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W+W-Disk.-Beitr.

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Gentechnik, Klonen ...


Moderne Biotechnologie und ethische Herausforderung
von Harald Binder

Gentechnik und Klonen gehören zu den Begriffen, die in unseren Tagen – wie wenig andere –
dazu geeignet sind, heiße und kontroverse Diskussionen auszulösen. Häufig verlaufen diese so,
daß Pro und Kontra aufeinandertreffen, ohne daß eine differenzierte Auseinandersetzung ge-
lingt. Für die einen sind mit Gentechnik und Klonen Vorstellungen wie Fortschritt, technische
Spitzenleistung, Hoffnung im Kampf gegen Krankheiten, Sicherstellung der Welternährung
verbunden, während sie anderen als Synonym für menschliche Überheblichkeit, Anmaßung,
moderne Zauberlehrlingsversuche gelten.
Auffällig ist, daß die Begriffe aus der Biotechnologie bei vielen Zeitgenossen Ängste auslö-
sen. Diese Ängste gehen meist mit einer erstaunlichen Unkenntnis über die zugrunde liegenden
naturwissenschaftlichen Zusammenhänge einher. Schärfer formuliert könnte man feststellen,
daß viele Diskussionen von wenig Sachkenntnis gekennzeichnet, dafür aber von ausgeprägter
Radikalität getrübt sind.
Mit diesem Diskussionspapier sollen einige Grundkenntnisse zu den genannten Biotechni-
ken verständlich dargestellt und an ausgewählten Beispielen erläutert werden. Darüber hinaus
wollen wir uns den ethischen Herausforderungen durch diese Techniken stellen und mögliche
Lösungswege auf der Basis schöpfungstheoretischer Überlegungen skizzieren. Wir sind uns
angesichts der Komplexität des Themas und der vielfältigen bereits vorgestellten ethischen
Ansätze der Begrenztheit dieses Versuchs deutlich bewußt. Durch die Anwendung dieser
Techniken in der Nahrungsmittelproduktion und in der Medizin kommen jedoch sehr viele
Menschen direkt damit Berührung und müssen Entscheidungen treffen. Diese Tatsache zeigt
uns die Notwendigkeit, ein solches Unternehmen zu wagen.

Gentechnik: Was hat sie zum Gegenstand? alle bisher untersuchten Organismen, d.h. in allen Lebe-
wesen finden wir diese verdrillte Strickleiter. In Bakterien
Wir wollen uns zunächst der Gentechnik zuwenden und
liegt sie verknäult und unverpackt in der Zelle, außerdem
deren Gegenstand ins Blickfeld bekommen.
kommt in vielen Bakterien noch ein kleines kreisförmig
Der Zellkern fast jeder menschlichen Zelle enthält 46 geschlossenes Leiterstück (Plasmid) vor. In pflanzlichen
Chromosomen. Gelegentlich treten Chromosomen- und tierischen Zellen ist die DNS in den Chromosomen
Anomalien auf, z. B. Trisomie 21 (3 anstatt 2 Exemplare auf Histonen aufgespult und im Zellkern separat verpackt.
des Chromosoms 21 und damit verknüpft das Down- Die Gentechnik hat nun diese für jedes Lebewesen
Syndrom). charakteristische Strickleiter DNS zum Gegenstand.
In diesen Chromosomen ist ein dünner Faden auf
vielen kleinen Spulkörpern aufgewickelt. Dieser Faden, Was ist Gentechnik?
die DNS (Desoxyribonukleinsäure; engl. DNA), weist ei- Unter natürlichen Bedingungen treten gelegentlich Verän-
nen Durchmesser von 2 nm auf (d.h. 500.000 solche Fä- derungen (Mutationen) in der Abfolge der DNS-Bausteine
den dicht nebeneinander gelegt ergeben 1 mm), die Ge- auf. Wir kennen verschiedene Arten solcher Mutationen,
samtlänge der Fadenstücke eines Chromosomensatzes be- die z. B. auch in unserem Körper durch fehlerhaftes Ko-
trägt 1 m. Der charakteristische Aufbau dieses Fadens ist pieren der DNS bei Zellteilungen vorkommen. In der Na-
bis in die atomaren Bestandteile bekannt. Man kann ihn tur werden Erbinformationen aber auch gezielt manipu-
sich wie eine Strickleiter vorstellen, die ähnlich wie eine liert. Grundlegende Prozesse, die in der Gentechnik An-
Kordel mehrfach verdrillt ist (Doppelhelix). Die Strick- wendung finden, wurden an einem Bodenbakterium beob-
leiter in unseren Zellen weist etwa 3 Milliarden Sprossen achtet und untersucht.
