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Der gemessene Motivkontrast betrug nur 3 Blenden Differenz (= 4 Zonen), so dass ich eine N+2 Entwicklung riskierte, um insbesondere die stark vergilbten Zifferblätter deutlich aufzuhellen. Selbst bei Mittelformataufnahmen ist eine N+2 Entwicklung oft bereits grenzwertig, weil das Korn sehr schnell zu groß werden kann. Meine Bedenken bei der Aufnahme erwiesen sich jedoch als unbegründet, was ich vor allem der super-feinkörnigen „Idealkombination“ Delta 100 in XTOL 1+1 zugute halte. Aufgenommen im Mittelformat mit einem 135 mm Makro-Objektiv bei Blende 16, Delta 100 in XTOL 1+1 und auf Moersch Select Sepia in Separol HE vergrößert; abschließend selengetont.

Schritt für Schritt zum Zonensystem (1)

Mit Systematik zu besseren Fotos
An Literatur und Informationen zum Zonensystem mangelt es nicht – angefangen bei den Werken von Altmeister Ansel Adams, der dieses Verfahren, wenn auch nicht erfunden, so aber doch verbessert und populär gemacht hat, bis hin zu den Büchern und Workshops von Andreas Weidner und anderen Autoren und Referenten. Sie alle vermitteln das Know-how sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Man sollte meinen, damit sei alles gesagt – und doch kann es nicht oft genug betont und beschrieben werden, wie man mit konsequenter Anwendung des Zonensystems zuverlässig und präzise zu besseren Ergebnissen kommt. Mit diesem Beitrag startet eine mehrteilige Serie von Wolfgang Mothes, einem ausgewiesenen Praktiker, zu Prinzip und Anwendung des Zonensystems.

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DAS ZONENSYSTEM. UM KEINEN anderen Begriff in der Schwarzweißfotografie ranken sich so viele Mythen. Alle kennen ihn, und nur die Wenigsten wissen ganz genau, was es damit auf sich hat. Ein Fotograf, der das Zonensystem beherrscht und anwendet, gilt als ein Könner und als Meister seines Fachs. Ob zu recht oder zu unrecht, werden wir noch sehen. Das Zonensystem ist alt, sehr alt sogar. Seit seiner Systematisierung durch Altmeister Ansel Adams in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, hat die Fototechnik auch im Bereich der Filme, Entwickler und Fotopapiere einen enormen Entwicklungssprung gemacht. Ist das Zonensystem daher überhaupt noch aktuell und notwendig? Wenn man seine Bedeutung daran misst, wie oft es in der zeitgenössischen Schwarzweißfotografie erwähnt und diskutiert wird, so scheint es aktueller zu sein als je zuvor. Vielleicht liegt diese Aktualität auch daran, dass in Zeiten der Digitalisierung des gesamten

Foto-Massenmarktes im kleiner gewordenen Bereich der klassischen Schwarzweißfotografie eine bewusste Rückbesinnung auf die traditionellen Werte eingesetzt hat. Was genau ist denn das Zonensystem, werden Sie vielleicht fragen. Wenn man versucht, diese Frage möglichst einfach zu beantworten, so könnte man sagen: Das Zonensystem ist ein Belichtungs- und Entwicklungsverfahren in der Schwarzweißfotografie, mit dessen Hilfe der Fotograf ein Negativ mit einem möglichst großen Tonwertumfang erhält, das dem Motivkontrast angepasst ist und das sich ohne Verluste in den Lichtern und Schatten und ohne größere Manipulationen beim Positivprozess auf Fotopapier mittlerer Gradation kopieren lässt. Um dies zu erreichen, wird bereits bei der Aufnahme der Motivkontrast mit Hilfe eines Spotbelichtungsmessers ausgemessen und die Filmentwicklung an den gemessenen Motivkontrast angepasst. Ist der Motivkontrast zu niedrig, so wird der Film anschließend kontraststeigernd

Bei diesem in der beginnenden Dämmerung aufgenommen Bild ergab die Kontrastmessung einen leicht erhöhten Kontrast, so dass eine N-1 Entwicklung, die die Lichter um eine Zone komprimiert, gewählt wurde. Die Spitzlichter in der Mitte des Bildes anzumessen, wäre ein Fehler gewesen, der einen viel zu hohen Kontrast suggeriert hätte. Spitzlichter werden bei einer Kontrastmessung grundsätzlich nicht berücksichtigt. Aufgenommen im Kleinbildformat mit einem 19 mm Objektiv bei Blende 8, Delta 100 in XTOL 1+1 kontrastreduziert entwickelt (N-1) und auf Moersch Select Sepia mit Separol HE vergrößert; abschließend selengetont.

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Dieses über 25 Jahre alte Bild soll als Beweis dafür dienen, dass es letztlich weniger auf das Zonensystem als auf das Auge des Fotografen ankommt. Ja, auch diese Erkenntnis gehört unbedingt in eine Darstellung des Zonensystems, das nicht per se zu guten Bildern führt. Ich hatte damals während meines Studiums für eine Tageszeitung als Fotoreporter gearbeitet und kam mit dem Wagen rein zufällig an dieser Szenerie vorbei. Ich selbst wäre vorbei gefahren, wenn mich nicht meine Frau, die mich begleitete, auf dieses Motiv aufmerksam gemacht hätte. Sofort anhalten, aus dem Auto springen und fotografieren – ohne auch nur den geringsten Gedanken an den Motivkontrast, Tonwerte und Zonen zu verschwenden – war eines. Aufnahmedaten liegen mir keine mehr vor, außer: FP-4 in Emofin entwickelt.

entwickelt, ist er zu hoch, was viel öfter vorkommt, so erfolgt eine kontrastsenkende Entwicklung. Durch vorhergehende Tests seiner Gerätschaften und seiner Film/Entwicklerkombination kann der Fotograf vorhersehen und auch in gewissen Grenzen dabei bestimmen, wie die Tonwerte seines Motivs im späteren Print wiedergegeben werden. Wenn ich schreibe „in gewissen Grenzen“ so meine ich damit, dass es natürlich keinen Sinn ergibt, mit Hilfe des Zonensystems einen Rappen zu einem Schimmel machen zu wollen. Ein solchermaßen manipuliertes Bild wäre hoffnungslos überbelichtet, enthielte keine Schwärzen und wäre daher nur des Papierkorbs würdig. Man kann aber sehr wohl entscheiden, ob man z.B. ein dunkles Motivteil sehr dunkel, fast ohne Zeichnung darstellen möchte, oder ob es noch voll durchgezeichnet sein soll – gleiches gilt im übrigen für alle Tonwerte – bzw. wie die Gesamtcharakteristik eines Bildes ausfallen soll: Schwer und dramatisch oder leicht und luftig. An dieser Stelle möchte ich aber gleich eine weit verbreitete Meinung verabschieden, wonach man mit dem Zonensystem alle Grau-

werte eines Motivs individuell vorherbestimmen und entsprechend den eigenen Vorstellungen im Bild unabhängig voneinander darstellen kann. Natürlich funktioniert es nicht, in demselben Bild ein mittelgraues Auto strahlend weiß und ein daneben stehendes beiges Taxi abgrundtief schwarz erscheinen zu lassen. Das wäre Zauberei und von Zauberei ist das technisch-wissenschaftlich geprägte Zonensystem weit entfernt. Sie müssen sich also schon für einen bestimmten Tonwert als Richttonwert entscheiden, den Sie exakt bestimmen wollen; alle anderen Tonwerte im Bild folgen dann der Richtung des von Ihnen vorgegebenen Tonwertes und ordnen sich ihm zwangsläufig unter. Eine Ausnahme davon, dass man nicht mehrere Tonwerte unabhängig voneinander bestimmen kann, macht allerdings die Lichterdarstellung durch die Verkürzung oder Verlängerung der Entwicklungszeit. Hiermit können wir – selbstredend auch nur in gewissen Grenzen – das Verhältnis von Schatten zu den Lichtern, also das Verhältnis dunkler und heller Tonwerte zueinander, steuern, so dass die vorher getroffene Aussage, dass man sich stets für einen Ton-

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wert entscheiden muss, streng genommen nur für eine Belichtung ohne eine anschließende modifizierte Entwicklung gilt. Systematisches Arbeiten Das Zonensystem hat also, sein Name sagt es bereits, sehr viel mit Systematisierung und auch mit Standardisierung zu tun. Fotografen, die nicht willens oder in der Lage sind, systematisch zu arbeiten, sollten sich gar nicht erst daran versuchen. Ob sie deshalb traurig sein müssen, ist eine ganz andere Frage und hängt ganz stark davon ab, welche Richtung der Fotografie bzw. welche Motive sie bevorzugen. Für Fotografen, die Zeit und Ruhe haben, vor der Aufnahme den Motivkontrast auszumessen und zu bewerten und die Filmentwicklung davon abhängig zu machen, macht das Zonensystem durchaus Sinn. In weiten Bereichen der Fotografie – z.B. in der Reportage- oder Street-Fotografie – bleibt gar keine Zeit hierfür, weil der Fotograf spontan reagieren und „zupacken“ muss und natürlich nicht erst auf eine vorhergehende Bestimmung des Motivkontrastes warten kann. Über eines müssen wir uns von vornherein im Klaren sein: Das Zonensystem macht aus einem uninspirierten Fotograf keinen Meisterfotografen, und umgekehrt geht die Anzahl von meisterhaften Fotografien, die im Laufe der Fotogeschichte gänzlich ohne das Zonensystem entstanden sind, sicherlich in die Hunderttausende. Tante Emma an ihrem achtzigsten Geburtstag auf dem Sofa unter dem Bild mit dem röhrenden Hirsch wird sicher auch unter Anwendung des Zonensystems die Fotogeschichte nicht wirklich bereichern. Das Zonensystem ist ein stringentes Regelwerk. Man fragt sich daher unwillkürlich: Passen denn strenge Regeln und Kreativität überhaupt zusammen? Entsteht denn das Außergewöhnliche oftmals nicht erst durch die Durchbrechung von Regeln? Die Fotografie kann eine Kunstform sein, und was wäre die Kunst, wenn sie sich in ein Korsett fester Regeln und Konventionen zwängen ließe? Dies sollten wir immer im Hinterkopf behalten, wenn wir uns mit einem Regelwerk wie dem Zonensystem beschäftigen und seine Vorteile für uns nutzen wollen. Das Zonensystem ist kein Selbstzweck und ersetzt keinesfalls die

Motivklingel, die hoffentlich im Kopf eines jeden Fotografen zu schellen anfängt, wenn er auf ein gutes Motiv trifft. Andererseits versetzt uns das Zonensystem in die Lage, zum Regisseur über die Tonwerte zu werden, indem wir diese nach unseren Vorstellungen manipulieren können. Kreativität und Zonensystem sind also keinesfalls feindliche Brüder. Im Gegenteil: Richtig angewandt gibt uns das Zonensystem Gestaltungsmöglichkeiten, die wir ohne es nicht in gleichem Ausmaß hätten. Trifft diese Aussage angesichts der technischen Entwicklung überhaupt noch zu bzw. brauchen wir das Zonensystem heutzutage wirklich noch? Gute Frage, die sich mit einem kategorischen „Jein“ beantworten ließe. „Ja“ deshalb, weil es uns in die Lage versetzt, dass – geeignete Motive und Ruhe beim Fotografieren vorausgesetzt – eine mangelnde Fototechnik unseren Bildideen nicht länger im Wege stehen wird. Wir erhalten durch das Beherrschen des Zonensystems eine enorme Belichtungssicherheit, die es uns ermöglicht,

Insbesondere wenn es darum geht, den Kontrast durch die Dimmung der Lichter zu senken, leistet ein moderner Zweibadentwickler wie der MZB von Moersch-Photochemie, der sich im übrigen im Vergleich zu anderen Zweibadentwicklern auch sehr gut abstimmen lässt, Hervorragendes. Zwar weist dieses Motiv nur einen geringen Kontrast auf, ich wollte es aber aus Gründen der Leichtigkeit in die höheren Zonen legen. Daher war ein Zurücknehmen der Lichter durchaus angesagt. Beachten Sie bei dem Bild bitte die Fenster und die darin noch deutlich sichtbaren Trittgitter, die gerade richtig gezeichnet sind – und alles ohne Zonensystem. Delta 100 in MZB, Moersch Select Sepia in Separol NE, selengetont.

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deutlich höheren „Verständnisebene“ zu fotografieren. Auf einen Nenner gebracht: Unsere Fototechnik wird sich auf allen Ebenen deutlich verbessern, weil wir die Grundlagen der Schwarzweißfotografie begriffen haben und sie sicher und vorhersehbar für unsere Bildideen nutzen können. Die zwangsläufig bedächtige Arbeitsweise führt weiterhin dazu, dass wir uns eingehend mit unserem Motiv auseinandersetzen können. Ganz nebenbei wird dadurch auch Material eingespart, und es werden Schnellschüsse vermieden, die sich im Nachhinein als unbefriedigend erweisen. „Nein“ deshalb, weil moderne Filme und Entwickler gemeinsam einen Belichtungsumfang erreichen, von denen der gute Ansel Adams zu seinen Zeiten nur geträumt hätte. Lichter der Zonen XI und XII werden heute ohne Probleme aufgezeichnet und lassen sich mit etwas Geschick – oft reicht schon einfaches Nachbelichten mit weicher Gradation – auch zu Papier bringen. Stichwort „Nachbelichten mit weicher Gradation“: Damit wären wir schon bei den kontrastvariablen Barytpapieren angekommen, die eine solche Revolution darstellen, dass man auf den kleinen Teil des Zonensystems, der sich mit der Positivtechnik auseinandersetzt, wirklich getrost verzichten kann. Wir sind also heute auf das Zonensystem keinesfalls mehr im gleichen Ausmaß angewiesen, wie das die altvorderen Lichtbildner noch waren. Nach wie vor aktuell Dennoch: Die Stärken des Zonensystems kommen auch heute noch zum Tragen. Moderne Papiere hin, moderne Papiere her: Ohne ein gutes Negativ können Sie sich in der Dunkelkammer abmühen wie Sie möchten, Sie werden es zu keinem befriedigenden Bild bringen. Das Zonensystem verhilft uns zu solch guten, kontrastangepassten Negativen, die einen größtmöglichen Informationsgehalt aufweisen und sich leicht vergrößern lassen. Was der einzelne Fotograf dann in der Dunkelkammer aus diesen Qualitätsnegativen macht, ob er sich darauf beschränkt, möglichst alle gespeicherten Informationen im Bild 1:1 wiederzugeben – was mitunter sogar etwas langweilig wirken kann – oder ob er sich die Freiheit nimmt, das Negativ nach seinen Vorstel-

