung der Grundausbildung und der Die Soldaten erklärten mir übereinstimmend, dass ein gu-
Dienstzeit in der Stammeinheit. tes Verhältnis zu ihren französischen Kameraden bestehe.
Einen zentralen Punkt der Veranstaltung stellte der Um- Die von den Soldaten angesprochenen Probleme lagen
gang mit fremden Kulturen in beiden Armeen dar. Dabei vorwiegend im außerdienstlichen Umfeld, waren aber oft
ging es um das tägliche Miteinander von jungen Soldatin- versetzungsbedingt. Eine wesentliche Ursache wird in
nen und Soldaten, die unterschiedliche Wurzeln und den Versetzungsterminen gesehen. Versetzungen, das reg-
Glaubensrichtungen haben, aus Familien mit Migrations- ten die Soldaten an, sollten zu Zeitpunkten erfolgen, die
hintergrund stammen oder durch unterschiedliche Le- zum Beispiel den Beginn eines neuen Schuljahres berück-
bensweisen geprägt sind. Die Soldaten diskutierten über sichtigten. Nicht zuletzt der Vereinbarkeit von Familie
die Konsequenzen, die sich daraus für den Kasernenalltag und Dienst könnte auf diese Weise ein Stück weit mehr
entsprochen werden.
ergeben, und wiesen auf vielerlei Probleme im täglichen
Miteinander hin. Gleichzeitig machten die Teilnehmer Reinhold Robbe
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 69 – Drucksache 17/900

21 Anlagen
21.1 Schlusserklärung der Konferenz der Ombudsinstitutionen für Streitkräfte – „Berliner Erklärung“

Schlusserklärung der Konferenz der Ombudsinstitutionen


für die Streitkräfte1

„Berliner Erklärung“

Berlin, 12. Mai 2009

Soldatinnen und Soldaten haben in fast allen Teilnehmerstaaten dieselben staatsbürgerlichen


Rechte wie jeder andere Bürger. Diese Rechte können im Rahmen der Erfordernisse des
militärischen Dienstes durch gesetzliche Regelungen unter bestimmten Voraussetzungen
eingeschränkt werden. Das Prinzip von Befehl und Gehorsam ist aber wiederum in allen
Teilnehmerstaaten an Recht und Gesetz gebunden.

Zum Schutz der Rechte der Soldatinnen und Soldaten haben die Teilnehmerstaaten
unterschiedliche gesetzliche oder sonstige Regelungen und institutionelle Vorkehrungen
Drucksache 17/900 – 70 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

-2-

getroffen. Einige Staaten haben zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben spezielle
unabhängige parlamentarische Ombudsinstitutionen geschaffen, die sich mit einem eigenen
Mitarbeiterstab der Petitionen von Soldatinnen und Soldaten annehmen. Andere Staaten
haben für die Belange der Soldaten spezielle Beauftragte eingerichtet, die dem
Verteidigungsministerium zugeordnet sind. Daneben bestehen in einigen Staaten allgemeine
Ombudsinstitutionen, zu deren Aufgabenbereich neben der Bearbeitung von Eingaben ziviler
Bürgerinnen und Bürgern auch die Befassung mit Eingaben von Soldaten gehört. Bei Staaten,
die keine Ombudseinrichtungen haben, obliegt die parlamentarische Kontrolle im Bereich der
Streitkräfte weitgehend dem Verteidigungsausschuss des Parlaments. Jeder Teilnehmerstaat
verfügt so über ein individuelles System zum Schutz der Rechte der Soldatinnen und Soldaten
und letztlich zur Kontrolle der Streitkräfte.

Mit der Zunahme internationaler und multinationaler Einsätze der Streitkräfte ist das
Aufgabengebiet der Ombudsinstitutionen sowie der sonstigen mit der Kontrolle der
Streitkräfte befassten Einrichtungen gewachsen. Die Aufgaben und Dienstbedingungen der
Soldatinnen und Soldaten unterscheiden sich bei Auslandseinsätzen erheblich von denen im
Heimatland. Probleme im dienstlichen oder privaten Bereich wirken sich in
Auslandseinsätzen viel stärker aus.

Um ihre Informationen und Erfahrungen auf dem Gebiet der demokratischen Kontrolle der
Streitkräfte auszutauschen, haben sich vom 10. – 12. Mai 2009 Ombudsinstitutionen,
Beauftragte und sonstige mit der Kontrolle der Streitkräfte befasste Einrichtungen in Berlin zu
einer ersten internationalen Konferenz getroffen. Mit der Konferenz sollten erstmals die für
die mit der Kontrolle zuständigen Einrichtungen auf internationaler Ebene zusammengeführt
werden.

Die Konferenzteilnehmer erklären,

(1) dass der Kontrolle der Streitkräfte in demokratisch verfassten Staaten eine
wichtige Funktion zukommt, mit der Transparenz hergestellt und Vertrauen in die
Streitkräfte geschaffen wird,

1
Die Erste Internationale Konferenz der Ombudsinstitutionen für die Streitkräfte fand vom 10.-12. Mai 2009 in
Berlin statt. Er war eine Veranstaltung des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages in Zusammenarbeit
mit dem Geneva Centre for the Democratic Control of Armed Forces (DCAF).
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 71 – Drucksache 17/900

-3-

(2) dass das Prinzip von Befehl und Gehorsam an den international verbrieften
Menschenrechten orientiert sein muss,

(3) ein gemeinsames Grundverständnis zu befördern, das den Soldaten nicht


ausschließlich als Befehlsempfänger begreift,

(4) jene Staaten, die ihre Streitkräfte einer demokratischen Kontrolle unterwerfen
wollen, auch zukünftig zum Erfahrungsaustausch hinzuzubitten und bei der
Umsetzung auf Wunsch beratend zu unterstützen,

(5) den Informations- und Erfahrungsaustausch periodisch fortzuführen, um so


künftig die Zusammenarbeit zu intensivieren,

(6) die Konferenz im Jahre 2010 in Wien fortzusetzen.

Berlin, 12. Mai 2009


Drucksache 17/900 – 72 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

21.2 Rechtsgrundlagen zu Amt und Aufgaben schwerden an die zuständigen Stellen und an die Volks-
des Wehrbeauftragten und zum vertretung zu wenden.
Petitionsrecht der Soldaten
Artikel 17a
Seite
Einschränkung der Grundrechte in besonderen Fällen
Auszug aus dem Grundgesetz . . . . . . . . . . . . . . . 72
(1) Gesetze über Wehrdienst und Ersatzdienst können
bestimmen, dass für die Angehörigen der Streitkräfte und
Gesetz über den Wehrbeauftragten des Deutschen des Ersatzdienstes während der Zeit des Wehr- oder Er-
Bundestages . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 satzdienstes das Grundrecht, seine Meinung in Wort,
Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten (Artikel 5
Auszug aus der Geschäftsordnung des Deutschen Abs. 1 Satz 1 erster Halbsatz), das Grundrecht der Ver-
Bundestages 76 sammlungsfreiheit (Artikel 8) und das Petitionsrecht (Ar-
tikel 17), soweit es das Recht gewährt, Bitten oder Be-
Verfahrensgrundsätze für die Zusammenarbeit schwerden in Gemeinschaft mit anderen vorzubringen,
zwischen dem Petitionsausschuss und dem Wehr- eingeschränkt werden.
beauftragten des Deutschen Bundestages . . . . . . 76
(2) Gesetze, die der Verteidigung einschließlich des
Schutzes der Zivilbevölkerung dienen, können bestim-
men, dass die Grundrechte der Freizügigkeit (Artikel 11)
Auszug aus dem Grundgesetz für die Bundesrepublik und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13) ein-
Deutschland vom 23. Mai 1949 (BGBl. I S. 1), geschränkt werden.
zuletzt geändert durch Gesetz vom 29. Juli 2009
(BGBl. I S. 2248)
Artikel 45b
Artikel 17 Wehrbeauftragter

Petitionsrecht Zum Schutz der Grundrechte und als Hilfsorgan des


Bundestages bei der Ausübung der parlamentarischen
Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Ge- Kontrolle wird ein Wehrbeauftragter des Bundestages be-
meinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Be- rufen. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 73 – Drucksache 17/900