auf, die in 4 unterschiedlichen Ausfertigungen (den 4 ver- Dieses Bodenbakterium (Agrobacterium tumefaciens)
schiedenen Basen) vorkommen. dringt unter natürlichen Bedingungen in eine mechanisch
Wenn wir beim Vergleich von Kindern mit deren El- verletzte Steckrübe ein und gelangt über die Rübenzellen
tern oder anderen Verwandten charakteristische, nicht zu- in deren Zellkern bis zur in der DNS niedergelegten Er-
fällige Ähnlichkeiten feststellen, so hat das etwas mit die- binformation. Dort angekommen entfaltet es seine gen-
ser verdrillten Strickleiter zu tun, denn dort ist die Erbin- technische Aktivität, indem es die DNS-Sequenz (Abfolge
formation niedergelegt. Die Erb- oder genetische Infor- der Leitersprossen) manipuliert. Dazu bedient es sich be-
mation ist in der Abfolge der Leitersprossen fixiert. So stimmter bakterieneigener Werkzeuge. Mit Hilfe „mole-
wie in unseren Computern die Information in Abfolgen kularer Scheren“ (biochemisch: Restriktionsenzyme oder
der Ziffern 0 und 1 (Binärcode) fixiert ist, so ist in der Endonukleasen) wird die Strickleiter der Rübenzellen an
DNS die genetische Information in der Abfolge der 4 un- ganz spezifischen Positionen durchtrennt, ganze Teile her-
terschiedlichen Sprossenelemente festgelegt. Diese Art der ausgeschnitten und bakterielle Erbinformation mittels
Speicherung von genetischer Information ist typisch für „molekularer Klebstoffe“ (biochemisch: Ligasen) einge-

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
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fügt. Für die Rübenzellen hat dies zur Folge, daß sie nun schädlichen Mikroorganismen an Lebensmitteln (z.B.
nicht mehr ihr eigenes, für sie typisches Programm abar- Schimmelpilze).
beiten, sondern ein verändertes. Sie sind vom Bakterium • In der Medizin findet die Gentechnik in der Diagno-
so manipuliert und umprogrammiert worden, daß sie jetzt stik und in der Therapie Anwendung. Notwendig dafür ist
für den Lebensunterhalt des Bakteriums arbeiten, indem die Kenntnis der genetischen Information, d.h. die Se-
sie ihm sehr gute Lebensbedingungen für Ernährung und quenz der ca. 3 Milliarden DNS-Basen.1 Obwohl erst ein
Vermehrung schaffen. Äußerlich, an der Gestalt der Teil der Erbinformation des Menschen bekannt ist, befin-
Steckrübe macht sich das durch sogenannte Wurzelhals- den sich in Datenbanken mehrere tausend Einträge über
wucherungen bemerkbar. Dieses Agrobacterium ist also Abweichungen in der menschlichen DNS-Sequenz und
insofern ein Gentechniker, als es die Erbinformation eines damit korrelierende Krankheitsbilder. Diese Erkenntnisse
anderen Lebewesens zielgerichtet verändert, so daß dieses können in der Diagnostik angewendet werde. So kann
nicht mehr sein eigenes, für ihn typisches Programm aus- man heute genetische Veranlagungen für Brustkrebs oder
führt. Alzheimer feststellen oder auch den erblichen Veitstanz
Bei der Gentechnik handelt es sich also nicht um ei- (Chorea Huntington) pränatal (vor der Geburt) sicher dia-
ne originelle menschliche Erfindung. Vielmehr macht gnostizieren. Da bis auf sehr wenige Ausnahmen die dia-
der Mensch Prozesse nach, die ihm die Natur vorführt. gnostizierten Krankheiten nicht therapiert werden können,
Durch umfangreiche Untersuchungen konnten einige der werden in der Folge sehr viele menschliche Föten nach ei-
molekularen Werkzeuge, welche Mikroorganismen für die ner entsprechenden Diagnose abgetrieben. Eigentliche
genetische Manipulation anderer Lebewesen einsetzen, Gentherapien sind bis heute nicht erfolgreich etabliert.
