Der Okkultismus

- Ursprung und Entwicklung aus biblischer Sicht -

1. Die Folgen des Sündenfalls 2. Okkultismus in den Religionen und in der Philosophie 3. Der moderne Okkultismus 4. Okkultismus und Evolutionismus 5. Die neue östliche Invasion 6. New Age - das neue Zeitalter 7. Wahrsagerei und Zauberei 8. Charismatischer Okkultismus 9. Die Folgen okkulter Betätigung 10. Die Befreiung aus okkulter Belastung

1. Der Ursprung des Okkultismus – die Folgen des Sündenfalls Um die mystischen und okkulten Strömungen unserer Zeit zu verstehen, ist es notwen dig, auf die Heilige Schrift zurückzugreifen. Dort wird der Sündenfall beschrieben (1. Mose 3 ), und wir begegnen in diesem Kapi tel praktisch dem ersten okkulten Medium in der Bibel: der Schlange, die laut Offenbarung 12,9 eindeutig den Satan repräsentiert. Die Schlange gebrauchte dort in gewisser Hinsicht dieselben Methoden, die auch die heutigen Ok kultisten anwenden, und empfahl Adam und Eva denselben Weg, den auch heute noch die Mystiker empfehlen: den Weg, auf dem der Mensch „Gott gleich“ sein könne, auf dem er „wie Gott“ sein könne und sich „mit Gott ver einigen" könne, so dass er wesentlich selbst „Gott“ würde. Das war das Wesentliche, das beim Sündenfall geschah. Der Mensch öffnete sich den feindlichen Mächten und kam unter ihre Einflüsse. Von Anfang an jedoch konnten Menschen durch die Gnade Gottes aus jener Finsternis befreit werden. Gott bot dem gefallenen Menschen un mittelbar nach dem Sündenfall aber nicht nur die Errettung der Seele an, sondern schützte den Menschen auch vor manchen dämonischen Einflüssen, indem Er ihm einige seiner ur sprünglichen Fähigkeiten fortnahm. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Mensch vor dem Sündenfall große geistige Fähigkeiten hatte, mit denen er in größerem Maß, als es uns heute möglich ist, mit der unsichtbaren Welt Verbindung und Gemeinschaft haben konnte. In seinem ungefallenen Zustand konnte der Mensch offensichtlich mit Gott wandeln und täglich Gemeinschaft mit Ihm haben. Prediger 3,11 sagt, dass Gott die Ewigkeit in das Herz des Menschen gelegt hat. Der Mensch ist ein Ewigkeitswesen, und auch nach dem Sündenfall ist dieses Verlangen nach

ewigen und unsichtbaren Dingen in ihm vorhanden geblieben. Doch Gott hat diese Fähigkeiten stark eingeschränkt, weil der Mensch durch die Sünde von Gott getrennt war: „Eure Missetaten haben eine Scheidung gemacht zwischen euch und eurem Gott" (Jesaja 59,2). Wenn also der Mensch heute diese Fähigkeiten entwickelt, die nur als Reste in ihm vorhanden sind, kann er tatsächlich mit der höheren Welt in Verbindung kommen. Da aber der Weg zu Gott durch die Sünde verschlossen ist, bedeutet das, dass er nur mit der Gott feindlichen, dämonischen Welt in Verbindung treten kann. Das ist der Grund, weshalb Gott in 5. Mose 18, als das Volk Gottes im Begriff stand, das verheißene Land zu betreten, jede Verbindung mit diesen okkulten Dingen absolut verbot. Diese Dinge waren Ihm ein Greuel. Die Völker, die vorher das Land bewohnten, übten diese Dinge in starkem Masse aus. Alle diese Völker sollten wegen ihres Götzendienstes ausgerottet werden, und das Volk Gottes sollte keine einzige Verbindung mit diesen Greueln haben. 5. Mose 18, 9 f. „Wenn du in das Land kommst, dass der Herr, dein Gott dir gibt so sollst du nicht lernen nach den Greueln dieser Nationen zu tun. Es soll keiner unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seiner Tochter durchs Feuer gehen läßt, keiner der Wahrsagerei treibt, kein Zauberer oder Beschwörer oder Magier oder Bannsprecher oder Totenbeschwörer oder Wahrsager oder der die Toten befragt. Denn ein Greuel für den Herrn ist ein jeder der diese Dinge tut und um dieser Greuel willen treibt der Herr, dein Gott sie vor dir aus. Du sollst vollkommen sein gegen den Herrn, deinen Gott. Denn diese Nationen, die du austreiben wirst, hören auf Zauberer und auf Wahrsager; du aber - nicht also hat der Herr, dein Gott, dir gestattet. Einen Propheten aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, gleich mir, wird der Herr, dein Gott, dir erwecken, auf ihn sollt ihr hören.“ 2. Okkultismus in den Religionen und in der Philosophie Der Götzendienst Wenn wir die ersten Kapitel des ersten Buches Mose aufmerksam lesen, werden wir feststellen, dass der Götzendienst erst nach der Flut aufgeblüht ist. Götzendienst ist im Grunde nichts anderes als die Preisgabe des wahren Schöpfers, indem man Ihn ersetzt durch Geschöpfe, also indem man Menschen oder Tiere oder Kräfte der Natur anbetet anstelle des Schöpfers. Der Mensch fühlt sich nicht mit Gott, sondern mit dieser Schöpfung verbunden und erwartet sein Heil und seine Lebensführung von den Kräften dieser Schöpfung, z.B. von den Himmelskörpern oder von Bildern, die er sich selbst macht. So entwickelte der Mensch nach der Flut allmählich seine Fähigkeiten, mit dieser dämonischen Welt in Verbindung zu treten. Und diese Verbindung hatte Gott absolut verboten, nicht etwa, weil Er uns gering halten wollte, sondern weil Er wusste, dass der Mensch sich damit völlig in Unglück und Verderben stürzen würde. Das war der Grund, weshalb Gott dem Volk ausdrücklich gebot, sämtliche Völker in dem Land der Verheissung auszurotten und alle ihre Greuel und ihre Altäre und Götzenbilder zu zerstören. Das ist eine gute Belehrung auch für uns heutzutage, die wir sehen, wie diese Greuel um uns herum immer mehr zunehmen und leider auch viele Gläubige verführt werden und in Verbindung zu diesen Greueln treten. Damit haben wir kurz die Entstehung des Göt zendienstes skizziert, aus dem im Lauf der Zeit die grossen Weltreligionen entstanden, durch die der Mensch immer tiefer in Finsternis ver fiel. Daneben sehen wir im Alten Testament das gnädige Handeln Gottes im Blick auf Sein irdi sches Volk Israel, obwohl auch von ihnen viele in Götzendienst und sexuelle Sünden (was oft gepaart ist), die Hurerei, gefallen sind. Und lei der ist es bei dem Volk Gottes im Neuen Testa ment auch so. Schon in seinem ersten Brief an die Korinther musste Paulus sie tadeln, dass viele durch dämonische Mächte in Götzendienst oder Hurerei oder andere Sünden geraten waren. Auch im Blick auf das Volk Gottes im Neuen Testament ist der Feind von Anfang an bemüht gewesen, Schaden anzurichten.

Die Macht der Dämonen in Religion und Philosophie Nun wollen wir uns kurz dem Westen zuwen den, um zu sehen, wie die finsteren Einflüsse des Heidentums wieder Eingang in unserem „christlichen Abendland" gefunden haben. Das geschieht nicht von heute auf morgen; tatsäch lich können wir die Ursprünge weit zurückver folgen. Aus der griechischen Philosophie ent wickelte sich eine rationalistische Linie, die im Mittelalter eine radikale Trennung zwischen dem Glauben und der Wissenschaft machte, die noch heute Schaden anrichtet. Aus dieser grie chischen Philosophie entstand aber auch noch eine andere Linie. Plato versuchte schon, den Menschen mit der höheren Welt in Verbindung zu bringen. Doch der Philosoph Plotinus, der im 3. Jahrhundert nach Christus in Rom lebte und kein Christ war, entwickelte aus dem Platonis mus den Neoplatonismus. Der Neoplatonismus ist griechische Philosophie plus Mystik. Mystik und Mystizismus Mystizismus und Okkul tismus sind im Grunde dasselbe. Okkul tismus ist die lateinische Bezeichnung und Mystizismus die griechische. Beide bezeichnen eine „Geheimwissenschaft", die sich mit den verbor genen Kräften der Natur befaßt. Der Mystiker benutzt diese geheimen Methoden, um sich da durch mit der Gottheit zu vereinigen, um hin aufzusteigen zu dem Weltgeist, dem höchsten Geist, der die ganze Natur durchzieht. Das ist also Anbetung der Natur. Im allgemeinen ist MystizismusPantheismus , in dem Gott nicht der Schöpfer der Natur ist, sondern die Natur selbst Gott ist. Es gibt natürlich Unterschiede, denn wir kennen auch einen „christlichen" Mystizis mus und einen jüdischen, aber im wesentlichen läuft er immer auf die Vereinigung mit der Gott heit hinaus. Er ist die Lüge Satans aus 1.Mose 3,4.5: „Ihr werdet sein wie Gott, erkennend Gu tes und Böses". Das ist sowohl die Lüge imHinduismus als auch im Buddhismus : Gott zu wer den. Das ist die Lüge jeder Art von Mystizis mus. Schon sehr früh drang durch den Neoplatonis mus der Mystizismus in das Christentum ein. Hier im Abendland entwickelte der Neoplatonismus sich zur gleichen Zeit wie auch die Kabbala, der jüdische Mystizismus, nämlich im Mittelalter. Der kabbalistische „Baum des Lebens" mit seinen zehn Sephiroth (den Attributen des „Göttlichen“) und seinen zweiundzwanzig Pfaden gibt ein raffiniertes okkultes und immer noch populäres mystisches System wieder. Durch dieses System können Menschen mystische Erfahrungen machen und in die übernatürliche, höhere, dämonische Welt eindringen. Es sind abscheuliche Erfahrungen, durch die diese Menschen mit dämonischen Kräften in Verbindung treten und lernen, sie zu benutzen und auf diese Weise auch mit dem Weltgeist, mit „Gott“ in Verbindung zu kommen. Eine andere Form des Mystizismus ist die Alchimie. Sie gehörte im Mittelalter zu der sogenannten Wissenschaft und war eine Vermischung vieler heidnischer Elemente der Griechen, Ägypter und Perser, zusammen mit christlichen Elementen. All das wurde in die Christenheit eingeführt und vermischte sich unter der Oberfläche allmählich mit dem Denken des Menschen. Gleichzeitig entwickelte sich ein durchaus „christlicher" Mystizismus. „Christliche" Mystik Im Mittelalter begann sich deutlich ein „christlicher" Mystizismus zu entwickeln. Unter „christlich" ist gemeint, daß sich inmitten der Kirche öffentlich ein Mystizismus entwickelte und die Kirche diese Entwicklung förderte. Wir finden das bei vielen der sogenannten katholischen Heiligen und Mystiker, wie z.B. Bernard von Clairvaux. Das Büchlein „Imitatio Christi“ von Thomas a Kempis wird von vielen Christen für ein christliches Büchlein gehalten. Eine „Imitation“ Jesu Christi ist aber ganz und gar unbiblisch. Man kann das mit einem Soldaten vergleichen, der seinen General imitieren will. Wir werden nicht aufgefordert, unseren „General“ zu imitieren, sondern ihm zu gehorchen. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Diese Imitation hängt jedoch mit der Einsmachung oder Vereinigung zusammen. In dem Büchlein von Thomas a Kempis (obwohl viel Gutes und Schönes darin steht) tritt dieser

Mystizismus deutlich zutage. Diese Mystiker selbst zogen sich in die Stille zurück, damit ihre fünf Sinne möglichst wenig Impulse empfingen und sich der sechste Sinn entwickeln könnte (mit diesem Zurückziehen in die Stille haben auch die Klosterordnungen zu tun). Im Grunde sind das dieselben Methoden, die auch die Buddhisten anwenden: passive Meditation. Bei einer solchen passiven Haltung jedoch handelt es sich um unbiblische Meditation und Konzentration. Sie sind in all den verschiedenen Strömungen gleich, ob es sich nun um den Judaismus, den Islam, den Buddhismus oder auch um verirrtes Christentum handelt. Auch die Ergebnisse sind immer die gleichen, nicht in dem Sinn, daß ein Hindu jemals die Jungfrau Maria sehen würde oder daß ein katholischer Heiliger jemals Vishnu schauen würde. Nein, man sieht das, was man erwartet und worauf man sich einstellt. Aber die Meditationsmethoden und ihre Ergebnisse sowie die Erscheinungen sind immer die gleichen. Wenn diese Heiligen anfingen, sich vom Boden zu erheben, was öfters vorgekommen ist, so sind das dieselben Erscheinungen wie bei den Mönchen in Tibet oder auch bei spiritistischen Sitzungen. Da sie aber unter dem Deckmantel des Christentums geschahen, waren sie oft schwierig zu deuten oder zu erkennen. 3. Der moderne Okkultismus Der erste Angriff auf das Christentum in den ersten Jahrhunderten erfolgte durch den Neoplatonismus, den Gnostizismus und ähnliche mystische Einflüsse. Der zweite große Angriff geschah unmittelbar nach der Reformation. Immer, wo biblisches Christentum neu belebt wurde, startete auch Satan einen neuen Angriff. Nun traten Männer auf wie Paracelsus und andere okkulte Ärzte, die Europa bereisten und in neuer Form den Okkultismus predigten und verbreiteten. Der dritte Angriff erfolgte im vergangenen Jahrhundert. Die Aufklärung hatte sich stark gegen das biblische Christentum gerichtet, doch zugleich gegen den Okkultismus. Letzteres war an sich ein Vorteil, doch zum Ende der Aufklärung (Ende des 18. Jahrhunderts) wandten sich die Denker erneut dem Okkultismus zu. Und als sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf neue Weise ein biblisches Christentum verbreitete (denken wir nur an die Erweckungen die vielerorts stattfanden), erlebte zur gleichen Zeit auch der Okkultismus eine neue Blüte. Damit begann die Schlussphase, der endgültige Angriff, der in gewisser Hinsicht völlig gelungen ist. Ich muss dabei oft an das Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen in Matthäus 25 denken. Das Erwachen der klugen Jungfrauen war ein großer Vorteil, doch der Nachteil war, dass gleichzeitig auch die törichten Jungfrauen wach wurden. Sie haben sich nie so gerührt wie in den letzten hundertundfünfzig Jahren, und das gerade hier im Herzen der Christenheit. Ein Mann, der dabei eine große Rolle spielte war Johann Wolfgang von Goethe, dessen Faust beispielsweise von Anfang bis Ende Okkultismus ist. Ähnliche Einflüsse sehen wir auch in seinem persönlichen Leben. Er hat sehr viel Denker unserer Zeit beeinflusst, ebenso wie ein anderer, sehr einflussreicher Philosoph des vergangenen Jahrhunderts: Arthur Schopenhauer. Dieser Mann ist in diesem Zusammenhang sehr bedeutend, denn er verstand, dass der Okkultismus hier im Westen einen neuen Impuls brauchte. Woher konnte der Okkultismus diesen Impuls bekommen? Der Westen, das Abendland, konnte in dieser Hinsicht nichts bieten, also musste man sich der reichen Tradition okkulter Religionen bedienen. Schopenhauer stellte sich als erster großer Denker hier im Westen deutlich positiv zum Buddhismus ein und wollte ihn bei uns einführen. Das war der Anlass, dass bereits im vergangenen Jahrhundert einige Missionare aus dem Osten hierher kamen. Doch die richtige Zeit für sie war noch nicht gekommen. Theosophie und Anthroposophie Aber auch hier im Abendland selbst kamen starke okkulte Bewegungen auf, die viele ehe malige christliche Bekenner anzogen. So ent stand 1875 der theosophische Verein, gegründet von Oberst Olcott und Madame Blavatsky. Sie waren sehr stark okkult belastet und betätigten sich

okkultistisch. Madame Blavatsky hat dazu beigetragen, dass viele solcher magischer, ok kulter Orden entstanden, die unter der Oberflä che großen Schaden anrichteten. Als sie sich dem Osten zuwandte und Krishnamurti als ei nen reinkarnierten Christus betrachtete, wandte sich Rudolf Steiner von ihr ab und grün dete die Anthroposophie.Theosophie bedeutet noch „göttliche Weisheit", obwohl sie das ganz und gar nicht ist. Doch die Anthroposophie ist eine rein menschliche Weisheit, was dieser Be griff auch zu deutsch bedeutet. Bei der Anthro posophie steht der Mensch im Mittelpunkt. Die Anthroposophie ließ zwar den größten Unsinn der Theosophen hinter sich, aber in ihrem intel lektuellen Bereich entwickelte sich der Okkul tismus stark, zwar nicht wie die magischen Or den, die sich mit den groben Formen der Magie beschäftigen, sondern sie war eigentlich ein besonderer Okkultismus für Intellektuelle. Wenn wir den aufkommenden Evolutionismus untersuchen, entdecken wir wieder einen engen Zusammenhang mit dem Okkultismus. Russell Wallace, der zusammen mit Darwin die natürliche Auslese als Grundbegriff der vermeintlichen Evolution entdeckte und mit ihm zusammen den ersten Artikel über die natürliche Auslese veröffentlichte, war ein bedeutender Spiritist, der auch ein Buch über den Spiritismus geschrieben hat. Er ist ein typisches Beispiel des modernen Wissenschaftlers, der sehr deutlich die Bedeutung der Evolutionslehre für den Okkultismus erkannte. Auch Madame Blavatsky war sich dieser Zusammenhänge bewusst und kritisierte den Darwinismus, da er nicht diese klaren Schlussfolgerungen im Blick auf den Okkultismus zog. Sie sah, wie auch Russell Wallace, deutlich die Verbindung zwischen dem Okkultismus und dem Evolutionismus. Evolutionismus ist ja eigentlich nichts anderes als die Annahme, dass der Mensch sich aus der Materie als eine besondere Form von Information entwickelt habe. Der Evolutionismus besagt, Gott habe sich irgendwie in menschlicher Gestalt aus der Materie entwickelt. Damit war der Weg frei, dass ein konsequenter Evolutionist auch Okkultist und Mystiker sein konnte, wie es viele geworden sind (Madame Blavatsky, Russell Wallace, Fechner u.a.). Das alles geschah in gewisser Hinsicht noch im intellektuellen Bereich. Die nächste Phase dieses teuflischen Programms war die Frage: Wie können wir jetzt die Jugend erreichen? Wenn man eine Änderung in der Gesellschaft durchführen möchte, gilt es nicht so sehr, die Älteren zu erreichen, die in einer gewissen Tradition stehen, sondern solche, die noch beweglich in ihren Gedanken und aufgeschlossen für neue Dinge sind; besonders, wenn sie von den Älteren enttäuscht sind. So bekamen z.B. C.G. Jung und besonders auch Aldous Huxley großen Einfluss auf die Jugend, auf die jungen Künstler in New York (Greenwich Village), wo die Beatniks entstanden, aus denen sich später in Amerika eine Jugendkultur entwickelte wie die Hippies usw. C.G. Jung hatte sich in seiner Jugend schon eingehend mit dem Spiritismus beschäftigt; er gab für viele psychische Phänomene okkulte Erklärungen und gebrauchte auch okkulte Mittel in seiner Praxis. Wer sich näher dafür interessiert, kann die vor einigen Jahren erschienene Biographie über Jung von Prof. Paul Stern lesen. Stern ist Professor an der Harvard Universität und hat sehr deutlich über den persönlichen und geistigen Kampf von Jung geschrieben, wie er unter diesen geistigen Mächten gefangen war. 4. Okkultismus und Evolutionismus Ein bedeutende Rolle zur Ausbreitung des Okkultismus spielt die Evolutionslehre. Das ist um so bemerkenswerter, da die Okkultisten und die Materialisten einander völlig entgegengesetzte Auffassungen vertreten, doch das ist nur oberflächlich der Fall. Richard Wurmbrand hat in seinem Büchlein überKarl MarxSatanist , ein Okkultist war. Und das trotz der scheinbar großen Gegensätze zwischen dem Materialismus und dem Okkultismus. Die Materialisten glauben, dass alles Materie ist, und „beweisen" das durch die Evolutionslehre. Durch die Evolution sind ihrer Meinung nach Menschen mit Tieren und Pflanzen verwandt und dadurch schließlich auch mit der leblosen Materie. Menschen sind danach nichts anderes als eine besondere Form von Materie.

Der Okkultist argumentiert genau entgegengesetzt. Nach seiner Auffassung ist alles Geist. Der Mensch ist die höchste Form geistiger Kräfte, einer geistigen Persönlichkeit, und dieser Geist hat sich allmählich aus der Materie entwickelt, so dass die Materie eigentlich eingefalteter Geist ist. darauf hingewiesen, dass Marx, der große Materialist, wahrscheinlich gleichzeitig ein Nach Auffassung der Okkultisten beweist also die Evolutionslehre, nach der sich ja alles aus der Materie entwickelt hat, dass der Geist bereits in der Materie vorhanden sein muss. Auf diese Weise ist der Mensch mit der ganzen Natur verbunden und verwoben. Der Mensch und die Natur bilden ein Ganzes. Das kommt sehr klar in dem Hauptsatz des Okkultismus zum Ausdruck, nämlich demKonformitätsprinzip oder der Mikro-Makrokosmoslehre, die nichts anderes besagt als dieses: der Mensch ist ein Mikrokosmos, und das Weltall ist der Makrokosmos; was im Weltall stattfindet, spiegelt sich im Menschen wider, und was in dem Menschen stattfindet, spiegelt sich im Weltall wider. Das bedeutet: wenn der Mensch das Weltall gut interpretieren kann, kann er damit sich selbst interpretieren. Genau das tut die Astrologie. Diese Aussagen der Astrologie werden verständlich durch das Konformitätsprinzip, denn danach ist der Mensch in evolutionistischer, geschichtlicher und organischer Hinsicht mit dem Weltall verbunden. Doch damit nicht genug. Die Okkultisten wenden dieses Prinzip weiter auf den Menschen an und sagen, dass bestimmte Körperteile wieder einen Mikrokosmos bilden, der dann den ganzen Menschen darstelle, wobei schließlich der Mensch in seiner Gesamtheit der Makrokosmos sei. So sagen die Okkultisten, dass man in den Handlinien den ganzen Menschen erkennen könne: seine Vergangenheit und seine Zukunft. Sehr häufig werden heute solche Erkenntnisse anhand der Iris, der Regenbogenhaut, gewonnen, also mit Hilfe der sogenannten Augendiagnose oder auch durch die Fußsohlendiagnose (womit auch die Reflexzonenmassage zusammenhängt). Gewisse Teile des Körpers sind also nach dieser Ansicht repräsentativ für den ganzen Körper. All diese Dinge werden aus dem Konformitätsprinzip gefolgert - man kann das geschichtlich nachweisen. In vielen okkulten Heilverfahren, Diagnostikmethoden und Therapien finden wir dieses Prinzip wieder. Diese Verfahren sind also sehr alt, wie auch die Augendiagnose seit langem mit der Astrologie eng verbunden ist. Die Leute, die am stärksten die Augendiagnose vertreten, sind entschiedene Anhänger der Astrologie und okkulter Heilverfahren. 5. Drei Hauptverführungen und die neue östliche Invasion Wir müssen auch sehen, dass der Teufel in diesem satanischen Programm Menschen benutzt hat, um immer größeren Einfluss, besonders auf die Jugend, auszuüben. In diesem Zusammenhang muss ich Aleister Crowley erwähnen. Merkwürdigerweise ist dieser Mann in einer orthodox-biblischen Familie aufgewachsen. Seine Mutter kam aber aus dem Osten, und über sie hat er wahrscheinlich diese okkulten Fähigkeiten geerbt. Jedenfalls hatte er schon als Neunzehnjähriger dämonische Visionen und fühlte eine starke Berufung, sich dem Okkultismus zu widmen, was er dann auch getan hat. Er selbst ist mehr oder weniger im Hintergrund geblieben, hat aber durch seine Schüler starken Einfluss genommen und ist auf diese Weise wahrscheinlich sogar der einflussreichste Okkultist der ganzen vorigen Jahrhunderthälfte gewesen. Er empfahl seinen Schülern, die Jugend zu lehren, wie sie in Trance geraten und dadurch ihr Bewusstseinsniveau verändern könnte, um dann mit der höheren, dämonischen Welt in Verbindung zu treten. Popmusik, Sex und Drogen Dazu nannte er drei Methoden: erstens einen sehr starken Rhythmus, wie man ihn in manchen alten Religionen wiederfindet und er sich heute in der Popmusik entwickelt hat. Durch seinen Schüler Kenneth Angle war Crowley der geistige Führer der Rolling Stones und hat diese in die Dämonie eingeweiht. Bei den Beatles sieht man dasselbe, wie z.B. die Aussage John Lennons deutlich macht, der gesagt hat, dass die Beatles nicht nur erfolgreicher wären als Jesus Christus,

sondern dass ihr Erfolg auch dadurch zu verstehen wäre, dass sie ihre Seele dem Teufel verkauft hätten. Lennon hat das in den sechziger Jahren in Hamburg gesagt, und das wurde anschließend in der Zeitschrift der Popmusik veröffentlicht. Diese Leute haben das ganz offen ausgesprochen. Und wer die Texte zu ihrer Musik liest, sieht auch, was für eine Botschaft diese Satansevangelisten gepredigt haben. Aldous Huxley war der Meinung, dass kein Mensch, sei er auch noch so nüchtern, unberührt bleiben könnte von einem Rhythmus, wie man ihn z.B. bei den Wudu-Priestern in Haiti oder bei den Schamanen (Zauberpriester asiatischer und indianischer Naturvölker) findet. Tatsächlich würde eine Veränderung des Bewusstseins eintreten. Viele junge Leute haben das erfahren, die an solchen Popveranstaltungen teilgenommen haben. Die zweite Empfehlung, die Crowley gab, war eine absolut freie sexuelle Revolution. Das ist in jeder modernistischen Jugendbewegung die Grundvoraussetzung: absolut freier Sex. Crowley hat zur Förderung dieser sexuellen Revolution eine gewisse Sex-Magie entwickelt, die einfach abscheulich ist. Drittens empfahl er Drogen als Mittel, um in Trance zu geraten, also genau die Mittel, die schon vor Tausenden von Jahren bei bestimmten östlichen Religionen bekannt waren und schon immer dabei behilflich waren, leichter mit dämonischen Mächten in Verbindung zu treten. Die neue östliche Invasion In Verbindung mit dieser neuen Kultur von Popmusik, Sex und Drogen, die alle eng miteinander zusammenhängen (es waren ja besonders die Popmusiker, die die sexuelle Revolution entfachten und auch die Drogen empfahlen), wurden nun zum zweitenmal dieöstlichen Missionare ins Abendland eingeführt, und zwar durch die Beatles . Im vorigen Jahrhundert war das bereits einmal geschehen, aber da konnten diese Missionare sich nicht durchsetzen. Jetzt war die Zeit reif dafür, weil nun Millionen von Jugendlichen darauf vorbereitet waren, diese Dinge aufzunehmen. Im vergangenen Jahrhundert war das noch nicht so. Da erschienen diese östlichen Religionsvertreter zwar auf dem Weltkongress der Weltreligionen, aber da spielte sich alles auf einer intellektuellen Ebene ab und wurden nicht die Massen erreicht, geschweige denn die Jugend. Doch nun waren es die Popmusiker selbst, die über die drei Elemente Crowleys, Popmusik, Sex und Drogen, diese Dinge hier einführten, und leider sind Millionen von Menschen dieser Bewegung zum Opfer gefallen. Die Drogen waren in den sechziger Jahren eine Ideologie. Sie spielten eine Zwischenrolle. Sie bereiteten die Jugend auf mystische Erfahrungen vor. Doch viele von ihnen entdeckten, dass es viel einfachere, leichtere und „gesündere" Methoden der Trance und der okkulten Erfahrungen gab, nämlich dieöstliche Mystik. Ein Beispiel (deren es viele gibt): Timothy Leary und Richard Alpert, zwei Psychologieprofessoren an der Harvard Universität, experimentierten in den fünfziger und sechziger Jahren eingehend mit LSD und empfahlen es als Mittel zu übernatürlichen, mystischen Erfahrungen. Sie selbst waren mit diesen Erfahrungen nicht völlig zufrieden und reisten nach Indien. Richard Al pert entwickelte sich dort zu einem Guru, kam als solcher nach Amerika zurück und rief dort eine eigene Guru-Bewegung ins Leben. Die Drogen waren in diesem satanischen Programm die Vorbereitung für die Aufnahme der östlichen Mystik. Jetzt, wo viele Geschmack an okkulten Erfahrungen bekommen haben, gehorchen Millionen junger Menschennun diesen Leuten, nicht nur in der Hare-KrishnaBewegung, sondern auch in der Hippie-Bewegung und in einer Bewegung, die weit gefährlicher ist, der Transzendentalen Meditation; und zwar ist sie deshalb weitaus gefährlicher, weil sie sich nicht so deutlich als eine Religion manifestiert. Der Maharishi Mahesh Yogi, der durch die Beatles hier eingeführt wurde, behauptete, dass die TM (Transzendentale Meditation) keine Religion, sondern eine Wissenschaft sei. Untersuchungen u.a. an der Stanford Universität haben bewiesen, dass die TM mit Wissenschaft absolut nichts zu tun hat. Soweit sie überhaupt positive Resultate hervorbringt (Ruhe, Erholung), so können diese ebenso gut durch aktive, gesunde Meditation erreicht werden. Im allgemeinen

sind die Folgen der TM negativ, und es ist eine Lüge, dass sie eine Wissenschaft und keine Religion sei. Jeder, der sich einmal mit der Einweihungszeremonie beschäftigt hat, stellt fest (wie ich das kürzlich noch in einem Interview mit einem bekannten Guru las, der von einem bekehrten TM-Jünger befragt wurde), dass diese Einweihungszeremonie in Wirklichkeit ein hinduistisches Verfahren ist: man nimmt Opfer mit, Früchte, weiße Tücher oder ähnliche Dinge und Blumen; sie werden dann dem Guru geopfert. Dann wird in Sanskrit (das nur wenige Menschen verstehen) zu den Götzen und dem Guru gebetet, und dadurch kommt man in diese Dämonie hinein, ohne dass die Menschen überhaupt eine Ahnung haben, was sie in Wirklichkeit tun. Durch diese schreckliche Lüge sind viele verfinstert worden. Wir müssen uns als Christen wirklich die Schuld daran geben, dass so viele Millionen Menschen, in deren Herzen Gott doch die Ewigkeit gelegt hat, sich nun diesen dämonischen Dingen zuwenden, um die Leere in ihren Herzen auszufüllen. Christentum und Bibel sind für sie bedeutungslos geworden. 6. Das neue Zeitalter – New Age Wie kommt es, dass heutzutage so viele Millionen von Menschen hier im Westen den verschiedenen Strömungen zum Opfer gefallen sind? Denken wir nur neben der Hare Krishna-Bewegung auch an die Transzendentale Meditation, an die Guru Maharaj-Strömung und jetzt an die Bhagwan-Sekte und vieles andere. Wie ist dies möglich? Was sind die Ursachen dieser Entwicklung? Wenn wir die Okkultisten selbst fragen, geben sie eine klare Antwort, die sich auf die Astrologie gründet, einen äußerst wichtigen Teilbereich des Okkultismus. Ihre Antwort ist, dass wir im Begriff stünden, in ein völlig neues Zeitalter einzutreten. Bekanntlich habe in den letzten zweitausend Jahren die Sonne am 21. März, dem Frühlingsbeginn, im Sternbild der Fische gestanden. Doch ungefähr in unserer Zeit, vielleicht etwas früher oder etwas später, beginne ein neues Zeitalter, nämlich das des Aquarius oder Wassermanns, d.h. also, dass die Sonne dann zum Frühlingsbeginn im Sternbild des Wassermanns steht. Nach Aussage der Okkultisten und Astrologen sei das Zeitalter des Wassermanns ein besonders wichtiger Zeitabschnitt. Die Zeit der Fische sei die christliche Zeit gewesen, denn der Fisch sei, wie die Okkultisten sagen, das Kennzeichen des Christentums. Die Jünger des Herrn Jesus waren Fischer, zuerst zum Teil in der wörtlichen Bedeutung und später Menschenfischer; auch sei der Fisch ein wichtiges Symbol bei den ersten Christen gewesen. Die christliche Zeit sei, nach Meinung der Okkultisten, eine finstere und tragische Zeit gewesen, eine Zeit von Kriegen, Unfrieden und Zerstörung, weil die Menschen nicht ihre wahren geistigen Fähigkeiten benutzt hätten, d.h. ihre paranormalen, okkulten Fähigkeiten. Sie seien mit ihren Fähigkeiten innerhalb der sichtbaren Welt geblieben und hätten keinen Gebrauch von den hohen Kräften gemacht, durch die Frieden und Gerechtigkeit auf dieser Erde hätten gegründet werden können. Das würde sich jetzt ändern, da die Menschheit im Begriff stehe, das Christentum abzuwerfen. In gewisser Hinsicht ist das auch so. Wir leben in dem nachchristlichen Zeitalter, in der Endzeit, oder, wir könnten auch sagen, in einer Übergangszeit. Es ist auch richtig, dass wir eine Zeit von Frieden und Gerechtigkeit vor uns haben, aber die wird völlig anders sein, als diese Okkultisten sich das vorstellen. Und vor dieser Zeit des Friedens und der Gerechtigkeit wird eine ungeheure Verführung in dem „nachchristlichen Abendland" stattfinden, wo Millionen Menschen, die aus christlichen Häusern stammen und christliche Vorfahren gehabt haben, sich dem Okkultismus öffnen und Zeichen und Wundern nachrennen werden. All das ist die Vorbereitung zur Annahme des Antichristen, der in Offenbarung 13,11-18 als das Tier aus der Erde beschrieben wird und der als der größte Magier dieser Zeit durch Zeichen und Wunder die Menschheit verführen wird. Er wird der Stifter einer Weltreligion sein, auf die sich sehr viele „Christen" schon heute vorberei ten. Und wenn dann der Herr Jesus wieder kommt, wird Er den Antichristen vernichten (vgl. 2.Thessalonicher 2,8) und danach ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit auf dieser Erde errichten, und zwar nicht durch Zei chen und Wunder, sondern durch Gericht, wie der Prophet Jesaja geweissagt hat: „Denn wenn deine

Gerichte die Erde treffen, so lernen Ge rechtigkeit die Bewohner des Erdkreises" (Je saja 26,9). Das ist ein völlig anderes Zukunfts bild als das der Okkultisten. 7. Wahrsagerei und Zauberei Ich habe bisher versucht, in der Darstellung dieser geschichtlichen Entwicklung nachzuweisen, womit wir es zu tun haben, und möchte nun noch auf einige Dinge besonders eingehen. Die Wahrsagerei kommt in zwei Hauptformen vor: erstens als Zeichendeuterei wie in der Astrologie und der Handlesekunde, zweitens als ein verändertes Bewusstseinsniveau. Auch das Pendeln ist eine Form dieser Wahrsagerei durch bestimmte okkulte Fähigkeiten. Ich habe schon von etlichen Christen gehört, die beunruhigt waren, dass sie solche Gaben besaßen, und viele von ihnen, die wirklich den Wunsch haben, mit dem Herrn zu leben, wollen diese „Gaben" nicht nutzen, weil sie deutlich spüren, dass es Gaben aus dem Bereich der Finsternis sind. Ungläubige bemerken diese Finsternis natürlich nicht, weil sie ja sowieso unter satanischer Macht stehen. Die zweite Hauptform der Wahrsagerei geschieht also aufgrund eines veränderten Bewusstseinsniveaus, wie wir das z.B. bei Kristallsehern finden. Auch da gibt es natürlich wieder viele Formen, und eine wichtige Form ist der Spiritismus, der, wie wir in 5. Mose 18 gelesen haben, für Gott ein Greuel ist. Der Spiritismus als Bewegung entstand im vergangenen Jahrhundert, und man rechnet heute mit vierhundert Millionen Anhängern, und zwar in den verschiedensten Religionen. Das sind ungeheure Menschenmassen. Im Spiritismus befragen Menschen die Toten, wie sie meinen. In Wirklichkeit steckenhinter den Medien dämonische Mächte , die sehr gut imitieren und auch sehr gut Auskünfte über die Verstorbenen geben können. Auf diese Weise werden Menschen ganz massiv betrogen und geraten unter dämonische Einflüsse. Es ist unmöglich, an solchen spiritistischen Sitzungen teilzunehmen, ohne selbst unter dämonische Einflüsse zu geraten. Das wird in der Seelsorge immer wieder deutlich. In solchen Sitzungen findet man dieselben Phänomene wie bei katholischen Heiligen und den Mönchen in Tibet, die anfingen zu schweben. Von dem berühmten Medium Daniel D.Home wird berichtet, dass er im dritten Stockwerk aus einem offenen Fenster schwebte und durch das danebenliegende Fenster wieder hereinkam. Es handelt sich dabei immer um dieselben Erscheinungen. Darum ist es so sonderbar, dass die Menschen nicht erkennen, um was für eine Kraft es sich handelt. Satan gebraucht nur immer etwas andere Formen, um auf andere Weise Menschen irrezuführen. Wir begegnen dieser Dämonie bereits vor dem Mittelalter oder sogar noch früher, auch in der katholischen Kirche selbst. Ich betone nochmals ausdrücklich, dass ich davon überzeugt bin, dass es in der katholischen Kirche wiedergeborene Christen gibt. Das steht außer Frage. Aber es gibt in der Geschichte dieser Kirche, außer den mystischen Heiligen, so viele okkulte Erscheinungen, dass wir nicht erstaunt zu sein brauchen, wenn solche, die aus dem Katholizismus zum Glauben kommen, häufig noch sehr viel Finsternis in sich tragen, wovon sie befreit werden müssen. Eine der Ursachen ist, dass sie zu den Heiligen gebetet haben, undhinter diesen Heiligen stehen dämonische Mächte, die dadurch, dass sie Menschen helfen, Anrechte an sie bekommen. Auf das Vorhandensein dämonischer Mächte hinter diesen katholischen Heiligen lassen sich viele Phänomene zurückführen, wie z.B. auch Marienerscheinungen (die nichts anderes sind als spiritistische Visionen) und Materialisationen. Denken wir auch an Therese Neumann, die an jedem Karfreitag die Wunden des Herrn an ihrem Körper aufwies und stark aus der Seite und an den Händen und Füssen blutete. Das sind schreckliche Dinge, die ich nur ungern erwähne. Tausende Menschen, die an jedem Karfreitag an ihr vorüberzogen, gerieten so in Finsternis, indem sie durch solche Zeichen und Wunder stark beeindruckt wurden. Zauberei Ein weiterer umfangreicher Bereich ist die Magie. Bei der schwarzen Magie handelt es sich um

Zauberkraft, die andere töten oder ihnen Schaden zufügen kann. Sie ist für Christen vielleicht weniger eine Gefahr als die sogenannte weiße Magie. Das ist Zauberkraft, die angewandt wird, um Menschen zu heilen. Die alten Schamanen in Sibirien und Nordamerika haben sich ihrer schon seit Jahrhunderten bedient. Wir finden sie ebenfalls in Afrika wieder in den sogenannten primitiven Ländern, auch in Verbindung mit dem Götzendienst. Doch auch im Westen werden die Heilverfahren der weißen Magie immer populärer; denken wir nur an die „Streicher" (Magnetismus), die seit dem vergangenen Jahrhundert bekannt geworden sind, wovon es zu meinem Bedauern nicht wenige auch in der Schweiz gibt. Wie viele Christen gibt es - man schämt sich, das sagen zu müssen -, die zu solchen Streichern gegangen sind, um von ihnen Heilung zu empfangen. Viele meinten, dass das etwas völlig Harmloses sei, doch mussten sie einen hohen Preis für ihre Genesung bezahlen, nämlich indem sie dämonischen Mächten Anrechte an sich selbst gaben und sich ihnen dadurch auslieferten. Hexerei Wo das Christentum in unserem nachchristli chen Zeitalter aufgegeben wird, ist erstens räumlich eine Hinwendung zum Osten und zweitens zeitlich eine Hinwendung zur Vergangenheit festzustellen. Welch eine Verzweiflung muss die Menschen er griffen haben, die zu den alten, heidnischen Re ligionen zurückkehren, die vor der Zeit des Christentums hier im Abendland ausgeübt wur den. Beispielsweise wurde bei Stonehenge in England der keltische Götzendienst wiederein geführt. Eigentlich hat diese Religion unter der Oberfläche immer in der Hexenbewegung fort bestanden, wenn auch viel Falsches über diese Bewegung verbreitet worden ist und häufig un schuldige Menschen umgebracht wurden. Trotzdem hat es immer wahre Hexen gegeben, auch breitet sich heutzutage diese Bewegung, besonders in den englischsprechenden Ländern, wieder stark aus. Zeitlich wendet man sich also zu den Götzendiensten zurück, die früher hier im Abendland geherrscht haben. 8. Charismatischer Okkultismus Aber das Schlimmste ist, und das ist wohl der größte Trick des Teufels, dass es ihm gelungen ist, eine Burg inmitten des evangelischen Christentums zu errichten. Eigentlich hätten wir das aus der Bibel schon wissen müssen. Wir lesen im Neuen Testament, dass es zu Beginn des christlichen Zeitalters Zeichen und Wunder gab. Es waren Zeichen und Wunder der Apostel, wie wir deutlich in 2.Korinther 12,12 lesen: „Die Zeichen des Apostels sind ja unter euch vollbracht worden in allem Ausharren, in Zeichen und Wundern und mächtigen Taten", und das finden wir auch in Markus 16,17.18 bestätigt: „Diese Zeichen aber werden denen folgen, welche glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, so wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden." Es war also eine Verheißung für die Apostel und für solche, die durch sie zum Glauben kommen würden. Aus Hebräer 2 wissen wir auch, dass der Herr Jesus den Dienst der Apostel durch diese Zeichen bestätigte, „indem Gott außerdem mitzeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und mancherlei Wunderwerke und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen" (V. 4). Zeichen und Wunder waren also Merkmale der apostolischen Zeit. Doch das Neue Testament erwähnt in 2.Thessalonicher 2, 9 -10 noch einmal Zeichen und Wunder, und zwar für die Endzeit, das Ende des christlichen Zeitalters. Dort spricht der Apostel Paulus davon, dass in den letzten Tagen inmitten des Christentums ein großer Abfall stattfinden würde unter der Leitung des Antichristen, der durch Macht und Zeichen und Wunder der Lüge viele christliche Bekenner verführen würde. Wir finden also hier dieselben Ausdrücke wieder: Zeichen und Wunder. Es sind ähnliche Phänomene wie zu Beginn des christlichen Zeitalters, aber jetzt (nach 2.Thess.2) aus dämonischen Quellen. Wir hätten Grund, erstaunt zu sein, wenn wir inmitten des biblischen Christentums diese riesige Bewegung nicht finden würden, die begleitet ist von diesen Zeichen und Wundern aus der Quelle Satans.

Bei dieser Bewegung hier im Westen kann man zwei Phasen unterscheiden. Die erste Phase begann Anfang dieses Jahrhunderts in der Pfingstbewegung, wodurch außerhalb der bestehenden Kirchen viele Pfingstgemeinden entstanden. Weitaus bedeutsamer ist aber die zweite Phase, die in den sechziger Jahren ausgelöst wurde durch einen gewissen Bennett, nachdem er die sogenannte „Taufe mit dem Heiligen Geist" empfangen hatte. Schon die Beschreibung dieser Taufe macht deutlich, welche Kräfte am Werk waren. Als er nach Empfang dieser vermeintlichen „Taufe mit dem Heiligen Geist" nach Hause kam, berührte er die Haustürklinke, und er beschreibt, dass dadurch unmittelbar ein Strom durch das ganze Haus gegangen sei, der seine Frau geweckt habe. Das hat natürlich mit den Zeichen zu Beginn des Christentums nichts zu tun.Es sind genau dieselben Kräfte, wie wir sie im Spiritismus und Okkultismus finden. Solche Erscheinungen sind altbekannt, sie haben absolut nichts mit dem Neuen Testament zu tun. Und solche Leute wie Bennett waren die großen Führer dieser sogenannten charismatischen Bewegung. Ich bin davon überzeugt, dass sich hierin auch viele wiedergeborene Christen befinden, aber der größte Teil von ihnen wurde verführt. Wir erheben unsere Stimme auch nicht gegen diese Menschen sondern gegen ihre Irrlehren; dazwischen müssen wir immer einen scharfen Unterschied machen. Als dann diese Bewegung auch die römisch-katholische Kirche erfasste, u. a. durch Bücher von David Wilkerson und die Bemühungen von David du Plessis, spielte das Evangelium gar keine große Rolle mehr. Tausende Katholiken empfingen diese sogenannte „Taufe mit dem Heiligen Geist", ohne etwas von dem Evangelium und dem Blut des Herrn Jesus Christus gehört zu haben, ohne dass sie also Busse über ihre Sünden getan hatten und ohne wiedergeboren zu sein. Durch die „Taufe mit dem Heiligen Geist" fingen sie an,in Zungen zu reden, und verloren die Kontrolle über sich selbst. Mächtige ekstatische Bewegungen entstanden. Die ökumenische Bewegung ist in gewisser Hinsicht überholt. Das war eine Bewegung, in der Institutionen sich zusammenschließen wollten und sich bemühten, Glaubensbekenntnisse aufeinander abzustimmen. Diese Zeit ist vorüber. Man ist nicht mehr an Glaubensbekenntnissen interessiert. Die Menschen finden einander sowieso außerhalb der Kirche. David du Plessis, der früher als evangelischer Schriftsteller bekannt war, sagt heute, dass er nicht mehr wisse, ob er evangelisch oder katholisch sei. Für Menschen, die die „Taufe mit dem Heiligen Geist" empfangen haben, ist das einerlei. Sie kommen aus den verschiedensten Bekenntnissen und finden einander durch die Zeichen und Wunder. Sie werden so davon beeindruckt und erleben eine geistige Gemeinschaft miteinander, dass sie von nichts anderem mehr etwas wissen wollen. Ich glaube, dass dies insbesondere die Vorbereitung für die mächtige Weltreligion des Antichristen ist. Der Antichrist wird durch diese magischen Zeichen und Wunder sowohl Christen als auch Juden verführen (Offenbarung 13,13.14; 1. Johannes 2,22), und ich habe den Eindruck, dass er auch die okkulten Kräfte im Islam mobilisieren wird, so dass wirklich eine massive Weltreligion zustande kommt. Der bekannte Prediger der Pfingstbewegung, William Branham, war von vielen solchen okkulten Phänomenen gekennzeichnet. Man hat ihn photographiert, als er während einer Predigt einen Strahlenkranz um den Kopf hatte. Solche „Heiligenscheine" sind uns bereits von katholischen Heiligen bekannt. Er selbst hielt diesen „Heiligenschein" für ein wunderbares Zeichen seiner göttlichen Berufung. In Wirklichkeit ist er eine okkulte Erscheinung, die wir aus anderen okkulten Strömungen kennen, und wir brauchen uns über ihr Auftreten bei Menschen wie Branham nicht zu wundern. 9. Die Folgen okkulter Betätigung Die Beobachtung der Seelsorge erhärtet die Tatsache, daß okkulte Betätigung das christliche Glaubensleben schwer schädigt. Der Glaube an Buddha oder an Mohammed oder an sonst eine

religionsgeschichtliche Größe wird durch okkulte Praktiken nicht beeinträchtigt. Auch das läßt Hintergründe erkennen. Der Okkultismus macht immun gegen das Pneuma, das heißt, er stumpft ab gegen die Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Das darf nicht falsch verstanden werden. Das allgemein religiöse Leben schädigt er nicht, im Gegenteil, der Okkultismus ist ja selbst zum großen Teil eine "religiöse" Bewegung. Ganz grob gesagt heißt das: der Teufel nimmt uns nicht unsere "Religiosität", aber er will unter allen Umständen verhindern, daß wir Jünger Jesu werden. Die Jüngerschaft Jesu und eine Wiedergeburt durch den Heiligen Geist ist aber etwas total anderes als Religiosität Die weitere Beobachtung der Seelsorge zeigt, daß in enorm vielen Fällen sich aus der okkulten Betätigung seelische Störungen entwickeln. Wir halten an allen diesen Stellen fest, daß der Okkultismus sowohl in wissenschaftlicher als auch in primitiver Form unter dem Gericht Gottes steht. Gott hat sie dahingegeben. Das ist der letzte Grund, warum bei den vielen Formen okkulter Betätigung so viele schwere Schädigungen an Leib und Seele auftreten. Es sollen diese Folgen einmal kurz zusammengefaßt werden. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, daß die Zusammenstellung der Folgen nur die Angabe von Häufigkeitserscheinungen darstellen. Es handelt sich nicht um eine einfache Kausalität (Ursächlichkeit). Es zeigen sich bei okkult behafteten Menschen in großer Häufigkeit: In religiöser Hinsicht beim atheistischen Typ Widerstand gegen alles Göttliche, Verstockung, Zweifelsucht, Lästersucht, Unfähigkeit zum Glauben und Beten. Beim “frommen” Typ zeigen sich Selbstgerechtigkeit, geistlicher Hochmut, Pharisäismus, Heuchelei, Unempfindlichkeit gegen das Wirken des Heiligen Geistes. In charakterlicher Hinsicht finden sich abnormale Leidenschaftlichkeit, Hang zu Süchten, Haltlosigkeit (Nikotin, Alkohol, sexuelle Entgleisungen), Jähzorn, Geiz, Klatschsucht, Egoismus, Fluchgeist usw. In medizinischer Hinsicht finden sich in okkultbelasteten Familien in merkwürdiger Häufung nervöse Störungen, psychopathische und hysterische Erscheinungsbilder, Veitstanz, Lähmungserscheinungen, Fallsucht, Mißgeburten, Taubstummheit, mediumistische Psychosen, Neigung zu Gemüts- und Geisteskrankheiten usw. 10. Die Befreiung aus okkulter Belastung Eine Befreiung aus dem Banne des Okkultismus ist nur durch Christus möglich. Jede medizinische oder psychologische Hilfe wird dem geistlichen Charakter dieses Phänomens nicht gerecht. Durch die Tat Christi am Kreuz und am Ostermorgen ist die Seelsorge an okkult Belasteten eine sieghafte Seelsorge ohne Furcht. Satan und alle seine Trabanten sind ein geschlagenes Heer. Alle okkulten Mächte sind durch Jesus entmächtigt. Das ist der Triumphgesang des Neuen Testaments: "Christus hat die Fürstentümer und die Gewalten völlig entwaffnet und hat sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst" (Kol. 2,15). Was die alttestamentliche Gemeinde sang: "Die Rechte des Herrn behält den Sieg" (Psalm 118,15), erfüllte sich in Christus. Der Apostel Paulus jubiliert: "Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesus Christus" (1. Kor. 15, 57). Die Erlösung und der Sieg Jesu ist der Hintergrund einer hoffnungsvollen Seelsorge und Hilfe für den okkult Gebannten. Im einzelnen muß bei dieser seelsorgerlichen Beratung auf folgende Punkte geachtet werden: Der erste Schritt ist die Wiedergeburt, ein wahrhaftiger Glaube an den Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Gott in diese Welt gesandt hat, damit Er die Sünden derer trüge, die an Ihn glauben würden. Sündenbekenntnis und Annahme des Herrn Jesus als Erlöser sind also das erste. Wer diesen ersten Schritt getan hat, wird Ihm dann sein Leben völlig anvertrauen und Ihm geweiht leben. Ohne diese Voraussetzung gibt es keine Befreiung und werden Sie auch niemals

Ihre wirklichen okkulten Probleme sehen. Zweitens ist es absolut notwendig, ein geheiligtes, persönliches Glaubensleben zu führen. Andernfalls wird der Teufel immer wieder neue Anrechte an uns geltend machen. Durch Unterweisung aus der Schrift über diese Dinge oder auch durch die Hilfe eines Seelsorgers werden Sie sehen, welche Anrechte der Teufel möglicherweise in der Vergangenheit an Ihnen bekommen hat durch spiritistische und okkultistische Verbindungen, ob nun im Zusammenhang mit der charismatischen Bewegung, durch Zungengeister oder was auch immer. Aus der Seelsorge wissen wir, wie äußerst schwierig es häufig ist, dass Leute von diesen Zungengeistern befreit werden, wenn sie einmal durch Handauflegung unter diese Einflüsse gekommen sind. Jemand kann daher nur davon befreit werden, indem er aus der Schrift darüber aufgeklärt wird und wirklichfrei werden will. Man muss dazu kommen, persönlich vor Gott die Sünden, die in dieser Hinsicht in der Vergangenheit begangen worden sind, zu bekennen. Jede Verbindung mit dem Okkultismus, auch mit okkulten Heilverfahren, muss unter aufrichtiger Demütigung als Sünde bekannt werden. Satan wird alle Macht aufwenden, Menschen daran zu hindern, sich durch Gebet und Fasten über solche Verbindungen zu demütigen. Doch nur, wer solche Anrechte des Feindes zerbricht und sich deutlich davon lossagt und sich völlig dem Herrn Jesus Christus ergeben und sich Ihm weihen möchte, kann befreit werden. Für solche gibt es Hoffnung und auch die Hilfe biblischer Seelsorger, weil Menschen, die tief in dieser Finsternis gefangen waren, auch seelsorgerliche Hilfe brauchen. - Der bekannte Seelsorger Pfarrer Dr. Kurt Koch hat seine Erfahrungen diesbezüglich so formuliert: a) Wer frei werden will, muß sich rückhaltslos Jesus ausliefern. Hier gibt es keine Zwischenlösung und halbe Entscheidungen. Man kann nicht zwei Herren dienen. b) In fast allen Fällen zeigt sich, daß der Belastete ohne eine Generalbeichte nicht durchkommt. Die Beichte ist sonst im Neuen Testament eine freiwillige Sache. Ich erlebte es aber bei weit über tausend okkulten Fällen noch nicht, daß einer ohne gründliche seelsorgerliche Aussprache frei wurde. Jakobus mußte ja wohl seine Erfahrungen gemacht haben, weil er riet: "Bekenne einer dem andern seine Sünden!" (Jak. 5,16). c) Es gibt schwierige Sonderfälle, bei denen ein Lossagegebet erforderlich ist. Okkulte Betätigung ist ja immer ein oft unbewußter Vertragsschluß mit der Finsternis. Dieser Vertrag wird in Gegenwart des Seelsorgers, der an dieser Stelle Zeuge ist, durch das Lossagegebet gekündigt. Diese Kündigung ist einmalig. Sie wird nicht wiederholt. Dieses Lossagen kann etwa in die Worte gefaßt werden: "Im Namen Jesu Christi sage ich mich von dir, Satan, los und verschreibe mich Jesus als meinem Herrn." - Auf den Wortlaut kommt es natürlich nicht an. In der Seelsorge gibt es keine magischen Formeln. d) Unter Umständen kommt von seiten des Seelsorgers auch das Gebieten im Namen Jesu in Frage. Es ist aber meistens große Sachkenntnis und die Gabe der Geisterunterscheidung nötig, daß hier mit dem Gebieten kein Unfug getrieben wird. Es wäre verfehlt, bei einem Gemütskranken oder Geisteskranken, also bei einem medizinischen Sachverhalt, zu gebieten. Hier können in der Seelsorge verhängnisvolle Fehler gemacht werden. Lieber große Zurückhaltung üben als in unklaren Fällen zu gebieten. Wer gebietet, muß ein Jünger Jesu sein und sich im Glauben bewußt unter den Schutz Jesu stellen. Es kann ihm sonst passieren, daß er schwere Anfechtungen erlebt. Bei okkult Belasteten wird im allgemeinen nicht unter Handauflegung gebetet. Jesus hat nur Kranken die Hände aufgelegt, bei Besessenen hat er geboten. e) Der Befreite muß fleißig die Gnadenmittel gebrauchen: Wort Gottes, Gemeinschaft der Gläubigen, Brotbrechen, Gebet (Apg. 2,42). Wenn Anfechtungen nach der seelsorgerlichen Betreuung wiederkommen, muß der Befreite sich täglich und stündlich unter den Schutz des Blutes Jesu stellen. Das ist keine gefühlsselige Blutsmystik, sondern biblische Realität. Mit

Gefühlsduselei läßt sich kein Kampf gegen die Finsternis führen. Lassen die Anfechtungen nicht nach, dann darf der Befreite selbst auch im Namen Jesu gebieten. Das Gebieten von Weltleuten ist völlig sinnlos, unter Umständen sogar gefährlich, wie z.B. Apg. 19,13 zeigt. Das Gebieten von Christen mit mangelnder Hingabe an Jesus hat keine Kraft. Da die vertriebenen Geister und Mächte gern in ihre alte Behausung zurückkehren (Luk. 11,24-26), muß der Befreite wachsam sein. Zur Abwehr ist die geistliche Waffenrüstung (Eph. 6,10-18) erforderlich. Die wichtigste Waffe ist der Schild des Glaubens und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. f) Es gibt schwierige Fälle, bei denen die Seelsorge nicht sofort zu einer ganzen Befreiung führt. Es gibt da zwei Möglichkeiten besonderer Hilfe. Meistens muß ein kleiner Gebetskreis von zwei oder drei Gläubigen gebildet werden, die wöchentlich mindestens zweimal zum Gebet und zur Fürbitte zusammenkommen. Der Belastete wird in diesen Kreis hineingenommen. Die Fürbitte wird solange fortgesetzt, bis eine Befreiung eintritt. Ein kleiner Gebetskreis hat eine größere geistliche Vollmacht als der Einzelseelsorger. Ihm gilt die Verheißung: "Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, daß sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel" (Mt. 18,19. g) Es muß beachtet werden, daß bei psychiatrischen Krankheitssymptomen auch der Facharzt zu Rate gezogen wird. Der Seelsorger auf diesem Gebiet darf nicht zum psychiatrischen Kurpfuscher werden. Diese Darstellung der Gefahren des Okkultismus soll ausklingen mit der Frohbotschaft: das Evangelium ist die große Siegesnachricht vom erfolgreichsten Kampf der Weltgeschichte. Das Kreuz von Golgatha ist das große Mahnmal des Sieges und der Befreiung von allen Mächten der Finsternis. Wer zum Kreuz kommt, hat teil an diesem Sieg Jesu Christi. Dr. Willem J. Ouweneel ist Holländer, Jahrgang 1944. Er studierte Biologie an der Reichsuniversität Utrecht und promovierte 1970 über eine These auf dem Gebiet der Entwicklungsbiologie und Ver erbungslehre. Bis Ende 1976 war er bei der Königl. Niederl. Akade mie der Wissenschaften für Forschungsarbeiten angestellt. Der Autor hat sich darüber hinaus intensiv mit der Bibel beschäftigt. Naturwissenschaftliche und biblische Vorträge sowie seine Ver öffentlichungen auf beiden Gebieten machten ihn im In- und Aus land bekannt. Über seine naturwissenschaftlichen Ergebnisse liegen 20 Veröffentlichungen vor. Zu seinen Hauptthemen gehören Evo lutionslehre, Okkultismus und Apologetik. Dr. Ouweneel doziert Philosophie an der Evangelischen Hochschule Amersfoort und ist Hauptredakteur der Zeitschrift „Bijbel en Wetenschap" (Bibel und Wissenschaft).

Weitere Veröffentlichungen von Dr. Ouweneel bei info@horst-koch.de -Dr. Peter Beyerhaus

Die okkulte Welle

Seit einigen Jahren bemerke ich in akademischen Kreisen einen geistigen Umbruch ohnegleichen. Viele, die zuvor jeden Glauben an eine übersinnliche Welt geleugnet haben, erfaßt eine ungewöhnliche Veränderung. Gleichgültige, Spötter und solche, die sich bisher voller Stolz

an das gehalten hatten, was sie mit ihren fünf Sinnen feststellen konnten, beschäftigen sich jetzt plötzlich mit Fragen des Übersinnlichen. Ein Zeitalter ist offensichtlich zu Ende gegangen: jene Zeit, da man sich ganz allein auf das verlassen hat, was durch die Vernunft zugänglich war. Nun beschäftigt man sich eifrig mit der Erforschung der menschlichen Seele, mit der Parapsychologie, mit mystischer Philosophie und den Religionen des Ostens. Alle möglichen Erscheinungen des Okkulten rücken mit einem Male neu in den Mittelpunkt des Interesses. Dieser Okkultismus begegnet uns mit ganz unterschiedlichen Gesichtern. Doch ordnet sich seine chaotische Mannigfaltigkeit schnell zu einem Ganzen, wenn man erkennt, daß wir es überall mit einem jähen Einbruch außersinnlicher Kräfte in den Bereich menschlicher Erfahrung zu tun haben. Hier gibt es keine Alters- oder Bildungsgruppe, die grundsätzlich eine Ausnahme darstellte. Die okkulte Welle macht weder vor dem nobelpreisgekrönten Physiker halt, der durch Transzendentale Meditation seinen Körper zum Schweben bringt (C.F. von Weizsäcker) noch vor katholischen Klöstern oder evangelischen Pfarrhäusern, auch wenn einige der Betroffenen gegen den Begriff okkult protestieren würden. Ebenso überraschend ist das Ausmaß dieser Bewegung. In England schwoll die Zahl neuer Bücher, die sich mit den Themen Zauberei, Magie und Okkultismus beschäftigten, von nur 5 im Jahre 1966 auf 500 im Jahre 1972 an! Was hier vor sich geht, ist schon rein geistesgeschichtlich von größter Beachtlichkeit. Leider steht aber unsere Generation diesem Einbruch des Jenseitigen geistlich weitgehend urteilslos gegenüber. Was dringend not tut, ist sachliche, theologische und seelsorgerliche Orientierung. Ich möchte deswegen in diesem Beitrag auf drei Fragen antworten: 1. Wie zeigt sich die okkulte Welle? 2. Wie erklärt die Bibel solche okkulte Welle? 3. Wie begegnen Jünger Jesu dieser okkulten Welle?

1. Wie zeigt sich die okkulte Welle? Wir wollen zunächst in grober Skizzierung auf fünf Richtungen eingehen, von denen der Sturm kommt: A. Der primitive Okkultismus von Magie und Mantik Hier handelt es sich meist um Praktiken, die als sogenannter Aberglaube im Untergrund seit heidnischer Vorzeit weiter betrieben worden sind. Durch die Kämpfe Blumhardts in Möttlingen wurde bekannt, wie tief ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung noch im Bann von Wahrsagerei und Zauberei stecken. Männer wie Kurt Koch haben später enthüllt, daß es in den Großstädten kaum anders aussieht. In Metropolen wie Hamburg und Frankfurt gibt es mehr Kartenlegerinnen und magische Heilpraktiker als Geistliche in allen Kirchen zusammen. Neu ist aber die Tatsache, daß dieser dunkle Bereich heute immer offener an die Oberfläche tritt. Eine wachsende Literatur gibt jedermann offen Auskunft über Gebiete, die bisher nur den Eingeweihten vorbehalten waren. Bestimmte Zeitungen und Illustrierte könnten sich ohne das regelmäßige Horoskop nicht mehr halten, denn viele ihrer Leser tun keinen Schritt, ohne ihren astrologischen Ratgeber zu befragen. B. Der Flug in die Ekstase Sehr viel unmittelbarer in die Welt des Außersinnlichen führt der geheimnisvolle Höhenflug aus der Enge verstandesmäßigen Bewußtseins in die Ekstase. Leicht erreichbare Hilfe dazu bieten bestimmte Formen von Musik - insbesondere die harten Rhythmen von Beat und Rock - aber auch die sogenannte psychodelische Musik. Sie setzt die kritische Vernunft außer Funktion, spricht den Menschen nicht nur bewußt auf seinen Sexualtrieb

an, sondern bricht zugleich die unbewußten Tiefenschichten seiner Seele auf. So versetzt sie ihn, am liebsten in Gemeinschaft mit anderen, in ein rauschhaftes Außersichsein. Wo aber landet er dabei? Die Rolling Stones haben es verraten, wenn sie eine ihrer Kompositionen „Sympathie für den Teufel" genannt haben. Zu ihren Klängen ermordeten in San Francisco die von ihnen als Wächter bestellten „Hell's Angels" einen Menschen! Ein noch unheilvollerer Weg in die Ekstase ist der Genuß von Rauschgift. Die Drogen führen keineswegs nur in eine Scheinwelt von Träumen und Wahnvorstellungen. Vielmehr eröffnen sie dem menschlichen Geiste den Ausbruch in ihm bisher verschlossene außersinnliche Wirklichkeitsbereiche. Jemand beschrieb mir seine Erfahrung mit LSD wie folgt: Ich habe durch mein Fleisch meine Knochen und die Wand hindurch das benachbarte Zimmer gesehen. Ich schwebte wie ein Feuerball, ein Kugelblitz, ein Bündel Energie in einem energiegeladenen All. Was konnte, so müssen wir fragen, einen großen Teil unserer westlichen Jugend, Kinder aus bestsituierten Familien, auf diesen verhängnisvollen Weg bringen? Oft antworten sie so: Wir hatten die ganze materialistisch technisierte Wohlstandsgesellschaft satt. Weder Eltern noch Kirche vermochten es mehr, uns einen echten Lebenssinn zu vermitteln. Auch der politische Radikalismus brachte keinen Ausweg. Da drängte es uns, die unerforschten Kräfte unseres Inneren zu erschließen und das Tor zur außersinnlichen Wirklichkeit aufzustoßen.Einflußreiche Kulturphilosophen wie Aldous Huxley, Herbert Marcuse und sogar Ernst Jünger haben auf diesen Weg hingewiesen! C. Der Spiritismus Einen dritten Rutsch ins Okkulte bietet der Spiritismus an. Spiritisten suchen über sogenannte Medien Verbindung mit den Geistern der Toten, um Botschaften aus dem Jenseits zu bekommen, ihre verstorbenen Angehörigen wiederzusehen oder nervenkitzelnde Erlebnisse zu haben wie das Bewegen von Gegenständen durch Geisterhand. Die Möglichkeit solcher Wirkungen ist nicht zu bezweifeln, wohl aber, daß es die Toten sind, die sich hier regen. In jeder europäischen Großstadt schießen hunderte von spiritistischen Zirkeln aus der Erde. Im wesentlichen entfaltet sich der Spiritismus heute aber wieder als eine religiöse Bewegung. In ihr vermischen sich jetzt heidnischer Geister- und Ahnenkult mit christlichen Geistesvorstellungen. In Brasilien haben Macumba und Kardec-Spiritismus zusammen schon 40 Millionen Anhänger. Aber auch England hat über 100 spiritistische Kirchen... Der als Spiritist elend umgekommene amerikanische Bischof Pike beweist, wie heute selbst führende Christen das strenge biblische Verbot, die Toten zu befragen (5. Mose 18,11; Jes. 8,19; 1. Sam. 28 und 31), mißachten. In seinem Buch „Glaube, Geist, Geister" tritt der bekannte ökumenische Theologe Walter Hollenweger gar dafür ein, Spiritismus, Parapsychologie, Gruppendynamik, Charismatische Bewegung und biblischen Geistesempfang als Ausdruck unserer gleichen seelischen Grundausrüstung zu verstehen". Entscheidend sei nur, ob man sie gemeinschaftsfördernd oder schädigend einsetze! D. Die Parapsychologie Eine vierte okkulte Richtung auf scheinbar wesentlich höherer Ebene bildet die eben erwähnte Parapsychologie. Sie will - manchmal unter dem Codewort „Faktor Psi" - wissenschaftlich experimentell jene Grenzbereiche menschlicher Seelenkräfte erforschen, die man volkstümlich bisher als Hellseherei und Spuk bezeichnete. Das klingt recht seriös, und so erstaunt es nicht, daß mehrere Universitäten Lehrstühle und Institute für parapsychologische Forschungen eingerichtet haben . Wir dürfen hierbei aber nicht übersehen, daß auch die Parapsychologie bei ihrer Suche nach Experimentierpersonen angewiesen ist auf spiritistische Medien. Und es ist ebenfalls nachgewiesen, daß mediale Veranlagung niemals auftritt, ohne daß der Betreffende selbst oder ein Vorfahre sich okkult betätigten. Wir befinden uns also keineswegs auf weltanschaulich neutralem Boden.

Ebenso beunruhigend wie diese okkulten Grundlagen erscheinen mir aber die zukünftigen Anwendungsziele der Parapsychologie. Es fällt nämlich auf, daß sie heute invier wichtigen Zentren betrieben wird: 1. Das größte parapsychologische Forschungsinstitut befindet sich unglaublicherweise in Leningrad. Allen materialistischen Voraussetzungen der marxistischen Ideologie zum Trotz hat sich hier seit Stalins Tode ein ganzes Heer von Naturwissenschaftlern auf diesen Grenzbereich gestürzt. Wenn es nämlich wirklich gelänge, das menschliche Bewußtsein anzuzapfen oder sogar auf große Entfernung hin geheim zu beeinflussen, so ergäben sich daraus für die Spionage und künftige Kriegsführung erstaunliche Möglichkeiten! 2. Ein zweites Zentrum bildet Israel. Der bekannte jüdische Laientheologe Schalom Ben-Chorin hat unter Hinweis auf Beispiele wie Uri Geller berichtet, daß sein Volk auch auf diesem Gebiet führend sei. 3. Ein drittes Zentrum ist eine moderne Hochschule in dem kleinen westeuropäischen Staat Luxemburg . Hier soll von weltbekannten Wissenschaftlern die Führungselite der Europäischen Gemeinschaft in allen Zukunftswissenschaften ausgebildet werden, darunter entscheidend auch in Parapsychologie! 4. Sensationell erschien mir ein Artikel im illustrierten Organ des Genfer Weltkirchenrates „One World". Er berichtet zunächst über die Anwendung parapsychologischer Forschungen in England und Amerika, woran dort Kirchenführer aller Konfessionen beteiligt seien. Der Artikel schließt mit der herausfordernden Frage: Ist es jetzt nicht Zeit für das Chi Rho (die bekannte griechische Abkürzung des Christusnamens) des Christentums, das Psi der Parapsychologie erneut ernst zu nehmen? Kann der Weltkirchenrat dazu helfen, daß dies geschieht? Welche Perspektiven eröffnen sich hier für die Zukunft des Menschen? Die vier Mächte, die sich je in ihrer Weise politisch, ideologisch und religiös die Gestaltung der künftigen Weltgesellschaft vorgenommen haben, entdecken jetzt die dabei möglicherwiese entscheidende Bedeutung des Faktors Psi. Die okkulten Kräfte werden bewußt in den Dienst gestellt. Wer Ohren hat zu hören, der höre! E. Die neue religiöse Welle Als letzte Richtung außersinnlicher Erfahrung nennen wir die sogenannte religiöse Welle . Sie begegnet uns im wesentlichen in fünf Formen, ohne daß wir diese klar voneinander trennen könnten: 1. Vom Spiritismus in seiner religiösen Gestalt war soeben die Rede. 2. Zur neuen okkult-religiösen Welle müssen auch die schwarmgeistigen Bewegungen in der Christenheit gerechnet werden. Hier sucht eine spiritistisch-magische Religiosität scheinchristlich den biblischen Glauben zu ersetzen. 3. Die Jugendreligionen Einen eher sektiererischen Eindruck erwecken die sogenannten Jugendreligionen. Sie sind entweder hinduistisch oder vermischen synkretistisch christliches mit fremdreligiösem Gedankengut. Meist richten sie sich auf eine unter ihnen weilende Messiasgestalt aus und erhoffen von ihr das Heil der Welt. Das neue Handbuch religiöser Gemeinschaften zählt dazu die Hare Krishna-Gruppe, die Vereinigungskirche e.V. (Mun-Sekte), die Scientology-Kirche und die Kinder Gottes des falschen Messias David Berg. Wer in ihre Fänge gerät, der wird aus allen familiären Beziehungen herausgerissen, gerät in den Bannkreis utopischer Hoffnungen und okkulter Erfahrungen und verfällt oft auch krasser Unmoral.

4. Östliche Heilslehren Mit wesentlich seriöser erscheinendem Anspruch treten die im Hinduismus und Buddhismus verwurzelten Konzentrationstechniken von Yoga und Meditation auf. Sie versprechen dem vom naturwissenschaftlichen Rationalismus und Materialismus ausgedörrten Menschen neue spirituelle Erfahrung. Der in der Hektik seines westlich technisierten Lebensstils abgejagte, deprimierte und verkrampfte Zeitgenosse soll völlige körperliche und seelische Entspannung finden. Seine ungenutzten geistlichen Energien sollen ihm erschlossen und sein Bewußtsein sich ins kosmisch Grenzenlose ausweiten. Was geschieht aber wirklich? Auch hier wird der geistige Personenkern des Menschen künstlich aufgebrochen. Er macht in der Tat außersinnliche Erfahrungen, begegnet geistigen Wirklichkeiten jenseits seiner selbst und entfaltet wunderhafte Fähigkeiten, bis hin zum Schweben. Aber er gelangt dadurch keineswegs in die Lichtwelt Jesu Christi. Vielmehr gerät er in die Abhängigkeit der in den Religionen verehrten Mächte. So erleuchtend und emporhebend solche Erfahrung auch zunächst erscheinen mag: Es geht auch hier um nichts anderes als um dämonisches Erleben. Wir haben darüber warnende Erfahrungsberichte z.B. von Menschen, die sich der Transzendentalen Meditation hingegeben hatten. Ober der ständigen Wiederholung ihres Mantras, eines Zauberwortes, waren sie in den Bannkreis von Hindu-Gottheiten geraten, was zur geistlichen und seelischen Zerrüttung führte. 5. Die kommende Weltreligion Die religiöse Welle äußert sich schließlich in den Bestrebungen von namhaften Seiten, das Potential der verschiedenen Religionen und auch Ideologien neu zu erschließen. Man will sie verschmelzen zu einer „Gemeinschaft der Spiritualität“, die bei der Lösung der Menschheitsprobleme in einer kommenden Weltgemeinschaft eine Quelle der Kraft bilden soll. Hier nimmt der Genfer Weltkirchenrat eine führende Stellung ein. Er leitet auf seinen DialogTagungen Vertreter verschiedener Religionen dazu an, in einen geistlichen Austausch zu treten. Diese Bewegung geht insbesondere von indischen Theologen aus. Zu befürchten ist dabei aber, daß die Christenheit schließlich von der Geisterwelt der asiatischen Religionen und des westlichen Spiritismus überrollt wird.

II. Wie erklärt uns die Bibel eine solche okkulte Welle ? Es ist für uns heute unbedingt wichtig, auf den okkulten Bereich das helle Licht der biblischen Offenbarung fallen zu lassen. Sie erklärt uns zwar bewußt nicht die Einzelheiten der übersinnlichen Wirkungen; aber sie will uns lehren, die okkulten Strömungen im Zusammenhang des Heilsplanes Gottes zu verstehen. Was sich heute vor unseren Augen vollzieht, ist nichts geringeres als ein zielbewußter Einbruch der dämonischen Mächte in die Menschheit. Gott hat sie bisher gnädig voneinander getrennt dadurch, daß er die transzendentalen Wahrnehmungsorgane unseres Geistes durch die schützende Hülle der Leiblichkeit verschlossen hat. Auch hat er sowohl den Mächten (1. Mose 6, 1 - 6) als auch uns (5. Mose 18, 9 ff.) streng untersagt, direkte Verbindung miteinander aufzunehmen. Nun aber wird diese Schranke beiderseitig durchbrochen. Viele wachsame Bibelleser erblicken darin einen endgeschichtlichen Vorgang, obwohl wir nicht wissen, wie lange Zeit er zu seiner vollen Entfaltung brauchen wird. Wir können die biblische Geschichte des Reiches Gottes als ein Drama mit 7 Akten beschreiben: Jeder Akt besteht in einer zielgerichteten Heilstat Gottes, der (in den ersten 6 Akten) jeweils ein Gegenschlag des Bösen folgt. Dieser scheint den Heilsplan Gottes zwar zu durchkreuzen, läßt aber seinen schließlichen Triumph nur um so herrlicher aufleuchten. Der erste Akt vollzieht sich in der Vorgeschichte, von der die Bibel nur sehr andeutend redet (z.B.

Hiob 38, 4 - 7). Gott schuf Himmel und Erde in einem doppelten Bereich der uns sichtbaren Welt und der sie steuernden unsichtbaren Geistermächte (Psalm 82, 6). Unter Anführung des Fürsten unter Gottes Engeln kam es aber gegen die Schöpfer zu einem Uraufruhr (Hes. 28, 11 = 15; Jes. 14, 12 - 14). Er - Luzifer - riß einen Teil der Geistermächte mit sich (Judas 6) und brachte eine tiefgehende Störung in die ganze Schöpfung (Röm. 8, 19 - 22). Gott hält trotzdem an seinem ursprünglichen Plan fest, die Welt zum Schauplatz seiner Herrlichkeit zu machen. Darum erschuf er imzweiten Akt den Menschen (1. Mose 1, 27) nach seinem Bilde und bestimmte ihn dazu, mit ihm die Herrschaft über seine Schöpfung auszuüben (1. Mose 1, 28; Psalm 8, 7; 2. Tim. 2, 12; Hebr. 2, 5 - 8) und sogar dereinst die gefallenen Engel zu richten (1. Kor. 6, 3) ! Zuvor sollte der Mensch allerdings in demütigem Dienst seinen Gehorsam gegen Gott bewähren (Micha 6, 8) Diese Bestimmung sucht der Teufel zu vereiteln. Ihm gelingt die Verführung unseres ersten Elternpaares (1. Mose 3, 1 - 6). Dies ist sein erster dämonischer Einbruch in den menschlichen Lebensbereich, dem von nun an weitere folgen (1. Mose 6, 1 - 5). Durch die okkulten Kräfte der Religion und Magie, heute auch der Ideologien , verblendet er die Menschheit (2. Kor. 4, 3 - 4) und bringt sie unter seinen Einfluß. Gott aber beginnt im dritten Akt , d.h. in der alttestamentlichen Heilsgeschichte, damit, seine Schöpfung von ihrer satanischen Besetzung freizukämpfen. Israel wird durch Gottes Führung dem Machtbereich der heidnischen Götter entnommen (5. Mose 4, 19 - 20), durch strenge Einschärfung des ersten Gebotes von ihnen geschieden (5. Mose 6, 14 - 15) und in ein besonderes Vertrauens- und Dienstverhältnis zu Gott gestellt (2. Mose 19, 3 - 6).Israel bleibt seiner Berufung aber nicht treu, sondern verfällt dem dämonischen Götzendienst (2. Kön. 21, 5 6). Der Herr vollzieht darum an seinem Volk das Verwerfungsgericht (2. Kön. 23, 26 f.),rettet aber einen heiligen Rest hindurch (Jes. 6, 13). Als Durchbruch der neutestamentlichen Heilsgeschichte erscheint im vierten Akt der, in dem Gottes Plan zur Erfüllung kommen soll: Jesus Christus, von Ewigkeit wahrer Sohn Gottes, ist zugleich der von der Jungfrau Maria geborene wahre Mensch, der Gott bis zur völligen Selbsthingabe Gehorsam leistet (Phil. 2, 5 f) Sein Kreuzestod, die scheinbare Niederlage unter Satan, führt in Wahrheit zum Siege über den „Fürsten dieser Welt" (Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11). Darum wird Christus durch seine Auferstehung und Himmelfahrt in die Statthalterschaft Gottes über alle Mächte im Himmel, auf Erden und unter der Erde eingesetzt (Matth. 28, 19; Eph. 1, 20 f.; Hebr. 1, 6 ff.; Phil. 2, 10). Im fünften Akt setzt der erhöhte Christus durch seinen irdischen Leib (Eph. 1, 22 f.), d.h. durch die Mission seiner Kirche (Matth. 28, 19 - 20) die göttliche Wiederinbesitznahme der Erde fort. Dabei kommt es zu einer ständigen unsichtbaren Konfrontation zwischen der Gemeinde und den satanischen Geistern (Eph. 6, 10 f£). Denn sie wollen ja das von ihnen gehaltene Gebiet nicht preisgeben. Vor allem fürchten sie ihr endgültiges Strafurteil (Matth. 8, 29; 25, 41), das dann über sie ergehen wird, wenn die Vollzahl der Gemeinde Jesu aus allen Völkern versammelt sein wird (Offb. 12, 12). Wenn dies heilsgeschichtliche Ziel der Weltmission erreicht ist, wird das Ende kommen (Matth. 24, 14). Gerade dieser Ausblick veranlaßt den Teufel zu einer letzten Generalmobilmachung. Er entfesselt nun all seine übermenschlichen Kräfte, um nicht nur erneut die ganze Welt, sondern auch die Kirche seiner Herrschaft zu unterwerfen. Dabei spielen auch die okkulten Künste falscher Propheten eine fatale Rolle (Matth. 24, 24; Offb. 13, 11 ff.). Sie helfen mit ihren Zeichen und Wundern dazu, daß schließlich die Menschheit den Antichristen, das satanische Gegenbild Christi, anbeten wird (2.Thess. 2, 3 ff.; Offb. 13, 1 - 8). Diese letzte Machtentfaltung würde ihm allerdings nicht ohne eine ausdrückliche Zulassung Gottes (2. Thess. 2, 11) möglich werden. Warum aber läßt Gott den begonnenen großen Abfall und die kommende große Trübsal zu (Matth. 24, 10 - 22)? Sie sollen der letzten Sichtung (Luk. 22, 31) der auserwählten Gemeinde Jesu für ihren bevorstehenden höheren Auftrag dienen (2. Tim. 2, 12).

Gerade im rechten Augenblick, im sechsten Akt, wird Christus selbst mit seinen heiligen Engeln vom Himmel her erscheinen (Mark. 8, 38) und den Antichristen durch den Hauch seines Mundes töten (2. Thess. 2, 8). Dann wird der Teufel nach seinem letzten Aufruhr seiner ewigen Höllenstrafe übergeben werden (Offb. 20, 7 - 10). Das aber ist nur der dunkle Hintergrund für den siebenten Akt: Gott wird an die Stelle der ersten Schöpfung den neuen Himmel und die neue Erde setzen (Offb. 21, 1 - 5). Wenn Christus so alle gottfeindlichen Gewalten zunichte gemacht haben wird, dann wird Gott sein alles in allem (1. Kor. 15, 24 - 28). Wenn diese sehr vereinfachte dramatische Darstellung dem biblischen Heilsplan Gottes entspricht, so können wir auch die okkulte Welle deuten; wir verstehen sie als die Eröffnung jener letzten Schlacht, die Satan vor Christi Wiederkunft gegen seine irdische Gemeinde entfesseln wird. Es leuchtet nicht nur unmittelbar ein, sondern wird vom prophetischen Wort der Schrift ausdrücklich bestätigt, daß die Gegenangriffe des bisherigen Fürsten dieser Welt in dem Maße heftiger werden, wie sich der Heilsplan Gottes seiner Vollendung nähert; Frohlocket, ihr Himmel, und die ihr darin wohnet! Wehe der Erde und dem Meer; denn der Teufel ist zu euch herabgekommen, und er hat einen großen Zorn, da er weiß, daß er nur noch eine kurze Frist hat (Offb. 12, 12). So spielt der Teufel nacheinander und miteinander alle Mittel aus, die ihm als dem einst vollendet begabten Geschöpfe Gottes (Hes. 28, 12) zu Gebote stehen. In der Tat führte in den letzten 200 Jahren seit der Französischen Revolution in Europa ein ideologischer, gottfeindlicher Angriff nach dem anderen zur Unterminierung des christlichen Glaubens. Alle diese Angriffe wiederholen sich in unseren Tagen in rasanter Abfolge mit weltweiter Wucht. Bemerkenswerterweise brachen viele dieser Bewegungen 1967 aus, dem Jahr des Sechs-Tage-Krieges, in demIsrael seine alte Hauptstadt Jerusalem zurückgewann (Luk. 21, 24)! Wir erlebten zuerst den Durchbruch radikaler Bibelkritik hinunter zur Basis der Gemeinde. Es folgte der globale Ausbruch der neomarxistischen Studentenrevolte. Die Sexwelle und die antiautoritäre Welle zerrütteten das Gefüge von Familie, Schule 2g und Staat 29 . Die moderne gruppendynamische Welle bereitet die Kollektivmentalität der kommenden Einheitsgesellschaft vor. Und nun brandet auch die okkulte Welle heran. Eine schaurige Vorwegnahme ihrer äußersten frevelhaften Zielsetzung fand sie schon bei ihrem Ausbruch 1967: Von San Francisco ausgehend bildeten sich Kirchen, in denen bereits jetzt das geschieht, was wir als zentralen Schlußakt der okkulten Entfesselung zu erwarten haben: die offene Anbetung des Satans (Offb. 13, 4)! Angesichts dieser furchtbaren Bedrohung stellen wir nun unsere letzte Frage:

III. Wie können Jünger Jesu der okkulten Welle begegnen? Fünf Leitsätze sollen darauf antworten: 1. Wir dürfen die okkulte Welle in ihren verschiedenartigen Erscheinungen und ihrer satanischen Hintergründigkeit nicht verharmlosen. Das, was uns heute in den verschiedenen aufgezählten Bereichen begegnet, mag zwar in einzelnen Fällen bloßer Humbug sein. Von der Gesamterscheinung aber gilt, daß wir in ihr der Wirksamkeit unsichtbarer Geistermächte begegnen, denen der Mensch mit seiner natürlichen Ausrüstung nicht gewachsen ist (Eph. 6, 11). Dabei haben wir es nicht etwa zu tun mit einer bloßen Mode, einem gelegentlichen Rückfall in den Aberglauben, sondern mit einer Bewegung, die sich in ihrer Wucht noch erheblich steigern wird. Wir haben vor ihr auf das ernsteste zu warnen, ohne Scheu davor, uns dabei lächerlich zu machen. Satan selbst ist ja am meisten daran

interessiert, daß man seine Existenz leugnet, damit er unerkannt im Dunkeln operieren kann. Wer aber heute über die Warnung vor seiner Macht lacht, dem wird morgen das Lachen im Halse stecken bleiben! 2. Zugleich gilt es, unseren Blick nicht etwa auf die okkulten Mächte zu richten, sondern vielmehr auf Jesus Christus: Er hat sie bereits entmächtigt (Kol. 2, 15) und wird sie in Bälde ganz unter seine Füße treten (Röm. 16, 20). Wir müssen im Blick auf die okkulten Mächte auch die entgegengesetzte Gefahr vermeiden, sie zu ernst zu nehmen. Wir dürfen ihnen nicht etwa eine Mächtigkeit zusprechen, die sie für den durch Christus Erlösten bereits verloren haben (Röm.8,38). So unglaublich es klingt: Das sich Aufbäumen der okkulten Mächte ist für den Gläubigen auch ein Grund zur wachsenden Siegeszuversicht: Er erkennt nämlich gerade an der Heftigkeit dieser Angriffe, daß die Zeit der endgültigen Erlösung aus ihrem Banne nahegerückt sein muß (Luk. 21, 28). Dann aber wird Christus in seiner ganzen Herrlichkeit erscheinen, um ihrem Treiben ein Ende zu setzen (Matth. 24, 36). 3. Es gilt, der okkulten Welle größte Wachsamkeit im eigenen geistlichen Leben entgegenzusetzen. Unser Herz darf nicht zugleich ein Tempel des heiligen Geistes (1. Kor. 3, 16; 2. Kor. 6, 14 - 16) und eine Behausung okkulter Geistesmächte (Luk. 11, 24 - 26) sein. Deswegen gilt es einerseits, ständig die innere Gemeinschaft mit unserem wahren Herrn im Gebet und im Hören auf sein heiliges Wort zu pflegen. Wir wollen unserem Taufbunde treu bleiben, die Stärkung des Heiligen Abendmahles regelmäßig empfangen (Apg. 2, 42) und auch die Glaubensgemeinschaft der Brüder nicht verlassen (Hebr. 10, 25). Andererseits aber gilt es, auch den leisesten, wenn auch nur spielerischen oder experimentellen Kontakt mit okkulter Geistermacht zu vermeiden. Jede magische Praxis, jedes angehängte Amulett, jeder Gang zum okkulten Heilpraktiker oder Hellseher, jedes parapsychologische Experiment, ja schon die Lektüre okkulter Literatur führt in den Bannkreis dieser Mächte. Am schlimmsten aber ist die Direktauslieferung an sie durch die aktive Teilnahme an einem fremdreligiösen Ritus oder gar am Satanismus. 4. Wer durch eigene oder fremde Schuld in eine okkulte Behaftung geraten ist, suche zur Lö sung einen vollmächtigen Seelsorger auf. Jesus hat seinen Jüngern die Vollmacht gegeben, in seinem Namen auch den bösen Geistern zu gebieten (Matth. 10, 1; Luk. 10, 17) und Menschen aus ihrem Bann zu lösen. In früheren Zeiten, als die Kirche noch mehr von der Wirklichkeit der Dämonen gewußt hat, hat es solche kämpferische Seelsorge häu figer gegeben. Heute möchte man sie am liebsten ins Mittelalter verweisen oder gar strafrechtlich ver bieten. Aber es gibt noch Diener Christi, die okkult Belasteten vollmächtig helfen können. Es wird dabeiimmer um die gleichen fünf Grundschritte gehen: Der okkult Behaftete muß als erstes seine Schuld erkennen, bereuen und bekennen, was ihn unter diesen Einfluß gebracht hat. Er muß sich zweitens völlig trennen von dem, was ihn okkult belastet, seien, daß er sein Amulett ausliefert und vernichtet ,sei es, daß er das ihm in der TranszendentalenMeditation zuerteilte Mantra, das Zauberwort, preis gibt. Der dritte Schritt ist die namentliche Ab sage an den Satan und die besondere Dämonische Macht; der vierte Schritt ist die erneute Übergabe an Jesus Christus und die persönliche Inanspruchnahme eines Sühneopfers am Kreuz. Daraufhin wird fünftens der Seelsorger das Lossagegebet sprechen, im Namen Jesu Christi dem dämonischen Geist gebieten, von dem Belasteten abzulassen, und ihm die Vergebung seiner Schuld zusagen. 5. Angesichts der okkulten Welle werden lebendige Christen ihre Berufung noch gewissenhafter wahrnehmen, sich im geistlichen Kampf in das Heer des Lichtes einzureihen.

Wir Christen sind nach Eph. 6, 10 f. in die Zone des Kampfes zwischen dem Reich des Lichtes und der Finsternis gestellt. Standhaft sollen wir jeder Ver lockung des Satans widerstehen und dem Herrn dieTreue bewahren. Diese Treue bewährt sich aber ge rade auch darin, - daß wir selbst in jenen Geisterkampf eintreten. Es geht darum, gegen die dämonischen An griffe des Feindes auf die Gemeinde einen Schutzwall des Gebetes zu errichten. Ja, in der Kraft des Heiligen Geistes können wir dem Evangelium den Weg auch in dämonisch blockierte Herzen anderer Menschen bahnen. Solcher Kampf kann im äußersten Fall das Leben kosten (Offb. 13, 7). Das lehren uns die Märtyrer Christi. Aber gerade sie haben auch teil an seinem Sieg über den Feind. Denn von ihnen heißt es: Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod(Offb. 12,11). Und der Herr selbst ruft uns zu: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben! (Offb. 2, 10) -- War Karl Marx ein Satanist ? Von Richard Wurmbrand Bevor Marx Volkswirtschaftler und berühmter Kommu nist wurde, war er Humanist. Heute ist ein Drittel der Welt marxistisch. Auch viele kapitalistische Länder haben den Marxismus in der einen oder anderen Form übernommen. Es gibt sogar Christen und kirchliche Vertreter in hohen Stellungen, die der Meinung sind, daß Jesus zwar die richtige Antwort auf die Frage hatte, wie man in den Him mel kommt, aber daß Marx die Frage richtig löste, wie man den Hungrigen, Armen und Unterdrückten dieser Welt hel fen kann. Marx war sehr humanistisch. Eine Idee be herrschte ihn - wie man den ausgebeuteten Massen helfen könne. Er vertrat die Überzeugung, daß der Kapitalismus sie arm machte: Wäre dieses korrupte System einmal be seitigt, so bilde sich nach einer Übergangszeit der Diktatur des Proletariats eine Gesellschaft heraus, in der jeder seinen Fähigkeiten entsprechend in Fabriken und auf Höfen, die einem Kollektiv angehörten, arbeiten würde und seinen Bedürfnissen entsprechend entlohnt würde. Dann gäbe es keinen Staat, der über den Einzelnen herrscht, keine Kriege, keine Revolutionen - nur eine anhaltende, allgemeine Bruderschaft. Um die Massen glücklich zu machen, braucht es mehr als einen Sturz des Kapitalismus. Marx schreibt: „Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Es muß die Illusion über seinen Zustand aufgeben, der der Illusion bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist." (Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Marx, Engels, Historisch-kritische Gesamtausgabe, hrsg. von David Rjazanov, Marx-Engels -Archiv Verlagsgesellschaft, Frankfurt/Main, Abteilung I, Band 1. Halbband 1, Seiten 607-608.) Marx war gegen die Religion, weil die Religion die Er füllung des kommunistischen Ideals behindert, das er für die einzige Antwort auf die Probleme der Welt hielt. So erklären Marxisten ihre Einstellung. Es gibt auch Geistliche, die sich solcher Erklärungen bedienen. Pfarrer Österreicher (England) sagte in einer Predigt: „Der Kom munismus, wie auch immer seine gegenwärtigen Formen aussehen mögen, ob gut oder schlecht, ist in seinem Ur sprung eine Bewegung zur Emanzipation des Menschen aus der Ausbeutung durch seine

Mitmenschen heraus. Soziolo gisch gesehen stand und steht die Kirche auch heute noch größtenteils auf der Seite der Ausbeuter der Welt. Karl Marx, dessen Theorien seine Leidenschaft für Gerechtigkeit und Brüderlichkeit kaum verbergen und die ihre Wurzel in den hebräischen Propheten hat, hasste die Religion, weil sie als Instrument zur Erhaltung eines Status quo eingesetzt wurde, in dem Kinder Sklaven waren und sich zu Tode arbeiteten, um andere hier in Großbritannien reich zu machen. Es war keine billige Redensart, wenn man vor hun dert Jahren sagte, daß Religion das Opium der Masse sei . . . Als Mitglied des Leibes Christi müssen wir zu ein facher Reue kommen und wissen, daß wir in tiefer Schuld eines jeden Kommunisten stehen"(Predigten, St. Mary's, Fontana, 1968.) Ich bin Christ. Auch ich liebe die Menschen und möchte ihr Wohl. Ohne Skrupel würde ich Anarchismus, Kommu nismus, Demokratie oder Faschismus annehmen, wenn das dem Glück der Menschen dienen würde. Ich habe eine Menge Zeit damit verbracht, die Denkweise von Marx zu studieren und zu verstehen, und habe ein paar überraschen de Dinge herausgefunden, die ich dem Leser gerne über mitteln möchte. Der Marxismus macht Eindruck, weil er Erfolg hat, aber Erfolg beweist noch lange nichts. Auch Medizinmänner haben Erfolg. Erfolg bestätigt sowohl Irrtümer als auch Wahrheiten. Fehler sind unbezahlbar. Sie öffnen den Weg zu tiefer Wahrheit. So wollen wir einige Werke von Marx analysieren, ohne Rücksicht auf ihren Erfolg. In seiner frühen Jugend war Karl Marx Christ. Sein Reli gionsaufsatz im Abitur trägt den Titel „Die Vereinigung der Gläubigen mit Christo" (nach Joh. 15, 1-14) Darin lesen wir die herrlichen Worte: „So besteht die Vereinigung mit Christo aus der innig sten, lebendigsten Gemeinschaft mit ihm darin, daß wir so von Christi Liebe durchdrungen sind, daß wir unser Herz zugleich den Brüdern zuwenden, die er inniger mit uns ver bunden und für die er sich auch geopfert hat."(Marx und Engels, Ges. Werke Teil I, Intern. Publishers, New York 1974) Also kannte Marx einen Weg, wie Menschen liebevolle Brüder werden konnten - durch das Christentum. Er fährt fort: „Also leiht die Vereinigung mit Christo innere Erhebung, Trost im Leiden, ruhige Zuversicht und ein Herz, das der Menschenliebe, das allem Edlen, allem Großen, nicht aus Ehrgeiz, nicht aus Ruhmsucht, sondern nur Christi wegen geöffnet ist. Ebenso gibt die Vereinigung mit Christo eine Freudigkeit, die der Epikuräer vergebens in seiner leicht fertigen Philosophie, der tiefere Denker in den verborgen sten Tiefen des Wissens zu erhaschen strebt. Eine Freudig keit, die das Leben schöner gestaltet und erhebt, die nur das unbefangene, kindliche, mit Christo und durch Gott verbundene Gemüt kennt.“ Zum selben Zeitpunkt erklärt er in seinem Aufsatz ’Betrachtungen eines Jünglings bei der Wahl seines Berufes’: „Die Religion selber lehrt uns, daß das Ideal, dem alle nachstreben, sich für die Menschheit ge opfert habe, und wer wagt solche Ansprüche zu vernich ten? Wenn wir den Stand gewählt, in dem wir am meisten für die Menschheit wirken können, dann können uns Lasten nicht niederbeugen, weil sie nur Opfer für alle sind." Keine Umkehr oder Abtrünnigkeit ändert den Men schen vollkommen. Es kommt manchmal nach einer derartigen Kehrtwendung in der Denkweise vor, daß sich der alte Glaube oder Unglaube wieder ins Bewußtsein drängt. Das beweist, daß sie nicht aus den Gedanken ausgelöscht, son dern nur ins Unterbewußtsein verdrängt wurden. Der alte Christus-Komplex taucht noch lange in Marx' Schriften auf, selbst dann noch, als er sich zum militanten Bekämpfer aller Religion aufwarf. Selbst in einem so schwer verständlichen Buch über poli tische Wirtschaft wie „Das Kapital“, in

denen Gedanken über die Religion nicht gerade üblich sind, schrieb der er wachsene, anti-religiöse Marx völlig zusammenhanglos: „Das Christentum mit seinem Kult des abstrakten Men schen und besonders in seiner bourgeoisen Entwicklung, dem Protestantismus, Deismus usw., ist die geeignetste Form der Religion." (Kapital I, Abs. IV) Vergessen wir nicht, daß Marx einmal gläubiger Christ war. In seinem letzten Zeugnis im Gymnasium stand folgen des unter „Religionserziehung": „Seine Kenntnis des christlichen Glaubens und der moralischen Grundsätze ist klar und sehr fundiert. Er kennt sich auch ein wenig in der Geschichte der christlichen Kirche aus."(Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung 1925 in Deutschland) Kurz nachdem er dieses Zeugnis erhielt, geschah etwas Mysteriöses in seinem Leben. Lange bevor Moses Hess ihn 1841 zur sozialistischen Überzeugung brachte, war er leidenschaftlich anti-religiös geworden. Schon während seiner Studentenjahre hatte sich ein ande rer Marx herausgebildet. Er schreibt in einem Gedicht: „Ich möchte mich an dem Einen rächen, der dort oben herrscht." Er war also überzeugt, daß es einen im Himmel gibt, der herrscht. Er lag im Streit mit ihm. Aber der Eine dort oben hatte ihm nichts getan. Marx gehörte einer relativ wohlhabenden Familie an. Er hatte in seiner Kindheit nie gehungert. Er hatte es besser als viele Kommilitonen. Was erzeugte diesen entsetzlichen Haß gegen Gott? Über ein persönliches Motiv ist nichts bekannt. War Karl Marx mit dieser Erklärung nur das Sprachrohr eines anderen? In einem Alter, in dem jeder normale junge Mensch Träume hegt, anderen Gutes zu tun und seine eigene Zukunft plant, schrieb er folgende Zeilen. Warum? „Einen Thron will ich mir auferbauen, kalt und riesig soll sein Gipfel sein, sein Bollwerk sei ihm übermenschlich Grauen, und sein Marschall sei die düst're Pein!" „Wer mit gesundem Auge darauf sieht, soll tödlich blaß und stumm sich wenden, von blinder, kalter Sterblichkeit ergriffen, soll das Glück sein Grab bereiten." (Zitat aus „Des Verzweifelnden Gebet", Karl Marx, Collected Works, Bd.I., International Publishers, 1974) Die Worte, „ich möchte mir einen Thron errichten", und das Bekenntnis, daß von dem, der auf diesem Thron sitzt, nur Furcht und Leid kommt, erinnert an die überhebliche Prahlerei Luzifers: „Ich will in den Himmel steigen und mei nen Stuhl über die Sterne Gottes erhöhen." (Jesaja 14, 13) Wozu einen derartigen Thron? Die Antwort findet sich in einem Drama, das kaum bekannt ist, und das Marx ebenfalls während seiner Studienjahre verfasste. Es heißt „Oula nem". Zur Erklärung dieses Titels muß ich etwas abschwei fen. Es gibt eine Satanskirche. Zu ihren Ritualen gehört eine schwarze Messe, die ein Teufelspriester um Mitternacht hält. Die Kerzen werden verkehrt in den Kerzenhalter ge steckt. Der Priester trägt sein Gewand, aber mit der Innen seite nach außen. Alles, was in seinem Gebetbuch steht, sagt er von hinten nach vorne. Die Namen Gottes, Jesu und Maria werden verkehrt gelesen. Eine heilige Oblate, die aus einer Kirche gestohlen wurde, wird verhöhnt, wenn der Teufelspriester zu den Worten kommt, mit denen Jesus das heilige Abendmahl einsetzte: „Nehmet hin und esset. Das ist mein Leib, für euch dahingegeben. Nehmet hin und trinket, das ist mein Blut, das Blut des

Neuen Testaments, für euch vergossen." Ein Kruzifix wird umgekehrt aufge hängt oder es wird darauf herumgetreten. Der Körper einer nackten Frau dient als Altar. Eine Hostie, die in irgendeiner Kirche gestohlen wurde, wird mit dem Namen Satans versehen und für ein Verhöhnungsabendmahl ver wendet. Während der schwarzen Messe wird eine Bibel verbrannt. Alle Anwesenden versprechen, alle sieben Todsünden zu begehen, die im katholischen Katechismus stehen. Dann folgt eine Orgie. Die Satansverehrung ist schon sehr alt. In 5. Mose 32, 17 steht, daß das Volk den Teufeln opferte. König Jerobeam von Israel ließ den Teufeln später sogar Priester weihen. (2. Chronik 11, 15) Es ist charakteristisch, daß es sich bei „Oulanem" um eine Verdrehung eines heiligen Namens handelt: Es ist ein Ana gramm vom Emanuel, dem biblischen Namen für Jesus, der auf Hebräisch „Gott mit uns" bedeutet. Solche Namensverdrehungen werden in der schwarzen Magie für wirksam gehalten. Und nun hören Sie sich zuerst das seltsame Geständnis an, das Marx in seinem Gedicht „Spielmann" macht: Was, was! Ich stech', stech' ohne Fehle Blutschwarz den Säbel in deine Seele, Gott kennt sie nicht, Gott acht't nicht die Kunst, die stieß in den Kopf aus Höllendurst, Bis das Hirn vernarrt, bis das Herz verwandelt, Die hab ich lebendig vom Schwarzen erhandelt! Der schlägt mir den Takt, der kreidet die Zeichen . . . Diese Zeilen werden bedeutungsvoll, wenn man weiß, daß in den Ritualen der höheren Weihe im Teufelskult dem Kandidaten ein verzaubertes Schwert verkauft wird, das Erfolg zusichert. Er bezahlt dafür, indem er mit Blut aus seinen Adern einen Schwur unterschreibt, daß seine Seele nach dem Tod dem Teufel gehört. Und jetzt zitiere ich aus dem Einakter „Oulanem": „Und mehr noch weiß ich, andere sind noch hier, die sind auch Oulanem, auch Oulanem! Der Name klingt, wie Tod, er klingt fort, bis er im schnöden Träger ausgeklungen. Halt! hab' ich's jetzt! Es steigt aus meiner Seele, so klar wie Luft, so fest wie meine Knochen, geharnischt steht sein Schwur mir vor den Augen, Ich hab's gefunden und ihn lass' ich's finden! (Erste Szene) Doch dich, dich personifizierte Menschheit, fassen meine Jugendarme, sie klammern krampfhaft sich um deine Brust, der Abgrund gähnt uns beiden Nacht herauf und sinkst du unter, lächelnd folg ich nach, und raun dir zu, hinab! komm mit, Genosse! (Zweite Szene) Die Bibel, die Marx in seiner Universitätszeit studiert hatte und die er in reifen Jahren sehr gut kannte, sagt aus, daß der Teufel von einem Engel gebunden und in den Ab grund der Hölle

geworfen wird. Marx will die ganze Menschheit in diesen Abgrund ziehen, der für den Teufel und seine Engel reserviert ist. Wer spricht in diesem Drama aus Marx? Ist es vernünftig, von einem jungen Menschen zu erwarten, daß er als Lebens traum die Vision der Menschheit, die dem Abgrund der Finsternis entgegengeht, nährt (äußerste Finsternis ist ein biblischer Ausdruck für Hölle) und selbst lacht, wenn er denen folgt, die er in den Unglauben führte? Nirgends in der Welt wird dieses Ideal verkündigt, außer in den höchsten Weiheriten der Teufelsgemeinde. Dann kommt für Oulanem die Zeit des Todes. Seine Worte lauten: „Verfall'n! Die Stunde, sie ist abgelaufen, Die Horen stehn, der Zwergbau stürzt zusammen! Bald preß ich Ewigkeit ans Herz und heule der Menschheit Riesenfluch in sie hinein." Marx liebte die Worte in Goethes Faust: „Alles was besteht, ist wert, daß es zugrunde geht. Alles - einschließlich des Proletariats und der Genossen. Marx zitierte diese Worte in „Der Achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte". Stalin handelte nach ihnen und zerstörte sogar seine eigene Familie. Die Teufelssekte ist nicht materialistisch. Sie glaubt an ein ewiges Leben. Oulanem, die Person, für die Marx spricht, ficht das ewige Leben nicht an. Er bestätigt es sogar, aber als ein Leben des Hasses, bis zum Extrem übertrieben. Es ist bemerkenswert, daß Ewigkeit für die Teufel „Qual" be deutet. Und so wurde auch Jesus von den Dämonen ge fragt: „Bist du hergekommen, um uns vor der Zeit zu quälen?" (Matth. 8, 29) Ebenso bei Marx: „Ha, Ewigkeit! Das ist ein ewiger Schmerz, ein unaussprechlich unermeßlich Tod! Schnöd' Kunstwerk, blindmechanisch aufgezogen, des Zeitenraums Kalendernarr zu sein, zu sein, damit doch irgendwas geschieht, zerfall'n, damit doch irgendwas zerfällt!" Wir fangen an zu verstehen, was mit dem jungen Marx geschehen ist. Er hatte christliche Überzeugungen, aber kein Glaubensleben. Seine Korrespondenz mit seinem Vater zeugt von der Verschwendung großer Geldsummen für Vergnügungen und von seinem ständigen Streit mit der elterlichen Autorität über diese und andere Angelegen heiten. Dann kam er offensichtlich mit der geheimen Teufelsgemeinde in Berührung und empfing die Riten der Weihe. Satan, den seine Verehrer in halluzinatorischen Orgien sehen, spricht durch sie. So wird Marx nun zum Sprachrohr des Teufels, wenn er die Worte ausspricht: „Ich will mich an dem Einen rächen, der dort oben regiert." Hören wir uns doch das Ende von „Oulanem" an: „Gäb's außer ihr ein Etwas, das verschlänge, ich spräng' hinein, müßt' ich 'ne Welt zertrümmern, die zwischen ihr und mir sich aufgetürmt! Zerschell'n müßt sie am langgedehnten Fluche. Die Arme schlüg ich um das harte Sein, und mich umarmend müßt' es stumm vergehn, und dann hinab, versinken in dem Nichts,

ganz untergehn, nicht sein, es wäre Leben . . ." (Dietz-Verlag Berlin, 1975, Abteilung I, Band 1, Seiten 640-641, 651, 655, 660-661) In „Oulanem" tut Marx dasselbe wie der Teufel. Er schickt die ganze menschliche Rasse in die Verdammnis. Er will durch seinen Fluch die ganze Welt zertrümmern. „Oulanem" ist vielleicht das einzige Drama der Welt, in dem sich alle Personen ihrer eigenen Verderbtheit bewußt sind, sie offen zeigen und voller Überzeugung feiern. In diesem Drama gibt es kein schwarz und weiß. Es gibt keine Klaudius und Ophelia, Jago und Desdemona. Hier sind alle schwarz und alle erfüllen Aspekte des Mephisto. Alle sind satanisch, korrupt und verdammt.(Robert Payne, Marx, W. H. Allen, London, 1968) Damals war Marx 19. Er war jung, aber ein vorzeitiger Genius. Das Programm seines Lebens stand schon fest. Es war nicht die Rede vom Dienst an der Menschheit, am Proletariat oder Sozialismus. Er wollte die Welt ins Verderben bringen. Er wollte sich einen Thron errichten, des sen Bollwerk menschliches Schaudern sein sollte. In diesem Stadium finden wir ein paar rätselhafte Sätze in der Korrespondenz zwischen Karl Marx und seinem Vater. Der Sohn schreibt: „Ein Vorhang war gefallen, mein Allerheiligstes zerrissen, und es mußten neue Götter hin eingesetzt werden." Diese Worte wurden am 10. November 1837 von einem jungen Mann geschrieben, der bis dahin das Christentum bekannt hatte. Er hatte erklärt, daß Christus in seinem Herzen wohne. Nun war das nicht mehr der Fall. Wer sind die neuen Götter, die an seinen Platz getreten sind? Der Vater erwiderte am 10. Februar 1838: „Ich habe Dir hiervon bereits im ersten Jahr Deiner juristischen Laufbahn einen unwiderleglichen Beweis gegeben, indem ich über einen sehr dunklen Punkt nicht ein mal Aufklärung verlangte, ungeachtet er sehr problema tisch war." Worum handelte es sich bei dieser mysteriösen Sache? Bis heute hat noch kein einziger Biograph diese seltsamen Sätze erklärt. Am 2. März 1838 schrieb sein Vater: „Doch im Grunde gehören diese Gefühle größtenteils dem schwachen Men schen und sind nicht rein von allen Schlacken, als da sind: Stolz, Eitelkeit, Egoismus usw. Aber ich kann Dich ver sichern, daß die Verwirklichung dieser Illusion mich nicht glücklich zu machen vermöchte. Nur wenn Dein Herz rein bleibt und rein menschlich schlägt und kein dämonisches Genie imstande sein wird, Dein Herz den besseren Gefüh len zu entfremden nur alsdann würde ich das Glück finden, das ich mir seit langen Jahren durch Dich träu me . . ." Marx, Engels, Historisch-kritische Gesamtaus gabe, hrsg. von David Rjazanov, Marx-Engels-Verlagsge sellschaft, Berlin. 1929, Abt. 1, Band I, Halbband 2, Sei ten 186, 202-203, 218-219) Was veranlaßte den Vater dazu, plötzlich der Angst vor dämonischen Einflüssen auf seinen jungen Sohn Ausdruck zu geben, der sich bis dahin als Christ bekannt hatte? Waren es die Gedichte, die er zu seinem 55. Geburts tag von seinem Sohn erhielt? Das folgende Zitat, ist Marx' Gedicht über Hegel ent nommen. „Die Worte, die ich lehre, sind in ein teuflisches Durcheinander gefaßt. So mag jeder denken, was er will." In seinem Gedicht „Die blasse Maid" schreibt er: „So hab ich den Himmel verscherzt, ich weiß es genau. Meine Seele, die einst Gott gehörte, ist nun für die Hölle bestimmt."

