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1 2008

H 11661
Meinerzhagen
Nummer 121
Jahrgang 2008

Zeitschrift für
aktive Christen

Mit Ausharren laufen


den vor uns liegenden Wettlauf
Hebräer 12.1
NR. 121 IMPRESSUM
1. Quartal 2008

Herausgeber
CLV Dieses Heft hat einen Schwerpunkt: Ein vorbildlicher „Läufer“ ist ans Ziel
Christliche Literatur- gekommen – William MacDonald hat im Glauben seinen Lauf vollendet.
Verbreitung e.V.
Postfach 110 135 Das erste Mal begegnete mir dieser Name auf der Heimfahrt nach einem
33661 Bielefeld Missionseinsatz. Eine Mitfahrerin erzählte im Auto von „True Discipleship“ und
was dieses Buch in ihr ausgelöst hatte. Damals sagte mir der Autor nichts.
Bankkonto
Postbank Hannover Drei Jahre später konnte ich William (Bill) MacDonald zweimal bei Freizeiten
Kt.-Nr.: 25 24 309
in Schoppen persönlich erleben. Seine schlichte Verkündigung und sein freund-
BLZ: 250 100 30
liches Wesen haben mich wirklich beeindruckt. Er setzte sich beim Essen neben
Sonderkonto für einen jungen Zivi und brachte Geduld für sein schlechtes Englisch auf.
Außenmission
Für Lateinamerika, Nachhaltigen Eindruck hinterließen Bücher wie „Seid heilig – der verges-
Russ­land, usw.: sene Befehl”, „Licht für den Weg” und „Wahre Jüngerschaft”. Nach dem Lesen
CLV-Auslandshilfe des letztgenannten Titels schrieb ich mit tiefem inneren Entschluss ein knap-
Volksbank pes Gebet auf den Umschlag dieses Buches: „Dies schreibe mir in Herz und Sinn,
Meinerzhagen
damit ich es praktiziere.”
Kt.-Nr.: 101 216 0700
BLZ: 45 86 16 17 Die Einfachheit, Direktheit und Natürlichkeit des alten fröhlichen Mannes
Bitte immer den weckten (nicht nur bei mir) den Wunsch nach konsequenter Jüngerschaft. Ein
Ver­­­wendungszweck
Zitat von Bill ist mir noch immer im Bewusstsein:
angeben und bei
Spendenbescheini- „Jünger Jesu brauchen keinen hohen IQ (Intelligenz-Quotient) sondern ei-
gungs-Wunsch auf
nen hohen GQ (Gehorsams-Quotient). Was zählt ist nicht unsere Intelligenz,
eine vollständige
Absender-Anschrift sondern unser Gehorsam!”
achten. Vielen Dank!
Ja, Bills Botschaften sind noch immer herrlich einfach – einfach herrlich!
Erscheint Dank seiner Bücher – auch darüber freue ich mich sehr – trifft auf unseren
Vierteljähr-
lich und kann
Bruder Bill zu, was einmal über Abel gesagt wurde:
ko­sten­los bezogen „Und durch diesen, obgleich er gestorben ist, redet er noch!” (Heb 11,4)
werden.

Schriftleiter und
Versandstelle
Wolfgang Bühne

HINWEIS
Postfach 1126
58527 Meinerzhagen
Bitte beachten:
Bestellungen,
Abbestell­­ungen sowie Die Konto-Nummer des Kontos der CLV-Auslandshilfe hat sich geändert.
Adressänderungen bitte Sie lautet nun: 101 216 0700
umgehend an folgende
Adresse senden:
A. Fett, Schoppen 1

INHALT
58540 Meinerzhagen;
e-Mail: AF@clv.de
für die Schweiz: I n h alt d ieser Au sg ab e:
fut@schottikon.ch William MacDonald Die eigene Unfähigkeit … . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
William MacDonald Es war ein wunderbares Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
James G. McCarthy Erinnerungen an William MacDonald . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Wolfgang Bühne Das Gedächtnis des Gerechten ist zum Segen … . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Gordon Winter Wenn ich eine Kirche hätte, würde ich die Glocken läuten lassen … . . 12
Hermann Grabe Bücher, durch die ich gesegnet wurde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Bendedikt Peters Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist . . . . . . . . 16
Wolfgang Bühne Puerto Lempira – wo Kokain vom Himmel fällt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
NACHGEDACHT 3

Die eigene
W i l l i a m Ma cDo n a l d Unfähigkeit …
»Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt.«
Römer 7,18
Wenn ein junger Gläubiger diese Lektion schon sehr
früh in seinem Leben als Christ lernt, wird ihm das
später eine Riesenmenge von Problemen ersparen.
Die Bibel lehrt, dass es nichts Gutes in unserer alten,
bösen, nicht wiedergeborenen Natur gibt. Das Fleisch
taugt absolut nichts. Es wird durch unsere Bekehrung
um kein Jota verbessert. Auch ein lebenslanger kon-
sequenter Wandel als Christ veredelt es nicht. Ja, nicht
einmal Gott versucht es zu verbessern. Er hat es am
Kreuz zum Tod verurteilt und will, dass wir es im Tod
halten.
Wenn ich dies wirklich im Glauben erfasse, bewahrt
es mich vor vergeblichem Suchen und Streben. Ich
suche nicht mehr nach etwas Gutem an einer Stelle,
von der Gott gesagt hat, dass es da einfach nicht zu
finden ist.
Es bewahrt mich vor Enttäuschung. Ich bin nie mehr
enttäuscht, wenn ich in mir selbst nichts Gutes finde. Denn ich weiß von vornherein,
dass es da einfach nicht vorhanden ist.
Es bewahrt mich vor ständiger „Nabelschau“. Ich gehe von der Voraussetzung aus,
dass ich aus mir selbst heraus nicht überwinden kann. Im Gegenteil – Selbstbeschäfti-
gung hat zwangsläufig die Niederlage zur Folge.
Es bewahrt mich vor psychologischer und psychiatrischer „Seelsorge“, die den
Scheinwerfer auf das Ich richtet. Eine derartige Therapie verkompliziert das Problem
nur, anstatt es zu lösen.
Es lehrt mich, ständig mit dem Herrn Jesus beschäftigt zu sein. Robert Murray
McCheyne (1813-1843, schottischer Pfarrer und Autor) sagt: „Für jeden Blick, den du auf
dich selbst richtest, richte zehn Blicke auf Jesus.“ Das ist ein gutes Verhältnis!
Jemand anders hat einmal gesagt, dass selbst ein geheiligtes Ich nur ein armseliger
Ersatz für einen verherrlichten Christus ist. Und der Liederdichter schreibt: „Wie süß,
vom Ich hinwegzufliehn, und im Heiland sich zu bergen.“
Vieles in unserer heutigen Wortverkündigung und viele neue christliche Bücher
schicken die Menschen auf die Selbstbeschäftigungs-Tour und hypnotisieren sie förm-
lich mit ihrem Temperament, ihrem Selbstwertgefühl, ihren Komplexen und Minderwer-
tigkeitsgefühlen. Diese ganze Richtung ist eine Tragödie an Einseitigkeit und hinterlässt
in ihrem Kielwasser ein Trümmerfeld menschlicher Wracks.
„Ich bin viel zu schlecht, als dass ich auch nur einen Gedanken an mich selbst ver-
diente; stattdessen möchte ich mich selbst vergessen und auf Gott blicken, der in der
Tat all meiner Gedanken wert ist.“ ▪

(Aus: William MacDonald: „Licht für den Weg“, CLV)


4 ERINNERUNG

Es war ein
wunderbares
Leben William Mac Donald

»Die Messschnüre sind mir gefallen auf liebliches Land; ja, mir wurde ein
schönes Erbe zuteil.« Psalm 16,6
Mit Dankbarkeit darf ich feststellen, dass die vertreter ans Kreuz und gab mir durch den Glau-
Güte und Treue des Herrn mich alle Tage mei- ben an Ihn die Vergebung all meiner Schuld. Das
nes Lebens geleitet haben und dass mein Kelch werde ich nie verstehen können. Ich preise Gott
überfließt (Ps 23,5-6). Ich bin ein zufriedener für Seine bewahrende Kraft, die mich auf dem
Mann, d.h. ich habe im Herrn Jesus Christus eine Weg der Nachfolge gehalten hat. Seine Güte
vollkommene und vollständige Erfüllung gefun- allein hat mich getragen bei all meiner Schwach-
den. Er tränkte meine durstige Seele und füllte heit und in all den Versuchungen von innen und
mein hungriges Herz mit lauter guten Dingen außen. Ich werde immer sehr dankbar sein, dass
(Ps 107,9). Nicht dass ich missverstanden werde, ich einem solch großen Herrn dienen darf. In Ihm
ich bin nicht zufriedengestellt in dem, was ich habe ich nicht jemanden gefunden, der nimmt,
selbst bin. Meine eigenen geistlichen Errungen- was er nicht hingelegt hat und erntet, wo er
Ich preise Gott schaften waren immer wieder enttäuschend und nicht gesät hat (Luk 19,21). Vielmehr fand ich in
mein eigener Dienst für den Herrn unbrauchbar. Ihm einen Meister, der mitfühlend, geduldig,
für Seine be- Aber an Ihm kann ich keine Fehler finden. Alles, vergebend und großzügig ist. Wie der hebräi-
wahrende Kraft, wonach mein Herz sich sehnt, finde ich in Ihm. sche Sklave möchte ich sagen: „Ich liebe meinen
die mich auf Ich wurde unendlich reich. Zunächst wurde Herrn ... ich will nicht frei ausgehen.“ (2Mo 21,5).
dem Weg der ich ein Kind Gottes und damit Erbe Gottes und Ich denke an die wunderbaren Gebetserhörun-
Nachfolge Miterbe Christi. Alles ist mein, ich aber bin des gen. Es ist so erstaunlich, dass der große Gott
Christus, Christus aber ist Gottes (1Kor 3,22-23). meine Gebete hört und sie auf so herrliche
gehalten hat. Das ist der wahre Reichtum, der Erfüllung bringt. Weise beantwortet. Und das auf eine Art und
Seine Güte allein Aber ich bin auch in einer anderen Beziehung Weise, die jeden Zufall oder Wahrscheinlich-
hat mich reich, nicht im Überfluss meines Besitzes, son- keit ausschließt. Auch kann ich all die Schätze
getragen bei dern in der Zufriedenheit mit dem, was ich habe, nicht vergessen, die ich in der Heiligen Schrift
all meiner in der Genügsamkeit. Wie Hudson Taylor habe gefunden habe. Kein Goldsucher in der Zeit des
ich den Luxus genossen, wenig zu besitzen, für grossen Goldfiebers kann sich mehr über seine
Schwachheit das ich sorgen muss. Ich versuchte, so zu sein, gefundenen Gold-Nuggets gefreut haben, als
und in all den wie der Mann aus Galiläa, der vollkommene ich über neu entdeckte biblische Wahrheiten.
Versuchungen Mensch. Diese Freiheit von Begierden brachte Dann denke ich auch an die nicht enden-
von innen und mir eine Zufriedenheit, die mit Geld nicht zu wollende Güte des Herrn, wie Er mein Leben
außen. kaufen ist. Ich kann Gott nie genug für Sein für- reich gemacht hat durch die Gemeinschaft und
sorgliches Handeln in meinem Leben danken. Ich Freundschaft Seiner Familie. „Der aus dem Staub
danke Ihm für die Gabe der Gesundheit. Mehr emporhebt den Geringen, aus dem Schmutz den
als einmal rettete Er mich in meiner Kindheit vor Armen erhöht, um ihn sitzen zu lassen bei Edlen,
dem Tod. Einmal ging es mir so schlecht, dass bei den Edlen Seines Volkes.“ (Ps 113,7-8) Ich darf
sich selbst meine Mutter vom Bett abwandte, mit einem alten Heiligen sagen: „Ich verkehrte
um den Todeskampf nicht mit ansehen zu mit den Edlen der Erde.“ Welch ein Segen waren
müssen. Dann danke ich Ihm für das Geschenk, die Menschen Gottes für mich! Heißt das, dass
sehen zu können. Wenn es nur nach dem Urteil es in meinem Leben kein Leid gab? Natürlich
der Ärzte ginge, müsste ich blind sein. Aber Gott nicht. Auch daran hatte ich meinen Anteil. Aber
tat in Seiner großen Güte das Unmögliche und nichts kam durch Zufall oder schicksalhaft. Alles
machte mich fähig, mehr Bücher zu lesen, als es war zweckdienlich, erziehend und disziplinie-
der Durchschnitt aller gut sehenden Menschen rend. Krankheit und Unvermögen stellten sich
wahrscheinlich tat. Am meisten aber danke ich ebenfalls ein: Wie Paulus betete auch ich dreimal
Ihm für das Geschenk des ewigen Lebens. Gott um die Entfernung eines Stachels aus meinem
sandte Seinen geliebten Sohn als meinen Stell- Fleisch; aber der Dorn wurde nicht entfernt.
ERINNERUNG 5

