William MacDonald

… ging er hin und verkaufte alles
Die Gemeinde im NT

Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 11 01 35 • 33661 Bielefeld

1. Auflage 2003 © der deutschen Ausgabe 2003 by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 110135 • 33661 Bielefeld Internet: www.clv.de Übersetzung: Herman Grabe Satz: CLV Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm ISBN 3-89397-520-9

Inhalt
Teil I
Vorwort........................................................ 7 Was ist Kirche? ............................................. 7 Unterschied zwischen Israel und Kirche .......... 12 Die universale Kirche ................................... 14 Die Ortsgemeinde........................................ 18 Bildliche Darstellungen der Kirche .................. 22 Die Bedeutung der Kirche ............................. 24

Teil II
Christus ist das Haupt der Kirche ................... 33 Alle Gläubigen sind Glieder der Kirche ............ 36 Die Gaben der Kirche ................................... 43 Wozu dienen die Gaben der Kirche? ............... 49

Teil III
Allgemeines Priestertum ............................... 56

Teil IV
Taufe ......................................................... 79 Abendmahl ................................................. 83 Gebet ........................................................ 92

Teil V
Vorrechte und Verantwortlichkeiten.............. 103

Vorwort
Heute wollen wir gemeinsam über die neutestamentliche Gemeinde oder Kirche nachdenken, die nach meiner Überzeugung unserem Gott sehr am Herzen liegt. Auf jeden Fall ist sie dem Herrn Jesus sehr wichtig, denn Er liebt die Gemeinde so, dass Er sich selbst für sie hingab, und so sollte sie auch uns von großer Bedeutung sein. Heute neigen viele zu der Ansicht, die Kirche komme ihren Bedürfnissen nicht ausreichend entgegen: »Ich bin hingegangen; aber es hat mir überhaupt nichts gebracht.« Diese Einstellung verrät ein völliges Missverständnis über das, was Kirche ist, denn man holt sich aus der Kirche nur, was man hineintut. Darüber werden wir in den nächsten Lektionen noch vieles sagen. Ich möchte gern aus Epheser 4 die Verse 1 bis 6 lesen: Ich ermahne euch nun, ich der Gefangene im Herrn: Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander ertragend! Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung! Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.

Was ist Kirche?
Lasst uns zuerst über die Definition des Wortes

TEIL I

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»Kirche« nachdenken. Definitionen sind für das Studieren des Wortes Gottes äußerst wichtig. Es ist schon lange her, da lebte ein Mann, Johannes Bengel mit Namen, der eine Liste von zwanzig neutestamentlichen Worten zusammenstellte, von denen er sagte, wer diese zwanzig Worte richtig erklären könne, der sei auf dem Wege, ein guter Theologe zu werden. Jahrelang habe ich versucht, diese Liste zu bekommen, doch ist es mir nicht gelungen. Nun könnte ich euch sagen, das ursprünglich griechische Wort für Kirche laute im Neuen Testament »ekklesia«; aber das würde uns nicht weiterbringen. Ich meine, ihr würdet um nichts klüger, wenn ich es sagte, darum lasse ich es, und werde es auch nicht mehr verwenden. Man kann nämlich ein ganz normales Leben führen, ohne es zu wissen. Dies jedoch möchte ich sagen: Die richtige Übersetzung des griechischen Wortes lautet »die herausgerufene (Versammlung)«. Es ist ein neutraler Begriff, der nicht notwendigerweise an die Kirche denken lässt, wie wir es heute tun. Außerdem stellen wir uns unter »Kirche« oft auch ein Gebäude mit einem Turm, vielleicht mit bunten Fenstern, einer Kanzel usw. vor. In Wirklichkeit aber bedeutet dies Wort eine Zusammenkunft von Leuten, weiter nichts. Und darum gefällt einigen von uns das Wort »Versammlung« besser als das Wort »Kirche«. Ich sage, es ist ein neutrales Wort. Es wird für das in der Wüste wandernde Israel benutzt. Das war keine Versammlung oder Gemeinde, wie wir sie heute verstehen, doch war es eine Schar von Menschen, die gemeinsam durch die Wüste zog.

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WAS IST KIRCHE?

Das Wort wird auch für den heidnischen Pöbel in Ephesus benutzt (Apg. 19). Ein heidnischer Pöbel? Ja, woher hat das Wort denn seinen geistlichen Bezug? Um den zu erkennen, muss man jeweils den Zusammenhang herausfinden. Handelt es sich also um eine christliche Versammlung, so liest man etwa »Die Versammlung Gottes« oder »Die Kirche Jesu Christi«. So heißt sie im 1. Thessalonicherbrief: »Die Gemeinde der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus«. Somit bezeichnet das Wort dort eine Versammlung von Leuten, die Gott als ihren Vater und Jesus Christus als ihren Herrn anerkennen. Nun wollen wir wegen eines Ausdrucks niemand ärgern. Obwohl die richtige Antwort auf die Frage: »Gehst du zur Kirche?« eigentlich lauten müsste: »Nein, ich bin in der Kirche, ich gehe zu einer Zusammenkunft der Kirche (Versammlung, Gemeinde).« Wer errettet ist, ist schon »in der Kirche«, und dann besucht er Zusammenkünfte dieser »Kirche«. Es handelt sich also um ein Treffen von Christen. Es gibt zwei Ausformungen der »Kirche« im Neuen Testament, einmal die »universale Kirche« und zum anderen die »örtliche Kirche (Versammlung, Gemeinde)«. Die universale Kirche besteht aus allen Gläubigen von Pfingsten bis zur Entrückung. Ein großer Teil der Kirche ist schon im Himmel. Wer im Glauben gestorben ist, ist im Himmel und erfreut sich jetzt der Herrlichkeit des Herrn Jesus. Wir glauben, dass Pfingsten der Geburtstag der Kirche war. Damals wurde der Heilige Geist der Kirche und allen wahren Glaubenden zu dauernder Innewohnung gegeben.

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Die universale Kirche wird im Neuen Testament ein »Geheimnis« genannt, und wieder kommt es auf eine genau Definition an. Im Neuen Testament bedeutet »Geheimnis« nicht das, was man heutzutage darunter versteht. Da denkt man z. B. an eine Geschichte, in der ein Mord vorkommt, in der aber alles so verborgen ist, dass man erst am Ende erfährt, wer der Mörder war, und meistens ist es nicht der, auf den man getippt hat. Das versteht man heute unter »Geheimnissen«. Ganz anders ist es im Neuen Testament. Da geht es bei Geheimnissen um Wahrheiten, die bis dahin verborgen waren und die wir ohne Hilfe nie erkannt hätten, die aber nun der Kirche durch die Apostel und Propheten offenbart wurden. Die Kirche selbst ist ein solches Geheimnis. Paulus nennt sie wiederholt so. Mit anderen Worten: Gott hatte vor ewigen Zeiten ein Geheimnis. Nachdem Er sich im Alten Testament nur mit Israel beschäftigt hatte und zwar noch bis in die Evangelien hinein und bis zur Verwerfung Christi auf Golgatha, hatte Er sich vorgenommen, eine neue Gesellschaft zu errichten, die wir die »Kirche« oder die »Versammlung« nennen, eine Gesellschaft mit himmlischer Berufung und himmlischer Bestimmung! Niemals hat es dergleichen in der Weltgeschichte gegeben und wird es auch nicht mehr geben. So leben wir also im »Zeitalter der Kirche«, in dem Israel als Volk beiseite gesetzt ist. Jetzt ist die Kirche das Volk Gottes. Wenn die Kirche entrückt ist, wird Gott seine Beziehung zu Israel als Ganzes wieder aufnehmen. Die Kirche ist ein Geheimnis. Daher gab es sie im Alten Testament noch nicht. Ihr braucht gar

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WAS IST KIRCHE?

nicht erst nach einer Erwähnung der Kirche dort zu suchen. Es gibt keine. Wir können in Epheser drei, in den Versen 3 bis 5 zeigen, dass die Kirche ein Geheimnis ist, das es im Alten Testament nicht gab. Da spricht Paulus von seinem Dienst und sagt in Vers 3: Denn mir ist durch Offenbarung das Geheimnis zu erkennen gegeben worden - wie ich es oben kurz geschrieben habe; beim Lesen könnt ihr meine Einsicht in das Geheimnis des Christus merken - das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht zu erkennen gegeben wurde, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden ist. Hier sehen wir also sehr deutlich, dass die Wahrheit über die Kirche den Söhnen der Menschen in früheren Zeiten verborgen war, dass sie aber durch den Heiligen Geist Seinen heiligen Aposteln und Propheten offenbart wurde. Nun meinen einige Leute, es sei im Alten Testament nur nicht so deutlich offenbart gewesen wie uns heute. Aber wenn wir Kolosser 1, 26 aufschlagen, lesen wir: … das Geheimnis, das von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist. Da steht nicht, es sei nicht in der gleichen Weise offenbar gewesen, wie es jetzt offenbart wurde, sondern schlicht, dass es verborgen war: »Das

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Geheimnis, das von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war, (ist) jetzt seinen Heiligen offenbart worden.«

Unterschied zwischen Israel und Kirche
Nun, viele Leute meinen, die Kirche sei nur eine Fortsetzung von Israel. Sie reden da von einem »Kontinuum«. Sie sagen: »Im Alten Testament ist immer von Israel die Rede, aber im Neuen Testament verwandelt sich das plötzlich und wird zur Kirche.« Nein, Israel und die Kirche sind unterschiedliche Wesenheiten. Wenn mich jemand fragt: »Kannst du mir zwei Dinge nennen, die mir die Bibel mehr als alles andere aufschließen?«, so würde ich antworten: »Eins davon ist sicher der vielschichtige Unterschied zwischen Israel und der Kirche.« Wie ihr vielleicht wisst, gibt es heute viele Christen, die glauben, wir seien »das Israel Gottes«, und alle Verheißungen Gottes aus dem Alten Testament gelten uns. Und Gott hat mit Israel nichts mehr zu tun. Sie meinen, für Gott existiere Israel nicht mehr. Alle Israel gemachten Verheißungen seien für uns heutige gültig. Dasselbe sagen sie aber nicht von all den Flüchen über Israel. Diese einfach auszulassen, macht die Sache für sie so schön und angenehm. Ich möchte einige Unterschiede zwischen Israel und der Kirche aufzeigen. Zu allererst: Israel ist kein Geheimnis. Von 1. Mose 12 bis zum Ende von Maleachi wird immer darüber gesprochen. Da gibt es keinerlei Geheimnis. Die Kirche aber ist - wie wir schon betonten - ein Geheimnis, eine bis dahin unbekannte Wahrheit. Israel begann mit der Beru-

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UNTERSCHIED ZWISCHEN ISRAEL UND KIRCHE

fung Abrahams. Die Kirche begann mit dem Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Abraham ist das Haupt Israels, das nominelle Haupt des Volkes Israel. Alles begann mit ihm. Christus ist das Haupt der Kirche. Israelit wird man durch Geburt, indem Abrahams Blut durch die Adern rinnt, wenigstens ein wenig davon. Zur Kirche aber kommt man durch eine geistliche Geburt. Das ist ganz etwas anderes, oder etwa nicht? Denkt daran, was Jesus sagte: »Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.« Es gibt eine Phase des Reiches Gottes, die parallel zur Kirche verläuft, aber darauf kann ich jetzt nicht eingehen. Israel ist Gottes irdisches Volk. Versteht mich aber richtig, ich meine nicht, Israel habe keine himmlische Hoffnung. Die Bibel sagt: »Abraham erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.« Es bestand also ein himmlische Hoffnung. Aber der Nachdruck liegt im ganzen Alten Testament auf der Herrschaft Christi mit Israel hier auf Erden. Das Tausendjährige Reich des Herrn Jesus ist hier auf Erden. Es gibt im Alten Testament nur wenige Stellen, die deutlich über das Leben nach dem Tod oder von der himmlischen Hoffnung reden. Hiob hat es getan und David … aber ich könnte keine zehn Texte im Alten Testament nennen, die eindeutig von der himmlischen Hoffnung für das Volk Israel sprechen. Sie waren Gottes irdisches Volk. Die Kirche ist Gottes himmlisches Volk. Christus will kommen und Seine Kirche zu sich nehmen, damit sie da ist, wo Er selbst sich befindet. Und wo ist das? Im Haus des Vaters, wo die vielen Wohnungen sind. Was das zukünftige Reich angeht, da

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sind die Israeliten die Untertanen dieses Reiches, während die Kirche mit Christus zu der Zeit über die Erde herrschen wird. So und noch auf manche andere Weise wird in der Heiligen Schrift ein Unterschied zwischen der Kirche und dem Volk Israel gemacht.

Die universale Kirche
Die allgemeine Versammlung oder Kirche ist nur eine einzige Körperschaft, das ist interessant. Was Gott angeht, gibt es nur eine Kirche, die universale Kirche, die, wie ich sagte, aus allen wahren Gläubigen besteht. Und eine der wunderbaren Facetten dieser Kirche besteht darin, dass gläubige Juden und Heiden zu einem neuen Menschen in Christus gemacht worden sind. Wir denken an die verschiedenen Rassenkonflikte in unserem Land und wir glauben, das sei sicher der tiefste Graben im Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen, doch das stimmt ganz und gar nicht. Der tiefste Graben zwischen den Menschen bestand zwischen Israel und den Heiden im Alten Testament. Und wenn man einem Juden gesagt hätte, durch den Glauben an den Messias würde er zu einem Miterben der Heiden, hätte dieser ihn ausgelacht. Er hätte das einfach unmöglich und lächerlich gefunden. Aber die Wahrheit des Evangeliums sagt uns gerade dies: Wenn ein Jude und ein Heide an Christus glauben, werden sie beide zu einem neuen Menschen in Christus Jesus. Und ich könnte euch nach Haifa in eine kleine Versammlung bringen. Dort könntet ihr bekehrte Araber und bekehrte Juden sehen, die gemeinsam den Messias anbeten. Das

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DIE UNIVERSALE KIRCHE

ist einfach wunderbar! Das wäre die Lösung aller Probleme im Nahen Osten und tatsächlich gibt es das dort in Haifa, aber die meisten anderen Juden wollen das nicht, das Volk im Allgemeinen lehnt das ab. Nun, von dieser Wahrheit des einen Leibes haben wir Zeugnis abzulegen. Und das tun wir. Wir glauben, dass es nur eine wahre Kirche gibt. Und darum mögen wir nicht den Namen einer Denomination annehmen. Wir wollen keinen Namen tragen, der uns von anderen Gläubigen trennt. Wir sind der Überzeugung, dass es gut ist, an der Einheit des Leibes Christi festzuhalten. Interessant ist, dass ich beinahe den Ausdruck »römisch katholisch« verwendet hätte, weil der Ausdruck »katholisch« »allgemein« bedeutet. Aber »römisch« ist dann doch wohl ein starke Einschränkung der Universalität, oder meint ihr nicht? Und so widersprechen sich diese beiden Ausdrücke. Nun, auch andere Namen widersprechen sich, wie z.B. die »Plymouth Brethren«. Ich meine »Brethren«, »Brüder«, ist ein herrlich umfassender Begriff, nicht wahr? Er schließt das ganze Gottesvolk ein. Aber sobald man »Plymouth« davor setzt, müsstet ihr eigentlich einen »Plymouth« (Automarke) fahren, damit der Ausdruck verständlich wird - für die meisten Leute heutzutage wenigstens. Oder »Christliche Brüder«. Ihr sagt vielleicht, »Christliche Brüder«, das klingt doch gut. Ja, das tut es auch, solange ihr diesen Ausdruck nicht dazu verwendet, euch von anderen Gläubigen zu unterscheiden. Es darf keine Sonderbezeichnungen werden. Vielleicht fragt ihr jetzt: »Was sagst du aber,

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wenn man dich fragt, was du bist?« Nun, ich sage: »Ich bin Christ.« »Klar«, sagen sie dann, »Natürlich bist du ein Christ.« »Ich bin ein Jünger des Herrn Jesus.« »Selbstverständlich bist du das, das sind wir alle. Aber was bist du außerdem?« Und sie hören nicht auf, bis sie dich in die Enge getrieben haben, in irgend eine konfessionelle Ecke. Ehrlich, ich weigere mich, mich in eine solche Ecke treiben zu lassen. Sie sagen dann: »Wir wissen, ihr seid Brüder.« Dann antworte ich: »Wenn ihr gläubig seid, seid ihr auch Brüder.« Mir gefällt, was Ironside gewöhnlich sagte, wenn sie ihn nach seiner Konfession fragten. Er sagte: »Ich bin der Genosse aller, die Dich lieben und Deine Vorschriften beachten.« Das ist die richtige Haltung. »Ich bin der Genosse aller, die Dich lieben und Deine Vorschriften beachten.« Manchmal, wenn mich Leute in eine konfessionelle Ecke treiben wollen, sage ich: »Sagt mal, zu welcher Konfession Paulus gehörte?« Dann fragen sie meistens nicht weiter. Wenn ihr das Neue Testament lest, stellt ihr fest, dass Paulus zu keiner Konfession gehörte, nicht wahr? Es gibt nur eine Kirche, und die besteht aus allen wahren Gläubigen, aus allen Wiedergeborenen, die an den Herrn Jesus glauben, und wir wollen davon Zeugnis ablegen. Keine Konfessionen! Keine konfessionellen Hierarchien! Denn wo findet man so etwas im Neuen Testament? Nirgends! Doch darin erkennt man gerade Gottes Weisheit, dass Er keine konfessionellen Hierarchien begründet hat. Wenn zum Beispiel eine gewalttätige Regierung kommt, wie der Kommunismus, und die will die Kirche unterdrücken, so braucht sie nur die jeweilige

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DIE ORTSGEMEINDE

Kirchenleitung unter Druck zu setzen, nicht wahr? Wenn sie diese kontrolliert, kontrolliert sie alle angeschlossenen Gemeinden. So ist das immer wieder geschehen. So hat es Hitler gemacht, so die Kommunisten usw. Währenddessen findet sich in China, und zwar überall in China die gesundeste Kirche der Welt, denn überall befinden sich diese kleinen »Hauskirchen«. Diese kleinen Versammlungen treffen sich in den Häusern. Sie kommen heimlich und still zusammen. Sie treffen sich im »Untergrund«. Und die Regierung kann sie nicht ausrotten. Sie mögen hier und da eine Versammlung auffliegen lassen, aber Tausende andere kleine Versammlungen treffen sich auf die gleiche Weise. Die Weisheit Gottes kommt ohne »Kirchenleitungen« aus. Und dadurch wird nicht nur die Regierungskontrolle unterlaufen, sondern auch die Verbreitung von Irrtümern. Und das gilt auch für unsere Versammlungen. Die meisten bekannten Denominationen unterhalten ihre eigenen Seminare, und diese Seminare bringen die »Pastoren« für ihre Gemeinden hervor. Alles, was die Mächte des Liberalismus, des Modernismus und des Abfalls tun müssen, ist diese Seminare erobern. Manchmal braucht es Jahre, bis sie die Seminare mit modernistischen Leuten infiltriert haben, und es ist wie beim Kommunismus ein endloser Kampf, doch schließlich haben sie die betreffende Denomination übernommen. Und wir sehen die Weisheit Gottes, indem sie dies alles nicht geschehen lässt, weil die Versammlungen unabhängig sind und nicht unter einer menschlichen Leitung stehen.

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Die Ortsgemeinde
Diese Gedanken führen uns zu der örtlichen Gemeinde. Es gibt die universale Kirche, aber es gibt auch die örtliche Kirche oder Gemeinde oder Versammlung. Eine örtliche Gemeinde sollte die universale Kirche repräsentieren. Sie sollte nichts sagen oder tun, was die Wahrheit der universalen Kirche leugnet. Ihr sagt vielleicht: »Du sagtest, Definitionen seien wichtig. Wie sieht die Definition der örtlichen Gemeinde aus?« Nun, offen gesagt gibt es im Neuen Testament keine Definition für die Ortsgemeinde. Aber ich möchte zwei Bibelstellen vorschlagen, die, wenn ihr sie zusammenseht, euch eine gute Definition der Ortsgemeinde liefern. Philipper 1, 1: Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, allen Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, samt den Aufsehern und Dienern … Hier finden wir die Zusammensetzung der Ortsgemeinde: Heilige, Aufseher, Diener. Sonst nichts. »Heilige« meint solche, die von der Welt für Gott beiseitegesetzt wurden durch die Wiedergeburt. Aufseher hießen in der Bibelsprache »episkopoi«. Daraus ist das Wort »Bischof« entstanden. In der Bibel sind dies die Ältesten, die auch »presbyteroi« genannt werden. Diese Definition unterscheidet sich von dem, was heute üblich ist. Ein Bischof ist in den meisten Kreisen ein Mann, der nicht nur einer, sondern einer Reihe von Gemeinden vorsteht. Eine solche Bedeutung hat dies Wort im Neuen Testament nirgends. Ein Bischof ist ein Äl-

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DIE ORTSGEMEINDE

tester und jede örtliche Gemeinde hat stets mehr als einen Ältesten. Die Diener arbeiten unter der Leitung der Ältesten für und in den Gemeinden. So setzt sich eine neutestamentliche Gemeinde also zusammen: Heilige, Älteste und Diener. Nun schlagen wir Apostelgeschichte 2 Vers 42 auf. Dort finden wir, was eine örtliche Gemeinde tut: Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Die Lehre der Apostel finden wir heute in Gottes Wort. Gemeinschaft bedeutet das Versammeln der Gläubigen und die Freude an all den anderen Gläubigen, die da zusammenkommen, indem man alles gemeinsam tut. Das Brechen des Brotes ist selbstverständlich das Abendmahl, der Tisch des Herrn. Dazu kommen die Gebete. Nun setzt diesen Vers mit dem aus Philipper 1 zusammen, so seht ihr, dass die örtliche Gemeinde die Versammlung von Heiligen, Ältesten und Dienern ist, die zusammenkommen unter die Lehre der Apostel, zur Gemeinschaft, zum Brotbrechen und zum Beten. Das sieht alles sehr schlicht aus, und so schlicht definiert sich auch die örtliche Gemeinde. Jemand hat es einmal so ausgedrückt: »Eine Versammlung ist eine Gruppe von Nichtswürdigen, die sich versammeln, um einen allerhöchst Würdigen zu preisen.« Und ein anderer sagte, die neutestamentliche Gemeinde sei die Gemeinschaft begnadeter Sünder. Sehr schön, nicht wahr? Gemeinschaft begnadeter Sünder.

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Lasst mich sehr deutlich sagen. Dass die Versammlung nicht als Vergnügungszentrum gedacht ist. Gottes Volk soll sich da nicht amüsieren. »Amüsieren« heißt auf Deutsch: »nicht nachdenken«, also, sich treiben lassen, denn genau das ist es, worum es der »Welt« geht. Sie amüsiert die Leute auf ihrem Weg in die Hölle. Hört einmal, was Leighton Ford gesagt hat: »Jesus wollte nicht, dass Seine Kirche ein immer größeres und tolleres Vergnügen für ein immer größeres und feineres Publikum bereitstellt. Seine Vorstellung ging dahin, dass die Kirche Sein Licht und Sein Leben einer finsteren und sterbenden Welt bringen sollte. So täten wir gut daran, die Vorstellung Jesu ernst zu nehmen, andernfalls würden wir nicht nur uns zu Tode, sondern noch andere Leute in die Hölle amüsieren.« Die Kirche ist nicht als Vergnügungsanstalt geplant. Die Kirche sollte auch nicht nach heutigen Geschäftsprinzipien geführt werden. In den letzten Jahren wurde schrecklich viel davon gesprochen, die Kirche marktorientiert zu betreiben, und viele weltliche Strategien wurden in die Kirche übertragen. Das alles geht an Gottes Absicht mit der Kirche vorbei. Die Kirche ist eine geistliche Sammlung von Menschen und muss nach geistlichen Grundsätzen geleitet werden. Noch einmal sage ich: Die örtliche Gemeinde sollte ein Spiegelbild der universalen Kirche sein. Die Menschen in der Welt sollten die örtliche Gemeinde ansehen und sagen: »So geht’s in der universalen Kirche auch zu.« Nichts dürfte gesagt oder getan werden, was die Wahrheit der universalen Kirche leugnet.