Diese Worte bedürfen keines Kommentars. Marx hatte mit künstlerischen Ambitionen begonnen. Seine Gedichte und Dramen sind wichtig, weil sie den Zu stand seines Herzens offenbaren, aber literarisch gesehen fehlt ihnen jeder Wert, und sie erregten auch keine Auf merksamkeit. Der Mangel an Erfolg im Zeichnen und in der Architektur bescherte uns Hitler, der Mangel an Erfolg beim Drama einen Goebbels und der Mangel an Erfolg in der Philosophie einen Rosenberg. Marx gab das Dichten zu gunsten einer Karriere der Revolution im Namen Satans auf, eine Revolution gegen die Gesellschaft, die für seine Dichtungen nichts übrig hatte. Das ist einer der Gründe seiner totalen Auflehnung und ein weiterer Grund ist der, daß er als Jude verachtet wurde. Zwischen 1839 und 1841 schrieb Marx seine Dissertation, „Differenz der demokratischen und epikureischen Naturphilosophie", in der er sich selbst der Erklärung des Äschylus' Prometheus anschließt: „Mit einem Wort, ganz haß' ich all' und jeden Gott" (Vorrede). Marx erklärt das näher durch die Äußerung, daß er gegen alle Götter auf Erden und im Himmel ist, die das menschliche Selbstbewusstsein nicht als oberste Gottheit anerkennen. (Ebenda, Abt. I, Band 1, Halbband 1, Seiten 10, 79-81, 110-120) Marx war ein geschworener Feind aller Götter, ein Mann, der sein Schwert an den Prinz der Finsternis verkauft hatte. Er hatte es zu seinem Ziel erklärt, die ganze Menschheit in den Abgrund zu ziehen und lachend zu folgen. Hat Marx sein Schwert tatsächlich von Satan gekauft? Seine Tochter Eleonor schrieb ein Buch mit dem Titel „Der Mohr und der General, Erinnerungen an Marx und Engels". (Dietz, Berlin, 1964) Sie berichtet darin, daß Marx ihr und ihrer Schwester viele Geschichten erzählte, als sie noch klein waren. Eine Geschichte mit einem Hans Röckle gefiel ihr dabei am meisten. „Diese Geschichte dauerte viele Monate und hatte kein Ende. Hans Röckle war ein Zauberer, der ein Geschäft mit Spielsachen besaß, aber hohe Schulden hatte . . . Obwohl er ein Zauberer war, befand er sich ständig in Geldnot. So mußte er gegen seinen Willen all seine schönen Sachen nach und nach dem Teufel verkaufen. Manche dieser Abenteuer waren so grausig, daß einem die Haare zu Berg standen..." Ist es normal, wenn ein Vater seinen kleinen Kindern so entsetzliche Geschichten erzählt, wie man sein Liebstes an den Teufel verkauft.Robert Payne geht auf diesen Vor fall ausführlich in seinem Buch „Marx" (Simon und Schu ster, New York, 1968) ein. Eleonor schildert, wie un glücklich Röckle, der Zauberer, nur widerstrebend seine Spielsachen verkaufte und sich bis zuletzt nicht von ihnen trennen konnte. Aber da er mit dem Teufel einen Bund geschlossen hatte, gab es kein Entrinnen mehr. Payne schreibt: „Es besteht wohl kaum ein Zweifel daran, daß diese unvollendeten Geschichten autobiographisch waren . . . Er hatte die Weltanschauung des Teufels und auch dessen Arglist. Manchmal schien er zu wissen, daß er das Werk des Teufels ausführte." Als Marx „Oulanem" und seine anderen frühen Ge dichte beendet hatte, in denen er zum Ausdruck brachte, daß er mit dem Teufel im Bund stand, dachte er mit keinem Gedanken an den Sozialismus. Er bekämpfte ihn sogar. Er war Redakteur einer Deutschen Zeitschrift, der Rheinischen Zeitung, die „den kommunistischen Ideen in ihrer jetzigen Gestalt nicht einmal theoretisch Gültigkeit zugesteht, also noch weniger ihre praktische Verwirklichung wünschen oder auch nur für möglich hält. Auf Versuche der Massen kommunistische Ideen durchzu führen, kann man, sobald sie gefährlich werden, durch Kanonen antworten. . ." (Ebenda, Abt. I, Band I, Halb band I, Seite 263)

In diesem Stadium trifft Marx Moses Hess, den Mann, der in seinem Leben die wichtigste Rolle spielt, derjenige, der ihn angeblich dazu brachte, das sozialistische Ideal anzu nehmen. Hess schrieb an Berthold Auerbach von Köln am 2. Sep tember 1841 wie folgt: „Dr. Marx, so heißt mein Abgott, ist noch ein ganz jugendlicher Mann (etwa 24 Jahre höch stens alt), der der mittelalterlichen Religion und Politik den letzten Stoß versetzen wird; er verbindet mit dem tiefsten philosophischen Ernst den schneidensten Witz...". Also ist der Tritt in den Rücken der Religion das erste Ziel, nicht Sozialismus! Georg Jung, ein weiterer Freund von Marx zu jener Zeit, formulierte es noch klarer in einem Brief an Arnold Rege, 18. Oktober 1941: „Dr. Marx, Dr. Bauer und L. Feuerbach assoziieren sich zu einer theologischen-philo sophischen Zeitschrift. Dann mögen alle Engel sich um den alten Herrgott scharen und er sich selber gnädig sein, denn diese drei schmeißen ihn gewiß aus seinem Himmel heraus und hängen ihm noch obendrein einen Prozeß an den Hals. Marx wenigstens nennt die christliche Religion eine der unsittlichsten. Übrigens ist er, obgleich ein ganz verzweifel ter Revolutionär, einer der schärfsten Köpfe, die ich kenne." (Marx, Engels, Historisch-kritische Gesamtaus gabe, hrsg. von David Rjazanov, Marx-Engels-Verlags gesellschaft, Berlin, 1929, Abt. I, Band I, Halbband 1, Sei ten 261 bis 263). Die Vernichtung der Religion war also die Erwartung derer, die Marx in die Tiefen des Satanismus einführten. Es stimmte überhaupt nicht, daß Marx hochfliegende Ideale verfolgte, wie man der Menschheit helfen konnte, daß die Religion ein Hindernis für diese Ideale war und daß Marx aus diesem Grunde eine anti-religiöse Haltung einnahm. Im Gegenteil. Marx hasste alle Götter, er hasste jede Vorstel lung von Gott. Er war gewillt, der Mensch zu sein, der Gott hinauswarf. Der Sozialismus war nur der Köder, um Proletarier und Intellektuelle zur Annahme eines teufli schen Ideals zu verführen. Als die Sowjets ganz am Anfang zu dem Slogan grif fen: „Wir wollen die Kapitalisten von der Erde und Gott aus dem Himmel vertreiben", erfüllten sie damit nur das Vermächtnis von Karl Marx. Schon an anderer Stelle erwähnte ich die Umkehrung von Namen als eine Besonderheit der schwarzen Magie. Diese Verdrehungen waren so in Marx' Denkweise ver ankert, daß er sie überall anwandte. Er beantwortete Proudhons Buch „Die Philosophie des Elends" mit einem anderen „Das Elend der Philosophie". Darin schrieb er: „Anstatt die Waffe der Kritik müssen wir die Kritik der Waffe anwenden." Haben Sie sich schon einmal über Marx' Frisur gewundert? Männer pflegten zu seiner Zeit Bärte zu tragen, aber nicht von der Art, wie er ihn trug, und sie hatten auch keine langen Haare. Marx' Art sich zu geben, war charakte ristisch für die Jünger der Joana Southcott, einer Teufels priesterin, die sagte, sie stehe in Verbindung mit dem Dämon Siloh. (Gespräche mit Marx und Engels, Insel Ver lag, Frankfurt/M., 1973, Seite 17) Es ist doch seltsam, daß etwa 60 Jahre nach ihrem Tod im Jahre 1814 „ein Soldat namens James White, der nach seiner Armeezeit in Indien nach Hause zurückgekehrt war, der Chatham Gruppe der Southcottians beitrat, die dortige Führung übernahm und die Lehren Joanas... mit einem kommunistischen Anstrich weiterentwickelte." (James Hastings, Encyclopaedia of Religion and Ethics, New York, Charles Scribner's Sons, 1921) Marx sprach öffentlich nicht viel über Metaphysik, aber wir können seine Einstellung an den Männern ablesen, mit denen er zusammen war. Einer seiner Genossen bei der ersten Internationale war Bakunin, ein russischer Anar chist, der schrieb: „Der Teufel ist der erste Freidenker und Heiland der Welt. Er befreit Adam und drückt ihm das Sie gel der Menschlichkeit

und Freiheit auf die Stirn, indem er ihn ungehorsam macht." (Mikhail A. Bakunin, Oeuvres „Werke", Verlag von P. V. Stock, Paris 1895 Band I, Seite 270, „Gott und der Staat") Bakunin preist nicht nur Luzifer. Er hat ein festes Pro gramm der Revolution, aber nicht eines, das die Armen vor der Ausbeutung bewahren würde. Er schreibt:„In dieser Revolution werden wir den Teufel im Volk erwecken müssen, um die Leidenschaften zu entfesseln." (Zitat aus Dzerjisnkii, R. Gul „Most" Publishing House, New York) Karl Marx bildete mit Bakunin die erste Internationale, der dieses Programm mittrug. Bakunin schreibt, daß Proudhon, ein weiterer bekannter sozialistischer Denker und Freund von Karl Marx, zu dieser Zeit ebenfalls den „Teufel verehrte". Hess hatte Marx mit Proudhon bekannt gemacht, der ebenfalls diese typische Frisur der Teufelssekte des 19. Jahrhunderts trug. (Gesprä che mit Marx und Engels, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1973, Seite 407) Proudhon erklärte in „Die Gerechtigkeit in der Revolu tion und der Kirche", (Otto Meissner, Hamburg, 1858), daß Gott der Prototyp der Ungerechtigkeit sei. „Wir erhalten trotz ihm Wissen, wir erreichen Wohlergehen trotz ihm und wir erreichen Gemeinschaft trotz ihm. Jeder Schritt vor wärts ist ein Sieg, mit dem wir das Göttliche überwinden." Er ruft aus: „Gott ist Dummheit und Feigheit, Gott ist Heuchelei und Falschheit, Gott ist Tyrannei und Armut, Gott ist schlecht. Wo immer der Mensch sich vor einem Altar verbeugt, wird die Menschheit, die Sklavin von Königen und Priestern, verdammt . . . Ich schwöre, Gott, mit meinen Händen gegen den Himmel ausgestreckt, daß du nicht mehr bist als der Vollstrecker meines Verstandes, das Zepter meines Gewissens . . . Gott ist im wesentlichen anti- zivilisiert, anti-liberal und anti-menschlich." Proudhon er klärt Gott für schlecht, weil seine Schöpfung schlecht ist. (Pierre J. Proudhon, Philosophie der Staatsökonomie oder Notwendigkeit des Elends, Scienta, Aalen, 1966, Kapi tel 8, 62) Diese Gedanken stammen nicht von ihm selbst. Sie sind der übliche Inhalt der Predigten bei der Teufelsverehrung. Marx stritt später mit Proudhon und schrieb ein Buch, um dem Werke zu widersprechen, aus dem die erwähnten Worte stammen. (Marx, Engels, Werke, Dietz Verlag, Ber lin, 1972, Band 4, „Das Elend der Philosophie", Seiten 63-182). Aber Marx widersprach nur unwichtigen wirt schaftlichen Lehren. Gegen Proudhons dämonische Anti -Gott-Rebellion hatte er nichts einzuwenden. Als 1871 in Paris die kommunistische Revolution aus brach, erklärte der Kommunarde Flourende: „Unser Feind ist Gott. Gotteshass ist der Anfang der Weisheit." („Philo sophy of Communism", Charles Boyer, FordhamUniver sity Press, New York, 1952) Marx rühmte die Kommunarden sehr, die dieses Ziel offen proklamierten. Aber was hat das mit einer gerechten Verteilung von Gütern und besseren sozialen Einrichtungen zu tun? Diese sind nur die äußerlichen Täuschungsmanöver zur Tarnung des wahren Ziels - die totale Abschaffung Gottes und seiner Verehrung. Heute haben wir den Beweis dafür in Ländern wie Rotchina, Albanien und Nordkorea, wo alle Kirchen, Moscheen und Pagoden geschlossen sind. Marx hat über dieses Thema sehr interessante Gedichte geschrieben. Sie werden einhellig als künstlerisch nicht sehr wertvoll angesehen, aber die Gedanken darin sind aufschlussreich. In seinem Gedicht „Des Verzweifelnden Ge bet" und „Menschlicher Stolz" ist das höchste Gebet des Menschen das für seine eigene Größe. Wenn der Mensch dazu verdammt ist, durch seine eigene Größe zugrunde zu gehen, so ist das eine kosmische Katastrophe, aber er wird als gottähnliches Wesen sterben, von Dämonen betrauert. Marx' Ballade „Der Spielmann" berichtet von den Klagen des Sängers gegen einen Gott, der seine Kunst weder kennt noch respektiert. Sie kommt aus dem finsteren Abgrund der Hölle, „verhext den Verstand und verzaubert das Herz und sein Tanz ist der Todestanz". Der Sänger zieht sein Schwert und stößt es in die Seele des

Dichters. Kunst, die aus dem finsteren Abgrund der Hölle stammt, die den Verstand verhext . . . Das erinnert an die Worte des amerikanischen Revolutionärs Jerry Rubin inDo it (Tue es): „Wir haben Jugend, Musik, Sex und Drogen und Rebellion mit Verrat kombiniert - und diese Kombi nation ist schwer zu schlagen." Ein weiteres Gedichtvon Marx, in dem er beweist, dass sein Ziel weder die Verbesserung noch die Reformierung oder Revolutionisierung der Welt ist, sondern einzig und allein, sie zu zerstören und sich an ihrer Zerstörung zu freuen, lautet so: "Mit Verachtung werf ich der Welt den Fehdehandschuh voll ins Gesicht, und beobachte den Zusammenbruch dieses Zwergriesen, dessen Fall meinen Hass nicht ersticken wird. Dann wandre ich gottgleich und siegreich durch die Trümmer der Welt, und indem ich meinen Worten tätige Macht verleihe, fühle ich mich dem Schöpfer gleich" - (Marx before Marxism, McMillan). Marx nahm den Satanismus nach einem inneren Kampf an. Die Gedichte wurden in einer Zeit schwerer Krankheit beendet, das Ergebnis des Kampfs, der in seinem Innern tobte. Er spricht zu diesem Zeitpunkt von seinem Ärger, ein Idol aus einer Einstellung machen zu müssen, die er verachtet. Er fühlt sich krank. Alle aktiven Teufelsanbeter haben ein wirres persön liches Leben, das gilt auch für Marx. Arnold Künzli erzählt in seinem Buch „Karl Marx: Eine Psychographie" (Europa Verlag Zürich, 1966) von diesem Leben, das zum Selbstmord von zwei Töchtern und einem Schwiegersohn führte. Drei Kinder starben an Unterernäh rung. Seine Tochter Laura, die mit dem Sozialisten Lafor gue verheiratet war, verlor drei ihrer Kinder. Dann be gingen beide Selbstmord. Seine Tochter Eleonor beschloss ebenfalls, gemeinsam mit ihrem Mann aus dem Leben zu scheiden. Sie starb. Er machte in letzter Minute einen Rückzieher. Die Angehörigen von Satansverehrern stehen unter einem Fluch. Marx fühlte sich nicht verpflichtet, den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen, ob wohl ihm das zumindest wegen seiner ungeheuren Sprach kenntnisse nicht schwergefallen wäre. Er lebte vom Bet teln bei Engels. Er hatte ein uneheliches Kind von seinem Dienstmädchen. Später schob er das Kind Engels zu, der diese Komödie mitspielte. Er war aber auch starker Trin ker. Rjazanow, der Direktor des Marx-Engels Instituts in Moskau, gibt diesen Punkt in seinem Buch zu.(Karl Marx als Denker, Mensch und Revolutionär, Verlag für Litera tur und Politik, Wien, 1928) Und weil wir gerade Engels erwähnten, will ich auch über ihn ein Wort sagen. Engels war in einer pietistischen Familie aufgewachsen. In seiner Jugend hatte er wunder bare christliche Gedichte geschrieben. Man weiß nicht, ge nau, durch welche Umstände er seinen Glauben verlor. Aber nach seiner Begegnung mit Marx schrieb er über diesen: Wer jaget hinterdrein mit wildem Ungestüm? Ein schwarzer Kerl aus Trier, ein markhaft Ungetüm. Er gehet, hüpft nicht, er springet auf den Hacken und raset voller Wut, und gleich, als wollt er's packen das weite Himmelszelt und zu der Erde ziehn, Streckt er die Arme sein weit in die Lüfte hin, geballt die böse Faust, so tobt er sonder Rasten, als wenn ihn bei dem Schopf zehntausend Teufel faßten. (Engels „Der Triumpf des Glaubens", Marx, Engels, Historisch-kritische Gesamtausgabe, von

David Rjazanov, Marx-Engels-Verlagsgesellschaft, Berlin 1930, Abt. 1; Band 2, Seiten 268-269) Nachdem Engels das Buch des liberalen Theologen Bruno Bauer gelesen hatte, begann er an seinem christlichen Glauben zu zweifeln. In seinem Herzen begann ein großer Kampf. Zu jener Zeit schrieb er: „Ich bete täglich, ja fast den ganzen Tag um Wahrheit, habe es getan, so bald ich anfing zu zweifeln, und komme doch nicht zu eurem Glauben zurück ... Die Tränen kommen mir in die Augen, indem ich dies schreibe, ich bin durch und durch bewegt, aber ich fühle es, ich werde zu Gott kommen, zu dem sich mein ganzes Herz sehnt. Und das ist auch ein Zeugnis des heiligen Geistes, darauf leb' ich und sterb' ich, ob auch zehntausendmal in der Bibel das Gegenteil steht." (Franz Mehring,Karl Marx Dietz Verlag, Ber lin, 1964, S.97) Engels fand den Weg zu Gottes Wort nicht mehr zurück und schloß sich demjenigen an, den er selbst als „Ungeheuer, das von Tausenden von Teufeln be sessen ist" bezeichnete. Er hatte eine Gegenbekeh rung erfahren. Was für ein Mensch war Bruno Bauer, der liberale Theologe, der eine so entscheidende Rolle bei der Zerstörung des christlichen Glaubens bei Engels spielte und der auch Marx in seinen neuen, anti christlichen Plänen unterstützte? Hatte er mit Dämonen zu tun? Hören Sie, was Bruno Bauer am 6. De zember 1841 an seinen Freund Arnold Ruge schrieb, der auch ein Freund von Marx und Engels war: „Ich halte hier an der Universität Vorlesungen vor einer großen Zuhörerschaft. Ich erkenne mich nicht mehr, wenn ich meine Lästerungen von der Kan zel herunterspreche. Sie sind so großartig, daß sich diesen Kindern, die niemand verletzen sollte, die Haare sträuben. Während ich diese Gotteslästerungen verkünde, denke ich daran, wie ich zu Hause fromm dasitze und eine Rechtfertigung der heiligen Schrift und der Offenbarung schreibe. Jedenfalls ist es ein schlimmer Dämon, der mich immer dann befällt, wenn ich die Kanzel betrete, und ich bin so schwach, daß ich ihm nachgeben muß . . . Mein Geist der Lästerung ist erst zufrieden, wenn ich die Erlaubnis bekomme, öffentlich als Professor eines atheistischen Systems zu predigen."(Marx-Engels, historisch-kritische vollständige Ausgabe, ME Verlags gesellschaft, Frankfurt am Main, 1927, Bd. I, 1) Der Mann, der Engels überredete, Kommunist zu werden, war derselbe Moses Hess, der auch schon Marx überzeugt hatte. Hess schreibt nach einem Treffen mit Engels in Köln: „Er verließ mich als übereifriger Kommunist. So schaffe ich Verwüstung." (Moses Hess, Ausgewählte Werke, Joseph Melzer, Köln 1962) „Ich schaffe Verwüstung". War das das Hauptziel in Hess' Leben? Das ist auch das Hauptziel Luzifers. Die Spuren, die das Christsein bei Engels hinterlassen hatte, brachte er nie ganz aus seinen Gedanken weg. 1865 gibt er seiner Bewunderung für das Reformations lied „Ein feste Burg ist unser Gott" Ausdruck. Er nennt es eine triumphale Hymne, die zur Marseillaise des 16. Jahrhunderts wurde." (Einführung in die Dialektik der Natur) Und das sind nicht Engels' einzige pro-christliche Aussagen. Engels Tragödie entwickelte sich fast noch packender als die von Marx. Hören Sie sich an, was dieser Mann in seiner Jugend schrieb, der später Marx' größter Komplize in der Zerstörung der Religion wurde. 1. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, O steig herab von Deinem Thron, und rette meine Seele! O komm mit Deiner Seligkeit,

Du Glanz der Vaterherrlichkeit, Gib, daß ich Dich nur wähle! Lieblich, Herrlich, Ohne Leide ist die Freude, wenn dort oben, wir Dich, unsern Heiland loben! 2. Gib, daß dereinst zu seiner Zeit, Wenn mich erfaßt des Todes Leid, Ich fest an Dir mich halte; Daß ich, wenn mir das Aug' vergeht, Des Herzens Pulsschlag stille steht, Ich froh in Dir erkalte! Fortan wird dann Dich dort oben Mein Geist loben, ohne Ende Denn er ist in Deinen Händen. 3. O wäre sie da, die Zeit der Lust, wo ich an Deiner Liebesbrust vom Tode soll erwarmen! Dann seh' ich, Gott, ich dank es Dir, die all', die waren teuer mir, kann ewig sie umarmen! Ewig, ewig, ewiglebend, vor Dir stehend, Dich zu sehen Wird mein Leben neu erblühen. 4. Du kamst, die Menschheit zu erlösen, vom Tod sie zu befrei’n und Bösen, zu bringen ihr Dein Glück und Heil. Kommst Du nun herab zur Erden, da wird durch Dich es anders werden, da teilst Du jedem zu sein Teil. (Marx-Engels Gesamtausgabe, M-E Verlagsgesellschaft, Berlin 1930, Abt. 1, Bd. 2) Nachdem Bruno Bauer den Zweifel in Engels' Herz gesät hatte, schrieb Engels an Freunde: „Es steht geschrieben: Bittet, so wird euch gegeben! Ich suche die Wahrheit, wo immer ich hoffe wenigstens einen Schatten von ihr zu finden. Aber ich kann eure Wahrheit noch nicht als die ewige Wahrheit erkennen. Und doch steht geschrieben: Suchet, so werdet ihr finden. Wer ist unter euch, der seinem Sohn einen Stein geben würde, wenn er um Brot bittet. Wie viel weniger wird Gott, euer himmlischer Vater also tun." „Tränen steigen mir in die Augen, während ich diese Worte schreibe. Ich bin zutiefst bewegt, aber ich fühle, daß ich nicht verloren bin. Ich werde zu Gott kommen, nach dem sich meine Seele sehnt. Auch das ist ein Zeugnis des heiligen Geistes. Damit lebe und damit sterbe ich . . . Der Geist Gottes gibt meinem Geist Zeugnis, daß ich ein Kind Gottes bin." Er war sich der satanischen Gefahr durchaus bewußt. (Zu seinem Buch „Schelling, der Philosoph in Christo" schreibt Engels: „Seit der greulichen französischen Revolution ist ein ganz neuer, teuflischer Geist in einen großen Teil der Menschheit gefahren, und die Gottlosigkeit erhebt ihr freches Haupt so unver schämt und hoffärtig, daß man denken muß, es gingen jetzt die Weissagungen der Schrift in Erfüllung. Wir wollen aber einmal sehen, was die Schrift über die Gottlosigkeit der letzten Zeiten sagt. Der Herr Jesus sagt Matth. 24,11-13: Und es werden sich fal sche Propheten erheben und werden viele verfüh ren, und dieweil die Ungerechtigkeit wird überhand nehmen, wird die Liebe in Vielen erkalten. Wer aber beharret bis an das Ende, der wird selig. Und es wird gepredigt werden

das Evangelium vom Reich in der gan zen Welt, zu einem Zeugnis über alle Völker und dann wird das Ende kommen. Und V. 21: Es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und große Zei chen und Wunder tun, daß verführet würden in den Irrtum, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten. Und Paulus sagt, 2.Thess. 2: Es wird geoffenbart werden der Mensch der Sünde, und das Kind des Verderbens, der da ist ein Widerwärtiger und sich überhebt über Alles, das Gott oder Gottesdienst heißt; nach der Wirkung des Satans, mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern, und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden, dafür, daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, daß sie selig würden. Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge; auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit." Engels schreibt wie der gläubigste Theologe. Er setzt fort: „Es ist nicht mehr eine Gleichgültigkeit und Kälte gegen den Herrn, nein, es ist offene, erklärte Feindschaft, und anstatt aller Sekten und Parteien haben wir jetzt nur zwei:Christen und Antichristen. Sie ziehen umher in Deutschland und wollen sich über all einschleichen, sie predigen ihre satanischen Lehren auf den Märkten und tragen das Panier des Teufels von einer Stadt zur andern, die arme Jugend hinter sich herlockend, um sie in den tiefsten Schlund der Hölle und des Todes zu stürzen." Und er endet mit den Worten der Offenbarung, „Siehe, ich komme bald. Halte was Du hast, auf daß niemand deine Krone nehme. Amen." (Marx-Engels, historisch-kri tische vollständige Ausgabe) Der Mann, der solche Gedichte und solche Warnungen vor dem Satanismus schrieb, der Mann, der mit Tränen in den Augen betete, sich vor solcher Gefahr zu hüten, der Mann, der Marx als von tausend Teufeln besessen erkannte, wird Marx' engster Mitarbeiter in dem teuflischen Kampf, „alle Religion und Moral abzuschaffen". (Das kommunistische Manifest, Marx und Engels) Das hat die liberale Theologie zustande gebracht. Sie teilt mit Marx und Engels die Schuld am Tod von vielen Millio nen Unschuldiger durch den Kommunismus. Nach diesem traurigen, aber unerlässlichen Intermezzo über Engels, wenden wir uns wieder Marx zu. Rolf Bauer beschreibt Marx' verheerendes Finanzleben in „Genie und Reichtum" (Bertelsmann, Gütersloh und Wien, 1971): „Als er Student in Berlin war, erhielt der Sohn von Papa Marx 700 Taler als jährliches Taschen geld." Dieser Betrag war enorm hoch, da zu jener Zeit nur 5 Prozent der Bevölkerung über ein größeres Einkommen als 300 Taler im Jahr verfügten. Zu seinen Lebzeiten er hielt Marx von Engels ungefähr 6 Millionen Franc (Zahl des Marx-Engels Instituts). Er war immer auf Erbschaft aus. Als einer seiner Onkel in großen Schmerzen lag, schrieb er: „Wenn der Hund stirbt, bin ich aus dem Elend heraus." Darauf ant wortete Engels: „Ich gratuliere mir selbst zu der Krankheit des Verhinderers einer Erbschaft, und hoffe, daß die Katastrophe jetzt geschieht." Dann starb „der Hund". Marx schreibt am 8. März 1855: „Ein sehr glückliches Ereignis. Gestern erhielten wir die Nachricht vom Tode des 90-jährigen Onkels meiner Frau. Meine Frau wird etwa 100 Lst erben, sogar noch mehr, wenn der alte Hund nicht einen Teil seines Geldes der Frau vermacht hat, die sein Haus verwaltet hat."

Auch Personen gegenüber, die ihm viel näher standen als sein Onkel, hegte er keine freundlichen Gefühle. Er sprach nicht mit seiner Mutter. Im Dezember1863 schrieb er an Engels: „Vor zwei Stunden kam ein Telegramm, um mir mitzuteilen, daß meine Mutter tot ist. Das Schicksal mußte ein Mitglied der Familie wegnehmen. Ich hatte schon einen Fuß im Grab. Unter den Umständen werde ich mehr gebraucht als die alte Frau. Ich muß wegen der Erbschaft nach Trier." Das war alles, was er zum Tode seiner Mutter zu sagen hatte. Marx verlor an der Börse viel Geld. Er, der Wirtschaftler, wußte nur, wie man verliert. Da die Teufelssekte äußerst geheim ist, haben wir nur Anzeichen für mögliche Verbindungen zu Marx. Sein unordentliches Leben ist vielleicht ein weiteres Glied in der Kette der schon angeführten Beweise. Marx war ein Intellektueller höchsten Ausmaßes. Engels ebenfalls. Aber ihre Korrespondenz wimmelt nur so von Obszönitäten, die in dieser Gesellschaftsklasse nicht üblich sind. Sie ist voll von schmutzigen Redensarten, aber es gibt keinen Brief, in dem man idealistische Reden über ihren humanistischen oder sozialistischen Traum findet. Marx' ganze Einstellung und Konversation waren satani scher Art. Obwohl selbst Jude, schrieb er ein bösarti ges anti-jüdisches Buch mit dem Titel „Die Judenfrage". Er hasste nicht nur die Juden. Sein Freund Weitling schrieb: „Marx' gewöhnliche Konversation besteht aus Atheismus, der Guillotine, aus Gesprächen über Hegel, den Strang und den Dolch." Er hasste die Deutschen. Er schrieb: „Schläge sind das einzige Mittel, den Deutschen zum Leben zu er wecken." Er sprach von dem „dummen deutschen Volk". „Deutsche, Chinesen und Juden müssen mit Hausierern und Kleinkaufleuten verglichen werden." Er sprach von der „ekelhaften, nationalen Gründlichkeit der Deutschen". (Künzli, Psychographie) Er betrachtete die Russen als untermenschlich. (K. Marx über Rußland, Zaria Publishing House, Kanada) Die sla wischen Völker sind ein „ethnischer Dreck". (Zitat der New York Times vom 25. Juni 1963). Das sind Anhaltspunkte, die zu dem Schluß führen müssen, daß Marx Satanist war. Marx' Lieblingskind war Eleonor. Er nannte sie Tussy und sagte oft: „Tussy ist ich." Wir wollen nun sehen, was uns Tussy zu sagen hat! Mit der Zustimmung von Marx heiratete Eleonor Edward Aveling, einen Freund von Frau Besant, eine Hauptperson der Theosophie. Er hielt Vorträge über Themen wie „Die Schlechtigkeit Gottes" (Der satanistische Gedanke. Sie leugnen nicht wie die Atheisten die Existenz Gottes, höch stens um jemand absichtlich zu täuschen. Sie wissen von seiner Existenz, beschreiben ihn jedoch als böse.) In seinen Vorträgen versuchte er zu beweisen, daß Gott ein „Befür worter der Polygamie und ein Anstifter zum Diebstahl sei". Er vertrat das Recht auf Blasphemie. (Das Leben der Eleonor Marx von Chiushichi Tsuzuki, Clarendon Press Oxford 1967, Seiten 85, 89, 340) Hören wir uns doch einmal das folgende theosophische Gedicht an, und erinnern wir uns daran, daß Marx' erwähl ter Schwiegersohn einer der Lehrer dieser Bewegung war. Derartige Gedichte wurden in Marx' Haus vorgetragen. Auf diese Weise erhalten wir einen Eindruck von der geistigen Atmosphäre dieses Hauses. Ungezügelt und verwegen sollen meine Verse aufsteigen Zu dir, oh Satan, König des Banketts, Hinweg mit deiner Besprengung, oh Priester, und dein Geleier, Denn nie soll Satan, oh Priester, hinter dir stehen. Dein Atem, oh Satan, inspiriert meine Verse, Wenn ich aus meiner Brust den Göttern trotze.

Von den priesterlichen Königen und unmenschlichen Königen, Dein ist der Blitz, der die Gemüter erzittern läßt. Oh Seele, die da wandert weit vom geraden Wege, Satan ist gnädig. Sieh Heloise! Wie der Wirbelwind seine Flügel entfaltet, Geht er vorüber, oh Volk, Satan der Große! Heil dem Verstande, dem großen Rechtfertiger! Geheiligt sollen aufsteigen zu dir Weihrauch und Schwüre! Du hast den Gott des Priesters entthront. (Zitat aus „Der Prinz der Dunkelheit" von Frederik A. Tatford - Bible and Advent Testimony Movement Eastbourn und Sussex, 1957.) Die Verbindung zwischen Marxismus und Theosophie kommt nicht von ungefähr. Die Theosophie hat im Westen die indische Lehre von der Nichtexistenz der Einzelseele verbreitet. Was die Theosophie durch ihre Überredungs kraft nicht erreichte, erreicht der Marxismus mit der Macht der Peitsche. Er entpersonalisiert die Menschen und ver wandelt sie in Roboter, die dem Staat dienlich sind. Noch eine interessante Tatsache. Kommandeur Riis war ein Schüler von Marx. Betrübt über die Nachricht von seinem Tode kam er nach London, um das Haus zu be suchen, in dem sein verehrter Lehrer gelebt hatte. Die Familie war weggezogen. Die einzige, die er befragen konnte, war ein ehemaliges Dienstmädchen von Marx. Sie äußerte über ihn die erstaunlichen Worte: „Er war ein gottesfürchtiger Mann. Als er sehr krank war, betete er allein in seinem Zimmer vor einer Reihe brennender Ker zen und band eine Art Meßband um seine Stirn." Das läßt auf Gebetsriemen schließen, wie sie die Juden während ihres Morgengebetes tragen. Aber Marx war in der christlichen Religion getauft. Er hatte nie das Judentum praktiziert. Dann wurde er Kämpfer gegen Gott. Er schrieb Bücher gegen die Religion und erzog alle seine Kinder zu Atheisten. Was war das für eine Zeremonie, die eine unwissende Magd für ein Gebet hielt? Wenn die Juden ihre Gebete verrichten, haben sie nie eine Reihe von Kerzen vor sich. Könnte es sich hier um eine magische Praktik ge handelt haben? (Sergius M. Riis, Karl Marx, Robert Spel ler, New York, 1962, Seite 2) Einen weiteren Hinweis gibt ein Brief, der an Marx von seinem Sohn Edgar am 31. März 1954 geschrie ben wurde. Er beginnt mit den verblüffenden Worten „Mein lieber Teufel". Wo hat man jemals gehört, daß ein Sohn seinen Vater auf solche Weise anspricht? Nur bei den Satanisten. War der Sohn auch eingeweiht? Es ist doch wirklich auffällig, daß Marx' Frau ihren Mann in einem Brief vom August 1844 mit folgenden Worten anspricht: „Dein letzter Hirtenbrief, Hohepriester und Bischof der Seelen, hat dein armes Schaf wieder mit Ruhe und Frieden erfüllt." (Marx und Engels, Voll ständige Werke, Ostberlin 1967-74, Zusatzband I, S. 654) Marx gibt in seinem „Kommunistischen Manifest" sei nem Wunsch Ausdruck, jede Religion auszurotten. Man sollte meinen, daß auch der Teufelskult dazugehört. Aber seine Frau redet ihn als Hohepriester und Bischof an. Hohepriester und Bischof welcher Religion? Die einzige europäische Religion, die Hohepriester hat, ist die satani sche. Was für Hirtenbriefe schrieb der Mann, von dem man glaubte, er sei Atheist? Wo sind sie? Es gibt eine Zeitspanne in Marx' Leben, die unerforscht blieb. Manche Biographen, die über Marx geschrieben haben, spürten vielleicht etwas von der Verbindung zwischen dem Satanismus und dem Thema ihres Buches, aber sie hatten vielleicht auch nicht den nötigen geistlichen Hintergrund und konnten mit den Tatsachen, die sie vor Augen hatten, nichts anfangen. Aber ihr Zeugnis ist trotzdem interessant.

Der Marxist Franz Mehring schrieb in seinem Buch Karl Marx (Dietz Verlag, Berlin, 1964, Seiten 8, 10): „Der Vater blickte manches Mal mit geheimer Angst auf den ,Dämon` in dem Lieblingssohne, obgleich er schon wenige Tage nach Karls zwanzigstem Geburtstage starb... Aber wie der Mensch niemals die letzten Folgen seines Tuns zu überblicken vermag, so hat Heinrich Marx nicht daran gedacht und nicht daran denken können, wie er durch das reiche Maß bürgerlicher Bildung, das er dem Sohn als kostbare Mitgift fürs Leben gab, doch nur den gefürch teten ,Dämon` entbinden half, von dem er zweifelte, ob er ,himmlischer` oder ,faustischer` Natur sei." Marx starb in Verzweiflung, wie alle Teufelsanbeter. Am 20. Mai 1882 schrieb er an Engels: „Wie unnütz und leer ist doch das Leben, aber wie begehrenswert." Der Marxismus birgt ein Geheimnis, das nur wenige Marxisten kennen. Lenin schrieb: „Nach einem halben Jahrhundert hat noch kein einziger Marxist Marx begrif fen." - (Zitat aus Walter A. Kaufman, Hegel, Doubleday, Garden City, New York, 1965, Seite 289) Auch Lenins Leben birgt ein Geheimnis. Er schreibt über den sowjetischen Staat: „Der Staat funktioniert nicht wunschgemäß. Wie funktioniert er denn? Der Wagen gehorcht nicht. Es sitzt jemand am Steuer und es hat den Anschein, als lenke er, aber der Wagen fährt nicht in die gewünschte Richtung. Er fährt, wie eineandere Macht es will." (Lenins Werke in französischer Sprache, Bd. XXXIII, S. 284.) Welche geheimnisvolle andere Macht ist das, die sogar den Plänen der Bolschewikenführer überlegen ist? Haben sie sich einer Macht ausgeliefert, die sie zu meistern hofften, die sich aber als übermächtig erwies und sie zum Verzweifeln brachte? In seinem Brief aus dem Jahr 1921 (Bd. XXXVI, S. 572) schreibt er: „Wir alle verdienen es, an einem stinkenden Strick aufgeknüpft zu werden. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, daß das auch geschieht, weil wir diese dreckige Bürokratie nicht verdammen können. Und sollte es eintreffen, dann ist es gut so." Das war Lenins letzte Hoffnung nach einem Leben des Kampfs für die Sache des Kommunismus - gerechterweise an einem stinkenden Strick aufgehängt zu werden. Diese Hoffnung erfüllte sich zu seinen Lebzeiten nicht, aber fast alle seine Mitarbeiter wurden nach und nach von Stalin umgebracht, nachdem sie öffentlich bekannt hatten, daß sie anderen Mächten als dem Proletariat gedient hatten, dem sie angeblich helfen wollten. Was für ein Bekenntnis, das Lenin hier ausspricht! „Ich hoffe, daß man uns an einem stinkenden Strick aufhängt!" Und was für einen Gegensatz zu einem anderen Kämpfer, dem Apostel Paulus, der am Ende seines Lebens schrieb: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet. Hinfort ist mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, die der Herr der gerechte Richter, mir an jenem Tag geben wird." (2. Tim. 4, 7 und 8) Das Problem der Be ziehung zwischen Marxismus und Satanismus muß noch genauer untersucht werden. Wie alle Menschen, verfallen auch christliche Denker oft der Versuchung, vorgefaßte Ideen zu beweisen. Sie schreiben manchmal nicht nur Dinge, die sie kennen. Denker neigen dazu, manchmal die Unwahrheit zu sagen oder in ihren Argumenten zu übertreiben, um ihre Ansicht zu beweisen. Ich glaube, daß es genug Anhaltspunkte dafür gibt, daß Marx einer Teufelsanbetersekte an gehörte. Es fehlt zweifellos nicht an genügend Hinweisen, daß sein Leben und seine Lehre von satanischem Einfluß gekennzeichnet sind, aber ich muß auch zugeben, daß es Lücken in der Gedankenkette gibt, die einen endgültigen Schluß in dieser Sache nicht zulassen. Ich wollte hier einen Anstoß geben und möchte es anderen überlassen, dieser wichtigen Frage der Verbindung zwischen Marxismus und Satanismus weiter nachzugehen.

Ich kann es nicht; denn meine ganze Zeit wird von der Arbeit beansprucht, unschuldigen Opfern einer satanischen Verfol gung unter kommunistischer Herrschaft zu helfen. Außerdem bin ich auch nicht der Heilige, der man sein sollte, um weiter in diese Dinge vorzustoßen. Ich verfolgte die Geheimnisse der Teufelsanbetung so weit ich konnte. In der Zeremonie der dritten Stufe muß man den Eid ab legen: „Ich werde immer nur das tun, was Ich will." Das ist eine offene Absage an das Gebot Gottes: „Laßt euch nicht von eures Herzens Dünken noch von euren Augen umtreiben und werdet nicht abgöttisch." (4. Mose 15, 39) Wie ich schon erwähnte, ist der Satanskult sehr alt, älter als das Christentum. Vielleicht dachte der Prophet Jesaja an ihn, als er schrieb: „Wir gingen alle in die Irre wie die Schafe; ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn (den Erlöser)." (Jes. 53, 6) Wenn jemand in die siebte Stufe eingeführt wird, schwört er, sich zum Grundsatz zu machen: „Nichts ist wahr und alles ist erlaubt." Als Marx einen Frage bogen für seine Tochter ausfüllte, beantwortete er die Frage „Was ist Dein Lieblingsgrundsatz?" mit den Worten: „Bezweifle alles." (Erich Fromm, Marx's Concept of Man „Das Menschenbild bei Marx", Friedrich Unger, New York, 1966, Seite 257) Im „Kommunistischen Manifest" schrieb er, er habe es sich zum Ziel gesetzt, nicht allein die Religion auszurotten, sondern auch jegliche Moral, so daß alles erlaubt sei. Ich war entsetzt, als ich 1968 bei den Unruhen in Paris das Geheimnis der siebten Stufe des Satanismus auf einem Pla kat an der Universität von Paris entdeckte. Man hatte es auf die Formel gebracht: „Es ist verboten, etwas zu ver bieten", die normale Schlussfolgerung, wenn nichts wahr und alles erlaubt ist .. . Die Jugend hat die Unsinnigkeit dieser Formel nicht be merkt. Es ist verboten zu verbieten, es ist also auch verboten, das Verbieten zu verbieten. Wenn alles erlaubt ist, ist auch das Verbieten erlaubt. Die Jugend verwechselte Erlaubtsein mit Freiheit. Die Marxisten wissen es besser. In ihren Augen bedeutet „nichts ist verboten", daß es ver boten ist, eine grausame Diktatur nach dem Muster Rotchinas und der Sowjetunion zu verbieten. Aber ich neige selbst dazu, eine herrschsüchtige Persön lichkeit zu sein. Als ich den Werdegang bekannter Persönlichkeiten der Geschichte studierte, die sich ohne Ein schränkung dem beherrschenden Einfluß des Teufels aus lieferten, spürte ich, wie satanische Neigungen in mir wuchsen. Darauf zog ich es vor, meine Nachforschungen zu beenden, auch wenn sie nur dem moralischen Zweck dienten, die Quelle des Bösen aufzudecken. Ich wollte das kostbare Juwel, meine Seele, nicht opfern. Satan ist ein gefallener Erzengel und besitzt die Fähig keiten eines solchen. Wir Menschen sind ihm nicht gewachsen. Ich hielt mich an den klugen Rat einer Charmeliterpriorin, die Finger vom Teufel zu lassen und nicht in seine Geheimnisse einzudringen. Weil ich genug von den Nachforschungen über die schändlichen Geheimnisse des Satanismus hatte, gab ich weitere Untersuchungen auf. So erinnerte ich mich an die Worte von Douglas Hunt, die er in seinem Buch „Researches in the Sphere of the Occult" niedergeschrieben hat: „Es ist nötig, jeden dringlich vor einer Teilnahme an der schwarzen Magie zu warnen, sei sie nun echt oder gefälscht. Lassen Sie die Finger von diesen Dingen und meiden Sie alle, die damit zu tun haben, wie die Pest. Selbst wenn es sich dabei um Tricks handelt - was oft der Fall ist - oder wenn es kindisch ist, ist es doch schmutzig und heidnisch. Diese Dinge führen nur zur Verzerrung und Abwertung der Seele. Und wenn wirkliche Kräfte in Erscheinung treten (wie im Falle des Marxismus) sind die Ergebnisse für die Beteiligten unbeschreiblich schlimm."

Der Kommunismus ist kollektive Dämonenbesessen heit. Solschenitsyn enthüllt in seinem „Archipel Gulag" einen Teil dessen entsetzlicher Ergebnisse in der Seele und im Leben der Menschen. Ich wiederhole, das Beweismaterial das ich hier gebe, ist unvollständig. Aber was ich hier geschrieben habe, genügt um zu zeigen, daß das,was Marxisten über Marx sagen, nichts weiter als ein Märchen ist. Er war nicht von der Armut des Proletariats betroffen, für welches die Revolu tion die einzige Lösung wäre. Er liebte die Proletarier nicht, sondern bezeichnete sie als Idioten. Ebenso wenig liebte er seine Genossen im Kampf für den Kommunismus. Er nannte Freiligrath „das Schwein", Lasalle „jüdischer Nigger", Genosse Liebknecht „Ochse" und Bakunin „eine theoretische Null". (Arnold Künzli, Karl Marx, Eine Psychographie, Europa-Verlag, Wien, 1966, Seite 341-389) Leutnant Tschechow, ein Kämpfer der Revolution von 1848, der nächtelang mit Marx trank, sagte, daß seine Selbstbewunderung alles Gute in ihm verschlungen habe. Marx liebte auch die Menschheit nicht. Mazzini, der ihn gut kannte, schrieb: „Er hat einen zerstörerischen Geist besessen. Sein Herz war mit Haß und nicht mit Liebe gegen die Menschheit erfüllt." (Fritz J. Raddatz, Karl Marx, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1975, Seiten 256-344) Ich kenne keine anderslautenden Aussagen von Marx' Zeitgenossen. Marx, der liebende Mensch, ist ein Mär chen, das nach seinem Tod erfunden wurde. Marx haßte auch die Religion nicht, weil sie dem Glück der Mensch heit im Wege stand, sondern er wollte die Menschheit hier und für alle Ewigkeit unglücklich machen. Das verkün dete er als sein Ideal. Sein Ziel war die Zerstörung der Religion. Der Sozialismus, als Sorge um das Proletariat und den Humanismus waren nur Vorwand. Als Marx Charles Darwin „Die Entstehung der Arten" gelesen hatte, schrieb er am 16. Januar 1861 einen Brief an Ferdinand Lasalle, in dem er triumphierte, Gott sei - zumindest in der Naturwissenschaft - der Todesstoß ver setzt worden. (Marx, Engels, Werke, Dietz-Verlag, Berlin 1972, Band 30, Seite 578) Welche war Marx' Hauptidee? War es die Sache des armen Proletariats? Wenn ja, wel chen Wert besaß dann Darwins Theorie? Oder aber war die Ausrottung der Religion sein Hauptziel? Das Wohl der Arbeiter war nur ein Vorwand. Wo Pro letarier nicht für ihre Ideale kämpfen, werden Marxisten die Rassen- oder Generationsprobleme voll ausnützen. Hauptsache ist die Religion zu vernichten. Marx glaubte an die Hölle, und sein Vorhaben bestand darin, die Menschen in den Abgrund zu bringen. Es wäre hier vielleicht interessant hinzuzufügen, daß in der Biographie Bucharins, Generalsekretär der kommu nistischen Internationale und einer der Hauptdoktrinäre des Marxismus in diesem Jahrhundert, zu lesen ist, daß er im frühen Alter von 12 Jahren, nach der Lektüre der Offenbarung, der Anti-Christ werden wollte. Als er aus der Schrift erfuhr, daß der Anti-Christ Sohn der apoka lyptischen Hure sein mußte, bestand er darauf, daß seine Mutter zugeben solle, einmal Dirne gewesen zu sein. Derselbe Bucharin, der sich in solchen Angelegenheiten auskannte, schrieb über Stalin: „Er ist kein Mensch, son dern ein Teufel." (G. Kafkov, „The Trial of Bukharin", Stein & Day, New York 1969) Bucharin erkannte zu spät, in wessen Hände er gefallen war. In einem Brief, den er seine Frau vor seiner Verhaftung und Hinrichtung auswendig lernen ließ, schreibt er: „Mein Leben geht zu Ende. Ich beuge mein Haupt unter das Beil des Henkers. Ich spüre meine ganze Machtlosig keit

angesichts dieses höllischen Apparats." Er hatte bei der Errichtung einer Guillotine - dem Sowjetstaat - ge holfen, der Millionen umbrachte, und mußte dann erken nen, daß der Plan dafür in der Hölle entstanden war. Er wollte der Antichrist sein und wurde statt dessen sein Opfer. Die ersten Pseudonyme, unter denen Stalin schrieb, lau teten „Demonoschwili", was in der georgischen Sprache „Der Dämonische" (Grani Nr. 90-4) und „Besoschwili" „Der Teuflische" bedeutet. (Abdurachman Autorchanov, Pro ischozdenie Partokratie, Possev-Verlag, Frankfurt/M. 1973) Mao schrieb: „Schon im Alter von acht Jahren haßte ich den Konfuzius. In unserem Dorf befand sich ein Konfuzius tempel. Ich wünschte mir von ganzem Herzen, ihn bis auf die Grundmauern zu zerstören." („Mao Tse-tung" von M. Zach, Bechtle Verlag, München) Ist Ihnen schon einmal ein Kind begegnet, das im Alter von acht Jahren keinen anderen Herzenswunsch als die Zerstörung seiner Religion hatte? Solche Gedanken tra gen dämonischen Charakter. Trotzki war ebenfalls ein entarteter Mensch. Im Alter von acht Jahren besaß er eine große Sammlung pornographischer Bilder (Bertram Wolfe, Three Who Made the Revolution, Dial Piess, New York, 1948). Im zaristischen Rußland war es nicht wie heute. Man konnte Pornographie nicht an jedem Zeitungsstand finden. Trotzki muß deshalb sehr leidenschaftlich gewesen sein und wohl seinen Eltern viel Geld gestohlen haben, um sich eine solche Sammlung anzuschaffen. Auch er war eine verwirrte Seele. Alexander Solschenizyn enthüllt in seinem Buch „Der Archipel Gulag" (M. Scherz, München, 1974, Band 2), daß das Hobby des sowjetischen InnenministersJagoda darin bestand, auf Bilder von Jesus und der Heiligen zu schie ßen. Ein anderes satanisches Ritual, das in hohen Ämtern der Kommunisten praktiziert wird. Weshalb sollten Menschen, die angeblich das Proleta riat vertreten, auf Bilder von Jesu, einem Proletarier, oder von Maria, einer armen Jungfrau, schießen? Pfingstler berichteten von einem Ereignis, das sich im Zweiten Weltkrieg in Rußland zutrug. Einer ihrer Prediger hatte einen Teufel ausgetrieben, der, als er ausfuhr, drohte: „Ich werde mich rächen." Jahre später wurde der Prediger wegen seines Glaubens erschossen. Vor der Exe kution sagte der zuständige Offizier: „Jetzt sind wir quitt." Sind sowjetische Offiziere manchmal vom Teufel besessen? Dienen sie vielleicht Satan als Instrumente um sich an Christen zu rächen, die versuchen, ihn von seinem Thron zu stürzen? Eine ihrer Übeltaten wurde am 13. März 1975 in der Zeitung „Russkaja Misl" berichtet. D. Profirewitsch hatte eine Tochter, die er im Glauben erzog. Sie mußte kommu nistische Schulen besuchen. Im Alter von zwölf Jahren kam sie eines Tages nach Hause und sagte: „Religion ist kapitalistischer Aberglaube. Wir leben in einer anderen Zeit." Sie kehrte dem Christentum den Rücken. Später trat sie der Kommunistischen Partei bei und wurde Mit glied des Geheimdienstes, was ihren Eltern natürlich einen schweren Schlag versetzte. Nach einer Zeit wurde die Mutter verhaftet. Unter dem Kommunismus besitzt man nichts, weder die eigene Frau, noch die Kinder, noch die eigene Freiheit. Der Staat nimmt wann und was er will. Der Sohn weinte nach der Verhaftung der Mutter sehr viel. Ein Jahr danach erhängte er sich. Profirewitsch fand einen Brief, indem er schrieb: „Vater, wirst du mich rich ten? Als Mitglied der kommunistischen Jugendorganisa tion mußte ich unterschreiben, daß ich alles berichten werde, was gegen die sowjetischen Behörden unternom men wird. Eines Tages rief mich die Polizei und

Warja, meine Schwester, forderte mich auf, eine Anklage gegen meine Mutter zu unterschreiben, weil sie Christin war. Man hielt sie für eine Konterrevolutionärin. Ich habe unterschrieben. Ich bin schuld an ihrer Verhaftung. Dann befahlen sie mir, dich zu bespitzeln. Es wäre das Gleiche herausgekommen. Verzeih mir, Vater, aber ich zog es vor, zu sterben." - Nach dem Selbstmord des Sohnes wurde dann auch der Vater verhaftet. Ein Regime, in dem solche Geschehnisse zum Alltag gehören, das Menschen, selbst Christen, in Mörder, Denunzianten oder unschuldige Opfer verwandelt, kann von Gottes Kindern nur verabscheut werden. „Schon wer sie grüßt, ist Teilhaber ihrer bösen Werke." (2. Joh.11) Die sowjetische Zeitung Sowjetskaja Molo diosch vom 14. 2. 1976 liefert einen neuen, schlagenden Beweis für die Verbindung zwischen den Marxisten und dem Satanismus. Sie berichtet, wie die militanten Kommu nisten unter zaristischer Herrschaft Kirchen zerstörten und Gott verspotteten. Dazu benutzten die Kommunisten eine blasphemische Version des „Vater Unsers". „Unser Vater, der du bist in Petersburg (heute Leningrad), verflucht sei dein Name. Möge dein Reich zerbrechen. Möge dein Wille nirgends geschehen, nicht einmal in der Hölle. Gib uns das Brot, das du uns gestohlen hast, und bezahle unsere Schulden, wie wir bis jetzt die deinen bezahlt haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern befreie uns von dem Bösen - der Polizei Plehves (zaristischer Premier). Und setze dieser verfluchten Regierung ein Ende. Aber da du ja schwach und arm im Geiste bist, und auch an Macht und Autorität, nieder mit dir in Ewigkeit. Amen." Das eigentliche Ziel des Kommunismus bei der Erobe rung neuer Länder ist nicht, ein anderes soziales oder wirtschaftliches System zu errichten, sondern Gott zu ver höhnen und Satan zu preisen. Der deutsche sozialistische Studentenbund hat auch eine Parodie auf das Vaterunser herausgebracht, die zeigen soll, daß das wahre Ziel dieses Gebets darin besteht, die Inter essen des Kapitalismus aufrechtzuerhalten. „Unser Kapital, das du im Westen bist, mögen deine Investitionen sicher sein. Mögest du Gewinn erzielen, mögen deine Aktien zunehmen, an der Wall Street wie auch in Europa. Unsere tägliche Verkaufsquote gib uns heute, und erweitere unseren Kredit, wie wir den unserer Schuldner erweitern. Und führe uns nicht in den Bankrott, sondern befreie uns von den Gewerkschaften. Denn dein ist die Hälfte der Welt und die Macht und der Reichtum, seit 2000 Jahren. Mammon." -(Rhein-Neckar-Zeitung, 2. Februar 1968) Die Gleichsetzung des Christentums mit den Interessen des Kapitalismus ist Verleumdung. Die Kirche weiß, daß der Kapitalismus mit Blut und Schmutz befleckt ist. Wir sind alle Sünder, und jedes Wirtschaftssystem ist von Sünde ge zeichnet. Wir bekämpfen den Kommunismus nicht vom kapitalistischen Standpunkt, sondern vom Standpunkt des Reiches Gottes aus, das unser soziales Ideal darstellt. Diese Parodie ist eine teuflische Verhöhnung des hei ligsten Gebetes, ebenso wie das von den Sowjets veröffent lichte. Während des Generalstreiks, den 1974 die französischen Kommunisten organisierten, wurden die Arbeiter aufge fordert, durch die Straßen von Paris zu marschieren und das Schlagwort zu rufen: „Giscard d'Estaing s'est foutu; les demons sont dans la rue, « („Giscard d'Estaing, Präsident von Frankreich, ist am Ende. Jetzt sind die Dämonen auf der Straße.") Warum die Dämonen? Weshalb nicht das Proletariat oder das Volk? Waren das Heraufbeschwörungen satanischer Kräfte? Was hat das mit legitimen Forderungen der

Arbeiterklasse nach besseren Löhnen zu tun? Ich kann verstehen, daß Kommunisten Priester und Pfarrer als Gegenrevolutionäre eingesperrt haben. Aber weshalb wurden Priester im rumänischen Gefängnis Piteschti von Marxisten gezwungen, über Kot und Urin die Messe zu sprechen? Weshalb wurden Christen gefoltert, damit sie die Kommunion mit diesen Dingen nahmen? Warum die obszöne Verhöhnung der Religion? (Cirja „Rückkehr aus der Hölle" und D. Bacu „Piteschti".) Weshalb wurden dem rumänischen orthodoxen Priester Roman Braga, einem ehemaligen Gefangenen der Kommunisten, sämtliche Zähne mit einer Stahlrute eingeschla gen, um ihn zur Gotteslästerung zu zwingen? Die Kom munisten hatten ihm und anderen erklärt: „Wenn wir euch Christen töten, kommt ihr in den Himmel. Aber wir wol len nicht, daß ihr zu Märtyrern gekrönt werdet. Ihr sollt zuerst Gott verfluchen und dann zur Hölle gehen." Marxi sten werden für Atheisten gehalten, die nicht an Himmel und Hölle glauben. Unter extremen Bedingungen hat der Marxismus seine atheistische Maske abgenommen und sein wahres Gesicht gezeigt - den Satanismus. Der rumänische Schriftsteller und Kommunist Paul Goma, der von seinen eigenen Genossen eingesperrt wurde, beschreibt in seinem Buch „Gherla" (Gallimard, Frank reich) Folterarten, die von den Kommunisten speziell für Christen erfunden wurden. Sie „tauften" einen religiösen Gefangenen täglich, indem sie seinen Kopf in einen Eimer tauchten, in den andere Gefangene ihre Notdurft verrich tet hatten, und die anderen Gefangenen mußten währenddessen den Taufgottesdienst singen. In Festzeiten und besonders während der Fastenzeit wur den gotteslästerliche Messen veranstaltet. „Ein Gefange ner wurde in ein Gewand gekleidet, das mit Kot be schmiert war. Anstelle des Kreuzes trug er um den Hals einen Phallus aus einer Mischung von Brot, Seife und DDT. Alle Gefangenen mußten ihn küssen und dabei die Formel ;,Christus ist auferstanden" aussprechen, die den Orthodoxen heilig ist. Derartige Dinge wurden mindestens zwei Jahre mit Wissen der Parteiführung getrieben. Was haben diese unwürdigen Vorgänge mit dem Sozialis mus und den Interessen des Proletariats zu tun? Sind diese Schlagwörter nicht nur ein Vorwand für satanische Läste rung und Orgien? In der „Wetschernaja Moskwa", einer kommunistischen Zeitung, stand zu lesen: „Wir kämpfen nicht gegen die Gläubigen, auch nicht gegen die Geistlichkeit. Wir kämp fen gegen Gott, um die Gläubigen wegzuschnappen." (Zitat von Priester Dudko in „Über unser Vertrauen", CVJM Presse, Paris) „Der Kampf gegen Gott, um ihm seine Gläubigen weg zuschnappen", ist die einzige logische Erklärung für den Kampf des Kommunismus gegen die Taufe. In Albanien wurde der Priester Stephen Kurti zum Tode verurteilt, weil er ein Kind getauft hatte. Auch in China und Nordkorea kann nur heimlich getauft werden. In der Sowjetunion ist die Taufe nur möglich, wenn man sich vorher registrieren läßt. Wer sich oder seine Kinder taufen lassen will, muß der Kirchenbehörde den Personalausweis vorlegen. Die Kirchenbehörde informiert ihrerseits die staatliche Behörde. Und das Ergebnis ist dann Verfolgung. Kolchosearbeiter besitzen keinen Perso nalausweis und können ihre Kinder daher nur geheim tau fen lassen. (Igor Schafarewitsch, „Die Religionsgesetz gebung der UdSSR", Seuil, Frankreich, 1973) Viele protestantische Pfarrer wurden schon mit Gefäng nis bestraft, weil sie tauften.

Der kommunistische Kampf gegen die Taufe geht von der Voraussetzung aus, daß der Glaube an die Taufe für eine Seele von Wert ist. Staaten, die auf eine bestimmte Reli gion gegründet sind, wie Israel, Pakistan oder Nepal, stel len sich im Namen einer anderen religiösen Überzeugung gegen die Taufe als äußerliches Zeichen der Aufnahme in das Christentum. Aber für Atheisten, wie sich die Kom munisten bezeichnen, bedeutet die Taufe doch nichts. Ihrer Einstellung nach dürfte sie dem Getauften ebenso wenig nützen wie schaden. Weshalb bekämpfen die Kom munisten dann die Taufe? Aus keinem anderen Grund als diesem: „Sie kämpfen gegen Gott, um ihm die Gläubigen wegzuschnappen." Ihre Ideologie ist in Wirklichkeit nicht vom Atheismus inspiriert. Wer sich intensiver über die Verbindung zwischen Marxismus und dem Okkulten informieren möchte, sollte Scheila Ostrander und Lynn Schroeder, PSI (M. Scherz, München 1971) lesen. Er wird sich wundern zu entdecken, daß der kommunistische Osten in der Erfor schung finsterer Mächte, die von Satan manipuliert werden, viel weiter ist als der Westen. In Moskau wurde ein Dr. Eduard Naumow verhaftet. Er ist Mitglied der Internationalen Vereinigung der Parapsychologen. Der Moskauer Physiker C. Regelsohn, ein Juden-Christ, der seine Verteidigung übernahm, nennt uns den Grund der Verhaftung. Naumow hatte sich bemüht, die Sphäre psychischen Lebens von der Herrschaft übler Kräfte freizuhalten, die an der Parapsychologie nur als neue Waffe zur Unterdrückung der menschlichen Persön lichkeit interessiert sind. In der Tschechoslowakei und Bulgarien gab die Kom munistische Partei riesige Summen für die geheime Er forschung dieser Wissenschaft aus. Es gibt einen eisernen Vorhang, der den Westen davon abhält, zu erfahren, was in den zwanzig parapsychologischen Instituten der Sowjetunion vor sich geht.(„Nowoje Russkoje Slowo", 30. Juli 1975) Welchen besonderen Beitrag leistete Marx zum Plan des Teufels mit der Menschheit? Einen großen. Die Bibel lehrt, daß Gott den Menschen sich zum Bilde erschuf. (1. Mose 1,27) Bis zu Marx' Zeit wurde der Mensch als Krone der Schöpfung betrachtet. Marx war das erwählte Werkzeug des Satans, um den Men schen dazu zu bringen, seine Selbstachtung und seine Überzeugung zu verlieren, daß er von einem höheren Ort kommt und dazu bestimmt ist, auch wieder dahin zurückzukehren. Der Marxismus ist die erste systematische, de taillierte Philosophie, die den Begriff Mensch rigoros ein schränkte. Laut Marx besteht der Mensch hauptsächlich aus Bauch. Dieser Bauch muß ständig gefüllt werden. Die vorrangigsten Interessen des Menschen sind wirtschaftlicher Art. Er produziert für seine Bedürfnisse. In der Produktion tritt er in gesellschaftliche Verhältnisse. Das ist die Grundlage der Gesellschaft, das, was Marx Infrastruktur bezeichnet. Liebe, Kunst, Wissenschaft, Religion, Philosophie und alles, was der Bauch nicht braucht, gehört zur Überstruktur, die in der letzten Analyse vom Zustand des Bauches bestimmt wird. Kein Wunder, daß Marx so großes Gefallen an Darwins Buch fand, ein weiterer, meisterlicher Schlag, um den Menschen ihren göttlichen Ursprung und ihr göttliches Ziel vergessen zu machen. Darwin sagte, der Mensch stamme vom Affen ab und habe kein anderes Ziel als nur das Überleben. Der König der Natur wurde von diesen beiden entthront. Satan konnte Gott nicht entthronen, folglich entwertete er den Menschen. Der Mensch wurde als Sklave der Ein geweide und Weiterentwicklung des Tieres dargestellt. Später vollendete Freud das Werk dieser beiden satani schen Giganten Darwin und Marx und reduzierte den Menschen zum Geschlechtstrieb, der manchmal in der Politik, in der Kunst oder der Religion vergeistigt wird. Es war der Schweizer PsychologeC.G. Jung, der wieder zur

biblischen Lehre zurückkehrte, daß das religiöse Bedürfnis das Grundlegende im Menschen sei. Um das Bild abzurunden, noch ein paar Worte zu Moses Hess, dem Mann, der Marx und Engels zum sozialistischen Gedanken bekehrte. In Israel befindet sich ein Grab, auf dem die Worte zu lesen sind:„Moses Hess, Gründer der deutschen sozialdemokratischen Partei." In seinem „Roten Katechismus für das deutsche Volk" („Politischer Katechismus", 1966 herausgegeben von Karl M. Michel, Inselverlag Frankfurt/Main) schrieb er: „Was ist schwarz? Schwarz ist die Geistlichkeit. Diese Theologen sind die schlimmsten Aristokraten... Der Geist liche lehrt die Fürsten, das Volk im Namen Gottes zu unterdrücken. Zweitens lehrt er das Volk, sich im Namen Gottes unterdrücken und ausbeuten zu lassen. Drittens und grundsätzlich sorgt er mit Gottes Hilfe dafür, daß er ein herrliches Leben auf Erden führt, während er den Leuten rät, auf den Himmel zu warten..." „Die rote Fahne symbolisiert die anhaltende Revolu tion bis zum vollendeten Sieg der Arbeiterklassen aller zivilisierten Länder, die Rote Republik..., die sozialisti sche Revolution ist meine Religion... Wenn die Arbeiter ein Land erobert haben, müssen sie ihren Brüdern in der übrigen Welt helfen." Das war Hess' Religion, als er den Katechismus zum ersten Mal herausgab. Bei der zweiten Auflage fügte er weitere Kapitel hinzu. Diesmal benützt er zurVerherr lichung derselben Religion, d. h. der sozialistischen Revolution, die christliche Sprache, um bei den Gläubigen bes ser anzukommen. Da stehen nun zusammen mit der Pro paganda der Revolution auch ein paar nette Worte über das Christentum als die Religion der Liebe und des Huma nismus zu lesen. Aber ihre Botschaft braucht noch eine Verdeutlichung: Ihre Hölle darf nicht auf Erden und ihr Himmel nicht im Jenseits sein! Die sozialistische Gesell schaft ist die wahre Erfüllung des Christentums. Auf diese Weise verstellte sich der Teufel als Engel des Lichts. Nachdem Hess Marx und Engels von der sozialistischen Idee überzeugt hatte, ihr von Anfang an zum Ziel setzend, „der mittelalterlichen Religion den letzten Stoß zu ver setzen" (sein Freund Jung drückte es sogar noch klarer aus: „Marx wird Gott sicherlich aus seinem Himmel ver treiben"), trat eine interessante Entwicklung in Hess' Le ben ein. Er, der Gründer des modernen Sozialismus, grün dete eine ganz andere Bewegung, eine besondere Art des Zionismus. Nun bin ich selbst Zionist. Der Staat Israel gehört den Juden auf Grund des göttlichen Rechts. Gott, der Schöpfer der Welt, hat ihnen wiederholt durch die Propheten sagen lassen, daß er den Juden das Land Palästina gegeben hat. Das heißt aber nicht, daß ich alle Gedanken der Zionisten billige. Ich bin Christ, was auch nicht bedeutet, daß ich allem zustimme, was Christen lehren und tun. Es wäre unmöglich, weil sie geteilt sind und manchmal Widersprüch liches lehren. Dasselbe gilt für den Zionismus. Es gibt ver schiedene Arten von ihm: Einen sozialistischen, einen mosaisch-religiösen Zionismus, einen Zionismus jüdischer Christen, einen friedlichen und einen aggressiven Zionis mus. Ja, es gab sogar einen mörderischen, terroristischen Zionismus wie den der Sterngruppe, der viele unschuldige Menschen umbrachte. Im Christentum gibt es das, was von Gott kommt, dar über hinaus die Zusätze der Menschen und die Unterwanderung des Teufels. Jesus nannte sogar einmal einen seiner Jünger einen Teufel. Ebenso ist der Zionismus eine Mischung zwischen Er füllung eines göttlichen Plans und einer menschlichen Bewegung mit aller Anfälligkeit für Sünde und Schwach heit. Es wurde sogar der Versuch unternommen, einen satanischen Zionismus zu gründen, was zum Glück fehl schlug. Herzl gab dann dem Zionismus eine gesunde Wende. Hess, der Gründer des modernen Sozialismus, eines Sozialismus mit dem Ziel, Gott aus dem Himmel zu vertreiben, war auch der Gründer eines satanischen Zionis mus, der den göttlichen

Zionismus, den Zionismus der Liebe, des Verständnisses und der Eintracht mit den um liegenden Staaten zerstören sollte. Er, der Marx die Bedeutung des Klassenkampfes lehrte, schrieb 1862 die erstaunlichen Worte: „Der Rassenkampf ist erstrangig, der Klassenkampf zweitrangig." (Moses Hess, „Rom und Jerusalem", Ausgewählte Schriften Joseph Melzer, Köln, 1962.) Er hatte das Feuer des Klas senkampfes entzündet, ein Feuer, das nie gelöscht wurde, anstatt die sozialen Gruppen zu lehren, wie man für das allgemeine Wohl zusammenarbeitet. Dann brütete der selbe Hess eine Verzerrung des Zionismus aus, einen Zionismus des Rassenkampfes, einen Zionismus, der durch den Kampf gegen die Menschen erzwungen wurde, die der jüdischen Rasse nicht angehörten. Wie wir den satanischen Marxismus ablehnen, so muß auch jeder verantwortungsbewusste Jude oder Christ diese teuflische Verdrehung des Zionismus ablehnen. Hess beansprucht Jerusalem für die Juden, aber ohne Jesus, den König der Juden. Wozu braucht er Jesus? Er schreibt: „Jeder Jude hat die Veranlagung zu einem Mes sias, jede Jüdin die einer Mater Dolorosa in sich." Weshalb hat er dann den Juden Marx nicht zu einem Messias und einen von Gott gesalbten Menschen gemacht, son dern zu einem Hasser, der Gott aus dem Himmel ver treiben wollte? Für Hess ist Jesus „ein Jude, den die Heiden als ihren Erlöser vergöttern". Weder er, noch die Juden, scheinen ihn für sich selbst zu brauchen. Hess wollte nicht erlöst sein. Es sei indogermanisch, wenn ein Mensch eine persönliche Heiligung suche. Das Ziel der Juden muß, laut Hess, ein „messianischer Zu stand" sein, „der die Welt nach dem göttlichen Plan gestaltet". Das heißt, nach seinem roten Katechismus, die sozialistische Revolution mit Rassen- und Klassenkampf. Moses Hess, der sein Idol Marx mit der Aufgabe be traute, der mittelalterlichen Religion ein Ende zu setzen und sie durch die Religion der sozialistischen Revolution zu ersetzen, schreibt die erstaunlichen Worte: „Ich wurde stets durch hebräische Gebete aufgerichtet." Welche Ge bete müssen es wohl sein, die Menschen sprechen, die die Religion für das Opium des Volkes halten? Wir haben schon festgestellt, daß auch der Gründer des wissenschaft lichen Atheismus vor brennenden Kerzen betete. Jüdische Gebete können ebenso wie christliche Gebete bei satani schen Ritualen als Gotteslästerung mißbraucht werden. Hess hat Marx den Sozialismus gelehrt, der fest mit dem Internationalismus verbunden ist. Marx schreibt in seinem „Kommunistischen Manifest", daßdas Proletariat kein Vaterland besitzt. In seinem „Roten Katechismus" verspottet Hess die Vaterlandsvorstellung der Deutschen . Er hätte dasselbe mit dem Vaterlandsbegriff bei jeder anderen europäischen Nation getan. „Außerdem kriti sierte er das Erfurter Programm der Deutschen Sozial demokratischen Partei wegen der darin enthaltenen bedingungslosen Anerkennung des nationalen Grundsatzes." Aber Hess ist auch ein ungewöhnlicher Internationalist. Der jüdische Patriotismus muß bleiben. Er schreibt: „Wer immer den jüdischen Nationalismus leugnet, ist nicht nur ein Abtrünniger, ein Renegat im religiösen Sinn, son dern ein Verräter seines Volkes und seiner Angehörigen. Sollte es sich erweisen, daß die Emanzipation der Juden nicht mit dem jüdischen Nationalismus vereinbar ist, dann müssen die Juden die Emanzipation opfern..." „Jeder Jude muß an erster Stelle jüdischer Patriot sein..." Ich stimme diesem patriotischen Gedanken von Hess zu, aber was dem einen recht ist, ist auch dem anderen billig. Ich bin für jeden Patriotismus, für den der Juden, Araber, Deutschen, Franzosen und Amerikaner.Patriotis mus ist eine Tugend, solange er sich bemüht, wirtschaft lich, geistig und religiös das Wohl des eigenen Volkes zu fördern, vorausgesetzt, daß dies in Freundschaft und Zu sammenarbeit mit anderen Nationen geschieht. Aber der jüdische Patriotismus eines revolutionären Sozialisten, der allen anderen Nationen den Patriotismus verweigert, ist höchst verdächtig. Er erscheint mir eher als ein teuflischer Plan, die

Völker zum Judenhaß anzusta cheln. Wäre ich ein Nicht-Jude und bemerkte, daß die Juden diesen Irrsinnsplan eines einseitigen Patriotismus annehmen würden, stellte ich mich auch gegen sie. Zum Glück haben die Juden diesen teuflischen Plan nicht be folgt. Der Rassenkampf, wie Hess ihn darstellt, ist falsch, ebenso falsch wie der Klassenkampf, den er verbreitet. Hess gab den Sozialismus nicht zugunsten dieser Art Zionismus auf. Nachdem er „Rom und Jerusalem" ver faßt hatte, war er weiter in der sozialistischen Bewegung tätig. Hess formuliert seine Gedanken nicht eindeutig, da her sind sie schwer einzuschätzen. Es genügt zu wissen, daß in seinen Augen „die christliche Welt Jesus für einen jüdi schen Heiligen hält, der Nichtjude wurde." Es genügt uns, bei ihm zu lesen: „Wir sehnen uns heute nach einer viel umfassenderen Erlösung als sie das Christentum uns bie tet." Vielleicht erinnern wir uns daran, daß im „Roten Katechismus" diese viel umfassendere Erlösung die soziale Revolution ist. Wir könnten hinzufügen, daß Hess nicht nur die Ur sprungsquelle des Marxismus und der Mann war, der versuchte, einen Anti-Gott-Zionismus zu gründen, sondern auch derVorläufer der Revolutionstheologie, die heute im Weltkirchenrat praktiziert wird, und der neuen Ten denzen im Katholizismus, die von einer „Erlösung heute" sprechen. Ein und derselbe Mann, der fast unbekannt ist, war das Sprachrohr dreier satanischer Bewegungen, des Kommunismus, des haßerfüllten Zionismus und der Re volutionstheologie. Niemand kann Christ sein, ohne die Juden zu lieben. Jesus, Jungfrau Maria und die Apostel waren Juden. Unsere Bibel ist jüdisch. Der Herr hat gesagt, „Das Heil kommt von den Juden."Dagegen erhebt Hess die Juden in einer Art, als wolle er absichtlich eine gewalttätige, anti-jüdische Reaktion erzwingen. Er behauptet, seine Religion sei die sozialistische Revolution. Die Geistlichkeit aller „anderen" Religionen sind Betrüger. Nur von der jüdischen Religion hatte Hess eine hohe Meinung. Er schreibt: „Unsere Religion (die jüdische) hat die Begeiste rung einer Rasse zum Ausgangspunkt, die vom ersten Auf tritt auf der Geschichtsbühne an das endgültige Ziel der Menschheit voraussah und die eine Vorahnung der messia nischen Zeit hatte, in der der Geist der Humanität erfüllt wird, nicht nur in diesem oder jenem Individuum oder auch nur teilweise, sondern in den sozialen Einrichtungen der ganzen Menschheit." (Alle Zitate aus „Moses Hess": Ge sammelte Werke, Bechtle Verlag. München.) Eine Zeit, die Hess als messianisch bezeichnet, ist die Zeit des Sieges der sozialistischen Weltrevolution. Der Gedanke, daß die jüdische Religion die Vorstellung einer gottlosen, soziali stischen Revolution zum Ausgangspunkt habe, ist ein häß licher Witz und eine Beleidigung des jüdischen Volkes. Hess bedient sich ständig der religiösen Sprache, aber er glaubt nicht an Gott. Er schreibt: „Unser Gott ist nichts weiter als die menschliche Rasse, die in Liebe vereint ist." Der Weg dahin ist die sozialistische Revolution, bei der Zehntausende dieser geliebten Menschheit gequält und ge tötet werden. Andererseits macht er keinen Hehl daraus, daß er weder die Vorherrschaft des Himmels noch die einer irdischen Macht wünscht, denn er erklärt beide für tyrannisch. Keine Religion ist gut, mit Ausnahme der Re ligion der sozialistischen Revolution. „Es ist nutz- und fruchtlos, den Menschen die wahre Freiheit zu geben und sie an den guten Dingen der Existenz zu beteiligen, ohne sie von der geistlichen Sklaverei. der Religion zu befreien." Er spricht in einem Atemzug vom „Absolutismus der himmlischen und irdischen Tyrannen über Sklaven“. Nur wenn man Moses Hess versteht, den Mann, der Marx, Engels und Bakunin - die drei Gründer der ersten Internationale, beeinflußte, wird es mög lich, die satanische Tiefe des Kommunismus zu ver stehen. Diese lange Abschweifung über Hess war nötig. denn ohne das Wissen über ihn ist Marx nicht

verständlich, weil es Hess war, der Marx zum Sozialismus brachte. Wir wollen uns an Marx' Epigramm über Hegel erinnern: „Ich lehre Worte, die in einem teuflischen Wirrwarr ver mischt sind. So mag nun jeder denken. was er will!" (Marx. Engels. Gesamtausgabe, Dietz-Verlag. Berlin 1975. Abt. 1, Band 1. Seite 644) Marx schrieb so. Hess' Schriften sind ein noch viel teuf lischeres Durcheinander, in dem man sich nur schlecht zurechtfindet, die wir aber analysieren müssen, um die eventuellen Verbindungen zwischen Marx und dem Sata nismus einschätzen zu können. Hess' erstes Buch trug den Titel „Die heilige Geschichte der Menschheit", (Ausgewählte Schriften, Joseph Melzer, Köln, 1962. Seiten i5-80). Er behauptete, daß es „ein Werk des heiligen Geistes der Wahrheit" sei. Als das Buch herausgegeben wurde, schrieb er in sein Tagebuch: „Der Sohn Gottes befreite die Menschen aus ihrer eigenen Sklaverei. Hess wird sie auch von der poli tischen Sklaverei befreien. ..Ich bin gerufen, für das Licht zu zeugen, wie Johannes der Täufer." Damals stand Marx dem Sozialismus noch ablehnend gegenüber und er hatte auch Hess noch nicht persönlich kennengelernt. Er schrieb sogar ein Buch gegen ihn. Aus unerklärlichen Gründen wurde dieses Buch nie zu Ende geschrieben. (Marx-Engels, vollständige Werke, Mos kau, 1927-1935. Bd. 1) Dann wurde er Hess' Schüler. Wer ist dieser Hess, dieser selbsternannte Botschafter des heiligen Geistes? Wir erwähnten schon, daß er schwor der mittelalter lichen Religion den Todesstoß zu versetzen und Verwüstung anzurichten. In der Einleitung zu seinem Buch „Das letzte Gericht“ äußert er sich befriedigt darüber, daß der deutsche Philosoph Kant „den alten Vater Jehowah samt der ganzen heiligen Familie geköpft habe." (Hess schmückt seine eigenen Vorstellungen mit dem Namen des großen Philosophen. Kant hatte keine derartigen Absich ten. Er schrieb das Gegenteil: „Ich mußte das Wissen ein schränken, um dem Glauben Platz zu machen.") Hess erklärte sowohl die jüdische als auch die christ liche Religion für tot (La Revue, Nr. 1. S. 288) was ihn aber nicht davon abhält, in seinem Buch Rom und Jeru salem über „unsere heiligen Schriften", die „heilige Sprache unserer Väter", „unseren Kult", „die göttlichen Ge setze", „die Wege der Vorsehung" und „göttliches Leben" zu schreiben. Er vertrat seine verschiedenen Meinungen keineswegs zu verschiedenen Zeiten. Als er das pseudo-zionistische Buch schrieb, erklärte er, daß er seine früheren, gottlosen Bemühungen nicht verleugne. (Niederrheinische Volks zeitung", 15. Juli 1862).Es ist ein beabsichtigtes teuf lisches Durcheinander. Hess war Jude und ein Vorläufer des Zionismus. Weil Hess, Marx und andere jüdischer Abstammung waren, hält man oft den Kommunismus für eine jüdische Verschwö rung. Man vergißt dabei, daß Marx ein anti-jüdisches Buch geschrieben hat. Auch darin folgte er Hess. Dieser „Zionist“, der das Judentum in den Himmel erhob, schrieb in „Über das Geldsystem" (Rheinische Jahrbücher, Bd. 1, 1845): „Die Juden, die in der Naturgeschichte der Welt des sozialen Tieres die Rolle hatten, die Menschheit in wilde Tiere zu verwandeln, haben diese, ihre professionelle Aufgabe erfüllt. Das Geheimnis des Juden- und Christen tums wurde in dem modernen Judäo-Christen enthüllt. Das Geheimnis des Blutes Christi erscheint hier, ebenso wie das Geheimnis der alten jüdischen Blutsverehrung, un verhüllt als das Geheimnis des Raubtieres." Es ist nicht tragisch, wenn Sie diese Worte nicht rich tig begreifen. Sie wurden in einem „teuflischen Durcheinander" geschrieben, aber der Haß gegen das Jüdische ist klar daraus zu erkennen. Hess ist sowohl jüdischer als auch anti-jüdischer Rassist, je nach Bedarf des Geistes, den er „heilig“ nennt, und der seine Werke beeinflußte.

Hitler hätte seinen Rassismus von Hess lernen können. Er, der Marx gelehrt hatte, daß das Entscheidende die Angehörigkeit zu einer sozialen Klasse sei, schrieb auch das Gegenteil. „Das Leben ist ein unmittelbares Ergebnis der Rasse." (Rom und Jerusalem) Soziale Einrichtungen und Vorstellungen sind ebenso wie die Religionen. typi sche, ursprüngliche Schöpfungen der Rasse. Das Rassen problem liegt hinter allen Problemen der Nationalität und Freiheit verborgen. „Die ganze Vergangenheit war ein ein ziger Kampf unter den Klassen und Rassen. Der Rassen kampf ist vorrangig. der Klassenkampf zweitrangig." (Rom und Jerusalem) Wie bringt Hess seine mannigfaltigen Widersprüchlich keiten zum Triumph? „Ich werde gegen alle Bürger das Schwert ziehen, die sich den Bemühungen des Proleta riats widersetzen." (Brief an Ferdinand Lasalle, 9. Dezember 1863. (Moses Hess, Briefwechsel. Moulton's Graven hage, 1959) Dasselbe hören wir von Marx: „Gewalt ist die Hebamme, die die neue Gesellschaft aus dem Schoß der alten herausnimmt." (Das Kapital. Band 1) Marx' erster Lehrer war der Philosoph Hegel. Er pflaster te den Weg für Hess. Von Hegel hatte Marx auch Gift ge leckt. Für diesen Denker war das Christentum im Vergleich zum alles überragenden Griechenland total verdreht. Er schrieb: „Der Christ hat der leidenden Menschheit zum Besten von allen Enden und Orten her einen solchen Hau fen von Trostgründen, im Unglück zu gebrauchen, zusam mengeschafft, daß es einem am Ende leid tun könnte, nicht alle Tage einen Vater oder Mutter zu verlieren... Es möchte sehr interessant sein, den Glauben der Griechen damit zu vergleichen . ...Bei ihnen war Unglück Unglück, Schmerz war Schmerz ..." (G. W. F. Hegel, Fragment über Volksreligionen und Christentum, Suhrkamp Ver lag, Frankfurt/Main 1971, Band 1, Seiten 35-36) Das Christentum wurde in Deutschland auch schon vor Hegel verspottet, aber er war der erste, der auch Jesus verspottete. Wir sind das, wovon wir leben. Marx lebte von satani schen Vorstellungen, daher verbreitete er auch eine satanische Lehre. Die Kommunisten haben die Gewohnheit, Frontorgani sationen zu gründen. Alles, was wir bisher ermittelten, legt die Möglichkeit nahe, daß diekommunistische Be wegung selbst Frontorganisation für den Satanismus ist. Das würde auch erklären, weshalb sich politische, wirtschaftliche, kulturelle und militärische Waf fen, die gegen den Kommunismus eingesetzt wurden, als wirkungslos erweisen. Die Mittel, den Satanismus zu bekämpfen, sind geistlicher, nicht menschlicher Art. Sonst kommt es dazu, daß zwar einesatanische Frontorganisa tion wie der Nazismus bezwungen wird, dafür aber eine andere einen noch größeren Sieg erringt. Himmler, der Innenminister des nazistischen Deutsch land, betrachtete sich als Wiederverleiblichung des Königs Heinrich der Vogler. Er hielt es für möglich, okkulte Kräfte in den Dienst der nazistischen Armee einzuspannen. Mehrere Naziführer hatten mit schwarzer Magie zu tun. (Trevor Ravenscroft, Der Speer des Schicksals, Econ Verlag, Düsseldorf, 1974, Kapitel 4, S, 8, 17-20) Die Gründer des modernen Kommunismus und modernen Nazismus standen mit übernatürlichen, intelligenten Wesen in Verbindung, mit gefallenen Engeln, die keine ethischen Maßstäbe kennen. Sie gaben Marx das Ziel, alle Religionen und jegliche Moral auszurotten. (Kom munistisches Manifest) Jetzt möchte ich mich an den gewöhnlichen Marxisten wenden. Er läßt sich nicht von dem Geist leiten, der Hess, Marx und Engels kontrollierte. Er liebt die Menschheit wirklich und glaubt für ihr Wohl zu kämpfen. Er hat nicht die Absicht, Werkzeug einer seltsamen satanischen Sekte zu sein. Für ihn könnten diese Zeilen nützlich sein. Der satanische Marxismus verbreitet eine materialistische Philosophie, die seine Anhänger für

geistliche Realitäten blind macht. Es gibt mehr als Materie. Es existiert eine gute Welt des Geistes, der Wahrheit, der Schönheit und der Ideale. Es gibt aber auch eine Welt böser Geister. Ihr Haupt ist der Satan. Er fiel durch seinen Stolz vom Himmel und zog eine Schar Engel mit sich hinab. Dann verführte er die Vorfahren der Menschheit. Seit dem Sündenfall hat er seine Täuschung nicht nur fortgesetzt, sondern durch alles Mögliche verstärkt, bis es soweit kam, daß die herrliche Schöpfung Gottes von Weltkriegen, blutigen Revolutionen und Gegenrevolutionen, Diktatu ren, Ausbeutung und alle Arten des Rassismus, falschen Religionen, Agnostizismus und Atheismus, Verbrechen und Betrug, Treulosigkeit in Liebe und Freundschaft, zerbrochenen Ehen und rebellischen Kindern verwüstet wird. Die Menschheit hat die Vorstellung von Gott verloren, und was ist an die Stelle dieser Vorstellung getreten? Etwas Höheres? Eine anglikanische Untersuchungskommission für Ok kultismus, die sich in Australien bildete, veröffentlichte am 13. August 1975 einen Bericht. Sie stellte fest, daß die Hälfte der Schüler an den höheren Schulen Sydneys mit Okkultismus und Satanismus zu tun hatten. In anderen australischen Städten ist es nicht anders. Die Hälfte der Jugendlichen ist in Zauberei und schwarzen Messen ver wickelt. Vielleicht ist es in anderen Ländern der freien Welt nicht ganz so schlimm. Aber der Einzug des Marxis mus unter der Jugend verläuft parallel zum Einzug des Satanismus, auch wenn sich äußerlich keine Verbindung feststellen läßt. Der Mensch braucht ganz einfach die Religion. Gehört er nicht der Religion Jesu an, so ist er Anhänger der Religion des Satans und wird immer diejenigen verfolgen, die dem Satan nicht dienen. Nur wenige Spitzenführer des Kommunismus waren und sind bewußt Satanisten, aber es gibt einen unbewußten Satanismus, ebenso wie es auch Menschen gibt, die im Grunde Christen sind, ohne daß sie wissen, daß ihre Reli gion die Religion Christi ist. Ein Mensch kann unbewußt Satanist sein, ohne daß er jemals vom Bestehen einer der artigen Religion gehört hat. Er gehört ihr an, wenn er die Vorstellung eines Gottes und den Namen Christus haßt, wenn er so lebt, als sei er nur Materie, und wenn er religiöse und moralische Prinzipien ablehnt. Geschöpfe haben Gott verlassen. Aber Gott hat seine Kreaturen nicht verlassen. Er schickte seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus in die Welt. Die menschgewor dene Liebe und das Mitleid lebte auf Erden das Leben eines armen, jüdischen Kindes, dann das eines einfachen Zimmermanns und schließlich das Leben eines Lehrers der Gerechtigkeit. Der zertretene Mensch kann sich nicht selbst erretten, ebenso wenig wie sich ein Ertrinkender selbst aus dem Wasser ziehen kann. So nahm Jesus voller Verständnis für unsere innerlichen Konflikte all unsere Sünden auf sich, auch die Sünde von Marx und seinen An hängern, und trug die Strafe für das, was wir getan haben. Er büßte für unsere Sünde, indem er an einem Kreuz auf Golgatha starb, nachdem er Demütigungen der schlimm sten Art erlitten hatte. Wir haben sein Wort, daß derjenige der seinen Glauben auf ihn setzt, Vergebung erhält und im ewigen Paradies mit ihm leben wird. Sogar notorische Marxisten können errettet werden. Zwei sowjetische Nobelpreisträger Pasternak und Solschenitsyn - haben ihren Glauben an Christus bekannt, nachdem sie die Extremitäten des Verbrechens beschrieben, zu denen der satanische Marxismus führt. Swetlana Stalina, die Tochter des schlimmsten Massenmörders, wurde ebenfalls Christin. Wir wollen nicht vergessen, daß es Marx' Ideal war, selbst in den Abgrund der Hölle hinabzusteigen und die ganze Menschheit mit sich zu reißen. Wir wollen ihm nicht auf diesem verderblichen Pfad folgen, sondern lieber Christus, der uns zu den Höhen des Lichts, der Weisheit und Liebe, in den Himmel unaussprechlicher Herrlichkeit leitet.

