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Herausgegeben vom Bibelbund e.V.

November 2003

Inhalt:
Das erste Gebot und die Werte (ZOPF) 1
Zur Diskussion gestellt: Die biblische Beurteilung anderer Religionen (STENSCHKE) 3

Das erste Gebot und die Werte
„Ich bin der HERR, dein Gott; ich habe dich aus und Liebe üben und demütig sein vor deinem
der Sklaverei in Ägypten befreit. Du sollst außer Gott.“ (Micha 6,8)
mir keine anderen Götter verehren.“ 2.Mose 20,2-3
Der Prophet Micha erinnert daran, dass es einen
„Wie sollen wir denn leben?“ Mit diesem Buchtitel gibt, der zu uns gesprochen hat und der weiß, was
erregte der amerikanische Philosoph und Theologe gut und böse ist. Die Gebote sind Gottes Vorauswahl
Francis Schaeffer vor 30 Jahren Aufsehen. Seitdem für unser Leben: Tu das! Tu jenes nicht! Dadurch
hat die Unsicherheit zugenommen. Die Frage nach müssen wir nicht immer neu aus der ganzen Klavia-
einer kompetenten Autorität, die die Richtung weist, tur der Möglichkeiten auswählen, um schließlich
ist im praktischen Leben der meisten Menschen festzustellen: Was ich getan habe, war eine böse
durch die Medien beantwortet. Wenn sonst jemand Falle. Die Gebote sind nicht das Ergebnis menschli-
zeigen will, wo’s langgeht, winkt man schnell ab: cher Erfahrungen, sondern Gottes Anrede an den
„Nein, das muss doch jeder selbst wissen.“ Wo die gefährdeten Menschen. Sie sind auf Dialog angelegt.
Dinge hinführen, wissen wir erst, wenn das Resultat
zu sehen ist. So stellt sich die Frage: Was ist eigent- Durch Gottes persönliche Zusage erhält jeder
lich gut für uns und wer kann es uns sagen? Mensch sein persönliches Daseinsrecht. Diese Tat-
sache bedeutet auch, dass der Mensch nicht nur als
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Individuum geschaffen, sondern auf ein Du hin und
Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten auf seinen Schöpfer hin angelegt ist. Lebt der
Mensch nur für sich oder lässt er nur den Mitmen-
schen in seinem Leben gelten, dann zerbricht er anderen Stellen wird in der Bibel auf die Gebote
irgendwann. Es fehlt ihm das letzte Gegenüber, Bezug genommen und auch Jesus nimmt sie auf.
Gott, der ihn liebt, hält und trägt.
Zuallererst gelten also diese Gebote dem Volk Got-
Mit der Anrede „Ich bin dein Gott“ wird deutlich, tes, Israel, das darin angeredet ist. Doch schon die
dass Gott uns sucht und wir ihm wichtig sind. Seine nächste Generation war sich darüber unsicher. Sie
Absicht ist, dass unser Leben inmitten aller Gefähr- fragten ihre Eltern ähnlich, wie wir heute fragen:
dungen gelingt. „Was sollen denn die Vermahnungen, Gebote und
Rechte, die der HERR euch geboten hat?“ (5. Mo-
Dass sich die Israeliten die Freiheit aus Ägypten se 6,20)
nicht selbst erkämpft haben, sondern Gott sie ihnen
schenkte, ist die Grundlage ihres Lebens. Der Gott, Das heißt aber auch, dass sie nicht nur der ersten
der die Gebote gab, ist der „Herausholer“. Er hat Generation Israels gelten, sondern jede lebende Ge-
seine Geschichte der Befreiung nie abgeschlossen. neration ist angeredet. Israel ist ein besonderes Volk,
Deshalb sandte er auch Jesus, seinen Sohn, als Be- das Volk des Bundes mit Gott und die Zehn Gebote
freier in diese Welt der Sünde und Rebellion gegen sind das Grundgesetz dieses Bundes.
sein Wort und seinen Willen. Sie sind vielmehr für alle Menschen die Zusammen-
fassung des Guten, also nicht nur für die Israeliten
damals.
Weshalb brauchen wir Gebote?
In 5. Mose 4,6 lesen wir: „So haltet sie denn und tut
Allgemein regeln Gesetze das Zusammenleben von danach! Denn das ist eure Weisheit und eure Ein-
Menschen. Sie werden erlassen, um Dinge zu ordnen sicht in den Augen der Völker. Wenn sie von all
und dem Chaos zu wehren. Gesetze gehen davon diesen Geboten hören, werden sie sagen: Ein weises
aus, dass das Zusammenleben nicht automatisch und einsichtiges Volk sind sie, eine große Nation!“
funktioniert, sondern einen Rahmen braucht. Hier wird der Dekalog als der besondere Besitz Isra-
els bezeichnet, den Israel in die Völkerwelt einbrin-
Die zehn Gebote zeigen die Größe, Weisheit und gen kann und der von diesen Völkern anerkannt und
Macht des Gebers dieser Gebote und weisen gleich- bewundert wird. So ist dem Volk Israel etwas offen-
zeitig auf die Hilfsbedürftigkeit des Menschen hin. bart worden, dem eigentlich alle zustimmen. Die
Die gesamte Thora und die Gebote sind nicht nur Gebote sind also für jeden Menschen, nicht nur für
Verhaltensnormen, sondern haben einen Vater, der die Juden der Ausdruck des Guten. Auch der Nicht-
sein Gegenüber anspricht. jude und Nichtchrist erkennt wenigstens die zweite
Tafel der Gebote als weise und hilfreich an.