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DIE ORTSGEMEINDE

Im Neuen Testament ist jede Gemeinde autonom. Sie ist nicht nur autonom, was Selbstverwaltung, Eigenfinanzierung und Selbstdarstellung angeht, obwohl es sehr wichtig ist, dies zu betonen. Selbstverwaltung! Eigenfinanzierung! Und Selbstdarstellung! Aber es geht noch weiter: In Offenbarung 1 finden wir den Herrn Jesus, wie Er mitten unter den sieben Gemeinden steht. Da ist nichts zwischen Ihm und den sieben Gemeinden. Es gibt keine vermittelnde Körperschaft. Alle sind direkt Ihm verantwortlich. Und das gilt für jede ortsansässige Gemeinde. Sie braucht nur das, was Gott ihr gibt, was Er ihr an Gaben verliehen hat. Ja, das ist Gottes Plan für jede Gemeinde. Sie soll jeweils ein Original sein mit ihren eigenen Ältesten, sie sollte sich selbst darstellen und evangelisieren wie die Gemeinde in Thessalonich es tat, und sie sollte finanziell auf eigenen Füßen stehen und in allem dem Herrn Jesus direkt verantwortlich sein. Aber das Neue Testament zeigt auch, dass, während jede Gemeinde selbstständig ist, es so etwas wie eine Gemeinschaft zwischen den Gemeinden gibt. Wir nehmen andere Gläubige wahr und vereinen uns mit ihnen, soweit es uns möglich ist, ohne die Grundsätze des Wortes Gottes zu verletzen, wie wir sie verstehen. Ich freue mich immer, wenn ich einen anderen Christen treffe. Wenn er ein wahrer Gläubiger ist, freue ich mich. Ich freue mich, wenn ich auf andere christliche Gemeinden treffe. Das bedeutet nicht, dass ich alles tun kann, was sie tun. Meine Aufgabe ist, dem Wort Gottes treu zu sein. Lasst mich dies betonen: Wie gut eine Gemeinde ist, zeigt sich nicht an der Zahl ihrer Mitglieder,

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sondern an deren Heiligkeit! Ich denke, das sollte man stets im Gedächtnis behalten, weil man sich heute in unserem Land durch große Zahlen beeindrucken lässt; je mehr Mitglieder, um so erfolgreicher ist die Gemeinde … Das stimmt nicht mit dem Wort Gottes überein. Gott geht es nicht um Zahlen. Er kann die Schwachen und die Niedrigen und die Verachteten gebrauchen, »damit er das, was ist, zunichte mache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.« So möchte ich noch einmal wiederholen: Ob eine Gemeinde in Wahrheit dem Neuen Testament entspricht, erkennt man nicht an der Mitgliederstärke, sondern an deren Heiligkeit. Ich meine, dass es großartig ist, sich daran zu erinnern, dass die Kirche die einzige Gesellschaft auf Erden ist, zu der euch eure Unwürdigkeit qualifiziert. Ist das nicht wunderbar? Das darf man von den Bruderschaften und Verbindungen dieser Welt nicht sagen, nicht wahr? Sie alle erwarten, dass man etwas darstellt. Sie möchten alle, dass man etwas auf der Bank hat, dass man über Einkünfte verfügt. Gott aber nimmt Sünder an, verlorene, hilf- und hoffnungslose Sünder, rettet sie durch Seine wunderbare Gnade und macht sie zu Gliedern seiner Kirche, um bei Ihm und Ihm gleich zu sein für alle Ewigkeit. Erstaunlich ist, dass wir so wenig darüber staunen.

Bildliche Darstellungen der Kirche
Es gibt im Neuen Testament verschiedene Bilder von der Kirche. Ich möchte sie nur ganz kurz erwähnen. Vor allem ist sie ein Tempel. Paulus sagt in 1. Korinther 3: »Wisst ihr nicht, dass ihr der

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BILDLICHE DARSTELLUNGEN DER KIRCHE

Tempel Gottes seid?«. Der Tempel ist der Ort der Anbetung. Die Kirche ist also eine Versammlung von Leuten, die Gott anbeten. Und das ist wahr, obwohl ich weiß, dass der Herr leider sehr wenig angebetet wird. Ist euch das klar? Er erfährt herzlich wenig Dank und noch weniger Anbetung. So freue ich mich, wenn ich zu einer Gruppe von Christen komme, die Anbeter sind, die es verstehen, ein Herz voll Liebe und Lob und Anbetung vor dem Herrn Jesus Christus auszuschütten für das, was Er ist und für das, was Er getan hat. Die Kirche ist eine Herde, die geweidet werden muss. Der Herr Jesus ist der gute Hirte. Er gab Sein Leben für die Schafe, damit Er nicht nur eine Hürde, sondern eine Herde habe; und diese Herde soll die Kirche sein. Sie ist ein Ackerfeld, das für Ihn genutzt werden soll, um für Ihn Frucht zu bringen. In 1. Korinther wird die Gemeinde tatsächlich ein »Ackerfeld« genannt. Es ist ein zubereiteter Garten für Ihn. Das ist ein schönes Bild für die Kirche. Bringen wir Frucht für Ihn? Sie ist ein Bau, ein Gebäude, das vergrößert werden soll, eins, dem zu aller Zeit etwas hinzugefügt wird, bis zum letzten Stein, zum letzten Gläubigen, der errettet wird. Dann kommt die Entrückung. Die Kirche ist der neue Mensch, durch den die Unterschiede zwischen Juden und Heiden aufgehoben sind, wie schon gesagt wurde. Sie ist die Wohnung Gottes im Geist. Ich halte das für sehr interessant. Die Kirche ist eine Versammlung von Leuten, bei denen Gott sich zu Hause fühlen kann. Was könnte von mehr Liebe

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und Nähe sprechen? Wir Gläubigen sind Glieder der Braut Christi. Das wird im Alten Testament nirgends von Israel gesagt, und wir werden mit Ihm tausend Jahre über die Erde herrschen. Die Kirche ist das Haus Gottes, wo Gott uns Zucht und Ordnung lehrt. Das findet ihr in 1. Timotheus 3,15. Sie ist der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit. Pfeiler wurden damals benutzt, um Tatsachen für alle Zeiten sichtbar einzumeißeln; und die Kirche ist ein solcher Pfeiler, und sie ist auf Wahrheit gegründet. Sie hält die Wahrheit Gottes fest. Die Bedeutung der Kirche Ist die Versammlung wichtig? Ich sage: Ja! Die Versammlung ist überaus wichtig. Sie ist die einzige Gesellschaft auf Erden, der der Herr ewiges Bestehen verheißen hat. Vielleicht fragt ihr, was ich damit meine. Ich meine, sie ist die einzige Gesellschaft auf Erden, der der Herr verheißen hat, dass sie niemals verschwinden wird. Ich halte das für eine wunderbar große Weissagung. Wenn ihr bedenkt, was die Kirche während ihrer langen Geschichte alles ertragen hat, ist es ein Wunder, dass sie nicht längst untergegangen ist, oder etwa nicht? Der Herr sagte: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.« Die Kirche wird bestehen bleiben. Sie ist die einzige Gesellschaft, der das verheißen ist. Die Bedeutung der Kirche ist zweitens an dem Raum zu ersehen, den sie im Neuen Testament einnimmt. Ich halte das für einen zuverlässigen

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DIE BEDEUTUNG DER KIRCHE

Test. Wie viel Zeit ist darauf verwendet? Sehr viel: Besonders in den Briefen an die Epheser und Kolosser, aber auch sonst überall im Neuen Testament findet ihr die Wahrheit von der Kirche. Die Kirche ist ein Gegenstand der Belehrung für die Engel. Das ist etwas ganz Erstaunliches. Die Engel blicken herab und sehen in der Kirche die »mannigfaltige Weisheit Gottes«. Darauf kann ich heute nicht weiter eingehen, aber bedenkt doch nur einmal: Wir sind sozusagen alle rohe Steine, die sehr viel Schleifen und Polieren nötig haben. Und Gott bringt uns in der örtlichen Gemeinde zusammen, wo wir uns aneinander reiben und die Bibel studieren und dem Herrn zu gehorchen versuchen, und schon bald ist viel von der Rauheit abgeschliffen. Und wir sind zusammengeführt, um gemeinsam das Lob unseres Herrn zu singen. Ich denke, auf diese Weise kann die Kirche den Engelwesen ein Zeugnis sein. Die Kirche ist der Schlussstein der biblischen Offenbarung. In Kolosser 1,25 gebraucht Paulus einen eigenartigen Ausdruck. Er sagt: »… um das Wort Gottes zu vollenden.« Ihr denkt jetzt sicher: Na, dann ist der Kolosserbrief sicher das letzte Buch des Neuen Testaments gewesen, aber das stimmt ganz und gar nicht. Er sagt nämlich: »Ihr Diener bin ich geworden nach der Verwaltung Gottes, die mir im Blick auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden.« In welcher Weise vollendet die Wahrheit von der Kirche das Wort Gottes? Nun, es ist die letzte große Wahrheit, die hier im Kolosserbrief aufgeführt wird. Und die Kirche ist die Vereinigung auf Erden, die Gott erwählt hat, den Glauben zu verbreiten. Je-

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mand hat gesagt: »Überall, wohin die Apostel gingen, gründeten sie Gemeinden. Überall, wohin wir gehen, gründen wir eine Missionsgesellschaft.« So war es immerzu in der Kirchengeschichte - leider! Überall, wohin die Apostel gingen, gründeten sie Gemeinden. Überall, wohin wir gehen, gründen wir Missionsgesellschaften. Gott liebt die Kirche. Gott liebt die einzelnen Gemeinden. Seine Absicht ist, in dieser Zeit aus allen Völkern ein Volk für Seinen Namen herauszurufen. Ich nehme das sehr ernst (Apg. 15,14). Hört zu! Wenn ich anfange, mit Gott zu wandeln, fange ich an, Mitarbeiter in diesem, Seinem Werk zu werden. Klar? Sobald ich beginne, mit Gott auf einer Wellenlänge zu sein, liegen auch da meine Interessen, nämlich, dass Menschen errettet und der örtlichen Versammlung hinzugefügt werden. Christus liebt die Versammlung. Gott liebt die Versammlung. Einer meiner Freunde schrieb: »Wäre uns nur klar, dass dem Herrn Jesus die Versammlung das Liebste auf Erden ist, verbrächten wir weniger Zeit mit Nebensächlichkeiten. Unser ganzes Trachten diente dann dem Aufbau der örtlichen Gemeinde, zu der wir uns halten, und unsere Liebe würde ausreichen für jedes Glied an Seinem Leibe, denn es ginge uns dann um das, was Ihm das Liebste auf dieser Welt ist.« Gott liebt die Versammlung. Christus liebt die Versammlung. Ich liebe die Versammlung ebenfalls. Ich besuchte die Versammlung schon längst bevor ich errettet wurde. Mein Vater trug meinen Bruder und mich sehr häufig durch die Schneewehen, um in die Versammlung zu kommen. Meine erste Erinnerung gilt einer kleinen Versammlung

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DIE BEDEUTUNG DER KIRCHE

im Wohnzimmer eines Hauses. Anwesend waren ein paar ältere Damen und vielleicht ein oder zwei Brüder. Aber sie kannten Gott! Sie kannten Gott, und ich versichere euch, dass sie einen tiefen, lebenslangen Eindruck auf mich machten. Ich liebe die Versammlung! Wir alle sollten sie lieben. Und wir sollten begeistert von ihr sein. Überall, wo Gott in der Geschichte Menschen gebraucht hat um Gemeinden zu bauen, waren dies Männer, die voller Begeisterung von der Kirche Gottes waren. Ich denke da an Bakht Singh in Indien. Ich will nicht übertreiben, aber ich glaube, der Mann blickte am Ende auf wenigstens zweihundertfünfzig von ihm gegründete örtliche Versammlungen zurück. Ich denke an Watchman Nee in China. Er liebte die Versammlung über alle Maßen, und durfte ein großes Werk tun, bevor er verhaftet wurde. Ich denke an J.N. Darby. Dreiundzwanzig Jahre reiste er in Europa umher, und wohin er kam, gründete er neutestamentliche Versammlungen. Seine Schriften füllen 34 Bände. Er war ein Mann, der nur für Gott lebte, und das mit größter Begeisterung. Auch heute gibt es Leute, die das Werk eines Apostels in ihren Herzen tragen. Ich sage nicht, sie seien Apostel, aber sie tun einen apostolischen Dienst, und sie reisen durch die Welt und erleben, dass Gemeinden gebaut werden. Wir sollten alle die Versammlungen lieben! Ich will euch was sagen, ein Ältester in einer örtlichen Gemeinde bedeutet Gott mehr als ein Herrscher über ein Weltreich. Ihr fragt vielleicht: »Wie kommst du darauf?« Weil Älteste im Neuen Testament einen sehr breiten Raum einnehmen (z. B. 1. Tim 3, Titus 1), während ich kein Kapi-

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tel finde, das sich mit Königen oder Präsidenten befasst, oder Ihr? Ich kann derlei in der Bibel nicht finden. Ein Ältester in der kleinsten, verachtetsten Versammlung bedeutet Gott mehr als ein Herrscher über ein Weltreich. Ihr kennt den Werbespot: »Now eat your Cheerios, and some day you may be president!« (Wenn du jetzt dies Müsli isst, kannst du eines Tages Präsident werden.) Ich sage: »Esst euer Müsli, und eines Tages werdet ihr Älteste!« Betrachtet ihr diese Angelegenheit aus Gottes Sicht, so würdet ihr alle von Herzen danach trachten. Ich sage euch, die schwächste Versammlung auf Erden bedeutet Gott mehr als das größte Weltreich. Gott nennt die Nationen nur »Tropfen am Eimer«. Das ist nicht sehr viel, oder? Aber die Kirche nennt Er die Braut Christi. Das ist wohl etwas, nicht wahr? Daran erkennen wir, wie Gott die Dinge einschätzt. Doch nachdem ich dies alles gesagt habe, möchte ich mit folgendem abschließen, was ich auch in unseren Versammlungen immer wieder sage: Es reicht nicht, dem göttlichen Muster zu folgen; wir müssen auch Gottes Kraft dafür haben. Es genügt nicht, alles formal richtig zu machen. Wir brauchen einen lebendigen Glauben, der sich um die anderen kümmert, und wir dürfen diese Tatsache nie aus den Augen verlieren. Jetzt sollten wir beten: Heute Abend haben wir etwas von Deinem und Deines geliebten Sohnes Herzschlag verspürt. Vater, vergib, dass wir die Versammlung, Deine Kirche, so oberflächlich behandeln. Hilf uns durch einen erneuerten Geist, Herr, damit wir nicht nur danach trachten, Dein

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DIE BEDEUTUNG DER KIRCHE

Wort zu verkündigen, damit Leute errettet werden, sondern damit sie nach den Grundsätzen des Neuen Testaments versammelt werden, in der Kraft des Neuen Testaments, zur Ehre und Verherrlichung Deines Namens. Das bitten wir Dich im Namen Deines unvergleichlichen Sohnes. Amen.

Nun schlagt eure Bibeln bei 1. Korinther 12 auf. Ich möchte ein Stück vorlesen und beginne bei Vers 12: Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl viele, ein Leib sind, also auch der Christus. Ich möchte hier kurz unterbrechen um zu sagen, dass es tatsächlich »also auch der Christus« heißt. »Hier wird mit »Christus« nicht nur das Haupt gemeint, sondern das Haupt und der Leib. »Der Christus« bezieht sich auf den gesamten Leib Christi. Ist das nicht erstaunlich? Niemand als der Heilige Geist hätte das jemals so formulieren können. Doch nichts Geringeres und gerade dies ist mit diesem Vers gemeint: »Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl viele, ein Leib sind, also auch der Christus.« Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied sondern viele. Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib; gehört er deswegen nicht zum Leib? Und wenn das Ohr spräche: Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib; gehört es deswegen nicht zum Leib? Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn ganz Gehör, wo der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder

TEIL II bestimmt, jedes einzelne von ihnen am Leib, wie er wollte. Wenn aber alles ein Glied wäre, wo wäre der Leib? Nun aber sind zwar viele Glieder, aber ein Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht; sondern gerade die Glieder, des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; und die uns die weniger ehrbaren am Leibe zu sein scheinen, die umgeben wir mit größerer Ehre, und unsere nichtanständigen haben größere Wohlanständigkeit; unsere wohlanständigen aber brauchen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben, damit keine Spaltung im Leibe sei, sondern die Glieder die gleiche Sorge für einander hätten.

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Zunächst sollten wir kurz wiederholen, was wir beim letzten Mal bedacht haben. Wir sprachen über die Versammlung Gottes und definierten als erstes diesen Begriff. Dadurch erkannten wir, dass mit diesem Wort eine »herausgerufene Gruppe von Leuten« gemeint ist. Das Wort selbst ist neutral; es kann sowohl für einen heidnischen Mob als auch für ein Volk verwendet werden, das durch die Wüste zieht. Es meint also eine Schar, die sich versammelte, weil sie zusammengerufen wurde. Wir erwähnten, dass »Versammlung« tatsächlich ein brauchbarerer Begriff als »Kirche« ist, denn wenn wir an eine Versammlung denken, denken wir an eine Gruppe von Menschen. Bei dem Wort »Kirche« kommt einem schnell ein Ge-

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CHRISTUS IST DAS HAUPT DER KIRCHE

bäude in den Sinn, wenigstens bei uns zu Lande ist das so. Definitionen sind daher wichtig. Dann sagten wir, die Kirche oder Versammlung oder Gemeinde kommt in zweierlei Form vor: es gibt die universale Kirche und die örtlichen Gemeinden. Die universale Kirche besteht aus allen Gläubigen von Pfingsten bis zur Entrückung, während die örtliche Gemeinde die universale Kirche an jedem Ort repräsentiert. Sie sollte der Welt die Wahrheit von der universalen Kirche verkündigen. Wir erwähnten, dass es verschiedene Bilder oder Kennzeichnungen von der Kirche gibt. Sie ist ein Leib. Sie ist eine Braut. Sie ist ein Haus. Sie ist eine Familie. Sie ist ein Ackerfeld, und sie ist der Tempel der Anbetung. Wir sprachen eingehender über manche dieser Bilder. Zum Abschluss besprachen wir die Bedeutung der Versammlung. Sie ist Gott wichtig. Sie ist Christus wichtig, und darum sollte sie auch uns wichtig sein. Christus ist das Haupt der Kirche Nun möchten wir einige der großen Wahrheiten über die Kirche etwas näher betrachten: Christus ist das Haupt der Kirche. In Epheser 5, 23 steht: »Der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist, er als der Heiland des Leibes.« Christus ist das Haupt der Kirche. Diese Aussage ist, wie jede Aussage der heiligen Schrift, zugleich auch ein Befehl. Ihr fragt: »Was meinst du damit?« Jede Sachaussage der Bibel ist zugleich eine Forderung. Mit anderen Worten: Gott macht nicht nur die Aussage »Chris-

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tus ist das Haupt der Kirche«, sondern Er erwartet damit gleichzeitig, dass wir sie in unserem Leben und in unseren Gemeinden Wirklichkeit werden lassen. Das Haupt zu sein bedeutet: Der Herr lenkt und kontrolliert seine Kirche. Christus hat das alleinige Weisungsrecht in der Kirche. Wenn ihr sagt, Christus sei das Haupt der Kirche, so schließt das jedwede menschliche Führerschaft aus, einschließlich aller Päpste, Erzbischöfe, Präsidenten und Ein-Mann-Pastoren. Selbst die Ältesten sind ausgeschlossen, auch sie sind nicht das Haupt der Kirche. Christus ist allein das Haupt der Kirche, und die Ältesten sind Unterhirten unter Seiner Aufsicht. Wie verwirklichen wir das in unserem praktischen Gemeindeleben? Antwort: Indem wir in so naher Gemeinschaft mit dem Herrn leben, dass Er uns zeigen kann, was Er getan haben will. Ihr sagt: »Ja, aber wie geht das?« Nun, zuallererst, indem wir uns in Sein Wort versenken. Ich spreche jetzt im Besonderen von den Ältesten. Ihre Aufgabe ist es, sich ins Wort Gottes zu versenken, denn da finden wir die allgemeinen Richtlinien für uns und für die Kirche. Indem sie im Gebet verharren, versuchen sie, den Willen Gottes zu erfahren. Darüber hinaus müssen sie die Leitung des Heiligen Geistes suchen. Wird Gott uns seine Absichten offenbaren? Ganz bestimmt wird Er das! Und Er wird genau sagen, was Er in der Versammlung getan haben will. Ich meine, Ray Stedman hat das alles sehr schön beschrieben. Er sagt:

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CHRISTUS IST DAS HAUPT DER KIRCHE Schon viel zu lange hat die Kirche agiert, als sei Jesus weit weg und hätte es den Kirchenführern überlassen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Aber Jesus sagte in Seinem großen Sendungsbefehl: »Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.« Er ist gegenwärtig, nicht nur in der Kirche als ganzer, sondern auch in jeder örtlichen Gemeinde. Jesus selbst ist die ultimative Autorität in jeder einzelnen Gemeinde. Er wartet nur darauf, Seine Autorität durch die Ältestenschaft zur Geltung zu bringen. Die Aufgabe der Ältesten ist es, die Gemeinde eigenständig zu führen und zu erkennen, wie der Herr die Gemeinde geführt haben möchte. Vieles davon hat Er uns schon durch die Heilige Schrift kundgetan. Jedoch in den täglichen Entscheidungen haben die Ältesten den Willen des Herrn in unerzwungener Einmütigkeit zu ergründen. Mit anderen Worten: Die Ältesten kommen zusammen. Sie suchen den Willen des Herrn zu erkennen, und der Herr bildet ihren Verstand, ihre Empfindungen und ihren Willen so, dass sie Seine Absichten mit der Gemeinde ausführen. Demnach liegt die endgültige Entscheidungsgewalt bis in die letzten Kleinigkeiten hinein bei dem Herrn und nirgendwo sonst. Die Sache ist nämlich die: Kein einzelner Mensch kann alle Gedanken des Heiligen Geistes verstehen. Darum hat auch niemals ein Einzelner die Autorität von Gott erhalten, die Kirche zu leiten.

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Die Überschrift des Artikels, aus dem das Gesagte entnommen ist, lautet: Sollte der Pastor Papst spielen? Das ist also eine der großen Wahrheiten: Christus ist das Haupt der Kirche. Das wird in dem Brief an die Kolosser sehr deutlich gemacht. Paulus hat es da mit unübertrefflicher Deutlichkeit dargestellt.

Alle Gläubigen sind Glieder der Kirche
Jetzt wollen wir eine zweite große Wahrheit über die Kirche betrachten: Alle Gläubigen sind Glieder der Kirche. Ich lese Epheser 2, die Verse 11 bis 22: Deshalb denkt daran, dass ihr, einst aus den Nationen dem Fleisch nach - »Unbeschnittene« genannt von der sogenannten »Beschneidung«, die im Fleisch mit Händen geschieht -, zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheißung; und ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden. Denn er ist unser Friede. Er hat aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung, die Feindschaft, in seinem Fleisch abgebrochen. Er hat das Gesetz der Gebote in Satzungen beseitigt, um die zwei - Frieden stiftend - in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen, und die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch

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ALLE GLÄUBIGEN SIND GLIEDER DER KIRCHE das Kreuz, durch das er die Feindschaft getötet hat. Und er kam und hat Frieden verkündigt euch, den Fernen, und Frieden den Nahen. Denn durch ihn haben wir beide durch einen Geist Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Fremde und Nichtbürger, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. In ihm zusammengefügt wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, und in ihm werdet auch ihr mitaufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.