Gesetz über den Wehrbeauftragten des Deutschen ter im Amt; er hat sie vor dem Verteidigungsausschuss
Bundestages (Gesetz zu Artikel 45b des zu vertreten. Auf Grund einer Weisung nach § 1 Abs. 2
Grundgesetzes – WBeauftrG) in der Fassung der und bei einer Eingabe, der eine Beschwer des Einsen-
Bekanntmachung vom 16. Juni 1982 (BGBl. I S. 677), ders zugrunde liegt, ist der Wehrbeauftragte berechtigt,
zuletzt geändert durch Artikel 15 Absatz 68 den Einsender sowie Zeugen und Sachverständige an-
Dienstrechtsneuordnungsgesetz zuhören. Diese erhalten eine Entschädigung oder Vergü-
vom 5. Februar 2009 (BGBl. I S. 160) tung nach dem Justizvergütungs- und -entschädigungs-
gesetz.
§1
2. Er kann den zuständigen Stellen Gelegenheit zur Re-
Verfassungsrechtliche Stellung; Aufgaben gelung einer Angelegenheit geben.
(1) Der Wehrbeauftragte nimmt seine Aufgaben als 3. Er kann einen Vorgang der für die Einleitung des
Hilfsorgan des Bundestages bei der Ausübung der parla- Straf- oder Disziplinarverfahrens zuständigen Stelle
mentarischen Kontrolle wahr. zuleiten.
(2) Der Wehrbeauftragte wird auf Weisung des Bun- 4. Er kann jederzeit alle Truppenteile, Stäbe, Dienststel-
destages oder des Verteidigungsausschusses zur Prüfung len und Behörden der Bundeswehr und ihre Einrich-
bestimmter Vorgänge tätig. Eine Weisung kann nur erteilt tungen auch ohne vorherige Anmeldung besuchen.
werden, wenn der Verteidigungsausschuss den Vorgang Dieses Recht steht dem Wehrbeauftragten ausschließ-
nicht zum Gegenstand seiner eigenen Beratung macht. Der lich persönlich zu. Die Sätze 2 und 3 aus Nummer 1
Wehrbeauftragte kann bei dem Verteidigungsausschuss finden entsprechende Anwendung.
um eine Weisung zur Prüfung bestimmter Vorgänge nach-
suchen. 5. Er kann vom Bundesminister der Verteidigung zusam-
menfassende Berichte über die Ausübung der Diszipli-
(3) Der Wehrbeauftragte wird nach pflichtgemäßem nargewalt in den Streitkräften und von den zuständi-
Ermessen auf Grund eigener Entscheidung tätig, wenn gen Bundes- und Landesbehörden statistische Berichte
ihm bei Wahrnehmung seines Rechts aus § 3 Nr. 4, durch über die Ausübung der Strafrechtspflege anfordern,
Mitteilung von Mitgliedern des Bundestages, durch Ein- soweit dadurch die Streitkräfte oder ihre Soldaten be-
gaben nach § 7 oder auf andere Weise Umstände bekannt rührt werden.
werden, die auf eine Verletzung der Grundrechte der Sol-
daten oder der Grundsätze der Inneren Führung schließen 6. Er kann in Strafverfahren und disziplinargerichtlichen
lassen. Ein Tätigwerden des Wehrbeauftragten nach Satz 1 Verfahren den Verhandlungen der Gerichte beiwohnen,
unterbleibt, soweit der Verteidigungsausschuss den Vor- auch soweit die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist. Er
gang zum Gegenstand seiner eigenen Beratung gemacht hat im gleichen Umfang wie der Anklagevertreter und
hat. der Vertreter der Einleitungsbehörde das Recht, die Ak-
ten einzusehen. Die Befugnis aus Satz 1 steht ihm auch
§2 in Antrags- und Beschwerdeverfahren nach der Wehr-
disziplinarordnung und der Wehrbeschwerdeordnung
Berichtspflichten vor den Wehrdienstgerichten sowie in Verfahren vor
(1) Der Wehrbeauftragte erstattet für das Kalender- den Gerichten der Verwaltungsgerichtsbarkeit, die mit
jahr dem Bundestag einen schriftlichen Gesamtbericht seinem Aufgabenbereich zusammenhängen, zu; in die-
(Jahresbericht). sen Verfahren hat er das Recht zur Akteneinsicht wie
ein Verfahrensbeteiligter.
(2) Er kann jederzeit dem Bundestag oder dem Vertei-
digungsausschuss Einzelberichte vorlegen.
§4
(3) Wird der Wehrbeauftragte auf Weisung tätig, so
hat er über das Ergebnis seiner Prüfung auf Verlangen ei- Amtshilfe
nen Einzelbericht zu erstatten. Gerichte und Verwaltungsbehörden des Bundes, der
Länder und der Gemeinden sind verpflichtet, dem Wehr-
§3 beauftragten bei der Durchführung der erforderlichen Er-
Amtsbefugnisse hebungen Amtshilfe zu leisten.
Der Wehrbeauftragte hat in Erfüllung der ihm übertra-
§5
genen Aufgaben die folgenden Befugnisse:
1. Er kann vom Bundesminister der Verteidigung und al- Allgemeine Richtlinien; Weisungsfreiheit
len diesem unterstellten Dienststellen und Personen (1) Der Bundestag und der Verteidigungsausschuss
Auskunft und Akteneinsicht verlangen. Diese Rechte können allgemeine Richtlinien für die Arbeit des Wehrbe-
können ihm nur verweigert werden, soweit zwingende auftragten erlassen.
Geheimhaltungsgründe entgegenstehen. Die Entschei-
dung über die Verweigerung trifft der Bundesminister (2) Der Wehrbeauftragte ist – unbeschadet des § 1
der Verteidigung selber oder sein ständiger Stellvertre- Abs. 2 – von Weisungen frei.
Drucksache 17/900 – 74 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

§6 § 11
Anwesenheitspflicht (weggefallen)
Der Bundestag und der Verteidigungsausschuss kön-
§ 12
nen jederzeit die Anwesenheit des Wehrbeauftragten ver-
langen. Unterrichtungspflichten durch Bundes-
und Länderbehörden
§7 Die Justiz- und Verwaltungsbehörden des Bundes und
der Länder sind verpflichtet, den Wehrbeauftragten über
Eingaberecht des Soldaten die Einleitung des Verfahrens, die Erhebung der öffentli-
Jeder Soldat hat das Recht, sich einzeln ohne Einhal- chen Klage, die Anordnung der Untersuchung im Diszi-
tung des Dienstweges unmittelbar an den Wehrbeauftrag- plinarverfahren und den Ausgang des Verfahrens zu un-
ten zu wenden. Wegen der Tatsache der Anrufung des terrichten, wenn einer dieser Behörden die Vorgänge vom
Wehrbeauftragten darf er nicht dienstlich gemaßregelt Wehrbeauftragten zugeleitet worden sind.
oder benachteiligt werden.
§ 13
§8 Wahl des Wehrbeauftragten
Anonyme Eingaben Der Bundestag wählt in geheimer Wahl mit der Mehr-
heit seiner Mitglieder den Wehrbeauftragten. Vorschlags-
Anonyme Eingaben werden nicht bearbeitet. berechtigt sind der Verteidigungsausschuss, die Fraktionen
und so viele Abgeordnete, wie nach der Geschäftsordnung
§9 der Stärke einer Fraktion entsprechen. Eine Aussprache
findet nicht statt.
Vertraulichkeit der Eingaben
Wird der Wehrbeauftragte auf Grund einer Eingabe tä- § 14
tig, so steht es in seinem Ermessen, die Tatsache der Ein- Wählbarkeit; Amtsdauer; Verbot einer anderen
gabe und den Namen des Einsenders bekannt zu geben. Berufsausübung; Eid; Befreiung vom Wehrdienst
Er soll von der Bekanntgabe absehen, wenn der Einsen-
der es wünscht und der Erfüllung des Wunsches keine (1) Zum Wehrbeauftragten ist jeder/jede Deutsche
Rechtspflichten entgegenstehen. wählbar, der/die das Wahlrecht zum Bundestag besitzt
und das 35. Lebensjahr vollendet hat.
§ 10 (2) Das Amt des Wehrbeauftragten dauert fünf Jahre.
Wiederwahl ist zulässig.
Verschwiegenheitspflicht
(3) Der Wehrbeauftragte darf kein anderes besoldetes
(1) Der Wehrbeauftragte ist auch nach Beendigung Amt, kein Gewerbe und keinen Beruf ausüben und weder
seines Amtsverhältnisses verpflichtet, über die ihm amt- der Leitung und dem Aufsichtsrat eines auf Erwerb ge-
lich bekannt gewordenen Angelegenheiten Verschwie- richteten Unternehmens noch einer Regierung oder einer
genheit zu bewahren. Dies gilt nicht für Mitteilungen im gesetzgebenden Körperschaft des Bundes oder eines Lan-
dienstlichen Verkehr oder über Tatsachen, die offenkun- des angehören.
dig sind oder ihrer Bedeutung nach keiner Geheimhaltung
bedürfen. (4) Der Wehrbeauftragte leistet bei der Amtsüber-
nahme vor dem Bundestag den in Artikel 56 des Grund-
(2) Der Wehrbeauftragte darf, auch wenn er nicht gesetzes vorgesehenen Eid.
mehr im Amt ist, über solche Angelegenheiten ohne Ge-
(5) Der Wehrbeauftragte ist für die Dauer seines Am-
nehmigung weder vor Gericht noch außergerichtlich aus-
tes vom Wehrdienst befreit.
sagen oder Erklärungen abgeben. Die Genehmigung er-
teilt der Präsident des Bundestages im Einvernehmen mit
dem Verteidigungsausschuss. § 15

(3) Die Genehmigung, als Zeuge auszusagen, darf nur Rechtsstellung des Wehrbeauftragten; Beginn
versagt werden, wenn die Aussage dem Wohl des Bundes und Beendigung des Amtsverhältnisses
oder eines deutschen Landes Nachteile bereiten oder die 1) Der Wehrbeauftragte steht nach Maßgabe dieses
Erfüllung öffentlicher Aufgaben ernstlich gefährden oder Gesetzes in einem öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis.
erheblich erschweren würde. Der Präsident des Bundestages ernennt den Gewählten.
(4) Unberührt bleibt die gesetzlich begründete (2) Das Amtsverhältnis beginnt mit der Aushändi-
Pflicht, Straftaten anzuzeigen und bei Gefährdung der gung der Urkunde über die Ernennung oder, falls der Eid
freiheitlichen demokratischen Grundordnung für deren vorher geleistet worden ist (§ 14 Abs. 4), mit der Vereidi-
Erhaltung einzutreten. gung.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 75 – Drucksache 17/900