Andere Male betete ich um die Wiederher- Obwohl ich kein eigenes Zuhause und keine
stellung von Dingen, von denen ich annahm, Familie hatte, durfte ich die Realität Seiner Ver-
dass ein Leben ohne sie unmöglich wäre: Aber heißung erfahren, in dem ich hundert mal mehr
sie wurden nicht wiederhergestellt. Es wäre empfangen habe: Häuser, Brüder, Schwestern,
Alles, was ich
aber Sünde, wenn ich mich beschweren wollte. Mütter, Kinder und Land (Mk 10,30). feststellen
Immer wieder kam ich zu der Feststellung, dass Alles, was ich feststellen kann, ist dies: kann, ist dies:
Seine Gnade genügt, und dass Seine Wege die Es war ein wunderbares Leben. Es gibt keine Es war ein
besten sind. Wenn ich mir die Bestandteile mei- Aschenbrödel-Geschichte wie die meine! Ich wunderbares
nes Lebens selbst aussuchen könnte, so möchte war mir der Fürsorge des Herrn bewusst, Seiner
ich sie nicht anders haben, als Er sie für mich Bewahrung und Leitung bei jedem Schritt, den
Leben … So ist
geplant hat. Gegen Kritik und Verleugnung war ich tat. Ich sah Ihn in den sonderbarsten Lebens- nun auch mein
ich nicht immun. Vieles davon war richtig, der umständen wirken. Gott hat alles zum Guten Zeugnis, dass
Rest gereichte zu Seiner Ehre, zu meinem Besten mitwirken lassen. So ist nun auch mein Zeugnis, alle Seine Wege
und hoffentlich zum Segen für andere. Selbst dass alle Seine Wege lieblich sind und alle Seine lieblich sind
Verrat verhalf mir dazu, Gemeinschaft mit Seinen Pfade voller Frieden (Spr 3,17). Oft kommt die
Leiden zu erhalten, was sonst wahrscheinlich nie Frage vor mir auf: „Was möchte ich im Leben
und alle Seine
möglich gewesen wäre. noch haben, was ich noch nicht besitze?“ Die Pfade voller
Das Plus-Konto überwog das Minus-Konto Antwort ist immer die gleiche: „Nichts!“ Mein Frieden.
bei weitem. Oft denke ich an das Vorrecht, Herr hat alles für mich gut gemacht. Was bleibt,
für den Herrn Nordamerika, Europa und Asien ist der Schmerz in meinem Herzen über all die
bereist zu haben. Wo immer ich auch hinkam, ich Menschen um mich her, die immer noch leere,
traf Kinder Gottes. Das waren Menschen, die ich vergeudete Leben leben. Ich bin traurig, dass
nie zuvor gekannt hatte; dennoch waren unsere für den größten Teil der Menschheit die Summe
Herzen sogleich in Liebe verbunden. Sie nahmen aller Furcht und Hoffnung nichts als Träume sind
mich auf wie einen Engel des Herrn, und diese – leere Träume. ▪
Gemeinschaft der Liebe wird niemals enden. (Auszug aus „Haschen nach Wind‘‘)

Erinnerungen an
William MacDonald
J a m es G. McCa r t h y 1917-2007

60 Jahre lang war William „Bill“ MacDonald ein halte zu übergeben und ihm zu erlauben, sein
bewährter Arbeiter im Werk des Herrn, ein Leh- Leben durch und in uns auszuleben.“
rer, Prediger und Autor von 84 Büchern, darunter
der weltweit bekannte Kommentar zum Alten „Wahre Jüngerschaft“
und Neuen Testament. Er war ein Mann, der 1962 schrieb Bill „Wahre Jüngerschaft“, eine
viel sagte und viel schrieb. Doch bei allen, die Zusammenfassung von dem, was es heißt, so zu
ihn kannten, hinterließ sein Leben den größten leben, wie Er gelebt hat. Im Vorwort schrieb er:
Eindruck.
Über den Herrn Jesus wird in der Bibel gesagt: „Dieses Büchlein ist ein Versuch, einige
„Wer sagt, dass er in ihm bleibt, ist auch schuldig Grundsätze neutestamentlicher Jünger-
zu wandeln, wie er gewandelt hat“ (1Joh 2,6). Bill schaft darzustellen. Manche von uns mögen
schrieb in seinem Kommentar: diese Prinzipien seit Jahren dem Wortlaut
„Sein Leben, wie es uns in den Evangelien nach gut kennen, kamen dann aber wohl
vorgestellt wird, ist unser Vorbild und unsere zu dem Schluss, dass man sich in unserem
Leitung. Dieses Leben können wir nicht aus komplizierten Zeitalter an solch extreme
eigener Kraft führen, sondern nur in der Macht und unpraktische Anweisungen doch nicht
des Heiligen Geistes. Unsere Verantwortung halten kann. Und so passten wir uns der
besteht darin, Jesus unser Leben ohne Vorbe- Kälte unserer geistlichen Umgebung an.
6 ERINNERUNG

Dann jedoch trafen Wohnung Nr. 7 einen Universtitätsabschluss in


wir mit einer Gruppe Wirtschaft hatte und einmal Investitionsberater
junger Gläubiger zu- für die First Bank in Boston war. Bei so einem
sammen, die es sich in Mann würde man erwarten, dass er in einem
den Kopf gesetzt hat- geräumigen Heim in einer gehobenen Gegend
ten, zu beweisen, dass wohnt, nicht aber in einem Zweizimmer-Apart-
die Bedingungen Jesu ment an einer befahrenen Straße. Die Stahlab-
für die Jüngerschaft deckung der Klingelanlage, die man benutzen
nicht nur äußerst prak- muss, um in den Eingangsbereich zu kommen,
tisch, sondern die ein- ist neu. Wenn wir vor zwei oder drei Jahren zu
zigen Voraussetzungen Besuch gekommen wären, hätten wir gesehen,
sind, unter denen die dass der Klingelknopf für Bills Apartment ersetzt
Evangelisierung der Welt wurde. Seine vielen Besucher haben ihn frühzei-
erreicht werden kann. tig abgenutzt!
Wir sind diesen jungen Trat man durch die Eingangstür in den Vor-
Leuten sehr verpflichtet, raum ein und wandte sich der Treppe zu, kam
weil sie uns ein lebendi- man auch an den Briefkästen vorbei. Obwohl
ges Beispiel für viele der sie bequem zu erreichen waren, erhielt Bill seine
im folgenden aufgeführ- Post nie hier. Er zog es vor, sie zum Fairhaven
ten Wahrheiten gegeben Bible Chapel zustellen zu lassen – ein paar Stra-
haben. ßen weiter. Täglich fuhr er in Fairhaven vorbei,
Obwohl unser eigenes begrüßte die Sekretärinnen und holte seine
Leben diesen Prinzipien Post ab. Er hatte geholfen, dort das Discipleship
sehr oft noch nicht ent- Intern Training Programm zu beginnen, hat 21
spricht, möchten wir sie Jahre dort gelehrt und Dutzende von Männern
doch aufzeigen, weil wir uns ihre Verwirk- für Christus ausgebildet.
lichung in unserem Leben so sehr wün- Die Treppe zum ersten Stock hinauf, sah
schen.“ man Bill schon am Ende des Ganges an der Tür
Dann führte Bill sieben Bedingungen der seiner Wohnung mit einem Lächeln warten. Er
christlichen Jüngerschaft an: begrüßte die Besucher mit einem Handschlag,
1. Alles übersteigende Liebe zu Jesus Christus und die er besser kannte, mit einer Umarmung.
2. Verleugnung unseres Ichs Viele Leute werden unfreundlich oder verbit-
3. Wohlüberlegte Wahl des Kreuzes tert wenn sie älter werden, doch nicht so Bill. Er
4. Ein Leben in der Nachfolge Christi wurde immer warmherziger und mitfühlender –
5. Innige Liebe zu allen, die Christus gehören mehr wie Christus.
6. Stetes Bleiben in seinem Wort
7. In ganzer Hingabe ihm folgen Die Küche
Nach dem Betreten seiner Zweizimmer-Woh-
Bill fühlte sich durch diese scheinbar unmög- nung, sah man links eine kleine, fensterlose
lichen Bedingungen herausgefordert und Küche. Während andere in den letzten 35 Jahren
Wenn es im schrieb: Tausende von Dollar ausgegeben haben, um
Himmel eine „Der Schreiber dieses Büchleins ist sich ihre Küche neu zu gestalten, blieb Bills Küche
Belohnung darüber im Klaren, dass er sich selbst durch gleich: Herd, Spülbecken, Kühlschrank, Arbeits-
für den gast- diese Aufstellung als einen unnützen Knecht fläche – gerade genug Platz, damit eine Person
verurteilt. Sollte aber Gottes Wahrheit durch dort kochen konnte. „Das genügt“, hat er immer
freundlichsten das Versagen des Volkes Gottes für immer gesagt. Wie gern hat er dort für seine Gäste und
Ledigen gibt, verschwiegen werden? Ist es nicht wahr, sich gekocht, und vollständige Mahlzeiten mit
würde Bill zu dass die Botschaft immer größer ist als der Nachtisch serviert.
den Anwärtern Botschafter selbst?“ Wenn es im Himmel eine Belohnung für den
gehören. Die Botschaft ist wirklich größer, in diesem gastfreundlichsten Ledigen gibt, würde Bill zu
Fall aber war auch der Botschafter bemerkens- den Anwärtern gehören.
wert! Durch die Küche konnte man einen klei-
nen Tisch sehen, der an die Wand gerückt war.
Zu Gast in Wohnung Nr. 7 An jeder Stirnseite ein Stuhl, und zwei an der
Vielleicht kann man sich am besten an Bills Längsseite. Eine Schulklasse hatte den Tisch im
Leben erinnern, wenn man seine Wohnung ein Werkunterricht für ihn gemacht. Darüber hing
letztes Mal aufsucht. Hier hat er die letzten 35 ein großer Kalender und eine schottische Distel
Jahre gewohnt. Das Gebäude wirkt unbedeu- aus Glas. Obwohl Bill in Massachusetts geboren
tend, es sei denn man weiß, dass der Mieter von wurde, war sein Herz in Schottland, wo seine
ERINNERUNG 7

Eltern herkamen. In seiner Kindheit hat Bill dort auf der welche Übersetzung die Beste sei. Sein ganzes Leben lang
Insel C.S. Lewis’ ein prägendes Jahr verbracht. hat Bill sich um Ausgewogenheit bemüht. Wenn jemand
Auf dem Küchentisch sah man einen kleinen Stapel seine Interpretation der Schrift angriff, hörte er höflich zu
Karten: auf der einen Seite ein Bibelvers, auf der anderen und zitierte dann Henry Ironside, der gesagt hat: „Lieber
die Stellenangabe dazu. Nach einer gemeinsamen Mahlzeit Bruder, wenn wir in den Himmel kommen, werden wir her-
lud Bill seine Gäste gerne dazu ein, eine Karte zu ziehen, ausfinden, dass einer von uns sich geirrt hat, und vielleicht
den Text zu lesen und zu versuchen, das Buch, das Kapitel werde ich das sein.“
und den Vers aus dem Gedächtnis anzugeben. Er kannte Bill konnte sehr wenig Griechisch oder Hebräisch. Als
natürlich alle. junger Mann hat er sich das Ziel gesetzt, die englische Bibel
zu beherrschen, und das füllte seine Zeit. Er kannte sie so
Das Wohnzimmer gut wie jeder Gelehrte. Er konnte lange Abschnitte der
Weiter ging es in sein Wohnzimmer, welches in zwei Berei- Bibel zitieren, eine Fähigkeit, die der Herr ihm gegeben hat.
che unterteilt war: jeder ungefähr 2,50 auf 3 Meter. Der Teil Nachdem er das Studium eines Abschnitts abgeschlossen
gleich nach der Küche war mit drei Sesseln ausgestattet, hatte, kannte er ihn meist auswendig, ohne viel Aufsagen
zwei Bücheregalen und einer kleinen elektronischen Orgel. und Wiederholung.
Bill hat hier Tee serviert und mit den Gästen über den Herrn Auf dem Schreibtisch, wo Bill studierte, hatte er auch
geredet. Wenn er abends allein war, spielte er gerne ein ein Telefon mit Fax. Man war nicht lange zu Besuch bis ein
paar Minuten lang Lieder für den Herrn. Er spielte nach dem Anruf die Unterhaltung unterbrach. Die Anrufe kamen aus
Gehör und kannte den Text von Hunderten von Liedern aller Welt. Gewöhnlich rief ein Ältester an, um wegen eines
auswendig. Da seine Hand zitterte, konnte er in den letzten Gemeindeproblems Rat zu suchen.
Jahren nicht mehr musizieren. Auf der linken Seite fand man einen ähnlichen Schreib-
Auf den beiden Bücheregalen konnte man seine per- tisch, mit einem Computer und einem Monitor. Hier schrieb
sönliche Bibliothek ansehen. Er hat sie auf diesen kleinen Bill. Im Alter von 80 Jahren hatte er 80 Bücher verfasst. Mit
Raum beschränkt. Wenn er neue Bücher bekam, bedeutete einem Lächeln sagte er: „Ein Buch für jedes Jahr meines
es, dass er alte weitergab, meist an eifrige junge Brüder. Lebens, obwohl ich nicht angefangen hab` als ich ein Jahr
Er scherzte gern über seine jungen Jahre. Damals hatte er alt war.“ Er vollendete sein vierundachtzigstes Buch kurz
eine schön gebundene Serie der vollständigen Werke von vor seinem einundneunzigsten Geburtstag – ein neuer
John Nelson Darby. Durch den Besitz fühlte er sich geistlich Kommentar zu den Sprüchen.
und intelligent, und er erzählte gerne anderen von seinem Bill war anpassungsfähig. Seinen ersten Computer
Schatz, bis ihn ein eifriger Jünger fragte: „Hast du sie jemals bekam er 1982 mit 65 Jahren. Er verstand nie so richtig,
gelesen?“ Er gab zu, dass er sie nicht gelesen hatte. Darby wie das Ding funktionierte. Zum Beispiel verwirrte ihn
war gut, aber schwer zu verstehen. So verkaufte er sie bald der Unterschied zwischen einem Computer Dokument
darauf, und verwendete das Geld im Werk des Herrn. und einem Ordner. Aber das war kein Hindernis für ihn.
Der zweite Teil des Raumes, der wie ein Rechteck Ihm war klar, dass diese Technologie seine Arbeit für den
eingerichtet war, hatte an der hinteren Wand das einzige Herrn vorantreiben würde, und so entschied er sich, sie zu
Fenster des Raumes. Von dort blickte man auf einen Park- benutzen. Mit der Hilfe von Freunden und einer Sammlung
platz. Nichts Interessantes war dort. Auf der anderen Seite von Anweisungen, die er an den Bildschirm geklebt hatte,
des Gebäudes war die Feuerwache der Stadt. Bill sagte, schaffte er es.
dass die Sirenen ihn nicht weiter störten. Er hatte die Kunst
erlernt, sich über solche Kleinigkeiten nicht aufzuregen. Er
hatte Wichtigeres zu tun.