Hier wird Gottes Absicht klar, den Nächsten vor
meiner Willkür und mich vor der Willkür des ande- Martin Luther drückt es so aus: „Denn was Gott vom
ren zu schützen. Gott geht davon aus, dass der Himmel gegeben hat den Juden durch Mose, das hat
menschlichen Bosheit eine Grenze gesetzt werden er geschrieben in aller Menschen Herzen: Mose
muss. Die Gebote sind Gottes Hilfe, dass menschli- stimmt gleich mit der Natur!“ Und Klaus Bockmühl
ches Zusammenleben auch in der Welt der Sünde schreibt: „In diesen Geboten spricht der Schöpfer
erträglich bleibt. Deshalb drohen sie Strafe bei Über- das Lebensgesetz seines Geschöpfes aus ... Hier
tretung an. Sie haben weder die Absicht noch die wird nämlich der Raum abgesteckt, in dem mensch-
Kraft, den Menschen selbst zu verbessern. liches Leben gedeiht.“ Die Gebote gelten für uns,
wie Luther sagt, weil Gott der Herr aller Menschen
ist und zu jedem sagt: Ich bin der Herr, dein Gott!
Für wen gelten die Zehn Gebote
der Bibel?
Wozu hat Gott uns die Gebote mit-
Die Zehn Gebote wurden in einer konkreten ge- geteilt?
schichtlichen Situation dem Volk Israel gegeben, in
der Wüste Sinai, auf dem Weg von Ägypten ins Gott hat den Menschen die Gebote gegeben:
Verheißene Land. Dort spricht Gott sein Volk Israel
an, ruft Mose auf den Berg und gibt ihm sein Gesetz, 1. Als Riegel, der uns von der Sünde zurückhalten
die Thora. Wir finden es zweimal im Alten Testa- und uns vor dem Abgleiten in die Schluchten
ment, in 2. Mose 20 und in 5. Mose 5. An vielen des Lebens bewahren will. Sie sollen das Zu-

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sammenleben von sündigen Menschen möglich geworden wie sonst kaum etwas. Dieser Katechis-
machen. mus wurde in den Familien drei Jahrhunderte lang
2. Als Spiegel, in dem wir unsere Sünde erkennen gelesen, gelehrt und auswendig gelernt. Wir sollten
und sehen, wie wir sind neu überlegen, wie wir den Geboten einen Platz in
(Röm 7,7). Wir erkennen daran, dass wir das unserem persönlichen Leben, aber auch in den Fami-
Gute und Einsichtige, das wir tun wollen, eben lien geben können.
gerade nicht tun.
3. Als Regel für unser Tun und Lassen. Sie sind „Den Katechismusunterricht hält nicht der Lehrer in
eine Art Rahmen, nicht das Ziel. Weil sie den der Schule, nicht der Pfarrer von der Kanzel, son-
Raum des Lebens erst einmal negativ begrenzen, dern der christliche Hausvater in der Wohnstube.
brauchen sie die Führung durch den Geist Gottes Das ist für die Männer in unseren Gemeinden nicht
und die Liebe. ganz einfach zu begreifen; es ist so bequem, die
Verantwortung für das heranwachsende Geschlecht
Was sollen wir tun? auf Schule und Kirche abschieben zu können. Aber
Das erste Gebot ist wie eine Überschrift, ohne die es mag bald die Zeit kommen, da wird unser Volk,
die anderen Gebote nur schwer zu verstehen sind. werden unsere Gemeinden bitter büßen müssen.“
Wenn unser Leben gelingen soll, brauchen wir mehr (Wilhelm Maurer)
als unsere eigenen Ideen und Kräfte. Wir brauchen
Gottes Weisheit und Hilfe. „Wir sollen Gott fürchten Wir lesen öfters im Alten Testament: „Tut nach den
und lieben“, wie Luther seine Erklärungen zu den Geboten, so werdet ihr leben.“ Sicherlich sind in
Geboten sagt. Es hilft nichts, wenn wir uns vor gen- den Geboten nicht alle Entscheidungsfragen unserer
manipulierten Tomaten fürchten, aber Gott verach- modernen Welt beschrieben. Aber sie geben uns die
ten und ihm die Ehre verweigern. Richtung an. Der Schöpfer hat in seiner Weisheit die
Gebiete beschrieben, die ihm wertvoll und schüt-
Die Gebote müssen wieder bekannt gemacht, gelernt zenswert erscheinen. Ihm sollten wir bei unseren
und verinnerlicht werden. Sie gehören zu den Überlegungen und Entscheidungen folgen. Ohne
Grundlagen unseres kulturellen Zusammenlebens. Zweifel segnet Gott die Menschen, die nach seinem
Es reicht nicht aus, in unseren Gemeinden nur die Willen fragen.