Wir sind vor die Wahl gestellt, grausam zu werden wie der Teufel oder Menschen zu werden mit einer friedvollen Seele nach dem Vorbild Jesu. Und noch ein letztes Wort. Jesus sagte zu der Gemeinde in Pergamon (eine Stadt in Kleinasien) ein geheimnisvolles Wort: „Ich weiß, wo du wohnst, da des Satans Thron ist." (Offb. 2,13) Pergamon muß in alten Zeiten eine Hoch burg des Satankults gewesen sein. Im Baedeker, dem welt bekannten Berlinführer, stand bis 1944, daß sich im Insel museum in Berlin ein Pergamonaltar befand. Deutsche Archäologen hatten ihn ausgegraben. Er befand sich unter der satanischen Herrschaft Hitlers im Zentrum der Nazi-Hauptstadt. Der Architekt Stjusew, der das Lenin-Mausoleum baute, nahm den Pergamon-Altar beim Bau des Grabmals zum Vorbild, und das im Jahr 1924. Stjusew erhielt da mals die notwendigen Informationen von Frederik Poulsen, einer Autorität in archäologischen Kreisen. Tausende von Sowjetbürgern stehen jeden Tag Schlan ge, um das Heiligtum des Satans zu besichtigen, in dem Lenins Mumie liegt. Führer von Staat und Kirche aus der ganzen Welt erweisen Lenin in diesem Wahrzeichen des Teufels die Ehre. Es vergeht kein Tag, ohne daß Blumen dorthin gebracht werden, aber die christlichen Kirchen an demselben Roten Platz wurden vor langer Zeit in Museen verwandelt. Der Satan herrscht sichtbar in der Sowjetunion. Der Satanstempel in Pergamon war einer von vielen sei ner Zeit. Weshalb hat Jesus gerade ihn ausgesondert? Wahrscheinlich nicht wegen seiner damaligen untergeord neten Rolle, sondern weil seine Worte prophetisch waren. Er sprach vom Nazismus und Kommunismus, die beide die sen Altar ehren würden. Im Kampf des Christentums gegen den Kommunismus kämpfen die Gläubigen nicht „mit Fleisch und Blut, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel". (Eph. 6,12) Wir wählen hier nicht zwischen abstraktem Gutem und abstraktem Bösem sondern zwischen Gott und Satan. Marx glaubte an Gott und hasste ihn. Er glaubte auch an Satan und verehrte ihn bis ins hohe Alter, wie aus dieser Schrift ersichtlich ist. Der Durchschnittsmarxist und die Sympathisanten des Marxismus sollten Marx nicht in dieser geistlichen Verwirrung folgen. Stellen wir uns auf die Seite des lichtbringenden Jesus, des Proletariers, gegen den bourgeoisen Marx, den Träger der Finsternis! Richard Wurmbrand Weitere Beiträge von Pfr. R. Wurmbrand: 1. Prophezeiungen über das jüdische Volk 2. Christus wird siegen, was immer geschieht (Biographie) 3. Atheismus ein Weg ? – 35 Beweise der Existenz Gottes 4. Wer ist Jesus Christus 5. Marx and Satan (englisch) 6. Vorbereitung auf die Untergrundkirche 7. Warum bin ich Revolutionär? -Drogen und Okkultismus - Dave Hunt Unsere Reise hat es schon immer gegeben … Im ganzen Mittelalter gab es die Sufis, die

Kabbalisten, die Bruder- und Schwesternschaften und die Hexer gruppen und den Malteserorden und die Freimaurerlogen … Drogenguru Timothy Leary in einer Rede anlässlich der 22. Jahres versammlung der Gesellschaft für Humanistische Psychologie Ich vermute, wir werden beizeiten entdecken, dass die moderne Psychophar makologie – wie seinerzeit Freud – sich zu einem bestimmenden Faktor für das Stimmungsklima entwickelt hat, unter dem wir unsere verschiedenen Leben führen. Peter Kramer in seinem Bestseller Glück auf Rezept? Das Gehirn setzt sich zusammen aus mehreren Hundert Milliarden Neuro nen und Billionen von Synapsen. Jedes einzelne menschliche Gehirn ist kom plexer als das gesamte physikalische Universum mit all seinen Sternen und Planeten und … Kräften … die darin wirken. Anders als das physische Universum bleiben die biochemischen Vorgänge des Gehirns fast vollständig von einem Geheimnis umgeben. Wir haben z.B. keine Vorstellung, wie das Gehirn einen Gedanken oder eine Gefühlsregung hervorbringt … Psychopharmakologie spiegelt kein … Verständnis davon wider, wie das Gehirn und das Denken funktioniert. Zugrunde liegt die gefährliche Annah me, dass es unbedenklich und effektiv sei, an dem komplexesten Organ des Universums herumzuhantieren! Angesichts einer so großen psychiatrischen Sorge um die Gefahren eines Ungleichgewichts erscheint es seltsam, dass alle bekannten psychischen Me dikamente im Gehirn ein weitläufiges chemisches Ungleichgewicht verursa chen, das gewöhnlich mehrere Nervensysteme umfaßt. Fluctin ist da keine Ausnahme … Es scheint eine tollkühne Vorstellung, dass das Blockieren einer biochemischen Funktion des Gehirns irgendwie das Gehirn und das Denken verbessern soll. Peter R. Breggin, Dr. med. Ich danke dir, dass du mich wunderbar gemacht hast; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl! Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Psalm 139,14.23-24;

Dave Hunt

DROGEN, FANTASIE UND DAS OKKULTE

Der religiöse Gebrauch von bewußtseinserweiternden Drogen hat eine lange Geschichte, die bis auf das Orakel von Delphi und noch weiter zurück geht. Die Inkas verwendeten das Kokablatt für ihre religiösen Ri tuale, genau wie der »heilige Pilz« von anderen Naturvölkern für ihre Re ligion gebraucht wurde. Diese Substanzen versetzten in eine andere, von Geistern bevölkerte Dimension. Weil Peyotl den eingeborenen amerika nischen Indianern traditionell »heilig« war, hatten sie das Recht (unter dem amerikanisch-indianischen Vertrag für Religionsfreiheit) diese Dro ge zu religiösen Zwecken einzunehmen – es sei denn, sie stehen im akti ven Dienst für die Armee. Diese Einschränkung wurde jetzt aufgehoben, unter der Voraussetzung, dass bestimmte Richtlinien befolgt werden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Kokablatt wegen seiner angeb lichen medizinischen

Eigenschaften in Europa populär. 1883 wurde in den USA von Parke-Davis für Kokain als Mittel gegen Alkoholismus und Schmerzmittel geworben. Sigmund Freud verwendete es zur Behandlung seiner immer wiederkehrenden Depression und verschrieb es einigen sei ner Patienten. Freuds Biograf Ernest Jones zitierte Freud, dass Kokain ein Gefühl der »Euphorie und anhaltenden Hochstimmung produziere, das sich in keiner Weise von der normalen Euphorie einer gesunden Per son unterscheidet«. Er leugnete die Möglichkeit einer Sucht und konnte es offenbar gar nicht genug anpreisen. Bereits vor 1914 wurde Kokain als »Narkotikum« identifiziert und denselben Kontrollen unterstellt wie Morphium und Heroin. Ein wichtiger Brückenkopf für die okkulte Invasion In den 60er Jahren dieses Jahrhunderts führte Timothy Leary, der »Rat tenfänger von Harvard«, eine hypnotisierte Jugend in spirituelle Erfah rungen, von denen die materialistische Wissenschaft behauptet hatte, dass es sie nicht gäbe. Learys LSD (sowie andere psychedelische Drogen) wurden zu Sprungbrettern für mentale Trips jenseits des natürlichen Uni versums von Zeit, Raum und Materie in eine seltsame Dimension, wo es von berauschenden Säften strömte und exotische Abenteuer die Tages ordnung waren. Für Millionen war es eine »wahnsinnige« Erfahrung, die ihr Leben für immer veränderte. Rockmusiker haben eine Schlüsselrolle dabei gespielt, zwei Genera tionen von Jugendlichen in die Drogenwelt zu führen. Die Musik wurde oft unter dem Einfluß von psychedelischen Mitteln geschrieben und die Konzerte wurden zu einer großen Drogenparty. Leary nannte die Bea tles »die vier Evangelisten«. Als er ihr Album Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band hörte, sagte Leary: »Die Beatles haben meinen Platz eingenommen. Dieses neue Album – eine absolute Zelebration des LSD.« Die Drogenbewegung der 50er, 60er und 70er Jahre errichtete einen wichtigen Brückenkopf für die okkulte Invasion in der abendländischen Zivilisation. Alan Morrison schreibt: Zu dieser Zeit bildete sich die neue Gegenkultur, die die Jugend jener Epoche für eine massive Versuchung mit dämonischen Einflüssen und extrem sündigen Verhalten öffnete. Von zentraler Bedeutung war da bei der Gebrauch von halluzinogenen und bewußtseinserweiternden Drogen wie Marihuana, Cannabis-Ölen [Haschisch], Lysergsäure-Diäthylamid (LSD), Dimethyl-Tryptamin (DMT), Meskalin, Peyotl und anderen Pilzmixturen. Kurz darauf entdeckten Millionen, dass sie mittels verschiedener Techni ken aus dem fernöstlichen Mystizismus »high« oder sogar »higher« wer den konnten (TM und andere Formen des Yoga, der Visualisierung und Hypnose). So wurde etwas geboren, was sich »New Age« nannte. Hindui stischer und buddhistischer Okkultismus durchdrang jedes Gebiet der abendländischen Gesellschaft, von Psychologie und Medizin über das Bildungswesen bis hin zur Geschäftswelt. Zahlreiche Yogis und Gurus, wie z. B. Vivekanada, Yogananda, Maharaj Ji, Maharishi Mahesh Yogi, Baba Muktananda und andere erkannten alsbald, dass die Drogen das abendländische Denken für ihre Botschaft geöffnet hat und so fielen sie in einem Eroberungszug bei uns ein. Zauberer und Hexen werden im Alten Testament verurteilt (2.Mose 7; Jes 47; Jer. 27; Mal 3). Im Neuen Testament werden Zauberei und Hexe rei wiederum gebrandmarkt (Apg. 13,6.8; Offb. 9,21; 18,23; 21,8; 22,15). Das heutige Wort für Zauberer ist Schamane; und das griechische Wort, das in der Bibel mit Zauberei übersetzt wird, ist pharmakeia. Der Scha mane muss einen erweiterten Bewußtseinszustand erlangen, um Kon takt mit seinem Leitgeist aufzunehmen und seine Zauberei auszuführen, und das Mittel dazu sind häufig bewusstseinserweiternde Drogen. Der populäre Gebrauch von psychedelischen Substanzen und der be gleitende Einzug fernöstlicher Religionen vollziehen derzeit die Trans formation der abendländischen Gesellschaft. Die Auswirkungen auf zwei Generationen wurde in der folgenden Geschichte zusammengefaßt:

Joyce [Lyke], Enkelin eines Baptistenpredigers, studiert in Berkeley Mystik unter einem Sufi. Ihr Ehemann [Brian], ein ehemaliger presby terianischer Geistlicher, bezeichnet sich selbst lachend als evangelika len Taoist. Brian verging das Lachen, als man ihn fragte, welche Reli gion er seinen Kindern weitergebe … Brian sagte: »Was die Kinder betrifft, weiß ich nicht so recht. Ich indoktriniere ihnen nichts, wirklich. Wir gehen nicht zur Kirche …« An der Carmel High School, wo Karina [Lyke] zur Schule geht, ha ben einige ihrer Freunde begonnen, mit LSD und angeblich halluzino genen Psilocybin-Pilzen zu experimentieren. Ihre Eltern sehen psyche delische Drogen als Schlüssel zu ihrer eigenen spirituellen Erweckung an und können es sich nicht vorstellen, ihrer Tochter zu raten, »ein fach nein zu sagen«. Drogen auf Rezept Der medizinische Fortschritt hat die durchschnittliche Lebenserwartung drastisch gesteigert, wofür wir alle äußerst dankbar sind. Doch dieser Fortschritt kann sich nicht der Verantwortung für die Entdeckung, Ver breitung und Verschreibung von Drogen entziehen. Wir sind eine böse und unbußfertige Gesellschaft und (wie die Bibel es für die letzten Tage voraussagt) ein großer Teil dieses Übels besteht in den Drogen: »Und sie taten nicht Buße von ihren Mordtaten [einschließlich Abtreibung], noch von ihren Zaubereien …« (Offb. 9,21). Sogar Kinder werden im Drogennetz gefangen. Wenn Philipp sich nicht benimmt, erhöht die Mutter seine Ritalin-Dosis, und um sich selbst auf recht zu halten, nimmt sie Fluctin (engl. »Prozac«). Ein hoher Prozentsatz der Amerikaner weiß heute nicht mehr mit Notlagen fertig zu werden und somit einen starken Charakter zu entwickeln. Anstatt sich ihren Proble men zu stellen und sich um eine Lösung zu bemühen, halten sie an einer Wunderdroge fest, die ihnen aus jeder Schwierigkeit heraushelfen soll. Die US-Regierungsbehörde für rechtmäßigen Drogengebrauch (DEA) ordnet Ritalin in »Klasse II« ein, zusammen mit Kokain und anderen Suchtdrogen wie PCP. Ein Forschungszentrum warnt vor dem »Schnup fen oder Injizieren von Ritalin«, denn seine »kokainartige stimulierende Wirkung … ist der neueste Trend … der an die ›Speed-Freak‹-Ära der späten 60er erinnert«. Tatsächlich ist es so, dass »alle Einheiten der Ar mee potentielle Bewerber ablehnt, die Ritalin oder ein vergleichbares verhaltenveränderndes Medikament nehmen«. Der Marine-Ausbilder Se rgeant Cruz Tores sagt: Leider können wir nichts machen, wenn der Betreffende Ritalin ge nommen hat. Ritalin wird als bewusstseinserweiternde Droge angese hen. Deswegen betrachtet die Armee es als eine äußerst ernste Droge. Die einflußreiche Psychoanalytikerin Elizabeth Zetzel hält die Wider standskraft einer Person gegenüber Angst und Depression für notwen dig, um ein gesundes emotionales Wachstum zu gewährleisten. Sie warnt, eine künstliche Aufhellung der Stimmung mit Pillen könnte eine Person gerade um die stärkenden Erfahrungen bringen, die für eine reale Lö sung nötig wären. Wenn ein Christ mit einer Droge den Weg des gerings ten Widerstands wählt, verpaßt er die Lektion des Ausharrens und Glaubens, die Gott ihm erteilen möchte! Der Psychiater Peter Breggin, füh render Experte auf dem Gebiet psychoaktiver Drogen (Psychopharma ka), warnt: Die moralischen und psychischen Gefahren von Fluctin [und anderen vergleichbaren Drogen] sind letztlich bedrohlicher als seine körperli chen Wirkungen. Aber dies ist nicht das erste Mal, dass Amerika sich unbeeindruckt in ein verschreibungspflichtiges Medikament verliebt hat. Bis die Suchtgefahr erkannt wurde, erfreute Valium sich eines stei genden Rufes als »Mutters kleiner Gehilfe«. Hausfrauen bewältigten ihre täglichen Pflichten, indem sie in einem von Drogen induzierten Nebel verharrten … (Peter R. Breggin, Talking Back to Prozac: What Doctors Aren't

Telling You About Today's Most Controversial Drug, St.Martin's Paperbacks, 1994) Im Gehirn gibt es mehr Zellen als Sterne im Universum; und diese Zel len bilden Hunderte Millionen von Neuronen und Billionen von Synap sen, die in einem vollkommenen Gleichgewicht stehen. Darüber hinaus liegt die geheimnisvolle Verbindung zwischen dem Geist des Menschen (der nach Gottes Bild geschaffen ist) und seinem Gehirn und Körper für immer jenseits des Zugriffs der Wissenschaft. Doch an dieser Verbindung wird mit Drogen herumhantiert, in der Hoffnung, das Verhalten des Menschen regeln zu können. Wie könnte es aber eine chemische Lösung dafür geben? Doch Millionen nehmen solche als Psychopharmaka be zeichneten Drogen wie Fluctin, Effexor, Benzedrin, Dexedrin, Ritalin, Zoloft, Paxil u.a., um Stimmung und Verhalten passend einzustellen. Das Gehirn ist viel zu komplex, als dass es mit Drogen präzise »einge stellt« werden könnte. Im Gehirn gibt es über 500 verschiedene Neuro transmitter und niemand weiß genau, wie sie funktionieren oder was die Konsequenz ist, wenn man sie mit Hilfe von Drogen »regelt«. Die Zei tung Time (29.Sept.1997) stellte kürzlich in einem Forschungsbericht heraus: In soweit sind die Werkzeuge [Drogen], die zur Manipulation von Serotonin-Ausschüttung im Gehirn verwendet werden, eher mit phar makologischen Keulen vergleichbar als mit Skalpellen – im Groben wirksam, aber imstande, eine Menge zusätzlichen Schaden anzurich ten. Barry Jacobs, ein Neurochirurg an der Princeton Universität, sagt: »Wir wissen einfach nicht genug über die Funktionsweise des Gehirns.« Dr. Breggin erinnert uns: »Ob Depression … auf einer biologischen oder genetischen Grundlage beruht, konnte wissenschaftlich noch nicht ge zeigt werden … Biopsychologische Theorien bleiben reine Spekulation und laufen einer beträchtlichen Menge an Forschungsergebnissen und klinischen Erfahrungen zuwider, sowie dem gesunden Menschenverstand.« Breggin fährt fort: Die Theorie des biochemischen Ungleichgewichts hat als meistakzep tierte Erklärung für emotionalen Schmerz … Freuds psychologische Theorie ersetzt. Freuds Theorie wiederum war an die Stelle von eher religiös-philosophischen Erklärungen getreten, wie z. B. Erbsünde, Teu fel und moralischer Verfall … Die Theorie des biochemischen Ungleich gewichts ist lediglich die neueste biopsychologische Spekulation, die der Öffentlichkeit als wissenschaftliche Wahrheit präsentiert wird … Die ironische Wahrheit ist Folgende: Das einzige bekannte bioche mische Ungleichgewicht, das im Gehirn nahezu aller Psychatriepati enten bekannt ist, ist dasjenige, das durch die medikamentöse Be handlung verursacht wird. Die wenigen Ausnahmen, die unter bekann ten hormonellen Störungen leiden … werden fast immer als medizini sche – und nicht als psychiatrische – Patienten behandelt. Einige warnende Worte Die erschreckenden Folgen des Eingreifens in die Gehirnfunktion wer den von den professionellen Medizinern im Allgemeinen nicht wahrge nommen und auch vor der Öffentlichkeit verschwiegen. Alle Psychophar maka erzielen ihre Wirkung durch die Verursachung einer Gehirn-Fehlfunktion. Dasselbe Mittel, das amerikanische Psychiater für eine Behand lung verschreiben, wurde von sowjetischen Psychiatern zur Folter einge setzt. Manchmal wird der Eindruck vermittelt, dass die Einnahme von Drogen zur Beeinflussung der Gehirnfunktion im Grunde nichts anderes sei als die Einnahme von Insulin. Doch dazwischen besteht ein großer Unterschied: Insulin wirkt unterhalb des Halses, während Psychophar maka im Gehirn wirken. Dabei müssen wir bedenken, dass niemand ge nau weiß, was diese Substanzen im Gehirn bewirken oder wie schädlich sie letztlich sind. Das kann möglicherweise sogar über die vielen Fälle von Gewalttaten hinausgehen – einschließlich Selbstmord und Mord –, von denen gerichtliche Gutachten sagen, dass sie durch verschiedene auf Rezept erhältliche Drogen zurückzuführen seien. Ein warnendes Wort: Wir treten nicht dafür ein, dass jeder, der ir gendwelche Medikamente

nimmt, sofort damit aufhören sollte. Psycho pharmaka können süchtig machen und ein abruptes Absetzen kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Jede Veränderung in der Einnah me von Medikamenten sollte unter der Aufsicht eines Arztes geschehen. Wir wollen lediglich herausstellen, dass niemand wirklich weiß, wie Dro gen wirken oder ihr gesamtes Wirkungsspektrum kennt, einschließlich aller Nebenwirkungen. Viele von Ärzten verschriebene Drogen wurden jahrelang angepriesen, bis schließlich der Schaden, den sie verursachten, richtig eingeschätzt und das Präparat vom Markt entfernt wurde. Sogar LSD wurde von vielen Psychiatern als »Wunderdroge« empfoh len und jahrelang von ihnen eingesetzt, bis es von der Regierung 1966 verboten wurde. Einige Ärzte treten immer noch für die Wiederzulas sung von LSD ein. Im April 1990 gab eine offizielle US-Behörde einen Überblick über alle vom FDA zwischen 1976 und 1985 zugelassenen Dro gen heraus: Es stellte sich heraus, dass 102 von 198 erlaubten Drogen erwiesener weise »Risiken schwerwiegender Spätfolgen« haben – negative Reak tionen, die zu … schweren oder dauerhaften Schädigungen oder zum Tod führen können. Bei Psychopharmaka lag die Quote sogar noch höher: 9 von 15 kürz lich genehmigten Medikamenten führten zum Risiko schwerer Spät folgen. Darunter war auch ein Mittel, das vom Markt genommen wer den mußte. Wenn ein Arzt Fluctin (oder Ritalin oder andere vergleichbare Psycho pharmaka) verschreibt, kann man das nicht mit einem Mechaniker ver gleichen, der einen Motor genau einstellt. Die Verschreibung basiert nicht auf einer Diagnose des Gehirns, sondern auf einem Verhaltensprofil. Fluc tin wird nicht verabreicht, um das Gehirn ins »Gleichgewicht« zu brin gen, sondern vielmehr zur künstlichen Verbesserung des Befindens des Patienten. Breggin ist nicht der einzige Psychiater, der Kritik an der »biologi schen Psychiatrie« übt, d. h. das Verwenden von Drogen zur Regulierung der Stimmung. Außer ihm gibt es noch viele weitere. In psychiatrischen und psychologischen Fachzeitschriften sind kritische Artikel erschienen. Die Wirksamkeit dieser Drogen wird offen in Frage gestellt und diese Frage konnte bisher nicht beantwortet werden. Wenn die Wissenschaft eine chemische Lösung anstrebt, ignoriert sie damit die eigentlich erste Priorität: durch Jesus Christus mit Gott ins Reine zu kommen. Seine Fleischwerdung vereinte Gott und Mensch in seiner eigenen Person; und wenn ein Mensch ihn als Herrn und Retter annimmt, empfängt er diese Versöhnung und Vereinigung in seinem eigenen, menschlichen Geist. Der christliche Glaube ist keine Sammlung von Re geln, die zu befolgen sind. Nur Christus selbst kann das christliche Leben ausleben, und er wird es in denen und durch die ausleben, die an ihn glauben. Paulus schrieb: »Als es aber [Gott] gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren« (Gal. 1,15-16). Das Leben als Christ ist die Offenbarung Jesu Christi in unserem Leben durch die Macht Gottes! Wer ihm vertraut und seinem Wort gehorcht, für den wird Christus sein Ein und Alles, sein Leben. Paulus erklärte: »Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir« (Gal. 2,20). Der Geist Christi in einem wiedergeborenen Christen braucht of fensichtlich keine Unterstützung durch Psychotherapie oder Psychophar maka. Jesus hat auch keinen einfachen Weg verheißen. Das Leben als Christ ist reich an Versuchungen und Erprobungen und Konflikten, die Gott zuläßt, um uns zu prüfen und zu sehen, ob wir ihm wirklich vertrau en und gehorchen. Zwei Generationen von Zauberern Die moralischen und spirituellen Konsequenzen von Eingriffen ins Ge hirn und das Nervensystem mittels Drogen können noch weit schlimmer sein als die natürlichen Gefahren. Wir sollten

bedenken, dass das Gehirn »eine Maschine ist, die von einem Geist gesteuert werden kann«. Die normale Verbindung zwischen dem Gehirn und dem menschlichen Geist wird durch Drogen aufgelöst, was einem dämonischen Geist ermöglicht, das Steuer zu übernehmen. Diese Tatsache wird vom gesamten Gebiet der Psychopharmakologie völlig ignoriert. Schon zwei Generationen von jungen Leuten sind so unwissentlich in die Zauberei geführt worden. Sie meinten, sie würden nur etwas Spaß mit »Entspannungs«-Drogen haben und wurden doch auf verführerische Weise in die Welt der Zauberei geleitet. Folglich entwickelten sie eine grundsätzlich hinduistische Lebensphilosophie, die sie völlig transformiert hat. Wir haben bereits Terence McKenna zitiert, der sagte, dass die We sen, denen man auf Drogentrips begegnet, »versuchen uns etwas zu leh ren«. Brad Green ist nur einer von unzählig Vielen, der durch die psyche delische Tür in den Okkultismus hineinkam. Seine Erfahrung ist typisch für viele andere, die der Autor rund um die Welt interviewt hat: »Als ich zum ersten Mal Acid [LSD] nahm, dosierte ich so kleine Men gen, dass ich nur etwas Spaß hatte und Farben und psychedelische Mus ter sah … als ich aber anfing, wirklich heftige Dosen zu nehmen … bekam ich einen Leitgeist. Von da an wurde ich immer, wenn ich psychedelische Drogen nahm, von Geistwesen geführt. Ich hatte Lehrgeister, die mir Lektionen zeig ten und direkt vor mir Diagramme aufzeichneten … Bei einem der ersten Male, als ich eine hohe Dosis LSD nahm, erhielt ich eine Lekti on in Astrologie … Ich sah sämtliche Tierkreiszeichen … Das Ganze war in lebendigen Farben und großen Schaubildern ausgebreitet … Informationen, die direkt vor mir von Geistwesen ausgedruckt wur den … Ich hörte ihre Stimmen, aber zu der Zeit habe ich keinen von ihnen gesehen. Bei einem anderen LSD-Trip unterrichteten die Leitgeister mich im Hinduismus … Sie brachten mir die höchste Hindu-Vibration bei, OM. Ich sah, wie sich das ganze Universum in Vibrationen auflöste und begann, Energievibrationen aus Telefondrähten herauskommen zu sehen … Und die Geister zeigten mir, dass alles letztlich auf eine grundlegende Vibration hinausläuft, das OM. Ich sah »Vibrationen« in Menschen … Ich hatte die High School aufgegeben und widmete mein Leben den Drogen … Wenn Geister mich unterrichten, so dachte ich, habe ich wohl eine höhere Ausbildung angetreten … die lohnender ist als der trockene Stoff in der Schule. Einem meiner Freunde wurde auf einem LSD-Trip von Geistern die Transzendentale Meditation beigebracht. Er hatte nie etwas von Maharishi gelernt. Als er 18 war, hatte er das kosmische Bewußtsein erlangt … nur durch Befolgung dessen, was die Geister ihm beige bracht hatten. Später wurden wir schwer von den Beatles beeinflußt. Sie hatten eine LP namens »Revolver« rausgebracht, die ich zwar gehört, aber nicht verstanden hatte, bis ich sie nochmals hörte … als ich völlig high war. Der Song lehrte Meditation. Der Text war: »Schalte dein Denken ab, entspanne dich und lasse dich treiben, höre auf die Stimmen – spre chen sie nicht …?« Er handelte von Geistwesen, die dich in das kosmi sche Bewußtsein führen. Eine Menge Stoff, den die Beatles in ihre Alben steckten … ent hielt alle Arten von Verführung, um Kids zum LSD zu bringen … spä ter zogen sie dann Maharishi Mahesh Yogi zu Rate, nachdem sie … in die TM eingestiegen waren. Die Beatles, meine ich, waren zum gro ßen Teil dafür verantwortlich, dass Hunderttausende von Kids … in die fernöstliche Denkweise eingeführt wurden … Ich nahm alles an, was die Geister mich lehrten, weil es Wahrheit sein mußte, die vom »universalen Selbst« stammte. Ich begann zu glau ben, das sei Gott. Ich begann zu glauben, Gott sei das OM und das Universum nur Maya, eine Illusion … [Später] ist mir allmählich klar

geworden, dass die Geister mir Hinduismus beigebracht hatten. Ich nahm ihn als Wahrheit an – es war mir egal, wie es genannt wurde«. Solche Erfahrungen können nicht der Fantasie oder dem Zufall zugeschrie ben werden. Dahinter steht eine äußerst deutliche Absicht und eine Ein heitlichkeit dessen, was denen beigebracht wird, die in diese Zauberwelt einsteigen. In weltweit allen Kulturkreisen und zu allen Zeiten der Ge schichte finden wir dasselbe. Zweifellos wurde ein Kontakt zu nichtmensch lichen Wesen hergestellt, die einen streng durchdachten Plan verfolgen. Das moderne Wiedererwachen des Schamanismus McKenna hält sehr große Stücke auf Drogen. Er vermutet, dass sie von Außerirdischen auf die Erde gebracht wurden und sogar, dass der »heilige Pilz« selbst eine Intelligenz ist. Er ist überzeugt, dass eine Partnerschaft zwischen halluzinogenen Pflanzen und Menschen die Zukunft prägen wird: 1975 haben wir so etwas wie eine zweite neolithische Revolution durch gemacht … [durch] die Erfindung von Haus-Pilzzucht. Plötzlich wa ren zwanzig oder dreißig Arten von psilocybinhaltigen Pilzen allge genwärtig geworden, die zuvor nur selten und in bestimmten Waldge bieten vorkamen … Stropharia cubensis … war vor der Erfindung des Anbaus durch Menschen ein seltener tropischer Pilz. Nun wächst er von Nome bis Tierra del Fuego auf jedem Speicher, in jedem Keller und in jeder Garage … Mein Bruder und ich haben 1975 ein Buch geschrieben: »Psilocybin: Magic Mushrooms Growers’ Guide (»Psilocy bin: Handbuch für Züchter des magischen Pilzes«). Mehr als 100.000 Exemplare wurden verkauft … Bob Harris … schrieb ein Buch mit dem Titel Growing Wild Mushrooms (»Aufzucht wilder Pilze«). Jo nathan Ott schrieb ein Buch. Ganze Firmen für Pilzsporen kamen auf … es ist kaum vorzustellen, wie viele Leute dies betreiben … Ich denke, dass sich zwischen Menschen und halluzinogenen Pflan zen eine wahre Symbiose vollzieht. LSD war eine Sache des Labors. Psilocybin ist ein Geschöpf aus Wäldern und Feldern. Wenn der Mensch es vermehrt, wenn wir es verbreiten, wenn es uns berauscht, kommt es zu einer Wechselbeziehung und einem Austausch von Energie und Information … Welch lange, seltsame Reise war es, von den Höhlenmalereien in Alta Mira zum Eingang zu den Sternen! Und jetzt stehen wir auf die ser Schwelle, Hand in Hand mit diesem seltsamen neuen Partner… « McKenna spricht von einem »ungelösten botanischen Problem: Warum gibt es in der Neuen Welt eine solch ungeheure Konzentration von hallu zinogenen Pflanzen?« Das ist für ihn der Grund, weshalb in Nord-, Mit tel- und Südamerika »halluzinogener Schamanismus so hoch entwickelt ist«. Mit der Bemerkung, dass »Millionen von Menschen von LSD be rührt wurden«, fügt er überraschenderweise hinzu: »Ich meine nicht, dass Drogenkonsum der Massen eine gute Idee wäre.« Dann macht er einen interessanten Vorschlag: Aber ich meine, dass wir eine stellvertretende Minderheit brauchen – eine professionelle Schamanenklasse … deren Aufgabe darin besteht … für unsere Kultur einige der kulturellen Funktionen auszuüben, die in nicht alphabetisierten Kulturen von Schamanen ausgeübt wurden.« Wenn er der Welt zuerst dargelegt hat, wie man die heiligen Pilze züchtet und so begeistert dafür eintrat, dass »jedermann« darin eingeführt wird, warum legt er dann nahe, dass nur eine »stellvertretende Minderheit – eine professionelle Schamanenklasse« diejenigen sein sollten, denen die neuen Offenbarungen offiziell erteilt werden? Man braucht überhaupt keine halluzinogenen Drogen zu nehmen, um Schamane zu werden – vie le Schamanen nehmen keine. Alles was dazu nötig ist, ist die Aktivierung der Imagination durch bestimmte Techniken, von denen die wirksamste die Visualisierung ist. In der Welt – und auch in der Christenheit – sind

weit mehr Menschen in diese »harmlose« Methode eingestiegen als in Drogenkonsum. Jean Houston erinnert uns: »In der ganzen Weltgeschichte haben Menschen viele Möglichkeiten erfunden oder entdeckt, wie man das Bewußtsein erweitern kann zu einem Tor zu subjektiven Wirklichkeiten, erhöhter Sinnesreize und ästhetischer, kreativer und religiöser Wahrneh mung. Rituelles Trommeln, Tanzen, Singen, Fasten, Einnahme bewußtseinserweiternder Pflanzenextrakte, Yoga und meditative Zustände – sol che Mittel haben geholfen, die strukturellen Gegebenheiten und kultu rellen Erwartungen eines bestimmten Gedankengebäudes der Realität – die konditionierte Gedankenwelt – vorübergehend auszuschalten, sodass alternative Realitäten und Lösungen erkannt werden können.« Imagination und Visualisierung Okkultismus beinhaltete stets drei Techniken zur Veränderung und Er schaffung von Realität: Denken, Sprechen und Visualisierung. Die erste ist am bekanntesten; sie wurde in der Welt und in der Christenheit von Norman Vincent Peale als »Positives Denken« und von Robert Schuller als »Denken in Möglichkeiten« verbreitet. Die zweite ist vor allem unter Charismatikern bekannt, als »Positives Bekenntnis« (oder »Positives Spre chen«) der Glaubensbewegung, auf die wir bereits eingegangen waren. Die dritte Technik – Visualisierung – ist die wirksamste. Sie ist der schnellste Weg in die Welt des Okkulten und zu einem Leitgeist. Scha manen wenden sie seit Tausenden von Jahren an. Sie wurde Carl G. Jung von Geistwesen beigebracht, und durch ihn beeinflußte sie die humani stische und transpersonale Psychologie. Sie wurde Napoleon Hill von sei nen Leitgeistern beigebracht. Agnes Sanford, auf die wir später ausführ licher zurückkommen werden, war die erste, die diese Technik in die Christenheit einschleuste. Norman Vincent Peale war nicht weit hinter ihr zurück und sein Einfluß war wesentlich größer. Er schrieb: Stellen Sie sich vor, ein vertrauter Freund … sagt: »Es gibt eine wirk same neu-alte Idee … ein für alle verfügbares Konzept, das unser aller Leben auf eine erstaunliche Weise zum Besseren gestalten und än dern kann …« Sie würden bestimmt antworten: »Sag mir mehr darüber!« Und das möchte ich mit diesem Buch: Ihnen mehr darüber sagen. Das Konzept ist eine Form von mentaler Aktivität, die »Imaging« (Verbildlichen) genannt wird. Sie besteht aus der lebhaften Vorstel lung eines ersehnten Ziels oder Objekts in Ihrem bewußten Denken und dem Festhalten dieses Bildes, bis es in Ihr unbewußtes Denken herabsinkt, wo es große, ungenutzte Energien freisetzt … Die Idee des Verbildlichens … steckte eigentlich schon in allen mei nen Reden und Schriften … doch erst kürzlich ist es allmählich … von Wissenschaftlern und medizinischen Kapazitäten entdeckt worden … Diese okkulte Technik ist tief in die Christenheit eingedrungen. Bestimmte Führungspersonen unterrichten seit Jahren Visualisierung. In seiner Bro schüre The Power of the Inner Eye (»Die Kraft des inneren Auges«) ver dreht Robert Schuller (wie auch Yonggi Cho und andere) die Bibel, in dem er behauptet, sie spreche sich selbst für die okkulte Technik der Visualisierung aus. Er schreibt: In der Psychology Today Ausgabe vom Mai 1985 war ein wunderbarer Artikel mit dem Titel »Im Auge des Geistes«. [Er] handelt von … Vi sualisierung … Das ist die Vision, von der die Bibel in

dem Vers spricht: »Wo keine Vision ist, verkommt ein Volk« … Ich habe die Kraft des inneren Auges angewendet und benutzt und es funktioniert … Vor dreißig Jahren fingen wir mit der Vision von einer Kirche an. Alles hat sich erfüllt. Salomo ermutigt in Sprüche 29,18 aber nicht zu der okkulten Praktik der Visualisierung, ganz im Gegenteil! Schreibt Schuller seine heutige Kir che wirklich der Anwendung der »Kraft des inneren Auges« mittels Vi sualisierung zu? Was sollte Gott damit tun? Und wenn Gott überhaupt etwas damit zu tun hat, ist der Grund dafür etwa die richtige Ausführung der Visualisierung, die ihn irgendwie dazu gezwungen hat? Die Zerstörung des wahren Glaubens an Gott Michael Harner erklärt, dass in der abendländischen Welt der primitive Schamanismus durch die Verwendung antiker Okkulttechniken unter modernen Namen und für moderne Zwecke wiederbelebt wird: in Medi zin und Psychologie, in Kursen für Geisteskraft und im Motivationstrai ning in der Geschäftswelt. Eine Fachzeitschrift bemerkte: »Für den heu tigen Einsatz zur Heilung von Krankheiten werden gegenwärtig wieder antike schamanische Praktiken aufgegriffen.« Die bedeutendste schamanische Praktik ist natürlich Visualisierung. Heute gibt es eine »Amerikanische Gesellschaft für das Studium men taler Verbildlichung« (Visualisierung). Die »Erste Weltkonferenz über Verbildlichung«, die von der Marquette Universität und dem Medizini schen College von Wisconsin veranstaltet wurde, fand vom 20. – 23. Juni 1985 in San Francisco statt. Weitere folgten. Auf diesen Konferenzen geht es um den Einsatz von Visualisierung in Medizin, Psychologie, Erziehung, Wirtschaft und anderen Gebieten. Der Professor für Medizin Bernie Sie gel sagte vor Jahren: »… angewendet auf eine körperliche Krankheit, war die am verbreitetsten eingesetzte und erfolgreichste [Technik] … Ver bildlichung bzw. Visualisierung.« Phil Jackson sagt: »Visualisierung ist für mich ein wichtiges Werkzeug.« Und auch unter Evangelikalen ist die Visualisierung ein wichtiges Werkzeug geworden –, was diese Technik noch lange nicht von ihrer ok kulten Kraft läutert. Yonggi Cho hat sie zum Zentrum seiner Lehre erho ben. Er erklärt sogar, dass niemand Glauben haben könne, wenn er nicht das, worum er betet, visualisiert. Doch die Bibel sagt, Glaube ist »das Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht« (Hebr 11,1). Somit wür de Visualisierung als Versuch, die Erhörung des Gebets zu »sehen«, viel mehr gegen den Glauben wirken als ihn fördern! Doch Norman Vincent Peal erklärte: »Wenn jemand bewußt visualisiert, dass er bei Jesus ist, ist das die beste Garantie für Bewahrung des Glaubens, die ich kenne.« „Imagination steht immer noch ganz vorn in unserer Beziehung zu Chri stus … in meinem Dialog mit Christus … Ich trinke die Herrlichkeit seiner haselnußbraunen Augen … seines kastanienbraunen Haars … Was? Sie stimmen nicht zu? Seine Haare sind schwarz? Die Augen dunkel? Dann lassen Sie es dabei, es ist Ihre Weise … Sein Bild muss sowohl für mich wie auch für Sie real sein, selbst wenn unsere Bilder voneinander abweichen. Der Schlüssel zur Lebendigkeit ist jedoch das innerlich vorgestellte Bild.“ Dieses Zitat von Calvin Miller, mit welchem er behauptet, wir müßten den einzigen Christus, den wir kennen können, in unserer Imagination erschaffen, ist reinste Gotteslästerung. Richard Foster und viele andere lehren grundsätzlich denselben Okkultismus, mit dem wir uns in einem späteren Kapitel befassen werden. Auch dies steht im krassen Gegensatz zur Schrift. Petrus sagte von Chri stus: »Den ihr liebt, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an den ihr glaubt, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht, über den ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude jubelt« (1.Petr 1,8). Im Vers davor spricht er von einer zukünftigen »Offenbarung Jesu Christi«. Ebenso spricht Johannes davon, dass er »offenbar werden wird« (1.Joh. 3,2), und auch Paulus spricht davon, dass Christen »sein [zukünftiges] Erscheinen lieb gewonnen« ha ben (2.Tim. 4,8). Die Visualisierung Jesu wäre ein unbiblischer Versuch, ihn zu sehen, bevor er sich zu erkennen

gibt, es sei denn, man besteht darauf, dass alles nur Imagination sei. Doch die, die dies praktizieren, schreiben dieser Technik Resultate zu, die wohl kaum als Ergebnis von FantasieSelbstgesprächen erklärt werden können. Darüber hinaus ist ein »Jesus«, der jede mögliche Haar- oder Augen farbe und jede Gestalt annimmt, wie es dem Visualisierenden gerade ge fällt, sicherlich nicht der wirkliche Herr Jesus Christus der Bibel und Ge schichte. Wer aber ist dann dieses Wesen, das auf diese okkulte Technik hin erscheint und Christen verführt? Mehr als Imagination? Wie wir bereits mehrfach bemerkt haben, besteht ein wichtiges Indiz da für, dass bei diesen okkulten Phänomenen mehr als nur Imagination im Spiel ist, in der durchgängigen tragenden Philosophie, die von den visua lisierten Wesen vermittelt wird. Ein weiteres Indiz ist die Tatsache, dass dieselben Wesen immer wieder rund um die Welt und durch die ganze Geschichte mit Personen Kontakt aufnehmen, die niemals von ihnen ge hört haben und auch untereinander keinen Kontakt hatten. Außerdem suchen sie gerade den Kontakt zu solchen Menschen, die selbst keinen Kontakt durch Visualisierung suchten. Die häufigen Vorkommnisse, dass die Große Weiße Bruderschaft oder der tibetische Djwhal Khul oder ver schiedene »Heilige« und »Jesus« und »Maria« solchen erschienen, die dies überhaupt nicht bestrebten, können kein Zufall sein. Denken wir beispielsweise an den Fall von Will Baron. Verursacht durch die Evolutionslehre, hatte er auf der High School seinen Glauben an die Bibel verloren. Später wurde er durch Drogen und fernöstlichen Mysti zismus Anhänger der New-Age-Bewegung. Er wurde sogar leitendes Mit glied der New-Age-Sekte »Erleuchteter Weg«. An diesem besonderen Tag war Will erst wenige Minuten in seine allmorgendliche Meditation vertieft, als Folgendes geschah: Plötzlich schien eine nie gekannte physische Kraft über mich zu kom men. Strahlendes Licht erfüllte mein ganzes Wesen … und durchdrang jede Zelle meines Körpers. Besonders mein Gehirn wurde von Licht durchflutet, als ob eine Tausend-Watt-Birne in meinem Kopf einge schaltet worden wäre … Ich spürte das Gefühl eines tiefen Friedens … Mein Geist, mein rationales Denken funktionierte immer noch normal, mit klaren, präzisen und logischen Gedanken. Ich hatte keinerlei Drogen zu mir ge nommen. Plötzlich stand ein Mann vor mir, der ein intensives, gold-weißes Licht ausstrahlte. Mein erster Eindruck war, dass diese geheimnisvol le, strahlende Gestalt wie Jesus Christus aussah. Sofort tauchte ein starker intuitiver Gedanke auf … der mir sagte, dass diese Person Djwhal Khul ist, das hochrangige Mitglied der »Großen weißen Bru derschaft der Aufgestiegenen Meister« … der Alice Bailey den Inhalt der metaphysischen Bücher diktiert hatte, die sie veröffentlichte … Die Leiterin der New-Age-Sekte, der Will angehörte, war ein spiritisti sches Medium. Sie hatte ein ähnliches Erlebnis wie er gehabt, allerdings mit einem anderen Wesen. Zumindest nahm es eine andere Gestalt an. Will erinnert sich lebhaft an ihre Begeisterung, als sie es der Gruppe be richtete: »Ich wachte mitten in der Nacht auf. Zu meiner Verwunderung stand ein Mann genau in der Mitte meines Hotelzimmers. Ich war scho ckiert … Er war ungefähr eins-achtzig groß und strahlte eine würde volle, große Autorität aus. Er sagte zu mir: »Knie dich hin! … Ich bin Jesus Christus, und ich werde dich heilen …« »Er ist so power-r-r-ful. Er berührte meinen Kopf … segnete mich und ging dann geradewegs durch die feste, verschlossene Tür meines Hotelzimmers …« (Will Baron, Deceiv ed by the New

Age, 1990) Wer die Bibel kennt, weiß, dass dies nicht Jesus gewesen sein kann. Au ßerdem braucht man nicht darauf zu warten, dass dieser »Jesus« sich ent schließt, auf einen Besuch vorbeizukommen. Angeblich kann er jederzeit dazu gebracht werden zu erscheinen. Diese Lehre wurde von Peale und Sanford eingeführt und hat die Christenheit seit über 50 Jahren verführt und gewinnt immer noch an Einfluß. Genau wie Schamanen ihren Leit geist visualisieren, so visualisieren nun Christen zu Millionen »Jesus«, und er erscheint ihnen buchstäblich – so denken sie zumindest. Auf diese okkulte Invasion in die Christenheit werden wir in einem späteren Kapi tel zurückkommen, doch ein Beispiel soll bereits hier angeführt werden. Ein Gemeindeleiter berichtet von seinen ersten Erfahrungen mit der ok kulten Praktik der »Heilung der Erinnerungen«, die Agnes Sanford in die Christenheit eingeführt hat: Ich fing an, mich selbst als Junge von acht Jahren zu visualisieren … »Sehen Sie nun, ob Sie sich Jesus vorstellen können, wie er er scheint«, unterwies uns der Seminarleiter. »Lassen Sie ihn auf sich zugehen.« Zu meiner großen Verwunderung … bewegte sich Jesus aus diesem dunklen Hintergrund langsam auf mich zu. Er streckte mir auf liebe volle, annehmende Weise seine Hände entgegen … Ich brauchte die Szenerie nicht länger zu kreieren. Die Gestalt Jesu beugte sich über mich und nahm das Bündel von meinem Rücken. Und das tat er mit einer solchen Souveränität, dass es mich buchstäb lich nicht mehr auf dem Sitz hielt.« Es ist klar, dass es sich hier um mehr als bloße Imagination handelt. Der jenige, der ursprünglich das Bild von »Jesus« visualisiert hatte, war über rascht, als das Bild plötzlich einen eigenständigen Charakter annahm und ihm klar wurde, dass er dieses Bild nicht weiter selbst erschuf. Dieser »Jesus« hatte sein eigenes Leben und eine eigene Persönlichkeit. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass ein tatsächlicher Kontakt zur Welt der Geister hergestellt wurde. Ebenso sicher können wir sein, dass dieses Wesen nicht der wirkliche Jesus Christus war. Niemand kann ihn von der Rechten des Vaters im Himmel wegrufen und in eine persönliche Er scheinung versetzen. Bei dem Wesen kann es sich nur um einen dämoni schen Geist gehandelt haben, der sich als »Jesus« ausgab. Der klassische Fall von Napoleon Hill In Kapitel 1 haben wir kurz Napoleon Hill erwähnt. Er war nicht auf der Suche nach Kontakt mit Geistwesen, als er sich bei seinem Studium plötz lich einem unerwarteten und ungeladenen Eindringling gegenüber sah. Hill behauptet, ein Abgesandter sei über die Astralebene gekommen. Mit einer Stimme, die sich »anhörte wie Glockenklänge einer großartigen Musik«, erklärte dieser Besucher aus einer anderen Dimension: »Ich kom me von der Großen Schule der Meister. Ich bin einer aus dem Rat der 33, die der Großen Schule und ihren Eingeweihten auf der physischen Ebe ne dienen.« Hill wurde informiert, dass er sich seit Jahren »unter der Aufsicht der Großen Schule« befände und von ihnen auserwählt worden sei, um der Welt die Formel des Erfolges, das »Höchste Geheimnis« zu überbringen: dass »alles, was der menschliche Geist glauben kann, er auch zu errei chen imstande ist«. (Napoleon Hill, Grow Rich with Peace of Mind, 1967) Hier haben wir wiederum dieselbe Lüge, die von Gott wegführt zur angeblichen Kraft des menschlichen Geistes. Peale und Schuller versuchen diese okkulte Kraft mit Gebet und Glauben zu ver binden. Hill betete jedoch nicht, sondern wurde in eine geheimnisvolle Quelle des »Beistands« eingeführt, die angeblich eine spirituelle Dimen sion bewohnt (»eine Region jenseits der Macht der Erkenntnis unserer fünf Sinne«), von der aus »unsichtbare, stille Kräfte uns ständig

beeinflussen«. Obwohl er viel über »Geisteskraft« und »positive Geisteshaltung« (ein Ausdruck, den diese Wesen ihm inspirierten) spricht und schreibt, ist Hill überzeugt, dass hinter diesen Kräften »unsichtbare Beobachter« stehen, die das Schicksal derer leiten, die bereit sind, sich ihrer Leitung zu unter werfen. Der Erfolg und Wohlstand, den diese angeblich höheren Wesen im Austausch für das Befolgen ihrer Prinzipien versprachen, sollte unbe grenzt sein. Hill behauptet, diese Geheimnisse durch den Kontakt mit der »Großen Schule der Meister« erhalten zu haben, von der er schrieb: Bisweilen bekannt als »Ehrwürdige Bruderschaft des Alten Indien«, ist es das große Zentralreservoir des religiösen, philosophischen, mo ralischen, physikalischen, spirituellen und übersinnlichen Wissens. Diese Schule strebt geduldig danach, die Menschheit von der spiritu ellen Unmündigkeit zur Reife der Seele und letzten Erleuchtung zu erheben. Hills bekanntes Buch Denke nach und werde reich ist auch nach 60 Jahren immer noch ein Bestseller. Diesem Werk wird nachgesagt, es habe bei einem hohen Prozentsatz der amerikanischen Topmanager das Leben verändert und ihre Karriere beeinflußt. Die Ausgabe von 1941 enthält Empfehlungen von den US-Präsidenten Roosevelt, Harding, Wilson und Taft sowie von einigen der bedeutendsten Wissenschaftler und Firmen gründer: Thomas A. Edison, Luther Burbank, John D. Rockefeller, F. W. Woolworth, William Wrigley Jr., George Eastman (von Eastman Kodak), Robert Dollar (von den Dollar Steamship Lines) und anderen. Die »Ehrwürdige Bruderschaft des Alten Indien« brachte Hill die Macht der Visualisierung bei. Auf ihren Rat hin visualisierte Hill neun berühmte Männer der Vergangenheit, die als seine »Ratgeber« um einen Tisch herum saßen. Und das Befolgen ihres Rates erwies sich für Hill als bemerkenswert förderlich und einträglich. Infolgedessen wurde Hill äußerst erfolgreich und Millionen weiterer Menschen (einschließlich vieler führende Geschäftsleute und Politiker) ergriffen und erprobten die erstaunliche Macht dieser antiken schamani schen Technik in jedem Lebensbereich. Er selbst hält zwar daran fest, dass alles nur Imagination sei, doch aus dem, was Hill schrieb, wird deut lich, dass Visualisierung die Tür in die Welt des Okkulten geöffnet hat: Diese neun Männer waren Emerson, Paine, Edison, Darwin, Lincoln, Burbank, Napoleon, Ford und Carnegie. In jeder Nacht … hielt ich eine imaginäre Ratssitzung mit dieser Gruppe, die ich meine »unsicht baren Berater« nannte. Bei diesen imaginären Ratssitzungen bat ich meine Kabinettmit glieder um das Wissen, das ich mir von jedem von ihnen erwünschte und sprach jeden Einzelnen an … Nach einigen Monaten dieser nächtlichen Prozedur stellte ich mit Erstaunen fest, dass diese imaginären Gestalten anscheinend real wur den. Jeder dieser neun Männer entwickelte individuelle Charakter merkmale, die mich überraschten … Diese Zusammenkünfte wurden derart realistisch, dass ich Angst vor ihren Konsequenzen bekam und sie für einige Monate aussetzte. Die Erlebnisse waren so unheimlich und ich befürchtete, wenn ich sie fortsetzte, würde ich die Sicht dafür verlieren, dass diese Sitzungen nichts als Erfahrungen meiner Imagination sind. Dies ist das erste Mal, dass ich den Mut habe, das überhaupt zu erwähnen … Ich erachte meine Kabinettsitzungen immer noch für rein imaginär, aber … sie haben mich auf glorreiche Abenteuerwege ge führt … Auf wundersame Weise bin ich durch Unmengen von Schwie rigkeiten geführt worden … Jetzt wende ich mich mit jedem schwierigen Problem, das sich mir oder meinen Klienten stellt, an meine imaginären Berater. Die Ergeb nisse sind oftmals erstaunlich… Auch Carl Jung versuchte die Realität der Wesen zu leugnen, die ihn be suchten und leiteten. Jung wurde schließlich gezwungen, ihre objektive Realität einzugestehen. Hill konnte sicherlich nicht wirklich glauben, dass seine Imagination jedem seiner neun Ratgeber

»individuelle Charakter merkmale« verlieh, die ihn, wie er zugab, überraschten. Und woher stammt die Weisheit, die sich bei so vielen Gelegenheiten als so einträglich er wies, als er seinen »imaginären« Beratern Probleme vorlegte, deren Lö sung seine eigenen Fähigkeiten überforderte? Natürlich ist es viel beque mer, an die Macht der Imagination zu glauben, als die Tatsache zu akzeptieren, dass man Opfer einer okkulten Invasion geworden ist. Ein gefährliches Spiel Die Psychologin und Theologin Jean Houston und ihr Mann Robert Mas ters brachten den Schamanismus in unsere Wohnzimmer. In ihrem Buch Mind Games (»Geistesspiele«) erteilen sie detaillierte Anweisungen für einen »Leiter«, der eine Gruppe in »einen gemeinsamen erweiterten Bewußtseinszustand … eine immer tiefer werdende Trance« führen soll. (Der Leiter selbst soll darauf achten, dass er bei normalem Bewußtsein bleibt, für den Fall, dass es nötig wird, andere Spieler aus ihrem erweiterten Zu stand zu retten.) Der Höhepunkt kommt in Form einer Begegnung mit einer Wesenheit, die der »Gruppengeist« genannt wird und die der ge samten Gruppe sehr real vorkommt. Hier einige Anweisungen von Hous ton und Masters, die der Leiter der Gruppe vorlesen soll: Wir sind hier in diesem Kreis versammelt … um ein Bewußtseinsreservoir zu schaffen … Und wir werden nun aus diesem Reservoir her aus das Wesen hervorkommen lassen, das wir den Gruppengeist ge nannt haben … Ihr werdet euch über den Aufenthaltsort des Grup pengeistes [im Mittelpunkt des Kreises] bewußt sein … wir können und müssen den Gruppengeist materialisieren, indem wir diesem We sen ein ausreichend materielles Wesen verleihen, sodass es uns allen erscheinen kann … Wir werden … es sehen und hören können und es sogar berühren können, wenn es nicht nötig wäre, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu beachten … »Vorsichtsmaßnahmen« wofür?, müssen wir fragen. Mag der »Gruppen geist« es nicht, wenn man ihn berührt, oder kann das irgendwie schädlich sein? Das hört sich sehr real an, und das muss es ja auch sein, wenn die Teilnehmer ihn wirklich »sehen und hören und sogar berühren« könnten, wenn das zulässig wäre. Mann muss sich keiner Gruppe anschließen, um sich einen Leitgeist zuzulegen. Die Schamanen haben das stets allein geschafft. Art Ulene, Arzt aus Los Angeles, bekannter Medizinratgeber im Fernsehen und TM- Graduierter, wurde in das »geleitete Verbildlichen« eingeführt, als er ge rade »einen Film über Entspannungstechniken mit dem Psychologen Dr. David Bresler« drehte. Ulene, der seinen eigenen Leitgeist hat, erklärt anderen, wie auch sie sich einen solchen Lebensbegleiter zulegen können. Er führt sie in einen erweiterten Bewußtseinszustand, läßt sie eine »entspannende Szene« visualisieren und sagt ihnen: Schaue langsam in deiner entspannenden Szene umher, bis du ein le bendes Wesen siehst. Sei nicht überrascht von dem, was du entdecken wirst … Gehe näher an das Wesen heran. Bitte es, etwas näher auf dich zuzukommen … Nun … ist es an der Zeit, dass ihr beiden euch bekannt macht … Sprich das Wesen an. Sag ihm deinen Namen. Frage nach seinem Na men. Ob du glaubst oder nicht, du wirst eine Antwort bekommen … Wenn du und dein Wesen euch alles gesagt habt, was zu sagen ist, wird es Zeit, wieder zu dieser Welt zurückzukehren. Sag auf Wieder sehen und versprich, dass du wiederkommen wirst. Dann öffne lang sam deine Augen … Wir alle haben diesen inneren Diagnostiker, der in Zeiten der Not zu uns kommen kann. Unsere Wesen haben zwar nicht die üblichen Doktorgrade, aber ihr medizinisches System funktioniert… (Art Ulene, Feeling Fine, 1977). Ist das Wahnsinn – oder gar etwas noch Heimtückischeres und Gefährli cheres? Wer sich darauf einläßt, tritt definitiv in Kontakt mit irgend etwas, das als Imagination begann, aber zu einem

Wesen wird mit eigener Persönlichkeit, das unabhängig von dem funktioniert, der es ursprüng lich visualisiert hat. Professor Dr. med. Bernie Siegel von der Yale-Universität war schockiert, als er dies erlebte. Er sagte: Ich habe nicht geglaubt, dass es funktioniert, aber als ich mich darauf einließ, erwartete ich, Jesus oder Mose zu sehen … Statt dessen traf ich George, einen bärtigen, langhaarigen jungen Mann mit einem un befleckten wallenden weißen Gewand und einem Scheitelkäppchen. Das war für mich ein unglaubliches Erwachen … George war spontan, kannte meine Gefühle und war ein exzellen ter Ratgeber (Siegel, Love, S.19-20). Vertrauen wirklich fehl am Platze! »Ein exzellenter Ratgeber«? Das hört sich wieder nach Napoleon Hill an. Und es überrascht uns nicht festzustellen, dass die Ratschläge, die »George« erteilte, exakt dieselben waren, wie Hill sie von seinen neun berühmten Männern erhielt. Einer der Hinweise darauf, dass es sich nicht um bloße »Imagination« handelt, findet sich in dem »Rat«, den der inne re Ratgeber oder Leitgeist gibt. Er bietet Wissen und Weisheit an, die dem Visualisierenden bisher unbekannt sind, und dieser Ratschlag be inhaltet immer – und das können wir nicht oft genug betonen – in irgend einer leicht abgewandelten Form dieselben Lügen, mit der die Schlange im Garten Eden Eva verführte. Diese Tatsache liefert genug Beweisma terial, um darauf zu schließen, um wen oder was es sich bei der Quelle dieser »Ratschläge« handelt. Masters und Houston empfehlen den »erweiterten Bewußtseinszustand« als besten Weg zum Kontakt mit okkulten Wesen. Ihre Begrün dung dafür ist höchst interessant: »Vielleicht ist der bewußte Kontakt mit diesen anderen Lebensfor men innerhalb der Zustände, die wir als normal empfinden, aufgrund einer Art von Abschirmen davor unmöglich geworden … Durch die Erweiterung des Bewußtseins lassen wir manchmal das Schutzschild sinken und so wird der Kontakt möglich (Houston and Masters, Games,S.70). Tatsächlich scheint es, dass die verschiedenen okkulten Techniken zur Erweiterung des Bewußtseins, genau wie bewußtseinserweiternde Dro gen, speziell entworfen und entwickelt wurden, um jemanden für das Okkulte zu öffnen, indem ein »Schutzschild« entfernt wird. Kann es nicht sein, dass dieses »Schutzschild« von Gott an seinen Platz gestellt wurde und es eine Invasion dämonischer Wesen in die menschliche Persönlich keit verhindern soll? Der beste Rat wäre: »Lassen Sie dieses Schutzschild nicht sinken!« Doch genau die Techniken, die dieses Schutzschild entfernen, werden nicht nur von Masters und Houston und anderen New-Age-Gurus ge lehrt und empfohlen, sondern werden auch in der Christenheit propa giert. Die Tür des menschlichen Geistes wird vorsätzlich einer okkulten Invasion geöffnet! Ein ehemaliger Führer der New-Age-Bewegung, der aus jahrelanger Erfahrung spricht, warnt uns: Nach langfristiger Beobachtung [intern, als Führungsperson] der ge samten New-Age-Szene bin ich überzeugt, dass diese Techniken (Re birthing, Yoga, TM, Visualisierung innerer Führer usw.) eine imma nente Kraft in sich selbst haben. Sie funktionieren, weil sie speziell darauf angelegt sind, Türen aufzustoßen und Barrieren niederzureißen, die Gott in den menschlichen Geist plaziert hat, damit eine Übernahme durch dämonische Wesen verhindert wird. Ich habe erlebt, wie real und äußerst zerstörerisch diese Wesen sind (Aus einem persönlich geführten Interview mit Doug Clover). Es handelt sich hier nicht um eine Repräsentation des »kollektiven Unbewußten« (eine der Lügen, die Carl G. Jung von diesen verführerischen Wesen übernahm), sondern die Mehrzahl der Indizien deutet darauf hin, dass es sich bei den Wesen, denen man durch schamanische Techniken begegnet, um Gestalten dämonischer Geister handelt, die die Mensch heit in den

Untergang verführen wollen. Doch Masters und Houston (und mit ihnen viele andere, die im Okkultismus verstrickt sind) versprechen: Wenn man »dem Leitgeist vertraut und ihm zutraut, dass er beschützen kann, wird man vor Schaden sicher sein«. Wie können wir wissen, was real ist? 1996 belustigten sich die Medien über die Geschichte, dass die First Lady Hillary Clinton Kontakt zu der früheren First Lady Eleanor Roosevelt aufgenommen habe und mit ihr Gespräche führe. Hillary äußerte in Gegenerklärungen, dass die Gespräche »Imagination« seien. Hat sie dann nur Selbstgespräche geführt? Sicherlich war es mehr als das! Hillary ist tatsächlich von Jean Houston in die antike okkulte Technik der Visuali sierung eingeführt worden. Einerseits hört sich das alles lächerlich an, wenn man in der Vorstel lung irgendwelche geheimnisvollen Wesen heraufbeschwört, die dann anscheinend »real« werden, was immer das heißen mag. Andererseits wäre es beleidigend, wenn man all diese hochintelligenten und gebildeten Per sonen eines allgemeinen Wahnsinns bezichtigt. Gerade der Umstand, dass so viele Menschen rund um die Welt zu allen Zeiten der Geschichte die selben Erfahrungen machten, drückt diesem Phänomen den Stempel der Realität auf. Doch die Tatsache, dass diese Wesen nicht stofflich sind, wirft die Frage auf, wie »real« diese Leitgeister sind – und hier stehen wir vor der Frage, was »real« überhaupt bedeutet. Eine Folge der Transformation, die sich in unserer Welt durch Drogen und andere schamanische Praktiken vollzieht, ist die Verwirrung über die »Realität«. Von dieser Verwirrung sind heute viele Menschen geplagt, die einst eine sichere Antwort auf die Frage nach der Realität geben konn ten. Sind die Erfahrungen auf Drogentrips oder im fernöstlich-mystisch erlangten »höheren Bewußtsein« der »reale« Stand der Dinge, oder fin det sich die Realität im normalen Bewußtsein? Die Behauptung ist po pulär geworden, dass wir uns mit unserem Geist unser eigenes Univer sum schaffen, sodass die Realität sich im Fluß befindet und von Person zu Person verschieden ist. Das ist offensichtlicher Unsinn, der aus der hinduistischen Auffassung stammt, alles sei Maya, eine Illusion. Die Tatsache, dass das Universum bereits existierte, bevor der Mensch kam und sich mit seiner Imagination seine Realität »erschaffen« konnte, sollte logischerweise alle Fantastereien beenden, die Jean Houston und andere mit ihr einer leichtgläubigen Anhängerschaft angedreht haben. Doch diese Theorie hat weiterhin Bestand. Sir James Jeans wartet mit Argumenten auf, mit denen er die Illusion entkräftet, wir würden alle einen gemeinsamen Traum träumen, den wir »Realität« nennen, und mit denen er die Tatsache eines realen Universums begründet, das unabhän gig von unserem Denken ist. Er zeigte auf, dass es drei Kriterien gibt, die für eine objektive Realität unbedingt notwendig sind: Überraschung, Kon tinuität und Veränderung. 20 Millionen Menschen werden in Mexiko City plötzlich von einem Erdbeben aus dem Schlaf gerissen. Häuser und Wohnungen stürzen ein und viele Todesopfer sind zu verzeichnen. Die Tatsache, dass die Mexika ner von diesem Ereignis überrascht wurden – aufgeweckt vom Schütteln und Rütteln eines Erdbebens, das sie sicherlich nicht nur träumten – ist Beweis genug, dass eine objektive Realität ihre Opfer forderte. Es wäre Wahnsinn zu meinen, dass ein Wirbelsturm, der Häuser zertrümmert, oder eine Feuersbrunst, die ein Hotel in Schutt und Asche legt, nichts als Episoden eines gemeinsamen Traumes sind, mit dem die Opfer alle überein stimmen. Doch die so beliebten Gurus des neuen Bewußtseins fahren mit der Verbreitung von Techniken fort, die einen Ausstieg aus diesem »gewöhnlichen«, aber illusorischen Bewußtseinszustand und den Einstieg in eine neue Realität ermöglichen sollen, die mental in einem so genann ten »höheren Bewußtseinszustand« geschaffen wird. Das soll angeblich die reale Welt sein. Sir James Jeans’ zweites Kriterium für die Begründung einer objekti ven Realität, die Kontinuität, ist leicht nachvollziehbar. Nach 10 Jahren kehren Sie zu einem Klassentreffen an Ihre alte Schule zurück. Sie finden dort dieselben Räume wieder, in denen Sie einst Unterricht hatten, viel leicht

samt Tafel, Tischen, Stühlen und Rissen in der Decke. An all dies haben Sie während der letzten 10 Jahre überhaupt nicht mehr gedacht. Alles blieb am selben Ort, ohne dass Sie auch nur einen Gedanken daran aufgewendet hätten. Die jungen Bäume auf dem Schulhof sind gewach sen, ohne dass Sie irgendwie mit Ihrem Geist nachgeholfen hätten. Offensichtlich sind Ihre alte Schule und deren Umgebung – wie der Rest der Welt und des Universums – kein Bestandteil eines Traumes, den Sie geträumt haben, sondern eine objektive Realität, die gänzlich unab hängig von Ihnen und der übrigen Menschheit existiert. Stellen Sie sich das Chaos vor, das resultieren würde, wenn die Realität tatsächlich das Produkt von Milliarden individueller Menschen mit unabhängigen und vergeßlichen (oder sogar kranken) Psychen wäre. Wessen »Realität« würde dominieren und wie oft würde die selbst geschaffene Realität ei ner Person plötzlich von der Realität einer anderen Person verdrängt, die sich durchsetzt? Und aufgrund welcher Logik wäre es vorstellbar, dass die Milliarden von Menschen auf dieser Erde sich irgendwie zusammen gerauft und gezielt das Universum geschaffen haben, das wir alle erfah ren, vom kleinsten Atom angefangen bis zur entlegensten Galaxie – wo doch dieses Universum existierte, bevor es überhaupt Menschen gab? Während Ihrer Abwesenheit hat es an Ihrer Schule natürlich auch Ver änderungen gegeben. Die alte Turnhalle mit dem Parkettboden wurde abgerissen und eine neue und viel größere steht nun an ihrem alten Platz. Änderungen wie diese, die sich ohne unser Wissen an Orten vollziehen, die wir vergessen haben, geschehen eindeutig ohne die kreative Beteiligung unseres Geistes. Auch dies ist ein Hinweis auf die Objektivität des physischen Universums, das uns umgibt. Diese drei Kriterien – Überraschung, Kontinuität und Veränderung beweisen außerdem aus denselben Gründen auch die Realität von okkulten Erfahrungen. Wenn Wissenschaftler wie Sir James Jeans sagen, dass das Universum »wie ein großartiger Gedanke« ist, meinen sie damit nicht einen Gedan ken in menschlichen Köpfen, sondern, wie Jeans sagte, »in den Gedan ken eines ewigen Geistes«, der allein der Schöpfer des Universums sein kann. Weit davon entfernt, eine mentale Realität zu erschaffen, ringt die Menschheit danach, eine Realität zu entdecken, die unabhängig von ih ren Gedanken und Vorstellungen existiert und die offensichtlich von ei nem Geist erschaffen wurde, der ihre Vorstellungskraft und Fähigkeiten weit übersteigt. Das einzig Vernünftige, das wir tun können, ist, mit den Manipulationsversuchen an der Realität aufzuhören und dem Schöpfer seinen rechtmäßigen Platz einzuräumen, den er in unserem Leben bean sprucht. Aus dem Buch DIE OKKULTE INVASION, von Dave Hunt www.horst-koch.de info@horst-koch.de --Erich Sauer SATAN, DER FÜRST DIESER WELT - DER WIDERSACHER DES MENSCHEN -

I. Gibt es einen persönlichen Teufel?

Die Bibel lehrt das Dasein eines persönlichen Teufels. Über diese Lehre ist viel gespottet worden, in ungezählten Fällen allerdings ohne eigenes, ernsthaftes Nachdenken. Gar zu oft ist »Freidenker«-sein nicht viel mehr als »frei« sein vom »Denken«. In Wahr heit aber erweist sich auch hier die biblische Weltanschauung als über die Kritik und Gedankenlosigkeit ihrer Gegner turmhoch erhaben Dies zeigt schon eine kurze naturphilosophische Überlegung. 1. Das Zeugnis von Natur und Geschichte. Unleugbar ist die uns bekannte Naturordnung keine vollkommene. Eine absolute Welthar monie existiert nicht. Vielmehr bietet uns die Natur einen rätselhaften Zwitterzustand dar von Glück und Unglück, Weisheit und Unver nunft, Zweckmäßigkeit und Zerrüttung. Jubel und Jammer, Güte und Grausamkeit, Lebensfreude und Todesweh - dies alles durchzuckt den Organismus der Erdwelt a. Die Disharmonie in der Welt. Diese beweist zunächst noch nicht das Vorhandensein gottfeindlicher Mächte. Denn Unvollkommenheit an sich braucht noch nicht notwendig eine Folge von Gottwidrigem zu sein. Es ist klar, daß zu den vom Schöpfer Selbst gegebenen Ge setzen der raum-zeitlichen Welt auch der Grundsatz der Entwicklung gehört. Die Welt, wie Gott sie will, muß werden. Im Begriff der Ent wicklung aber liegt es, daß das, was sich entwickelt, sich aus einem relativ niederen Zustand in einen höheren und vollkommeneren ent wickelt, bis zuletzt das Endziel des ganzen Werdeganges erreicht ist. Eine absolute Gleichheit des Vollkommenheitsgrades der einzelnen Stufen würde den Begriff der Entwicklung und des Werdens aufhe ben. Wenn es also nun einen Gradunterschied zwischen relativ un vollkommenen und relativ vollkommeneren Stadien in der Schöpfung gibt und geben muß, so ist, für eine auf ein Werden hin angelegte Welt, eine solche relative Unvollkommenheit etwas Gottgewolltes und Gottgegebenes, solange die Entwicklung andauert. Dies ist aber nicht die Unvollkommenheit, welche die gegenwärtige Welt offensichtlich kennzeichnet. Allerdings zeigt sie auch zahlreiche solchenormalen Unvollkommenheiten, die mit dem Begriff jedes Wachstums notwendig gegeben sind. Vorherrschend ist aber eine andere Unvollkommenheit, eine anormale, die ein Prinzip der Hem mung in sich birgt. Niemand wird behaupten, daß Sterben nur ein geringerer Grad vom Leben, daß Lügen nur eine Vorstufe der Wahr heit, daß Mord ein Anfangsstadium der Nächstenliebe sei. Sinnlos und wirklichkeitsfremd ist darum die Idee des Pantheismus, daß al les, was wir als »Übel« empfinden - sogar das Böse und der Tod - keine unnormalen, sondern normale Unvollkommenheiten seien, d. h. notwendige Durchgangsstadien des Gottwelt-Evolutionsprozesses, etwa wie Kälte nicht ein Widerspruch zur Wärme, sondern nur ein geringerer Grad der Wärme sei. Nein, durch die Natur geht ein ganz anderer, viel gewaltigerer Riß! Hinter dem Kampf in der Natur steht offenbar irgendwie eine Revolution. Der unserer Erfahrung zugängliche kleine Ausschnitt aus dem Kosmos ist für jeden Beobachter in einer rätselhaften Verfas sung. »Auf der einen Seite zeigt er zuviel Vernunft, Weisheit und Glück, um die Gottesleugnung zu rechtfertigen; auf der andern Seite zeigt er zuviel Unvernunft, Bosheit und Unglück, um den Gottesglau ben wahrscheinlich zu machen. Er macht den Eindruck eines großar tigen Tempels in trümmerhaftem Zustande, dessen tiefsinnige In schriften von einem Unbekannten boshaft und geschickt karikiert worden sind« (Dr. von Gerdtell). Daß es Dinge in der Welt gibt, die wir als etwas Böses und Übles empfinden, ist zweifellos. So die Störungen des Gleichgewichts der Naturkräfte, die Leiden und der Tod bewußter, lebendiger Wesen. Fragen wir aber nach dem Woher, so ist ebenso sicher, daß das Vor handensein des Bösen und des Übels mit dem Begriff eines persön lichen, heiligen und vollkommenen Gottes im Widerspruch steht. Wohl ist das Gute im Weltenplan Gottes nicht möglich ohne die Mög lichkeit des Bösen; aber die Wirklichkeit des Bösen und die damit verbundenen, tatsächlichen Weltstörungen können nimmermehr als etwas Notwendiges von Gott gesetzt worden sein. Denn

wäre dies alles im Anfang nötig gewesen, so ist nicht einzusehen, warum es nicht immer so erforderlich sein sollte. b. Die Wirklichkeit des Dämonischen. Nein, will man mit dem Be griff der Schöpfung als einer Offenbarung des Wesens des Schöpfers und mit dem Begriff der Offenbarung als einer Sichselbstoffenbarung des heiligen und vollkommenen Gottes Ernst machen, so ist es restlos unmöglich, eine Welt, die vom Scheitel bis zur Zehe dem Verderben verfallen ist, unmittelbar, so wie sie ist, auf Ihn als den alleinigen Ursprung zurückzuführen. Dann aber können das Böse und alle Übel auch nicht mehr als notwendige Durchgangsstadien der Weltentwick lung aufgefaßt werden, als ein bloßes Noch-nicht des Vollkommeneren, sondern sie müssen als wirkliche Hemmungen und Querwirkungen betrachtet werden und mithin als etwas Real-Konkret-Positives, das sich der gottgewollten Weltentwicklung entgegenstellt. Das aber heißt: das Vorhandensein des Weltleides und aller Übel beweist das Dasein einer transzendenten, von Gott nicht gewollten, realen, dynamischen Gegenmacht. Die se aber muß ihrerseits als eine Persönlichkeit gedacht werden, da Ethisches beziehungsweise Unethisches nur von bewußten, freien Wesen ausgesagt werden kann. Im Begriff eines absoluten und ewig vollkommenen Gottes liegt es, nur Einer zu sein und als solcher der Ursprung alles außer und neben Ihm Bestehenden. Folglich muß auch diese Gegenmacht, ihrer Exi stenz nach, auf Ihn zurückgeführt werden. Weil aber Gott zwar wohl etwas geschichtlich noch Unvollendetes, nicht aber etwas Seiner Welt idee stracks Widersprechendes schaffen kann, muß auch sie ursprüng lich rein und fleckenlos aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen sein. So bleibt zur Erklärung ihres gegenwärtigen, gottfeindlichen Zustandes nur die Möglichkeit einesAbfalls übrig. Mit diesem Ganzen ist die Existenz des Teufels als eine naturphi losophische Denknotwendigkeit erwiesen. Auch naturwissenschaftlich lassen sich gar keine Gegengründe ge gen diesen Glauben einwenden. Die Naturwissenschaft lehrt, daß es in der Welt die allerverschìedensten Arten von Lebewesen gibt. Al lein auf unserer kleinen Erde gibt es weit über zwei Millionen Lebe arten. Es gibt Fische, die nur in der tiefsten Tiefe, und Vögel, die nur in der höchsten Gebirgsluft leben können. Es gibt Tiere, die nur in der Hitze der Tropen, und andere, die nur in der Kälte der Polar länder leben können. Aber alle sind wirkliche Lebewesen, so ver schieden auch ihre Natur ist. So kann es auch - schon vom rein naturphilosophischen Denken aus geredet - Wesen geben, dieohne stofflichen Leib sind, gleichwie die Lebewesen unserer Erdenwelt alle mit stofflichem Leib sein müssen. Von einem naturwissenschaftlichen Überholtsein des Glaubens an das Dasein guter oder böser Geist wesen kann darum überhaupt nicht die Rede sein. Der moderne Mensch steht der Teufelsidee meist nur schon des halb von vornherein ablehnend gegenüber, weil er dabei fast immer sofort an die derb-sinnliche und populär-schauerliche, lächerlich-gro teske und albern-phantastische Teufelsvorstellung des Mittelalters denkt. Richtig sagt Professor Dr. Ebrard: »Alle Einwände der Phi losophie gegen den Teufel gehen nicht gegen ihn, wie er in der Bibel geschildert wird, sondern gegen die falschen Ideen, die man sich zu vor über ihn ersonnen hat.« Und mit dem Tübinger Paläontologie- Professor Dr. Frhr. von Huene muß gesagt werden, »daß die komische Figur mit Hörnern und Pferdefuß, die man im Mittelalter und noch heute vielfach dem Teufel in Wort, Bild und Literatur gibt, mindestens ein Spielen mit dem Feuer, ja eine Frivolität genannt wer den muß. Die Gefahr ist viel ernster und seine, auch heutige Macht viel bedrohlicher, als die meisten Menschen es ahnen.« - »Gott mit der reinen Sache, die Er hat und vertritt,offenbart Sich; der Böse mit der entgegengesetzten verbirgt sich« (Professor Dr. Erich Schäder). In Wahrheit ist der Teufel ein mit höchster Intelligenz begabtes, zwar gefallenes, aber nichtsdestoweniger überaus machtvolles, per sönliches Geistwesen, dessen Existenz weder philosophisch noch na turwissenschaftlich in irgendeiner Weise angreifbar ist. Und da es gerade die Erde und der sie umgebende Teil des Weltalls ist, wo wir die Disharmonie, den Tod und das

Verderben beobachten, drängt sich schon der rein spekulativen Naturbetrachtung der Schluß auf, daß diese Erde und wohl auch das mit ihr verbundene Sonnensystem die Domäne dieses weltenbeherrschenden Machtwesens sei. 2. Biblischer Beweis. Alle diese Schlüsse finden nun auch durch die Heilige Schrift ihre Bestätigung. Zweifellos ist der Glaube an die Existenz eines persönlichen Teufels der Glaube Jesu und Seiner Apostel. a. Das Zeugnis Jesu und Seiner Apostel. Schon gleich zu Anfang Seines öffentlichen Dienstes weiß Jesu Sich in einen unmittelbaren Kampf mit Seinem Erzfeind, dem Teufel, gestellt. Die ganze Versu chungsgeschichte Jesu beweist über allen Zweifel, daß es sich hier um eine tatsächliche und ganz persönliche Auseinandersetzung zweier Hauptgegner handelt. Sowohl die Berichterstattung der Evangelisten wie auch die Art des Verhaltens Jesu und Seine Worte selbst zeigen klar, daß es sich hier nicht um ein bloßes »Prinzip« des Schlechten handelt, sondern um eine wirkliche, tatsächliche vorhandene, spre chende und handelnde Person, eben nicht nur »das« Böse, sondern »den Bösen«. »Der Versucher trat zu ihm hin und sprach« (Matth. 4, 3). »Der Teufel nimmt ihn ... und stellt ihn auf die Zinne und spricht« (V. 5). »Dann verläßt ihn der Teufel« (V. 11). »Der Teufel weicht von ihm« (Luk. 4, 13). Umgekehrt ebenso: »Jesus spricht zuihm« (V. 7). »Jesus antwortete ihm« (Luk. 4, 3;). »Jesus spricht zu ihm« (Matth. 4, 10). In gleicher Weise bezeugen auch andere Worte Jesu Seinen Glauben an die Existenz eines persönlichen Teufels. Er sagt, Satan habe ein »Königreich« (Matth. 12, 26). »Ich sah den Satanas herabfallen wie einen Blitz vom Himmel« (Luk. 10, 18). Er nennt ihn den »Für sten dieser Welt« (Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11). Die ungläubigen Juden seien seine Kindеr. »Ihr seid vom Vater, dem Teufel« (Joh. 8, 44). Golgatha ist für Ihn eine ganz persönliche Entscheidungsschlacht ge gen diese persönliche Feindesgewalt. »Der Fürst der Welt kommt.« »Der Fürst der Welt ist gerichtet.« »Der Fürst dieser Welt wird her ausgeworfen werden.« Denselben Glauben teilen Seine Apostel. Darum spricht Paulus von dem »Fürsten über die Mächte der Luft« (Eph. 2, 2), der seine »Gedanken« (2. Kor. 2, 11), ja, seine »Diener« hat, die sich als Diener der Gerechtigkeit verstellen, gleichwie er selbst, der Satan, die Ge stalt eines Lichtengels annehme (2. Kor. 11, 14). Der Zweck seiner eigenen, missionarischen Sendung besteht für ihn darin, den Men schen »die Augen aufzutun, auf daß sie sich bekehren ... von der Gewalt (Obrigkeit) des Satans zu Gott« (Apg. 26, 18), und siegesgewiß erklärt er im Römerbrief: »Der Gott des Friedens aber wird in kurzem den Satan unter eure Füße zertreten« (Röm. 16, 20). Den gleichen Glauben bezeugt Johannes. »Der Teufel sündigt von Anfang« (1. Joh. 3, 8). »Die ganze Welt liegt in dem Argen« (1. Joh. 5, 19). »Der Sohn Gottes ist erschienen, daß er die Werke des Teufels zerstöre« (1. Joh. 3, 8). Ohne Schwierigkeit ließe sich die Zahl sol cher Beweise aus dem Evangelien und Apostelbriefen vermehren. Wer diesen urchristlichen Glauben nicht teilt, kann unmöglich Jesus und Seine Apostel verstehen. Es ist für den Glauben ein völlig unvollziehbarer Gedanke, daß Christus Sich in dieser Frage etwa geirrt und an gewissen, bloßen Zeitvorstellungen Seiner Umwelt teil genommen habe. Denn schon ganz abgesehen von der Tatsache, daß Christus, trotz Seiner Selbstentäußerung, als menschgewordener Gottessohn über jeden Irrtum erhaben war, wür de ein Irrtum in dieser Frage noch dazu bedeuten, daß Christus Sich über die Mächte, mit denen Er Selbst zu kämpfen und die Er zu überwinden hatte, also über den Hintergrund, die geschichtliche Vor aussetzung und das Ziel Seiner ganzen, eigenen Erlösertätigkeit ge täuscht habe! »Diese Annahme aber ist«, wie Professor Erich Schäder mit Recht sagt, »für den Glauben unerträglich, der mit Jesus als dem Erlöser und dem Bringer des Reiches Gottes im Geist verbunden ist ... Mit dem Gedanken an Gottes Gericht über »das« Böse, d. h. die Sünde, verbindet sich ihm der Glaube an das Gericht über »den« Bösen, der versucherisch und treibend hinter der menschlichen Sünde steht.«

b. Weltuntergang und kosmische Revolution. Dazu kommt noch ein Weiteres. Nach der Bibel wird einmal nicht nur die Erde, sondern auch der ganze, mit ihr verbundene Himmel in einer gewaltigen Ge richtskatastrophe vergehen. Die Himmel werden mit Krachen aufge löst und die Elementarstoffe in Flammenglut zerschmolzen werden. Die Erde wird mit all ihren Werken in Feuer aufgehen, so daß alles dem Untergang verfällt (2. Petr. 3, 10; Offb. 20, 11; Matth. 5, 18). Wenn aber nun die Schöpfung nur eine relative, aber sonst normale Unvollkommenheit eines stetig voranschreitenden Wachstums hätte, so wäre auf keinen Fall einzusehen, warum sie nicht ohne eine so furchtbare Katastrophe, nämlich in allmählicher Aufwärtsentwicklung ihrem Ziele entgegengehen könnte. Und da es ferner unmöglich ist, diese Gerichtskatastrophe in ihrem gesamten Umfang, auch in bezug auf die Himmel, als Folge des Sündenfalls der Menschen, der Be wohner der Erde, anzusehen, so bleibt auch von diesem Gesichtspunkt aus nichts weiter mehr übrig, als an eine übermenschliche Ursünde, eine kosmische Revolution zu denken, die im Reiche der Geister statt gefunden haben muß. c. Das Zeugnis der bibischen Urgeschichte. In diese Richtung scheint auch eine Andeutung der Heiligen Schrift zu weisen. Der Mensch sollte den Paradiesesgarten bebauen und »bewahren« (1. Mose 2, 15). Es muß also schon damals eine Gefahrenquelle vorhanden ge wesen sein, die eine »Bewahrung« erforderlich machte. Die spätere Versuchungsgeschichte der Bibel beweist, daß dieser Schlußfolgerung tatsächlich die Wirklichkeit entsprach. Es gab schon in jenen Anfangs tagen der Menschheitsentwicklung eine Macht des Bösen, die dem Reich des Guten entgegengesetzt war (1. Mose 3). Dabei muß diese gottfeindliche Gewalt in irgendeiner Beziehung zur Erdenwelt ge standen haben, da sie gerade auf dieser ihre Verführungskunst ausübt. d. Engelorganisationen im Reich des Lichts und im Reich der Fin sternis. Aus den Weissagungen Daniels erkennen wir, daß gewisse Gebiete der Schöpfung Gottes jeweilig bestimmten Engeln unter stellt sind. Ihre Aufgabe ist es, in diesen, ihnen von Gott zugewiese nen Schöpfungsbezirken im Namen Gottes die Herrschaft und Ver waltung auszuüben. Darum sind sie zugleich »Wächter« und Hüter der Weltordnung Gottes (Dan. 4, 13). Auf ihre »Anordnung« hin kön nen Königreiche, ja, Weltreiche zerschmettert werden. »Siehe, ein Wächter und Heiliger stieg vom Himmel hernieder. Er rief mit Macht und sprach: Hauet den Baum (d. h. die Königsherrschaft Nebukad nezars) um ... Durch >Beschluß< der >Wächter< ist dieser Ausspruch, und ein >Befehl< der Heiligen ist diese Sache« (Dan. 4, 14; 17). So sagt auch Stephanus, daß das Volk Israel das Gesetz auf »Anordnungen von Engeln hin« empfangen habe (Apg. 7, 53). Grundsätzlich ähnlich ist die äußere Form der Organisation im Reich der Finsternis. So spricht das Buch Daniel von einem »Engelfürsten von Griechenland« (Dan. 10, 20) und einem »Engelfürsten von Persien« (V. 13). Damit sind zweifellos dämonische Geistesmächte gemeint, die diese heidnischen Völker inspirieren und leiten. Auf der anderen Seite ist, in der Welt des Lichts, der Erzengel Michael der Engelfürst des Volkes Israel, »der große Fürst, der für die Kinder deines Volkes steht« (Dan. 12 ,1), »euer (Engel)fürst« (Dan. 10, 21). Die Offenbarung des Johannes läßt erkennen, daß es sowohl in der unsichtbaren Welt des Lichts als auch in der Welt der Finsternis geradezu Engelarmeen gibt, die je unter der Anführung eines beson ders hervorragenden Engelfürsten stehen. So hat Michael »seine« En gel, und so hat der Drache »seine« Engel: »Und es entstand ein Kampf in dem Himmel. Michael und >seine< Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und >seine< Engel, und sie siegten nicht ob ... Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welche Teufel und Satan genannt wird ... Geworfen wurde er auf die Erde, und >seine< Engel wurden mit ihr hinabgeworfen« (Off. 12, 7-9). Dies alles zeigt, daß es Engelorganisationen gibt, »Throne, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten«, wie Paulus es ausdrückt, nicht nur in der sichtbaren, sondern auch in der unsichtbaren Welt (Kol. 1, 16; Eph. 1, 21). Von hier aus, so scheint es, ergibt sich auch eine Möglichkeit, noch weitere Zusammenhänge des übergeschichtlichen Hintergrunds der Weltallgeschichte zu ahnen.

e. Satan als gefallener Engelfürst Gottes. In der Versuchungsge schichte Jesu bietet Satan dem Herrn alle Macht und Herrlichkeit der Reiche dieser Welt an, wenn Er nur niederfalle und ihn anbete. Die Möglichkeit und Durchführbarkeit dieses seines Angebots begründet er mit dem Hinweis darauf, daß ihm die Herrschaft über die Welt einst »übertragen« worden sei. »Mir ist sieverliehen worden, und ich kann sie geben, wem ich will« (Luk. 4,6). Dies ganze Angebot wäre aber für den Herrn als Versuchung von vornherein wesenlos gewesen, wenn nicht tatsächlich eine solche Rechtsgrundlage für Satans Herrschaft in der Welt bestanden hätte. In anderem Fall hätte Jesus nur einfach darauf hinzuweisen brauchen, daß für diesen Rechtanspruch und diese Verfügungsmöglichkeit Sa tans in Bezug auf die Herrlichkeit der Welt gar keine Voraussetzun gen vorhanden seien. Der Herr läßt aber diese Behauptung Satans sachlichunwidersprochen und erklärt nur, daß man Gott allein an zubeten habe und Ihm allein dienen solle (Luk. 4, 8). Damit aber er kennt Er grundsätzlich dem Versucher die Vollmacht an, über die Reiche dieser Welt gegenwärtig verfügen zu können. Das Gleiche liegt den verschiedenen Worten Jesu zugrunde, in de nen Er Satan den »Fürsten dieser Welt nennt (Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11). Mit diesem Ganzen verbindet sich das Zeugnis des Buches der Offenbarung. Denn wenn es dort für die Zeit des Endes des gegen wärtigen Zeitlaufs heißt: »Die Herrschaft über die Welt ist an unsern Herrn und seinen Gesalbten gekommen, und er wird als König in alle Ewigkeit herrschen« (Offb. 11, 15 vgl. 19, 6), so liegt in diesen Worten ebenfalls die Andeutung, daß das Reich der Welt bis zu jenem Au genblick unter der Botmäßigkeit eines andern, eben des Fürsten die ser Welt, steht. Nun verstehen wir auch, warum der Erzengel Mi chael bei seinem Streit mit dem Satan um den Leib des Mose nicht wagte, ein lästerndes Urteil über ihn auszusprechen, sondern nur sagte: »Der Неrr strafe dich« (Judas 9). Den Fall dieses gewaltigen Lichtfürsten scheint auch, wie schon die Rabbinen annahmen, die Schilderung des gestürzten Babels bei Je saja mit im Auge zu haben: »O, wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzgestirn, Sohn der Morgenröte« (Jes. 14, 12). Auch Hesekiel entlehnt offenbar die Bilder seiner Beschreibung des Falles von Ty rus jenem Urereignis: »Du warst ein gesalbter Cherub, der da schirmt; ich hatte dich dazu bestellt; auf dem heiligen Götterberge weiltest du; inmitten feuriger Steine wandeltest du. Unsträflich warst du in all deinem Tun von dem Tage deiner Erschaffung an, bis Verschuldung an dir gefunden wurde. Dein Sinn war hochfahrend ge worden infolge deiner Schönheit; du hattest deine Weisheit außer acht gelassen um deines Glanzes willen« (Hes. 28, 14-17). Zweifellos ist in diesen beiden Prophetenworten nicht unmittelbar vom Fall Satans die Rede! Offensichtlich ist das Wort Jesajas gegen den buchstäblichen, menschlichen König von Babylon und das Wort Hesekiels gegen den buchstäblichen, menschlichen König von Tyrus gerichtet. Darum können diese beiden Schriftabschnitte auch nicht als entscheIchnde, lehrhafte Grundlagen für den Fall Satans angesehen werden. Aus bildhaften und dichterischen Worten lassen sich nicht ohne weiteres lehrhafte Folgerungen ziehen. Diese müssen vielmehr in bildlosen und unmittelbaren Schriftaussagen begründet sein. Diе Bedeutung der bildhaften und dichterischen Schriftworte liegt vor nehmlich im Illustrativen und zwar, um der Botschaft für Herz und Empfinden des Lesers und Hörers vermehrten Eindruck zu verleihen. Dennoch ist unverkennbar, daß die Art und Weise der hier gegebe nen Schilderungen weit über den Rahmen des rein Menschlichen und bloß Dichterischen hinausgeht. Ähnlich wie König David ein Abbild seines himmlischen Ober herrn Christus ist, so sind hier diese beiden heidnischen Könige Abbilderihres dämonischen Oberherrn. Verschiedentlich in den Psalmen geht die Form der Schilderung von Erlebnissen Davids weit über den menschlichen Rahmen seiner irdischen Persönlichkeit hinaus (z.B. Ps. 16; 22) und wird mit der Geschichte des himmlischen »David« verflochten. So ähnlich - nur eben in umgekehrtem

Sinne - ist das Verhältnis der Könige von Babel und Tyrus zu Satan, ihrem Gebieter, der die Geschichte der heidnischen Weltreiche als ihr eigentlicher Oberherr lenkt und inspi riert. Darum kann der Sturz dieser heidnischen, irdischen Könige in sol chen poetischen Schilderungen zugleich mitgeschaut werden mit dem Sturz des Königs des Reichs der Finsternis, und sowohl Jesajas wie auch Hesekiel können die Bilder ihrer Beschreibung des Falles von Babel und Tyrus jenem erschütternden Urereignis entlehnen, das in Wahrheit aller menschlichen Sünde, allem menschlichen Aufruhr und auch allem menschlichen Zusammenbruch zugrundeliegt. Eine verborgene mystische Bedeutung ist in diesen Prophetenworten verwo ben mit ihrer mehr unmittelbaren, sofortigen Bezugnahme auf ört liche und historische Personen und Ereignisse. In diesem indirekten Sinn nennt ein englischer Schriftausleger unserer Zeit, Dr. J. H. Bax ter, die Könige von Tyrus und Babylon mit Recht »Spiegelbilder der Majestät Satans in seinem Fall«. f. Die Verschwiegenheit der Bibel. Daß die Heilige Schrift über all diese Fragen nicht offenkundig, ausführlich und unmittelbar redet, hängt mit ihrem ganzen Charakter und ihrer Zielsetzung zusammen. Sie will, als die Urkunde des Heils, dem Menschen, prophetisch-geschichtlich, den Weg zur Erlösung zeigen, ihr aber nicht, philoso phisch, das System einer Geschichts-, Weltoder Ewigkeitsanschau ung vermitteln. Denn wenn sie das wollte, würde kein Mensch sie verstehen. Darum redet sie auch über den Ursprung des Bösen nur kurz und mittelbar, nur in gelegentlichen, bildhaften Andeutungen, niemals aber in direkten Belehrungen und nirgends in zusammenhän gender, unverhüllter Form. Sie will uns ja nicht die Geschichte der Engel, sondern die Heilsgeschichte der Menschen beschreiben. Sie will uns das sagen, was wir wissen müssen, um den Weg der Erlö sung zu finden. Offenbaren tut Gott eben immer nur Sich Selbst. Dabei hat Er die Absicht, durch Wort und Tat einen Heilsweg auf Erden zu ermög lichen, auf dem die sündige Menschheit zu Ihm zurückgeführt wer den kann. Das Ziel Seiner Offenbarung ist also nicht theoretisch, son dern praktisch. Darum bringt auch die Bibel keine denkmäßig-theolo gisch aufgebaute Zusammenfassung von religiösen Lehrsätzen, etwa in der Art eines Katechismus oder einer Dogmatik - so wertvoll solche Arbeiten in ihrem Aufgabenbereich auch sein mögen -, son dern ganz schlichte, geschichtlich-prophetische Urkunden über das Wirken und Walten des Höchsten im Leben hienieden. Dadurch sol len unsere Augen geöffnet werden, und eine neue Welt soll sich uns auftun, in der wir Gott Selbst leben sehen. Indem aber die Sonne der wahren Gottesidee am Firmament un seres Erkennens aufgeht, gießt sie die Tageshelle ihres ewigen Lichts zugleich auch über die ganze Welt in uns und um uns aus. Und da die göttliche Offenbarung ohne ihren übergeschichtlichen Hinter grund schlechthin unbegreifbar wäre, muß die Heilige Schrift auch ihn kurz berühren, aber eben nurhintergrundartig. Und da zu die sem Hintergrund auch wesentlich die Entstehung und Wirksamkeit des personhaft Bösen gehört, läßt sie ebenfalls sein Dasein und seine Entwicklung, wenigstens durch Andeutungen, in verhüllter Weise durchblicken.

II. Ursünde und Weltgestalt Mit dem Fall Satans war aber auch, wie die spätere Ähnlichkeit des menschlichen Sündenfalls nur diese in kleinerem Maße - zeigt (1. Mose 3, 18), ein Sturz seines Herrschaftsgebietes verbunden. Wie hernach der sündige Mensch, so zog zuerst Satan den ihm anvertrau ten Schöpfungsteil in den Bannkreis seines Falls mit hinein. Daher auch das Vorhandensein des Todes in den vormenschlichen, geologischen Perioden. Man mag den biblischen Schöpfungs bericht verschieden auffassen. Man mag ihn ansehen als Bericht über die eine, zusammenhängende, erstmalige Erschaffung der Erde, also als wirklichen »Schöpfungs«bericht, oder man mag ihn erklären als Bericht über eine »Wiederherstellung« der

Erde nach irgend einer Zerstörung infolge des Falls Satans; man mag ferner die geologi schen Perioden verschieden in den irdischen Schöpfungsbericht ein reihen: entweder in die Zeit vor oder während des Tohuwabohus von Vers 2 oder parallel mit den sechs Schöpfungs»tagen« als Perio den selbst; Tatsache ist, daß beide Erklärungsweisen sowohl miteinander wie auch mit dem Zeugnis der Naturwissenschaft darin über einstimmen, daß der Tod schon vor dem Auftreten des Menschen auf Erden vorhanden gewesen ist. Gerade diese Übereinstimmung ist in unserem Zusammenhang von entscheidendem Wert. Der Tod in der Urwelt ist keine geologische Hypothese, sondern eine paläontologische Tatsache. Für jeden, der auch nur etwas von diesen Tatbeständen weiß, ist es völlig unbe streitbar, daß die bestimmt voradamitischen Versteinerungen (»Fos silien«) Spuren von Tod und Verderben, ja, oft grausamer Lebens vernichtung aufweisen. Gerade diese Tatsache hat der Unglaube in seinem Kampf gegen die biblische Offenbarung siegesgewiß ausgebeutet. Schon der Geo logieprofessor Karl Vogt, der materialistische Anhänger Darwins, triumphierte: »Da hilft kein Spreizen des Glaubens noch fromme Salto Mortales, um über diesen Stein hinwegzukommen, der in eurem Garten liegt. Der Tod hat von Anbeginn, und sagen wir gleich, in höchst grausamer Weise existiert. Es sind, im allgemeinen gesprochen, kaum schrecklichere Qualen von dem menschlichen Grübeln erfunden worden als die sind, durch welche die Natur ihre Geschöpfe um bringt.« Die Natur ist, wie ein anderes Anhänger Darwins es einmal ausgedrückt hat, »an Zähnen und Klauen geradezu rot von Blutgier«. Aber dies ganze Triumphgeschrei voreilig siegesgewisser Bibel feinde und ebenso alle ähnlichen Bedenken ernster Zweifler werden zum Schweigen gebracht, wenn wir erkennen: Es ist durchaus mit der Schriftlehre vereinbar, daß es Tod und Verderben schon vor dem menschlichen Sündenfall auf der Erde gegeben hat. Nur muß dies eben alles auf den uranfänglichen Fall Satans zurückgeführt werden. Die Urwurzel alles Leids in der Kreatur ist jene kosmische Revolu tion, jener Aufruhr Satans gegen Gott, und die damit verbundene Einführung von Disharmonie und Zerstörung in den Weltbezirk, der ihm als ursprünglichem Lichtfürsten Gottes vom Schöpfer zur Verwaltung anvertraut worden war. Der Mensch ist dann später, in seinem Fall, nicht der Urheber von Sünde und Tod im Weltall an sich, sondern das Eingangstor dieser schon vorher vorhandenen Sünde in die von ihm abstammende Men schenwelt. In seiner Erklärung von Römer 5 - besonders Vers 12 »Durch« den Menschen kam Sünde und Tod in die Welt - weist Prof. Karl Heim darauf hin, daß der Apostel hier das griechische Wort dia (»durch«) nicht mit dem Akkusativ (4. Fall), sondern mit dem Geni tiv (2. Fall) verbindet (griech. nicht: di' hena anthropon, sondern: di' henos anthropou). Während aber das griechische »durch« (dia) mit dem vierten Fall den Urheber und Entstehungsgrund einer Sache be zeichnet, bedeutet griechisch »dia« mit dem zweiten Fall einen »Durch«gangspunkt, z. B. ein Eingangstor, »durch« das man in ein Haus eintritt. So ist, beim Sündenfall des Menschen, die schon vor seiner Erschaffung vorhandene, satanische Macht des Bösen wie »durch« einen »Durch«gangspunkt in die Menschenwelt eingedrungen. Das Wort kosmos »Welt« bedeutet bei Paulus häufig nicht Welt all, sondern Menschenwelt, z. B.1. Kor. 1,20; 4,13. Das Böse, als satanische Macht, war also schon vor der Schöpfung des Menschen vorhanden. »Die Herrschaft, die der Tod schon in der vormenschlichen Urzeit in der ganzen Schöpfung ausgeübt hat, hat ihren Grund darin, daß die satanische Empörung gegen die Allgewalt Gottes schon vor der Entstehung des Menschen in der ganzen Krea tur in Kraft getreten war. Auf der ganzen Schöpfung liegt darum ein Bann, der von der satanischen Macht herrührt, die die lebendige Schöpfungswelt unter die Sklaverei der Vergänglichkeit gebracht hat.« Wann und wie dies verhängnisvolle Urereignis selbst stattgefun den hat, vermag niemand zu sagen. Der vorgeschichtliche äonische Zeitpunkt des Falles Satans bleibt uns völlig unerkennbar. Darum ist es auch nicht möglich, ihn mit Sicherheit genau in den biblischen Schöpfungsbericht

einzuordnen. Fand er in der Zwischenzeit zwi schen dem ersten und dem zweiten Vers der Bibel statt, wie die Ver treter der Restitutionsauffassung annehmen? Oder an irgend einem späteren Zeitpunkt der kosmischen Weiterentwicklung, etwa zwi schen der Weltschöpfung und dem Beginn der ersten pflanzlichen und tierischen Lebewelt, deren Fossilien (Versteinerungen) jetzt in den untersten Erdschichten zu finden sind, die also einst in jenen Urzeiten zugrundegegangen und erstorben ist? Das heißt - wenn die Perio denauffassung des Sechstagewerkes recht haben sollte - ganz allge mein irgendwann innerhalb der Zeitspanne zwischen Vers 1 und Vers 11 des mosaischen Berichts? Wer will diese Fragen mit Gewiß heit beantworten? Sicher ist nur - so dürfen wir wohl sagen -, daß sich der Fall Satans vor dem ersten Auftreten von Leid und Tod im Weltall ereignet hat. In jedem Fall ist die Geschichte der Erde von da ab durch den Widerstreit zwischen Verderben und Weiterentwicklung, Tod und Leben, Böse und Gut, Finsternis und Licht, Satan und Gott entscheidend beeinflußt. Auch nach der Erschaffung des Menschen blieben nicht unwesent liche Auswirkungen dieser Urkatastrophe bestehen. Das Reich der Finsternis behielt seinen Fortbestand. Auch wurde ihm der Zutritt zur Erde nicht verwehrt. Wie immer das Werk der sechs Schöpfungstage zu deuten ist und wie immer man die geologischen Perioden mit dem Schöpfungsbe richt verbinden mag: In jedem Fall ist auch nach den Andeutungen der Schrift klar erkennbar, daß die Erde durch ihre Zubereitung im Sechstagewerk noch nicht ohne weiteres dem Wirkungsbereich Satans entzogen worden war. Mit ihrer Zubereitung war noch nicht ihre ab solute Vollendung bewirkt. Mit der Beendigung des Sechstagewerkes war noch keine sofortige Verbannung der dämonischen Mächte aus ihrem Umkreis und Bereich verbunden. Auch in der Folgezeit hatten diese die Möglichkeit, irgendwie auf der Erde weiterzuwirken. Nur so erklärt sich der Auftrag Gottes an den Menschen, den Garten Eden nicht nur zu bearbeiten, sondern zu »bewahren« (1. Mose 2, 15). Nur so erklärt sich auch das Auftreten der »listigen« Schlange und die Versuchungsgeschichte überhaupt. Durch dies Ganze eröffnen sich zugleich gewaltige Perspektiven zur Beantwortung der Frage nach Zweck und Ziel der Menschenschöp fung im kosmischen Weltrahmen. Durch den Sieg des Menschen über den großen Widersacher Gottes sollte dieser Zustand überwunden werden. Hier lag eine hohe Aufgabe des neuen Herrn der irdischen Schöpfung. Damit aber erkennen wir zugleich einen Zusammenhang der Menschheitsgeschichte mit der Geschichte der unsichtbaren Welt und des Weltalls überhaupt. Die Geschichte der Natur verbindet sich mit der Heilsgeschichte. Die Vorgeschichte der Erde wird zu einem wich tigen Kommentar des Geschichtsziels der nachfolgenden Menschheit. Aus dem Buch von Erich Sauer: DER KÖNIG DER ERDE – vom Adel des Menschen, zusammengestellt von Horst Koch Herborn, im März 2006 --KRANKHEIT ODER DÄMONIE

Inhalt

I. Der Wert der Unterscheidung von Krankheit und Dämonie

II. Was verstehen wir unter Dämonie? 1. Die dämonische Gebundenheit - Ihre Ursachen - ihre Folgen - ihre Merkmale - die innere Zerrissenheit - das Verhalten gegenüber dem Seelsorger 2. Die Besessenheit - Ihre Merkmale - die Befreiung – Rückfälle III. Die Unterscheidung von Krankheit und Dämonie 1. Schizophrenie oder Dämonie? - Der Besessenheitswahn - Schizophrenie bei Gläubigen Zusammentreffen von Geisteskrankheit und Dämonie - Stimmenhören 2. Epilepsie oder Dämonie? - Anfälle – Verstimmungszustände 3. Schwermut oder Dämonie? - Lästergedanken - Selbstmordgedanken - Das Problem des Selbstmordes - Die Schwierigkeit der Unterscheidung 4. Neurose oder Dämonie? - Visionen - Dämmerzustände - Eingebildete Besessenheit 5. Psychopathie oder Dämonie? - Merkmale zur Unterscheidung 6. Alterserscheinungen oder Dämonie? - Verkalkung der Hirngefäße - Anfechtungen IV. Christenglaube und Dämonie Kann bei einem Christen eine Dämonie vorliegen? - Kann ein dämonisch Gebundener freiwerden und wie geschieht dies? - Kann der Umgang mit dämonischen Menschen, besonders die Fürbitte für sie, irgendwelchen Schaden oder gar eine Krankheit verursachen?

VORWORT Über den Ursprung und das Wesen der Dämonie habe ich mich in meiner Schrift "Der Dämon im Menschen“ näher ausgelassen. In der vorliegenden Arbeit liegt es mir in erster Linie daran, eine Trennung zwischen Dämonie und Krankheit vorzunehmen. Eine solche Unterscheidung erscheint mir besonders nötig infolge der auf diesem Gebiet noch immer herrschenden großen Unklarheit. Alfred Lechler

I. Der Wert der Unterscheidung von Krankheit und Dämonie In unserer Umgebung begegnen wir häufig Menschen, die sich als seelisch abnorm erweisen und durch ihr ganzes Verhalten abstoßend wirken. Wir wissen vielfach nicht, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten sollen, und ringen um eine klare Beurteilung, damit wir ihnen nicht durch eine verkehrte Einstellung und Betreuung Schaden zufügen. Meist scheint uns eine krankhafte Störung bei ihnen vorzuliegen; in manchen Fällen aber stellen wir die berechtigte Frage, ob nicht eine Dämonie dahintersteckt. In der Tat die Frage: Krankheit oder Dämonie? ist nicht nur vom medizinischen, sondern auch vom seelsorgerlichen und rein menschlichen Standpunkt aus äußerst dringend. Die Unterscheidung des dämonischen Menschen von dem seelisch Kranken stößt jedoch häufig auf erhebliche Schwierigkeiten. Denn einerseits sind viele Seelsorger geneigt, hinter den meisten

abnormen Erscheinungen des Seelenlebens dämonische Wirkungen zu sehen. Andererseits wird von zahlreichen Menschen, die mit seelisch Belasteten zu tun haben, das Vorliegen einer Dämonie grundsätzlich abgelehnt mit der Begründung, die fraglichen Erscheinungen seien rein tiefenpsychologisch oder psychopathologisch zu erklären. Doch übersieht der wissenschaftlich Orientierte zu leicht, daß es auch eine unsichtbare Wirklichkeit gibt. Es gilt daher eine möglichst klare Trennung von Seelenkrankheit und Dämonie vorzunehmen. Ich glaube, daß der christliche Nervenarzt bei dieser Aufgabe einen wichtigen Beitrag zu leisten hat. Er befindet sich dabei jedoch in einer nicht leichten Lage. Denn auf der einen Seite ist es ihm nicht möglich, die Dämonie rundweg zu verneinen, wie es die psychiatrische Wissenschaft und die moderne Theologie tun, die nicht selten schon denjenigen, der das Wort "Dämonie" in den Mund nimmt, ohne weiteres als geistig abnorm bezeichnen. Auf der anderen Seite vermag der christliche Arzt der in gläubigen Kreisen meist verbreiteten Auffassung von der engen Beziehung der seelischen Erkrankungen zur Dämonie nicht uneingeschränkt zuzustimmen. Er hat sich daher von dem Bestreben leiten zu lassen, jeden einzelnen Fall von fraglicher Dämonie einer sachlichen, unvoreingenommenen Prüfung zu unterziehen. Ist es denn überhaupt begründet, von Dämonie zu reden? Zweifellos. Erkennen wir heutzutage nicht mehr und mehr, daß die Dämonie keineswegs ein veralteter biblischer Begriff ist? Seit den Tagen Jesu hat die Dämonie durch die Jahrhunderte hindurch bis in die Gegenwart hinein eine nicht geringe Rolle gespielt. Die katholische Kirche zeigt auch heute noch eine bemerkenswerte Aufgeschlossenheit auf diesem Gebiet und hat eine besondere Lehre über die Besessenheit und den Exorzismus aufgestellt. Bei dem Wort "Dämonie", das heutzutage in vieler Munde ist, denken allerdings die meisten Menschen nur an eine unheimliche, böse Macht, unter der sie sich nichts Genaueres vorstellen können. Sie pflegen über den, der hinter dieser Macht ein durchaus persönliches Wesen erkennt, zu lächeln. Und doch entpuppt sich dieses Wesen für diejenigen, die tiefer schauen als der Widersacher Gottes, der eine große Gewalt auszuüben vermag. Für sie ist die Dämonie nicht ein überlebter Begriff, sondern eine furchtbare Wirklichkeit, mit der wir, zumal in der heutigen Zeit, unbedingt zu rechnen haben. Traten nicht bei manchen Persönlichkeiten des Zweiten Weltkrieges sehr deutliche dämonische Kräfte zutage, und ist es nicht angesichts der sich auffallend häufenden Erscheinungen der Gegenwart zur Genüge ersichtlich, daß es ausgesprochen dämonische Wirkungen gibt in Form von Gewalttaten, Mord und Raub, von Zuchtlosigkeit auf den verschiedensten Gebieten, von Haß und Streit? Bestätigen diese Wirkungen nicht die Wahrheit der biblischen Berichte? Es erscheint daher in keiner Weise angebracht, eine Entmythologisierung dieser Berichte vorzunehmen, die der Wirklichkeit keineswegs gerecht wird. Es ist auch nicht so, daß Jesus sich dem jüdischen Volksglauben nur angepaßt und so getan habe, als ob Er Teufel austriebe. Wir dürfen vielmehr überzeugt sein, daß Jesus als der Sohn Gottes eine unfehlbare Menschenkenntnis besaß, und haben daher allen Grund, das Handeln Jesu gegenüber dämonischen Menschen völlig ernstzunehmen. Die Bibel vermag uns in der Tat auf unsere Frage: Krankheit oder Dämonie? eine klare Antwort zu geben. So hat Jesus eine deutliche Trennung zwischen beiden Begriffen vorgenommen. Als Er Seine zwölf Jünger aussandte, waren die wichtigsten Anweisungen, die Er ihnen gab, neben der Predigt vom Reich Gottes: "Machet die Kranken gesund, treibt die Teufel aus" (Matth. 10, 1.8). Und in Markus 16, 17.18 führt Er die Zeichen an, die die an Ihn Glaubenden tun werden: In Meinem Namen werden sie Teufel austreiben. . ., auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden." Daß Jesus einen genauen Unterschied zwischen Kranken und Besessenen machte, zeigt die Heilung eines Taubstummen, indem Er die Finger in seine Ohren legte und seine Zunge berührte, betete und zu ihm sprach: "Tu dich auf!", wonach der Kranke sofort wieder hören und sprechen konnte (Mark. 7, 32 bis 35). Andererseits trieb Er bei einem taubstummen Knaben einen Teufel aus mit den Worten: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir, daß du von ihm ausfahrest" (Mark. 9, 25). Und dem Herodes ließ Jesus sagen: "Ich treibe böse Geister aus und vollführe Heilungen" (Luk. 13, 32). Ebenso unterschieden die Apostel zwischen Kranken und Besessenen. Markus berichtet z. B. (1, 32.34): "Sie brachten zu Jesus allerlei Kranke und Besessene und Er half vielen Kranken und

trieb viele Teufel aus." Und Markus 6, 13 lesen wir: "Sie trieben viele Teufel aus und salbten viele Sieche mit Öl und machten sie gesund" (vgl. Mark. 3, 10.11 und Luk. 7, 21). Aus diesen Gründen haben wir die Pflicht, gegenüber seelisch gestörten Menschen auf eine strenge Unterscheidung von Krankheit und Dämonie größten Wert zu legen.

II. Was verstehen wir unter Dämonie? Doch zunächst haben wir die Frage zu klären, worin die Dämonie besteht. Wir verstehen unter dieser Bezeichnung eine Beeinflussung des Menschen durch Satan, der mitsamt seinen Untertanen, den Dämonen, alles darauf anlegt, den Menschen zur Sünde zu verführen und sein Seelenleben zu vergiften, um ihn dadurch in seine Gewalt zu bekommen. Diese Absicht erreicht Satan durch die dämonische Gebundenheit und die Besessenheit, in die er die Menschen geraten läßt, indem er ihnen besondere Merkmale aufdrückt und ihnen allerhand seelische Störungen beibringt. Aus den biblischen Berichten über Saul und Hiob ersehen wir, daß die Tätigkeit der Dämonen von Gott zugelassen, ja von Ihm gewirkt ist. Ebenso wie Gott dem Menschen, der Ihm gehorsam ist, Seinen Geist gibt, kann Er denjenigen, der sich hartnäckig Seiner Stimme widersetzt und sich schwer versündigt, in die Hand eines bösen Geistes geben, der den Menschen an sich bindet und beherrscht. So schickte Gott dem König Saul einen bösen Geist, der ihn mit innerer Unruhe und Angst, mit Raserei und Mordabsichten erfüllte (1. Sam. 16, 14.15; 18, 9 12). Gott kann aber auch im Menschen vorübergehende satanische Anfechtungen zulassen, wie dies bei Hiob der Fall war, um ihn auf seine Standhaftigkeit zu prüfen (Hiob 1, 12; 2, 5.6). Gott besitzt die Macht und Kontrolle über die Geister, über die bösen ebenso wie über die guten (Matth. 8, 16). Die Dämonen vermögen nichts gegen den Willen Gottes zu unternehmen, ihrer Macht sind von Gott Grenzen gesetzt (Hiob 2,6). Wenn von mancher Seite ein Beitrag der medizinischen Erfahrung gefordert wird, um der Frage einer Wirklichkeit der Dämonie näherzutreten, so glaube ich, im folgenden eine Reihe von typischen Merkmalen der Dämonie anführen zu können, die ein Licht auf den ganzen Fragenkomplex zu werfen geeignet sind. Im übrigen gilt das Wort von Bieneck: "Man erkennt die Dämonie nur, wenn man durch lebendigen Umgang mit der Bibel und durch die Nachfolge Jesu geübte Sinne dafür hat."