Drei Schreibtische
Drei Schreibtische vervollständigten das Rechteck, zwei
lange an jeder Wand und ein kürzerer an der Vorderseite
seines Arbeitsplatzes. So war genug Platz, um seitlich
vorbei zu gehen. Wenn Bill zu Hause war, verbrachte er die
meiste Zeit hier. Den Tisch auf der rechten Seite benutzte
er zum Bibelstudium – es war ein Türblatt, getragen von
zwei Aktenschränken. Auf einem Regal darüber waren die
Nachschlagewerke, und sieben oder acht verschiedene
Übersetzungen der Bibel. Bills Lieblingsübersetzung war
die King James, aber viele Jahre lehrte er aus der New
American Standard Übersetzung. Ein Jahr lang hat er nur
die New Internation Version benutzt, um sie besser kennen Auf dem drit-
zu lernen. In späteren Jahren entschied er sich für die New ten Tisch, einem Klapptisch aus Alu, fand man Bills
King James. Von jeder Übersetzung konnte er die Stärken Schreibmaschine und einen Stapel Briefe. Oft beantwor-
und Schwächen erläutern und er ermahnte die jungen Brü- tete Bill 10 oder 20 Briefe pro Woche. Besonders in seinen
der, sich aus dem Streit herauszuhalten, der darum tobt, letzten Jahren war ihm das eine Last, aber er fand keine
8 ERINNERUNG

Ruhe, bis jeder Brief beantwortet war und er sich für jede „Die Stunde des Siegers“, die Geschichte eines christlichen
Gabe bedankt hatte. Athleten – ein Schotte natürlich!
Die Stunden in seiner Wohnung füllte Bill mit Studium Im Kleiderschrank fand man nicht viel. Bill war immer
und Schreiben. In einem unveröffentlichten Manuskript sauber gekleidet, aber er gab wenig für Kleidung aus.
schrieb er: Dort stand auch sein Koffer. Er hat ihn über 50 Jahre lang
„Der größte Teil meines christlichen Lebens war harte benutzt. Das war alles, was er zum Reisen brauchte. Er
Arbeit, beständiges Streben, Routine, Verpflichtungen reiste mit leichtem Gepäck, aber er reiste weit, umrundete
und viele einsame Stunden. Es gab Zeiten, in denen ich die Welt und lehrte die Bibel.
mich fragte, ob irgendetwas erreicht werden würde.
Doch wenn ich daran dachte aufzugeben, schickte Endlich zu Hause
der Herr eine kleine Ermutigung, die mich antrieb, die Natürlich würde man Bill nicht mehr antreffen, wenn
nächsten Schritte in Angriff zu nehmen“ man jetzt die Wohnung mit der Nummer 7 aufsuchte. Am
Und es gab nichts, was ihn mehr ermutigte, als wenn er Weihnachtstag 2007 ging Bill heim zu seinem Herrn Jesus.
mit der Post ein Exemplar seines Kommentars erhielt, frisch Er hinterließ wenig von irdischem Wert. Der ehemalige
in eine weitere Sprache übersetzt.1 Investitionsberater hatte kein Aktienpaket, keinen Besitz,
überhaupt keine Investitionen irgendwelcher Art auf dieser
Das Schlafzimmer Erde. Alles, was er besaß oder bekam und nicht für seine
Wenn man das Wohnzimmer verließ und Bills Schlafzim- täglichen Bedürfnisse brauchte, hat er weitergegeben.
mer betrat, sah man billige und veraltete Möbel: ein Bett, Glücklicherweise haben wir aber noch die Bücher, die er
zwei kleine Regale mit seinen Büchern zum Verschenken, geschrieben hat. Dafür können wir Gott danken. Und wir
ein Spiegeltisch und ein Nachttisch mit einem Buch darauf. haben noch die vielen wertvollen Erinnerungen an sein
Viele Jahre las er sich in den Schlaf. In den letzten beiden Vorbild, das er uns hinterlassen hat. Aber Bill ist nicht mehr
Jahren ließen das seine Augen nicht mehr zu. „Das Zelt bei uns, und wir vermissen ihn jetzt schon furchtbar. Er hat
wird schon abgebaut“, sagte er dazu. uns so sehr an den Herrn Jesus erinnert.▪
Bill sah sich gern die Nachrichten an. Niemals ging er ins
Kino oder Theater, hauptsächlich um seine Mutter zu ehren, 1 Informationen über die englischen Bücher von William MacDonald, über die Übersetzungen
des Kommentars und wo man sie erhalten kann, findet ihr auf dieser Seite: www.William-
wie er erklärte. Sie sah darin keinen Wert. Gelegentlich sah MacDonald.org. Wenn ihr jemand kennt, der Bücher von William MacDonald übersetzen will
oder Information braucht, welche Bücher es in welchen Sprachen gibt, wendet euch bitte an
er einen christlichen Film auf DVD. Sein Lieblingsfilm war Andreas Lindner, am Besten per email: webmaster@william-macdonald.org
ERINNERUNG 9

Das Gedächtnis
des Gerechten ist zum
Wo l f ga ng B üh n e Segen …
Damals in Bethel … die Schriftausleger der „Brüder“ bevorzugte. So
40 Jahre ist es ungefähr her, als ich zum ersten waren mir von klein auf die Namen John Nelson
Mal auf William MacDonald aufmerksam wurde. Darby, William Kelly, C.H. Mackintosh, Rudolf
Damals war ich „Zivi“ in Bethel, in den „von Brockhaus usw. vertraut.
Bodelschwinghschen Anstalten“ bei Bielefeld. Da ich aber als aufmüpfiger Jugendlicher
Eines Tages tauchte dort ein bis dahin unbe- meinte, die Versammlungsfrömmigkeit als
kannter junger Evangelist auf und führte ein heuchlerisch, verlogen und überheblich abur-
Seminar über Evangelisation für die Diakone und teilen zu können, standen die eben genannten
Mitarbeiter Bethels durch, das viel Staub aufwir- Autoren bei mir nicht hoch im Kurs: Sie wurden
belte. Die teilweise traditionelle und manchmal nämlich laufend von solchen Brüdern zitiert,
auch sehr selbstgerechte Frömmigkeit von uns deren materialistische Lebenseinstellung mich
Mitarbeitern wurde schonungslos bloßgestellt abstieß. Ihre einseitige Betonung von Abson-
und ließ keinen neutralen Zuhörer zurück. Die derung – ohne gelebte Hingabe und Nachfolge
meisten Zuhörer waren empört. – erschien mir als Heuchelei.
Das war Wolfgang Dyck, der ehemalige Nun las ich also damals die beiden kleinen
Schwerverbrecher, der mit großer Leidenschaft Bücher von diesem neu entdeckten William
und Begabung predigte und provozierte. Er MacDonald, der mit prägnanten und herausfor- „Der ist kein
sprach Kopf, Herz und Gewissen an und forderte dernden Sätzen, Zitaten und Beispielen genau Tor, der hingibt,
zu einer konsequenten Nachfolge und zum das ansprach, was ich in den Versammlungen
glaubwürdigen Christsein heraus. und im Alltagsleben der „Brüder“ bisher so sehr was er nicht
Zu den wenigen Büchern, die dieser feurige vermisst hatte: konsequente Nachfolge Jesu. behalten kann,
Evangelist immer bei sich trug, aus denen er Und zwar auch in den Bereichen, wo es weh tut: auf dass er
zitierte und die er auch zum Kauf anbot, gehör- Geld, Besitz, Zeit, Ehe, Familie, Evangelisation gewinne, was
ten „Wahre Jüngerschaft“ und „Denk an deine und Mission. man nicht ver-
Zukunft!“ von einem gewissen MacDonald. In diesen Büchern wurde kompromisslose
Der Name sagte mir nichts und die bekannte Absonderung mit einer auf die Ewigkeit und auf lieren kann“
Restaurant-Kette gab es damals in Deutschland den Herrn ausgerichteten Hingabe verbunden.
auch noch nicht. „Der ist kein Tor, der hingibt, was er nicht
behalten kann, auf dass er gewinne, was man
Die Macht geschriebener Worte nicht verlieren kann“ – dieses Zitat von Jim Elliot
Tief getroffen von dem was und wie Dyck pre- begegnete mir hier zum ersten Mal und über-
digte und lebte, kaufte ich damals diese beiden zeugte mich.
Bücher – nicht ahnend, was sie in meinem Leben
bewirken würden. Gesegnete Irritationen
Obwohl ich in einer Familie aufwuchs, die Aber dann kam das für mich wirklich Erstaunli-
schon seit Generationen in den sog. „Brüder- che:
versammlungen“ beheimatet war, erlebte ich Dieser MacDonald, der mit seinen Sätzen bei
im Alter von etwa 15 Jahren zunächst durch die mir ins Schwarze traf, zitierte doch tatsächlich
Bücher und später auch durch die Bekanntschaft Autoren wie Darby, Kelly, Grant, Mackintosh
mit Pastor Wilhelm Busch meine geistliche usw., gegen die ich aus den genannten Grün-
Erweckung. Wilhelm Busch war es auch, der den Vorurteile hatte. Und ich musste erstaunt
mein Interesse für die Erweckungs-Bewegungen und etwas irritiert feststellen, dass der neu
der letzten Jahrhunderte weckte und mich für entdeckte und geschätzte Autor selbst zu den
Biographien und Predigten von Charles Haddon „Brüdern“ gehörte.
Spurgeon, Gottfried Daniel Krummacher, Paul Diese Erkenntnis revolutionierte vieles bei
Humburg usw. begeisterte. mir: Ich bekam langsam Vertrauen zu der bisher
Diese Namen waren in den „Brüderversamm- von mir recht gering geschätzten Literatur der
lungen“ nur wenigen bekannt, weil man damals „Brüder“.
10 ERINNERUNG

So griff ich in den folgenden Jahren vermehrt warnten und ich in gewissen Gesellschafts-
zu diesem literarischen Vermächtnis und profi- schichten der „Brüder“ für einige Jahre ein Eti-
tierte von ihrer tiefgehenden Schriftauslegung, kett als „Edel-Kommunist“ und „Unruhestifter“
ihrer Einsicht in den Heilsplan Gottes, von dem, weg hatte.
was die Bibel über die Gemeinde und ihre Aufga- Damals erschien die Broschüre „Denk an
ben lehrt, über die Stellung und Verantwortung deine Zukunft“ – eigenartiger Weise im Verlag
des Christen usw. Und so wurde ich von meinen der Nazarener – und war bald vergriffen. Dank
oberflächlichen Vorurteilen befreit. der Kontakte zu Klaus Gerth, der in dieser Zeit
Es war eine Als ich später die bewegenden Anfänge zum Glauben kam und in die Geschäftsführung
wunderbare der „Brüderbewegung“ im 19. Jahrhundert und des Hermann-Schulte-Verlages einstieg, wurde
neben den schon genannten Männern auch die dieses kleine Buch dort neu aufgelegt. Einige
Zeit geistlichen Biographien über R.C. Chapman, Georg Müller, wenige andere Bücher von MacDonald erschie-
Aufbruchs, A.N. Groves, von Posek, Carl Brockhaus usw. nen später beim Hänssler-Verlag und bei der CV
vieler neuer kennen lernen durfte, lernte ich mehr und mehr – Dillenburg.
Freundschaften schätzen, was ich bisher zu meinem Schaden
und verachtet hatte. Frischer Wind aus dem Süden
Wie viel konnte man von diesen Brüdern Als wir dann Ende der siebziger Jahre einige frisch
Aktivitäten. lernen, die damals keine Bücher über Nachfolge bekehrte und missionarisch sehr aktive Brüder
schreiben brauchten, weil sie Nachfolge lebten aus München kennen lernten, unter denen Alois
und praktische Hingabe an Christus in der ersten Wagner, Alois Böck und Andreas Lindner waren,
Generation selbstverständlich war. bekamen wir durch sie auch Kontakt zu den neu
Für diese Korrektur meiner geistlichen Aus- entstandenen Gemeinden im Salzburger Land
richtung bin ich nächst dem Herrn vor allem Wil- (Österreich). Neben Walter Mauerhofer waren sie
liam MacDonald sehr dankbar. vor allem von Fred Colvin geprägt, einem Schüler
Wie gerne hätte ich als junger Christ diesen von William MacDonald.
Autor persönlich kennen gelernt und ihm für sei- Es war eine wunderbare Zeit geistlichen
nen Dienst gedankt. Aber das schien mir damals Aufbruchs, vieler neuer Freundschaften und
– vor 40 Jahren – völlig utopisch zu sein. Aktivitäten. In diese Zeit fällt auch die Grün-
dung des CLV-Verlages, in dem wir dann durch
Gut gemeint – schlecht gemacht diese neuen Beziehungen im Laufe der Jahre
In dem damals gut gemeinten aber sicher sehr die meisten der Bücher und Kommentare von W.
unreifen Eifer habe ich dann nach meiner Zeit als MacDonald herausgeben und in verschiedenen
„Zivi“ die jüngeren und älteren Christen in mei- Sprachen verbreiten konnten.
nem heimatlichen Umfeld mit den Büchern von
William MacDonald „bombardiert“. Besonders Volles Haus …
einige ältere Brüder, die so etwas wie „Älteste“ Ende der achtziger Jahre geschah dann das, was
in unserer Versammlung waren, habe ich durch ich als junger Christ nie für möglich gehalten
mein unweises Auftreten vergrault, so dass sie hatte: Durch die Kontakte zu den Gemeinden in
nun ihrerseits mit entsprechenden Vorurtei- München und im Salzburger Land kam William
len diese verdächtigen Bücher lasen, vor ihnen MacDonald in Begleitung von Fred Colvin zu
ERINNERUNG 11