Paulus sagt uns hier, wie auf wunderbare Weise durch das Werk des Herrn Jesus am Kreuz die gläubigen Juden und die gläubigen Heiden zusammengebracht wurden, obwohl sie vorher Feinde waren. Viele Juden glaubten, Gott habe die Heiden nur als Brennmaterial für die Höllenflammen erschaffen. Das ist wohl Feindschaft! Und die bewirkte eine erschreckliche Kluft quer durch die Menschheit, die Kluft zwischen den Juden und den Heiden. Sie wurde sogar durch das Gesetz bestätigt. Es war das Gesetz Gottes, das Israel als Gottes auf Erden auserwähltes Volk von den anderen trennte. Nun aber, durch das Werk des Herrn Jesus, sind gläubige Juden und gläubige Heiden in Christus eins gemacht. Und wie das geschah, beschreibt Paulus in dieser wunderbaren Schriftstelle. Was heißt das für uns? Bedenken wir: Jeder Indikativ ist gleichzeitig ein Imperativ, und das hat in diesem Fall mit der Aufnahmepraxis unserer

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örtlichen Gemeinde zu tun. Wir müssen alle aufnehmen, die das Brandzeichen der Erlösung tragen, ohne auf Hautfarbe, Rasse, Nationalität oder Kultur zu blicken. Allerdings gibt es einige Ausnahmen davon. Wir würden niemand aufnehmen, der unter der Zucht einer anderen christlichen Gemeinde steht, nicht wahr? Das muss in seiner bisherigen Gemeinde geregelt werden. Wir werden aber jeden Gläubigen aufnehmen, der gesund in der Lehre, heilig im Wandel und nicht unter der Zucht einer anderen Gemeinde steht. Die Wahrheit von der Einheit in Christus bedeutet, dass wir alle Gläubigen lieb haben sollten. Jeder, der einmal Soldat war, hat es praktisch erfahren, welche Freude es ist, jemand zu treffen, der den Namen Christi nennt. Vielleicht bist du weit von zu Hause fort. Vielleicht ist Krieg, und plötzlich begegnet dir einer, der von dem Heiland zeugt, und du erlebst, wie da eine Verbindung besteht, eine wirkliche, echte Verbindung in Christus. Wir sollten alle Gläubigen lieben! Und denkt daran: Im neutestamentlichen Sinn ist Liebe mehr eine Sache des Willens als der Gefühle. Wir meinen heute und hier zu Lande, Liebe sei etwas, das über uns kommt, ein romantisches Gefühl, das uns überfällt wie die Grippe oder ein Schnupfen, und das wir überhaupt nicht unter Kontrolle haben. Aber so ist das in Wirklichkeit nicht. Liebe ist uns befohlen. Ihr fragt: »Ja, und wie kann ich lieben?« Es wird uns gegeben, wenn wir darum bitten. »Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.« Christus hat auch die Kirche geliebt, und

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ALLE GLÄUBIGEN SIND GLIEDER DER KIRCHE

woran erkennt man das? Er gab sich für sie dahin. Wir können unsere Liebe zeigen, indem wir uns für die Gläubigen einsetzen und - wenn nötig - unser Leben für die Brüder geben. Wir brauchen alle Gläubigen. Das zeigt uns der Abschnitt aus 1. Korinther 12. Wir benötigen alle Glieder an Seinem Leib, sonst funktioniert er nicht richtig. Das gilt für den universalen Leib des Christus. Wir brauchen einander. Und wir können von anderen Gläubigen lernen, wenn wir auch lehrmäßig nicht mit ihnen übereinstimmen. Lasst mich bei diesem Thema kurz verweilen. Alle Gläubigen stimmen in den grundlegenden Lehren des christlichen Glaubens überein. Vielleicht fragt ihr, welche das sind? Nun, die Inspiration der Heiligen Schrift. Ihr wisst doch selbst: Wenn dies Buch nicht das Wort Gottes ist, haben wir gar nichts. Wir könnten dann genauso gut essen, trinken und lustig sein, denn morgen sind wir tot. Das wäre die passende Lebensphilosophie, wäre dies Buch nicht das inspirierte Wort Gottes. Alle Gläubigen glauben an die Inspiration der Bibel. Alle wahren Gläubigen glauben an die Trinität. Das schließt natürlich die Gottheit des Herrn Jesus ein, was von absolut grundlegender Bedeutung ist. Jesus Christus ist Gott, die zweite Person der Gottheit. Alle Gläubigen glauben an das stellvertretende Werk des Herrn Jesus Christus am Kreuz von Golgatha. Er starb für unsere Sünden. Er starb als Opfer für uns. Das tat er an unserer Stelle. Er erlitt den Tod, den wir für unsere Sünden verdient hätten.

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Alle Gläubigen glauben, dass Er beerdigt wurde und wieder auferstand, denn auch die Auferstehung ist von fundamentaler Bedeutung, ebenso wie Seine Himmelfahrt. Alle wahren Gläubigen glauben an das Evangelium der Errettung aus Gnaden durch den Glauben ohne Mitwirkung durch unser Tun. Das ist auch von grundlegender Bedeutung. Sobald wir damit spielen, verlieren wir das Eigentliche, was das Christentum zu verkündigen hat. Und sobald man etwas hinzufügt, ist es ebenfalls nicht mehr das christliche Evangelium. Wahre Gläubige halten an dem Evangelium fest: Errettung aus Gnaden, durch den Glauben, ohne Werke des Gesetzes. Alle Gläubigen glauben an ein ewiges Leben durch den Glauben an Christus und an die ewige Verdammnis aller, die Christus verwerfen. Auch das gehört zu den Grundlagen. Es gibt vieles, in dem Christen nicht übereinstimmen mögen: Prophetische Aussagen. Christus kommt wieder, aber in manchen Einzelheiten sind wir unterschiedlicher Auffassung. Wir selbst mögen völlig davon überzeugt sein, Tatsache bleibt, dass andere nicht unserer Ansicht sind. Ich kann alle Christen lieben. Ich habe alle Christen nötig, selbst wenn ich in dieser oder jener Sache anderer Meinung bin als sie. Sie mögen uns in manchen Lehrfragen nicht folgen, doch kann ich von ihrer Wärme etwas lernen. Ich kann von ihrem Eifer für den Herrn etwas lernen und von ihrer wunderbaren Musik. Ich kann Gutes bei ihnen finden. Ich kann Christus in ihnen sehen, und versuche das auch zu tun. Ich glaube, niemals einen Gläubigen getroffen zu haben, von dem ich

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nichts hätte lernen können. Und so muss es auch sein, wenn wir alle Glieder eines Leibes sind. Und wir sollten für alle Gläubigen beten. Darüber hinaus sagt uns 1. Timotheus 2, dass wir für alle Menschen beten sollen, dann doch gewiss für alle Gläubigen. Und das spricht sehr eindringlich zu mir, wenn ich sehe, wie Gläubige in vielen Teilen der Erde bis zum Tod für ihren Glauben leiden, im Sudan etwa und in allen muslimischen Ländern, in China und, und, und. Überall wird die Kirche heute verfolgt. Ich hoffe, dass ihr in euren Gemeinschaften getreulich ihrer gedenkt! Ich hoffe, ihr denkt an die drei New-Tribes-Missionare, die in Kolumbien seit fünf Jahren gefangen gehalten werden. Stellt euch vor: Fünf Jahre von ihren Frauen und Familien getrennt - Wir sollten für alle Gläubigen beten! Wir sollten uns auch freuen, wenn Christus von anderen Gläubigen gepredigt wird, selbst wenn wir nicht mit allem übereinstimmen, was sie machen. Das lesen wir in Philipper 1, 15-18. Was Paulus hier sagt, wurde im Gefängnis geschrieben. Allerdings merkt man dem Brief nichts von der Einkerkerung an, stattdessen ist er voller Sieg und Freude. In Vers 15 ff sagt er: Einige zwar predigen Christus auch aus Neid und Streit, einige aber auch aus gutem Willen. Die einen aus Liebe, weil sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums eingesetzt bin; die anderen aus Eigennutz verkündigen Christus nicht lauter, weil sie mir in meinen Fesseln Bedrängnis zu erwecken gedenken. Was macht es denn? Wird doch auf jede Wei-

TEIL II se, sei es aus Vorwand oder aus Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich. Ja, ich werde mich auch freuen.

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Auch wir können uns freuen, wenn Christus gepredigt wird, selbst wenn wir nicht alles mitmachen können, was diese Leute tun. Ich denke da an die großen EvangelisationsFeldzüge, wo die Bekehrten in die abgefallenen Denominationen, ja selbst in jüdische Synagogen zurückgeschickt werden. Ja, ich kann mich freuen, dass Christus gepredigt wird, aber ich könnte nicht daran teilhaben. Es würde mich persönlich in Konflikt mit den Grundsätzen des Wortes Gottes bringen. Wir müssen klare Linien ziehen. Wir sprechen von Liebe zueinander, und dass wir einander brauchen, aber wir müssen genauso unseren eigenen Grundsätzen treu bleiben. Moody sagte einmal, er würde niemals lebendige Küken einer toten Henne unterlegen. Wenn Menschen errettet sind, darf man sie nicht irgendwo hinbringen, wo sie nicht durch das Wort Gottes ernährt werden und nicht in der Gnade und in der Erkenntnis ihres Erlösers aufwachsen können. Ich meine C. H. McIntosh hat es richtig ausgedrückt, als er sagte: »Wir müssen um uns selbst einen engen Kreis ziehen, was unsere Treue zu Gottes Wort betrifft, aber einen weiten Kreis schlagen, was die Liebe zu allen Christen angeht.« Macht einen engen Kreis um euch, insofern es sich um Gottes Wort handelt. Macht keine Kompromisse, denn Kompromisse sind Verrat. Dann aber zieht einen weiten Kreis der Zuneigung und Liebe, was die anderen Gläubigen betrifft.

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DIE GABEN DER KIRCHE

Alle Glieder am Leib Christi sind unsere Brüder und Schwestern in Christus. Aber das nicht allein, alle Gläubigen haben Gaben erhalten. Darum habe ich die Stelle aus 1. Korinther 12 - besonders die Verse 7 bis 14 - vorgelesen. Wie ihr heute hier sitzt und ihr Christus als euren Herrn und Heiland kennt, habt ihr alle eine oder mehrere Gaben. Es wäre keine Zumutung an euch, wenn ich euch bäte eure Hand zu erheben, falls ihr eure Gabe kennt. Und doch weiß ich, dass nicht alle ihre Hand erheben würden.

Die Gaben der Kirche
Wir sollten unsere Gaben kennen. Wie können wir sie einsetzen, wenn wir sie nicht kennen? Und doch wäre dieser Einsatz sehr wichtig! Vielleicht sagt jetzt einer: »Naja, aber woran soll ich erkennen, was meine Gabe ist?« Nun, ich meine Bill Gothard hat einmal gesagt: »Es ist der Dienst für den Herrn, bei dem ein Maximum an Erfolg und ein Minimum an Ermüdung eintritt.« Das klingt nicht schlecht. Ein Maximum an Erfolg und ein Minimum an Ermüdung. Ihr arbeitet in verschiedenen Formen christlichen Dienstes mit, und manches davon ist einfach nicht »euer Ding«. Ihr begreift das. Und bei anderen Tätigkeiten, ja, da fühlt ihr euch richtig wohl, und der Herr scheint das zu segnen. Manchmal ist der Rat oder der Hinweis eines Ältesten in solchen Angelegenheiten von allergrößtem Wert. Ihr könnt eure Ältesten fragen: »Was meint ihr, wo meine Gabe liegt?« Oftmals können die Ältesten die Sache besser beurteilen als man selbst. Ein junger Bruder mag sich für die Antwort

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auf die Frage der Weltevangelisation halten, aber seine Brüder erkennen vielleicht, dass er jedenfalls jetzt noch nicht soweit ist. Noch hat er sich nicht zu solcher Größe entwickelt. Jeder Gläubige ist begabt. Wir sollten unsere Gaben kennen. Es ist wahrlich kein Stolz, wenn man sagt, welche Gabe man hat. Mit Stolz hat es deshalb nichts zu tun, weil es doch die souveräne Gabe des Heiligen Geistes ist. Ihr habt nicht dafür gebetet. Ihr habt sie nicht verdient. Gott gab sie euch damals, als ihr euch bekehrtet; und darum meine ich, dass nichts Hochmütiges daran ist, wenn man sagt, welche Gabe man hat. In der örtlichen Versammlung sollte Freiheit herrschen, diese Gaben anzuwenden. Wir blicken dazu nach im 1. Korinther 14, und da Vers 26: Was nun Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprache(nrede), hat eine Auslegung, alles geschehe zur Erbauung. Es scheint, dass in der Anfangszeit der Kirche in den Versammlungen Freiheit für die Brüder bestand, sich am Dienst an Gottes Wort zu beteiligen, wie auch am Gebet und bei der Anbetung des Herrn. Auch für unsere Gaben sollte Freiheit bestehen, diese zu entfalten. Die Gaben waren nicht zur Selbstdarstellung, sondern zur »Erbauung« des Leibes Christi gegeben. So heißt es in 1. Korinther 12, Vers 7: »Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen (für alle) gegeben.« Es scheint, dass in der

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Anfangszeit der Kirche zum Beispiel manche die Gabe des Zungenredens hatten. Ohne je Latein gelernt zu haben, konnten sie es fließend sprechen. Manche taten es ihnen gleich. Sie sagten sich: »Ich hoffe, es wird die Leute beeindrucken, wenn ich hier aufstehe und lateinisch rede.« Ihnen war es einerlei, ob es übersetzt wurde oder nicht. Mit anderen Worten, ihr Lieben: Sie gaben damit an. Das ist es, was Paulus in 1. Korinther 12 anmahnt: Die Gaben waren zum Wohl aller gegeben, nicht zur Selbstdarstellung, sondern zur Auferbauung der Gemeinde. Es ist wunderbar, wenn wir unsere Gaben zur Auferbauung der anderen verwenden. Die Gaben werden an drei Stellen im Neuen Testament namentlich aufgeführt. Eine Liste steht in Römer 12, eine weitere in 1. Korinther 12 am Ende des Kapitels und die letzte in Epheser 4. Ich möchte mit euch gern über die Liste in Epheser 4 nachdenken. Sie bildet meiner Meinung nach die Grundlage, so wollen wir ein wenig bei ihr verweilen: Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umgetrieben von jedem Wind der

TEIL II Lehre durch Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum. Lasst uns aber die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. Aus ihm wird der ganze Leib zusammengefügt und verbunden durch jedes zur Unterstützung dienende Gelenk, entsprechend der Wirksamkeit nach dem Maß jedes einzelnen Teils; und so wirkt er das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.

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Nun, wenn wir das so lesen, mag es manchem von euch nur wie eine Anhäufung heiliger Wörter vorkommen. Das ist dieser Text aber durchaus nicht, und um ihn ein wenig zu erhellen müssen wir zu Vers 7 zurückgehen: »Jedem einzelnen von uns ist die Gnade nach dem Maß der Gabe des Christus gegeben worden.« Wenn Christus eine Gabe gibt - und Er tut es - dann gibt Er auch die Gnade, diese Gabe richtig anzuwenden. Das ist sehr wichtig. Wenn Gott etwas getan haben will, dann gibt Er auch die Kraft dazu. Gottes Wille wird nie etwas von uns verlangen, wozu Er nicht die Kraft gibt. Wenn Er etwas von euch will, wird Er auch die nötige Kraft dazu geben. Das sagt uns dieser Vers 7. Jetzt folgt Vers 8: »Darum heißt es: Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.« Das bedeutet: Der Herr Jesus ging nach Seinem Werk auf Golgatha in den Himmel zurück. Das war ein gewaltiger Sieg. Er durchschritt den Aufenthaltsort der gottfeindlichen Mächte, des Satans

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und all seiner Heere. Er nahm die Gefangenschaft gefangen. Er triumphierte über Seine Feinde. Und den Menschen hat Er Gaben gegeben. Nun heißt es in Psalm 68, Vers 19, der hier zitiert wird: »Du bist hinaufgestiegen zur Höhe, Du hast Gefangene weggeführt, hast Gaben empfangen bei den Menschen.« Offensichtlich ist eine der Früchte Seiner Kämpfe am Kreuz von Golgatha, dass Gott Ihm Gaben schenkte, die Er Seinerseits den Menschen weitergab. Paulus erklärt das an dieser Stelle in Vers 9: »Das Hinaufgestiegen aber, was besagte es anderes, als dass er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde?« Jetzt fragt ihr vielleicht: Ja, was heißt das denn aber, »in die unteren Teile der Erde«? Das ist eine schwierige Angelegenheit. Aber wenn ihr Psalm 139 aufschlagt, denke ich, dass ein wenig Licht auf diese Stelle fällt. Psalm 139 Vers 15 ist eine der Stellen, die einen fast gleichen Ausdruck verwendet: »in den Tiefen der Erde«. In diesem Psalm redet David von seiner Geburt, seiner Empfängnis und seiner Bildung im Leib seiner Mutter. Dies ist wirklich einer der schönsten Psalmen. Ich denke, es geht hier um die Bildung des Fetus im Leib der Mutter. In Vers 14 sagt David: »Ich preise dich, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl. Nicht verborgen war mein Gebein vor dir, als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewoben in den Tiefen der Erde.« Was bedeutet das hier? Nun, hier ist der Mutterleib gemeint. Dort wurde der Leib gebildet. Es handelt sich hier um eine poetische Ausdrucksweise. Manchmal hilft es uns, wenn wir die Bibel

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mit einer poetischen Seele lesen. Von mir aus hätte ich beides niemals miteinander verbunden, die »unteren Teile der Erde« mit dem Leib der Maria, aber genau das ist hier gemeint. So heißt dies hier: Als Christus in den Himmel aufstieg, was bedeutet es anderes, als dass Er vorher hinabstieg in den Leib der Maria und in Bethlehem geboren wurde? »Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte« (Vers 10). Und dann wandte sich der Herr um und gab die von Gott empfangenen Gaben den Menschen, den Aposteln, Evangelisten, Hirten und Lehrern. Dazu möchte ich gern feststellen, dass ich nicht der Ansicht bin, jeder von uns habe eine dieser Gaben. Ich glaube, es gibt besondere Gaben, die sich ein wenig von den in Römer 12 und 1. Korinther 12 aufgezählten unterscheiden. Wie gesagt: Hier handelt es sich um besondere Dienstgaben. Zuerst sind da die Apostel und Propheten. Apostel waren Menschen, die Zeugen der Auferstehung Christi waren, und die Er dann aussandte. Die Apostel, wie sie zunächst im Neuen Testament gemeint sind, gibt es heute nicht mehr. Die Propheten waren Männer Gottes, die in der Entstehungszeit des Neuen Testaments dieses für uns verfasst haben. Die Apostel und Propheten gaben uns das, was wir jetzt auf den Blättern des Neuen Testaments lesen können. Im ursprünglichen Sinn gemeinte Apostel und Propheten brauchen wir heute nicht mehr, weil wir das durch sie für uns Erarbeitete vor uns haben. Allerdings mag es in einem schwächeren Wortsinn verstanden Apostel unter uns geben. Wir können Leute unter

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WOZU DIENEN DIE GABEN DER KIRCHE?

uns haben, die ausgesandt sind, und Gott segnet ihr Werk auf wunderbare Weise. Neulich sagte ich noch von einigen, ich könnte meinen, dass sie einen apostolischen Dienst empfangen haben, aber wirkliche Apostel sind sie nicht. Ihnen fehlt die Kraft und die Autorität der Apostel. Wir haben heute auch Propheten, aber keine, die uns Gottes Wort mitteilen. Wir würden niemand anerkennen, der behauptet, Gottes Worte zu besitzen, wohl aber solche, die uns Gottes Wort erklären und deuten. Sie sind - ebenfalls in einem schwächeren Sinn - die Propheten von heute. Die anderen Gaben besitzen wir aber ganz gewiss heute, etwa die Evangelisten. Ein Evangelist geht aus, das Evangelium zu verkündigen. Seine »Gemeinde« ist die Welt, nicht die Kirche. Er geht überall hin, wo er als Menschenfischer tätig werden kann. Dann folgen die Hirten. Sie waren, so wie ich es sehe, umherreisende Hirten. Ich denke Timotheus war in diesem Sinn ein Hirte, und er zog umher und diente den Versammlungen. Titus war sicher auch einer. Paulus hatte das Herz eines Hirten. Wenn sie innerhalb einer Gemeinde arbeiteten, wurden sie, wie wir wissen, immer in der Mehrzahl angeführt. - Und schließlich die Lehrer, wiederum Männer, die das Wort Gottes auslegen.

Wozu dienen die Gaben der Kirche?
Nun folgt ein besonders wichtiger Vers, der zwölfte: Wozu verlieh der Herr die Gaben? »Zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes.« In der King-James-Bibel und in der alten Elberfelder

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steht: »Zur Vollendung der Heiligen (Komma) für das Werk des Dienstes (Komma) für die Auferbauung des Leibes Christi …« Das klingt, als gäbe es drei unterschiedliche Ziele. Nein, nein, nein, nein. Das widerspräche völlig dem, was hier gemeint ist, nämlich: »Zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes.« Achtet auf diesen Vers sehr sorgfältig! Wem ist das Werk des Dienstes aufgetragen? Jedem? Nein, den Heiligen. Das ist revolutionär, meine Lieben, nicht einer auserwählten Gruppe von »Geistlichen«, sondern den Heiligen. Wenn ihr an den Herrn Jesus glaubt, ist euch das Werk des Dienstes übertragen. Ihr seht, das Problem steckt in dem Wort »Dienst«. Wo immer ihr heute einen jungen Mann findet, der zum Beispiel eine besondere Liebe zu dem Wort Gottes hat, und er verwendet viel Zeit mit dem Bibelstudium und er wächst in der Erkenntnis der göttlichen Gedanken, dann sagen die Leute: »Du solltest eigentlich ein Seminar besuchen und studieren und dich auf den Gemeindedienst vorbereiten lassen.« Diese Art zu denken ist völlig falsch. Sobald er dem Herrn dient, steht er schon in Seinem Dienst. So stehen alle Männer und Frauen, die durch die Gnade Gottes errettet wurden, im Dienst ihres Herrn. Das ist revolutionär und macht mit vielem ein Ende, was sich im Laufe der Zeit in die Kirche Christi eingeschlichen hat. »Zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi.« Betrachten wir einmal eine jungen Gemeinde und wie sie zu wachsen beginnt. Es geht dabei zu wie bei einem Baby in der Wiege. Es liegt da und strampelt mit den Beinen und bewegt fortgesetzt die Arme,

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WOZU DIENEN DIE GABEN DER KIRCHE?

und es weint, um die Lungen zu trainieren, und wir sagen vielleicht: Welch eine Vergeudung von Energie! Nein, das gehört zum Wachstumsprozess. Wenn es seine Arme nicht bewegte, würden sie am lebendigen Leibe verkümmern. Es könnte sie später nicht gebrauchen. Genauso geht es der Gemeinde. Werden die Gaben in der Gemeinde nicht angewendet, verkümmern sie auch. Davon gibt es heute leider allzu viele Beispiele in der Kirche. Und Paulus fährt fort zu erklären: »Bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.« Gott will, dass die Kirche auf Erden den Herrn Jesus in rechter Weise vertritt. Das ist damit gemeint. Er will, dass jeder Gläubige so ist, dass Fremde, die mit ihm zu tun haben, denken: »Er erinnert mich an Gott.« Unerrettete sagen dann: »Er/sie erinnert mich an Jesus. Irgendetwas an ihm/ihr lässt mich an Jesus denken.« Wie bringt ihr es soweit? Indem ihr in den Gemeinden eure Gaben ausübt, und nicht dadurch, dass ihr einen Menschen bezahlt, dass er es für euch tut. Soweit ist es in der Christenheit gekommen: Man bezahlt jemanden dafür, dass er für andere die »religiösen Pflichten« erfüllt, während man selbst seinen Interessen nachgeht und weltliche Geschäfte zu machen sucht. So ist das im Neuen Testament durchaus nicht gemeint. Das Werk des Dienstes ist jedem Gläubigen übertragen. Beachtet, was in Vers 14 steht: »Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umgetrieben von jedem Wind der Lehre durch Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu

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listig ersonnenem Irrtum.« Der Vers sagt: Wenn Christen ihren Dienst nicht in dieser Weise ausüben, werden sie auf jeden verrückten Kult hereinfallen, auf den sie stoßen. Klopft jemand an die Tür und trägt eine Bibel unter dem Arm, sagt man dann: »Wenn er eine Bibel trägt, muss es doch in Ordnung sein!« Nein, und man hätte es besser wissen können, hätte man die Bibel besser studiert. So werden die Leute von Ritualisten verführt und von solchen, die die Gottheit Christi leugnen, doch ihre Opfer wissen es nicht besser. »Lasst uns aber die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus.« Dies ist Gottes Programm zum Wachstum Seines Leibes. Ich meine, der Vers 16 ist wunderschön: »Aus ihm wird der ganze Leib zusammengefügt und verbunden durch jedes der Unterstützung dienende Gelenk, entsprechend der Wirksamkeit nach dem Maß jedes einzelnen Teils; und so wirkt er das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.« Hier sehen wir, wie die ideale Gemeinde tatsächlich beschaffen ist. Da ist nicht ein Mensch, der alle Arbeit tun muss, während alle anderen auf den Kirchenbänken sitzen, ihr Geld spenden und dann nach Hause gehen, um eine Woche lang ihren Geschäften nachzugehen. Statt einer solchen Gemeinde wird hier eine beschrieben, in der jeder ein Evangelist ist. Jeder legt von dem Herrn Jesus Zeugnis ab. Jeder studiert die Bibel und wächst in der Erkenntnis des Herrn, und jeder wendet seine Gaben zur Verherrlichung des Herrn Jesus an. Aus diesem Grund halte ich diesen Bibelabschnitt einfach für revolutionär, obwohl er allen bekannt sein müsste. Dieser Schriftabschnitt

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WOZU DIENEN DIE GABEN DER KIRCHE?

ist mehr als alles andere die Ursache, dass ich mit schlichten neutestamentlichen Gemeinden von heute zusammenarbeite. Als ich Marinesoldat war, kam auch mir die Frage: »Warum gehst du in diese Gemeinde? Nur weil dein Vater dahin gegangen ist? Würdest du dich nicht auch in einer der Denominationen wohlfühlen?« Und dann nahm ich mir vor, wie ich es machen wollte. Ich sagte: »Herr, ich will das Neue Testament untersuchen, um dort die Wahrheit selbst herauszufinden.« Und das tat ich. Ich glaube, dass ich heute hier stehe liegt daran, dass Gott mich zu Epheser 4 geführt hat. Dort erkannte ich diese Wahrheit: Die Gaben sind zur Vollendung der Heiligen gegeben, um den aufgetragenen Dienst ausführen zu können. Das überzeugte mich. Wir alle brauchen eigene Überzeugungen - nicht die des Vaters, nicht die der Mutter. Wir müssen durch Gottes Wort überzeugt werden, und wenn wir zu Überzeugungen gelangt sind, dann lasst uns daran festhalten! Das ist überaus wichtig für uns. Alle Gläubigen haben Gaben erhalten. Der heute vorgelesene Text schließt den Gedanken an den Dienst eines Einzelnen aus, absolut und völlig. Leider haben wir uns so daran gewöhnt, dass wir kaum etwas anderes denken können. Den meisten fällt es schwer zu glauben, dass Gott in jeder Gemeinde eine Gruppe von Ältesten und Aufsehern haben will, die die Herde als Unter-Hirten leiten. Aber Gott will es so. Nicht ein einzelner Mann, sondern eine Gruppe von Ältesten soll ihre Gaben für die Arbeit in der örtlichen Gemeinde einsetzen (und die Gemeindeglieder zur Ausübung ihrer Gaben anleiten).