soweit erforscht werden, daß wir in der Lage sind, diese Jörg T. Epplen schreibt: „Die Scherenarme von Gendia-
Werkzeuge zum Erreichen von durch uns definierten Zie- gnostik und -therapie werden sich in den nächsten Jahren
len zu verwenden. also wohl noch etwas weiter öffnen.“
Die Tatsache, daß Genmanipulation ein in der Natur Für die Produktion von Pharmazeutika sind bereits ei-
zu beobachtender Vorgang ist, stellt allerdings an sich nige gentechnische Verfahren erfolgreich eingeführt. So
noch kein brauchbares Argument zur generellen Rechtfer- wird Insulin für Zuckerkranke seit Mitte der achtziger Jah-
tigung der Anwendung dieser Technik dar, wie weiter re mit Hilfe gentechnisch veränderter Bakterien herge-
unter noch auszuführen sein wird. stellt. Mehr als 80 % des zur Therapie eingesetzten Insu-
In der Gentechnik werden die verschiedenen Werk- lins wird auf diese Weise produziert. In der Bundesrepu-
zeuge (Enzyme), die vorwiegend aus Mikroorganismen blik Deutschland sind derzeit mehr als 30 verschiedene
gewonnen werden, eingesetzt. DNS-Abschnitte werden gentechnisch hergestellte Medikamente zugelassen.
bereits routinemäßig von computergesteuerten Synthese-
Klonen – was ist das?
Automaten hergestellt.
Eine besondere Herausforderung für die Gentechnik Klone (gr. = Steckling, Zweig) sind Pflanzenfreunden aus
stellt der effektive Transport der Erbinformation in die der Zucht bekannt. Viele Pflanzen kann man aus Pflan-
Zielzelle und dort das korrekte Positionieren in der DNS- zenteilen (z.B. einem Blatt) rekultivieren. Wir reden dann
Strickleiter dar. z.B. bei Erdbeeren von Ablegern. Diese Pflanzen sind da-
durch gekennzeichnet, daß sie dasselbe Erbgut aufweisen
Wo wird Gentechnik heute eingesetzt? wie die Herkunftspflanze. Klone sind also hinsichtlich ih-
Hier seien Beispiele aus zwei Bereichen genannt: aus der res Erbguts identisch. Weitere aus dem Alltag bekannte
Nahrungsmittelproduktion und der Medizin. Klone sind Kartoffeln (sie stammen alle von der Mutter-
• In der Produktion von Nahrungsmitteln werden kartoffel und haben identisches Erbgut). Wenn Kultur-
Manipulationen am Erbgut von Pflanzen und Tieren vor- pflanzen z.B. für Tafelobst mit Stecklingen veredelt wer-
genommen, mit dem Ziel der Ertragssteigerung, der größe- den, dann erntet der Apfelbauer Klone.