(3) Das Amtsverhältnis endet außer durch Ablauf der gung des Amtsverhältnisses des Wehrbeauftragten mehr
Amtszeit nach § 14 Abs. 2 oder durch den Tod als drei Monate verstrichen, ohne dass das Amtsverhält-
nis eines Nachfolgers begonnen hat, so kann der Verteidi-
1. mit der Abberufung, gungsausschuss den Leitenden Beamten ermächtigen, das
2. mit der Entlassung auf Verlangen. Recht aus § 3 Nr. 4 wahrzunehmen.
(4) Der Bundestag kann auf Antrag des Verteidi-
§ 18
gungsausschusses seinen Präsidenten beauftragen, den
Wehrbeauftragten abzuberufen. Dieser Beschluss bedarf Amtsbezüge; Versorgung
der Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder des Bundes-
tages. (1) Der Wehrbeauftragte erhält vom Beginn des Ka-
lendermonats an, in dem das Amtsverhältnis beginnt, bis
(5) Der Wehrbeauftragte kann jederzeit seine Entlas- zum Schluss des Kalendermonats, in dem das Amtsver-
sung verlangen. Der Präsident des Bundestages spricht hältnis endet, Amtsbezüge. § 11 Abs. 1 Buchstaben a und
die Entlassung aus. b des Bundesministergesetzes sind mit der Maßgabe
entsprechend anzuwenden, dass das Amtsgehalt und der
§ 16 Ortszuschlag 75 vom Hundert des Amtsgehaltes und des
Ortszuschlages eines Bundesministers betragen. Die Amts-
Sitz des Wehrbeauftragten; Leitender Beamter; bezüge werden monatlich im Voraus gezahlt.
Beschäftigte; Haushalt
(2) Im Übrigen werden § 11 Abs. 2 und 4 und die
(1) Der Wehrbeauftragte hat seinen Sitz beim Bun- §§ 13 bis 20 und 21a des Bundesministergesetzes ent-
destag. sprechend angewandt mit der Maßgabe, dass an die Stelle
der zweijährigen Amtszeit (§ 15 Abs. 1 des Bundesminis-
(2) Den Wehrbeauftragten unterstützt ein Leitender
tergesetzes) eine fünfjährige Amtszeit tritt. Satz 1 gilt für
Beamter. Weitere Beschäftigte werden dem Wehrbeauf-
einen Berufssoldaten oder Soldaten auf Zeit, der zum
tragten für die Erfüllung seiner Aufgaben beigegeben.
Wehrbeauftragten ernannt worden ist, entsprechend mit
Die Beamten beim Wehrbeauftragten sind Bundestagsbe-
der Maßgabe, dass für Soldaten auf Zeit bei Anwendung
amte nach § 176 des Bundesbeamtengesetzes in der Fas-
des § 18 Abs. 2 des Bundesministergesetzes an die Stelle
sung der Bekanntmachung vom 3. Januar 1977 (BGBl. I
des Eintritts in den Ruhestand die Beendigung des
S. 1, 795, 842), zuletzt geändert durch § 27 des Gesetzes
Dienstverhältnisses tritt.
vom 26. Juni 1981 (BGBl. I S. 553). Der Wehrbeauftragte
ist Vorgesetzter der ihm beigegebenen Beschäftigten. (3) Die Vorschriften des Bundesreisekostengesetzes
in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. November
(3) Die dem Wehrbeauftragten für die Erfüllung sei-
1973 (BGBl. I S. 1621), zuletzt geändert durch die Ver-
ner Aufgaben zur Verfügung zu stellende notwendige
ordnung vom 31. Mai 1979 (BGBl. I S. 618), der höchsten
Personal- und Sachausstattung ist im Einzelplan des Bun-
Reisekostenstufe und des Bundesumzugskostengesetzes
destages in einem eigenen Kapitel auszuweisen.
in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. November
1973 (BGBl. I S. 1628), zuletzt geändert durch Artikel VII
§ 17 des Gesetzes vom 20. Dezember 1974 (BGBl. I S. 3716),
Vertretung des Wehrbeauftragten für die infolge der Ernennung und Beendigung des Amts-
verhältnisses erforderlich werdenden Umzüge sind ent-
(1) Der Leitende Beamte nimmt die Rechte des Wehr- sprechend anzuwenden.
beauftragten mit Ausnahme des Rechts nach § 3 Nr. 4 bei
Verhinderung und nach Beendigung des Amtsverhältnis- § 19
ses des Wehrbeauftragten bis zum Beginn des Amtsver-
hältnisses eines Nachfolgers wahr. § 5 Abs. 2 findet ent- (weggefallen)
sprechende Anwendung.
§ 20
(2) Ist der Wehrbeauftragte länger als drei Monate
verhindert, sein Amt auszuüben, oder sind nach Beendi- (Inkrafttreten)
Drucksache 17/900 – 76 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Auszug aus der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages verlangen, ihn auf die Tagesordnung zu set-
Bundestages in der Fassung der Bekanntmachung zen.
vom 2. Juli 1980 (BGBl. I S. 1237), zuletzt geändert
(2) Der Verteidigungsausschuss hat dem Bundestag
laut Bekanntmachung vom 6. Juli 2009
Bericht zu erstatten.
(BGBl. I S. 2128)
§ 115
§ 113
Beratung der Berichte des Wehrbeauftragten
Wahl des Wehrbeauftragten
(1) Der Präsident erteilt dem Wehrbeauftragten in der
Die Wahl des Wehrbeauftragten erfolgt mit verdeckten Aussprache über die von ihm vorgelegten Berichte das
Stimmzetteln (§ 49). Wort, wenn es von einer Fraktion oder von anwesenden
fünf vom Hundert der Mitglieder des Deutschen Bundes-
§ 114 tages verlangt worden ist.

Berichte des Wehrbeauftragten (2) Die Herbeirufung des Wehrbeauftragten zu den


Sitzungen des Bundestages kann von einer Fraktion oder
(1) Die Berichte des Wehrbeauftragten überweist der von anwesenden fünf vom Hundert der Mitglieder des
Präsident dem Verteidigungsausschuss, es sei denn, dass Deutschen Bundestages verlangt werden; Absatz 1 findet
eine Fraktion oder fünf vom Hundert der Mitglieder des entsprechende Anwendung.

Verfahrensgrundsätze für die Zusammenarbeit zwi-


schen dem Petitionsausschuss und dem Wehrbeauf-
tragten des Deutschen Bundestages
1. Der Petitionsausschuss unterrichtet den Wehrbeauf-
tragten von einer Petition, wenn sie einen Soldaten der
Bundeswehr betrifft. Der Wehrbeauftragte teilt dem
Petitionsausschuss mit, ob bei ihm in derselben Ange-
legenheit ein Vorgang entstanden ist und ob er tätig
wird.
2. Der Wehrbeauftragte unterrichtet den Petitionsaus-
schuss von einem Vorgang, wenn in derselben Angele-
genheit erkennbar dem Petitionsausschuss eine Peti-
tion vorliegt.
3. Sind der Petitionsausschuss und der Wehrbeauftragte
sachgleich befasst, so wird der Vorgang grundsätzlich
zunächst vom Wehrbeauftragten bearbeitet. Wird der
Petitionsausschuss tätig, so teilt er dies dem Wehrbe-
auftragten mit. Der Wehrbeauftragte und der Petitions-
ausschuss unterrichten sich regelmäßig schriftlich von
dem Fortgang der Bearbeitung und deren Ergebnis.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 77 – Drucksache 17/900

21.3 Erlass Truppe und Wehrbeauftragter gung durch den Verteidigungsausschuss auch dem
– Neufassung – Leitenden Beamten zu. Die Wahrnehmung dieses
Rechts kann nur verweigert werden, soweit zwingende
A. Geheimhaltungsgründe entgegenstehen.
Verfassungsrechtliche Stellung d) Er kann auch nichtöffentlichen Verhandlungen der
des Wehrbeauftragten Strafgerichte, der Verwaltungsgerichte und der Wehr-
dienstgerichte, die mit seinem Aufgabenbereich zu-
1. sammenhängen, beiwohnen; in diesen Verfahren hat er
Der Deutsche Bundestag beruft zum Schutz der Grund- das Recht zur Akteneinsicht wie ein Verfahrensbetei-
rechte der Soldaten und zur Überwachung der Einhaltung ligter.
der Grundsätze der Inneren Führung den Wehrbeauftrag- e) Er kann den zuständigen Stellen Gelegenheit zur Re-
ten als sein Hilfsorgan bei der Ausübung der parlamenta- gelung der Angelegenheiten geben.
rischen Kontrolle.
f) Er kann einen Vorgang der für die Einleitung eines
Auf Weisung des Deutschen Bundestages oder des Vertei-
Straf- oder Disziplinarverfahrens zuständigen Stelle
digungsausschusses des Deutschen Bundestages kann der
zuleiten.
Wehrbeauftragte auch mit der Prüfung von Vorgängen be-
auftragt werden, die weder dem Schutz der Grundrechte Mit Ausnahme des Besuchsrechts nach Nummer 3 Buch-
noch der Überwachung der Einhaltung der Grundsätze stabe c können die Befugnisse des Wehrbeauftragten auch
der Inneren Führung dienen. Das Nähere bestimmt das von seinen Mitarbeitern wahrgenommen werden. Infor-
Gesetz über den Wehrbeauftragten des Deutschen Bun- mationsbesuche der Mitarbeiter sind vorher anzumelden.
destages (Gesetz zu Artikel 45 b des Grundgesetzes –
WBeauftrG) in der ab 24. Juni 1982 geltenden Fassung C.
der Bekanntmachung vom 16. Juni 1982 (BGBl. I S. 677
und VMBl. S. 193). Verfahrensregelung
4.
B.
Wehrbeauftragtenangelegenheiten sind vordringlich zu
Aufgaben und Befugnisse bearbeiten. Bei längerer Dauer der Bearbeitung ist der
des Wehrbeauftragten Wehrbeauftragte in angemessenen Zeitabständen über
2. den Stand der Angelegenheit durch die Dienststelle zu
unterrichten, die die Stellungnahme abzugeben hat.
Der Wehrbeauftragte wird tätig
Wenn im Zusammenhang mit einem Ersuchen des Wehr-
– auf Weisung des Deutschen Bundestages oder des Ver- beauftragten um Auskunft oder Akteneinsicht Zweifel be-
teidigungsausschusses zur Prüfung bestimmter Vor- stehen, ob
gänge,
– der betreffende Sachverhalt auf eine Grundrechtsver-
– nach pflichtgemäßem Ermessen aufgrund eigener Ent- letzung oder einen Verstoß gegen die Grundsätze der
scheidung, wenn ihm Umstände bekannt werden, die Inneren Führung schließen lässt oder ob eine Weisung
auf eine Verletzung der Grundrechte der Soldaten oder des Deutschen Bundestages oder des Verteidigungs-
der Grundsätze der Inneren Führung schließen lassen. ausschusses des Deutschen Bundestages vorliegt,
3. – zwingende Geheimhaltungsgründe dem Ersuchen ent-
Der Wehrbeauftragte hat in Erfüllung seiner Aufgaben gegenstehen
die folgenden Befugnisse: oder wenn im Zusammenhang mit einem Besuch des
a) Er kann von allen dem Bundesministerium der Vertei- Wehrbeauftragten Zweifel bestehen, ob
digung (BMVg) unterstellten Dienststellen und Perso- – zwingende Geheimhaltungsgründe dem Besuch entge-
nen Auskunft und Akteneinsicht verlangen. Diese genstehen,
Rechte können nur verweigert werden, soweit zwin-
gende Geheimhaltungsgründe entgegenstehen. ist unverzüglich die Entscheidung des BMVg einzuholen.
Der Wehrbeauftragte ist hierüber zu unterrichten.
b) Er kann den Einsender sowie Zeugen und Sachver-
ständige anhören, wenn er auf Weisung des Deutschen 5.
Bundestages oder des Verteidigungsausschusses zur Für die Bearbeitung der vom Wehrbeauftragten übersand-
Prüfung bestimmter Vorgänge tätig wird und bei Ein- ten Ersuchen gilt Folgendes:
gaben, denen eine Beschwerde zugrunde liegt.
a) Wird vom Wehrbeauftragten ein Angehöriger der
c) Er kann jederzeit alle Truppenteile, Stäbe, Dienststel-
Bundeswehr persönlich angeschrieben, hat dieser
len und Behörden der Bundeswehr und ihre Einrich-
selbst zu antworten.
tungen auch ohne vorherige Anmeldung besuchen.
Das Besuchsrecht ist dem Wehrbeauftragten persön- b) Wendet der Wehrbeauftragte sich an eine Dienststelle,
lich vorbehalten. Dieses Recht steht nach Ermächti- so ist der Leiter der Dienststelle für die Beantwortung
Drucksache 17/900 – 78 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