bedingungslose Liebe Gottes zu verkündigen, so
richtig und wichtig sie ist. Um unter den gegenwär- Hartmut Zopf,
tigen Bedingungen leben zu können, brauchen wir Reisesekretär der Akademiker-SMD
auch die Proklamation des Gesetzes Gottes, das in
den Zehn Geboten zusammengefasst ist. (mit freundlicher Genehmigung zum Nachdruck aus
smd_transparent_03_September 2003)
Durch den Kleinen Katechismus Martin Luthers
(1529) sind die Gebote in Deutschland so bekannt

Zur Diskussion gestellt
Die biblische Beurteilung anderer Religionen
Eine Erklärung der evangelischen Allianz in Groß-
britannien
Veröffentlicht in Christianity and Other Faiths: An
Evangelical Contribution to our Multi - Faith 1. Einleitung
Society, herausgegeben von der Evangelical Alliance
(Paternoster: Exeter, 1983; vergriffen). Zwei weitere Christen, die die Stellung anderer Religionen im
Kapitel des Büchleins, 'Christian Attitudes and Verhältnis zu ihrem eigenen Glauben und Gottes
Action' und 'Practical Problems', behandeln eher Plan für seine Schöpfung beurteilen möchten, wer-
praktische Fragen, die sich aus der grundsätzlichen den selbstverständlich mit dem Zeugnis der Heiligen
Stellungnahme ergeben1. Schrift beginnen.

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2. Das Alte Testament bringt und daher dem Volk Gottes untersagt ist. Ei-
nige Autoren haben versucht, die alttestamentliche
2.1. Die ersten elf Kapitel des ersten Buches Mose Anklage des Götzendienstes abzumildern mit der
berichten von Gottes Handeln an und mit der ganzen Begründung, dass Anbetung von Götzen hauptsäch-
Menschheit vor der Berufung eines besonderen Vol- lich dann angeprangert wird, wenn sie Treulosigkeit
kes. Wir lesen, wie Gott Menschen 'in seinem Bilde' auf Seiten Israels gegenüber seinem Bundesgott mit
schuf, das heißt, begabt mit Verstand und Gewissen sich bringt, wie die Treulosigkeit einer untreuen
und mit der Fähigkeit, Gott auf persönliche Weise zu Ehefrau. Aber das häufige Vorkommen der Wen-
antworten, wie er ihnen die Herrschaft über andere dung 'die abscheulichen Bräuche (Gräuel) der Völ-
Kreaturen anvertraut, von seiner Fürsorge um ihr ker' (z.B. 5Mose 18,9) macht deutlich, dass solche
Familienleben und von der Rebellion und Bestra- Praktiken unter den Völkern kaum weniger tadelns-
fung der Menschen. Ferner lesen wir, dass sich die wert waren als in Israel.
Sünde von Generation zu Generation unter den
Menschen fortsetzt. Dennoch hat Gott wenigstens 2.3. Obwohl diese wichtigen Aussagen alttestament-
einige von ihnen, aufgrund ihres Opfers - darge- licher Lehre das ihnen gebührende Gewicht erhalten
bracht im Glauben - angenommen (1Mose 3,3; müssen, gibt es daneben andere Aussagen, die eine
8,20). Ein Mensch, Henoch, lebte über viele Jahre 'in etwas verschiedene Haltung zu offenbaren scheinen.
enger Verbindung mit Gott' (5,24; Gute Nachricht).
Nach der Sintflut, dem Überleben von Noah und 2.3.1. Viele Einzelne unter den heidnischen
seiner Familie und seinem Opfer, das dem Herrn Völkern werden als Menschen in leben-
angenehm war, folgt der Bericht von Gottes erstem diger Verbindung mit Gott dargestellt.
und ewig gültigen Bundesschluss mit der Mensch- Melchisedek, der König von Salem, vermutlich ein
heit (1Mose 9,16), ein Zeichen der Gnade Gottes, Jebusiter, war ein 'Priester des höchsten Gottes' und
ein die ganze Welt umschließender Bund, niemals hat folgenden Segen über Abraham ausgesprochen:
widerrufen oder vergessen. Diesem Bundesschluss 'Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten Gott, der
folgen die Ereignisse in Babel (1Mose 11), die wie- Himmel und Erde geschaffen hat; und gelobt sei
derum von menschlicher Sünde und göttlichem Ge- Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand
richt sprechen. gegeben hat' (1Mose 14,19). Abraham gab ihm zehn
Der ganze Abschnitt ist von enormer Bedeutung, da Prozent der gesamten Beute (v. 20). Auf diese Weise
er auf Gottes Beziehung zu allen Menschen hin- hat sich Melchisedek einen Ehrenplatz unter den
weist, vor der Berufung Abrahams und seiner Nach- typologischen Vorschattungen (engl. types) auf den
kommen und den besonderen Bünden, die ihnen Messias gesichert (Ps 110,4; Hebr 5,6-11; 7,1-3).