ren Resistenz gegen verschiedenste Schädigungen, der Eineiige Zwillinge haben identisches Erbgut, denn sie
Anpassungen an weniger geeignete Lebensräume, usw. sind aus einer einzigen befruchteten Eizelle entstanden
Bei uns sind z.B. gentechnisch veränderte Soja- und sehen sich deshalb so auffallend ähnlich. Biotech-
Produkte auf dem Markt. Die Soja-Pflanze wurde gegen nisch gesprochen handelt es sich bei eineiigen Zwillingen
ein Herbizid resistent gemacht. Bei Mikroorganismen um Klone.2
hatte man die Eigenschaft der Resistenz gefunden, und sie Die auf diesem Vorgang beruhende Technik des Klo-
dann aus diesen auf die Soja-Pflanze übertragen. Gen- nens (Embryosplitting) ist bereits seit langem bekannt und
technisch veränderte Zuckerrüben (Herbizidresistenz) wird in der Forschung systematisch angewendet. Auch in
weisen eine veränderte Erbinformation auf, der daraus
1
gewonnene Zucker unterscheidet sich allerdings in keiner In einem weltweit koordinierten Forschungsprojekt wird unter der
Weise von demjenigen, der aus einer konventionellen Bezeichnung Human Genome Project (Menschliches Genom-
Zuckerrübe gewonnen wurde. In der sogenannten „Anti- Projekt) seit 1990 versucht, die gesamte menschliche Erbinforma-
tion zu entschlüsseln. Bis zum Jahr 2005 soll das Projektziel er-
matsch-Tomate“ (sie bleibt ausgereift länger bißfest) hat reicht sein.
man die Erbinformation der Tomate so verändert, daß die 2
Sie entstehen, weil von der befruchteten, sich teilenden Eizelle
Bauanleitung für das Enzym, das den Prozeß des Mat- während der ersten Teilungsvorgänge sich eine Zelle (oder mehrere
schigwerdens verursacht, unleserlich gemacht worden ist. Zellen) abtrennt. In dieser ganz frühen Phase sind alle Zellen eines
Auch Nahrungsmittel, bei deren Herstellung gentechnisch Embryos in der Lage, zu einem kompletten Organismus heranzu-
wachsen (man spricht von totipotenten oder pluripotenten Zellen).
hergestellte Enzyme zum Einsatz kamen, werden bei uns
Diese Fähigkeit verlieren die Zellen nach einigen Teilungsvor-
ohne Kennzeichnung angeboten. Wertvolle Dienste leisten gängen, sie spezialisieren sich, und obwohl sie die gesamte Erbin-
Erkenntnisse aus der Gentechnik und deren Anwendung formation in sich tragen, sind sie bereits nach wenigen Zellteilun-
bei der Identifikation und Handhabung von nützlichen und gen auf einen bestimmten Zelltyp festgelegt.

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der Nutztier-Produktion werden solche Techniken einge- Die Diskussion ist seit Jahren im Gange und zeigt vor
setzt. allem eines: es ist angesichts der Komplexität des The-
Für viele ist Klonen durch das Schaf Dolly ins Be- menfeldes moderer Biotechnologie, der unterschiedlich-
wußtsein gerückt worden. Die Besonderheit an diesem in sten konkreten Fragestellungen und Erwartungen auch bei
Schottland geklonten Schaf liegt darin, daß es hier gelun- bester Absicht bisher nicht gelungen, durch eine Diskurs-
gen ist, aus bereits spezialisierten Zellen (Epithelzellen Ethik allgemein befriedigende Leitlinien zu formulieren,
des Euters) eines erwachsenen Lebewesens einen gene- die für alle an der Diskussion Beteiligten akzeptabel sind.
tisch identischen Nachkommen zu produzieren. Dieses Ist die philosophische Diskussion überhaupt das ge-
Experiment ist in jüngster Zeit mit Rindern (in Japan) und eignete Mittel, um die Fragestellung mit Aussicht auf Er-
mit Mäusen (auf Hawaii) unter Anwendung ähnlicher folg zu bearbeiten, haben wir überhaupt Alternativen? Be-
Technik erfolgreich wiederholt worden. vor wir noch einmal ansetzen sei zunächst daran erinnert,
Der Gegenstand beim Klonen ist ein Lebewesen mit daß die Frage nach der Ethik kein Spezifikum moderner
seiner kompletten Erbinformation, es wird keine Manipu- Biotechnik, der Technik überhaupt oder doch wenig-
lation am Erbgut vorgenommen, deshalb hat diese Tech- stens der modernen Technik ist, sondern eine zentrale
nik nichts mit Gentechnik zu tun. typisch menschliche Frage im Blick auf sein Verhalten
Manche Forscher denken laut darüber nach, ob man und Tun. D.h. es handelt sich hier nicht um ein Spezial-
mit der Technik des Klonens in Zukunft Schwierigkeiten problem, sondern um eine grundsätzliche Fragestellung.
im Zusammenhang mit Organtransplantationen (Organ- Die Schwierigkeiten der Beantwortung deuten ein gene-
mangel, Abstoßungsreaktionen von körperfremdem Ge- relles Problem bei der Bewertung unseres Tuns an.
webe) verringern könnte. Das Klonen von Menschen ist in Wir versuchen die ethischen Fragen schärfer zu stellen
Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. und zu bedenken unter dem Begriff der Verantwortung.