des Ersuchens verantwortlich; die abschließende Stel- rung des Wehrbeauftragten mehr eingeht. Teilt der
lungnahme hat er selbst zu zeichnen. Die Untersu- Wehrbeauftragte den Abschluss des Verfahrens mit, so
chungen führt der jeweils zuständige Disziplinarvor- ist dies mit dem Ergebnis seiner Prüfung den beteilig-
gesetzte durch. Festgestellte Mängel sind abzustellen. ten Dienststellen und den von der Eingabe betroffenen
Personen bekannt zu geben.
c) Werden übergeordnete Vorgesetzte zu einer Stellung-
nahme aufgefordert, so veranlassen sie die Überprü- h) Eingaben, die der Wehrbeauftragte Dienststellen zur
fung des Sachverhalts und übersenden deren Ergebnis Stellungnahme übersendet, dürfen grundsätzlich nicht
zusammen mit der eigenen Stellungnahme an den in Beschwerden nach den Bestimmungen der Wehrbe-
Wehrbeauftragten. schwerdeordnung (WBO)2 umgedeutet werden, es sei
denn, die Umdeutung entspricht einem ausdrücklichen
d) Kommandobehörden von Division an aufwärts und
Willen des Petenten.
entsprechende Dienststellen legen dem BMVg bei An-
gelegenheiten von grundsätzlicher oder weit reichen- 6.
der Bedeutung ihre Stellungnahmen zusammen mit
Macht der Wehrbeauftragte von seinem Anhörungsrecht
den entstandenen wesentlichen Vorgängen nach Ab-
(Nummer 3 Buchstabe b) Gebrauch, ist er dabei in jeder
gang auf dem Dienstweg vor.
Hinsicht zu unterstützen. Der Wehrbeauftragte belehrt
e) Darüber hinaus sind dem BMVg alle von Dienststel- Einsender, Sachverständige oder Zeugen über ihre Rechte
len der Bundeswehr abgegebenen Stellungnahmen mit bei der Anhörung; eine Aussagepflicht besteht nicht. Für
den entstandenen wesentlichen Vorgängen nach Ab- die Anhörung ist, soweit erforderlich, Dienstbefreiung
gang auf dem Dienstweg vorzulegen, wenn oder Sonderurlaub gemäß § 9 Soldatenurlaubsverordnung
(SUV)3 i. V. mit Nummer 72 der Ausführungsbestimmun-
– der Angelegenheit politische oder öffentliche Be- gen zur SUV (ZDv 14/5 F 511) zu erteilen.
deutung beizumessen ist oder
Soweit über Gegenstände angehört werden soll, die der
– in der Sache ein disziplinargerichtliches Verfahren Pflicht zur Verschwiegenheit unterliegen, kann der Ange-
oder ein Strafverfahren eingeleitet oder zu erwarten hörte über Vorgänge bis zum Verschlussgrad VS-NfD
ist. aussagen. Bei Vorgängen mit höherem VS-Grad hat der
f) Soweit Soldaten im Zusammenhang mit ihren Einga- Wehrbeauftragte die Aussagegenehmigung beim zustän-
ben an den Wehrbeauftragten die behandelnden Ärzte digen Disziplinarvorgesetzten einzuholen.
oder ärztlichen Gutachter von ihrer ärztlichen Schwei- Kann der zuständige Disziplinarvorgesetzte die Genehmi-
gepflicht entbinden, bezieht sich dies im Zweifel aus- gung nicht erteilen, holt er die Entscheidung seiner Vor-
schließlich auf deren Stellungnahmen unmittelbar ge- gesetzten ein. Die Genehmigung zu versagen, bleibt dem
genüber dem Wehrbeauftragten. BMVg vorbehalten.
g) Mehrausfertigungen dieser Stellungnahmen sowie die- Die angehörten Personen werden entsprechend dem Ge-
sen beigefügte Anlagen, die anderen Dienststellen – ein- setz über die Entschädigung von Zeugen und Sachver-
schließlich des BMVg – auf dem Dienstweg vorzule- ständigen in der Fassung der Bekanntmachung vom
gen sind, dürfen daher in der Regel keine Tatsachen 1. Oktober 1969 (BGBl. I S. 1756)2, zuletzt geändert
oder Wertungen enthalten, die der ärztlichen Schwei- durch Artikel 11 des Gesetzes vom 26. November 1979
gepflicht unterliegen. (BGBl. I S. 1953 und 1980 S. 137), entschädigt. Zeugen
Die an den Wehrbeauftragten gerichteten Stellungnah- haben binnen drei Monaten nach der Anhörung, Sachver-
men sind gegebenenfalls so abzufassen, dass die der ständige innerhalb der vom Wehrbeauftragten gesetzten
ärztlichen Schweigepflicht unterliegenden Aussagen Frist die Entschädigung bei dem Wehrbeauftragten zu be-
in einer besonderen Anlage zusammengefasst und nur antragen.
dem Wehrbeauftragten unmittelbar mit dem Original- 7.
schreiben übersandt werden.
Ist der Sachverhalt einer Eingabe an den Wehrbeauftrag-
g) Über Eingaben, deren Inhalt und entsprechende Stel- ten gleichzeitig Gegenstand einer Beschwerde nach der
lungnahmen, haben alle Beteiligten auch untereinander WBO oder Wehrdisziplinarordnung (WDO)4, dann gilt:
die Pflicht zur Verschwiegenheit gemäß § 14 Soldaten-
gesetz1 zu beachten, soweit es nicht die unmittelbare a) Hat ein Soldat Beschwerde nach der WBO einschließlich
Bearbeitung der Eingabe betrifft. Den Vorgang zur Be- der Disziplinarbeschwerde nach § 38 WDO eingelegt
lehrung auszuwerten, ist erst nach Abschluss des Ver- und richtet er eine Eingabe in gleicher Angelegenheit an
fahrens zulässig. Die Namen der Beteiligten dürfen den Wehrbeauftragten, so ist der Wehrbeauftragte über
hierbei nicht bekannt gegeben werden. Sachstand und Fortgang der Beschwerdesache zu un-
terrichten. Eine Mehrausfertigung der Entscheidung ist
Das Verfahren ist in der Regel in diesem Zusammen- ihm unverzüglich zuzuleiten. Die Einlegung eines
hang als abgeschlossen zu betrachten, wenn zwei Mo-
nate nach Abgabe der Stellungnahme keine Rückäuße-
2 im VMBl nicht veröffentlicht
3 VMBl 1997 S. 286
1 VMBl 2001 S. 72 4 VMBl 1973 S. 7
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 79 – Drucksache 17/900