uns nach Meinerzhagen in unser Freizeitheim dessen Gegenwart man unwiderstehlich auf den
Schoppen. Ohne dass die Werbetrommel gerührt Herrn ausgerichtet wurde.
werden musste, war unser Versammlungsraum
brechend voll mit vor allem jungen Christen, die Der 11. September 2001
bisher MacDonald nur aus Büchern kannten. Das letzte Mal trafen wir unseren Bruder, als
Meine Frau Ulla und ich, sowie unsere inzwi- er – wenn ich mich recht erinnere – seinen
schen größer gewordene Familie waren über- letzten Besuch in Europa machte.
rascht von der Bescheidenheit, Freundlichkeit, Es war der Tag, „der die Welt veränderte“,
Natürlichkeit und Gottesfurcht dieses Mannes. als wir am Nachmittag mit ihm in Piding in
Normalerweise stellt man sich unter einem der Wohnstube von Familie Andreas Lindner
alten Junggesellen eine etwas skurrile, ver- saßen und miteinander über weitere Literatur,
schrobene Persönlichkeit vor. Aber genau das Übersetzungen usw. sprachen. Plötzlich hörten
Gegenteil war der Fall. Wir lernten einen Bruder wir im Radio die erste schockierende Meldung
kennen, der von einer „natürlichen Heiligkeit“ von dem Terror-Anschlag auf das „World Trade
geprägt war, in dessen Gegenwart man sich aber Center“ in Manhattan. Nach einer sprachlosen
dennoch ungezwungen bewegen konnte. Minute faltete Bill MacDonald seine Hände und
Seine ansteckende Fröhlichkeit aber auch sagte bewegt: „Der Herr kommt bald!“
seine ernsthafte Teilnahme an den Fragen und Am selben Abend sprach er vor einer
Sorgen unserer Kinder werden wir nicht verges- großen Versammlung in Salzburg über
sen. Ebenfalls nicht seine freundlich – ironische „Die Faszination der Psalmen“.
Bemerkung, nachdem er mit einem „Augen- Sein Heimgang bedeutet für uns einen
zwinkern“ einen gebrauchten Teebeutel ausge- schmerzlichen, sehr spürbaren Verlust –
drückt und in die Höhe gezogen hatte: „… und aber dennoch gibt es viel Grund zum Dan-
den geben wir für die Missionare!“ ken, dass dieser geschätzte Bruder durch
Gottes Gnade das Ziel erreicht hat, ohne in
Zu Gast bei einem alten Junggesellen der letzten Runde seines Lebens die geistli-
Einige Jahre später wurden meine Frau, unser che Kraft zu verlieren.
ältester Sohn Michael und ich von ihm eingela-
den, ihn eine Woche lang in San Leandro / USA Grund zum Trauern?
zu besuchen. Als ich die Nachricht von seinem Heimgang
In dieser Woche schlief er unkomplizier- hörte, erinnerte ich mich an einige Zeilen aus
ter Weise bei Freunden und überließ uns seine seinem Andachtsbuch „Licht für den Weg“, wo
kleine, äußerst bescheiden eingerichtete Woh- er unter dem 5. Dezember schrieb:
nung, in der er uns tagsüber bewirtete und wir „Andrew Bonars Vater sagte immer zu sei-
ihn bei Ausflügen, gemeinsamen Besuchen und nem Sohn: ,Junge, bete darum, dass wir n (1962)
längeren Gesprächen – umgeben von seinen beide gut bis zum Ende durchhalten!‘ So rsten Ausgabe
Die e
vollbeladenen Bücherschränken – sehr persön- wollen wir auch beten, dass wir unseren
lich kennenlernen durften. Lauf mit Freude zum Ziel führen können!“
In seiner Gegenwart und Wohnung konnte So ist auch unser geliebter Bruder nach
man lernen, wie sich „wahre Jüngerschaft“ im einem „Marathon-Lauf“ von über 90 Jahren
Alltagsleben praktisch manifestiert: Selbstlo- reich gesegnet und von Gottes Gnade getragen
sigkeit, Gastfreundschaft, Herzenswärme und am Ziel angekommen. Darüber können wir uns
fröhliche Bescheidenheit kennzeichneten diesen freuen und unserem Herrn von Herzen dankbar
Mann, der seinen Herrn über alles liebte und in sein! ▪

» Kein Goldsucher in der Zeit des großen Goldfiebers kann

«
sich mehr über seine gefundenen Gold-Nuggets gefreut
haben, als ich über neu entdeckte biblische Wahrheiten.
12 ERINNERUNG

Wenn ich eine Kirche


hätte, würde ich die
Glocken läuten lassen … Gordon Winter

Gestern, am 30.12.2007, wurde uns die Nachricht durch die Literatur von MacDonald in beson-
überbracht, dass Gott unseren geschätzten Bru- derer Weise gesegnet wurde, haben fast alle in
der, Lehrer und unser Vorbild William MacDonald unserem Freundeskreis den NT- Kommentar
am 25.12. heimgerufen hat. geschenkt bekommen. Es gehörte zu unserer
Heute Morgen saßen wir mit einigen Brüdern Anfangszeit dazu, bei allen Veranstaltungen
zum Gebet zusammen und Harry dankte für seine Literatur zu verteilen.
William MacDonald und sagte dem Herrn, dass Wenn wir über schwierige Bibelstellen disku-
wir – menschlich geurteilt – ohne ihn geistli- tierten, wurde meist von irgend jemand gefragt:
cher Weise nicht da wären, wo wir durch Gottes „Und was sagt William MacDonald dazu?“
Gnade heute sind. Amen! Irgendwie war es seltsam – aber oft richtete
Leider können Worte nicht ausdrücken, was sich unser Glaubensweg und unsere Glaubens-
sein Dienst und Vorbild uns bedeutet. Wenn ich Entscheidungen an seiner Literatur aus.
eine Kirche hätte, würde ich die Glocken läuten Als einige Brüder von uns den „Paulus-
lassen. Wenn ich einen Mast hätte, schwarzen Verein“ gründeten – ein Spaß von Brüdern, die
Stoff aufhängen. noch keine Frau hatten und so taten, als ob sie
Weil mich das Leben zurzeit heftig in der ledig bleiben wollten um dem Herrn zu dienen –
Wenn wir Mangel hat und ich einfach befürchte, diesen machten sie William MacDonald zu ihrem Ehren-
über schwierige Verlust so schnell zu übergehen, habe ich mir vorsitzenden …
den Kopf auf vier Millimeter Länge rasiert. Das Als ich das damals neu erschienene Buch
Bibelstellen soll mir helfen, in den nächsten Wochen nicht zu „Nimm mein Leben“ gelesen hatte, bin ich auf
diskutierten, vergessen und darüber nachzudenken, welche die Kniee gefallen und habe dem Herrn mein
wurde meist Lehren mich geprägt haben und welchen Segen Leben erneut anvertraut.
von irgend ich dadurch empfangen habe! Kurze Zeit später benutzten wir das Buch
jemand Gerne würde ich zur Beerdigung nach Fairha- in unserem Mitarbeiterkreis und dann wurde
ven fliegen. Aber dazu habe ich leider nicht die es für lange Zeit der Leitfaden einer ganzen
gefragt: „Und Möglichkeit. Ein Bruder sagte mir heute, ob es Gemeinde-Jugend.
was sagt unserem Bruder William nicht mehr Ehre machen
William würde, wenn wir hier voll durchziehen und uns Der 8. September 2001
MacDonald dann im Himmel sehen … Irgendwie schon. Aber Der Höhepunkt war, als William MacDonald vor
dazu?“ ich denke an George Whitefield, der einmal sieben Jahren nach Salzburg kam. Wir fuhren
etwas scherzhaft über John Wesley sagte, er nachts los, um morgens bei der ersten Predigt
würde ihn wohl kaum im Himmel treffen, denn dabei zu sein. Das war für mich ein ganz beson-
John Wesley würde so nah am Throne Gottes deres Erlebnis. Ich dachte auf der Fahrt viel dar-
sein … So ähnlich geht es mir. über nach, was ich von ihm gelesen und gelernt
hatte. Ich fragte mich, worüber MacDonald vor
Was Bücher bewirken den etwa 1.000 Jugendlichen in Salzburg predi-
Ich war ein Baby-Christ, gerade aus dem Knast gen würde. Etwas schwankend und dann doch
entlassen und in einer Gefährdetenhilfe gelan- überzeugt äußerte ich damals, er würde sicher
det, als ich meinen ersten NT – Kommentar von über Römer 12,1-2 sprechen.
MacDonald bekam. Jetzt ist er so abgenutzt In Salzburg angekommen erlebten wir, wie
und beschädigt, dass ich einen neuen benutze. Bill – damals 83 Jahre alt – von Andreas Lind-
Irgendwie drückt der Zustand des Kommentars ner gestützt die Stufen zur Kanzel hinauf stieg.
für mich aus, wie sehr ich dadurch gesegnet Nachdem er dort auf dem Podium stand, schloss
wurde. er die Augen und sagte: „Kommt mit mir nach
Später hat der Herr mich in seiner Gnade Golgatha und seht den Mann dort am Kreuz, den
benutzt, um eine evangelistische Teestube in der Mitte …“
und Freizeitarbeit zu gründen. Auch eine junge In der Halle war es still, 1000 Jugendliche
Gemeinde durfte entstehen. Nachdem ich selbst schwiegen und hörten diesem alten Mann zu,
ERINNERUNG 13

wie er voller Liebe von seinem Herrn erzählte. Er sondern schlicht und einfach darum, Gott in
predigte dann über Römer 12, 1-2. Wenn er aus allen Dingen zu gehorchen und zu vertrauen.
der Bibel las, hielt er seinen Kopf so nah an das Als ein Freund ihn fragte, ob er einen Tipp
Buch, dass man sein Gesicht kaum noch sehen hätte, wie man Jesus besser erkennen könne,
konnte. antwortete er: Er sei nur ein einfacher Gläubiger
und könnte ihm nichts besonderes sagen.
Es geht um einen schlichten Als ich ihn über George Verwer ausfragen
Glauben … wollte – ich hatte einiges Kritische über ihn Es geht
Damals hatte ich einige Entscheidungen zu tref- gehört – meinte William: Er könne nicht alles nicht um
fen und weil ich bisher so viel aus den Büchern nachvollziehen, was George mache, „but he is komplizierte
von Bill MacDonalds gelernt hatte, bat ich den on fire for Jesus!“ Dinge, sondern
Herrn, ihn als Wegweiser zu benutzen. Zu meiner Frage, was er zu den Charismati-
schlicht und
Bill sollte mir einen Bibelvers in meine Bibel kern zu sagen hätte, meinte er: „Oh, sie haben
schreiben. Natürlich war mir damals bewusst, einige gute Lieder, die wir singen!“ einfach darum,
dass dies nicht unbedingt eine besonders geist- Diese weisen Antworten waren damals für Gott in allen
liche Methode war. Aber ich vertraute dem Herrn mich eine wirkliche Hilfe, meine kritische Liebe Dingen zu
und wartete gespannt auf den Vers, den dieser zu diesen Geschwistern neu zu überdenken. gehorchen und
geschätzte Bruder in meine Bibel schreiben Alles, was in den letzten Jahren unter uns
zu vertrauen.
würde. Ich rechnete mit einem sehr außerge- passiert ist, hat still und ohne Spektakel begon-
wöhnlichen Vers aus Hesekiel oder dem Buch nen in einem Kreis Jugendlicher, die gerade aus
Hiob. Aber als er mir meine Bibel zurückgab, dem Teenie-Alter kamen. Stetig, still und ohne
stand dort: Mt 6,33! Spektakel – das hatten wir aus der Bibel gelernt
Irgendwie hat Gott mir dadurch wieder eine und das hat uns William MacDonald gelehrt und
Lektion erteilt: es geht um diesen einfachen vorgelebt. Dafür werden wir dem Herrn und ihm
Glauben! Es geht nicht um komplizierte Dinge, immer dankbar sein! ▪

HINWEIS
Die Gefährdetenhilfe Au.s.w.eg in Hardenberg (bei Meinerzhagen) benötigt im kommenden
Sommer dringend einen männlichen Mitarbeiter (FSJler).
Bei Interesse oder Fragen bitte an Timo Fischer wenden:
Christliche Wohngemeinschaft Ausweg e.V | Hardenberg 27 | D-58540 Meinerzhagen
02358 / 272940 | info@wg-ausweg.de | www.wg-ausweg.de
14 BÜCHER