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So wollen wir noch weiter darüber nachdenken. Wir werden über das allgemeine Priestertum aller Gläubigen reden. Außerdem werden wir noch Stimmen von Menschen darüber hören, was diese Stelle für sie und sicher auch für uns bedeutet, und das, obwohl sie Pastoren in ihren Denominationen waren, als sie das sagten. Es scheint der große Schlüsselgedanke dieser Konferenz zu sein. Herr, segne dies Wort an unseren Herzen. Vater, wir bitten Dich, dass Dein Volk ein Volk des Buches wird, dass wir immer mehr zur Bibel zurückkehren möchten und uns nicht von Traditionen leiten lassen, auch wenn sie seit Jahrhunderten in Deiner Kirche praktiziert werden. Wir möchten zu Deinem Wort zurückkehren und Deinen Willen für die Kirche entdecken. Hilf uns, Herr, dass wir unsere persönliche Gabe erkennen und sie zu deiner Verherrlichung ausleben und zur Errettung von Sündern und zur Auferbauung der Heiligen und zur Ausbreitung Deines Werkes hier auf Erden einsetzen. Amen.

Schlagt eure Bibeln bei 1. Petrus 2 auf. Wir wollen die ersten neun Verse lesen: Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden, und seid wie neugeborene Kinder begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch - damit ihr durch sie wachset zur Rettung - wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist! Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus. Denn es ist in der Schrift enthalten: »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« Euch nun, die ihr glaubt, bedeutet er Kostbarkeit; für die Ungläubigen aber gilt: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden«, und: »ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses«. Da sie nicht gehorsam sind, stoßen sie sich an dem Wort, wozu sie auch bestimmt worden sind. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.

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Beim letzten Mal haben wir davon gesprochen, dass Christus das Haupt der Kirche ist und wir verpflichtet sind, Ihn als Haupt anzuerkennen und Seiner Leitung und Aufsicht und Regierung Seiner Kirche in allem zu folgen. Wir sagten auch, dass alle Gläubigen Glieder am Leib Christi sind, und daraus lernten wir, sie alle als unsere Brüder und Schwestern zu betrachten, auch wenn wir nicht in allem mit ihnen übereinstimmen. Was die Grundsätze des Wortes Gottes betrifft, haben wir um uns einen sehr engen Kreis zu ziehen, und dann können wir einen weiten Kreis der Zuneigung um das gesamte Gottesvolk schlagen. Wir sprachen auch darüber, dass alle Gläubigen begabt sind. Jeder Gläubige hat eine oder auch mehrere Gaben.

Allgemeines Priestertum
Heute wollen wir uns klarmachen, dass alle Gläubigen Priester sind. Frauen sind Priester; Männer sind Priester; alle Gläubigen sind Priester - sie sind heilige Priester. Deshalb habe ich diesen Schriftabschnitt gelesen. So steht in Vers 5: »Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen.« Darüber hinaus sind sie königliche Priester, wie in Vers 9 steht: »Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.«

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Um im Alten Testament Priester sein zu können, musste man zum Stamm Levi und zur Familie Aarons gehören, und selbstverständlich musste man außerdem männlich sein. Die Aufgabe der Priester im Alten Testament war es, sichtbare, stoffliche Opfer vor Gott darzubringen. Manchmal war es ein Tieropfer, das Gott dargebracht wurde, manchmal war es ein Opfer aus Mehl, Öl usw. Aufs Ganze gesehen war es ein System von Ritualen. Der Priester war eigentlich ein Zeremonienmeister, der immer wieder die gleichen Zeremonien vollzog, die, wie ihr wisst, keine einzige Sünde wegnehmen konnten. Sie taten Sühnung für die Sünde. Die Priester taten Sühnung für den Altar, dann auch für die Gefäße, die man im Tempel benutzte. All diese Dinge hatten nie gesündigt. Es war alles nur eine Zeremonie, durch die solche Dinge abgesondert wurden, um für den Dienst vor dem Herrn rituell rein zu sein. Denn wir wissen: Alle Ströme des Blutes von Stieren, Lämmern, Böcken und Tauben im Alten Testament konnten nicht eine unserer Sünden tilgen. Die Opfer der neutestamentlichen Priester sind völlig anderer Art. Sie sind geistlicher Natur. Ich möchte nun einige geistliche Opfer nennen, die wir alle bringen können. Nun, an erster Stelle steht natürlich das Opfer unseres Leibes. Das finden wir in Römer 12, Verse 1 und 2: Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser

TEIL III Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

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Dies ist die höchste Form der Anbetung, die jemand darzubringen imstande ist. Das bedeutet, auf die Knie zu gehen und den Leib dem Herrn zu übergeben; und indem er das tut, liefert er sich natürlich völlig dem Herrn aus und ist bereit, alles zu tun, was der Herr von ihm fordert. Dies ist gleichzeitig das Vernünftigste und das Verständigste, was ein Mensch tun kann. Wenn der Herr Jesus Gott ist und für uns am Kreuz der Schande für uns starb, dann ist es das Wenigste, wenn wir Ihm unsere Leiber zur Verfügung stellen, damit Er damit machen kann, was er will. Und doch haben viele Christen große Mühe damit. Andererseits erinnere ich mich, dass C. T. Studd gesagt hat: »Wenn Jesus Gott ist und für mich starb, dann ist kein Opfer zu groß, was ich für Ihn bringen könnte.« Außerdem sagte er, ihm sei immer klar gewesen: »Wenn Christus für mich gestorben ist, dann darf ich meinen Leib nicht nach meinem Gutdünken gebrauchen, sonst wäre ich ein Dieb, denn ich nähme etwas, was mir nicht mehr gehört.« Und er fügte hinzu: »Als ich das begriffen hatte, schien es mir nicht mehr allzu schwer, mich dem Herrn zu übergeben.« Das ist das erste Opfer, das wir dem Herrn darbringen können. Das zweite ist das Opfer unseres Lobes. So heißt es in Hebräer 13, und ihr solltet es aufschlagen, weil es nicht das einzige ist, was wir da finden. In

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Vers 15 steht: »Durch ihn lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen!« Und wirklich, wenn wir den Herrn preisen, wenn wir Ihn anbeten, dann erfüllen wir den eigentlichen Zweck unserer Existenz auf Erden. Der Westminster-Katechismus hat Recht, wenn er sagt, das Hauptziel des Menschen ist die Verherrlichung Gottes und sich Seiner in Ewigkeit zu erfreuen. Lob ist unsere passende Lebensäußerung, weil wir damit dem Herrn danken für alles, was Er ist und was Er getan hat. Ein weiteres Opfer sind die guten Werke, wie Vers 16 sagt: »Das Wohltun und Mitteilen vergesst nicht! Denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.« Wenn wir an gute Werke denken, meinen wir vor allem die Predigt und das Seelengewinnen oder ein ähnliches geistliches Werk. Tatsächlich aber ist alles ein gutes Werk, was ein Christ im Gehorsam gegen Gottes Wort und zur Verherrlichung des Herrn und zum Wohl anderer Menschen tut. Wenn ihr bei eurer Berufsarbeit seid und macht sie zur Ehre des Herrn, so ist das ein gutes Werk. Gott rechnet es dafür. Vielleicht sagt ihr: »Aber das ist doch nichts geistliches!« Doch, es ist geistlich. Gott unterscheidet nicht zwischen geistlichem und weltlichem Tun, wie wir es machen. So gehören dem Herrn unsere Leiber, unser Lob, unsere guten Werke und unser Besitz. Es ist eine wunderbare Erfahrung, freigebig für Gott und Sein Werk zu sein. Beim Mitteilen lernen wir die Freude kennen, für Gott etwas wegzuschaufeln und dabei zu entdecken, dass Er in uns hineinschaufelt. Zu unserem Erstaunen merken wir, dass Seine Schaufel größer als unsere ist. Weiter werden unsere Gebete in Psalm 141 als

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Opfer für Gott angesprochen. Ich meine, es lohnt sich, diese Stelle aufzuschlagen. In Psalm 141 Vers 2 heißt es: Lass als Rauchopfer vor dir stehen mein Gebet, das Erheben meiner Hände als Speisopfer am Abend. Ich denke, das ist wunderschön! Wundert ihr euch nicht darüber, dass es auf Erden Dinge gibt, die im Himmel Wirkung zeigen? Ein Christ kann beten, und es erfüllt den Raum um den Thron Gottes mit duftendem Räucherwerk. Ich finde das großartig! Und ich glaube das! Ich bin eben ein schlichter Gläubiger. »Lass als Rauchopfer vor dir stehen mein Gebet, das Erheben meiner Hände als Speisopfer am Abend.« Und dann ist natürlich der Dienst für den Herrn ebenfalls ein Opfer, das wir Ihm bringen könne. Paulus redet in Römer 15 darüber. Im 16. Vers sagt er von sich, … ein Diener Christi Jesu zu sein für die Nationen, der priesterlich am Evangelium Gottes dient, damit das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist. Welch eine wunderbare, erhabene Anschauung von diesem Dienst ist es doch, Gott damit zu nahen und Ihm zum Beispiel die Heiden als Opfer darzubringen. Nun, ich sagte, die Frauen seien genauso Priester wie die Männer, und das stimmt. Sie bringen Gott ebenfalls diese Opfer dar. Nur eins möchte ich

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hinzufügen: Obwohl alle Gläubigen Priester sind, gibt es Regeln und Schranken für das neutestamentliche Priestertum. Das ist leicht zu beweisen, wenn man z.B. 1. Korinther 14 aufschlägt, Da werden denen, die in der Frühzeit der Kirche gern in Zungen redeten, mindestens sieben Schranken gewiesen. Vielleicht wollt ihr wissen welche? Nun, die erste Schranke ist, niemandem zu verbieten, in Zungen zu reden. Die zweite ist die Forderung, nur in Zungen reden zu dürfen, wenn ein Ausleger da ist. Die nächste: Nie dürfen mehr als drei bei einer Versammlung in Zungen reden. Die nächste: Es muss der Auferbauung dienen. Die nächste: Frauen sollen schweigen. Und schließlich: alles muss anständig und in Ordnung vor sich gehen. Das gilt für das Zusammenkommen in der Gemeinde. Nebenbei: Wenn alle diese Schranken nicht überfahren würden, gäbe es die heutige Zungenbewegung möglicherweise überhaupt nicht. Denn der Heilige Geist hat diese Schranken errichtet. Paulus spricht im Wort Gottes nirgends gegen das Zungenreden; aber er spricht über den Missbrauch. Wegen des möglichen schrecklichen Missbrauchs hat er durch den Heiligen Geist die Liste von Schranken aufgestellt, die den Gebrauch des Zungenredens begrenzen. Es gibt noch weitere: In 1. Timotheus 2 finden wir Schranken für das persönliche Priestertum, die sowohl für Männer als auch für Frauen gelten. Es heißt dort in Vers 1: Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen …

TEIL III Dann fahren wir fort in Vers 8: Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten (hier sind öffentliche Zusammenkünfte gemeint), indem sie (jetzt kommt die Schranke) heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegungen.

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Mit anderen Worten: Wenn ein Mann in der Versammlung aufsteht, um zu beten, ist seine Lebensführung entscheidend. Sie sollte durch Heiligkeit gekennzeichnet sein, wenn einer dem Herrn Gebete darbringt. Er muss heilige Hände aufheben können, ohne Zorn und zweifelnde Überlegungen. Und dann geht es um die Rolle der Frauen: Eine Frau aber lerne in der Stille in aller Unterordnung. Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, auch nicht über den Mann zu herrschen, sondern ich will, dass sie sich in der Stille halte, denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva; und Adam wurde nicht betrogen und fiel in Übertretung. Sie wird aber durch das Kindergebären gerettet werden, wenn sie bleiben in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit. So ist es zwar wahr, dass Männer und Frauen Priester sind, aber genauso wahr ist es, dass der Heilige Geist Schranken für die öffentliche Ausübung dieser Priesterschaft gesetzt hat. Das sollte uns keine Mühe bereiten, weil Gott verschiedene Rollen vorgeschrieben hat. Ihr fragt nun: »Welche Rolle hat Er der Frau zugeteilt?« Eine große

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Anzahl verschiedener. Eine davon wird im letzten Vers angesprochen: Die Erziehung eines gottesfürchtigen Geschlechts. »… Sie wird aber durch Kindergebären errettet werden.« Das hat nichts mit der Errettung ihrer Seele zu tun, sondern damit, dass ihrer Stellung in der Kirche gerecht wird. Der vorhergehende Vers könnte bei euch den Eindruck erwecken, die Frauen seien zur Bedeutungslosigkeit degradiert. »Überhaupt nicht«, sagt Paulus, »sie wird gerettet durch Kindergebären.« Sie hat den Dienst, Kinder für Gott aufziehen. In dem Zusammenhang ist es interessant, dass der nächste Vers, der im Grundtext ohne Kapiteleinteilung hieran anschließt, den Männern sagt, was für sie ein begehrenswerter Dienst sei, nämlich das Ältestenamt. Wenn ihr daher meine aufrichtige Meinung hören wollt, so denke ich, die Frauen dürfen den höchsten Dienst ausüben. Wir meinen, der Predigtdienst sei der höchste … ich denke das nicht. Ich meine, Gott weiß etwas Höheres. So sagte einmal ein sehr begnadeter Diener des Herrn, er schätze eine Mutter, die alle ihre Kinder zum lebendigen Glauben an den Herrn geführt hat für weit gesegneter ein, als sich und seinen Dienst. Wie sähe die Welt anders aus, wenn das Bestreben aller gläubiger Frauen es wäre, ein dem Herrn geweihtes Volk heranzuziehen, wie viel weniger Probleme gäbe es im Umgang mit der Jugend, der Moral und dem allgemeinen Miteinander, welch Beispiel gäben die Gläubigen einer staunenden Welt! Ich denke da an eine Frau wie Susanna Wesley, die neunzehn Kinder zur Ehre Gottes aufzog: John Wesley bewahrte England durch seinen Dienst vor

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den Schrecken einer Revolution, und Charles Wesley schulden wir großen Dank für seine Lieder. Texte wie dieser: »Ja, kann es sein, dass ich gewänn´ ein Anrecht an des Heilands Blut …« sind es wert, ein ganzes Leben dafür zugebracht zu haben. Aber Susanne Wesley hat dafür den Grund gelegt. So sage ich in allem Ernst: Ich glaube, den größten Dienst, den Gott den Menschen gegeben hat, ist der Dienst der Frau - ein heiliges Geschlecht für Gott aufzuziehen. Nun möchte ich zu dem Thema übergehen, das ich vorhin schon kurz streifte: Das klerikale System. Daran zu rühren bietet den Menschen der Gegenwart sicher manches Problem, weil die Kirche seit Hunderten von Jahren das klerikale System kennt, bei dem ein Mensch die Versammlung leitet. Lasst mich gleich zu Anfang sagen, dass dies dem Neuen Testament völlig unbekannt ist. Auch in der Frühzeit der Kirche gab es das nicht. Erst während der zweiten oder dritten Generation der Kirchengeschichte kam es auf und hat sich bis heute erhalten. Als Paulus den gläubigen Philippern schrieb, adressierte er den Brief »An die Heiligen mit ihren Ältesten und Dienern.« Wir haben das schon beim vorigen Mal erwähnt. Er sagte: »Heilige, Ältesten und Diener«. Er schrieb nicht: »An den Herrn Pastor der Gemeinde in Philippi.« Er schrieb an keinen eingesetzten Kleriker, und das hätte er bestimmt getan, wenn es einen solchen gegeben hätte, denn er war ein höflicher Mann und Ehrlichkeit und Mut besaß er auch. Darauf können wir uns verlassen. Er sandte keinen Gruß an eine solche Person, weil es die einfach nicht gab. In manchen alten

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Bibeln, besonders der King-James-Bibel steht am Ende von Timotheus 1 und 2 eine Fußnote: »Timotheus war der erste Bischof in Ephesus.« Dafür aber gibt es keinerlei Belege. In euren Bibeln findet ihr diese Fußnote deshalb auch nicht. Ebenfalls steht da beim Titusbrief: »… erster Bischof auf Kreta.« Wieder völlig unbewiesen. Diese Leute waren reisende Prediger. Paulus schickte sie hin, wo es Schwierigkeiten gab. Er selbst hielt sich auch nicht lange an einem Ort auf. Am längsten hat Paulus in Ephesus verweilt. Im ganzen war er dort drei Jahre, aber an einem Stück nur zwei Jahre. Er war immer in Bewegung. So ist das klerikale System dem Neuen Testament völlig fremd. Doch nicht nur das: Gott hasst es. Schlagt Offenbarung 2 Vers 6 auf. Hier werden die Nikolaiten erwähnt: »Aber dies hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch ich hasse.« Das Wort »Nikolaiten« bedeutet: »Sieg über die Laien«. All die folgenden Jahrhunderte hindurch hat eine Gruppe von Leuten diese Stellung eingenommen: Sie haben die Laien beherrscht. Und das gefällt Gott nicht. Im Vers 15 des gleichen Kapitels heißt es: »So hast auch du solche, die in gleicher Weise an der Lehre der Nikolaiten festhalten. Tu nun Buße!« Gott hasst sie und fordert Buße, und das in einem Kapitel der Bibel! Interessant, nicht wahr? Warum hasst Er sie? Vor allem, weil man dadurch Gottes Absicht mit den Gaben missachtet, die der Kirche gegeben wurden. Erinnert ihr euch, was wir vorher über die Gaben gelernt haben? Sie wurden zur Vollendung der Heiligen gegeben, damit sie das Werk des Dienstes ausüben können.

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Das Werk des Dienstes gehört den Heiligen, allen Kindern Gottes, jedem, der an den Herrn Jesus glaubt. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Leute im klerikalen System um einen Menschen scharen und nicht mehr um den Herrn Jesus Christus. Wie oft reden doch die Leute mit Bewunderung, ja sogar Ehrfurcht von ihrem Prediger, wo wir doch wissen, dass Gott seine Ehre mit niemand teilen will. Oftmals lässt Er auch Stolz und Menschenverherrlichung zuschanden werden, wenn Leute stolz werden, weil sie solche Stellung einnehmen. Der Herr Jesus ist der Sammlungsmittelpunkt Seines Volkes; und ich meine, das ist eine wunderbare Wahrheit. Wenn sich eine Schar von Gottes Leuten darüber klar ist, dass sie sich um Christus schart, so gibt das einer solchen Versammlung einen inneren Halt wie sonst nichts. Sie gehen dorthin, weil sie glauben, dass Christus da ist. Hat Er nicht gesagt: »Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte«? Ihr könnt euch denken, dass es vielen schwerfällt zu glauben: »Da bin ich in ihrer Mitte.« Nehmt es einfach im Glauben an, dass, wenn Christen den Herrn Jesu Christus anbeten, Er gegenwärtig ist. »Natürlich«, sagt ihr, »Er ist überall.« Das ist wahr - Er ist überall. Aber Er ist in besonderer Weise da, wo man zu Seinem Namen versammelt ist. Ein Farmerehepaar versammelte sich mit anderen Gläubigen in einer kleinen Kapelle, durch deren Fenster sie ihr Haus mit der Scheune sehen konnten. Eines Tages waren sie wieder dort, und der Ehemann hatte sein Haupt geneigt und betete den Herrn an. Seine Frau blickte kurz aus dem

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Fenster und sah ihre Scheune brennen. Sie lehnte sich zu ihm hinüber und sagte: »Schatz, unsere Scheune brennt!« Und er antwortete: »Still, der Herr ist jetzt gegenwärtig!« Ach, wenn wir es doch glauben könnten, das würde einen gewaltigen Unterschied für unser Zusammenkommen bedeuten, meint ihr nicht auch? Der Mann glaubte wirklich dem Wort Gottes. Er erfasste im Glauben, dass der Herr in ganz besonderer Weise anwesend war, - und was hätte ein Gartenschlauch auch nützen sollen? An die Gegenwart des Herrn zu glauben, ist ein überaus starker Anreiz, die Versammlungen niemals versäumen zu wollen. Kein Mensch ist in der Lage, die vielen unterschiedlichen Belehrungen der Heiligen Schrift im Bewusstsein zu haben, die der Heilige Geist einer ganzen Gruppe von Leuten anvertrauen will. Ich halte das für sehr bedeutsam. Von frühester Jugend an erinnere ich mich an Bibelarbeit in Gesprächsform. Da kamen die Heiligen zusammen, um das Wort Gottes zu studieren. Ich weiß noch, dass sie damals mit dem Jesaja-Buch begannen, und jeder teilte den anderen mit, was er vom Herrn empfangen hatte. Wirklich, dem ist nichts zu vergleichen, wenn Freiheit zum Reden besteht und man sich über solche Dinge unterhält. Das klerikale System erstickt die Entfaltung der Gaben in der Kirche. Ich sage das zu jungen Männern und Frauen in unseren Zusammenkünften. »Ihr habt in einer Versammlung wie dieser, mit der ihr verbunden seid, Möglichkeiten, eure Gaben zu entfalten, wie sie in den meisten Gemeinden einfach nicht gegeben sind.« Bedenkt das! In vielen Kirchen heutzutage, könnte man ebenso gut ein