Rechtsbehelfs sowie die Unanfechtbarkeit sind geson- Betr.: Truppenbesuch des Wehrbeauftragten aus besonde-
dert mitzuteilen. rem Anlass
– Zeitpunkt,
b) Bezieht sich die Eingabe des Soldaten an den Wehrbe-
auftragten auch auf Angelegenheiten, die der Soldat – Truppenteil,
nicht zum Gegenstand seiner Beschwerde gemacht – Standort und Unterkunft,
hat, ist bezüglich dieses Teils der Eingabe wie bei – Anlass.
sonstigen Eingaben zu verfahren.
D.
c) Werden aufgrund einer Eingabe an den Wehrbeauf-
tragten disziplinare Ermittlungen aufgenommen, so ist Unterrichtung der Soldaten
der Wehrbeauftragte hiervon zu unterrichten. Nach 10.
Abschluss des Verfahrens ist ihm die getroffene Ent-
scheidung mitzuteilen. In einem disziplinargerichtli- Alle Soldaten sind über die Aufgaben und Befugnisse des
chen Verfahren sind auch wesentliche Zwischenent- Wehrbeauftragten zu Beginn der Grundausbildung und
scheidungen mitzuteilen. erneut nach Versetzung in die Stammeinheit durch den
Disziplinarvorgesetzten zu unterrichten. Dabei ist insbe-
sondere auf Folgendes hinzuweisen:
8.
Jeder Soldat hat das Recht, sich unmittelbar, ohne Ein-
Für die Bearbeitung von Vorgängen, die der Wehrbeauf- haltung des Dienstweges, mit Eingaben an den Wehr-
tragte Dienststellen der Bundeswehr zur Regelung in ei- beauftragten zu wenden.
gener Zuständigkeit übersendet, gilt Folgendes:
Die Anschrift des Wehrbeauftragten lautet:
a) Richtet sich der Vorgang gegen einen Soldaten, ist er Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages,
dessen nächstem Disziplinarvorgesetzten zuzuleiten. Platz der Republik 1,
Sonstige Vorgänge sind der Stelle zuzuleiten, die den 11011 Berlin.
Gegenstand des Vorgangs zu beurteilen hat.
Die Anschrift ist gemäß ZDv 10/5 „Leben in der mili-
b) Die zu Buchstabe a) bezeichnete Stelle hat dem Ein- tärischen Gemeinschaft“ Nummer 230 durch Aushang
sender auf dem Dienstweg einen Bescheid zu erteilen, an der Informationstafel in der Einheit/Dienststelle be-
der auch mündlich durch dessen Disziplinarvorgesetz- kannt zu geben.
ten eröffnet werden kann. Der Wehrbeauftragte ist b) Soldaten können sich nur einzeln an den Wehrbeauf-
über die abschließende Behandlung der Angelegenheit tragten wenden.
in Kenntnis zu setzen.
c) Anonyme Eingaben werden nicht bearbeitet (§ 8
c) Durch eine Eingabe an den Wehrbeauftragten werden WBeauftrG).
die Rechtsbehelfe nach der WBO und der WDO nicht d) Wendet sich ein Soldat vor Abfassung seiner Eingabe
ersetzt. Selbst wenn eine Eingabe an den Wehrbeauf- an seinen Disziplinarvorgesetzten, ist ihm Rat und
tragten als Beschwerde oder als Antrag nach der WBO Hilfe zu gewähren. Es ist ein Dienstvergehen und zu-
oder der WDO anzusehen ist, werden die dort festge- gleich eine Straftat nach § 35 Wehrstrafgesetz, wenn
legten Fristen nur dann gewahrt, wenn die Eingabe in- Vorgesetzte durch Befehle, Drohungen, Versprechun-
nerhalb dieser Frist bei der für die Entgegennahme der gen, Geschenke oder sonst auf pflichtwidrige Weise
Beschwerde oder des Antrags zuständigen Stelle ein- Untergebene davon abhalten, Eingaben an den Wehr-
geht. beauftragten zu richten oder Eingaben unterdrücken.
Auch der Versuch ist strafbar und kann im Übrigen als
Dienstvergehen geahndet werden.
9.
e) Der Soldat darf keine Nachteile erleiden, weil er sich
Truppenbesuche des Wehrbeauftragten aus besonderem mit einer Eingabe an den Wehrbeauftragten gewandt
Anlass (z. B. in Zusammenhang mit besonderen Vor- hat. Enthält die Eingabe Dienstpflichtverletzungen
kommnissen oder mehreren gleich lautenden oder ähnli- oder Straftaten, z. B. Beleidigungen oder Verleumdun-
chen Eingaben im Bereich desselben Truppenteils) sind gen, kann dies als Dienstvergehen disziplinar geahndet
dem BMVg fernschriftlich nach folgendem Muster zu oder strafgerichtlich verfolgt werden (vgl. ZDv 14/3 B
melden: 127).

Anschrift: f) Unterlagen, die höher als VS-NfD eingestuft sind, dür-


fen Eingaben an den Wehrbeauftragten nicht beigefügt
BMVg – Fü S I 3 – nachrichtlich: werden. Tatsachen, die einem höheren Geheimhal-
tungsgrad als VS-NfD unterliegen, dürfen in Eingaben
Führungsstab der betreffenden Teilstreitkraft bzw. Org- an den Wehrbeauftragten nicht enthalten sein. Er-
Bereich scheint die Mitteilung solcher Umstände aus der Sicht
des Petenten erforderlich, kann der Soldat den Wehr-
(Fü H I 1, Fü L I 2, Fü M I 1, InSan II 3, Fü SKB I 3) beauftragten hierauf hinweisen.
Drucksache 17/900 – 80 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

E. 12.
Schlussbemerkungen Alle Disziplinarvorgesetzten sind aufgefordert, Erfahrun-
11. gen auf dem Dienstweg an BMVg – Fü S I 3 – zu melden.

Von allen Vorgesetzten wird erwartet, vertrauensvoll mit 13.


dem Wehrbeauftragten zusammenzuarbeiten und ihm da-
mit die Möglichkeit geben, sich schnell und gründlich zu Der Erlass „Truppe und Wehrbeauftragter“ in der Fassung
unterrichten. VMBl 1984 S. 59 wird aufgehoben.
Verständnis des Soldaten für unsere Staats- und Rechts- BMVg, 28. Mai 2001
ordnung, Vertrauen zur Demokratie, aber auch zur Bun-
deswehr können damit wesentlich gefördert werden. Fü S I 3 – Az 39-20-00
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 81 – Drucksache 17/900

21.4 Statistische Übersichten Seite


Seite
Übersicht über die bearbeiteten Vorgänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
Aufschlüsselung der bearbeiteten Vorgänge nach Inhalt . . . . . . . . . . . . . . . 83
Aufschlüsselung der bearbeiteten Vorgänge nach Einsendern
und anderen Erkenntnisquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
Aufschlüsselung der bearbeiteten Vorgänge nach Organisationsbereichen
der Bundeswehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
Aufschlüsselung der bearbeiteten Vorgänge nach Dienstgradgruppen
der Soldaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
Entwicklung der Zahl der Eingaben und sonstiger Vorgänge
in den Jahren 1959 bis 2009 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
Besuche, Begegnungen, Gespräche des Wehrbeauftragten . . . . . . . . . . . . . . 90
Übersicht über die Jahresberichte 1959 bis 2009 und deren
Beratung durch den Deutschen Bundestag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
Drucksache 17/900 – 82 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Übersicht über die bearbeiteten Vorgänge 2009


1. Im Berichtszeitraum erfasste Vorgänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 779
Darunter Vorgänge, . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
die den Aufgabenbereich des Wehrbeauftragten nicht berührten . . . . . . . . 46
anonymer Art . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
die ihres Inhalts wegen nicht weiter verfolgt wurden
zum gesetzlichen Auftrag des Wehrbeauftragten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193 325*)
Bearbeitete Vorgänge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 454
Noch nicht abschließend bearbeitete Vorgänge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 553
2. Anzahl der abschließend bearbeiteten Vorgänge
aus dem Berichtszeitraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 901
aus den Vorjahren (Überhänge)
1998 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1**)
2000 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1**)
2002 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6**)
2003 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5**)
2004 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10**)
2005 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27**)
2006 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40**)
2007 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157**)
2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 566 1 813
Insgesamt abschließend bearbeitete Vorgänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 714

*) Eingaben, für deren Bearbeitung der Wehrbeauftragte nicht zuständig war, wurden entweder an die zuständigen Stellen weitergeleitet oder der
Einsender wurde davon unterrichtet, dass der Wehrbeauftragte in seiner Sache nicht tätig werden kann.
**) Bei diesen Vorgängen waren überwiegend sachgleiche Gerichtsverfahren anhängig, die erst im Laufe des Berichtsjahres rechtskräftig abgeschlos-
sen worden sind.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 83 – Drucksache 17/900

Aufschlüsselung der bearbeiteten Vorgänge nach Inhalt

Inhalt Anzahl v. H.
Menschenführung/ Wehrrecht/ Soldatische Ordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 9891 36,47
Personalangelegenheiten der Berufs- u. Zeitsoldaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 3322 24,42
Personelle Fragen der Wehrpflichtigen (außer Wehrübende) . . . . . . . . . . . . . . 1 448 8,21
Reservistenangelegenheiten/Wehrübungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 188 3,45
Heilfürsorge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 284 5,21
Unterkünfte/Verpflegung/Bekleidung/Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 162 2,97
Besoldung und besoldungsrechtliche Nebengebiete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 851 15,60
Soziales/Versorgung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 2003 3,67
Gesamtzahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 4544 100,00
1 Verfassungsrechtliche Grundsätze; Schutz von Grundrechten, Leitbild des Staatsbürgers in Uniform, Integration der Bundeswehr in Staat und Ge-
sellschaft, Rechte und Pflichten der Soldaten, Befehl und Gehorsam, Führungsstil und Führungsverhalten, Beschwerde und Petitionsrecht, Solda-
tenbeteiligungsrecht, militärische Ausbildung, Sport, militärische Sicherheit, Traditionspflege, Militärseelsorge, Anerkennung als Kriegsdienstver-
weigerer, Disziplinarangelegenheiten, fristlose Entlassung, Nachdienen, vorläufige Festnahme, Maßnahmen nach dem Gesetz über die Anwendung
des unmittelbaren Zwanges, Gnadenrecht, Dienstzeitbelastung u. Ä.
2 Laufbahnfragen, Versetzungen und Kommandierungen, Beurteilungen, Urlaub/Dienstbefreiung u. Ä.
3 Berufsförderung, Sozialversicherungsangelegenheiten, Schul-und Studienfürsorge, Unterhaltssicherung, Wohnungsfürsorge u. Ä.
4 In der Gesamtzahl sind 468 Eingaben von Soldaten, die im Ausland stationiert sind, enthalten.
Drucksache 17/900 – 84 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Aufschlüsselung der bearbeiteten Vorgänge nach Einsendern und anderen Erkenntnisquellen

davon entfallen auf

Menschen- Personal- Personelle Reser- Unter- Besoldung


Fragen der künfte/
Einsender bzw. Insgesamt führung/ angelegen- visten- und besol-
Erkenntnisquellen Wehrrecht/ heiten der Wehr- angelegen- Heil- Verpfle- dungs-
Soziales/
Solda- Berufs- pflichtigen heiten/ fürsorge
gung/
rechtliche
Versor-
(außer Beklei- gung
tische und Zeit- Wehr- Neben-
Ordnung Wehr- dung/
soldaten übungen gebiete
übende) Betreuung

