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wartungen. Aber er wirkt.

Die Bibel bezeugt: Ultimativ, eines Tages, wird er sein
Reich aufrichten, in dem Gerechtigkeit
herrscht. Tatsächlich, sichtbar.
Es heisst zwar ausdrücklich, dass niemand
wissen kann, wann das sein wird (Mat
25,13), aber bis Gott selbst eingreift, sollen
wir den Garten seiner Schöpfung – und
auch das Feld der politischen Beziehungen
– pflegen in Richtung Frieden, soweit es
uns möglich ist.

Heute kann er kommen!
An Spitze der Halbinsel Lavedo des Comer Sees träumt eine Villa im Spätsommer
-Sonnenschein. Es ist die Villa Arconati.
Man ist dort einsam, aber es ist wunderschön. Meistens ist niemand da. Wer einmal da war, kann es nicht verstehen. Die
Zeit steht still, im Paradies „Arconati“.
Nur der Gärtner ist immer da. Er lebt dort
in der Stille am Comer See. Und er führt
auch die Besucher durch den Park.
"Wie lange sind Sie schon hier?"
"24 Jahre."
"Und wie oft war die Herrschaft hier in
dieser Zeit?"
"Viermal."
"Wann war es denn das letzte Mal?"
"Vor 12 Jahren".
Der Gärtner lächelt. "Ich bin fast immer
allein. Sehr selten, dass ein Besuch
kommt."
"Aber Sie haben den Garten so gut instand,
so herrlich gepflegt, dass Ihre Herrschaft
morgen kommen könnte." Der Gärtner
lächelt: "Oggi, Signore, oggi!" («Heute,
mein Herr, heute!»)
Heute kann er kommen.
3. Ein ökonomisches Umdenken
53 Den Hungrigen hat er ´die Hände`
mit Gutem gefüllt, und die Reichen hat
er mit leeren Händen fortgeschickt.

Wie füllt Gott denn die Hände der Hungrigen mit Gutem? Sicherlich, es gab Fälle,
wo dies per Wunder geschah: Beim Volk
Israel in der Wüste, Manna, das vom Himmel fiel.
Aber in aller Regel: Wo heute Hungrige
versorgt werden, sind Lastwagen, Schiffe
und Reissäcke o.ä. im Spiel. Gefahren von
sehr menschlichen Fahrern, gezahlt mit
Finanzen, deren Kette (hoffentlich) klar zu
verfolgen ist.
Gott füllt oft die Hände der Hungrigen,
indem er die Herzen der Reicheren bewegt, ihnen etwas abzugeben. Das kann
eine direkte Lieferung Reis und Kartoffeln
sein – vielleicht aber auch Schulbildung
oder Training, wie sie ihre Felder selbst
besser bestellen können. «Gutes», mit dem
die Hände gefüllt werden, kann viele Gestalten annehmen.
Hören wir nochmals auf die Worte von
Maria – sie ist so völlig von Gottes Geist
erfüllt, sie ist so sicher, dass das stimmt,
was sie sagt, eigentlich stehen ihre Aussagen nämlich deswegen in der Vergangenheitsform. Das soll heissen: Was hier angekündigt wird, ist so sicher, als ob es
schon passiert wäre - so klang es schon bei
den Propheten im Alten Testament:
49 Er, der Mächtige, hat Großes an mir
getan. Sein Name ist heilig,
50 und von Generation zu Generation
gilt sein Erbarmen denen, die sich ihm
unterstellen.
51 Mit starkem Arm hat er seine Macht
bewiesen; er hat die in alle Winde zerstreut, deren Gesinnung stolz und hochmütig ist.
52 Er hat die Mächtigen vom Thron
gestürzt und die Geringen emporgehoben.
53 Den Hungrigen hat er ´die Hände`
mit Gutem gefüllt, und die Reichen hat
er mit leeren Händen fortgeschickt.
Lukas 1
Amen.