Wir setzen ein mit einem Gedanken von Wilhelm Wei-
Was soll erlaubt, ethisch vertretbar sein? schedel, der in seiner Dissertation („Über die Verantwor-
In allen Bereichen der Anwendung bedürfen die Ziele ei- tung – Ein Versuch“) deutlich macht, daß man von Ver-
ner gründlichen Reflexion und Begründung. Unser Wis- antwortung nicht in einer abstrakten Weise reden kann,
sen um mögliche Folgen bei Eingriffen in hochkomplexe sondern nur in einer ganz konkret zu beschreibenden Kon-
Zusammenhänge ist beschränkt. Was aber sollen die Kri- stellation zwischen zwei Personen, die des Redens und
terien, die Randbedingungen für entsprechende Entschei- Hörens, d.h. des Umgangs mit Worten fähig sind. Wir
dungsfindungs-Prozesse sein? können diesen Gedanken insofern erweitern, daß wir die
Das sind Fragen, die von unterschiedlichsten Perso- Beziehung der beiden Personen genauer beschreiben; da-
nengruppen, aus verschiedensten Motivationen und z.T. bei sollen diese beiden Personen einander hierarchisch
entgegengesetzen Absichten gestellt werden. Eine sensi- zugeordnet sein. Uns ist diese Beziehungskonstellation
bilisierte Öffentlichkeit bringt darin ihre Ängste zum Aus- z.B. im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren vertraut.
druck, manche mit dem Ziel, möglichst alles in den hier Der Angeklagte muß sich vor Gericht verantworten, er
thematisierten Bereichen zu unterlassen. Menschen in der muß auf die Fragen Antwort geben, denn für den Fall sei-
Forschung wollen den Freiraum erkunden, in dem Expe- ner Weigerung hat das Gericht Macht, mit entsprechenden
rimente vertretbar sind, und Politiker erhoffen sich durch Konsequenzen zu reagieren.
Expertenanhörungen die nötige Kompetenz zur Formulie- Es ist nun denkbar, ein ganzes Gefüge von hier-
rung von gesetzlichen Rahmenrichtlinen. archisch geordneten Beziehungen pyramidenartig zu kon-
Dieses Fragen findet seinen Niederschlag unter ande- struieren, in welchem Verantwortung entsprechend dem
rem in sogenannten Ethik-Kommissionen an Universitä- eben skizzierten Beispiel realisiert werden kann. Dieses
ten, anderen Forschungseinrichtungen und in der Politik. Modell hat einen großen Schwachpunkt und dieser befin-
Diese Kommissionen haben den Auftrag, Wissenschaft- det sich an der Spitze der Verantwortungspyramide. Die
lern, Ärzten und weiteren Anwendern für ihre Experi- Person, die die Spitzenposition in der Pyramide einnimmt,
mente Leitlinien, Orientierungs- und Entscheidungshilfen kann völlig willkürlich handeln und entscheiden, sie ist
an die Hand zu geben. Im politischen Umfeld nehmen wir gegenüber niemand mehr verantwortlich. Wir haben ein
die Diskussionen um verschiedene Formulierungen für Modell für eine Diktatur entworfen, in der Verantwortung
Ethik-Konventionen und Anträge von Gen-Schutz- realisiert wird, aber wir wissen auch aus geschichtlicher
Initiativen wahr. Erfahrung um die katastrophalen Folgen. Der Schwach-
Die ethischen Fragestellungen wie: Was ist gut? Was punkt kann überwunden werden, wenn die Person an der
soll ich tun? Wie soll ich mich verhalten? Wie sind Spitze der Verantwortungspyramide (oder aber auch jede
Handlungen zu bewerten? werden an den Universitäten Person) in eine Verantwortungsbeziehung gebracht wird,
üblicherweise in der Philosophie behandelt. Ein aktueller die über jede menschliche Beziehung hinausgeht, eine Be-
methodischer Lösungsansatz wird in der Philosophie mit ziehung, die in der Metaphysik verankert ist.