1. Die dämonische Gebundenheit Diese ist außerordentlich häufig anzutreffen und nimmt heutzutage rapide zu. Wir verstehen darunter einen Zustand der Bindung des Menschen an Satan, so daß dieser ihn in seiner Gewalt hat. So sagte Jesus zu Seinen Jüngern: "Einer von euch ist ein Teufel", indem Er auf die Gebundenheit des Judas Ischarioth an Satan hinwies. Und Johannes schreibt von ihm (13, 2): Bei dem Abendessen, da schon der Teufel es dem Judas ins Herz gegeben hatte, daß er Ihn verriete . . ." Auch in Luk. 13,16 ist von einer Frau die Rede, die 18 Jahre lang von Satan mit Krankheitsfesseln gebunden war. Und von Ananias und Saphira wird erwähnt, daß der Teufel sie zur Geldliebe verführt hatte (Apg. 5, 3). Ebenso spricht Paulus 2. Tim. 2, 26 von Menschen, die sich von den Schlingen des Teufels haben einfangen lassen zur Ausführung seines Willens. Und Jesaja (61,1) spricht von der Befreiung der Gefangenen und der Entfesselung der Gebundenen. Aus diesen Stellen geht hervor, daß Satan einen Menschen an sich zu ketten vermag, indem er ihm seinen Willen aufzwingt oder ihn krank macht, so daß er zu einem Gefangenen Satans wird. Was aber gibt Satan das Recht dazu, den Menschen an sich zu binden? Mit anderen Worten: was sind die U r s a c h e n der dämonischen Gebundenheit? Sie kommt zustande, wenn der

Mensch in schweren, unvergebenen Sünden lebt und in völliger Verstocktheit dem Geiste Gottes andauernd widerstrebt, oder wenn er einen Mord, auch die Tötung des keimenden Lebens, auf dem Gewissen hat oder einen Meineid schwört. Besonders leicht gerät der Mensch in dämonische Gebundenheit, wenn er sich selbst bewußt in Berührung mit finsteren Mächten bringt, indem er sich mit okkulten Dingen abgibt. Dazu gehören Besuche bei einer Wahrsagerin, die mit dem Teufel im Bunde steht, spiritistisches Totenbefragen, aktive oder passive Besprecherei. Aber auch schon die Benützung eines Zauberbuches oder eines Horoskopes, abergläubische Gebräuche, wie das Tragen von Amuletten oder das Schreiben von sogenannten Schutzbriefen, ferner Pendeln und Rutengehen können zu einer dämonischen Bindung führen. Dasselbe geschieht, wenn der Mensch seine Feinde oder das Kreuz und Jesus oder Gott und den Heiligen Geist verflucht. Denn jeder Fluch ist ein Anruf an den Teufel und führt daher zu einer Bindung an ihn. Ebenso kann ein Mensch in dämonische Gebundenheit fallen, wenn er von einem dem Teufel hörigen Menschen verflucht wird. Vor allem hat eine bewußte Verschreibung an Satan, zumal mit dem eigenen Blut, eine schwere Gebundenheit zur Folge. Solch ein förmlicher Vertrag mit dem Teufel ist häufiger als man denkt, aber meist unbekannt, weil der Betreffende auf keinen Fall darüber etwas auszusagen wagt. Eine solche Auslieferung an Satan mit Leib und Seele erfolgt meist zu dem Zweck, die Erfüllung besonderer Wünsche zu erreichen. Aber nicht nur derjenige, der die genannten Sünden begeht, gerät in dämonische Bindung, sondern, wie Dr. Koch seinem Buch Seelsorge und Okkultismus schreibt, nicht selten auch der Mensch, dessen Eltern oder Vorfahren sich mit Zauberei und anderen okkulten Dingen abgegeben haben. Starke Zauberer oder Medien suchen nämlich vor ihrem Tode aus ihrer Verwandtschaft oder Umgebung einem ihnen geeignet erscheinenden Erwachsenen oder Kind ihre okkulten Fähigkeiten zu übertragen. Diese entdecken dann eines Tages ihre merkwürdigen Gaben. Durch all die erwähnten Machenschaften beansprucht der Mensch die Dienste des Teufels. Er sucht entweder etwas zu erlangen, was ihm bisher versagt blieb, etwa Gesundheit und irdisches Glück, oder er sucht die Zukunft zu erfahren, die Gott ihm absichtlich verborgen hat. Satan aber gewährt ihm nur allzu gerne seine Hilfe. Doch diese Hilfe wirkt sich bald in verhängnisvollen F o l g e n aus. So werden die Menschen, die sich besprechen lassen, zwar meist gesund, und denen, die zur Wahrsagerin gehen, wird die Zukunft richtig vorausgesagt, wenn die Helfer sich dämonischer Kräfte bedienen. Auch der mit dem Teufel geschlossene Vertrag geht in Erfüllung, wie auch der gegen einen Menschen ausgesprochene Fluch, falls der Verfluchte nicht ein Jünger Jesu ist. Aber der Teufel leistet seine Dienste nicht umsonst. Er bindet die Menschen, die sich an ihn wenden, mit schweren Ketten an sich, so daß sie ihm hörig werden. Der Mensch ist nicht mehr imstande, sich in eigener Kraft aus diesen Banden zu lösen. Gott hat sich von ihm zurückgezogen, Er hat ihn "dahingegeben" (Römer 1, 24.26.28). Und meist zeigen sich alsbald schwere Folgen in seinem Seelenleben. Damit kommen wir zu den M e r k m a l e n der dämonischen Gebundenheit, denen ich aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit immer wieder begegnet bin. Zwar vermag der Teufel auf die verschiedenste Weise seinen Einfluß auf den Menschen auszuüben, so daß es nicht leicht ist, eine erschöpfende und zuverlässige Beschreibung der Kennzeichen seiner Bindung zu geben. Und doch können wir in vielen Fällen ein ziemlich klar umrissenes Symptomenbild beobachten, das vor allem das Gebiet des Seelenlebens betrifft. Zunächst gerät das ganze menschliche D e n k e n u n d F ü h l en unter den Einfluß des Teufels. Dementsprechend legt der Mensch eine völlige Gleichgültigkeit gegenüber göttlichen Einwirkungen, ja oft eine direkte Ablehnung des Glaubens an Gott an den Tag. Das Wort Gottes hat ihm nichts zu sagen, die Verheißungen der Bibel lassen ihn kalt. Bei religiösen Beeinflussungsversuchen hat er nur Hohn und Spott übrig oder er läuft voller Wut weg. Er kann nur noch Böses, nur gottwidrige Dinge denken. Die Sucht zu unreinen Gedanken und zur Lüge erfüllt ihn, er ist geradezu besessen von der Lust, Unwahres zu sagen. Vielfach lügt er, ohne sich

dessen bewußt zu sein. über seine Sünden empfindet er keinerlei Reue, und doch wird er von einer dauernden Unruhe, Friedelosigkeit und gedrückten Stimmung geplagt. Schon der Anblick eines Kruzifixes, eines Leuchtkreuzes oder eines Bildes von Jesus stört ihn. Nicht selten quält ihn eine furchtbare Angst, weil er sich Tag und Nacht verfolgt fühlt. Oft ist es ihm, als stehe jemand hinter ihm oder an seinem Bett. Aber nicht nur das Denken und Fühlen, sondern auch das W o l l e n des dämonisch Gebundenen wird von Satan regiert. Er will Gott auf keinen Fall Gehorsam leisten und begeht bewußt Sünde, obwohl er meist genau weiß, daß sie ein Unrecht ist. Aber er wird innerlich gezwungen zu tun, was der Teufel ihm einredet oder befiehlt. So neigt er zur Auflehnung und Lästerung gegen Gott, zum Jähzorn und Trotz gegenüber seinen Nebenmenschen, zu Schikanen und Feindschaft, zu Erregtheit und Gewalttätigkeiten. Wenn er sich ärgert, verflucht er sich selbst; er verflucht und haßt die anderen, wenn sie ihm etwas angetan haben. Zu einer Aussöhnung ist er auf keinen Fall bereit. Selbst seine Angehörigen und Freunde kann er ohne besonderen Grund oder bei einer geringen Auseinandersetzung verwünschen und schlagen oder gar Mordgedanken gegen sie hegen. Eine übermäßige Stärke des Geschlechtstriebes, die Sucht zu abnormen sexuellen Handlungen, zu Alkohol und Nikotin und anderen groben Leidenschaften kann ihn völlig beherrschen. Auch verspürt er oft einen unwiderstehlichen Drang, Hand an sich zu legen, und setzt seine Selbstmordgedanken vielfach mit vollem Bewußtsein in die Tat um. Häufig begeht er auch unbedachte Taten, die sich gegen Gott wenden. So kann er seine Bibel vernichten oder er reißt Seiten, die ihn anklagen, aus ihr heraus, er verbrennt religiöse Schriften, wirft das Gesangbuch in die Ecke, entfernt fromme Wandsprüche. Gibt man ihm ein christliches Blatt, so kann es geschehen, daß er gemeine Reden führt, lästert und, ohne hineinzuschauen, das Blatt zerreißt und es in den Papierkorb wirft oder sogar mit dem Fuß darauf trampelt. Auch ruft er oft den Teufel an, damit dieser ihm helfe. Ein sehr häufiges Merkmal der dämonischen Gebundenheit ist die Unfähigkeit, den Namen Jesu a u s z u s p r e c h e n oder zu schreiben. Nur mit größtem Widerstreben und nach innerer Überwindung vermag er dies schließlich, indem sich sein Gesicht entstellt oder wenn er den Namen mechanisch ausspricht. Satan will nicht an diesen Namen erinnert werden, denn es ist der Name dessen, der ihn am Kreuze besiegt hat. Wenn daher der Gebundene ein Gebet oder einen Satz sagen soll, in dem das Wort "Jesus" vorkommt, so bleibt er gewöhnlich stumm. Schon wenn er diesen Namen hört, kann er in innere Erregung geraten, die Stirn runzeln, ja geradezu toben. Auch lehnt er es ab, ein Lied, das von Jesus handelt, zu singen oder ein Bild Jesu anzuschauen. Jedes Buch, in dem von Jesus die Rede ist, legt er beiseite. Eine Gebundene, die brieflich den Namen Jesu erwähnen wollte, schrieb mir: “Der, der am Kreuz hängt ... Sie wissen, wen ich meine.“ Wird ein solcher Mensch aufgefordert, im Gebet sich an Jesus zu wenden, so wird ihm der Hals geradezu zugeschnürt oder es steigen ihm höhnische und lästerliche Gedanken auf, auch bringt er es nicht fertig, die Hände zu falten. Ebenso spürt er einen Widerwillen, wenn vom Teufel oder Satan, von Dämonen, von der Hölle die Rede ist. Bei jeglichem Versuch religiöser Beeinflussung wird er unruhig und abweisend. Die Merkmale der dämonischen Gebundenheit, die mehr oder weniger den Eigenschaften des Bösen gleichen, können wie folgt zusammengefaßt werden: 1. Da Satan der Vater der Lüge ist (1. Mose 3,4.5; Joh. 8,44; 1. Joh. 2,22), zeigen sich bei dem von ihm Gebundenen Lüge und Falschheit, Hinterlist und Betrügerei, Verleumdung und Irrlehre (Spr. 12, 5; Jer. 9, 5; Röm. 1, 33; 1. Tim. 4, 2). 2. Da Satan ein Mörder von Anfang ist (Joh. 8, 44), flößt er den Menschen den Drang zum Selbst¬mord ein, dazu die Lust zum Töten, den Haß und Jähzorn, Zerstörungstrieb, Brutalität, Folterung, Rachsucht, Unversöhnlichkeit (l. Mose 4, 8; 1. Sam.18,11; Röm.1,29.31; Gal.5,20). 3. Da Satan der Fürst der unreinen Geister ist (Matth. 10,1; Apg. 5,16 u. a.), verführt er zur Sucht,

zur Unkeuschheit, zu Hurerei und abnormen sexuellen Betätigungen (Röm. 1, 24; 1. Kor. 6,9; Gal. 6,19; 2. Tim. 3, 3). 4. Da Satan der Widersacher Gottes ist (Matth. 13,19.25.39; Eph.2,2; 1. Petr.5,8; 1.Joh.3,8 a), wirkt er in den "Kindern des Unglaubens" den Widerwillen und die Spottsucht gegenüber allem Göttlichen, Fluchen und Lästern, Auflehnung gegen Gottes Gebote, die Freude am Sündigen, das Unvermögen zu glauben und zu beten, bewußten Atheismus (Apg. 13, 8.10; 2. Kor. 4, 4; 2. Thess. 2, 4; 2. Tim. 3, 2). 5. Da Satan der Herr der friedelosen Geister ist (Luk. 11, 24), suchen diese auch im Menschen Unruhe, Friedelosigkeit, Unrast zu säen (l. Mos. 4, 12; Luk. 8, 29). 6. Da Satan der Fürst der Finsternis ist, weil er das Licht haßt, das die Sünde aufdeckt (Luk. 22, 53; Eph. 6,12; Kol. 1, 13), beobachten wir bei seinen Gebundenen oft ein finsteres, heimtückisches, undurchsichtiges, verschlossenes, unaufrichtiges, verräterisches Wesen sowie vielfach okkulte Betätigung (l. Mos. 4, 5; Spr. 2, 13; 1. Sam. 16, 14. 15; 18, 9; Matth. 6, 23; Joh. 3, 19.20; Apg. 8, 21.22). 7. Da Satan oft als getarnter "Engel des Lichts" auftritt (2. Kor. 11, 13.14; Offb. 13, 3.13), erweisen sich seine Anhänger häufig als falsche Propheten, die scheinheilig und heuchlerisch das Wort Gottes verfälschen, den Namen des Herrn im Munde führen, aber nicht Seinen Willen tun, die mit ihren Taten zu glänzen suchen und sich geradezu göttlich verehren lassen oder im Namen Gottes bewußt Falsches weissagen (Jer.14,14; 23,14; 29,8.9; Matth.7,15.21; Apg. 8, 9.10; 2. Kor. 2, 17; Kol. 2, 18.23; 2. Thess. 2, 9; 1. Tim. 4, 3; 2. Tim. 3, 5; Offb. 2, 2 b; 3, 9). Eine besondere Art dämonischer Gebundenheit kann die m e d i a l e F ä h i g k e i t darstellen. Es gibt nämlich nach Dr. Kochs Erfahrungen Menschen, die von ihren okkult tätigen Vorfahren eine Medialität ererbt oder durch eigene okkulte Betätigung eine solche Fähigkeit erworben haben. Bei ihnen finden sich neben den erwähnten Merkmalen zuweilen Zustände von Bewußtlosigkeit (Selbsthypnose), Hellsehen, Telepathie, außergewöhnliche Memorierfähigkeit, Nachtwandeln, heilmagnetische Kräfte, Pendeln, Rutengehen. Hinzugefügt sei jedoch, daß diese Symptome in manchen Fällen nicht als dämonisch zu bezeichnen sind. Immerhin besteht auch hierbei die Gefahr der Einwirkung dämonischer Mächte. Der Grad der dämonischen Gebundenheit ist sehr verschieden, er ist abhängig von der Schwere der Schuld, die der Mensch auf sich geladen hat. Die leichteren Formen der Dämonie sind oft nur nach eingehendem Befragen erkennbar. Wenn nun ein Gebundener Satans religiös angefaßt ist, was durch anhaltende, vollmächtige Seelsorge geschehen kann, kommt es bei ihm zu einer typischen inneren Zerrissenheit. Zeitweise hat er den ehrlichen Wunsch, an Gott und Jesus zu glauben und Ihm nachzufolgen; und doch vermag er den Glauben nicht zu fassen, weil eine innere Stimme ihn davon abhält. "Ich möchte ein Eigentum Jesu sein, aber kann es nicht, weil eine Mauer dazwischensteht", sagte mir solch ein Gebundener. Vor allem ist es ihm, auch wenn er das Verlangen dazu hat, zunächst nicht möglich, die Liebe Gottes und die Vergebung seiner Sünden für sich zu nehmen, auch wenn er theoretisch an das Sühnopfer Jesu glauben kann. Wie oft klagt er: "Es gibt für mich keine Erlösung und keinen Frieden. Könnte ich mich nur ausweinen! Aber mein Herz ist wie Stein." Er empfindet einen starken Widerwillen, wenn er die Bibel lesen oder beten möchte. Und wenn er nach innerem Kampf es schließlich fertig bringt, Gottes Wort zu lesen und zu beten, ist er meist nicht imstande, sich zu konzentrieren, weil sofort andere Gedanken von ihm Besitz nehmen oder weil ihn eine auffallende Müdigkeit erfaßt. Hin und wieder vermag er seine Knie nicht zu beugen oder er steht während des Betens plötzlich auf und äußert voller Wut, alles Beten sei Lug und Trug. Unter seiner Zwiespältigkeit und Friedelosigkeit leidet er meist sehr. Er hört oft innere Stimmen und Eingebungen, ohne zu wissen, was sie zu bedeuten haben. Seine vielfache Schuld erkennt der Gebundene, der innerlich zerrissen ist, meist, aber es fehlt

ihm zunächst an der echten Reue. Zwar will er von seiner Gebundenheit loskommen, und doch muß er immer wieder seiner Lieblingssünde nachgehen, weil er die Kraft zu ernstem Widerstand nicht aufbringt. Bald fühlt er sich zum Guten hingezogen und ist entschlossen, sein Leben Gott auszuliefern; bald haßt er das Gute, hat Freude am Bösen und zweifelt an Gott und der Wahrheit der Bibel. Zu seinem Nebenmenschen kann er durchaus freundlich und hilfsbereit sein; doch unvermittelt gibt er ihm eine freche und gehässige Antwort, ja er kann ihn in unflätiger Weise beschimpfen. Einmal schreibt er dem anderen einen liebenswürdigen Brief, dann wieder sendet er ihm einen Wisch mit einem Inhalt voll von Unwahrheiten und Vorwürfen. Wenn er Gemeinschaft mit echten Christen aufsucht, fühlt er sich unter ihnen nicht wohl und kann sogar die "Frommen" verhöhnen. Wenn vom Teufel die Rede ist oder während des Gottesdienstes ist es ihm zuweilen kaum möglich, ein Lachen zu unterdrücken, er blättert gedankenlos im Gesangbuch oder er döst vor sich hin. Besucht er eine Evangelisationsversammlung, so gerät er nicht selten in starke Unruhe und Ablehnung oder in Anfechtungen und vermehrte Zweifel, so daß es ärger mit ihm wird, als es vorher war. Einmal ist er trotzig, verschlossen und verstockt, das andere Mal verzagt und reumütig und bittet Gott unter verzweifeltem Weinen, Er möge sich seiner erbarmen. Einmal verspricht er, das Trinken oder eine andere Leidenschaft aufzugeben, um kurz darauf sein Versprechen bewußt zu brechen. Einmal ist er von Selbstmordgedanken erfüllt, dann wieder plagt ihn die Furcht vor dem Tode und dem Gericht. An der Lüge hat er vielfach keine Lust mehr, doch wird er noch öfters von ihr überfallen. Auch vom Fluchen ist er noch nicht ganz frei. Die geheime Mordlust schwindet in manchen Fällen nur schwer. So schrieb mir eine Gebundene: "Vielleicht muß ich erst zur Mörderin werden, bevor ich auf Gott höre. Ich will nichts Böses, aber ich werde dazu getrieben." Besonders bezeichnend für das Vorliegen dämonischer Gebundenheit ist das Verhalten des Gebundenen gegenüber dem Seelsorger. Während er zeitweise für dessen Betreuung durchaus empfänglich ist und das Verlangen hat, seine Schuld zu bekennen, kann er plötzlich ein starkes Mißtrauen ihm gegenüber an den Tag legen, so daß er nicht zu bewegen ist, irgend etwas über seine bösen Gedanken und Taten auszusagen. Er vermag den Mund nicht zu öffnen oder es ist ihm plötzlich entfallen, wenn er etwas bekennen wollte. Und wenn er sich doch dazu aufschwingt, ein Sündenbekenntnis abzulegen, sucht er manche Sünde zu verheimlichen oder den Seelsorger bewußt zu belügen. So bat mich jemand: "Fragen Sie mich öfters, ob ich auch bestimmt die Wahrheit sage und ob ich alles bekannt habe." In manchen Fällen sucht der Gebundene sich kurz vor der mit dem Seelsorger verabredeten Zeit zu drücken. Und wenn ihm seine Sünden vorgehalten werden, kann er dem Seelsorger einen bösen Blick zuwerfen und sich die Ohren zuhalten oder das Gespräch auf nebensächliche Dinge zu lenken suchen. Auch kann er dem Seelsorger den Vorwurf machen, was dieser sage, meine er gar nicht ernst, im Grunde seines Herzens verachte und hasse der Seelsorger ihn; er solle doch zu¬geben, daß er ihn als eine Last empfinde. Es sei viel richtiger, man bete nicht mehr für ihn und unterlasse das Reden und Schreiben, denn dies alles sei ja doch völlig zwecklos. Wenn er über seinen Zustand nicht reden wolle, schimpfe der Seelsorger; aber er lasse sich nicht erpressen, sonst würde er höchstens Unwahres aussagen. Die Mühe des Seelsorgers sei nur Kraft und Zeitverschwendung, er könne ihm ja doch nicht helfen und solle sich daher lieber um andere Menschen kümmern. Auf solche und ähnliche Weise kann der Gebundene dem Seelsorger völlig unbegründete, geradezu aus der Luft gegriffene Vorwürfe machen. Auch äußert er des öfteren, es gebe für ihn keine Hoffnung mehr, weil sein Verlangen nach der Welt zu stark sei; es sei viel schöner, ein Leben der Freiheit zu führen, statt Gottes Gebote zu erfüllen. Dies führe nur zu einer seelischen Verkrampfung. Mit dem Teufel habe er keineswegs zu tun; es habe daher keinen Sinn, dem Teufel zu gebieten. Er stecke nicht in der Sünde, Gott habe ihn so, wie er sei, geschaffen. Aber er gebe zu, daß er oft Dinge tun müsse, die er gar nicht wolle. Wenn der Seelsorger ein Absagegebet mit dem Gebundenen spricht, kann dieser es entweder gar nicht oder erst nach innerem Kampf nachsprechen. Ja, schon ein einfaches Gebet, das der Seelsorger mit ihm sprechen will, lehnt er oft ab. Und wenn es dennoch zu einem Gebet kommt, steigen leicht unreine Gedanken in ihm auf. Auch wenn er den ehrlichen Willen hat, den Namen Jesu zu sagen, gelingt ihm dies häufig nicht. Bezeichnend ist es auch, daß der Zustand des Gebundenen sich meist zunächst um so mehr verschlimmert, je mehr er seine inneren Qualen offenbart oder den Namen Jesu aussprechen will.

All die erwähnten Angaben, die der Gebundene macht, sind nichts anderes als die "listigen Anläufe" des Teufels (Eph. 6, 11), der, ohne sich zu erkennen zu geben, seine Gedanken und Absichten dem Menschen eingibt und alle erdenklichen Lügen gebraucht in der Absicht, ihn von der Verbindung mit Gott und von der Vergebung seiner Schuld abzuhalten. Denn solange der Gebundene keine Vergebung erhält, bleibt er in der Hand des Teufels. Ebenso ist es das Bestreben Satans, Zwietracht zwischen dem Gebundenen und dem Seelsorger zu säen. Es ist dem Teufel darum zu tun, auf jede Weise den Seelsorger in den Augen des Gebundenen herabzusetzen, damit dieser nicht auf die Stimme Gottes hört, sondern in der Gewalt des Teufels bleibt. Mancher Gebundene erklärt denn auch offen, es komme ihm so vor, als sei er selbst es gar nicht, der solche Gedanken und Absichten liege, vielmehr rede und handle ein ganz anderer aus ihm. Hinterher könne er nicht begreifen, daß er zu solchen Kurzschlußhandlungen und äußerungen fähig war. Die geschilderten Symptome, die besonders auf dem religiösen Gebiet sich zeigen, können psychologisch entweder gar nicht oder nur schwer und auf gekünstelte Weise erklärt werden. Es gibt in der Tat nur e i n e natürliche Deutung für das völlig widerspruchsvolle Wesen des Gebundenen, der innerlich hin und hergerissen ist: die Stimme Gottes und die Stimme des Teufels stehen bei ihm dauernd im Kampf miteinander. Weil dem Feinde alles daran gelegen ist, den Gebundenen am Glauben, am Beten, am Bibellesen zu hindern, kommt es meist zu einem langwierigen Ringen des Seelsorgers um dessen Befreiung. Zur Illustration sei einiges aus dem Brief einer dämonisch gebundenen Patientin angeführt, die nach längerer seelsorgerlicher Betreuung eine Zeitlang frei gewesen war, jedoch rückfällig wurde und sich nun im Stadium der inneren Zerrissenheit befindet: „Ich kann die Sünde nicht hassen, ich kann dem Bösen nicht Widerstand leisten, ich bin wieder in schlechte Filme gegangen. Ich wollte Ihnen alles verheimlichen, denn ich habe Angst vor Ihnen, weil ich nicht auf Sie gehört habe. Bitte verstoßen Sie mich nicht. Es macht mich traurig, daß ich Ihnen so viel Kummer bereite. Obwohl Sie mich immer mahnen und ich auch hören will, tue ich doch wieder das Böse. Es lockt mich so. Mich zieht es in die Bars und in die Filme. Deshalb lassen Sie lieber das Beten für mich sein, es hat doch keinen Wert mehr. Der Böse redet mir ein, daß es doch gar nicht so schlimm ist. Da gehen so viele hin und ich darf nicht so eng denken. Gott hat uns doch in diese Welt gestellt, warum muß ich denn alles meiden? Aber gleichzeitig weiß ich, daß ich da nicht hingehöre. Ich werde doch nicht besser, es ist immer ein Hin und Her. Und doch habe ich davor Angst, daß ich einmal auf der Straße lande. Ich weiß, daß ich dazu zu schade bin. Aber der Mensch ist zu allem fähig, auf jeden Fall ich. Wenn ich meine innere Unruhe nicht mehr aushalte, trinke ich Wein und rauche. Und ich möchte dies so gerne lieber lassen. Was soll ich nur tun? Ich bete nicht mehr und fasse auch die Bibel nicht mehr an. Warum, weiß ich nicht. Ich komme auch so durch. Sagen Sie, hat Gott mich dahingegeben? Ich finde allein nicht mehr den Weg zurück. Gibt es keine Hilfe mehr für mich? Ich möchte doch im Grunde für Gott da sein und Ihm dienen. Aber immer versage ich. Bald gebe ich mich selbst auf, ich bin ja doch ein hoffnungsloser Fall. Weshalb mußte ich früher so viel Liebe entbehren, so daß ich zum Haß erzogen wurde? Helfen Sie mir doch bitte aus diesem Zustand wieder heraus!"

2. Die Besessenheit Satan kann aber nicht nur eine Gebundenheit des Menschen an ihn hervorrufen, sondern auch wirklichen Besitz von ihm ergreifen. Die Besessenheit ist meist die Fortsetzung der Gebundenheit. Sie pflegt dann einzutreten, wenn der Gebundene in völliger Verstocktheit noch weitere Schuld auf sich lädt, indem er z. B. sich mit seinem eigenen Blut dem Teufel verschreibt. Doch kann es auch vorkommen, daß der Geist eines Besessenen nach dessen Tode auf einen seiner ungläubigen Nachkommen übergeht, wodurch eine sofortige Besessenheit erfolgt.

Viele Menschen, die eine dämonische Gebundenheit gelten lassen, leugnen die Tatsache der Besessenheit. Die Heilige Schrift kennt jedoch beide Arten von Dämonie und unterscheidet sie deutlich voneinander. So lesen wir Johannes 13, 2, daß der Teufel dem Judas Ischarioth den Verrat Jesu eingeredet hatte, und im gleichen Kapitel Vers 27 heißt es: "Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn." Für den Bibelgläubigen besteht kein Zweifel, daß es zu Jesu und der Apostel Zeiten Besessene gab. Auch das Wort Jesu: "Die Zeichen, die denen zuteil werden, die da glauben, sind die: In Meinem Namen werden sie Teufel austreiben", spricht dafür, daß die Besessenheit heutzutage nicht aufgehört hat. In der Tat gibt es auch in der Gegenwart Menschen, deren Zustand mit der in der Bibel beschriebenen Besessenheit manche Ähnlichkeit hat und weder psychiatrisch noch psychologisch befriedigend erklärt werden kann. Allerdings das muß deutlich betont werden wird die Besessenheit, wenigstens bei den Kulturvölkern, viel seltener beobachtet als die dämonische Gebundenheit. Zahlreiche Zustände von vermeintlicher Besessenheit sind entweder als dämonische Gebundenheit oder als eine seelische Krankheit anzusehen. Welches sind nun die M e r k m a l e der Besessenheit? Da die dämonische Gebundenheit meist unmerklich in die Besessenheit übergeht, decken sich die Symptome der letzteren zum Teil mit den erwähnten Zeichen der dämonischen Gebundenheit oder sie finden sich in verstärktem Maße bei der Besessenheit wie die Abneigung gegen göttliche Dinge und die mediale Fähigkeit. Die Unterscheidung zwischen beiden Zuständen ist daher oft nicht leicht. Außer den Merkmalen der dämonischen Gebundenheit tritt jedoch bei der Besessenheit nicht selten eine ausgesprochene Tobsucht mit Schreien, Lästern, Zähneknirschen und der Neigung zu Gewalttaten und Verbrechen auf. In solchen Zuständen kann der Besessene Gegenstände beschädigen oder sich selbst Verletzungen beibringen, um sich das Leben zu nehmen. Auch fällt er beim Beten mit dem Seelsorger oder bei einer Predigt oft sofort in einen Dämmerzustand, so daß er nichts in sich aufnimmt. Ein "tauber Geist" sucht ihn vom Mitbeten und von religiöser Beeinflussung abzuhalten. Zuweilen wird ein höhnisches Lachen beobachtet, wenn in der Gegenwart des Besessenen vom Kreuz und Blut Jesu gesprochen wird. Vielfach hört er die laute oder flüsternde Stimme des Teufels, der ihm Dinge zu tun befiehlt oder verbietet. Manchmal sieht er auch dunkle Gestalten im Zimmer. Die Dämonen reden im allgemeinen nur wenig aus dem Besessenen, um möglichst unerkannt zu bleiben. Nur wenn der Zeitpunkt ihrer Austreibung gekommen ist, geben sie ihren Widerstand auf und können ihrer Verzweiflung und Angst vor dem Ausfahren Ausdruck geben. Außer diesen Merkmalen gibt es noch einige bemerkenswerte, aber selten auftretende Phänomene bei der Besessenheit: einmal Trancezustände, in denen ein anderer mit veränderter Stimme oder in einer fremden Sprache, die dem Besessenen selbst nicht geläufig ist, aus ihm redet. Hinterher weiß er nichts von alledem. Sodann eine außergewöhnliche Körperkraft, die der Besessene in tobsüchtigem Zustand an den Tag legen kann, wenn er gebändigt werden muß (Mark. 5, 4; Apg. 19, 16). Ferner kann Hellsehen beobachtet werden, indem der Besessene von Dingen spricht, die er auf natürlichem Wege nicht erfahren haben konnte. Er sieht einem anderen an, wes Geistes Kind er ist, welche unvergebenen Sünden er begangen hat und welche Zukunft ihm bevorsteht. Es zeigt sich, daß seine Aussagen zutreffen, wie dies auch bei dem Mädchen in Philippi der Fall war (Apg. 16,16). Bei diesen außergewöhnlichen Symptomen versagen alle Versuche einer medizinischen oder parapsychologischen Erklärung. Ausdrücklich muß jedoch bemerkt werden, daß das Hellsehen nicht nur bei Besessenen angetroffen wird, sondern auch von dazu veranlagten Menschen als eine besondere Gabe angesehen, aber öfters auch als eine schwere Last empfunden wird. Diese Art von Hellsehen ist wesentlich häufiger als die dämonisch bedingte. Beide Arten voneinander zu unterscheiden, ist ohne Schwierigkeit möglich. Ferner werden in der Umgebung eines Besessenen bei Nacht nicht selten schwere Schritte, Klopfen, Poltern und andere Geräusche gehört und zwar nicht nur von den Menschen, die für den

Besessenen beten - sie sollen durch die Geräusche in Angst versetzt und an der Fürbitte gehindert werden - , sondern auch von völlig unbeteiligten Personen. Häufig fällt der Besessene durch einen finsteren, haßerfüllten Gesichtsausdruck auf. Dieser wird besonders dann offenbar, wenn in seiner Gegenwart geistliche Gespräche geführt werden oder wenn er auf dem Sterbebett liegt. Doch kann er bewußt eine Maske aufsetzen, so daß ihm von seinem inneren Zustand oft nichts anzumerken ist. Auch körperliche Symptome finden wir bei der Besessenheit. Der Teufel sucht sein Opfer zu quälen, indem er vorübergehende Schmerzen aller Art an den verschiedensten Körperstellen verursacht. Sie treten mit größter Willkürlichkeit auf, wie wir sie bei echten Krankheiten nicht beobachten. Besonders bei Nacht können Besessene geplagt werden, so daß an Schlaf kaum zu denken ist. Die B e f r e i u n g von der Besessenheit kann ohne besondere Zeichen vor sich gehen. Doch ist sie daran zu erkennen, daß der Befreite nach schwerem Gebetskampf plötzlich ein frohes und gelöstes Wesen an den Tag legt und den Namen Jesu freudig aussprechen kann. Er sagt sich auf Veranlassung des Seelsorgers oder auch spontan von allen finsteren Mächten los. Die krankhaften Störungen, auch die erwähnten, besonders auffallenden Zeichen schwinden nach der Befreiung schnell und völlig. So war die Wahrsagekunst des Mädchens in Philippi nach ihrer Befreiung schlagartig beseitigt (Apg. 16, 19). R ü c k f ä l l e, auf die schon Jesus hingewiesen hatte (Matth. 12, 43 45), sind allerdings ziemlich häufig. Deshalb befahl Jesus dem Dämon in dem besessenen Knaben ausdrücklich: "Fahre aus und kehre nie mehr zurück!" Wenn der Befreite nicht weitere Seelsorge erfährt, wird sein Zustand entweder schlimmer als er zuvor gewesen war, oder er kann zum mindesten aufs neue in eine dämonische Gebundenheit geraten. Als Beispiel einer wahrscheinlichen B e s e s s e n h e i t sei das Wesentliche aus einem Brief angeführt, den ich von einer verheirateten Frau erhielt: "Meine Ehe ist keine glückliche. Mein Mann liebt mich nicht, und das, was ich ihm geben könnte, will er nicht. Er geht immer mehr seine eigenen Wege. Meine Ehe ist ein langer Leidensweg. Aber ich sehe ihn als eine Leidensgemeinschaft mit meinem Herrn an, so daß ich ihm auf diesem Wege näher sein darf, als wenn ich eine glückliche Ehe führen dürfte. Mein Mann ist fast immer von Unruhe und Friedelosigkeit erfüllt. jedes kleinste Mißgeschick bringt ihn außer sich. Unserem Kinde gegenüber ist er unbeherrscht, und nie ist dieses schwieriger, als wenn der Vater da ist. Oft ist mir seine Nähe eine Pein, da einfach etwas Böses von ihm ausgeht, während auch er meine Nähe nicht ertragen kann. Es scheint mir oft, daß das Böse sich bei jeder Gelegenheit in ihm bemerkbar machen will. Er muß streiten, wo gar kein Grund vorhanden ist. Er muß mit rauher Stimme bei jeder kleinsten Gelegenheit schreien, er muß die Türen zuschlagen, das Böse ständig in Schutz nehmen und sich über alles Gute lustig machen. Ich darf ihm kein Wort glauben, weil ich nie weiß, ob er die Wahrheit spricht. Oft ist sein Gesicht völlig kalt und finster, wenn er mich betrachtet, so finster, als wollte er mir etwas antun. Bei seinem Streiten widerspricht er sich ständig. Nach außen ist mein Mann von einer fast unnatürlichen Höflichkeit und Gefälligkeit. Er geht auch mit mir zur Kirche, aber er weiß hinterher nie, worüber gepredigt wurde. Und wenn er das Tischgebet spricht oder einen Choral mit uns singt, ist es, als ob ein Automat betete oder sänge; er selbst ist gar nicht dabei. Über die Gesangbuchlieder spottet er. Nie kann er bei sich eine Schuld finden, dagegen ist er voller Anklagen gegen seine Mitmenschen und unsere Lebensverhältnisse. Oft redet er bei anderen Schlechtes über mich. Ich bleibe aber dennoch im Frieden und schweige. Seit einiger Zeit spukt es in unserem Hause. Auf dem Boden hört man nachts Schritte, Schleifen, Klopfen und andere Geräusche. Besonders wenn ich vor dem Schlafengehen zum Gebet niederknie, klopft es im Zimmer. Auch am Morgen während meiner stillen Zeit höre ich manchmal über mir Schritte und Klopfen. Unser Kind, das nichts von alledem weiß, wurde schon durch das

Klopfen bei Nacht gestört. Als ich einmal mein Gebetsbuch holen wollte, spürte ich deutlich, wie auf dem Sofa etwas saß und mich mit demselben bösen Blick ansah, wie mein Mann es manchmal tut. Doch betete ich nach meiner Gewohnheit laut und rief Jesu Siegernamen an über meinen Mann und mein Kind, über mich und unser ganzes Haus, bis alle Furcht wich und eine große Freudigkeit über mich kam. Seitdem ist es ruhiger geworden. Der "Geist" ist zwar noch hörbar, besonders dann, wenn mein Mann seine unruhigen Zustände hat und schimpft. Aber das darf mich nicht mehr schrecken. Wenn ich Jesus, den Sieger über alle dunklen Mächte, rühme, wird es totenstill auf dem Boden und in der Wohnung. Auch wenn ich während des Klopfens laut bete, verstummen die Geräusche vorübergehend. Als mein Mann verreist war, hörte das Klopfen ganz auf und erst nach seiner Rückkehr machte es sich wieder bemerkbar. Als ich einmal gerade im Gebet versunken war, wurde von unsichtbarer Hand in der Bibel, die neben mir lag, geblättert und ein kalter Hauch traf mich. Fenster und Türen waren alle geschlossen. Meine Tochter, die im Nebenzimmer schläft, hörte kürzlich jemand bei Nacht in meinem Zimmer hin und her gehen, während ich fest schlief ... Mein Mann tut mir in seiner dauernden Unruhe von Herzen leid, um so mehr als er auch von Selbstmordgedanken gequält wird..." Einige Jahre später erhielt ich von dieser Frau folgende Nachricht: “Einmal las ich ein Gebet von einem bekannten Evangelisten mit dem Hinweis, es vier Wochen lang zweimal täglich zu beten für den Menschen, der uns besonders am Herzen liegt. Ich betete dieses Gebet sehr ernstlich. Als ich es am zweiten Tag morgens betete, klopfte es zum ersten Mal seit langer Zeit wieder recht handfest. Es war das typische Klopfen zweimal hintereinander mit einem kurzen Abstand. Es kann auch immer noch vorkommen, daß ich nachts aufschrecke durch ein recht böses Klopfen an meine Tür. Zuerst meine ich immer, es sei mein Mann, aber draußen ist niemand. Sonst ist es ja Gottlob ruhig im Haus. Aber es geht immer noch etwas um. Kürzlich war ich einmal bis spät in die Nacht auf, da hörte ich über mir auf dem Boden deutliche Schritte ruhelos hin und hergehen. Später hörte ich vom Wohnzimmer aus im Nebenzimmer, dem Zimmer meiner Tochter, jemand hin und hergehen. Ich meinte zuerst, sie wäre es, aber sie lag in tiefem Schlaf im Bett. Ohne Zweifel ist im Haus immer noch ein ruheloser Geist, der keinen Frieden findet. . ." Während hier angesichts des auffallenden Verhaltens des Ehemannes eine Besessenheit als durchaus möglich angesehen werden kann, besteht aufgrund der begleitenden Spukerscheinungen die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens von wirklicher Besessenheit. Zwar sucht die Parapsychologie mehrere Erklärungen für den Spuk zu geben. So stellt Professor Bender (Freiburg) die Hypothese auf, der Spuk sei als ein Aktivwerden unterbewußter seelischer Kräfte aufzufassen, die sich zu einer Masse verdichten. Indem diese psychischen Energien eine Sonderexistenz führen, verursachen sie den Spuk. Dabei handle es sich stets um psychisch kranke Menschen. Doch reichen sämtliche parapsychologischen Deutungsversuche zu einer befriedigenden Erklärung des Spukphänomens nicht aus, was auch von den Forschern zugegeben wird. Solange dies aber nicht der Fall ist, erhebt sich die Frage, ob die psychische Abnormität der Menschen, die den Spuk verursachen sollen, nicht mit einer dämonischen Bindung zusammenhängt, in die sie aus irgend welchen Gründen geraten sind. In solchem Falle würde der Spuk aus dem Bereich dämonischer Kräfte stammen, die die Fähigkeit zur Materialisierung besitzen. jedenfalls ist es auffallend, daß die meisten Spukfälle mit der Anwesenheit von Besessenen oder mit okkulter Betätigung von lebenden oder verstorbenen Bewohnern des betreffenden Hauses zusammenhängen. Auf eine metaphysische Ursache der Spukerscheinungen deutet auch die vom Seelsorger gemachte Erfahrung hin, daß der Spuk zu weichen pflegt, wenn die betreffenden Menschen zum Glauben an Christus kommen. Zwei Fälle von Besessenheit sind auch in meiner Schrift "Der Dämon im Menschen" geschildert.

III. Die Unterscheidung von Krankheit und Dämonie

Nun aber erhebt sich die Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen einer Dämonie und einer Krankheit? Decken sich die erwähnten Merkmale der dämonischen Gebundenheit und der Besessenheit mit den verschiedenen klassischen Krankheitssymptomen der Psychiatrie oder können sie nicht bzw. nur teilweise in die üblichen psychiatrischen Krankheitsbilder eingereiht werden? 1. Schizophrenie oder Dämonie? Sehen wir uns zunächst das Krankheitsbild der Schizophrenie an. Bei dieser Krankheit ist es, besonders im Beginn, oft nicht leicht, die Unterscheidung zwischen ihr und einer Dämonie vorzunehmen, weil die Dämonie einer Schizophrenie und diese einer Dämonie in mancher Hinsicht ähnlich sehen kann. Es ist dal ier erklärlich, daß Verwechslungen recht häufig sind, zumal nicht wenige Seelsorger nur zu rasch fast jede Geisteskrankheit als eine Besessenheit ansehen und andererseits der Psychiater jeden Besessenen für einen Geisteskranken zu halten pflegt. Und doch gibt es manche Fälle, bei denen es dem Psychiater nicht gelingt, sie in die üblichen Symptomenbilder der Schizophrenie unterzubringen, so daß diese Diagnose nur mit einem Fragezeichen versehen werden kann. Zunächst könnte der Unvoreingenommene bei der Schizophrenie eine Besessenheit vermuten, wenn ein bis dahin unauffälliger jugendlicher sich allmählich ohne besonderen Grund gegen seine Eltern auflehnt, störrisch, bösartig, erregt und unverträglich wird, gegen seine Umgebung tätlich vorgeht oder allerlei unberechenbare Handlungen ausführt. Auch liegt es nahe, eine Dämonie anzunehmen, wenn ein junger Mann ohne erkennbaren Anlaß von Angstzuständen und Depressionen überfallen wird, die nach seiner Aussage wie ein schwarzer Berg auf ihn zukommen, um ihn zu erdrücken; wenn er zeitweise meint, sich aufhängen zu müssen, oder wenn er bei unpassenden Gelegenheiten hinkniet und laut betet, um gegen den Feind, der ihn bedrohe, anzukämpfen. Oder muß man nicht geradezu an eine Besessenheit denken, wenn der Betreffende selbst von der Anwesenheit eines in ihm wohnenden Dämons felsenfest überzeugt ist und seine körperlichen Beschwerden mit einer Beeinflussung durch diesen Dämon in Verbindung bringt, sich von einem Dämon dauernd angesprochen, verhext, hypnotisiert fühlt und seiner Umgebung immer wieder erzählt, er werde von einer feindlichen Macht zu seinen Gedanken und Taten veranlaßt? All diese Zeichen sind jedoch zumeist als typische Merkmale einer Schizophrenie anzusehen. So kann es nahezu als Regel gelten, daß derjenige, der fortgesetzt von vermeintlicher Besessenheit redet, nicht besessen, sondern krank ist. Eine Bestätigung für diese Auffassung bekommen wir, wenn in solchen Fällen häufig eine allmähliche Verschlimmerung mit zunehmenden Wahngedanken und einem langsamen Verfall der ganzen Persönlichkeit einsetzt. Dann liegt kein Zweifel mehr vor, daß die geschilderten Erscheinungen auf eine Schizophrenie und einen mit dieser verbundenen Besessenheitswahn zurückzuführen sind. Daß die Wahnideen dämonisch gefärbt sind, rührt meist daher, daß der Kranke vor oder zu Beginn seines Leidens manches über Dämonen und Besessenheit gehört oder gelesen hat. Selbst wenn ein solcher Mensch angibt, abnorme Geräusche zu hören und auffallende Erscheinungen zu sehen, muß man hierbei krankhafte Sinnestäuschungen annehmen, zumal wenn seine Umgebung nichts von solchen Erscheinungen wahrnimmt. Der Besessenheitswahn kann bei der Geisteskrankheit völlig im Vordergrund stehen. Da dieser Zustand verhältnismäßig häufig anzutreffen ist, sei ein solcher Fall näher beschrieben: >Eine dreißigjährige Kranke kam in meine Behandlung mit der Angabe, sie sei besessen. Sie führe dies auf die Behandlung durch einen Magnetopathen zurück, die vor vielen Jahren stattgefunden habe. Dieser Mann habe ihr einen unheimlichen Eindruck gemacht und ihr von spiritistischen Sitzungen erzählt. Sie habe von anderen gehört und auch in Büchern gelesen, welch schlimme Folgen eine solche Behandlung nach sich ziehen könne. Seit jener Zeit sei sie im Gemüt bedrückt und lebensüberdrüssig, auch habe sie bis vor einigen Jahren eine lähmende

Schwere und Unruhe in sich verspürt. Vor drei Jahren sei sie in eine freikirchliche Gemeinde aufgenommen worden. Seitdem habe sie eigenartige Empfindungen an ihrem Körper. Als sie auf Veranlassung des Predigers das Absagegebet gesprochen habe, sei etwas rundherum um ihren Kopf gesaust wie ein Wirbelwind. Während sie bei der Taufe den Segen empfangen habe, sei ihr Leib vom Feind hin und her geworfen worden, so daß sie nicht still hinknien konnte. Bei dem Besuch eines auswärtigen Predigers habe sie während des Gottesdienstes hinauslaufen und schreien müssen. Deshalb habe dieser eine Teufelsaustreibung bei ihr vorgenommen. Sie habe dabei eine Befreiung im Leibe gespürt. Weil es aber im rechten Arm stark geklopft habe, habe sie gemerkt, daß der Teufel nicht ganz weggegangen sei. In der darauffolgenden Nacht habe sich etwas Großes und Schweres auf ihre Brust gelegt. Durch Gebet sei diese Empfindung geschwunden, doch sei sie bald wieder eingetreten. In der nächsten Nacht sei etwas wie ein Schwarm von wilden Raben auf sie zugeflogen, auch habe sie schwarze Eulen gesehen. Sie habe immer Püffe und Stöße im Bett bekommen. In einer anderen Nacht habe sie einen Druck im Kopf von hinten nach vorn bemerkt. Dabei habe sie in völlig wachem Zustand das Bild eines Mannes gesehen, der hemdsärmelig mit finsterem Gesicht vor dem Bett gestanden sei. Besonders oft werde sie von dem Dämon sexuell belästigt. Sie spüre dies deutlich an einem Kribbeln bei Nacht, so daß sie nicht wisse, wie sie sich hinlegen solle, um sich gegen die feindlichen Angriffe zu schützen. Auch am Tage spüre sie manchmal das Kribbeln, besonders wenn sie beten wolle. Der Feind habe zu ihr gesagt: Du hast den Heiligen Geist gelästert! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Gib den Geist auf! Es sei eine innere Stimme gewesen, die sie gehört habe, so wie man auch mit dem geistigen Auge etwas sehen könne. Einmal sei etwas von ihrem Kopf heruntergeflogen, dann sei etwas wie ein Kampf in ihr durcheinandergegangen. Plötzlich habe sie wieder Verbindung mit Gott gehabt. Man könnte aus ihren Worten schließen, sie sei nicht ganz normal; aber das sei nicht der Fall. Ihre Freunde verstünden sie und wüßten, daß sie nicht geisteskrank sei. Eine Stimme habe ihr laut zugerufen: "Armes, gefesseltes Menschenkind!" Aber als sie daran dachte, daß Jesus bei ihr sei und für sie kämpfe, sei es ihr gewesen, als habe sie ein Lichtstrahl getroffen. Sie habe sofort gewußt, daß es ein Engel Gottes war, der mit dem Satan kämpfte. Als sie in der Bibel gelesen habe: Seine Barmherzigkeit hat kein Ende", habe es warm und hell in ihr aufgeleuchtet. Das sei Jesus gewesen. Es sei ihr vorgekommen, als würde eine Hand an ihr Herz greifen. In einer Nacht habe sie mit ihren inneren Augen gesehen, wie Jesus in den Wolken saß und auf sie herunter sah. Auf einmal leuchteten seine Augen sie ganz lieb an. Da habe sie gewußt, daß sie keine Angst zu haben brauchte. Sie habe öfters solche herrlichen Erscheinungen gehabt. Bei einer zweiten Teufelsaustreibung, die eine gläubige Frau bei ihr vorgenommen habe, habe sie gemerkt, wie der Feind in ihr furchtbar gezappelt habe, wie wenn eine Hummel in ihr zappeln würde. Obwohl die Frau ihr erklärt habe, sie sei freigeworden, habe das Zappeln nicht aufgehört und sie sei von neuem belästigt worden. Im letzten Jahr habe alles in ihr zwei Monate lang pestartig gerochen. jetzt verspüre sie noch oft ein Zappeln und intensive Ströme an verschiedenen Stellen des Körpers sowie bei Nacht das Kribbeln, so daß sie nur wenig schlafen könne. Da sie noch nicht frei sei, könne sie sich nur schwer zum Beten konzentrieren. Einen Beruf könne sie nicht ausüben, weil sie vieles vergesse und dauernd müde sei. Manchmal höre sie, wenn sie beten wolle, Lästerworte. Den Namen Jesu könne sie oft nicht aussprechen. Bei einer dritten Teufelsaustreibung habe sich der elektrische Strom in ihrem Körper gesenkt, doch sei er hernach wieder heraufgestiegen. Einmal habe sie bei der Morgenandacht plötzlich ein Zittern im Körper gespürt. Es sei ihr gewesen, als wenn der Dämon in ihr sich vorbeugte und gegen den Sprecher wütende Handbewegungen machte. Das seien alles nüchterne Tatsachen. Daß die Gemeinde, zu der sie gehöre, in letzter Zeit bei ihr keine Besessenheit mehr annahm, bedrücke sie sehr. Aber es sei die Absicht des Feindes, daß man sie als geisteskrank ansehe, damit er auf diese Weise in Ruhe gelassen werde.< Diese Angaben der Patientin waren nur ein geringer Teil ihrer zahlreichen Beschwerden. Sie war unermüd¬lich im Erzählen ihrer abnormen Empfindungen. Wenn auch einige ihrer Äußerungen zunächst den Verdacht auf eine Dämonie erweckten, so bestand doch bald keinerlei Zweifel mehr daran, daß es sich um eine Schizophrenie handelte. Die unzusammenhängenden, absonderlichen und verschrobenen Vorstellungen und Empfindungen, die Gesichts und Gehörstäuschungen, die ständigen Angaben über die Tätigkeit der in ihr wohnenden Dämonen

waren ohne Zweifel krankhafter Natur. Eine wirkliche Besessenheit geht ohne die erwähnten Vorstellungen und Empfindungen einher. Nicht ein Dämon oder Engel mit ihren Botschaften redeten zu ihr, wie die Patientin meinte, sondern aus ihrem kranken Gehirn kommende Stimmen. Es wäre daher verkehrt, alles, was ein solcher Mensch über in ihm hausende Dämonen aussagt, für bare Münze zu halten. Dadurch würde er in seinen Wahnvorstellungen nur noch bestärkt werden. Bei G l ä u b i g e n tritt die Schizophrenie meist in fast rein religiösem Gewande auf. Der Kranke ist der Auffassung, sein Glaubensleben sei durch satanische Beeinflussung krank geworden, weil oft eine furchtbare Unruhe über ihn komme, die ihm den Frieden mit Gott, und die Freude am Gebet nehme und dem Heiligen Geist aus seinem Herzen reiße. Alles sei dunkel in ihm, will Gott ihn verlassen und eine finstere Macht von ihm Besitz ergriffen habe, könne die Stimme Jesu nicht mehr vernehmen und Seinen Geist nicht mehr verspüren. Es sei ihm nicht mehr möglich, den Namen Jesu auszusprechen, so gerne er dies tun möchte. Er träumt unsinnige Dinge, aus denen er wichtige Schlüsse zieht. Für kürzere Zeit kann er überglücklich im Glauben sein und überschwengliche Äußerungen tun; aber bald bricht er in lautes Weinen aus und ist völlig verzweifelt. Er ist nicht mehr imstande, sich zu den einfachsten Verrichtungen zu konzentrieren, und deshalb bald gezwungen, seine Arbeit aufzugeben. Gegen die immer wiederholte Auffassung seiner Umgebung, sein Zustand beruhe auf einer Krankheit, wehrt er sich mit Entschiedenheit. So schrieb mir ein junger Mann: >Vor einem Jahr hatte ich an einem Abend in der Bibel gelesen und gebetet und wollte einschlafen. Da kam mir ganz plötzlich ein furchtbares Fluchwort in den Sinn. Es fuhr etwas aus mir heraus, und ich glaubte sterben zu müssen. Ich sprang aus dem Bett und rannte durchs Zimmer, und noch einmal kam das Gefühl über mich, zu sterben. Ich fühlte, wie etwas, vielleicht der Heilige Geist, aus mir fuhr. Ich zitterte, nahm meine Bibel, ging auf die Knie und bat um Vergebung. Aber eine große innere Unruhe erfaßte mich, die bis heute nicht gewichen ist. Es ging mir von Tag zu Tag schlechter. Ich ging zum Hausarzt, von dort zum Nervenarzt und wurde von ihm in die Psychiatrische Klinik eingeliefert, wo ich viele Monate weilte und mit Medikamenten und Elektroschocks behandelt wurde. Ich bin überzeugt, daß ich verloren bin. Bitte, schreiben Sie mir, ob ich in die Hölle komme. Täglich, ja stündlich steigen die schlimmsten Fluchgedanken und Worte in mir hoch. (Er nannte mir über ein Dutzend von schweren Flüchen.) Ich habe an nichts mehr Freude, sondern nur noch Angst. Der leichten Arbeit, die ich tue, kann ich nur mit Mühe nachkommen. Mit okkulten Dingen haben weder ich noch meine Eltern zu tun gehabt. Ich war ein frohes Gotteskind. Nun habe ich allen Frieden und alle Heilsgewißheit verloren. Das Furchtbare ist, daß ich an allem schuld bin. Das Wort Hebräer 10, 26 31 trifft auf mich zu. Zwar haben mir viele erklärt, diese Stelle beziehe sich nicht auf mich; aber ich kann einfach nicht anders, ich muß sie für mich nehmen. In letzter Zeit habe ich auch Selbstmordgedanken. Kann ich wieder gesund werden? ...< Ein anderer Patient, der vor seiner Erkrankung in frohem Glauben an seinen Herrn gestanden hatte, war seit einiger Zeit öfters von entsetzlicher Furcht vor der ewigen Verdammnis erfüllt, dann wieder kam vorübergehend eine nie gekannte Freude über ihn. Einmal hörte er eine Stimme, die sich für Gott ausgab und ihm den Befehl erteilte, die Straßenbahn zu besteigen, um durch Gesang die frohe Botschaft zu verkünden. Ein anderes Mal sprang er bei Nacht aus dem Bett, warf sich auf die Knie und schrie voller Furcht zu Gott, weil er sich in die Hölle versetzt fühlte. Dann wieder hielt er sich für den Antichristen, bäumte sich gegen Gott auf und berief sich auf den Teufel. Oft fühlte er sich von bösen Geistern gequält. Auch im Leib spürte er die vermeintliche Einwirkung des Feindes: ein starkes Brennen sei der Beweis, daß die Dämonen in seinem Leibe sitzen. Harmlose Begebenheiten deutete er als dämonische Beeinflussungen und okkulte Machenschaften, die die Menschen mit ihm treiben. In völliger Uneinsichtigkeit lehnte er jede ärztliche Hilfe ab. Er erklärte sich lediglich bereit, den Rat eines Seelsorgers anzunehmen, wenn dieser auf seine Besessenheit eingehe. Ein Austreibungsversuch, den ein Seelsorger vornahm, verschlimmerte den Zustand. Aufgrund seines ganzen Verhaltens war auch für den

Nichtarzt mehr und mehr zu erkennen, daß eine Geistesstörung vorlag. In manchen Fällen beobachten wir ein gleichzeitiges Zusammentreffen von Geisteskrankheit und Dämonie. Auch hierfür sei ein Beispiel kurz erwähnt. Die Vorfahren des Patienten waren Besprecher, seine Mutter war Trinkerin, seine Schwester war geisteskrank und starb in einer Heilanstalt. Er selbst leidet an Trunksucht mäßigen Grades. Er ist Heilpraktiker und gibt durch Pendeln treffsichere Auskunft über Vermißte und Verstorbene. Mehr und mehr entwickelte sich bei ihm ein Verfolgungswahn, der nicht beeinflußt werden konnte, obwohl er völlig unbegründet war. Ein bevollmächtigter Evangelist löste vorübergehend den Bann, die Wahngedanken ließen jedoch nicht nach. Sie machten auf seine Angehörigen durchaus den Eindruck einer echten Geistesstörung. In diesem Falle handelt es sich offenbar um eine typische erblich bedingte Geisteskrankheit. Die daneben vorliegende dämonische Gebundenheit, die auf das Besprechen der Vorfahren zurückzuführen ist, zeigt sich in dem magischen Pendeln sowie in einem häufigen Fluchen und Schimpfen auf alles Fromme. Aber nicht nur zahlreiche Fälle von Schizophrenie werden als Besessenheit angesehen, es muß auch mit der umgekehrten Möglichkeit gerechnet werden, daß nämlich ein wirklich Besessener für geisteskrank gehalten wird. Ein Mensch z. B., der die Symptome des in den Evangelien beschriebenen Gadareners aufweisen würde (Mark. 5,1 ff.), würde mit Bestimmtheit unter der Bezeichnung "geisteskrank" in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden. Sein Schreien und Toben, seine Nacktheit, seine Selbstbeschädigung, seine Gemeingefährlichkeit das alles trifft man in der Tat auch bei einer schweren Geisteskrankheit an. Daß aber dennoch hinter diesem Zustand eine Besessenheit steckte, ersehen wir nicht nur aus der raschen und völligen Heilung nach der Austreibung durch Jesus, sondern auch aus der Tatsache, daß eine fremde Stimme sinnvolle Worte aus ihm sprach, wie: "Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesu, du Sohn Gottes, ich beschwörei dich bei Gott, daß du mich nicht quälst!“ Ein unruhiger Geisteskranker dagegen redet unsinniges Zeug, kann stundenlang dieselben Worte oder Sätze sprechen und sich mit Gestalten unterhalten, die er zeitweise vor sich sieht. Er gebraucht vielfach eine absonderliche Ausdrucksweise und äußert ungereimte Ideen. All dieses widerspricht einer Besessenheit, bei der der Mensch völlig klar bleibt, auch wenn er zeitweise unruhig oder sogar tobsüchtig werden kann. So kann man sagen: ein Geisteskranker ist wirklich krank, auch wenn er manche der Besessenheit ähnliche Züge aufweisen sollte. Ein Besessener dagegen ist geistig gesund, auch wenn ihm zeitweise seelisch abnorme Zeichen anhaften sollten. Ferner spricht der Geisteskranke meist in lebhafter Weise von seinen Ideen, der Besessene dagegen redet vielfach nur stockend und erst dann, wenn man ihn unermüdlich ausfragt. Während ein Geisteskranker in phantastischer Art von in ihm wohnenden Dämonen spricht, scheut sich der Besessene, solange er religiös noch nicht angefaßt ist, von Dämonen etwas auszusagen. Denn der Dämon sucht es zu verhindern, daß sein Opfer seine Existenz verrät. Das Vorliegen einer Geisteskrankheit ist auch dann wahrscheinlich, wenn der Mensch bis zu seiner Erkrankung in lebendiger Verbindung mit Gott gestanden hatte, ebenso wenn okkulte Bindungen nicht nachzuweisen sind, dagegen andere geistige oder seelische Störungen in der Familie des Betreffenden vorliegen. Wenn ferner bei religiöser Beeinflussung ein solcher Mensch sich nicht wehrt oder gleichgültig zuhört und auch bei dem Versuch der Austreibung nicht unruhig wird, oder wenn er den Namen Jesu ohne Widerstand aussprechen kann, so spricht dies alles für eine Geisteskrankheit. Denn der Besessene sträubt sich gegen das Beten und gegen jede religiöse Einwirkung, weil der Dämon in ihm fürchtet, seine Behausung verlassen zu müssen. Ein ausgesprochener Widerstand bei seelsorgerlicher Beeinflussung legt daher von vornherein den Verdacht auf Dämonie nahe. Ein besonderes Merkmal, das häufig zu verschiedenen Deutungen Anlaß gibt, ist das Stimmenhören. Dieses wird von Unkundigen meist in eine direkte Verbindung mit teuflischer

Einwirkung gebracht. Es wird jedoch bei Schizophrenie wesentlich häufiger beobachtet als bei Besessenen. Krankhaft sind die Stimmen, wenn der Betreffende meint, diese rührten von fremden Menschen her, die über reden, ihn beobachten, belästigen, verfolgen. Oft befiehlt ihm die Stimme etwas, das seiner Natur völlig zuwider ist, wie etwa: wegzulaufen, nichts mehr zu essen, sich das Leben zu nehmen; und doch muß er der Stimme folgen. Wenn er aber seinem eigenen Willen entsprechend handeln möchte, verwehrt ihm dies die Stimme. Vielfach sind es auch ganz unsinnige Worte, die der Geisteskranke hört. Besonders wenn das Stimmenhören mit Wahnvorstellungen verbunden ist, besteht kein Zweifel daran, daß eine Geistesstörung vorliegt. Ganz anders die satanischen Stimmen, die ein Besessener häufig hört. Sie sind psychologisch durchaus begreiflich, indem sie dem Menschen gottwidrige Dinge einreden. Er hört etwa eine Stimme, die ihm sagt: "Du bist zu Großem berufen. Glaube doch nicht, daß es einen Gott gibt! Was die Bibel und der Seelsorger sagen, ist Quatsch! Dein Beten hilft dir nichts, du kommst nicht frei von mir, du bist mein. Nimm dir doch das Leben!" Die Stimmen können von unheimlichen Gestalten herrühren, die der Besessene als anwesend empfindet oder gar sieht. Eine meiner Patientinnen, die sich früher okkult betätigt hatte, sah ihren Vater seit seinem Tode fast jede Nacht vor sich und hielt Zwiesprache mit ihm wie mit einem lebenden Menschen. Eine andere, die sich dem Teufel verschrieben hatte, hörte oft eine Stimme, welche ihr verbot, die Anweisungen des Seelsorgers zu befolgen, und ihr drohte, es würde ihr schlecht ergehen, wenn sie das Gehörte ihm weitersage. Auch sah sie oft den Teufel vor sich, der ihr gebot, sie solle ihm angehören; wenn sie sich Gott übergäbe, würde dieser sie ihres bisherigen Sündenlebens bestrafen. Im allgemeinen ist festzustellen: dämonische Stimmen sagen nur das, was den Menschen von Gott abbringen soll; krankhafte Stimmen dagegen reden unnatürliche und unsinnige Dinge. Mit Vorsicht aufzunehmen sind die Angaben der Angehörigen von Schizophrenen, es sei früher mit dem Kranken Zauberei getrieben worden, weshalb mit Bestimmtheit eine Besessenheit vorliegen müsse, zumal er selbst sich von fremden Menschen beeinflußt fühle. Zweifellos kann durch eine früher ausgeübte Zauberei eine seelische Störung hervorgerufen worden sein. Aber wesentlich häufiger sind die Fälle, in denen eine typische anlagebedingte Schizophrenie nachzuweisen ist, die nichts mit okkulter Behaftung zu tun hat. 2. Epilepsie oder Dämonie? Können wir bei der mit Anfällen von Bewußtlosigkeit einhergehenden E p i l e p s i e zu einem klaren Urteil hinsichtlich der Entstehungsweise gelangen? Manche Seelsorger neigen zu der Auffassung, die Epilepsie sei, wie überhaupt die meisten A n f ä l l e von Bewußtlosigkeit, ein Kennzeichen der Dämonie. Sie stützen sich dabei auf den biblischen Bericht von dem von Anfällen geplagten "mondsüchtigen" Knaben, aus dem Jesus einen Teufel austrieb. Wenn wir bei einem Epileptischen eine dämonische Einwirkung annehmen wollen, muß auch eine der eingangs erwähnten Ursachen vorliegen. Davon ist aber bei den meisten Epileptikern nichts nachzuweisen. Auch sind unter ihnen nicht wenige Gläubige, die in lebendiger Verbindung mit Gott stehen. Und ferner würde, wenn die Epilepsie dämonischen Ursprungs wäre, keine Besserung der Anfälle durch bestimmte Medikamente erfolgen, wie dies meist der Fall ist. Ich glaube vielmehr, daß der "mondsüchtige" Knabe von Jugend auf an einer Besessenheit litt, die in epilepsieähnlichen Erscheinungen sich äußerte. Seine Anfälle wurden von dem Dämon wohl zu dem Zweck verursacht, ihn aus dem Leben zu schaffen. Denn es ist stets das Endziel der Besitzergreifung finsterer Mächte, den Menschen zu töten, um ihn auf diese Weise an Satan auszuliefern. So sagte der Vater des Knaben zu Jesus: "Oft hat er ihn in Feuer und Wasser geworfen, daß er ihn umbrächte" (Mark. 9, 22). Noch im letzten Augenblick, ehe er ausfahren mußte, hatte der Dämon einen solchen Versuch unternommen. Die Epilepsie ist aber nicht nur mit Anfällen von Bewußtlosigkeit verbunden, sondern sie kann statt ihrer auch unter dem Bilde von V e r s t i m m u n g e n verlaufen, die alle paar Wochen auftreten und ein bis zwei Tage dauern. Meist beginnt die psychische Veränderung beim Aufwachen am Morgen ohne erkennbare Ursache. Der Kranke ist mißmutig, finster, mürrisch, eigenwillig, abweisend, er nörgelt und schimpft leicht, ärgert sich über Kleinigkeiten, gebraucht

unflätige Ausdrücke, ist reiz¬bar, streitsüchtig und neigt zu Gewalttätigkeiten. Oder er ist lebensüberdrüssig und äußert Selbstmordgedanken. Das Bewußtsein ist dabei im allgemeinen klar, doch kann es zeitweise getrübt sein, ja, es können ausgesprochene Dämmerzustände eintreten, so daß der Kranke sich hinterher an sein Verhalten nicht erinnert. In gesunden Tagen ist ein solcher Mensch durchaus empfänglich und offen für alles Religiöse. Daß der beschriebene Zustand den Eindruck einer Dämonie erwecken kann, ist ohne weiteres begreiflich. Und doch wäre es in solchen Fällen unberechtigt, wollten wir eine Dämonie annehmen, zumal wenn die elektrische Hirnstromkurve auf das Vorliegen einer Epilepsie hinweist. Es ist daher verhängnisvoll und nicht zu verantworten, wenn manche Seelsorger nahezu jede Epilepsie und die meisten Zustände von Anfällen und Bewußtseinsstörungen als Folgen einer Dämonie ansehen. 3. Schwermut oder Dämonie? Betrachten wir die S c h w e r m u t (Melancholie). Auch bei dieser Krankheit vertreten nicht wenige Seelsorger die Auffassung, daß ihre Merkmale für das Vorliegen einer dämonischen Gebundenheit oder einer Besessenheit sprechen. Eine solche scheint in der Tat besonders dann vorzuliegen, wenn der Schwermütige auf dem Höhepunkt seines Leidens nicht fähig ist, das Wort Gottes, die vergebende Gnade, die Gotteskindschaft, die Heilsgewißheit zu erfassen, wenn er sich für innerlich tot und verstockt hält, wenn er keine Liebe zu Gott empfindet oder sich des Mangels an Reue anklagt. Auch vermag er sich zum Beten und Bibellesen weder aufzuraffen noch zu konzentrieren, oder er sieht sich selbst als besessen an. Alle diese Merkmale sind jedoch keinerlei Zeichen einer tatsächlichen Gottentfremdung, sondern typische, auf krankhaften Hemmungen beruhende und im religiösem Gewand auftretende Symptome der Schwermut. Es wäre daher verkehrt, wollten wir dem Kranken, der von der Echtheit seiner Besessenheit überzeugt ist, Glauben schenken. Eine solche Meinung ist vielmehr als ein ausgesprochen krankhafter Wahngedanke anzusehen. Dies geht schon daraus hervor, daß der Besessenheitsglaube oft mit anderen Wahnvorstellungen verbunden ist (Versündigungswahn, Verarmungswahn, Beziehungswahn, Unheilbarkeitswahn), Befürchtungen, die sich meist als völlig unbegründet erweisen. Auch lehrt, ebenso wie bei der Schizophrenie, die ärztlich seelsorgerliche Erfahrung, daß bei demjenigen, der immer wieder von Besessenheit redet, eine solche nicht vorliegt. Im Gegensatz dazu, denkt der wirklich Besessene gar nicht an eine Besessenheit, selbst wenn sein Zustand ihm unbegreiflich sein sollte. Denn Satan ist alles daran gelegen, möglichst unerkannt zu bleiben. Ferner handelt es sich bei den Schwermütigen, selbst bei denen, die sich, etwa infolge früher begangener Zaubereisünden, besessen wähnen, oft um Menschen, deren Vergangenheit vor Gott völlig geordnet ist und die bis zu ihrer Erkrankung in wahrem Glauben an Gott und Christus standen. Es ist daher nicht anzunehmen, daß sie nun plötzlich einem Dämon zum Opfer gefallen sind. Schon deshalb kann man bei einem Schwermütigen nicht von Dämonie reden, weil in seiner Seele Traurigkeit und Verzagtheit herrschen, nicht aber Finsternis und Haß. Nun wird aber von zahlreichen Seelsorgern der Standpunkt vertreten, das Vorhandensein von Lästergedanken sei bei der Schwermut das sichere Zeichen einer Dämonie. So ist in dem weitverbreiteten Buch eines bekannten Evangelisten zu lesen: Wer mit Lästergedanken zu tun hat, der kann daraus mit Sicherheit schließen, daß er, vielleicht in früher Jugend, besprochen worden und nun unter einen Bann des Teufels geraten ist." Eine solche Schlußfolgerung ist jedoch bei Schwermütigen völlig unbegründet. Dies muß ausdrücklich betont werden, damit nicht all den Schwermütigen, die von Lästergedanken geplagt sind, ein großes Unrecht angetan wird. Lästergedanken finden sich nämlich gerade bei gläubigen Schwermütigen recht häufig. Sie sind bei ihnen als krankhafte Zwangsgedanken anzusehen. Besonders bei der übergewissenhaften und ängstlichen Form der Schwermut entstehen solche Gedanken aus der Befürchtung des Kranken heraus, er könnte sich zu einer Lästerung gegen das Heilige hinreißen lassen. Hier gilt das psychologische Gesetz: was man befürchtet, tritt ein. Und weil eine solche Angst besonders leicht beim Bibellesen, beim Beten oder während des Gottesdienstes und

Abendmahls einsetzt, drängen sich gerade bei diesen Gelegenheiten die Lästergedanken oft mit stärkster Macht auf. Mit einer teuflischen Beeinflussung haben sie jedoch nichts zu tun. Dies geht schon daraus hervor, daß sie gleichzeitig mit der Heilung der Schwermut schwinden. Auch wäre es bei der Annahme einer dämonischen Einwirkung unverständlich, daß die Lästergedanken oft allein durch eine fachärztliche Behandlung sich beseitigen lassen. Etwas anderes ist es dagegen, wenn bei einem gottfernen Menschen Lästergedanken zusammen mit häufigem Fluchen sich finden, wobei keine Anzeichen von Schwermut, wohl aber okkulte Machenschaften oder andere schwere Versündigungen vorliegen. Hier besteht kein Zweifel an einer dämonischen Ursache der Lästergedanken. So läßt sich geradezu die Regel aufstellen: wenn Lästergedanken aus dem Herzen kommen, bewußt ausgesprochen und nicht bereut werden, sind sie satanischer Art. Wenn sie dagegen ohne den Willen des Menschen zwanghaft auftreten und nicht ausgesprochen, vielmehr verabscheut und aufrichtig bereut werden, sind sie krankhafter Natur. Der dämonische Mensch macht sich aus seinen Lästerungen gar nichts, während der Schwermütige es aufs tiefste beklagt, daß er solcher Gedanken fähig ist. Auch kann letzterer manchmal den Namen Jesu nicht aussprechen aus Angst, ihn lästern zu müssen oder seinen Namen zu beflecken. Bei Dämonie dagegen kann der Name Jesu nicht ausgesprochen werden, weil der Mensch diesen Namen verabscheut oder haßt. Ebenso muß zwischen den S e l b s t m o r d g e d a n k e n bei Schwermut und bei Dämonie grundsätzlich unterschieden werden. Der dämonische Mensch will nicht mehr leben, weil er Satan gehorchen muß, der ihn in den Selbstmord hineintreibt. Die Tat begeht er, wie schon oben erwähnt, bei klarem Bewußtsein, weshalb er die volle Verantwortung dafür trägt. Bei Schwermütigen dagegen ist es zunächst der ihn beherrschende krankhafte Gedanke, er könne nicht mehr leben, weil er sich zu schwer versündigt habe. Diesen Lebensüberdruß benützt Satan, um ihn zur Selbstmordabsicht zu verführen. Geht er in den Tod, so deshalb, weil zuletzt die Klarheit der Gedanken völlig ausgeschaltet ist. Er ist daher für die Tat nicht verantwortlich zu machen. Nur zwei Beispiele seien aus der Vielzahl von Krankengeschichten depressiver gläubiger Menschen herausgegriffen: >Ein unverheiratetes Mädchen in den dreißiger Jahren gibt an, ihre verstorbene Mutter sei äußerst verschlossen gewesen, ihre vier Geschwister seien seelisch gesund. Die ganze Familie sei gläubig. Okkulte Belastungen seien ausgeschlossen. Sie selbst sei von jeher still und ernst gewesen und mit dem Leben nur schwer fertig geworden. Nach dem Tode der Mutter, mit der sie eng verbunden war, sei erstmals eine Schwermut über sie gekommen. Seitdem habe sie Angst vor dem Leben. Sie habe deshalb in ein Kloster gehen wollen, um sich geborgen zu fühlen und ganz für Gott leben zu können. Mit zwanzig Jahren habe sie ein sehr schweres Erlebnis gehabt, über das sie sich niemals habe aussprechen können. Seitdem sei sie nie mehr ganz frei von depressiven Verstimmungen gewesen und habe in den Jahren darnach an starkem Lebensüberdruß gelitten, so daß sie mehrmals Selbstmordversuche unternommen habe. Mit 21 Jahren sei sie in ein Diakonissenmutterhaus eingetreten, doch habe sie infolge eines Lungenleidens bald wieder austreten müssen und habe seitdem nur leichtere Arbeiten tun können. Mehrere Versuche, eine ihren Kräften entsprechende Arbeit zu finden, seien gescheitert. Dies habe zu einer Verschlimmerung ihrer häufigen Depressionen geführt. Sie habe viel gegrübelt, doch sei eine Aussprache mit ihren Angehörigen nicht möglich gewesen, weil diese von ihrem Beruf zu sehr in Anspruch genommen waren. Das Glaubensleben der Patientin ist durch die Angst vor der Zukunft beeinträchtigt. Auch empfindet sie wegen des früheren Erlebnisses zeitweise einen Groll gegen Gott und sieht auch keinen Sinn mehr hinter dem Leben, zumal sie auch von schweren körperlichen Nöten befallen ist. Vielfach ist sie nicht imstande, ihre Grübeleien wegzulegen. Zeitweise hat sie den Eindruck, ihr Zustand sei eine Strafe Gottes für eine ihr vielleicht nicht bewußte Schuld. Doch hat sie ehrliche Bestreben, ihr körperliches und seelisches Leiden im Blick auf Gott zu tragen. Besonders am Morgen ist es ganz dunkel in ihrer Seele, so daß sie kaum zu beten und in der Bibel zu lesen vermag. Von ihren Geschwistern fühlt sie sich nicht verstanden und nicht für vollwertig angesehen, weil sie kein lebendiges Glaubensleben führen kann. Besonders bedrückend

empfindet sie die Unmöglichkeit einer Gebetsgemeinschaft. Es wird ihr vorgeworfen, sie gewähre dem Teufel noch zuviel Raum in ihrem Herzen, sonst müßte sie doch ihre Depressionen mehr und mehr überwinden können. Daß diese krankhafter Art sind, können ihre Angehörigen nicht begreifen. Sie sehen sie vielmehr als die Folge einer Bitterkeit gegen Gott oder einer anderen Schuld an. Falls eine gewisse Bitterkeit in ihr hochkommt, kann sie diese sofort Gott bekennen und sich vergeben lassen. Der innere Zwiespalt bringt sie oft in eine richtige Schwermut hinein, wobei sie viel weinen muß. Nur durch ihre Arbeit wird sie von ihren trüben Gedanken etwas abgelenkt.« Aufgrund zahlreicher Unterredungen, die mit der Patientin geführt wurden, unterliegt es keinem Zweifel, daß die Gemütsverstimmungen auf einer depressiven, von ihrer Mutter ererbten Anlage beruhen. Abgesehen von den früheren Selbstmordabsichten und der zeitweiligen Bitterkeit haben die Zustände mit einer teuflischen Einwirkung oder gar einer dämonischen Gebundenheit nichts zu tun. Das besondere Problem des Selbstmords schwermütiger Christen sei an einem weiteren Beispiel näher erörtert: >Ein in den vierziger Jahren stehender Pfarrer stammte aus belasteter Familie: seine Mutter und zwei ihrer Brüder waren schwermütig wie auch einer seiner eigenen Brüder. Eine okkulte Vorgeschichte ist nicht nachweisbar. Der Patient selbst war von jeher schwernehmend, leicht gedrückt und viel allein. Er machte infolge strenger Erziehung eine freudlose Jugendzeit durch. Einen Fehltritt, den er mit 18 Jahren begangen hatte, konnte er nicht verwinden, obwohl er vor Gott und Menschen echte Buße getan hatte. Nach Abschluß seines Theologiestudiums befiel ihn erstmals eine richtige Depression, die mit großer Angst vor dem Predigen einherging, weil er sich nicht begabt genug und des Pfarrberufs nicht würdig fühlte. Er heiratete eine gesunde Frau, die seinem melancholischen Wesen liebevolles Verstehen entgegenbrachte und ihm zwei Kinder schenkte. Die Ausübung seines Berufes machte ihm große Not, er grübelte viel und hatte immer Schwierigkeiten bei der Vorbereitung seiner Predigten. Besonders wurde er von zahlreichen Selbstvorwürfen und Minderwertigkeitsgefühlen, von Apathie und Willenshemmungen wie auch von Selbstmordgedanken geplagt. Dazu kam die Sorge um seine schwer herzleidende Frau. Während einer Reihe von Jahren befand er sich mehrfach, monatelang wegen schwerer Depressionen in klinischer Behandlung. Er war überzeugt, diese furchtbare Krankheit niemals mehr zu verlieren, und geriet öfters in starke Anfechtungen. Dennoch wußte er sich als ein Kind Gottes und zweifelte nicht an der Macht seines Herrn, dessen Verheißungen er Ihm immer wieder vorhielt. Aber die Nichterhörung seiner Gebete rieb ihn nahezu auf. "Mein Schreien um Hilfe stößt auf verschlossene Türen; das ist ja auch so schwer, daß man sich in der Schwermut stundenlang mit Gottes Wort und Gebet befassen kann und daß nichts vorhält und Krafl gibt. Und doch hoffe ich, daß Gott mich nicht fahren läßt", schrieb er einmal. Eines Abends befiel ihn, wie so oft eine große innere Unruhe und Angst. Er suchte einen Seelsorger auf, mit dem er eine lange Aussprache hatte. Danach schrieb er mehrere Briefe, in denen er seine Angelegenheiten regelte. Bald darauf vollführte er die Tat, die zu einem raschen Tode führte. In seinem Arbeitszimmer landen sich die Briefe samt dem Gesangbuch, in welchem das Lied “Jesus nimmt die Sünder an“ aufgeschlagen war. Die Dorfbewohner konnten nicht verstehen, daß ein Pfarrer Selbstmord beging, und meinten, wenn man einen solchen Glauben habe, wie er ihn auf der Kanzel verkündigt hatte, müsse man doch aufsteigende Selbstmordgedanken abwehren können. Als nun vollends seine herzleidende Frau infolge ihres schweren Erlebens bald darauf ebenfalls vorübergehend gemütskrank wurde und Selbstmordgedanken äußerte, fragten sich die Gemeindeglieder, ob Schwermut denn ansteckend sei, ja sie erklärten zuallermeist rundweg, der böse Geist des Pfarrers sei in seine Frau gefahren; es könne nicht anders sein, als daß satanische Einflüsse den Selbstmord verursacht hätten. In ungläubigen Kreisen war zu hören, da könne man sehen, wie weit man komme, wenn man fromm sein wolle. Sowohl die Schwermut des Pfarrers als auch sein Tod wurden vom rein moralischen Standpunkt beurteilt. Besonders konnte man nicht begreifen, daß er noch kurz vor seinem Tode ausführliche Briefe schrieb; denn sie waren der Auffassung, dann müsse er doch bei klarem Bewußtsein die Tat begangen haben.<

Aus dem Verhalten der Dorfbewohner geht hervor, wie verbreitet die Unkenntnis über die Schwermut ist. Wir sahen oben, daß sie als eine Gemütskrankheit anzusehen ist, bei der in der Seele des Menschen sich oft ein furchtbares Ringen abspielt. Wenn die Krankheit stärkere Grade erreicht, wird der Mensch vielfach von lebhaften Wahngedanken befallen, die er sich in keiner Weise ausreden läßt. Sehr häufig sind es die Gedanken, Gott habe ihn wegen seiner Schuld, die er dauernd in krankhaft gesteigertem Maße vor sich sieht, verstoßen, so daß er ewig verloren sei. Er wird völlig von dem Gedanken beherrscht, nicht mehr leben zu können und nicht mehr leben zu dürfen, ja es sei Gottes Wille, daß er aus dem Leben gehe, um seine Schuld zu büßen. Alle vernünftigen Gedanken sind mehr und mehr ausgelöscht. Wenn er dann zur Tat schreitet, weiß er nicht mehr, was er tut. Er befindet sich in einem Zustand geistiger Verwirrtheit. Eine solche kann ganz plötzlich über ihn kommen, während er unter Umständen noch kurz vorher eine klare Unterhaltung hatte führen können. Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung ist die Tatsache, daß der Kranke, falls ihm sein Vorhaben nicht gelang, oft keine Erklärung für sein Handeln geben kann, ja sich des Vorgangs nur dunkel zu erinnern weiß. Vor allem ist er sich dessen oft nicht bewußt, daß der Feind die Krankheit benützt, um ihn umzubringen. Wir müssen annehmen, daß Gott es dem Feinde erlaubt, den Kranken zu diesem Schritt zu veranlassen, diesem aber die Tat nicht als Schuld anrechnet. Gott urteilt und handelt oft ganz anders, als wir Menschen es tun und es begreifen können. Den Grund dafür wissen wir nicht und brauchen ihn auch nicht zu wissen, Seine Wege sind unerforschlich. Nur das wissen wir: "Von Ihm und durch Ihn und zu Ihm sind alle Dinge" (Röm.11,32ff). Auf keinen Fall steht es uns daher zu, einen Menschen zu richten, wenn wir dessen Handeln nicht verstehen. Wenn aber der Feind der Meinung ist, er könne den gläubigen Schwermütigen, den er zum Selbstmord verführt hat, an seinen Herrn, den Satan, ausliefern, so täuscht er sich. Es ist für mich kein Zweifel, daß Gott eine solche Tat zuläßt, weil der Kranke nidit in Satans Hände, sondern in die offenen Arme Gottes fällt, zumal wenn er zuvor den Namen des Herrn anrief (Apg. 2, 21). Wir dürfen es dem barmherzigen Gott unbedingt zutrauen, daß Er einen verzweifelten Schwermütigen, der für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden kann, aufgrund seines Glaubens in Sein Reich aufnimmt, wo es weder Tränen noch Leid noch Geschrei noch Schmerzen gibt. Wenn der Kranke vor Beginn seines Gemütsleidens in lebendiger Verbindung mit seinem Herrn stand, wird er, auch wenn er seinem Leben ein Ende machen zu müssen glaubte, nicht verloren gehen. Denn er wird von Gott nach dem Glauben beurteilt, den er vor seiner Erkrankung gehabt hatte. Der Selbstmord ist in diesem Fall nur ein Scheinsieg des Bösen, der eigentliche Sieger ist Jesus. Es sei ausdrücklich betont: das Gesagte gilt nur für die erblich bedingte Schwermut, nicht für die reaktiven und psychopathischen Depressionen, bei denen der Kranke zwar auch häufig mit Selbstmordgedanken zu tun hat, jedoch bei klarem Bewußtsein bleibt, wenn er zur Tat schreitet. Er ist daher für sie voll verantwortlich zu machen. Nun kann das beschriebene Bild der reinen Melancholie vom Teufel als Einfallstor benutzt werden, weil die seelische Widerstandskraft des Schwermütigen naturgemäß stark herabgesetzt ist. In diesem Falle macht der Kranke nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Angehörigen schwere Vorwürfe und gerät in heftiges Klagen und Murren gegen Gott, oder er ist überzeugt, seinem Leben ein Ende machen zu müssen, weil der Feind ihm einredet, er sei auf alle Fälle verloren, und ihn unablässig mit Selbstmordabsichten plagt, die er oft auch in die Tat umsetzt. Aber auch dieses Zustandsbild ist zu unterscheiden von dem Gemütsdruck des dämonischen Menschen. Ein solcher zeigt sich häufig, wenn der Mensch schwere Versündigungen begangen hat oder wenn okkulte Machenschaften seitens seiner Vorfahren erfolgt sind. Seine Depressionen gehen vor allem mit großer innerer Unruhe und Angst, mit Trotz und Jähzorn und dem Widerwillen gegen alles Göttliche einher. Sie unterscheiden sich daher deutlich von den typischen endogenen Depressionen gläubiger Menschen. Jede Art von Gemütsdruck erfordert daher eine genaue Erforschung der Vorgeschichte des Betreffenden, auch hinsichtlich okkulter Einflüsse, sowie eine eingehende Aufdeckung der Symptome, um eine richtige Beurtelluii zu ermöglichen.

Zur Illustrierung diene ein Beispiel, bei dem die Frage: Schwermut oder Dämonie? schwierig zu beantworten ist. >Der Urgroßvater einer älteren Patientin war zeitweise sehr depressiv und neigte zum Selbstmord. Der Großvater trank viel und erhängte sich im Rausch. Ihr Vater plagte die ganze Familie durch wochenlang anhaltende Verstimmungen, wobei er oft kein Wort sprach oder die Drohung ausstieß, er werde sich eine Kugel durch den Kopf schießen. Im Kreise von Gästen war er äußerst gesellig und liebenswürdig. Die fast immer übliche Unterhaltung der Gäste bestand in Tisch und Gläserrücken, Pendeln, Kartenlegen und Befragen von Verstorbenen, die ihre Antwort durch verschiedenartiges Klopfen des Tisches kundgaben. An all diesen magischen Gebräuchen beteiligte sich auch die Patientin, ohne sich der Bedeutung ihres Tuns bewußt zu sein. Die Mutter ihres Vaters, eine Hebamme, besprach oft Tiere und Menschen. Die Patientin selbst wurde als Säugling bei einer schweren Hautkrankheit zuerst über ein Feuer, auf dem Kräuter verbrannten, gehalten; als dies nichts half, wurde sie von einer Frau mit bald einsetzendem Erfolg besprochen. Die Patientin legte schon als kleines Kind ein scheues und gedrücktes Wesen an den Tag und fühlte sich von jeher einsam, wobei sie sich oft einschloß und mit sich selbst redete. Auch war sie sehr stark beeindruckbar. Als Halbwüchsige ging sie mit einer Kameradin zur Wahrsagerin. Diese erzählte ihr wahre Dinge, die sie auf natürlichem Wege nicht wissen konnte, und sagte ihr auch die Zukunfl richtig voraus. Sie machte eine strenge Erziehung durch mit viel Schlägen seitens ihres Vaters. Einmal erlebte sie, wie ihre Mutter, als diese dazwischentrat, von dem Vater geschlagen und, ohnmächtig geworden, von ihm an den Haaren die Treppe heruntergezogen wurde. So wuchs in ihrem Herzen schon frühzeitig die Furcht vor ihrem Vater und später auch der Haß gegen ihn, besonders als er ihre Mutter in der Ehe betrog. Auch später litt sie viel unter Vereinsamung und unter dem Mangel einer Aussprachemöglichkeit mit ihren Eltern. Mit 25 Jahren versuchte sie das erste Mal, infolge beruflicher Schwierigkeiten aus dem Leben zu gehen, worauf sie in eine Nervenklinik verbracht wurde. Einige Jahre darauf erfolgte nach dem Tode ihrer Mutter der zweite ernsthafte Selbstmordversuch. Sie wurde in ein christliches Sanatorium aufgenommen, wo sie zum lebendigen Glauben an Jesus kam. Ihre Depressionen traten daraufhin, besonders auch durch den Umgang mit einer gläubigen Freundin, weniger häufig auf. Dennoch empfand sie auch in der Folgezeit oft viel Bitterkeit und Murren gegen Gott und hatte schwere Depressionen durchzumachen, in denen ihr das Bewußtsein der Wirklichkeit Gottes und die Gewißheit der Sündenvergebung abhanden gingen. Von dem Gedanken und dem ernsten Willen, ihrem Leben selbst eine Ende zu machen, kam sie nicht los. Auch jetzt noch befällt sie zuweilen ein überstarker Drang, aus dem Leben zu gehen. Sehr schwer ist ihr in den depressiven Zeiten die Unfähigkeit zum Bibellesen und Beten, da sie sich von Gott wie durch eine dicke Mauer getrennt fühlt. Sie klagt dann in völliger Verzagtheit und Verzweiflung Gott an. Auch der Abgrund, der sich in solchen Zeiten zwischen ihr und ihren Mitmenschen auftut, ist äußerst quälend für sie, weil sie das Gefühl hat, von allen mißverstanden und alleingelassen oder gar abgelehnt und verachtet zu werden, so daß sie ihnen ein starkes Mißtrauen entgegenbringt. In den depressionsfreien Zeiten jedoch beseelt sie eine innige Liebe zu Gott. Sie ist überzeugt, daß all ihre Schuld vergeben ist, und kann dafür danken, daß Jesus sie rein und frei gemacht hat. Das Gebet und Bibellesen sowie die Teilnahme am Gottesdienst wie an jeglicher Wortverkündigung ist ihr ein tiefes Bedürfnis. Sie selbst hat dann, wenn auch nach Überwindung starker Anfechtungen, große Freudigkeit, für ihren Herrn zu wirken. Auffallend ist dabei: während sie in ihrem Beruf vor einer großen Schar von Anwesenden ohne jegliche Hemmung zu reden vermag, gerät sie, wenn sie von Gott den Auftrag zur Wortverkündigung bekommt, in das Gefühl völligen Unvermögens hinein, das nur auf seelsorgerlichen Zuspruch hin überwunden werden kann. Hier handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Melancholie auf der Grundlage einer depressiven Veranlagung erheblichen Grades, die durch eine schwere okkulte Belastung eine besondere Färbung bekam. Im Glaubensleben bestand gleichzeitig jahrelang eine dämonische Gebundenheit. Diese ist jedoch infolge der Übergabe der Patientin an Jesus sowie der Lossagung von Satan und der Lösung von dem Bann der Vorfahren seitens des Seelsorgers als

nahezu überwunden anzusehen. Daß ein Rest von Gebundenheit noch vorliegt, zeigt ihr Unvermögen zur Wortverkündigung. Sie deutet dieses, wohl mit Recht, als eine Absicht des Feindes, sie von der Ausführung des göttlichen Auftrages abzuhalten.

4. Neurose oder Dämonie? Gehen wir zu den erlebnisbedingten Seelenstörungen, den Neurosen, über. Es gibt zahlreiche seelisch empfindsame Menschen, die infolge schwerer Erlebnisse ihre Fassungskraft völlig verlieren und dadurch mit allerlei krankhaften Erscheinungen reagieren können: mit großer Unruhe und Angst, mit Weinkrämpfen und Jammern, Schreien und Davonlaufen, Dämmerzuständen und Visionen wie auch mit körperlichen Beschwerden der verschiedensten Art. Auch hierbei wird nicht selten allzu rasch eine dämonisdie Einwirkung angenommen. Aber eine eingehende Erforschung des Seelenlebens führt meist zu dem Ergebnis, daß ein vorher unerklärlicher oder als dämonisch beurteilter Zustand eine natürliche, psychologisch erklärbare Ursache aufweist. So entpuppen sich nicht selten V i s i o n e n des Teufels oder angebliche Erscheinungen von Jesus und von Engeln als psychisch bedingte Angst oder Wunschvisionen. Eine Patientin z. B., die sich immer den Tod wünschte, sah eines Nachts den Tod als skelettartige Gestalt an ihrem Bett stehen. Als sie infolge dieses Erlebnisses große Angst vor dem Teufel und dem jüngsten Gericht bekam, sah sie bei Nacht den Bösen vor sich, der sie holen wollte. Eine Dämonie lag hier nicht vor; denn als der Patientin diese Zusammenhänge aufgedeckt wurden, verschwanden die Visionen sofort und für immer. Es gibt also nicht nur satanische oder durch Geisteskrankheit hervorgerufene, sondern auch seelisch bedingte Visionen, die streng voneinander unterschieden werden müssen. Ein weiteres Beispiel seelisch bedingter Visionen: Ein gläubiges Mädchen litt an Angstzuständen, innerer Unruhe und dem Unvermögen, zu beten und die Bibel zu lesen. Auch sah sie oft finstere Geister vor sich, die sie verklagten. Sie hielt sich daher für besessen und war innerlich völlig verzweifelt. Ein psychologisch nicht geschulter Seelsorger hätte mit größter Wahrscheinlichkeit eine Besessenheit angenommen und dementsprechend mit ihr verfahren. Die Aufdeckung des Unterbewußten ergab jedoch eindeutig, daß der Zustand von einem bestimmten Erlebnis herrührte. Das Mädchen hatte nämlich eine Frau kennengelernt, die ihr von bösen Geistern erzählt und ihr gesagt hatte, diese würden auf sie übergehen und ihr Unglück bringen. Sie wurde infolge ihrer abnormen Beeindruckbarkeit von diesen Worten tief betroffen und in Angst versetzt. Durch die Klärung der Zusammenhänge konnte sie jedoch völlig beruhigt werden und wurde frei von allen Beschwerden. Damit war zugleich erwiesen, daß ihre vermeintliche Besessenheit nur die Folge einer Angstidee gewesen war. Des öfteren wandten sich Menschen mit Depressionen, innerer Unruhe und Angst an mich. Sie fühlten sich durch angeblich besessene Menschen, mit denen sie zusammenkamen, stark belastet und waren von lebhafter Furcht vor einem Überspringen der feindlichen Mächte erfüllt. Manche von ihnen glaubten sogar, bereits selbst besessen zu sein. Da in sämtlichen Fällen festgestellt werden konnte, daß es sich bei den "Besessenen" nur um Neurosen handelte, konnte ihnen mit Bestimmtheit gesagt werden, daß ihre Befürchtungen unbegründet seien. Als sie sich davon überzeugen ließen, schwanden ihre Beschwerden sehr rasch. Auch Dämmerzustände sind in erster Linie auf seelische Ursachen zurückzuführen und als hysterisch anzusehen. Der Kranke versetzt sich hierbei bewußt oder unbewußt in eine Art Selbsthypnose zu dem Zweck, sich der rauhen Wirklichkeit zu entziehen und in eine Wunschwelt zu flüchten. Erfolgt die Aufdeckung des wahren Grundes, können solche Zustände rasch zum Schwinden gebracht werden. Es ist mir jedoch kein Zweifel, daß es auch dämonisch gewirkte Dämmerzustände gibt. So beobachtete ich bei mehreren Besessenen Dämmerzustände, in

denen sie schrien und tobten, die Bibel zerrissen oder höhnisch lachten, wenn von dem Erlöser Jesus die Rede war. Wenn nach einiger Zeit das Erwachen erfolgte, wußten sie nichts oder nur wenig von dem, was vor sich gegangen war. Auch bei Gottliebin Dittus sowie bei dem philippinischen Besessenen, den Kurt Koch beschreibt, traten während der Gebetskämpfe immer wieder dämonische Dämmerzustände ein. Während also die psychogenen Dämmerzustände aus dem Unterbewußtsein stammen und durch Einwirkung von außen abgebrochen werden können, werden die dämonischen Dämmerzustände vom Teufel zu seinen Zwecken benützt. Sie sind meist so tief, daß ein Aufwecken nicht möglich ist. Bei den spiritistischen Medien handelt es sich zum Teil um seelisch bedingte, zum Teil um dämonische Dämmerzustände. Sogar bei Klopfgeräuschen muß mit einem neurotischen Ursprung gerechnet werden, wenn sie von stark beeindruckbaren, ängstlichen Menschen gehört werden, denen von Spukerscheinungen erzählt wurde. So hörte eine neurotische Patientin immer dann Klopfgeräusche, wenn sie bei Nacht an ihren verstorbenen, ungläubigen Vater dachte; sie fürchtete nämlich, sein Geist könnte auf sie übergehen. Diese Furcht bewirkte in ihr das eingebildete Hören von allerlei Geräuschen. Von den anderen Hausbewohnern wurde das Klopfen nicht wahrgenommen. Wenn nun einerseits zahlreiche dämonisch erscheinende Zustände sich als rein neurotisch erweisen, so müssen andererseits auch manche scheinbaren Neurosen auf eine Dämonie zurückgeführt werden. Hierfür diene das folgende Beispiel: >Ein fünfundzwanzigjähriges Mädchen litt unter öfters auftretenden Zuständen von Gereiztheit, die sich zeitweise zu richtigen Erregungszuständen steigerten und auch mit Selbstmordgedanken einhergehen. Ihr Vater sei vor mehreren Jahren bei einem Unglücksfall tödlich verletzt worden. Von ihrer Mutter sei sie als kleines Kind wegen eines Hautausschlags besprochen worden. Als Ursache ihres Zustandes gab sie das schlechte Verhältnis zu ihrer Mutter an, die sie auch jetzt noch wie ein Kind behandle und beaufsichtige, so daß sie sich völlig unfrei fühle. Sie habe schon oft Mordgedanken gegen sie gehabt. Auch stoße sie die christliche Einstellung ihrer Mutter völlig ab, so daß sie sich vorgenommen habe, niemals ihren Glauben anzunehmen. Sie habe dadurch einen Abscheu vor allen entschiedenen Christen bekommen, die sie geradezu hasse. Durch ihren Beruf sei sie mit einem Mann bekannt geworden, der sie schon mehrmals zu spiritistischen Sitzungen mitgenommen habe. Sie konnte dies bisher ihrer Mutter gegenüber verheimlichen. Auch mit ihren Freundinnen habe sie sich infolge ihrer Gereiztheit verkracht. In dieser Lage habe sie Gott mehrmals gelästert und ihre Mutter verflucht. Der Zustand der Patientin ging entschieden über eine neurotische Protesthaltung gegenüber ihrer Mutter hin¬aus. Auch hysterische Anzeichen waren nicht nachweisbar. Die Angaben wurden völlig sachlich und nüchtern vorgebracht. Eine kürzere therapeutische Behandlung wurde von ihr abgebrochen. Mit Wahrscheinlichkeit stand eine Dämonie leichten Grades im Vordergrund.< Auch die eigenartigen Erscheinungen, die Johann Christoph Blumhardt bei Gottliebin Dittus beobachtete, werden zumeist für eine schwere Hysterie, genauer für eine eingebildete Besessenheit gehalten. Dennoch glaube ich an eine wirkliche Besessenheit bei diesem Mädchen, und zwar einmal deshalb, weil mehrmals fremde Stimmen in höhnischer und gotteslästerlicher Weise in verschiedenen Sprachen, die der Gottliebin selbst unbekannt waren, aus ihr redeten, und ferner, weil häufig Poltergeräusche von neutralen urteilsfähigen Personen festgestellt wurden. So hielten sich sowohl der behandelnde Arzt als auch mehrere Gemeinderäte von Möttlingen bei Nacht in der Wohnung auf, wobei sie Töne, Schläge, Klopfen der verschiedensten Art sowie Bewegungen des Tisches bemerkten. Alles wurde genau untersucht, ohne daß eine natürliche Erklärung dafür gefunden werden konnte. Gerade solche Spukerscheinungen trifft man, wie erwähnt, nicht selten in der Umgebung von Besessenen an. Zu den hysterischen Neurosen zählt auch die eingebildete Besessenheit, deren Verwechslung mit echter Besessenheit schon zu folgenschweren Irrtümern geführt hat. Ein geradezu erschütterndes Bei¬spiel aus neuester Zeit könnte angeführt werden. Ich habe bereits an anderen Stellen kurze Ausführungen über diese Zustände gemacht. Doch sei in diesem

Zusammenhang ebenfalls einiges über die Pseudobesessenheit erwähnt, die nach meiner Erfahrung die echte Besessenheit an Häufigkeit weit übertrifft. Sie hat auch in den Anfängen der Pfingstbewegung eine erhebliche Rolle gespielt, wenn auch damals wirkliche Besessenheitsfälle vorkamen. Auch im Raum der katholischen Kirche gibt es zahlreiche Fälle von hysterischer Besessenheit wohl aus dem Grunde, weil sie dem Besessenheits Phänomen eine große Bedeutung beilegt, während die evangelische Kirche der Frage der Besessenheit nahezu völlig interesselos gegenübersteht. Wenn ein leicht beeindruckbarer Mensch besonders weiblichen Geschlechts in einer Umgebung lebt, in der viel über Teufel, Dämonen und Besessenheit gesprochen wird, oder gar wenn ein wirklich Besessener von sich reden macht, kann ein solcher Mensch von der Angst befallen werden, er könnte selbst vom Teufel besessen sein. Oder er kann in einem vermeintlichen Sendungsbewußtsein von dem unterbewußten Wunsch durchdrungen sein, sich besessen zu fühlen, um durch den Mund der "Dämonen" wichtige Aussagen machen zu können. Dabei vermag er infolge seines lebhaften Vorstellungsvermögens oder seiner Nachahmungsfähigkeit sich vollkommen in die Rolle eines Besessenen zu ver¬setzen, so daß seine Umgebung keinen Zweifel an wirklicher Besessenheit hat. Er windet sich auf dem Boden, tobt, schreit, spricht Schimpfworte, ja sogar Lästerungen aus und spricht verächtlich über den Christenglauben, als wenn der Teufel aus ihm spräche. Wird der "Dämon" vom Exorzisten gefragt, warum er in den Menschen gefahren sei, wie er heiße, ob noch andere Dämonen anwesend seien, wann er ausfahren werde u. a., fällt seine Antwort so aus, wie sie nach seiner Vorstellung der in ihm wohnende "Geist" geben würde. Dabei läßt er meist eine klare Absicht seiner Worte erkennen. So bittet er etwa den Exorzisten, auf die Austreibung zu verzichten, oder er sagt den Termin seines Ausfahrens voraus, oder er läßt den Teufel über seine Verdammnis und über seine Angst vor dem Gericht reden. All diese Aussagen erfolgen in dem Tonfall, der dem "Besessenen" im natürlichen Zustand eigen ist. Nach anhaltendem Gebet und Kampf der anwesenden Beter kann ein wiederholtes auffallendes Aushusten erfolgen, das das Ausfahren der "Dämonen" demonstrieren soll. Ein derartiges Gebaren wirkt in einer suggestiblen Umgebung hochgradig ansteckend. So ist es kein Wunder, wenn ein solcher Mensch eine richtige Besessenheitsepidemie auslösen kann. Bei einer derartigen Verhaltensweise eines vermeintlich Besessenen sind deutliche Unterscheidungsmerkmale gegenüber der echten Besessenheit festzustellen. Zunächst sind die Aussagen bei hysterischer Besessenheit durchaus menschlich gefärbt. Es kann nachgewiesen werden, daß der "Teufel" aus dem "Besessenen" solche Worte redet, die dessen eigener Vorstellungswelt entsprechen oder durch bestimmte Eindrücke von außen in sein Unterbewußtsein gelangt sind. Auch die ausführlichen Selbstgespräche oder die lebhafte Unterhaltung mit dem Seelsorger sprechen für eine Pseudobesessenheit, zumal wenn der Betreffende nicht in einer fremden Sprache redet, die ihm nicht geläufig ist. Nicht zuletzt deutet auf unechte Besessenheit auch der Umstand hin, daß der Betreffende außerhalb der Gebetskämpfe den Eindruck eines seelisch ausgeglichenen, frohen Menschen macht. >Eine abnorm beeindruckbare und sehr suggestible Patientin fiel beim Beten und bei Hausandachten in einen Trancezustand, in dem sie in theatralischer Weise Aussagen des vermeintlich in ihr wohnenden Dämons machte. Dabei konnte festgestellt werden, daß die Trancezustände auf Autohypnose beruhten. Die Stimme, die aus ihr sprach, glich in der Klangfarbe und Sprechweise völlig ihrer eigenen Stimme. Auch der Inhalt ihrer Äußerungen entsprach den unterbewußten Erlebnissen, die nach eingehender Erforschung ihres Seelenlebens aufgedeckt worden waren. Bei ihren Trancezuständen handelte es sich daher nicht um eine dämonische Bewußtseinsstörung, sondern um eine unbewußt erfolgte Vortäuschung. Als die Patientin zur Erkenntnis dieser Zusammenhänge kam, schwanden die Trancezustände samt den "Geisterreden" sehr rasch.<

5. Psychopathie oder Dämonie?

Was haben wir von den anomalen Charakterzügen seelisch abwegiger Menschen zu halten? Denken wir an die Erregungszustände und Wutausbrüche des reizbaren P s y c h o p a t h e n, die Roheiten des Gefühllosen, die Launen des Willensschwachen, die Intrigen und Gehässigkeiten des Hysterischen, die Unwahrheiten des Lügensüchtigen, die sexuellen Verirrungen des sittlich Belasteten, die Gewalttätigkeiten des Alkoholsüchtigen, die Prahlereien des Geltungssüchtigen. Handelt es sich bei diesen Menschen um psychopathische Merkmale, die einer Dämonie ähnlich sehen, oder um eine dämonische Gebundenheit, die im Gewand einer Psychopathie auftritt? Zunächst kann angenommen werden, daß bei den erwähnten Zuständen mit Wahrscheinlichkeit erblich bedingte krankhafte Seelenstörungen vorliegen. Aber gerade seelisch labile und leicht versuchliche Menschen, wie es die Psychopathen sind, sucht der Teufel zu sündigen Handlungen zu verleiten und an sich zu ketten. Er benützt die krankhafte Anlage solcher Menschen als willkommenen Angriffspunkt. So kann ein Psychopath sich gewohnheitsmäßig solchen Sünden hingeben und dadurch in eine dämonische Bindung geraten. Aus diesem Grunde finden wir die Psychopathie häufig in Verbindung mit Dämonie, so daß sich beide Zustände vielfach kaum voneinander trennen lassen. Wir sollten uns daher beim Vorliegen psychopathischer Symptome nicht mit der Annahme einer erblichen Belastung begnügen, sondern uns fragen, wieweit dämonische Einflüsse, etwa infolge einer okkulten Belastung, vorliegen. Wie schwierig die Frage: Psychopathie oder Dämonie? zu klären ist, soll das folgende Beispiel verdeutlichen: >Ein Kriegsversehrter in den fünfziger Jahren war von jeher leicht erregbar und depressiv. Sein Großvater war gedrückt und nahm sich das Leben. Sein Vater war ebenfalls leicht depressiv, dazu oft sehr aufbrausend; er wurde in der Jugend wegen einer Krankheit besprochen. Der Patient selbst war ein unerwünschtes Kind und litt sehr unter der Verachtung seiner Eltern und der Ungerechtigkeit seiner Mitmenschen. Mit 22 Jahren bekam er seine erste Depression. Daraufhin ließ er sich durch eine Wahrsagerin die Zukunft deuten; die Voraussage traf ein. Eine zweite Depression erfolgte nach schwerem Erleben während des letzten Weltkrieges. Sobald er sich von seinen Nebenmenschen nicht verstanden oder ungerecht und lieblos behandelt fühlt, wird er laut und erregt und kann ihnen allerhand Unfreundlichkeiten an den Kopf werfen, so daß diese sich oft von ihm zurückziehen. Dadurch aber wird er noch empfindlicher, wobei er dazu neigt, den anderen die ganze Schuld an seiner Erregtheit zuzuschieben, und ihnen mißtraut, wenn sie sich versöhnlich zeigen. In erregungsfreien Zeiten ist der Patient dagegen ruhig und kontaktfähig, er erkennt, daß er selbst auch schuld hat, bereut ehrlich, den anderen wehegetan zu haben, und sucht sich mit ihnen auszusöhnen. Auch erweist er ihnen Liebe und Hilfsbereitschaft und legt ein echtes christ¬liches Verhalten an den Tag, ja er kann anderen gegenüber öfters ein Zeugnis von seinem Glauben ablegen. Über kurz oder lang gerät er jedoch schon bei einem geringfügigen Anlaß aufs neue in Erregtheit, Ärger, Verzweiflungsausbrüche und Lebensüberdruß. Ist die auslösende Ursache beseitigt oder erfährt er liebevollen Zuspruch, so beruhigt er sich rasch wieder.< Ob es sich hier um eine rein krankhafte Erbanlage (reizbare und depressive Psychopathie) handelt oder ob die okkulte Vorgeschichte eine ursächliche oder auslösende Rolle spielt, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Einige Merkmale zur Unterscheidung von Psychopathie und Dämonie seien jedoch angeführt: Empfindet der Mensch immer wieder aufrichtige Reue über seine Erregungszustände, seine Unwahrheiten und Launenhaftigkeiten, kann von der Annahme einer Dämonie abgesehen werden. Ebensowenig sind Zwangsbefürchtungen und handlungen des Zwangskranken, die ängstliche Selbstbeobachtung des Hypochonders, die Menschenscheu und die Minderwertigkeitsgefühle des Selbstunsicheren, das hemmungslose Benehmen des hypomanischen Psychopathen auf eine Dämonie zurückzuführen. Eine Gewalttat dagegen, die der Patient im Jähzorn unter Fluchen vollbringt, oder eine ausgesprochene Sucht, von der er sich weder lösen kann noch will, ist ein Zeichen dafür, daß der Teufel ihn an sich gebunden hat.