gegeben wurden. Treffend bemerkt Kenneth How- Abimelech, der König von Gerar (bei Gaza), erhielt
kins: 'Gott hat nicht völlig aufgehört unter den Men- von Gott eine Botschaft im Traum, die ihn zurecht-
schen gnädig zu handeln. Gottes "allgemeine Gna- wies, weil er Abrahams Frau Sarah in sein Haus
de" wirkt weiter in der Welt und verhindert, dass sie geholt hatte. Abimelech gehorcht Gott, gibt Sarah
gänzlich zugrunde geht'2. zurück und schließt einen Vertrag mit Abraham. Auf
Abrahams Fürbitte hin wird Abimelechs Familie von
2.2. Der Rest des Alten Testaments beinhaltet haupt- der verhängten Unfruchtbarkeit geheilt (1Mose 20,1-
sächlich die Geschichte des Volkes Gottes, erwählt 18; 21,22-34).
nicht um seiner selbst willen, sondern um schließlich Jethro, ein midianitischer Priester, wurde der
ein Kanal des Segens für 'alle Geschlechter auf Er- Schwiegervater des Mose und 'freute sich über all
den' zu sein (1Mose 12,3). Diesem Volk offenbart das Gute, dass der Herr an Israel getan hatte, wie er
Gott etwas von seiner Herrlichkeit und Majestät, sie errettet hatte aus der Ägypter Hand'. Ferner lobt
seiner Gnade, Heiligkeit und seinem Gerichtshan- er den Herrn, der 'größer ist als alle Götter' und
deln. Er gibt ihm sein Gesetz und schließt durch bringt ihm Opfer dar (2Mose 18,9-12). Vielleicht hat
Opfer einen Bund mit ihm. Die Völker außerhalb Jethro sich zum wahren Gott bekehrt, aber die heili-
dieses mosaischen Bundes (dazu gehören freilich ge Schrift deutet dies weder an, noch berichtet sie
auch die vielen Nachkommen Abrahams und Isaaks von seiner Beschneidung. Der Prophet Bileam, an-
außerhalb der erwählten Linie) erscheinen meistens scheinend ein Moabiter, erhielt Botschaften von Gott
als Israels Feinde, die falsche Götter anbeten, deren und 'der Geist Gottes kam auf ihn' (4Mose 22-24;
Sitten (die Götzendienst und Menschenopfer bein- hier 24,2), so dass Bileam in prophetischer Rede
halten) ein Gräuel in Gottes Augen sind und dies in Gottes Segen über Israel voraussagen konnte.
solch einem Ausmaß, dass selbst enge Berührung Rahab, eine Prostituierte in Jericho, wurde von den
mit ihnen Verunreinigung und Gericht mit sich einmarschierenden Israeliten verschont, weil sie die

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Kundschafter Josuas versteckt hatte (Jos 2,1-6; 2.3.3. Die Weisheitsliteratur (Hiob, Sprüche,
6,23). Dadurch kam ihr Name auf die Ehrenliste der Prediger und einige Psalmen) reden von
Menschen des Glaubens (Hebr 11,31). Ruth, eine göttlicher Weisheit und zeigen, wie man
Frau aus Moab, wurde durch ein schweres Schicksal sein Leben in Einklang mit dieser Weis-
in die Gemeinschaft des Volkes Gottes gebracht und heit leben kann, ohne Verweise auf die
wurde eine Vorfahrin des Messias. Eine Witwe aus Offenbarung, die Israel von Gott erhalten
Sarepta in Phönizien versorgte den Propheten Elia hatte.
und erhielt eine gnädige Verheißung von Gott, wo- Diese Weisheit hat enge Verbindungen in Sinn, In-
durch die Versorgung ihrer Familie über eine lange halt, Form und Vorgehensweise mit ähnlicher Lite-
Dürreperiode hinweg gewährt wurde. Als Antwort ratur in Ägypten. Von Gott wird gesprochen als
auf das Gebet des Propheten wurde ihr Sohn wieder Schöpfer und Führer der Menschheit und Ursprung
zum Leben erweckt (1Kön 17). der Weisheit, aber nicht als großer Gesetzgeber und
Naeman, ein syrischer General, kam durch den Erlöser Israels. Anspielungen auf die Geschichte
Dienst des Propheten Elisa zum Glauben, dennoch fehlen völlig. Es gibt nur sehr vereinzelte Hinweise
blieb er in seiner eigenen Volksgemeinschaft und auf die Verehrung Gottes (worship). Vor allem im
vollzog keinen offensichtlichen Bruch mit dem Göt- Buch Hiob lesen wir, dass Gott - außerhalb des
zendienst (2Kön 5,1-19). Die Leute von Niniveh in Rahmens Israels - zu einem syrischen Sippenober-
Assyrien taten Buße aufgrund der Predigt des Jona haupt redet ('mein Knecht Hiob') und ihm seine Ma-
und wurden von dem Untergang verschont (Jona 3). jestät und Herrlichkeit offenbart.