Das Bild habe ich mit Hilfe eines kombinierten Rot- und Polarisationsfilters aufgenommen. Beim Zonensystem mit seinen festgelegten Tonwerten führen Kontrastfilterungen zu erheblichen Tonwertabweichungen einzelner Grauwerte, die wir vom Zonensystem her anders kennen und daher möglicherweise falsch einschätzen.

auch bei schwierigen Kontrastverhältnissen gänzlich auf Belichtungsreihen zu verzichten – die ja bei Negativfilmen ohnehin nur das (kleinlaute) Eingeständnis sind, das wir unsere Fototechnik nicht richtig im Griff haben. Darüber hinaus gewinnen wir Erkenntnisse über die Sensitometrie, also über das Schwärzungsverhalten von Fotoemulsionen in Abhängigkeit von der auf sie auftreffenden Lichtmenge, die es uns ermöglichen, künftig auf einer

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lungen zu interpretieren, ist dann seine Sache. Das Negativ wird ihn jedenfalls nicht einschränken. Es ist ein solides Fundament, auf dem sich jedwedes Haus – vom Bungalow bis zum Hochhaus – errichten lässt. Was benötige ich an Foto-Equipment, wenn ich nach dem Zonensystem fotografieren möchte? Fangen wir beim billigsten Utensil an, einer Kodak-Graukarte. Nun wird’s deutlich teurer, denn Sie benötigen einen Spot-Belichtungsmesser mit einem Messwinkel von 1 Grad. Dieser ist unabdingbar. Am besten geeignet sind Spot-Handbelichtungsmesser, aber auch in der Kamera eingebaute Spotmessungen sind mit Abstrichen tauglich. Ihre Handhabung

ist allerdings erheblich umständlicher und bildet daher eine Fehlerquelle, die mit einem Spot-Handbelichtungsmesser von vornherein ausgeschaltet ist. Weiterhin sollten Sie Zugang zu einem Densitometer haben, mit dem Sie bei den später noch im einzelnen zu besprechenden Tests Ihrer Film-/Entwicklerkombination die Dichtemessungen der Testnegative vornehmen werden. Entweder Sie leihen sich einen solchen oder, noch besser: „schießen“ Sie sich doch einfach einen Densitometer bei eBay! Dort sind sie in der Regel recht günstig zu bekommen. Da das Zonensystem im Wesentlichen darauf basiert, dass jedes einzelne Negativ speziell nach dem bei der Aufnahme

Das Motiv war sehr kontrastarm, weil es sich fast nur aus dunklen Tonwerten zusammensetzte. Ich habe mit einer N+1 Entwicklung erreicht, dass die wenigen hellen Tonwerte angehoben wurden, was dem Motiv zu einer stimmigeren Oberflächenstruktur verhalf. Aufgenommen im Mittelformat mit einem 135 mm-Makroobjektiv bei Blende 8 auf Delta 100, in X-tol 1+1 entwickelt und auf Moersch Select Sepia in Separol HE vergrößert, zum Abschluß selengetont.

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Auch nach Ansel Adams sollen als Ergebnis des Zonensystems keineswegs nur Bilder entstehen, die von den tiefsten Schatten über eine reichliche Anzahl von mittleren Tonwerten bis zu den hellsten Lichtern reichen. Ein großer Vorteil des Zonensystems besteht gerade darin, dass man einen gewünschten Tonwert bewusst herbeiführen kann. Bei diesem Motiv war der Kran in Wirklichkeit sehr viel heller, als ich ihn geprintet habe. Ich wies ihm einfach die Zone IV zu und eliminierte ein restliches, nur ganz leicht angedeutetes Himmelsblau durch die Verwendung eines Blaufilters. Den gänzlich weißen Himmel besorgte dann eine N+1 Entwicklung. Aufgenommen im Mittelformat mit einem 45 mm-Objektiv bei Blende 8 und Blaufilter, Delta 100 in XTOL 1+1 kontraststeigernd entwickelt (N+1) und auf Moersch Select Sepia mit Separol HE vergrößert; abschließend selengetont.

vorhandenen Motivkontrast entwickelt wird, benötigen Sie entweder eine Großbildkamera, deren Planfilme bekanntlich ohnehin einzeln entwickelt werden oder eine Mittelformatkamera mit austauschbaren Filmmagazinen. Bei der Benutzung von Kleinbildkameras werden Sie nicht umhin kommen, sich wenigstens drei Gehäuse anzuschaffen. Eins für normale Kontrastsituationen, eins für hohe Motivkontraste und eins für niedrige. Ideal wären allerdings fünf Gehäuse, da das Zonensystem von fünf verschiedenen Kontrastsituationen ausgeht. Auch hierbei kann eBay helfen, die Kosten in Grenzen zu halten (die zweiten und dritten oder gar vierten und fünften Gehäuse können ja ruhig ganz einfache Modelle sein, denn Sie arbeiten ja ohnehin vollkommen manuell, so dass Sie auf teuren Schnickschnack verzichten können). Manchmal kann man lesen, dass sich Besitzer von Kleinbildkameras ihre Filmabschnitte, die unterschiedliche Motivkontraste enthalten, durch auf den Film geklebte Markierungen, die bei abgenommenem Objektiv und mit in B-Stellung geöffnetem Verschluss auf den Film geklebt werden, kennzeichnen könnten. In der Dunkelkammer werden die solcherart markierten Filmabschnitte dann ertastet, zerschnippelt und – wie vorher bei der Aufnah-

me vermerkt – unterschiedlich entwickelt. Ich rate allerdings dringend von dieser Methode ab, denn es ist ein ziemliches Gefummel; zudem ist mir bei eigenen Versuchen immer wieder der Spiegel herunter geklappt, noch während der Finger im Spiegelkasten war oder der klebende Markierungsstreifen ist vom Finger geglitten und vagabundiert im Kameragehäuse herum – insgesamt keine sehr empfehlenswerte Vorgehensweise. Dass Sie grundsätzlich ein stabiles Stativ verwenden, unterstelle ich einfach, denn das Stativ ist (auch ohne das Zonensystem) einer der wichtigsten Garanten für Qualitätsfotografie. Sind denn alle Filme und Entwickler für das Zonensystem geeignet? Ansel Adams konnte nur auf die Filme seiner Zeit zugreifen: Einschichtige Filme mit dicken Emulsionen. Heutzutage sind dünnschichtige Filme – oftmals mit definierten Kristallstrukturen wie die Deltas von Ilford oder Kodaks T-Mäxe – die Regel. Klassisch aufgebaute Filme wie z.B. Ilfords Pan F, FP-4 und HP-5 oder auch die Agfapans sind allemal geeignet für das Zonensystem mit seinen je nach Motivkontrast modifizierten Entwicklungen. Es besteht aber kein Grund, die Deltas oder T-Mäxe zu meiden, sofern Sie – und das müssen Sie ohne-

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hin, wenn Sie das Zonensystem anwenden möchten – die einzelnen Entwicklungsparameter wie z.B. die Temperatur oder auch die Kippbewegung exakt und reproduzierbar einhalten. Ich verwende ausschließlich den Delta 100, der sich sehr gut für das Zonensystem eignet. Wählen Sie als Entwickler am besten einen sogenannten Feinkorn-Ausgleichsentwickler wie z.B. den bewährten Kodak D-76 oder den baugleichen ID-11 von Ilford. Eine Entwicklungsgeneration weiter ist der von mir für das Zonensystem ausschließlich genutzte Kodak XTOL-Entwickler, den ich in der Verdünnung 1+1 einsetze und der in der Verbindung mit dem Delta 100 meines Erachtens eine IdealKombination darstellt. Überhaupt gilt: Standardisieren Sie Ihre Arbeitsabläufe so weit wie möglich, halten Sie

äußerst gewissenhaft die einmal erarbeiteten Methoden ein, und bleiben Sie bei Ihrem Material, egal, ob in der Fotozeitschrift mal wieder ein neuer Wunder-Entwickler oder -Film propagiert wird. Am erfolgreichsten wird auf Dauer derjenige Fotograf sein, der seine Materialien in- und auswendig kennt. Das ist ein ganz wichtiger Tipp, den Sie unbedingt beachten sollten. Standardisierung und Methodik sind absolute Erfolgsgaranten in der anspruchsvollen Schwarzweißfotografie. Text und Fotos: Wolfgang Mothes www.wolfgangmothes.de

Ein klassisches Beispiel für die Notwendigkeit einer N-2 Entwicklung zeigt dieses Bild eines Bahnhofsaufzuges. Ohne eine stark kontrastreduzierende N-2 Entwicklung wären die Lichter hoffnungslos ausgefressen gewesen. Im Nachhinein hätte ich zusätzlich zu der N-2 Entwicklung sogar eine Vorbelichtung des Negativs bei anschließender Verkürzung der Belichtung um einen Blendenwert vornehmen sollen. Dies hätte dann zusammen mit der N-2 Entwicklung die Lichter um 3 Zonen

Der zweite Teil dieser Serie stellt in in der kommenden Ausgabe die Zonen vor und erklärt das Zusammenspiel zwischen Belichtung und Entwicklung.

komprimiert und dennoch an der Schattenbelegung nichts geändert, weil sie durch die Vorbelichtung um eine Zone aufgehellt worden wären.

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Dieses Motiv hatte weniger Kontrast als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Durch eine N +1 Entwicklung habe ich die Tonwerte expandiert, wodurch insbesondere die Zifferblätter spürbar aufgehellt worden waren. Ein partielles Nachbelichten der Ziffernblätter mit harter Gradation führte dann zu der gewünschten Darstellung der Zeiger und Skalen. Aufgenommen im Mittelformat mit 135 mm– Makroobjektiv bei Blende 11, Delta 100 entwickelt in XTOL 1+1 und vergrößert auf Moersch-Select-Sepia in Separol HE, abschließend selengetont.

Schritt für Schritt zum Zonensystem (2)

Kontraste und Tonwerte im Griff
Im ersten Teil seiner Fortsetzungsserie über das Zonensystem hat Wolfgang Mothes die Grundlagen dieses klassischen Verfahrens vorgestellt, mit dem man bei systematischer Anwendung zu hervorragend modulierten Negativen kommt. Sie bilden die Grundlage für Vergrößerungen mit größtmöglichem Tonwertumfang. In dieser Folge stellt Wolfgang Mothes die einzelnen Zonen vor und erklärt, wie man zu ihnen gelangt. Dabei geht er auch auf das Zusammenspiel von Belichtung und Entwicklung ein, das für die anspruchsvolle Schwarzweißfotografie von grundlegender Bedeutung ist.

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ARCHIMEDES SOLL EINMAL GESAGT HABEN: „Gebt mir einen festen Punkt und ich werde die Erde aus den Angeln heben“. Ähnlich verhält es sich mit dem Zonensystem. Es funktioniert nur, wenn es sozusagen „einen festen Punkt“, der hier ein allgemeingültiger Standard für Motivhelligkeiten sein müsste, gibt, den jeder kennt und von dem aus sich alle anderen Motivhelligkeiten einordnen und beschreiben lassen. Zum Glück haben wir Fotografen einen solchen Fixpunkt, nämlich die Graukarte, die genau 18% des auf sie treffenden Lichtes reflektiert. Auf dieses 18-prozentige Grau, das so genannte Neutralgrau, sind alle Belichtungsmesser geeicht. Egal welche Motivhelligkeiten jeweils vorhanden sind, der Belichtungsmesser wird uns in Abhängigkeit von der eingestellten Filmempfindlichkeit eine Zeit-/Blendenkombination liefern, bei der die unterschiedlichen Helligkeitswerte des angemessenen Motivs zu einem durchschnittlichen Grau gemittelt werden. Ist der angemessene Motivteil gleichmäßig hell oder dunkel, so wird er stets neutralgrau wiedergegeben. Unserer fotografi-

schen Kunstfertigkeit bleibt es dann überlassen, wie wir dieses Ergebnis interpretieren und das Messergebnis des Belichtungsmessers entsprechend unseren Vorstellungen korrigieren. Elf Zonen von Weiß bis Schwarz Kommen wir nun zu den Zonen. Das Zonensystem teilt die Motivhelligkeiten zwischen Schwarz und Weiß in 11 Gruppen (Zone 0 bis Zone X), die als Zonen bezeichnet werden. Genau in der Mitte dieser Skala liegt die Zone V. Die Zone V entspricht exakt dem oben beschriebenen 18-prozentigen neutralen Grau, das uns der Belichtungsmesser liefert, wenn eine Graukarte oder ein anderes gleichmäßig helles Motiv (z.B. eine weiße Wand oder eine schwarze Fläche) angemessen wird. Verkürzen wir nun das Messergebnis um einen Blendenwert (oder auch um einen Zeitwert), so erhalten wir, da ja nur noch die Hälfte des Lichtes auf den Film gefallen ist, eine dunklere Wiedergabe unserer fotografierten Fläche. Sie erhält nach

Bei diesem Motiv kam es mir darauf an, den Innenraum der Kirche dunkler darzustellen als vor Ort vorgefunden und den Kontrast zu den Lichtern, der gar nicht so groß gewesen war, zu erhöhen. Ich habe daher knapper belichtet als gemessen und durch eine N+1 Entwicklung die Lichter aufgehellt, was fast des Guten zuviel war. Aufgenommen im Mittelformat mit 45 mm–Objektiv bei Blende 8, Delta 100 entwickelt in XTOL 1+1 und vergrößert auf Moersch-Select-Sepia in Separol HE, abschließend selengetont.