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Holzklotz sein. Nun werdet aber auch eurer Verantwortung gerecht und arbeitet fleißig weiter! Das klerikale System behindert die Evangelisierung der Welt. Ich zitiere dazu das Wort eines Mannes mit Namen James Stewart. Er sagte: »Die Welt wird solange nicht so evangelisiert, wie Gott es haben will, solange das klerikale System besteht.« Um das Gesagte zu erhärten, möchte ich jetzt einige Menschen zitieren, die ebenfalls das klerikale System für falsch halten. Alexander MacLaren, dessen Kommentar vielleicht einige von euch kennen, hat gesagt: »Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass die gegenwärtige Praxis, die Belehrung in der Kirche auf die offizielle Klasse zu beschränken, großen Schaden angerichtet hat. Warum sollte einer immer reden, und Hunderte, die auch sprechen können, müssen stumm dasitzen und zuhören, oder so tun, als hörten sie zu?« J. I. Packer, dessen Buch »Gott erkennen« manche von euch gelesen haben, sagt: »Der Klerikalismus ist eine Mischung aus geheimer Absprache und Tyrannei, denn der Pastor beansprucht - allerdings von der Gemeinde toleriert -, dass aller geistlicher Dienst seiner Verantwortung unterliegt und nicht der der Gemeinde. Das ist vom Grundsatz her höchst fragwürdig und dämpft in der Praxis den Heiligen Geist.« - Nicht ich habe das geschrieben, sondern J. I. Packer. John Stott sagt als Anglikanischer Kleriker: »Welches Gemeindemodell sollten wir denn in unseren Köpfen haben? Das traditionelle ist das einer Pyramide, bei der der Pastor wie ein kleiner Papst

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unangefochten die Spitze einnimmt, während das Laienvolk unter ihm in verschiedenen Stufen von Bedeutungslosigkeit eingeordnet wird. Das ist ein völlig unbiblisches Bild, denn das Neue Testament hat nicht einen Einzelpastor im Auge, der eine fügsame Herde leitet, sondern sieht sowohl eine plurale Aufsicht vor als auch den Dienst eines jeden einzelnen Gliedes.« Donald Gray Barnhouse war früher Pastor der Tenth Presbyterian Church in Philadelphia. Er sagte: »Gegen Ende des ersten Jahrhunderts gab es eine Partei in der kirchlichen Organisation, die den Sieg über die Laien errungen und sich in eine beherrschende Stellung gebracht hat, obwohl Petrus davor warnte. Wie wir im Sendschreiben an die Gemeinde in Ephesus in Offenbarung 2 lesen, gab es dort schon im ersten Jahrhundert eine Partei, die ›Nikolaiten‹ genannt wurde. Wie ihr griechischer Name sagt, hatte sie gegenüber den Laien die Oberhand gewonnen. Wir lesen dort aber auch, dass der Allmächtige die Werke dieser Leute hasst, weil sie die Herrschaft über andere innerhalb des Leibes Christi beanspruchten und auch an sich rissen.« Leighton Ford, der Schwager Billy Grahams, sagte: »Unser gesamtes Vokabular über kirchliches Tun und Treiben wird sich verändern, wenn wir wirklich anfangen, dem Muster des Neuen Testaments zu entsprechen.« Richard Halverson sagte auf die Frage nach den verantwortlichen Dienern in der Gemeinde: »Gewöhnlich antworten die Leute mit ›einer oder zwei oder drei‹, und ›das hängt von der Zahl der Mitglieder ab‹. Die richtige Antwort aber muss lauten: Hundert oder tausend, je nach-

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dem, wie groß die Mitgliederzahl ist. Jeder Gläubige ist ein Diener, jeder trägt Verantwortung.« Ihr könntet denken, das hätte einer aus eurer Versammlung geschrieben, aber das stimmt nicht. Es war Leighton Ford. Er sagte auch: »Die Gemeinden, die ihren Wirkungsbereich auf das einengen, was ihre ›Fachleute‹, die Pastoren und Evangelisten, an Verkündigungsarbeit leisten können, lebt in Wirklichkeit im Widerspruch zu den Absichten ihres Hauptes im Himmel und zu dem deutlichen Muster der frühen Kirche.« Stanley Jones war ein Methodistenpastor und langjähriger Indienmissionar. Er hatte eine sehr entschiedene Meinung in dieser Sache. Er sagte: »Die Gemeinde in Antiochien wurde von Laien gegründet, von Laien geführt und durch Laien breitete sie sich in aller Welt aus. Das ist wichtig für die Wiederherstellung der Kirche von heute. Die nächste große Erweckung geht von den Laien aus. Bisher lag der Schwerpunkt bei den Pastoren. Jetzt verschiebt sich der Schwerpunkt zu den Laien. Wir Pastoren, Missionare und Evangelisten werden niemals die Welt gewinnen. Wir sind viel zu wenige dazu. Und täten wir es, so wäre es nicht gut, sondern würde den Laien das geistliche Wachstum und die Entfaltung nehmen, die dadurch entstehen, dass man mit anderen über seinen Glauben spricht. Und niemals werden wir die Laienschaft dazu bewegen, die Verantwortung auf sich zu nehmen, solange wir sagen: ›Kommt und helft eurem Pastor!‹ Ihr Gefühl und manchmal auch ihre laut geäußerte Antwort darauf lautet: ›Warum sollten wir? Das ist seine Angelegenheit. Dafür bezahlen wir ihn!‹«

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Weiter sagte er: »So, wie die üblichen Kirchen eingerichtet sind, neigen sie dazu, Anonymität zu erzeugen. Von der Gemeinde wird Stillschweigen und Zuhören gewünscht, während man vom Pastor erwartet, schwungvoll und zupackend zu sein. So entstehen, strukturell bedingt, Zuschauer und Nutznießer. Weil die Kirche so ist wie sie ist, bringt sie einerseits in sich zurückgezogene und unbeteiligte Menschen hervor und andererseits diejenigen, die Macht und Ansehen daraus schöpfen. Männer und Frauen, die sich in der Woche ihre eigene Meinung bilden, Fabrikdirektoren und Leiter von Planungsbüros, sollen am Sonntag wie Unmündige dasitzen und das auch noch schön finden. Sie tragen kaum Verantwortung, darum äußern sie sich auch nicht, höchstens dass sie sagen: ›Sie haben heute wieder schön gepredigt!‹ Sie haben wenig zu tun, darum tun sie auch wenig.« Er fährt dann fort: »Das Laientum als Ganzes steht als Zuschauer am Rand, und die Kleriker sind auf dem Platz und absolvieren ihr Spiel. Wenn der Kleriker ein Tor schießt oder eine gute Vorlage macht, wird ihm zugejubelt: ›Guter Pastor! Hoffentlich bleibt er!‹ Die ganze Organisation muss verändert werden. Die Laien müssen von ihren Zuschauertribünen herunterkommen und sich am Spiel beteiligen, und die Pastoren müssen als Spieler das Feld räumen und an den Seitenlinien stehen und die Mannschaft beraten. Die ›Geistlichen‹ müssen die Führer und Anreger sein und der eigentlich von den Laien getragenen Bewegung geistliche Impulse verleihen. Werden sie dadurch erniedrigt? Nein, im Gegenteil! Denn ein Trainer ist mehr als ein Spieler. Es ist besser,

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zehn Mann an die Arbeit zu kriegen, als für zehn zu arbeiten.« Ihr habt gemerkt, dass die Zitierten oft die Begriffe »Klerus« und »Laien« verwendeten. Obwohl es diese Begriffe im Neuen Testament nicht gibt, wisst ihr sicher, was damit gemeint ist. Kleronomoi sind die gesetzlichen »Erben« (kleros - Erbe) in der Geschichte von den bösen Weingärtnern, und die Laien sind die Übertragung von laos (Volk). Brian Green sagt: »Die Zukunft der Christenheit und der Weltevangelisation ruht in den Händen gewöhnlicher Männer und Frauen und nicht vornehmlich in denen des christlichen Klerus.« Harnack behauptet: »Als die Kirche ihre größten Siege in der Anfangszeit des Römischen Weltreichs errang, tat sie das nicht durch Prediger oder Lehrer oder Apostel, sondern durch schlichte Missionare.« Jetzt zitiere ich J.A. Stewart, der sagte: »Damals, in der Zeit der Apostel, ging jedes Mitglied der örtlichen Versammlung aus, um durch persönlichen Kontakt Seelen für Christus zu gewinnen, und dann brachten sie die neugeborenen Babys in die örtlichen Versammlungen, wo sie belehrt und gestärkt wurden im Glauben an den Erlöser. Diese taten ihrerseits dann dasselbe.« Nun habe ich bisher nichts zitiert, was in unseren kleinen Versammlungen gesagt wurde, die wir für richtig halten. Alle waren sie Männer, die selbst im klerikalen System verhaftet waren und alle sagten: »Dies ist nicht der richtige Weg.« Zur selben Zeit, wo sich viele Evangelikale von dem klerikalen System wegwenden, bewegen sich viele Versammlungen, die nur mehrere Älteste

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und Diener kennen, der Klerisei zu. Sie stellen einen Mann ein, der für sie die geistlichen Funktionen ausüben soll. Sie kaufen teuer und verkaufen billig. Ihr Geschrei lautet: »Gebt uns einen Pastor wie andere Gemeinden einen haben!« Sie gleichen den Leuten in den Sozialwissenschaften, die sich gängigen Trends anschließen, während weltliche Fachleute beginnen, eben diese Trends ernsthaft zu hinterfragen. Sie merken nicht, dass sie auf einen Zug springen, der kurz vor dem Prellbock langsamer fährt. Was ist aber mit den gottesfürchtigen Männern, deren Predigten wir im Radio hören können? Nun, ich danke Gott für sie und will sie nicht kritisieren. Ich stelle mein Radio an, um John MacArthur zu hören. Ich höre auch Vernon McGee. Ich lausche diesen Männern und ihr wisst, wie mein Herz froh ist, dass das Wort Gottes auf diese Weise verkündigt wird. Aber ich meine, es gibt noch etwas Besseres. Gottes Weise ist die beste, und das ist die schlichte neutestamentliche Versammlung mit mehreren Ältesten, mit Dienern, und wo alle Mitglieder evangelisieren, wo alle Heiligen ausgehen und während ihrer täglichen Arbeit von dem Herrn zeugen und sehen, wie Menschen errettet werden, um sie dann dahin zu bringen, wo sie Nahrung finden und wachsen können und versorgt werden und nun selbst dem Herrn dienen. Und überall, wo der Ein-Mann-Dienst stattfindet, ist auch immer das Problem mit der Bezahlung dieses Dienstes vorhanden. Besucht man eins der üblichen Seminare, so kann man Kurse belegen über Pastoral-Psychologie und vielleicht auch Pastoral-Theologie, und man kann da lernen,

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wie man über sein Gehalt mit der zukünftigen Gemeinde einen Vertrag abschließt, und auch über das, was man dann nicht zu tun braucht. Ob Hochzeiten und Beerdigungen gesondert vergütet werden, ob eine Wohnung oder ein Auto gestellt wird oder nur das Benzin für Dienstfahrten. Alles kann man auf dem Seminar lernen; dabei ist die gesamte Vorstellung von einem bezahlten Amt dem Wort Gottes völlig unbekannt. Warum? Weil der Geldgeber die Botschaft beeinflussen kann. Als wir vor Jahren in Emmaus waren, gab es gegenüber von uns eine große Kirchengemeinde. Eines Tages sagte uns der Pastor dort: »Ich könnte das Evangelium so predigen, wie ihr es bei euch tut, aber meine Leute würden es nicht wollen. Sie könnten es einfach nicht begreifen.« Konsequenterweise kündigte er und wurde Werbeagent bei General Motors. Die das Gehalt bezahlen, wollen oft auch Erfolge sehen. So muss der Pastor zum Beispiel vor ihnen Rechenschaft ablegen, sei es vor dem Gemeinderat oder vor der vorgesetzten Kirchenbehörde. Was ist in diesem Jahr gemacht worden? Wie viele neue Mitglieder wurden in die Gemeinde überwiesen? Wie viele kamen durch kirchliche Taufen hinzu? usw. Ja, und nun hat der Mann das ganze Jahr über gepredigt, und nichts geschah. Man kann doch die Zahl der Bekehrten schlecht feststellen. Und so besteht immer die Gefahr, die Botschaft seichter zu machen, um positive Bilanzen vorlegen zu können. Oder meint ihr, nicht? Stets lauert die Gefahr, das Evangelium zu verwässern und die geistliche Messlatte herabzusetzen. Und gewiss besteht auch immer die heimliche

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Versuchung, Themen zu vermeiden, mit denen man die Leute ärgert. Ihr fragt nun: »Wie war es denn im Neuen Testament geregelt?« Nun, da führte man ein Leben des Glaubens. Die Männer des Neuen Testaments gingen aus mit dem Glauben, von Gott dazu berufen zu sein, und darum werde Gott auch für sie sorgen. Sie machten sich um die Finanzen keinen Kummer. Paulus schrieb aus dem Gefängnis in Philippi: »Ich habe … Überfluss, ich habe die Fülle.« Denn er hatte die durch Epaphroditus überbrachte Gabe erhalten. Viele Menschen können es sich einfach nicht vorstellen, dass eine Versammlung wie die eure, einem Mann empfehlen dürfte, in das Werk des Herrn und aufs Missionsfeld zu gehen. Und der wiederum würde, seiner göttlichen Berufung sicher, wissen, dass Gott für alle seine Bedürfnisse aufkommen wird. So hat Gott es aber vorgesehen. Hudson Tailor hat gesagt: »Gott bezahlt alles, was Er bestellt.« Das ist absolut wahr, man muss sich nur der göttlichen Berufung sicher sein. Doch wenn man das ist, braucht man sich um das nötige Geld keine Sorgen zu machen. Seit fünfzig Jahren blicke ich zum Herrn auf, dass Er mir gibt, was ich brauche, und nie habe ich mir auch nur einen Augenblick darüber Gedanken gemacht, woher das Geld kommen sollte. Ich habe es nie gewusst, und weiß auch jetzt nicht, woher das Geld für die nächsten vierzehn Tage kommen wird. Aber ich kenne Gott, und ich weiß, dass Er mich versorgen wird. Bisher hat Er mich noch nie steckengelassen. Ich habe als vollzeitlicher Diener im Werk des Herrn mehr Möglichkeiten gehabt, in Sein Werk zu investieren, als ich es als Invest-

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ment-Berater der First National Bank in Boston gehabt hätte. Ich kann euch versichern: Gottes Weise ist die beste. Auch ist es für einen Pastor immer eine Versuchung, ein in Aussicht gesetztes besseres Gehalt als Gottes Ruf zu deuten, diese Stelle anzunehmen. Ich meine, wir sind alle Menschen, und da ist das eine handfeste Versuchung, der man ins Auge blicken muss. Nach 5. Mose 15,18 ist ein Sklave doppelt so viel wert wie ein Lohnarbeiter. Das ist ein interessanter Vers. Ihr könnt einmal dort aufschlagen. Es heißt dort: »Es soll nicht schwer sein in deinen Augen, wenn du ihn als Freien von dir entlässt. Denn das Doppelte des Lohnes eines Tagelöhners hat er dir sechs Jahre lang gearbeitet. Gott wird dich segnen in allem, was du tust.« Der Unterschied zwischen einem Sklaven und einem Tagelöhner ist der: Er gehört seinem Herrn. Der Tagelöhner arbeitet um Lohn. Und dieser Vers zeigt euch und auch mir, dass ein Sklave, der seinem Herrn gehört und der seinen Herrn liebt und ihm aus Liebe dient, zweimal soviel wert ist wie ein Tagelöhner je sein kann. Und das gilt heute noch, in diesem Jahrhundert, in dem wir leben. Solche, die dem Herrn als seine Sklaven dienen, sind doppelt so wertvoll und können das Doppelte schaffen, verglichen mit dem, der es für Geld tut. Nun möchte ich unsere Herzen am Ende dieser Lektion daran erinnern, dass nur das Einhalten der Vorschriften, wie wir sie im Neuen Testament finden, nicht ausreicht. Wir mögen uns freuen, dass wir uns jede Woche an den Herrn erinnern; und ich meine, das ist gut. Wir können uns freuen,

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ALLGEMEINES PRIESTERTUM

dass wir an der Taufe durch Untertauchen festhalten. Auch das halte ich für gut. Wir können diese Liste fortsetzen und in allem sehr rechtgläubig sein, aber ich möchte wieder betonen: Es ist gut; aber es reicht nicht aus. Wir müssen die Kraft des Neuen Testaments haben. Wir müssen durch den Geist Gottes wandeln. Wir müssen mit diesem Geist Gottes erfüllt sein, wenn wir wirklich für Gott so brauchbar wie möglich werden wollen. Vielleicht fragt ihr: »Was meinst du mit dem Erfülltsein vom Heiligen Geist?« Nun, ich meine damit, dass wir dem Herrn zur Verfügung stehen können für alles, was Er von uns fordert. Wir müssen mit Gottes Wort erfüllt sein. Man kann nicht mit seinem Geist erfüllt sein, wenn man nicht von seinem Wort erfüllt ist. Männer und Frauen des Gebets müssen wir werden, Männer und Frauen, die sich für die Ausbreitung des Evangeliums aufopfern. Das ist es, was vor dem Herrn wirklich zählt. Ich denke, wir sollten uns stets bewusst sein: Gott ist kein Ritualist. Gott ist nicht zufrieden, wenn man als Bußübung eine beträchtliche Geldsumme hergibt. Derlei Dinge bedeuten Ihm gar nichts. Gott ist an unserem Herzen interessiert. Er will unbedingt, dass wir dem Muster des Neuen Testaments folgen. Das ist sehr, sehr wichtig, aber trotzdem sage ich: Wonach die Welt Ausschau hält, das ist Kraft. Es gibt heute eine Reihe von Leuten, die meinen, es nütze nichts, nur das Evangelium zu predigen. Doch, man muss wohl das Evangelium predigen, aber es muss mit Zeichen und Wundern verbunden sein. Wenn sie von Zeichen reden, meinen sie Totenauferweckungen, Krankenheilungen,

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dass Blinde wieder sehen und Ähnliches. Ihr sagt sicher: »Da ist was dran!« Ich sage euch aber: »Wenn ihr eine Versammlung findet, in der alle ein verändertes Leben offenbaren, da wird sich bald der gesamte Ort verändern; darauf könnt ihr euch verlassen!« Ich höre nicht auf, für manche aus dem klerikalen System zu beten, von denen ich vorhin gesprochen habe. Ich liebe sie! Ich liebe sie im Herrn. Wirklich! Aber ich meine, es gibt etwas Besseres als das: einfach das schlichte Versammeltsein um den Herrn selbst, wo jeder ein Bibelstudent, jeder ein Zeuge für den Herrn Jesus ist und jeder selbst dem Wort Gottes gehorcht. Sollen wir jetzt beten? … Vater, wir möchten Dir einfach für Dein Wort danken. Wir denken daran, wie die Kirche im Lauf der Jahrhunderte abgedriftet ist. Alle möglichen Traditionen wurden hinzugefügt, und zwar in einem Maß, dass die Menschen sich gar nicht mehr vorstellen können, dass es ganz anders sein müsste. Wir bitten Dich, dass, wenn wir Dein Wort öffnen, wir empfindsam sind und deine Stimme vernehmen. Und wenn wir etwas in Deinem Wort erkannt haben, bitten wir Dich, gehorsam sein zu können. Amen.

Schlagt bitte eure Bibel bei Römer 6 auf. Wir beginnen mit Vers 1: Was wollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunehme? Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie werden wir noch in ihr leben? Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein, da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen. Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde.

Taufe
Heute Abend wollen wir zunächst über die zwei Einsetzungen der christlichen Kirche nachdenken, Taufe und Abendmahl oder den Tisch des Herrn. Einige glauben, auch die Fußwaschung sei eine Einsetzung für die Kirche. Einige feine Christen praktizieren sie. Allerdings meinen wir, in der Heiligen Schrift keine direkte Anweisung dafür zu finden. Die Taufe wurde von dem Herrn Jesus bei Sei-

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nem großen Missionsbefehl eingesetzt: »Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« Die Taufe wird in den Evangelien eingesetzt und in der Apostelgeschichte praktiziert. Durch die ganze Apostelgeschichte finden wir sie: Wer an den Herrn Jesus glaubte, ließ sich auf seinen Namen taufen. Und dann wird die Taufe in den Briefen erklärt. Dort finden wir die geistliche, die biblische Lehre über die Taufe und was sie bedeutet. Ja, und was bedeutet sie? Sie ist gleichzeitig dreierlei: Treueschwur, Begräbnis und Hingabe. Sie ist der Treueschwur auf den Herrn Jesus. Was das bedeutet, wissen wir wohl alle. Wenn Soldaten ihr Gelöbnis vor der Fahne ablegen, versprechen sie, der Fahne treu zu dienen und der Republik, für die sie steht. Wenn ihr getauft werdet, tretet ihr in die Öffentlichkeit und schwört Jesus Christus die Treue. Ihr sagt: »Ich gehöre zu Christus, und Christus gehört zu mir.« Zweitens ist die Taufe ein Begräbnis. Wir haben das eben gelesen: »Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit des Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein.« Jetzt sind wir neue Geschöpfe in Christus Jesus, und zumindest dem Grundsatz nach ist der alte Mensch begraben. Als der Herr auf Golgatha starb, starb Er nicht nur als mein Stellvertreter. Ich bin in Seinem Tode mitgestorben. Er starb also nicht nur für mich. Es war mein Tod, den Er starb. Als er starb, starb ich in Ihm. Als er begraben wurde, wurde ich in Ihm begraben, und als Er auferstand, stand auch ich in Ihm auf.

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TAUFE

Also: 1. Treueschwur, 2. Begräbnis und 3. Hingabe. Taufe bedeutet Hingabe, um in »Neuheit des Lebens« zu wandeln. Es ist nicht nur ein rituelles Untertauchen, es ist das öffentliche Bekenntnis: »Ich will, mit der Kraft der göttlichen Gnade ein neues Leben führen und mich Jesus Christus, meinem Herrn und Erlöser, hingeben.« Und ich meine, das ist äußerst wichtig. Viele Leute meinen, wenn sie endlich getauft sind, hätte sich die Sache für sie erledigt. Aber das ist ganz und gar nicht der Fall, es ist der Anfang von etwas Neuem. Das Untertauchen unter Wasser reicht nicht. Seit wir mit Christus unseren Platz in der Taufe eingenommen haben, gilt dies ein Leben lang. Von da an leben wir als solche, die mit Christus gestorben sind. Wir sind damit der Sünde gestorben, dass sie nicht mehr über uns herrscht. Ich weiß nicht, ob ihr es bemerkt habt: In einem der Verse aus Kapitel 6 steht: »Wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde.« Frei von Sünden? Ich sündige täglich in Gedanken, Worten und Taten. Vielleicht hilft es euch, diesen Vers zu verstehen, wenn ihr dort an den Rand schreibt: Befreit von der Herrschaft der Sünde. Das ist eigentlich damit gemeint und wird dann auch am Ende des Kapitels erklärt. Die Sünde bestimmt nicht mehr über die Kinder Gottes. Die Sünde soll nicht das Sagen über euch haben. Ihr seid nicht unter Gesetz. Ihr steht unter der Gnade. Solange ein Mensch unter dem Gesetz steht, ist er auch ein Gefangener; steht er aber unter der Gnade, ist er in Freiheit gesetzt. Er kann tun, was er will, weil das, was ihm gefällt, genau das ist, was Christus

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von ihm getan haben will. Und das ist eben der Wille Gottes, und nichts gefällt der neuen Natur mehr als das. So, ich möchte gern, dass ihr darüber noch weiter nachdenkt. Meint ja nicht, das Ritual der Wassertaufe bewirke irgendetwas! Sie bringt nichts zu Ende, sondern sie ist der Anfang dessen, dass ihr euch auf die Seite des Herrn Jesus stellt. Da beginnt etwas Neues, da steht man auf und setzt das neue Leben in die Praxis um. Das ist ein Leben der Absonderung von Sünde und Welt, hin zu Gott. Wie wichtig ist das! Ist die Taufe wichtig? Ja, sie ist überaus wichtig. Muss man getauft sein, um errettet zu werden? Nein, für die Errettung brauchen wir nicht getauft zu werden, aber sehr wohl, um gehorsam zu sein. Und ich mag gern die durch die Gnade Gottes Erretteten daran erinnern, wenn sie vor der Taufe zurückschrecken oder sie ablehnen, dass sie in alle Ewigkeit ungetauft bleiben werden. Die Taufe ist eins der wunderbaren Dinge, die wir nur hier unten tun können, um das Herz Christi zu erfreuen. In der Ewigkeit wird das nicht mehr möglich sein. Wenn ihr Christus als eurem Erretter vertraut, glaube ich, dass nicht einmal der Teufel unbedingt davon erfährt. Der Teufel ist weder allwissend, noch allgegenwärtig, noch allmächtig. Er weiß nicht alles, was geschieht. Aber ihr könnt sicher sein, wenn ihr getauft seid, weiß er es, weil er es sehen kann. Das geschieht nämlich öffentlich. Und darum kann man heutzutage in vielen Ländern und Kulturen der Welt, in denen andere Religionen vorherrschen, Christ sein, ohne Verfolgung zu

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erleiden. Wenn man sich aber taufen lässt, fängt die Verfolgung an, manchmal bis zum Tod. Ja, selbst hier bei uns haben Eltern ihre Kinder aus dem Haus gejagt, wenn diese sich taufen ließen. Auch bei uns gibt es gewisse Verfolgungen, und meistens weil die Leute an der Kindertaufe, dieser antigöttlichen Bigotterie, festhalten. Denkt also bei der Taufe an ihre drei Bedeutungen: 1. Treueschwur, 2. Begräbnis und 3. Hingabe.