Nebukadnezar, der König Babylons, der ein golde-
nes (Stand)Bild anbetete, erhielt von Gott im Traum 2.4. Zusammenfassung
eine Vision, ehrte und pries den höchsten Gott (Dan Daher dürfen wir schließen, dass - obwohl Gott Isra-
3-4). Darius, der König der Meder, kommt zur An- el als seinen besonderen Kanal des Segens für die
betung des Gottes Daniels als des 'lebendigen Got- Menschheit erwählt hat, mächtig zu seinen Gunsten
tes, der ewig bleibt' (Dan 6). Kyros, der persische handelt und ihm Gesetz und Propheten gibt - er sein
Herrscher, wurde von Gott berufen, um seinen Plan Handeln an und mit den Nachkommen Adams nicht
auszuführen. Er soll Juda aus der Gefangenschaft auf Israel beschränkt hat. Gott hatte immer noch
zurückzubringen. Er wird bezeichnet als der Hirte seine Getreuen unter anderen Völkern, Männer und
des Herrn und als sein Gesalbter (Jes 44,28-45,7), Frauen, die von seiner Weisheit erleuchtet waren,
den Gott 'bei seiner rechten Hand ergriff'. Er erhält die sich seiner Majestät bewusst waren und die ihm
die Verheißung 'Ich will vor dir hergehen und das angenehme Verehrung entgegenbringen, obwohl sie
Bergland eben machen ... Ich habe dich gerüstet, weiterhin in den Traditionen ihrer eigenen Völker
obgleich du mich nicht kanntest'. lebten. Andere Menschen hat Gott auf verschiedene
Weise gebraucht obwohl sie in keiner lebendigen
2.3.2. Das Alte Testament zeigt, dass heidni- Beziehung zu ihm standen.
sche Völker ihren Platz im gnädigen Plan
Gottes haben. 3. Das Neue Testament
Amos (9,7) berichtet von Gottes Handeln an den
heidnischen Völkern parallel zu der großen Erlösung 3.1. Hier begegnet uns folgende Frage: Welche Stel-
Israels aus Ägypten: 'Seid ihr Israeliten mir nicht lung billigt das Neue Testament anderen Religionen
gleichwie die Kuschiter? spricht der Herr. Habe ich zu, angesichts des einzigartigen und absoluten An-
nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philis- spruchs, den es für den 'großen Gott und unseren
ter aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?'. Genauso Heiland Jesus Christus' (Tit 2,13) erhebt, als den
wie Israel stehen auch die Völker unter Gottes Ge- einzigen Weg zu Gott und dem einen und einzigen
richtshandeln (Am 1,3-2,8). Ägypten und Assyrien Retter der Menschheit? Vielen erscheint die Antwort
haben mit Israel einen besonderen Platz in Gottes einfach. In ihm allein ist das Heil (Apg 4,12), er
Plan und werden eines Tages zu seinem Volk ge- allein kann den Vater offenbaren (Mt 11,27), nie-
rechnet werden: 'Zu dieser Zeit wird Israel der dritte mand kommt zum Vater denn durch ihn (Joh 14,6),
sein mit den Ägyptern und Assyrern, ein Segen mit- er ist der eine Mittler zwischen Gott und Mensch
ten auf Erden; denn der Herr der Heerscharen wird (1Tim 2,5). Die Götter, die in anderen Religionen
sie segnen und sprechen: Gesegnet bist du, Ägypten, angebetet werden, sind nicht vorhandene Wesen
mein Volk, und du, Assur, meiner Hände Werk, und (1Kor 8,4-6) oder sogar Dämonen (1Kor 10,20-21)
du, Israel, mein Erbe' (Jes 19,24-25). Unter vielen und die sie anbeten sind in Wirklichkeit 'gottlos'
Völkern dienen Menschen Gott mit reinen Opferga- (Eph 2,12). Wird aber die ganze Betonung auf diese
ben3. und ähnliche Abschnitte (die es ja reichlich gibt)

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gelegt, dann stehen wir vor dem Problem, in dieser finden könnten; und fürwahr, er ist nicht fern von
Heilsordnung Raum zu finden für Gottes altes Volk einem jeden unter uns' (Apg 17,27). In ähnlicher
Israel und für jene anderen Männer und Frauen des Weise schreibt Paulus den Römern von einer Offen-
Glaubens, die - wie wir gesehen haben - in lebendi- barung von Gottes 'ewiger Kraft und Gottheit' durch
ger Verbindung mit Gott gelebt haben. Es ist offen- die Schöpfung, wenn auch die Menschen diese Er-
sichtlich, dass sie in der Heilsordnung eingeschlos- kenntnis verworfen haben, indem sie die Wahrheit
sen sein müssen, obwohl es Gottes Absicht war, dass unterdrückt haben, indem sie ihm die Ehre verwei-
'sie nicht ohne uns vollendet werden sollten' (Hebr gerten und in den Götzendienst verfielen (Röm 1,18-
11,40). 23).