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Den Kiosk habe ich in der Dämmerung aufgenommen. Wegen der Leuchtschrift war eine N - 2 Entwicklung notwendig, die sich natürlich auch auf den Schnee ausgewirkt hatte, so dass ich diesen beim Printen durch Abwedeln wieder aufhellen musste. Aufgenommen im Mittelformat mit 55 mm-Objektiv bei Blende 8, Delta 100 entwickelt in XTOL 1+1 und vergrößert auf MoerschSelect-Sepia in Separol HE, abschließend selengetont.

dem Zonensystem die Bezeichnung „Zone IV“ und entspricht einem Dunkelgrau. Verkürzen wir das ursprüngliche Messergebnis um zwei Blendenwerte, fällt nur noch ein Viertel des Lichtes gegenüber der Belichtung nach Zone V auf den Film, so dass im Ergebnis ein ziemlich dunkles Grau entsteht, das aber noch vollkommen durchgezeichnet ist. Ein solches dunkles Grau erhält die Zonenbezeichnung III. Durch entsprechende Belichtungskürzungen um jeweils einen Blendenwert gegenüber der vorhergehenden Zone verfahren wir weiter, bis wir schließlich zur Zone 0 gelangen, die das tiefstmögliche erreichbare Schwarz, ohne jede Zeichnung, darstellt. Statt gegenüber unserer Ausgangsmessung auf das neutrale Grau der Zone V knapper zu belichten und damit in den Tonwertkeller zu gelangen, können wir uns natürlich auch ans Licht begeben: Hierzu verlängern wir das Messergebnis für die neutralgraue Zone V um einen Blendenwert und gelangen so, weil jetzt doppelt so viel Licht auf den Film fällt wie bei der Zone V, zur helleren Zone VI, die ein helles Grau repräsentiert, wie es z.B. der Teint eines Weißen darstellt. Verlängern wir den Belichtungswert für die Zone VI um einen weiteren Blendenwert, fällt jetzt viermal so viel Licht auf den Film wie bei unserer Ausgangsmessung nach Zone V. Wir erhalten dadurch ein sehr

helles Grau, das aber noch voll durchgezeichnet ist und das wir als Zone VII bezeichnen. Wie’s jetzt weitergeht wissen Sie: Weitere Belichtungsverlängerungen um jeweils einen Blendenwert gegenüber der vorhergehenden Zone lassen uns zu den Zonen VIII, IX und schließlich zur Zone X gelangen, die als Gegenpart der maximal schwarzen Zone 0 dem reinen Papierweiß entspricht. Schauen wir uns die einzelnen Zonen doch einmal genauer an: 1. Zone 0 Sie stellt die maximal erzielbare Schwärzung unseres Fotopapiers dar und enthält nicht die geringsten Bildinformationen. Das Negativ ist vollkommen transparent. 2. Zone I Sie ist tiefschwarz, ebenfalls ohne Zeichnung, aber gegenüber der Zone 0 lässt sich ein minimaler Unterschied erkennen; das Negativ zeigt eine ganz geringe Schwärzung. Die Zone I ist das Maß für die Bestimmung der Filmempfindlichkeit. 3. Zone II Sie repräsentiert ein sehr dunkles Grauschwarz, das eine erste zarte Zeichnung erkennen lässt.

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Schwarze Gegenstände und Stoffe, tiefste Schatten im Freien. 4. Zone III Die Zone III steht für ein sehr dunkles Grau. Sie ist die erste vollkommen durchgezeichnete Zone und lässt daher alle Oberflächenstrukturen und Details erkennen. Sie ist die Zone, auf die die Belichtung für durchgezeichnete Schatten gelegt wird. Alle sehr dunklen Gegenstände, die gerade voll gezeichnet sind, sehr dunkle Baumstämme, schwarze Haare. 5. Zone IV Sie ist dunkelgrau und steht für Landschaften im Schatten, dunkelgrünes Laub, dunkle Steine, Gras, feuchte Erde und Holz bei diffusem Licht. 6. Zone V Die Zone V ist neutralgrau (mittelgrau) und reflek-

tiert 18% des auf sie treffenden Lichts. Sie ist die Zone, auf die alle Belichtungsmesser geeicht sind. Dunkle Haut oder Schatten auf hellem Teint, braunes Haar, graue Steine oder nasser Straßenbelag. 7. Zone VI Sie ist hellgrau und entspricht der Haut eines Weißen bei diffuser Beleuchtung. Helle Steine und helle Farben, Betonbauten, Asphalt. 8. Zone VII Sie repräsentiert das hellste Grau und gibt im Positiv noch alle Partien voll durchgezeichnet wieder. Helle, voll strukturierte Flächen, Haut eines Weißen im Sonnenlicht, weiße unbeschienene Wolken. Sie ist die Zone, auf die die bildwichtigen Lichter entwickelt werden. 9. Zone VIII Die Zone VIII ist fast schon weiß, zeigt aber noch

Ein klassisches Motiv, an dem sicher kein Fotograf, der sich für das Zonensystem interessiert, vorbeigegangen wäre, stellt dieser „Werkzeugkasten“ aus dem Lokschuppen dar. Obgleich das Motiv überwiegend dunkle Tonwerte enthält, sind alle Zonen, die sich vom tiefsten Schwarz und dem reinen Papierweiß unterscheiden (Zone I bis IX), im Bild vorhanden (beachten Sie bitte die weißen Pfeile und die jeweilige Zonenbezeichnung). Das Fehlen von Zone 0 und X ist belanglos, weil es sich ohnehin im Druck nicht von den Zonen I und IX unterschieden hätte.

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Und vor allem wissen wir auch, wie wir zu ihnen kommen (gegenüber der neutralgrauen Zone V definiert kürzer oder länger belichten). Mit dem Belichtungsmesser besitzen wir weiterhin ein Gerät, das uns dieses neutrale Grau für alle angemessenen einheitlichen Motivhelligkeiten anzeigt. Durch Verkürzen oder Verlängern des Messergebnisses können wir den angemessenen Motivhelligkeiten nach unserem Wunsch einen beliebigen Zonengrauwert zuweisen. Beispiel: Wollen wir ein Motivteil, das dunkelgrau ist (Zone IV), in einem sehr dunklen Grau, das aber noch voll durchgezeichnet ist, wiedergeben (Zone III), so messen wir es an (es würde jetzt wie Zone V dargestellt werden) und verkürzen die Messung um zwei Blendenwerte. Betrug die Messung für die Zone V Blende 8, 1/125 Sekunde, so belichten wir für die Zone III mit Blende 16, 1/125 Sekunde (bzw. mit allen anderen äquivalenten Zeit-/Blendenkombinationen wie es im Beispiel auch Blende 8, 1/500 Sekunde wäre). Abstimmung von Belichtung und Entwicklung Die einzelnen Zonen haben wir jetzt kennen gelernt und können uns deren Helligkeit auch vorstellen. So weit so gut. Doch wie erreichen wir, dass sich deren Helligkeiten auch reproduzierbar im fertigen Bild wieder finden? Dazu müssen wir uns als nächstes mit der Belichtung und im Anschluss daran mit der Filmentwicklung und deren Wechselbeziehungen auseinandersetzen. „Belichte auf die Schatten und entwickle die Lichter“, so lautet das grundlegende „Gesetz“ in der Schwarzweißfotografie. Gemeint ist damit Folgendes: Die Belichtung (und nicht die Entwikklung!) des Films ist dafür zuständig, wie gut die Schattenbereiche im Bild dargestellt werden. Eine zu kurze Belichtung führt zu einer mangelhaften Durchzeichnung der Schatten im Negativ (also der hellen bzw. der mehr oder weniger transparenten Stellen des Negativs). War die Belichtung zu kurz, so ist die ohnehin relativ geringe Schwärzung des Negativs im Schattenbereich unzureichend, mit der Folge, dass die Schatten im Bild keine ausreichende Durchzeichnung aufweisen. Um die zu geringe Schattenzeichnung dennoch darzustellen, müsste man die Belichtung im Positivprozess z.B. durch Abwedeln zurücknehmen, mit der Folge, dass eine tiefe Schwärzung dann nicht mehr zu erzielen wäre; die Schatten hätten

Bei diesem Motiv wollte ich sicherstellen, dass sich die helle Kirche noch von dem Himmel unten sauber trennen lässt. Ich habe dem Himmel daher die Zone VII als Richtzone zugewiesen, wobei sich die Schatten harmonisch einfügten. Hätten die Schatten Problem bereitet, so hätte ich die Belichtung auf diese abgestellt und die Lichter durch eine modifizierte Entwicklung so gesteuert, dass Himmel und Kirche gut getrennt worden wären.

einige wenige zarte Strukturen. Weiße Gegenstände, weiße Oberflächen und weiße Textilien im Sonnenschein, Weiße Wolken bei Sonnenschein. 10. Zone IX Sie ist noch nicht ganz reinweiß, aber bereits ohne jede Zeichnung, das Gegenstück von Zone I. 11. Zone X Das maximale Weiß des Fotopapiers, Spitzlichter, alle direkten Lichtquellen. Wir wissen nun, wie die Grauwerte der unterschiedlichen Zonen im Verhältnis zu dem neutralen Grau aussehen (dunkler oder heller). Sie haben außerdem einen (Zonen-)Namen bekommen, anhand dessen wir uns ihre Helligkeit sofort vorstellen können und der weltweit verstanden wird.

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dann zwar noch etwas Zeichnung, sie wären aber vergraut und kraftlos. Abhilfe ist praktisch nicht möglich. War die Belichtung des Films viel zu kurz, so sind die Schattenbereiche des Negativs vollkommen transparent und man erhält im Positiv nur eine schwarze Fläche. Außer dem Öffnen der Kamera im Hellen bei einem eingelegten und bereits belichteten Film ist das Unterbelichten der Schatten so ziemlich der schlimmste Fehler, den ein Schwarzweißfotograf begehen kann; denn wo das Negativ keine Zeichnung mehr enthält, ist mit keinem Trick der Welt wieder etwas gutzumachen. Wir müssen also zunächst sicherstellen, dass wir den Film stets optimal auf die Schatten belichten. Nun ist es eine Tatsache, dass die vom Hersteller der Filme angegebene Empfindlichkeit so gut wie nie stimmt, weil sie nach Laborbedingungen und Normen festgelegt wird, die der Praxis nicht ent-

sprechen. Durchaus auch werbewirksam ist sie fast immer zu hoch angesetzt. Außerdem hat ja bekanntlich der jeweilige Entwickler ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, wenn es um die tatsächliche Empfindlichkeit geht, die ein bestimmter Film mit eben diesem Entwickler erzielt. Meist wird es so sein, dass eine Halbierung der Empfindlichkeit (wir belichten also doppelt so lang wie der Hersteller vorgibt) bei einer gleichzeitigen Verkürzung der Entwicklung der effektiven Empfindlichkeit einer Film-/Entwicklerkombination schon wesentlich näher kommt. Wenn wir aber völlig exakt belichten wollen, so kommen wir nicht umhin, diese effektive Empfindlichkeit unserer Film-/Entwicklerkombination durch einen Test ein für allemal zu bestimmen. Wie das genau geht, sage ich Ihnen in der letzten Folge. Kommen wir zurück auf den Satz „Belichte auf die Schatten und entwickle die Lichter“ und wen-

Die Kontrastmessung bei diesem Motiv ergab die Notwendigkeit einer N-1 Entwicklung. Im Nachhinein wäre entgegen der Messung eine N-2 Entwicklung sicher die bessere Wahl gewesen, weil dadurch die Zeichnung in den Leuchttafeln verbessert worden wäre. Im Zweifel ist es immer besser, sich für eine N-2 Entwicklung zu entscheiden, um Informationsverluste in den Lichtern vorzubeugen. Mit einer härteren Gradation kann man im Positivprozess dann immer noch Korrekturen vornehmen.

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Es gibt einige wenige Filme, die sich für das Zonensystem nicht eignen. Ein Paradebeispiel hierfür stellen alle Infrarotfilme dar, bei denen die Belichtung bekanntlich nicht exakt gemessen werden kann, weil die Fotozellen nicht für das infrarote Spektrum sensibilisiert sind. Für mich stellt die Infrarotfotografie gerade wegen ihrer auch für Geübte nicht bis ins Letzte möglichen Kalkulierbarkeit (Stichwort „Abenteuerfotografie“) eine schöne Abwechslung zu der sehr „kopflastigen“ ZonensystemFotografie dar.

den wir uns den letztgenannten zu. Zu Beginn einer jeden Entwicklung nimmt die Schwärzung (= die Dichte) der belichteten Partien eines Negativs relativ gleichmäßig zu. Bald jedoch bleiben die Schattenpartien stehen, weil sie nur

wenig Licht abbekommen haben und der Entwickler daher nur relativ wenig Silber vorfindet, das er zu metallischem Silber reduzieren könnte; sie werden auch bei einer fortdauernden Entwicklung nicht mehr dichter. Anders hingegen die

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Lichterpartien des Films, die ja bei der Belichtung sehr viel Licht abbekommen haben: Dort findet der Entwickler jede Menge „Silber-Nahrung“ vor, die es zu reduzieren gilt. Folglich bleibt dort die Entwicklung nicht stehen; sie schreitet vielmehr fort, und es findet ein Dichtezuwachs auch dann noch statt, wenn wesentlich länger entwickelt wird als eigentlich vorgesehen. Diese unterschiedliche Reaktion der Schatten und der Lichter während der Entwicklung, machen wir uns beim Zonensystem zunutzte, um deren Verhältnis zueinander zu beeinflussen. Mit der Belichtung regeln wir – Sie wissen es bereits – wie dunkel die Schattenpartien eines Motivs wiedergegeben werden sollen und mit der Entwicklung, wie hell die Lichterpartien des Motivs im Bild erscheinen sollen. Es ist uns daher möglich, die Schatten und Lichter voneinander zu trennen, in dem wir bei konstanter Belichtung die Entwicklung verlängern oder – umgekehrt – sie mit Hilfe einer verkürzten Entwicklung näher zueinander zu bringen. Es liegt dabei auf der Hand, dass eine Entwicklungsverlängerung bei kontrastarmen Motiven, bei denen die Schattenbereiche und Lichter nahe beieinander liegen, das Mittel der Wahl ist, um diese besser zu trennen, während eine Entwicklungsverkürzung dafür sorgt, dass weit auseinander liegende Schatten und Lichter näher zueinander rücken und daher überhaupt erst geprintet werden können. Größtmögliche Freiheit trotz Systematik Apropos Printen. Beim Positivprozess nach dem Zonensystem geht der Fotograf so vor, dass er ein Zone V Negativ auf Gradation 2 vergrößert, wobei er vorher seinen meistverwendeten Abbildungsmaßstab und die optimale Blende am Vergrößerer eingestellt hat. Nach dem Trocknen des Positivs wird dann unter Tageslichtbedingungen (oder unter denselben Licht-Bedingungen, unter denen die Bilder künftig aufgehängt oder ausgestellt werden sollen) verglichen, welche Belichtungszeit ein Positiv ergeben hat, das dem Grauwert einer Graukarte exakt entspricht. Die so ermittelte Belichtungszeit ist dann die StandardBelichtungszeit, mit der alle künftigen Prints nach dem Zonensystem hergestellt werden. So jedenfalls die reine Lehre. Ich selbst halte mich nicht im Geringsten daran, weil ich schon die Tatsache, dass man auf einen bestimmten Abbildungsmaß-

stab festgelegt ist, als „künstlerische“ Freiheitsberaubung ansehe. Jedenfalls ist es mir noch nie gelungen, solcherart einen wirklich hervorragenden Print herzustellen, der mit einem unter Verwendung von verschiedenen Gradationen (Splitbelichtung) hergestellten Print auf gradationsvariablem Barytpapier hätte mithalten können. In der Dunkelkammer – also beim Positivprozess, und zwar nur da! – lässt die technische Entwicklung das 60 Jahre alte Zonensystem wirklich alt aussehen. Lediglich als Ausgangspunkt für eine feine Vergrößerung mag die strenge Methode nach dem Zonensystem noch taugen, so dass ich sie hier dennoch nicht in Bausch und Bogen verdammen möchte. Zu einem besseren Bild wird ein Fotograf aber kommen, der sich der fantastischen Möglichkeiten bedient, die ihm die gradationsvariablen Papiere eröffnen. Insoweit dürfen wir Ansel Adams in Frieden ruhen lassen. Text und Fotos: Wolfgang Mothes www.wolfgangmothes.de

Ein klassisches N-2 Motiv, wie es die meisten Nachtaufnahmen dieser Art darstellen. Bei solchen Motiven kann man sich in aller Regel eine Kontrastmessung sparen und von vornherein eine N-2 Entwicklung vormerken. Aufgenommen im Mittelformat mit 200 mm-Objektiv bei Blende 16, Delta 100 entwickelt in XTOL 1+1 und vergrößert auf MoerschSelect-Sepia in Separol NE, abschließend selengetont.