Soldaten der Bundes-


wehr (männlich) . . . . 3 164 855 1 063 190 5 167 135 617 132
(weiblich) . . . . . . . . . 423 209 123 3 5 39 4 29 11
Familienangehörige
von Soldaten der
Bundeswehr . . . . . . . 195 65 25 76 0 13 2 11 3
Ehemalige Soldaten
der Bundeswehr . . . . 345 38 27 7 156 13 5 89 10
Abgeordnete
des Bundestages . . . . 25 5 1 11 0 0 0 5 3
Andere Abgeordnete . 1 1 - - - - - - -
Privatpersonen
außerhalb der
Bundeswehr . . . . . . . 418 120 75 47 10 37 6 86 37
Organisationen,
Verbände u. a. . . . . . . 7 2 0 3 0 2 0 0 0
Truppenbesuche . . . . 93 64 8 2 3 4 5 6 1
Presseberichte . . . . . . 12 10 0 1 0 0 0 1 0
Besondere
Vorkommnisse . . . . . 540 540 0 0 0 0 0 0 0
Nichtgediente
Wehrpflichtige . . . . . 87 0 0 86 0 1 0 0 0
Sonstige
Erkenntnisquellen . . . 144 80 10 22 9 8 5 7 3
Gesamtzahl . . . . . . . . 5 454 1 989 1 332 448 188 284 162 851 200
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 85 – Drucksache 17/900

Aufschlüsselung der bearbeiteten Vorgänge nach Organisationsbereichen der Bundeswehr

davon entfallen auf

Menschen- Personal- Personelle


Unter-
Reser- Besoldung
Organisations- angelegen- Fragen der künfte/
Insgesamt führung/ heiten Wehr-
visten-
Verpfle-
und besol- Soziales/
bereiche Wehrrecht/ pflichtigen angelegen-
Heil- dungs-
der Be- gung/ Versor-
Solda- heiten/ fürsorge rechtliche
rufs- (außer Beklei- gung
tische und Zeit- Wehr- Wehr- dung/ Nebenge-
Ordnung soldaten übungen biete
übende) Betreuung

Bundesminis-
terium der
Verteidigung . . . . . . . 9 2 2 0 2 0 0 3 0
Streitkräftebasis . . . . 1 107 489 355 56 19 51 35 65 37
Sanitätsdienst . . . . . . 493 179 154 27 6 54 12 49 12
Heer . . . . . . . . . . . . . 1 625 563 386 98 15 82 57 378 46
Luftwaffe . . . . . . . . . 624 272 210 29 2 23 23 54 11
Marine . . . . . . . . . . . 355 169 72 11 6 9 7 70 11
Nicht erkennbar oder
nicht aus dem Bereich
der Bundeswehr . . . . 1 102 303 143 150 134 61 23 223 65
Bundeswehr-
Verwaltung . . . . . . . . 139 12 10 77 4 4 5 9 18
Gesamtzahl . . . . . . . . 5 454 1 989 1 332 448 188 284 162 851 200

Bundeminis-
Nicht erkennbar Bundeswehr- terium der
oder nicht verwaltung Verteidigung
aus dem Bereich 2,55% 0,17% Streitkräftebasis
der Bundeswehr 20,3%
20,21%

Marine
6,51%

Sanitätsdienst
9,04%
Luftwaffe
11,44% Heer
29,79%
Drucksache 17/900 – 86 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Aufschlüsselung der bearbeiteten Vorgänge nach Dienstgradgruppen der Soldaten

davon entfallen auf

Men- Perso- Unter-


Personal- nelle Besol-
schen- Fra- Reservis- künfte/
angele- dung und
Dienstgradgruppen führung/ gen-
gen der tenange- Verpfle- besol- Soziales/
Insgesamt Wehr- Wehr- legen- Heil- gung/ Sonstige
incl. Reservisten heiten der pflichtigen dungs- Versor-
recht/ heiten/ fürsorge Beklei- Fragen
Solda- Berufs- (außer Wehr- dung/
rechtliche gung
und Zeit- Neben-
tische Wehr- übungen Betreu-
Ordnung soldaten übende) ung gebiete

Generäle . . . . . . . . 1 1 0 0 0 0 0 0 0 0
Stabsoffiziere . . . . 330 108 53 1 23 27 9 101 8 0
Hauptleute . . . . . . 406 108 69 3 11 14 8 179 14 0
Leutnante . . . . . . . 339 75 71 2 14 19 4 151 3 0
Unteroffiziere m. P. 1 611 605 532 6 48 76 64 211 69 0
Unteroffiziere o. P. 738 277 281 5 34 48 19 50 24 0
Mannschaften . . . . 1 113 467 230 227 42 50 34 36 27 0
Unbekannter Dienst- 0
grad oder nicht aus
dem Bereich der Bw 916 348 96 204 16 50 24 123 55
Gesamtzahl . . . . . . 5 454 1 989 1 332 448 188 284 162 851 200 0

Von der Gesamtzahl aller Dienstgrade entfallen auf:


Berufssoldaten 1281
Soldaten auf Zeit 2465
Grundwehrdienstleistende 304
Wehrübende/ Reservisten 356
Unbekannt oder keine Angabe möglich 907
Freiwillig länger Wehrdienst Leistende 141

Gesamtzahl 454

2000

1611
1600

1113
1200
916
738
800

406 339
400 330

1
0
ht
r nic
a d ode r Bw
iens
tgr h de
reic
n nter D dem Be
ka aus
Unbe
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 87 – Drucksache 17/900

Entwicklung der Zahl der Eingaben und sonstiger Vorgänge in den Jahren 1959 bis 2009

davon

Gesamtzahl Eingaben, die


Eingaben, die in Jahresdurch-
Berichtsjahr der eingegan- den gesetzlichen die Zuständig- schnittsstärken
genen Ein- Aufgabenbe- Sammel- Anonyme
keit des Wehr-
Sonstige
von Soldaten
gaben usw. reich des Wehr- eingaben Eingaben Vorgänge
beauftragten der Bw seit
beauftragten
fallen 1959
nicht berührten

1959 3 368 336 4 3 3 025 0 248 800


1960 5 471 254 17 10 5 190 0 258 080
1961 3 829 250 11 13 3 555 0 316 090
1962 5 736 170 16 13 5 537 0 374 766
1963 5 938 502 0 34 4 736 666 401 337
1964 5 322 597 0 26 4 047 652 424 869
1965 4 408 400 0 18 3 424 566 437 236
1966 4 353 519 0 24 3 810 0 454 569
1967 4 503 487 0 19 3 997 0 456 764
1968 6 517 484 0 16 6 017 0 472 070
1969 7 033 606 0 22 6 405 0 455 114
1970 7 142 550 0 16 6 576 0 468 484
1971 7 891 501 0 9 7 381 0 466 889
1972 7 789 344 12 21 7 412 0 492 828
1973 6 673 264 6 8 6 395 0 472 943
1974 6 748 249 4 4 6 491 0 490 053
1975 6 439 341 0 9 6 089 0 486 206
1976 7 319 354 0 3 6 962 0 488 616
1977 6 753 347 0 3 6 403 0 491 424
1978 6 234 259 0 10 5 965 0 491 481
1979 6 884 276 0 13 6 595 0 492 344
1980 7 244 278 0 23 6 943 0 490 243
1981 7 265 307 0 15 6 943 0 493 089
1982 6 184 334 0 9 5 841 0 490 729
1983 6 493 397 0 49 6 047 0 495 875
1984 6 086 301 0 16 5 755 14 487 669
1985 8 002 487 0 28 7 467 20 495 361
1986 8 619 191 0 22 8 384 22 495 639
1987 8 531 80 0 22 8 419 10 495 649
1988 8 563 62 0 38 8 441 22 494 592
1989 10 190 67 0 9 10 088 26 486 825
Drucksache 17/900 – 88 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

n o c h Entwicklung der Zahl der Eingaben und sonstiger Vorgänge in den Jahren 1959 bis 2009

davon

Gesamtzahl Eingaben, die


Eingaben, die in Jahresdurch-
der eingegan- den gesetzlichen
Berichtsjahr die Zuständig- schnittsstärken
genen Ein- Aufgabenbe- Sammel- Anonyme Sonstige
gaben usw. reich des Wehr- eingaben Eingaben keit des Wehr- von Soldaten
Vorgänge
beauftragten beauftragten der Bw seit
fallen 1959
nicht berührten