3.2. Neben diesen Abschnitten gibt es auch andere 3.2.4. Gottes Erbarmen überschreitet bei weitem die
Aussagen neutestamentlicher Lehre, die ebenso Grenzen, die wir seinem Erbarmen oft stecken. Die
berücksichtigt werden müssen. Worte des Petrus an Cornelius sind dafür das deut-
lichste Zeugnis: 'Gott sieht die Person nicht an, son-
3.2.1. Gottes universale Offenbarung seiner selbst, dern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut,
wie sie in Joh 1,9 bezeugt wird: 'das wahre Licht, der ist ihm angenehm' (Apg 10,34). Aber wenn wir
das alle Menschen erleuchtet'. William Temples die Bedeutung dieser Aussage einschätzen wollen,
Kommentar zu diesem Vers ist sehr zutreffend: 'Von müssen wir berücksichtigen, dass Petrus fortfährt
Anfang an schien göttliches Licht. Immer ist dieses und sogleich verkündigt, dass Jesus Christus 'der
Licht in die Welt gekommen, immer hat es jeden Herr ist über alle' und dass 'Vergebung der Sünden
Menschen, der gelebt hat, in seinem Verstand und durch den Glauben an seinen Namen' geschieht (Apg
seinem Gewissen erleuchtet. Jede Eindämmung 10,35+43). Ferner wird im nächsten Kapitel dieses
tierischer Lust, die der primitive Wilde verspürt, Berichtes klar, dass Cornelius und seine Freunde
jegliche Anregung zu einem edleren Leben ist Gott, 'Heil' und 'Leben' nur durch Umkehr und Glauben an
geoffenbart in seiner Seele. Aber Gottes Selbstof- Jesus gefunden haben (Apg 11,14+18), selbst wenn
fenbarung ist das göttliche Wort, denn genau das ist seine Gebete und Almosen vor Gott gekommen wa-
die Bedeutung dieses Begriffes'4. Ähnlich äußert ren (Apg 10,4)6.
sich John Stott: 'Wir sollten nicht zögern zu behaup-
ten, dass alles Gute, Schöne und Wahre in der ge- 4. Schlussfolgerungen
samten Geschichte und in aller Wahrheit, von Jesus
Christus gekommen ist, selbst wenn die Menschen 4.1. Jesus Christus steht erhaben über allem
von diesem Ursprung nichts wissen'5. Dass Jesus der Herr ist, ist das grundlegende Be-
Aber dieses Licht ist nicht in sich selbst (schon) das kenntnis des Neuen Testaments. Dass er der Herr
Heil. Licht kann sowohl richten als auch erleuchten über alle(s) (engl. all) ist, war die Botschaft des Pet-
und 'die Menschen liebten die Finsternis mehr als rus an Cornelius und andere wie er. Er ist 'der Erste
das Licht, denn ihre Werke waren böse' (Joh 3,19). und der Letzte, der Anfang und das Ende' (Offb
22,13). 'In ihm ist alles geschaffen, was im Himmel
3.2.2. Obwohl Götzendienst seinen Ursprung in der und auf Erden ist ... Das ganze Universum ist durch
Ablehnung der Erkenntnis des wahren Gottes hat ihn und zu ihm geschaffen ... Er ist ... der erste von
(Röm 1,20-23), erfolgt die Verurteilung, die er nach allen Toten, der zum neuen Leben geboren wurde;
sich zieht, im Verhältnis zu dem Licht, das die damit er in allem der Erste sei' (Kol 1,16-18). In
Menschen von Gott empfangen haben. So kann Jesus von Nazareth ist der ewige Gott ein für alle
Paulus von 'Zeiten der Unwissenheit' sprechen, mal unter großer Erniedrigung gekommen, um eine
wenn er auf den Götzendienst der Athener verweist Zeit lang in einem menschlichen Leben zu wohnen,
(Apg 17,30). nicht in der bloßen Erscheinung eines Menschen,
sondern als wirkliches menschliches Wesen wie wir,
3.2.3. Gottes gnädiges Versorgen menschlicher Be- und doch ohne Sünde. Er brachte ein für alle mal ein
dürfnisse bezeugt den Völkern aller Rassen seine Opfer für die Sünden der ganzen Welt dar, anschlie-
Güte und Freundlichkeit. Paulus erinnert die Heiden ßend ist er triumphierend auferstanden, um in alle
von Lystra: 'Gott hat sich selbst nicht unbezeugt Ewigkeit als König der Könige und Herr der Herren
gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Him- zu regieren.