Bücher, durch
die ich gesegnet
wurde Her mann Gr abe

Der nun schon vor vielen Jah- besonders zugetan bin; aber dann denke ich,
ren heimgegangene Evange- dass wir im Himmel ein ewig neues Lied singen
list Albert Winterhoff wollte, werden. Und da ist unser Singen hier eine schöne
sobald er in den Himmel kam, Vorübung.
den Propheten Habakuk aufsu- Ein unbekannter Dichter drückte es so aus:
chen. Der hatte es ihm nämlich
besonders angetan. Wie mancher vollendete Sänger
Durch Gnade zum Himmel gebracht,
Liederbücher sagt dann von den lieblichen Liedern:
Ich habe dasselbe oft von Paul „Die lernte ich einst in der Nacht.“
Gerhard gesagt. So bin ich durch Und mancher der großen Choräle,
alle Liederbücher gesegnet worden, der jubelnd durch´s Vaterhaus klingt
in denen Lieder von ihm stehen. entstieg einer weinenden Seele,
Natürlich sind es nicht nur seine die schluchzend ihr Heimweh besingt.
Lieder, die mir auf dem Glaubens-
weg geholfen haben; aber eben Kommentar zum NT
doch immer wieder auch sie. Ein weiteres Buch, in dem ich gern lese, ist der
Auf meinem langen, oft mühsa- Bibelkommentar für Gläubige von William Mac-
men Weg durch die Finsternis die- Donald.
ser Gott vergessenden Welt, haben Obwohl im englischen Original nur einbän-
zahllose Lieder des Glaubens in dig, zeichnet er sich durch eine überreiche Fülle
vielfacher Weise mein Herz berührt. an Erklärungen aus. Viele Zusammenhänge
Da ging es nicht nur um Trost, macht er deutlich, die dem schlichten Bibelleser
sondern um die ganze Bedeutungsbreite des entgehen würden, und vor allem zeigt er, dass
großen neutestamentlichen Wortes parakale, die Heilige Schrift ein großes Thema hat: Sie will
das eigentlich „beiseiterufen“ bedeutet und mit Jesus Christus, den Sohn Gottes, verherrlichen
allen Formen ungefähr 140 mal vorkommt. In und zeigen, dass wir ohne Ihn weder leben noch
Andererseits der alten Elberfelder Bibel musste es mit sechs selig sterben können.
wurde mein verschiedenen Wörtern wiedergegeben werden. Immer wieder gelingt es dem Schreiber, die
Herz immer Diese sechs Ausdrücke (trösten, ermuntern, biblischen Texte und Fakten aus der histori-
wieder durch zureden, bitten, in jemand dringen und ermah- schen Ferne und theologischen Höhe herab und
nen) sind sozusagen die Rundumversorgung dem Leser nahe zu bringen. Ein sehr markan-
ein Lied
unseres himmlischen Vaters und umfassen das tes Beispiel für diese Kunst findet sich in der
getröstet gesamte Spektrum dessen, was Er uns zu sagen Einführung zum Propheten Jesaja: „… und der
und zum Lob hat, wenn Er uns diskret und unter Ausschluss Prophet, der das Meiste zu dem Libretto (von
unseres ewig der Öffentlichkeit beiseite nimmt, um zu unse- Händels Messias) beigesteuert hat, war ein heb-
gepriesenen rem Herzen zu reden. räischer Schreiber, der sieben Jahrhunderte vor
Wie oft habe ich daher nur leise mitgesun- der Menschwerdung seines Messias lebte“, und
Herrn bewegt.
gen oder blieb ganz still, wenn ich fühlte, dass dann fügt MacDonald hinzu: …“und Händels und
Was könnte ein ich gemeint war, oder wenn ein vollmundiges deines und meines (Messias).“
Buch Besseres Bekenntnis mit meiner Praxis nicht überein- Diese Kunst des immer wieder überraschen-
bewirken? stimmte. Andererseits wurde mein Herz immer den Nahebringens geistlicher Einsichten hat der
wieder durch ein Lied getröstet und zum Lob Schreiber sicher in der jahrzehntelangen Schule
unseres ewig gepriesenen Herrn bewegt. Was dessen gelernt, von dem Elihu im Buch Hiob
könnte ein Buch Besseres bewirken? sagt: „Wer ist ein Lehrer wie Er?“
Vielleicht ist es eine Schwäche von mir, Bei allen Erklärungen hat man das Empfin-
dass ich den verdichteten, komprimierten und den, MacDonald habe nicht nur den biblischen
in Versmaß gepressten Botschaften der Lieder Text, sondern auch gleichzeitig einen interes-
BÜCHER 15

sierten, vielleicht manchmal zweifelnden Frage- Besonders deutlich wird das in den quälenden
steller im Blick. Ihm will er, so gut es geht, Klar- Auseinandersetzungen, denen er nicht auswei-
heit verschaffen, damit er wieder freudig seine chen konnte, und bei denen er immer für Frieden
Straße zieht und auch anderen helfen kann, ein unter den Gläubigen eintrat. John Nelson Darby
Überwinderleben zu führen. Ich finde, dieser sagte von ihm: „Er lebt, was wir predigen.“
Kommentar gehört in jedes Christenhaus! Der biblischen Forderung,
nicht auf das Eigene, sondern
Robert Cleaver Chapman, der Mann, auch auf das der anderen zu
der Jesus lebte sehen, wird in seinem Leben
Dies ist ein Buch, das in kaum überbietbarer beispielhaft entsprochen und
Klarheit zeigt, was Gottes Gnade aus einem mit großer Selbstdisziplin durch-
Menschen machen kann. Auch Robert Chapman gehalten.
wird nicht ohne Fehler gewesen sein; aber ich Besonders wichtig wurde mir,
habe noch nie von einem Menschen der neueren dass R. Chapman nicht nur für
Kirchengeschichte gelesen, der so „erfolgreich“ kurze Zeit, wie in einem riesigen
in die Schule dessen gegangen ist, der gefordert Kraftakt, dies Christus ähnliche
hat: „Lernt von Mir! Denn Ich bin sanftmütig und Leben führte.
von Herzen demütig.“ Er wurde von dem Herrn begna-
Und in Robert Chapman hat sich auch in det, mindestens 70 Jahre lang (von
erstaunlichem Maß das Versprechen des Herrn seinem Umzug nach Barnstaple bis
erfüllt, dass ein Sanftmütiger und von Herzen zu seinem Heimgang) ein bestän-
Demütiger Ruhe für seine Seele finden wird. Man dig helles Licht für die Ungläubi-
wird von der Liebe zu Gott, zu den Heiligen und gen und ein starker Trost und eine
zu den Verlorenen tief beschämt, die R. Chap- belastbare Stütze für die Gläubigen
mans Denken, Reden und Handeln bestimmte. zu sein. ▪

E I N L ADUNG
»Komm und sieh!« … (Young)
»Dead or alive« – Überlebe dein Leben
18.04–20.04.2008 in Schoppen
Anmeldung unter www.schoppen.org
(Weiter zu › Freizeiten › Komm-und-sieh-Wochenenden)

Kontakt für Fragen und Infos:


Daniel und Anja Zach | Andreas-Bräm-Straße 74 | 47506 Neukirchen-Vluyn
email: kommundsieh@schoppen.org

26. KfG-Herbstkonferenz
v0m 30.10.-2.11.2008 in Rehe / Westerwald
Thema: »Die Bedeutung des Gebets und der Anbetung – im persönlichen Leben und in der
Gemeinde« mit Benedikt Peters und Wolfgang Bühne

Anmeldung bei KfG-Geschäftsstelle | Mackenzeller Str. 12 | D-36088 Hünfeld |


Tel: (06652) 91 81 87 | Fax: (06652) 91 81 89 | service@kfg.org

Freizeit für Christen in der zweiten Lebenshälfte


Thema: „Vertrauensvoll in eine unsichere Zukunft - Waren die früheren Tage besser als die heutigen?“
26.10.08 – 31.10.08 (Bibellesebund Marienheide)

Veranstalter:
Pierre & Eda Conod, Zürich | Jochen & Gunhild Stücher, Hainburg | Friedrich-Wilhelm & Elke Tertel, Gummersbach-Peisel
Anmelden und Infos bei:
E.-J. & G. Stücher, Ostring 33 | D-63512 Hainburg | 06182-5950 | email: jochen@stücher-info.de
16 BIBELARBEIT

Das Gebet des


Gerechten vermag viel,
(Teil 2)
wenn es ernstlich ist Bendedikt Peter s

Alle brauchbaren Knechte Gottes im indem er den einzigen Gerechten, den es dort
Alten Testament waren Beter! gab, mit zwei Töchtern aus dem Gericht her-
Das Leben der Erzväter und Propheten zeigt, ausrettete. In 20,7.17 bekommen wir Einblick in
wie eminent wichtig es ist, dass im Leben der die überaus verwunderliche Tatsache, dass die
Heiligen das Gebet oberste Priorität hat. Das Geschicke heidnischer Könige mit den Gebeten
sind die Männer, durch die Gott seinen Heilsrat der Heiligen Gottes verquickt sind.
vorantrieb. An ihnen lernen wir, dass nur Beter in
Wir sagen dieser hohen Berufung ihren Platz und ihre Auf- Jakob
richtige Dinge, gabe finden. Jakob wurde zu Israel – am Ende einer Gebets-
immer etwa die Mit einigem Selbstbewusstsein beteuern wir nacht (1Mo 32,27; Hos 12,4.5). Die Episode von
immer wieder die Überlegenheit der neutesta- 1Mo 32 steht am Ende seines zwanzigjährigen
gleichen Aus- mentlichen gegenüber den alttestamentlichen Exils im Zweistromland. Zum ersten Mal finden
drücke, aber Gläubigen. Was dabei wirklich befremden muss wir hier Jakob, den von Gott Erwählten, im Gebet
ohne Glauben, ist die Tatsache, dass wir, die wir uns so geseg- (V. 9). Ob er in den zurückliegenden Jahren nie
ohne Erwar- net und privilegiert wissen, kaum je mit solchem gebetet hat, wissen wir nicht, aber wir können
tung, ohne Ernst beten oder im Gebet solch triumphierende wohl mit einigem Recht behaupten, dass Jakob
Gewissheit kennen wie verschiedene Knechte erst hier wirklich lernte zu beten. Davor hatte
gespanntes Gottes im Alten Testament. Woran liegt das? er stets seinem Verstand und seinem Geschick
Ausschauen vertraut, und er war dabei ganz erfolgreich
nach der Abraham gewesen (obwohl er auch dabei Gottes Güte
Erhörung. Abraham, der „Vater der Gläubigen“ (Röm 4,11.12), alles verdankte; siehe 28,12–15). Die Not lehrt ihn
war ein Beter! Kaum war er am Ort der Verhei- beten, wie das so oft der Fall ist. Hier hat Jakob
ßung angekommen, so wie Gott ihm bei seiner einen Anfang gemacht; er hat damit etwas
Berufung verheißen hatte, rief er den Namen geschmeckt von der Wirklichkeit der hohen
des Herrn an (1Mo 12,8). Das blieb bestimmend Berufung der Erwählten Gottes: Sie sollen vor
für sein ganzes Glaubensleben, wie sein weiterer Gott stehen; sie dürfen zu ihm rufen und wissen,
Weg zeigt. dass er sie hört.
Eine der eindrücklichsten Lektionen zum In der darauffolgenden Nacht beginnt Jakobs
Thema Fürbitte findet sich in 1Mo 18,23–33. Gott „Ausbildung“ zum Beter. Dabei müssen die
offenbart Abraham seine Absicht, die Stadt drei Dinge an ihm geschehen, die hier vermerkt
Sodom heimzusuchen, und darauf antwortet sind: Er muss dahin kommen, dass er allein ist,
Abraham als der Mann Gottes, der er ist, mit allein vor Gott, ohne jede menschliche Hilfe und
Fürbitte für die Stadt. Zunächst lernen wir hier, Stütze; er ringt im Gebet, (siehe Hos 12,4.5), und
dass Gott seinen Kindern und Knechten seine er lässt nicht locker, bis er das Erbetene emp-
Absichten auch deshalb enthüllt, damit sie fangen hat. Hier haben wir die entscheidenden
anfangen, im Gebet mit einzusteigen in sein Komponenten, auf die es ankommt. Wie wird
Werk. Gott möchte seine Heiligen, wie schon man ein Beter? Was ist ein Beter? Jakob war
gesagt, zu Mitarbeitern an seinem Wirken in der schon über zwanzig Jahre ein Gläubiger, ehe er
Welt machen. anfing, ein Beter zu werden. Vielen von uns geht
Die Art und Weise, wie Abraham betet, auf es auch so. Wir haben bei der Bekehrung und
seine Bitte eine Antwort bekommt und zur einige Zeit danach gebetet und Gebetserhörun-
nächsten Bitte gedrängt wird, die wieder ihre gen erfahren. Und dann versanken wir in eine
Antwort erhält, muss uns sehr verwundern und seltsame Form der Gebetslosigkeit. Wir beteten
wohl auch beschämen. Es sind nicht viele unter zwar noch, aber eigentlich sprachen wir nur noch
uns, die das kennen: ein solch freimütiges Reden Gebete. Wir sagten richtige Dinge, immer etwa
zu Gott, das fortwährend beantwortet wird. die gleichen Ausdrücke, aber ohne Glauben,
In 1Mo 19,29 erfahren wir, dass Gott Abrahams ohne Erwartung, ohne gespanntes Ausschauen
Fürbitte für die Gerechten in der Stadt erhörte, nach der Erhörung. Es muss uns irgend wann
BIBELARBEIT 17