Reformierte Kirche Umiken
www.ref

Lukas 1,46-55, Predigt 29.11.2015
Wolfgang v. Ungern-Sternberg

Liebe Gemeinde
Ich habe hier einen Auszug aus einem historischen Dokument in der Hand, in dem
es heisst:
„gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des
Volkes sich misst am Wohl der Schwachen, geben sich folgende Verfassung“

Sie haben es gemerkt: So klingt es in der
Präambel der Schweizer Bundesverfassung
von 1848.
Man könnte sagen, ein anderes wichtiges
Dokument ist davon inspiriert worden:
„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer
mit gewissen unveräußerlichen Rechten
begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glück.
So heisst es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Das sind wichtige
historische Dokumente, die man in der
Schule kennenlernt.
Aber wenn man genau hinhört, merkt man
– klingen sie nicht wie ein Echo von jemand ganz Anderem? Hören wir den Worten eines vielleicht erst 14jährigen Mädchens von vor rund 2000 Jahren zu, aus

der es mit begeisterten Augen hervorbricht:
51 Mit starkem Arm beweist er seine
Macht:
Er hat die in alle Winde zerstreut, deren
Gesinnung stolz und hochmütig ist.
52 Er stürzt Herrscher von ihrem
Thron, und Unterdrückte richtet er auf.
53 Die Hungrigen beschenkt er mit Gütern, und die Reichen schickt er mit leeren Händen weg.
Lukas 1
Sie denken, dieser bekannte biblische Text
klingt wenig revolutionär? Das war nicht
immer so.

Ein revolutionärer Text
In der Zeit, bevor Indien seine Unabhängigkeit gewonnen hatte, stand es unter
britischer Herrschaft, war Kolonie. Bischof
William Temple von der Anglikanischen
Kirche warnte in jener Zeit seine Indienmissionare, dass sie das «Magnificat»
nicht in der Öffentlichkeit verlesen sollten.
Er befürchtete, es könnte sich als so aufpeitschend erweisen, dass es eine Revolution starten könnte!
1. Eine geistliche Revolution
Marias Worte haben noch heute revolutionären Inhalt – zunächst einmal in geistlicher Hinsicht.

51 Mit starkem Arm beweist er seine
Macht: Er hat die in alle Winde zerstreut, deren Gesinnung stolz und hochmütig ist.
Das kommt schon allein dadurch zum Ausdruck, dass Gott sich als Mutter für seinen
Sohn ein vielleicht erst 14jähriges Teeniemädchen aus einem vergessenen Ort auf
der Landkarte ausgesucht hat. Natürlich
weiss niemand genau, wie alt Maria wirklich war, aber nach allgemeiner Sitte damals wurde sehr früh geheiratet, von daher
wäre 14 durchaus realistisch. All die Darstellungen, die eine schon reifere junge
Frau, vielleicht in ihren Zwanzigern, zeigen, entsprechen nicht dem, was damals
üblich war. (Das Bild auf dem Titel habe
ich deswegen ausgewählt, weil es noch am
ehesten ein demütiges, junges Mädchen
zeigt.)
Und schon garnicht hat Maria ein teures
blau-rot und womöglich goldenes Gewand
getragen, und es waren sicher keine Sterne
mit Goldfäden darauf gestickt. Sie war ein
armes Mädchen, jemand Reiches hätte
nämlich wohl leichter noch ein Zimmer
bekommen!
Aber noch in anderer Hinsicht ist es eine
Revolution: Gottes Ankunft macht den
menschlichen Stolz zunichte, selbst gut
genug zu sein.
Ein Pastor sass mal im Flugzeug und der
Mann neben ihm fing ein Gespräch an. Als
er merkte, dass er einen Geistlichen neben
sich hatte, erklärte er: «Nun ja, ich glaube
an Gott, aber ich gehöre zu keiner Kirche.
Ich denke, ich brauche das nicht wirklich.
Sicherlich, ich mache manchmal Fehler,
aber ich lebe anständig und spende an
Wohltätigkeitsorganisationen. Ich glaube,
Gott wird mich akzeptieren auf dieser Basis.»

Der Pfarrer nahm einen Schreibblock heraus und sagte: “Machen wir mal eine Skala
für alle Menschen, von Eins bis Zehn, mit
Zehn so etwa als perfekt. Wer sind die
besten Menschen auf der Welt?» Der
Mann dachte einen Moment lang nach und
sagte: «Mutter Theresa und Billy Graham»
«Okay», sagte der Pfarrer. «Aber wir müssen ihnen erlauben, dass sie sich selbst
ihren Platz auf der Skala aussuchen. Beide
haben gesagt: ‘Ich bin ein Sünder und habe
keine Chance auf Erlösung, ausser sie
kommt als Geschenk von Christus.’ Also,
nach ihrer eigenen Einschätzung, verdienen sie es, nah am unteren Rand der Skala
zu sein. Jetzt ist meine nächste Frage: ‘Wo
sollten wir Sie auf der Skala eintragen? Sie
wollen nicht über Mutter Theresa sein,
oder?’»
Der Mann antwortete: «Wenn Mutter Theresa nicht gut genug ist, um es in den Himmel zu schaffen, dann denke ich, ich bin
schlechter dran, als ich meinte.»

