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Christen

in der Arbeitswelt von heute

Christen in der
Arbeitswelt von
heute

Dipl.-Ing.
Reinhold Wennagel,
Geschäftsführer des DCTB

Einleitung bemerkungen lassen aufhorchen; sie


sind nicht nur originell, sondern auch
„Salz“, so lautet die Überschrift über aufschlussreich im Blick auf das Be-
eine feine, fast amüsante Geschichte triebsklima der kleinen Ladenbaufirma.
von Eckhard zur Nieden. In seinem Da wird jemand geehrt, der seinen
Büchlein mit dem Titel „Fensterplatz Glauben im Betrieb lebte, der gelegent-
frei“ schreibt er von einem Christen, der lich den Mund aufmachte, der Flagge
soeben feierlich in den Ruhestand ver- zeigte und Position bezog, der aber vor
abschiedet wird. Der Leser „hört alles allem durch seine Arbeit überzeugte.
mit“, sowohl die Reden von Geschäfts- Er war nicht unbeliebt, aber anders als
leitung und Betriebsrat als auch das Ge- andere. „Schade, dass er schon geht.“
tuschel der Kollegen im Hintergrund. Der Leser fragt sich unwillkürlich: Was
Vor allem die verschiedenen Zwischen- sagt man bei meinem Abschied?

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Beim Christsein handelt es sich dem Krieg? Nach dem Krieg? Nach
nicht um ein Hobby, das den Freizeit- welchem? Vor der Zeit der sogenann-
bereich mehr oder weniger ausfüllen ten Industrialisierung im 19. Jahrhun-
kann. Christsein ist Lebensaufgabe. dert, als unser Land im Wesentlichen
So, wie bei den einen Fußball, bei den noch ein Agrarland war? Und was da-
anderen die Musik jede freie Minute, mals wirklich besser war, lässt sich mit
jedes Wochenende ausfüllt, so sind entsprechenden Nachteilen von damals
viele Christen durch Aktivitäten für sicher leicht verrechnen.
die Gemeinde vollständig ausgebucht.
Die Zeit in der Firma dagegen muss
irgendwie überstanden werden. Sie
„leben nicht, um zu arbeiten, sondern
arbeiten, um zu leben“. Der Glaube
ist Privatsache, reine Freizeitsache. Es
ist sicher gottgewollt und lobenswert,
wenn Christen in der Gemeinde aktiv
sind. Es wäre aber fatal, wenn sie ihre
berufliche Arbeit, die Zeit im Betrieb,
hauptsächlich als notwendiges Übel
ansähen, während sich das richtige
Leben zu Hause oder im Gemeinde-
haus abspielt.

Wenn seit rund 10-15 Jahren in


unserer Republik den offenen Stellen

1. Die Arbeitswelt
mehr Arbeitsplatzsuchende gegenüber-
stehen, dann ist das für den Einzelnen
von heute ist häufig sehr notvoll. Aufs Ganze gese-
hen ist es aber nichts Neues. Arbeits-
anders als früher losigkeit größeren Ausmaßes gab es
immer wieder, was die Auswande-
„Früher war alles ganz anders“, so rungswellen vergangener Jahrhunderte
Das Fundament 5/2003

heißt es immer wieder in Gesprächen. beweisen.


Gemeint ist damit meist: „Früher war Ganz neu ist noch nicht einmal
alles besser“. Ob das stimmt? Außer- das sogenannte „strukturell bedingte“
dem: Was heißt schon „früher“? Vor Arbeitskräfteüberangebot, wo einfach