In der kommenden Folge erklärt Wolfgang Mothes, wie die Belichtung im Zonensystem gemessen wird und wie sich diese auf die Darstellung der Zonen auswirkt.

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Die Messung dieses Motivs ergab einen stark erhöhten Kontrast, der eine N -2 Entwicklung erforderte. Mit einiger Erfahrung wird es Ihnen gelingen, schon bei der Aufnahme mit einer relativ hohen Trefferquote vorauszusagen, ob und wie Sie modifiziert entwickeln müssen. Aufgenommen im Großformat 4x5 inch mit 90mmObjektiv bei Blende 32, Delta 100, N -2 Entwicklung in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol HE, abschließend selengetont.

Schritt für Schritt zum Zonensystem (3)

KONTRASTE UND TONWERTE IM GRIFF
In der dritten Folge erklärt Wolfgang Mothes, wie in dem Zonensystem die Belichtung gemessen wird und welche Auswirkungen es hat, wie man die Belichtung auf der Zonenskala platziert. Sie erfahren dabei anhand von praktischen Beispielen, was eine Richtzone ist und was man unter „Prävisualisieren“ versteht. Dabei weist der Autor darauf hin, dass das Zonensystem keineswegs nur die Herstellung von originalgetreuen Abbildungen zum Ziel hat, sondern durch die Beherrschung der Kontrast- und Tonwertsteuerung erst die Voraussetzungen einer uneingeschränkten kreativen Fotografie schafft.

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Wir haben in der letzten Folge gesehen, dass eine verlängerte Entwicklung bei kontrastarmen Motiven, bei denen die Schattenbereiche und Lichter nahe beieinander liegen, das Mittel der Wahl ist, um diese besser zu trennen, während eine Entwicklungsverkürzung bei kontrastreichen Motiven dafür sorgt, dass weit auseinander liegende Schatten und Lichter näher zueinander rücken und daher überhaupt geprintet werden können. Zu klären bleibt nun, wann denn ein Motiv zu kontrastreich ist, damit wir verkürzt entwickeln müssten bzw. wann es zu kontrastarm ist, so dass eine verlängerte Entwicklung angesagt wäre. Beim Zonensystem – ich sagte es in der ersten Folge bereits - geht es darum, einen bestimmten bei der Aufnahme vorgefundenen Motivkontrast (der sehr hoch sein kann, z.B. in Innenräumen mit Fenstern bei hellem Tageslicht 1:1000, was einer Blendendifferenz von 10 entspräche) an den Be-

lichtungsumfang der verwendeten Film-/Entwicklerkombination anzupassen, der seinerseits dem geringen Kopierumfang eines Fotopapiers der normalen Gradation 2 Rechnung trägt. Normale Gradation deshalb, weil nur ein Fotopapier normaler Gradation in der Lage ist, tiefste Schatten und hellste Lichter mit einer dazwischen liegenden maximalen Tonwertvielfalt darzustellen. Wenn ich vom geringen Kopierumfang des Fotopapiers spreche, so meine ich damit die Tatsache, dass nur die Zonen III bis VII voll durchgezeichnet wiedergegeben werden. Zone II und Zone VIII führen schon zu Informationsverlusten, weil Teile des Motivs bereits vom Grauschwarz der Zone II verschluckt bzw. vom Weiß der Zone VIII ausgebleicht werden. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig für die Kontraststeuerung. Wenn ich also künftig im Rahmen der Kontraststeuerung von bildwichtigen Schatten und Lichtern rede, so meine ich da-

Hier war es notwendig, durch eine ausreichende Belichtung sicherzustellen, dass sich der dunkle Rand des Bahnsteigdaches noch deutlich vom Himmel abhob. Die Kontrastmessung ergab einen erhöhten Kontrast, der eine N -2 Entwicklung erforderte. Die Belichtungszeit betrug 1 Minute, wobei ich unmittelbar nachdem der Minutenzeiger auf der Uhr umgesprungen war, auslöste, um doppelte Zeigerkonturen zu vermeiden. Aufgenommen im Mittelformat 6x7 mit 500mm-Objektiv bei Blende 22, Delta 100, N -2 Entwicklung in XTOL 1+1.

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Das Motiv war sehr kontrastarm; ich entschloss mich daher, durch eine N + 2 Entwicklung die Tonwerte zu expandieren, was eine deutliche Steigerung der Plastizität zur Folge hatte. Da ich im Format 4x5 inch fotografierte, musste ich auch keine Bedenken wegen eines durch die forcierte Entwicklung zu groben Korns haben. Aufgenommen im Großformat 4x5 inch mit 90mm-Objektiv bei Blende 32, Delta 100, N + 2 Entwicklung in XTOL 1+1, vergrössert auf Moersch Select Sepia in Separol HE, abschließend selengetont.

mit die voll durchgezeichneten Schatten der Zone III und die ebenfalls ohne Verluste wiedergegebenen Lichter der Zone VII. Diese beiden Zonen sind also unsere Bezugszonen für die Kontraststeuerung. Im Zonensystem werden fünf verschiedene Kontrastverhältnisse unterschieden, von denen vier eine Sonderentwicklung bekommen, damit sie bei hohem Motivkontrast auf den Kopierumfang des Papiers passen bzw. bei niedrigem Motivkontrast diesen ausnutzen. Bevor wir uns in der nächsten Folge näher mit diesen einzelnen Kontrastverhältnissen befassen, müssen wir klären, wie die Belichtung im Zonensystem gemessen wird. Denn eine exakte Belichtungsmessung ist die Voraussetzung dafür, dass die einzelnen Kontrastverhältnisse genau bestimmt werden können.

Sie erinnern sich erneut an den Satz „auf die Schatten wird gemessen, während die Lichter entwickelt werden“. Wie misst man denn genau auf die Schatten? Nun, man nimmt seinen Spotbelichtungsmesser, sucht sich im Motiv den bildwichtigsten Schattenbereich, der bereits eine volle Durchzeichnung aufweisen soll (Zone III), misst ihn aus der Kameraposition heraus an und erhält dabei einen Lichtwert, z.B. 6. Wir haben bereits in Folge II erfahren, dass jeder Belichtungsmesser den jeweils angemessenen Tonwert eines Motivs, egal ob hell oder dunkel, zu einem 18%igen Grau konvertiert. Wenn wir also den gemessenen Lichtwert unkorrigiert übernehmen würden, so würde unser sehr dunkler Schattenbereich (Zone III) daher zu einem wesentlich helleren neutralgrauen Bereich (Zone V) werden. Um dies zu ver-

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meiden muss die Messung folglich nach Minus korrigiert werden. Bei einem Spotbelichtungsmesser, der eine Zonenskala aufweist, geschieht dies dadurch, dass wir den gemessenen Lichtwert 6 einfach der Zone III auf der Zonenskala gegenüberstellen. An der Zeit-/Blendenskala werden uns dann die entsprechenden Zeit-/Blendenkombinationen gezeigt, die alle dazu führen, dass der angemessene Motivteil nunmehr in einem gerade voll durchgezeichneten sehr dunklen Grau wiedergegeben wird (Zone III). Mit einer dieser Kombinationen wird dann der Film belichtet. Wird ein Spotbelichtungsmesser ohne Zonenskala oder die Spotbelichtung einer Kamera benutzt, so geht man bei obigem Beispiel wie folgt vor: Es wird wieder der Motivteil, der im Bild wie Zone III wiedergegeben werden soll, angemessen (er würde jetzt neutralgrau wie Zone V wiedergegeben) und anschließend wird die Messung um 2 Blendenstu-

fen in Richtung Unterbelichtung korrigiert, so dass der Motivteil wieder in die Zone III gelangt. Beispiel: Sie haben einen dunklen Motivteil, dem Sie die Zone III zuweisen möchten, angemessen und dabei die Kombination Blende 5,6, 1/8 Sekunde erhalten (Zone V). Dieses Messergebnis muss jetzt um 2 Blendenwerte (= Zeit- oder Lichtwerte) verkürzt werden, so dass Sie für die Zone III – ich unterstelle, Sie möchten aus gestalterischen Gründen die Blende 5,6 beibehalten – eine Kombination von Blende 5,6 1/30 einstellen müssten. Mit dieser Kombination wird dann der Film belichtet. Eine korrekte Belichtung auf die Schatten wäre damit gewährleistet. Gehen wir zum besseren Verständnis noch einmal auf das genannte Beispiel oben zurück, bei dem eine Motivstelle, die im Bild stark dunkelgrau mit guter Zeichnung wiedergegeben werden sollte, angemessen und der gemessene Licht-

Das Zonensystem ist auch bestens geeignet, um individuelle Bildintentionen verwirklichen zu können. Ich wollte die ohnehin vorhandene „matschige“ Stimmung noch betonen und habe daher stark kontrastsenkend entwickelt (N -2), wobei ich die obligatorische Schattenzugabe etwas verstärkt habe, weil ich befürchtete, die Schatten könnten ansonsten zu kraftlos kommen. Ein Rotfilter dunkelte den blaugrauen Himmel ab, den ich beim Printen außerdem noch erheblich abgedunkelt habe.

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Die Originalszene war mir zu kontrastarm gewesen, es fehlte einfach der „Knack“. Ich dunkelte daher den tiefroten Autolack mit einem strengen Blaufilter ab und entwickelte die Lichter für eine deutliche Tontrennung zwei Zonen nach oben (N +2). Jetzt hatte das Bild die notwendige Kraft und entsprach meinen Vorstellungen. Aufgenommen im Format 4x5 inch, 180mm-Objektiv bei Blende 32, Blaufilter, Delta 100 kontraststeigernd entwickelt (N +2) in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol HE, abschließend selengetont.

wert der Zone III gegenübergestellt wurde (das angemessene Motivteil wurde mit Zone III „belegt“, sagen die Zonensystem-Fotografen dazu). Wir könnten uns natürlich auch dafür entscheiden, denselben Motivteil mit Zone II zu belegen. Wie würde er dann im Bild aussehen? Nun, er wäre nun nicht mehr sehr dunkelgrau mit voller Zeichnung (Zone III), sondern er wäre jetzt grauschwarz, würde nur eine ganz leichte Zeichnung aufweisen und entspräche daher der Zone II. Das Bild wäre jetzt insgesamt um einen Blendenwert (Zone) dunkler als es wäre, wenn wir den Motivteil mit der Zone III belegt hätten. Umgekehrt hätten wir dem angemessenen Motivteil als dunkelste Zone auch die Zone IV zuweisen können. Dann wäre dieser Motivteil sowie alle Tonwerte des Bildes natürlich um eine Zone heller gegenüber der Schattenbelegung mit Zone III ausgefallen. Dass eine unterschiedliche Zonen-Belegung der Schatten das gesamte Bild verändert, liegt daran, dass sich natürlich alle anderen Zonen nach der Zone, auf die belichtet wurde, richten und sich zwangsläufig nach ihr eingruppieren. Beispiel: Belegen wir einen dunklen Bildteil mit der Zone III, so würde, bei einem Motivkontrast von 6 Blendenwerten Differenz, die hellste Stelle in die Zone IX fallen und wäre damit bereits ungezeichnet

weiß. Belegen wir denselben dunklen Bildteil mit der Zone II, so würde die hellste Stelle in die Zone VIII fallen und wäre daher zu einem noch leicht gezeichneten Weiß geworden. Wir sehen also, dass sich alle anderen Zonen in ihrer Helligkeit nach der Zone richten, auf die wir unsere Belichtung abgestimmt haben. Diese Zone, auf die belichtet wird, wird daher auch „Richtzone“ genannt. Dass auch die Lichter stets der Richtzone bedingungslos folgen und sich ihr entsprechend eingruppieren, wird sich erst ändern, wenn wir zur Kontrastanpassung die Entwicklung modifizieren, also entweder verkürzt oder verlängert entwickeln (was ich später darstellen werde). Dadurch verändert sich das Verhältnis von Schatten zu den Lichtern. Die Lichter folgen den Schatten dann nicht mehr absolut und bedingungslos, sondern sie folgen ihnen nur noch relativ, nach den „Gesetzen“ ihrer Sonderentwicklung. Die Kunst bei der Messung nach dem Zonensystem besteht eigentlich nur darin, die richtige Zone – in der Regel wird das der bildwichtigste Schattenbereich sein – anzumessen. Prinzipiell richtig ist die Zone bzw. der angemessene Motivteil dann, wenn sie bzw. er im späteren Bild exakt denjenigen Tonwert aufweist, den Sie sich bei der Messung gewünscht haben. Wer sich einen voll durchgezeichneten Schattenbereich wünscht, die

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Unter Berücksichtigung der von mir angewandten Blaufilterung, die das rötlich-braune Gebäude links deutlich abdunkelte und damit den Gesamtkontrast der Szene erhöhte, ergab sich eine Normalentwicklung in XTOL 1+1. Ohne Blaufilterung wäre eine N + Entwicklung das Mittel der Wahl gewesen. Aufgenommen im Mittelformat mit 75mm-ShiftObjektiv bei Blende 11, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Amidol/Catechol (Zweibad), abschließend selengetont.