Abendmahl
Die andere Einsetzung der christlichen Kirche ist das Abendmahl. Es bildet die zentrale Handlung in der Anbetung der Gläubigen. Wie ihr wisst, wurde sie in Lukas 22 vom Herrn eingesetzt, als Er mit seinen Jüngern in der Nacht zusammen war, in der Er verraten wurde. Sie hatten das Passah gefeiert, und dann setzte Er das Abendmahl ein. Dazu nahm Er das Brot als Zeichen Seines Leibes, den Er am Kreuz von Golgatha für uns dahingab. Danach nahm Er den Kelch mit dem Wein, dem Bild Seines Blutes, das Er für euch und für mich vergießen sollte. Ich wundere mich über mich selbst, das ich es fertig bekomme, hier zu stehen und etwas zu sagen, anstatt vor Verwunderung und Staunen sprachlos zu sein. Ihr versteht sicher, warum. Eben habe ich gesagt, Christus, Gott geoffenbart im Fleisch, ging ans Kreuz, opferte Seinen Leib und gab Sein Leben für uns dahin. Oder, um es noch provokanter zu sagen: Euer Gott starb für euch! Ich sage euch, ergriffe uns diese Wahrheit in ihrem ganzen Ausmaß, wir blieben unmöglich

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dieselben. Nur weil sie das nicht tut, gelingt es uns, zur üblichen Tagesordnung überzugehen und so weiterzumachen wie bisher. Paulus sagt den Ältesten von Ephesus in Apostelgeschichte 20, sie sollten »die Gemeinde Gottes hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen (Sohnes)«. Manche Handschriften sagen auch: »… durch Sein eigenes Blut.« Wessen Blut? Das Blut Jesu Christi, der »Gott ist, gepriesen in Ewigkeit«. Ich muss bekennen: Eines meiner Lieblingslieder über den christlichen Glauben, ist das schon von mir angesprochene Lied von Charles Wesley: Ja kann es sein, dass ich gewänn´ ein Anrecht an des Heilands Blut? Starb Er für mich, der Ihn verlacht, für mich, der Ihn ans Kreuz gebracht? O, große Lieb´, unfassbar ist, dass Du für mich gestorben bist! Ihr versteht, wir singen das, aber wir begreifen nicht, was wir da singen. Ich habe gehört, dass Menschen für ihren Gott gestorben sind, aber niemals zuvor ist ein Gott für die Menschen gestorben. Und, ihr Lieben, genau das geschah auf Golgatha! Und Er bat uns zusammenzukommen und daran zu gedenken, indem wir das Brot brechen und von dem Kelch trinken. Eingesetzt vom Herrn in Lukas 22, finden wir es ausgeführt in Apostelgeschichte 20,7. Da sehen wir Paulus auf Reisen. Er weiß, wohin er gehen muss: Dahin, wo sich die Jünger versammelt haben, um am ersten Tag der Woche des Herrn zu gedenken.

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Und dann wird das Abendmahl, der Tisch des Herrn, in den Briefen erklärt. In 1. Korinther 11 lesen wir: »Sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.« Noch einmal: Dies ist nicht nur ein Ritual und weiter nichts. Wenn wir zum Brotbrechen zusammenkommen, hören wir Ihn durch sein Wort zu uns sagen: »Dies ist mein Leib, der für euch ist.« Ihr Lieben, es ist eine ungeheuerliche Respektlosigkeit, vom Brotbrechen aufzustehen, ohne mit dem Gedanken zum Herrn aufgeblickt zu haben: »Herr, dies ist mein Leib, den ich nun Dir zur Verfügung stelle.« So zu denken, ist die einzig passende Antwort auf eine so bewundernswerte, göttliche Liebe. Und doch schweigen wir so oft und leben unser kleines Leben und meinen, tun zu können, was wir für richtig halten, und erkennen nicht, was Er von uns haben will. Zwei Einsetzungen gibt es im Christentum: Taufe und Abendmahl. Und das führt uns wie von selbst zu der Betrachtung des Wortes »Anbetung«. Anbetung ist etwas absolut Wesentliches. Wir lesen in Johannes 4, dass der Vater Anbeter sucht. Seht euch den Vers genau an. Es heißt dort nicht: »Der Vater sucht Arbeiter.« Nein, Er sucht Anbeter. Nun, ich habe gelesen, dass die Menschen in dieser Angelegenheit die Frage stellen, ob es nicht selbstsüchtig von Gott sei, Anbetung zu verlangen. Was würdet ihr darauf antworten? Nun, ich sage so: Jeder Befehl in der Bibel bringt uns mehr Nutzen ein als dem Herrn. Habt ihr einmal darüber nachgedacht? Und das gilt für jedes Gebot Gottes, einerlei, welches es ist. Auch wenn ihr an die Zehn

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Gebote denkt. Sie sind unseretwegen erlassen und nicht Gottes wegen. Ihr fragt: »Was haben wir denn davon, wenn der Vater Anbeter sucht?« Ich will es euch sagen: Die Anbetung verändert euer Leben, darum ist sie gut für uns. Ein wichtiger Grundsatz in Gottes Wort lautet: Das Leben des Anbeters wird dem Gegenstand seiner Anbetung ähnlicher. Und je mehr wir den Herrn Jesus anbeten, um so mehr werden wir Ihm ähnlicher. Steht das in der Bibel? Ja, ganz klar und deutlich. 2. Korinther 3 Vers 18 sagt uns: »Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.« Wir wollen jetzt diesen Vers etwas genauer ansehen. »Wir alle aber …« Das sind alle Gläubigen. »… schauen mit aufgedecktem Angesicht …« Wir haben nicht mehr die Decke auf den Augen wie die Juden in Vers 15. »Wir … schauen … die Herrlichkeit des Herrn an …« Wir können den Herrn sehen, nicht nur in Seiner Herrlichkeit, als Er hier auf Erden war, sondern in Seiner Herrlichkeit zur Rechten des Vaters, das ist die Herrlichkeit des auferstandenen Christus. So besingen wir Ihn auch in unseren Liedern. »… und werden verwandelt …« Eine Staunen erregende Veränderung findet bei der Anbetung des Herrn statt. »… in dasselbe Bild …« Das bedeutet, wir werden Christus ähnlicher, nichts Geringeres, Ihm immer ähnlicher. »… von Herrlichkeit zu Herrlichkeit …« Und so gelangen wir von einer Stufe der Herrlichkeit zu der nächsten. Das ist kein einmaliger, plötzlicher Akt. Und wie wird das erreicht? »… wie es vom Herrn,

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dem Geist, geschieht.« Der Geist Gottes arbeitet an unseren Herzen. So ist dies einer der großen, fundamentalen Verse für das christliche Leben: Veränderung durch Anschauen! Ich habe von Ehepaaren gelesen, die lange miteinander gelebt haben und sich tatsächlich ähnlich zu sehen begannen. Habt ihr das auch schon einmal gehört? Nun, ich weiß nicht, ob das im natürlichen Leben wirklich einmal eintritt; aber im geistlichen Bereich ist es ganz gewiss so. Anbetung ist einfach. Was ist Anbetung nicht? Das Hören einer Predigt. Leider kommt die Anbetung in der christlichen Welt heutzutage und im Allgemeinen viel zu kurz. Man nennt die Zusammenkünfte am Sonntagmorgen Gottesdienste, doch meistens hört man da auf einen Menschen, der eine Predigt hält. Eigentlich sollte man das eine »Christenlehre« nennen, denn Anbetung, (Priester-)dienst vor Gott, ist es gewiss nicht. Nun dürft ihr mich nicht missverstehen. Ich bezweifle nicht, dass einige der Zuhörer ihre Herzen währenddessen zu dem Herrn erheben. Ich sage nicht, dort fände gar keine Anbetung statt, zweifellos, Reste von Anbetung sind sicher vorhanden. Aber was das abläuft, ist an sich kein Anbetungsgottesdienst. Was ist ein Anbetungsgottesdienst? Er findet statt, wenn Gottes Volk zusammenkommt und alle ihre überfließenden Herzen vor Gott ausschütten und über den Herrn Jesus Christus nachdenken und ihre Herzen zu Ihm in Anbetung und Bewunderung erheben, wenn wir der Liebe zu Ihm Ausdruck geben. Manchmal höre ich einen jungen Menschen, der in der Zusammenkunft aufsteht

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und nur dem Herrn Jesus sagt, dass er Ihn lieb hat. Das ist die reinste Form der Anbetung, nicht wahr? Wenn man das einfach so sagen kann. Spurgeon sagte: »Keine Erdenfreude gleicht der Glückseligkeit, völlig hingerissen zu sein von der Liebe zu Christus. Sie ist unvergleichlich. Könnte ich wählen, welches Leben ich führen möchte, so wollte ich ganz sicher weder ein Kaiser werden, noch ein Millionär, noch ein Philosoph, denn Macht, Reichtum und Erkenntnis bringen nur Kummer. Ich erwählte mir, nichts als Liebe zu dem Herrn Jesus zu haben. Nichts sollte mir wichtiger sein, als alles nur Seinetwegen zu tun und aus Liebe zu Ihm.« - Spurgeon hatte das Herz eines Anbeters. Nebenbei, man kann Anbeter erkennen, wenn man ihnen begegnet. Ich mag sehr gern mit jungen Leuten zusammen sein, die, wenn sie den Mund öffnen, den Herrn Jesus offenbaren. Versteht ihr, was ich meine? Sie sprechen von dem Herrn Jesus, und ich meine, das ist schön. Es zeigt auf welcher Art Weide sie ihre Nahrung gefunden haben. Bei der Anbetung versammeln wir uns um den Herrn. Vorhin schon habe ich darüber gesprochen, und ich glaube, das ist wahr. Wir versammeln uns, um den Herrn Jesus anzubeten. Er bildet den Anziehungspunkt. Er ist der Mittelpunkt unserer Wertschätzung. Und ich möchte dies euch Lieben sagen, weil es anfangs auch bei mir nicht so war: Wenn ihr die Anbetung nicht mögt, mögt ihr auch den Himmel nicht, denn dort ist Anbetung das große Thema in alle Ewigkeit. Lest die Offenbarung von Anfang bis Ende, immer wieder hört ihr die himmlischen Heerscharen, wie ihre Stimmen in

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immer stärkerem Crescendo anschwellen von Lob und Preis und Anbetung vor dem Thron Gottes und des Lammes. Einige von uns können auf eine Zeit zurückblicken, als in unseren örtlichen Versammlungen nur eine Zusammenkunft am Sonntagmorgen stattfand, und das war der Anbetungsgottesdienst. Gewöhnlich fing er um 10 Uhr 30 an und dauerte bis 12 Uhr. Und der ganze Morgen war der Anbetung des Herrn Jesus gewidmet. Ihr mögt anderer Meinung sein, aber oftmals wünschte ich, dahin zurückkehren zu können. Wirklich, das hätte ich liebend gern. Wir sollten es wieder so einführen. Statt dessen gibt es einen Predigtgottesdienst um 11 Uhr, und dann kommt die Anbetung viel zu kurz. Ich persönlich bedaure das zutiefst. Nun, mir gefallen eine ganze Reihe von Zusammenkünften nicht. Z. B. Zusammenkünfte, in denen es um Organisatorisches geht. Oft meine ich, solche Treffen sind eine riesige Zeitverschwendung, ihr auch? Denn viel kommt dabei nicht heraus. Ja, mir gefallen viele Zusammenkünfte nicht, aber davon will ich nicht weiter reden, sondern von solchen, die ich von Herzen liebe, wie die Anbetungsversammlung, wenn wir um den Namen des Herrn Jesus Christus zusammenkommen und der Geist Gottes uns bewegt und sich der Himmel zu uns herabneigt. Ich kann euch versichern, die will ich nicht verpassen! Ich erinnere mich, von einer Versammlung in Philadelphia vor vielen Jahren gehört zu haben. Da kam die Zeit zum Brotbrechen und zum Austeilen des Kelchs. Ein lieber alter Bruder stand auf, um

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zu danken und das Brot zu brechen. Er ging nach vorne an den Tisch und fiel auf die Knie, um zu beten. Die damals Anwesenden werden das nie vergessen, weil das ein ehrfurchtgebietender Augenblick war. Der Herr war nicht sichtbar, aber ganz real in ihrer Mitte, und die Herzen wurden in Lob und Preis zu Ihm erhoben. Er hat es nie wieder getan. Hätte er es wiederholt, hätte es wie eine Inszenierung gewirkt. Aber damals hat ihn der Geist Gottes so geleitet. Es ist wunderbar, dem Geist Gottes in der Anbetung so zur Verfügung zu stehen, wie Er es von uns haben will. Sehr gut ist es, wenn man sich auf die Anbetungsstunde am Tag des Herrn vorbereitet. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal daran gedacht habt. Vielleicht meint ihr, man brauche nur hinzugehen und dann zu sagen, was einem gerade einfällt. Ich meine, es ist gut, sich in der Woche auf die Anbetung vorzubereiten, indem man über Gottes Wort nachdenkt. Und dann ist am Sonnabend Abend die richtige Zeit, die Bibel und das Liederbuch hervorzuholen und einige Texte und Lieder zu lesen. Sie drücken aus, was du vielleicht fühlst, ohne die richtigen Worte dafür zu finden, wie etwa die folgende Strophe: Wer, o Jesu, fasst Dein Lieben, wer den Wert von Deinem Blut! Liebe nur hat Dich getrieben, selbst zu werden unser Gut. Unsre Sünden trugest Du, gabst in Dir uns ew´ge Ruh´.

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Ich empfehle, von dem Sonnabend Abend einen guten Gebrauch zu machen, indem man sich auf diese Weise auf den Tisch des Herrn vorbereitet. Gott sagt im Alten Testament: »Niemand soll leer vor mir erscheinen!« Er will nicht, dass wir mit leeren Körben dasitzen, sondern über den Herrn nachgedacht haben, bevor wir zu der Versammlung gehen. Und spüren wir dann, wie der Heilige Geist die Zusammenkunft leitet und dahin führt, wo auch wir bei unserem Nachsinnen verweilt haben, so ist das etwas ganz Wunderbares, daran teilhaben zu dürfen. In der Anbetungsversammlung sollte sich alles um den Herrn Jesus drehen. Er muss der Mittelpunkt sein. Da ist nicht der rechte Ort, »ein Zeugnis zu geben«, oder die anderen an einem außergewöhnlichen Erlebnis aus der Woche teilhaben zu lassen. Ich halte es in der Tat für sehr gut, uns in der Anbetungsstunde selbst völlig zurückzunehmen. Lasst das »ich, mein, mir, mich« ganz beiseite und redet nur über und von dem Herrn Jesus! Dann hat die Gnade Gottes uns in ihre Zucht genommen. »Gedenkt meiner!« sagt der Herr, und »verkündet meinen Tod, bis ich komme!« Vielleicht fragt einer, was man tun soll, wenn einer ein Lied aufgibt, das nicht in der Linie des Heiligen Geistes liegt. Nun, wir haben das alle schon erlebt, ihr etwas nicht? Wo der Geist Gottes wirkt, geht alles in eine bestimmte Richtung, und dann schlägt einer vor: »Durch eine Wüst´ ich reise …« Das aber hat mit dem Sinn unseres Zusammenseins nichts zu tun, das ist klar, und es ist sicher nicht durch den Heiligen Geist geleitet gewesen. Was tut man nun? Nun, sie haben ein-

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mal einen alten Bruder danach gefragt. Der sagte: »Ich singe es im Geist.« So gefällt es mir. Anstatt einen jungen Bruder wegen seiner Unreife zu tadeln, sollten wir das Lied in geistlicher Gesinnung singen und hoffen, er werde das im Laufe der Zeit noch lernen. In der öffentlichen Anbetung - und das sage ich vor allem den jüngeren Brüdern - ist es besser: »Wir« als: »Ich« zu sagen, also: »Wir danken Dir« und nicht: »Ich danke Dir.« Denn ihr steht als Sprecher der ganzen Versammlung auf. Und wenn ihr »Amen« sagt, sagt auch die Versammlung »Amen«, und das deshalb, weil sie das Gebet als ihre Anbetung betrachtet. So meine ich, ist es dann in Ordnung. Darum hat man auch in dem Liederbuch »Die Kleine Herde« alle Lieder auf »wir« umgeschrieben, weil es in der gemeinsamen Anbetung stets die Worte aller sind.

Gebet
Nun möchte ich zu einem anderen Thema wechseln, das aber hiermit verbunden ist, und von dem Gebet sprechen. Ist das Beten für eine Versammlung wichtig? Nun, zunächst möchte ich eine Geschichte erzählen: Vor etlichen Jahren fand in einer Stadt an der Ostküste eine Gebetsversammlung statt. Ich will nicht unehrerbietig sein, aber es war langweilig, sterbenslangweilig. Es gab lange, quälende Pausen, in denen niemand etwas sagte. Alles glich mehr einem Leichenhaus als einer Gebetsversammlung. Plötzlich waren Schritte auf der Treppe zu vernehmen. Jemand kam herauf. Leise trat eine

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GEBET

Frau ein, eine afrikanische Gläubige, die diese Gebetsversammlung besuchen wollte. Sie war fremd und noch niemals dort gewesen und niemand sagte ein Wort, alle saßen nur lange, endlos lange da. Schließlich konnte sie es nicht mehr aushalten. Sie erhob ihre Stimme und betete: »Herr, dies ist ein toter Ort, Du weißt, wie tot er ist. Es ist der toteste Ort, den ich seit langem gesehen habe.« Von da an gab es dort keine Pausen des Stillschweigens mehr. Frage: War das ein Engel? Ich glaube wohl. Ich glaube, Gott hatte sie als einen Engel vorbeigeschickt, um die Versammlung aufzuwecken. Ich will damit sagen, dass alles zur Routine werden kann. Man kann jeden Mittwoch Abend eine Gebetsversammlung ansetzen, das meine ich nicht mit Routine, sondern das, was da geschieht. Wir müssen immer wieder neu dort hinkommen und Großes von Gott erwarten. Gern erinnere ich eure Herzen daran, dass menschliche Wesen der Allmacht niemals näher kommen können, als wenn sie im Namen des Herrn Jesus beten. Ihr und ich werden niemals allmächtig sein. Aber wir kommen dem nahe, wenn wir in Seinem Namen beten, denn wenn wir in Seinem Namen beten, ist es dasselbe, als bringe Er das Gebet selbst vor den Vater. Tatsächlich, das bedeutet es. Wenn wir Seinem Willen gemäß beten, beten wir in Seiner Autorität, und Er bringt das Gebet zum Vater, und wenn es zum Vater kommt, ist es gänzlich vollkommen, weil es in Seinen Händen war. Das gibt uns Mut und Freudigkeit zum Beten. Ein alter englischer Bischof hat gesagt: »Wenn ich bete, geschieht etwas, das nicht geschieht, wenn ich nicht bete.« Wir sollten uns das merken.

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Er hatte erfahren, dass Gott Menschen durch das Gebet in Bewegung brachte. Christen halten die Mächte dieser Welt durch das Gebet im Gleichgewicht. Ihr fragt sicher: »Wie meinst du das?« Ich meine, dass wir das Schicksal von Völkern durch das Gebet verändern können. Erinnert ihr euch? Eines Tages konnten wir in der Zeitung lesen, dass die Berliner Mauer gefallen war. Warum passierte das? Durch das Gebet des Volkes Gottes. Nur darum. Denn seit vielen Jahren beteten Christen für die Beseitigung dieses schrecklichen Regimes. Gott hat zu Seiner Zeit diese Gebete erhört. Einigen habe ich schon von einer Gebetsversammlung erzählt, die nun wohl schon zwanzig Jahre zurückliegt. Wir waren damals in Fairhaven, wo sich junge Leute trafen, um die ganze Nacht, von 21 Uhr bis 7 Uhr, für die Mission zu beten. Sonntagmorgen um 2 Uhr begannen wir für den Tschad zu beten. Die Tschadrepublik in Afrika hatte damals einen bösen Präsidenten. Er hieß Tombalbya. Er brachte die Christen um. Er ließ sie bis zum Hals eingraben und von Ameisen auffressen, oder er sperrte sie in eine große Trommel, auf die solange geschlagen wurde, bis sie tot waren. Dick Sanders war damals Missionar im Tschad. Er schrieb uns und den Brief lasen wir an jenem Sonntagmorgen vor: »Seid nicht traurig wegen der Christen, die nun zu Hause sind, aber betet für die Christen, die noch leben.« Und so gingen unsere jungen Leute auf ihre Knie und riefen zu Gott für die Christen im Tschad. Das war am Sonntagmorgen zwischen 2 und 3 Uhr. An diesem Sonntag fuhr ich früh nach Bethany. Unterwegs stellte ich das

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GEBET

Radio an, um die Nachrichten zu hören. Es gab eine Sondermeldung: Militärputsch im Tschad, Tombalbya ermordet. Ein neuer Präsident an der Macht. - Dieser Präsident aber betrachtete die missionarischen Bemühungen wohlwollend. Wenn ihr die jungen Beter gefragt hättet: »Glaubt ihr, dass eure Gebete die Dinge im Tschad beeinflusst haben?« hätten sie »Natürlich doch!« geantwortet. Und letztes Jahr erhielt ich einen Anruf von Dick Sanders, in dem er mich erinnerte, dass es damals genau zwanzig Jahre her war, wo wir in San Leandro gebetet und Gott im Tschad geantwortet hatte. Wir halten mit unseren Gebeten die Mächte dieser Welt im Zaum. Wirklich, das ist so. Und wir verändern durch Gebet den Weg ganzer Völker. Die besten Gebete, die wir nach oben schicken, entspringen einer starken inneren Not. Das wisst ihr selbst, nicht wahr? Ihr habt schon erfahren, dass, wenn alles seinen gewünschten Gang geht, das Gebetsleben erlahmt. Geraten wir aber in eine Krise, so fällt es nicht schwer, eindringlich zu beten. Wir können auch gut beten, wenn wir ein bestimmtes Ziel haben. »Die besten Pfeile kommen von einem straff gespannten Bogen« hat Spurgeon gesagt, und das gilt auch von den Gebeten. Ich möchte euch heute Abend davon überzeugen, dass Gott selten oder nie etwas tut, was nicht Antwort auf Gebete ist. Das werden viele von euch nicht glauben wollen, und doch ist es so. Ich glaube, dass Gottes Wort dies beweist. Jemand schrieb einmal: »Gebete laufen vor der Gnade her. Durchforsche die Heilige Geschichte und du wirst entdecken, dass kaum jemals eine große Gnade in die Welt kam, der nicht ernstes

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Flehen vorausging. Gebete sind immer das Vorwort zum Segen.« Spurgeon war es, der das schrieb. Er sagte weiter - und ich meine, es stimmt: »Wenn überhaupt, tut Gott nur selten etwas, es sei denn als Antwort auf Gebet. Es ist ein Wunder, dass wir nicht mehr beten.« Gott tut einige Dinge ausschließlich insoweit, wie Sein Volk dafür betet. Beten wir nicht, handelt Er auch nicht. Darum stehen so viele Kisten und Fässer im himmlischen Warenhaus herum, die mit allem möglichen Segen angefüllt sind. Dass sie noch nicht geöffnet wurden, liegt daran, dass bisher niemand darum gebeten hat. Gebet bewegt Gott zu Dingen, die Er sonst nicht tun würde. Im Allgemeinen hört man heute in evangelikalen Kreisen, durch Gebet würden wir auf Gottes Willen eingestimmt. Was Gott will, würde sowieso geschehen, und unser Gebet bringt uns nur auf die Linie von Gottes vorgefasstem Willen. Glaubt das nicht! Gebet bewegt die Hand Gottes, so dass Dinge geschehen, die Er sonst nicht getan hätte. Ihr fragt: »Woher weißt du das?« Jakobus sagt es: »Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.« Da steht´s also, und das genügt mir. Gott beantwortet Gebete immer genauso, wie ihr es tätet, wenn ihr Seine Weisheit, Liebe und Macht hättet. Viele von euch erleben große Enttäuschungen in ihrem Leben. Ihr habt gebetet. Ihr habt zum Herrn gerufen, und das Erbetene kam nicht. Hört zu! Hättet ihr Seine Weisheit, Liebe und Macht, ihr hättet genauso gehandelt. Was Er tut, ist immer vollkommen. Seine Weisheit garantiert das. Seine Liebe garantiert das. Seine Macht garantiert das.