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Christen in der Arbeitswelt von heute

nicht mehr benötigt wird, was viele Von der Rentabilität zum
können und wo diese Vielen auch für „Shareholder Value“
komplexe Aufgabenstellungen nicht
umschulungsfähig sind. Hier gilt, was Dass Rationalisierung aus Wirtschaft-
schon der Prediger Salomo sagte: lichkeitsgründen sein muss, wird jeder
„Es geschieht nichts Neues unter der Son- einsehen. Schließlich gilt es doch, alle
ne. Geschieht etwas, von dem man sagen nur denkbaren Kosten zu senken, um
könnte: »Sieh, das ist neu«? Es ist längst die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
vorher auch geschehen in den Zeiten, Wenn allerdings die Ursache von mas-
die vor uns gewesen sind“ (Prediger 1, sivem Personalabbau vorwiegend in der
9f). Und doch können wir gravierende Dividenden-Gier von Aktionären zu
Umwälzungen beobachten. finden ist, mögen die davon Betroffe-
nen zu Recht bitter werden. Die einen,
weil sie als „Restbestand“ immer mehr
leisten müssen, die anderen, weil sie
Personalreduzierung nichts mehr leisten dürfen. Eindrück-
lich war mir die humorvoll gemeinte
trotz Arbeitsfülle Karikatur in einer Zeitschrift, die
Was neu und so noch nicht da gewesen einen Mitarbeiter eines Konzerns am
ist und was nicht wenige der „Noch- Bildschirm zeigt. Während er gerade
Arbeitsplatzbesitzer“ so frustriert, ist die Börsenkurse studiert und erfreut
die steigende Arbeitsmenge pro Person feststellt, dass die Aktien seiner Firma
aufgrund der Personalreduzierung. wieder „fette“ Gewinne abgeworfen
Das trifft vor allem auf anspruchsvolle haben, legt ihm sein Chef das Kün-
Arbeitsplätze zu, die nicht einfach digungsschreiben auf den Tisch und
durch Roboter ersetzt werden können. bemerkt: „Als Aktionär sind Sie ja nur
Aufgabenumverteilung aufgrund von zu beglückwünschen“.
Stellenabbau bedeutet immer Aufga-
benüberhäufung. Das überlastet die
Restbelegschaft und macht langfristig
krank. Da wird den „Hinterbliebenen“ Tempo, Tempo!
zusätzlich aufgebürdet, womit vorher
andere ausgelastet waren. Aber irgend- „Der Zeitdruck ist das Schlimms-
wann bricht auch der stärkste Esel te!“, sagte mir erst kürzlich ein guter
zusammen. Freund. „Bei uns in der Entwick-
lungsabteilung heißt es längst nicht

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mehr: ‚Schaffen Sie das?‘, sondern nur auf den Hof fahren, denn Warten er-
noch ‚Bis wann schaffen Sie das? Bis höht die Transportkosten. Pünktlich
morgen oder erst bis übermorgen?‘“ sein um jeden Preis, darum geht es und
Wer unter solchem Druck zu Hoch- man wundert sich, wie das offensicht-
leistungen fähig ist und dabei noch die lich möglich ist.
gewünschte Kreativität entfalten kann,
der ist wahrhaftig im Vorteil gegenü-
ber Kollegen, die zum Beispiel wegen
Magengeschwüren immer häufiger „Heuern und feuern“
Zwangspausen brauchen. Im Logistik-
Gewerbe ist das besonders anschaulich. Während noch vor 20 Jahren die
Der Begriff „just-in-time“ beschreibt langjährige Zugehörigkeit eines Mit-
gut, was gemeint ist: Der LKW mit arbeiters zu seiner Firma in unserem
den Bauteilen vom Zulieferer darf sich Land als etwas besonders Wertvolles
nicht mehr als 20 Minuten verspäten, angesehen wurde, wird dies heute oft
sonst stockt die Produktion und ver- eher als Last angesehen. Flexibilität
ursacht unerwünschte Ausfallkosten. und Mobilität heißen die beiden Zau-
Erheblich zu früh wird kein Spediteur berworte. Sie öffnen auf der einen Seite
jungen, dynamischen Bewerbern die
Tür zu neuen Stellen, können ande-
rerseits für die betreffenden Firmen
recht kostspielig sein. Es ist auch heute
nicht einfach, kurzfristig den richtigen
Mitarbeiter zu finden. Bemerkenswert
ist in diesem Zusammenhang die Dis-
kussion um die Lockerung des bislang
gültigen Kündigungsschutzes. Sie wird
dadurch begründet, dass Firmen mehr
Arbeitsplätze anbieten wollen, wenn
man die Leute in Krisenfällen später
leichter wieder los wird. Dass Treue
als gesellschaftliche Tugend derzeit
Das Fundament 5/2003

keinen besonderen Stellenwert hat, ist


von daher verständlich und sicher zu
bedauern.