angemessene Stelle aber mit der Zone II statt der Zone III belegt bzw. bei einem in die Kamera eingebauten Belichtungsmesser entsprechend das Messergebnis um 3 statt um zwei Blendenstufen verkürzt, der darf sich nicht wundern, wenn die angemessene Stelle im Bild dunkler als gewünscht wiedergegeben wird bzw. wenn das Bild insgesamt zu dunkel erscheint. Oft wird sich der Fotograf bemühen, die vor Ort vorgefundenen Motivhelligkeiten möglichst naturgetreu wiederzuge-

ben. Das Arbeiten mit dem Zonensystem setzt aber keineswegs voraus, dass wir immer ein originalgetreues Bild anstreben, das möglichst noch tiefstes Schwarz und hellstes Weiß sowie alle Tonwerte dazwischen enthält („fully-scaled, ten-zoned print“ – wie es meines Wissens Ansel Adams einmal formuliert hat). Nun gibt es natürlich Bildintentionen, bei denen ein „Zehn-Zonen-Bild“ gar nicht erwünscht ist, weil der Fotograf z.B. bewusst im Bild einen niedrigen Kontrast anstrebt, der gar

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Auch Panoramakameras mit Rotationsoptik eignen sich grundsätzlich für das Zonensystem. Man sollte nur darauf achten, dass sie einen relativ großen Langzeitbereich aufweisen, der das Einstellen von gewünschten Zeit-/Blendenkombinationen ermöglicht. Aufgenommen mit der Mittelformat-Noblex, Delta 100 kontrastreduziert entwickelt (N -2) in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol HE, abschließend selengetont.

nicht alle Zonen umfassen kann. Beispielsweise enthalten Low-Key-Aufnahmen nur dunkle bzw. High-Key-Aufnahmen nur helle Tonwerte. Aber auch hierbei helfen uns die Erkenntnisse, die wir aus der Beschäftigung mit dem Zonensystem gewonnen haben. Denn wir wissen nun, wie wir diese begrenzte Tonwertvielfalt belichtungstechnisch auf der Zonenskala platzieren müssen: Bei Low-Key-Aufnahmen werden die hellsten Motivtonwerte mit der Zone V belegt, so dass sich alle anderen Motivtonwerte nur noch in den dunklen Bereich erstrecken können; bei High-Key machen wir es umgekehrt und platzieren die dunkelsten Motivbereiche in die Zone V. Die Prävisualisierung und ihre Grenzen An dieser Stelle ist es mir wichtig, noch einmal deutlich darauf hinzuweisen, dass das Zonensystem nicht dazu führen darf, dass sich ein Fotograf in seiner Kreativität einschränkt und nur noch die Jagd nach möglichst vielen Grauwerten betreibt. Leider tun dies viel zu viele, was dazu führt, dass Bilder nach dem Zonensystem (und auch die gewählten Motive) mitunter sehr gleichförmig aussehen! Gleichmacherei ist aber der Tod jeder Kreativität. Es gibt viele gute Gründe ein Bild ganz anders auszuarbeiten und auf die Darstellung aller Tonwerte zu verzichten. Ob man z.B. bei einer extrem kontrastarmen Nebelstimmung, die vielleicht nur drei Zonen aufweist, unbedingt immer gut damit beraten wäre, die Tonwertvielfalt durch

eine N + Entwicklung zu erhöhen, sei dahingestellt. Möglicherweise wäre ein Expandieren der Tonwerte hier eher ein „Stimmungskiller“. Ein großer Vorteil des Zonensystems liegt ja gerade darin, dass wir in Grenzen die Tonwerte nach unseren Vorstellungen bestimmen können, indem wir das fertige Bild bei der Aufnahme „prävisualisieren“, wie es im Zonensystem so schön heißt. Mit „Prävisualisieren“, der Name sagt es bereits, wird die Fähigkeit bezeichnet, bereits bei der Aufnahme voraussehen zu können, mit welchem Grauwert der angemessene Motivteil im fertigen Bild wiedergegeben wird. Dagegen gibt es nichts einzuwenden, schließlich hat das Zonensystem ja die Kontrolle und Steuerung der Tonwerte zum Ziel. Oft jedoch wird dieser Begriff in dem Sinne gebraucht, dass der Zonensystem-Fotograf ein ganzes Bild in seinen spezifischen Tonwerten quasi fertig vor seinem geistigen Auge sehen könnte, so als hinge es bereits an der Wand. Das ist natürlich Humbug, denn ich möchte den Fotografen sehen, der das kann! So wenig wie ein normal sterblicher Musiker angesichts einer Partitur, die er in Händen hält, das Musikstück bereits hört, so wenig kann ein Fotograf ein komplexes Bild, das aus einer Unzahl von Grautönen besteht, im Voraus sehen, nur weil er weiß, wie er die Schatten belegt und die Lichter gesteuert hat. Natürlich kann er sagen: „Wenn ich die gemessene Stelle mit dieser oder jener Zone belegt und die Entwicklung so und so durchgeführt habe, dann müsste eine andere Stelle des Motivs in die Zone XY fallen“. Der Zonensystem-Fotograf kann also andere Tonwerte ableiten. Er kann natürlich

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The Image of Beauty
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Mein Ziel war es, die roten Blüten möglichst stark abzudunkeln, um eine Art Low-Key-Aufnahme zu erreichen. Ich habe daher ein ziemlich strenges Blaufilter verwendet, das das rötliche Spektrum weitestgehend gesperrt hat. Wegen der Zeichnung in den Blütenstängeln habe ich auf eine N + Entwicklung verzichtet, die sich normalerweise bei diesem Motiv angeboten hätte.

auch vorhersehen, ob ein Bild insgesamt dunkler oder heller, kontrastreicher oder kontrastärmer wiedergegeben wird – nur, das Zusammenspiel aller Tonwerte, das erst ein Bild ausmacht, bereits bei der Aufnahme exakt vor Augen zu haben, das ist einfach nur fotografisches Jägerlatein. Lassen Sie sich also nicht irritieren, wenn Sie feststellen, dass sich Ihre Fähigkeit, ein Bild zu prävisualisieren, in überschaubaren Grenzen hält. Zurück zur Belichtungsmessung: Es bedarf schon einer gewissen Übung, um sicher zu erkennen, welcher Motivteil auf welcher Zone liegt. Manchmal wird empfohlen, die Augen zusammenzukneifen oder das Motiv durch ein spezielles Filter (Kodak Serie 90 Wratten Filter) anzuvisieren, um den bildwichtigsten Schattenbereich zu ermitteln. Probieren Sie es aus, vielleicht helfen Ihnen diese Methoden. Ich selbst kann mit diesen Hilfsmitteln nicht viel anfangen. Sie müssen ohnehin Ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Daran führt kein Weg vorbei und Fehler sind dabei zwangsläufig vorprogrammiert. Das ist nicht weiter tragisch, denn ein Zonensystem-Anfänger kommt wohl kaum um Fehler herum. Wichtig ist nur, dass Sie einen erkannten Fehler nicht ein zweites Mal machen. Um dies zu vermeiden, müssen Sie sich angewöhnen absolut methodisch zu arbeiten, sich gewissenhaft Aufzeichnungen über die Aufnahmedaten und Zonenbelegungen zu machen und diese auch auszuwerten. Mit der Zeit haben Sie dann so viel Erfahrungsschatz zusammengetragen, dass Sie die Zonenbelegung sicher beherrschen. Wolfgang Mothes www.wolfgangmothes.de

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Die Jack Cardiff Edition der Regan Gallery gedruckt auf German Etching, einem Echt-Bütten InkJet-Papier aus der Hahnemühle Digital FineArt Collection.

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In der nächshten Folge zeigt Wolfgang Mothes anhand von typischen Aufnahmesituationen, wie man die unterschiedlichsten Kontrastverhältnisse durch eine auf die Belichtung abgestimmte Entwicklung meistert.

The Art of Expression since 1584
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Eine typische Aufnahmesituation, bei der ein erfahrener Fotograf auch ohne Kontrastmessung weiß, dass eine N -2 Entwicklung notwendig wird, um den großen Motivkontrast zu bewältigen. Aufgenommen im Mittelformat mit 45 mm-Objektiv auf Delta 100, N-2 Entwicklung in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol HE, Selentonung.

Schritt für Schritt zum Zonensystem (4)

Kontraste und Tonwerte im Griff
In dieser Folge seiner Fortsetzungsserie über das Zonensystem stellt Wolfgang Mothes die fünf vom Zonensystem unterschiedenen Kontrastsituationen dar und erklärt anhand von vielen Beispielen aus der Praxis, wie man diese durch eine modifizierte Entwicklung in den Griff bekommt. In der fünften und letzten Folge geht es um die Kalibrierung Ihrer Geräte, Materialien und Chemie.

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IN DER LETZTEN FOLGE HABEN WIR gesehen, wie die Belichtungsmessung nach dem Zonensystem erfolgt und welche Auswirkungen es hat, wie wir die Belichtung steuern. Wie geht es nun ganz praktisch vor Ort weiter, nachdem wir die Belichtung für die bildwichtigen Schatten gemessen haben? Ganz einfach: Wir merken uns den Lichtwert, den wir für diese Schatten erhalten und die wir mit Zone III belegt haben, z.B. Lichtwert 5, und messen nun die bildwichtigsten Lichter zur Kontrastbestimmung. Achtung: Diese Messung des Motivkontrastes vor der Aufnahme und – als deren Ergebnis – das Festlegen der Entwicklung, ist das A und O des Zonensystems. Noch einmal zur Wiederholung: Wenn ich im Folgenden von bildwichtigen Schatten oder Lichtern spreche, so meine ich damit jeweils voll durchgezeichnete Schatten oder Lichter, also Zone III für die Schatten und Zone VII für die Lichter. Angenommen, die Messung auf diese bildwichtigsten Lichter hätte in unserem oberen Beispiel zu einem Lichtwert von 11 geführt. Wir hätten dann eine Differenz von 6 Blendenstufen, was – wie wir im Folgenden sehen werden – bei unserer üblichen

Schattenbelegung mit der Zone III ein zu hoher Kontrast wäre, der nach einer verkürzten Entwicklung verlangen würde. Schauen wir uns nun die 5 verschiedenen Kontrastsituationen des Zonensystems näher an. Der Normalkontrast. Er liegt bei einer Differenz von 4 Blendenwerten (= 5 Zonen) vor und wäre bei einer Belegung der Schatten mit Zone III ohne weitere Maßnahmen auf ein Papier normaler Gradation zu printen. Bei unserer Schattenbelegung mit Zone III fielen die Lichter auf Zone VII und hätten daher ebenfalls noch volle Zeichnung. Eine Kontrastsituation von 4 Blendenwerten Differenz (= 5 Zonen) bedarf daher einer normalen Entwicklung. Erhöhter Kontrast. Hier zeigt die Messung eine Blendendifferenz von 5 (= 6 Zonen) an. Bei unserer üblichen Belegung der Schatten mit Zone III gerieten die Lichter bereits in die Zone VIII und wären daher kaum noch gezeichnet. Durch eine definierte verkürzte Entwicklung, die nach Ansel Adams N - 1 genannt wird (= Normalentwicklung minus 1 Zone), rutschen die Lichter wieder in die voll durchgezeichnete Zone VII.

Ohne eine N -2 Entwicklung wäre es nur durch langes Nachbelichten mit der Gefahr von schwarzen Rändern möglich gewesen, die Zeichnung in den Fenstern zu Papier zu bringen. Aufgenommen im Kleinbildformat mit 15 mm-Objektiv auf Delta 100, N -2 Entwicklung in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol HE, Selentonung.

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Dem Bild sieht man nicht an, wie abgrundtief dunkel es in dem Klosterkeller war. Ich habe 6 Minuten belichten müssen, um genügend Zeichnung in den Schatten zu erhalten. Bei dem gleißenden Sonnenlicht außen reichte selbst eine N -2 Entwicklung nicht vollends aus, um die Lichter einzubremsen. Aufgenommen im Format 4x5“ mit 90 mm-Objektiv auf Delta 100, Entwicklung in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol WA, Selentonung.

Hoher Kontrast. Ein hoher Kontrast liegt vor, wenn unsere Messung eine Blendendifferenz von 6 oder mehr ergäbe (= 7 Zonen oder mehr). Beim obigen Beispiel der Schattenbelegung mit Zone III würden die hellsten Lichter in die Zone IX geraten und wären ungezeichnet weiß. Sie müssten also durch eine stark verkürzte Entwicklung um zwei Zonen herunterentwickelt werden, damit sie wieder in die Zone VII gerieten. Eine solche Entwicklung wird N -2 Entwicklung genannt. Niedriger Kontrast. Bei ihm messen wir eine Differenz von 3 Blendenwerten (= 4 Zonen). Wir haben die Schatten wieder mit Zone III belegt und erhielten nun die Zone VI für unsere bildwichtigen Lichter. Diese wären folglich hellgrau und damit zu dunkel. Durch eine verlängerte Entwicklung, die N +1 bezeichnet wird, werden die Lichter um eine Zone in die Zone VII hochentwickelt. Sehr niedriger Kontrast. Er liegt bei einer gemessenen Differenz von 2 Blendenwerten (= 3 Zonen) vor. Bei unserer üblichen Schattenbelegung von Zone III gerieten die Lichter nur bis zur neutralgrauen Zone V und wären daher viel zu dunkel; man könnte bei dieser Konstellation kaum mehr von Lichtern sprechen. Hier hilft eine stark verlängerte N +2 Entwicklung, die Lichter um zwei Zonen nach oben in die gewünschte Zone VII zu bringen.

Welchen Einfluss die modifizierten Entwicklungen auf die Lichter haben, wissen wir nun. Was geschieht dadurch aber mit den anderen Zonen? Bisher ist uns nur bekannt, dass eine modifizierte Entwicklung auch Konsequenzen für die mittleren und tiefen Tonwerte mit sich bringt, wenn auch nur in einem deutlich geringeren Umfang. Obwohl diese Auswirkungen einer verkürzten oder verlängerten Entwicklung auf die mittleren Tonwerte und die Schatten nicht spektakulär sind, gilt es dennoch entgegenzusteuern. Daher muss bei einer N -1 Entwicklung die Schattenzeichnung durch eine Belichtungszugabe von 1/3 bis 1/2 Blende gestärkt werden und bei einer N -2 Entwicklung muss 2/3 Blenden länger belichtet werden. Umgekehrt muss bei einer verlängerten Entwicklung nach N +1 die Dichte in den Schatten durch eine Belichtungsverkürzung von 1/3 bis 1/2 Blende zurückgenommen werden und bei einer N + 2 Entwicklung gar um 1 Blende. Im Prinzip wär’s das schon mit dem Zonensystem. Kompliziert? Nicht wirklich, denn was machen wir denn schon? Wir messen unser Motiv aus, belichten auf die Schatten und entwickeln je nach gemessenem Motivkontrast, normal, verkürzt oder verlängert und nutzen so den Kopierumfang unseres Fotopapiers voll aus.