Samstag auf dem Schlachtfeld, wo die
Gewehre knattern?

re sein Volk unterjochte. Er vergaste, ermordete und folterte Menschen.

Vielleicht kommt Ihnen das letzte Glied in
der Kette merkwürdig vor – was hat Gott
auf dem Schlachtfeld zu tun? Wenn man
da auch nur drüber nachdenkt, rückt man
sich nicht in gefährliche Nähe von Nationalfanatikern, die auf der Gürtelschnalle
«Gott mit uns» gedruckt hatten in früheren
Kriegen? Natürlich muss man aufpassen,
was man im Detail sagt – aber Maria hat
grundsätzlich den Mut, Gottes Wirken bis
dahin reichen zu lassen, wo die Kanonen
donnern:

Es wäre falsch, wenn man jetzt das Militär
eines Landes, auch wenn es einen Diktator
gestürzt hat, verherrlichen würde. Aber es
wäre auch falsch, zu sagen, dass Gott
mächtige und korrupte Herrscher nicht von
ihren Thronen stürzt. Denn Maria, die
Mutter unseres Herrn, hat gesagt: «Er
stürzt die Mächtigen vom Thron», und
offenbar ist dabei an ungerechte Herrscher
gedacht.

Daraufhin zeichnete der Pastor ein Kreuz
gerade in die Mitte der Skala. Unter das
Kreuz schrieb er die Worte aus 1. Joh 2:

 Er hat einem Volk von hebräischen
Sklaven zum Sieg über die Armee Pharaos verholfen.
 Er hat einen Hirtenjungen genommen
und ihn zu Israels grösstem König gemacht.
 Er hat mit Saulus einen Mörder genommen und ihn zu Paulus, dem grössten
Evangelisten der Welt, gemacht.
 Und als er die Mutter für seinen Sohn
suchte, wähle er eine junge Frau, vielleicht sogar einen Teenager, aus einem
abgelegenen Ort.

1b Und wenn jemand doch eine Sünde
begeht, haben wir einen Anwalt,
der beim Vater für uns eintritt:
Jesus Christus, den Gerechten.
Er, der nie etwas Unrechtes getan hat,
2 ist durch seinen Tod zum Sühneopfer
für unsere Sünden geworden
Die erste Revolution von Jesus liegt darin,
dass er Stolz und geistlichen Hochmut
verbannt.
Niemand von uns hat irgendeine Hoffnung, bevor wir nicht unseren inneren
Müll am Fuss des Kreuzes abladen.
2. Gott wirkt nicht nur in der Kirche
Hand auf’s Herz, was denken Sie, wo Gott
wirkt: Am Sonntag Morgen in der Kirche,
am Montag Morgen am Arbeitsplatz, am
Freitag Abend auf der Discoparty, am

52 Er hat die Mächtigen vom Thron
gestürzt und die Geringen emporgehoben.

Gott hat immer wieder die soziale
Ordnung auf den Kopf gestellt

Die ungerechten Mächtigen (denn um die
geht es hier) vom Thron stürzen tut man
sehr oft eben nicht nur mit Worten und
Kerzen. Das kann es schon geben – man
denke an das Ende der früheren DDR.
Oder man erinnere sich die Bilder aus dem
Irak: An einen brutalen König, der 25 Jah-

Denken wir an die Kontraste bei Saddam
Hussein:
 Er lebte in einem Dutzend Luxusvillen
 Und wurde gefunden in einem
Dreckloch
 Er ass die Speisen von Königen
 Und in seinem Loch lagen verrottete Früchte und geöffnete Eier auf
dem Boden
 Er lag auf edlen Betten
 Und schlief mit dem Gesicht im
Dreck
 Er befehligte einst eine mächtige Armee
 Und hatte am Schluss nur noch eine
Pistole in seiner Tasche, die er nicht
benutzte.
 Er wurde einst der «Nachfolger von
Nebukadnezar» genannt, der «Löwe
von Babylon»
 Aber auf seinem Grabstein wird
eher stehen: «Der Schlächter von
Bagdad»
Noch einmal: Es geht nicht darum, einzelnes Kriegsgeschehen zu verklären. Aber
fassen wir mit Maria Mut: Gottes Wirken
ist nicht auf Sonntag in der Kirche, Montag am Arbeitsplatz oder Freitag Abend im
Ausgang beschränkt. Auf geheimnisvolle
Weise wirkt er in der Weltgeschichte. Er
unterliegt nicht unseren Gesetzen und Er-