1990 9 590 89 0 26 9 449 26 458 752


1991 9 864 183 0 24 9 644 13 476 288
1992 8 084 69 0 13 7 973 29 445 019
1993 7 391 49 0 18 7 309 15 399 216
1994 5 916 66 0 21 5 810 19 361 177
1995 5 979 94 0 23 5 493 369 344 690
1996 6 264 63 0 20 6 112 69 342 870
1997 6 647 80 0 14 6 509 44 332 013
1998 6 122 84 0 11 5 985 42 330 914
1999 5 885 66 0 20 5 769 30 331 148
2000 4 952 58 0 8 4 856 30 318 713
2001 4 891 115 0 12 4 741 23 306 087
2002 6 436 110 0 13 6 270 43 294 800
2003 6 082 124 0 6 5 958 85 283 723
2004 6 154 134 0 16 6 020 80 263 990
2005 5 601 49 0 12 5 436 0 251 722
2006 5 918 67 0 16 5 727 108 249 964
2007 5 276 81 0 25 5 052 118 248 995
2008 5 474 67 0 27 5 190 186 247 619
2009 5 779 80 0 46 5 454 247 249 900
Gesamt 331 832 12 322 70 896 315 097 3 574
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 89 – Drucksache 17/900

n o c h Entwicklung der Zahl der Eingaben und sonstiger Vorgänge in den Jahren 1959 bis 2009

Entwicklung der Zahl der Eingaben und sonstiger Vorgänge


in den Jahres 1959 bis 2009
12000

10000

8000

6000

4000

2000

0
1959 1964 1969 1974 1979 1984 1989 1994 1999 2004 2009

Jahresdurchschnittsstärken von Soldaten der Bundeswehr


seit 1959 bis 2009
550000

500000

450000

400000

350000

300000

250000

200000

150000

100000

50000
1959 1964 1969 1974 1979 1984 1989 1994 1999 2004 2009
Drucksache 17/900 – 90 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Besuche, Begegnungen, Gespräche des Wehrbeauftragten


1. Truppenbesuche des Wehrbeauftragten

Ort Dienststelle
Bad Reichenhall Gebirgsjägerbataillon 231
Berlin Bundeswehrkrankenhaus
Borkum Marinefliegergeschwader 5
Bogen Panzerpionierbataillon 4
Bückeburg Heeresfliegerwaffenschule
Delmenhorst Logistikbrigade 1
Eckernförde SEK M Marinetaucher
Erfurt Führungsunterstützungsbataillon 383
Euskirchen Bigband der Bundeswehr
Faßberg Transporthubschrauberregiment 10 Fliegerhorst
Feyzabad Deutsches Einsatzkontingent ISAF
Gotha Familienbetreuungsstelle Gotha
Kabul Deutsches Einsatzkontingent ISAF
Köln Luftwaffenamt/ Kita „Fliegerhorst“
Köln Flugbereitschaft BMVg
Kunduz Deutsches Einsatzkontingent ISAF
Laage Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“
Leer Zivil-Militärische-Zusammenarbeit Landkreis Leer – Der Landrat –
Limassol Schnellboot S 73 „Hermelin“,
Schnellboot S 77 „Dachs“,
Tender „Werra“
Maskat (Oman) 18. Deutsches Einsatzkontingent „Operation ENDURING FREEDOM“
Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“
Mazar-e-Sharif Deutsches Einsatzkontingent ISAF
Meppen Wehrtechnische Dienststelle 91
München Feldjägerbataillon 451
München Sanitätsamt der Bundeswehr
Munster Ausbildungszentrum Heeresaufklärungstruppe
Neubiberg Universität der Bundeswehr, München
New Mexico Fliegerisches Ausbildungszentrum der Luftwaffe
Nienburg (Weser) CIMIC-Zentrum
Pristina Deutsches Einsatzkontingent KFOR
Prizren Deutsches Einsatzkontingent KFOR
Rheine Mittleres Transporthubschrauberregiment
Sardinien/ Italien Taktisches Ausbildungskommando der Luftwaffe
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 91 – Drucksache 17/900

n o c h Truppenbesuche des Wehrbeauftragten

Ort Dienststelle
St. Augustin Bundeswehr TV
Termez DEUEinsKtgt ISAF
Texas Deutsches Luftwaffenkommando USA und Kanada, Fort Bliss
Texas Taktisches Aus- u. Weiterbildungszentrum Flugabwehrraketen der Luftwaffe,
Fort Bliss
Ulmen Schule für Diensthundewesen
Virginia Bundeswehrkommando USA/CAN
Washington Militärattache Deutsche Botschaft, 23. August 2009
Washington Militärattache Deutsche Botschaft, 25.–26. August 2009
Westerstede Bundeswehrkrankenhaus

2. Begegnungen/Gespräche des Wehrbeauftragten


Darüber hinaus hatte ich 158 Begegnungen u. a. mit dem Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin sowie dem Diplo-
matischen Korps Gelegenheit zum Informations- und Erfahrungsaustausch.
Zusätzlich nahm ich an 31 Tagungen, Gesprächsrunden und anderen Veranstaltungen teil, die im Zusammenhang mit
dem gesetzlichen Auftrag des Wehrbeauftragten standen.

3. Truppen- und Informationsbesuche


Im Berichtsjahr wurden von meinen Mitarbeitern und mir insgesamt 102 Informationsbesuche durchgeführt. Aufge-
sucht wurden Truppenteile, Stäbe, Dienststellen und Behörden der Teilstreitkräfte im Inland und an Einsatzorten im
Ausland.

4. Besuchergruppen
In der Dienststelle wurden 103 Besuchergruppen betreut, darunter Delegationen aus Argentinien, Aserbaidschan, Bel-
gien, Bulgarien, Chile, Indien, Israel, Litauen, Polen, USA, Westafrika und Usbekistan.
Drucksache 17/900 – 92 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

21.5 Übersicht über die Jahresberichte 1959 bis 2009 und deren Beratung
durch den Deutschen Bundestag

Jahresbericht Beschluss- Beratung durch den Bundestag


empfehlung
und Bericht des
Be- Verteidigungs- Nr. der Fundstelle im
Nr. der Bundestags-
richts- Vorlagedatum ausschusses Datum Plenar- Stenographischen
jahr drucksache
(Bundestags- sitzung Bericht
Drucksache)

1959 8. April 1960 1796 2937 29. Juni 1961 165 S. 9670 ff.
3. Wahlperiode 3. Wahlperiode
1960 14. April 1961 2666 2937 29. Juni 1961 165 S. 9670 ff.
3. Wahlperiode 3. Wahlperiode
1961 27. April 1962 IV/371 VI/477 27. Juni 1962 36 S. 1555 ff.
1962 11. April 1963 IV/1183 IV/1377 21. Februar 1964 117 S. 5359 ff.
1963 4. Juni 1964 IV/2305 IV/2795 11. Dezember 1964 153 S. 7585 ff.
und
21. Januar 1965
1964 4. Juni 1965 IV/3524 V/1641 11. Mai 1967 109 S. 5179 ff.
1965 7. Juli 1966 V/820 V/1641 11. Mai 1967 109 S. 5179 ff.
1966 31. Mai 1967 V/1825 V/1926 29. Juni 1967 117 S. 5903 ff.
1967 22. Mai 1968 V/2948 V/3422 15. Januar 1969 207 S. 11207 ff.
1968 19. Februar 1969 V/3912 V/4425 27. Juni 1969 244 S. 13603 ff.
1969 26. Februar 1970 VI/453 VI/800 11. März 1970 36 S. 1743 ff.
und
2. Juni 1970 54 S. 2813 ff.
1970 1. März 1971 VI/1942 VI/2168 12. Mai 1971 122 S. 7073 ff.
1971 9. Februar 1972 VI/3232 VI/3499 14. April 1972 181 S. 10522 ff.
und
23. Juni 1972 196 S. 11511 ff.
1972 15. März 1973 7/334 7/1208 29. November 1973 67 S. 3997 ff.
1973 7. März 1974 7/1765 7/2726 5. Dezember 1974 134 S. 9160 ff.
1974 13. Februar 1975 7/3228 7/3762 18. April 1975 165 S. 11555 ff.
und
8. April 1976 235 S. 16487 ff.
1975 27. Februar 1976 7/4812 7/5342 8. April 1976 235 S. 16487 ff..
und
25. Juni 1976 254 S. 18102 ff.
1976 3. März 1977 8/153 8/968 20. Oktober 1977 50 S. 3765 ff.
1977 6. März 1978 8/1581 8/2224 17. November 1978 118 S. 9184 ff.
und
7. Dezember 1978 123 S. 9591 ff.
1978 6. März 1979 8/2625 8/2986 18. Mai 1979 155 S. 12391 ff.
und
27. Juni 1979 163 S. 12968 ff.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 93 – Drucksache 17/900

n o c h Übersicht über die Jahresberichte 1959 bis 2009 und deren Beratung
durch den Deutschen Bundestag

Jahresbericht Beschluss- Beratung durch den Bundestag


empfehlung
und Bericht des
Be- Nr. der Bundestags-
Verteidigungs- Nr. der Fundstelle im
richts- Vorlagedatum ausschusses Datum Plenar- Stenographischen
drucksache
jahr (Bundestags- sitzung Bericht
Drucksache)