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Nun, ganz so einfach ist es dennoch nicht, denn es gibt noch einiges zum Kontrastausgleich zu berücksichtigen. Kontraste ausgleichen Reicht bei einer Belegung der Schatten mit Zone III z.B. eine N -2 Entwicklung nicht aus, um die Lichter auf Zone VII herunterzuentwickeln, so könnte sich der Fotograf auch fragen, ob er denn wirklich die bildwichtigen Schatten auf die voll durchgezeichnete Zone III legen muss, oder ob es das Motiv nicht auch zulässt, diese Schatten in die nur noch ganz schwach gezeichnete Zone II zu legen. Dadurch gerieten die Lichter, die ja der Belichtung für die Richtzone folgen müssen, ebenfalls um eine Zone nach unten und wären – unterstellt sie hätten sich vorher in der reinweißen Zone X befunden – in Verbindung mit der N -2 Entwicklung in die erwünschte Zone VII ge-

raten. Sie wären also insgesamt um 3 Zonen komprimiert worden. Natürlich wäre das Bild dadurch in seiner Gesamtcharakteristik dunkler geworden und es gäbe ausgeprägtere Schattenbereiche. Es ist oftmals also auch eine Frage des Geschmacks, in welche Zone man die bildwichtigen Schatten legt. Generell gilt – ich hatte bereits oben darauf hingewiesen – dass als Ergebnis unserer Anwendung des Zonensystems keineswegs immer ein fullyscaled ten-zoned print herauskommen muss. Selbstverständlich sind wir frei, welche Richtzone wir für unsere Belichtung auf die Schatten auswählen. Sieht es unsere Bildidee vor, so kann dies durchaus auch die Zone IV oder gar V sein, so dass wir als dunkelsten Tonwert nur noch Dunkelgrau bzw. Neutralgrau statt Schwarz erhielten. Nehmen wir einmal an, wir hätten bei einem Motivkontrast von 4 Zonen Differenz (= 5 Zonen, was ein Normalkontrast darstellen würde) be-

Anders als man auf den ersten Blick vermuten könnte, habe ich die Negativentwicklung dieses Bildes aus dem Petersdom um zwei Zonen verlängert (N +2), weil ich die Lichtstrahlen stärker vom Gebäude trennen wollte. Aufgenommen im Mittelformat mit 45 mm-Objektiv auf Delta 100, N +2 Entwicklung in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol WA, Selentonung.

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Das Zonensystem ist keineswegs nur eine Domäne der Landschaftsfotografie wie viele seit AA meinen. Um ein tiefschwarzes Ziffernblatt zu gewährleisten, habe ich es mit Zone I belegt und eine N +2 Entwicklung vorgenommen, durch die die Lichter so weit expandiert wurden, dass die Ziffernblätter ohne Probleme reinweiß geprintet werden konnten. Aufgenommen im Mittelformat mit 135 mm-Makroobjektiv auf Delta 100, N +2 Entwicklung in XTOL 1+1, vergrößert auf

Moersch Select Sepia in Separol HE, Selentonung.

schlossen, Zone IV als Richtzone für die Belichtung auf die Schatten zu wählen, weil wir ein helles, leichtes Bild anstreben. Dann kämen die bildwichtigen Lichter auf Zone VIII zu liegen und wären nicht mehr optimal durchgezeichnet. Folglich würden wir hier eine N -1 Entwicklung vornehmen, um die Lichter auf die Zone VII zu bringen. Sie sehen an diesem Beispiel: Obwohl wir einen Normalkontrast von 4 Zonen Differenz vorliegen hatten, haben wir kontrastsenkend entwickeln müssen, weil wir als Richtzone für die Schattenbelichtung die hohe Zone IV gewählt haben. Man kann also nicht sagen, dass generell bei Normalkontrast normal entwickelt wird, bei hohem Kontrast verkürzt und bei niedrigem Kontrast verlängert, weil die Lichtersteuerung über die Entwicklungsdauer auch von der Richtzone für die Belichtung abhängt. Dies wird von Anfängern des Zonensystems oft übersehen; in Internetforen kann man z.B. immer wieder lesen, dass bei einem Motivkontrast von X-, Y-, Z-Blenden

generell normal, verkürzt oder verlängert entwickelt werden müsste. Diese pauschale Aussage ist ohne Berücksichtigung der Richtzone für die Belichtung aber unzutreffend. Stimmungen erhalten Bei kontrastarmen Motiven müssen nicht zwangsläufig die Tonwerte durch eine verlängerte Entwicklung gespreizt werden. Das Beispiel einer stimmungsvollen Nebelstimmung aus der letzten Folge, die ihren spezifischen Reiz gerade durch die wenigen Tonwerte erhält, belegt dies. Wenn wir einen so niedrigen Motivkontrast haben, dass der Belichtungsumfang – also das Verhältnis der dunkelsten zu den hellsten Stellen, die unsere Film-/Entwicklerkombination aufzeichnen kann – größer als dieser sehr niedrige Motivkontrast ist und wir die Tonwerte nicht expandieren wollen, so haben wir einen echten Belichtungsspielraum, der es uns erlaubt, unser Motiv ohne Tonwertver-

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luste im Rahmen dieses Belichtungsumfangs nach unten oder nach oben auf der Zonenskala zu verschieben. Im Klartext: Wir können unser kontrastarmes Motiv also wahlweise kürzer oder auch länger belichten. Tonwertverluste können dabei keine auftreten, solange wir den Belichtungsspielraum nicht durch Überschreiten des Belichtungsumfangs verschenken. Die bessere Wahl bei einem Belichtungsspielraum ist aber immer eine möglichst kurze Belichtung, also auch hier eine Belichtung auf die Schatten. Vorteil: Eine knappere Belichtung führt immer zu einem kleineren Korn und höherer Konturenschärfe, weil nicht so viel Licht in der Emulsion herumvagabundieren kann und daher der sogenannte Diffusionslichthof unterdrückt wird. Mit dem Zonensystem gestalten Generell gilt, dass immer dann normal entwickelt wird, wenn der von uns gewünschte (prävisualisierte) Kontrast auch tatsächlich gemessen wird. Beispiel: Wir wünschen eine schwere Schattenwiedergabe (Zone II) und sehr helle, kaum noch gezeichnete Lichter (Zone VIII). Das macht eine Blendendifferenz von 6 Blenden (7 Zonen), was an sich ein hoher Kontrast wäre, der normalerweise zu einer verkürzten Entwicklung führen würde. Unsere Messung ergab eine Lichtwertdifferenz von 6 Lichtwerten. Es wird nun trotz des hohen Kontrastes normal entwickelt, weil wir dieses Ergebnis ja prävisualisiert haben. Oder umgekehrt: Wir haben eine Lichtwertdifferenz von nur 2 Lichtwerten gemessen und wollen diese in die Zonen III – V platzieren. Trotz des sehr niedrigen Motivkontrastes wird auch hier normal entwickelt. Was wir noch wissen müssen: Einer verlängerten Entwicklung sind – insbesondere in der Kleinbildfotografie – Grenzen gesetzt, denn durch sie wird insbesondere das Korn stark vergrößert. Eine N +2 Entwicklung ist daher aus Qualitätsgründen für Kleinbildfotografen tabu. Selbst Mittelformatfotografen sollten ein kritisches Auge darauf werfen, ob sie nicht lieber auf eine N +2 Entwicklung verzichten sollten, weil nicht alle Filme dafür gleich gut geeignet sind; manche überhaupt nicht. Ersatzweise bietet sich eine N +1 Entwikklung und eine anschließende Selentonung des Negativs an (siehe unten). Oder Sie machen es sich noch einfacher, entwickeln nach N +1, legen die Richtzone für die Schattenbelichtung 1 Zone höher als eigentlich gewünscht und belichten die (zu hellen) Schatten im Positivprozess durch Nachbelichten eine Zone herunter. Das entspricht zwar nicht der reinen Lehre des Zonensystems; wer sich aber nicht als Fundamentalist sondern als ergebnisorientierter Pragmatiker versteht, erzielt auch damit sehr gute Ergebnisse. Nur Großbildfotografen sind stets fein raus, weil sie eine N +2 Entwicklung nicht scheuen müssen. Das Zonensystem bedeutet in erster Linie kreative Kontrastbewältigung durch eine auf den Motivkontrast abgestimmte Belichtung und Entwicklung. Weitere effektive Kontraststeuerungsmöglichkeiten sind der Einsatz von Farbfiltern und die Vorbelichtung des Filmmaterials (siehe meine Abhandlung zur Vorbelichtung in Heft 2/04 von FINE ART FOTO, zu beziehen beim Verlag). Alle diese Methoden werden vor oder bei der Aufnahme angewandt. Daneben gibt es noch nachträglich anzuwendende Kontraststeuerungsmöglichkeiten durch Abschwächen oder Verstärken. Allerdings sind dies „Grobmethoden“ mit teilweise gravierenden Nachteilen, so dass Sie besser eine Bogen darum machen sollten. Eine Ausnahme hiervon stellt eine Selentonung des Negativs dar, mit der die Dichte in den Lichtern um bis zu einer Zone angehoben werden kann. In Verbindung mit einer N +1 Entwicklung kann man so annähernd das Ergebnis einer N +2 Entwicklung erreichen, ohne dass das Korn unerträglich vergrößert werden würde. Halbwegs empfehlensund daher erwähnenswertwert ist ein sehr vorsichtiges(!) Aufhellen der Lichter im Positiv mit stark verdünntem Farmer’schen Abschwächer.

Erst eine Blaufilterung des dunkelroten Feuerwehrfahrzeugs schaffte die Voraussetzung, dass die Schatten mit Zone II belegt werden konnten. Eine N +1 Entwicklung brachte dann den gewünschten Knack in das Bild. Aufgenommen im Mittelformat mit 200 mm-Objektiv, Blaufilter, Delta 100, N +1 Entwicklung in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol HE, Selentonung.

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Negative, die nach dem Zonensystem entstanden sind, geben dem Fotografen alle Freiheiten der Interpretation; die manchmal langweilige reine Abbildung des vermeintlichen Originaleindrucks bei der Aufnahme ist also keineswegs Pflicht für den Zonensystemfotografen. Mit einer strengen Rotfilterung und einem massiven Nachbelichten vor allem der Bildränder habe ich dieses Motiv dramatisiert. Aufgenommen im Mittelformat mit 200 mm-Objektiv, Rotfilter 29A, Delta 100, Normalentwicklung in XTOL 1+1, vergrößert auf Moersch Select Sepia in Separol WA, Selentonung.

Wenn Sie sich mit dem Zonensystem bereits beschäftigt haben, wird Ihnen womöglich aufgefallen sein, dass viele Teleaufnahmen, bei denen wegen des engen Bildwinkels oftmals verwandte Tonwerte im Bild zu finden sind, nach einer verlängerten Entwicklung verlangen. Umgekehrt verhält es sich mit den Weitwinkelaufnahmen, die aufgrund ihres großen Bildwinkels sehr viele unterschiedliche Kontraste und dabei oftmals auch Hochlichter und Spitzlichter wie Laternen oder die Sonne auf das Bild bringen; hier hilft vielfach nur eine verkürzte Entwicklung, um die Kontraste in den Griff zu bekommen. Wenn man dies weiß, kann man von vorne herein entsprechend gegensteuern. Kleinbildfotografen, die regelmäßig große Abbildungsmaßstäbe bei ihren Prints bevorzugen, können wegen des „Aufblasens“ der Negative und des damit einhergehenden größeren Streulichtanteils erwägen, diese künftig auf Gradation 3 als Standardgradation zu vergrößern. Thema Nachtaufnahmen. Wenn Lichtquellen (gemeint sind z.B. hell beleuchtete Fenster, aber keine Spitzlichter wie direkte Lichtquellen) mit im

Bild sind, können Sie sich von vorne herein eine N -2 Entwicklung vormerken und zwar unabhängig davon, was Sie messen. Apropos Messen. Eine Messung auf die Schatten wird oftmals nicht mehr möglich sein, weil der Messbereich unseres Belichtungsmessers unterschritten wird. Was also tun? Abhilfe schafft hier eine Ersatzmessung auf die Lichter, bei der allerdings folgendes beachtet werden muss: Da die obligatorische N -2 Entwicklung die Lichter um zwei Zonen abdunkelt, müssen Sie diesem Umstand natürlich bei der Messung der Lichter Rechnung tragen. Messen Sie daher ein Motivteil an, das der Zone VII entspricht (z.B. ein beleuchtetes Fenster mit vollständiger Durchzeichnung). Nun verlängern Sie die gemessene Belichtung nicht wie gewohnt um zwei sondern jetzt um 4 Blendenwerte, so dass sie an sich die Zone IX ergäbe. Mit den angezeigten Zeit/Blendenkombinationen wird dann belichtet. Unsere verkürzte N -2 Entwicklung sorgt nun dafür, dass die Lichter von der Zone IX in die Zone VII rutschen und damit dem angemessenen Motivteil entsprechen. Übrigens werden Nachtaufnahmen in der Regel nicht wirklich nachts sondern in der

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The Image of Beauty
Die Hahnemühle Digital FineArt Collection: TIPA prämiert als „Bestes Fine Art Inkjet Foto Papier in Europa“. Die Papiere aus der ältesten deutschen Künstlerpapierfabrik sind weltweit führende Medien für exklusive, künstlerische Fotografie und Fotoreproduktionen. Sie bestechen durch einen großen Farbraum, einen hohen Schwarzwert, ihre vielfältigen Oberflächen und die beeindruckende Haptik von Echt-Bütten- sowie Baumwollpapieren.
Diese Aufnahme aus dem Lokschuppen war völlig unproblematisch, weil – auch das soll vorkommen! – die Kontrastmessung einen Normalkontrast ergab. Eventuell zu hell geratene Schatten lassen sich meistens problemlos nachbelichten.

fortgeschrittenen Dämmerung gemacht, wenn sich z.B. noch die Gebäudekanten von dem Himmel abheben. In FINE ART FOTO 2/03 habe ich zur Nachtaufnahmetechnik in Schwarzweiß geschrieben (das Heft kann beim Verlag nachbestellt werden). Nachtaufnahmen erfordern stets lange Belichtungszeiten. Da im Langzeitbereich – etwa ab einer Sekunde Belichtungszeit – die Filmschwärzung im Verhältnis zur Belichtungsdauer überproportional abnimmt (einfacher ausgedrückt: der Film wird mit zunehmender Belichtungsdauer immer unempfindlicher = Schwarzschildeffekt), muss die Belichtung entsprechend verlängert werden. Das Ausmaß der Belichtungszugabe ist von Film zu Film verschieden und kann den jeweiligen Datenblättern entnommen werden; ebenso das Ausmaß der durch die Belichtungsverlängerung notwendig gewordenen Entwicklungsverkürzung). Wenn Sie die bisherigen Folgen gelesen haben, so wissen Sie nun alles über das Zonensystem. Was Sie aber noch nicht wissen, ist: Wie teste ich meine Geräte, um das Gelesene auch wirklich umsetzen und anwenden zu können? Diese Frage beantwortet der in der nächsten Ausgabe folgende, abschließende Teil meiner Darstellung des Zonensystems. Wolfgang Mothes www.wolfgangmothes.de

Marilyn Monroe – JC-25 · Image © Jack Cardiff 2004

Die Jack Cardiff Edition der Regan Gallery gedruckt auf German Etching, einem Echt-Bütten InkJet-Papier aus der Hahnemühle Digital FineArt Collection.

helen@regan-production.co.uk · www.jackcardiff.co.uk

Nachspann: In der fünften und letzten Folge lesen Sie alles über die Kalibrierung Ihrer Geräte, Materialien und Chemie.