der „Diskurs-Ethik“ angeboten. Man versucht in einer
zwanglosen Diskussion ohne feste vorgegebene, allge- Ansätze zu biblisch fundierter Verantwortung
meingültige, zeitlose Normen Kompromisse für konkrete Der in der Bibel sich offenbarende Gott gibt sich darin für
Handlungsanweisungen zu formulieren, die sicherstellen den, der es wahrnimmt, als diese letzte Instanz zu erken-
sollen, daß menschliches Leben auf dieser Erde auch in nen. Er ist derjenige, vor dem sich jeder Mensch rechtfer-
Zukunft möglich sein soll.3 tigen muß für alle seine Taten und alle seine Worte. Die-

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Ich möchte ihn kurz durch ein Zitat von Jens Reich (Moleku- rauf, daß nur ein ergebnisoffener Diskurs die Ethik der Verant-
larmediziner und ehemaliger Kandidat für das Amt des Bunde- wortung ermöglicht, deren Handlungsmaxime nach Hans Jonas die
spräsidenten Deutschlands) charakterisieren: „... Ich beharre da- Permanenz menschenwürdigen Lebens auf diesem Planeten ist. ...“

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sem Gott gegenüber ist eine Letztverantwortung möglich,
ja sie ist, so sagt es die Bibel, von jedem Menschen gefor- Mögliche Konsequenzen
dert. Müssen wir von Gentechnik und Klonen nicht die Fin-
ger lassen, weil wir damit in Gottes Schöpfung pfu-
Gott gibt sich den Menschen als ein lebendiger Gott
schen?
zu erkennen, als eine Person, mit der persönliche Begeg-
Wir Menschen wirken uns, wo wir leben, immer (seit 1.
nung und Kommunikation möglich ist. (Nach biblischen
Mose 3) auch destruktiv auf unsere Umwelt aus. In Gottes
Aussagen haben diese Begriffe von Gott her ihre Bedeu-
Schöpfung haben wir auch durch Anwendung klassischer,
tung.) Gott gibt dem Volk Israel konkrete ethische Leitli-
in der Regel weniger hinterfragter Techniken hineinge-
nien, deren Zusammenfassung wir in den Zehn Geboten
pfuscht. Die Anwendungen der Züchtung im Tier- und
kennen. Wichtig aber ist die Einleitung zu den Geboten:
Pflanzenreich haben uns manche Annehmlichkeit be-
Ich bin der Herr, dein Gott, der... (in der Geschichte an
schert, aber nicht selten auch ihren ökologischen Preis ge-
dir, mit dir und für dich gehandelt hat.)
kostet.
Für einen schöpfungstheoretischen Ansatz zu den an- Wir haben einen Herrschafts- und Verwaltungsauftrag
stehenden ethischen Fragestellungen scheinen uns folgen- Gottes in seiner Schöpfung, der bis heute – trotz unserer
de Aussagen grundlegend zu sein: hinlänglich erwiesenen Unzulänglichkeit – von Gott nicht
eingeschränkt oder zurückgenommen worden ist. Das aus-
Jeder Mensch und alle anderen Lebewesen sind Ge-
schließlich gute Handeln ist Illusion. Wir sollten diesem
schöpfe Gottes.