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Tatsächlich besteht das Werk für Gott und Seine Sache vor allem im Gebet. »Gebete sind die Speerspitze in Gottes Werk« hat einmal jemand gesagt. Es sollte auch unsere Hauptwaffe sein. Die geistliche Geschichte der Kirche, der neutestamentlichen Gemeinde, wird mit ihrem Gebetsleben beschrieben. Gott erbarme sich der Gemeinden, die keine Gebetsstunde haben. Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Was ist nur mit den Gebetsversammlungen geschehen? Sie fehlen heute - wie ich vermute - in den meisten Gemeinden der Vereinigten Staaten. Es gibt Geheimnisse über das Gebet. Ihr könnt mir nachher noch Fragen dazu stellen. Aber hört zu! Ich möchte lieber beten, als die Geheimnisse übers Gebet lüften, denn das wäre weit besser. Ich mag dies Thema. Es hat einmal einer gesagt: »Das Gebet teilte das Meer und rauschende Ströme, ließ aus harten Felsen Wasser fließen, löschte Flammen, verschloss den Rachen der Löwen, hielt den Lauf des Mondes an und ließ die Sonne nicht ihre Bahn ziehen, zerbrach eiserne Türen, rief Seelen aus der Ewigkeit zurück, besiegte den stärksten Teufel und konnte Legionen von Engeln befehlen aus dem Himmel zu kommen. Gebet hat die rasenden Leidenschaften von Menschen gezähmt und verändert, sie vom Grund des Meeres heraufgebracht und im Wagen gen Himmel fahren lassen. Was hat das Gebet nicht vollbracht?« All das, was ich aufgezählt habe, finden wir in der Bibel. Das Beten führt in Höhen, die den Verstand schwindlig machen. Aber es geht um ernsthaftes Beten. Denn nur

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solches reicht bis zu den Pforten des Himmels. »Kalte Gebete erfrieren, bevor sie oben ankommen.« Ein feuriger, ernsthafter Geist ist es, der am meisten erreicht. Jemand sagte einmal: »Ich messe meine Wirksamkeit an der Zahl der Menschen, für die ich bete, und die für mich beten.« Wir ehren Gott durch die Größe unserer Bitten. Darum gefällt mir auch die Geschichte von Alexander dem Großen, der jeden Monat einmal seinen Palast öffnen ließ, damit jedermann ihm seine Bitten vortragen konnte. Eines Tages erschien vor ihm ein Mensch, der ihn bat, Alexander möge für sämtliche Kosten der Ausbildung seines Sohnes aufkommen. Außerdem bat er um eine Aussteuer für seine Tochter, und so ging es fort und fort. Alexander der Große sagte immer: »Deine Bitte sei dir gewährt.« Einige seiner Höflinge fragten ihn hinterher: »Warum hast du diesem Bettler alles gegeben, worum er dich bat?« Er antwortete: »Er hat mich wie einen König behandelt. Er hat viel von mir gefordert. Ich bin die Leute leid, die mich immer nur um eine Goldmünze angehen.« Gott ehrt es, wenn wir Ihn um Großes bitten. Ein Kind wurde einmal gefragt, um was es Christus gebeten hätte, wenn es Ihm auf Erden begegnet und es selber blind gewesen wäre. Das Kind überlegte und sagte dann: »Ich glaube ganz bestimmt, dass ich den Herrn Jesus um einen Blindenhund mit Leine gebeten hätte, dann würde ich täglich mit ihm spazieren gehen.« Wie oft bitten auch wir so kleingläubig. Hinterher erkennen wir beschämt und erstaunt zugleich, dass wir um einen Hund und eine Leine anstatt um geöffnete Augen gebeten haben. Bittet um Großes! Er ist

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ein großer König. Ehrt Gott mit der Größe eurer Bitten, denn es gefällt Ihm wohl, auf diese Weise geehrt zu werden. Gebet ist wichtiger als Dienst. Das hört man leider heute nur noch selten, trotzdem ist es so. Der himmlische Bräutigam wirbt um eine Braut und sucht keinen Diener. Ein großer König ist der Herr; d`rum bitte Großes, immer mehr; denn Seine Macht und Liebesfüll` hat weder Grenze, Maß noch Ziel. Wenn wir in den Himmel kommen, werden wir wünschen, mehr gebetet zu haben, und ich hoffen, dass ihr eine Versammlung seid, die aus echten Betern besteht. Ehrt Gott durch die Größe eurer Gebete und die Dringlichkeit eurer Bitten und die Liebe zu Ihm! Zum Schluss noch einige Anmerkungen: Der Heilige Geist vertritt Christus in der Versammlung der Gläubigen. Darum sollte er dort das Sagen haben, um uns den Willen des Herrn kundzutun. Und dieser Wille wird der Versammlung durch den Heiligen Geist, durch Gottes Wort und durch die Ältesten mitgeteilt. Der Heilige Geist sollte die Anbetung der Versammlung der Gläubigen leiten. Es ist wunderbar, wenn man merkt, wie der Heilige Geist uns in eine bestimmte Richtung leitet, indem Er unsere Lieder und alles, was geschieht auf das Blut Christi oder Sein Wiederkommen oder auf irgend einen anderen Aspekt Seiner Person oder Seines Werkes lenkt. Der Heilige Geist ist der Einzige, der die

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Versammlung leiten darf. Es ist einfach zu sagen: »Also, wir setzen uns das Ziel, im nächsten Jahr 25 Leute für den Herrn zu gewinnen.« Das klingt zwar gut; aber woher wissen wir, dass der Herr gerade das von uns will? Wir können uns so etwas vornehmen, besser aber ist es, uns von unserem Herrn leiten zu lassen. Der Heilige Geist sollte uns bei der Verteilung unseres Geldes leiten, dann können wir auch solche Briefe bekommen, wie diesen: »Das Geld, das uns eure Versammlung schickte, war genau die Summe, die wir in der Zeit brauchten.« Ihr sagt vielleicht: »Meinst du wirklich, Gott könne eine Versammlung dazu bringen, eine bestimmte Summe für eine bestimmte Not zu schicken?« Ja, genau das meine ich! Immer wieder geschieht es, und ist ein großer Segen für alle, die daran beteiligt sind. Und so kann das Leben in höchstem Maße spannend werden. Der Heilige Geist leitet die Anbetung der Versammlung. Er regiert in den Zusammenkünften und leitet die Redenden und darf unter keinen Umständen »ausgelöscht« werden. »Den Geist löscht nicht aus! Weissagung verachtet nicht!« Wir müssen bereit sein, die Herrschaft des Heiligen Geistes anzuerkennen. Er macht nicht alles immer auf die gleiche Weise. Ja, in Wirklichkeit wiederholt Er sich sehr selten! Und Er schafft stets Neues; wir sollten darum alles vermeiden, was Ihn »auslöscht«, damit Er sich in unseren Zusammenkünften frei entfalten kann. Das Beste ist, wir wenden uns jetzt zu dem Herrn im Gebet: Vater, wir danken Dir heute Abend für alle, die unserem Erlöser in das Wasser der Taufe gefolgt

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sind; und wir bitten Dich, dass jeder ein Leben führen möge, das mit diesem Bekenntnis des Glaubens übereinstimmt. Und wir danken Dir für das wunderbare Vorrecht, an den Tod des Heilands denken zu dürfen, den Er für uns erlitten hat. Lehre uns, bessere Anbeter zu werden, als wir es bisher waren. Senke die Wahrheit über Golgatha ganz tief in unsere Herzen. Lehre mich, Du gepriesener Herr Jesus Christus, was das bedeutet. Öffne unsere Augen, damit wir erkennen, wie herrlich das alles ist. Möchten wir Männer und Frauen des Gebets werden, ach, dass wir uns doch dichter an Dich halten und ein Leben des Gebets führen möchten, um Deinen Willen Tag für Tag immer besser zu erkennen und zu tun! Amen.

Schlagt bitte Hebräer 10 auf. Da lesen wir ab Vers 19: Da wir nun, Brüder, durch das Blut Jesu Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum, den er uns eröffnet hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang - das ist durch sein Fleisch - und einen großen Hohenpriester über das Haus Gottes, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt (und damit gereinigt) vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten - denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat - und lasst uns auf einander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht.

Vorrechte und Verantwortlichkeiten
Heute morgen möchte ich vor allem an die Vorrechte und an die Verantwortlichkeiten erinnern, die alle haben, die zur Kirche Jesu Christi gehören. Da muss ich aber zunächst auf einen oft gehörten Ausdruck eingehen, auf die »Versammlungs-Besonderheiten«. Es liegt mir sehr daran zu erklären, dass es so etwas wie »Versammlungs-Besonderheiten« gar nicht geben darf, und zwar aus folgendem Grund: Das Wort Gottes enthält alle

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Wahrheiten, und diese gelten wiederum für das gesamte Gottesvolk. Nun mag es sein, dass einige sich genauer an die Grundsätze des göttlichen Wortes halten als andere, doch will ich mich selbst auch immer wieder daran erinnern lassen, dass es keine »Versammlungs-Besonderheiten« gibt, denn die Regeln aus Gottes Wort gelten jedem Christen und jeder christlichen Gemeinschaft. Und ganz gewiss ist unter Gottes Volk kein Raum für Stolz vorhanden. Oft denke ich, dass wenn wir uns sehen könnten wie Gott uns sieht, wir so viel Versagen fänden, dass es über unserem Kopf zusammenschlagen würde. Und das stimmt, wenn wir uns im Licht der göttlichen Heiligkeit und Reinheit sehen könnten. Somit ist überhaupt kein Grund vorhanden, stolz zu sein, sondern dazu, mit aller Kraft dem Ziel entgegen zu jagen, »hin zum Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus«. Und so trifft vieles, was ich heute Abend über Vorrechte und genauso über Verantwortlichkeiten sage, auf jeden Christen zu und auf jede christliche Gemeinschaft und jede Gruppe, die sich im Namen des Herrn Jesus Christus versammelt. Welches sind die Vorrechte? Das wichtigste ist die verheißene Gegenwart des Herrn Jesus Christus. Er hat gesagt: »Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.« Macht euch das doch klar! Ihr kommt zusammen, und euer Schöpfer ist in eurer Mitte! Ihr seid zusammen mit Dem, der euch von Augenblick zu Augenblick den Atem zum Luftholen gibt! Zusammen mit Dem, der das gestirnte Universum mit seinen Milliarden Sternen und Galaxien schuf! Er

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ist es, der den Orion in den Weltraum warf und die Himmelskörper auf ihren Bahnen hält. Er, und kein Geringerer, ist mitten unter euch! Aber nicht nur das; wenn wir zusammenkommen, haben wir die Verheißung der Gegenwart Dessen, der auf Golgatha für uns starb. Der uns erschaffen hat und bereit war, für uns zu sterben. Er war bereit, unsere Sünden wegzunehmen und dafür sich selbst zu opfern, damit wir ewig bei Ihm sein dürfen, bei Ihm und Ihm gleich in alle Ewigkeit! Es ist kein geringes Vorrecht, mit dem Herrn zusammensein zu dürfen. Und dann haben wir selbstverständlich das Vorrecht der gemeinsamen Anbetung, und das in besonderer Weise am Tisch des Herrn. Wie wunderbar ist es, mit gleichgesinnten Gläubigen zusammen zu sein und alle Weltsorgen beiseiteschieben zu dürfen und alles auszuschalten, was uns abziehen möchte und einfach nur in der Gegenwart des Herrn Jesus zu sein, denn bei der Anbetung verlassen wir im Glauben diese Erde und treten in die heilige Gegenwart Gottes ein und haben eine Audienz bei dem König des Alls. Genau das bedeutet Anbetung in Wirklichkeit: Wir verlassen im Glauben das Irdische und gehen direkt ins Heiligtum hinein, zum Herrscherthron Gottes, wo wir, wie gesagt, eine Audienz bei dem großen Gott und dem Herrn Jesus haben. Ich kann euch versichern, wenn wir das wirklich erfahren würden, verspürten wir den Hauch der Ewigkeit in unseren Herzen. Ganz sicherlich! Es ist überwältigend, nur daran zu denken. Das nächste ist das Vorrecht des Gebets. Es ist einfach wunderbar, sich als Gottes Volk

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in Seiner Gegenwart zu Lob und Bitte zu vereinigen, um dann zu erleben, wie diese Gebete erhört werden und zu sehen, wie Gott die Figuren auf dem Schachbrett rückt, wie Er auf souveräne Weise wirkt und unseren Gebeten auf eine Weise entspricht, die nie und nimmer nach den Gesetzen des Zufalls und der Wahrscheinlichkeit möglich wäre. Ich danke Gott für Gebetsversammlungen, in denen Seine Nähe verspürt wird. Manche von euch jungen Leuten fürchten sich, öffentlich zu beten, dass sie dabei theologischen Unsinn reden. Für solche Fälle ist mir Offenbarung 8 eine große Hilfe gewesen. Wir sehen da im Bild den Herrn Jesus, wie Er zwischen uns und dem Vater steht. Unsere Gebete steigen auf zu Ihm und Er mischt Räucherwerk hinzu, und dann erst kommen sie vor Gott, den Vater. Und ich glaube, der Duft des Weihrauchs ist der Wert seiner Person und Seines Werkes. Ist das nicht schön? Der Duft Seiner herrlichen Person lässt alle Unreinheiten unserer Gebete verschwinden, von denen es leider sehr viele gibt. Alles nimmt Er weg, und wenn die Gebete vor Gott kommen, sind sie absolut vollkommen. Das ist für mich eine Ermutigung zum Beten. Manchmal hört man einen jungen Bruder Gott, den Vater, dafür danken, dass Er am Kreuz für ihn gestorben ist. Natürlich, Gott, der Vater, ist nicht am Kreuz gestorben, dieser Fehler macht aber nichts. Gott weiß, was gemeint ist. Und wie ich sagte, sind alle Fehler und Schwächen beseitigt, bis das Gebet vor Gott, dem Vater, erscheint. Er bekommt nur Vollkommenes zu hören. Das nächste Vorrecht ist die Belehrung durch Gottes Wort. Ich denke an meine Kindheit zurück,

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wie ich unter der Predigt des Wortes Gottes saß, und heute noch weiß ich, was ich jenen Männern zu verdanken habe. In der ersten Sonntagsschulklasse, an die ich mich erinnere, wurden uns die Gleichnisse ausgelegt, die Geheimnisse des Reiches Gottes aus Matthäus 13. Könnt ihr euch das vorstellen? Als kleines Kind durfte ich lernen, was ich heute noch weiß. Ich kann mich noch erinnern, wie wir damals um runde Tische saßen und das Buch Jesaja durchnahmen. Stellt euch vor, Jesaja! Und auch das habe ich bis heute behalten. Wenn das kein Vorrecht ist! Ich sage euch, ich bin der Gemeinschaft, in der ich aufgewachsen bin, für dies Vorrecht bis zum heutigen Tage allertiefsten Dank schuldig. Und ich war noch nicht einmal bekehrt! Aber der Heilige Geist schaufelte Kohlen auf, die Er einige Jahre später entzünden wollte. Ich empfinde tiefe Traurigkeit, wenn ich an das biblische Analphabetentum in den amerikanischen Kirchen denke. Da herrscht völlige Unwissenheit über Gottes Wort. Immer wieder spreche ich Leute an und muss eine jämmerliche Unwissenheit über die Bibel feststellen. Sie wissen einfach nichts mehr. Und darum ist es ein um so größeres Vorrecht, in einer Gemeinschaft zu leben, in der Gottes Wort gelehrt und die Köpfe der jungen Leute mit Seinem Wort gefüllt werden. Das ist eine heilige Schatzkammer. Und dann ist da das Vorrecht, anderen dienen zu dürfen. Dazu zählt der Segen des Dienstes in den Sonntagsschulklassen. Und wer weiß, welche Früchte das trägt? Ich kenne Lehrer, die im Lauf der Zeit entmutigt worden sind. Sie meinen, dass »nichts passiert«. Es passiert etwas! Ich versiche-

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re euch: Wenn Gottes Wort in der Kraft des Heiligen Geistes verkündigt wurde, ist es niemals ohne Ergebnisse geblieben. Glaubt ihr das? Glaubt es! Denn die Bibel sagt es: »So wird mein Wort sein, das aus meinem Munde hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe.« Also, wenn ihr euch an diesem Werk beteiligt, wenn ihr das Wort Gottes predigt und lehrt, tut ihr etwas, was niemals umsonst ist. Die Erfolgsgarantie könnt ihr als Verheißung direkt aus Gottes Wort entnehmen. Dann kommt das Vorrecht an die Reihe, Gott in der Ausbreitung des Evangeliums zu dienen. Kürzlich gingen etwa einhundert Leute nach Little Rock in Arkansas. Die Unkosten trugen sie selbst, und dort gingen sie und brachten in jedes Haus ein Päckchen christlicher Literatur, sogar in das der Mutter von Hilary Clinton. Und wenn ihr die letzte Ausgabe des Uplook-Magazins anseht, merkt ihr, dass es etwas ganz Großartiges war. Ihr könnt dort alles nachlesen, was die Brüder erlebt haben, und ich kann euch sagen, die Leute waren überglücklich. Sie waren voll überströmenden Dankes gegen den Herrn. Dabei machten sie ihre Hausbesuche bei 41 Grad Celsius. Als sie bei einem Haus anklopften, kam jemand an die Tür und sagte: »Ihr müsst was Besonderes haben, wenn ihr bereit seid, bei 41 Grad im Schatten von Haus zu Haus zu laufen.« Bei einem anderen Haus öffnete die Hausfrau die Tür, und als die Brüder anfingen, von dem Herrn Jesus zu erzählen, sagte sie: »Ich wohne seit fünfundzwanzig Jahren hier, und ihr seid die Ersten, die mir etwas von Jesus erzählen.« Das

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Magazin ist einfach voll von Geschichten dieser Art. Einer dieser Christen versuchte, einen kleinen Jungen mit zur Kinderstunde zu bringen. Es war ein Pflegesohn, und seine Pflegemutter sagte an der Tür: »Ach, Männer gefallen ihm gar nicht.« Sicher war der kleine Kerl missbraucht worden. Und er sagte auch selbst: »Ich mag Männer nicht.« Aber, wisst ihr, der liebe Bruder blieb hartnäckig. Er besorgte kleine Geschenke und brachte sie dem Kind, und schon bald ging es mit in die Kinderstunde. Es folgte dem Bruder auf Schritt und Tritt und ließ ihn nicht mehr aus den Augen. Jetzt denkt man darüber nach, ihn zu adoptieren! So ist das Magazin voll von der Freude, anderen dienen zu können. Ich kann euch versichern: Das bleibt nicht ohne Folgen für das Leben dieser hundert Brüder. Sie werden das nie vergessen. Dann kommt das Vorrecht des Besuchsdienstes, einschließlich der Krankenhausbesuche. Eigenartigerweise fürchten sich viele vor diesem Dienst. Ich weiß nicht warum. Dabei bringt diese Art der Arbeit außergewöhnlich viel Freude; und oft empfängt man selbst mehr Segen dabei, als man zu geben in der Lage ist. Das nächste Vorrecht ist das Abenteuer der Literaturverbreitung. Ganz nebenbei möchte ich sagen, dass ich glaube, dies sei der besondere Dienst, den Gott all die Jahre hindurch den Versammlungen der Brüder gegeben hat, der Dienst der Literaturverbreitung. Dann folgt das Vorrecht des Gebens. Vielleicht können sich manche nicht vorstellen, dass dies eins ist, aber es ist ein gewaltiges Vorrecht, wenn man die fernsten Teile der Erde mit seinen Gaben und Opfern erreichen

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kann. Und wer kann absehen, was dadurch bewirkt wird? Nichts ist jemals im Namen des Herrn Jesus und für Seine Herrlichkeit geschehen, das nicht am Richterstuhl Christi seine Belohnung finden wird. Ich meine, das ist großartig! Gott ist ein guter Buchhalter. Ihm entgeht nichts, und ich sage euch, es ist spannend, darüber nachzudenken, was manche Leute wohl an Lohn zu erwarten haben! Dann folgt das Vorrecht der Gemeinschaft, dass man mit anderen Christen zusammen sein kann. Wir empfinden das sehr stark in einem Land, in dem der antichristliche Aberglauben ständig zunimmt, und in dem die Medien keine Möglichkeit auslassen, auf das Christentum einzuschlagen und auf Christus und die Christen. Da ist es wunderbar, einfach mit Gleichgesinnten zusammenzukommen, die an den Herrn Jesus Christus glauben und sich mit ihnen über das unterhalten zu können, was wirklich wichtig ist. Dann folgt das Vorrecht, eine fürsorgliche Familie in Zeiten der Not, der Trübsal und des Kummers zu haben. Wenn zum Beispiel jemand im Krankenhaus liegt, sagen wir die Mutter, dann werden die Mahlzeiten einfach ins Haus gebracht, und sie braucht sich um die Versorgung ihrer Familie keine Gedanken zu machen. Da sind Leute, die helfen und auf die Kinder aufpassen usw. Ich möchte jetzt einmal das Gegenteil schildern. Ich hatte bei der Marine einen Kameraden, für den ich fünfzig Jahre gebetet habe, aber er starb, so viel ich weiß, ohne zu dem Herrn Jesus gekommen zu sein. Kurz nachdem sie Witwe geworden war, rief mich seine Frau an, und ich fragte sie: »Haben

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Sie keine Freunde?« Sie sagte: »Wir kennen niemand! Wir haben immer nur Geld gespart, damit wir auf Reisen gehen konnten.« Ich fragte sie: »Kümmern sich denn Ihre Nachbarn um Sie?« »Nein«, sagte sie darauf. »Wir haben mit unseren Nachbarn niemals Umgang gepflegt.« Nun sitzt sie ganz einsam in ihrem Haus in Arizona, und niemand fragt nach ihr. So hat sie die ganze Zeit gelebt, und so sitzt sie nun da. - Ich habe nur gedacht: Welch ein Unterschied! Welch ein Unterschied zu der Gemeinschaft gleichgesinnter Christen, die wie eine Familie füreinander einstehen! Etwas wunderschönes ist uns neulich passiert. Ein junger Mann musste in die Universitätsklinik von Kalifornien nach San Francisco eingeliefert werden. Es ging um eine Lebertransplantation, und ihr wisst, welche Achterbahn der Gefühle dadurch oftmals inganggebracht werden kann. Nun, seine Frau ging eines Tages zu einer unserer Schwestern, weil sie mit ihren Nerven total am Ende war. Sie trat ein und sah, dass sich zwei Damen unterhielten. Leise wollte sie wieder gehen, als eine der Frauen bemerkte, dass sie einer Ohnmacht nahe war. Schnell sprang sie auf und ging auf sie zu. Sie setzte sich zu ihr, legte den Arm um sie und sagte: »Ich gehöre zu einer Gebetsgemeinschaft, und den Namen deines Mannes werde ich auch auf unsere Liste schreiben, und die geht an zweitausend Leute.« Ich kann euch sagen, das bedeutete etwas! Sie konnte wieder Mut fassen. Zweitausend Leute hatten sich verpflichtet, für Barry zu beten; und die gute Nachricht heißt: Barry ist wieder zu Hause, und es geht ihm prächtig. Als Letztes möchte ich das Vorrecht der weltwei-