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Christen in der Arbeitswelt von heute

Das alles und vielleicht noch ande- maßgebend. Der Herr war der Arbeit-
re Dinge sind „heute anders als früher.“ geber. Ihm gehörte der Ertrag. Sklaven
Was aber seit 2000 Jahren gleichblei- oder Leibeigene trugen nie die letzte
bend war und ist, ist die Verantwortung und waren, wenn es
Tatsache, dass Christen als recht zuging, auch bei Krankheit und
Nachfolger Jesu eine ei- bis ins Alter rundum versorgt. Dass
gene „Sorte Mensch“ dieser Idealfall wahrscheinlich selten
waren und sind. vorkam, dass Ausbeutung, Rücksichts-
Unverändert gilt: losigkeit und Menschenverachtung die
Herren dieser Welt bis heute bestim-
men, muss den Vergleich zum „Chris-
tenstand“ nicht aushebeln.

2. Christen sind
anders als andere
Unter Christen verstehe ich Menschen,
die sich nicht mehr selber gehören,
sondern ihr Leben an Jesus Christus
„verloren“ haben. „Wer sein Leben erhal-
ten will, der wird es verlieren; wer aber
sein Leben verliert um meinetwillen, der
wird‘s erhalten“ (Lukas 9, 24), sagte Je-
sus im Blick auf seine Nachfolger. Und
der Apostel Paulus stellt fest: „Denn ihr
seid gestorben, und euer Leben ist verbor-
gen mit Christus in Gott“ (Kolosser 3, 3).

Christen gehören „Der Herr ist gut, in dessen Dienst


wir stehn“, dichtete Konrad Kocher vor
Christus 160 Jahren. Diesem Herrn, der sein
So wie früher die Leibeigenen ihrem Leben für seine Knechte einsetzte, der
Herrn gehörten, so gehören Christen für sie auf dem Sklavenmarkt der Sün-
Christus. Was der Herr anordnete, war de teuer bezahlte, dem dient man gern.

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„Denn ihr seid teuer erkauft; darum auch mein Reden abdecken. Manch-
preist Gott mit eurem Leibe“ (1. Korin- mal ist es auch besser zu schweigen.
ther 6,20). Wenn ich Jesus Christus so Aber genauso sind hin und wieder
viel wert bin, dass er sein Blut für mich Worte fällig, wenn beispielsweise
vergossen hat, dann wird er auch nur Betrug geplant wird oder Menschen
das Beste mit mir vorhaben. Wenn er verleumdet werden und Gott gelästert
der Schöpfer und Herr dieser Welt ist, wird. Im Übrigen reden wir ja sonst
dann wird er auch wissen, was alles auch alles Mögliche und warten nicht
noch kommt und was aus mir werden höflich, bis uns irgendjemand nach
soll. Das Wesen des christlichen Glau- unserer Meinung fragt.
bens ist die Christusnachfolge. Nicht
die Mitgliedschaft in einer Körper-
schaft oder einem christlichen Verein
ist entscheidend, sondern das persönli-
che Vertrauen in die Erlösung von Sün-
de, Tod und Teufel durch Jesus. In der
Spur des Jesus von Nazareth ist man
auf dem „schmalen Weg, der zum Him-
mel führt“ (Matthäus 7, 14). „Denn
dazu seid ihr berufen, da auch Christus
gelitten hat für euch und euch ein Vor-
bild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen
seinen Fußtapfen“ (1. Petrus 2, 21).
„Denn wenn du mit deinem Munde
bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in
deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott
Christen reden von den Toten auferweckt hat, so wirst
du gerettet“ (Römer 10, 9).
von Christus Meine Worte sollen verdeutlichen,
„Rede nur, wenn du gefragt wirst, aber dass es mir um Jesus Christus über alles
lebe so, dass du gefragt wirst!“ Wegen in der Welt geht! Mein Reden spiegelt
dieses so überaus klug klingenden mein Denken. Die Wortwahl – auch
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Satzes ist schon manches notwendige in ganz banalen alltäglichen Dingen


und auf Jesus hinweisende Wort nicht – ist ein Kennzeichen meines geistigen
gesagt worden. Freilich muss mein Hintergrundes. Zweideutigkeiten sind
Leben, wenn es glaubwürdig sein soll, eindeutig und kein gutes Christus-