The Art of Expression since 1584
dfa@hahnemuehle.de · www.hahnemuehle.de

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Das alte Klärwerk war nur provisorisch mit Baustrahlern ausgeleuchtet gewesen. Schon auf den ersten Blick war mir klar, dass nur eine N-2 Entwicklung den hohen Motivkontrast printbar auf das Negativ würde übertragen können, was die sicherheitshalber durchgeführte Kontrastmessung dann auch bestätigte. Aufgenommen im Mittelformat mit 50mmObjektiv bei Blende 11, Delta 100 kontrastsenkend in XTOL 1+1 entwickelt und auf Moersch Select Sepia in Separol HE vergrößert, abschließend selengetont.

Schritt für Schritt zum Zonensystem (5)

Die richtige Kalibrierung
In der fünften und letzten Folge seiner Zonensystem-Reihe erklärt Wolfgang Mothes, wie Sie Ihre Filme, Chemie, Papiere und Gerätschaften durch Testreihen so aufeinander abstimmen (kalibrieren) können, dass sie künftig damit reproduzierbare Ergebnisse in höchster Qualität erhalten. Sie sind danach in der Lage, Negative zu erzielen, die den gesamten Motivkontrast mit einem Maximum an Tonwertinformationen wiedergeben können und die sich außerdem relativ leicht vergrößern lassen. Nebenbei haben Sie außerdem eine sehr hohe Belichtungssicherheit erreicht, die es Ihnen ermöglicht, künftig auf materialverzehrende Belichtungsreihen zu verzichten.

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KOMMEN WIR IN DER LETZTEN FOLGE zum „ungemütlichen Teil“ des Zonensystems, nämlich die Abstimmung der Kontraststeuerung auf Ihre Filme, Chemie, Papiere und Gerätschaften, auch „Kalibrierung“ genannt. Um Ihr Material zu kalibrieren, müssen Sie nun eine Reihe von Tests machen, die ein sehr sorgfältiges Arbeiten und gewissenhaftes Protokollieren der Ergebnisse voraussetzt. Wer hier schludert, braucht erst gar nicht anzufangen. Wichtig zu wissen: Nachdem Sie Ihr bevorzugtes Material einmal kalibriert haben, dürfen Sie dieses – auch Teile davon – nicht auswechseln, ohne dass die Testergebnisse hinfällig werden. Die Testergebnisse gelten also nur für den Film, den Entwickler, das Papier und die Gerätschaften, mit denen Sie den Test unternommen haben. Müssen Sie deshalb zusammenzukken, wenn mal wieder ein neuer „Wunderentwickler“ auf den Markt gekommen ist, der alles besser können soll? Mitnichten! Zonensystemfotografen erkennt man auch daran, dass sie „wertekonservativ“ bei dem Bewährten bleiben und damit deutlich bessere Ergebnisse erzielen als Fotografen, die ständig den neusten Film und den aktuellsten Entwickler benutzen. Die Testreihe beginnt mit der Festlegung der effektiven Empfindlichkeit Ihrer Film-/Entwicklerkombination und der Bestimmung der Normalentwicklungszeit. Warum übernehmen wir nicht die Angaben der Hersteller? Das wäre doch viel einfacher. Die Angaben der Hersteller sind sicherlich nicht bewusst messtechnisch irreführend zustande gekommen, aber sie berücksichtigen nicht die bei den Anwendern gegebenen spezifischen Bedingungen im Hinblick auf die verwendeten Filme, Chemie, Fotopapiere, Wasserqualität, Gerätschaften (Belichtungsmesser, Kameraverschluss, Vergrößerer, Dunkelkammer etc.). Und sie berücksichtigen auch nicht die Tatsache, dass Fotopapier für eine Tontrennung der maximalschwarzen Zone 0 von der immer noch völlig ungezeichneten aber nicht mehr ganz maximal schwarzen Zone I mehr Licht benötigt, als ihr die auf theoretischen Erkenntnissen beruhenden Testverfahren der Industrie zubilligen. Als erstes müssen Sie also die effektive Empfindlichkeit Ihrer Film-/Entwicklerkombination festlegen und anschließend die darauf basierende Normalentwicklungszeit bestimmen.

Feststellen der effektiven Empfindlichkeit Wir fotografieren bei bedecktem Himmel im Freien vom Stativ aus eine vollkommen gleichmäßig helle Testfläche, am besten eine Graukarte, die vor einem nicht reflektierenden Hintergrund befestigt ist, der auch einheitlich grau oder schwarz sein sollte. Kunstlicht ist für den Test nicht geeignet, da panchromatische Filme für Kunstlicht etwas weniger empfindlich sind (es sei denn, Sie arbeiten hauptsächlich unter Kunstlichtbedingungen). Dabei verwenden wir unser am meisten gebrauchtes Kameragehäuse und unser bevorzugtes Objektiv plus angepasster Streulichtblende, das in Unendlichkeitsstellung defokussiert ist und nehmen einen Abstand zur Graukarte ein, der etwa dem 20-fachen der verwendeten Brennweite entspricht. Wir achten darauf, dass auf unser Testobjekt kein Schatten fällt und dass sich die Beleuchtungsverhältnisse nicht während der Testbelichtungen geändert haben. An dem Spot-Belichtungsmesser wird die vom Hersteller angegebene Filmempfindlichkeit eingestellt, z.B. 27 DIN.

Der Arzt stand im Lichtkegel einer OP-Lampe. Bei einer solchen Beleuchtung geht es in erster Linie darum, die Lichterdichte zu begrenzen, um ein Ausfressen im Positivprozess zu vermeiden. Daher habe ich – ohne vorher die Kontraste ausgemessen zu haben - nach N-2 entwickelt, was sich später als richtig herausgestellt hatte. Wenn man keine Zeit für eine Kontrastmessung hat, aber unsicher ist, ob nicht der Motivkontrast zu hoch sein könnte, so sollte man immer eine kontrastsenkende N-1 bzw. N-2 Entwicklung vornehmen.

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Die Kuppel der Kirche wies noch nicht einmal einen Normalkontrast auf, was bei solchen Motiven selten vorkommt. Schützenswerte Lichter gab es bis auf die Kuppel-Laterne nicht, so dass eine N+1 Entwicklung das Mittel der Wahl war. Durch einfaches Nachbelichten konnte die Zeichnung in der Laterne sichergestellt werden. Aufgenommen im Mittelformat 6x7 mit 45mm-Objektiv bei Blende 11, Delta 100 kontraststeigernd in XTOL 1+1 entwikkelt und auf Moersch Select Sepia in Separol HE vergrößert, abschließend selengetont.

Das erste Bild wird mit vollkommen aufgesetztem Objektivdeckel bei – zur Sicherheit, dass keinerlei Licht eindringen kann – kleinster Blende und kürzester Belichtungszeit gemacht. Dadurch erhalten wir ein Negativ, das nach dem Entwickeln vollkommen transparent ist und das benötigt wird, um bei der späteren Densitometer-Messung den sog. Grundschleier zu bestimmen, der von den gemessenen Dichten abgezogen werden muss (der Densitometer muss auf den Grundschleier „eingenullt“ werden). Als Grundschleier wird der Umstand bezeichnet, dass auch ein völlig transparent erscheinendes Negativ eine minimale Dichte aufweist. Nun messen Sie Bei Blende 8 – wohlgemerkt, an unserem Spotbelichtungsmesser ist die Empfindlichkeitsangabe des Filmherstellers von im Beispiel 27 DIN eingestellt – die Testfläche an und verkürzen die (ausgeglichene) gemessene Zeit (z.B. 1/30 Sekunde) um 4 Stufen und behalten diese Zeit künftig als Konstante bei (also 1/500 Sekunde). Denn wie Sie schon wissen, steht eine um 4 Belichtungswerte gegenüber der ausgeglichenen Messung nach Zone V verkürzte Zeit für die Zone I. Um diese Zone I geht es auch im Folgenden, denn sie ist ja bekanntlich maßgebend für die Filmempfindlichkeit. Wir erzeugen nun also ein Zo-

ne I Negativ und belichten dieses Zone I Negativ durch Veränderung der Blende definiert kürzer oder länger, bis wir eine Dichte von 0,10 über dem Grundschleier messen können. Hierzu stellen wir vorher schriftlich einen Belichtungsplan auf, den wir dann minuziös fotografisch abarbeiten. Ausgehend von dem mit der Hersteller-Empfindlichkeitsangabe von 27 DIN erzielten Messergebnis für die Zone I, nämlich Blende 8 1/500 Sekunde, könnte der Belichtungsplan etwa so aussehen: 1) Blende 11 = 30 DIN 2) Blende 8 2/3 = 29 DIN 3) Blende 8 1/3 = 28 DIN 4) Blende 8 = 27 DIN 5) Blende 5,6 2/3 = 26 DIN 6) Blende 5,6 1/3 = 25 DIN 7) Blende 5,6 = 24 DIN 8) Blende 4 2/3 = 23 DIN 9) Blende 4 1/3 = 22 DIN 10) Blende 4 = 21 DIN Die Belichtungszeit beträgt dabei stets 1/500 Sekunde. Sie sehen also: Wir gehen von der mit der Her-

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steller-Empfindlichkeit von 27 DIN gemessenen Belichtungskombination für das Zone I Negativ aus, nämlich Blende 8 1/500 Sekunde und gruppieren unsere Belichtungsreihe zur Feststellung der effektiven Empfindlichkeit um diesen Wert herum. Da die Erfahrung lehrt, dass die effektive Empfindlichkeit höchstwahrscheinlich geringer sein wird als die Herstellerangabe von 27 DIN, erstreckt sich unsere Belichtungsreihe mehr in Richtung geringere Empfindlichkeit als umgekehrt. Wir beginnen also unsere Belichtungsreihe bei Ziffer 1) und machen die erste Aufnahme mit Blende 11, dann drehen wir den Blendenring auf 8 2/3 und machen die zweite Aufnahme und diesen Vorgang wiederholen wir so lange, bis wir die letzte Aufnahme unserer Belichtungsreihe mit Blende 4 gemacht haben. Den Rest des Filmes belichten wir mit beliebigen Motiven, damit der Entwickler die gleichen Arbeitsbedingungen vorfindet wie später.

Nun entwickeln wir den Film gewissenhaft nach der Herstellerangabe und messen anschließend mit dem Densitometer die Dichten der Negative aus. Dasjenige Negativ, das eine Dichte von 0,10 über dem ganz zu Anfang mit aufgesetztem Objektivdeckel angefertigten Negativ (= Zone 0) ergibt, gibt uns künftig die effektive Empfindlichkeit der von uns verwendeten Film-/Entwicklerkombination an, die allen weiteren Tests zu Grunde gelegt wird. Statt mit dem Densitometer zu messen, können Sie auch die von Andreas Weidner in seinem Buch „Workshop“ beschrieben Methode der Kalibrierung mit Hilfe eines Spotbelichtungsmessers anwenden. Sie funktioniert einwandfrei. Manchmal wird auch der visuelle Vergleich mit bestimmten Graukeilen empfohlen, wovon ich Ihnen jedoch abraten möchte, weil man dabei zu leicht daneben tippt. Mit der Festlegung der effektiven Empfindlichkeit

Der advocatus diaboli in mir kann es sich nicht verkneifen: Das Zonensystem ist sehr hilfreich, aber kein Selbstzweck. Wahrheitsgemäß muss man sagen: Es geht auch ohne, wie diese Autofokus-ZeitautomatikAufnahme mit einer Minilux aus der Hand beweist. Allerdings wäre der recht hohe Motivkontrast ohne den stark ausgleichenden Moersch Zweibadentwickler MZB kaum so gut übertragbar gewesen.