Wenn ferner trotz intensiver Seelsorge keine oder eine nur vorübergehende Befreiung eintritt, ist an eine psychopathische Erbanlage zu denken. Erreicht diese ei¬nen stärkeren Grad, so brechen ihre Merkmale trotz guten Willens des Betroffenen immer wieder durch. Beim Vorliegen einer Dämonie jedoch tritt meist allmählich oder rasch eine befreiende Wirkung ein, wenn der Mensch den Mut aufbringt, in voller Offenheit alles zu bekennen, das Absagegebet zu sprechen und sich von seinen Bindungen zu lösen. 6. Alterserscheinungen oder Dämonie? Auch bei alten Menschen wird die Frage der Dämonie oft aufgeworfen. Da die Verkalkung der Ge¬hirngefäße meist eine Erschwerung der Konzentrationsfähigkeit zur Folge hat, macht sich diese auch beim Beten und Bibellesen bemerkbar. So fehlt dem alten Menschen häufig die Freudigkeit zum Beten, wie sie vorher bestanden hatte. Er muß sich zum Beten zwingen, ja er bringt ein richtiges Gebet oft kaum mehr zustande, obwohl er weiß, wie wichtig das Beten für ihn ist, um die Verbindung mit Gott aufrecht zu erhalten. Er macht sich daher leicht schwere Vorwürfe, daß er nicht mehr richtig im Glauben stehe. Und doch haben solche Erscheinungen nichts mit Dämonie zu tun, sie sind vielmehr ohne Zweifel als krankhaft zu bewerten. Grundsätzlich zu unterscheiden von solchen krankhaften Erscheinungen sind die A n f e c h t u n g e n des Feindes, wie sie bei Gläubigen im Alter, zumal auf dem Kranken und Sterbebett, nicht selten auftreten. Der Teufel weiß, daß der alte Mensch oft genug in beson¬derem Maße für Versuchungen anfällig ist. Um ihn aus der Verbindung mit Gott zu lösen, sucht er ihm einen ausgesprochenen Widerwillen gegen das Beten, wie auch den Zweifel am Wort Gottes und am Glauben einzugeben. So kann den Bibellesenden plötzlich der Gedanke befallen, es sei alles Unsinn, was die Bibel sage. Auch kann der Teufel ihm einreden, er sei verloren, weil Gott ihn verstoßen habe. Oder er wird zu sexuellen Gedanken und Handlungen verführt, deren er sich nur schwer zu erwehren vermag, so daß er oft in Depressionen gerät. Auch können ihm unschöne Erinnerungen aus seinem früheren Leben zu schaffen machen, die das Gefühl der Gottesferne in ihm erwecken. Er selbst hat den Eindruck, als suche der Feind ihn durch all diese Gedanken der Verzweiflung und dem Selbstmord auszuliefern. Doch handelt es sich in solchen Fällen weder um eine dämonische Gebundenheit noch um Besessenheit, da diese letzteren Zustände, wie eingangs besprochen, sich nur bei solchen Menschen finden, die sich bewußt von Gott entfernt haben. Deshalb darf der Gläubige sich im Alter durch solche Anfechtungen nicht bedrücken lassen. Wenn er immer wieder Gott um Hilfe anruft oder dem Feinde im Namen Jesu zu weichen gebietet, schwinden diese Versuchungen meist rasch. 7. Vorsicht bei fraglicher Dämonie ! Durch die bisherigen Ausführungen wurde zu zeigen versucht, wieviele Irrtümer uns unterlaufen können, wenn wir nicht größte Vorsicht bei der Beurteilung einer Dämonie walten lassen. Vorsicht ist daher auf diesem Gebiet ganz besonders erforderlich. Denn die Unterscheidung zwischen Krankheit und Dämonie ist vielfach nicht nur eine schwierige, sondern auch eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Wenn es einerseits nötig ist, der Frage der Dämonie unvoreingenommen und aufgeschlossen gegenüberzutreten, so ist es andererseits dringend geboten, mit der Annahme einer dämonischen Gebundenheit und besonders einer echten Besessenheit größte Zurückhaltung zu üben. Dennoch besteht bedauerlicherweise, wie schon eingangs erwähnt, bei nicht wenigen Gläubigen die Neigung, in unklaren Fällen von seelischen Störungen ohne nähere Erforschung eine Dämonie anzunehmen. Mit dem Wort "besessen" wird vielfach geradezu Mißbrauch getrieben. Bei jedem Vorliegen einer seelischen Belastung wird nur allzu rasch der Verdacht auf Dämonie geäußert. Eine solche ist aber von vornherein fraglich, wenn keine der eingangs angeführten Ursachen nachzuweisen ist. Und selbst wenn deutliche okkulte Machenschaften bei den Vorfahren oder erhebliche Versündigungen bei dem seelisch Gestörten vorliegen, darf dennoch nicht ohne genauere Prüfung eine Dämonie angenommen werden. Entscheidend für diese Diagnose ist nach Ausschluß einer krankhaften Störung allein das Vorhandensein von mehreren der in Abschnitt I angeführten Merkmalen der dämonischen

Gebundenheit und der Besessenheit. Vorsicht bei der Beurteilung ist schon deshalb erforderlich, weil es sich bei den Menschen, bei denen eine Dämonie in Frage kommt, häufig um seelisch sehr empfindsame Naturen handelt. Wenn einem solchen Belasteten ohne eingehende Untersuchung vorgehalten wird, er sei ein Gebundener Satans oder gar er sei besessen, kann dieser durch einen solchen Vorwurf derart stark beeindruckt werden, daß er in schwere innere Unruhe, Angst und Depression gerät. Besonders wenn einem Schwermütigen, dessen Glaubensleben infolge krankhafter Hemmungen erstarrt ist oder der von Lästergedanken geplagt ist, vom Seelsorger gesagt wird, es liege ein teuflischer Bann auf ihm, ist es verständlich, daß ein solcher Kranker nun erst recht sich ewig verloren glaubt, zumal wenn eine "Teufelsaustreibung" zu keinem Erfolg führte. Ich habe in zahlreichen Fällen erlebt, welch ungünstige Wirkungen auf einen seelisch kranken Menschen ausgehen können, wenn er fälschlicherweise als dämonisch gebunden bezeichnet wird. Es ist ein großes Unrecht, wenn ein unter seinem Zustand leidender Gemüts oder Geisteskranker den Vorwurf hören muß, er sei in die Gewalt des Teufels geraten. Wer ohne Kenntnis des krankhaften Seelenlebens und dämonischer Zustände sich ein solches Urteil anmaßt, der handelt höchst voreilig, ja geradezu grausam. So berichtete mir eine Patientin, die in einem christlichen Erholungsheim geweilt hatte, daß während ihres dortigen Aufenthalts ein Gast mit den bekannten Zeichen der Schwermut aufgenommen wurde. Der Hausvater erklärte ihn nach kurzer Unterredung für dämonisch und schickte ihn, als die entsprechende Seelsorge keine Wirkung zeigte, nach wenigen Tagen nach Hause zu¬rück. Ich selbst mußte oft ähnliche Erfahrungen machen. Während wir solchen Menschen, bei denen man eine Dämonie vermuten könnte, zunächst mit Zurückhaltung in der Beurteilung gegenüberzutreten haben, ist es erforderlich, einem einwandfrei dämonisch Belasteten mit aller Deutlichkeit, aber zugleich mit verständnisvoller Liebe zu sagen, daß Satan ihn an sich gekettet oder gar von ihm Besitz ergriffen hat. Selbst wenn er sich gegen eine solche Äußerung wehren oder darüber erschrecken sollte, ist es doch ein heilsames Erschrecken. Denn er muß nun den Feind seiner Seele klar erkennen lernen und gemeinsam mit dem Seelsorger und, wenn möglich, mit Hilfe eines Kreises von Betern ihm zu widerstehen suchen. Weil die Unterscheidung einer krankhaften Störung von einer Dämonie eine hohe Verantwortung in sich schließt, ist in allen fraglichen Fällen die Zuziehung eines gläubigen Nervenarztes oder eines auf diesem Gebiet kundigen und erfahrenen Seelsorgers dringend anzuraten. Aber daneben gilt es, ernstlich um die Gabe der Geisterunterscheidung zu bitten, die eine Gabe des Heiligen Geistes ist (1. Kor. 12, 10). Denn letztlich vermag der Geist Gottes allein uns die rechte Erkenntnis über die uns anbefohlenen Menschen zu vermitteln und uns vor verkehrten Worten und unbedachten Schritten zu bewahren.

IV. Christenglaube und Dämonie Drei Fragen, die viele Gläubige stark beschäftigen, seien zum Schluß besprochen. 1. Kann bei einem Christen eine Dämonie vorliegen? Wenn vielfach die Auffassung geäußert wird, der Teufel könne auch einen Jünger des Herrn an sich ketten, so ist zu sagen, daß in der Bibel kein Beispiel einer Dämonie bei einem an Jesus glaubenden und Ihm im Gehorsam treu bleibenden Menschen sich findet. So zeigt uns Maria Magdalena, die von sieben Teufeln besessen war (Mark. 16,9; Luk. 8,2), daß ein besessener Mensch durch die Verbindung mit jesus freiwerden kann. So wie in Ägypten jedes Haus, dessen Oberschwelle und Türpfosten mit dem Blut des Lammes besprengt war, den Vernichtungsengel nicht zu fürchten brauchte (2. Mose 12,13), so ist jeder, der im Glauben das Blut des

gekreuzigten Christus als Sühnopfer für seine Schuld in Anspruch nimmt, vor einer Bindung an Satan geschützt. Es ist kein Zweifel: der Feind kann den nicht antasten, der durch das Blut seines Herrn gedeckt ist. Wer unter der ständigen vergebenden Gnade Jesu lebt, kann nicht in die Macht Satans geraten (Kol. 1,13.14). Andererseits macht das Schicksal des Ananias und der Saphira wie auch der Fall des Judas Ischarioth deutlich, daß selbst Christen, die der Gemeinde Jesu angehören, oder daß ein von jesus erwählter und zum Dienst berufener jünger, wenn sie dem Geist Gottes bewußt Widerstreben und sich versündigen, ohne die Vergebung zu begehren, immer mehr unter den Einfluß Satans gelangen können, so daß dieser sie schließlich an sich kettet oder gar Besitz von ihnen ergreift. Der Anlaß hiezu war bei Ananias und Saphira ihre Lüge gegen den Heiligen Geist und gegen Gott (Apg. 5,3.4), bei Judas seine Gebundenheit an das Geld und sein wiederholter Diebstahl (Joh. 12, 6; Luk. 12, 3). Solche Menschen können zwar Buße tun wie Judas, der seine Schuld erkannte, bekannte, bereute und wiedergutzumachen suchte. Aber der Feind, der Gewalt über ihn hatte, redete ihm ein, seine Schuld sei zu groß, als daß er noch Vergebung finden könnte; es bleibe ihm daher nichts anderes übrig, als seinem Leben ein Ende zu machen. So unterließ er es, sich mit der Bitte um Vergebung an Gott zu wenden, und vollzog an sich selbst das göttliche Gericht. 2. Kann ein dämonisch Gebundener frei werden und wie geschieht dies.? Oft ist selbst von gläubigen Christen zu hören, Satan habe heutzutage eine solch große Gewalt über viele Menschen, daß sie für die Verkündigung des Evangeliums unempfänglich seien, weil er sie eingeschläfert oder gar zur Gegnerschaft gegen Gott verführt habe. Daher sei auch die Fürbitte für diese Menschen nahezu wertlos; sie seien von solch einer Menge von Dämonen umgeben, daß die Gebete der Christen kaum noch zu Gott empor dringen könnten. Diese Auffassung ist jedoch das Zeichen eines ausgesprochenen Glaubensmangels. Wer mit Vollmacht im Vertrauen auf Jesu Sieg dem Feind entgegentritt und in eindringlichem Ringen für die dämonisch Gebundenen verharrt, der darf mit der Erhörung seiner Gebete rechnen. Wenn der Mensch Jesus als seinen Erlöser und Herrn annimmt und ernstlich bemüht ist, Ihm nachzufolgen, kann er von jeglicher Dämonie gelöst werden. Bei noch nicht allzu starker Gebundenheit tritt die Befreiung oft schon nach einer einzigen oder nach wenigen seelsorgerlichen Unterredungen ein. Allerdings kann die Befreiung sich über eine längere Zeit hinziehen, wenn die Versündigung des Menschen besonders schwer ist oder wenn der Seelsorger sich nicht der ganzen geistlichen Waffenrüstung bedient und es an dem entschiedenen Glaubenskampf fehlen läßt. Ebenso kann eine vollständige Lösung aus den Ketten Satans zunächst ausbleiben, wenn der Gebundene es mit der Übergabe an jesus nicht ganz ernst nimmt und dem Feinde, vielleicht unter dem Einfluß einer ungünstigen Erbanlage, weiterhin einen bestimmten Raum in seinem Herzen gewährt. Ein solcher Mensch kann zwar den Eindruck machen, wiedergeboren zu sein, weil in der Tat eine gewisse Wesensände¬rung bei ihm beobachtet werden kann. Und doch befindet er sich noch in Unkenntnis über die listigen Angriffe und betrügerischen Einflüsterungen des Teufels und erliegt ihnen zeitweise ohne seinen Willen. Er liebt zwar die Sünde nicht mehr, tut aber noch das Böse, das er nicht will. (Röm. 7, 15.19). In diesem Falle bleibt eine R e s t D ä m o n i e bestehen, d. h. der Mensch ist zwar nicht mehr an Satan gebunden, aber der Feind sucht ihn mit allen Mitteln aufs neue durch V e r f ü h r u n g e n an sich zu binden, was ihm noch manchmal gelingt. Die Verführung äußert sich darin, daß die Lieblingssünden des Gebundenen sich noch zeitweise bemerkbar machen. So können etwa Trotz oder Lüge, Unversöhnlichkeit und Bitterkeit, Groll gegen Gott und Menschen, unreine Gedanken und sinnliche Begierden, häufiges Fluchen oder eine abnorm starke Empfindlichkeit mit Kurzschlußhandlungen den Menschen befallen; auch mediale Fähigkeiten bleiben oft noch längere Zeit bestehen. Besonders häufig kommen, auch wenn er nicht depressiv veranlagt ist, Selbstmordgedanken und absichten über ihn. Solche Zustände von Rest Dämonie sind vielfach zu beobachten. Nur ein Beispiel sei angeführt: Eine Patientin hatte von Jugend auf mit schweren sexuellen Verirrungen zu tun. Jahrelang litt sie, besonders unter dem Einfluß ihres dämonischen Vaters, unter eindeutiger teuflischer Gebundenheit. Sie brachte es nicht fertig, sich mit eigener Kraft aus ihr zu lösen, bis schließlich

unter dem Einfluß eines Seelsorgers ihre Hingabe an Christus erfolgte und sie von ihren sünd¬lichen Neigungen frei wurde. Nach einiger Zeit jedoch band der Feind sie wiederum an sich, sie suchte bewußt die Sünde auf, an der sie Gefallen hatte. Dieser Zustand datierte mehrere Jahre. Endlich wurde sie durch die schriftliche Beeinflussung des Seelsorgers und das regelmäßige Hören des Evangeliums Rundfunks so stark beeindruckt, daß sie eine wesentliche Besserung erleben durfte, die seit Jahren anhält. Doch der Teufel läßt sie noch nicht völlig in Ruhe. Jeden Abend vor dem Einschlafen gaukelt er ihr sinnliche Bilder vor und redet ihr ohne besonderen Grund Selbstmordgedanken und Angst ein. Sie aber wendet sich im Gebet zu Gott und gibt dem Teufel zu verstehen, daß sie nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Die Sünde, die ihr jahrelang zum Fallstrick geworden war, verabscheut sie nun, und doch fällt sie ihr noch hin und wieder zum Opfer. Auch die Selbstmordgedanken und Ängste machen ihr immer wieder zu schaffen. Sie selbst ist der Überzeugung, daß der Teufel hinter diesen Gedanken und Rückfällen steht, um sie aufs neue in seine Gewalt zu bekommen. Je mehr jedoch der Geist Gottes in dem Glaubenden Raum gewinnt, um so mehr Siege darf er erleben. Zwar kann der Teufel, wenn er merkt, daß er seinen Einfluß völlig aufgeben muß, letzte schwere Angriffe unternehmen, indem er sein bisheriges Opfer auf jede erdenkliche Weise von dem entscheidenden Glaubensschritt abzuhalten sucht. Er kann dadurch eine erhebliche seelische Krise in dem Betreffenden auslösen und so die Gefahr eines schweren Rückfalles heraufbeschwören. Aber wenn dieser im Verein mit dem Seelsorger die endgültige und völlige Hingabe an den Befreier vollzieht und wenn im Namen Jesu dein Feinde geboten wird zu weichen, trägt zuletzt Jesus den Endsieg davon. Der Glaubende wird allerdings auch weiterhin von dem Feind seiner Seele in Versuchung geführt; aber er behält dabei seinen freien Willen und kann nicht mehr, wie der Gebundene, zur Sünde gezwungen werden. Vielmehr schenkt der Heilige Geist dem Jünger Jesu die Fähigkeit, Satan zu widerstehen und die Sünde zu hassen, so daß dieser schließlich seine ständigen Angriffe aufgeben und fliehen muß (Jak.4,7). Die "feurigen Pfeile des Bösewichtes" prallen an dem Glaubensschild des Wiedergeborenen ab. Denn dieser ist von dem Gesetz der Sünde freigemacht, weil seine aufsteigenden sündlichen Begierden immer wieder durch den Geist Gottes getötet werden (Röm. 8, 2.13). Und wenn er dennoch der Versuchung zum Opfer fällt, bedeutet dies nur eine Überrumpelung. Er hat kein Gefallen mehr an der Sünde, sondern bereut sofort von Herzen seine Schuld und darf der Vergebung gewiß sein, so daß keine unvergebenen Sünden mehr dem Feinde Macht über ihn einräumen können. Weil die Worte "Gebundenheit", "Verführung" und "Versuchung" häufig durcheinandergeworfen werden, ist eine klare Unterscheidung dieser Begriffe erforderlich. Während bei der Gebundenheit und in abgeschwächtem Maße bei der Verführung von Dämonie geredet werden muß, sollte bei der Versuchung das Wort "Dämonie" nicht gebraucht werden. 3. Kann der Umgang mit dämonischen Menschen, besonders die Fürbitte für sie, irgendwelchen Schaden oder gar eine Krankheit verursachen? Diese Auffassung, die immer wieder geäußert wird, ist auf den Glauben an das überspringen finsterer Mächte zurückzuführen. Zum Beweis wird auf die Tatsache hingewiesen, daß manche Menschen bei der Fürbitte für dämonisch Belastete in Angstzustände und innere Unruhe oder in Depressionen und Anfechtungen geraten. In der Bibel wird jedoch an keiner Stelle von einem übergehen von Dämonen auf Gläubige berichtet. Bei der Geschichte von den Söhnen des Skevas (Apg. 19,13 ff.), die vielfach als Beleg für diese Auffassung herangezogen wird, handelt es sich zwar um eine schwere Schädigung dieser Menschen durch einen Dämon. Doch waren sie nicht an Jesus gläubig, sondern sie maßten sich als jüdische Teufelsbeschwörer an, im Namen Jesu die bösen Geister aus Besessenen auszutreiben um ihrer Ehr- und Gewinnsucht willen. Von ihnen gilt das ernste Wort Jesu Matth. 7, 22.23. Ein echter Jünger Jesu braucht jedoch keine Schädigung durch den Teufel zu befürchten. Hiervon ist auch in der Heiligen Schrift nirgends die Rede. Vielmehr verheißt jesus ausdrücklich den Seinen, daß niemand sie aus Seiner und Seines Vaters Hand reißen werde (Joh. 10, 28.29),

ferner, daß Er ihnen Macht gegeben habe über alle Gewalt des Feindes und daß nichts ihnen schaden könne (Luk. 10, 19). Auch Paulus schreibt, daß der treue Herr die an Ihn Glaubenden vor dem Bösen bewahren werde (2. Thess. 3, 3) und daß keine finsteren Mächte sie von der Liebe Gottes zu trennen vermögen (Röm. 8, 3 8.3 9). Auch die vielfach gehörte Warnung vor dem Beten für dämonische Menschen kann biblisch nicht begründet werden. Paulus ermahnt im Gegenteil, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen (l. Tim. 2, 1). Nur eine Ausnahme gibt es, nämlich bei dem, der eine "Sünde zum Tode" begangen hat, indem er jesus in bewußter Verstocktheit ablehnt. Bei einem solchen Sünder rät Johannes von der Fürbitte ab (l. Joh. 5, 16), weil es für diesen keine Vergebung gibt (Hebr. 10, 26 30), nicht aber weil ein solcher Sünder dem Fürbittenden Schaden antun könnte. Daher braucht ein Christ, der mit einem dämonischen Menschen in Berührung kommt oder für ihn betet, nicht in Angst vor Schädigungen zu geraten, falls er in lebendiger Gemeinschaft mit seinem Herrn steht, sich durch das Sühnopfer Jesu frei von Schuld und Bindung weiß und in vollem Vertrauen die erwähnten Schriftworte für sich in Anspruch nimmt. Immerhin ist es sehr wohl möglich, daß ein Christ, der okkult belastet ist oder sich in unvergebene Schuld verstrickt hat, vom Feind angegriffen und in seiner Arbeit für Gott gelähmt wird, wenn er sich in den Kampf um dämonisch gebundene Menschen einläßt. Dafür sei ein Beispiel erwähnt: Ein Seelsorger, der von seinem Großvater her okkult belastet war und in seiner Jugend infolge Krankheit öfters besprochen wurde, war nach seiner Bekehrung nicht klar und vollständig von dämonischen Einflüssen gelöst worden. Als er sich nun an Gebundenen seelsorgerlich betätigte und dabei in Selbstsicherheit geriet, ließ er sich von dem Schmutz, dem er begegnete, beeinflussen, wodurch er in seinem Dienst beeinträchtigt wurde. Dadurch fand der Teufel Gelegenheit, sich an ihm zu rächen und ihn selbst in Gebundenheit zu versetzen. Diese äußerte sich darin, daß er in Groll und Bitterkeit, ja in unversöhnlichen Haß und in Mordgedanken gegen einen Menschen geriet, der ihm beruflich geschadet hatte. Auch wurde er oft von Jähzorn und Rechthaberei befallen, so daß er manchen seiner Nebenmenschen zum Anstoß wurde. Seine Arbeit an den Gebundenen erfolgte ohne Vollmacht und wurde immer mehr gelähmt. Er bereute zwar seine Schuld und doch mußte er gegen seinen Willen dem Feind gehorchen. Jahrelang litt er stark unter dem Bewußtsein der klar erkannten dämonischen Bindung, Schließlich suchte er einen Seelsorger auf, vor dem er in echter Buße ein restloses Bekenntnis ablegte. Er erlangte alsbald die Gewißheit der Vergebung und konnte nach Lossprechung von seinen Bindungen befreit werden. Auch wurde ihm die Kraft geschenkt, den Groll gegen seinen Feind aufzugeben und ihn um Vergebung zu bitten, worauf dieser ihm alles verzieh. Seitdem darf er vollen Frieden und Freude in Gott erfahren und den Sieg Jesu rühmen. Auch wurde ihm neue Freudigkeit zur Arbeit für seinen Herrn geschenkt. Aber auch einen seelisch labilen Jünger Jesu, der im Gebet gegen Satan ankämpft, vermag dieser durch Spukerscheinungen in einen kurzdauernden Schrecken zu versetzen oder ihm Anfechtungen im Glaubensleben einzuflößen oder Zwietracht zwischen ihm und seinem Nächsten zu säen. Jeder, der um dämonische Menschen ringt, muß sich darauf gefaßt machen, daß der Feind sich zu rächen versucht. Aber wer seine heimtückischen Pläne und Einflüsterungen sofort als satanisch erkennt, wird sie auch rasch im Glauben abwehren können. Es wäre für ihn ein Zeichen von mangelndem Gottvertrauen, würde er durch die teuflischen Angriffe sich ernsthaft einschüchtern lassen. Auf keinen Fall darf der Christ die Fürbitte für die Gebundenen fürchten. Dies wäre ein Beweis dafür, daß seine Sorge um das eigene Wohlbefinden größer ist als die Sorge um das Seelenheil des in Ketten Befindlichen. Es ist ihm vielmehr aufgetragen, angetan mit dem Schild des Glaubens, dem Helm des Heils und dein Schwert des Geistes den Kampf mit dem Feind aufzunehmen (Eph. 6,12 17). Wie ist es aber zu erklären, daß tatsächlich manchen Jüngern des Herrn, die für dämonisch Belastete Fürbitte tun oder in nähere Berührung mit ihnen kommen, Schädigungen in Form von schweren und längerdauernden Angstzuständen und Anfechtungen zustoßen? Es handelt sich

nach meiner Erfahrung in solchen Fällen um leicht beeindruckbare, ängstlich veranlagte Menschen. Wenn diese von einem Überspringen von Dämonen hören oder lesen und einen dämonischen Menschen vor sich zu haben glauben, oder wenn sie auf die angebliche Gefahr der Fürbitte für Gebundene hingewiesen werden, befällt sie leicht eine lebhafte Unruhe und Angst, ja sie können sogar körperlich nervöse Beschwerden verspüren, die sie auf dämonische Einflüsse zurückführen. Solche Beschwerden sind jedoch nur durch die Angst vor Schädigungen durch die Feindesmacht hervorgerufen. Dies läßt sich deutlich daran erkennen, daß die Beschwerden nach eingehender Aufklärung und Beruhigung schwinden. Nur wenn der andere auf seiner Meinung beharrt, halten die Beschwerden an. Ein nervlich und seelisch gesunder, mit seinem Herrn verbundener Christ bleibt beim Umgang mit dämonischen Menschen und bei der Fürbitte für sie von körperlichen und seelischen Störungen frei. So konnte Johann Christoph Blumhardt am Schluß seines Gebetskampfes um Gottliebin Dittus seiner Behörde berichten: "So groß auch meine Anstrengung war, so fühlbar war mir ein göttlicher Schutz, indem ich nicht die geringste Ermüdung und Angegriffenheit fühlte, selbst nicht nach vierzigstündigem Wachen, Fasten und Ringen." Ich selbst wie auch eine Anzahl von Mitkämpfern und Mitbetern durften dieselbe Bewahrung beim Kampf um Gebundene und Besessene erfahren. Es erweist sich als eine Tatsache, daß ein wahrhafter Jünger des Herrn, wie bereits erwähnt, vor den Angriffen des Bösen bewahrt bleibt (l. Joh. 5, 18.19). Jesus selbst bittet als der himmlische Hohepriester Seinen Vater, Er möge die Seinen vor dem Einfluß des Teufels bewahren (Joh. 17,15). Und Paulus war bis ins Alter hinein von dem zuversichtlichen Glauben erfüllt, daß der Herr ihn auch fernerhin allen Anschlägen des Bösen entreißen werde (2. Tim. 4, 18). Deshalb hat der Christ, der auf die bewahrende Macht seines Herrn vertraut, keinerlei Anlaß, den Umgang mit dämonischen Menschen zu scheuen und von der Fürbitte für sie Abstand zu nehmen. Gegen einen glaubensstarken Beter kann Satan keine ernstlichen Angriffe unternehmen. Wenn auch der Fürst dieser Welt schwerstes Unheil anzurichten vermag, darf der Jünger des Herrn in freudiger Zuversicht mit Martin Luther singen: Und wenn die Welt voll Teufel wär' und wollt' uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sau'r er sich stellt, tut er uns doch nicht; Das macht: er ist gericht', ein Wörtlein kann ihn fällen. Die Hervorhebungen sind von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, 4. November 2008 www.horst-koch.de info@horst-koch.de Dr. med. ALFRED LECHLER war viele Jahre lang ärztlicher Leiter einer Kuranstalt im Taunus. Durch seine zahlreichen Veröffentlichungen, in denen er akute Probleme und Nöte unserer Zeit aufzeigt und Mittel und Wege zu ihrer Meisterung weist, ist er einem sehr großen Kreis von Menschen aller Lebensbereiche bekanntgeworden. Weitere Titel von Dr. med. Lechler - evtl. unter amazon.de oder booklooker.de Leg deine Nerven in Gottes Hand, 21. Auf l., 48 S. Frei von Angst, 6. Auflage, 32 Seiten. Der Dämon im Menschen, 4. Auflage, 84 S. Briefe an Angefochtene, 3. Auflage, 78 S.

Was sagt die Bibel über die Krankheit und ihre Heilung? 56 Seiten. Belastung und Befreiung –Die seelsorgerliche Behandlung der okkult Belasteten --

Satanismus

Antireligiöser Protest oder dämonische Verstrickung?

Inhalt I. Was ist und woher kommt Satanismus Was ist Satanismus? Woher kommt der Satanismus? Aleister Crowley - der Ideologe des modernen Satanismus Eugen Grosche - der deutsche Großmeister Anton S. LaVey und Kirche des Satans II. Satanismus in Deutschland heute Okkulter Neo-Satanismus Synkretistischer Jugendsatanismus Sexualmagische Gruppen Künstlersatanismus III. Warum wird man Satanist? Machtdurst Wissensdurst Auf der Suche nach Geborgenheit Auf der Suche nach Identität Abenteuer- und Sensationslust Die alte Frage nach Gott IV. Verführer haben viele Gesichter Satanistische Kultur als Motivationsfaktor Mehr als nur Teenie-Spaß Rock my soul in die Hände Satans Erzieher als Verführer Ein Spiel mit dem Feuer V. Ein Vertrag mit dem Satan Der sanfte Einstieg in die Hölle

Mit gesteigerten Interesse zum Sinneswandel Jetzt gehörst Du zu uns Vertrag mit dem Satan VI. Was glauben Satanisten? Dogmatischer Anarchismus als Prinzip Ein Buch der Offenbarung gibt es nicht Gott ist ... Satan - ein Mittel zum Zweck Jesus - der Feind Sünde - die Erfindung der Christen Nicht alle Menschen sind gleich wertvoll Satanistische Feiertage SRA (Satanic Ritual Abuse) Im Käfig der Angst VII. Urteilen ohne zu verurteilen Unschlüssiges Weltbild Protest ohne Kenntnis Fehlende Gotteserkenntnis Satan als Objekt des Anbetung Christusfeindlichkeit Sündlosigkeit als Selbstbetrug Verantwortungslosigkeit Okkulte Abhängigkeit und Besessenheit VIII. Mission an der vordersten Frontlinie Den Auftrag ernst nehmen Christsein gibt es nur als Leben im Kampf Kämpfen - gewußt wie Kämpfen im Angesicht des Sieges Vorwort Seit Jahren überschlagen sich die Berichtserstatter im In- und Ausland. Eine Sensationsmeldung jagt die andere. Da wird von Schwarzen Messen auf den Friedhöfen, Gräberschändung, rituellem Missbrauch, Tier-, ja sogar Menschenopfern geredet. Ganze Schulen sollen von einer unheimlichen Welle okkulten Interesses ergriffen worden sein. Zeitungsüberschriften wie „Immer mehr Jugendliche gehen zum Teufel“ schockieren, ängstigen, rufen Fragen hervor. Als Pastor einer freikirchlichen Gemeinde kam ich zum ersten Mal mit dem Satanismus Mitte der Achtziger Jahre direkt in Berührung. Jemand hatte die Außenwand unseres Gemeindehauses mit antichristlichen Sprüchen und satanistischen Symbolen verschmiert. Meine Recherchen führten mich bald auf die Spur einer Gruppen von Jugendlichen die ab und zu in der Teestube der Gemeinde auftauchten. Sie fielen längst durch ihre auffällige Kleidung und herausforderndes Benehmen auf. Ich sprach sie auf ihr Treiben an und sie überhäuften mich mit Hasstyraden. Satanisten seien sie und in unser Kirche nur, weil sie einen Auftrag haben unsere Kirche zu zerstören. Ein vernünftiges Gespräch schien unmöglich. Alarmiert durch dieses Gespräch schrieb ich den Jugendlichen einen Brief, indem ich sie auf die Konsequenzen eines Paktes mit dem Satan hinwies. Es dauerte nicht lange und zwei völlig schwarz gekleidete junge Männer tauchten eines Tages unangemeldet vor meiner Wohnungstür auf. Im Namen Luzifers verlangten sie von mir sie in die Wohnung zu lassen. Und ohne auf eine Antwort zu warten drängten sie sich in mein

Haus. Ich ging ihnen nach und als wir im Wohnzimmer angekommen waren, hatte ich mich wieder gefangen, hob meine Hand und befahl ihnen im Namen Jesu sich zu setzen. Dieser Name versetzte die noch eben so majestätisch erschienenen Herren in eine große Unruhe. Sie wollten wieder gehen, aber ich zwang sie zu bleiben und den Grund ihres Kommens zu verraten. Alt bekannte Haß-Tyraden und persönliche Drohungen folgten. Später riefen mich jede Nacht irgendwelche Störer an und spülten über mich einen Fluch nach dem anderen. Meine persönliche Begegnung mit Satanisten begann. Viele Jahre sind seither vergangen. Aus dieser ersten Begegnung ist ein Dienst geworden. Denn Menschen, jung und alt, die sich zur Satansanbetung bekennen, begegnet man heute überall da wo man sich mit dem Thema paranormaler Erfahrungen in Vorträgen auseinandersetzt. Man muß nicht erst die Sensationsberichte in der Presse lesen, um zu verstehen, daß Satanismus zu einer festen Größe auf dem Markt religiöser Möglichkeiten in Deutschland geworden ist. Freilich sollte man sich nicht nur auf Grund der Veröffentlichungen in den Boulevardblättern ein Bild über das Phänomen machen, wie Eckhard Türk mit Recht gefordert hat. Aber ob es sich hierbei nur um ein gesellschaftliches Randphänomen handelt, wie er es sieht, daß kann ebenso angezweifelt werden. Die Worte des Begründers der Kirche Satans Anton Szandor LaVey: „Das ist das Zeitalter des Satans! Der Satan regiert auf der Erde“ mögen übertrieben pathetisch klingen, sieht man sich jedoch die rapide Ausbreitung satanischer Kulte in der Welt an, so beginnt man sie ernst zu nehmen. Freilich muß ein solches Ernstsnehmen vor allem von einer weitestgehenden realistischen Beurteilung des Phänomens ausgehen. Beides, übertriebener Sensationismus wie gefährliche Verharmlosung helfen am Ende nicht weiter. Christen sollten sich um die Wahrheit bemühen, weil nur sie am Ende zur Freiheit führen kann (Joh. 8,32). Diese Broschüre ist von einem solchen Verlangen, so objektiv wie möglich das Phänomen Satanismus zu beschreiben, getragen. Doch wie gelangt man zu einem realistischen Bild einer in Geheimtuerei und unzähligen Geheimcodi operierenden Bewegung, die keineswegs zentral organisiert und deshalb sehr unterschiedlich auftritt? Die Gefahr der Verallgemeinerung ist kaum zu vermeiden. Hier ist nicht nur darauf zu achten, daß man nur authentisches Informationsmaterial zur Beurteilung heranzieht und sich prinzipiell von jeder Sensationsberichterstattung fernhält (allerdings ohne die Gefahr zu laufen, dieses Heft zu einer Quelle für esoterisch-okkulte Veröffentlichungen zu machen), sondern auch das sorgfältig selektierte Material „geistlich“ deutet. Der Gemeinde Jesu wurde dafür die Gabe der Geisterunterscheidung gegeben. Diese, heute leider so rar geworden Gabe des Heiligen Geistes ist bei der Beurteilung dämonischer Wirklichkeit unerlässlich. Es ist daher meine Bitte an jeden Christen, der diese Broschüre ließt, den Herrn um eine solche Gabe der Geisterunterscheidung zu bitten. Und natürlich erst recht dann, wenn einem Begegnungen mit Menschen, die satanischen Inhalten anhängen, zugemutet werden. Schnelle Beurteilungen können zu unzuläßlichen Verurteilungen führen. Das Ziel der christlichen Existenz in dieser Welt kann aber niemals Verurteilung der Welt sein, sondern die Erlösung der Menschen. Wer sich mit den Satanisten aus missionarischem Interesse beschäftigt, wird vom tiefen Verlangen, diesen verirrten Seelen zu helfen, getragen. Ein solches bewusstes, aufgeklärtes Vorgehen zu ermöglichen - dafür ist dieses Heft geschrieben worden. Es will aufklären und ermutigen in den Kampf für Menschen zu ziehen, die im Sumpf der Finsternis stecken geblieben sind. I. Was ist und woher kommt Satanismus Was ist Satanismus? Es ist wahrlich nicht einfach das Phänomen Satanismus in wenigen Sätzen zu fassen. Zu unterschiedlich geben sich die verschiedenen Bewegungen, die diese Bezeichnung für sich wahrnehmen. Während die einen eine Anbetung Satans verneinen, sehen andere in Satan Gott,

dem jede Anbetung gebührt. Bob Passantino hat Satanismus wie folgt definiert: Moderner Satanismus ist eine Form religiösen Glaubens und Ausdrucks, die sich der Anbetung Satans bedient, wobei Satan als übernatürliche Person, Gottheit, Teufel, eine übernatürliche Macht, eine natürliche Kraft, oder auch meistens als das Selbst begriffen wird. Andere glauben, daß man den Satanismus viel enger fassen müsse und nur solche Kreise als satanisch verstehen, die den Satan als wahrnehmbare Realität begreifen und anbeten. Klöckner/Tworuschka schreiben: „Als Satanisten im engeren Sinne sind Menschen zu verstehen, die sich ausdrücklich positiv auf Satan als eine individuelle religiöse Instanz beziehen.“ Die weitergefasste Definition Passantinos erscheint mir jedoch gerechtfertigt, auch wenn es dabei um einen „Satanismus mit und ohne Teufel" gehen kann. Sicher darf man dabei den Satanismus nicht einfach mit anderen okkulten Erscheinungen unserer Tage verwechseln: Heidentum, Götzendienst, Hexenkult oder die New - Age Bewegung. Zweifelsohne sind in diesen Bewegungen okkulte Erscheinungen vorhanden, und zum Teil sind sie fest im Okkultismus verankert, und sie stellen eine wahre Gefahr satanischer Beeinflussung dar. Auch funktionieren sie oft als Vorhöfe für den Satanismus. Zum Satanismus im engeren Sinne gehören sie dagegen nicht. Beim Satanismus geht es um unmittelbare Verehrung Satans, auch wenn Jugendliche, die den Satans - Kult praktizieren sich oft überhaupt nicht sicher sind, ob Satan in Wirklichkeit existiert. Aber ihr Kult funktioniert und deshalb gehen sie dem nach. Nur sehr wenige Satanisten praktizieren ihren Kult deswegen, weil sie bewußt von der Existenz Gottes und des Satans ausgehen und sich nun einmal für den Satan entschieden haben. Biblisch gesehen, ist Satanismus die Anbetung des gefallenen Engels namens Luzifer, der hebräisch satanas (Mr. 1,13; Luk. 22,3), griechisch diabolos (Joh. 6,70; 8,44) genannt wird und als Widersacher Gottes und Verführer der Menschen gesehen wird. Er ist der Führer der von Gott abgefallenen Engel (Luk. 10,18) und „der Böse“ (Mt.5,37). Wer sich mit dem Satan einlässt und unter seine Kontrolle gerät, steht grundsätzlich in Opposition zu Gott (Eph. 2,1-3). Woher kommt der Satanismus? Satanismus als organisierte Anbetung des Satans ist eine relativ moderne Erscheinung. Sie baut vor allem auf den anti-religiösen Gefühlen auf, die mit der Aufklärung ins Leben der europäischen Gesellschaft einzogen und Grund für eine Anti-Religion legten, die sich oft nicht nur atheistisch, sondern auch antikirchlich gab. Passantino formuliert richtig: „Die Anti-Religion der Aufklärung legte mit der säkulären Philosophie und der Ablehnung des Christentum den Grund für den modernen Satanismus.“ Inwieweit diese Anti-Religion mit dem Hexenwahn zu Beginn der Neuzeit zu tun hat, ist umstritten, und wird hier nicht behandelt. Dagegen ist der geheime Satanskult in den höchsten Gesellschaftsschichten in Paris der Zeit des Ludwig XIV. gut belegt. Hier versuchte man sich besondere Kräfte durch Schwarze Messen und blasphemisch - obszöne Riten anzueignen. Die Schwarze Messe ist bewußt der christlichen „weißen“, Römisch-Katholischen Messe, nachempfunden. Es fällt auf, daß die satanistische Anti-Religion sich vor allem gegen die Riten der Katholischen Kirche formierte. Haaks haben Recht wenn sie schreiben: „Einen ´protestantischen Satanismus´ dieser Art hat es nicht gegeben.“ Der Grund hierfür wird vor allem in der eher rationalistischen Glaubensweise der Protestanten liegen, deren schlichte und „verkopfte“ Gottesdienste wenig Raum für Mystik und mystische Erfahrungen geben, während das in der Katholischen Messe eher der Fall ist. In den satanischen Messen wurden auch schwere Verbrechen begangen. So gilt als belegt, daß bei den Riten Blut von ermordeten neugeborenen Kindern verwendet wurde. Ein anschauliches Beispiel hierfür stellt die Geschichte von Madame de Montespan, Maitresse Ludwigs XIV, und

Mutter einer Reihe seiner Kinder. Vernachlässigt vom König, versuchte sie seine Gunst zurück zu gewinnen in dem sie zu schwarzmagischen Mitteln griff. Dabei wurden während der Schwarzen Messen auch Kinder geopfert. Es ist anzunehmen, daß dererlei Kulte nicht nur in Paris praktiziert wurden. Das der Teufelskult der Pariser Elite keine europäische Zufallserscheinung gewesen war, zeigt die Wiederbelebung des Interesses für den Satanismus im 19. Jahrhundert, hier vor allem in der Form literarischer Dichtung. Besonders wichtig scheinen die Satanslitaneien Charles Baudelaire und der 1889 in Paris erschienen Roman des Joris K. Huysmans „La-Bas“, einem Freund des gewissen Abbe Boullan, der nachweislich Schwarze Messen, auch mit Menschenopfer abhielt. In Huysmans Roman wird eine Schwarze Messe beschrieben, die bedenkt man die Beziehung des Autors zu Boullan, wohl keine Ausgeburt seiner eigener Phantasien, sondern eine Beschreibung konkreten Geschehens, sein dürfte. Die Verherrlichung des Satans ist hier verbunden mit massiven Lästerungen des Herrn Jesus Christus. Es wird deutlich, daß hier das Interesse für den Satan auf dem Hintergrund einer grundsätzlichen Protesthaltung dem Christentum, Gott und Jesus Christus gegenüber, begründet ist. Bernhard Wenisch spricht an dieser Stelle daher auch vom Protestsatanismus. Protest ist es auch bis heute was viele, besonders jungen Satansverehrer zu aller erst ausdrücken wollen. Zwischen den historischen satanistischen Erscheinungen und dem modernen Satanismus gibt es allerdings nur wenige Verbindungen. Der Amerikaner J. Gordon Melton schreibt: „Der Gegenwärtige Satanismus scheint wenig organisatorische Verbindung zum früheren Satanismus zu haben. Bücher über Schwarze Magie, Satanismus und das Psychische generell scheinen für ihn die Quelle zu sein und die gegenwärtige Psychoszene dient als Vorgabe für satanische Praktiken. Die magischen Schriften Aleister Crowleys haben in vielen Bereichen Einfluß gehabt ...“ Aleister Crowley - der Ideologe des modernen Satanismus Oft als Vater des modernen Satanismus gepriesen, hat der Britte Aleister Crowley (1875 - 1947) wie kein anderer die verschiedenen Strömungen im modernen Satanismus beeinflußt. Crowley entstammte einem überaus frommen Elternhaus, das zu den Brüdergemeinden (Plymouth Brethren) in England gehörte. Gut gebildet, lehnte er bereits früh den Glauben seiner Eltern ab und benahm sich ausgesprochen antichristlich, was seine Mutter dazu bewegte, in ihm das „große Tier“ aus der Offenbarung zu sehen, was ihn nur noch dazu anstachelte, diese Bezeichnung für sich selbst in Anspruch zu nehmen. Mit 20 Jahren begann Crowley ein Studium der Geisteswissenschaften am angesehenen Trinity College in Cambridge, das er jedoch drei Jahre später 1898, ohne Abschluß wieder verließ. Noch im gleichen Jahr schloß sich Crowley einer okkulten Gruppe an, die sich Hermetic Order of Golden Dawn (HOGD - Hermetischer Orden der Goldenen Dämmerung) nannte, um hier sein Interesse für Magie und Okkultismus zu befriedigen. Er wurde in den Orden als Bruder Perdurabo aufgenommen. Der junge Mann war mittlerweile zur festen Meinung gelangt, eine besondere Lebensberufung zu haben: „... das Universum zu dem Zustand trunkener Unschuld und spiritueller Sinnlichkeit zu erlösen.“ Er ließ sich in London nieder und begann hier als Magier zu praktizieren, wobei er immer wieder zu Drogen, Haschisch und Kokain, zurückgriff, um so seine Visionen zu erhalten. Crowley reiste viel. Auf Reisen nach Mexiko, Hawaii, Japan und Ceylon wird er neben seiner Suche nach okkultem Wissen vor allem seiner Rauschgiftsucht gefrönt haben. Im Jahre 1903 heiratete der selbsternannte Magier Rose Kelly, die Tochter eines alten Studienfreundes. Die Hochzeitsreise führte das frischverheiratete Paar nach Ägypten. Hier erhielt Crowley am 8., 9. und 10. April des Jahres 1904 jeweils zwischen 12 und 13 Uhr Mittags seine berühmte Offenbarung durch ein ausserirdisches Wesen namens „Aiwaz“. Auf Grund dieser Offenbarung formulierte Crowley sein legendäres Buch Liber Al Vel Legis (Das Buch des

Gesetzes). Darin proklamiert er das eingesetzte Ende der „christlichen Sklavenmoral“ und den Anbruch eines magischen Zeitalters das unter dem „Gesetz des Theleme“ (Tue was du willst das ist das ganze Gesetz) durch die Einführung einer „Force and Fire“ Religion. Sein ganzes folgendes Leben trachtete Crowley nun danach die Anweisungen dieser Offenbarung im praktische Leben umzusetzen. Er verließ den HOGD wegen Meinungsverschiedenheiten mit deren Leiter Samuel Liddell Mathers und gründete 1907 einen eigenen Orden, den er Argenteum Astrum (Orden des Silbersterns) nannte. Die 90 Mitglieder dieses Ordens übten sich vor allem in der Sexualmagie, die in unvorstellbaren Orgien ausartete. Seine Frau Rose verfiel in Trunksucht und 1909 ließ der Magier sich von ihr scheiden. Zwei Jahre später wurde sie in eine Nervenklinik eingeliefert. Um die Jahrhundertwende lernte er den in Deutschland von dem Wiener Fabrikanten Dr. Carl Kellner (1850-1905) und dem deutschen Theosophen Dr. Franz Hartmann (1838-1912) gegründeten Ordo Templi Orientis (O.T.O) kennen, einen Geheimorden, der eher gnostischen Vorstellungen anhing. Bekannt wurde der Orden vor allem unter dem Nachfolger Kellners Theodor Reuß (1855-1923), der sich intensiv mit der Sexual-Magie des Hinduismus beschäftigte. Reuß lud Crowley im Jahre 1910 ein sich dem O.T.O anzuschließen und bestellte ihn gar zu seinem Nachfolger. 1912 wurde der Britte zum „National Grand Master General“ bestellt. Er selbst nannte sich „Master Therion“ und verstand sich bald als „Bruder Baphomet“ als der eigentliche Führer des O.T.O. Während des Ersten Weltkrieges hielt Crowley sich in Nord Amerika auf und kehrte nach dem Ende des Krieges nach Europa zurück. 1920 zog er nach Sizilien. Hier in der nähe des Fischerdörfchens Gefalu gründete er die Abtei „Thelema“, eine Art Gegenkloster „der Lebensfreude und Lebensbejahung“. Es wurde zu einem Ort der grenzenlosen sexuellen Perversion. Sodomie, Homosexualität, sexuelle Magie und Gewalt jeder Art gehörten zum Tagesprogramm des „Klosters“. Das Schicksal der Frauen, die sich auf Crowleys Sexwahn einließen war immer wieder das gleiche: sie landeten in den Nervenanstalten, verfielen der Trunksucht oder begingen Selbstmord. Die Exzesse in der Abtei drangen nach außen und die italienische Regierung ließ Crowley 1923 ausweisen. Jetzt folgten Jahre der Wanderung durch Deutschland, wo er 1929 Maria Teresa Ferari heiratete, und England. Als die Nationalsozialisten 1935 den O.T.O verboten, ließ Crowley sich im englischen Hastings als Gast eines exzentrischen Lords nieder. Hier starb der „gottloseste Mensch des Jahrhunderts“ am 1. September 1947. Sein geistiger Einfluß sollte aber erst jetzt an Kraft gewinnen. Die Philosophie Crowley ist gnostisch festgelegt. Er glaubt, daß der Mensch in seinem Kern mit dem Urprinzip identisch ist. Im Unterschied zu den fernöstlich beeinflussten Neugnostikern versteht er das Urprinzip nicht geistig, sondern als Lebensdrang, der sich in unendlicher Lust ausleben will. Daher seine schrankenlose Zügellosigkeit bei der Auslebung seiner Leidenschaften. Bald folgten bodenlose Experimente in allerlei Richtung, wobei sexuelle Ausschweifungen den wichtigsten Platz einnahmen. Crowley´s Philosophie ist grundlegend für den modernen Satanismus. Sie zeichnet sich durch drei wichtige Prinzipien aus: 1. Radikale Ablehnung des Christentums; 2. Annahme der absoluten Vorrangigkeit seines eigenen Selbst; 3. Gebrauch der Magie im Interesse eigener Bedürfnisbefriedigung. Dabei spielt die Vergötterung Satans keine Rolle, was immer wieder dazu geführt hat, daß man in Crowley keinen Satanisten zu sehen vermochte. Crowley verehrte weniger Satan, sondern verstand sich selbst als Gott. Folgendes Zitat des Magiers spricht für sich: „Ich bin ebenfalls ein Stern im Raum, einzig und aus mir selbst lebend, eine individuelle, unzerstörbare Essenz; ebenfalls bin ich eine Seele, ich bin identisch mit allem und Nichts. Ich bin in Allem, und alles ist in mir. Ich bin getrennt von Allem und Herr von Allem und eins mit Allem. Ich bin ein Gott, Ich wahrer Gott vom wahren Gott; ich gehe meinen Weg, um meinen Willen zu tun ...“

Bezeichnend ist dabei, daß Crowley glaubte, diese seine Göttlichkeit der in ihm verwirklichten Inkarnation Satans zu verdanken. Im Anschluß an Off. 13 nannte er sich „das große Tier - 666“. Eckhard Türk bezeichnete die Glaubenswelt Crowley mit Recht einen „satanistischen Pantheismus“. Eine Reihe von miteinander konkurrierenden Organisationen sind aus dem O.T.O Crowley´s nach seinem Tod entstanden. Bis heute streitet man sich über seine rechtmäßige Nachfolge. Aber der Einfluß Crowley´s läßt sich sicher nicht mit den O.T.O. Spaltgruppen allein messen. Vielmehr trifft man überall im Satanismus heute auf Spuren seines Denkens. Das gilt sowohl für den organisierten Satanismus als auch für die populär-satanistische Szene. Eugen Grosche - der deutsche Großmeister Die Ideen Crowley´s wurden in Deutschland vor allem vom Berliner Buchhändler Eugen Grosche (1888-1964) alias Gregor A. Gregorius umgesetzt. Viele Grundanschauungen, sowie liturgische Texte im heutigen Satanismus stammen von diesem selbsternannten Großmeister des Okkulten. Grosche, der sich schon früher in verschiedenen esoterischen, spiritistischen und Freimaurerlogen umgetrieben hatte, traf Crowley im Sommer 1925 in Weida, Thüringen und war von dessen Gedankengut seither schwer beeinflußt. Am 8. Mai 1926 gründete er mit vier weiteren Gesinnungsgenossen die „Fraternitas Saturni“, eine Gesellschaft die „einen seltsamen Synkretismus aus vielfältigsten Quellen: Theosophie, Freimaurerei, Luziferianismus, Astrologie, Crowleyanismus, Sexualmagie des O.T.O., indisches Yoga und mittelalterliche Alchemie“ vertritt. Das Herzstück dieser Vorstellungen ist die Annahme, daß die materielle Welt nicht durch einen Gott des Lichtes, sondern einen Demiurgen, der als Abfall einer Weseneinheit von diesem Gott des Lichtes verstanden wird, geschaffen wurde. Der Mensch ist dabei ein Mischwesen, das sich durch Erkenntnis (Gnosis) von der Materie befreien kann und sich in ein Lichtwesen zurückentwickeln kann. Der Weg dahin ist mit 33 Weihestufen verbunden. Eine wesentliche Hilfe erhält er dabei vom Lichtträger, dem Luzifer-Saturn, der nicht als Gegengott, sondern als der aus der Lichtsphäre kommende Lichtträger verstanden wird. Er ist darauf bedacht dem Menschen die befreiende Erkenntnis zu vermitteln. Unmissverständlich identifiziert Grosche Luzifer mit der biblischen Vorstellung des Satans. So wird die Schlange aus 1. Mose 3, die Eva versuchte, durchwegs positiv und als weiblicher Aspekt des Satans interpretiert, gab sie doch der Eva Wissen, während der biblische Gott, der hier als Demiurg verstanden wird, dieses Wissen zu verhindern suchte. So sucht Grosche auch im rituellen Akt der Weihen die Einheit zwischen dem Lichtträger, der Wissen zu geben vermag, und dem nach Erleuchtung trachtenden Menschen zu erzielen. Eine Reihe solcher Rituale orientieren sich an der Sexualmagie Crowley´s. Die Fraternitas Saturni ist seit ihrer Gründung ständig an Zahlen gewachsen. Eine Reihe von Logen operieren heute in Deutschland. Im Jahre 1980 spaltete sich ein Teil des Ordens ab. Die neue Organisation nennt sich Ordo Saturni und stellt sich in der Öffentlichkeit als bewußt nicht satanistisch dar. Lehrmäßig ist jedoch kaum ein Unterschied zu der Muttergesellschaft zu erkennen. Anton S. LaVey und Kirche des Satans So wichtig Crowley, Grosche und andere zum Verständnis des modernen Satanismus auch sind, eine konkret satanistische Bewegung haben sie nicht gegründet. Die Gründung der ersten Kirche Satans gebührt einem Amerikaner, Anton Szandor LaVey, der sich selbst als Hohepriester der Kirche Satans versteht. Geboren am 11. April 1930 erlebte LaVey bereits in seinen Teenagerjahren eine tiefe Enttäuschung mit der christlichen Kirche. Er reiste als Karnevalarbeiter durch die Lande und sah oft, wie Christen sich während der Woche an den Lüsten des Karnevals erfreuten, nur um dann am Sonntag im gleichen Zelt Gott anzubeten. Doch schon am nächsten

Samstag konnte er die gleichen Gesichter unter den sündigenden Karnevalgästen erblicken. Für ihn stand bald fest - das Christentum erzieht die Menschen zu Heuchlern. Bald verließ er für immer die Kirche. Er schloß sich für eine kurze Zeit den Teufelsanbetern, die zum ThelemaOrden der Nachfolger Aleister Crowley gehörten, an. Doch deren Ideen schienen ihn nicht zu befriedigen. In den 1950er Jahren versammelte LaVey in seinem Haus einen Kreis okkult interessierter Personen, die sich „Magic Circle“ nannten und in deren Mitte der Meister seine magischen Künste präsentierte. In den 1960ern wurden diese Vorlesungen und Akte in die Öffentlichkeit getragen. Und schließlich kam es zur Gründung der Satanskirche im Jahre 1966. Wichtig für das Leben der Kirche Satans ist das satanische Glaubensbekenntnis das aus 9 Grundüberzeugungen besteht: 1. Satan verkörpert Befriedigung von Begierden anstelle von Abstinenz. 2. Satan verkörpert vitale Existenz anstelle von bloßen spirituellen Träumen. 3. Satan verkörpert reine Weisheit anstelle von heuchlerischen Selbstbetrug. 4. Satan verkörpert Zuneigung zu solchen die es verdienen anstelle einer Liebe die an Undankbare verschwendet wird. 5. Satan verkörpert Rache anstelle des „auch die andere Wange Hinhaltens“. 6. Satan verkörpert Verantwortung für die Verantwortungsbewusste anstelle der Sorge für psychische Vampire. 7. Satan verkörpert den Menschen als einfach ein weiteres Tier - manchmal besser, viel öfter aber schlechter als solche die auf allen Vieren gehen. 8. Satan verkörpert alle sogenannten Sünden, weil sie alle zur physischen, mentalen und emotionalen Erfüllung führen. 9. Satan ist der beste Freund, den die Kirche je gehabt hat, weil er sie aktiv erhalten hat in allen diesen Jahren. LaVey und seine Kirche gibt sich zwar sehr rationalistisch und preist die eigene Philosophie als einen Weg gegen das Establishment, sonst aber völlig im Einklang mit dem Naturgesetz, aber die Verherrlichung der Sünde und der Gewalt läßt nur allzu leicht erkennen, woher hier der Wind weht. Es ist daher sehr bedenklich, wenn auch christliche Autoren LaVey und seine Ideen eher verharmlosen. Die Church of Satan von LaVey stand Pate zur Gründung einer Reihe weiterer Kirchen, Synagogen und Bewegungen, die sich zur Anbetung Satans bekennen. Die herausragendste dieser Gruppen ist der Temple of Set, geleitet vom früheren Mitarbeiter LaVeys Dr. Aquino. II. Satanismus in Deutschland heute Das wachsende Interesse für den Satan, Schwarze Messen, und was sonst alles mit Satanismus verbunden wird, kann überall in der Welt und Europa, ob West, Ost, Süd oder Nord beobachtet werden. Der bunte Teppich satanischer Gruppen und Bewegungen ist schwer zu greifen. Von einer organisierten und zentral gesteuerten Bewegung kann auf jeden Fall keine Rede sein. Folgende Übersicht satanistischer Gruppierungen in Deutschland ist keineswegs vollständig, da sich die Szene in ständiger Bewegung befindet. Eckhard Türk hat fünf Hauptströmungen des Satanismus im deutschsprachigen Raum festgemacht: Okkulter Neo-Satanismus Synkretistischer Jugendsatanismus Sexualmagische Gruppen Grufties Künstlersatanismus Okkulter Neo-Satanismus

Unter okkultem Neo-Satanismus versteht Türk die Wiederbelebung der konkreten Anbetung Satans, der dann auch als Widersacher Gottes verstanden wird. Andere sprechen hier auch vom „Historischen Satanismus“. Besonders verbreitet ist der Neo-Satanismus in den USA, aber auch in Süd-Afrika. In Deutschland werden die Einflüsse okkulter Satanisten permanent herunter gespielt. Synkretistischer Jugendsatanismus Gemeint ist ein „Mix aus den verschiedensten okkult-magisch-spiritistischen Zusammenhängen“. Satanismus selbstgemacht, bedient sich allerlei okkulter Praktiken, die oft bunt gemischt und lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt, vor allem in der alternativen Jugendszene praktiziert wird. Hier wird der Protest der Jugend gegen das vorherrschende „kirchlich-christliche“ gesellschaftliche Ideal in geheime Rituale und Botschaften gekleidet, die nur selten von den Jugendlichen selbst verstanden oder nachvollzogen werden. Aber das mysteriöse zieht an. Es wird an bestimmten Symbolen, Musikrichtung (Black- und Heavy-Metal) und Ritualen, so zum Beispiel Tier- und Menschenopfer festgemacht. Haack spricht hier mit Recht vom „ambulanten oder latenten Satanismus“. Meist öffnen irgendwelche klassischen Methoden der Geisteranrufung wie Gläserrücken oder Pendeln den Jugendlichen die Tür in die geheimnisumwitterte übernatürliche Welt des Satanismus. Auch gewisse Subkulturen der Jugendszene stellen eine Ausgangsbasis für satanistische Experimente dar. Allen voran müssen hier die Grufties erwähnt werden, die an sich nicht zum Satanismus gerechnet werden dürfen, wenigstens nicht zum harten Kern. Aber der Protest gegen gesellschaftliches Angepasstsein wird hier bewußt mit einer Symbolik und Verhaltensweise zum Ausdruck gebracht, das okkult-satanischen Hintergrund verrät. Sexualmagische Gruppen Als solche gelten alle auf Crowley, Grosche und andere zurückgehenden Gruppen, Logen und Bewegungen, wie die weiter unten diskutierten O.T.O, Fraternitas Saturni und Ordo Saturni und der 1972 in Berlin von Michael D. Eschner (geb. 1949), der sich als Inkarnation Aleister Crowley ´s ausgibt, gegründeter Thelema Orden.

Künstlersatanismus Satanistisches Gedankengut findet heute eine schnelle Verbreitung. Schuld daran haben weniger die sich zum Satanismus direkt bekennenden Gruppen, sondern eine von teuflischer Faszination getragene Kultur, vor allem in Film und Musik. Okkultes, esoterisches und ausgesprochen satanistisches Gedankengut gehört mittlerweile nahezu zu jeder Produktion Hollywoods und anderer westlicher Filmstudios. Besonders im Jugendspiritismus und -satanismus stellt diese Kultur einen besonderen Einstiegpool für den Jugendlichen dar. III. Warum wird man Satanist? Machtdurst Warum werden Menschen Satanisten? Was bewegt sie sich in satanistisches Fahrwasser zu begeben? Was zieht sie im Satanismus an? Eckhard Türk glaubt, daß der angehende Satanist sich vor allem vom Verlangen nach Macht

treiben läßt, daß sich in rebellischer Haltung gegenüber der vorherrschenden Gesellschaft und ihrer Moral, aber auch im Erlebnisdefizit äußert. Der Satanismus scheint auf eine schnelle Art und Weise ein totales Ausleben seiner Selbst zu ermöglichen, wobei nahezu alle Tabus fallen. Das gilt vor allem für den Bereich der Sexualität. Immer wieder begegne ich Menschen, die sich mit dem Satanismus eingelassen haben, weil sie darin eine Quelle erblicken, schnell zu Bereicherung zu kommen. „Satan gibt mir halt alles“, dieser Satz ist Standart. Dann folgen Geschichten wie man zu Geld, zu Sex, zu Macht kommt. „Bei Gott da gibt es Bedingungen, bei Satan ist alles Gratis“, sagte mir ein Junger Mann, der seit Jahren in der Szene ist. „Wer will da nicht einem Herrn gehören, der einfach nur will, was ich will?“ Nicht selten läßt man sich auch auf satanistische Experimente ein, weil man Rache üben will. Das ist besonders in der Gruppe von Menschen der Fall die selbst Leid zu ertragen hatten, oft missbraucht wurden und sich selbst nicht anders wehren können, als nur über die mystische Schiene. So werden dann schnell Opfer zu Tätern. Wissensdurst Ein anderes Motiv stellt das natürliche Verlangen des Menschen nach mehr Wissen dar. Wissen ist bekanntlich auch Macht. Und besonders schwerzugängliches, geheimes Wissen schafft schnell das Gefühl der Superiorität. Wenn dieses Wissen dann noch Themen abdeckt, die sich alle im Bereich des Übersinnlichen, Übernatürlichen befinden, dann glaubt der Wissende eine besonders hervorgehobene Lage gefunden zu haben. Das wenigstens ist das Fazit der heute in den Medien dargestellten Okkult-Möglichkeiten. Und sie machen neugierig. Und nicht selten verspricht dieses neugewonnene Wissen Probleme zu lösen, die sonst nicht zu lösen wären. Gerade im Westen mit seiner technisierten Zivilisation, stehen besonders junge Leute oft vor dem totalen Verlust der Geborgenheit, einer dadurch ausgelösten Angst vor der unsicheren Zukunft. Das Leben erscheint auf einmal völlig sinnlos. Okkultes Wissen scheint in dieser Sackgasse der Existenz eine willkommene Rettung zu bieten. Ein gutes Beispiel hierfür bietet der Fall Sandro Beyer, der im Mai 1993 in seiner thüringischen Heimatstadt Sondershausen von drei Jugendlichen, die sich selbst „Kinder Satans“ nannten, umgebracht wurde. Wie die Journalisten Guido und Michael Grandt in ihrer Dokumentation anschaulich beweisen, stand dieser Mord in direktem Zusammenhang mit den satanistischen Glaubensvorstellungen der Jugendlichen, die sich im Laufe der Jahre aus der Beschäftigung mit okkulten Praktiken formierten. Der Ortspfarrer von Sondershausen, der sich mit den Jugendlichen in seiner Stadt intensiv beschäftigte erzählt: „Damals waren sie Schüler der 6. Klasse. In diesen Jahren hat bei ihnen eine immer intensiver werdende Beschäftigung mit satanischer Literatur, satanischer Musik und satanischen Videos stattgefunden ... Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Wende im Jahr 1989. Sie erleichterte den Zugang zu den Erzeugnissen dieser satanischer Subkultur. So tauchten in Sondershausen dann nach und nach satanische Symbole auf. Jugendliche trugen das Pentagramm oder das umgedrehte Kreuz (Nerokreuz), und oft wußten sie gar nicht um ihre Bedeutung. Geheimnisvolle Treffs auf Friedhöfen und Schwarze Messen folgten.“ Das Resultat dieser Beschäftigung war schrecklich - ein junger Mann mußte sterben. Auf der Suche nach Geborgenheit Der Fall von B. steht für viele andere. Ich lernte ihn am Rande einer evangelistischen Woche kennen. Das einzige Kind reicher Geschäftsleute, sah er sich von kleinauf mit Einsamkeit und Sinnlosigkeit konfrontiert. Freunde hatte er keine. Auch in der Schule nicht. Wenn es Menschen gab, die B. verstanden, so immer nur für eine kurze Weile. Oft dachte der Jugendliche über einen Ausstieg aus dem Leben. Wenn er bloß nicht so feige gewesen wäre ... Da tauchte auf einmal in seiner Schule M., ein sehr vitales und lebensfrohes und merkwürdig schwarz gekleidete Mädchen

auf. Irgendwie hatte sie es auf B. abgesehen. Sie verbrachten immer mehr Zeit zusammen. B. fühlte sich von ihr verstanden, auch wenn er nur wenig aus ihren vertraulichen Mitteilungen über die Powerquellen, kosmischen Energien, etc. verstand. Dann eines Tages folgte die Einladung zu ein „paar Freunden“. Der Weg in den engeren Kreis der Satanisten begann. Satanistische Vorstellungen machten für B. wenig Sinn, aber die enge Gemeinschaft mit den anderen füllte einen Vakuum. Sein Leben schien auf einmal wieder Sinn zu machen und da lohnte es sich auf jeden Fall die Schattenseiten des Geheimkultes in Kauf zu nehmen. Aber Satanismus hinterließ auch bei B. bald dunkle Spuren. Er bekam Angst und landete auf unseren Evangelisation, wo wir dem jungen Mann helfen konnten. Werner Küching von der Schulpsychologischen Beratungsstelle in Essen hat Recht, wenn er feststellt, daß Jugendliche dann zu den Mitteln der Magie greifen „ ... wenn man sich mit üblichen Mitteln nicht mehr in der Lage glaubt, seines Lebens Herr zu werden. Die Jugendlichen leben in einer für sie unsicheren Zeit und versprechen sich durch diese Kulte Macht und Sicherheit.“ Klassisch ist auch der Fall von Frau G. Ich lernte sie anläßlich einer Evangelisation in Westdeutschland kennen. Wie sie mir berichtete, hatte sie seit ihrer Kindheit ein sehr angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter. Zu allem Unglück hatte sie sich noch kurz vor dem Tod der Mutter mit dieser schwer gestritten und dann nicht mehr versöhnt. Die Mutter verstarb und zurück blieben schwere Gewissensbisse, die schlussendlich zur Depression führten. In ihrer Not wandte sie sich an Ärzte, aber nichts schien zu helfen. Da hörte sie eines Tages von einer Bekannten, daß man ihr ja auch ein Treffen mit der verstorbenen Mutter arrangieren könne. Die Frau griff zu, erhielt dann auch eine vom entsprechenden Medium vermittelte Begegnung mit der Materialisation ihrer angeblichen Mutter, sprach sich aus, und ... war seither vom Spiritismus fasziniert. Es dauerte nicht lang und der Weg in den Dschungel des Satanismus begann. Nicht selten wird so und ähnlich das Interesse an okkulten Inhalten in der Schule und im Freundeskreis geweckt. Das in Deutschland am weitesten bekanntgewordene Beispiel ist das der Ricarda S. Auch hier ist der Einstieg in den Satanismus durch die Sehnsucht nach Geborgenheit verursacht. Auch hier sind das die scheinbar harmlosen okkulte Spielchen, die das Interesse wecken und schließlich eine enorme Steigerung des gestörten Selbstwertgefühls verursachen, auch wenn dieses Gefühl von einer grenzenlosen Angst begleitet wird. Doch die Sehnsucht danach verstanden und angenommen zu werden überwiegt. Das Ergebnis ist schrecklich. Auf der Suche nach Identität Wo Kindern Geborgenheit verweigert wird, ob bewußt oder unbewußt, da sind Zweifel an den eigenen Fähigkeiten vorprogrammiert. Folgerichtig stecken viele, wenn nicht die meisten Satanismus-Einsteiger in Identitätskrisen. Unfähig selbst Entscheidungen fürs Leben zu treffen und entsprechende Ziele zu setzen, greifen sie zu „höheren Kräften“, wobei Satan als das mächtigste Symbol für diese Kräfte steht. Wie wichtig die Identitätsfindung für den Prozeß der Okkultisierung der postmodernen Gesellschaften ist, kann vor allem im nachkommunistischen Osteuropa studiert werden. Gerade hier gewinnen die skurrilsten Kulte ihre Anhänger am leichtesten. Das durch den Zusammenbruch der kommunistischen Weltanschauung entstandene Vakuum wird rapide mit okkulten Inhalten gefüllt, weil man jedem rationalistisch anmutendem System mit großer Skepsis begegnet. Der Zusammenbruch der marxistischen Ideologie im Osten mit allen seinen Folgen kann im Westen nur mit dem massenhaften Misstrauen der Menschen den Kirchen gegenüber verglichen werden. Westeuropa lebt in einer nachchristlichen Zeit. Menschen jedes Alters, vor allem aber Jugendliche, verlassen die Kirche und das damit verbundene Christentum, weil sie von hier keinerlei Antworten auf ihre existenziellen Fragen und Bedürfnisse mehr erwarten. Sie suchen diese vielfach ausserhalb ihrer natürlichen Möglichkeiten. Die offizielle Kirche hat aber wenig bis

gar nichts an solchen Möglichkeiten anzubieten. Jugendliche drücken das oft unverhüllt offen aus: „Beim Tischerücken kriege ich Antworten - beim Beten keine.“ Hans-Jürgen Ruppert hat Recht, wenn er den Kirchen „eine gewisse Mitschuld“ gibt an der Flucht der Jugendlichen in die Welt des Okkulten. Anschaulich berichtet Ricarda S. von der völligen Hilflosigkeit der Pfarrer als sie sich ihnen mit ihrem Problem stellte. Sie versuchte einen dieser Pfarrer gar mit einer Pistole dazu zu zwingen Ihr zu helfen. Vergeblich. Wen wundert es, wenn die junge Frau auch nach ihrem Ausbruch aus dem satanistischen Kult, keinen Zugang zur Kirche findet. Die Identitätskrise, die die Menschen in die Fangarme des Satanismus treibt, ist auch und vor allem eine Glaubenskrise. Harald Baer, der Referent für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Katholischen Sozialethischen Beratungsstelle in Hamm folgert daher mit Recht: „Die Okkultexplosion ist ein Protestphänomen gegen ein erstarrtes Christentum.“ Abenteuer- und Sensationslust Zu diesen eher „vernünftigen“ Motiven mischen sich eine Reihe von typischen zeitbedingten Erscheinungen. Wir leben in einer Welt, die unterhalten werden möchte. Sensation, Spannung, Geheimnis, Grusel am Laufband - das sind doch die Elemente aus denen die heutige Unterhaltungsindustrie ihre Produkte strickt. Was ist schon ein Film ohne Mord, ohne Horror, ohne Nervenkitzel? „Fließt da auch genug Blut?“ fragte mich neulich ein Jugendlicher dem ich einen Film empfahl. Wenn nicht, dann lohnt es sich kaum so viel Zeit zu verschwenden. Was aber wenn aber Krimi- und Horrorstreifen nicht mehr „anzutörnen“ vermögen? Wo holt man dann den gewohnten Nervenkitzel her? Bietet da die geheimnisvolle Welt des Übernatürlichen nicht in der Tat eine Lösung? Hat nicht gerade der okkulte Nervenkitzel Schauder zu bieten, der unter die Haut geht? Spannung, Unterhaltung, Mutproben und dann immer wieder Erfahrung, die nirgendwo zu kaufen geht. Eigene Erfahrung. Selbst konsumiert. Auch wenn dabei die Folgen nicht zu übersehen sind. Was macht es schon aus - gerade die Unberechenbarkeit des Okkulten macht den eigentlichen Reiz aus. Die alte Frage nach Gott Warum werden also Menschen Satanisten? Was motiviert sie dazu? Harald Wiesendanger fasst seine gut fundierten Ausführungen dazu wie folgt zusammen: „Wieso ein Jugendlicher überhaupt für Okkultismus ´anfällig´ werden kann, ähnelt insofern der Frage, wieso einer der Durst hat, Wasser trinkt. Bestimmt hat´s ihm schon jemand vorgemacht, vielleicht sucht er darin Ersatz für eine andere Flüssigkeit, womöglich fasziniert ihn auch dieses durchsichtige kühle Nass. Doch in erster Linie trinkt er Wasser, weil er aus Erfahrung weiß, daß es den Durst löscht. Was einen Großteil der Jugendlichen in den Okkultismus treibt, ist Wissensdurst: Gibt es übersinnliche Kräfte und Mächte in und über mir? Kann ich sie beeinflussen? Kontrollieren? Nutzen?“ In den Amtskirchen erhalten sie, wie übrigens auch viele Erwachsenen auf diese Fragen nur selten eine Antwort. Man spricht hier zwar über den Geist Gottes, behauptet sogar aus dem Geist zu sprechen, aber wie und was dieser Geist darstellt, darauf hat man nur sehr komplizierte theologische Formeln, die von den Menschen auf der Strasse nicht verstanden werden. Die einfachen Vorstellungen der Vertreter satanischer Kulte dagegen sind leicht zu verstehen. Und wenn sie dann noch funktionieren, dann ist die Verführung perfekt. IV. Verführer haben viele Gesichter Wie werden Menschen Satanisten? Was sind die Einfallstore des Satans in das Leben der Menschen im einst so christlichen Europa? Eine einfache Antwort ist hier sicher fehl am Platz. Und doch machen die Motive der Einsteiger, wie wir sie oben besprochen haben, deutlich, daß

Satanismus nur deshalb eine so schnelle Verbreitung findet, weil die Menschen auf der einen Seite ihre religiösen Sehnsüchte in der Familie und Kirche nicht gestillt bekommen. Wenigstens glauben sie das. Satanisten dagegen versprechen Taten, Action. Das ist es auch, was besonders jungen Leute am Ende den Einstieg in den Dunstkreis des Satanismus ermöglicht. Ricarda S. beschreibt ihre Erfahrungen mit Worten: „Die Meute hing mir an den Lippen, und die kriegten große Kinderaugen, wenn ich ihnen von den schwarzen Messen erzählte, was da alles passierte und schon passiert war. Wie Tische durch die Luft geflogen waren, das manchmal Blut aus der Wand lief und ER selbst unzweifelhaft anwesend gewesen war. Ich schmückte meine Erzählungen immer ein bisschen aus, und wenn ich wirklich gut war, wußte ich selbst nicht mehr genau, was tatsächlich passiert war und was dabei nur Ausschmückung war. Die Hauptsache war doch, die Meute war fasziniert, und man motivierte sie für die Dienste an SATAN.“ An welchen Lippen hängen nun die Menschen in Europa? Wer sind die Verführer und welche Kanäle benutzen sie? Satanistische Kultur als Motivationsfaktor Satanistisches Gedankengut findet heute eine schnelle Verbreitung. Schuld daran haben weniger die sich zum Satanismus direkt bekennenden Gruppen, sondern eine von teuflischer Faszination getragene Kultur, vor allem in Film und Musik. Okkultes, esoterisches und ausgesprochen satanistisches Gedankengut gehört mittlerweile nahezu zu jeder Produktion Hollywoods und anderer westlicher Filmstudios. Filme wie Ingmar Bergmanns Das Teufelsauge (1960), Roman Polanskis Rosemarys Baby (1968), Ken Russels Der Teufel (1970), William Friedkins Der Exorzist (1973), Richard Donners Das Omen (1976), Kenneth Angers Angel Heart (1986) und andere. Sicherlich ist nicht jeder Filmregisseur der satanistische Motive aufnimmt, Satanist. Ähnlich wie in der darstellenden Kunst, wird hier versucht das Prinzip des Bösen oder auch Rebellischen künstlerisch umzusetzen und findet im Satan das dafür am besten geeignete Symbol. Aber diese Darstellungen werden in der sonst so magisch-empfänglichen populären Kultur nicht immer intellektuell ausgedeutet, sondern konkret in den Erfahrungshorizont übertragen. So wird aus der Besinnung, magisches Experiment und aus der Kunst - Religion. Andere, allen voran Roman Polanski suchten mit ihrem Film bewußt satanistische Inhalte zu vermitteln. In Polanski´s Film Rosemary´s Baby spielte die Rolle des Satans nicht von ungefähr Anton LaVey selbst. Und die Gründung der Satanskirche am 30.04.1966 fiel auf den gleichen Monat in dem Polanski und Sharon Tate (spielte Rosemary) sich liierten. Ein Jahr später wurde Tate Opfer eines satanistischen Ritualmordes. Polanski´s Film verhalf dem Satanismus zur weltweiten Publizität. Auch Kenneth Anger, der seit seiner Jugend ein Schüler Aleister Crowley´s ist, vermittelt mit seinen Filmen ganz bewußt satanistische Inhalte. Die herausragende Bedeutung der Massenmedien für die Verbreitung okkulter und satanischer Vorstellungen ist seit Jahren bekannt. Schon 1988 wies das Landespresse- und Informationsamt der Landesregierung in Nordrhein-Westfallen darauf hin, daß die okkulte Medienschwemme vor allem für die wachsenden Probleme im Bereich des Jugendspiritismus verantwortlich gemacht werden muß. Nach Kultusminister Schwier scheuen einschlägige Verlage „weder Mittel noch Geld, um einen bedrohlichen Kampf gegen die Vernunft zu führen.“ Die Warnungen des Ministers, so scheint es nach mehr als zehn Jahren, verhallten ungehört. Mehr denn je zuvor konzentrieren sich die Massenmedien heute auf mystische, okkulte, ja gar direkt satanische Inhalte. Nicht direkt satanisch, aber auf jeden Fall als ein wichtiges Vorzimmer für satanistische Lust an Grausamkeit stellen die Horrorfilme dar. Die in diesen Filmen gezeigte Bestialität senkt die Verachtung des Menschen vor Mord und Lust am Mord und gaukelt dem Zuschauer einen über jede Kreatur erhabenen Menschentypen vor, der sich zum Herren über Leben und Tod erhebt. In

der Regel fließt neben viel Blut in solchen Filmen auch eine unendliche Kette von übersinnlichen Ereignissen, die die abscheulichsten Verwandlungen von Personen und Tieren in Monster und Drachen der übelsten Art ermöglicht. Dieses Gemisch von Blut, Angst und Okkultismus macht heute etwa 20% aller im Handel und Verleih verfügbaren Videos aus. Der Zusammenhang zwischen rituellem Missbrauch im Satanismus und der Horrorfilmindustrie liegt auf der Hand. Mehr als nur Teenie-Spaß Eine herausragende Rolle bei der Verbreitung satanistischer Inhalte unter Jugendlichen spielen die Jugendzeitschriften wie „Bravo“, „Mädchen“, „Bravo Girl“, „Coupe“ und andere. Seit Mitte Achtziger führen diese Zeitschriften eine regelrechte okkulte Aufklärung der Jugendlichen durch. So stellte die Zeitschrift „Mädchen“ in ihrer November 1986 dreizehn Okkultpraktiken vor. Und „Bravo“ versorgte ihre jungen Leser mit Themen wie „So empfangt ihr Botschaften aus dem Jenseits - Tischerücken“; „Das Pendel sagt die Wahrheit“; „Blitzkurs im Kartenlegen - Blickt in eure Zukunft.“ Als besonders raffinierte Masche erwiesen sich die hier veröffentlichten Foto-LoveStorys, obskure Pseudoreportagen, die aus dem Leben und der Praxis der Hexen, Kartenleger und sonstigen okkulten Praktikern berichten. Welche verheerende Wirkung solche Veröffentlichungen auf ihre jungen Leser haben, dokumentieren die Journalisten Grandt anschaulich. Immer wieder erlebe auch ich im Gespräch mit Jugendlichen, daß sie Ihr Interesse für okkulte Phänomene der Lektüre solcher Veröffentlichungen verdanken. Warum ziehen solche Darstellungen die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auf sich? Es ist die Faszination des Übernatürlichen, des erfahrbaren Übernatürlichen, die hier am Werke ist. Weitergegeben wird sie nicht zuletzt von solchen Lebenserinnerungen, wie sie in den Zeitschriften veröffentlicht werden, auch dann wenn diese Veröffentlichungen auf authentische Erfahrungen zurückgreifen, wie es am Beispiel der Aussteigerin Ricarda S. deutlich wird. Man brauch nur einmal die Internetseiten konsultieren, um zusehen, wie hoch solche Berichte von den Satanisten gehandelt werden. Rock my soul in die Hände Satans Ähnliches muß auch von der seit den 60er Jahren die Jugendkultur dominierende Rockmusik gesagt werden. Hier waren es vor allem Mick Jagger und seine Rolling Stones, die beeinflußt von Kenneth Anger, 1967 mit dem Titel „Their Satanic Majestic Request“ und dem späteren „Sympathy for the Devil“ eine fatale Entwicklung anstießen. Viele Konzerte, vor allem im Bereich der Hardrocks sind seither zu okkulten und satanischen Happenings degradiert worden. Eigene Musikrichtungen, wie Black-, Trash-, und Death-Metal entwickelten sich. Musiker und Gruppen wie Black Sabbath, Black Widow, Ozzy Osborne, Living Death, Slayer, AC/DC, Demon Eyes, Iron Maiden, Alice Cooper, Venom und andere haben eine eigene okkult-satanische Kultur geschaffen, die heute kaum wegzudenken ist. Nicht immer sind die satanistischen Musiker auch wirklich Satanisten, wie das am Beispiel von den Musikern der Black-Metal Gruppe Slayer deutlich wird. Bob Larson berichtet von einer Konzerttournee der Gruppe durch Deutschland, die er als christlicher Journalist begleitete. Dabei fiel ihm die tiefe Kluft zwischen den dämonischgeladenen Konzerten und dem konzertfreien Alltag der Gruppe auf. Slayer-Musiker seien keine Satanisten, stellte der Journalist am Ende der Tournee fest. Die satanischen Inhalte ihrer Lieder ist für sie nur eine Antwort auf ein entsprechendes Interesse der Jugend heute und somit ein Weg gutes Geld zu verdienen. Klingt harmlos, die Folgen bei den so bedienten Jugendlichen, sind jedoch nicht zu übersehen. Bob Larson führt in seinem Buch Fälle von Jugendlichen an, die gerade über Slayer zur bewussten Satansverehrung gekommen sind. Oft verstehen sich die jeweiligen Musiker auch als Missionare einer bestimmten Satanismus-

Richtung wie folgendes Zitat eines Venom-Mitglieds anschaulich beweist. Auf die Frage, warum sie sich ein Satans-Image geben, antwortete er: „Unsere Texte sind vor allem beeinflußt durch ein Buch von Anton LaVey. Er gründete in Amerika die ´Church of Satan´ und das Buch heißt „In a Satanic Bible´ Dieses Buch ist mit Recht die Bibel des Satanismus. Wir verwenden keine Zitate aus diesem Buch, aber wir werden davon stark beeinflußt.“ Besonders im Jugendspiritismus und -satanismus stellt diese Kultur einen besonderen Einstiegpool für den Jugendlichen dar. Erzieher als Verführer In seiner bereits oben erwähnten Presseerklärung warnte Minister Schwier die Lehrer in den Schulen davor, ihre Zöglinge leichtfertig mit okkulten Inhalten zu konfrontieren. Der Verdacht des Ministers war keineswegs aus der Luft gegriffen. Im Oktober 1987 berichtete Der Spiegel von einem spiritistischen Kreis im Raum Bielefeld, der nur aus Pädagogen bestand. Im gleichen Zeitraum kam es zu einer direkten Konfrontation zwischen eine Reihe von Eltern und einem Religionslehrer im Gymnasium Oerlinghausen, in der Nähe Bielefelds, weil diese die Schüler im Unterricht zum Pendeln und anderen okkulten Praktiken anleitete. Als Pastor einer evangelischen Freikirche in der Gegend war ich damals unmittelbar in die Ereignisse involviert. Auch aus anderen Orten wurden ähnliche Vorkommen bekannt. Ein Spiel mit dem Feuer Als eine der stärksten Verführungsmechanismen unter Jugendlichen erweisen sich heute die Fantasy-Rollenspiele, die seit der Amerikaner Gary Gygax Anfang der Siebziger Jahre das Prinzip erfand, heute den Spielemarkt überall in der westlichen Welt beherrschen. „Dungeons and Dragons“, ein Phantasiespiel für 2-6 Personen, daß die Teilnehmer durch eine Reihe von mystischen Erfahrungen leitet und dabei eine breite Palette okkulter Praktiken ganz nebenbei vorstellt, ist seit seiner Erscheinung im Frühjahr 1974 immer noch ein Hit unter den Jugendlichen. Und vor allem unter den Jugendlichen, wie entsprechende Studien in der Bundesrepublik Deutschland beweisen. Gerade diese Altersgruppe vermag noch nicht immer zwischen der Wirklichkeit und der FantasyWelt zu unterscheiden. Die übernommene Rolle wird hier immer wieder in der realen Welt weitergelebt. Bob Larson zitiert einen der vielen Jugendlichen, der seine Erfahrungen auf den Punkt bringt: „Es bereitete mir geradezu ein sadistisches Vergnügen, meine Gegner zu töten. Wenn mich eine böse Gestalt bedrohte, behandelte ich sie unbewußt so, wie mich einer dieser Yuppies in der Schule fertiggemacht hatte. Ich benutzte das Spiel, um meine wirklichen Probleme in der Fantasie zu lösen. In dieser Welt hatte ich die Möglichkeiten, die Ereignisse zu beeinflussen.“ Der Versuch Fantasy-Rollenspiele solcher Machart als harmlose Freizeitbeschäftigung für Jung und Alt darzustellen muß entschieden zurückgewiesen werden. Gygax warnt die Spieler: „Die Beschwörungs- und Zauberformeln sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Spiels. Sie müssen unbedingt laut gesprochen werden.“ Er rät sie daher auswendig zu lernen. In der Tat „D & D läßt sich nur dann mit Erfolg spielen, wenn man den Spielern erlaubt, Gewalt und Magie anzuwenden.“ Fantasy-Rollenspiele führen den Spieler in eine Faszination des Okkulten ein, stellen ohne weiterer Erklärung okkulte Praktiken vor und zwingen die Teilnehmer in ihrer Fantasie zum Mitmachen. Die scheinbar harmlosen Begegnungen mit Dämonen entpupen sich jedoch bald als Realitäten und das magische Instrumentarium als willkommenes Instrument sich solcher Kräfte auch in der Realität zu bedienen. Der Einstieg in eine Beziehung mit satanischen Mächten beginnt. Neben den Fantasyspielen werden seit längerem auch direkt spiritistische Utensilien in Form von

Spiel vermarktet. Das Ouija-Board ist dafür ein klassisches Beispiel. Aufgebaut auf dem Prinzip des Gläserrückens, werden hier Geister herausgerufen und zu verschiedenen Themen befragt. Gerade über das Gläserrücken kommen heute viele Jugendlichen in den Dunstkreis des Satanismus. V. Ein Vertrag mit dem Satan Nicht jeder Mensch, der sich mit okkulten Inhalten auseinandersetzt, ja gar Okkultismus praktiziert wird notwendigerweise zum Satanisten. Aber jeder der Satanist wird beschäftigt sich auch mit okkulten Praktiken. Was ist nun der Weg von bloßer Neugier zur Mitgliedschaft in schwarzen Kultgemeinschaften? Vereinfacht kann hierfür die berühmte Formel Marilyn Fergusons, der amerikanischen New-Age Prophetin angewandt werden. Die Einweihung geschieht, nach Ferguson, nach einem Vier-Stufen-Plan. Die einzelnen Stufen werden als EINSTIEG, ERFORSCHUNG, INTEGRATION, VERSCHWÖRUNG bezeichnet. Es ist eine Art Selbstheilungs- oder Selbsterlösungsweg. Ferguson schreibt dazu: "Während der transformativen Entwicklung werden wir zu den Künstlern unseres eigenen Lebens". Mit der vierten Stufe hat der Mensch dann die "Vollendung", oder auch die totale "Selbstverwirklichung" erreicht. Er wird durchströmt vom neuen, nie vorher gekannten Bewußtsein und Fähigkeit. Nach dem Willen der New-Age Propheten hat er nun seine "Göttlichkeit" wieder erreicht. Hier schließt sich der Kreis um die alte Lüge der Schlange im Paradies, mit der sie Eva und Adam erfolgreich zu Fall brachte. Auch die Schlange hatte behauptet: "Ihr werdet sein wie Gott"(1.Mo.3,15). Der Weg der Transformation ist daher ein schlau ausgeklüngelter Weg der Versuchung, der seine verführerische Schlagkraft bereits unzählige Male bewiesen hat. Ihn zu kennen, bedeutet die Gefahr rechtzeitig zu erkennen und somit fähig zu werden sich dagegen wehren. Der sanfte Einstieg in die Hölle In den seltensten Fällen beginnen Menschen ihre satanistische Karriere als Kinder von Satanisten. Natürlich gibt es diese Fälle auch, aber heute gilt immer noch, daß die große Mehrheit der praktizierenden Satanisten zum Satanismus konvertieren, sprich aus der grauen Masse der „Meute“, wie Ricarda S. sie nennt, dazugewonnen werden. Über Wege und Mittel der Verführung wurde bereits gesprochen. Nicht selten sind die ersten Erfahrungen eher harmlos. Wer aber dann Interesse an mehr Nervenkitzel zeigt, gerät bald in die geschickten Hände der Verführer und der Weg nach unten beginnt. Mit gesteigerten Interesse zum Sinneswandel Was mit Gläserrücken beginnt, weckt schnell Lust auf mehr. Wer einmal die übersinnlichen Kräfte gespürt hat, der wird ständig versucht sein, sie besser beherrschen zu können. Wer einmal mit dem Jenseits Kontakt hatte, hat einen Spalt im Fenster geöffnet, der immer weiter wird. So und ähnlich beschreiben Menschen, die sich mit okkulten Phänomenen beschäftigen, ihre Erfahrungen. „Ich hatte immer wahnsinnige Angst vor den Begegnungen mit den Geistern, aber es ist wie eine Sucht“, sagte mir eine praktizierende Magierin, „je mehr du die von dort kennst, desto stärker wird der Zug.“ Und informieren kann man sich heute an jeder Ecke. Ein Meer an

okkulter und spiritistischer Literatur ist bereits offen zugänglich. Das Internet bringt durch einen Mausklick detallierte Anleitungen in die Einsamkeit der Wohnstuben. Viele der hier beschriebenen satanischen Gruppierungen sind offiziell registrierte religiöse Vereine, die offen und ungeschminkt ihre düstere Propaganda verbreiten dürfen. Interessierte Leute haben schnell Kontakt gefunden. Und der Weg nach unten setzt sich fort. Jetzt gehörst Du zu uns Okkulte Erfahrungen, intensiver Austausch über satanische Verehrung, ermächtigt noch niemand zur Mitgliedschaft in einer satanistischen Gruppe. Im Fall Sandro Beyer handelte es sich offensichtlich um einen okkult interessierte jungen Mann, der jedoch keinen Zugang in die Gruppe fand. Je „satanistischer“ eine Gruppe, je mörderischer die Rituale, desto schwieriger der Zugang. Das bestätigen alle Berichte. In der Regel gelangt man nicht gleich auf eine schwarze Messe, sondern wird über eine Reihe von Erfahrungen dahin geführt. Erst wenn das Vertrauen hergestellt ist, gelangt man in den inneren Kreis der Gruppe. Die Aufklärungsjournalisten Guido und Michael Grandt weisen ausdrücklich darauf hin, daß der Zugang zu den inneren Zirkeln des satanistischen Treibens sehr schwer ist und nur über Vertrauen gelingt. Ist aber ein solches Vertrauen aufgebaut, so beginnt der Weg nach innen, der über Satansweihen, verbunden mit rituellem Missbrauch, Altarsex, bis hin zum Blutvertrag mit Satan geht. Vertrag mit dem Satan Im Gespräch mit Menschen, die sich auf satanistische Rituale eingelassen haben, fällt mir seit einigen Jahren auf, daß diese Menschen eine Art Vertrag mit dem Teufel geschlossen haben, der ihnen den Einstieg in den Satanismus ermöglicht. Auch wenn die Vertragstexte in den Wortformulierungen variieren mögen, ihr Inhalt orientiert sich meist an aus dem Mittelalter stammenden Teufelspakten, wie die Haacks mit Recht bemerken. Folgende Grundmerkmale sind charakteristisch: Der Vertrag wird mit eigenem Blut geschrieben, oder wenigstens unterschrieben. Der Vertrag sieht vor, daß man Christus und seiner christlichen Kirche abschwört und sich bewußt von den sakramentalen Handlungen der Kirche, so z.B. der Taufe, lossagt. Der Unterzeichnende verspricht dem Satan blinden Gehorsam, wobei dieses Versprechen oft mit konkreten Verpflichtungen satanische Sabbate und Schwarze Messen zu besuchen, Opfergaben dem Satans zu bringen und anderes mehr, verbunden ist. In einigen dieser Verträge findet sich gar das Versprechen, jeden Monat ein Kind dem Satan zu opfern. Der Unterzeichnende verpflichtet sich so viele wie möglich Menschen dem Satansdienst zu zuführen. Als Zeichen der Unterordnung bringen Satans Vertragspartner gewisse Symbole an ihrem Körper an, an Augenlidern, in den Achselhöhlen, auf den Lippen, den Schultern oder auf dem Gesäß und bei den Frauen auf den Brüsten und den Schamlippen. Verträge dieser Art müssen sowohl in der Seelsorge als auch generell sehr ernst genommen werden, weil sie gegebenenfalls, besonders unter Einwirkung von Drogen und Alkohol zu Verbrechen führen können. VI. Was glauben Satanisten?