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Christen in der Arbeitswelt von heute

zeugnis. Saloppe Sprüche, wenn es um wäre. Hier muss mit Bezug auf Gottes
geistliche Sachverhalte geht, überzeu- Wort widersprochen werden. Auch
gen die „Kinder dieser Welt“ nachweis- kann ich mich nicht nur freuen, wenn
lich nicht. „Denn wes das Herz voll ist, mir ein gläubiger Student berichtet,
des geht der Mund über“ (Lukas 6, 45) dass er in diesem Semester vorhat,
bedeutet: Wer „voll“ ist, der redet von 15 Stunden pro Woche „für Gott“
dem, wovon er voll ist. Christen reden einzusetzen. Das ist wunderbar. Aber
von Christus. Nicht immer, aber immer wem gehören dann die restlichen 273
wieder dann, wenn sich die Gelegenheit Stunden? „Alles, was ihr tut, das tut von
bietet. „Seid allezeit bereit zur Verant- Herzen als dem Herrn“ (Kolosser 3, 17
wortung vor jedermann, der von euch und 23).
Rechenschaft fordert über die Hoffnung, Leben für Christus bedeutet, dass
die in euch ist“ (1. Petrus 3, 15), schreibt er die höchste Instanz meines Lebens
der Apostel an Leute in der heutigen ist. Ihm bin ich mit dem, was ich tue
Türkei, die ganz verstreut unter lauter und wie ich es tue, immer verantwort-
Gottlosen lebten. lich. Auch dann, wenn mich mein
Vorgesetzter beauftragt hat. Das macht
Dinge, gerade wenn es darum geht, die
Christen leben Wahrheit zu sagen anstatt den Sach-
verhalt zu verschleiern, zunächst kom-
für Christus plizierter. Aber es bewahrt langfristig
Wer Jesus vertraut, braucht auf vor üblen Nachspielen. Es entlastet
die Frage nach dem „Sinn des ungemein zu wissen: Jesus trägt auch
Lebens“ nicht stotternd in kritischen Fällen die letzte Verant-
zu antworten. Christen wortung.
wollen um jeden Preis Was nicht selten innere Konflikte
„etwas sein zum Lob seiner beschert, ist die Pflicht, als Christ
Herrlichkeit“ (Epheser 1, 12). zuverlässig arbeiten zu sollen. Das will
Das gilt für alle Bereiche und man auch, wohl wissend, dass man
Zeitabschnitte ihres Lebens. Es ist genau deswegen ausgenutzt wird. So
eine Tragik, wenn eine Missionarsfrau gern, wie ich mein Bestes gebe, so
ihren Freunden in der Heimat schreibt, sehr wehre ich mich jedoch innerlich
dass sie momentan leider nichts für dagegen, nur ein nützlicher Idiot für
Gott tun kann, weil sie vollauf mit andere zu sein. Aus meiner Sicht ge-
ihren vier Kindern beschäftigt ist. Als hört das auch zum Leiden um Christi
ob Kindererziehung kein Gottesdienst willen. Im Blick auf die Ewigkeit ist es

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allemal besser, Unrecht zu erleiden und und „wer seine Arbeit liebt, kann sich
benachteiligt zu werden als Unrecht zu viele schöne Stunden machen“.
tun oder andere zu benachteiligen (1. Auf keinen Fall aber sollte Christen
Korinther 6, 7). Vielleicht ist es auch nachgesagt werden, dass sie Drücke-
ganz gut, wenn ab und zu auf diese berger, Schlamper oder solche seien, die
Weise das letzte Ziel
ins Blickfeld rückt.
Christen leben
für Christus und das
wirkt automatisch:
„Ihr seid das Salz der
Erde. Wenn nun das
Salz nicht mehr salzt,
womit soll man salzen?
Es ist zu nichts mehr
nütze, als dass man es
wegschüttet und lässt es
von den Leuten zertre-
ten“ (Matthäus 5, 13).