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Motive wie die alte Bahnhofstreppe im nächtlichen Lichtschein bedürfen grundsätzlich einer komprimierenden N-2 Entwicklung, damit die Lichter printbar gedimmt werden. Ich will Sie nicht dazu aufstacheln, aber angesichts solcher Motive kann man sich eine vorherige Messung des Motivkontrastes eigentlich ersparen. Aufgenommen im Mittelformat 6x6 mit 50mm-Objektiv bei Blende 11, Delta 100 kontrastsenkend in XTOL 1+1 entwickelt und auf Moersch Select Sepia in Separol NE vergrößert, abschliessend selengetont.

hätten wir nun sichergestellt, dass eine korrekte Belichtung auf die Schatten unter Berücksichtigung unserer Materialien und Geräte künftig möglich ist. Kommen wir jetzt zum nächsten Schritt, denn es gilt nun die Zeichnung der Lichter, d.h. unsere künftige Normalentwicklungszeit, ebenfalls exakt festzulegen. Festlegen der Normalentwicklungszeit Unter Verwendung der von uns ermittelten Normalempfindlichkeit stellen wir von unserem Testobjekt unter den gleichen Bedingungen, wie eingangs bei der Ermittlung der effektiven Empfindlichkeit beschrieben, einen ganzen Film ausschließlich mit Zone VIII Negativen her. Dazu visieren wir unser Testobjekt an, gleichen die Belichtung z.B. unter Verwendung der Blende 5,6 aus (Zone V) und Verlängern das Messergebnis um 3 Belichtungswerte (Zone VIII). Dabei achten

wir darauf, dass wir nicht in den Langzeitbereich mit seinem Reziprozitätsfehler gelangen und passen notfalls die Blende an. Zwischendurch machen wir immer mal wieder eine Aufnahme mit aufgesetztem Objektivdeckel, um ein transparentes Zone 0-Negativ zur Bestimmung des Grundschleiers zu erhalten. Nun zerschneiden wir den Film in der Dunkelkammer in vier gleich große Stücke und entwickeln jedes Teilstück mit unterschiedlichen Zeiten: Das erste mit der Herstellerangabe, das zweite mit einer um 10 % verlängerten, das dritte mit einer um 20 % verkürzten und das vierte Teilstück mit einer um 30 % verkürzten Herstellerzeit. Dabei fügen wir bei jeder Entwikklung einen halben beliebig belichteten Film gleichen Fabrikats bei, damit der Entwickler etwa gleichviel arbeiten muss, wie später bei einem ganzen Film. Nun wird wieder gemessen. Dasjenige Negativ, das einen Dichtewert von 1,30 über der Dichte des Grundschleiers ergibt, repräsentiert unsere neue Normalentwicklungszeit. Eventuell müssen

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Sie die gewünschte Dichte durch Einkreisen mit weiteren Versuchen erzielen. Wie oben schon gesagt: in der Regel darf man erwarten, dass es ein Negativ mit einer verkürzten Entwicklungszeit sein wird. Wir haben also jetzt die auf unser Equipment geeichte effektive Empfindlichkeit unseres hauptsächlich verwendeten Filmes festgestellt und dessen Standard-Entwicklungszeit bestimmt, mit der wir künftig alle Aufnahmen mit normalem MotivKontrast belichten und entwickeln werden. Das ist schon sehr viel, ja ich möchte sagen, das ist schon die halbe Miete. Die halbe Miete? Jetzt meldet sich mal wieder der advocatus diaboli in mir zu Wort, der es sich einfach nicht verkneifen kann, anzumerken, dass bequemere Fotografen sich bereits in diesem Stadium gelassen zurücklegen können, weil sie nach Maßgabe des folgenden Satzes damit künftig 95% aller fotografischen Situationen gut lösen können: Unter Zugrundelegung der effektiven Empfindlichkeit und der Normalentwicklungszeit verkürzen sie bei sehr kontrastreichen Motiven einfach die Entwicklung um 35 40% und belichten etwa 1/2 Blendenwert länger, bzw. verlängern die Entwicklung bei kontrastarmen Motiven um 30% und belichten dabei 1/2 Blendenwert kürzer. „Zonensystem light“ sozusagen! So leid es mir tut, liebe Jünger der reinen Lehre, diese Methode funktioniert in der Praxis erstaunlich gut. Selbst Kodak ist sich nicht zu schade (warum auch?) sie in seinem Buch „Advanced Black and White Photography“ als immerhin „advanced“ zu propagieren! Dennoch, wir wollen mehr, nein, wir wollen alles! „Mehr“ bzw. „Alles“ heißt in diesem Falle, dass wir die Entwicklungszeiten für die einzelnen Kontrastsituationen exakt bestimmen. Die Ermittlung aller Entwicklungszeiten für die Kontraststeuerung Fangen wir an mit der N-1 Kalibrierung, die es uns bei leicht erhöhtem Motivkontrast gestattet, die bildwichtigen Lichter um eine Zone herunter zu entwickeln. Wir verwenden wieder unseren Testaufbau, stellen am Spot-Belichtungsmesser unsere ermittelte effektive Empfindlichkeit ein und belichten einen Film mit Zone IX Negativen, indem wir den gemessenen, ausgeglichenen Wert (= Zone V) um 4 Blendenwerte überbelichten (also z.B. 1/15 Sekunde statt gemessener 1/250 Sekunde). Mit dieser Kombination wird der gesamte Film mit

unserer effektiven Empfindlichkeit belichtet, wobei wir nicht vergessen, hin und wieder eine Aufnahme mit aufgesetztem Objektivdeckel zu fertigen (= Zone 0), damit wir bei der späteren Dichtemessung den Grundschleier abziehen können. Wir zerschnippeln den Film in 3 Teile und entwickeln diese getrennt, wobei wir wieder jeweils ein größeres, beliebig belichtetes Filmstück mitlaufen lassen. Den ersten Filmabschnitt entwickeln wir 10% kürzer als unsere ermittelte Normalentwicklungszeit, den zweiten 20% und den dritten 30% kürzer. Danach erfolgt die Auswertung am Densitometer: Diejenige Entwicklungsdauer ist richtig, die die Dichte eines Zone VIII Negatives von 1,30 aufweist. Gegebenenfalls müssen wir auch hier das Procedere wiederholen, um die richtige Dichte einzukreisen. Spätestens nach dem zweiten Durchgang sollten Sie aber so weit sein, die geforderte Dichte von 1,30 annähernd erreicht zu haben. Gleichermaßen verfahren wir bei der Festlegung der N-2 Entwicklungszeit, die es uns ermöglicht, bei hohen Kontrasten die Lichter um 2 Zonen (von Zone X auf Zone VIII) herunter zu entwickeln (zu komprimieren): Die am Testobjekt gemessene Belichtung wird jetzt aber um 5 Belichtungswerte verlängert (= Zone X). Der vollständig so fotografierte Film wird in 3 Teile geschnitten und diese jeweils mit einer um 25, 35 und 45% verkürzten Entwicklung gegenüber der ermittelten N-1 Entwicklungszeit entwickelt. Diejenige Entwicklungs-

Der Motivkontrast war geringer als ein Normalkontrast und es handelte sich zudem um ein sehr „technisches“ Motiv, so dass ich eine N+1 Entwicklung vorgenommen und im Positivprozess zudem hart gefiltert habe. Ich hätte natürlich auch eine N+2 Entwicklung vornehmen können, hatte aber trotz des Mittelformats Bedenken wegen einer Kornvergrößerung. Aufgenommen im Mittelformat 6x7 mit 45mm-Objektiv bei Blende 16, Delta 100 kontraststeigernd in XTOL 1+1 entwikkelt und auf Moersch Select Sepia in Separol HE vergrößert, abschließend selengetont.

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Es dämmerte bereits stark, ohne dass schützenswerte Lichter im Bild gewesen wären. Der Motivkontrast war daher relativ gering, so dass ich nach N+1 entwickeln konnte, um den Schnee aufzuhellen und dem Bild insgesamt mehr Biss zu geben. Aufgenommen im Mittelformat 6x7 mit 75mm-Objektiv bei Blende 8, Delta 100 kontraststeigernd in XTOL 1+1 entwickelt und auf Moersch Select Sepia in Separol NE vergrößert, abschliessend selengetont.

zeit ist richtig, deren Negative eine gemessene Dichte eines Zone VIII Negativs aufweisen, also wie oben 1,30. Kommen wir nun zur Festlegung der N+1 Entwikklungszeit, mit deren Hilfe wir kontrastarme Motive um eine Zone hoch entwickeln können (die Tonwerte werden gestreckt oder „expandiert“), also z.B. um die Lichter von der Zone VII in die Zone VIII zu bringen. Die Versuchsanordnung ist wieder die gleiche wie gewohnt. Die am Testobjekt gemessene Belichtung wird jetzt um 2 Belichtungswerte verlängert (= Zone VII). Der damit fotografierte Film wird in 3 Teile geschnitten und diese jeweils mit einer um 20, 30 und 40% gegenüber der Normalentwicklung verlängerten Entwicklung entwickelt. Diejenige Entwicklungszeit ist richtig, deren Negative eine gemessene Dichte eines Zone VIII Negativs aufweisen, also wie immer 1,30. Ich hatte bereits in einer früheren Folge gesagt, dass eine N+2 Entwicklung, mit der die Lichter um 2 Zonen expandiert werden können, bei Kleinbild aus Qualitätsgründen (starkes Korn) überhaupt nicht und bei Mittelformat eingeschränkt verwendbar ist, so dass sie eine Domäne der Großbildfotografie bleibt. Daher nur in Kürze: Hier wird die N + 1 Entwicklungszeit etwa um 30, 40 und 50 Prozent verlängert und nach dem gleichen Prinzip verfahren wie oben. Wichtig zu wissen: Lassen Sie sich nicht entmuti-

gen, wenn Sie trotz aller Sorgfalt beim Kalibrieren nicht ganz exakt die geforderten Negativdichten erzielen. Es reicht für die Praxis allemal, wenn Sie diesen deutlich nahe kommen. Überhaupt werden Sie feststellen, dass Sie – sollten Sie den Kalibriervorgang ein zweites Mal unternehmen – so gut wie nie exakt die gleichen Werte auf Punkt und Komma bekommen werden wie beim ersten Versuch. Zwei verschiedene Fotografen gar, die die Kalibrierung parallel nebeneinander nach derselben Methode durchführen, kommen so gut wie immer auf unterschiedliche Zeiten bzw. Negativdichten. Dieses „Problem“ ist hinlänglich bekannt und hat seine Ursache hauptsächlich darin, dass sich die zur Kalibrierung benutzten Gerätschaften (Belichtungsmesser, Kameraverschlüsse) voneinander unterscheiden; aber auch die geringsten Unterschiede in der Arbeitsmethode (z.B. Kippvorgang) spiegeln sich in unterschiedlichen Ergebnissen wieder. Was zählt, ist nur Ihr eigenes Ergebnis, sofern es mit größter Sorgfalt erzielt wurde. Damit wären wir am Ende der Kalibrierung angekommen. Jetzt sind Sie in der Lage, das Zonensystem in seiner ganzen Vielfalt zu nutzen. Sie haben eine enorme Belichtungssicherheit erreicht und die unterschiedlichsten Kontrastverhältnisse bei der Aufnahme bereiten Ihnen keine Sorgen mehr. Vorbei sind die Zeiten von materialverschlingenden Belichtungsreihen.

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Schlussbemerkung: Wenn Sie die vier Folgen meines Zonensystem-Artikels in der FINE ART FOTO gelesen und vielleicht auch nachvollzogen haben (ältere Hefte können beim Verlag nachbezogen werden), so sollte das Zonensystem für Sie keine „Geheimwissenschaft“ mehr sein, um die man wegen ihrer Kompliziertheit einen Bogen schlagen müsste. Ob Sie es künftig anwenden oder nicht, ist Ihre Entscheidung. In jedem Fall dürfte sich aber Ihr Verständnis für die Schwarzweiß-Fotografie und damit Ihre Fototechnik verbessert haben. Falls dies geschehen ist, wäre schon viel erreicht. Wunder dürfen Sie von dem Zonensystem ohnehin nicht erwarten. Sein größter Vorteil in der heutigen Fotografie liegt m.E. darin, dass es nach wie vor die grundlegenden Erkenntnisse der Schwarzweißfotografie vermittelt. Ich selbst zum Beispiel – ich schrieb es bereits in Folge II – verzichte vollkommen darauf, im Positivprozess nur mit normaler Gradation, einer festgelegten Belichtungszeit und Blende und einem vorgegebenen Abbildungsmaßstab zu arbeiten – obwohl dies sozusagen die „reine Lehre des Zonensystems“ verlangen würde. Stattdessen verwende ich Baryt-Gradationswandelpapier (Moersch Select Sepia, entwickelt in Separol HE oder NE), belichte mit unterschiedlichen Gradationen nach oder wedele ab und scheue mich auch nicht, ganze Bildteile völlig zuzubelichten, wenn es meine Bildidee so vorsieht. Kurz und gut: Ich mache in der Dunkelkammer, was ich will! Tun Sie es ebenso! Dabei wissen wir erstaunlicherweise auch noch den guten Ansel Adams auf unserer Seite, denn gerade er als der „Erfinder“ des Zonensystems bediente sich im Positivprozess aller nur denkbaren Tricks, wie man in seinem Buch „Das Positiv“ nachlesen kann. Worin das Zonensystem aber nach wie vor unschlagbar ist: Es verhilft uns zu hervorragenden Negativen, die – wenn wir es bei der Aufnahme so wollten – den größtmöglichen Informationsgehalt an Tonwerten aufweisen, und die außerdem noch recht einfach zu vergrößern sind. Wenn das auch heutzutage nichts ist! Ansel selig sei Dank! Und falls Sie immer noch keine Lust bekommen haben, sich in die Gruppe der Zonis einzureihen, so hätte ich noch einen Tipp parat: Verwenden Sie doch künftig einfach den Zweibad-Ausgleichsentwickler MZB von Moersch-Photochemie. Mit diesem sind Sie allen Fällen des norma-

len und fast allen Fällen eines erhöhten Kontrastes locker gewachsen. Ansel mag von oben bitte weghören: Wenn ich unbeschwert mit Kleinbild fotografieren möchte, dann greife ich ebenfalls dazu. Man ist ja schließlich kein Fundamentalist! Ich habe in den fünf Folgen versucht, das Zonensystem so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig nachvollziehbar darzustellen. Wer sich intensiver damit auseinandersetzen möchte, dem seien folgende Veröffentlichungen ans Herz gelegt: - Ansel Adams, Das Negativ, Christian Verlag - Andreas Weidner, Workshop, VERLAG PHOTOGRAPHIE1994, vergriffen, aber antiquarisch immer wieder erhältlich - Peter Fischer-Piel, Das Zonensystem in der Schwarzweiß- und Farbfotografie, ikoo Buchverlag 1986, ebenfalls vergriffen - Henk Roelfsema, Das Zonensystem, VERLAG PHOTOGRAPHIE 1990, (eher für Fortgeschrittene zu empfehlen). Wolfgang Mothes www.wolfgangmothes.de

Ich erinnere mich noch, dass ich bei diesem Motiv keinen SpotBelichtungsmesser dabei hatte, so dass eine Bestimmung des Motivkontrasts entfiel. Ich entschloss mich zu einer Normalentwicklung, musste dann aber im Positivprozess ziemlich hart printen, um dem Engel mehr Licht zu geben und die Szenerie zu dramatisieren. Besser wäre es gewesen, die Tonwerte sogleich mit einer N+1 Entwicklung zu expandieren. Aufgenommen im Mittelformat 6x7 mit 200mm-Objektiv bei Blende 16, Delta 100 normal entwickelt in XTOL 1+1 und auf Moersch Select Sepia in Separol HE vergrößert, abschließend selengetont.

FINE ART FOTO 2/06

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