mel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch
ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt' (Apg
14,16-17). Auf diese Weise werden die Völker ver-
anlasst 'Gott zu suchen, ob sie ihn wohl fühlen und

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4.2. Für Christen ist keine Form des Synkre- selbstverständlich eine normale Erfahrung für einen
tismus annehmbar Christen, viel von Menschen anderer Religionen zu
Angesichts dieser gewaltigen Ansprüche können lernen - in Sachen Frömmigkeit, Demut, Mut und
Lösungen, die Jesus zu einem von vielen 'Herren' einer Menge anderer Tugenden. Es ist sehr wohl
machen oder die viele Wege zu Gott anerkennen, möglich, dass ein Christ von einer anderen Religion
unmöglich angenommen werden. Dies mag engstir- eine Lektion lernt, die von seinem Glauben zu lernen
nig oder intolerant erscheinen. Doch müssen wir uns er bisher versäumt hat'9. Aber unsere freudige Aner-
daran erinnern, dass es ureigenes Merkmal der kennung dieser Tatsache muss von unserer Über-
Wahrheit ist, intolerant zu sein. Einige Leute suchen zeugung der Überlegenheit Jesu näher bestimmt
eine 'tiefere' oder 'höhere' Wahrheit, die die Unter- werden. Weil sie das Licht der Sonne reflektieren,
schiede zwischen den Religionen übersteigt oder leuchten der Mond und die Planeten in der Nacht
eine Art Zusammenschluss der Religionen, wobei und vertreiben ein wenig die Dunkelheit, wenn aber
jede Religion die Wahrheit der anderen anerkennen die Sonne in all ihrer Herrlichkeit aufgeht, ent-
und sich gegenseitig durch eine Art 'Osmose' beein- schwinden die Planeten aus unseren Augen und das
flussen soll oder einen Kern religiöser Erfahrung, Licht des Mondes wird zum verblassenden Schim-
der allen Religionen gemein ist. Vielleicht ist die mer.
Aussage eines Pfarrers in Liverpool typisch, der
kürzlich sagte: 'Das Christentum wird mit anderen 4.4. In allen Religionen gibt es sündige und
Religionen ein neues Glaubenssystem, ein neues dämonische Elemente
Verständnis von Gott, auszuhandeln haben'. Er, wie Dies war der Fall in Israel - als der Hohepriester das
auch andere, die sich dieser Suche verpflichtet füh- Allerheiligste betrat, musste er auf seiner Stirn ein
len, übersieht 'den überlieferten Glauben, der ein für kleines Schild aus reinem Gold tragen, in das die
allemal von Gott seinem Volk anvertraut worden ist' Worte graviert waren 'Heilig dem Herrn' - 'und es
(Jud 3) und den Anspruch, den Bibel und Kirche für soll auf der Stirn Aarons sein, damit Aaron bei allen
Jesus Christus erheben. Über diese Dinge kann nicht ihren Opfern alle Sünde trage, die an dem heiligen
verhandelt werden - entweder ist Jesus der Herr über Ort der Israeliten haftet. Und es soll allezeit an sei-
alle(s) oder er ist überhaupt nicht der Herr. ner Stirn sein, dass sie wohlgefällig seien vor dem
Herrn' (2Mose 28,36-38). Es war nicht einfach die
4.3. Andere Religionen sind nicht ohne offizielle Führung Israels, die sadduzäischen Pries-
Wahrheit ter, sondern die Frömmsten des Volkes, die Pharisä-
Unsere Anerkennung Christi als Herr über alle(s) er, die Jesus ablehnten und seinen Tod forderten.
verpflichtet uns nicht, zu denken, dass andere Reli- Religion an sich kann leicht zum Feind der Wahrheit
gionen völlig dem Irrtum verfallen sind. Lesslie werden, zum Selbstschutz des Menschen gegen den
Newbigin sagt treffend: 'Das christliche Bekenntnis lebendigen Gott. Dies ist in den Stammesreligionen
zu Jesus als Herrn bringt nicht den Versuch mit sich, offensichtlich und die Ritualmorde, die immer wie-
die Realität von Gottes Wirken im Leben, in Gedan- der geschehen, legen davon Zeugnis ab. Dies trifft
ken und in Gebeten von Männern und Frauen außer- auch in anderen Religionen zu, zum Beispiel für die
halb der christlichen Kirche zu verleugnen. Im Ge- Geistlichen-Regierung im Iran, die beansprucht,
genteil, dies Bekenntnis sollte eine gespannte Erwar- Gottes Herrschaft im Kampf gegen den Satan darzu-
tung, ein Suchen und Freude über die Anzeichen stellen. Das trifft auch für das Christentum zu, wenn
dieses Wirkens in sich schließen ... Wenn wir das es als historische Erscheinung betrachtet wird. (So
Licht lieben und im Licht wandeln, dann sollen wir wird das Christentum von den Anhängern anderer
uns auch über das Licht freuen, wo auch immer wir Religionen gesehen, und so sind wir verpflichtet -
es finden mögen ...'7. In anderen Religionen gibt es zumindest teilweise - andere Religionen zu betrach-
vieles, was mit dem christlichen Glauben überein- ten): Wir können die Gräueltaten der Kreuzzüge
stimmt, zum Beispiel das Gespür für die ungeheure anführen, die entsetzlichen Verfolgungen von Chris-
Majestät Gottes, die so deutlich im Islam und auch ten durch Christen über weite Strecken, die Billi-
in der Bibel verkündigt wird (z.B. Jes 40, 1Tim gung der Sklaverei durch Christen in Führungsposi-
6,15-16), und die Anbetung eines persönlichen Got- tionen, Kriege geführt zur Unterdrückung, die scho-
tes und die Liebe zu ihm, wie sie im Sikhismus und nungslose Ausbeutung der Armen in der Vergan-
in den bhakti Bewegungen innerhalb des Hinduis- genheit und die Unterdrückung bestimmter Rassen
mus zu finden sind8. Wir können hier das göttliche in Südafrika 10. Daher führt Religion, christlich oder
Wort sehen, das alle Menschen erleuchtet, das Wort, anders bestimmt, oft lediglich zu Selbstgerechtig-
das Jesus selbst ist, denn alle Wahrheit ist seine keit, anstatt zu einer Begegnung mit Gott in seiner
Wahrheit. Sir Norman Anderson schreibt: 'Es ist Heiligkeit und Majestät.