Auftrag nachkommen, nicht indem wir aufgrund vereinfa-
• Sie sind nicht unserer Verfügungsgewalt unterstellt chenden Überlegungen die mögliche Handlungen unter-
und jede Handlung an und mit ihnen muß vor dem Schöp- lassen, sondern indem wir uns den Herausforderungen
fer verantwortet werden. Welcher Grad von Gesundheit moderner Techniken stellen, uns damit gründlich und dif-
(Was ist Gesundheit?) und welche Qualität der Lebens- ferenziert auseinandersetzen und dann ganz nüchtern und
mittel (nach welchen Kriterien?) ist erstrebenswert? Was bescheiden – im Wissen um unsere begrenzte Erkenntnis –
soll das Ziel von Verbesserungs- und Optimierungsstrate- in der Verantwortung vor Gott handeln.
gien sein? Das sind Fragen, für deren Beantwortung wir
nach dieser Sichtweise nicht natürlicherweise eine Kom- Sollte man die Anwendung der Gentechnik und des
petenz besitzen. Nur zu häufig setzen wir neuere Techni- Klonens nicht so lange verbieten, bis man die Konse-
ken ein, um Fehlentwicklungen und Schäden zu verrin- quenzen klarer erkennt?
gern, die wir durch Anwendung älterer verursacht haben Diese Forderung ist insofern illusionär, als all unser Han-
und nicht selten verursachen wir damit neue Probleme. deln, auch das Unterlassen von Handlungen, risikobehaf-
Die gesamte Schöpfung hat durch die Emanzipation tet ist. Wir können die Folgen unseres Tuns immer nur
des Menschen von Gott, seinem Schöpfer, den ihr zuge- begrenzt abschätzen. Wenn wir erst handelten, wenn wir
dachten Sinn verloren, sie hat die ursprünglich sehr alles wüßten, wären wir zum Nichtstun verdammt. Ist es
gute Qualität eingebüßt. verantwortbar, die technischen Möglichkeiten im Bereich
der Herstellung von Medikamenten (Bsp. Insulin) und des
• Die Schöpfung an sich, in ihrem jetzigen realen Zu- Umweltschutzes (z.B. verringerte Aufwandsmengen an
stand, bietet keine Orientierungshilfe. Die Natur kann Pflanzenschutzmitteln durch gentechnisch manipulierte
nicht maßgeblich sein. Der Mensch als Sünder ist zu gu- Kulturpflanzen) nicht anzuwenden?
tem Handeln, ohne den Schatten des Destruktiven, des
Bösen, seit 1. Mose 3 grundsätzlich nicht mehr in der La- Darf man Menschen klonen?
ge. In diesem Rahmen erfolgt die Anwendung aller Tech- Das ist nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz ver-
nik, auch der modernen Biotechnik. boten. In anderen, auch in europäischen Ländern gibt es
Gott handelt trotz des Falls des Menschen rettend davon abweichende Handhabungen (in Großbritannien
und erhaltend an seiner Schöpfung und wird sie beispielsweise ist die Forschung an menschlichen Em-
schließlich in einer neuen Schöpfung vollenden. bryonen 14 Tage lang möglich; in dieser Zeit könnte man
Klone durch Embryosplitting erzeugen). Uns ist gegen-
Unser ganzes Handeln kann in dieser Perspektive bei wärtig kein Argument bekannt, das zu einer positiven Be-
aller Begrenztheit und bei allem destruktiven Charakter antwortung dieser Frage führen würde. Die erhoffte Er-
einen Sinn gewinnen. Das fortdauernde, in die Vollen- leichterung bei Organtransplantationen durch Organgewe-
dung mündende Handeln Gottes bewahrt uns vor Resi- be aus geklonten Menschen würde durch Mißachtung des
gnation. geklonten Individiums bezahlt.
Mit der Anwendung der Technik durch uns Menschen
wird ausschließlich positives Handeln (z.B. Sicherstellung
der Ernährung der Weltbevölkerung durch die Anwen-
dung der Gentechnik) Illusion bleiben. Wir sind aufgefor- Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert wer-
dert, uns in dieser Welt der Vorläufigkeit in der Hoffnung den bei: SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiers-
auf Gottes Rettungshandeln mit unseren begrenzten (tech- bronn, Tel. 0 74 42 / 8 10 06 (Fax 8 10 08), oder bei W+W-
nischen) Möglichkeiten zu engagieren. Medienstelle, Heimgarten 2163, CH-8180 Bülach.
Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
Auf dieser Grundlage wagen wir ein engagiertes Han- Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance
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