Dogmatischer Anarchismus als Prinzip Was glauben Satanisten? Eine Antwort auf diese Frage würde Bücher füllen, da gemeinsame Glaubensvorstellungen dem Satanismus, der sich prinzipiell individualistisch und ikonoklastisch

gibt, fremd sind. Im Satanismus herrscht in der Tat so etwas wie ein dogmatischer Anarchismus, der sich nicht zuletzt aus Crowleys Gesetz des Teleme ergibt. Nur sehr wenige Ansichten der Satanisten können als Allgemeingut der meisten Vertreter des Teufelskults gelten. Andere Ansichten, die von führenden Satanisten wie LaVey und Manson vertreten werden, sind zwar nicht allgemein akzeptiert, finden aber große Verbreitung. Um diese wenigen Grundsätze soll es nun hier gehen. Ein Buch der Offenbarung gibt es nicht Das Christentum so wie andere Weltreligionen sind Schriftreligionen, d.h. sie bauen ihre Vorstellungen auf einem Text, der als autoritative Basis allen Glaubens gesehen wird. Nicht so im Satanismus. Mit der Ablehnung Gottes als letztgültigen Autorität, lehnen sie auch jede Offenbarung ab, die eine solche Autorität beansprucht. Das gilt nicht nur im Bezug auf die Heilige Schrift, sondern auch im Bezug auf die von LaVey verfasste Satanische Bibel oder den in satanistischen Kreisen so verbreiteten Schriften Crowleys. Die Satanische Bibel wurde, ähnlich der in Rußland von J. Jaroslavskij verfassten Bibel für Gläubige und Ungläubige, vor allem geschrieben, um sich über das Christentum und seine Glaubensvorstellungen lustig zu machen. Erst an zweiter Stelle bietet die Satanische Bibel Grundlagen zum Glauben und Leben eines Satanisten. Diese finden allesamt in der Förderung der Eigeninteressen des Einzelnen ihre Zuspitzung. Crowley´s Grundgesetz wird hier in aller Schärfe angewandt. Wollte also jemand die Anweisung der Satansbibel ernstnehmen und danach leben, so mußte er bald die Autorität dessen, was dieses Buch besagt, in Frage stellen und sich gegen diese und jede andere Autorität erheben. Gott ist ... Wer jede Offenbarung ablehnt, wer so anarchistisch denkt, kann sich natürlich auch kein Absolut vorstellen. Auch wenn die satanistischen Gottesverständnisse sehr unterschiedlich ausfallen, so scheinen sich doch vier Grundtendenzen deutlich abzuzeichnen. 1. Es gibt keinen Gott. Burton H. Wolfe schreibt: „Es gibt keinen Gott. Es gibt keine absolute, allmächtige Gottheit im Himmel die sich da um die Geschicke der Menschen kümmert. Da oben gibt es niemand der dir auch nur ein Stück Scheiße gäbe. Der Mensch ist der einzige Gott. Der Mensch muß belehrt werden sich vor sich selbst und den anderen Menschen für seine Taten zu verantworten.“ 2. Gott ist die Macht der Natur, eine unpersönliche Urwirklichkeit. LaVey schreibt dazu: „Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, daß der Satanist nicht an Gott glaube. Die Vorstellung von einem ´Gott´, wie die Menschen es verstanden haben, hat sich im Laufe der Zeit so oft geändert, so daß der Satanist meist die Definition akzeptiert, die ihm am besten persönlich passt. Menschen haben immer ihre eigenen Götter geschaffen, viel eher als das ihre Götter sie gemacht hätten. ... Für einen Satanisten ist ´Gott´ - mit welchem Namen er auch immer genannt wird, oder auch überhaupt ohne jeglichen Namen - eine ausgleichenden Kraft in der Natur, und nicht ein Wesen daß sich mit dem Leid beschäftigt. Diese mächtige Kraft die das Universum durchzieht und ausgleicht ist viel zu unpersönlich um sich für das Glück oder Misere der aus Fleisch und Blut bestehenden Kreaturen auf diesem Ball aus Dreck, auf dem wir leben, zu kümmern.“ 3. Gott ist das eigene Ich. LaVey schreibt: „Ich bin ein Satanist! Verbeuge dich, denn ich bin die höchste Verkörperung menschlichen Lebens.“ Unumwunden bekennt der Leiter der Satanskirche Gott zu sein. Hendrik M., einer der Mörder von Sandro Beyer aus Sondershausen, schrieb aus dem Gefängnis an seine Freunde: „... Böse sein bedeutet noch viel mehr, als nur ein anderes Image zu haben. Es ist eine Lebenseinstellung ... was wäre dazu angebrachter als eine Religion. So viele Menschen bekennen sich zu irgendwelchen lächerlichen Religionen, warum nicht auch wir. Warum sich nicht zur stärksten Religion bekennen, eine Religion mit sich selbst

als Gott, eine Religion, die wirklich Macht und Kraft verleiht ...“ 4. Satan ist Gott. Diese Vorstellung findet sich so in den wenigsten Dokumenten der Satanisten wieder. Im Jugendsatanismus dagegen wird Satan oft göttliche Verehrung zuteil. Satan - ein Mittel zum Zweck Auch in ihrem Satansverständnis unterscheiden sich die Satanisten von einander. Vier Vorstellungen dominieren allerdings: 1. Die einen stellen sich den Satan als eine natürliche, nicht-materielle Kraft oder Wirklichkeit vor, die entweder neutral, oder auch grundsätzlich schwarz gedacht wird. Burton H. Wolfe beschreibt ihn „nicht als einen stereotypen Genossen, gekleidet in roten Überhang, mit Hörner, Schwanz und Mistgabel, sondern als schwarze Kräfte in der Natur, die die Menschen erst beginnen zu erfassen.“ Diese Kräfte lernen die Satanisten für sich zu instrumentalisieren, weil sie „ein Reservoir“ von Kraft darstellen, die bis jetzt der Menschheit verschlossen geblieben sind. 2. Andere beziehen die Bezeichnung Satan auf sich selbst. So hat sich Aleister Crowley als die Inkarnation Satans verstanden, weil das die logische Folgerung seiner Philosophie der Selbstverwirklichung zu sein schien. Bob & Gretchen Passantino erwähnen einen Fall, wo ein Satanist, gefragt, ob er jemals zu Satan gesprochen habe, antwortete: „Sie sehen Satan gerade an und sprechen zu ihm“. 3. Wieder andere, sehr oft Jugendliche, die mit dem Satanismus spielen, glauben an den Satan so wie er in der Bibel vorgestellt wird, jedoch mit der einen Ausnahme, daß sie ihm alle Qualitäten zuschreiben, die die Heilige Schrift Jesus zuerkennt. Ich erinnere mich noch gut, wie mich zwei völlig in Schwarz gekleidete Jugendliche besuchten und sich als Priester des Satans vorstellten. Gefragt, ob sie denn noch nie die Bibel gelesen haben und nicht wüssten, was die Heilige Schrift solchen Menschen in Aussicht stellt, die sich mit dem Teufel anlassen, antwortete sie: „Wir kennen die Bibel gut, aber alles, was sie darin vom Teufel lesen, ist Lüge. Jesus ist der Teufel und Satan ist Gott. Er ist unser Erlöser.“ 4. Wiederum andere, vor allem Jugendliche aus pietistischen Familien, wissen vom Satan als dem Widersacher Gottes, nehmen aber die biblische Androhung der Höllen-Strafe in Kauf, weil ihnen die Macht, die sie aus der Verehrung Satans erlangen, im Moment wichtiger erscheint. Andreas ist ein klassisches Beispiel dafür. Er rief mich eines Nachts an, weil er die Fratze, die er sah, sobald er in den Spiegel blickte, nicht mehr aushalten konnte. Gefragt warum er sich denn mit dem Satanskult eingelassen habe, sagte er: „Ich weiß, daß Gott mich für meine Taten verdammt, aber Satan gibt mir halt mehr. Wenn ich Geld, z.B. brauche, da muß ich ihn nur darum bitten. Ich gehe auf die Strasse, mich überkommt ein Drang einen bestimmten Typen um 50 DM zu bitten und, ob du es glaubst oder nicht, der gibt mir den Schein, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Mit Gott funktioniert so was nicht.“ Jesus - der Feind Ähnlich wie Satan, sehen die Satanisten auch Jesus. Steht Satan für die Quelle der Lustbefriedigung, so ist Jesus ein Symbol für das Gegenteil. „Der Jesus Christus des Christentums ist das Gegenteil von alledem, was die Satanisten sein wollen.“ Auch da wo man an die historische Existenz Jesu nicht glaubt, steht sein Name für den Feind an sich. Anton LaVey, der jegliche Historizität der Person Jesu ablehnt, wird obszön und abfällig, sobald es um diesen Namen geht. Er nennt unseren Herrn Jesus Christus einen „Wahren Prinzen des Bösen den König der Sklaven.“ Einen Erlöser wie Jesus brauchen sie nicht. In den Worten LaVey´s: „Sag es zu deinem eigenen Herzen: ´Ich bin mein eigener Erlöser.“

Sünde - die Erfindung der Christen Der Satanist glaubt keinen Erlöser zu brauchen, weil er grundsätzlich jede Vorstellung von der Sünde ablehnt. Sünde ist die Erfindung der Christen, weil sie auf diese Weise die Menschen und ihre Wege zur Bedürfnisbefriedigung kontrollieren können. In dem bestimmte Verhaltensweise als Sünde bezeichnet werden, wird dem Menschen ein schlechtes Gewissen eingetrichtert, daß den Glauben an seine eigenen Möglichkeiten und seine eigene Kraft mindert. Das Resultat ist ein sklavisches Dasein, ein Leben in Komplexen, eine Existenz ohne Erfüllung. Der Satanist, der Selbstvergötterung zum eigentlichen Ziel seiner Religion macht, wird daher jede Minderung seiner eigenen Möglichkeiten als Angriff werten. Daher die exzessiven Ausfälle in Richtung christlichen Sündenverständnisses. Konsequenterweise bezeichnet LaVey das Kreuzsymbol der Christen abfällig: „Festgefahrene Inkompetenz, aufgehängt an einen Baum.“ Nicht alle Menschen sind gleich wertvoll In der Sicht der Satanisten sind nicht alle Menschen gleich. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen solchen, die erleuchtet worden sind (Satanisten) und solchen die sich jeder Erleuchtung verweigern. LaVey würde sich am liebsten all derjenigen die sich seiner Philosophie nicht beugen entledigen. Selbstbefriedigung auf Kosten anderer, minder einzustufender Personen, ist nicht nur akzeptiert, sondern geradezu geboten. Nur so kann eine gewisse Reinigung der Menschheit stattfinden. Satanistische Feiertage Das Leben eines Satanisten kennt besondere rituelle Höhepunkte, die sich meist um die besondere Feiertage gruppieren. So versammeln sich am 6. 6. jeweils um 6 Uhr morgens Tausende von Satansjüngern an den Orten „geistlicher Energie“ um Luzifer Ehre zu erstatten. LaVey nennt fünf Hauptfeiertage seiner Kirche, die da wären: 1. Der Geburtstag des jeweiligen Satanisten. LaVey sagt dazu: „Der wichtigste aller Feiertage in der satanistischen Religion ist das Datum des jeweils eigenen Geburtstags... Der Satanist empfindet: Warum nicht einfach ehrlich sein und wenn du schon einen Gott in dein eigenes Ebenbild schaffst, warum dann nicht diesen Gott als dich selbst schaffen. Jeder Mensch ist ein Gott, wenn er sich nur dafür entscheidet einer zu sein.“ 2. Frühlingsbeginn oder Walpurgisnacht. 3. Herbstbeginn oder Halloween 4. Der Sommer Solstice 5. Der Winter Solstice. Es ist wichtig für einen Christen sich von der Teilnahme an solchen Feierlichkeiten, auch wenn sie mit einem Hauch des Spiels und Harmlosigkeit versehen werden, fernzuhalten. Ein Greuel vor Gott Die Heilige Schrift ist sehr klar, wenn es um okkult-satanistische Praktiken geht. Im Alten Testament findet sich in 5. Mo 18, 9ff der locus classicus in Sachen Okkultismus, der explizit drei wesentliche Elemente des modernen Satanismus als Greuel vor Gott verbietet: Wahrsagerei, Magie und Spiritismus. Es heißt hier: "Wenn du in das Land kommst, das dir der Herr, dein Gott, geben wird, so sollst du nicht lernen, die Greuel dieser Völker zu tun, und nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn

oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut, der ist dem Herrn ein Greuel, um solcher Greuel willen vertreibt der Herr, den Gott, die Völker vor dir." Wer sich also mit satanistischen Inhalten beschäftigt und entsprechenden Praktiken nachgeht, der macht sich zum Feind Gottes, eine überaus bedauernswerte Entscheidung. VIII. Wenn Spaß zum bitteren Ernst wird Die Folgen der Beschäftigung mit Satanismus sind vielfältig und hängen natürlich von der Intensität und der tiefe der Beziehung des Opfers zum Kult ab. Zu unterscheiden sind: Soziale Störungen Psychische und Körperliche Störungen Okkulte Abhängigkeit Besessenheit Der Weg in die gesellschaftliche Isolation Die oben vorgenommene Darstellung satanistischer Praktiken hat deutlich gemacht, wie die Opfer dieser Schwarzen Kulte auf der Suche nach Geborgenheit und Akzeptanz immer mehr in eine gefährliche Isolation von ihren Mitmenschen hineinmanövriert werden. In der Tat kann es im Satanismus keine Gemeinschaft geben. Ausdrücklich beschreibt Ricarda S. in ihrer Biographie wie die Gruppe sich gegen jede Versuchung der Nächstenliebe, ja Liebe überhaupt, zu Wehr setzt. Unter anderem beschreibt sie eine solche Situation mit folgenden Worten: „Der Haß hat mir gut geholfen gegen meine Angst. Aber ich merkte, daß mein Haß, mein wahrer Wille noch ganz schön löcherig war. Und nicht nur bei mir. Die anderen hatten immer noch ganz schön Angst. Gabi war mal nach einer Schwarzen Messe völlig außer sich. Krischan hatte diesmal unglaublich stark geblutet, und Gabi hatte Angst, daß er das nicht überlebt. Wir standen im Zimmer, sahen uns an, fingen beide an zu weinen und haben uns umarmt. Wir haben uns einander festgehalten. Das war nach den Regeln aber streng verboten, und als dann jemand ins Zimmer kam, ließen wir uns sofort los. Ich schrie Gabi gleich an, sie sollte sich nicht so anstellen. Michael, der hereingekommen war, grinste nur verächtlich.“ Keine Schwächen, keine Liebe, keine Beziehung - wen wundert’s dann, wenn Menschen, die sich mit satanistischen Inhalten und Gruppen beschäftigen, am Ende einsam, beziehungsunfähig, verhaltensgestört und sonst sozial gestört dastehen. Die Geschichten jener Frauen, die sich auf den Grandmaster des modernen Satanismus Aleister Crowley einließen, bieten alles, was man sich an sozialem Tod im Leben eines Menschen vorstellen kann. Im Käfig der Angst Die zunehmende persönliche Isolation, das Gefühl mit den eigenen Erfahrungen allein zu stehen und erstarrt auf eine übernatürliche Kraft zu blicken, ohne sie jedoch sehen zu können, löst bei den meisten satanistisch aktiven Menschen große Ängste aus. Ich kenne aus meiner seelsorgerlichen Praxis keinen Menschen der sich auf dem Satanismus einließ und dabei nicht durch kaum zu bewältigende Ängste gegangen ist. Man fühlt sich verfolgt, hört Stimmen und Schritte; kann sich oft überhaupt nicht mehr konzentrieren und hat große Probleme beim Schlaf. Petra, eine junge Frau, die in den Bann okkulter Mächte geraten war und die in meine Seelsorgepraxis kam, bringt ihre Erfahrungen auf den Punkt: „Ich kann praktisch überhaupt nicht mehr allein in Räumen bleiben, ganz geschweige von dunklen Räumen. Spüre eine unsichtbare und mir angstmachende Gewalt um mich herum. Manchmal spüre ich körperliche, kalte Berührungen. Ich erstarre dann vor Angst. Ich höre Stimmen, sehe Fratzen in den Gegenständen und manchmal verwandeln sich diese Gegenstände in furcherregende Fratzen. Sehr, sehr oft

habe ich Mordgedanken. Es ist schrecklich. Mein Leben ist zu einer Hölle geworden.“ Ähnliche Beispiele berichten auch andere Opfer satanistischer Kulte. Oft berichten sie davon, daß ihre Haustiere die Anwesenheit des Geistes in den Räumen in denen sie sich aufhalten spüren. Wie immer diese Erfahrungen gedeutet werden, fest steht die erfahrene Angst ist real. Der Versuch andere, als okkulte Phänomene und eventuell Störungen der Persönlichkeit für solche Ängste haftbar zu machen, wie das seitens der Psychiatrie immer wieder gemacht wird, mag in einzelnen Fällen berechtigt sein, die Masse der okkult belasteten Opfer des Satanismus haben es jedoch mit Ängsten zu tun, die tatsächlich aus der Begegnung mit Geistern herrühren. Das wird spätestens nach der Hinwendung des Menschen zu Christus und die Inanspruchnahme seiner Befreiung deutlich. In der Regel verschwinden solche Ängste sofort, was weniger auf psychische Störungen, sondern auf okkulte Einflüsse schließen läßt. Ist ein Mensch in die Klauen einer Satansgruppe geraten, so steht dieser Gruppe meist ein ganzes Arsenal von Mittel zur Verfügung, diese Person unter ihrer Kontrolle zu behalten. Viele Aussteiger berichten, daß sie in Kreis der satanistischen Rituale dank ihres Drogenkonsums geraten waren und daß sie den Eindruck hatten daß sie unter Drogen gesetzt wurden, weil sie so viel eher gefügig gemacht werden konnten. Drogen gehören besonders zu dem Erleben der satanischen Gottesdienste fest dazu. Eine andere Methode ist die Androhung der Veröffentlichung während der Sexorgien gemachten Aufnahmen. „Wenn du aussteigest, dann erfahren alle deine Freunde, was du getan hast.“ Bei Kinder droht man oft den allernächsten, z.B. den Eltern Gewalt anzutun, wenn sie über ihre Erfahrungen reden. Sehr oft sind diese Drohungen verbunden mit der Veröffentlichung der von den Opfern begangenen kriminellen Akten. Zu diesen werden sie allerdings gezwungen. Nicht selten handelt es sich dabei um Mord. SRA (Satanic Ritual Abuse) Die schlimmsten seelischen und oft auch körperlichen Schäden bleiben bei Menschen zurück, die rituell missbraucht wurden. Eine der schrecklichsten Erscheinungen im modernen Satanismus ist der psychische, physische und sexuelle Missbrauch der in den Gottesdiensten vollbracht wird. Dieser Missbrauch wird in der Literatur als Ritueller Missbrauch bezeichnet, oder wie das heute weltweit gebrauchte Kürzel SRA vorschlägt, Satanic Ritual Abuse (Satanischer Ritueller Missbrauch). Ritueller Missbrauch ist keineswegs auf satanistische Kreise begrenzt, obwohl man hier die meisten Fälle feststellt. SRA wird auf Kindern wie Erwachsenen ausgeübt, wobei Kinder und Teenager bevorzugt werden. Ich traf M. anläßlich eines evangelistischen Dienstes in Süd-Afrika. Sie wuchs in der Familie praktizierender Satanisten auf. „Ich wurde sehr früh zu Schwarzen Messen mitgenommen“, sagte sie mir. „Fürchterliches muß da passiert sein. Immer wieder stehen vor meinen Augen schreckliche Bilder von zerstückelten Tieren, abgerissenen Hühnerköpfen, schmerzverzerrten Gesichtern von Kindern, die sexuell auf einem Altar missbraucht wurden. Auch ich muß mehrmals missbraucht worden sein. Seit der frühesten Kindheit gerät jede Nacht für mich zur Höllenfahrt. Albträume sind meine schrecklichen Lebensbegleiter. Weder Alkohol, Drogen, noch psychologische Behandlungen haben bis jetzt vermocht, etwas daran zu ändern. Oft wurde alles nur noch schlimmer.“ Die Geschichten, wie sie Opfer berichten, gleichen sich, ob sie nun in den USA, England, SüdAfrika oder Deutschland registriert worden sind. Es handelt sich um Mord, sexuelle und körperliche Gewalt, psychischen Terror. Menschen werden dabei vergewaltigt, gezwungen eigene oder fremde Exkremente und Menschenfleisch zu essen, Blut, oft vermischt mit Urin, zu trinken. Sehr oft werden die entsprechenden Opfer vor den Augen der jeweiligen Person, oder gar auf deren Körper, umgebracht. Fälle gemeldeten rituellen Missbrauchs haben sich

besonders in den USA seit dem Ende der 80er Jahre sprunghaft vermehrt. In einer Reihe von Fällen, wo Opfer über rituellen Missbrauch klagten, stellte sich heraus, daß es sich um einen vorgetäuschten Missbrauch handelte, besonders wenn es um den rituellen Mord ging. Diese Fälle dürfen allerdings nicht als Argument gegen die Tatsache als solche ins Feld geführt werden. Okkulte Abhängigkeit Wer sich auf das Spiel mit den Geistern einlässt, gerät immer in eine Abhängigkeit von diesen Mächten. Freilich muß es nicht immer gleich Besessenheit sein, sprich das Innewohnen eines Geistes im Körper des Menschen. In der Regel führen spiritistische Praktiken jedoch zu einer spürbaren Abhängigkeit des Menschen von den Geistern, die sie rufen. Das kann von massiven Ängsten, unkontrollierten Wutausbrüchen, Anklagen gegen Gott und Mitmenschen bis hin zur okkulten Belastung gehen. In seiner schwächsten Form äußert sich eine solche Belastung in einer Kette von Anfechtungen, in der stärksten wird der Mensch massiv fremdbestimmt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Umsessenheit. Böse Geister üben ihren Einfluß auf die abhängig gemachten Menschen von außen aus, indem sie ihre Gedankenwelt und die Umgebung kontrollieren (Eph. 2,3). Besessenheit Die schlimmste Form okkulter Abhängigkeit ist Besessenheit. Dabei lebt ein oder mehrere Geister der Finsternis im Körper des Menschen. Das Denken, Fühlen und Wollen des Menschen stehen unter dem Einfluß des in ihm lebenden Dämonen (Lk. 22,3-6). Ein klassisches Beispiel der Besessenheit findet sich in Mt. 8,28-34. Die hier beschriebene Gadarener wurden in seinem Verhalten total vom Willen der in ihm lebenden Dämonen bestimmt. Sie sprechen zwar Jesus an, doch es wird schnell sichtbar, daß es nicht die Menschen, sondern, die in ihnen lebende Dämonen sind, die sprechen. Fremdbestimmt und unter ständigem Einfluß der „inneren Stimmen“ sind solche Menschen nur noch bedingt fähig in der Gesellschaft sinnvoll zu leben und befinden sich, wie Neil T. Anderson richtig feststellt oft „in Rehabilitationszentren und Nervenanstalten.“ Ihr destruktives Verhalten ist zu allererst auf die Zerstörung der eigenen Persönlichkeit ausgerichtet (1. Kor. 5,5). Die Bibel nennt eine Reihe von Krankheiten, die auf den Menschen infolge der Besessenheit kommen können: Geisteskrankheit (Mk. 5,1ff), Anfallskrankheit (Mk. 9,18ff), Rückgratverkrümmung (Lk.13,11), Stummheit (Mt.9,32), Taubstummheit (Mk. 9,25), Blindheit und Stummheit (Mt.12,22) und anderes. Besessene Menschen zeichnen sich durch Suchtverhalten, Konzentrationsunfähigkeit, fehlende Selbstkontrolle, ungezügelte Leidenschaft und allem voran, offen ausgetragene Abneigung allem Göttlichen gegenüber, aus. Es sind hoffnungslos gefangene Menschen, die sich selbst nicht mehr aus den Ketten der sie kontrollierenden Mächte befreien können. Die einzige Hoffnung solcher Menschen liegt in Jesus Christus, der die Macht der Dämonen gebrochen hat und der sie deshalb in die Flucht schlagen kann. Er ist gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören (1. Joh. 3,8). So wie es im Fall der Gadarener passiert ist. Da verließen die Horden des Bösen die Männer auf den Befehl Jesu hin. Und mit der Befreiung des Menschen von den Dämonen geht ihre körperliche und geistige Wiederherstellung Hand in Hand. Jesus machte die Besessene gesund indem er die Dämonen austrieb (Mt.4,24; 8,16; Apg.10,38; u.a.). VII. Urteilen ohne zu verurteilen Der kurze Überblick über das Phänomen und die Bewegung des Satanismus ist keineswegs vollständig. Das läßt nicht nur der Umfang dieser Broschüre, sondern auch das Phänomen selbst kaum zu. Und doch können und sollen wir als Christen gewisse Schlußfolgerungen auf dem

Hintergrund biblischer Offenbarung ziehen. Dazu ruft uns die Schrift auf, wenn es in Eph.5,10-13 heißt: „Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie viel mehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn´s vom Licht aufgedeckt wird.“ Licht meint hier keineswegs das Licht unser eigenen Fähigkeit sich mit Konzepten kritisch auseinander zu setzen, sondern das Licht Gottes. Wir können deshalb nur urteilen auf dem Hintergrund dessen, was Er, unser Herr, für wahr und für richtig hält. Nicht mehr, aber bitte auch nicht weniger. Dazu verleiht uns der Herr seine Gabe der Unterscheidung der Geister (1.Kor.12,10). Was sollen wir Christen nun vom Satanismus halten? Handelt es sich hier um eine bewußt antichristliche Bewegung, die in gewisser Hinsicht das Ende einläuten soll? Oder geht es eher um einen Protest gegen die Zustände in der Christenheit, den wir nicht mit einer aufgesetzten „Teufelsbrille“ zu beurteilen haben? Sollten wir vor Dämonie warnen, oder eher getrost nach psychologischen und parapsychologischen Lösungen suchen? Ist der Satanismus „Bluff oder Realität“ ? Die Durchsicht der gängigen (bei weitem nicht allen) Grundvorstellungen der Satanisten läßt schlussfolgern: Unschlüssiges Weltbild Die Satanisten haben ein widersprüchliches und in sich nicht schlüssiges Weltbild, daß zwar Sehnsüchte der Menschen nach Autonomie und Selbstverwirklichung ausdrückt, jedoch als falsch und unbiblisch abzulehnen ist. Sie nehmen sich heraus, selbst den Kosmos ergründen zu können und die Wege der Erfüllung bestimmen zu können. Nichts anderes hat die Schlange der Eva im Paradies vorgeschlagen (1. Mose 3,1-7). Aber der Versuch des Menschen jene versprochene Autonomie von Gott zu erlangen, endete bekanntlich mit dem Verlust des Paradieses, jenseits von Eden. Die satanistische Erkenntnis und daraus erwachsene Weltbild entpuppt sich auf diesem Hintergrund schnell als Betrug. Protest ohne Kenntnis Die Satanisten lehnen Gott, Kirche und Christus ab, weil sie von dem was sie in der Kirche gesehen und erlebt haben enttäuscht sind. Ihre Äußerungen und Stellungnahmen zu den wichtigsten Lehren des Christentums beweisen anschaulich, daß sie diese weder kennen noch verstehen. Sie sind anti-christlich, aber diese Antichristlichkeit ist im Grunde eine Antikirchlichkeit. Satanismus ist in wesentlichen Zügen eine Protesterscheinung. Diese Tatsache darf uns allerdings nicht zur Schlussfolgerung verleiten, wie es Wenisch und andere tun, daß damit eine teuflische Führung im Protestsatanismus auszuschließen ist. Natürlich ist es falsch mit einer „Teufelsbrille“ jedes übernatürliche Phänomen an zusehen, aber es ist nicht weniger falsch anzunehmen, daß man sich auf den Teufel, ob bewußt oder unbewußt, gläubig oder ungläubig, einlassen kann, ohne dass der Satan Kontrolle ausübt. Eine solche Sicht schlägt lediglich ein naives und entpersonalisiertes Bild des Bösen vor. Und dieses Bild ist der Heiligen Schrift fremd. Vielmehr ist das ein Bild des aufgeklärten Menschen der Moderne, daß längst nicht mehr den Anforderungen des postmodernen Zeitalters entspricht, ganz geschweige davon, was die Heilige Schrift darüber zu sagen hat. Fehlende Gotteserkenntnis

Satanisten kennen den Gott der Bibel nicht. Ihre Vorstellungen orientieren sich an gnostischen und fernöstlichen Konzepten, die eine persönliche Beziehung mit Gott unmöglich machen. Sie lehnen den biblischen Gottesbegriff ab, ohne sich die Mühe zu machen, ihn zu verstehen. Das Wort in Röm.1,18-20 ist daher ein Urteil auch gegen sie. Hier heißt es: “Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle gottlosen Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so das sie keine Entschuldigung haben.“ Satan als Objekt des Anbetung Satanisten beten Satan an. Auch dann, wenn sie in ihm nur ein Symbol, eine unpersönliche Kraft, etc. sehen - sie suchen und finden in ihm eine Kraftquelle. „Er funktioniert“, wie man es von praktizierenden Satanisten immer wieder hören kann. „Man hat mir zwar gesagt, daß ich enorme Ängste auszustehen haben werde und auch für immer den inneren Frieden verliere, aber dafür bekomme ich Zugang zu übernatürlichen Kräften. Ich bin den Handel eingegangen. Und es funktioniert. Das allein zählt für mich“, sagte mir eine Frau, die sich als Geistheilerin betätigt. Die Bibel aber läßt über diese Art von Aktivität keinen Zweifel übrig. Sie nennt jede paranormale Beschäftigung mit außersinnlichen Kraftquellen, die nicht unmittelbar mit Gott zu tun haben Greuel (5. Mo 18, 9-13). Und Satan wird unmissverständlich als „der Böse“ (Math. 5,37), der Anführer der von Gott abgefallenen Engel (Lk. 10,18), der „Vater der Lüge“ (Joh. 8,44); der „Fürst dieser Welt“ (Eph. 2,2), der Anführer der Hierarchie der bösen Geister (Eph. 6,12), der „von Anfang an sündigt“ (1. Joh. 3,8). Er hat gegen Gott gekämpft und verloren. Jesus Christus hat ihn besiegt (Lk. 10,18) und seine letztendliche Bestimmung ist der Feuersee (Mt. 25, 41; Off. 20,10). Doch bis zu seiner endgültigen Verurteilung läuft er durch die Welt wie ein brüllender Löwe und sucht wen er verschlingen könne. Ständig versucht er die Gerechten vor Gott zu verleumden (Hiob 1, 6-12; Off.12,10). Wen soll es da wundern, daß Menschen, die sich auf ein so ausgezeichnetes Wesen einlassen, Erfahrungen machen. Aber diese Erfahrungen sind von vorneherein qualitativ festgelegt: Sie tun, was ihr Vater tut (Joh. 8,44). Das Resultat ist ein Leben unter der Kontrolle des Teufels, wobei diese Kontrolle nach Eph. 2,3 durch den Zwang der Leidenschaftsbefriedigung und der Unfähigkeit eigene Gedanken zu kontrollieren gekennzeichnet ist. Und eine solche Kontrolle ist immer mit dem Prozeß der Dämonisierung verbunden, der bis zur Besessenheit führen kann. Damit ist nicht gesagt, daß jeder Satanist besessen ist, aber jeder Satanist lebt in der Gefahr von den Dämonen besetzt zu werden. Christusfeindlichkeit Satanisten lehnen Jesus Christus als Gottes Sohn und Erlöser nicht nur ab, sondern bekämpfen Ihn auch wo immer sie können. Unmissverständlich heißt es über solchen Menschen im 1. Joh. 2, 22: „Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichristus, der den Vater und den Sohn leugnet.“ Satanisten sind damit antichristlich tätig. Und sie können auch nicht anders, ist doch Jesus Christus „gekommen um die Werke des Teufels zu zerstören“ (1. Joh. 3, 8). Wo immer sie mit der Person Jesu Christi in Verbindung geraten, wird Kampf beginnen müssen. Gewinnen aber können sie diesen Kampf nicht, denn dieser ist längst gewonnen und zwar am Tag der Auferstehung Jesu von den Toten (1. Kor. 15, 55 ff).

Sündlosigkeit als Selbstbetrug Satanisten lehnen jede Sündhaftigkeit und deshalb auch Erlösung in Christus ab. Sie glauben sich selbst erlösen zu können. Damit widersprechen sie radikal der Schrift. „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns“, heißt es dazu im 1. Joh.1,8. Nein alle Menschen haben gesündigt und ermangeln deshalb der Herrlichkeit Gottes (Röm.3,23). Das abzulehnen können nur Menschen, die die Dinge verkehren und auf den Kopf stellen. Und über solche sagt der Prophet Jesaja (5,20-21.24a): „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen. Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug! ... Darum, wie des Feuers Flamme Stroh verzehrt und Stoppeln vergehen in der Flamme, so wird ihre Wurzel verfaulen und ihre Blüte auffliegen wie Staub. Denn sie verachten die Weisung des Herrn ... „ Nein, auch Satanisten brauchen Jesus und werden nur durch ihn das wahre Leben finden können (Eph.4,17f; Joh.11,25). Verantwortungslosigkeit Satanisten lehnen es ab, Gott oder auch ihren Mitmenschen gegenüber verantwortlich zu sein. Getreu dem Glaubenbekenntnis Aleister Crowley´s machen sie ihre eigene Lustbefriedigung zum Maßstab allen Handelns. Menschen werden grundsätzlich in zwei Kategorien eingeteilt, solche, die sich dem Satan angeschlossen haben und deshalb würdig sind zu leben und solche, die schwach, zerbrechlich, hilfsbedürftig und daher auch nicht lebenswürdig sind. Wie wenig man im Satanismus vor dem Leben Respekt hat, zeigt vor allem die Praxis des rituellen Missbrauchs. Hier werden Menschen im Rahmen sogenannter Messen regelrecht aufs schrecklichste psychisch, physisch und vor allem sexuell missbraucht. Die Geschichten, wie sie Opfer berichten, gleichen sich, ob sie nun in den USA, England, SüdAfrika oder Deutschland registriert worden sind. Es handelt sich um Mord, sexuelle und körperliche Gewalt, psychischen Terror. Menschen werden dabei vergewaltigt, gezwungen eigene oder fremde Exkremente und Menschenfleisch zu essen, Blut, oft vermischt mit Urin, zu trinken. Sehr oft werden die entsprechenden Opfer vor den Augen der jeweiligen Person, oder gar auf deren Körper, umgebracht. Okkulte Abhängigkeit und Besessenheit Es wäre also falsch, den Satanismus auch in seinen experimentellen, künstlerischen und sonstigen Initialphasen zu verharmlosen. Niemand wird sich ungestrafft auf ein Spiel mit dem Satan einlassen. Schon bald wird deutlich, daß ein solches Spiel lebensgefährlich ist. Es führt in okkulte Abhängigkeit, ja bis zur völligen Machtergreifung der bösen Mächte über die Person des Menschen. Nein, wir sollten niemals leichtfertig Menschen, die sich mit satanistischen Inhalten beschäftigen aburteilen, ist doch das Gericht über den Anderen unserer menschlichen Gewalt per Definition entzogen (Mt.7,1ff). Auf der anderen Seite sollten wir nicht blauäugig dem Treiben der Mächte des Bösen zusehen. Schließlich ist unser Kampf auf Erden nicht ein Kampf gegen Fleisch und Blut, „sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Eph. 6,12). Im Satanismus äußern sich diese Kräfte offen und ungeniert. Sie müssen daher von uns erkannt und als solche auch benannt werden. Nur so kann man dann gegen einen Feind vorgehen. Dämonen wollen am liebsten unerkannt bleiben. Sie sind Schattengestalten, Mächte aus dem Bereich des Dunklen. Licht bedeutet für sie

Gefahr. Sie scheuen erkannt zu werden. Deshalb müssen wir sie entlarven und die Werke des Teufels ans Licht bringen. Wo das geschieht, da wird sich Widerstand formieren und wo man dem Teufel Widerstand leistet, da flieht er (Jak. 4,7). VIII. Mission an der vordersten Frontlinie Den Auftrag ernst nehmen Wie begegnen wir, Christen, Satanisten? Kann man unter ihnen gar Mission und Evangelisation betreiben? Ist es nicht viel zu gefährlich, begibt man sich da nicht in große Gefahr, wenn man sich auf eine Konfrontation mit den selbsternannten Dienern des Satans einlässt? Nun die Antwort auf all diese Fragen ist eindeutig: Wir müssen auch diesen Menschen das Evangelium von der Befreiung in Jesus Christus bringen! Nirgendwo im Neuen Testament werden Anhänger satanistischer Kulte von der Verkündigung des Evangeliums ausgeschlossen. Geradezu umgekehrt. Der missionarische Auftrag unseres Herrn Jesus Christus schließt immer wieder den Befehl zur Dämonenaustreibung ein. In Lk.9,1-2 heißt es zum Beispiel: „Er rief die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle bösen Geister, und das sie Krankheiten heilen konnten, und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und die Kranken zu heilen ...“ An einer anderen Stelle sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh. 20,21). Und Er wurde gesandt: „... zu verkündigen das Evangelium den Armen; ... zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“ (Lk. 4,18-19). Gesandtsein wie Jesus gesandt wurde, bedeutet also, einen totalen Einsatz für Menschen, die gefangen, verführt, zerschlagen und blind sind. Wer wenn nicht die Satanisten gehören in diese Kategorie der Betrogenen. Ja, ihre Befreiung setzt einen Kampf voraus, einen Kampf mit Mächten der Finsternis. Aber in diesem Kampf ist der Sieg bereits errungen. Ganz im Einklang mit diesem Auftrag stehen die Worte Jesu mit denen er die Arbeit seiner gesandten Missionare beschreibt: „Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: in meinem Namen werden sie böse Geister austreiben ...“ (Mk. 16,17) Wer also mit der Botschaft vom Reich Gottes betraut worden ist, der wird der Konfrontation mit den Mächten der Finsternis nicht aus dem Wege gehen können. Ja, der Missionsauftrag schließt den Befreiungsdienst ein. Christsein gibt es nur als Leben im Kampf Nicht nur das, sondern noch mehr - als Christen stehen wir von Anfang an in einer Kampfsituation mit den Mächten der Finsternis. Apostel Paulus schreibt in Eph. 6,12 richtig: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ Nicht Menschen, Ideen, Konzepte, Irrlehren, sondern reale Mächte der Finsternis sind es gegen die wir anzugehen haben. Und die sind nicht mal da und mal nicht. Sie sind nicht nur dann uns gegenüber, wenn wir es mit den Satanisten zu tun haben. Wir können ihnen nicht entfliehen, wenn wir uns aus dem Auftrag Jesu stehlen oder jedem Satanisten aus dem Weg gehen. Christsein bedeutet an sich schon eine Kampfansage. Angst vor diesem Kampf ist daher hier fehl am Platz. Und die Verheißung Jesu macht das deutlich: „Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und die Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts

wird euch schaden.“ Welch eine Versprechung! Da kann man nur mit Apostel Paulus voller Freude herausrufen: „Gott aber sei Dank, der uns allezeit Sieg gibt in Christus ...“ (2. Kor.2,14).

Kämpfen - gewußt wie Sicher, jeder Kampf ist schwer und wehe demjenigen, der die Regeln des Kampfes nicht kennt. Gewinnen wird er sicher nicht (2.Tim. 2,1ff). Wer kämpfen will, der sollte daher: dazu berufen sein; dafür begabt werden sich für den Kampf rüsten Gott hat hierfür Menschen in seine Gemeinde eingesetzt, die entsprechende Gaben erhalten haben: Apostel, Evangelisten, Propheten, Hirten und Lehrer (Eph.4,11). Sie sind es, die die Heiligen zurüsten sollen zum Werk des Dienstes (Eph.4,12 ff). Kämpfen im Angesicht des Sieges Und dann gilt - wer sich auf den Kampf für die in dämonischer Verstrickung befindenden Seelen einlässt, darf wissen: DER KAMPF IST LÄNGST GEWONNEN! Nichts befürchten die Dämonen mehr als den Namen Jesu Christi. Niemanden hassen Satanisten mehr als den Herrn Jesus Christus! Und doch liebt Jesus sie! Für sie ist er in die Welt gekommen, als Herrscher, der die Werke des Bösen zerstören WIRD, weil ER auf dem Kreuz von Golgatha dafür die Grundlagen gelegt hat (1. Kor. 15, 55). Wer demnach im Namen Jesu in den Kampf zieht, zieht unter der Flagge des Siegers. Wer Jesus glaubt, darf wissen, daß „unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“ (1. Joh. 5,4). Nicht erst überwinden wird, sondern überwunden hat! Keine Angst also, Ihr Kämpfer Jesu Christi - der Sieg ist uns garantiert. Wir kämpfen nicht einfach gegen ein Phänomen, sondern für Menschen, die verirrt, gefangen und geknechtet werden. Wir erfüllen die Mission unseres Gottes. Und wenn ER mit uns ist, wer mag da gegen uns sein (Römer 8,31). Weitere Beiträge zum Thema Satanismus unter info@horst-koch.de - www.horst-koch.de 1. 2. 3. 4. -Eine dunkle und helle Seite von Kraft? Dave Hunt Satanskulte - Dr. Kurt E. Koch Marx und Satan - Pfr. Richard Wurmbrand Der Fall Satans - Erich Sauer Der Ursprung des Bösen - Erich Sauer

Eine dunkle und eine helle Seite von Kraft?

Die wichtigste Grundlage des Okkultismus ist der Glaube, dass das Universum von einer

unendlichen Macht durchdrungen ist und wer in die entsprechenden Geheimnisse eingeweiht ist, sich diese Kraft zu seinen eigenen Zwecken nutzbar machen könne. Wie diese Kraft zu beherrschen ist, variiert unter den einzelnen Schulen des Okkultismus. Bei manchen kommt es vor allem darauf an, mit Geistwesen oder bestimmten Tieren in Kontakt zu treten, die als Hüter dieser Kraft fungieren und sie über oder an diejenigen vermitteln, die ihre Diener werden. Bei anderen reagiert diese Kraft (von der man außerdem glaubt, sie sei eine Quelle alles Wissens – aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) auf bestimmte Rituale, Zeremonien oder geheime Techniken, die erlernt werden können und an jede neue Generation von Eingeweihten weitergegeben werden. Die Vorstellung von einer unpersönlichen Kraft ist natürlich verlockend. Wie viel attraktiver ist es, durch Beherrschung dieser Kraft zu seinem eigenen Gott zu werden, als statt dessen einem persönlichen Schöpfer verantwortlich zu sein! Der persönliche Gott der Bibel verlangt Gehorsam – und Ungehorsam hat seine Konsequenzen. Vergebung muss auf gerechter Grundlage geschehen, d. h. die Strafe für die Sünde muss gezahlt werden. Eine Kraft hingegen weiß nichts von Moral, da sie unpersönlich ist; sie steht allen zur Verfügung, die die Gesetze oder Rituale befolgen, aufgrund derer sie funktioniert. Man muss kein gerechter oder religiöser Mensch sein, um die Elektrizität zu benutzen; ebenso verhält es sich mit dieser imaginären »Kraft«. Sie erhebt keinen höheren moralischen Anspruch als die Gravitation, doch vermutlich ist sie der Schlüssel zu aller Macht und allem Wissen. Okkultisten jeder Couleur behaupten, es gäbe eine positive und eine negative Seite dieser »Kraft« – eine »helle« und eine »dunkle« Seite, wie Obi Wan in Krieg der Sterne sagt. In der Magie werden ganz ähnliche Begriffe gebraucht: »weiße« Magie und »schwarze« Magie. Und so ist es bei den Stammeskulten und -religionen von Eingeborenen rund um die Welt, in allen Kulturkreisen und zu allen Zeiten. Der berühmte Medizinmann der Lakota, Archie Fire Lame Deer (der vom Basketball-Trainer Phil Jackson und vielen anderen Prominenten hoch bewundert wird), sagt im Zitat am Anfang dieses Kapitels genau das. Eine geheimnisvolle unsichtbare »Energiequelle«? Dass es im Universum geheimnisvolle Kräfte gibt, kann wohl niemand bestreiten. Der Atomkern wird von einer Kraft zusammengehalten, die das menschliche Begreifen übersteigt, doch irgendwie liefert sie die Energie für die Elektronen in der Atomhülle. Das Universum steckt voller Geheimnisse, die für die Wissenschaft unerklärlich sind. Obwohl wir wissen, dass es Gravitation und Elektrizität gibt und wir sie beobachten und messen und sogar zu unseren Zwecken nutzen können, weiß die Wissenschaft doch nicht, worin diese Kräfte eigentlich bestehen und wo sie herrühren. Die Wissenschaft sagt uns, dass alles aus Energie entstanden ist und dass Energie weder geschaffen noch vernichtet werden kann, doch die Wissenschaft kann uns nicht sagen, was Energie an sich ist, wie sie entstanden ist, was die Quelle ihrer Kraft ist oder warum sie bestimmten Gesetzen folgt. Der Physiker Lambert Dolphin schreibt: Der Atomkern enthält positiv geladene und neutrale Teilchen … Die gegenseitige elektrostatische Abstoßung zwischen den gleichartigen positiven Protonen würde den Kern auseinander treiben … Somit gibt es eine aktive, dem Universum auferlegte Kraft, die die Grundbausteine der materiellen Welt aktiv in jedem Augenblick zusammenhält, Tag für Tag, Jahrhundert um Jahrhundert. In ähnlicher Weise wäre zu erwarten, dass die angeregten Elektronen, die den Kern umgeben, ihre gesamte Energie schnell verstrahlen und in den Kern stürzen, wenn es nicht eine unsichtbare Energiequelle gibt, die dem entgegenwirkt. Was ist diese »unsichtbare Energiequelle«? Und welche »Intelligenz« steht dahinter? Offensichtlich hat keine Kraft irgendeine Intelligenz. Dass in der Natur mehrere Kräfte produktiv

zusammenwirken, ist ein starker Hinweis auf eine unendliche Intelligenz hinter allen Dingen. Die Tatsache, dass jede Kraft, sei es Gravitation oder Elektrizität, an bestimmte Gesetze gebunden ist (die wiederum alle miteinander kooperieren), ist ein hinreichender Beweis dafür, dass keine individuelle »Kraft« das Gesamtgeschehen beherrscht. Es ist eindeutig so, dass alle Kräfte einer vorrangigen Intelligenz unterworfen sind, die sie erschaffen hat. Ebenso wenig kann jemand die Behauptung aufrechterhalten, eine »Seite« der Kraft, entweder die »helle« oder die »dunkle«, sei stärker als die andere. Somit ist die Situation hoffnungslos, denn niemals wird eine der beiden Seiten triumphieren. »Gut« und »böse« wären so tatsächlich bedeutungslose Begriffe. Ein grundsätzliches Problem: Macht korrumpiert Wenn außerdem allen Dingen und allen Lebewesen eine okkulte Kraft innewohnt, wie Archie Fire Lame Deer es behauptet, dann würde dies in keiner Weise Friede und Einigkeit für die Menschheit bedeuten, sondern das völlige Gegenteil. Wenn »Macht [Kraft] korrumpiert und absolute Macht absolut korrumpiert«, ist die Aussicht einer Menschheit, die eine unbegrenzte okkulte Macht entfaltet, eher erschreckend als ermutigend. Die Versuchung, nach immer größerer Macht zu streben, um den großen Wettstreit zu gewinnen, würde anscheinend bei jedem zu unausweichlicher Korruption führen, sogar bei denjenigen, die angeblich die »helle Seite der Kraft« gebrauchen. Hier stehen wir vor einem grundsätzlichen Problem des Okkulten: unbegrenzte Macht, die von »weißen Magiern« zu »guten Zwecken« eingesetzt wird und zum »Bösen« von »schwarzen Magiern«. Doch wer soll »gut« und »böse« definieren? Wer die Kraft beherrscht, kann sie zu seinen eigenen Zwecken verwenden, für das, was er in seinem Leben erreichen will, entgegen den Wünschen und Zielen aller anderen. Wenn es keinen persönlichen Gott der Liebe, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Autorität gibt, der sich in Verantwortung um das Universum kümmert, kann eine »Kraft« oder »Macht« der Erde niemals Frieden bringen. Gleiches müßte von der ganzen »Human-Potential«-Bewegung zugegeben werden. Macht führt nicht zum Frieden, sondern nur zu größeren Konflikten. Die Bibel sagt, dass Gott ein persönliches Wesen von unendlicher Liebe, Weisheit und Macht ist, der den Menschen nach seinem eigenen moralischen und geistlichen Bild geschaffen hat und demgegenüber der Mensch verantwortlich ist. Im Gegensatz dazu bietet der Okkultismus das Versprechen, jeder könne zu gottähnlicher Macht gelangen und so sein eigener Gott werden. Einige Okkultisten glauben natürlich, sie müßten sich an diese Geistwesen wenden, die angeblich all diese Kräfte unter Kontrolle haben. Aus dieser Vorstellung entwickelten sich komplexe Regelwerke, wie man die Gunst der Götter erlangen kann und diese Regeln wurden in Form okkulter Rituale von Initiation zu Initiation weitergegeben. Man kann leicht einsehen, dass die Lehre des Positiven Denkens in den Kreisen der Geschäftswelt, unter Akademikern und Psychologen ein Aufruf ist, sich an die »helle« Seite zu wenden und die »dunkle« Seite dieser Kraft zu meiden. Das gilt auch für das »Positive Denken« bzw. »Denken in Möglichkeiten«, das in der Christenheit von Norman Vincent Peale und seinem Hauptjünger Robert Schuller populär gemacht wurde. Und Gleiches gilt ebenso für das »Positive Bekenntnis« (das Aussprechen vom »Wort des Glaubens«) heutiger führender Charismatiker. Sie meinen, der Geist (oder die Zunge) jedes Menschen könne ein Kanal für diese Kraft werden, so dass alles, was man denkt oder laut ausspricht (»Positives« oder »Negatives«), geschehen wird.

Gott wegerklären In gleicher Weise hat die Wissenschaft versucht, die Ordnung des Universums als Folge unpersönlicher Gesetze zu erklären. Doch es ist kein Naturgesetz bekannt, dem das Bewußtsein unterworfen wäre, und keine Gesetze der Physik können seine Existenz erklären. Um das

Eingeständnis einer »Intelligenz« hinter der Natur zu umgehen, vermuten fundamentalistische Evolutionisten hypothetisch ein »organisierendes Prinzip«, das dem Atom eigen ist. Organisation braucht intelligente Planung und Anweisung. Diesem »organisierenden Prinzip« werden alle Eigenschaften Gottes zugeschrieben, außer der Fähigkeit, die von ihm hervorgebrachten Geschöpfe gerecht zu richten. Diese Fähigkeit muss mit Vehemenz abgestritten werden, um ihren schrecklichen Konsequenzen zu entgehen. Tatsächlich wird diese unpersönliche Macht im Menschen personifiziert, wo sie geheimnisvoll verborgen wohnt als sein angeblich unendliches Potenzial. In gleicher Weise bestehen viele moderne Theologen auf »Wahrheit« ohne göttliche Inspiration. Sie bestreiten, dass die Bibel Gottes unfehlbares Wort ist und versprechen sich dennoch Lektionen von ihr über die »Mythen«, die sie enthalten soll. »Mythen« zu verehren verlangt aber anscheinend eine weit größere Leichtgläubigkeit als der Glaube an die von Gott geoffenbarte Wahrheit. Der bekannte Mythologe Joseph Campbell sagte: Der Mensch neigt dazu … Naturkräfte zu personifizieren. Unser westliches Denken sieht Gott als letztliche Quelle oder Ursache der Energien und Wunder des Universums an. Aber im orientalischen Denken – und auch im Denken der Naturvölker – sind die Götter zumeist vielmehr Manifestationen und Übermittler der Energie, die letztlich unpersönlich ist. Sie selbst sind nicht ihr Ursprung. Der Gott ist der Kanal dieser Energie. Und die Kraft oder Qualität der vermittelten oder repräsentierten Energie bestimmt den Charakter und die Funktion des Gottes. Es gibt Götter der Gewalt, es gibt Götter des Mitleids … Personifizierungen der jeweiligen Energien … Und dann fragen Sie: »Nun, es muss doch jemanden geben, der diese Energie erzeugt?« Warum müssen Sie diese Frage stellen? Warum kann das höchste Geheimnis nicht unpersönlich sein? Die vier Lügen der Schlange Das höchste Geheimnis kann nicht unpersönlich sein, weil etwas Unpersönliches nicht denken, planen, organisieren oder kreieren kann. Doch derartige Fähigkeiten sind absolut notwendig, um das Universum und insbesondere intelligentes Leben ins Dasein zu rufen. Nur persönliche Wesen können erkennen, dass es ein Geheimnis gibt, und keine unpersönliche »Kraft« könnte persönliche Wesen hervorbringen. Die »Neigung des Menschen« das Unbelebte zu personifizieren, ist nicht, wie Campbell behauptet, eine rein menschliche Angewohnheit des Aberglaubens oder Wunschdenkens. Tatsache ist, dass das rationale Denken eine rationale Erklärung für das Universum verlangt, und rationales Denken muss persönlich sein. Darüber hinaus wird die Vorstellung einer Kraft mit heller und dunkler Seite dadurch entkräftet, dass die auf okkulte Weise empfangenen Offenbarungen, auf denen das Okkulte basiert, persönlicher Natur sind. Bei diesen manifestiert sich nicht nur eine bloße Kraft, sondern diese Kraft wird begleitet von einer in sich schlüssigen Philosophie, die unausweichlich mit vermittelt wird. Zudem kann diese Philosophie auf eine persönliche Quelle zurückgeführt werden: die Schlange bzw. Satan. Eines der verblüffendsten Phänomene, die jeder feststellt, der das Okkulte untersucht, ist die erstaunliche Entsprechung zwischen einerseits den Lügen, mit denen der Bibel zufolge die Schlange im Garten Eden Eva betrog (1Mo 3,1-5) und andererseits der einstimmigen Philosophie, die allem Okkultismus zu Grunde liegt. Dabei handelt es sich um die folgenden vier Punkte: 1.) Gott ist keine Person, sondern eine Kraft. Diese Aussage wird zwar nicht direkt getroffen, doch eigentlich steckt sie in jedem Satz, den Satan von sich gibt. »Hat Gott wirklich gesagt?«, so stellt er den Glauben an einen persönlichen Gott in Frage, der Adam und Eva das Essen von einem bestimmten Baum untersagte. Die Logik war unbestreitbar. Warum sollte die Frucht eines speziellen Baumes schädlich sein, wenn doch die Früchte aller anderen Bäume das Leben erhielten? Sie alle wuchsen auf demselben Boden. In allen Dingen war dieselbe Kraft – im Erdboden, in den Bäumen, in der Frucht und auch im Menschen selbst.

2.) Der Tod ist nicht real; wir sterben in Wirklichkeit nicht. Weil die Kraft in allen Dingen auch in uns wohnt, können wir nicht sterben; wir betreten nur einen »neuen Zyklus«. Diese Lüge wurde natürlich als Re¬inkarnationslehre im östlichen Mystizismus und als Geisterglaube im westlichen Mystizismus weiterentwickelt. Das ist die Botschaft, mit der alle so genannten »klinisch Toten« zurückkommen: Der Tod ist nicht real und es gibt nichts zu befürchten – kein Gericht, nur Liebe und Annahme und eine fortgesetzte, stets aufwärts strebende Evolution. 3.) Die Bestimmung des Menschen ist, einer der Götter zu werden. Wir evolvieren weiter zu immer höheren Wesen und werden schließlich den Gipfel der Evolution erreichen: die Gottheit. 4.) Das Geheimnis ist Erkenntnis von Gut (die »helle Seite« der Kraft) und Böse (die »dunkle Seite« der Kraft). Das war sicherlich das überzeu¬gende Argument, mit dem Satan Eva überredete, von der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Mit uns ist alles bestens, abgesehen von unserer Denkweise. Die Kraft ist bereits in uns, nur wissen wir es nicht und müssen noch »erleuchtet« werden. Der Zusammenhang zwischen der Philosophie der Schlange und dem Okkulten ist leicht zu erkennen. Beispielsweise bietet die Ausgabe vom Januar 1931 der Zeitschrift The Occult Digest ein Buch an mit dem Titel Die Kraft der Schlange. Der Artikel verspricht 700 Seiten detaillierter Instruktionen für das Erreichen der »Schlangenkraft« mittels Kundalini Yoga zusammen mit »Fotos von Yoga-Haltungen … und einer Erklärung der Schlangenkraft«. Dieselbe Ausgabe beinhaltet eine Werbung der Rosenkreuzer, die die Entwicklung eines »sechsten Sinnes« verspricht, »der Sie zum Meister Ihres Schicksals macht«. Ein anderer Artikel trägt die Überschrift »Ist der Tod notwendig?« und erklärt: »Jeder Denker stimmt zu, dass die alte Welt anscheinend am Rande einer ›mentalen‹ oder ›spirituellen‹ Entdeckung oder Erweckung steht, die womöglich ohne weiteres jede so genannte Tatsache bezüglich des Lebens und des Todes umstürzen kann.« Die offensichtliche Parallele zur biblischen Geschichte aus dem Garten Eden ist sicher zumindest faszinierend. Dieselbe 1931er Ausgabe von Occult Digest enthielt Artikel über Reinkarnation und über den Empfang von Botschaften aus der Geisterwelt sowie Artikel, die versprachen, dass die Entwicklung dieser okkulten Kräfte zur Gottheit des Einzelnen führen würden – dasselbe Versprechen, mit dem die Schlange Eva verführte. Die Geschichte vom Garten Eden ist kein Mythos, sie ist historische Wahrheit. Wie sonst wäre es zu erklären, dass seit dem Sündenfall Evas Nachkommen genau denselben Lügen leidenschaftlich und leichtgläubig nachgelaufen sind, mit der der Bibel zufolge auch Eva selbst von der Schlange getäuscht wurde? Genau diese Lügen sind es, die die Grundlage des Okkulten bilden. »Recht« und »Unrecht« Einige praktizierende Hexen behaupten, die von ihnen herangezogene Kraft könne nur auf wohltätige Weise gebraucht werden. Welche Kraft ziehen dann aber »schwarze Magier« heran? Außerdem schreibt diese Behauptung anscheinend einer unpersönlichen Kraft moralische Eigenschaften zu. Die trugschlüssige Vorstellung einer dem Kosmos innewohnenden Kraft mit einer »hellen« und einer »dunklen« Seite, die zu einer »weißen« und einer »schwarzen« Magie führen, hat viel Verwirrung gestiftet. Das ganze Konzept einer »dunklen« und einer »hellen« Seite der Kraft entstammt dem fernöstlichen Mystizismus. Es findet sich im Hinduismus, in dem es keine Sünde gibt, kein Recht und Unrecht und in dem das Dharma jedes Menschen individuell ist. Es findet sich im Buddhismus und Taoismus im Glauben, es gäbe eine übersinnliche Kraft oder ein Chi, das durch yin/yang ausgedrückt wird, von denen keines dem anderen überlegen ist und keines richtig oder falsch ist, sondern beide in Harmonie zueinander stehen müssen.

Akupunktur beispielsweise ist der Versuch, yin und yang im Körper in Einklang zu bringen. William Devine, Vorsitzender der Kalifornischen Gesellschaft für Akupunktur, sagte: So ist orientalische Medizin. Man bringt einen Patienten; fünf verschiedene Ärzte sehen sich ihn an und kommen zu fünf verschiedenen Diagnosen und keine davon ist falsch. Den Aussagen von »Ramtha« zufolge (einem 30.000 Jahre alten Krieger, den J. Z. Knight channelt), können wir von der Vorstellung eines richtenden Gottes befreit werden, wenn wir verstehen, dass »es keine Sünde gibt und deshalb keinen Grund für Schuld«. Wenn natürlich niemand Unrecht hat, dann hat auch niemand Recht. Der ganze Gedanke, dass jemand den Anspruch stellt, Recht zu haben, ist in der amoralischen Gesellschaft von heute verdammungswürdig. In einer bekannten Talkshow beharrte Wade Davis darauf: »So etwas wie Recht oder Unrecht in Sachen Religion gibt es nicht … das ist es, woraus Kriege hervorgehen.« Doch Jesus Christus sagt: Wer ihn ablehnt, hat nicht nur Unrecht, sondern ist für ewig verloren. Zwischen Jesus Christus und der Welt des Okkulten muss eine klare Entscheidung getroffen werden. Die vorgetäuschte Toleranz Das Leugnen von Recht und Unrecht bringt die logische Konsequenz mit sich, dass jede Meinung in gleichem Maße gültig sein muss. Dieser Nonsens tarnt sich als Toleranz, ist aber in Wirklichkeit die schlimmste Form von Intoleranz, weil dadurch auf raffinierte Weise alle anderen Ansichten eliminiert werden. Ein anschauliches Beispiel ist jemand, der vorgibt, mit jedermann übereinzustimmen und darauf besteht, dass selbst die krassesten Unterschiede nur eine Frage der »Auslegung« sind. Diese angebliche Toleranz gegenüber anderen Ansichten entkräftet ironischerweise alle anderen Auffassungen – nicht durch einen Frontalangriff, aber durch die unhöfliche Weigerung, sie ernst zu nehmen. Ein Kontrahent, der eine andere Ansicht vertritt und bereit ist, über die strittigen Fragen zu diskutieren, ist höher zu achten als jemand, der angeblich alles tole¬riert und nichts ablehnt und den eigentlichen Unterschied zwischen zwei opponierenden Meinungen leugnet. Für viele ist eine solche »Jeder-gewinnt«-Einstellung der einzig gangbare Weg und zum Schaden unserer Schüler hat sie auch an den öffentlichen Schulen Einzug gehalten. Aber wenn »Verlierer« aus unserem Wortschatz gestrichen wird, dann muss auch »Gewinner« weichen. Aus Ent¬täuschung über Psycho-Programme, die soziale Probleme lösen sollten, aber niemanden aufgrund seiner Fehler zur Verantwortung zogen, schrieb T. H. Fitzgerald in einer Psychologie-Zeitschrift: Bei AHP [Gesellschaft für humanistische Psychologie] habe ich immer noch den Eindruck … dass irgendwie jeder »aus seiner Perspektive« Recht hat, weil es keinen höchsten Gebieter geben kann. Dennis Jaffe schreibt … über die »Suche nach Vorzüglichkeit«, aber wenn es etwas Vorzügliches geben soll, dann muss es auch Unvorzügliches geben. Und was würden wir sagen, wenn wir es auf der Straße treffen …? Sogar die Sprache der Diskussion über Moralfragen ist durch die psychologische Heuchelei und das Vokabular des positivistischen Scientismus verdorben worden. Eines der bekanntesten Beispiele für diese absolute Intoleranz, die sich geschickt als völlige Toleranz tarnt, findet sich in der verbreiteten Floskel: »Wir sind alle auf verschiedenen Wegen zum selben Ziel.« Diese Äußerung hört sich zwar an wie Toleranz gegenüber falschen Vorstellungen, doch sie repräsentiert eindeutig die höchste Form von Intoleranz. Obschon »verschiedene Wege« großzügig toleriert werden, wird auf keinen Fall zugestanden, dass sie zu unterschiedlichen Zielen führen, denn jeder – egal auf welchem Weg er sich befindet – muss zum selben Ziel gelangen. So räumt diese anscheinend tolerante Vorstellung von »verschiedenen Wegen« keine Möglichkeit eines anderen Zieles ein. Die Bibel sagt hingegen in wahrer Toleranz, dass es zwei Ziele gibt – Himmel und Hölle – und diese Ziele niemandem aufgezwungen werden. Jeder kann

sich persönlich entscheiden. Wer in den Himmel gelangen möchte, hat jedoch nur einen Weg zur Wahl: durch Jesus Christus und seinen Tod und seine Auferstehung, sein Erlösungswerk für die Sündenschuld, die Gottes unendliche Gerechtigkeit einfordert.

Die erdrückende Umarmung Genau durch die philosophische Spitzfindigkeit der »Alle-Wege«-Theorie ist der Hinduismus an seinen Ruf als tolerant gegenüber allen Religionen gelangt. Der Hinduismus akzeptiert tatsächlich alle anderen religiösen Überzeugungen, doch dabei werden diese alle durch eine »erdrückende Umarmung« in den Hinduismus absorbiert. Was immer der Hindu in seiner sprichwörtlichen Toleranz scheinbar akzeptiert, verliert seine frühere Identität und wird in eine hinduistische Gestalt umgeformt. Der Hinduismus hat beispielsweise keine Probleme damit, Jesus Christus anzunehmen. Bei 330 Millionen Göttern ändert es schließlich nichts, wenn man noch einen weiteren hinzufügt. Und so kann es unter Hindus zu Tausenden von scheinbaren Bekehrungen kommen, bis in der christlichen Missionsarbeit deutlich herausgestellt wird, was am Hinduismus falsch ist und die Einzigartigkeit Jesu verdeutlicht wird, die ihn von allen Hindugöttern unterscheidet. Wenn dieser Unterschied nicht absolut deutlich gemacht wird, kön¬nen Hindus scheinbar »Jesus annehmen«, aber sie nehmen nicht den Jesus der Bibel an, den Jesus, der Gott ist und Mensch wurde und der einzig und allein »der Weg, die Wahrheit und das Leben« ist. Der »Jesus«, den ein Hindu annimmt, ist nichts weiter als ein Avatar unter Tausenden. So nimmt der Hinduismus dadurch, dass er »Jesus annimmt«, den Jesus der Bibel weg und ersetzt ihn durch seinen eigenen falschen Christus. Eine solche Täuschung ist ein hauptsächliches Ziel von okkulten Wesen, die mit der Menschheit kommunizieren. Die Worte des »Jesus«, der Barbara Marx Hubbard ein »vollmächtiges Wiedergeburts-Erlebni« vemittelte, und des Jesus, der der Psychologin Helen Schucman Ein Kurs in Wundern diktierte, stellen eine sehr geschickte Perversion dessen dar, was der Jesus der Bibel zu sagen hat. Gleiches gilt für das Buch Urantia, das angeblich von einer »Kommission von 24 spirituellen Administratoren im Einklang mit einem Auftrag, der von hohen göttlichen Autoritäten (den ›Alten an Tagen‹) erteilt wurde« und die Bibel völlig verdreht, insbesondere im Hinblick auf Jesus Christus. Bei allen solchen Mitteilungen von »höheren Wesen« findet sich eine Umdeutung von Aussagen, die den historischen christlichen Glauben entkräftet und ihn durch ein hinduistisch-buddhistisches Pseudochristentum ersetzt, das dem Okkulten in die Hände spielt. Mit der zunehmenden Ausbreitung dieser Auffassung werden wir Zeugen der Vorbereitung der künftigen Weltreligion. Diese vorgetäuschte Toleranz wird mitsamt ihrer Geringschätzung der Wahrheit vom heute bekanntesten Fernsehprediger Robert Schuller den Massen aufgetischt. In seiner scheinbaren Toleranz erklärt Schuller, dass »wir die gute Religion von der schlechten Religion daran unterscheiden können«, dass die gute »positiv« ist. Er hat die Religionsführer aufgerufen, »was immer ihre Theologie ist … ihren Glauben in positiven Begriffen auszudrücken … Führungspersonen aller Religionen [sollen] vereint alle Kräfte mobilisieren … um die positive Kraft [zu verkünden] … von religiösen Werten, die die Weltgemeinschaft aufbauen«. Die Tatsache, dass die Lehren von Hinduismus, Buddhismus, Islam, Katholizismus und Evangelikalismus in so entscheidenden Punkten einander widersprechen, ist offensichtlich nichts, worum man sich sorgen müßte, solange jeder Glaube »in positiven Begriffen« ausgedrückt wird. Alle Religionen, so denkt Schuller anscheinend, stellen ebenbürtig gültige Werte dar, »die die Weltgemeinschaft aufbauen«. Der Antichrist selbst hätte an einem solchen schwammigen NewAge-Trick nichts zu verbessern!

Okkultismus macht sich unter Evangelikalen breit Die Invasion des Okkulten in die evangelikalen Gemeinden hinein ist eine der schockierendsten Tatsachen unserer Zeit. Das Streben nach Ökumene und der damit verbundene Versuch, eine Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch zu vermeiden und alle Auffassungen zu akzeptieren, ist dabei ein wesentlicher Faktor. Es sollte klar sein, dass die Idee der mentalen Kraft (die Vorstellung, positives oder negatives Denken würde eine eigene Realität erschaffen) nur eine andere Form von der »dunklen und hellen Seite der Kraft« sind. Einer der einflußreichsten Verfechter dieser Auffassung, der zudem einen großen Einfluß auf die evangelikale Christenheit ausübt, ist der bekannte und erfolgreiche Wall-Street-Manager Sir John Marks Templeton, Stifter des Templeton-Preises für den Fortschritt der Religionen. Templeton und seine neuheidnischen Ansichten wurden zuerst 1986 von Robert Schuller in die Christenheit eingeführt, der auch weiterhin für sie eintritt. Schullers Zeitschrift Possibilities (»Möglichkeiten«) plaziert Templeton auf sein Titelblatt und widmet sein Titelthema einem Interview mit Templeton. Darin gibt er seine von Einheit/Religiöse Wissenschaft/New Age geprägten Auffassungen zum Besten: »Ihre spirituellen Prinzipien haben Ihnen Wohlstand gebracht … materieller Erfolg kommt … wenn man mit dem Unendlichen in Einklang steht … Der Geist Christi wohnt in jedem Menschen, ob derjenige es weiß oder nicht … nichts existiert außer Gott.« Diese Irrlehren wurden von Schuller an ein riesiges Publikum von Lesern verbreitet. Der pantheistische Glaube, dass »nichts existiert außer Gott«, ist die Grundlage der »MindScience«-Sekten. Er besagt Folgendes: »Gott ist alles und Gott ist gut; deshalb ist alles gut.« Somit existiert Schmerz, Krankheit und Tod gar nicht. Sie sind nur Projektionen des negativen Denkens derer, die sich vorstellen, so etwas zu erfahren. Um von dieser Täuschung befreit zu werden, muss man sein Denken vom Negativen (der »dunklen Seite«) zum Positiven (der »hellen Seite«) ändern. Das ist die Theorie hinter dem Buch Die Kraft positiven Denkens, dem Bestseller von Norman Vincent Peale, das die evangelikale Christenheit jahrelang stark beeinflußt hat. Templeton ist Evolutionist, Pantheist, Universalist und Okkultist, der den Gott der Bibel und Christus als einzigen Erretter ablehnt und behauptet, Himmel und Hölle seien Bewußtseinszustände, die wir hier auf der Erde erschaffen, Wahrheit sei relativ und der christliche Glaube habe keine Bedeutung mehr. Doch in evangelikalen Kreisen steht dieser Mann in hohem Ansehen. Er war Mitglied im Gremium des Theologischen Se¬minars von Princeton und gehörte 15 Jahre lang dem Leitungsgremium der Amerikanischen Bibelgesellschaft an, obwohl er die Bibel als Gottes Wort ablehnt. Norman Vincent Peale bezeichnete Templeton als »den bedeutendsten Laien der christlichen Kirche unserer Zeit«. Templetons Buch Discovering the Laws of Life (»Die Gesetze des Lebens entdecken«) aus dem Jahr 1994 ist reinster Okkultismus. Doch anstatt davor zu warnen, widmet Christianity Today diesem Buch die gesamte Rückseite seiner Ausgabe vom 24. April 1994 und hat sich bei seinen Lesern bis heute nicht dafür entschuldigt. Unter der Überschrift »Wird Millionen von Lesern inspirieren« enthielt diese Werbeanzeige die Empfehlung von fünf Prominenten, die im Klappentext des Buches genannt werden: Norman Vincent Peale (der auch das Vorwort schrieb), Robert Schuller, Billy Graham sowie zwei bekannte katholische New-Age-Vertreter. Hier einige beispielhafte Auszüge aus dem Buch: »Hinter diesem Buch steht mein Glaube, dass die grundlegenden Prinzipien zur Führung eines »edlen Lebens« … aus allen religiösen Traditionen abgeleitet werden können – aus der jüdischen, muslimischen, hinduistischen, buddhistischen und anderen ebenso wie aus der christlichen … Wir haben die Kraft, alles zu erschaffen, was wir in unserem Leben brauchen und diese Kraft in uns ist die Kraft des Geistes … Es gibt ein Gesetz des Lebens …: »Gedanken, die wir in unserem Geist hegen, werden sich in der äußeren Welt auf ihre eigene Weise reproduzieren …«

Astronauten sind in den Weltraum gereist … [und] haben keine Hinweise auf einen Himmel mitgebracht. Und wo Bohrungen in die Erde eindrangen, stießen sie nicht auf die Hölle, sondern auf Öl … spirituelle Theoretiker neigen dazu, [Himmel und Hölle] als Bewusstseinszustände aufzufassen … Mit unseren Entscheidungen und Einstellungen schaffen wir uns un¬seren eigenen Himmel und unsere eigene Hölle hier auf der Erde … Der einzige Ort, wo wir den Himmel finden können, ist unser eigenes Herz … Unsere angeborene Güte ist ein essentielles Faktum unserer Existenz … Wenn wir diese Wahrheit erkennen, werden wir den Himmel auf Erden erleben … Wenn unser Handeln spontan aus der Güte unseres Wesens entspringt, finden wir Frieden in der Gegenwart Gottes in uns. Seien Sie ehrlich. Seien Sie wahrhaftig. Lieben Sie alle Teile Ihres Selbst … Die Gottheit in Ihnen … befindet sich auf dem Weg zur Vollkommenheit. Die Empfehlung seitens Peale und Schuller, die beide jahrelang dieselbe okkulte Philosophie verbreitet haben, überrascht uns nicht. Aber dass Christianity Today, Chuck Colson, Billy Graham und Bill Bright ebenfalls Templeton anpreisen, ist ein schockierendes Indiz für die kompromittive Haltung unter führenden Evangelikalen. Aufruf zur intellektuellen Redlichkeit Jeder hat das Recht, Christus persönlich abzulehnen, aber es ist intellektuelle Unredlichkeit der schlimmsten Art, darauf zu bestehen, Jesu Lehren seien völlig kompatibel mit hinduistischbuddhistischen pantheistischen Philosophien. Das muss so sein, folgert ein Autor, weil »alle New Ager, die ich getroffen habe, Jesus lieben und Buddha und Krishna und jeden, ungeachtet der Rasse oder Sprache oder religiösen Vorliebe«. Die Vorstellung, eine überzeugungslose »Liebe« (die zu schwach zum Korrigieren anderer ist) würde irgendwie die Frage nach Wahrheit, Recht und Unrecht und nach gesunder Lehre überflüssig machen, ist ein grundlegender Irrtum. Echte Liebe korrigiert vielmehr diejenigen, die einem schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Irrtum zum Opfer gefallen sind. Die okkulte Unterwanderung der abendländischen Gesellschaft ist eine direkte Folge der »wissenschaftlichen« Erosion des Glaubens an das transzendente Wesen Gottes. In der westlichen Welt praktizieren heute Mil¬lionen Transzendentale Meditation. Dabei ist die Bezeichnung transzendental ein einziger Schwindel. TM ist pantheistisch und leugnet somit einen transzendenten Gott. TM führt tief ins Innere, um das »wahre Selbst« zu finden. Unsere Gesellschaft ist geradezu selbst-besessen geworden, besessen von einem Selbst, das angeblich zur Gottheit evolvieren soll. Eine wichtige Unterscheidung Man glaubt, die »Kraft« sei der leitende Faktor hinter der Evolution. Wir haben gesehen, dass Evolution mathematisch unmöglich ist. Außerdem kann sie niemals das menschliche Bewußtsein erklären. Ein Gespür für moralische Verantwortung kann nicht in physiologischen Begriffen erklärt werden. Der Mensch kann nicht einfach Produkt evolutionärer Kräfte sein, die auf die Materie eingewirkt haben. In der Natur gibt es keine Ethik und keine Moral. »Gut« und »Böse« läßt sich nicht auf Galaxien oder Atome oder Naturkräfte wie Gravitation oder Elektrizität oder übersinnliche Kräfte (sofern es solche gibt) anwenden. Eine Kraft mit hellen und dunklen Seiten läßt keine Unterscheidung zwischen einem physikalischen und einem moralischen Gesetz zu. Doch eine solche Unterscheidung ist äußerst wichtig. Ein moralisches Gesetz kann nicht zum eigenen Nutzen verwendet werden, ein Naturgesetz hingegen sehr wohl. Moralische Gesetze können nicht als Quelle persönlicher Bevollmächtigung herangezogen werden, was in der New-Age-Bewegung das hauptsächliche

Ziel ist. Allgemeingültige, für alle verbindliche moralische Gesetze können nur vom höchsten Gott des Supranaturahlen Monotheismus vorgeschrieben werden, der selbst und mit seinem eigenen Charakter den Maßstab für Gerechtigkeit, Liebe, Reinheit und Güte definiert. Im Gegensatz zum östlichen Mystizismus lehrt der christliche Glaube, dass die unendlich gerechten moralischen Gesetze Gottes verletzt wurden und dass der endliche Mensch die unendliche Schuld nicht bezahlen kann. Aufgrund seiner Rebellion verdient der Mensch die ewige Trennung vom Schöpfergott. Gott selbst könnte die von seiner Gerechtigkeit eingeforderte unendliche Schuld bezahlen, aber weil er keiner von uns ist, würde dies nicht geschehen. Deshalb wurde Gott in seiner unendlichen Liebe durch jungfräuliche Empfängnis Mensch, sodass er als Gott und Mensch in einer Person die volle Schuld bezahlen konnte, wie sein Gesetz sie einforderte. Dieses Werk vollbrachte er am Kreuz. Der triumphierende Ruf Jesu unmittelbar vor seinem Tod – »es ist vollbracht« – ist im griechischen Grundtext ein zuschreibender Ausdruck (teleo, eine Schuld löschen). Die unendliche Strafe für die Sünde ist be¬zahlt. Der Bibel zufolge ist alles, was dem Menschen noch zu tun übrig bleibt, zu bekennen, dass er als Sünder verdient, was Christus an seiner Stelle erlitten hat und die Vergebung anzunehmen, die als Geschenk von Gottes Gnade und Liebe angeboten wird. Das okkulte Evangelium ist dagegen von einer offensichtlichen Leere gekennzeichnet. Die einzige Errettung, die es anbietet, ist eine Kraft, um die Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen und die eigenen Wünsche zu erfüllen. Gerechtigkeit und Wahrheit fehlen gänzlich. Mit Yogaübungen oder sonstigen Bemühungen um einen höheren Bewusstseinszustand und Zugang zu dieser Kraft kann man noch nicht einmal eine Busfahrkarte bezahlen, geschweige denn die ewige Schuld der Sünde. Der Kraft in der hinduistischen, buddhistischen oder New-AgePhilosophie fehlt die gerechte Grundlage für die Vergebung, nach der sich jedes aufrichtige Herz sehnt. Sünde wird nicht anerkannt, und selbst wenn, dann gibt es weder einen Gott, gegen den gesündigt wurde, noch einen gerechten Weg für den Sünder zur Vergebung. Die Antwort der okkulten Philosophie auf die tiefsten Sehnsüchte und Bedürfnisse des Menschen ist eine Lüge. Anstatt mit Liebe gefüllt zu werden, der größten Tugend und höchsten Erfahrung, läßt die okkulte Lehre uns mit einem Vakuum zurück. Die Kraft des okkulten Magiers aus Krieg der Sterne ist kein besserer »Gott« als die unpersönlichen Kräfte, die im materialistischen Universum des Atheisten am Werk sind. Sir Arthur Eddington argumentiert: »Wenn aus dem Herz des Menschen, erstaunt über das Geheimnis der Existenz, der Schrei aufsteigt: »Was soll das alles?«, ist die Entgegnung … keine wahre Antwort: »Es geht um Atome und das Chaos; um ein Universum aus glühenden Kugeln, die auf die bevorstehende Verdammnis zurollen.«

Ein Konflikt zwischen Gott und Satan In allen Einzelheiten stellt die Bibel den Einen vor, den sie als den wahren Gott bezeichnet, den Schöpfer des Universums. Sie spricht auch von Satan, dem Gegenspieler Gottes und des Menschen. Satan erscheint als Schlange, die Eva mit der Verheißung verführt, dass sie Unsterblichkeit und Göttlichkeit erlangen werde, wenn sie Gott ungehorsam ist und ihr folgt. Weil dieser Verführer zum Bösen der Drahtzieher hinter der falschen Religion dieser Welt ist, wird er der »Gott dieser Welt« genannt (2.Kor 4,4). In der ganzen Bibel ist er bekannt als »der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erd¬kreis verführt« (Offb 12,9). Heute halten sich viele als zu gebildet, als dass sie die Geschichte vom Garten Eden wörtlich nehmen. Evas Gespräch mit einer sprechenden Schlange kennzeichnet die Geschichte gewiß als Mythos. Ein solcher Aberglaube kann nur primitiven Menschen zugemutet werden. Jeder

Versuch, sie heute zu lehren, würde als Beleidigung des modernen Menschen aufgefaßt, so argumentiert man. Doch gerade die Skeptiker, die zu intelligent sind zu glauben, dass Satan durch eine Schlange zu Eva sprach, empfehlen die Spiritualität amerikanischer Indianer. Sie haben anscheinend kein Problem zu glauben, dass indianische Medizinmänner zu allen Arten von Tieren reden und sich manchmal sogar in eine solche Kreatur verwandeln. Und versuchen nicht sogar einige unserer führenden Wissenschaftler, sich mit Schimpansen und sogar Delphinen zu unterhalten? Hören wir noch einmal auf Dr. John Lilly: Delfine sind ein Beispiel für hohe fremde Intelligenz und dafür habe ich mit verschiedenen Leuten gekämpft, seit ich 1961 mein erstes Buch zu diesem Thema veröffentlichte: Mensch und Delphin. Aber jetzt kämpfe ich nicht mehr mit ihnen. Sie denken um; sie fangen an, kognitive Psychologie auf Delfine anzuwenden. Die Sioux-Indianer, die Phil Jackson als seine Lehrer verehrt und deren Religion er angenommen hat, lehren, dass ihnen vor Jahrhunderten von einer hübschen Frau die »heilige Pfeife« gegeben wurde. Diese Frau be¬nutzte Schlangen für ihre Zauberei und verwandelte sich vor ihren Au¬gen in ein »junges rotbraunes Büffelkalb«, dann in einen »weißen Büffel«, dann in einen »schwarzen Büffel«, bevor sie schließlich verschwand. Schwarzer Elch erklärt, diese Geschichte »sollte nicht nur als ein Ereig¬nis in der Zeit verstanden werden, sondern auch als ewige Wahrheit«. Jackson, der den christlichen Glauben verwarf und zur amerikanischen Eingeborenen-Religion wechselte, hat anscheinend kein Problem damit, diese Geschichte als wörtliche Wahrheit anzunehmen. Die Schlange und der Drache Die Schlange und der Drache (die in der Bibel mit Satan identifiziert werden) sind die hauptsächlichen segenbringenden Gestalten sowohl in den Mythologien wie auch in fast allen Religionen. In der haitianischen Voodoo-Tradition beispielsweise ist die »große Schlange« die Quelle aller Weisheit und der Schöpfer des Universums, der den Regenbogen zur Frau nahm und aus dieser Verbindung Blut und alle Geschöpfe hervorbrachte. »Und dann, als letzte Gabe, lehrten sie die Menschen das Blut als Sakrament zu sich zu nehmen, auf dass sie zum Geist würden und die Weisheit der Schlange empfingen.« Der Drache findet sich auf Tausenden von Tempeln in ganz Asien, während die Schlange die Religion von Indien beherrscht. Im Hinduismus sind in den Haaren Shivas, eines der drei Hauptgötter, Schlangen eingeflochten. Yoga wird symbolisiert als ein aus Kobras zusammengefügtes Floß, und sein Ziel ist es, die Kundalini-Kraft zu erwecken, die sich zusammengerollt am unteren Ende der Wirbelsäule befindet. In den Tempeln im antiken Ägypten und Rom war der Körper des Gottes Serapis von den Windungen einer großen Schlange umwickelt. Zahlreiche weitere Beispiele könnten angeführt werden, von der gefiederten Schlange Quetzalcoatl, dem Retter-Gott der Mayas, bis zum alljährlichen Schlangentanz der Hopi-Indianer. Manly P. Hall, einer der besten Kenner des Okkulten (und selbst praktizierender Okkultist), schrieb: »Schlangenverehrung ist in irgendeiner Form in allen Teilen der Welt zu finden. Die Schlangenhügel der nordamerikanischen Indianer; die in Felsen geritzten Schlangen Mittel- und Südamerikas; die verhüllte Kobra Indiens; Python, die große Schlange der Griechen; die heiligen Schlangen der Druiden; die Midgardschlange Skandinaviens; die Nagas von Burma, Siam und Kambodscha … die mythische Schlange des Orpheus; die Schlangen vom Orakel von Delphi … die heiligen Schlangen in den Tempeln Ägyptens; die Uraeus auf den Stirnen der Pharaonen und ihrer Priester – all diese zeugen von der universalen Verehrung der Schlange … Die Schlange ist … Symbol und Prototyp des universalen Retters, der die Welt erlöst, indem er der Schöpfung die Erkenntnis seiner selbst verleiht … Sie wurde lange Zeit als Emblem der Unmoral betrachtet. Sie ist das Symbol der Reinkarnation … In der griechischen Mythologie bildete eine um das orphische Ei gewundene Schlange das

Symbol für den Kosmos. Ebenso waren in Delphi (jahrhundertelang Sitz des meistbesuchten und einflußreichsten Orakels der Antike, befragt von Machthabern so ferner Länder wie Nordafrika und Kleinasien) die drei Beine des oraklischen Dreifußes im inneren Heiligtum des Tempels mit Schlangen untereinander verknüpft. Oder denken wir als weiteres Beispiel an Äskulap, den griechischen und römischen Gott der Heilkunde, dessen Symbol ein von einer Schlange umwundener Stab ist, von dem das Symbol der heutigen Medizin, der Äskulapstab, abgeleitet wurde. In seinen Tempeln wurde Äskulap aufgrund eines alten Mythos mit Schlangen verehrt. Dieser Mythos besagt, Äskulap habe aus dem Mund einer Schlange ein heilendes Kraut erhalten. Hier liegt eindeutig eine Pervertierung der Geschichte der Genesis vor: Die Schlange ist nicht der Verführer und Zerstörer, sondern der Retter der Menschheit, und tritt damit an die Stelle Christi. Bei Abschlußfeiern an medizinischen Hochschulen rund um die Welt, bei denen Gebete zum Gott der Bibel bzw. zu Jesus Christus nicht erlaubt sind, wiederholen die Graduierten heute immer noch beim Empfang ihres Doktortitels gemeinsam den hippokratischen Eid. Dieser beginnt mit den Worten: »Ich schwöre bei Apollo, bei Äskulap, bei Hygieia und Panakeia und bei allen Göttern und Göttinnen …« In seinem Buch Halbzeit der Evolution stellt Ken Wilber heraus, dass die Schlange in Religionen in der ganzen Welt beständig als Symbol immer wiederkehrender Weisheit und ewigen Lebens dargestellt wurde. Zweifellos wird die Schlange, die einst zu Eva kam, überall mit dem Okkulten identifiziert und wird als Verkörperung der geheimnisvollen Kraft verehrt, die Okkultisten jeder Art gewinnen wollen. Die Bibel identifiziert hingegen die Schlange mit Satan und erklärt, dass diejenigen, die seine okkulten Kräfte suchen, schließlich feststellen werden, dass sie als seine Sklaven gefangen und ihre Seelen verloren sind. Es scheint, dass die Ehre, die der Schlange in allen Kulturkreisen und Religionen erwiesen wird, eigentlich ein Zugeständnis ist, dass die »Kraft« hinter diesem Universum tatsächlich sehr persönlich ist. Sowohl die Bi¬bel als auch die Welt des Okkulten stimmen darin überein, dass es die Schlange wirklich gibt; uneins sind sie nur darin, ob sie des Menschen Freund oder Feind ist. -Hexenglaube Hexen

Historische Wurzeln Schon immer rechneten Menschen mit der Möglichkeit eines übernatürlichen Einflusses auf ihr irdisches Leben. Einzelnen, meist ungewöhnlichen Menschen sprach man dabei eine besondere Nähe zu jenseitigen Mächten zu. Im Christentum wird der Teufel als Verursacher von Krankheit, Not, Tod und anderen Übeln angesehen. Wer mit ihm oder einem seiner >Dämonen Kontakt pflegte oder ein Bündnis mit ihnen einging, wurde als Hexe, Zauberer oder Magier bezeichnet. Als Urmutter aller europäischen Hexen wird gemeinhin die antike Hekate gehandelt, die gefürchtete Herrscherin über Wind und Wetter. Auch heidnische Priesterinnen, weise Frauen und Kräuterweiber gelten als Stamm-Mütter späterer Hexen. Der Begriff Hexe taucht im deutschsprachigen Raum zuerst in Dokumenten des 9. Jahrhunderts auf, als „hagazussa” (Zaunweib = dämonisches Wesen, das über den Zaun in den Privatbereich der Menschen vordringt). Wenig später findet sich der bis heute geläufige Begriff „hexse” (1293). Ausgelöst durch das verstärkte Auftreten häretischer Gruppen (Katharer, Albigenser, Bogumilen) setzte zwischen 1230 und 1430 in Europa eine intensive Diskussion über Zauberei und Ketzerei ein. Tatsächlich tauchen in diesem Umfeld auch immer wieder vorchristliche keltische, antike

gnostische und magische Vorstellungen auf. Ausgehend von der Realität des Teufels und seiner Dämonen sah man sich unabwägbaren okkulten Gefahren ausgesetzt. Weltliche und kirchliche Gerichte gingen gegen Menschen vor, denen man vorwarf, einen Bund mit dem Teufel geschlossen zu haben und Schadenszauber zu betreiben. Ab dem 13. Jahrhundert galt Hexerei (im Zusammenhang mit Irrlehre) als todeswürdiges Vergehen. Im Laufe der nun intensiv einsetzenden Hexenverfolgung wurden rund 100 000 Menschen getötet, zumeist verbrannt (90% Frauen). Gelegentlich trug der Kampf gegen Magie und Zauberei deutlich frauenfeindliche Züge. Damaligen Vorstellungen entsprechend wirkt die Hexenkunst am nachhaltigsten in der Walpurgis-, Oster- oder Johannisnacht. Mit einem Hexenbesen oder auf einem Ziegenbock durch die Luft reitend, versammelten sich die Hexen zu ihren schändlichen Festen auf bestimmten Bergen (z.B. dem Blocksberg = Brocken). Bei diesen Hexensabbaten huldigten sie dem Teufel in Bocksgestalt, mit dem sie sich sexuell vereinigten. Daneben war Schadenszauber aller Art ihre Hauptbeschäftigung. Sie verhexten Tier und Mensch, waren für Unwetter und Mißernten verantwortlich (Hexenring, Hexenschuss). Hexen griffen bei ihrer Kunst auf den „bösen Blick”, magische Zaubersprüche oder geheimnisvolle Kräuterextrakte zurück. Den historischen Hexen ist Schadenszauber, Luftflug, Wahrsagerei, Liebesmagie, Ketzerei, Verwandlung in Tiere und Teufelsbuhlerschaft vorgeworfen worden. In Prozessen erhaltene Geständnisse verurteilter Hexen können sowohl auf den Druck der Folter als auch auf echte okkulte Erfahrungen zurückgehen. Einige mittelalterliche Heilkundige u. Magier griffen für ihre Kontaktaufnahme mit der jenseitigen Welt auch auf Halluzinogene (z.B. Pilzgifte, Eisenhut, Schierling, Mohn) zurück, durch die tatsächlich Wahnzustände erreicht werden können, in denen der Betreffende meint zu fliegen, sich in ein Tier zu verwandeln oder mit der Natur sprechen zu können (vergleichbar mit Erfahrungen der Schamanen). Mangelndes Wissen über diese biochemischen Hintergründe bestärkte die Inquisitoren noch in ihrem Weltbild und erschwerte die Unterscheidung zwischen Betrug, Rausch u. echtem Okkultismus. Neues Hexentum Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts lässt sich eine Hexen-Renaissance in Europa beobachten. Deutschlands erster Hexenladen öffnete 1995 in München seine Türen. Zwischenzeitlich bieten zahllose Jugendzeitschriften, Ratgeber und Fachbücher, aber auch unterhaltende Medienmagazine zumeist positiv werbende Informationen über Hexerei und Zauberhilfen für den Alltag. Eine unübersehbare Szene selbstbewusster „neuer Hexen“ hat sich etabliert, die insbesondere im esoterischen Umfeld ihre Dienste als Spezialistinnen für weiße >Magie, Kräuterkunde, sexuelle Fragen, >Reinkarnation und Lebensberatung anbieten. Die „neuen Hexen” fühlen sich keiner einheitlich strukturierten Gruppe zugehörig. Manche praktizieren ihre Überzeugungen lediglich im Privatleben, andere schließen sich zu Vereinen oder Hexenzirkeln (covens) mit maximal 13 Mitgliedern zusammen, die sich wiederum auf verschiedene Traditionen zurückführen (Dianer Kult, Druiden, Gardnerer, Odinismus, welsche, piktische oder nordische). Wenn sich die einzelnen Hexengruppen auch deutlich voneinander unterscheiden, finden sich andererseits auch einige gemeinsame Grundüberzeugungen: Heiligkeit der Natur, Verehrung der „Großen Göttin”, >Magie, >Astrologie und Wahrsagen. Historisch gesehen haben die „modernen Hexen” ihre Wurzeln im >Feminismus, dem Neuheidentum, der Esoterik und der Ökologiebewegung. In der Frauenbewegung wurde die Selbstbezeichnung Hexe in den 70er Jahren aufgegriffen. Damit wollte man an die weibliche Macht mittelalterlicher Hexen anknüpfen, die als Gegenbild der damaligen, als patriarchal empfundenen Welt verstanden wurden. Die Hexenverfolgung wurde als Vorläufer gegenwärtiger gesellschaftlicher Auseinandersetzung zwischen Patriarchat und Matriarchat (Männer- und Frauenherrschaft) interpretiert. Hexen seien von Männern verfolgt worden, die sich durch weibliche Sexualität und vorchristliche matriarchale Glaubensformen

bedroht sahen. Patriarchales Denken sei unfrei, unterdrücke Gefühle und Vielfalt und beute die Natur hemmungslos aus. Dieser Konflikt setze sich durch die Benachteiligung der Frauen in der Neuzeit fort. Die stärker religiöse Komponente „moderner Hexen” zeigt sich vor allem im „Wicca Kult” (altenglisch wicce = die Weise / Hexe). Angestoßen wurde die Hexenbewegung durch ein Buch des amerikanischen Ethnologen Charles Godfrey Leland (The Gospel of the Witches, 1899), in dem er vorgeblich uralte Hexenrituale vorstellt und bewirbt. Dieses Buch diente den WiccaGruppen als Vorbild für ihr „Book of Shadows”. Einflussreich für die „modernen Hexen“ war auch ein Buch der Ägyptologin Margaret Alice Murray (The Witch Cult in Western Europe, 1921), in dem sie behauptet, die Hexen stünden in direkter Tradition vorchristlicher Fruchtbarkeitskulte, in der die „Große Göttin“ und der „Gehörnte Gott” verehrt würden. Dieser Matriarchatskult sei die älteste und umfassendste Religion, die erst durch das patriarchale Christentum verdrängt worden sei. Organisatorisch geht der Wicca-Kult auf G. B. Gardner (1884-1964) und A. Sanders (19161988) zurück. Erste Wicca- Gruppen bildeten sich nach der Aufhebung des Hexenverbots in England (1951). Zwischenzeitlich geben Hexen- Vereinigungen eigene Mitteilungsblätter heraus, den „Wicca-Brief”, das „Magazin für Hexenglauben“ oder „Abraxas“, das Organ des „YggdrasilKreis e.V.“, der als gemeinnützig vom Finanzamt anerkannt ist und in Wahrsagerei, Astralwandern und „Magia Sexualis“ einführt. Gelegentlich werden Hexenkulte auch von rechtsextremen Gruppen vereinnahmt, weil diese darin einen „arteigenen” germanisch- keltischen Glauben erkennen, den sie gegenüber Judenund Christentum als „orientalischen Religionen” den Vorzug geben. „Moderne Hexen” kennen keinen personalen Gott und keine übernatürliche Offenbarung. Feste Dogmen, absolute ethische Ordnungen oder Glaubensregeln lehnen sie ab. Im Hexenglauben gibt es keinen eindeutigen Unterschied zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen heilig und profan (weltlich). Alles im Kosmos steht in Wechselbeziehung zueinander. Die Göttin wohnt im Menschen und in der Natur. Gleichzeitig verfügt sie über unbegrenzte kosmische Kraft, die Hexen sich mittels magischer Rituale nutzbar machen. Sie erstreben eine herrschaftsfreie Gesellschaft, in der die Menschen im Einklang mit der Natur und miteinander leben. Hexen feiern 13 Mond- und acht Sonnenfeste. In ihren Ritualen wird die Göttin als Jungfrau, als Erwachsene und als weise Alte verehrt. Gelegentlich werden auch konkrete Göttinnen verehrt (Diana, Gaia, Mondgöttin), deren Namen meditativ gesprochen (gechantet) werden und deren Einheit man sucht. Die Welt wird vor allem aus ihrer Polarität (Mann - Frau / Geist - Materie / Hell - Dunkel usw.) gedeutet, die es zu überwinden gelte. In symbolischen Handlungen mit Kelch (weiblich) und Stab (männlich) wird diese Vereinigung symbolisch vollzogen. Andere Rituale sollen die Frauen in Einklang mit dem Kosmos bringen, Gesundheit, Glück oder Ausgeglichenheit bewirken oder negative Energien abbauen. Konkrete Verhaltenweisen, Amulette, magisch aufgeladene Substanzen (Edelsteine, Schmuck, Figuren ...) und heilige Worte sollen die Gegenwart und Hilfe der göttlichen Macht fördern. Einige engagierte Hexen sind der Überzeugung, ihre Rituale bewirkten die letztliche Rettung der Menschheit und der Natur. Die Hexe könne nicht nur sich selbst, sondern auch die ganze Welt erlösen. Dazu bedarf es ausschließlich der Aktivierung der in ihr selbst ruhenden Kräfte der Erkenntnis ihres eigenen, göttlichen Wollens. Beurteilung Sicher kann der moderne Hexenglaube als Reaktion auf kalte Rationalität, Globalisierung und Naturbeherrschung verstanden werden. Andererseits füllt er das religiöse Vakuum, das durch den Bedeutungsverlust etablierter christlicher Kirchen entstanden ist. Kritische säkulare Auseinandersetzungen mit der „Modernen Hexerei” finden sich vor allem bei Will-Erich Peukert (1895-1969) und Johann Kruse (1889-1983). Das „Johann-Kruse-Archiv zur Bekämpfung des neuzeitlichen Hexenglaubens” hält bis heute in Hamburg regelmäßige Hexensprechstunden ab (www.rabenclan.de).

Hexenkulte stehen in deutlichem Widerspruch zu christlichen Grundüberzeugungen. Christen unterscheiden deutlich zwischen Gott und Mensch (Natur). Hexen vergöttlichen den Menschen und vermenschlichen Gott. Christen kennen Gott als personales Gegenüber. Hexen wenden sich an anonyme, kosmische Energien. Christen akzeptieren Gottes souveräne Entscheidungen und seine ethischen Regeln. Hexen geben eigene Empfindungen als Reden Gottes aus und versuchen, „göttliche“ Kraft zu eigenen Zwecken zu manipulieren. Christen wissen um die tief sitzende Schlechtigkeit des Menschen, die nur durch die liebende Erlösungstat Jesu überwunden werden kann. Hexen setzen auf eine rituelle Selbsterlösung und gehen davon aus, dass der Mensch (insbesondere die Frau) von Natur aus gut sei. Darüber hinaus verurteilt Gott in der Bibel jede Art von Hexerei und Magie (2Mo 22,17; 5Mo 18,10; 1Sam 28,9; Jes 2,6; Offb 21,8). In der Absicht, sich Gottes Macht zu vereinnahmen, stehen diese Bemühungen im deutlichen Gegensatz zum christlichen Glauben, der sich Gott vertrauensvoll ausliefert. Wer sich mit Hexerei und Magie beschäftigt, steht nicht nur in Gefahr, von einem unbiblischen Weltbild geprägt oder von zwielichtigen Scharlatanen betrogen zu werden. Christen wissen um die Gefahr okkulter Bindungen durch die intensive Beschäftigung mit Hexerei. Menschen werden innerlich unfrei und können geistlich von übernatürlichen dämonischen Mächten in Beschlag genommen werden (>Dämonen; Lk 8,26ff; 11,24-26; Apg 8,9ff; 19,19; Gal 5,20). Das kann sich in übernatürlichem Wissen bezüglich der Zukunft, Heilungsfähigkeiten, außerordentlicher Kraft, Selbstmordgedanken, Depression in Wahnvorstellungen, Angstzuständen, aber auch in körperlichen Phänomenen und einer generellen Ablehnung christlichen Gedankenguts niederschlagen. Lit.: D.Harmening Hrsg.: Hexen heute. Magische Traditionen und neue Zutaten, 1991 / R.Hauth: Hexen, Gurus, Seelenfänger, 1994 / J.Kruse: Hexen unter uns, 1951 / H.Sebald: Hexen damals und heute?, 1990 / A.Schrupp: Die Neuheiden. Von neuen Heiden und alten Göttern, 1997 ---

Mit dem Unsichtbaren leben

- Unsichtbare Mächte und die Macht Jesu -

Inhalt

I. Einleitung: Ein Leben in Fülle 1. Abschnitt: Die biblische Sicht von der Gesamtwirklichkeit 1. Kapitel: Kritische Besinnung 2. Kapitel: Sichtbares und Unsichtbares 3. Kapitel: Augen, die sehen - Ohren, die hören 4. Kapitel: Gliederung des Unsichtbaren II. Abschnitt: Bedrohung durch Mächte des Unsichtbaren 5. Kapitel: Das Aas und die Geier

6. Kapitel: Vom Wesen des Bösen 7. Kapitel: Die Geister im Unsichtbaren III. Abschnitt: Bewahrung durch die Macht Jesu 8. Kapitel: Jesu Kampf und Sieg 9. Kapitel: Der Mensch und sein Gewissen 10. Kapitel: Entstehung von okkulter Belastung 11. Kapitel: Befreiung von okkulter Belastung

Vorwort Anlaß zu diesem Buch war der mehrfach geäußerte Wunsch, einen Vortrag von mir, den ich vor vielen Jahren über »Seelsorge an okkult Belasteten« gehalten habe, in einer erweiterten Form verfügbar zu haben. Diese seelsorgerliche Thematik wird im dritten Abschnitt behandelt. Da aber die Erscheinungen des Okkulten in der Gegenwart mehr und mehr um sich greifen und auch Gläubige in Gefahr stehen, ohne Orientierung zu bleiben oder verführt zu werden, halte ich es für notwendig, das Thema weiter zu fassen und in der mir gegebenen Sicht von einem »Leben mit dem Unsichtbaren« zu sprechen. Damit soll zugleich herausgestellt werden, daß bei dem Eingehen auf Okkultes diesem kein breiter Raum gegeben, sondern in erster Linie von der Macht und dem Sieg Jesu Zeugnis abgelegt wird. Denn Jesus hat alle seine Feinde überwunden, vor ihm können auch okkulte Mächte nicht bestehen. So möchte ich zunächst von dem Leben in Fülle und Freiheit reden, das in Jesus verheißen und gegeben wird. Sodann will ich deutlich machen, daß auch alle Bedrohungen von Fülle und Freiheit, die vom Widersacher Gottes und seinen Mächten kommen können, allein von Jesus her überwunden werden können. Dafür braucht es vollmächtige brüderliche Hilfe, von der als Drittem hier gesprochen werden soll. Der Begriff des Okkulten wird unterschiedlich verstanden. Das Sammelwerk »Die Religion in Geschichte und Gegenwart« begreift Okkultismus als ein »Sammelwort für die Fülle der geheimnisvollen Kräfte und Beziehungen, die im Bereich der Seele, im Haushalt der Natur und zwischen diesen beiden Größen wirken«. Der so verstandene Okkultismus achtet nicht nur auf die Geheimnisse der menschlichen Seele, er ist überzeugt, daß auch die Natur in einem weiteren Sinn beseelt ist und daß darum innige Wechselbeziehungen zwischen der Natur und der Seele des Menschen möglich sind. Beobachtungen dieser Art wurden häufig in zivilisatorisch noch unerschlossenen Missionsgebieten gemacht, wo Christentum und Stammesreligionen einander begegneten. Man spricht hier sogar von »Okkultistischer Begabung«, die religionsgeschichtlich gesehen zur ursprünglichen Ausrüstung des Menschengeschlechts gehört habe, so daß man dem prähistorischen Menschen ungewöhnliche parapsychische und magische Fähigkeiten zuschreibt, die der moderne Mensch verloren habe. Immerhin ist so ein Ansatzpunkt gegeben, die (im genannten Sinne) okkulten Phänomene parapsychologisch zu erforschen, indem man Menschen auf ihre sogenannte »Psi Fähigkeit« testet. Praktisch wird dabei das Okkulte mit dem Forschungsbereich der Parapsychologie gleichgesetzt. Ich möchte diese Forschungen, die mit wissenschaftlichen Maßstäben, d.h. mit schärfster Kritik und Skepsis und mit strengstens abgesicherten Prüfungsmethoden an die Untersuchung solcher okkulten Phänomene herangehen, keineswegs abwerten. Doch muß deutlich sein, daß es bei diesen Forschungen um den Nachweis außer oder übersinnlicher Fähigkeiten der menschlichen Seele geht, nicht um den Nachweis von Einwirkungen unsichtbarer Mächte. Das muß betont werden. Nach meiner Überzeugung ist es nicht möglich, Einwirkungen aus der unsichtbaren in das Sichtbare hinein wissenschaftlich zu erfassen. Man kann in gewissem Umfang ihre Spuren im Sichtbaren feststellen, nicht aber ihr Wesen oder ihren Ursprung erkennen. Diese

Unmöglichkeit liegt darin begründet, daß Gott nicht wissenschaftlich, d.h. mit den Mitteln menschlicher Vernunft, erkannt werden kann und ebensowenig eine Einwirkung guter oder böser Mächte, die auf Gottes Geheiß hin oder unter seiner Duldung tätig werden. Von der Bibel aus, die ich durchweg als Offenbarungsquelle verstehe, steht fest, daß wir in der sichtbaren, gegenständlichen Welt von einer unsichtbaren Welt umgeben sind, die wir zwar mit den Sinnen nicht wahrnehmen können, von der aber spürbare Einwirkungen auf den Menschen ausgehen. Des Näheren weiß die Bibel von guten und bösen Mächten in dieser anderen Welt; sie spricht von Engeln und von Dämonen, von Thronen und Herrschaften, von Mächtigen und Gewaltigen, die auf Leib, Seele, Geist der Menschen Einfluß nehmen können und nehmen. Ursache und Urheber dieser Ein¬wirkungen bleiben verborgen. Menschliche Neugier aber sucht gern Verborgenes aufzuspüren. Da das seine Gefahren hat und sich für das ewige Leben schädlich auswirken kann, warnt Gottes Wort vor dem Umgang mit verborgenen Mächten. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, sind es gottwidrige Mächte, die auf menschliches Bemühen hin sich melden. Von dieser biblischen Warnung aus pflegt man die Begriffe »okkult« und »Okkultes« auf diejenigen Einwirkungen aus der unsichtbaren Welt zu beschränken, die von gottwidrigen Mächten ausgehen und Menschen nach Leib, Seele, Geist in Gefahr oder in schädliche Abhängigkeit bringen. Ich verstehe das »Okkulte« hier stets in diesem Sinn. Natürlich wird die Existenz von Mächten einer »anderen Welt« weithin bezweifelt, sogar abgestritten. Im wissenschaftlichen Bereich ist man viel mehr geneigt, die davon ausgelösten Erscheinungen und Auswirkungen rein innerweltlich, insbesondere innermenschlich zu erklären. Weder die eine noch die andere Auffassung läßt sich durch rationale Argumente stützen. Hier ist eine Entscheidung erforderlich, wie man glaubensmäßig zu dem lebendigen Gott steht und zu seiner in der Bibel überlieferten Offenbarung. Sie spricht von einem »geschichtlichen Prozeß«, den Gott begann, lenkt und einem Ende zuführt. In diesem Prozeß ist der Böse eine aktive geschichtsträchtige Figur. Es ist der Sinn der beiden ersten Abschnitte des vorliegenden Buches, die Aussagen der Bibel über die »andere Welt«, die sie als das Unsichtbare bezeichnet, zu einer Gesamtschau zusammenzufassen, damit von daher die Warnungen und die Verheißungen der Bibel neu verstanden und Zusammenhänge neu erkannt werden mögen, vor allem jedoch auch das Erlösungswerk Jesu von dieser Sicht her neu in den Blick kommen kann. Mainz, Februar 1976 Hans Rohrbach

I. Einleitung: Ein Leben der Fülle

Verheißung und Erfüllung »Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen.« Dieses Wort Jesu (Joh. 10,10) zeigt, was uns Menschen im Grunde fehlt: ein Leben, das den Namen Leben verdient, und eine Versorgung, die keinen Mangel kennt. Uns das zu bringen, ist Jesus gekommen, ist ein Anlaß unter vielen für sein Kommen auf die Erde. Hinsichtlich des Lebens hören wir von Jesus weiter (Joh. 14,19): »Ich lebe, und ihr sollt auch leben.« Man kann dieses Wort als ein Wort des Auferstandenen verstehen und auf das ewige Leben beziehen. Da es aber in den Abschiedsreden zu den Jüngern gesagt ist, kann es ebenso gut auf das irdische Leben bezogen werden. Dann gibt das »ich lebe« in Jesu Mund einen Hinweis auf die ihm eigene Art des Lebens, auf die sein Denken, Reden und Tun bestimmende

völlige Abhängigkeit vom Vater im Himmel. Nach dem Willen des Schöpfers, der den Menschen bei der Erschaffung mit dem Einblasen seines Geistes in seine Gemeinschaft berufen hat, soll Leben mehr sein als Existenz, mehr als ein Dasein. Wie auch sonst in der Bibel bedeutet »Leben«, in den Worten Jesu ein »Leben in der Gemeinschaft mit Gott«. Leben ohne Gott ist im Sinne der Bibel gleichbedeutend mit Tod (Off. 3,1). Vor einem solchen geistlichen Tod will Jesus uns bewahren. Er will uns ein geistliches Leben geben, ein Leben, wie er es in sich gehabt hat. Daß es etwas Besonderes um dieses Leben ist, sagt uns die Bibel mehrfach. Petrus bekennt von Jesus (Joh. 6,69): »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!« Und von diesem Gott wird ausgesagt (Joh. 5,26): »Wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber«. Weiter bezeugt Johannes für die Jünger (1. Joh. 1,2): »Das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen.« An einem solchen Leben will Gott uns über das irdische Leben hinaus Anteil geben durch den Glauben an Jesus. Denn »der Sünde Sold ist Tod; Gottes Gabe aber ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn (Röm. 6,23). Es geht um höchste innere Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, wie Jesus selbst sie kennzeichnet: »Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen« Joh. 17,3). Und ein Leben in der Erkenntnis Gottes erweist sich im irdischen Leben dadurch, daß wir nach dem Willen Gottes für unser Leben fragen, es danach führen lernen und Jesus in uns Herr sein lassen. Das besagen Worte wie: ». . . also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln« (Röm. 6,4b). »Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur« (2. Kor. 5,17). »Ich lebe; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes« (Gal. 2,20). Doch nicht nur Leben, auch volle Genüge soll uns durch Jesus werden. Diese Zusage bezieht sich zunächst auf den täglichen Bedarf an Nahrung, Kleidung, Wohnung für jeden, den Jesus sich als Zeugen erwählt, Am Ende seines irdischen Wirkens fragt er seine Jünger (Luk. 22, 3): »Sooft ich euch ausgesandt habe, . . . , habt ihr je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie.« Aber die Zusage gilt vor allem für die geistigen und geistlichen Gaben derer, die an Jesus glauben. »Ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntnis. Denn die Predigt von Christus ist in euch kräftig geworden, so daß ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe« (1.Kor.1,5-7). Das bezeugt Paulus auch in seinem Brief an die Epheser: »Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christus« (Eph. 1,3). Was es um diese volle Genüge im einzelnen ist, hebt Paulus anschließend hervor: In ihm (Jesus Christus) hat Gott uns erwählt und dazu verordnet, daß wir seine Kinder seien (Eph. 1,4.5). In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, und Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens (Eph. 1,7,9). In ihm sind wir auch zum Erbteil gekommen, auf daß wir etwas seien zum Lobe seiner Herrlichkeit (Eph. 1,11-12). Und dies alles kommt jedem an Jesus Glaubenden zu, denn, so beschließt Paulus die Aufzählung der himmlischen Güter, »in ihm seid auch ihr, da ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unseres Erbes zu unserer Erlösung, daß wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit« (Eph.1,13-14).

Frage an uns Nachdem wir uns so Jesu Verheißung und ihre Erfüllung in den Urgemeinden vor Augen gestellt haben, erhebt sich die Frage: Haben wir, die wir heute an Jesus glauben, diese Fülle und volle Genüge? Oder begnügen wir uns mit wenigem an Frömmigkeit und Christlichkeit, obgleich wir aus Jesu Fülle nehmen könnten Gnade um Gnade? Gibt sein Geist Zeugnis unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind? Haben wir Heilsgewißheit? Haben wir Vergebung unserer Sünden? Deckt

uns sein Geist auf, was in unserem Leben noch zu bereinigen ist? Wissen wir von Ältesten in der Gemeinde, bei denen wir beichten können? Durch deren Zuspruch uns Jesu Vergebung erreicht und uns mit Freude und Seligkeit erfüllt? Haben wir Freude am Wort Gottes? Wissen wir um den Sinn von Anfechtungen? Um die Weisungen der Bibel zu deren Überwindung? Um die Möglichkeit von Seelsorge? Wollen wir immer noch allein mit unseren Sorgen und Problemen fertig werden, statt in Anspruch zu nehmen, was Jesus uns bietet? Finden wir uns zurecht in der Vielfalt von Bewegungen der Gegenwart, die Freude, Frieden, Liebe, Licht, Erkenntnis u.a. zu vermitteln versprechen und sich oft auf Gott und Christus berufen? Jesus hat gesagt: Ich bin gekommen, dag sie das Leben und volle Genüge haben. Und er fügt hinzu: »Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen. Ich lasse mein Leben für die Schafe.... Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir» (Joh. 10,14.15.27). Weiter warnt uns Jesus vor Fremden, die er mit Dieben, Räubern und Mietlingen vergleicht. Er ist zwar gewiß: »Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht« (Joh. 10,5). Aber sind wir uns dessen gewiß? Können wir unter den vielen Stimmen, die in der Gegenwart auf uns eindringen, eindeutig die Stimme Jesu heraushören? Es gibt viele falsche Apostel und falsche Propheten! Paulus wird sehr deutlich, wenn er von ihnen redet: »Solche falschen Apostel und arglistigen Arbeiter verstellen sich zu Christi Aposteln. Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichts. Darum ist es auch nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit« (2. Kor. 11,13 15). Wachsamkeit tut not Menschen, die an Jesus glauben, sind zu jeder Zeit, aber vielleicht noch niemals so stark wie jetzt, den Verführungen Satans ausgesetzt, der sich äußerst geschickt zu tarnen versteht und seine Diener zurüstet und aussendet, um Christen von Jesus abwendig zu machen. Sind wir wachsam? Greifen wir ständig zu dem, was Jesus uns bietet? Damit sein Wort für uns wahr bleibt: »Niemand wird sie aus meiner Hand reißen« (Joh. 10,28)? Schon Jesu Jünger, die wahren Apostel, mußten zu ihrer Zeit die Gemeinden warnen: »Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben und wisset, daß eben dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen« (1. Petr. 5,8.9). »Lasset euch von niemand verführen! Wer recht tut, der ist gerecht, gleichwie er (Jesus) gerecht ist. Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre« (1. Joh. 3,7.8). Damit setzen die Jünger einen Kontrapunkt zu Jesu Wort vom Leben und voller Genüge. Denn diese Gaben sind bedroht. Es ist ein Widersacher da. Der Widersacher Gottes ist auch unser Widersacher, die wir an Jesus als unseren Herrn und Erlöser glauben. Und nur dadurch, dag Jesus der Stärkere und allein imstande ist, die Werke des Teufels damals wie heute zu zerstören, haben wir als Christen die Möglichkeit, mit Jesus im Kampf gegen Satan und seine (menschlichen und dämonischen) Diener zu bestehen. Beides, das Kommen Jesu als Sohn Gottes auf die Erde zur Erlösung für viele und das Bemühen Satans, Jesu Erlösungswerk zu vernichten, ist Realität. Von dieser Realität redet die Bibel sehr nüchtern – warnend im Wissen um die Macht der Finsternis, ermutigend im Wissen um den Sieg Jesu. Die Bibel in beidem ernst zu nehmen, ist wie eh und je lebensnotwendig für jeden, ob er schon glaubt oder noch nicht glaubt. Dieses Buch versucht, einiges an Zusammenhängen um Licht und Finsternis in praktischer Seelsorge aufzudecken.

Kapitel 1: Kritische Besinnung

Weltbild und Gottesbild Wir haben von Gott und von Jesus Christus, dem Auferstandenen, auch von dem Widersacher Gottes, dem Teufel, gesprochen als von Realitäten. Dabei haben wir uns an die Bibel gehalten und betont, daß es notwendig, sogar lebensnotwendig sei, sie in ihren Aussagen ernst zu nehmen, in ihren Verheißungen sowohl wie in ihren Warnungen. Darf man aber heute so noch reden ? Handelt es sich dabei nicht um längst überholte Vorstellungen? Haben nicht historische, naturwissenschaftliche, medizinische, psychologische Forschungen die Angaben der Bibel als zeitbedingt und mythologisch erkannt? Wo soll es in dieser Welt einen Himmel oder eine Hölle geben, wo soll man sich Gott und Jesus, den Auferstandenen, wo Engel, Teufel und Dämonen denken? Gewiß, das sogenannte »biblische Weltbild«, das sich die Wirklichkeit mit Himmel, Erde und Hölle wie in drei Stockwerke gegliedert dachte, gehört zu den naiven, vorwissenschaftlichen Vorstellungen der Christenheit. Die Geschehnisse, von denen die Bibel berichtet, haben zwar durch die Jahrhunderte hindurch viele bedeutende Künstler zu großen Kunstwerken inspiriert, vor allem in Malerei und Dichtung. Aber auch diese Darstellungen müssen in vielerlei Hinsicht als naiv angesehen werden. Die Bilder Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle nehmen zweifellos jeden Beschauer gefangen und geben ein überwältigendes Zeugnis für den Glauben des Künstlers. Sich Gott als Ehrfurcht gebietenden Mann mit wallendem Haupthaar und Bart vorzustellen, ist menschlich verständlich, entbehrt aber jeder biblischen Grundlage. Denn dort wird uns gesagt (Joh. 1,18): »Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.« Und dieser Sohn Gottes spricht: »Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten« (Joh. 4,24). Jede bildhafte Darstellung Gottes geht an seiner Seinsweise vorbei. Nicht umsonst ist dem ersten Gebot die Weisung beigegeben: »Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht« (2. Mo 20,4 5). In der Dreigliederung dieser Weisung scheint sich das naive Weltbild anzudeuten, doch trifft das nicht zu. Man muß die Gliederung tiefer verstehen, was später (Kapitel 4) ausgeführt werden wird. Hier geht es in der Weisung darum, daß Menschen von Mächten im Himmel, auf der Erde, unter der Erde wissen und sich in dem Wunsche, sich an Sichtbares und Greifbares zu halten, Bildnisse von ihnen machen und diese Götzenbilder, wie die Bibel sie nennt, anbeten und sich ihnen unterwerfen. Ob gute oder böse Mächte so dargestellt und verehrt werden, Engel, Heilige, Teufel, Dämonen, ist Gott in gleicher Weise ein Greuel. Er schließt sich selbst in dieses Gebot ein; auch von ihm sollen wir uns kein Bild machen, wie etwa aus den Stellen 5. Mo 4,15 oder Jes. 40,18 hervorgeht. Sehr deutlich greift Paulus darauf zurück, wenn er schreibt (Röm. 1,23): »Sie haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen.« Gott erwartet von uns, daß wir an ihn als den Unsichtbaren glauben. Das einzige »Bild«, das uns erlaubt ist, ist Jesus. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (Kol. 1, 15). An ihn allein sollen wir uns halten, zu ihm allein aufschauen (Hebr. 12,2). jede bildliche oder allegorische Darstellung Gottes entspringt menschlichem Denken und ist damit naiv. Gleiches gilt für Darstellungen des Auferstandenen oder von Engeln. Ihre Seinsweise ist mit menschlichen Mitteln nicht ausdrückbar.