1979 18. März 1980 8/3800 8/4374 26. Juni 1980 226 S. 18309 ff.
und
3. Juli 1980 229 S. 18676 ff.
1980 17. März 1981 9/240 9/1399 14. Mai 1981 37 S. 1864 ff.
und
12. März 1982 92 S. 5552 ff.
1981 3. März 1982 9/1406 9/1695 9. Juni 1982 105 S. 6317 ff.
1982 3. März 1983 9/2425 10/136 29. September 1983 25 S. 1714 ff.
1983 24. Februar 1984 10/1061 10/1611 4. Oktober 1984 88 S. 6473 ff.
1984 28. Februar 1985 10/2946 10/3779 14. März 1985 126 S. 9261 ff.
und
27. September 1985 160 S. 11983 ff.
1985 28. Februar 1986 10/5132 10/5722 15. Mai 1986 216 S. 16669
und
25. Juni 1986 225 S. 17405 ff.
1986 9. März 1987 11/42 11/1131 10. Dezember 1987 49 S. 3491 ff.
1987 21. März 1988 11/2034 11/2528 21. April 1988 74 S. 5015
und
und 23. Juni 1988 87 S. 5935 ff.
S. 5943 ff.
1988 15. Februar 1989 11/3998 11/4809 22. Juni 1989 152 S. 11426 ff.
1989 14. Februar 1990 11/6522 11/7798 13. September 1990 224 S. 17731 ff.
1990 21. März 1991 12/230 12/1073 19. September 1991 41 S. 3359 ff.
1991 12. März 1992 12/2200 12/2782 8. Oktober 1992 110 S. 9418 ff.
1992 23. März 1993 12/4600 18. Juni 1993 164 S. 14110 ff.
12/6322 15. April 1994 220 S. 19068 ff.
1993 8. März 1994 12/6950 12/8465 21. September 1994 243 S. 21690
1994 7. März 1995 13/700 13/2649 29. Februar 1996 89 S. 7876 ff.
1995 5. März 1996 13/3900 13/5400 7. November 1996 135 S. 12139 ff.
1996 11. März 1997 13/7100 13/8468 30. Oktober 1997 200 S. 18021 ff.
1997 3. März 1998 13/10000 13/11067 24. Juni 1998 244 S. 22740 ff.
1998 16. März 1999 14/500 14/1807 21. Januar 2000 82 S. 7595 ff.
1999 14. März 2000 14/2900 14/4204 6. April 2000 98 S. 9117
und
26. Oktober 2000 127 S. 12186 ff.
Drucksache 17/900 – 94 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

n o c h Übersicht über die Jahresberichte 1959 bis 2009 und deren Beratung
durch den Deutschen Bundestag

Jahresbericht Beschluss- Beratung durch den Bundestag


empfehlung
und Bericht des
Be- Nr. der Bundestags-
Verteidigungs- Nr. der Fundstelle im
richts- Vorlagedatum ausschusses Datum Plenar- Stenographischen
drucksache
jahr (Bundestags- sitzung Bericht
Drucksache)

2000 13. März 2001 14/5400 14/7111 31. Mai 2001 173 S. 16995 ff.
und
15. November 2001 201 S. 19734 ff.
2001 12. März 2002 14/8330 -- 19. April 2002 231 S. 23000 ff.
2002 11. März 2003 15/500 15/1837 3. April 2003 37 S. 3055 ff.
und
13. November 2003 75 S. 6506 ff.
2003 9. März 2004 15/2600 15/4475 6. Mai 2004 108 S. 9837 ff.
und
16. Dezember 2004 148 S. 13808 ff.
2004 15. März 2005 15/5000 20. Januar 2006 12 S. 825 ff.
2005 14. März 2006 16/850 16/3561 30. Juni 2006 44 S. 4298 ff.
und
14. Dezember 2006 73 S. 7300 b ff.
2006 20. März 2007 16/4700 16/6700 21. Juni 2007 105 S. 10812 ff.
und
13. Dezember 2007 133 S. 13953 ff.
2007 4. März 2008 16/8200 16/10990 19. Juni 2008 169 S. 17923 D ff.
und
4. Dezember 2008 193 S. 20818 A ff.
2008 24. März 2009 16/12200 17/713 23. April 2009 217 S. 23552 D ff.
17/591 Nr. 1.6 und
26. Februar 2010 25 S. 2221 D ff.
2009 16. März 2010 17/900
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 95 – Drucksache 17/900

21.6 Organisationsplan

Persönlicher
Wehrbeauftragter Referent
Reinhold Robbe
RD Kramer

Leitender Beamter
MDg Friedhelm Dreyling

WB 1 WB 2 WB 3 WB 4 WB 5 WB 6

Grundsatzange- Menschenfüh- Personalange- Personalangele- Fürsorgeangele- Truppen- und


legenheiten/ rung in der legenheiten der genheiten der genheiten/ Informations-
Grundsätze der Bundeswehr/ Wehrpflichti- Berufssoldaten Soldat und besuche/Presse-
Inneren Soldaten im gen und Ange- und Soldaten Familie und Öffentlich-
Führung/ Ausland legenheiten der auf Zeit keitsarbeit/
Innerer Dienst Reservisten/ Militärfach-
Frauen in den liche Fragen
Streitkräften

MR Günther MR Mühlen MR’n Zender MR Tegethoff MR Nißler MR Jacobi

Anschrift: Platz der Republik 1


11011 Berlin
Besucheranschrift: Neustädtische Kirchstraße 15
10117 Berlin
Telefon: (030) 227-38100
Telefax: (030) 227-38283
IVBB-Rufnummer 018-7000-0
E-Mail: wehrbeauftragter@bundestag.de
Internet: http://www.bundestag.de
Drucksache 17/900 – 96 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

22 Stichwortverzeichnis Entlassung 27, 45, 46, 47, 48


Erste Hilfe 55
Afghanistan 3, 4, 5, 6, 12, 13, 14, 15, 17, 18, 19, 21, 29,
54, 55, 56, 62, 64 EULEX 14

Alkohol 19, 24, 26, 27, 62


Facharztausbildung 52
Ausbildung 3, 7, 9, 12, 13, 15, 16, 17, 22, 23, 24, 25, 26,
28, 29, 30, 32, 35, 39, 40, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 52, Fahrzeuge 3, 15–18, 29, 50
54, 55, 67 Familie 42
Auslandseinsätze 4, 5, 8, 14, 62 Familienbetreuung 43, 62
Auslandsverwendungszuschlag 17, 21, 22
Fitness 19, 20
Ausrüstung 9, 17
Fluglehrerausbildung 22
Ausstattung 17
Forschung 14, 33, 55, 56

Bearbeitungsdauer von Verfahren 27, 48, 57, 58 Fortbildung 28, 39, 40, 44, 51

Beförderung 13, 35, 50 Fragebogen 44, 46


Beihilfe 58 Frauen 3, 6, 8, 14, 25, 40–42, 44, 47, 52
Belästigung 45 Freiwillig länger Wehrdienst Leistende 32, 34, 47
Benachteiligung 31, 45, 60 Führungsverhalten 15, 18, 23
Berufsförderung 35, 39, 45
Gleichstellungsbeauftragte 42
Besoldung 22, 36, 37, 39
Grundausbildung 17, 23–26, 32, 48, 67
Besondere Vorkommnisse 32, 33, 40
Grundrechtsverletztung 77
Betreuung 3, 6, 7, 19, 20, 22, 24, 25, 43
Grundwehrdienstleistende 23, 25, 32–34, 48
Betreuungskosten 43, 44
Beurteilungssystem 13, 37, 38, 39
Infrastruktur 20, 21, 34, 58, 59
Bewerberaufkommen 34
Innere Führung 23, 24, 28, 30, 35
Bundeswehrkrankenhäuser 14, 43, 51–56
ISAF 5, 12, 15, 16, 19, 20, 55
Bundeswehrmedien 64
Bundeswehr-Sozialwerk 63 Kausalität 56, 57, 63
KFOR 14, 15, 40
Demographischer Wandel 34
Kinderbetreuung 7, 10, 34, 42–44
Dienstaufsicht 25, 38
Kraftfahrerausbildung 3, 16, 17
Dienstrechtsneuordnungsgesetz 52, 60, 73
Kriegsdienstverweigerung 47
Dienstzeugnis 39
Diskriminierung 45 Laufbahn 17, 23, 34–41, 48, 51, 52, 54, 61
Lehrgänge 6, 29, 30, 44
Einsatzbelastung 16, 19, 51
Luftsicherheitsgesetz 58
Einsatzdauer 19
Einsatzplanung 49
Medien 30, 42, 63, 64, 65
Einsatzversorgungsgesetz 62, 63
Militärseelsorge 22, 56, 64, 65
Einsatzvorbereitung 17
Musterung 46, 47
Eltern-Kind-Arbeitszimmer 44
Elternzeit 44 Operation Enduring Freedom (OEF) 14, 18
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 97 – Drucksache 17/900

Personal 3, 5, 6, 12, 13, 15, 16, 17, 19, 20, 22, 25–28, Teilzeitbeschäftigung 44, 53
33–40, 42–44, 46–57, 60–62
Todesfälle 63
Personalauswahl 17, 38, 39 Totalverweigerung 47
Personalgewinnung 56 Transformation 6, 61
Planstellen 13, 34, 35, 36, 37, 39, 52 Trennungsgeld 22, 59, 60, 61
Planungssicherheit 7, 45, 49 Truppenärztliche Versorgung 51, 53
Posttraumatische Belastungsstörungen 55, 57
Unfälle 17, 29, 54
Rechtsausbildung 28 UNIFIL 14, 16, 17, 19
Rechtsextremismus 32, 33 Universität der Bundeswehr 43

Rechtskenntnisse 23, 27 Unterbringung 21, 25, 40, 48


Unterkunft 15, 21, 32, 41, 59, 60
Rechtskraft 13, 45
Unteroffizierausbildung 28
Rechtspflege 28
Urlaub 16, 40, 45, 49
Reservisten 44, 48, 49, 50
Rettungsdienst 52, 54, 55 Verpflegung 20
Vertrauensperson 30, 31, 32, 41
Sanitätsdienst 6, 13, 40, 42, 44, 51, 52, 53, 54, 55, 56
Sanitätsdienstliche Versorgung 13, 53, 54 Wehrdienstbeschädigungsverfahren 56, 57
Schwangerschaft 41 Wehrgerechtigkeit 46
Soldatenbeteiligung 30 Wehrpflicht 5, 7, 12, 13, 24, 25, 46, 47, 48, 50, 66, 67

Soldatenhilfswerk 63 Wehrübungen 49
Weihnachtsgruß 21
Soldatentumor- und Unfallhilfe 63
Weiterverwendung 62
Sozialdienst 43, 62, 63
Weiterverwendungsgesetz 62, 63
Sport 17, 19, 20, 23, 25
Staatsangehörigkeit, doppelte 46 ZAR 28
Stehzeiten 28, 29 ZAW 36, 39, 40, 52
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333