einmal so ergehen wie Jakob. Wir müssen in sol- tion auf den Schock der Niederlage vor Ai. Er
che Not kommen, dass wir erkennen: Wir haben beginnt nicht damit, nach dem Schwachpunkt
keinen Helfer außer dem Herrn! Und wir müs- in der Strategie zu fahnden, oder den Fehler in
sen wohl auch durch eine solche Nacht gehen, der falschen Aufgabenverteilung der am Feldzug
in der uns jede Stütze genommen ist und Gott Beteiligten zu suchen. Sondern er wirft sich auf
anfängt, uns niederzuringen. Dann erreichen wir die Erde und harrt vor dem Angesicht Gottes so
jene Grenze, die wir einmal überschritten haben lange aus, bis Gott redet: „Da sprach der HERR
müssen. Dann beginnen wir Gott und Sein Wort zu Josua …“.
Ohne Glauben
so ernstzunehmen, dass wir entschlossen sind, Und noch mehr als bei Mose müssen wir uns um Heilung zu
so lange zum Herrn zu schreien und von ihm über Josuas Freimütigkeit verwundern. Man beten, wäre
nicht zu lassen, bis er antwortet! bedenke, worum er in 10,12–14 betete – und Fanatismus.
„Ich hebe meine Augen auf zu dir, der du das vor den Ohren des ganzen Volkes: „Damals Aber warum
thronst in den Himmeln! Siehe, wie die Augen redete Josua zu dem HERRN … und sprach vor
der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die den Augen Israels …“! Manche von uns wagen
hat niemand
Augen der Magd auf die Hand ihrer Gebieterin, es nicht, in Gegenwart anderer um Dinge zu bit- den Glauben?
also sind unsere Augen gerichtet auf Jehova, ten, die so bestimmt sind, dass man nachprüfen Weil niemand in
unseren Gott, bis er uns gnädig ist“ (Ps 123,1–2). kann, ob die Bitte angenommen wurde oder der Schule des
nicht. Meistens beten wir so: „Herr, Du kannst Gebets gelernt
Mose meinem Nachbarn die Augen öffnen.“ Das ist
Mose war ein Beter. Das zeigt sich vielleicht sicher wahr, aber das ist erst ein Bekenntnis, das
hat, zu bitten
nirgends so deutlich wie in 2Mo 5,22 und in den ist noch keine Bitte. Oder wir werden aufgefor- und zu emp-
nachfolgenden Begebenheiten. Mose hat sich dert für Bruder X zu beten, der krank ist. Das fangen – auch
von Gott zu seinem Volk senden lassen, er hat Kühnste, das jemand zu bitten wagt, ist dann den Glauben
sein Leben dieser Sendung und damit dem Wohl meistens: „Herr, tröste unseren Bruder!“ Mit von Gott, für
des Volkes Gottes untergeordnet, und er wird dieser Bitte exponiert man sich nicht. Und dann
von Angehörigen dieses Volkes angegriffen. sagt jemand dem Herrn: „Herr, du kannst ihn
ganz be-
Mose zahlt den undankbaren Israeliten nicht heilen.“ Selbstverständlich kann er das. Warum stimmte Dinge
mit gleicher Münze heim, sondern wendet sich aber wagt niemand den Herrn zu bitten: „Herr, zu beten.
reflexartig an Gott. Dieser Reflex beweist, dass heile ihn!“ Wohl weil niemand den Glauben dazu
er in den Jahren der Stille vor Gott ein Beter hat, und dann ist es in der Tat auch richtig, nicht
geworden ist; denn so reagiert nur ein gewohn- so zu beten.
heitsmäßiger Beter. Ohne Glauben um Heilung zu beten, wäre
Nur jemand, der in jahrelangem Umgang mit Fanatismus. Aber warum hat niemand den Glau-
Gott gelernt hat, zu bitten und während des ben? Weil niemand in der Schule des Gebets
Bittens bereits zu empfangen (siehe Mk 11,24), gelernt hat, zu bitten und zu empfangen – auch
gewinnt die Kühnheit, die Mose hatte. Oder wer den Glauben von Gott, für ganz bestimmte
von uns hätte die Kühnheit gehabt, einem Pha- Dinge zu beten. Das aber lernt man nicht aus
rao anzukündigen, man werde beten, dass die Büchern oder durch Appelle, sondern im steti-
Froschplage aufhöre? Was wäre gewesen, hätte gen Umgang mit Gott, während man vor seinem
Gott nicht auf das Gebet des Mose gehört? Und Angesicht lebt.
ein Beter wie Mose weiß, dass Sieg und Nieder-
lage gegen jeglichen Feind in Gottes Händen ist, Hanna und Samuel
und darum erbittet er alles von ihm. Hanna: Die Erweckung in Israel, die mit dem
In den folgenden Kapiteln lernen wir Mose Dienst Samuels begann und ihren Höhepunkt in Man wird
als Fürbitter kennen, auf dessen Gebet hin Gott der Regierung Davids erreichte, begann mit einer ein Beter,
das verdiente Gericht von seinem Volk abwendet betenden Frau (1Sam 1). Hanna flehte so lange,
indem man
(siehe Ps 106,23) und durch dessen Fürbitte ein bis sie bereit war, nichts mehr für sich und alles
noch gefährlicherer Feind als Amalek überwun- für Gott und seine Ehre zu wollen. Da gab ihr der betet!
den wird, nämlich die Sünde im eigenen Volk. Herr, worum sie bat. Samuel, den Sohn ihrer Bit-
ten, gab sie wenige Jahre später aus ihrer Hand,
Josua und er wurde zum Propheten in Israel. Durch
Josua war auch ein Beter (Jos 7,6.7; 10,12–14). ihn wurde David, der Mann nach Gottes Herzen,
Wie wichtig Gebet ist, hatte er in all den Jahren, gesalbt und eingeführt.
die er in seiner Nähe verbrachte, an Mose gese- Unter David wurde erstmals seit den Tagen
hen. Und er lernte beten, indem er selber betete Moses und Josuas das ganze zwölfstämmige
(2Mo 33,11). Man wird ein Beter, indem man betet! Volk auf die Höhe seiner Berufung geführt. Das
Es gibt keine andere Schule des Gebets. Josua ist eine Umschreibung für geistliche Erweckung;
war also in den 40 Jahren an der Seite Moses zu und diese Erweckung begann mit einer einsa-
einem Beter geworden. Das erklärt seine Reak- men Beterin, setzte sich fort durch ihren Sohn,
18 BIBELARBEIT

der auch ein Beter war, und fand in einem weite- wort ist immer die gleiche. Wen Gott gelehrt
ren Beter, in David, ihre Vollendung. hat, sein Angesicht im Gebet zu suchen, findet
Samuel war als Antwort auf Gebet empfan- wachsende Gewissheit über Gottes Wege und
gen worden. Er wird vom Vorbild seiner Mutter Absichten und kann entsprechend beten – und
geprägt worden sein und wurde selbst ein Beter. Gottes Absichten erfüllen sich (siehe Jak 5,17.18).
Nur jemand der weiß, was es heißt, zu bitten und Jesaja war ein Beter, und das wusste man
zu empfangen (1Sam 7,8.9), hat solche Kühnheit, in Jerusalem. Deshalb sandte der König Hiskia
wie Samuel sie bewies, als er dem Volk ankün- in der Not zu Jesaja mit der Bitte: „Erhebe eine
digte, er wolle Gott bitten, zu donnern mitten in Gebet für den Überrest, der sich noch vorfindet“
der Erntezeit, in der es sonst weder Wolken noch (2Kö 19,2–4). Wir bitten ja gerne Geschwister
Regen noch Gewitter gab (12,16–18). Und was für uns zu beten für unsere alltäglichen kleinen
wir bei Mose gesehen haben, stellen wir auch Herausforderungen. Manchmal aber geraten
bei Samuel fest: Nur ein geübter Beter wendet wir in solche Schwierigkeiten, dass wir nur den
sich bei unerwarteten und unwillkommenen einen oder anderen ganz bestimmten Heiligen
Geschehnissen reflexartig als erstes an Gott. Nur um Fürbitte ersuchen.
ein Beter empfindet es als Sünde, die Fürbitte Einmal stand der Fortgang unserer Gemeinde
für das Volk Gottes zu vernachlässigen. Wer kein auf dem Spiel, und innerhalb weniger Stunden
Beter ist, klagt sich selbst zwar von Zeit zu Zeit sollte ein Gespräch stattfinden, an dem sich der
Wer kein Beter an, dass er so wenig Zeit im Gebet verbringt, aber ganze weitere Weg der Gemeinde entscheiden
ist, klagt sich die Tatsache, dass er nichts an seinen Gewohn- würde. Da ging ich die ganze Adressliste unserer
selbst zwar heiten ändert, zeigt jedes Mal neu, dass er in der Gemeinde durch und wusste genau, wer für sol-
Gebetslosigkeit nicht viel mehr als einen klei- che Dinge beten konnte und beten würde. Diese
von Zeit zu nen, eher entschuldbaren Mangel sieht, von dem wenigen rief ich einzeln an. Sie schrieen zum
Zeit an, dass überdies auch viele andere befallen sind. Herrn, und an jenem Abend siegte Seine Sache.
er so wenig In 2Chr 32,20 erfahren wir, dass König Hiskia
Zeit im Gebet David zusammen mit Jesaja zum Herrn schrie, während
verbringt, aber David war ein Beter, wie seine Biographie und das assyrische Heer vor den Toren Jerusalems lag
mehr noch seine Psalmen an sehr vielen Stellen und nur darauf wartete, dass man ihm die Tore
die Tatsache, zeigen. öffnete. Was tut König Hiskia? Nur beten? So
dass er nichts Greifen wir nur eine Episode heraus. Durch würden wohl manche von uns sagen. Man muss
an seinen Davids Versagen haben er und alle seine Leute doch auch realistisch und vernünftig sein. Ist
Gewohnheiten ihre Familien verloren (1Sam 30,1–4). Was tut es nicht Gott versuchen, wenn man ein akzep-
ändert, zeigt David nun? In V. 6 steht der für David bezeich- tables Angebot zur ehrenvollen Kapitulation in
nende Satz: „Aber David stärkte sich in dem den Wind schlägt und sich in die Gebetskammer
jedes Mal neu, HERRN, seinem Gott.“ Er warf sich in Gottes flüchtet? Die Bewohner Jerusalems konnten
dass er in der Arme und begann zu ihm zu rufen. Er fragte, ob dankbar sein, dass sie einen König hatten, der
Gebetslosig- er dem Feind, der alles geraubt hatte, nachsetzen wusste, wo wirklich die Würfel fallen!
keit nicht viel solle. Der HERR antwortete, und damit wendete Jeremia war gleichfalls ein Beter. Das bewies
mehr als einen sich das ganze böse Geschick. Nehmen wir noch er mit seiner Beharrlichkeit. Er hörte nicht auf,
ein Beispiel aus Davids Psalmen: Ps 119,145–147. für das Volk zu beten, bis ihm der Herr dreimal
kleinen, eher Wer unter uns betet mit solchem Ernst? Wer gesagt hatte, er solle damit aufhören (7,16; 11,14;
entschuldbaren verbindet sein Beten mit dem Verlangen und 14,11). Dass man den Propheten beim Beten
Mangel sieht, dem Versprechen, ein Leben des Gehorsams zu bremsen muss, spricht Bände über sein Gebets-
von dem über- leben? Und wer betet und wartet dann, bis Gott leben. Entsprechend bekommt er so unmissver-
dies auch viele redet? ständliche Antworten vom Herrn, wie sie eben
nur ein solcher Beter bekommt.
andere befallen Elija, Jesaja, Jeremia und Habakuk Habakuk war ein Beter. Sein Buch beginnt
sind. Elija war ein Beter. Woher nahm er die Kühn- mit Gebet und endet mit Gebet. Was dazwischen
heit, die Witwe zu bitten, ihm ihren toten Sohn steht sind die Antworten, die Gott ihm auf seine
zu geben, um dann von Gott zu erwarten, die- Gebete gab. Dass Habakuk mit Glauben betete,
sen aus dem Tod zu erwecken (1Kö 17,20–22)? erkennen wir daran, dass er, nachdem er gebetet
Und woher kam ihm der Mut, im Vertrauen auf hatte, Ausschau hielt nach Gottes Antwort.
seinen Gott allein ein ganzes Heer von Göt-
zenpriestern herauszufordern, und das vor Daniel
versammeltem Gottesvolk? Hatte denn dieser Daniel war ganz sicher ein Beter. Als Antwort auf
Mann keine Angst, einen launischen Herrscher sein Beten offenbarte ihm Gott die Geheimnisse
wie Ahab gegen sich aufzubringen, als er ihm seiner himmlischen Regierung und seines kom-
drei lange Jahre ohne Regen ankündigte? Was, menden Reiches (Dan 2,17.23). Das erinnert an ein
wenn der Regen nicht gefallen wäre? Die Ant- Gebet des Paulus, wo er für die Heiligen betet,
BIBELARBEIT | MISSION 19