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ten Bruderschaft nennen. Manche sind schon weit in der Welt herumgereist. Ich könnte euch aber nur wenige Stellen nennen, wo ihr keine wahre christliche Gemeinschaft finden könntet. Man ist nur kurze Zeit mit solchen Leuten zusammen, und es ist, als habe man sie schon immer gekannt. Es gibt keine Bruderschaft, keine Gruppierung oder Gesellschaft in der ganzen Welt, die mit der Gemeinschaft der Christen zu vergleichen wäre. Die Welt hat nichts Vergleichbares zu bieten. Ich denke da an so manchen Ort, den ich besuchte und an die Freundschaften, die sich da bildeten, und die mich durch mein ganzes Leben begleiteten. Aber es gibt auch Verantwortlichkeiten. Und die vergessen wir oft. Ihr wisst, die Franzosen haben den Ausdruck »Noblesse oblige«. Adel verpflichtet heißt das. Die Verpflichtung zu ehrenhaftem, großzügigem und verantwortungsbewusstem Verhalten gehört zu einer adeligen Geburt. Und ihr lieben Christenleute, wir sind von hoher Geburt, wir sind Kinder des himmlischen Königs. Aber das bringt eben auch Verpflichtungen mit sich. Lasst uns nun über einige von ihnen nachdenken: Wir sind verpflichtet, unsere geistlichen Gaben einzubringen, denn nur wenn wir das tun, kann der Leib wachsen, funktionieren und reifer werden. Wir haben das in Epheser 4 gesehen. Der Leib braucht euch. Euer Beitrag zum Leib ist unentbehrlich. Ihr solltet für den Herrn zu allem bereit sein, was ihr auch für einen irdischen Arbeitgeber tätet, und das wäre noch zu wenig. Arbeitgeber können zu euch sagen: »Fahren Sie nach Singapur!«, und ihr geht. Aber Gott sagt vielleicht: »Geh nach Madagaskar!«, und dann sieht

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die Sache ganz anders aus, nicht wahr? Wir sollten für den Herrn tun, was wir für keinen weltlichen Arbeitgeber täten. Weiter sind wir verpflichtet, die Einheit des Geistes im Band des Friedens zu bewahren, und nicht die Ursache von Streitereien zu sein. Wir sollten gegenseitig unsere Fehler bekennen und lernen, in wahrer Demut vor dem Herrn zu leben, damit die Versammlung nicht unter uns zu leiden hat. Dann gibt es die Forderung, das Zusammenkommen treulich einzuhalten. Eine der wenigen Stellen, an denen ihr sicher sein könnt, Verbindlichkeit zu finden, ist das Wörterbuch. In jedem steht das Wort, aber immer weniger deutlich kann man es in den Zusammenkünften der christlichen Gemeinschaften finden. Ich denke, das Versagen in diesem Punkt ist die Ursache für unser hektisches Leben und für all das, was leider an Zerstreuung an den Wochenenden geschieht. Was wäre zum Beispiel ein triftiger Grund, das Brotbrechen zu versäumen? Denkt daran: Der König ist anwesend. Denkt daran: Der, der am Kreuz auf Golgatha für euch starb, ist da. Was wäre schwerwiegend genug, nicht zu erscheinen? Tante Minnis Geburtstag? Ein Familientreffen zum Muttertag? Welchen guten Grund könnte es geben? Es fällt ziemlich schwer, etwas zu finden, meint ihr nicht auch? Wenn wir wirklich glauben, dass der Herr Jesus da ist, fällt es tatsächlich äußerst schwer, etwas zu finden. Er fordert es, denn Er sagte: »Tut dies zu meinem Gedächtnis!« Er ist wirklich gegenwärtig, wenn wir zusammenkommen. Wie ich zuvor sagte, nehmen wir diese Tatsache im Glauben an. Wir handeln nicht, als wäre sie

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wahr. Wir handeln, weil sie wahr ist. Mancher mag widersprechen und sagen: »Klar, Er ist überall.« Ich weiß, dass Er überall ist. Aber Er ist in einer ganz besonderen Weise anwesend, wenn Christen zusammenkommen, um Ihn anzubeten. Die frühe Kirche war treu in ihrer Hingabe an die örtliche Versammlung. Wir haben schon auf Apostelgeschichte 2,42 hingewiesen. Dort steht: »Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.« Da steht nicht nur, dass sie das gewöhnlich taten, sondern, dass sie darin »verharrten«, also daran unbedingt festhielten. Und der Apostel Paulus wusste, als er Philippi verließ, um nach Troas zu fahren, dass er die Gläubigen dort am Tag des Herrn beim Brotbrechen finden würde. Könnte Paulus auch mit uns rechnen? Ich erinnere mich selbst gern daran, wenn ich nicht anwesend sein kann, dass der Herr mich vermisst, und Er vermisst auch euch, wenn ihr nicht da seid. Ich denke oft daran, wie Er damals in das Haus Simons, des Pharisäers, ging. Er erhielt einen kühlen Empfang. Der Herr sagte ihm: »Du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben. Du hast mich nicht zur Begrüßung geküsst. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt.« Denkt ihr jemals daran, wenn ihr fehlt, dass Er euren Kuss vermisst? Ich glaube das. Ich bin eben ein schlichter Gläubiger, aber darum glaube ich es auch von ganzem Herzen. Wenn Er den Kuss eines unwiedergeborenen Pharisäers vermisst, wie viel mehr dann den Kuss eines Menschen, den Er mit Seinem kostbaren Blut erkauft hat?! Der Versammlungsbesuch ist ein Gradmesser

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der Liebe zu Jesus, eurer Liebe zu Ihm. Er hat gesagt: »Wenn ihr mich liebt, so haltet Meine Gebote!« Und dies ist eins davon, oder nicht? »Tut dies zu meinem Gedächtnis!« Und es ist ein Gradmesser für unsere Prioritäten, wie ich schon sagte. Was ist aufregender, eine Gebetsversammlung oder ein Fußballspiel? Nun, das hängt von unserer Einstellung ab. Betrachtet man es vom natürlichen Standpunkt, so ist ein Fußballspiel packender, doch betrachtet man es mit den Augen des Glaubens, so ist es das nicht. Darin besteht der große Unterschied zu dieser Welt. In der Gebetsversammlung unterhält man sich mit dem Gott aller Schöpfung. Beim Fußballspiel regt man sich über Tore auf, die doch hundert Jahre später völlig belanglos sind. Es kommt nur auf die Brille an, die ihr aufhabt. Was ist wichtiger? Schönheitsreparaturen am Haus vorzunehmen, oder zur Gebetsstunde zu gehen? Wir müssen über unsere Prioritäten nachdenken, denen wir dann aber auch zu folgen haben. Wenn wir in Urlaub fahren, sorgen wir auch dafür, dort mit dem Herrn und Seinem Volk zusammen sein zu können? Oder wenn wir umziehen wollen, spielt dann eine biblische Gemeinschaft eine Rolle in unseren Entscheidungen? Bei der Abwägung aller dieser Verantwortlichkeiten, müssen wir stets bedenken, dass wir es vor allem unsertwegen tun. Verbindlichkeit ist zu unserem Nutzen wichtig. Der Herr ist nicht darauf angewiesen. Ich will es so sagen: Was schadet es dem großen Herrscher des Universums im Vergleich zu uns? Uns berührt es aber zutiefst. Wir sind ärmer, wenn wir unverbindlich leben.

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Ich erinnere daran, dass der Herr den Jüngern sagte: »Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen, und ich verordne euch, wie mein Vater mir verordnet hat, ein Reich.« Er nimmt Notiz von unserer Hingabe, und Er hat uns »ein Reich verordnet«. Lasst mich noch dies sagen: Nach meiner Erkenntnis haben die Zusammenkünfte in der Versammlung einen heiligenden Einfluss auf unser Leben. So werden wir jedesmal, wenn wir uns an den Tod des Herrn erinnern, auch daran erinnert, was unsere Sünden Ihn gekostet haben. Das verstärkt den Hass gegen die Sünde und den Wunsch, das Ihm Wohlgefällige zu tun. Indem wir die Gebetsversammlungen besuchen, lernen wir das Beten. Am besten lernt man es nämlich, wenn man sich mit betenden Christen trifft. Ich höre solchen Betern zu und denke: »Welch schöner Gedanke ist das doch! Niemals hätte ich daran gedacht!« Das merke ich mir dann, und es hilft mir auf meinem weiteren Weg. Wir lernen, was Anbetung ist, wir lernen zu geben, wir lernen, unseren Mitgeschwistern gegenüber Zeugnis abzulegen. So heißt der goldene Text für uns: »Lasst uns aufeinander achthaben, … indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!« Unten in Nashville, Tennessee, lebt ein mit mir befreundetes Ehepaar mit Namen John und MaryLou Phelan. Während des zweiten Weltkriegs war John in Südkalifornien und begegnete einem

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Bruder, Harold Kessler. Harold führte ihn zum Herrn und hat viel für sein geistliches Wachstum getan. So zeigte er ihm auch die Wahrheit über die neutestamentliche Gemeinde. Nach dem Krieg wohnten John und MaryLou wieder in Nashville. Die Methodistenkirche am Ort bot ihm eine Stelle als zweiten Pastor an, was in jener Gegend ein ehrenvoller Posten gewesen wäre. John aber hatte sich auf die Grundsätze neutestamentlichen Christentums und der neutestamentlichen Gemeinde festgelegt. Ein ganzes Jahr lang riefen er und seine Frau den Herrn darum an, sie beide ganz allein in ihrem Wohnzimmer. Das nenne ich Hingabe! Am Ende dieses Jahres kamen Brüder mit einem Zelt dorthin und fingen an, das Evangelium zu verkündigen und Seelen wurden errettet. Heute gibt es in Nashville eine große Versammlung und eine Ableger-Versammlung im Nachbarort. Im Sommer finden dort Jugendlager statt. Und alles ist das Ergebnis der Treue eines Ehepaares, das sich ganz dem Herrn hingegeben hatte. Ein ganzes Jahr kamen nur die zwei zusammen, um den Herrn an seine Verheißung zu erinnern. Ich will euch was sagen, liebe Freunde: Das nenne ich Hingabe! Und Gott ehrte sie. »Die mich ehren, werde auch ich ehren.« Jim McCarthy und ich besuchten neulich eine Konferenz im nördlichen Minnesota. Wir trafen dort ein Ehepaar, Jack und Charlotte Moster. Die beiden waren schon jahrelang in Gemeinschaft mit der Versammlung in der Laflin Straße in Chicago. Wie ihr wisst, zogen damals alle Leute dort in die Vorstädte, es war eine reine Massenflucht. Irgendwie wurde die Gegend um die Laflin Straße zu ei-

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nem Ghetto einer ganz anderen Bevölkerungsgruppe. Auch die Zusammensetzung der Versammlung hatte sich total verändert. Jack und Charlotte blieben aber all die Jahre dort, wo es nun völlig anders aussah. Vor einigen Monaten kamen Charlotte und eine andere Frau aus der Kapelle, als sich gerade zwei Banden eine Straßenschlacht lieferten. Eine verirrte Kugel traf die Frau ins Bein. Jack und Charlotte aber sind immer noch dort und halten die Stellung für Jesus. Nichts konnte sie vertreiben. Ich kann euch versichern, das ist Hingabe! Und Gott hat allergrößtes Wohlgefallen daran. Andere Verantwortlichkeiten sind die Pflege der Gemeinschaft in den Versammlungen, für die Ausgaben aufzukommen und Geld für die Missionare draußen bereitzustellen, denn ihr müsst wissen: Der Zustand der Heimatversammlung bestimmt in hohem Maße, was die Missionare für den Herrn tun können. Sie sind ein Abbild der örtlichen Versammlung. Wir haben die persönliche Verantwortung, in der Heiligung Fortschritte zu machen. Die persönliche Heiligung ist äußerst wichtig. Bevor wir zum Tisch des Herrn kommen sollten wir uns selbst prüfen und alle uns erkennbaren Sünden bekennen und ablegen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wenn ich irgendwo ein Geschwür habe, beeinflusst das den ganzen Körper. So ist es auch mit der Sünde, sie ist keine Privatangelegenheit. Sie beeinträchtigt, wie ein Geschwür, den ganzen Leib, die gesamte örtliche Gemeinschaft. In einer Versammlung, nicht weit von hier, ging es mit der Jugendarbeit nicht voran. Die Ältesten

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fragten sich: »Was ist los? Wir verstehen nicht, woher die Schwierigkeiten kommen.« Schließlich kam es heraus: Der mit der Jugendarbeit Betraute unterhielt eine unmoralische Beziehung zu einer Frau aus der Versammlung. Das war das Geschwür. Und als das entfernt war, kam es wieder zu einer gesunden und sehr wirkungsvollen Arbeit unter den jungen Leuten. Wir sollten uns gegenseitig helfen, ermahnen und auferbauen und nicht einander kritisieren, sondern stützen. Die Liebe sollte brennend sein, und wir sollten füreinander beten. Denkt daran, welchen wunderbaren Dienst wir tun können, wenn wir gastfrei sind. Je älter ich werde, um so deutlicher wird mir, wie wichtig die Gastfreundschaft in Verbindung mit der örtlichen Versammlung ist. Darf ich noch einmal auf Jims und meinen Besuch in Nord-Minnesota zu sprechen kommen? Am Ende eines Treffens kam eine Schwester zu mir und sagte: »Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen.« Ich sagte: »Bitte, gern.« Sie begann: »Wir gehörten zu einer Kirchengemeinde, wo man uns großes Unrecht zugefügt hatte. Wir fühlten uns angegriffen und tief verletzt. So gingen wir auf Distanz zu diesen Leuten. Wir selbst verboten uns, jemals wieder dorthin zu gehen. Zu den örtlichen Gläubigen hatten wir die Beziehung abgebrochen.« Weiter erzählte sie: »Doch eines Tages beschlossen mein Mann, ich und die Kinder, in die Bibelkapelle hier am Ort zu gehen.« Ich habe mir die Bibelkapelle selbst angesehen, und kann versichern, dass da nichts ist, was dem Fleisch gefallen könnte. Aber Gott ist da! Der Herr ist da! Sie gingen also hin. Und einer der Brü-

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der kam auf sie zu und sagte: »Wissen Sie, als ich von zu Hause fortging, legte der Herr mir aufs Herz, dies Buch mitzunehmen und es jemandem zu geben, und«, so fuhr er fort, »ihr müsst diese Leute sein, darum schenke ich Euch das Buch.« Die Frau wiederholte den Satz: »Der Herr legte es mir aufs Herz … So etwas hatte ich noch nie gehört … Der Herr legte es mir aufs Herz.« Aber einerlei, sie gingen hinein und schauten sich um und sahen all die Frauen, die ihr Haupt mit Tüchern bedeckt hatten. Und auf dem Heimweg fragten die Kinder: »Na, Mama, was war denn das? Warum trugen alle die Frauen Kopftücher?« Sie antwortete: »Denkt gar nicht darüber nach. Dahin gehen wir nie wieder.« Sie gingen nach Haus, und damit war Schluss. Ihr seht, sie wollten auch diese Leute auf Abstand halten. Auf so etwas wollten sie sich nicht einlassen. Der nächste Sonntag kam, und der Mann fragte: »Bist du fertig?« Sie antwortete: »Fertig für was?« Er sagte: »Fertig zum Losgehen.« Sie fragte: »Wohin denn?« Er erwiderte: »Zur Kapelle.« Sie: »Zur Kapelle soll ich gehen?« Er: »Ja!« Sie: »Du willst, dass ich solch ein Ding auf den Kopf setze?« Er darauf: »Ja, ich meine doch.« Und dann gingen sie hin, und wurden nachher zum Essen eingeladen, zweiundzwanzig Mal in Folge lud man sie zum Essen ein. Sie beschloss ihre Erzählung: »Jahrelang gingen wir zur Kirche, und niemals hat uns jemand zum Essen eingeladen. Ich hatte zwar den Kindern gesagt, sie brauchten keine Angst zu haben, dahin würden wir nie wieder gehen, stattdessen sind wir nie wieder fortgegangen.« Das zeigt, wie wichtig die Gastfreundschaft ist. Dazu kommt natürlich die Verantwortung, sich

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an den Arbeiten im örtlichen Versammlungslokal zu beteiligen beim Säubern und Reparieren und sich dabei den Ältesten unterzuordnen. Nun folgen noch einige abschließende Gedanken zum Leben in der Versammlung. Versucht, andere Christen anzusehen, wie der Herr Jesus es tut. Das ist allerdings nicht einfach, ganz sicher nicht, aber so müssen wir es machen. Betrachtet andere Gläubige, wie der Herr Jesus es tut! Lehnt jeglichen Kritikgeist ab. Ich kenne nichts, was dem geistlichen Leben einer Versammlung mehr entgegensteht als ein kritischer Geist. Manche haben den Eindruck, wir hätten ein Talent zum Kritisieren. Jedenfalls ist es ein Talent, von dem der Herr nicht will, dass es wuchert. Es ist gut, wenn man den Unterschied zwischen grundlegenden, wichtige Dingen und Nebensächlichkeiten bedenkt. Es gibt einiges, das unverzichtbar ist. Das sind die Grundwahrheiten des christlichen Glaubens, bei denen wir keine Kompromisse machen dürfen. Andere Dinge wieder sind wichtig, weil die Bibel sie lehrt; aber unter den Christen gibt es Meinungsverschiedenheiten über deren Auslegung. In solchen Dingen sollte sich die Versammlung eine Auslegung zu eigen machen. Wenn ihr dann in Gemeinschaft mit dieser Versammlung kommt, könnt ihr eure Ansicht behalten, sie aber weder öffentlich noch privat durchsetzen wollen. Das erhält den Frieden in der Versammlung. Dann gibt es nebensächliche Dinge, über die uns Gott nichts gesagt hat. Ihm ist es einerlei, ob ihr Vegetarier seid. Das ist Ihm wirklich einerlei. Er kümmert sich auch nicht darum, ob ihr euch Ge-

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danken über gesäuertes oder ungesäuertes Brot macht, oder über die Frage, was richtiger ist, Traubensaft oder vergorener Wein. Das zu entscheiden überlässt er den örtlichen Versammlungen. Noch einmal sage ich, was ich vorhin schon andeutete: Seid euch selbst eurer Überzeugungen sicher. Nur etwas zu glauben, weil es die Eltern taten, reicht nicht aus. Man muss selbst aus dem Wort Gottes seine Überzeugungen gewinnen. Wenn ihr es geschrieben findet und zu einer Überzeugung gelangt seid, haltet daran fest. Ein alter Mann, Alfred Mace, sagte mir: »Bill, wenn du zu einer biblisch begründeten Überzeugung gelangt bist, halte sie fest!« Und ich habe versucht, das zu tun. Auch möchte ich noch sagen, dass niemandes Gabe zu groß für göttliche Grundsätze ist. Ich mag in einer kleinen, unbedeutenden Versammlung sein und denken: »Tatsächlich, meine Gabe ist für dies hier zu groß. Ich sollte nach einer größeren Einflussmöglichkeit Ausschau halten.« Und dann verlässt man die erkannten Grundsätze, nur um eine größere Zuhörerschaft zu erreichen. Aber keines Menschen Gaben sind für Gottes Grundsätze zu groß. Haltet an dem fest, was Gott euch anvertraut hat. Ich finde es interessant, dass wenn andere etwas fortwerfen, wir es aufgreifen, und wenn die Menschen bei uns etwas Wunderbares entdecken, werfen wir es fort. Das geschieht immer wieder. Ich danke Gott für die großen Wahrheiten über die neutestamentliche Versammlung. Und eigenartigerweise werfen manche diese Wahrheiten für etwas Geringeres weg, während gleichzeitig

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andere sie wahrnehmen, wie ich mit den Zitaten einiger Kleriker bewiesen habe, die sagen: »Das ist die Weise des Neuen Testaments: Die Gaben sind gegeben, damit die Heiligen für das Werk des Dienstes vollendet werden, der zur Auferbauung des Leibes Christi geschieht.« Lasst mich noch einmal sagen, was ich schon mehrfach wiederholte: Denkt daran, nur einem Muster zu folgen, reicht nicht aus. Wir müssen das richtige Muster haben, das auf das das Wort Gottes gegründet ist, aber wir brauchen auch die geistliche Kraft, die zur Befolgung nötig ist. Ich glaube, der Geist bewegt sich in unseren Tagen auf besondere Weise. Das steht im Zusammenhang mit Gemeindegründungen. Nur selten reformiert Gott eine Bewegung. Er fängt meistens etwas Neues an. Ich möchte an Gottes Werk teilhaben, weil Er etwas Neues in Amerika anfängt. Es sind die gleichen Grundsätze! Aber sie werden auf neue Weise dargestellt. Ich glaube, dass Gott so handelt. Er tut es in Little Rock, Er tut es in Grand Forks, in Norddakota. Und hoffentlich will Er es auch bei euch tun. Es liegt in der Luft. Lasst uns daran teilhaben! Sollen wir noch beten? Vater, wir danken Dir für diese Zeit des Zusammenseins, wo wir zu den Füßen des Herrn Jesus gesessen und der freundlichen Stimme des guten Hirten aus Deinem Wort zugehört haben. Wir wurden daran erinnert, wie kostbar die Kirche für Dich ist, und wir möchten, dass sie auch uns kostbar wird. Hilf uns, treuer zu sein, darum bitten wir Dich. Hilf uns, uns Dir ganz hinzugeben. Hilf uns, solche Männer und Frauen Gottes zu werden, wie

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Du es haben willst. Mache die Wahrheiten in unserem Leben zur Wirklichkeit und durch uns auch im Leben von anderen. Amen.

William MacDonald

Nimm mein Leben

CLV-Classic

224 Seiten ISBN 3-89397-391-5 Was würde geschehen, wenn Gläubige Jesus Christus als Gekreuzigten betrachten und über Ihn und Sein Werk tiefer nachdenken würden? Überwältigt von dem Ausmaß und der Größe ihrer Errettung würden sie nicht anders können, als zu Anbetern zu werden. Sie würden niemals mehr aufhören, die wunderbare Gnade Jesu zu bestaunen und könnten ihren Mitmenschen gegenüber davon nicht schweigen. Weltliche Wünsche würden ihre Faszination verlieren und sie würden sich rückhaltslos dem Herrn und seinem Dienst hingeben – die Welt würde evangelisiert werden. Utopische Wunschträume? Dieses Buch zeigt, dass der Kreuzestod Christi auf Golgatha uns nicht so beeindruckt, wie er sollte, aber es hilft auch zu einer konsequenteren Hingabe.

William MacDonald

Der vergessene Befehl

Taschenbuch

256 Seiten ISBN 3-89397-195-5 Gottes Marschbefehl lautet »Seid heilig« – d. h. passend für Ihn und echte Zeugen Christi in dieser Welt. In dieser Welt sollen Christen Nachahmer und Darsteller Jesu, lebendige Briefe Christi sein. Ist diese Forderung nur eine Utopie? William MacDonald nimmt sich dieser brennenden Frage an, indem er nachweist, dass die Forderungen Gottes nach einem geheiligten Leben seiner Kinder nicht an der Realität scheitern muss. MacDonald hat erneut ein aufrüttelndes Buch geschrieben, das sich nicht scheut, bis in die verschwiegendsten Winkel unseres Alltags hineinzuleuchten und gleichzeitig Wege zur Heilung aufzuzeigen.

William MacDonald

Das tat Gott

Hardcover

128 Seiten ISBN 3-89397-364-8 Das Buch möchte Menschen, die sich selbst als »religiös« bezeichnen würden, aufzeigen, was Gott für sie getan hat. Es stellt die Herrlichkeit der Gnade Gottes vor und erklärt, wie der große Gott durch den stellvertretenden Tod seines Sohnes das Problem der Sünde gelöst hat. Auch der Gegensatz zwischen Gesetz und Gnade kommt ausführlich zur Sprache. Anhand der Bibel wird gezeigt, was eigene Werke und Gottes Werke mit der Erlösung zu tun haben. Als gebundenes Buch mit vielen Fotos und graphischen Illustrationen ein ideales Geschenk für Krankenbesuche usw.

William MacDonald

Kommentar zum NT

Hardcover

1488 Seiten ISBN 3-89397-374-5 In diesem Vers-für-Vers-Kommentar zum NT geht es dem bekannten Autor nicht um Wissensvermittlung, sondern darum, die Person Jesu Christi groß zu machen, Zusammenhänge der Schrift deutlich werden zu lassen und so Auslegung mit Auferbauung zu verbinden. Ein leicht verständlicher Kommentar, der den Leser anreizt, Gottes Wort systematisch und fortlaufend zu studieren und sich an den Reichtümern der Schrift zu erfreuen. Der Autor übergeht schwierige Abschnitte nicht einfach, als ob sie keine Probleme böten, sondern geht offen an Schwierigkeiten heran. Wo es unter den Auslegern Auseinenders etzungen gibt, nimmt er einen festen Standpunkt ein, respektiert jedoch auch andere Interpretationen.

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