Biblisch Glauben Denken Leben Nr. 63 Seite - 7 -
4.5. Menschen ohne Christus sind verloren Verheißungen in der Bibel, die denen gelten, die
Menschen ohne Christus sind verloren, jedoch nicht Gott suchen, und zitiert Zwinglis 'etwas weitgefass-
so, wie dies im allgemeinen verstanden wird. Die te' Aussage: '...es hat kein trefflicher Mann gelebt, es
Aussagen des Neuen Testaments zu diesem Thema wird kein frommes Herz, keine gläubige Seele ge-
scheinen völlig klar zu sein. Es wäre ganz offen- ben, vom Anfang der Welt bis zu ihrem Untergang,
sichtlich falsch, die Worte des Petrus an Cornelius die Du nicht dort bei Gott sehen wirst'13. Anderson
(Apg 10,34) so zu interpretieren, dass die alltägliche schreibt weiter, dass diese Ansicht nicht zu irgend-
menschliche Güte und Frömmigkeit Menschen ande- einer Minderung der Evangelisation führen sollte,
rer Religionen das Heil erwirbt, da dies im Wider- denn solche Menschen haben keine Kenntnis des
spruch zur gesamten Lehre des Paulus oder Johannes Heils, keine Gewissheit vergebener Sünden, noch
stehen würde. Menschen, die Christus annehmen, kennen sie 'die gegenwärtige Erfahrung der Freude,
werden gerettet, die ihn ablehnen sind verloren. des Friedens, der Kraft, die allein die bewusste
Was aber wird aus denen, die wirklich niemals die Kenntnis Christi und die Gemeinschaft mit ihm
Möglichkeit hatten, ihn aufzunehmen, weil sie das bringen kann'14, und sie haben keine klare Botschaft,
Evangelium nie gehört haben oder nur mit einem die sie anderen weitergeben könnten.
Zerrbild des christlichen Glaubens in Berührung
gekommen sind? Wenn wir ihre Situation bedenken, 5. Ergebnis
müssen wir berücksichtigen, dass das Gericht im
Verhältnis zu dem empfangenen Licht steht. Lesslie Heil gibt es in der Tat nur durch Christus allein,
Newbigin erinnert uns, dass 'wir gewarnt werden, erworben für die Menschheit durch das 'eine völlige,
nichts vor der Zeit zu richten (1Kor 4,1-5) ... Es ist vollkommene und ausreichende Opfer für die Sün-
nur redlich, eine Antwort auf die Frage zu verwei- den der ganzen Welt', das er am Kreuz dargebracht
gern, der auch unser Herr eine Antwort verweigert hat; aber das heißt nicht unbedingt, dass es auf die-
hat (Lk 13,23-30)'11. Sir Norman Anderson ist dieser jenigen beschränkt ist, die hören, verstehen und sei-
Frage gründlich nachgegangen. Nachdem er auf das ner Botschaft bewußt positiv antworten. Es gibt auch
Heil der Menschen im Alten Testament durch das Menschen, so wie Cornelius, die ein Gespür lieben-
Verdienst Jesu Christi verwiesen hat, fährt er fort: der Abhängigkeit von Gott und ein Hoffen auf seine
'Dürfen wir nicht glauben, dass das Gleiche auch für Gnade besitzen, ohne je diese Botschaft gehört zu
den Anhänger einer anderen Religion zutreffen mag, haben - können wir daran zweifeln, dass Gottes
in dessen Herzen der Gott aller Gnade durch seinen Gnade auch ihnen gilt?
Geist am Wirken ist, der in gewissem Maß seine
Sünde und die Notwendigkeit der Vergebung er- Dr.Christoph Stenschke (Übersetzer)
kannt hat und der befähigt wurde, sozusagen in der (Fußnotenverzeichnis bei der Redaktion erhältlich)
Dämmerung, sich selbst der Gnade Gottes anzube-
fehlen?'12. Anderson verweist auf viele kostbare

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