dass Gott ihnen den Geist der Weisheit und das babylonische Reich durch das persische
Offenbarung gebe, um die in Christus geworde- abgelöst worden war nach Gottes Vorsatz und
nen und geoffenbarten Geheimnisse des Heils zur von Gott vorher bestimmten Stunde (Jer
zu verstehen. An Daniel 6,11 können wir ablesen, 25,11.12). Das wiederum lehrt ihn zu fragen, wie Die Weltge-
dass ein Mann, der wie Daniel sein Leben lang ein diese Umwälzung in der Welt der heidnischen schichte – die
Beter war, vom Beten nicht mehr lassen kann. Es Reiche mit Gottes Vorsatz für sein Volk zusam- nichts anderes
ist ihm zur zweiten Natur geworden, so natür- menhängt, und er findet die Antwort in der ist als der
lich wie das Atmen. Er kann und er will ohne die Bibel, in Jer 29,10. Und so wirft er sich vor Gottes
äußere Rah-
Zwiesprache mit seinem Gott nicht mehr sein – Angesicht nieder und beginnt für sein Volk zu
lieber will er sterben. In Dan 9,1–3 sehen wir die beten. men für die
Gewissheit, dass die Heilsgeschichte so verläuft, Sollten wir nicht auch in der gleichen Weise Heilsgeschich-
wie Gott es sich vorgesetzt und geoffenbart hat offene Augen haben für Gottes Walten in der te – geht von
(Jer 25,11.12; 29,10). Dabei will Gott, dass seine Geschichte und darin das göttliche Lenken aller Gottes Thron
Heiligen ihn darum bitten, dass sein Vorsatz sich Umstände sehen, das seinen Heilsrat vorantreibt
aus durch die
erfüllt. So hat Gottes Sohn uns beten gelehrt: und auf die Vollendung seines Volkes zustrebt?
„Dein Reich komme, dein Wille geschehe.“ Stellen diese Wirklichkeiten die Aufforderung erhobenen
Das letzte Buch der Bibel bestätigt diese im von 1Tim 2,1–4 nicht erst in seinen eigentlichen Hände sei-
ersten Buch der Bibel gelehrte Wahrheit: Der Zusammenhang? ner betenden
Gang der Reiche dieser Welt und ihr Ende in den Und schließlich lernen wir in Dan 9, dass dem Knechte.
göttlichen Gerichten wird ausgelöst durch die Fürbitter weitere und tiefere Einsichten in Gottes
Gebete der Heiligen (Off 8,4–6). Wege offenbart werden: Auf das Gebet Daniels
Die Hauptthemen des Buches Daniel sind die für sein Volk antwortet Gott, indem er einen
Reiche dieser Welt und das kommende Reich des Engel sendet, der Daniel den weiteren Gang der
Menschensohnes. Dass gerade der Prophet, der Geschichte seines Volkes enthüllt (9,20–27).
diese Botschaften empfing, sich in besonderer Nehemia war ebenfalls ein Beter. Das einlei-
Weise als Beter auszeichnet, bestätigt das eben tende Kapitel ist die Erklärung für den ganzen
Gesagte: Die Weltgeschichte, die nichts anderes weiteren im Buch erzählten Verlauf der Dinge.
ist als der äußere Rahmen für die eigentliche Alles beginnt mit ausharrendem Gebet (Neh 1,4).
Geschichte – nämlich die Heilsgeschichte – Bei ihm begegnen wir auch dem gleichen Reflex,
geht von Gottes Thron aus durch die erhobenen den wir bei Mose gesehen haben. Kaum hört er
Hände seiner betenden Knechte. von der Not in Jerusalem, wendet er sich an den
Wir lernen an Daniel 9, wie er zeitgeschicht- Herrn. Von Nehemia lernt das Volk, nicht auf den
liche und tagespolitische Umwälzungen im Licht Spott der Feinde zu antworten, sondern sich
des Wortes Gottes deutet: Daniel erkennt, dass sofort an seinen Gott zu wenden. ▪

Puerto Lempira –
wo Kokain
Wo l f ga ng
B ühne vom Himmel fällt

„Wenn Ihr Weißen dort ankommt, werden die Nur per Schiff oder Flugzeug kann man die
weißen Drogenfahnder Euch erschießen, weil „Hauptstadt“ dieses mit ca. 80.000 Bewohnern
sie Euch nicht kennen und für Drogenhändler dünn besiedelten Gebietes erreichen, wo die
halten, oder die Drogenfahnder werden Euch für „Misquitos“ wohnen, die neben ihrer eigenen
weiße Drogenhändler halten und Euch deshalb Sprache nur gebrochen Spanisch sprechen und
erschießen“, hatte Omar scherzhaft geäußert, kaum Kontakt zur Außenwelt pflegen können.
bevor wir am 20.2. dieses Jahres in das kleine Omar Ortiz, der vor drei Jahren zum ersten
Propeller-Flugzeug stiegen, das uns von La Ceiba Mal diese Gegend besucht und dann von Haus zu
aus in das riesige Regenwald-Gebiet „Mosquitia“ Haus evangelisiert hat, hatte uns von der Unmo-
im Nord-Osten von Honduras bringen sollte. ral, dem Okkultismus und der Kriminalität dieses
20 MISSION

Drogenumschlagplatzes erzählt. Er begleitete erkrankt waren und sich mit


uns als langjähriger Freund auf dieser Reise. selbst gebastelten, handange-
Entsprechend gespannt landeten wir nach triebenen Fahrzeugen fortbe-
75 Minuten auf einer Lehmpiste, die mehr einem wegten. Auf unsere Nachfrage
Marktplatz, als einem Flughafen ähnelte. erklärte uns ein Betroffener, der
Keine Absperrungen, keine Sicherheitsmaß- inzwischen Christ geworden ist,
namen, keine Kontrollen … Nur ein altes Schild dass man ihn und viele andere
mit dem verwitterten und „beruhigenden“ Hin- angeworben hatte, in bis zu 120 m Tiefe nach
weis: „Waffen bitte nicht im Handgepäck trans- Langusten zu tauchen. Nur mit einer Taucher-
portieren!“ war als Warnung zu lesen. brille, einem Druckschutz und einer Sauerstoff-
Flasche, die für 45 Minuten reicht, wurden sie
Geistlicher, moralischer und materi- täglich oft 6 – 8 mal in die Tiefe geschickt,
eller Notstand wobei sie angewiesen wurden, den Sauerstoff
Puerto Lempira kann man eigentlich nicht als bis zur letzten Minute zu nutzen, um dann so
Stadt bezeichnen, denn die ca. 34.000 Einwoh- schnell wie möglich aufzutauchen. Diese häu-
ner leben weit zerstreut in meist jämmerlichen figen und hektischen Tauchgänge lösen im
Holzhütten. Nur am Hafen sieht man eine Körper Schädigungen aus, die Lähmungen zur
Anzahl ungeteerter Straßen, die von Häusern Folge haben und damit eine Familie auch wirt-
gesäumt sind, wo man das Nötigste kaufen und schaftlich ruinieren, denn Versicherungen oder
Als wir in diesen verkaufen kann. gar Renten kennt man hier nicht.
Tagen alle Ge- Dort sahen wir auch eine Kirche der „Herrn- Was die Mosquitia als Drogenumschlags-
schwister kurz huter Brüdergemeine“, die hier vor 200 Jah- „Paradies“ betrifft, funktioniert es im Allgemei-
ren als erste Missionare dieses Land betreten nen so:
besuchten, haben. Doch von ihrem hingegebenen, geistli- Des Nachts kommen kleine Flugzeuge meist
wurden wir tief chen Leben ist leider nichts mehr zu sehen. Im aus Kolumbien und werfen an bestimmten
beschämt und Gegenteil – obwohl das Emblem der Herrnhuter Stellen Pakete mit Kokain ab, die sofort von
erschüttert (Lamm und Kreuz) von weitem zu sehen ist – bereitstehenden und mit modernsten Naviga-
beim Anblick wird erzählt, das die beiden rivalisierenden Pas- tionsgeräten ausgerüsteten Schnellbooten ein-
toren sich gegenseitig angesichts der Gemeinde gesammelt und dann über Mexiko oder andere
ihrer auf Pfäh- mit Pistolen bedroht haben sollen und als Folge Länder weitergereicht werden. Manchmal wer-
len gebauten die Gemeinde geteilt wurde. den die Drogen auch per Schiff in die Mosquitia
Holzhütten, Überhaupt scheint das religiöse Klima hier gebracht und dort von Drogen-Kurieren aufge-
meist nur ein recht ungewöhnlich zu sein. Das „Christentum“ griffen und an Händler verkauft.
Zimmer ohne an diesem Ort besteht aus einer Mischung von Wenn es gelegentlich zu Notlandungen oder
Stammesriten, Okkultismus und christlichen Unfällen kommt und die Piloten oder Boots-
Strom- und Traditionen. Wenn – wie wir noch berichten führer fluchtartig vor der Polizei verschwinden
Wasseran- werden – gelegentlich Drogenpakete „vom müssen, strömen die Einheimischen sofort aus,
schluss, von Himmel fallen“ und in die Hände von Bewoh- um so viel Kokain wie möglich zu ergattern, zu
Kanalisation nern geraten, steigen von den Kanzeln Dan- verstecken und zur rechten Zeit an die Händler
ganz zu kesgebete für diesen „göttlichen Segen“ zum zu verkaufen. So geraten sie dann für kurze Zeit
Himmel auf! an sehr viel Geld, dass sie aber meist aus Man-
schweigen. Auch fordern die Pastoren der verschiede- gel an Möglichkeiten oder aus Dummheit nicht
nen Pfingst- und charismatischen Gemeinden vernünftig einsetzen.
von ihren Mitgliedern energisch den „Zehnten“,
den sie dann als persönliches Gehalt für ihren Erschütternde Armut
Dienst einstreichen und damit nicht selten ver- Solche Leute, die durch die persönliche Evan-
hältnismäßig reich werden. Natürlich sind damit gelisation unserer Brüder zum Glauben an
Neid, Streit und Trennungen vorpro- den Herrn Jesus gekommen sind, können sich
grammiert. natürlich nicht mehr an diesem schmutzigen
Geschäft beteiligen und leben in teilweise bit-
Drogenhandel und Fisch terster Armut.
Die Leute hier leben vor allem vom Als wir in diesen Tagen alle Geschwister
Fischfang, bei dem die Männer meist 12 kurz besuchten, wurden wir tief beschämt
Tage unterwegs sind, um anschließend und erschüttert beim Anblick ihrer auf Pfählen
9 Tage ausgiebige und abscheuliche gebauten Holzhütten, meist nur ein Zimmer
Orgien zu feiern. ohne Strom- und Wasseranschluss, von Kana-
Auffallend war, dass uns recht viele lisation ganz zu schweigen. Unvergesslich der
Männer im besten Alter begegneten, Besuch bei der jungen Schwester Celina, die
die querschnittsgelähmt oder sonst wie sich nach ihrer Bekehrung von ihrem Lebens-
MISSION 21

gefährten getrennt hat sammlungs-Haus, von einem Trupp Brüder aus


und mit seiner alten Honduras in Eigenleistung und mit finanzieller
Mutter in einer brü- Hilfe von „fest&treu“-Lesern gebaut. Von dem
chigen Hütte haust. Unter 10x15m großen Saal ist ein kleiner Raum von
dieser grunzte eine fette, an einen Pfosten ca. 1,5x3m provisorisch abgetrennt. Das ist das
angebundene Sau – der einzige Besitz dieser Wohn- Arbeits- und Schlafzimmer von Cefe-
Schwester. Sie kann auch abends nicht zu den rino, einem 28 Jahre jungen honduranischen
Versammlungen der Christen kommen, weil sie Bruder, der sich von Gott gerufen weiß, hier in Es ist wirklich
das Schwein vor Diebstahl bewachen muss! dieser Umgebung das Evangelium zu verkün- eine bunte
Nach diesen erschütternden Eindrücken digen und die junge Gemeinde zu betreuen, die Schar, die sich
haben wir am anderen Morgen als erstes Säcke durch den Dienst von unseren Brüdern Walter unter dem Wort
mit Reis, Bohnen, Margarine, Zucker, Nudeln Altamirano und Omar Ortiz in den vergangenen
und Seife gekauft und an alle diese Familien beiden Jahren entstanden ist. Gottes, zum
verteilt. Ohne finanzielle Absicherung, in größter Gebet und zum
Bescheidenheit, aber im Vertrauen auf den Brotbrechen
Zu Besuch bei der Zauberin Herrn verrichtet er schlicht, aber unter dem trifft: Arme,
„Doña Berta“ Segen Gottes seinen Dienst. bedrängte und
Als wir am Ende noch einen Rest an Nudeln,
Zucker und Seife übrig hatten, beschlossen wir Dunkle Mächte müssen weichen behinderte
auch „Doña Berta“ zu besuchen, der bekannten Erst Anfang Februar sind noch vier Personen von Menschen,
und gefürchteten Zauberin am Ort, die sich aber Omar getauft worden. Darunter eine Mutter, deren Herzen
unserem Bruder Omar immer als sehr gastfrei Glenda, die von ihrem Lebensgefährten betro- aber durch das
und offen gezeigt hatte. Es war eine wohlbe- gen und ausgeraubt wurde und ihrem Elend ein Licht des
leibte ältere Dame, die offensichtlich das Kom- Ende bereiten wollte. Sie hatte schon den Strick
mando über ihre Sippe führte und uns mit gro- in der Hand, um zuerst ihre drei Kinder und dann Evangeliums
ßer Freundlichkeit empfing. Sie umarmte Omar sich selbst zu erdrosseln. Im letzten Augenblick erreicht,
und sagte lachend zu ihm: „Brüderchen, ich schoss ihr der Gedanke durch den Kopf: „Wenn erleuchtet und
hatte extra eine schöne lange Rinderzunge für es einen Gott gibt, dann möge er sich jetzt erwärmt
Dich gekauft und aufbewahrt, aber sie ist nun irgendwie zeigen!“ Danach hatte sie keinen wurden.
leider verfault. Dann hatte ich kleine Kuchen für Mut mehr ihr Vorhaben durchzuführen und am
Dich gebacken, aber diese Burschen dort haben frühen Morgen erschien unerwartet Omar zu
sie verzehrt. Und nun habe ich nichts, was ich Besuch, der ihr das Evangelium verkündigte.
Euch anbieten kann.“ Das Großartige geschah: Gott bewirkte eine
Nachdem wir ihr die Lebensmittel geschenkt sofortige und gründliche Bekehrung!
hatten, befahl sie ihren beiden Neffen im Tee- Ein weiterer Täufling war ihr 15 Jahre alter
nie-Alter, am Abend in die Versammlung der Sohn Josué. Er zeigte in letzter Zeit ein gestör-
Christen zu gehen. Tatsächlich erschienen sie tes Verhalten und in Gesprächen mit Ceferino
und zwei weitere Jungen aus ihrer Sippe pünkt- gaben fremde Stimmen aus ihm Lästerungen
lich und hörten aufmerksam zum ersten Mal das und Obszönitäten von sich, die offensichtlich
Evangelium aus dem Mund von Alois. durch okkulte Belastungen verursacht waren.
Zwei Töchter von Doña Berta besuchen Nach Gebeten von Ceferino verabschiede-
übrigens bereits seit längerer Zeit die Gemeinde ten sich die „Stimmen“ mit den Worten „Wir
und eine von ihnen hat sich bekehrt und möchte kommen wieder!“ Aber seitdem ist Josué frei
nun getauft werden. von diesen Belästigungen und wir lernten ihn
als einen aufmerksamen und fröhlichen Chris-
Der „Brückenkopf“ ten kennen.
Nur etwa 200m vom „Flughafen“ entfernt steht Es ist wirklich eine bunte Schar, die 30 – 60
nun seit einigen Monaten ein stabiles Ver- Leute, die sich wöchentlich fünf Mal unter dem
Wort Gottes, zum Gebet und zum Brotbrechen
treffen: Arme, bedrängte und behinderte Men-
schen, deren Herzen aber durch das Licht des
Evangeliums erreicht, erleuchtet und erwärmt
wurden. Unser Wunsch und Gebet ist, das von
hier aus in Zukunft – vielleicht per Boot – das
Evangelium auch in die kleinen, verstreu-
ten Dörfer der Umgebung getragen werden
kann. ▪
22 BUCHBESPRECHUNGEN

William MacDonald letzten Jahrzehnte der Untergrundkirche in China miterlebt und


Seiner Spur folgen mitdurchlitten hat.
Anleitung zur Jüngerschaft Als junger Christ erlebte Samuel Lamb die Machtübernah-
CLV, Pb., 432 S., € 9,90 me durch die Kommunisten mit den grauenhaften Folgen für die
Christen, die dem Herrn die Treue halten wollten.
Was schon die 432 großen Textseiten Bereits als Jugendlicher bereitete er sich auf eine lange Lei-
vermuten lassen, wird bei der Be- denszeit vor, indem er große Teile der Bibel auswendig lernte,
trachtung des Inhaltsverzeichnisses um sich auch dann von dem Wort Gottes ernähren und führen
zur Gewissheit: Es handelt sich bei lassen zu können, wenn der Besitz einer Bibel unter Strafe ge-
diesem Werk um den Versuch, eine stellt würde.
möglichst umfassende Hilfe für zwei 1955 war es dann soweit: als einer, der dem Herrn und seinem
Personengruppen zu bieten. Erstens für junge Leute, die wirk- Wort die Treue halten wollte, wurde Samuel als junger Familien-
lich Jünger des Herr Jesus werden möchten (Joh 15,8). Zweitens vater zu über 20 Jahren Haft verurteilt, aus der er erst am Ende
für diejenigen, die sie anleiten sollen (2Tim 2,2). Beide Gruppen der blutigen Kulturrevolution entlassen wurde.
finden hier eine Fülle von Anregungen, und beiden Gruppen wird Heute ist Samuel Lamb Leiter einer Untergrund-Kirche in
Mut gemacht, anzufangen und durchzuhalten, Disziplin einzuü- Guangzhou mit etwa 4.000 Geschwistern. Man kennt ihn im
ben und zu bewahren. ganzen Land als eine der Säulen der unterdrückten Gemeinde in
Bibellehrer wird man immer wieder finden. Woran es man- China.
gelt sind Menschen, die ihr Christsein im täglichen Lebensvoll- Die physischen und psychischen Leiden und Torturen, die
zug offenbaren und auch bereit sind, willige junge Leute daran Samuel in der langen Leidenszeit erlebt hat, sind erschütternd
teilhaben zu lassen. Die Voraussetzung dazu ist Liebe zu den zu lesen. Aber das Wertvolle und überaus Ermutigende dieser
jungen Leuten, Liebe zu den Verlorenen und vor allem Liebe zum Lebensgeschichte ist, dass dieser Mann in der Haftzeit ein fröh-
Herrn und Gemeinschaft mit Ihm. licher Christ geblieben ist, der alles aus Gottes Hand annehmen
Das große Vorbild für alle Lehrer ist der Herr Jesus selbst, der konnte, keine Bitterkeit aufkommen ließ und seine Feinde durch
seine Jünger wie Lehrlinge im Handwerk anhand der von ihnen Liebe und Freundlichkeit beschämte. So wurde er in diesen Um-
geleisteten Arbeit Erfahrung und Belehrung zukommen ließ. Das ständen ein glaubwürdiger Seelengewinner, der im Bewusstsein
ist die effektivste Methode. Gäbe es eine bessere, hätte der Herr der Gegenwart Gottes lebte und so täglich die Kraft schöpfte,
sie angewandt. Dabei ging er immer voran, wie ein Offizier im um Freude und Liebe in eine Umgebung auszustrahlen, die von
Gefecht. Ihn dabei anschauend und immer besser nachahmend, Hass, Grausamkeit und Hoffnungslosigkeit geprägt war.
wurden aus einfachen Fischern, Zöllnern und Zeloten jene Diese Biographie bietet außerdem ein objektives und ein-
Apostel, welche die Welt umkrempelten. drückliches Bild von der Entstehung und Entwicklung der Haus-
Anhand zahlloser Beispiele zeigt der Autor, was es alles zu kirchen-Bewegung seit den 50er Jahren, wie auch der staatlich
lernen, zu vermeiden und zu lehren gibt. Das reicht von der An- gelenkten „Drei-Selbst-Kirche“, mit deren Ideologie und Taktik
leitung zum Predigen bis zu Anweisungen, die simple Höflichkeit sich Samuel Lamb immer wieder auseinandersetzen musste.
bei Besuchen oder bei Tisch betreffen. Alles soll dazu dienen, die Da China politisch, wirtschaftlich, sportlich und auch reli-
herablassende Freundlichkeit unseres Gottes kundwerden zu giös immer mehr an Bedeutung und Interesse gewinnt, ist dieses
lassen. Wichtig ist auch, dass der Schüler erlebt, wie sein Leh- wertvolle Buch auch für jüngere Leser eine gute Hilfe, dieses
rer in der „stillen Zeit“ und in ständigem Gebet den Umgang mit riesige Land, die vielen Menschen und Christen dort zu verste-
seinem Herrn pflegt. hen und lieb zu gewinnen. Wolfgang Bühne
Dieses Buch ist die Hinterlassenschaft eines Bibellehrers,
den der Herr zum Segen vieler Menschen in aller Welt - auch
zahlreicher Leser von „Fest & treu“ - gesetzt hat. Nachdem der Andreas Alt / Wolfgang Bühne
Herr Bruder William MacDonald am Weihnachtstag 2007 in die Fußball – Das Spiel des
Herrlichkeit gerufen hat, können wir mit Recht von einem Erbe Lebens
reden. Außer der Bibel selbst kenne ich kein Buch von höherem CLV, Tb., 108 S., € 1,00
„Gebrauchswert“ als „Seiner Spur folgen“. Hermann Grabe
In diesem Jahr wird sicher für fast
einen Monat wieder „König Fußball“
Ken Anderson herrschen, wenn in unseren Nach-
Niemals allein ... barländern Österreich und Schweiz
Samuel Lamb – Verfolgung und im Juni die Europameisterschaft
Erweckung im Land des Roten ausgetragen wird. Und spätestens
Drachen seit der allgegenwärtigen Fußball-
Euphorie bei der letzten Weltmei-
CLV, Pb., 192 S., € 7,50 sterschaft zählt fast jeder zu den
Mit diesem Buch liegt eine äußerst Fußballbegeisterten oder–verrückten. Für solche ist dieses
aktuelle und gleichzeitig ergreifende Büchlein gedacht, das in vielen Streiflichtern Wissenswertes und
Lebensgeschichte eines Mannes vor Humorvolles aus der Welt des Fußballs beleuchtet und Parallelen
uns, der heute 84 Jahre alt ist und die zum „Spiel des Lebens“ zeigt. So geht es z.B. darum, wie Gott als
BUCHBESPRECHUNGEN 23

„Unparteiischer“ kein Foul übersieht, was passiert, wenn wir in Auch für jüngere Leser, die sich für alttesta-
unserem Verhältnis zu Gott im Abseits stehen und warum der mentliche Lebensbilder interessieren, ist diese erfrischende
Tod nur das Ende der „Qualifikationsrunde“ ist. Betrachtung ein Beispiel und Ansporn, die Bibel zu studieren und
Aber das Thema Fußball dient nicht nur als Aufhänger für lebensnah anzuwenden. Wolfgang Bühne
Lebensfragen, denn sowohl der Fußball-Laie als auch der aus-
gemachte Experte erfahren interessante und oft kuriose Ein-
zelheiten aus dem Regelwerk und der Geschichte des Fußballs. Jacob G. Fijnvandraat/Alexander
Die im Vergleich zur ersten Ausgabe von 2006 überarbeitete und Seibel
erweiterte Auflage bleibt durch Bezüge zu Ereignissen der letz- Gefährliche Risiken und
ten Weltmeisterschaft und der vergangenen Bundesliga-Saison Nebenwirkungen
aktuell und zeitgemäß. Ergänzt wird das alles durch Lebensbe- Krankenheilungen in der
richte und Interviews mit gläubigen Fußballprofis aus dem In- »Charismatischen Bewegung«
und Ausland.
Besonders schön ist, dass mit Günter Friesenbichler und Thi-
CLV, Pb., 128 S., € 6,90
ago de Lima Silvia hier zwei Profis aus Österreich zu Wort kom- Was sagt die Bibel zum Thema Kran-
men, die sich im vergangenen Jahr mit ihrer Taufe öffentlich zu kenheilung? Haben die Heilungs- und
Jesus Christus als ihrem Herrn bekannten (fut 3/2007). Befreiungsdienste bekannter Persön-
Für den anstehenden Fußball-Rummel ist dieses Büchlein lichkeiten aus dem charismatischen
eine gelungene „Steilvorlage“, um vor allem Fußball-Fans auf Lager eine biblische Grundlage? Am Beispiel des Buches „Heilt
Jesus Christus und seinen vollkommenen Sieg beim „Wunder die Kranken“ von W.J. Ouweneel setzen sich die Autoren sehr
von Golgatha“ hinzuweisen. William Kaal ausführlich mit dieser Frage auseinander. Dabei geht J.G. Fijn-
vandraat auf die biblischen Argumente und Schlussfolgerungen
W.J. Ouweneels ein, während A. Seibel vor allem die theologisch
Andreas Steinmeister und teilweise auch moralisch fragwürdigen Persönlichkeiten
Licht und Schatten beleuchtet, die W.J. Ouweneel als Belege für seine Thesen und
Lektionen aus dem Leben König Praktiken aufzählt.
Asas Für alle, die sich mit diesem aktuellen Thema und der damit
verbundenen Problematik auseinandersetzen müssen oder wol-
Daniel, Pb., 88 S., € 5,95 len, ist dieses Buch eine wichtige und hilfreiche Informations-
Asa, der Vater Josaphats, gehörte zu und Orientierungshilfe. Wolfgang Bühne
den gottesfürchtigen Königen Judas.
Unter seiner Regierung kam es zu ei-
ner radikalen Umkehr zu Gott und er Marco Distort
führte eine gewaltige Reformation
Die Pornofalle – der Weg
des Gottesdienstes durch.
zur Befreiung
Leider steht das Leben und Wir-
Schwengeler, Tb., 84 S., € 3,90
ken dieses Mannes ein wenig im Schatten von Josaphat, Hiskia
und Josia, denn nur sehr selten hört man eine Predigt über ihn. Dieses aktuelle Buch bietet Hilfe für
Daher ist diese Neuerscheinung meines Wissens nach die erste Ratsuchende und Seelsorger in Bezug
ausführliche Betrachtung über Asa, dessen hochinteressantes auf ein Problem, das leider auch unter
Leben in immerhin drei Kapiteln in 2. Chronika beschrieben wird. Christen weit verbreitet ist und gera-
Diese sehr lebensnahe, leicht verständliche und erweckliche de dort oft totgeschwiegen wird.
Auslegung zieht sehr aktuelle und deutliche Bezüge zu unserem Persönliche Berichte, in denen
Leben und zu dem heutigen Zustand der Gemeinden. Männer und Frauen, Teenager und
Der Autor scheut sich nicht, Fehlentwicklungen und Sünden Rentner zu Wort kommen, geben
im Volk Gottes beim Namen zu nennen und spornt an, den Eifer praktische Anleitung zur Behandlung sexueller Sünden, die nach
und die Gottesfurcht Asas nachzuahmen. der Überzeugung des Autors im Kopf beginnen.
Viele praktische Beispiele und Erlebnisse machen es leicht, Sexuelle Gebundenheiten und Perversionen mindern die Be-
die Botschaft dieses Buches zu verstehen und aus den Siegen ziehungsfähigkeit und untergraben und zerstören Ehen. Daher
dieses Königs, wie auch aus seinem traurigen Ende Lektionen ist dieses Buch eine wichtige, offene, aber vor allem biblische
für das eigene Glaubensleben zu ziehen. Hilfe und Anleitung zu einem befreiten Leben.
Wolfgang Bühne

Diese Bücher können in jeder Christlichen Buchhandlung oder bei folgender Adresse bestellt werden:
Christliche Buchhandlung Wolfgang Bühne, Eisenweg 2, D-58540 Meinerzhagen, Tel.: 02354-709585
Wolfgang Bühne • Postfach 11 26 • D-58540 Meinerzhagen
PVSt. • Deutsche Post AG • Entgelt bezahlt! • VKZ H 11661

„Der größte Teil meines


christlichen Lebens war
harte Arbeit, beständiges
Streben, Routine,
Verpflichtungen und
viele einsame Stunden.
Es gab Zeiten, in denen
ich mich fragte, ob wohl
irgendetwas erreicht wer-
den würde. Doch wenn ich
daran dachte, aufzugeben,
schickte der Herr eine kleine
Ermutigung, die mich antrieb,
die nächsten Schritte
in Angriff zu nehmen.“
William MacDonald