Das Böse und der Teufel

Ebenso sind die mittelalterlichen Darstellungen vom Teufel und von Dämonen als naiv zu bezeichnen. Attribute wie Pferdefuß, Schwanz und Hörner sind Produkte menschlicher Phantasie, die mit der Realität des Teufels nichts zu tun haben. Solcherlei Darstellungen wurden seit der Aufklärung mit Recht als lächerlich empfunden und führten nur dazu, Teufel und Dämonen als Kategorien des Aberglaubens anzusehen, von denen ein aufgeklärter Mensch sich mittels der Vernunft zu lösen habe. Hexenprozesse und andere inquisitorische Maßnahmen taten ein Übriges, die Glaubwürdigkeit biblischer Aussagen in Frage zu stellen. Mit dem Sich lösen von kirchlicher Lehre und naivem Volksglauben wurden die Mächte des Bösen mehr und mehr verharmlost, im Grunde geleugnet. Aber das Böse in der Welt blieb und mehrte sich. Es macht sich in der Gegenwart in ungeahnter und erschreckender Weise bemerkbar. Um es zu erfassen, bedurfte es neuer Kategorien. So versteht man Teufel und Dämonen vielfach nur als Begriffe, als Personifikation des Bösen in der Welt und im Menschen. Damit ordnet man dieses ein in den Bereich von Ethik und Moral, von Philosophie, Weltanschauung oder Ideologie. Die darauf gegründeten Maßstäbe und Normen sind aber für den Großteil der Menschen unverbindlich, und es entsteht ein Leerraum, in den hinein Information und Orientierung gegeben werden sollten. Dazu werden die richtigen Kategorien noch gesucht. So ist es kein Wunder, daß in der Gegenwart die Diskussion um den Teufel und das Böse, um ihr Wesen und ihre Realität erneut aufgegriffen wird, insbesondere von theologischer Seite. Einen Überblick über die hierbei vertretenen Ansichten verschafft die kürzlich erfolgte repräsentative Meinungsumfrage bei katholischen und evangelischen Theologen (A. J. Hammers und U. Rosin, Fragen über den Teufel, in Psi und Psyche, Stuttgart 1974). Ihnen wurden zahlreiche Thesen vorgelegt, zu denen sie sich zustimmend oder ablehnend äußern sollten. Beispiele für solche Thesen sind: * Die traditionelle Teufelslehre der Kirche ist ein Hindernis für den Kampf gegen den Aberglauben. * Der Teufel wird nur deswegen in der Bibel als Person dargestellt, weil die Bibel ganz allgemein die mythische Ausdrucksweise ihrer Zeit übernommen hat. * Der Teufel ist die Personifikation des Bösen in uns und in der Welt, nicht aber ein real existierendes personales Wesen. * Der Mensch ist zu den größten Untaten fähig, ohne daß der Teufel auch nur einen Finger rühren muß. * Leute, die den Teufel für ihre Anfechtungen verantwortlich machen wollen, versuchen, ihren innerseelischen Konflikten auszuweichen . * Wenn wir das Böse als solches ernst nehmen und bekämpfen, ist die Intention der Bibel erfüllt, egal, ob wir an die personale Existenz des Teufels glauben oder nicht. Von den befragten Theologen haben evangelischerseits die meisten allen sechs Thesen zugestimmt, katholischerseits den ersten drei Thesen etwa ein Drittel, den letzten drei Thesen etwa zwei Drittel. So aufschlußreich dieses Ergebnis auch sein mag von Bedeutung ist in unserem Zusammenhang nur die Naivität, mit der die Thesen formuliert und angenommen wurden. Denn die Thesen setzen voraus, daß sie gesicherte oder entscheidbare Aussagen machen. Dem gegenüber muß zurückgefragt werden: ist der Glaube an die Realität des Teufels wirklich Aberglaube? Ist die biblische Ausdrucksweise mythisch? Ist die Frage nach der Personalität des Teufels entscheidbar? Ist die Wurzel menschlicher Untaten letztlich erkennbar? Sind Anfechtungen nur psychologisch bedingt? Ist es möglich, das Böse zu bekämpfen ohne das biblische Zeugnis vom Sieg Jesu?

Wer meint, solche Rückfragen seien theologisch erledigt, hat Vorentscheidungen getroffen, besonders über das Verständnis der Bibel. Bei Diskussionen um den Teufel und das Böse kommen dann nur menschliche Vorstellungen und Erkenntnisse zum Zuge. Da nicht geprüft wird, ob das für das vorliegende Problem ausreicht, handelt es sich bei den gewonnenen Ergebnissen auch um Naivitäten. Vom Sein Gottes Aus zwei entgegengesetzten Richtungen sind wir auf Naivitäten gestoßen. Einmal von der Seite der Bibelgläubigen her, für die am traditionellen Verständnis biblischer Aussagen nichts geändert werden darf. Zum anderen von der Seite der Bibelkritiker her, für die die Bibel mehr oder weniger ein Buch wie jedes andere Buch ist. Die einen halten an der Stockwerksvorstellung fest, weil sie meinen, damit im Weltbild der Bibel zu leben. Würden sie die Vorstellung aufgeben, so fürchten sie, würden alle biblischen Worte von ei¬nem Oben und einem Unten, besonders die von der Höllen und der Himmelfahrt Jesu, von der Entrückung der Gemeinde und von der Wiederkunft Jesu hinfällig werden. Die anderen halten sich an wissenschaftliche Erkenntnisse und sehen in vielen biblischen Aussagen zeitbedingte Vorstellungen, die neu zu interpretieren sind. Die einen gehen von der Menschwerdung Gottes, von seiner Zuwendung zu den Menschen aus und haben ein nahes, anschauliches, menschliches Gottesbild. Die anderen betonen den Unterschied von Schöpfung und Schöpfer, kommen nach und nach zu einem fernen, abstrakten Gottesbild und können vom sogenannten naturwissenschaftlichen Weltbild her das biblische Zeugnis von einem persönlichen Gott nicht nachvollziehen, da ein Himmel in dieser Welt nicht existiert. Die einen verstehen mit dem Glauben an einen persönlichen Gott auch den Widersacher Gottes, den Teufel, als Person. Die anderen können, wenn sie Gott nur als innermenschliches Prinzip (das Wie meiner Existenz, das Warum meiner schlechthinnigen Abhängigkeit) oder als zwischenmenschliche Beziehung (Mitmenschlichkeit) verstehen, auch dem Teufel keine personale Existenz zuordnen. Mit diesen beiden nur angedeuteten Richtungen sind Extreme von Glaubenshaltungen skizziert, die zwar je in sich konsequent sind, aber doch als naiv gelten müssen. Denn sie meinen, über das Sein oder Nichtsein Gottes könne nach menschlichen Vorstellungen entschieden werden. Beide Richtungen werden die Worte kennen (Jes. 55,8.9): »Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.« Aber sie beachten zu wenig oder gar nicht, daß wir damit auf das große Geheimnis hingewiesen werden, das über der Person Gottes liegt und das die Bibel nicht lüftet. Paulus beugt sich darunter, wenn er schreibt (1. Kor. 13,9.10.12): »Unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.« Wenn wir recht vom Sein Gottes reden wollen, müssen wir von allen wissenschaftlichen oder weltanschaulichen, allen philosophischen oder ideologischen Seinsvorstellungen absehen und allein auf die Bibel hören. Sie gibt uns Zeugnisse von Menschen, zu denen Gott geredet hat. Sie stellt zunächst fest (Hebr.11,6): »Wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei«, und bezeugt: »Nach dem vor Zeiten Gott manchmal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn« (Hebr.1,1-

2). Nach diesem Grundzeugnis der Bibel wissen wir: Gott ist. Aber nach eben diesem Grundzeugnis ist Gott nicht wie wir Menschen oder die Dinge sind. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß Gottes Offenbarung im Orient geschah und daß er sich ein Volk des Nahen Ostens ausgesucht hat, das alte Volk Israel, dem er die Offenbarung in seinem Wort schenkte. Dieses Volk hat sicher auch unter dem Einfluß der ihm gegebenen Offenbarung ein Denken entwickelt, das vom abendländischen Denken, etwa dem griechischen, grundverschieden ist. Im Orient geht es um ein vor philosophisches Denken, das die Frage nach dem Sein nicht durchreflektiert hat. Es sieht auch keine Veranlassung, das zu tun. Denn die Beziehung ist wichtig, nicht das Sein. Frau und Kinder hat man, darauf kommt es an, nicht daß sie sind. Wird ein Kind aus der Familie ausgestoßen, etwa weil es einen anderen Glauben angenommen hat, so ist dieses Kind nicht mehr, weil die Beziehung zur Familie aufgehört hat. Auch das Selbstzeugnis Gottes im Alten Testament: »Ich bin der Ich bin« (2¬. Mose 3,14) ist keine metaphysische Seinsaussage, sondern setzt eine Beziehung, zeigt die Hinwendung Gottes zu seinem Volk: Mose soll vom Pharao fordern, daß der das Volk frei lasse, und dabei sagen: »Der ich bin schickt mich.« Wir pflegen zu fragen, ob Gott ist, wo er ist, wie er ist u.a. Darauf aber antwortet Gott nicht. Er will nicht unsere Logik befriedigen, sondern schafft durch Offenbarung sein Verhältnis zu uns Menschen und setzt damit auch unsere Beziehung zu ihm. Darum geht es der Bibel. Sie philosophiert nicht über das Sein Gottes. Sie spricht von seinen großen Taten und zeigt, was die Hinwendung Gottes zum Menschen für diesen bedeutet. Will man einen »Gottesbeweis« versuchen, so müßte er lauten: Gott ist, weil es Menschen gibt, die von ihm wissen und ihm vertrauen aufgrund einer Beziehung zu ihm, die durch sein Wort gewirkt wurde. Demgegenüber gilt: Ein Ding ist, weil jemand die Idee hatte, das Ding zu machen. Im griechischen, philosophischen Denken muß die Idee des Dinges da sein, im orientalischen der Mann, der das Ding gebrauchen will. Alle Abstraktionen sind der Bibel fremd. Gott ist keine Idee. Gott ist kein Prinzip. Die Argumente für die heute mancherorts modern gewordene Gott ist-tot Theologie beruhen auf einem philosophischen Seinsdenken, das an der Bibel völlig vorbeigeht. Personalität im Geist Was über das Sein Gottes ausgeführt wurde, gilt für alle drei Personen der Gottheit, für den Vater, für den Sohn, für den Heiligen Geist. Während wir aber Gott Vater und Gott Sohn ohne Mühe personhaft denken können, fällt es bei Gott, dem Heiligen Geist, im allgemeinen schwer. Inwiefern ist auch er Person? Um zu einer Antwort zu kommen, bedenke man, ob die Schwierig¬keit nicht da herrührt, daß wir uns Gott Vater und Gott Sohn in fal¬scher Weise als Person vorstellen; daß wir Erfahrungen und Begriffe unserer Welt auf die Welt Gottes übertragen, ohne zu überlegen, ob das sinnvoll ist. Gott ist nicht, wie wir Menschen sind. Das ist sogar gegenüber einem Gesicht zu beachten, das dem Propheten Daniel geschenkt wurde. Er berichtet (Daniel 7,9.13): »Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupte rein wie Wolle; Feuerflammen waren sein Thron, und dessen Räder loderndes Feuer ... Ich sah in diesem Gesichte in der Nacht und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich.« Hier sieht Daniel prophetisch die Erhöhung Jesu, nach dessen Entrückung ins Unsichtbare, zur Rechten des Vaters voraus. Und Gott offenbart sich in diesem und anderen Gesichten und Worten so, daß wir ihn, den Unermeßlichen, in unserer Begrenztheit erfassen können. Wie er

wirklich ist, können wir als endliche Wesen nicht erkennen, ebenso wie das ei¬gentliche Wort Gottes für uns unaussprechlich ist (2. Kor. 12,4). Wir sollten uns daher, aus biblischer Sicht, von jeder anthropomorphen, uns noch so geläufigen Vorstellung trennen, d.h. von der Vaterfigur und von der Sohnsgestalt ganz absehen. Stattdessen sollten wir lernen, für Gott den Vater und Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist ein und dasselbe pneumatische Sein anzunehmen und seine biblische Bedeutung darin zu sehen, daß es eine Beziehung zum Menschen setzt. Der Vater, der uns geschaffen hat, der Sohn, der uns erlöst hat, der Heilige Geist, der uns in alle Wahrheit leitet das ist jeweils die Beziehung, die uns mit dem Glauben gegeben ist, in der wir stehen und an die allein wir uns zu halten haben. Alle drei Personen der Gottheit sind in gleicher Weise unvorstellbar, alle drei sind Geist und im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Das Personhafte liegt allein in ihrem Wirken: im Wollen, im Reden, im Handeln, in der liebenden, rettenden oder richtenden Zuwendung zu uns Menschen. Nur hierin liegt das Personhafte, nicht in einem wie auch immer gearteten Gestalthaften. Jeder von ihnen ist Person, aber sie können als solche nicht erfaßt, sondern nur verkündigt werden (Joh. 1,18) und sind über ihrer Hinwendung zu den Menschen anzubeten. In der Richtung von uns zu ihnen: alle drei gleich unvorstellbar für unser Denken. In der Richtung von ihnen zu uns: alle drei ganz und gar Person in ihrem Wirken. Daß Gott sich in der Menschheit offenbart hat, daß er sich mit Zeichen und Wundern manifestiert hat, besonders durch seine Menschwerdung in Jesus, durch die Auferweckung Jesu vom Tode, durch die Sendung des Heiligen Geistes davon redet die Bibel. Aber das Geheimnis, das dahinter steht, bleibt davon unberührt und wird durch die Aussage des Personseins nicht getroffen (O. Michel und A. Fischer, Gestaltwandel des Bösen, Verlag R. Brockhaus). In gleicher Weise liegt auch über der Personhaftigkeit des Bösen, des Teufels, ein Geheimnis, das die Bibel nicht preisgibt. Auch er ist Geist, Macht und Person und wirkt deshalb personhaft auf den Menschen, weil er sich in konkreten Anläufen so manifestiert. In der Manifestation liegt das Personhafte. Es geht aber nicht an, wie C. G. Jung es formuliert hat, in Parallele zur Trinität Gottes unter Hinzunahme des Teufels von einer »Quaternität« zu sprechen. Denn man darf den gewaltigen Unterschied nicht übersehen, der zwischen Gott und dem Teufel besteht: Satan, der Teufel, der Widersacher, der Drache, die Schlange, wie immer die Bibel den Bösen bezeichnet, ist Kreatur, Geschöpf. Wie O. Michel es beschreibt: Das Satanische steht im Schatten Gottes, ohne selbst Schatten zu sein. Alles kommt auf den Scheidungsprozeß zwischen Gott und Satan an, den das Denken des Menschen vollziehen muß. Eine spannungslose Gotteslehre ist ständig in Gefahr, unbiblisch zu werden. Für den Menschen bedeutet das Satanische, daß er es biblisch zunächst als ein Geschehen im Schatten Gottes kennenlernt, daß er es aber ernstnehmen muß im konkreten Zusammenstoß, in der konkreten Versuchung und Gefährdung einer Situation. Der Zusammenstoß in der Geschichte ist wichtig, nicht nur der Willensakt der Entscheidung (O. Michel). Weil trotz der personhaften Manifestation des Teufels das Geheimnis, das dahinter steht, von der Bibel nicht gelüftet, höchstens hier und da angedeutet wird, sind alle menschlichen Überlegungen über Existenz bzw. Person des Teufels zum Scheitern verurteilt. Aus diesem Grunde wurde im Abschnitt über »Das Böse und der Teufel« von Naivitäten gesprochen.

Kapitel 2: Sichtbares und Unsichtbares

Eine grundsätzliche Klärung Das vordergründige Stockwerksweltbild von Himmel, Erde und Hölle hatte durchaus den Vorzug,

anschaulich zu sein und einsichtige Relationen von »oben« und »unten« zu setzen. Aber es barg den unheilvollen Kern, daß viele Menschen ihren Glauben darauf stützten und ein so vom Sichtbaren abhängiger Glaube mit einer Zerstörung des naiven Weltbildes schwer erschüttert werden konnte. Als es in der Neuzeit dazu kam., begann eine weitgehende Abkehr vom Glauben, die bis in die Gegenwart anhält und sich mehr und mehr ausbreitet. Damit zeigt sich, wie wichtig die Warnung Gottes war, kein Bildnis noch Gleichnis zu machen (2.Mo.20, 4.5). Damals wie heute will er sein Volk vor einer Vergötzung natürlicher oder übernatürlicher Kräfte und Mächte bewahren. Zu solchen Mächten ist auch jedes anschauliche Weltbild zu rechnen, weil es von Menschen absolut gesetzt und damit vergötzt werden kann. Deshalb durfte menschliche Weisheit das naive Weltbild zerschlagen und ein neues, das naturwissenschaftliche Weltbild des 19. Jahrhunderts, aufbauen. Doch auch dieses Weltbild war trotz seiner gewaltigen Dimensionen anschaulich, weil es einseitig war. Es umfaßte nur die sichtbare Wirklichkeit und hatte keinen Raum für den Himmel, für den lebendigen Gott, für Mächte und Gewalten, für übernatürliche Zeichen und Wunder, auch nicht für die Hölle. Deshalb hat Gott dafür gesorgt, daß auch das naturwissenschaftliche Weltbild seine Geltung verlor. Es wurde in diesem Jahrhundert, vielleicht dem letzten der menschlichen Geschichte, von der Naturwissenschaft selbst widerlegt (vgl. H. Rohrbach Naturwissenschaft, Weltbild, Glaube, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1967). Die gegenwärtige Sicht bezieht sich zwar auch nur auf das Sichtbare (denn anderes kann wissenschaftlich nicht erforscht und erkannt werden) und ist damit ein Naturbild und nicht mehr ein Weltbild. Es kennt aber seine Grenzen und läßt dem einzelnen, der danach verlangt, den Raum und die Freiheit, vom Naturbild her sein persönliches Weltbild zu gewinnen, d.h. eine weltanschauliche oder philosophische oder ideologische oder glaubensmäßige Gesamtschau, die dem wissenschaftlich begründeten Naturbild nicht widerspricht. Die Einseitigkeit des naturwissenschaftlichen Weltbildes des vergangenen Jahrhunderts, das das naive Weltbild nicht nur ablöste, sondern bewußt ablehnte, hat in diesem Jahrhundert zu der schwerwiegenden Konsequenz geführt, daß auch im Raum der wissenschaftlichen Theologie weithin nur eine Wirklichkeit, die sichtbare, gegenständliche Welt, als allein denkbar angenommen wird. Das ist im Grunde eine Vergötzung von Wissenschaft und naturwissenschaftlichem Weltbild, die wiederum zur Folge hat, daß in weiten Bereichen der Christenheit an Gott als den persönlichen Gott der Bibel nicht mehr geglaubt und folglich die Realität des Teufels als absurd angesehen wird. Damit sind große Teile der Christenheit in der gegenwärtigen, gewiß schon endzeitlich geprägten Situation von ihren Hirten verlassen (Joh. 10,12.13) und ohne seelsorgerliche Hilfe für eine Orientierung in den Wirren der Zeit. Im vorangehenden Kapitel war bereits die Rede von den beiden extremen Einstellungen, dem Festhalten am naiven Weltbild als dem vermeintlichen Weltbild der Bibel und dem Festhalten am naturwissenschaftlichen Weltbild als dem vermeintlichen Weltbild der Vernunft. Eine Entscheidung zwischen diesen beiden Einstellungen wird für viele Menschen, ob gläubig oder nicht, dadurch erschwert, daß die Verfasser der biblischen, insbesondere der neutestamentlichen Bücher im naiven Weltbild gelebt und von da her formuliert haben. Man denke etwa an Aussagen im zweiten Artikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses und an zahlreiche Bibelstellen, die von einem »Oben« und von einem »Unten« sprechen. Vielen erscheint diese naive Sicht als die Sicht der Bibel. Wenn man aber weiß, daß die Bibel nicht menschliche Weisheit wiedergibt, sondern in ihr Gott selbst zum Menschen redet, muß man sich einerseits sagen, daß ein angeblich biblisches Weltbild das durch menschliche Erkenntnis die Ergebnisse der Naturwissenschaft widerlegt werden konnte, Gott die Ehre nimmt. Denn er, der Schöpfer, weiß, wie seine Welt aussieht, und offenbart in seinem Wort keine falsche Sicht. Daher kann das naive Weltbild nicht auf göttlicher Offenbarung beruhen. Und man muß andererseits zur Kenntnis nehmen, daß Gott auch das naturwissenschaftliche Weltbild durch die Naturwissenschaft außer Kurs setzen ließ. In beiden Fällen zeigt sich, wie Gott über seinem Wort in 2. Mose 20,4.5 (Du sollst dir kein Bildnis ...machen) wacht. Beim Überdenken dieser Zusammenhänge erscheint die Frage berechtigt, ob die glaubende Gemeinde an der Stockwerksvorstellung als dem Weltbild der Bibel festhalten will, weil sie meint,

daß mit dessen Preisgabe eine biblische Wahrheit aufgegeben wird. Oder ob sie bereit ist, die Weisung Gottes von 2. Mo. 20,4.5 und sein Handeln an den Weltbildern zu beachten und sich von da her sagen zu lassen, daß die Bibel als offenbartes Wort Gottes die richtige Schau von der Gesamtwirklichkeit in einer tieferliegenden, verborgenen Weise hat und daß nach Gottes Plan jetzt die Stunde gekommen ist, sie nach dieser Schau zu befragen und sich dazu auf ein Neues einzustellen (Jer, 4,3; Hos. 10,12). Das unbekannte Unsichtbare »« Die Bibel bezeugt nicht nur eine, sondern zwei Wirklichkeiten, das Sichtbare und das Unsichtbare (2. Kor. 4,18, Hebr. 11,3; Kol. 1, 15. 16). Diese ihre Schau umfaßt die gesamte Wirklichkeit, mit der es der Mensch zu tun hat, die ihn unbedingt angeht, von der er also wissen sollte. Die sichtbare Wirklichkeit ist die Welt des Menschen, in die hinein er geboren wird, in der er lebt und arbeitet, die er erforscht und sich nutzbar macht, die er verwaltet und zu beherrschen sucht, die er aber auch wieder verlassen muß. Das Unsichtbare als die Welt Gottes ist die Wirklichkeit, in der der Mensch als ein Gedanke Gottes entsteht (Ps. 139,15 16), von der er abhängig ist, vor der er sich zu bewähren hat und in die er zurückgerufen wird (Psalm 90,3), weil er sich dort für sein Leben im Sichtbaren zu verantworten hat. Es ist daher eine der ärgsten Täuschungen, die dem heutigen Menschen von atheistischer oder von wissenschaftlicher Seite zugemutet wird, daß er es nur mit einer Wirklichkeit, dem Sichtbaren, zu tun habe. Sichtbar im Sinne des biblischen Zeugnisses ist alles, was durch menschliches Bemühen erkennbar ist, sei es mit den scharfsinnigsten Überlegungen des menschlichen Verstandes, sei es mit den leistungsfähigsten Instrumenten und Geräten von Naturwissenschaft und Technik, sei es zurück in die tiefste Vergangenheit irdischer und kosmischer Geschichte, sei es, noch bevorstehend, in die Zukunft hinaus, also alles Raumzeitliche, alles rational Erfaßbare. Unsichtbar ist demgegenüber alles andersartige Sein, das Überraumzeitliche, das Transwissenschaftliche, das nie durch menschliche Bemühungen lind Fähigkeiten erkannt worden ist noch je erkannt werden wird. Vom Unsichtbaren wissen wir nur dadurch, daß dem Menschen von dort her Kunde gegeben wurde, d.h. durch Offenbarung, durch Selbstmitteilung Gottes oder der Mächte und Gewalten aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare hinein. Daß das geschah und mehrfach geschehen ist (1. Mo. 1,1ff.; Hebr. 1,1.2; Matth. 4,3ff.), wissen wir nur durch Bezeugungen von Menschen, denen eine Offenbarung zuteil wurde. Die Bibel nennt solche Menschen Propheten. Ihre Zeugnisse sind uns in der Bibel überliefert. Solche Zeugnisse erfordern Glauben, nicht Glauben im Sinne eines Für wahr haltens, sondern Glauben (im Sinne von Hebr. 11, 1) als »eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht«. Es ist gut, hier auf die Reihenfolge in den beiden Kennzeichnungen des Glaubens zu achten: Als erstes wird die feste Zuversicht genannt, d.h. das Vertrauen in die Verheißungen Gottes (in das, das man hofft), und erst als zweites das Nichtzweifeln an dem Unsichtbaren (an dem, das man nicht sieht). Menschen, die noch nicht glauben oder meinen, nicht glauben zu können, sind meist auf den umgekehrten Weg aus. Sie wollen erst ihre Zweifel behoben haben, erst einen Beweis für die Existenz und Gerechtigkeit Gottes, ehe es ihnen möglich wäre zu glauben. Die Bibel verweist den Suchenden darauf, zuvor den Zuspruch und das Angebot Gottes zu hören und ihm Vertrauen zu schenken, um dann durch seinen Geist die Gewißheit zu empfangen, daß Gott ist und daß er so ist, wie ihn die Bibel bezeugt: ein liebender und ein gerechter Gott. Aber auch der Glaubende muß wissen, daß er bevor aus seinem Glauben ein Schauen wird

die Offenbarung Gottes nur nach und nach und nie in vollem Umfang erkennt. Manche Worte und Aussa¬gen der Bibel sind dunkel für uns und bleiben es auch (1. Kor. 13,12). Aber die Erkenntnis wächst unter der Wirkung des Heiligen Geistes (Joh. 16,13). Sie wächst auch mit der geschichtlichen Erfahrung. Denn auch in ihr wirkt Gottes Geist, wie es besonders in der Geschichte des Volkes Israel deutlich wird. Um tiefere Erkenntnis der Offenbarung Gottes dürfen wir uns bemühen. Paulus betet für die Gemeinden, »daß ihr erfüllt werdet mit Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht« (Kol. 1,9), und er ermahnt sie: »wachset in der Erkenntnis Gottes« (Kol. 1, 11). Dazu darf auch wissenschaftliche Erkenntnis dienen; denn der Verstand, mit dem wir sie gewinnen, ist eine Gabe Gottes. Jedoch bedarf es beim Durchdenken der Ehrfurcht vor der Offenbarung, die Gott gegeben hat, und ebenso der Achtung vor den Menschen, denen sie gegeben würde. Denn sie waren von Gott dazu erwählt, und er hat sie zu rechten Haushaltern über seine Geheimnisse bestimmt. Das unanschauliche Ineinander In dieser Haltung gehe ich an die in der Bibel überlieferten Berichte heran und befrage sie nach ihrer Sicht von der Gesamtwirklichkeit, d.h. nach der Sicht, wie sie von der Offenbarung (nicht von der Menge der Zeugen) vermittelt wird. Als »Gesamtwirklichkeit« verstehe ich dabei die beiden Wirklichkeiten, von denen die Bibel spricht, das Sichtbare und das Unsichtbare in dem vorhin beschriebenen Sinne. Die Bezeichnung »Weltbild« ist unzureichend und irreführend, denn die Sicht der Bibel ist überzeitlich und bleibt von jedem Wechsel wissenschaftlicher und ideologischer Weltbilder unberührt. (Damit distanziere ich mich von einer Redeweise, die ich selbst früher gebraucht habe. Vgl. H. Rohrbach, Naturwissenschaft, Weltbild, Glaube, 1967) Vor allem ist ihre Sicht, wie es sein muß, unanschaulich und von einem an die diskursive Logik gewohnten Denken nicht zu erfassen. Die Beziehung, in der die beiden Wirklichkeiten zueinander stehen, erweist sich, wie im nächsten Kapitel durch charakteristische Beispiele belegt werden soll, als ein eigentümliches Ineinander. Es geht weder um ein Übereinander wie bei Stockwerken noch um ein Umeinander wie bei Kern und Schale, sondern um ein Ineinander be¬sonderer Art: um ein gegenseitiges Sichdurchdringen . Das Unsichtbare durchdringt das Sichtbare in einer unanschaulichen, dem natürlichen Verstand unbegreifbaren, nur im Glauben erfaßbaren Weise. Um diese Aussage näher zu präzisieren, knüpfe ich an einen Sachverhalt an, der im Grunde genau so unbegreifbar und unanschaulich ist. Er ist uns aber vertrauter, da er das Zentrum des christlichen Glaubens umfaßt. Es ist die Aussage im Glaubensbekenntnis von Chalzedon, in dem 451 unsere Väter im Glauben von der Bibel her die Lehre von den zwei Naturen Jesu in Worte gefaßt haben. Vom Heiligen Geist geleitet haben sie die paradox klingende, aber zutreffende Formulierung gewagt, daß in der einen Person Jesus von Nazareth die wahre Menschheit und die wahre Gottheit »unvermischt, unwandelbar, ungeschieden und ungetrennt« vereinigt sind. Diese Formulierung spiegelt in vollkommener Parallele das Ineinander von Sichtbarem und Unsichtbarem wider. Ich folge hier gern dem Theologen H. H. Schrey (Schrey, Weltbild und Glaube im 20. Jahrhundert, Göttingen 1956), wenn er sagt, daß ein Dualismus, d.h. ein unverbundenes Nebeneinander von Weltbild und Glauben unzumutbar sei, da »es nicht zu unserem Schicksal gehöre, in zwei Bereichen leben zu müssen, zwischen denen es keine Brücke geben kann«. Weiter meint er, daß wir ebensowenig an die Stelle des Dualismus einen Monismus setzen dürfen, also Weltbild und Glauben zusammenfügen und damit gewaltsam einen Brückenschlag versuchen, weil »solche Syntheseversuche weder der Eigenständigkeit des Denkens noch der des Glaubens gerecht werden«. Wer noch im alternativen Denken des »entweder oder« (der diskursiven Logik) befangen ist, wird der Ansicht sein, sich nur zwischen diesen beiden Möglichkeiten eines Dualismus

(Auseinanderfallens) von Weltbild und Glauben oder eines Monismus (Zusammenfallens) entscheiden zu können, falls er sich überhaupt entscheiden will. Demgegenüber weist Schrey auf die dritte Möglichkeit hin, auf das in der Physik entwickelte komplementäre Denken, »das allein der Christologie des Credo Chalcedonense mit ihren für die diskursive Logik widerspruchsvollen Aussagen über das Zusammen von Menschheit und Gottheit in der Person Jesu angemessen« sei. Er schreibt: »Die wahre Gottheit und die wahre Menschheit können nur dann zusammen ausgesagt werden, wenn keiner von beiden etwas abgebrochen wird. Man kann hier von einer komplementären Einheit der beiden Naturen sprechen. Zum Wesen der Komplementarität gehört, daß erst das Zusammen von zwei scheinbar sich widersprechenden mögen das wahre Bild der Wirklichkeit ergibt. Christus ist dann nicht in seiner wahren Bedeutung umschrieben, wenn von ihm nur ausgesagt wird: wahrer Mensch. Er ist aber auch dann nicht in seiner wahren Bedeutung erfaßt, wenn von ihm nur ausgesagt wird: wahrer Gott. Erst im Zusammen der beiden Aussagen wird die Wahrheit Christi sichtbar.« Ebenso paradox, also unvermischt und ungetrennt, hat man sich das Ineinander von Sichtbarem und Unsichtbarem zu denken (mit einem an der Komplementarität geschulten Denken): zwei unterschiedliche Wirklichkeiten und doch nur eine Gesamtwirklichkeit, beide ganz und gar ohne Bezug (unvermischt) und doch völlig miteinander verwoben (ungetrennt), zu unterscheiden, aber nicht zu scheiden, so daß man von da her das Geheimnis der zwei Naturen Jesu beschreiben darf: Jesus war im Sichtbaren ganz und gar Mensch, im Unsichtbaren ganz und gar Gott und doch nur Einer. Dieses unbegreifbare Geheimnis in der Person Jesus von Nazareth spiegelt das geheimnisvolle Ineinander der beiden Wirklichkeiten, von denen die Bibel spricht, treffend wider. Es wurde wohl erstmals Petrus offenbart, als er bekennen durfte (Luk.9,20): »Du bist der Christus Gottes.«

Zwei wichtige Konsequenzen Aus dem Ineinander von Sichtbarem und Unsichtbarem ergeben sich wichtige Konsequenzen für das Verständnis biblischer Aussagen, von denen ich zwei hervorheben möchte. Zum einen sind für Begriffe und Ereignisse in den verschiedenen Wirklichkeiten verschiedene Ausdrucksweisen notwendig. Im Sichtbaren kommen wir mit der menschlichen Sprache aus. Für das Unsichtbare aber haben wir keine angemessene Ausdrucksweise, weil unsere Sprachen dort nicht angreifen. Auch Jesus, der von dort kam, verwendete Gleichnisse, wenn er vom Unsichtbaren sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, einem Sauerteig, einem verborgenen Schatz im Acker, einem Kaufmann, der gute Perlen sucht, einem Menschen, der guten Samen säte, u.a. Er gebrauchte Worte des Sichtbaren, um vom Unsichtbaren gleichnishaft reden zu können. Ebenso benutzte er Gleichnisworte, wenn er von sich selbst als dem Sohn Gottes sprach: Ich bin die Tür, der Weg, das lebendige Wasser, das Brot vom Himmel, der gute Hirte u.a. Man denke auch an ein Erlebnis, das Paulus widerfuhr (2.Kor.12,2ff.): Er sei entrückt worden bis in den dritten Himmel, bis ins Paradies (d.h. ins Unsichtbare) und habe dort unaussprechliche Worte gehört, die ein Mensch nicht sagen darf, d.h. Worte, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht! Das ist es: Wo Gott von den himmlischen Heerscharen angebetet wird, wo Jesus als der Auferstandene und Erhöhte ein unvergängliches Reich empfangen hat, wird eine besondere Sprache gesprochen. Deren Worte sind uns hier nicht erlaubt, weil wir Sünder, wenn auch begnadigte Sünder sind. Erst drüben, wenn wir im Kleid der Gerechtigkeit bei Ihm sind, dürfen wir mit solchen Worten einstimmen in den Lobpreis zur Ehre Gottes. Und weil uns im irdischen Leben die angemessenen Worte für das Unsichtbare abgehen, brauchen wir Ersatz. Deshalb gebraucht Jesus Gleichnisworte, Gleichniserzählungen und Gleichnishandlungen. Allgemein gilt: Um von der unsichtbaren Wirklichkeit im Sichtbaren in rechter Weise reden zu

können, bedarf es der bildhaften Denkform und Sprache. Diese begegnen uns in der Bibel in der wahren und eigentlichen Form. Sobald man aber meint, es gäbe keine andere Wirklichkeit außer der sichtbaren, der Welt des Menschen, wird die bildhafte Rede inhaltslos, werden die großen Taten Gottes zu Fabeln, zu Legenden ohne wirkliche Ereignisse. Beginnt man dann, die Bibel zu »entmythologisieren«, so nimmt man dem Menschen die Möglichkeit, diese seine Welt richtig zu verstehen. W. Stählin sagt: »Indem die Wissenschaft uns denjenigen Teil der Welt, der der rationa¬len Forschung zugänglich ist, als die ganze Wirklichkeit vortäuscht, betrügt sie uns um die ganze Wahrheit. Und indem der Mythos uns in seinen Bildern die Fülle jener Wirklichkeit vor Augen stellt, in die wir selber verflochten sind, weitet er unseren Blick über die Grenzen der ratio hinaus auf die größere und umfassendere Wirklichkeit«*. Damit weist auch Stählin auf die Gesamtwirklichkeit aus Sichtbarem und Unsichtbarem hin. Zum anderen hat man zu beachten: Jedes Geschehen ereignet sich in beiden Wirklichkeiten zugleich. Weil beide sich durchdringen, läßt jeder Vorgang zwei Aspekte zu. Im Sichtbaren, wo es Materie, Raum und Zeit gibt, erweist er sich als Ablauf in Raum und Zeit, also als ein Werden, ein Sich entwickeln, als Evolution. Im Unsichtbaren aber, wo es Raum und Zeit unserer Erfahrung nicht gibt, weil dort keine Materie ist, sondern Pneuma, hat derselbe Vorgang einen zeitlosen Charakter, ist ein zeitloses Setzen Gottes, ein Schaffen. Diese doppelte Sicht ist beim Durchdenken biblischer Berichte entscheidend. Es geht stets um einen Ablauf, um ein Werden in Raum und Zeit, und zugleich um ein Gesetztsein, um ein Handeln Gottes, frei von Raum und Zeit. Das gilt besonders für den Schöpfungsbericht, der mit den Worten schließt (1. Mose 2,4a): »Also sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden«, Geworden und geschaffen beides trifft zu; beides gilt auch für den Menschen. Es geht nicht um ein »entweder oder«. Ferner gilt es für die Wunderberichte. Sie beschreiben Abläufe im Naturgeschehen, in Raum und Zeit, und sind zugleich Zeichen für ein Handeln Gottes aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare hinein durch sein Wort. Das Ineinander der beiden Wirklichkeiten bedingt auch, daß jeder Mensch ob er es weiß und wahrhaben, will oder nicht zugleich im Sichtbaren und im Unsichtbaren lebt. Ein Glaubender wird aus seiner Glaubenserfahrung etwas davon erahnen. Ebenso jemand, der abergläubischen Vorstellungen anhängt oder magischen Praktiken nachgeht oder gar mit »Geistern« Verbindung aufzunehmen versucht. Auch die wissenschaftlichen Untersuchungen der Parapsychologie stoßen auf Phänomene, die als Auswirkungen des Unsichtbaren ver¬standen werden können. Wer sich jedoch ganz der ratio verpflichtet fühlt, weiß nur vom Sichtbaren und sieht darin das Ganze der Wirklichkeit. Erst mit dem befreienden Glauben an Jesus, erst mit der Erweckung des »inwendigen Menschen« in uns (Röm. 7,22 Eph. 3,16) wird dem Glaubenden das Wissen um die Geborgenheit geschenkt, die er mitten im Sichtbaren vom Unsichtbaren her empfängt. Er erfährt die Wahrheit der Schriftworte: »Ich gehe oder liege, so bist du um mich . . . Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir» (Psalm 139,3 5). »Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen« (Matth. 18,20). »Siehe,. ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende« (Matth. 28,20). »Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht« (Joh.15,5). So lauten Zuspruch und Verheißungen an die Gläubigen. Und es ist immer das uns überall umgebende Unsichtbare, von dem Geborgenheit ausstrahlt und von dem aus Jesus die Zusage erfüllt, daß er als der Unsichtbare um uns und bei uns oder in uns ist und wir in ihm sind.

Kapitel 3: Augen, die sehen - Ohren, die hören

Beispiele aus dem Alten Testament

Das unanschauliche, paradoxe, schwer zu fassende Sichdurchdringen von Sichtbarem und Unsichtbarem, als eigentliche Sicht der Bibel von der Wirklichkeit um uns soll noch an einigen markanten Beispielen aus dem Alten und dem Neuen Testament belegt werden. Ich beginne mit dem Schöpfungsbericht. Im ersten Vers der Bibel am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde ist mit den »Himmeln« gewiß nicht die Welt Gottes, das Unsichtbare, gemeint. Denn dieses ist nicht geschaffen, sondern ewig (2. Kor. 4,18), wie Gott selbst ewig und nicht geschaffen ist. Der ewige Bestand, der einst dem Sichtbaren, der Welt, zugeschrieben wurde, trifft für das Unsichtbare zu, nicht für die Schöpfung, das Sichtbare. Denn dieses ist zeitlich, d.h. hat Anfang und Ende. Dieser Anfang ist es, auf den der erste Vers hinweist. Mit den »Himmeln« sind wohl die zahllosen Galaxien im Weltall gemeint, deren eine unsere eigene Milchstraße ist. Nur ihre Gestirne sind es, die wir von der Erde aus mit dem bloßen Auge erkennen und als den »gestirnten Himmel über uns« (englisch: sky) ansehen. So darf man die anderen Galaxien ebenfalls als geschaffene »Himmel«, bezeichnen, die nach Jesu Wort (Mark. 13,31) einmal vergehen werden. Selbstverständlich kommt in der Bibel auch das Wort Himmel (englisch: heaven) als Ausdruck für das Unsichtbare vor. Das kann man jeweils dem Zusammenhang entnehmen, z.B. wenn die Bibel vom Himmelreich oder von Himmelfahrt spricht. Wichtig ist nun, daß wir aus dem biblischen Schöpfungsbericht heraushören: In die schon immer vorhandene Welt Gottes, das Unsichtbare, in dem Gott selbst und alle Wesen des Unsichtbaren zu denken sind, setzt Gott durch sein schöpferisches »Es werde« das Sichtbare hinein, ohne einen Raum dafür auszusparen. Dadurch schafft er das unanschauliche Ineinander von seiner und der Menschen Welt. So kann er verborgen bleiben und doch den Menschen nahe sein (Jes. 57, 15). Das Unsichtbare ist zweifellos umfassender als das Sichtbare, denn es heißt: »der Himmel und aller Himmel Himmel können dich (Gott) nicht fassen« (1. Kön. 8,27). Man kann sich also dieses in jenes »eingebettet« denken. Aber jeder Versuch, sich das Unanschauliche irgendwie vorzustellen, ist vergeblich. Nur gleichnishaft kann davon gesprochen werden. Das ist im folgenden stets zu beachten. Zum Schöpfungsbericht gehört auch der Bericht vom Paradies. Durch das Einblasen des Odems Gottes erhielt der Mensch das ihm von Gott zugedachte geistliche Leben, d.h. die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott davon war bereits in der Einleitung die Rede, und in Kapitel 9 komme ich noch einmal darauf zurück und dadurch geöffnete Augen und Ohren für das Unsichtbare. Er sah Gott, hörte ihn, sprach zu ihm, bekam von ihm den Auftrag, den Garten zu bebauen und zu bewahren, d.h. Mitstreiter Gottes gegen den Bösen zu sein. Er lebte mit seinem Weibe frei auf der Erde und in gleicher Weise frei im Unsichtbaren. Sie hatten Zugang zum Baum des Lebens. An allem ließ Gott sie teilhaben. Auch daß dieses kostbare Geschenk der ungetrübten Gemeinschaft mit Gott bedroht und von ihnen zu bewahren war, wußten sie. Dennoch versagten sie. Mit dem Ungehorsam gegen Gottes Gebot ging alles verloren. Die ungetrübte Gemeinschaft, die geöffneten Augen, Ohren und Sinne wurden genommen, der Weg zurück versperrt. So endete ihr geistliches Leben mit dem geistlichen Tod, wie es Gott für das übertreten des Gebots angekündigt hatte. Der Sünde Sold ist Tod (Röm. 6,23). Von da an erfaßten ihre Augen und Ohren nur das Sichtbare, und seitdem haben alle Menschen nur Erkenntnisfähigkeit für das Sichtbare. Das Unsichtbare, in dem sie jederzeit und überall sind, bleibt ihrem natürlichen Wesen und Wollen verschlossen. Wiederherstellung der guten Gemeinschaft mit Gott ist möglich, jedoch nur durch Buße, nur über Jesus und nur im Glauben, nicht im Schauen (2. Kor. 5,7), aber mit der Verheißung (Off. 2,7): »Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradiese Gottes ist.« Gott hat auch nicht aufgehört, zu und mit den Menschen zu reden (Hebr.1,1) und uns Weisungen

zu geben. Aber nicht jeder hört ihn. Sein Wort ist zugleich nah und fern (5. Mose ¬30,11-14): »Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, daß du sagen müßtest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, daß wir's hören und tun? ... Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, daß du es tust«. Damit bringt die Bibel in ihrer bildhaften Sprache nur zum Ausdruck, daß Gottes Welt, das Unsichtbare, uns bis ins Innerste durchdringt. In 2. Kön. 6,15ff. wird von dem Propheten Elisa berichtet, der mit seinem Diener in der Stadt Dothan eingeschlossen ist. Der Diener bangt um sein Leben, aber Elisa beruhigt ihn mit den Worten: »Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind«. Der Diener jedoch sieht nichts und kann seinem Herrn nicht glauben. Da betet Elisa: »Herr, öffne ihm die Augen, daß er sehe!« Und Gott erhört das Gebet. Er öffnet dem Diener die Augen, und »der sah, und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her«. Was war geschehen? Nichts anderes, als daß das Sichtbare für die Augen des Dieners sozusagen durchsichtig, transparent wurde. Er schaut mit »geöffneten Augen« durch das Sichtbare in das Unsichtbare hinein und sieht die himmlischen Heerscharen vom Licht, das dort herrscht, überstrahlt als feurige Rosse und Wagen. In Jes. 6 berichtet der Prophet Jesaja von seiner Berufung. Auch ihm werden geöffnete Augen und eine überwältigende Schau in das Unsichtbare geschenkt. Ähnliches widerfuhr dem Propheten Hesekiel bei seiner Berufung (Hes. 1 und 2). Man spürt es ihren Berichten ab, wie unfaßbar das ist, was sie schauen dürfen, und wie sie nur mit unzureichenden Worten und Bildern das Geschaute beschreiben können. In Dan 3, l9ff. wird geschildert, wie drei jüdische Männer auf Be¬fehl des Königs Nebukadnezar in einen glühenden Ofen (eine Art Hochofen zum Schmelzen von Eisenerz) geworfen werden, weil sie das goldene Standbild nicht anbeten wollten, das der König hatte errichten lassen. Nebukadnezar überwacht persönlich die Exekution und erschrickt aufs heftigste, als er vier Männer frei und unversehrt im Feuer umhergehen sieht. Und der vierte sah aus »wie ein Sohn der Götter«. Hier hat Gott sogar dem Heiden Nebukadnezar geöffnete Augen für das Unsichtbare geschenkt, so daß er schauen mußte, wie Gott die drei auf ihn vertrauenden Männer aus dem Sichtbaren in das Unsichtbare hineingenommen und ihnen einen Engel zur Seite gegeben hat. Als der König Weisung erteilt, die Männer herauszulassen, hat man nicht einmal Brandgeruch an ihnen wahrgenommen. So vollständig waren sie dem Sichtbaren entnommen!

Beispiele aus dem Neuen Testament In Luk. 2,8ff. wird von der Verkündigung der Geburt Jesu an die Hirten berichtet, die des Nachts ihre Herden hüten. »Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr.« Mit seinem hellen Glanz bricht das Unsichtbare in das Sichtbare ein, und des Herrn Engel tritt aus dem Unsichtbaren zu den Hirten. Ihm folgen viele weitere Engel: »Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen.« Hier geschieht es, daß die Hirten mit ihren natürlichen Augen die Engel sehen, die als Boten Gottes aus dem Unsichtbaren zu ihnen in das Sichtbare treten. Ebenso erging es Maria, als der Engel Gabriel zu ihr in ihr Zimmer trat (Luk. 1,28), um ihr die Geburt ihres Sohnes Jesus anzukündigen. In Luk. 9,28ff. wird die Verklärung Jesu geschildert. Drei seiner Jünger erleben, wie Jesu Gesichtsausdruck, während er betet, sich verändert und seine Kleidung weiß und glänzend wird. Sie sehen, wie zwei Männer, Mose und Elia, in gleicher Weise verklärt erscheinen und mit Jesus reden. Auch hier dringt überirdisches Licht aus dem Unsichtbaren ins Sichtbare und überstrahlt

Jesus. Mose und Elia treten als Boten Gottes aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare, ebenfalls überstrahlt von dem »unerschaffenen Lichte«. Die Begleiter Jesu dürfen das alles schauen! Ganz verwirrt er wußte nicht, was er redete - schlägt Petrus vor, dazubleiben und Hütten zu errichten. Da aber überschattet sie eine Wolke, aus der Gott, der Vater, zu ihnen redet und sie an den Sohn verweist, und »sie sahen niemand als Jesus allein«. Einen Blick auf die Herrlichkeit des Unsichtbaren durften sie tun, aber sie festzuhalten, war ihnen nicht gewährt. Manchmal als Parallele dazu verstanden, wird in Joh. 12, 28 ff. von einer Weisung Gottes an Jesus berichtet, sogar vor vielen Zuhörern. Jesus betet: »Vater, verherrliche deinen Namen!« Als die Stimme vom Himmel es zusagt, heißt es: »Da sprach das Volk, das dabei stand und zuhörte: Es donnerte. Die anderen sprachen: Es redete ein Engel mit ihm.« Hier geht es nicht um geöffnete Augen, sondern um geöffnete Ohren, und, was besonders zu beachten ist, um unterschiedlich geöffnete Ohren! Das Volk, das dabei stand, hörte nur ein starkes Geräusch und legte es als Donner aus. Andere, offenbar mit den Jüngern solche, die an Jesus glaubten, hörten so viel, daß sie meinen, ein Engel habe geredet. Jesus allein hat den Vorgang voll wahrgenommen, die Stimme des Vaters und den Inhalt der Botschaft. Auch der Bericht über die Steinigung des Stephanus (Apg. 7,54 ff.) liefert ein eindrucksvolles Beispiel für das Ineinander der beiden Wirklichkeiten. Im Bezeugen sieht er, vom heiligen Geist erfüllt, »den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen«. Ganz nahe über sich erblickt er Jesus, der sich erhoben hat, um ihm, dem ersten Märtyrer der Christenheit, entgegenzugehen und ihn heimzuholen in das ewige Leben. Geöffnete Augen für das Unsichtbare und Erfüllung der Zusage Jesu (Joh. 17,24): »Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast.« Für Stephanus hat sich damit diese Verheißung Jesu erfüllt.

Sichtbarmachungen besonderer Art Geöffnete Augen für das Unsichtbare oder das Heraustreten von Boten Gottes aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare, was mit natürlichen Augen wahrgenommen werden kann, wie bei der Ankündigung der Geburt Jesu an Maria oder vor den Hirten, sind zwei grundverschiedene Gaben Gottes, durch die er Menschen etwas vom Unsichtbaren erfahren läßt. Immer geht es dabei um Wesen des Lichts, die im Unsichtbaren einen völlig andersartigen (pneumatischen, d.h. geistlichen) Leib haben als bei ihrem Erscheinen im Sichtbaren. Von diesem Sichöffnen des Unsichtbaren, wie es sich beim Erscheinen von Engeln oder anderen Boten Gottes ereignet, komme ich jetzt zu dem wichtigsten Geschehen dieser Art, zu den Erscheinungen des Auferstandenen. Seine Andersartigkeit wird besonders deutlich an der Art, wie er nach seiner Auferstehung den Frauen und den Jüngern und später vor Damaskus dem Saulus erschien. Diesem wird Jesus ganz kurz im Glanz seines Herrlichkeitsleibes sichtbar, den er im Unsichtbaren hat: »Und als er (Saulus) nahe an Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel« (Apg. 9,3). Als Paulus einige Jahre später davon berichtet, sagt er: »Es umleuchtete mich plötzlich um den Mittag ein großes Licht vom Himmel« (Apg. 22,6). »Mitten am Tage sah ich auf dem Wege ein Licht vom Himmel, heller als der Sonne Glanz, das mich und die mit mir reisten umleuchtete« (Apg. 26,1 3). Die Folge dieser gewaltigen Lichtfülle war, daß Saulus zu Boden stürzte und blind wurde; erst nach drei Tagen des Gebets wurde er durch Ananias davon geheilt (Apg.9,8 19). Gott schauen durfte er nicht. Wer Gott sieht, muß sterben. Die Begleiter des Saulus sahen niemand (Apg. 9,7); einige sahen ein Licht, andere hörten eine Stimme, einige fielen nieder, andere standen erstarrt (Apg. 9,7; 22,9; 26,14). So unterschiedlich war die Offenbarung aus dem Unsichtbaren bei diesem Ereignis, ähnlich unterschiedlich wie bei der Offenbarung, die Joh. 12,27ff. geschildert wird. Nur Saulus empfing die Fülle der Offenbarung an Erscheinung, Worten und Berufung. Die Begleiter konnten das Geschehen nur eingeschränkt wahrnehmen.

Den biblischen Berichten ist zu entnehmen, daß Jesus den Frauen und Jüngern in anderer Weise als Auferstandener erschien, nicht mit dem für Menschen unertragbaren Herrlichkeitsleib (mit dem er z.B. als der Unsichtbare gegenwärtig ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind), sondern mit einem Leib aus Fleisch und Bein, d.h. aus Materie. Er weist selbst seine Jünger darauf hin, als sie bei seinem Geschehen aufs heftigste erschrecken und meinen, einen Geist zu sehen (Luk. 24,39): »Fühlet mich an und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe.« Wäre Jesus ihnen in seinem Auferstehungsleib erschienen (dem Herrlichkeitsleib, den Saulus ganz kurz erlebte), so wären sie wie dieser erblindet und zu nichts fähig gewesen es sei denn, Jesus hätte ihnen jemand senden können wie Ananias, der sie in seinem Auftrag geheilt hätte. Nie hätten sie seine sichtbare Gegenwart ertragen, nie hätte er ihnen die Schriften auslegen können. Darauf aber kam es Jesus an. Jetzt erst, in den vierzig Tagen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, als er den Jüngern die Schriften öffnete, lernten sie verstehen, was sie früher nicht verstanden hatten. Jetzt erst ging ihnen auf, was es um Jesus von Nazareth und sein Kommen gewesen war, was sein Leiden und sein Sterben am Kreuz bedeuteten. Jetzt erst erhielten sie die eigentliche Zurüstung für ihren Dienst an Menschen und Völkern, zu denen Jesus sie senden wollte. Deshalb war es notwendig, daß er ihnen in einer Weise erschien, daß sie seine Gottheit ertragen und intensiv mit ihm zusammen sein konnten. Bei solchen Erscheinungen, wie auch bei denen von Engeln oder anderen Boten Gottes an die Menschen, geht es um Sichtbarmachungen im eigentlichen Sinne des Wortes, In 1. Kor.15, 5 8 bezeugt Paulus, daß der Auferstandene von vielen gesehen worden ist. Im griechischen Grundtext steht für »gesehen« das Wort oophthä , das bedeutet, wörtlich übersetzt: er wurde sichtbar gemacht. Und »sichtbar gemacht« meint »zu Materie geworden«. Der unsichtbare geistliche Leib des Auferstandenen wird in sichtbare und fühlbare Materie, in Fleisch und Bein verwandelt entsprechend zur Verwandlung der Leiber derer, die bei der Wiederkunft Jesu noch leben und im Nu einen geistlichen, verklärten und unverweslichen Leib »anziehen« werden (1. Kor. 15, 5l 54). So wurde - nun umgekehrter Richtung Jesu geistlicher Herrlichkeitsleib in einen aus Fleisch und Bein verwandelt. Das geschah bei jedem Erscheinen neu und in anderer Gestalt, wie es in Mark. 16,12 bezeugt wird: »Danach offenbarte er sich unter einer anderen Gestalt zweien von ihnen unterwegs, da sie über Land gingen.« Dies bezieht sich auf die Jünger, die nach Emmaus gingen und dem Auferstandenen begegneten (Luk. 24,15), ohne ihn zu erkennen, und von deren Begegnung abschließend berichtet wird: »Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen« (Luk. 24, 31). Wohin? Zurück in das Unsichtbare, aus dem er zuvor gekommen war. Ebenso zeigt das unterschiedliche Verhalten Jesu gegenüber Maria Magdalena, die ihn nicht anrühren durfte, und gegenüber dem Zweifler Thomas, dem zuliebe er mit den Wundmalen erschien, damit sie betastet werden konnten, und gegenüber den Jüngern am See Tiberias, die nicht zu fragen wagten, wer es sei (obwohl sie es wußten), alles dies zeigt, daß seine Erscheinungsweise als Auferstandener immer wieder anders war. Unser Gott ist ein reicher Gott und unbegreiflich seine Werke. Er hat unzählige Möglichkeiten der Sichtbarmachung (1. Kor. 15,38ff).

Himmelfahrt und Wiederkunft Die Himmelfahrt Jesu ist über viele Jahrhunderte hinweg, in unmittelbarer Anlehnung an das naive Weltbild der frühen Christenheit, als ein Auffahren durch den Weltraum verstanden und geglaubt worden. Mit dem Wegfall des Weltbilds war dieser Glaube für viele Christen nicht mehr vollziehbar. Wie anders aber ist der Vorgang zu verstehen, wenn man bereit ist, die eigentliche Wirklichkeitsschau der Bibel, das Ineinander von Sichtbarem und Unsichtbarem, zugrundezulegen. Dann erkennt man, daß die Himmelfahrt Jesu wie die des Elia biblisch als eine Entrückung in das Unsichtbare verstanden werden darf. Der Unterschied der Entrückung Jesu gegenüber den Entrückungen, von denen die Bibel sonst berichtet der des Henoch (1. Mos. 5,24), der des Elia (2. Kön. 2,11) und der noch bevorstehenden Entrückung der Brautgemeinde

(1. Thess. 4,17) liegt nur darin, daß Jesus dabei der Handelnde ist. Die anderen Entrückungen geschehen an den Betroffenen ohne deren Zutun, während Jesus seine Entrückung wie alles auf seinem irdischen Lebens- und Leidensweg nicht nur erleidet, sondern bestimmend gestaltet. Denn er geht, wie es der Grundtext ausdrückt, in das Unsichtbare hinüber (Apg. 1,11). Viele Male war Jesus in den Tagen zuvor seinen Jüngern erschienen, aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare kommend und dabei anders als bei seiner Zeugung und Geburt, aber ebenso durch ein Wunder des allmächtigen Gottes eine Fleischwerdung erfahrend und vollziehend. Im Unsichtbaren geht er als der Unsichtbare in den Raum, in dem die Jünger zusammen sind (das Unsichtbare durchdringt diesen Raum, so daß verschlossene Türen für Jesus kein Hindernis sind, wird unter ihnen plötzlich sichtbar, so daß sie sehr erschrecken, spricht mit ihnen und verschwindet ebenso plötzlich, wieder zurück in das Unsichtbare gehend. Um nun die Jünger wissen zu lassen, daß die Periode solchen Erscheinens abgeschlos¬sen und damit seine Ankündigung aus den Abschiedsreden erfüllt wird (Joh. 16,7), läßt Jesus sie Zeugen seiner Entrückung werden. Von dieser heißt es im griechischen Grundtext: »Dieser Jesus, der von euch aufgenommen ist in den Himmel, wird so kommen, wie ihr ihn habt in den Himmel gehen sehen« (Apg. 1,11). Das hier benutzte griechische Wort poreuomai für >gehen< meint ein Gehen zu einem Ziel. Dieses Ziel ist aus der Prophetie des Alten Testaments bekannt. In Dan. 7,13 14 heißt es: »Siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker dienen sollten ... « Hier hat Daniel prophetisch vorausgesehen, was die Wolke den Jüngern verbarg (Apg.1,9): den Weg Jesu im Unsichtbaren zum Thron des Vaters und seine Erhöhung zur Rechten des Vaters. Wenn Jesus wiederkommen wird zum Gericht, so daß »ihn sehen werden alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben« (Off. 1,7) und »sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters« (Phil. 2,10 11), dann wird das Sichtbare transparent werden für alle Menschen, aller Augen werden geöffnet werden und werden hineinschauen müssen in das Unsichtbare, und sie werden Jesus sehen in seiner Herrlichkeit und vor ihm niederfallen und ihn bekennen als den einen, der Herr ist über alle und alles. Dann wird das Sichtbare vergehen, und nur das Unsichtbare wird sein wie es einst war vor Erschaffung der Welt. Und die zu Jesus gehören, werden ihn sehen, wie er wirklich ist, und werden ewig bei ihm sein im Unsichtbaren, das dann nicht mehr unsichtbar, sondern ihre Heimat ist. Diesen Ausführungen muß als wesentliche Ergänzung der Hinweis angefügt werden, daß bei den als Beispielen gewählten biblischen Berichten jeweils nur der eine Aspekt des Sichdurchdringens von Sichtbarem und Unsichtbarem herausgestellt wurde. Selbstverständlich hat dieser Aspekt gegenüber der inhaltlichen Bedeutung der Berichte völlig zurückzutreten. Er stellt nur den Hintergrund des Geschehens dar. Bei der Auslegung und Verkündigung steht die inhaltliche Bedeutung des Bibeltextes als das Eigentliche im Vordergrund.

Kapitel 4: Gliederung des Unsichtbaren

Gottes Sein und Wirklichkeit Bisher war vom Unsichtbaren nur als Ganzem die Rede, als Gegensatz zum Sichtbaren, und vor allem von der biblischen Schau des Ineinanders, des gegenseitigen Sichdurchdringens beider Wirklichkeiten. Es lag mir daran aufzuzeigen, daß es bei dem Unsichtbaren nicht um eine

mythische oder gar mythologische Redeweise geht, sondern um eine entscheidende Realität, von der nur nicht anders als bildhaft (mythisch im Sinne von W. Stählin) gesprochen werden kann. Im Grunde kann nicht ernst genug betont werden, daß das Unsichtbare die wahre, die eigentliche Realität ist, von der das Sichtbare (und damit auch der Mensch ) erst Existenz und Struktur erhalten hat: Durch Glauben erkennen wir, daß die Welten durch Gottes Wort gestaltet sind, damit das Sichtbare nicht aus Wahrnehmbaren hervorgegangen sei« (Hebr. 11 3). Zu beachten aber ist, daß, Gott, der Schöpfer, nicht mit dem Unsichtbaren in eins gesetzt werden darf. Die Bibel unterscheidet sehr genau das Unsichtbare und den Unsichtbaren. Auch wenn ich gleichbedeutend für das Unsichtbare die Worte unsichtbare Wirklichkeit, Gottes Welt, Gottes Wirklichkeit, benutzt habe, geht es mir mit alledem stets um die (räumlich ausgedehnte) Wirklichkeit, in der Gott lebt, der Ewige und Allmächtige. Die Tatsache" daß das Unsichtbare das Sichtbare überall durchdringt, bezeugt zwar Gottes Allgegenwart, besagt aber nicht, daß Gott und das Unsichtbare übereinstimmen. Und wenn sich das Unsichtbare für Menschen im Sichtbaren öffnet, so erweist sich dabei Gottes Macht und Herrlichkeit in mannigfacher Weise; aber er selbst bleibt ungesehen und unzugänglich. So muß es sein, denn Gott »wohnt in einem Lichte, da niemand zukommen kann" (1. Tim. 6,16). Gottes Sein und Wirken ist im Grunde unvorstellbar und unbegreiflich. Und doch hat er sich Menschen kundgetan, und Menschen, vom heiligen Geist getrieben, haben die großen Taten Gottes verkün¬det. Davon spricht die Bibel, und sie allein ist die Grundlage für ein angemessenes Reden von Gott. Daß dennoch Mißverständnisse entstehen können, liegt an der menschlichen Unzulänglichkeit. Es sei daher einmal hervorgehoben: Wenn ich von Gottes Wirklichkeit spreche, so meine ich damit nicht Gottes Sein und Wirken, sondern nur die Wirklichkeit in der er lebt. Und in allem, was ich ausführe, bemühe ich mich um eine Auslegung biblischer Aussagen, die vor meinem Herrn Jesus Christus bestehen kann. Da ich mich dabei sicher nicht in allem verständlich genug ausdrücke, bitte ich für jedes Mißverständnis um Vergebung. In diesem Sinne wage ich jetzt, von einer Gliederung des Unsichtbaren zu reden und die wenigen strukturellen Angaben, die die Bibel vom Unsichtbaren macht, zu einer Schau zusammenzufassen. Das kann nur mit großer Behutsamkeit geschehen und nur in groben Umrissen. Und bei der ganzen Darlegung muß beachtet werden, daß die Gliederung nur ein Abbild, ein Modell, darstellt, nicht die Wirklichkeit des Unsichtbaren selbst. Denn dieses ist und bleibt für uns unanschaulich. Die Bibel gibt uns aber Hinweise, die wir aufgreifen dürfen. Doch ist, was ich hier ausführe, meine persönliche Deutung biblischer Aussagen, wie auch die Beispiele im vorangehenden Kapitel grundsätzlich auf eigener Auslegung beruhen, Himmel und Hölle In Matthäus 4, 1-11 wird von der Versuchung Jesu berichtet. Der Geist (Gottes) führt ihn in die Wüste, auf daß er vom Teufel versucht würde. Das tut der Versucher mit viel List und Geschick. Doch vor der Hoheit Jesu kann er nicht bestehen und gibt sein Vorhaben auf. Zum Abschluß heißt es: Da verließ ihn der Teufel. Uns siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm. Dieser Bericht zeigt, daß der Teufel wie auch die Engel aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare treten und dorthin zurückgehen. Den Widersacher Gottes und die Boten Gottes birgt das Unsichtbare in gleicher Weise! Weiter entnehmen wir dem apostolischen Glaubensbekenntnis die Aussagen, Jesus sei »niedergefahren zu Hölle« und »aufgefahren gen Himmel«. Das Bekenntnis unterscheidet also, mit biblischer Begründung, die beiden Bereiche »Himmel« und »Hölle«. Dabei hat man aber zu beachten, daß die Bezeichnung »Hölle« aufgrund einer nicht richtigen Übersetzung im Luthertext der Bibel in das Glaubensbekenntnis hineingekommen ist. Die neue Fassung des Bekenntnisses, die von der römisch katholischen und der evangelischen Kirche gemeinsam erarbeitet und angenommen ist, sagt richtiger: »hinabgestiegen in das Reich des Todes« und »aufgefahren in den Himmel«. Es ist im Hebräischen (Altes Testament) zwischen Scheol (Totenreich) und Gehenna (Hölle), im Griechischen (Neues Testament) zwischen Hades (Totenreich) und Geenna (Hölle) zu unterscheiden. Luther hat im allgemeinen beides mit »Hölle« wiedergegeben. Wie aber die Sprachen zeigen, weiß die Bibel von beiden Bezirken, vom Totenreich und von der Hölle. Beide gehören zum Unsichtbaren, da sie sich der wissenschaftlichen Forschung entziehen.

Um die mit manchem Mißverständnis belasteten Worte Himmel und Hölle zu vermeiden, wähle ich stattdessen die Bezeichnungen »Reich des Lichts« und »Reich der Finsternis«. Dabei verstehe ich »Licht« und »Finsternis« ohne nähere Erklärung im Sinne des Wortes Jesu (Joh. 8,12): »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.« Mit dieser Unterscheidung in »Reich des Lichts« und »Reich der Finsternis« ist eine erste Gliederung des Unsichtbaren gegeben, und man sieht, daß die Beispiele des vorangehenden Kapitels nur von Wechselwirkungen zwischen dem Sichtbaren und dem Reich des Lichts im Unsichtbaren berichteten. Erst im Bericht von der Versuchung Jesu kommen beide Bezirke des Unsichtbaren zur Geltung. Deutlicher tritt das hervor in der Erzählung Jesu vom reichen Mann und armen Lazarus (Luk. 16,19ff): Die Seele des Armen wurde nach seinem Tod von Engeln in »Abrahams Schoß« (zum Reich des Lichts gehörend) getragen. Der Reiche kam, als er starb, an den Ort der Qual, in das Totenreich (zum Reich der Finsternis gehörend); der Grundtext hat das Wort Hades (Totenreich). Entscheidend ist die große Kluft zwischen beiden Bezirken, über die keiner hinüber kann. Beider Männer Seelen können sich sehen, können empfinden und miteinander reden, aber ein Zueinander ist nicht möglich. Mit dieser Erzählung, die kein Gleichnis sein soll, sondern Verkündigungs und Offenbarungscharakter hat, läßt uns Jesus einen Blick in die »andere Welt« tun, d.h. er offenbart uns etwas über ein »Leben nach dem Tod«. Wir erfahren, daß das menschliche Leben mit dem Tode nicht aufhört, sondern in anderer Form und an anderem Ort weitergeht, ferner, daß der andere Ort davon abhängt, ob wir bei Lebzeiten auf »Mose und die Propheten«, für uns Heutige also auf Jesus und sein Wort, gehört haben oder nicht, im Zusammenhang dieses Textes besonders darauf, was er über unser Verhalten zu den Mitmenschen unter der Verantwortung vor Gott sagt (Matth. 25,40 45). Dreigliederung im Reich des Lichts Sodann gibt die Bibel für das Reich des Lichts eine weitere Gliederung an. In Hebr. 8,5 heißt es: »Sie, die Priester im Tempel, dienen nur dem Abbild und Schatten des Himmlischen: wie Gottes Stimme zu Mose sprach, als er die Stiftshütte vollenden sollte: Schaue zu, sprach er, daß du machest alles nach dein Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist«. Als Gott auf dem Berge Horeb mit Mose redete, ihm die Gebote und die Anordnungen für das Volk Israel kundtat, hat er besonders auch geboten, wie die Stiftshütte und die Geräte für den priesterlichen Dienst gestaltet werden sollten (2. Mos. 25,9.40; 26,30; Apg. 7,44). Die Stiftshütte begleitete das Volk auf der Wanderung zum verheißenen Land und diente später als Modell für den Tempel. Diese Weisung Gottes an Mose ein »Abbild des Himmlischen« herzustellen, widerspricht nicht dem Gebot in 2. Mos. 20,4, da dieses Gebot nur dem Menschen verwehrt, sich nach eigenem Entwurf ein Abbild oder Gleichnis des Himmlischen zu machen. Wenn Gott ein Abbild des Himmlischen als Modell vorgibt oder Jesus in Gleichnissen vom Himmelreich spricht, so handelt es sich um offenbarte Wahrheit im Gegensatz zu Spekulationen, die Menschen sich aufgrund eigener Gedanken und Vorstellungen machen. Aus der Art, wie Mose die Stiftshütte ausführen ließ, kann man mit Behutsamkeit rückschließen auf eine Gliederung im Reich des Lichts. Die Stiftshütte hatte drei Bezirke: den äußeren Vorhof mit dem Brandopferaltar für das Volk, sodann die eigentliche Stiftshütte, die unterteilt war in das Heiligtum, in dem die Priester dienten, und das Allerheiligste mit der Bundeslade, das nur der Hohepriester betreten durfte und zwar nur einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag (Hebr. 9,2 7). Dementsprechend darf man eine dieser Aufteilung in Vorhof, Heiligtum und Allerheiligstes analoge Gliederung für das Reich des Lichts annehmen. Doch geht es dabei nur um eine Gliederung der Funktion nach, nicht nach Form, Größe, Aussehen usw. Über solche Einzelheiten denke ich nicht nach. Darüber ist uns nichts gesagt, und das liefe dem Gebot in 2.Mose 20,4 zuwider. Die von der Stiftshütte als Abbild des Himmlischen nahegelegte Gliederung im Reiche des Lichts

möchte ich dahin verstehen, daß dem Vorhof das Paradies, auch Abrahams Schoß genannt, entspricht. Dorthin bringen Engel die Seelen derjenigen Sterbenden, die Jesus als die Seinen anerkennt, z.B. die Seele des armen Lazarus (Luk. 16,22) und die Seele des bußfertigen Schächers neben dem Gekreuzigten, dem Jesus verheißt: »Heute wirst du mit mir im Paradies sein« (Luk. 23,4.3). Dem Heiligtum, so meine ich, entspricht das himmlische Jerusalem (Off. 21), dem Allerheiligsten die Stätte des Thrones Gottes, zu der niemand Zugang hat außer Jesus, unserem ewigen Hohenpriester. Dort ist er zur Rechten des Vaters erhöht und dient am Heiligtum, d.h. tritt ständig vor dem Vater für uns ein (Hebr.8,1 2; Röm. 8,34).

Dreigliederung im Reich der Finsternis Vom Reich der Finsternis wissen wir bereits, daß Hölle und Totenreich dort zu denken sind. Denn die Bibel bestätigt diese Bezirke als Teil des Unsichtbaren, und da Hölle und Totenreich nicht Licht noch Leben sind, können sie nicht zum Reich des Lichts gehören. Dem entspricht es auch, daß Satan als Nachahmer Gottes (so hat Luther ihn genannt) für das Reich der Finsternis, soweit es ihm zugelassen wird, nachmacht, was Gott für das Reich des Lichts als Ordnung festgesetzt hat. Letzten Endes erfüllt er aber damit nur Gottes Willen, wie er in allem Gottes Werkzeug ist. So dürfen wir vermuten, dag das Totenreich als Vorhof und die Hölle als Unheiliges zum Reich der Finsternis gehören und daß auch ein Allerunheiligstes da sein wird, vielleicht der Abgrund (Off. 9,1 2; 20,1 3) oder der feurige Pfuhl (Off. 20,14 15). Darüber wollen wir nicht weiter nachdenken; wir sollen nicht die >Tiefen des Satans< erforschen wollen (Off. 2,24). Ich erwähne die Gliederung des Reiches der Finsternis nur, um auf den Unterschied von Totenreich und Hölle hinzuweisen. Der reiche Mann (Luk. 16,23) kam ins Totenreich (griechischer Grundtext: hades), das bereits ein Ort der Qual und der Flammen ist (Luk. 16,23 24). Mit diesem reichen Mann werden die Seelen aller der Sterbenden ins Totenreich kommen, die Jesus nicht als die Seinen anerkennt (vgl. Matth. 7,21 23). Es wird auch eintreten, daß Gott die Seele eines Sterbenden bis in die Hölle verstößt. Davon spricht Jesus z. B. in Mark. 9,43 48, ebenso in Luk. 12,5. An diesen Stellen hat der griechische Grundtext das Wort geenna. Im übrigen dürfen wir Satan nicht die Ehre antun, ihn etwa als Herrn im Reich der Finsternis zu denken. Herr ist allein der Dreieinige Gott. Er ist Herr über alles Sichtbare und Unsichtbare, entsprechend dem Worte Jesu: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden (Matth. 28,18). Satan ist bestenfalls als Verwalter anzusehen und in jedem Fall an Gottes Weisung gebunden (Hiob 1,12; 2,6). Insbesondere kann Satan niemand in die Hölle verstoßen. Dieses Urteil steht allein Jesus zu, dem Gott das Gericht übergeben hat (Joh. 5,22). Das zeigt auch ein Wort Jesu an seine Freunde: »Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können ... Fürchtet euch aber vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, zu werfen in die Hölle« (Luk. 12,4 5). Es ist Gott, der die Menschen sterben läßt (Ps. 90,3), und er ist es, der dem Gestorbenen durch Jesus den Platz im Unsichtbaren zuweist (Matth. 25,34.41.46). Und Jesus, dem der Vater alle Gewalt und das Gericht übergeben hat, hat die Schlüsselgewalt auch über das Totenreich (Off. 1,18), den Vorhof zum Reich der Finsternis, und damit zu diesem Reich als Ganzem. Er ist es, »der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf« (Off. 3,7).

Das biblische Oben und Unten Zur Gliederung des Unsichtbaren gehört auch eine Angabe, wo in dem uns überall umgebenden Unsichtbaren das Licht und wo die Finsternis gedacht werden darf, genauer: wo die »Grenze« zwischen beiden Reichen, die große Kluft liegt, von der Jesus spricht (Luk. 16,26). Ich will auch dazu einige Hinweise der Bibel auslegen, betone aber, daß es nicht um einer Anschaulichkeit

willen geschieht (die gar nicht möglich ist), sondern um deutlich zu machen, daß biblische Ausdrucksweisen auch dann als zuverlässig erkannt werden können, wenn man sie nur vordergründig sieht und als naiv oder falsch hinstellt. Was offenbart ist, ist wahr. Daran haben wir uns zu halten. In meiner Sicht, die ich gleich biblisch begründen werde, gehört das Reich der Finsternis zu dem Teil des Unsichtbaren, der die Erdkugel durchdringt, wobei die niedere Schicht der Erdatmosphäre noch dazu gehört. Darüber von einem beliebigen Punkt der Erdoberfläche aus gesehen dürfen wir uns in allen Richtungen das Reich des Lichtes denken, ohne dag wir die Lage der Grenze zwischen beiden Reichen kennzeichnen können. In dieser Sicht bleibt das biblische »oben« und »unten« in neuem Verständnis voll erhalten. Diese beiden Begriffe haben relativen Charakter, gelten für uns als Bewohner der Erde und lassen sich von der Erde aus leicht definieren. Die Richtung nach unten ist die mit der Erdanziehungskraft gleich laufende Richtung, die nach oben ist die dazu entgegengesetzte Richtung. Diese Definition ist unabhängig von der Drehung der Erde und ihrer Bewegung im Weltall, als Planet im Sonnensystem am Rande der Milchstraße. Überall von der Erde weg ist »oben«, überall in sie hinein ist »unten«. Denkt man sich diese Definition vom Sichtbaren auf das Unsichtbare übertragen, so macht sie keine Aussage mehr für das uns umgebende Weltall, sondern eine mit Begriffen des Sichtbaren gleichnishaft formulierte Aussage für das Unsichtbare, das Weltall und Erde durchdringt. Von da her ergibt sich ein neues Verständnis für manche als naiv geltende Redeweise der Bibel. Ich gebe dazu einige Beispiele, die zugleich die von mir gegebene Sicht begründen sollen. Da sind zunächst die Bibelstellen, die von Jesu Aufenthalt im Totenreich sprechen. In Matth. 12,39 40 antwortet Jesus auf die Zeichenforderung der Schriftgelehrten und Pharisäer: »Das böse und abtrünnige Geschlecht sucht ein Zeichen; und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn gleichwie Jona drei Tage und drei Nächte in des Fisches Bauch war, so wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.« Damit hat Jesus nicht ein Liegen im Grabe gemeint, denn dort hat er allenfalls zwei Nächte und einen Tag verbracht. Man hat Jesu Angabe auf seinen Aufenthalt im Totenreich zu beziehen. Das besagt auch Eph. 4,9: »Daß er aber aufgefahren ist, was ist das anderes, als daß er auch hinuntergefahren ist in die untersten Örter der Erde.« Ebenso 1.Petr. 3,19-20: »In demselben (Geist) ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die vorzeiten nicht glaubten, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete.« Wenn hier vom »Schoß der Erde« und von den »untersten Örtern der Erde« gesprochen wird, so ist dabei nicht an die physische Erdkugel gedacht. Es wird vom Unsichtbaren geredet, vor allem vom Totenreich als Teil des Reiches der Finsternis; ebenso bei dem »Gefängnis«, in dem die Seelen der in der Sintflut Umgekommenen von Jesus aufgesucht werden. Nach dem Tod am Kreuz war Jesus in allen »Schichten« des Totenreichs und hat sich dort als der Herr erwiesen, über den der Tod keine Macht hat (Röm. 6,9; 2. Tim. 1,10). Daß auch die untere Erdatmosphäre noch zum Reich der Finsternis gehört, ist mehrfach angedeutet. In Dan. 10,13.20 wird von »Engelfürsten« des Perserreichs und Griechenlands berichtet, die dem Engel widerstanden, der Daniel das ihm offenbarte Gesicht deuten sollte. Aber Engelfürsten über Länder der Erde, die Boten Gottes bekämpfen, können nur dem »Fürsten der Welt« unterstehen, den die Bibel auch als einen »Mächtigen, der in der Luft herrscht« (Eph. 2,2), kennzeichnet. Sie sind als gefallene Engel anzusehen, die mit Satan von Gott abgefallen sind. Auch der Sturz Satans auf die Erde (Hes. 28, 16; Luk. 10,18, Off. 12,9) und sein Wandern über die Erde (Hiob 1,7; 2,2) machen deutlich, daß der Luftbereich über der Erde dem Reich der Finsternis zugehört nicht die physische Luft oder Atmosphäre, sondern der diese durchdringende Teil des Unsichtbaren! Kapitel 5: Das Aas und die Geier

Die Menschheit im Bann der Finsternis

Wenn es vom biblischen Befund her zutrifft, daß das Unsichtbare das Sichtbare überall durchdringt, und wenn weiter in diesem Ineinander das Reich der Finsternis unsere Erde und ihren Luftraum erfüllt, so bedeutet das nichts anderes, als daß die Menschheit trotz aller natürlichen und künstlichen Lichtquellen im Herrschaftsbereich der Finsternismächte lebt. Sie weiß es nur nicht oder will nichts davon wissen. Jesus aber kam als Licht der Welt in unsere Finsternis, um uns davon zu erlösen. Das bezeugen vor allem die Verheißungen auf das Kommen des Erlösers, die uns zur Advents und Weihnachtszeit in Erinnerung gerufen werden. Da heißt es: »Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, da scheint es hell« (Jes. 9,1). »Ich, der Herr, habe dich gerufen ... und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, daß du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker« (Jes. 42,6 7). »Denn, siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir« (Jes. 60,2). Was im Alten Testament verheißen ist, wird im Neuen Testament bestätigt bzw. als erfüllt verkündet. »Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen« (Joh. 1,5). »Das aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse« (Joh. 3,19). Und Jesus spricht: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben« (Joh. 8, 12). Paulus erhält den Auftrag, »aufzutun ihre Augen, daß sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, um zu empfangen Vergebung der Sünden« (Apg. 26, 18). Er warnt die Gläubigen: »Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel« (Eph. 6,12) . Er bezeugt aber auch den Sieg Jesu und dankt dafür dem Vater, »der uns errettet hat von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes« (Kol. 1,13). Und Johannes bezeugt: »Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt« (1.Joh. 2,8). Diese Stellen, die keineswegs von geistiger Finsternis reden, d.h. von mangelhaftem Bildungsstand oder fehlender Aufklärung, machen noch einmal deutlich, wie unanschaulich das Ineinander von Sichtbarem und Unsichtbarem ist. Nicht nur, daß sich diese beiden Wirklichkeiten in paradoxer Weise (ungetrennt und unvermischt) durchdringen, auch im Unsichtbaren für sich ist das Übergangsfeld von der Finsternis zum Licht ein merkwürdiges Ineinander. Wer an Jesus glaubt, ist versetzt aus dem Reich der Finsternis in das Reich des Sohnes, ins Licht, wie Kol. 1,13 bezeugt. Er bleibt aber auf der Erde, ist also noch überall von Finsternis umgeben. Er ist wie ein Licht im Dunkeln, wie Jesus als Licht in die Finsternis gekommen ist. Er ist nicht mehr von der Welt, wie Jesus nicht von der Welt war und ist, wird aber in der Welt belassen, sogar in die Welt gesandt (Joh. 17,15 18). Der Glaubende soll das Licht von Gottes Liebe, Frieden und Freude, das er hat und ist, in sich leuchten lassen und wie mit einem Spiegel die Herrlichkeit Gottes im Dunkel der Welt widerspiegeln, auf daß andere davon erreicht werden können. Und dennoch bleibt es richtig, daß das Licht keine Gemeinschaft mit der Finsternis hat (2. Kor. 6,14). Auf dieser Grundsituation des an Jesus Glaubenden, daß er aus der Macht der Finsternis errettet und zum Licht geworden ist, aber sich von einem Meer von Finsternis umgeben wissen muß, beruhen alle Anfechtungen. Deshalb haben wir zu kämpfen, nicht mit Fleisch und Blut, und zu laufen mit Geduld der uns verordnet ist (Hebr. 12,1), haben aber zugleich aufzusehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebr. 12,2). Nicht aus eigener, nur mit seiner Kraft können wir den Kampf bestehen. Deshalb auch hat Jesus die Gemeinde geschaffen, daß wir Gemeinschaft haben mit Brüdern und Schwestern und seelsorgerliche Hilfe finden bei Ältesten, die in seiner Vollmacht stehen. Das Vordringen der Finsternis

Die Tatsache, daß die Erde im Machtbereich der Finsternis liegt, hat überall auf der Erde zur Folge, daß die Mächte der Finsternis sich vordrängen. Sie wissen, sie haben nur noch wenig Zeit (Off. 12,12). Die Mächte des Lichts halten sich dagegen zurück. Sie können, ja, sie sollen warten, bis Jesus in Macht und Herrlichkeit erscheint und mit dem Hauch seines Mundes umbringt und mit Feuer verzehrt, was an Widersachern aufgestanden ist (2. Thess, 2,8; Off. 19, 2 1 ; 20,9). Diese Aktivität des Feindes und das Sichzurückhalten der Engel hat Jesus bereits im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen vorausgesagt (Matth. 13,30). Die Lage der Gemeinde Jesu jetzt kann mit Jesu Gefangennahme in Gethsemane verglichen werden. Damals sagte Jesus zu Petrus, der ihn mit seinem Schwert verteidigen wollte: »Meinst du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte alsbald mehr als zwölf Legionen Engel?« und zu seinen Häschern: »Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis« (Matth. 26,53; Luk. 22,53). In der Endzeit geht es um die Gefangennahme der Gemeinde als Leib Jesu. Denn vom Antichristen wird vorausgesagt: »Ihm ward gegeben, zu streiten wider die Heiligen und sie zu überwinden« (Off. 13,7). Wir sollen uns nicht aus Eigenem wehren, sondern wachen und beten, daß wir in Jesus bleiben, und mit Paulus wünschen, daß Christus hoch gepriesen werde an unserem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod (Phil. 1,20). Ein Zeichen dafür, wie weit die Mächte der Finsternis ihre bedrohlichen Positionen unter der Menschheit bereits bezogen haben, ist die immer mehr um sich greifende, aus der früheren Heimlichkeit herausgetretene Bewegung des aktiven Okkultismus: der zahlenmäßig ungeheuer angewachsenen Menge der Wahrsager und Zauberer, der Astrologen und Spiritisten, auch derer, die sich als Geistheiler, Magier, Hexer und Hexen, ja sogar als Satanspriester bezeichnen und ihre Dienste und Hilfen anbieten. »Die okkulte Explosion ist ausgebrochen«, schrieb vor einigen Jahren ein amerikanisches Magazin. Und vor kurzem hat Dr. Kurt Hutten* in einem erschütternden Bericht einige Tatbestände darüber zusammengestellt, in welchem Ausmaß okkulte Praktiken angeboten und in Anspruch genommen werden und internationale Vereinigungen, Institute, Kongresse sich damit befassen. Er stellt fest: »Wenn die Schätzungen zutreffen, nach denen ein Drittel der Menschheit die Sterne befragt oder ihren Einfluß auf das Menschenschicksal für möglich hält, dann hat die Astrologie mehr Anhänger und Mitläufer als jede Weltreligion und jede politische Ideologie . . . « »Die Anhängerzahl des Spiritismus wird auf über 100 Millionen geschätzt . . . Der Spiritismus hat Schwerpunkte in England, Nordamerika und Brasilien; er hat eine feste Position im öffentlichen Bewußtsein gewonnen, eigene Organisationen und Kirchen ins Leben gerufen, alte Kulte neu belebt und geprägt. Eine demoskopische Erhebung in der Bundesrepublik 1958 ergab, daß mehr als die Hälfte der Befragten bereit war, an die Realität paranormaler Erscheinungen zu glauben, und ferner, daß diese Bereitschaft sich auf höherer Bildungsstufe nicht etwa verringert, sondern im Gegenteil noch verstärkt.« (K.Hutten, Überweltpropheten und Diesseitigkeitsapostel, in: E. Bauer (Hrsg.),Psi und Psyche, Stuttgart 1974). Hutten untersucht anschließend die Gründe für einen solchen Einbruch des Okkulten in die moderne Welt. Sein Ergebnis ist, daß der passive Okkultismus, das verzweifelte Suchen und vertrauensvolle Annehmen okkulter Hilfen, nur »aus dem lebensgefährlichen Verlust der großen >vertikalen< Hoffnung zu erklären« ist, der Hoffnung auf des guten Gottes Hilfe in einer überschaubaren Welt. »Dieser vertikalen Hoffnung«, so sagt Hutten mit Recht, »wurde die Daseinsberechtigung völlig entzogen. Sie wurde als rückständig, unwissenschaftlich und zudem noch fortschrittsfeindlich verschrien. In allen vergangenen Epochen hatte sie dem unter Bedrängnissen seiner Zeit stöhnenden Menschen geholfen, durch die Verheißungen von Frieden und Geborgenheit in der oberen Welt seine Tage im >irdischen Jammertal< zu ertragen. Nun wurde sie zum Tode verurteilt.« Wer für die menschlichen Probleme heute Antworten sucht, muß sich wieder der Vertikalen zuwenden. »Das geschah denn auch«, fährt Hutten fort, »vorab in der Jugend. . . . Die Sehnsucht nach der >heilen Welt< wandelte sich in die Sehnsucht nach der >anderen Welt<, in deren Herrlichkeit der Zivilisationsmüde durch Bewußtseinserweiterung, Zen, Transzendentale Meditation, den Trip oder mit Hilfe der Ekstase eintauchen kann. Von hier aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zu den Okkultbewegungen. Sie können nicht nur ein farbenfrohes Panorama von der >anderen Welt< vorlegen, sondern zeigen auch Wege, um mit

den Mächten dieser Welt in Verbindung zu treten und sich von ihnen begleiten zu lassen. Es ist nicht verwunderlich, daß gerade in den Kreisen der frustrierten Jugend okkulte Lehrelemente und Praktiken in sporadischer oder kompakter Form weite Verbreitung gefunden haben.« Und die Gemeinde Jesu Als Gemeinde Jesu müssen wir die Tatsachen, wie sie in dem Bericht von K. Hutten aufgezählt werden, nüchtern zur Kenntnis nehmen. Der Okkultismus als eine Bewegung, die Angebot und Nachfrage von Hilfeleistungen aus einer »anderen Welt« regelt, ist zu einer internationalen Großmacht geworden, wie es schon 1962 einer ihrer Vertreter formulierte. Auf der anderen Seite weiß die Gemeinde Jesu, daß dieser Weg zur »Hilfe aus einer anderen Welt« ein Irrweg ist, der als Ersatz für den rechten Weg weil der Glaube an den lebendigen Gott verloren ging gesucht und gegangen wird. Während die meisten Menschen, die sich dem Irrweg verschreiben, meinen, auf diesem Weg zu Gott zu finden, weiß die Gemeinde, daß diese »andere Welt« weithin unter der Herrschaft der Finsternis steht. Denn das Sichvordrängen der Mächte, die sich anbieten und Hilfe versprechen, sei es direkt, sei es über Menschen und Organisationen, ist ein charakteristisches Kennzeichen für den, der da »hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat« (Off. 12,12). Um aber im Einzelfall zu erkennen, ob und wie weit wirklich Finsternismächte am Werke sind, bedarf es der Gabe, die Geister zu unterscheiden (1. Kor. 1,10). Die Gemeinde Jesu darf weiter wissen, daß auch die explosive ok¬kulte Entwicklung am Plan Gottes mit der Menschheit nichts ändern oder gar hindern kann, ja, daß sie im Grunde in diesen Plan einbeschlossen ist (Röm. 11,32). Er hat den Mächten der Finsternis ihre Stunde gegeben, zugleich aber auch »ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lange ein jedes leben sollte« (Dan. 7, 12). Er läßt das Böse, das der Feind gesät hat, ausreifen bis zur Ernte, dem Ende der Welt. Dann wird »des Menschen Sohn seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle, die Ärgernis geben und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen« (Matth. 13,41). Was zur Zeit an Schandbarem, Greuelvollem und Gotteslästerlichem auf der Erde vorgeht, fällt unter das Wort Jesu vom endzeitlichen Geschehen: »Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier« (Math. 24,28). Aber er hat auch verheißen: »Wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt« (Matth. 24,22). Als Glieder der Gemeinde Jesu dürfen wir festhalten: So erschreckend auch die weltweite Verbreitung der Finsternis für viele sein mögen die okkulte Explosion, der sittliche Abstieg, die politischen und wirtschaftlichen Spannungen, der Terrorismus, die Rohstoffvergeudung, die Umweltverschmutzung und manches andere , die an Jesus Glaubenden und auf ihn Vertrauenden brauchen sich dadurch in kei¬ner Weise beeindrucken zu lassen. Denn das hieße, Satan Ehre zu geben. Wir brauchen keine Angst zu haben vor dem, was kommen mag, weil es sich um besiegte Feinde handelt, um ein letztes Aufbäumen. Das Wort Jesu gilt: » In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden« (Joh. 16,33). Wir haben »zu wachen und zu beten, dag wir nicht in Anfechtung fallen« (Mark. 14,38), und auch darum zu beten, daß noch viele Menschen gerettet werden und viele Gläubige bewahrt bleiben, ehe Jesus wiederkommt. Im übrigen haben wir zu laufen in dem Kampf, der uns verordnet ist. Der Sieg Jesu steht fest. Satan ist gerichtet, das Urteil ist gefällt und wird als Vernichtung im Feuersee zu der Stunde vollstreckt werden, die der Vater im Himmel dafür bestimmt hat.

Kapitel 6: Vom Wesen des Bösen Verdunkelung der Sinne Ich beginne mit einer Gleichnishandlung Jesu: seinem Wandeln auf dem Meer nach der Speisung der Fünftausend. Er treibt seine Jünger an, daß sie allein mit dem Schiff über das Meer fahren. Dann heißt es (Mark. 6,46ff.): »Und da er sie von sich gelassen hatte, ging er hin auf einen Berg, zu beten. Und am Abend war das Schiff mitten auf dem Meer und er allein auf dem Berg. Und er sah, daß sie Not litten beim Rudern, denn der Wind war ihnen entgegen.« Das damalige Geschehen kann man gleichnishaft für die Gemeinde heute verstehen: Jesus entrückt in den Himmel, die Gemeinde am Abend der Geschichte allein auf dem Meer des Geschehens. Man denke etwa an das Lied: »Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit; das Ziel, das ihm die Richtung weist, ist Gottes Ewigkeit.« Jesus aber betet; er sieht die Not der Seinen, er weiß um die widrigen Winde. So sorgt er auch heute als der Auferstandene allezeit und überall für die Seinen. »Und um die vierte Nachtwache kam er zu ihnen und wandelte auf dem Meer und wollte an ihnen vorübergehen. Und da sie ihn sahen auf dem Meer wandeln, meinten sie, es wäre ein Gespenst, und schrien; denn sie sahen ihn alle und erschraken.« Am Ende der Zeit wird Jesus über das aufgewühlte Völkermeer (Kriege, Radikalismus, Revolutionen, Terror, Natur und Wirtschaftskatastrophen) zu uns kommen. Die Gemeinde aber meint, sie sähe ein Gespenst, etwas Furchterregendes, und schreit und erschrickt! »Aber alsbald redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht und trat zu ihnen ins Schiff, und der Wind legte sich.« Als Gemeinde Jesu dürfen und sollen wir das gesamte Zeitgeschehen, auch mit seinen bedrohlichen und okkulten Äußerungen, in seinem aufgewühlten Zustand wie ein Meer ansehen, über das Jesus wandelt. Ihm kann es nichts anhaben, er hat das alles unter seinen Füßen, insbesondere sollen wir über dem, was uns verzagt und hilflos machen will, die klare Aussicht auf das Kommen Jesu nicht verlieren. Wir brauchen vor den Mächten und Gewalten nicht zu erschrecken. Denn alles das geschieht ja gerade deshalb, weil Jesus wiederkommt. Es ist ein letztes Aufbäumen Satans mit all seinen finsteren Mächten gegen den Herrn, der ihn überwunden hat. Jesus hat bereits seine Jünger darauf hingewiesen und sagt es dadurch auch uns: »Wenn dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, denn eure Erlösung naht« (Luk. 21,28). Darum wollen wir ihn ganz getrost und mit großer Freude erwarten, kein Gespenst in ihm sehen, sondern auf ihn, unseren getreuen Herrn, schauen auch wenn er den natürlichen Augen noch nicht sichtbar ist und nicht (wie der sinkende Petrus) auf das sich vordrängende, bedrohliche Meer von Politik, Wirtschaft, Katastrophen und Okkultem. Es ist doch erstaunlich, daß die Jünger damals, weil sie so sehr mit sich und ihrer Notlage beschäftigt waren, in dem zu ihnen kommenden Herrn nicht ihren Meister erkannten, sondern ein Gespenst zu sehen meinten! So sehr vermag Satan die Sinne zu verdunkeln, auch unsere. Auch wir stehen in Gefahr, vor all dem bedrückenden, finsteren, gottwidrigen Geschehen um uns herum zu vergessen, daß dies genau so im Plan Gottes mit der Menschheit beschlossen liegt, daß es Gottes, nicht Satans Weg ist und wir bei allem, was geschieht, in Gottes Hand sind, aus der uns niemand herausreißen kann (Joh. 10,29). Satan als Werkzeug Gottes In diesem Zusammenhang sei auf ein Wort von Martin Luther hingewiesen, der die Feststellung gewagt hat: Gott ist auch im Teufel gegenwärtig. Der Teufel ist allein Gottes Teufel, sein Werkzeug. Hinweise darauf, daß und wie Satan von Gott als Werkzeug benutzt wird, geben die drei großen Versuchungsberichte der Bibel: der Sündenfall im Paradies nach der Gehorsamsprobe für Adam und Eva, die Freigabe des frommen Hiob zur Versuchung durch Satan und die Versuchung Jesu vor Beginn seines Wirkens. Weitere Beispiele stehen in 1. Kön. 22,20 22 (Gott schickt einen Lügengeist in falsche Propheten, damit sie den König Ahab betören und so seinen Tod

herbeiführen) und in 2. Sam. 24,1 zusammen mit 1. Chron. 21,1 (einmal wird Gott, der Herr, das andere Mal Satan als der angegeben, der David zur Volkszählung reizt). Aber auf jeden Fall darf Satan nur so weit tätig werden, wie Gott es will. Satan und seine Helfer, die Gewaltigen und Dämonen, liegen an Ketten, und wenn die Ketten auch lang sein mögen Gott hat die Ketten in der Hand und bestimmt den Spielraum für die Mächte der Finsternis. Gutes und Böses von Gott Aber wenn es auch schwer fallen mag, wir wollen uns dem herausfordernden Worte Luthers stellen, daß Gott auch im Teufel gegenwärtig sei. Das Wesen des Bösen in seiner Auflehnung gegen Gott und in seiner Abhängigkeit von Gott erschließt sich erst, wenn man bereit ist, auf die doppelte Aussage der Bibel zu hören: Gott ist es, der alles tut. Gutes und Böses kommt von ihm. Gott selbst hat es in seiner Offenbarung an Israel so bezeugt. Darauf weisen schon Mose und Josua als Führer des Volkes in ihren Ermahnungen hin, die sie den Israeliten zum Abschied mitgeben. Es gilt das eine: »Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er« (5. Mo 32,4). Es gilt aber auch das andere: »Ich will alles Unglück über sie häufen, ich will alle meine Pfeile auf sie schießen« (5. Mo. 32,23). Ebenso: »Wie nun all das gute Wort gekommen ist, das der Herr, euer Gott, euch verkündigt hat, so wird der Herr auch über euch kommen lassen all das böse Wort, bis er euch vertilgt hat aus diesem guten Lande, das euch der Herr, euer Gott, gegeben hat« (Jes. 23,15). Weiter heißt es: »Ich bin der Herr, der alles schafft« (Jes. 44,24). »Ich bin der Herr und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der Herr, der dies alles tut« (Jes. 45,6 7). »Der Geist des Herrn aber wich von Saul, und ein böser Geist vom Herrn ängstigte ihn« (1. Sam. 16,14). »Wer darf denn sagen, daß solches geschieht ohne des Herrn Befehl und daß nicht Böses und Gutes kommt aus dem Munde des Allerhöchsten?« (Klag. 3,37 38). »Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut?« (Amos 3,6). Und als David vor Absalom flieht und Simei ihm flucht (2. Sam. 16,10), sagt David zu seinen Begleitern: »Laßt ihn fluchen; denn der Herr hat ihm geboten: Fluche David! Wer darf dann sagen: Warum tust du das?« Alle diese Stellen machen deutlich, daß Gott hinter allem, auch hinter dem, was an Bösem geschieht, steht. Was die Bibel uns damit sagen will, ist außerordentlich wichtig: Der Böse ist keine selbständige Macht neben Gott; er kann nur wirken, wann und was ihm Gott gebietet. »Auf daß du wissest, daß der Herr allein Gott ist und sonst keiner« (5. Mo. 4,35). Gott ist es, der alles wirkt, auch wenn er Satan und seine Dämonen als Werkzeuge benutzt. Und wenn sich diese Werkzeuge aufs heftigste gottwidrig gebärden, so liegt das daran, daß sie lebendige Wesen mit einem bösen Eigenwillen sind. Gott aber hat sie an der Kette und bringt durch das Böse hindurch seinen Willen zum Ziel und zur Vollendung. Zum besseren Verstehen dieser sehr schwierigen Zusammenhänge bedenke man: Als Menschen haben wir keinen Einblick in Gottes Plan, haben nicht das richtige Wissen um Gut und Böse. Dieses Wissen steht allein Gott zu. Durch den Sündenfall ist eine unvollkommene, verfälschte Kenntnis auf uns gekommen. Deshalb bewerten wir nach recht subjektiven Maßstäben und Vorstellungen, was gut sei und was böse sei. Gott aber bleibt bei seinem allein gültigen Maßstab. Das hindert ihn nicht, Menschen gegenüber von unseren Maßstäben auszugehen oder sich darauf zu beziehen. Was in menschlicher Sicht Unglück, Unheil, Böses ist, kann von Gott her gesehen Mittel der Zucht und des Zurechtbringens sein und damit Gutes bewirken. Wo er einen Bann vollstrecken läßt, wie beim Einzug Israels in das verheißene Land, geht es meistens um ein Gerichtshandeln Gottes. Er allein hat das Recht, ein Urteil zu sprechen und es zu vollziehen oder vollziehen zu lassen. Gut ist allein das, was dem Willen Gottes entspricht. Böse ist allein das, was dem Willen Gottes entgegensteht. Und da seine Gedanken höher sind als unsere Gedanken, ist es unsere Sache einzusehen, daß wir Gottes Handeln selten verstehen. Er übernimmt und trägt die Verantwortung für alles Geschehen, auch für das, was uns als böse erscheint, weil er uns davor bewahren will, Satan als dem Bösen eine selbständige Macht zuzubilligen. In diesem Sinne sind die Bibelstellen zu verstehen, in denen Gott sich alles Böse zuschreibt.