3. Christen arbeiten anderen die Zeit stehlen, womöglich


auch nichts ande- noch mit der Begründung, missiona-
risch für Jesus tätig zu sein. Faulenzer
res als andere gibt es überall, aber faulen Christen
muss der Spiegel des Wortes Gottes vor-
Christen können im Prinzip in allen gehalten werden (1. Timotheus 5, 13).
Berufen arbeiten und ihre Aufgaben Wer Jesus gehört, nimmt es mit Pünkt-
können völlig gleich sein wie die der an- lichkeit, Zuverlässigkeit und Fleiß
deren. Auch die Ergebnisse, der Erfolg, genauer als andere, die nicht zu Gottes
Das Fundament 5/2003

brauchen sich nicht zu unterscheiden, Ehre leben wollen. Diese Dinge können
denn die Qualität sollte grundsätz- nicht als Marotte eines verknöcherten
lich auch bei anderen stimmen. Auch Pedanten abgetan werden. Vielmehr
Christen darf die Arbeit Spaß machen sind sie eine Frage der Liebe. „Du sollst

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Christen in der Arbeitswelt von heute

den Herrn, deinen Gott, lieben von gan- Hut zu bringen. Was hat Priorität und
zem Herzen, von ganzer Seele, von allen was muss im Einzelfall zurückstehen?
Kräften und von ganzem Gemüt und So schwierig es zum Teil sein mag,
deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lukas die verschiedenen Bereiche gegenein-
10, 27). Wer aber liebt, ist nicht un- ander abzugrenzen und alle Aktivitä-
pünktlich oder faul – zumindest nicht ten auf einem Stundenplan festzuhal-
leichtfertig oder aus Prinzip. ten, so wichtig ist es, Grundsätzliches
Wer ehrlich ist, muss sich jetzt klarzustellen. In seinem Aufsatz „Als
vielleicht schämen. Es war nicht alles Christ nie arbeitslos“ („Das Funda-
so, wie es vor Gott und vor den Kol- ment“ 4/1999), stellt Klaus Rumpel für
legen hätte sein sollen. Vergangenes folgende sechs Bereiche eine biblisch
kann nicht nachgeholt werden, son- begründete Rangfolge auf:
dern muss – vor Gott und in gewissen
Fällen auch vor Menschen – als Schuld 1. Das persönliche Verhältnis zu
bekannt werden. Vergebung ist bei Gott
Gott immer möglich! Was war, ist ver- 5. Mose 6, 5; 3. Mose 19, 18;
gangen. Die Gegenwart kann mit Jesu Lukas 10, 27
Hilfe und in der Kraft des Heiligen
Geistes anders werden. Gott sei Dank! 2. Familie (Ehepartner, Kinder)
1. Timotheus 3, 12; 5, 8

3. Beruf

4. Christen haben
2. Mose 23, 12;
2. Thessalonicher 3, 10
zusätzliche Ver- 4. Eltern
pflichtungen 2. Mose 20, 12; Sprüche 23, 22;
Markus 7, 10f; Epheser 6, 2
Während „normale“ Menschen abzu-
wägen haben, wie viel Zeit und Enga- 5. Gemeinde
gement sie außerhalb der beruflichen 1. Korinther 12, 12-20;
Tätigkeit für Familie, Hobby oder Eh-
renämter einsetzen wollen, besteht für 6. Alles andere ( Hobbys,
Nachfolger Jesu häufig noch ein zusätz- Freunde, Vergnügen ...)
liches Spannungsfeld. Beruf, Familie 1. Timotheus 4, 4
und Gemeinde sind zeitlich unter einen

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Eine Prioritätenliste in dieser Form
mag manche Leser überraschen. Sie
soll hier auch nicht ausführlich kom-
mentiert werden. Sie soll zum Nach-
denken und zur Diskussion im kleinen
Kreis anregen. Ein wesentlicher Teil
dieser aufgeführten Lebensprioritäten
ist, dass einem Christen im Grunde
alle Bereiche genommen werden kön-
nen, mit Ausnahme des persönlichen
Glaubens. Er stellt geradezu das Fun-
dament dar. Irdische Werte können
sehr schnell verschwinden. Wer Jesus
Christus mit seinem Wort die „Num-
mer 1“ im Leben sein lässt, der wird
diese Rangfolge längerfristig nicht
verändern wollen. Dabei geht es nicht
vorrangig um die für den jeweiligen
Bereich verbrauchte Zeit, sondern um frei verfügbare Zeit eines berufstätigen
das Gewicht und die Bewertung. Man- Familienvaters fast vollständig durch
ches lässt sich auch gar nicht so sauber Gemeindeaufgaben ausgefüllt ist. Da
voneinander trennen. Woran denke bleibt kaum noch Raum für Gedan-
ich zuletzt, wenn ich abends einschlafe ken an die eigene Familie. Das kann
und zuerst, wenn ich morgens aufwa- gefährlich werden. Wenn es nicht in
che? Ganz zu schweigen von den „un- voller Übereinstimmung, besser noch
freiwillig wachen“ Nachtstunden. mit aktiver Unterstützung der Ehefrau
Es gibt auch falsche Prioritäten und geschieht, wird er vor Gott und Men-
wer wäre hier nicht in irgendeinem schen schuldig werden, selbst wenn
Bereich schon schuldig geworden? Da- andere ihm noch so viel Anerkennung
bei denke ich weniger an die Tatsache, zeigen. Noch einmal: Es geht nicht um
dass viele nur für ihr Hobby leben und Stunden oder Minuten, die für dieses
jede freie Minute, ja selbst noch die oder jenes verwendet werden. Es geht
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Arbeitszeit dafür verwenden. Während um Zuwendung, um Bewertung, ja


es sicher vergleichsweise wenig Chris- um Wertschätzung.
ten gibt, die ihre Familie „vergötzen“,
sieht es weit häufiger so aus, dass die

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Christen in der Arbeitswelt von heute

Schluss Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis


Für Christen in der Arbeitswelt von haben. Ihre eigentliche Heimat ist
heute gilt dasselbe wie für Christen zu im Himmel. Wer von diesem Wissen
allen Zeiten: Sie sind fleißig und erledi- bestimmt ist, wird sich einerseits mit
gen ihre Aufgaben nach bestem Wissen Enttäuschungen weniger schwer tun
und Gewissen. So, als ob es für Gott und andererseits durch Erfolge weni-
selber wäre. Sie sehen ihre Mitmen- ger magnetisiert werden. Gottes Wort
schen als „Nächste“ im Sinne der Bibel, kann in vielen Krisen, angesichts von
die sie lieben, denen sie dienen und Demütigung oder Spott trösten und
die sie zu Jesus einladen. Es gilt aber ermutigen: „Gedenkt an den, der so viel
auch: Christen sind nicht von hier. Sie Widerspruch gegen sich von den Sündern
sind Ausländer – um nicht zu sagen erduldet hat, damit ihr nicht matt wer-
Außenseiter – und zwar überall. Sie det und den Mut nicht sinken lasst“ (He-
sind „in der Welt, aber nicht von dieser bräer 12, 3). Alles, was dazu beiträgt,
Welt“ (Johannes 17, 16). Christen wis- christusähnlicher zu werden, kann
sen, dass sie hier nur vorübergehende geistlich nur von Vorteil sein.
Ernsthaft und doch innerlich un-
abhängig, engagiert und doch gelassen
kann ein Christ fröhlich seine Arbeit
tun, weil er weiß, dass es nicht vergeb-
lich sein wird, was in dem Herrn getan
wird:
„Darum, meine lieben Brüder, seid
fest, unerschütterlich und nehmt immer
zu in dem Werk des Herrn, weil ihr
wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist
in dem Herrn“ (1. Korinther 15, 58). 

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