Komplementarität als Verstehenshilfe Für eine tiefergehende Durchdringung der Schwierigkeit stelle ich zwei Thesen auf, die sich ergänzen, indem sie sich widersprechen. Damit wende ich einen Gedanken von H. H. Schrey an, das Prinzip der Komplementarität für die Erhellung biblischer Zusammenhänge fruchtbar zu machen. 1. Gott wirkt alles in allem. Er allein ist Gott. Er allein ist Herr. Er ist allmächtig. Neben ihm kann keine andere Macht bestehen. Folgerung: Gott wirkt auch in Satan. 2. Es ist eine Macht in der Welt wirksam, die sich unentwegt gegen Gott stellt, sich immer stärker entfaltet und Gott entmachten will. Sie gibt sich als nicht überwunden. Diese Macht ist Satan. Folgerung: Satan wirkt aus sich selbst. Zur Begründung von These 1 brauche ich nichts weiter anzuführen. Diese Aussagen über Gott sind jedem Bibelgläubigen zur Genüge bekannt. Die Folgerung daraus ist Luthers Aussage von Satan als Gottes Kettenhund. Zur Begründung von These 2 verweise ich auf Jesus, der Satan den »Fürsten dieser Welt« nennt (Joh. 12,31; 14,30; 16,11), ferner auf Mark. 4,15 (Satan kommt und nimmt das ausgesäte Wort Gottes weg) und auf Eph. 2,2 (der Mächtige, der in der Luft herrscht; der Geist der sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens), Eph. 6,12 (Mächtige und Gewaltige, die Herren der Welt), Of f. 13,7 (Macht, zu streiten wider die Heiligen und sie zu überwinden). Obige Folgerung ergibt sich daraus leicht; sie ist in gewisser Hinsicht auch von Jesus in Joh. 8,44 ausgesprochen. Daß beide Thesen notwendig sind, um die schwierige Problematik des Bösen gedanklich zu fassen, zeigt folgende Zusatzüberlegung. Ließe man nur These 1 gelten, so würde das bedeuten, daß Gott das Gute und das Böse in sich vereine. Dem widerspricht die Bibel: »Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und in ihm ist keine Finsternis« (1. Joh. 1,5). Wenn jedoch allein These 2 gelten sollte, so liefe das darauf hinaus, daß Gott und Satan rivalisierende Mächte seien. Dem widerspricht die Bibel ebenfalls: »Du aber hast es gesehen (was Gott für dich getan hat), auf daß du wissest, daß der Herr allein Gott ist und sonst keiner« (5. Mos. 4,35). »Gott hat die Reiche und die Gewalten ihrer Macht entkleidet und hat sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus« (Kol. 2,15). Ähnlich wie die beiden hier gegebenen Thesen formuliert auch Karl Heim. Er sagt: »Gott ist auch im Teufel der Wirksame. Gott hat selbst keine diabolischen Züge. Keine der beiden Aussagen darf zugunsten der anderen an Gewicht verlieren. Unser Denken muß an diesem Punkt eine Notlage durchhalten. Wir fühlen die unergründlichen Tiefen Gottes, aber auch die Tiefen Satans.« So wollen auch wir beide Thesen gelten lassen und die Spannung aushalten, die in ihrem Gegeneinander liegt. Damit gestehen wir im Grunde nur ein, daß Gott unbegreiflich ist (Ps. 147,5; Röm. 11,33). Der Gute und der Böse sind unergründliches Geheimnis für uns, vor dem jedes menschliche Denkvermögen versagt. Gott allein ist gut (Mark. I1018). Er ist darüber anzubeten, seinem Willen gebührt Gehorsam. Satan ist der Böse, der Mörder von Anfang, der Vater der Lüge (Joh. 8,44). Ihm ist zu widerstehen (Jak. 4,7), was nur in der Waffenrüstung Gottes (Eph. 6,14 17) möglich ist. Missionarische Erfahrung als Verstehenshilfe Die hier gegebene Deutung des Bösen wird auch von W. Freytag in einer treffenden Formulierung bestätigt. Er kennzeichnet das Wesen des Dämonischen u.a. dahin, daß es aus Gottes Kraft gegen Gott lebt. Seine Erfahrungen aus Missionsgebieten sind so interessant und lehrreich, daß ich sie im Auszug hier anfüge. (W. Freytag, Reden und Aufsätze, München 1961). Er schreibt: »Was ist das eigentlich, das Dämonische? Es ist seinem Wesen nach eine übermenschliche Gewalt, die im pervertierten Verhältnis zur Gottheit steht. Es ist ein Wille, aber ein böser, zerstörerischer Wille. Es ist, als ob in allen Religionen dieser Wille als ständige Gefahr nicht nur

im Hintergrunde steht, sondern auch Wirklichkeit wird. Man kann dieses Dämonische näher charakterisieren mit vier Aussagen: 1. Es gehört zu seinem Wesen, daß es den Menschen mit Beschlag be¬legt. Wir dürfen an den Religionen das nicht übersehen. Nicht nur die auffälligen Erscheinungen, in denen uns das zu Tage tritt, etwa die Erscheinung von Besessenheit, sprechen davon, sondern auch die Religion an sich belegt den Menschen mit Beschlag, ist eine andere Herrschaft über den Menschen als die Christusherrschaft ... 2. Das zweite am Dämonischen ist, daß es den Schein des Guten hat und doch festhält am Bösen. Wir haben in allen Religionen Wahrheiten. In den primitiven Religionen ist vor allem ihr Sprichwortgut voll von moralischer Weisheit, von Wissen um das Gute. Und erst recht na¬türlich in den Hochreligionen gibt es eine Fülle von Aussagen über das, was recht ist und was von jedem menschlichen Gewissen und auch christlichen Gewissen bestätigt werden könnte. Aber es ist merkwürdig, daß dieses Gute, um das man weiß, zu nichts anderem benutzt wird, als daß der Mensch sich selbst bestätigt; ja noch mehr, daß er unter dem Wissen um das Gute sein eigenes Nichttun dieses Guten versteckt . . . Ich glaube, damit ist es deutlich, was ich meine, nämlich daß in den Religionen immer die Gefahr da ist, daß die Menschen ihr Wissen um das Gute benutzen, um die Unordnung im eigenen Herzen zu verschleiern, um sich selbst zu behaupten, damit sie nicht anders zu werden brauchen. Man redet um so lauter vom Guten, je tiefer man im Schlechten gefangen ist. 3. Das dritte Merkmal am Dämonischen ist, daß es göttliche Trium¬phe feiern kann. Es ist wirklich eine Kraft da. Hier kommen wir auf das Faktum der Zauberei und der Magie. Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß die Menschen in Europa und Amerika die Zauberei vielfach für Betrug halten, jedenfalls nicht für eine wirkliche Kraft. Nun, selbstverständlich kann bei der Zauberei viel Betrug sein. Aber schon die einfache Tatsache, die viele Pioniermissionare berichten, daß etwa Zauberer äußerten: »Seitdem die Missionare im Lande sind, hat unsere Zauberei keine Kraft mehr« diese Tatsache ist vielleicht doch mehr als etwas, was man nur psychologisch erklären kann . . . Jedenfalls eins ist gewiß: daß eine Kraft da ist und eine Kraft wirkt und eine Kraft Triumphe feiert, die man nicht leugnen sollte. Dies ist ja auch die Erklärung dafür, daß in den Erstlingsgemeinden draußen, in denen es moralisch manchmal nicht so ganz in Ordnung ist, die Sünde des Rückfalls in die Zauberei am ernstesten genommen wird; denn die Christenheit der ersten Generation weiß um die wirkliche Kraft des Dämonischen. 4. Was ist das eigentlich für eine Kraft? Gibt es denn eine Kraft, die als solche nicht in der Hand Gottes ist, nicht von ihm kommt? Mir scheint das Wesen des Dämonischen gerade darin zu liegen, daß es aus Gottes Kraft gegen Gott lebt. Das ist der tiefste Wesenszug des Dämonischen. Es lebt aus Gottes Kraft gegen Gott, wirklich aus Gottes Kraft; denn die Erkenntnis des Guten, mit der der Mensch das Böse deckt, kommt ihm von Gott. Und auch die Magie, ist sie nicht im tiefsten Grunde die gottgegebene Möglichkeit und Fähigkeit des Menschen zu gestalten, zu beherrschen, sich untertan zu machen? Beides wird gebraucht, das Wissen um das Gute und diese Fähigkeit, gebraucht gegen Gott. Und das ist ein sehr menschliches Phänomen; denn es ist ja das Wesen der Sünde diese Sünde, die im Gleichnis vom verlorenen Sohn beschrieben wird mit der Tat des Sohnes, der sich das Erbteil vom Vater geben läßt, um es allein, fern vom Vater, zu verprassen. Es ist dasselbe Phänomen, das wir in der Seelsorge vor uns haben, wenn vor uns einer sitzt, der wohl seine Sünde erkennt und nicht davon lassen kann etwa ein verheirateter Mann, der bekennt, daß er mit einem Mädchen eine Beziehung hat, und sagt: »Ich kann sie nicht lassen, denn es ist doch wirklich Liebe.« Dieses Nicht lassen können beruht ja darauf, daß hier eine gottgeschenkte Möglichkeit zwischen zwei Menschen in aller Kraft sich auswirkt, und die Sünde darin, daß diese von Gott geschenkte Kraft gegen Gott gelebt wird. Dieser Wesenszug des Dämonischen sieht fast aus wie eine satanische Inkarnation, wie ein Tat geworden-sein des antichristlichen Willens. Hier versteht man das Wort von 1. Joh. 3,8: »Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre.« Jeder, der bis hier gefolgt ist, wird unwillkürlich den Gedanken gehabt haben, daß alles das, was wir als den dämonischen Hintergrund der Religionen beschrieben haben, ja auch im Christentum vorhanden ist, zumindest als Bedrohung. Oder stimmt das etwa nicht? Gibt es nicht ein christliches Leben, das uns mit Beschlag belegt gegen Gott? Wir wissen das alle, wie es zum

Beispiel im liturgischen Leben möglich ist, daß wir den Ritus miterleben und so stark darin stehen, daß er uns niemals ein Anruf von Gott her werden kann. In einem Christentum zum Beispiel, das das Kirchenjahr feiert, haben wir doch immer die Gefahr, daß wir von Station zu Station mitgehen, ohne sie ernst zu nehmen. Es kommt ja wieder Weihnachten, wieder Ostern, wieder Pfingsten. Und wir bewegen uns in einem Kreislauf, der niemals zur Entscheidung führt. Wir sind mit Beschlag belegt gegen Gott. Und gibt es das nicht auch bei uns, daß wir den Schein des Guten tragen, aber festhalten an der Lüge? Daß wir dann am christlichsten reden, wenn wir am wenigsten christlich handeln? Daß wir uns flüchten in das Wort Gottes, nicht um den Heiligen Geist zu empfangen, sondern um uns der Gnade zu vergewissern ohne Buße? Gibt es das nicht auch bei uns, daß wir aus Gottes Kraft gegen Gott leben? Wenn wir etwa denken an das magische Gebet gibt es nicht ein Gebet, das um Erhörung bittet und tatsächlich auch erhört wird und das doch eigentlich nichts anderes ist als die magische Handlung des Christen, weil es im innersten gar nicht Gott meint, gar nicht sagt: »Dein Wille geschehe«, sondern: mein Wille geschehe? Hier haben wir in dieser ständigen Bedrohung durch das Dämonische wirklich eine Gemeinsamkeit zwischen dem Christentum und den Religionen, und ganz gewiß keine Überlegenheit des Christentums. Haben wir das gesehen, dann wird aber auch deutlich, was das Christentum nun von den Religionen unterscheidet. Es ist nicht das, was es sieht, sondern das, was es glaubt und verkündigt. Was kann uns retten vor dieser ständigen Gefahr, daß wir uns beschlagnahmen lassen durch unser Christentum gegen Gott? Daß wir den Schein des Guten annehmen und am Bösen festhalten? Daß wir aus Gottes Kraft gegen Gott leben? Nichts anderes als das, was Gott getan hat und was Er tut; oder noch konkreter: kein anderer als Christus selbst. Nur in Ihm ist diese Gefahr überwunden. Nur Er selbst ist unsere Rettung. Wenn wir Ihn meinen, sind wir bewahrt vor der Liturgie, die uns gegen ihn mit Beschlag belegte. Wenn wir Ihn meinen, dann kommt es zur Buße. Wenn wir Ihn meinen und uns an Ihn halten, dann leben wir aus Seiner Kraft ein neues Leben nach seinem Willen.« - Soweit W. Freytag. Wie das praktisch vollzogen werden kann, bedarf zuweilen einer tiefergehenden Seelsorge. Darauf gehe ich im letzten Kapitel dieses Buches ein. Kapitel 7: Die Geister im Unsichtbaren Gott über allem und allen Wem der Glaube an den lebendigen Gott geschenkt ist, der hält sich an ihn als den verborgenen, unsichtbaren Gott. Er weiß, »wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen« (2. Kor. 5,7). Aber auch der noch nicht an den Gott der Bibel Glaubende sollte sich von den Worten mahnen lassen (Röm. 1,20): »Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken, so daß sie (die Menschen) keine Entschuldigung haben.« Gott hat sich nicht unbezeugt gelassen. Sein Wesen nicht ihn selbst kann man in Natur und Geschichte an seinem Wirken wahrnehmen. Dieses merkwürdige, zur Entscheidung herausfordernde Verhalten Gottes, sich so zu offenbaren, daß er dennoch der verborgene bleibt, hat B. Pascal in prachtvoll formulierten Sätzen gekennzeichnet. In seinen Pensées schreibt er: »Weil so viele Menschen sich Gottes Milde unwürdig machen, hat er sie in der Entbehrung eines Gutes belassen wollen, nach dem sie nicht verlangten. Es war also nicht gerecht, in einer Weise zu erscheinen, die mit ihrer unverhüllten Göttlichkeit unbedingt fähig gewesen wäre, alle Menschen zu überzeugen. Es war aber auch nicht gerecht, auf eine so verborgene Weise zu erscheinen, daß er von denen, die ihn aufrichtig suchten, nicht erkannt werden konnte. Da er also unverhüllt denen erscheinen wollte, die ihn von ganzem Herzen suchen, und da er denen verborgen bleiben wollte, die ihn von ganzem Herzen fliehen, setzt er seine Erkennbarkeit in der Weise herab, daß er Zeichen seiner selbst gibt, sichtbar denen, die ihn suchen, aber nicht sichtbar denen, die ihn nicht suchen. Es gibt Licht genug für die, die nichts anderes wollen als sehen, und es gibt Finsternis genug für die anderen, die nicht sehen wollen.« Diese Sätze geben einen tiefen Einblick in Gottes Wesen: in seine absolute Souveränität, daß er allein entscheidet, wie und wem er sich offenbaren will; in seine unbedingte Anerkennung des

menschlichen freien Willens, daß er sich nicht aufdrängt; in seine wahre Gerechtigkeit, daß er sich dem ihn Suchenden zu erkennen gibt, dem ihn Ablehnenden aber nicht. Mit dem lebendigen Gott sind aber auch unsichtbar, d.h. für natürliche Sinne nicht wahrnehmbar, alle anderen Mächte der unsichtbaren Welt. Alle anderen sind geschaffen, alle anderen sind dem Dreieinigen Gott untergeordnet. Die Bibel spricht das deutlich aus: »Denn in ihm (in Jesus) ist alles erschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen« (Kol. 1,16). Viele Arten von Geistern Das Wort »Geister« verwendet die Bibel als Sammelbezeichnung für alle Wesen des Unsichtbaren, ausgenommen den Dreieinigen Gott, dem alle Geister untergeordnet sind. Die zusammenfassende Bezeichnung erstreckt sich von den »abgeschiedenen Seelen« im Totenreich über die »bösen Geister« und die »unsauberen Geister« bis hin zu den Engeln, die als »dienstbare Geister« vorgestellt werden, und zu den hohen Geistern vor Gottes Thron. Nachfolgend einige Belege aus dem Alten und dem Neuen Testament. »Der Geist des Herrn aber wich von Saul, und ein böser Geist vom Herrn ängstigte ihn« (1. Sam. 16,14.23). »Und der Herr sprach: Wer will Ahab betören, daß er hinaufzieht und vor Ramoth in Gilead fällt? Und einer sagte dies, der andere das. Da trat ein Geist vor und stellte sich vor den Herrn und sprach: ich will ihn betören. Der Herr sprach zu ihm: Womit? Er sprach: Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein im Munde aller seiner Propheten. Er sprach: Du sollst ihn betören und sollst es ausrichten; gehe aus und tue das!« (1. Kön. 22,20 22). »Zu der Zeit, spricht der Herr Zebaoth, will ich die Namen der Götzen ausrotten aus dem Lande, daß man ihrer nicht mehr gedenken soll; dazu will ich auch die Propheten und allen Geist der Unreinheit aus dem Lande treiben« (Sach. 13,2). »Jesus rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht über die unsauberen Geister, daß sie sie austrieben und heilten alle Krankheit und alle Gebrechen« (Matth. 10,1). »Dann geht er (ein böser Geist) hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie allda«, (Matth. 12,45). »Und wenn ihn die unsauberen Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder, schrien und sprachen: Du bist Gottes Sohn!« (Mark 3,11). »Doch darüber freuet euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind« (Luk. 10,20). Das Austreiben böser oder unsauberer Geister durch die Apostel wird in Apg. 5,16; 8,7; 16,18 und 19,12 13 bezeugt. Leiblichkeit und Rangordnung Die Einheitlichkeit in der Bezeichnung »Geister« besagt aber nur, daß sie als Geschöpfe Gottes, von seinem Wort geschaffen, einerlei pneumatische, geistliche Leiblichkeit haben. Diese ist für uns Menschen auf natürliche Weise unvorstellbar und nicht wahrnehmbar. Doch sagt die einheitliche Bezeichnung nicht aus, daß die Geister einander gleichen. Sie unterscheiden sich sehr nach ihrer Wesensart und ihren Aufträgen, ebenso nach ihrer Rangordnung in der Hierarchie der Geister. Eine solche Rangordnung besteht. Die Bibel spricht von Thronen und Herrschaften, von Mächtigen und Gewaltigen, von guten und von bösen Geistern, ferner von Engeln Gottes und von Engeln des Teufels. Jakob schaut im Traum die Himmelsleiter und sieht, »die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder« (l. Mose 28,12). Auf dem Weg zur Versöhnung mit Esau »begegneten ihm die Engel Gottes« (l. Mo. 32,2). Jesus wird im Gericht verkünden: »Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!« (Matth. 25,41). Und vom Streit im Himmel heißt es: »Michael und seine Engel stritten wider den Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel und siegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel« (Off. 12,7). Des Teufels Engel werden im griechischen Grundtext des Neuen Testaments auch als Dämonen bezeichnet, von Luther mit Teufeln (Mehrzahl) übersetzt, ferner der Teufel als Dämonenfürst (Matth. 12, 24 28, Mark. 3,22). Es ist müßig und bringt nichts, aus den Angaben der Bibel eine Rangordnung der Geister zu

konstruieren. Sie sagt darüber zu wenig, also brauchen wir davon nichts. Es genügt zu wissen, daß gute Geister sind von den hohen Geistern vor Gottes Thron bis zu den Engeln als Boten Gottes und daß böse Geister sind von Satan und seinen Gewaltigen bis zu den abgeschiedenen Seelen im Totenreich. Alle diese Geister haben im Unsichtbaren ihr geistliches Sein, für natürliche Augen und Ohren nicht wahrnehmbar es sei denn, Gott habe Menschen Augen oder Ohren geöffnet oder Geistern erlaubt zu erscheinen (vgl. 1. Kön. 22, 20 22). Erscheinen von Geistern Für ein solches Erscheinen von Wesen, die im Unsichtbaren leben, also für ein »Gesehenwerden« oder »Gehörtwerden«, hat das Neue Testament zwei unterschiedliche Worte. Wenn es sich um Jesus oder um Geister aus dem Reich des Lichts handelt, steht im griechischen Grundtext das Wort horao = sehen oder eine davon abgeleitete Form (das Futur opsomai oder der Aorist Passiv oophthän). Die Wendung »er erschien = er wurde gesehen« (griechisch: oophthä) beschreibt ein Sichtbarwerden, verbunden mit einem echten Hervortreten aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare, teils mit einem materiellen, teils mit einem verklärten Leib. Den Geistern aus dem Reich der Finsternis ist diese Art des Erscheinens offensichtlich nicht gestattet. Ihr »Erscheinen« spielt sich anders ab. Es heißt (2. Kor. 11,13 15): »Denn solche falschen Apostel und arglistigen Arbeiter verstellen sich zu Christi Aposteln. Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichts. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken.« Das griechische Wort, das hier für »sich verstellen« benutzt wird, heißt metaschematizein = »eine andere Gestalt annehmen, sich mit einem andern identifizieren«. Satan und seinen Engeln, den Dämonen, gelingt das Hervortreten aus dem Unsichtbaren, d.h. die volle Sichtbarmachung nicht. In besonderen Fällen können sie Augen und Ohren von Menschen mit ihrer Existenz »beeindrucken« und so mancherlei Gestalten formen, sowie Worte hervorbringen, bleiben aber im Unsichtbaren. Das liegt in dem Wort »sich verstellen«. Um einen Leib von »Fleisch und Bein« zu haben, müssen sie in Menschen fahren. So fahren Lügengeister in falsche Propheten, so fuhr Satan in Judas, zuvor sogar in Petrus. So sind wir, als wir noch in unseren Sünden waren, »gewandelt nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens« (Eph. 2, 2). So wird Satan seinen letzten Angriff gegen Jesus und seine Gemeinde führen, indem er im Antichristen, im Tier und im falschen Propheten wirkt (Off. 13). Entsprechendes gilt für die Botschaften der Finsternismächte. Sie sind Lüge, aber, da sie stets etwas Wahres enthalten, nicht leicht als Lüge zu erkennen. Denn Satan ist der Vater der Lüge und der Mörder von Anfang (Joh. 8, 44). Mit ausgefeilter List führt er den Kampf gegen die Wahrheit, indem er geschickt Wahres einflicht. Geisterunterscheidung Auch unabhängig von einem Erscheinen gibt es Einwirkungen der Geister auf Menschen. Solche Einwirkungen können auf Leib, Seele, Geist des Menschen erfolgen und sogar wahrnehmbar und feststellbar sein. So geschehen auch heute Heilungen und andere Wunder, die auf die Macht Jesu zurückgehen, vermittelt von Menschen, denen er Vollmacht gegeben hat und die in seinem Namen nach biblischer Weisung für »Mühselige und Beladene« fürbittend eintreten. Aber es geschehen auch Heilungen und andere Wunder, die satanischen Ur¬sprungs sind, ebenfalls von Menschen vermittelt. Diese jedoch rufen in irgendeiner Form zu Satan, selbst wenn ihr »Heilen« von Kreuzschlagen und Berufung auf die »drei höchsten Namen« begleitet wird. Beiderlei Einwirkungen sind, auch für Glaubende, nicht unmittelbar zu unterscheiden, zumal die meisten Menschen, die sich mit magischen Praktiken abgeben, völlig davon überzeugt sind, daß die ihnen verliehenen Kräfte göttlichen Ursprungs seien. Jesus warnt uns davor in seinen endzeitlichen Reden. Er sagt: »Mancher falsche Christus und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es

möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden« (Matth. 24,24). Weiter heißt es: »Denn der Frevler wird auftreten in der Macht des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben zu ihrer Rettung« (2. Thess. 2,9-10). Um also jetzt in der Endzeit nicht einer Verführung anheimzufallen, ist es für den Glaubenden außerordentlich wichtig, die Geister unterscheiden zu können. Wie jede Gabe von Gott, kann auch die Gabe der Geisterunterscheidung erbeten werden. Gewährt wird sie aber nicht zu eigenem, sondern zum gemeinem Nutzen (1. Kor, 12, 7).Voraussetzung ist weiter die Liebe zur Wahrheit. Das entspricht der Weisung, an unseren Lenden umgürtet zu sein mit Wahrheit (Eph. 6,14), als dem ersten Stück der Waffenrüstung Gottes, die es dem Feind gegenüber anzulegen gilt. Im übrigen haben wir fest in der Nachfolge Jesu zu stehen. Im Anschluß an seinen Rat, die Geister zu prüfen, ob sie von Gott sind, gibt Johannes den Hinweis: »Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: ein jeglicher Geist, der da bekennt, daß Jesus Christus ist im Fleisch gekommen, der ist von Gott und ein jeglicher Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott« (1. Joh 4, 2). Das gilt zunächst von Menschen, die von Jesus zu uns reden, und für ihre Lehre oder Predigt. Es gilt aber auch für Geister, die durch Menschen zu uns reden. In beiden Fällen können wir zurückfragen: »Glaubst du, daß Gott der Allmächtige in Jesus von Nazareth Mensch geworden ist? Bekennst du Jesus als den Sohn Gottes, wie es die Bibel sagt? Bist du ein Geist von oben oder ein Geist von unten?« Wenn aber Geister, die wir nicht sehen oder hören, auf uns, d.h. auf unsere Gedanken, auf unsere Phantasien, einwirken, so können wir uns an eine Faustregel halten: Geister der Finsternis verbreiten Angst, machen uns hochmütig und selbstbewußt, schmeicheln dem natürlichen Menschen in uns, bestärken uns auf eigenen Wegen, verführen gegen Gottes Gebot. Geister des Lichts flößen Ehrfurcht ein, machen uns demütig, wenden sich an den inwendigen, geistlichen Menschen in uns, wirken Sündenerkenntnis und Buße, fordern zum Gehorsam gegen Gottes Gebot auf. Kapitel 8: Jesu Kampf und Sieg Jesu Sterben eine Hingabe Als Glaubende und als Noch nicht Glaubende dürfen wir wissen, daß Jesus durch sein Leiden und Sterben Hölle, Tod und Teufel überwunden hat. Was aber ist damit gemeint und wie ist es geschehen? Vor allem als Glaubende sollten wir davon Genaueres wissen und bezeugen. In der Formulierung »Hölle, Tod und Teufel« ist »Hölle, wieder als »Totenreich« zu verstehen. In den entsprechenden Bibelstellen (1. Kor. 15, 55; Off. 1, 18–20;) ist stets vom Totenreich (hades) und Tod (thanatos) die Rede, wenn man den griechischen Grundtext heranzieht. Entsprechend ist mit Hebr. 2.14 und Off. 20,2 zu belegen, daß mit »Teufel (diabolos)« Satan gemeint ist. Der Tod ist, wie die Mächte und Gewaltigen der Finsternis, eine personhafte Macht, die Satan untersteht (Off. 20,13; Hebr. 2,14). Jesus hat als Zeichen des Stärkeren die Schlüssel des Todes zum Totenreich (Off. 1, 18) und wird im Gericht die Vernichtung von Tod, Totenreich und Satan im feurigen Pfuhl herbeiführen (Off. 20, 13 14). Damit wird das Urteil vollstreckt, durch das der Fürst dieser Welt auf Golgatha gerichtet ist (Joh. 12, 31; 16, 11); seine Macht wird dann endgültig ausgeschaltet sein. Jesu Kommen auf die Erde war gewiß ein Kommen zur Erlösung für viele, aber ebenso gewiß ein Kommen zum Gericht, daß er die Werke des Teufels zerstöre und der Fürst dieser Welt gerichtet werde. Damit das erfüllt werde, sollte er sterben. Von da her ist das Wichtigste am Leben Jesu sein Sterben. Sein Leben mit Lehren und Wirken ist für uns unerläßlich, ist im Grunde aber nur das Vorspiel für seine eigentliche Sendung. Erst sein Tod bringt die Erfüllung seines Lebens, in der Ausdrucksweise der Kirchenväter: mors compendium vitae. Dies zeigt zum einen die dreimalige Leidensankündigung (Matth. 16,21; 17,22 23; 20,18 19), zum anderen Jesu bewußte Hingabe an den Tod. Er fordert Judas auf, ihn auszuliefern (Joh. 13,27). Er gibt sich den Häschern ohne Widerstand in die Hände (Joh. 18, 4 8). Er zwingt durch sein Verhalten Pilatus zum Urteilsspruch (Joh. 19,l0ff). So war der Tod nichts Überraschendes für Jesus, sondern von ihm gewollt und herbeigeführt, wie es im Willen des Vaters vorgesehen war. Jesus hätte als Gottessohn nicht zu sterben brauchen. Wie Henoch oder Elia hätte er ohne Tod

von der Erde hinweggenommen werden können. Denn er hatte Gottes Wohlgefallen (Mark. 1,11). Jesus hätte als Menschensohn nicht so zu sterben brauchen, wie es geschah am Kreuz, d.h. am Fluchholz, aufgehängt zwischen zwei Mördern, preisgegeben der Verachtung und dem Spott der Menschen. Beides aber, sein Tod und ein solcher Tod, war sein Auftrag, und Jesus gehorchte dem Willen des Vaters. Er war gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz (Phil. 2, 8). Jesu Sterben ein Kampf Das Wichtigste am Sterben Jesu ist sein Kampf, der Kampf gegen den Widersacher Gottes. Jesus beschreibt ihn zuvor bildhaft mit den Worten: »Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt das Seine in Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilt den Raub aus« (Luk. 11, 21 22). Satan ist ein starker Gewappneter. Jesus aber ist stärker und hat ihn überwunden: »Er hat die Reiche und die Gewaltigen ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt« (Kol. 2,15). Das ist am Kreuz von Golgatha geschehen. Zuvor aber tobte ein Kampf, in dem Satan aufs heftigste als Versucher auftrat und Jesus von dem Weg des Gehorsams abzubringen versuchte (Luk. 4,13). Doch war von diesem Kampf im Sichtbaren wenig zu spüren. Er spielte sich in erster Linie im Unsichtbaren ab. Seinen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung in den letzten Lebensstunden Jesu. Da kam es zu dem schweren Gebetskampf in Gethsemane. Hier spürt man den biblischen Berichten ab, wie betrübt und verzagt Jesus gewesen ist (Mark. 14,33 34; Luk. 22,44). Besonders aufschlußreich ist die Aussage des Hebräerbriefs: »Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert dem, der ihn konnte von dem Tode aushelfen; und ist auch erhört, darum daß er Gott in Ehren hielt« (Hebr. 5,7). Satan wußte wie Jesus, daß der Weg ans Kreuz im Willen des Vaters lag. Deshalb wollte er diesen Weg verhindern, indem er seinen Helfer, den Tod, nach Gethsemane zu Jesus schickte, daß er ihn dort umbrächte oder ihm zuflüsterte: Bring dich selbst um, dann entgehst du dem schimpflichen Tod einer Hinrichtung! Jesus aber rang mit dem Tode und blieb gehorsam (Luk. 22,44). Daß es ein Ringen voller Angst war mit der Möglichkeit zu unterliegen, ist in dem Wort Agonia des griechischen Textes enthalten, ebenso in dem immer heftiger werdenden Gebet Jesu. Dies hat der Vater erhört; in Gethsemane mußte der Tod weichen (Hebr. 5,7). Die Jünger, auf deren Mitbeten Jesus gehofft hatte, haben versagt. Trotz mehrfachen Ermahnens Jesu versanken sie immer wieder in Schlaf (Matth. 26, 40 44; Mark. 14, 37 41; Luk. 22, 45 46). Sie waren besten Willens, aber schwach. Satan war ihnen weit überlegen; er sandte ihnen den Schlaf. Der Kampf gegen die Widersacher erhielt seine Fortsetzung, als Jesus ans Kreuz geschlagen war. Erst die Vorübergehenden, dann die Hohenpriester samt den Schriftgelehrten und den Ältesten, schließlich die mit ihm gekreuzigten Mörder lästerten, verspotteten und schmähten ihn (Luk. 23,35 39). Auch da war der Versucher am Werk, der schon bei der Versuchung in der Wüste darauf aus war, Jesus zu einem Wunder zu veranlassen, das seine Gottessohnschaft beweisen sollte. In allem aber widerstand Jesus schweigend. Schließlich setzte der massive und brutale Angriff Satans mit all seinen Mächtigen und Gewaltigen ein, der sogar den Menschen, die von ferne standen, erkennbar wurde, ohne daß sie es begriffen haben. Generalangriff der Finsternis »Es war schon um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Matth. 27,45 46; Mark. 15,33 34). Lu¬kas fügt hinzu: »Und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei« (Luk. 23,44). Diese Finsternis (zwischen 12 und 15 Uhr heutiger Tageszeit) war nicht, wie man meinen könnte, eine Sonnenfinsternis. Denn zum einen dauert eine solche nicht drei Stunden, zum andern steht der jüdische Kalender dagegen. Denn eine Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond

eintreten, wenn der Mond zwischen Sonne und Erde steht, also seine uns zugewandte Seite dunkel ist. Jesus wurde kurz vor dem Passahfest, das auf den 14. Nisan fällt. gekreuzigt. Da die Israeliten ihren Kalender nach einem Mondjahr ausrichteten, beginnt jeder Monat mit dem Neumondstag. Ist aber am 1. eines Monats Neumond, so ist am 14. des Monats Vollmond, dann also eine Sonnenfinsternis unmöglich. Deshalb darf man bei der in den Evangelien angegebenen Finsternis an eine Finsternis übernatürlichen Ursprungs denken. Das wird vom griechischen Grundtext her erhärtet, der für »Finsternis« das Wort skotos benutzt, das gleiche, das bei der Gefangennahme Jesu in Gethsemane verwendet wird, wo Jesus sagt: »Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis« (Luk. 22, 53). So möchte ich annehmen, daß in jenen drei Stunden die Augen der Dabeistehenden für das Unsichtbare geöffnet wurden und sie in das Reich der Finsternis hineinschauten, um Zeugen zu sein, wie sich das gesamte Heer der Finsternismächte auf Jesus stürzte, ihn bedrängte, quälte und versuchte mit allen Mitteln ihrer List, Bosheit und Brutalität und das an dem durch körperliche und seelische Schmerzen aller Art geschwächten Leib des Gekreuzigten! Hier hat man Leiden und Versuchtwerden in eins zu sehen, wie es der Hebräerbrief aussagt: »Worin er selber gelitten hat und versucht ist, kann er denen helfen, die versucht werden« (Hebr. 2,18). Ferner: »Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde« (Hebr, 4,15). Im allgemeinen denkt man nur an die körperlichen Leiden Jesu am Kreuz, die überaus schwer waren, Aber sie waren nichts gegen die seelische und geistige Tortur, die Satan Jesus durch Menschen, die spottend vorübergingen, und durch seine dämonischen Heerscharen in jenen drei Stunden der Mittagsglut erleiden ließ. Sein ganzes teuflisches Heer hat er gegen Jesus losgelassen, um ihm noch in den letzten Minuten das Nein gegen Gott zu entreißen. Und es ist ihm nicht gelungen! Jesus war und blieb der Stärkere und hat Satan überwunden. Jesu Sterben ein Sieg Und dieser Sieg wurde erkämpft, obwohl Jesus ganz von Gott verlassen war. Er betete offenbar den Psalm 22. Dieser beginnt mit den Worten: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Das sollte allen, die die Schriften kannten und kennen, die Augen dafür öffnen, daß mit dem Geschehen am Kreuz wiederum ein Wort der Prophetie erfüllt ist. Warum aber war Jesus von Gott verlassen? Ich meine, die Antwort ist klar: Weil Gott die Sünden der ganzen Menschheit auf Jesus gelegt und ihn, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht hatte (Joh. 1,29; Jes. 53,5.6.11; 2. Kor. 5,21; 1. Petr. 2,24). Deshalb mußte Gott sich von Jesus zurückziehen, denn die Heiligkeit Gottes verträgt keine Gemeinschaft mit der Sünde (2. Kor. 6,14). In den drei Stunden, in denen Jesus dem konzentrierten Angriff Satans ausgesetzt war, war er wirklich nur Mensch. Die göttliche Natur war ihm genommen. Nun erst konnte Satan an ihn heran und stieg zu mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote standen. Gott aber ließ das zu! Denn dadurch widerfuhr dem Versucher die Gerechtigkeit, die ihm gebührte: Er wurde von einem Menschen überwunden, einem Menschen nach Gottes Herzen. Weil Satan im Paradies einen Menschen, der von keiner Sünde wußte, zum Ungehorsam gegen Gott verführt hatte, war es die angemessene, ihn tief demütigende Strafe, daß er von einem Menschen ohne Sünde überwunden wurde, So war es Gottes gerechter Wille, und deshalb mußte Jesus so sterben, wie es auf Golgatha geschah. Zugleich wurde so die Macht der Sünde gebrochen. Das Wichtigste im Kampfe Jesu war sein Sieg. Er hat gegen Satan gesiegt und damit den Fürsten dieser Welt gerichtet. »Es ist vollbracht!« Dieses königliche Wort Jesu zeigt den Sieg an (Joh. 19,30). Was im einzelnen in diesem Kampf geschah, was überhaupt vor sich ging, verschweigen die Evangelien. Sie berichten nur vom Einbruch der Finsternis und vom Sieg Jesu. Erst später, nach der Auferstehung Jesu, als er seinen Jüngern die Schriften auslegte, ging ihnen Näheres auf. So bezeugen erst die Briefe des Neuen Testaments die Bedeutung des Kreuzes. Auch der Hebräerbrief sagt mehr aus, wie bereits angeführt wurde (Hebr. 2,18; 4,15). Von da her dürfen wir wissen, was Jesus für uns gelitten und auf sich genommen hat. Nicht nur unsere Sünden, auch alle unsere Anfechtungen hat er an sein Kreuz hinaufgetragen und für uns gebüßt! Wenn wir an seinen Tod denken, wie er es sich bei der Einsetzung des Abendmahls gewünscht

hat, sollen wir in Dankbarkeit und Anbetung innewerden: Bei den Angriffen der Finsternismächte in Gethsemane und auf Golgatha hat Jesus alle unsere Anfechtungen zutiefst erfahren, durchlitten und überwunden. Dazu gehören alle Begierden, Leidenschaften, Zweifel; alle Selbstsucht, Eitelkeit, Hoffart; alle Schmerzen, Leiden, Ängste; alle Unterdrückung, Zurücksetzung, Verfolgung; alle Verleumdung, Trübsal, Verzweiflung,¬ aller Stolz, Geiz, Neid; aller Haß, Unfrieden, Mord; alle Ungerechtigkeit, Brutalität, Lästerung; alles gegen Gottes Willen Gerichtete. Und jedes hat Jesus so intensiv erfahren und erlitten, daß wir es jahrelang erleiden müßten, um es nachempfinden zu können. Für einen jeden Menschen hat Jesus das auf sich genommen und damit die Welt und den Feind überwunden. Deshalb vermag er in alledem jedem zu helfen, der sich von ihm helfen lassen will. Und wer als Glaubender in Anfechtung gerät, braucht Jesus nur zu bekennen, worum es geht, und ihn um seinen Beistand zu bitten. Jesus kann jedem, der ernsthaft will, die Kraft zur Überwindung der Anfechtung geben. Wer sich danach ausstreckt, wird erfahren, daß es gilt, was die Bibel sagt: »Das Wort vom Kreuz ist eine Gotteskraft uns, die wir selig werden« (1. Kor. 1,18). Jesu Sterben eine Notwendigkeit Wir wollen also festhalten: Das Wichtigste am Leben Jesu ist sein Sterben, das Wichtigste an seinem Sterben ist sein Kampf, das Wichtigste an seinem Kampf ist sein Sieg. In diesem Sinne ist Jesu Tod die Erfüllung seines Lebens, die Vollendung des Auftrags, zu dem ihn der Vater gesandt hatte. Doch auf welchem Hintergrund spielte sich das alles ab? Warum war es notwendig, daß er ein Leben in Niedrigkeit unter Menschen führte und dann sein Leiden, Sterben und Kämpfen auf sich nahm? Ursache ist das menschliche Verlorensein und der göttliche Wille, jeden Menschen daraus zu erretten. Im Garten Eden war es der erste Adam, der durch seinen Ungehorsam, durch sein Nein zu Gott die Trennung des Menschen von Gott herbeiführte. Diese Sonderung zwischen Mensch und Gott ist die Sünde, in der seitdem alle Menschen leben (Röm. 5,12). Dieses Nein des ersten Adam ist von Menschen her nicht aufgebbar. Nur Gott kann es auslöschen. Daher war ein besonderer Weg zu ersinnen und zu bahnen, den Gottes Liebe und Gottes Gerechtigkeit in gleicher Weise gutheißen konnten ein Weg, auf dem die Errettung der Menschen zu verwirklichen war. Diesen Weg ging Jesus, dieser Weg ist Jesus. Im Garten Gethsemane hat er als der zweite Adam sein ja zu Gott gesprochen, indem er nach dem Willen Gottes den Weg zum Kreuz und ans Kreuz ging und sich sein ja zu Gott auch nicht unter dem mörderischen Ansturm aller Finsternismächte entreißen ließ. Seitdem gilt, daß eines Menschen Ja zum Ja Jesu für ihn das Nein des ersten Adam aufhebt und in die Gemeinschaft zu Gott zurückführt. Einen anderen Weg zur Versöhnung mit Gott gibt es nicht (Röm. 5,18; 1. Joh. 2,2). Nur das Ja zum Ja Jesu in Gethsemane und am Kreuz, durch seinen siegreichen Kampf und Gehorsam bis zum Tode besiegelt, gibt uns die Rechtfertigung, die vor Gott gilt (Röm. 5, 19). Kapitel 9: Der Mensch und sein Gewissen Der Mensch vor dem Sündenfall Als Gott den Menschen schuf, berief er ihn in seine Gemeinschaft und gab ihm sein Personsein. Das geschah, als Gott seinen Odem dem Menschen in die Nase blies (1. Mo. 2,7). An dieser Stelle übersetzt Luther: So ward der Mensch eine lebendige Seele. Hier beinhaltet der Ausdruck »lebendige Seele« weit mehr, als wir heute unter Seele verstehen, vor allem im Bereich der Psychologie. Der Mensch als »Seele«, wie ihn die Bibel versteht, hat Leben aus Gott, ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, Zugang zum Unsichtbaren. Alles dies kommt im Bericht vom Paradies konkret zum Ausdruck. Das Personsein ist Kennzeichen der Ebenbildlichkeit. Wie Gott Person ist, so erhält der Mensch als Gabe von Gott den freien Willen und die Fähigkeit zur eigenen Entscheidung; damit wird er Person. Während alles in der Schöpfung einem deutlichen »du mußt« unterworfen ist (die Erde kann nicht anders als um sich selbst und um die Sonne kreisen, die Sonne kann nicht anders als den Prozeß der Kernfusion vollziehen, das Samenkorn kann

nicht anders als keimen und Frucht bringen, das Tier kann nicht anders als seinem Instinkt folgen), ist der Mensch als einziges Geschöpf des Sichtbaren auch zu einem »du sollst«, befähigt. Das ist seine Würde, darin liegt aber auch seine große Verantwortung. Wie die Geschichte der Menschen zeigt, ist Gott mit der Erschaffung dieses Wesens ein großes Risiko eingegangen. Aber er, der allmächtige und weise Gott, war und ist imstande, das Risiko zu tragen. Wir Heutigen, als Menschen nach dem Sündenfall, können uns nicht vorstellen, was es einmal um die »lebendige Seele« war, die aus Gottes schöpferischem Wort und Geist hervorging. Ich will versuchen, vom jetzigen Zustand her zu verdeutlichen, was bei der Schöpfung des Menschen geschah. Dabei gehe ich vom uns geläufigen Menschenbild aus, nach dem der homo sapiens aus Leib, Seele und Geist besteht. Der Leib als äußere Erscheinungsform und Sitz der Organe, der biologischen Vorgänge und der Kraft, die Seele als Ausdruck der Innerlichkeit, als Sitz der Gefühle und des Empfindens, der Geist als Ausdruck der Persönlichkeit, als Sitz des Verstandes und der Intelligenz bilden zusammen eine Dreiheit und eine Ganzheit, die zusammen und jedes für sich wissenschaftlicher Erforschung zugänglich sind und daher dem Sichtbaren angehören. Das Wort »Seele« hat in diesem Zusammenhang eine wesentlich andere, gegenüber der im Schöpfungsbericht und an anderen Stellen der Bibel eingeschränktere Bedeutung. In einen solchen, nach Leib, Seele und Geist fertigen homo sapiens blies Gott seinen Odem, seinen Geist, und machte ihn dadurch zum »Menschen« im Vollsinn des Wortes, wie ihn die Bibel als »Menschen nach dem Herzen Gottes« versteht. Ich wage daher die Gleichsetzung: Mensch = homo sapiens + pneuma, um damit deutlich zu machen, daß der Streit zwischen Naturwissenschaft und Theologie hier im Grunde nur dadurch bedingt ist, daß beide die Bezeichnung unterschiedlich verwenden. Die Naturwissenschaft spricht von der Entwicklung zum homo sapiens, die Bibel dagegen von der Erschaffung der »lebendigen Seele« des Menschen vor dem Sündenfall, der durch den Geist Gottes daraus hervorging. Gottes Geist im Menschen Die Frage ist nun berechtigt, wo im homo sapiens Gott seinen Geist wohnen ließ. Denn weder der Leib noch die Seele noch der Geist des homo sapiens (des natürlichen Menschen) ist fähig, Gottes Geist aufzunehmen. Wir wissen es zum einen aus der eigenen Erfahrung, aus der Zeit des unerlösten Zustandes, schwer es der Geist Gottes hatte, uns unserer Verlorenheit und Erlösungsbedürftigkeit zu überführen. Zum anderen sagt es die Bibel, etwa mit den Worten: »Ich weiß daß in mir, das ist in meinem Fleische, wohnt nichts Gutes« (Röm. 7, 18). »Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geiste Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es muß geistlich verstanden werden» (1. Kor. 2, 14). Für die Dreiheit »Leib, Seele, Geist« des gefallenen Menschen hat die Bibel die Bezeichnung »Fleisch« oder »natürliches Wesen«. Wenn auch der Mensch nach dem Sündenfall, biblisch gesehen, nicht wieder mit dem homo sapiens identisch wurde, so doch in der Hinsicht, daß in beiden nicht der Geist Gottes wohnt. Sie unterscheiden sich grundsätzlich und wesentlich durch das Gewissen, von dem gleich die Rede sein soll. Nach meiner Erkenntnis hat Gott bei der Erschaffung des Menschen dem zu Leib, Seele, Geist und natürlichem Leben voll entwickelten Wesen (dem homo sapiens) ein nicht materielles »Organ« als inneres Zentrum gegeben, das zur Aufnahme des Odems, des Geistes Gottes (des pneuma) bestimmt und fähig war. In dieser Gabe, Geist und Empfangsorgan umfassend, sehe ich den eigentlichen Schöpfungsakt, der den Menschen über alle andere Kreatur im Sichtbaren heraushob. »Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt« (Ps. 8,6). Dieses allein dem Menschen eigene innere, geistliche Zentrum wird in der Bibel auch »Herz« genannt, muß aber von dem natürlichen Herzmuskel in der Brust des Menschen wohl unterschieden werden. Das »Herz« gehört nicht dem Sichtbaren an, sondern dem Unsichtbaren. Mit diesem Organ hatte der Mensch nicht nur Anteil am Unsichtbaren, sondern konnte in dieser Wirklichkeit leben und sie so wahrnehmen, wie es ihm bei der sichtbaren Wirklichkeit stets möglich war und ist. Dieses geistliche »Organ« machte ihn zur »lebendigen Seele«. Es bildete die Ganzheit des Menschen im Unsichtbaren, wie Leib, Seele, Geist seine Ganzheit im

Sichtbaren darstellen. Dennoch war der Mensch nur Einer. Auch im ersten Adam waren vor dem Sündenfall Sichtbares und Unsichtbares unvermischt und ungetrennt vorhanden, so daß er frei in beiden Wirklichkeiten sein und leben konnte. Das Gewissen des gefallenen Menschen Durch seinen Ungehorsam gegenüber Gottes Gebot verlor der Mensch die ihm gewährte ungetrübte Gemeinschaft mit Gott. Wie ihm zuvor angesagt war, war sogar sein Tod die Folge, d.h. der geistliche Tod: Adam wurde »nackt« (das Unsichtbare wurde ihm ge¬nommen) und noch desselben Tages aus dem Paradies vertrieben. Das geistliche Zentrum in ihm erstarb, verhärtete sich bis auf einen geringen Rest. Physisch lebte er noch lange weiter, aber nur im Sichtbaren und mit dem Fluche Gottes auf seinem Arbeitsgebiet, dem Acker. Der Rest, der von dem »Herzen« in ihm blieb, ist das, was wir heute »Gewissen« nennen, ein Wissen um ein ihn verantwortlich machendes Gebot. Nach wie vor sichert dieser Rest das Personhafte des Menschen (den freien Willen) und bildet wie ehemals das lebendige »Herz« die Ganzheit des Menschen (in höchst verkümmerter Form) im Unsichtbaren. Erstorben ist die Fähigkeit, das Unsichtbare wahrzunehmen. Seitdem hat jeder Mensch, als ein durch die natürliche Geburt von Gott gesondertes, ins Sichtbare gekommenes Wesen in seiner Beziehung zu Gott nur diesen Rest eines einst vollkommenen, infolge des Sündenfalls erstorbenen Organs in sich, das Gewissen. Und seitdem ist dieser Rest gekennzeichnet durch sein Gespaltensein. Von der ursprünglichen Vollkommenheit her besitzt das Gewissen noch die absolute Funktion des Urteilens, daß es kategorisch und unwiderruflich feststellt, wann und wie sein Träger sich falsch verhalten hat. Aber die Urteilsbildung erfolgt wegen der Sonderung von Gott nicht mehr in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Es besteht vielmehr eine mehr oder weniger starke Abweichung davon. Denn das Gewissen des gefallenen Menschen hält sich an menschliche Entwürfe von Maßstäben und Normen ethischer Art. Es besitzt also eine nur relative Funktion hinsichtlich des »Gesetzbuches« (den Maßstäben und Normen), nach denen das Urteil ergeht. Wenn es sich um die Frage handelt, wie zuverlässig das Gewissen eines Menschen arbeite, ob insbesondere seine Entscheidungen als »Stimme Gottes« gewertet werden können, dann hat man diese doppelte Funktion des Gewissen zu unterscheiden, Die urteilende Funktion stellt das Gewissen noch in den Bereich des Absoluten, aber die Norm, nach der es urteilt, gehört dem Sichtbaren an und ist weithin menschlich geprägt, unter Umständen von Finsternismächten verdunkelt. Herzplantation am gefallenen Menschen Dennoch ist das Gewissen nach wie vor der Ansatzpunkt im Menschen, an dem der Geist Gottes arbeitet. Gott will uns über Unruhe, Angst, Schulderkenntnis, Buße, Vertrauen und Verheißung durch sein Wort und seinen Geist zu Jesus führe. Er stirbt um uns in mannigfacher Weise: »Gib mir, mein Sohn, dein Herz«, (Spr. 23.26), besonders aber mit der Verheißung: »Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes (d.h. lebendiges) Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und danach tun« (Hes. 36,26 27). Mit dieser Verheißung wird die »Herzplantation« angekündigt, die Gott mit jedem Menschen vorhat. Denn »er will, daß allen Menschen geholfen werde und daß sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« (1. Tim. 2,4). Durch sein Wort weckt er uns das Gewissen, daß es in seinen menschlichen Normen erschüttert wird. Hören wir auf Gottes leises Rufen, gehen auf sein Mahnen ein und kehren uns vertrauensvoll ihm zu, so schenkt er uns den Glauben und mit diesem den Heiligen Geist, der in das erweckte Gewissen einzuziehen beginnt (Eph. 1,1-3). Es ist jedoch in die freie Entscheidung des Menschen gestellt, ob er, wenn er das Rufen Gottes im Wort der Bibel durch eigenes Lesen oder durch Verkündigung oder auch durch Lebensumstände vernimmt, sich Gott zuwendet. Der allmächtige Gott zwingt keinen Menschen, sich zu bekehren;

aber das Recht, jedem das Gewissen zu wecken, läßt er sich nicht nehmen. Ist das unbegreifliche Wunder geschehen, daß sich der Mensch dem Worte Gottes beugt, Gott anerkennt und ihm sich anvertraut, so kann er an Jesus glauben; er ist wiedergeboren (Joh. 3,6 7), deutlicher gesagt: In ihm ist, vom Worte Gottes gezeugt, aus dem verhärteten Herzen, dem gespaltenen Gewissen, ein neues Wesen geboren, der inwendige Mensch. Dieser ist nun sein geheiltes Gewissen, das für seine Urteilsbildung Gottes Wort als Norm wählt, als Richtschnur für sein Leben. Dieser ist seine Ganzheit im Unsichtbaren und hat Lust am Gesetze Gottes, an seinem Wort und Gebot (Röm. 7,22). Dieser bittet Gott um Kraft, durch seinen Geist stark zu werden (Eph. 3,16) und zu wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus (Eph. 4,15)! Solange wir auf der Erde sind, dürfen wir in diesem Sinne reifen, aber es kommt nicht wieder zu dem ursprünglichen Zustand des Menschen vor dem Sündenfall. Das erfüllt sich für den Glaubenden erst nach diesem Leben (Off. 2,7). Bis dahin wandeln wir im Glauben, nicht im Schauen. Psychologie und Glaube Wer über den inwendigen Menschen zu dem lebendigen Gott gefunden hat, weiß: Wir befinden uns äußerlich in einer Welt (im Sichtbaren), in der alles relativ, begrenzt und vergänglich ist, und rühren in unserem Gewissen an eine völlig anders geartete Welt, an ein Reich des Absoluten, des Ewigen, an das Unsichtbare, in dem Gott ist. Aber so kann man fragen , ist diese Erfahrung echt? Ist es wirklich etwas Absolutes, dem sich mein Gewissen öffnet? Oder stoße ich nur auf mein eigenes Unbewußtes? Hier prallen die Erfahrungsbereiche des Glaubens und der psychologischen Erkenntnis hart aufeinander. Wieder ist rational keine Entscheidung möglich. Der psychologisch Interessierte nimmt Regungen des Unbewußten wahr, die die Glaubensentscheidung und Glaubenserfahrungen begleiten, und sieht darin das Ganze des Glaubens. Der Glaubende aber bekennt: Ja, Gott ist, und im Gewissen, das er mir geweckt hat, treffe ich auf ihn, den Absoluten. Mein Glaube ist nicht von mir gewirkt, sondern ist mir geschenkt, ist unbegreifliche Gabe eines Mächtigen, der mich trotz meiner Zweifel angenommen und liebend überwältigt hat. Nur so entsteht überhaupt Glaube an den lebendigen Gott und an seinen Sohn Jesus Christus. Von einem solchen Glauben her kann dann auch bezeugt werden: Das Wirken Gottes am gefallenen Menschen zeitigt Spuren im Bewußten, mehr noch im Unbewußten des Menschen, die sich etwa als Unruhe, Angst, Einsamkeit, Ungeborgenheit, Verzagtheit, Schuld, Verzweiflung oder Flucht erweisen, aber ebenso als Ruhe, Geborgenheit, Frieden. Diese Spuren lassen sich psychologisch erkennen, nicht aber ihre Ursache das Verhält¬nis des Menschen zu Gott. Hier stoßen wir wieder auf die Tatsache der Verlorenheit vor Gott, die natürlich nur im Glauben an ihn, von dem der Mensch durch den Sündenfall getrennt ist, erkannt und anerkannt werden kann. Im übrigen zeigt sich auch hier wieder, daß eine Wissenschaft wie es die Psychologie ist nur das Sichtbare erforschen, zum Unsichtbaren aber nicht vordringen kann. Dies gilt für jede der verschiedenen wissenschaftlichen Richtungen der Psychologie. Auf eine von ihnen möchte ich etwas näher eingehen, da ihr Schöpfer, C. G. Jung, seine psychologischen Erkenntnisse auch theologisch zu begründen bestrebt ist. Dabei stütze ich mich auf Ausführungen von R. Affemann. In der Lehre von C. G. Jung ist der »Schatten« als Summe der womöglich versteckten unvorteilhaften Eigenschaften und mangelhaft entwickelten Funktionen der Inbegriff von negativen seelischen Inhalten des Menschen. Sünde aber als gestörtes Verhältnis zwischen Mensch und Gott ist ein Faktum außerhalb des Menschen. Der »Schatten« ist nicht radikal böse. Jung führt ihn auf einen Mangel an Bewußtheit zurück; er müßte sich also durch Bewußtwerdung über winden lassen. Die Bibel dagegen weiß von einem absolut Böse und zeigt, daß man das Böse nicht durch Aufhellung des unbewußten Motivs, durch Steigerung der Bewußtheit überwinden kann. R. Affemann betont: »Auch wenn der Mensch weiß, daß er sündigt, auch wenn er unter seiner Sünde leidet und von ihr frei werden will, so nützt ihm sein ganzes Wissen nichts, der Gott Ratio kann ihn nicht befreien; all seine Erkenntnis ist ohnmächtig.« Affemann führt weiter aus: »Wenn nun die Frage aufgeworfen wird, wie dieses unbegreifliche,

unvorstellbare Intendieren des Menschen, seine Sünde, zustande kommt, so sagt das biblische Zeugnis, er werde dazu versucht von einer persönlichen Macht des Bösen, dem Teufel. Die Verkündigung vom Teufel ist nun die zweite Linie der biblischen Botschaft vom Bösen. Das Christentum projiziert nicht das ganze Böse entweder in den Menschen oder in Gott, nein, der Mensch sündigt und wird von der bösen Macht dazu versucht. Beide aber sind für ihr Tun verantwortlich ... Ebenso wie Gottvater und Jesus Christus in der Bibel keine seelischen Wirklichkeiten sind, ebenso ist der Teufel in ihr keine personifizierende Projektion des Schattens. Gerade für den Psy¬chologen, der es ja sehr drastisch und eindrucksvoll erlebt, wie moderne Menschen, die den Teufel in ihrem Bewußtsein für ein Ammenmärchen halten, sich dann aber von ihm besessen, an ihn versklavt fühlen, ihn in ihren Träumen erleben und in Visionen sehen, sollte die rationalistische Kritik an einer persönlichen Macht des Bösen als überholt gelten in der biblischen Verkündigung führt der Teufel ein vom Menschen unabhängiges Dasein.« Nach Affemann vollzieht sich die eine Sünde des Menschen vor Gott, von der die Rede war, in vielerlei konkreten Gestalten. Des Näheren urteilt er: »Diese Gestalten sind inner bzw. zwischenmenschliche Gegebenheiten. Sie sind für den Psychologen beobachtbar und können von ihm gewandelt werden. Die Ursünde kann sich in unethischen wie in ethischen Formen äußern. Die sündige Verfaßtheit der Menschen kann sich in einem Mord ebenso aktualisieren wie im hochethischen Streben des Menschen, so zu sein wie Gott, so barmherzig, so gerecht, so selbstlos wie er. Die Psychologie vermag die finsteren Gestalten gegen helle einzutauschen, die dem Leben des einzelnen und der Gemeinschaft zuträglicher sind. An der Grundintention kann sie aber nach biblischer Lehre nichts ändern . . . Ähnlich wie in der Bibel kann auch Jung sagen, daß der Schatten neben der Unbewußtheit die Bosheit des menschlichen Herzens als Wurzel habe. Wie diese Bosheit nun konkret aussieht, das kann die christliche Verkündigung von Jung lernen. Es ist zwar richtig, daß die Sünde ein Faktum zwischen Mensch und Gott ist, es ist aber ebenso richtig, daß sie in konkreten seelischen Einstellungen in Erscheinung tritt. Über allem Betonen, daß man in der Sünde an Gott schuldig wird, hat man fast aus dem Auge verloren, wie sich gerade diese Sünde mitten im seelischen Leben und im Leben der Gemeinschaft vollzieht und was sie für sie bedeutet ... Die christliche Verkündigung aber ist nicht Belehrung, Übermittlung von Ideen, sondern hat die Aufgabe, die letzte Not des Menschen zu beseitigen, und hat dabei an den Zeichen jener Not anzusetzen. Hier aber ist eine christliche Lehre vom Menschen dem Psychologen Jung dafür, daß er konkret gezeigt hat, wie das Böse in der Seele zutage tritt, welche Zerstörungen und Verwüstungen es anrichtet, zu großem Dank verpflichtet. Auch von seiner Entdeckung, daß vieles an dem Schatten überhaupt nicht böse, sondern nur unentwickelt und verdrängt ist, kann der christliche Glaube lernen. Er wird dadurch aufgefordert, sich zu überprüfen, was alles an der Schöpfung Gottes er als sündig deklariert hat, wieviel gute Gaben Gottes er dämonisiert hat. Durch diese Selbstprüfung wird er erkennen, daß vieles, was er als böse empfand, nicht böse, sondern gut ist und in die Ganzheit der Schöpfung mit hineingehört. Indem aber etwas als böse Verdrängtes als Schöpfung Gottes angenommen wird, geschieht tatsächlich das, was Jung so oft bemerkt: die Wandlung des Schattens. Festgehalten werden muß jedoch, daß der ganze Schatten auf diese Weise nicht gewandelt werden kann. Die Sünde, welche weitgehend den Kern des Schattens darstellt, ist dem menschlichen Befreiungswerk ent¬zogen. Diese Spannung zwischen Gut und Böse bleibt. Jung hat schon recht, sie ist lebensfeindlich, unerträglich. Der Mensch, der sich ehrlich als böse erlebt und konsequent gilt sein will, wird durch diesen entsetzlichen Zwiespalt in den Tod getrieben oder zur Erlösung vom Bösen durch das Opfer Christi.« Diese instruktive Stellungnahme von R. Affemann ergänze ich durch ein Wort eines anderen christlichen Psychotherapeuten, K. Graf von Dürckheim (K. Graf Dürckheim, Durchbruch zum Wesen, Bern Stuttgart-Wien 1972): »Das tiefste Wesen des Menschen ist gar nichts anderes als seine Weise der Teilhabe an einem überraumzeitlichen Sein, das durch ihn hindurch offenbar werden will . . . Jeder Versuch, die im Gewissen lebendigen Werte dadurch ihrer Würde berauben zu wollen, daß man ihr Dasein auf psychologische oder soziologische Bedingungen zurückführt, muß auf die Dauer ebenso scheitern wie der komische Versuch, das Wesen der Töne zurückzuführen auf Schwingungsfrequenzen . . . Psychologisch oder soziologisch erklärbar ist immer nur der besondere Inhalt eines erlebten Sollens, nie aber das Unbedingte seiner verpflichtenden Kraft

und das innere Leuchten, das eine wesenhafte Werterfahrung besitzt. Uns Menschen ist eingeschrieben ein »ordre du coeur«, eine inbildliche Gestalt, die uns als ein Gefüge von Sollungen zu einem ganz bestimmten Leben und zur Verwirklichung eines ganz bestimmten Inbildes anhält. Sein Verwirklichkeitsanspruch besteht ganz unabhängig davon, ob uns das jeweils bequem ist oder nicht, im Augenblick nützlich erscheint oder nicht.« Der hier von Graf von Dürckheim als »inbildliche Gestalt« bezeichnete »ordre du coeur« ist, biblisch gesehen, nichts anderes als das auf Gott ausgerichtete »Herz«, der inwendige Mensch. Die Teilhabe an einem überraumzeitlichen Sein ist nichts anderes als die Teilhabe am Unsichtbaren. Beide Stellungnahmen bestätigen, und zwar aufgrund langjähriger Erfahrungen an psychisch labilen, einer Psychotherapie unterzogenen Menschen, daß einerseits die Sünde und der Böse reale Mächte außerhalb des Menschen sind, andererseits das menschliche Gewis¬sen einer überraumzeitlichen Wirklichkeit angehört. Man kann also nur unter Leugnung von gut gesicherter empirischer Erkenntnis behaupten, dag die bösen oder guten Regungen im Menschen allein vom Menschen her als psychologisch bedingte Vorgänge im Innern oder Projektionen nach Augen verstanden werden müßten. Solche Vorstellungen können, im Sinne von Kapitel 1, vor dem Hintergrund der Realität, nur als naiv bezeichnet werden. Wer Menschen bei der Verwirklichung ihres eigentlichen Mensch¬seins helfen will, wird mit psychologischen, besonders mit tiefenpsychologischen Methoden einiges erreichen. Wem es dabei aber um mehr geht als um eine »Selbstverwirklichung« des Menschen, d.h. um eine Vertiefung und Verinnerlichung der Persönlichkeit, muß den Menschen unter der Einwirkung aus dem Unsichtbaren sehen und ihm gezielt seelsorgerlich beistehen. Und die Seelsorge muß biblisch fundiert sein. Im Anschluß an Kapitel 5, das den Menschen soweit es um sein Sein im Unsichtbaren geht im Reich der Finsternis und sofern er ein an Jesus Glaubender ist als ein Licht in dieser Finsternis gesehen hat, das sich der Finsternis gegenüber behaupten soll, kann man seine Lage jetzt genauer so kennzeichnen: Es ist der persönliche Gott, der den Menschen als Person, als freies Gegenüber will und zu diesem Ziel über das Gewissen des Menschen gerecht und barmherzig die Entfaltung des inwendigen Menschen anstrebt. Und es ist der Teufel, der diese Entfaltung verhindern will und zu diesem Ziel über das Denken des Menschen mit Macht und List am natürlichen Menschen arbeitet. Weil der Mensch, nach Gottes Willen, sich dem Handeln Gottes in Freiheit widersetzen kann, hat der Teufel dadurch eine Chance und nutzt sie mit trefflichen Argumenten. Beiderlei Einwirkungen, die von Gott und die vom Teufel ausgehen, kommen aus dem Unsichtbaren und hinterlassen ihre Spuren in Leib, Seele und Geist des Menschen. Diese Spuren können soziologisch und psychologisch beeinflußt werden. Ihre wissenschaftliche Erhellung ist nützlich und hilfreich. Kapitel 10: Entstehen von okkulter Belastung Die Wirkungsweise Satans Die knappe Formulierung am Schluß des vorangehenden Kapitels, Gott arbeite über das (erweckte) Gewissen am inwendigen Menschen, der Teufel über das Denken am natürlichen Wesen des Menschen, muß recht verstanden werden. Sie beschreibt wohl zutreffend die Kampfsituation, in der der Glaubende steht. Paulus gibt eine gute Kennzeichnung davon (Röm. 7,18 20): »Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Denn das Gute, das ich (der inwendige Mensch) will, das tue ich (der natürliche Mensch) nicht; sondern das Böse, das ich (der inwendige Mensch) nicht will, das tue ich (der natürliche Mensch). Wenn ich aber tue, was ich (der inwendige Mensch) nicht will, so tue nicht ich (der inwendige Mensch) es, sondern die Sünde, die in mir wohnt (d.h. mein der Sünde verhaftetes natürliches Wesen).« Um deutlich zu machen, daß Paulus in diesem Abschnitt von Röm. 7 von den beiden Ich's spricht, die in dem an Jesus Glaubenden aktiv sind, habe ich das »ich« im Zitat jeweils gekennzeichnet. Doch man könnte die Frage stellen, ob der Teufel wirklich den Menschen über das Denken beeinflußt. Wenn Jesus sagt (Mark. 7,20 21): »Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein; denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen

Gedanken«, so weist er zwar auf die Gedanken hin, die der Böse lenkt, nennt aber als ihren Ursprung das »Herz«. Hier ist jener »Rest« des ursprünglich lebendigen Herzens, das unerweckte Gewissen, gemeint (Kapitel 9). Nun wissen wir aber, daß das Gewissen des Menschen in seiner relativen Funktion der Norm, nach der es urteilt beeinflußbar ist. Das nutzt der Teufel aus, indem er dem menschlichen Denken hohe oder niedrige ethische Normen eingibt, die den Menschen veranlassen sollen, die Notwendigkeit einer Erlösung nicht einzusehen oder einen Weg der Selbsterlösung zu wählen, auf jeden Fall aber den allein richtigen Weg der Erlösung durch das Opfer Jesu auf Golgatha abzulehnen. Der Teufel will nicht gute Menschenschlecht und böse Menschen noch böser machen, sondern sucht den Menschen einzureden, daß sie ohne Jesus frei und gut werden können. Das »Herz« des Menschen, ob noch steinern und abweisend gegen Gottes Wort oder schon erweckt und dem Geiste Gottes geöffnet, gehört auf jeden Fall dem Unsichtbaren an. Im ersten Fall steht es noch unter der Herrschaft der Sünde, ist verstockt und unbußfertig (Röm. 2,5; 2. Kor. 3,14 15), arg und ungläubig (Hebr. 3,12), unverständig und verfinstert (Röm. 1,21; Eph. 4,18). In solchem Zustand sucht es sich eine eigene Norm. Im zweiten Fall ist es vom Worte Gottes getroffen (Apg. 2,37), hat seine Umkehr zu Gott hin vollzogen (Apg. 16,14), ist errettet von der Macht der Finsternis (Kol. 1,13; Gal. 4,7), hat Lust zum Worte Gottes (Röm. 7,22) und hat damit die rechte Norm gefunden. Weil im (verhärteten) Herzen des Menschen unter der Einwirkung des Wortes Gottes die Entscheidung für oder gegen den lebendigen Gott und damit für oder gegen Jesus zu treffen ist, aber diese Entscheidung in den freien Willen des Menschen gestellt wird (vgl. Apg. 2,3 ¬mit Apg, 7,54), kommt Satan mit einleuchtenden, vernunftgemäßen, das natürliche Wesen ansprechenden Argumenten, um dadurch den Willen des Menschen, für diesen unmerklich, so zu lenken, daß die Entscheidung für Jesus verhindert oder wenigstens aufgeschoben wird. Herzenshärtigkeit besteht bei denen, die Jesus ablehnen, wie bei denen, die Jesus nachfolgen. Jesus rügt sie bei den einen (Mark. 10,5) wie bei den anderen (Mark. 16,14). Auch wenn das Wort Gottes aufgenommen ist und ein Mensch sich für Jesus entschieden hat, sucht der Teufel durch Anfechtungen und Umstände aller Art Zweifel an Gottes Wort und Ungewißheit im Glaubensleben zu wecken, um den Menschen vom Weg in der Nachfolge abzubringen (Mark. 4,15 19). Deshalb braucht der Gläubige die Ermahnung (Hebr. 12,1): »Lasset uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasset uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist«. Der Herrschaftsanspruch Satans Warum und woher Satan die Macht hat oder sich nehmen darf, Menschen an der Entscheidung für Jesus zu hindern oder eine solche sogar rückgängig zu machen, bleibt Geheimnis (vgl. Kapitel 6), wie auch die Bibel alles Nähere um die Person des Bösen verschweigt, d.h. Gott es dem Menschen nicht offenbart hat. Dieses Geheimnis haben wir in Ehrfurcht zu achten, es ist zweifellos nicht gut für uns, darüber Genaueres zu wissen. Was uns aber die Bibel sagt, haben wir zu bedenken und ernst zu nehmen. Wenn Jesus in den Abschiedsreden an seine Jünger Satan den »Fürsten dieser Welt« nennt, so will er darauf hinweisen, daß Satan in irgendeiner Weise ein Herrschaftsrecht über die Welt und damit auch über die Menschen hat. Der gleiche Sachverhalt liegt Jesu Auftrag an Saulus vor Damaskus zugrunde (Apg. 26,18): Er sendet ihn unter die Heiden, »aufzutun ihre Augen, daß sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott«. Und später bekennt Paulus (Kol. 1,13 daß Gott »uns errettet hat von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes«. Der Glaube an Jesus bewirkt also einen Herrschaftswechsel, der dadurch zustande kommt, daß der Stärkere dem starken Gewappneten in seinen Palast eindringt, ihm den Harnisch nimmt (den Herrschaftsanspruch) und das Seine raubt (Luk. 11,21-22). Dies Wort Jesu umreißt gleichnishaft einen ganz entscheidenden Sachverhalt: Bevor wir zu ihm gehören, so daß er uns als die Seinen kennt (Joh. 10,14), befinden wir uns nicht in einem neutralen Niemandsland, sondern sind Satan untertan, gehören zu dessen »Seinen«, und Jesus muß uns ihm erst entreißen! Verständlich, daß

Satan dagegen ankämpft und nicht aufgibt, obgleich er weiß, daß Jesus der Stärkere ist, dem der endgültige Sieg gehört (Matth. 12,20; 1. Kor. 15,55; Off. 19,11). Alles Bedrängende und Bedrohende an Manifestationen des Bösen in der Gegenwart (Kapitel 3), alle Verfolgung und Verführung von Gläubigen ist von da her zu verstehen. Der endzeitliche Kampf Satans um seine Herrschaft richtet sich gegen die Gemeinde, den Leib Jesu, und jeder, der zu Jesus gehört, ist bedroht. »Wer sich läßt dünken, daß er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle« (1. Kor. 10,12). Immer neu versucht Satan, was Jesus gewonnen hat, ihm mit den Mitteln der List, der Lüge, der Heimtücke und der Gewalt wieder abzujagen. Er gebärdet sich wie einer, der ein verbrieftes Recht auf Beherrschung der Menschen hat. Wie Shylock im Kaufmann von Venedig besteht er skrupellos auf seinem »Schein«. Diese Hartnäckigkeit bedarf im Kampf des Gläubigen gegen Bedrohung durch Satan oder die Mächte der Finsternis unter Umständen einer besonderen Seelsorge. Die biblische Kennzeichnung Satans Der biblische »Steckbrief« für Satan umfaßt im wesentlichen sechs charakteristische Züge. Er ist der »Fürst dieser Welt« (Joh. 12,31; 14,30; 16,11). Er ist der »Mörder von Anfang« (1. Mo 3,4.19; Joh. 8,44; 10,10). Er ist der »Vater der Lüge« (2.Chron. 18,21; Joh. 8,44; Apg. 5,3; 2. Kor. 11,14; 2. Thess. 2,9). Er ist ein »fried und ruheloser Geist« (Jes. 48,22; 57,20 21; Luk. 11,24). Er ist ein »unsauberer Geist« (Matth. 10,1; Mark. 1,26; 3,11; 9,25; Luk. 11,24). Er ist der »Feind und Widersacher Gottes« (Matth. 13,25.39; Mark. 8,33; Luk. 10,19; Apg. 13,10; 1. Petr. 5,8). Weitere Schriftstellen sind als Nachweise möglich; die angegebenen mögen genügen. Viele der genannten Wesenszüge zeigen sich auch in den Geistern, die zum Heer Satans gehören und in der Bibel böse Geister, Engel Satans oder Dämonen genannt werden (Kapitel 7). Sie unterstehen Satan und handeln auf seine Weisung, O. Michel unterscheidet daher im biblischen Befund zunächst Satanisches und Dämonisches. Er sieht im Wesen des Satanischen vor allem Versuchung, Verführung und Anklage, im Wesen des Dämonischen vor allem Übersteigerung, Mißbrauch und Verfall von Begabungen (hierzu wäre auch Krankheit zu rechnen). Er erkennt aber im endzeitlichen Geschehen eine Steigerung und Maßlosigkeit, die Satanisches und Dämonisches zu einer einzigen Macht zusammenwachsen läßt. Damit verschärft sich die Situation zwischen Gott und Mensch. Wenn Satan sich im Sichtbaren in, mit und unter den Menschen auch als der »Diabolos« , der Durcheinanderwerfer, erweist, im Unsichtbaren ist das Reich der Finsternis eine Herrschaft, ein Haushalt des »Bösen« (Mark. 3,24 27) mit einer inneren Gesetzmäßigkeit und Zielsetzung. Die Bilder der Bibel zeigen eine Ordnung an, die nur durch Einbruch und Gewalt aufgelöst werden kann. Ohne diese innere, uns verborgene, aber sich stets enthüllende Ordnung ist das Geheimnis des Bösen nicht zu verstehen. Der satanische Einfluß Die für Satan und die Dämonen charakteristischen Wesenszüge finden sich, vereinzelt oder gehäuft, in mannigfacher Ausprägung auch bei Menschen, die unter satanischem Einfluß stehen. Dieser Einfluß umfaßt ein ganzes Spektrum von Möglichkeiten. Am stärksten zeigt er sich bei Menschen, die sich aus freier Entscheidung durch Wort und Handlung dem Machtbereich des Bösen unterstellen und verpflichten. Daß es das auch in der Gegenwart und in starkem Maße gibt, ist Tatsache (Kapitel 5). Die Worte und Handlungen, so betont O. Michel, erweisen sich als wirksam: »man tritt unter den Zwang des Satanischen und verliert die von Jesus geschenkte Freiheit. Man trennt sich vom Evangelium und hat einen Abscheu vor allem, was konkret, zeitlich und leiblich mit Gott selbst zusammenhängt. Gleichzeitig bindet man sich an Aussichten und Erwartungen im Bereich des Satanischen selbst. Daß in diesem Bereich Machtwirkungen möglich, ja, selbstverständlich sind, muß ausdrücklich zugestanden werden«. Je nach dem Grad der Hingabe und Verpflichtung kommt es zu einem totalen oder weniger starken Einfluß satanischer Mächte, bewußt oder unbewußt, aber in und bei vollem Bewußtsein.

Eine andere Möglichkeit ist die der Besessenheit, die im allgemeinen ohne Wissen und Willen des Betroffenen besteht. Ein oder mehr böse Geister fahren ein, d.h, nehmen vom Unsichtbaren her Besitz vom Geist des Menschen und beherrschen von dort aus sein Denken, Wollen und Handeln. Zeitweise treten Bewußtseinstrübungen, Trancezustände auf. Es kann dazu kommen, daß der ganze Leib erfaßt und mit großer Kraft ausgestattet wird. Die Besessenheit kann ein Zustand von Dauer, aber auch ein Zustand sich wiederholender Phasen sein. Der Betreffende braucht im alltäglichen Leben nichts Auffallendes an sich zu haben, ist aber im Geheimen an okkulten Praktiken beteiligt und hat Weisungen finsterer Mächte auszuführen. Eine schwächere Form ist die der Umsessenheit, bei der der satanische Einfluß noch ungebrochen, aber bereits in bestimmte Schranken gewiesen ist. Die nächst schwächere Form ist die der okkulten Bindung oder Belastung. Sie kann bei Menschen entstehen, die passiv oder geringfügig aktiv an okkulten Praktiken teilhaben oder teilhatten. Auch Verwünschungen anderer, die ihnen schaden wollen, können dazu beitragen. Schließlich können sie auch auf dem Weg einer geistlichen Vererbung von Vorfahren übertragen werden. Wie sie sich auswirken, wird im folgenden noch näher behandelt. Schließlich besteht noch die ungeheure Vielzahl von Möglichkeiten auf dem Gebiet der Versuchungen und Anfechtungen. Sie gehen letzten Endes ebenfalls von Satan aus und zielen auf Leib, Seele und Geist des Menschen. Hierauf bin ich in meiner Schrift Anfechtungen und ihre Überwindung, Wuppertal 1976, genauer eingegangen. So gewaltig sich die Macht Satans in all diesen Möglichkeiten sei¬nes Einflusses erweisen kann, es gilt dennoch: Nichts davon kann be¬stehen, sobald es vor Jesus gebracht wird. Satan ist überwunden. Jesus hat ihn im Kampf am Kreuz besiegt (Kapitel 8). Die Macht des Namens Jesu und die Kraft des Blutes Jesu sind stark genug, um jeden noch so gewaltigen Einflug Satans zu brechen. Davon berichtet nicht nur die Bibel, auch Berichte von den Missionsfeldern geben reiches Material über Befreiungen von Zauberern und Besessenen und Vernichtung von Angriffen des Feindes durch die Kraft Jesu. Entscheidend wichtig ist noch folgender Hinweis. Die hier geschilderten satanischen Einflußerscheinungen können ununterscheidbar ähnlich bei bestimmten geistigen oder seelischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Psychopathien, Psychosen, Neurosen, Depressionen u.a. auftreten. Das liegt an der List und Heimtücke Satans, der sich verbirgt, um umso ungestörter seine verderblichen Ziele verfolgen zu können. Medizinische oder tiefenpsychologische Kriterien zur Unterscheidung gibt es nicht. Das beruht auf der Tatsache, daß Satan in seinem Wirken wissenschaftlich nicht greifbar ist. Für eine zutreffende Diagnose, ob psychische oder dämonische »Erkrankung« vorliegt, bedarf es geistlicher Vollmacht, insbesondere der Gabe der Geisterunterscheidung (1.Kor. 12, 10). Vor allen Dingen muß dringend davor gewarnt werden, daß ein so oder so Erkrankter sich selbst diagnostiziert. Ist eine Diagnose erforderlich und der Erkrankte im Glauben bereit, sich der Kraft Jesu anzuvertrauen, so ist unbedingt ein gläubiger Arzt oder ein erfahrener Seelsorger in Verbindung mit einem dafür offenen Arzt zu konsultieren. Mögliche Arten okkulter Belastung In Anlehnung an die sechs Wesenszüge, die die Bibel Satan und seinen Dämonen zuschreibt, zeigen sich entsprechende Eigenschaften und Zustände bei Menschen, die unter einen besonderen Einfluß Satans geraten sind. Da zunächst alle Menschen seiner Herrschaft unterworfen waren, treten diese Zeichen mehr oder weniger bei jedem auf. Ich beschränke mich hier auf okkult Behaftete, betone jedoch, daß die nachstehende systematische Aufzählung erstens nicht so verstanden werden darf, als ob alle Kennzeichen gesammelt auftreten könnten, und zweitens nicht dazu benutzt werden darf, sich selbst ohne Seelsorger einzustufen. Man hat stets die logisch richtige Richtung zu beachten: Wenn jemand okkult belastet ist, kann die eine oder andere der nachstehend aufgezählten Eigenschaften verstärkt auftreten. Nicht aber umgekehrt, als ob einer, bei dem eins dieser Kennzeichen beobachtet wird, deshalb okkult belastet sei! Gläubige, die noch nicht lange im Glauben stehen oder noch nicht genügend im Glauben gefestigt sind, neigen leicht zu dieser falschen Schlußweise. Ich ordne nach den oben angegebenen sechs Merkmalen.

1. Herrschsucht, Geltungsstreben, Stolz, Hochmut, Ehrgeiz, Ruhmsucht, Rücksichtslosigkeit, Habenwollen, Nichtloslassen, Ansichreißen, Geiz, Neid, Prunksucht, Genußsucht, Menschenvereh¬rung sind Eigenschaften, die dem »Fürsten dieser Welt« entsprechen. 2. Streitsucht, Jähzorn, Haß, Eigensinn, Unversöhnlichkeit, Lieblosigkeit, Brutalität, Bosheit, Richtgeist, üble Nachrede, Rufmord, Sadismus, Selbstbeschädigung, Neigung zu und Vollzug von Selbstmord, Mordgelüste sind Eigenschaften, die dem »Mörder von Anfang« entsprechen. Hinzuzurechnen sind Erlebnisse mit Todesfolge, die einen »überkommen« können, wie Trunksucht, Drogenabhängigkeit, Unglücksfälle, selbstverschuldete schwere Erkrankungen. 3. Lust oder Zwang zum Lügen, Verheimlichen, Heuchelei, Tücke, Täuschung, List, Ausflüchte, Angeben, Verblendung, Selbstgerechtigkeit, Irreführung, Irrlehre, Irrglauben, Mißtrauen, Verschlossenheit sind Eigenschaften, die dem »Vater der Lüge« entsprechen. 4. Friedlosigkeit, innere und äußere Unruhe, Angst, Sorgengeist, Ungeduld, Kritiksucht, Aufregung, Depressionen, Selbstvorwürfe, Minderwertigkeitsgefühle, falscher Eifer, Kompensationsbestreben sind Eigenschaften, die dem »friedlosen Geist« entsprechen. 5. Unkeuschheit, freie Liebe, Ehebruch, Hurerei, Selbstbefleckung, Entblößungssucht, Selbstbefriedigung, Zuchtlosigkeit, Homosexualität, neue Moral, sexuelle Perversionen, dies alles (aktiv oder passiv geübt oder auch nur in Gedanken damit spielend oder Gefallen daran habend) sind Eigenschaften, die dem »unsauberen Geist« entsprechen. 6. Unlust zu Gottes Wort, Meiden von Gottesdienst, von Bibelstunde, Bibellesen, Abendmahl, Gebet, im Gottesdienst Unkonzentriertheit, Nichtzuhörenkönnen, Kirchenschlaf, Kleinglaube, Zweifel, Mangel an Heilsgewißheit, Selbstbestrafen, Nichtvergebenkönnen, Verstockung, Lästergedanken sind Eigenschaften, die dem »Widersacher Gottes« entsprechen. Diese Kennzeichen sind zur Genüge bekannt. Sie gehören zum natürlichen Wesen des gefallenen Menschen und können sich in Gedanken, in Worten und in Taten äußern. Die Bibel spricht zusammenfassend von einem »fleischlichen« Wesen, da es im Gegensatz zu dem gottgewollten geistlichen Wesen steht, dem Wesen des »inwendigen« Menschen. Auch Menschen, die schon zum Glauben an Jesus gekommen sind und ein Glaubensleben führen wollen, hängt oft noch viel von diesem fleischlichen Wesen an, wie Eierschalen. Paulus schreibt den Korinthern, denen er eineinhalb Jahre lang die volle Botschaft von der Erlösung durch Jesus verkündigt hatte: »Ich, liebe Brüder, konnte auch mit euch nicht reden als mit geistlichen Menschen, sondern als mit fleischlichen, wie mit jungen Kindern in Christus« (1. Kor. 3,1). Mögliche Ursachen für okkulte Belastung Um darüber etwas auszusagen, ob die (vorhin als falsch gekennzeichnete) umgekehrte Schlußweise in Ausnahmefällen zulässig ist, d.h. ob aus dem einen oder anderen verstärkt auftretenden Merkmal der Gruppen 1. bis 6. auf eine besondere satanische Beeinflussung, auf eine okkulte Belastung geschlossen werden kann, bedarf es einer sorgfältigen und behutsamen Anamnese. In dieser wäre zu klären, ob und wie weit der Betroffene oder seine Voreltern (sofern er etwas darüber weiß) Verbindung zu einer der nachstehend genannten vier Quellen haben oder gehabt haben. In diesen Quellen können mögliche Ursachen verborgen liegen. 1. Eine erste Quelle sind die ethisch religiösen Geheimbünde wie Freimaurerlogen, Rosenkreuzorden, auch deren Neubildungen wie AMORC (antiquus mysticus ordo rosae crucis), ferner Logen der Weisheit, Geistige Logen u.ä. Sie arbeiten vorwiegend spiritistisch oder medial. 2. Eine zweite Quelle sind die atheistischen Weltanschauungen wie Kommunismus, Nationalsozialismus, Maoismus u.a. sowie die damit verbundenen Personenkulte. Sie verbieten und verhindern die Anbetung Jesu und des lebendigen Gottes. 3. Eine dritte Quelle ist die weiße Magie, die viel mit »biblischen« und »christlichen« Vokabeln umgeht und »göttliche« Hilfe oder »göttlichen« Frieden zu vermitteln verheißt. Sie rückt Jesus aus dem Zentrum und stellt zusätzliche Forderungen für die Gewinnung des »Heils«. Hierzu gehören Christliche Wissenschaft, Anthroposophie, Heilungsapostel und ihre (oft organisierten) Anhängerscharen, viele Sekten, manche schwarmgeistige Bewegungen, Einheitsreligionen wie die Bahai Religion oder die Vereinigungskirche, die modernen meditativen Bewegungen asiatischen Einflusses u.a. Vorsicht ist aber auch mitunter geboten im Raum der Kirchen, sobald es nicht mehr allein um Jesus, den Auferstandenen und Gekreuzigten, geht, der allein das Heil

gewirkt hat, allein der Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, dem allein die Ehre gebührt. 4. Eine vierte Quelle ist die schwarze Magie, die direkt zu den Mächten der Finsternis Verbindung aufnimmt und vermittelt. Zu ihren Praktiken gehören Zauberei, Wahrsagen, Pendeln, Besprechen, Bepusten und andere magische Heilungsbräuche, Tischrücken, Glasrücken, Ouija Brett, Spiritismus, Totenbefragen, mediale Betätigung, Horoskope, Himmelsbriefe, Amulette und andere »Schutz« Mittel, Verwünschen, Verfluchen, schwarze Messen u.a. Hinzu kommen die zahllosen »Riten« des Aberglaubens: Daumendrücken, Bleigießen, Hals und Beinbruch wünschen, mit »Unberufen« an Holz klopfen, Toi toi toi wünschen, Glücks und Unglückstage, Glücks und Unglückszeichen, Maskottchen und vieles andere. Auch für diese Aufzählung gilt, daß sie nur Möglichkeiten, Beispiele, Hinweise und Warnungen gibt. In einem konkreten Fall müssen sie mit einem erfahrenen Seelsorger offen durchgesprochen und im Gebet vor Jesus gebracht werden, ehe das Bestehen einer okkulten Belastung ausgesagt werden darf. Es ist gleichgültig, ob man die Teilhabe oder das Mitmachen bei den aufgeführten Gruppen und Praktiken ernst nimmt oder nicht, ob man an eine Wirkung glaubt oder nicht, ob man aktiv oder nur passiv daran beteiligt ist oder war. Es widerspricht alles dem eindeutigen Gebot Gottes, und er warnt uns nur zu unserem Besten. Er will nicht, daß wir in Abhängigkeit von der Macht der Finsternis geraten. Biblische Warnung Dieses ganze Kapitel orientiert sich an der biblischen Warnung, die Gott durch Mose dem Volke Israel geben ließ (5. Mos. 18,9 15): »Wenn du in das Land kommst, das dir der Herr, dein Gott, geben wird, so sollst du nicht lernen, die Greuel dieser Völker zu tun, daß nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut, der ist dem Herrn ein Greuel, und um solcher Greuel willen vertreibt der Herr, dein Gott, die Völker vor dir. Du aber sollst untadelig sein vor dem Herrn, deinem Gott. Denn diese Völker, deren Land du einnehmen wirst, hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir aber hat der Herr, dein Gott, so etwas verwehrt. Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen.« Hier wird dem Volk Israel durch Mose eine Warnung des lebendigen Gottes gegeben. Sie sollen sich nicht auf das Brauchtum der Umwelt einlassen. Diese Umwelt wird Gott dereinst um der gottwidrigen Bräuche willen vernichten. Entsprechend gilt heute den Gläubigen die Warnung als dem neuen Gottesvolk, das Gott aus der Knechtschaft unter die Macht der Finsternis und der Sünde herausgeführt hat. Auch wir sollen uns nicht auf die Bräuche und Gepflogenheiten der Welt um uns einlassen, auch wenn sie sich uns geradezu aufdrängen (vgl. Kapitel 5). Wir sollen uns auch nicht durch geschickte Tarnung mit Kreuzschlagen und Anrufen der »drei höchsten Namen« blenden lassen. Es ist Finsternis, auch wenn sie sich verstellt (2. Kor. 11,13 15), und wir sollen uns dieser Welt nicht gleichstellen. Sie vergeht und wird am Ende der Zeit mitsamt der Finsternis von Gott vernichtet werden (Off. 20,12.14.15). Den durch Mose angekündigten Propheten hat er aus dem Volke Israel erweckt: Jesus Christus. An ihn allein sollen wir uns halten. Ihm allein sollen wir gehorchen. Er allein kann uns jederzeit und überall in jeder Lage die Hilfe geben, die wir brauchen. Kapitel II: Befreiung von okkulter Belastung

Eine notwendige Ordnung Ist nach sorgfältiger Prüfung und unter Gebet erkannt, daß jemand unter okkulter Belastung steht

wobei auch hier zu empfehlen ist, daß möglichst zwei Seelsorger sich die Gewißheit haben schenken lassen (Matth. 18,19) so soll im Namen Jesu eine Absage an den Teufel gebetet werden, die mit einer Hingabe an Jesus verbunden ist. Näheres hierzu folgt. O. Michel schreibt: »Es gehört zur Vollmacht Jesu, zur Kraft seines Namens, satanische Macht zu brechen. Aber auch dies Brechen hat seine Ordnung: das Geheiligtsein des helfenden Zeugen (Joh. 17,17 19) und die Willigkeit, die Hilfe anzunehmen. Entscheidend sind a) das Bekenntnis der Schuld, b) die ausdrückliche Buße und Absage, c) das Anrufen des Namens Jesu. Das bloße Sichsträuben bzw. Leidtragen, das gewissensmäßig den satanischen Zerstörungsprozeß begleiten kann, genügt nicht zur Brechung von Gewalt. Wer einen Bund mit dem Satanischen geschlossen hat, muß diesen Bund unter Gegenwart von Zeugen absagen.« Ich führe Näheres hierzu aus meiner Sicht aus. Die Willigkeit des Belasteten Der die Hilfe braucht, der Belastete, wird sicher wünschen, daß ihm die Last genommen wird. Entscheidend aber ist, ob er sie sich von Je¬sus nehmen lassen will. Das setzt voraus, daß er an Jesus glaubt oder zumindest bereit ist, sich Jesus für sein weiteres Leben anzuvertrauen. Der Absage, die er zu beten hat, muß eine Hingabe an Jesus folgen, und die Hingabe muß aufrichtigen Sinnes geschehen. Solange das nicht voll gesichert ist, darf das Absagegebet nicht angeboten werden. Der Seelsorger muß dem Belasteten deutlich sagen, daß er keine Hilfe geben kann, daß Hilfe nur von Jesus kommen könne. Um diese darf gebetet werden, jedoch nicht so sehr aus selbstsüchtigen Gründen (um Befreiung zu erfahren), sondern in erster Linie dazu, daß Jesu Name verherrlicht wird. Ist die Willigkeit, sich von Jesus helfen zu lassen, beim Belasteten nicht vorhanden, so kann die Seelsorge nur mit dem Ziel weitergeführt werden, ihn zum Glauben an Jesus zu führen. Bei der Absage geht es ja auch um Sündenerkenntnis, um echte Reue und Buße, um Bekennen von Schuld. Gegebenenfalls sollte sich für den Belasteten ein Gebetskreis bilden, der (ohne ihn selbst) nur für dieses Nahziel betet. Doch müssen die Glieder des Gebetskreises wissen, daß sie sich damit in einen Kampf mit der Finsternis einlassen. Sie sollen daher, ebenso wie der helfende Seelsorger, geheiligte Gläubige sein. Hat der Seelsorger den festen Eindruck, daß der Belastete sich von Jesus helfen lassen will, aber, eben aufgrund seiner Belastung, das nicht zum Ausdruck bringen kann oder zu bringen wagt, so besteht die Möglichkeit, als erstes die Hingabe an Jesus mit ihm zu beten und erst danach die Absage an den Teufel. Es kann auch sein, daß der Belastete die Worte des Absage¬und des Hingabegebetes die ihm vorzusprechen sind nur schwer, nur zögernd und mit langen Pausen hervorbringt. Dann darf er auf keinen Fall gedrängt werden. Der Seelsorger und anwesende Zeugen müssen in solcher Lage in der Stille Jesus anrufen, daß er dem Belasteten die Kraft und die Fähigkeit zum Gebet zur Absage und zur Hingabe schenke. Das Geheiligtsein der Helfer Jesus betet für seine Jünger (Joh. 17,17 19): »Vater, heilige du sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.« Dies zeigt den großen Unterschied zwischen Jesus und uns. Er allein kann sich selbst heiligen und hat es getan. Wir dagegen müssen, und zwar durch ihn, geheiligt werden. Was unsere Heiligkeit ausmacht, ist die Wahrheit, das Wort Gottes, d.h. Jesus selber. So wie Jesus ganz mit dem Vater verbunden war, müssen wir ganz mit Jesus ver¬bunden sein, wenn wir wahrhaft für ihn wirken können wollen.

Wahrheit ist auch der Gürtel, der als erstes mit der Waffenrüstung Gottes (Eph. 6,14) angelegt werden soll. Nur im festen Gegründetsein in Jesus, im Worte Gottes haben wir den Schutz gegen den, der der Vater der Lüge ist. Dieser legt es stets darauf an, Jesus die Ehre zu nehmen. Da er an ihn selbst nicht heran kann (Joh. 14,30), tut er es in der Weise, daß er sich an Jesu Jünger hält und diese stolz, eingebildet und selbstbewußt macht so, als ob sie das Wunder der Befreiung oder Heilung oder Bekehrung vollbracht hätten oder vollbringen könnten. Damit jedoch verlassen sie den Boden der Wahrheit und verlieren ihre Heiligung. Zum festen Gegründetsein der Jünger Jesu in ihrem Herrn gehört die volle Unterordnung: die volle Hingabe, der volle Gehorsam, die volle Liebe, die alles fahren läßt, auf daß nur er, der Herr, verherrlicht, ihm allein die Ehre gegeben wird. Alles das sind Voraussetzungen, um im Segen für Jesus wirken zu können. Aber erzwungen werden kann besondere Vollmacht nicht. Sie ist nur Gabe und auch nicht Gabe auf Dauer. Sie kann von Jesus gegeben und auch wieder genommen werden. Im allgemeinen führt er Menschen, denen er Befreiung von okkulter Belastung schenken will, zu seiner Zeit einem bevollmächtigten Seelsorger zu. Dieser sollte selbst von okkulter Belastung losgesprochen sein (Matth. 15,14) und durch Geistesleitung erkennen können, daß alles bereit ist (Joh. 16,13). Voraussetzungen beim Belasteten Wie schon eingangs bemerkt, ist Glaube an Jesus als den Erlöser und Herrn erforderlich und die Bereitschaft, von ihm her nicht von einem Menschen die Hilfe zur Verherrlichung seines Namens anzunehmen. Der Seelsorger muß sich hierüber unter Gebet die geistliche Gewißheit schenken lassen, unter Umständen nach Rücksprache und Gebet mit einem anderen Seelsorger. Weitere Voraussetzung beim Belasteten ist die Erkenntnis der okkulten Belastung im eigenen Leben wie bei den Vorfahren. Die Erkenntnis wird selten vollständig sein. Es ist wie bei einer Beichte: nur das, was bekannt ist, ist zu bekennen, das aber wahr und vollständig. Ängstlichem Nachforschen soll der Seelsorger wehren. Aber die Erkenntnis muß mit der Einsicht in die eigene Schuld bzw. Schuldverhaftung verbunden, der aufrichtige Wille zur Buße und Beichte vor Jesus vorhanden sein. Die Absage wird im Einverständnis mit dem Belasteten in Gegenwart von Zeugen gebetet. Die eigentliche Absage und Hingabe Ist die Beichte erfolgt und ist sich der Seelsorger nach Zuspruch der Vergebung im Namen Jesu gewiß, daß alles für die Absage bereit ist, wiederum: ist er sich darüber auch mit einem Bruder oder einer Schwester einig geworden (Mark. 6,7), so darf die Absage gebetet werden. Ich empfehle, daß alle Anwesenden dazu niederknien zum Zeichen, daß sie sich gemeinsam vor Jesus beugen. Das Gebet gliedert sich in vier Teile: a) Vorbereitendes Gebet des Seelsorgers zur Reinigung der Anwesenden durch das Blut Jesu und Bitte um den Schutz seiner Engel zur Bewahrung vor dem Bösen. b) Beten der Absage und der Hingabe durch den Belasteten, wobei der Seelsorger das Gebet in kleinen Abschnitten vorspricht. c) Lossprechung des Belasteten im Namen Jesu durch den Seelsorger . d) Dankgebet des Seelsorgers und (nach Vermögen) auch des ehemals Belasteten und nun Befreiten. Gemeinsames Danklied. Die Gebete zu a) und d) sind freie Gebete des Seelsorgers. Für b) benutze ich folgende Fassung in drei Zielrichtungen (die Schrägstriche zeigen mögliche Unterteilung beim Vorsprechen an): Herr Jesus Christus, in deinem Namen sage ich mich los / vom Teufel und all seinen Werken und all seinem Wesen. / Nichts mehr soll mich an ihn oder seine Mächte binden. Herr Jesus Christus, in deinem Namen sage ich mich los / von je¬dem Einfluß der Macht der Finsternis, / der durch meine Eltern und Voreltern auf mich gekommen ist. Herr Jesus Christus, in deinem Namen sage ich mich los / von allen Dingen des Aberglaubens, / mit denen ich selbst bewußt oder unbewußt zu tun gehabt, / auf die ich selbst bewußt oder unbewußt mein Vertrauen gesetzt habe. Hier ist im einzelnen zu nennen, was der Betende getan und worauf er sich eingelassen hat,

auch was an ihm als Kind geschehen ist. Im übrigen mag auch dies Gebet der Seelsorger in den angegebenen Linien nach eigener Form gestalten. Es geht nicht um eine magische Formel, sondern um ein Beten in Vollmacht. Hieran schließt sich das Hingabegebet, das ebenfalls vom Seelsorger vorzusprechen ist: Ich übergebe mich dir, Herr Jesus, als dein Eigentum / für Zeit und Ewigkeit. / Niemand und nichts anderes soll über mich herrschen, / nur du allein. / Hilf mir bitte, daß ich in deinem Licht wandeln kann. Amen. Auf Absage und Hingabe erfolgt durch den Seelsorger die Lossprechung im Namen Jesu. Sie gehört dazu wie der Zuspruch der Vergebung zu einer Beichte. Ich benutze für c) folgende Fassung: Herr Jesus Christus, du hast deinen Jüngern Weisung und Vollmacht gegeben: Was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein; was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein. Auf dieses dein Wort hin löse ich jetzt in deinem Namen diesen Bruder ... (diese Schwester ... ) von allen Bindungen und Belastungen durch die Macht der Finsternis, in denen er (sie) noch gefangen ist. Ich löse ihn (sie) davon und binde alles, womit er (sie) bisher belastet war, in deinem Namen an dein Kreuz, für Zeit und Ewigkeit. Amen. Im Anschluß an das dann folgende Dankgebet d), das sich etwa an Jesu Zusage ausrichtet »Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei« sollte gemeinsam ein Dank oder Loblied gesungen werden, z.B.: Daß Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht, sein wird die ganze Welt, oder: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude. Sonderfälle Jesus ist Herr, und wenn er auch seinen Jüngern Weisung und Vollmacht gegeben hat, daß sie für ihn wirken sollen, so kann er doch jede Ordnung durchbrechen, um uns deutlich zu machen, daß keine Ordnung Routine werden darf, sondern immer wieder neu von ihm her mit Leben gefüllt werden muß. Man denke an Jesu Haltung gegen¬über den Pharisäern hinsichtlich des Sabbatgebots (Mark. 2,27 28): »Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbat willen. So ist des Menschen Sohn ein Herr auch über den Sabbat.« In diesem Sinne kann es geschehen und ist nach meiner Erfahrung auch geschehen , daß Jesus die Befreiung von okkulter Belastung schon nach der Beichte der belastenden Dinge schenkt oder nach der Beichte aufgrund einer vollmächtigen Fürbitte um Befreiung, ohne daß die Absage und Hingabe nach der hier gegebenen Ordnung gebetet zu werden brauchte. Ist jemand verwünscht oder verflucht worden, so ist dies sowohl in die Absage wie in die Lossprechung ausdrücklich aufzunehmen. Besteht keine Gewißheit darüber, aber eine Vermutung oder Möglichkeit, so ist es demgemäß zu berücksichtigen, etwa in der Form: »Sollte ich verwünscht worden sein oder ein Zauber oder ein Fluch auf mir liegen, so sage ich mich im Namen Jesu davon los. Die Kraft seines Blutes mache Verwünschung, Fluch, Zauber zunichte.« Entsprechendes ist in der Lossprechung zu beten. Ist jemand geistig unmündig, sei es als Kind (bis etwa zum Eintritt der Pubertät) oder als Pflegefall (im hohen Alter oder als geistig Behinderter) und es besteht eine okkulte Belastung oder kann als höchstwahrscheinlich angenommen werden, so kann eine stellvertretende Absage und Hingabe erfolgen. In dem Gebet zu b ist jeweils hinter sage ich mich los< einzufügen: >stellvertretend für unter Nennung des Namens. Bei der Hingabe bete man: Ich übergebe dir, Herr Jesus, mein Kind . . . (meine Mutter. . . , mein Patenkind . . . ) als dein Eigentum für Zeit und Ewigkeit. / Niemand und nichts anderes soll über sie (ihn) herrschen, / nur du allein. Die stellvertretende Absage und Hingabe können Familienglieder vollziehen, die selbst abgesagt haben und losgesprochen sind und möglichst in auf oder absteigender Linie mit dem Unmündigen verwandt sind, jedenfalls in sehr naher Beziehung zu ihm stehen. Eigene Erfahrungen

Ich gebe keine Beispiele aus der Seelsorge, weil das Gebeichtete ein für alle Mal im großen Meer der Liebe Gottes versenkt ist. Ich beschränke mich auf meine Person; es geht mir um das Handeln Jesu. Sehr eindrücklich ist mir seine strikte Beachtung des Geheiligtseins des helfenden Zeugen geblieben. Ich hatte zusammen mit einem Bruder in Christus einem kranken Menschen nach Jak. 5,14 die Hände aufgelegt und um Gesundung gebetet, aber die Erhörung wurde nicht geschenkt. Nach einiger Zeit wurde mir bewußt, daß ich eine unvergebene Schuld mit mir herumtrug. Ich bereinigte sie vor Gott und Menschen, etwa drei Monate nach jenem Heilungsgebet. Am gleichen Tage trat die Gesundung ein, wie ich später erfuhr. Durch recht demütigende Umstände wurde ich selbst zu einem Absagegebet geführt. Nach dem Tode meines Vaters nahmen meine Frau und ich meine damals 86jährige Mutter zu uns. Die Hauptlast der Pflege lag auf meiner Frau. Aber auch mir oblag manches Schwere, vor allem des Nachts, wo eine motorische Unruhe meine Mutter in der Wohnung umhertrieb und stets zu befürchten war, daß sie fortlief, ohne zu wissen, woher und wohin. Eine Cerebralsklerose hatte ihr das Gedächtnis fast ganz genommen. So saß ich nachts Stunden bei ihr, um sie mit Beten und Singen zu beruhigen. Das zermürbt, wenn es über Monate Nacht für Nacht geschieht und dabei die berufliche Tagesarbeit voll durchgestanden werden muß. Obgleich ich schon lange im Glauben stand und oft zu Diensten für Jesus herangezogen wurde, brachte ich bei dieser nervlichen Belastung nicht die notwendige Geduld und Freundlichkeit auf, um immer liebevoll auf meine Mutter einzugehen. Ich begann zu murren und mit ihr zu hadern! Darüber zutiefst erschrocken und unglücklich schrie ich zu Jesus, immer wieder. Und eines Nachts erhörte er mich spontan: Durch einen Telephonanruf von dritter Seite bahnte er mir den Weg zu dem Seelsorger, den ich in meiner Situation brauchte. Bei ihm habe ich gebeichtet und die Absage und die erneute Hingabe gebetet. Meine okkulten Belastungen (Vater war Freimaurer, ich selbst als Soldat und als Beamter unter Hitler auf diesen vereidigt, als Stu¬dent Teilnehmer bei Tischrücken, Telepathie u.a.) hatten mich nicht gehindert, zum Glauben an Jesus zu kommen und für ihn zu wirken. Aber als es zu einer Zerreißprobe kam, zeigte sich mit Ungeduld, Unfreundlichkeit, Lieblosigkeit, häßlichen Gedanken u.a. das alte natürliche Wesen bei mir. Doch Jesus hat mir nicht nur die Gelegenheit gegeben, das zu erkennen und zu bereuen, sondern auch die Möglichkeit, davon frei zu werden. Bei dem gleichen Seelsorger hatte ich noch an dem Tage meiner eigenen Absage und Hingabe auch eine stellvertretende Absage und Hingabe für meine (bereits wieder unmündige) Mutter gebetet. Und auch sie wurde frei! Ruhig und ungestört verliefen von da an die Nächte. Sie lebte noch viele Jahre bei uns, bis sie mit 94 Jahren heimgehen konnte. Nur die körperliche Pflege war noch zu leisten. Auch dazu gab Jesus Kraft. Meine Frau und ich danken es ihm, daß er uns durch diesen Dienst viel lernen ließ. Noch einiges Grundsätzliche Im Anschluß an die beiden letzten Kapitel könnten einige Fragen auftauchen, auf die ich zum Schluß noch eingehen möchte. 1. Soll man überhaupt davon reden, von okkulter Belastung und Absage? Macht man damit nicht unnötig Angst? Gewiß kann es Angst bereiten, wovon hier die Rede war. Nicht davon reden, hieße aber, vor einer konkreten Bedrohung den Kopf in den Sand stecken. Jesus sagt uns: »In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden« (Joh. 16,33). Und meine Ausführungen sollen im Grunde nur dieses Wort Jesu bestätigen, daß alle Ängste, die im Zusammenhang mit okkulten Mächten auftauchen könnten, in ihm bereits zur Ruhe gekommen sind. 2. Muß man unbedingt ein Absagegebet beten, wenn ein Verdacht oder eine Möglichkeit von

okkulter Belastung besteht? Nein, keineswegs! Das Beten von Absage und Hingabe ist kein theologisches »superadditum«, das noch zum Glaubensentscheid für Jesus dazukommen müßte, um das ewige Leben zu erhalten. Der Glaube allein genügt. Das sagt uns die Bibel mehr als einmal: »Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben« (Joh. 3,36). »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen« (Joh. 5,24). » Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben« (Joh. 6,47). »Denn so du mit deinem Munde bekennst Jesus, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet« (Röm. 10,9). Unter den an Jesus Glaubenden waren und werden stets viele sein, die trotz einer möglichen okkulten Belastung allein durch den Glauben und das Wirken Jesu an ihnen von jeder Belastung frei wurden und werden. Man denke an Jesu Wort (Joh. 15,3): »Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe«. 3. Warum dann überhaupt ein Absagegebet? Die Antwort gibt das Wort Jesu, das ich der Einleitung zugrunde gelegt habe: »Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen« (Joh. 10,10). Was das bedeuten mag, habe ich dort ausgeführt. Es gibt viele Gläubige, die in ihrem Glaubensleben mit wenigem zufrieden sind, wo sie doch Leben und Freiheit in Fülle durch Jesus haben könnten. Und Jesus wiederum sucht Jünger, die er beauftragen und senden kann. Daran liegt es, daß er immer wieder einzelnen nachgeht, sie die Belastung erkennen läßt und einem bevollmächtigten Seelsorger zuführt. 4. Soll man, wenn man bereits abgesagt hat, später aber neue okkulte Umstände aus dem eigenen Leben erfährt (oder aus dem der Vorfahren), noch einmal eine Absage beten? Nein, keineswegs! Die erste Absage genügt; sie stellt eine Aufkündigung an den alten Herrn dar, den Fürsten der Welt, die einmal vollzogen ein für alle Mal gültig ist und bleibt. In sie ist auch das Neue, das man erst hernach erfahren hat, eingeschlossen. Es hieße, den Teufel zu wichtig nehmen und ihm Ehre geben, wollte man sich ihm erneut zuwenden, wenn auch nur mit einer Absage. Erforderlich ist nur die Beichte das Bekenntnis der neuen Umstände und der Zuspruch der Vergebung – so wie eine neue dankbare Hingabe an Jesus. Im Gegensatz zur Absage kann die Hingabe an Jesus immer wieder gebetet werden. Wie Braut und Bräutigam sich oft ihrer Zuneigung versichern, so darf jedes Glied der Brautgemeinde immer wieder dem Bräutigam seine Liebe bekennen. 5. Gibt es eine biblische Weisung, eine Schriftstelle für ein Absagegebet? In expliziter Form nicht, wohl aber der Sache nach. Zunächst ist aus der frühen Christenheit bekannt, daß sie bei Gläubiggewordenen, die aus dem Heidentum zu Jesus fanden, im Zusammenhang mit der (Erwachsenen )Taufe geübt wurde. Ich möchte annehmen, daß diese Übung bis in die erste Generation, d.h. bis zu den Aposteln zurückreicht, wie vielleicht aus dem Vorgang in Ephesus zu entnehmen ist (Apg. 19,18-19). Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde eine Form der stellvertretenden Absage auch bei der Kindertaufe vollzogen, indem der Priester oder Pfarrer den Täufling im Namen Jesu durch die Taufe aus dem Machtbereich der Finsternis herauslöste und in das Reich des Sohnes versetzte. Die evangelische Kirche hat seit dem vergangenen Jahrhundert mehr und mehr von dem ersten Akt (der Herauslösung im Namen Jesu) abgesehen, da Existenz und Wirksamkeit von Teufel und Finsternismächten mehr und mehr bezweifelt und schließlich weithin geleugnet wurden. Die biblische Grundlage für das Absagegebet scheint mir die (in diesem Zusammenhang geistlich zu deutende) Mahnung zu sein (2. Kor. 6, 14 17): »Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das

Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? ... Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret kein Unreines an, so will ich euch annehmen.« Das »fremde Joch« ist die Herrschaft, die der Fürst der Welt bei den Menschen ausübt. Der Gläubige soll sich davon trennen, wobei - genau wie das »Joch« - Trennung und Absonderung rein geistlich zu verstehen sind. Der Glaube an Jesus ist bereits geschenkt, aber Bindungen an den alten Herrn noch nicht oder nicht vollständig gelöst. Deshalb werden wir als Gläubige aufgefordert, klare Verhältnisse in unserem geistlichen Stande zu schaffen und die Trennung zu vollziehen. Das geschieht durch die Absage an den alten Herrn und die Hingabe an den neuen Herrn. Die Hervorhebungen habe ich vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Januar 2009-01-05 info@horst-koch.de www.horst-koch.de Weitere Informationen zum Thema Okkultismus:

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful