I.

Kapitel: Einführung Wenn wir die Bibel in der Hand halten, haben wir den kostbarsten Schatz dieser Welt vor uns. Und dennoch sind wir arm, wenn dieser Reichtum, das geschriebene Wort Gottes, nicht in unseren Herzen lebt! Bedenken wir, daß heute noch Millionen Menschen auf dieser Erde keinen Vers dieses Schatzes in ihrer Sprache besitzen! Bedenken wir ferner, daß fast die Hälfte der jetzt lebenden Menschheit die lebendigmachende Botschaft noch nie richtig gehört hat! Röm 10,14+17"Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? ... So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi!" Über das Wort Gottes haben viele Menschen gespottet; noch mehr haben es verachtet. Aber sie alle sind vergangen und vergessen. Nur von der Bibel ist kein Vers vergangen - und wird auch nicht vergehen (Mt 24,35)! Jes 40,8 "Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich!" (1.Petr 1,25) Die Bibel ist das beliebteste Buch - im Verlauf der Kirchengeschichte gaben Menschen lieber ihr Leben als ihre Bibel preis; um ihretwillen erlitten sie Gefangenschaft, Folter und Tod. das gehaßteste Buch - Politiker aller Zeiten, selbst religiöse Führer und deren Helfer raubten und vernichteten die Bibel, wo immer sie ihrer habhaft werden konnten. das umstrittenste Buch - um kein anderes Buch der

Weltgeschichte wurde und wird von so vielen Menschen mit solcher Leidenschaft diskutiert und gekämpft. das ehrlichste Buch - nur die Bibel zeigt dem Menschen, wer und wie er wirklich ist. Sie beschönigt nichts, läßt nichts aus und übertreibt nicht. das wirksamste Buch - kein Buch der Welt hat so viele Menschen verändert wie die Bibel. das wichtigste Buch - auf alle anderen Bücher der Welt kann man verzichten und dennoch leben; aber ohne die Bibel gibt es kein ewiges Leben. das universellste Buch - verstanden von allen: jung und alt, arm und reich, gebildet und ungebildet, hoch und niedrig, schwarz und weiß, rot und gelb, hoch- und unterentwickelt. das herausfordernste Buch - wer immer mit ihr in Berührung kommt, muß Stellung beziehen - entweder für oder gegen sie. Sie läßt keinen Leser neutral. ein einmaliges Buch - Gott selbst ist der Autor! Welches andere Buch könnte das von sich behaupten? ein unverwüstliches Buch - Gott selbst wacht über Seinem Wort. Alle Versuche, die Bibel zu vernichten, sind gescheitert und werden auch in Zukunft scheitern. Unverändert und unveränderlich hat die Bibel die Jahrhunderte überlebt und kümmert sich nicht um Lob oder Tadel. Sie bequemt sich auch nicht zum Fortschritt; sie nimmt niemals ein Wort zurück; vor ihr sind alle Menschen gleich. Gewaltig, aber doch einfach, fängt die Bibel an. Sie hat kein Vorwort; sie beruft sich nicht auf menschliche Autoritäten oder Empfehlungen; sie kennt keine Sagen der Völker; sie will nichts beweisen; sie will schlicht und einfach als Gottes Wort zu uns reden. Und wie Vieles hat

sie schon bewirkt! Obwohl es ewig dasselbe Wort bleibt, wirkt es an jedem Menschen auf ganz persönliche, einzigartige Weise. Die Bibel hat sich bewährt sowohl an ihren Freunden als auch an ihren Feinden als eine Kraft Gottes, die da selig macht oder verdammt. Oft wird von "Vollmacht" oder auch "Geistesfülle" u.ä. gesprochen und dabei die einzige Kraftquelle, die Gott uns anbietet, die Bibel, vernachlässigt. Oft, wenn über "Kraft" geschrieben und gesprochen wird, ist dieser Mangel festzustellen. Viele Gläubige fiebern nach einer "Erfahrung", die dann nur zu leicht über das Wort Gottes gestellt wird. Eine "Erfahrungstheologie" ist zwar auch der Bibel nicht fremd. Der auferstandene Herr Jesus erscheint Seinen Jüngern und gibt ihnen wirkliche, sichtbare Belege Seines Auferstehungsleibes (Lk 24,36-43). Doch was wäre diese einmalige Erfahrung ohne den Schatz der Schrifttheologie, die Er selbst den Jüngern gleich im Anschluß daran anbietet (Lk 24,44-48)? Sie ist nicht in gleicher Weise den Schwankungen des Gefühls und des Zweifels ausgesetzt, im Gegenteil, sie kann immer wieder nachgeschlagen und gelesen werden. Wahre Schrifttheologie hat aber auch Voraussetzungen: Lk 24,45 "Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden,..." Joh 14, 21 "Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren." Die Bibel als geschriebenes Wort Gottes hat also eine Vorrangstellung.

Dazu sagt Dr. Torrey: "Wo die Bibel vernachlässigt wird, gibt es keine Fülle der Kraft im Leben und Dienst. Das Wirken des Heiligen Geistes wird groß hingestellt, aber das Werkzeug, durch das ER wirkt, wird weithin vergessen. Die Folge davon ist eine nur vorübergehende Begeisterung und Aktivität." Wenn unser Leben und Dienst voll Kraft werden soll, müssen wir uns vom Worte Gottes stärken lassen. Darum heißt es: Kol 3,16 "Laßt das Wort Gottes reichlich unter euch wohnen" Vielleicht kennen Sie die Bibel nicht, oder nur wenig. Die Bibel aber kennt Sie ganz genau (Hebr 4,12-13)! Wollen wir in der Bibel studieren, so gilt: "Man muß zuerst an die Bibel glauben, um sie zu verstehen, und nicht sie verstehen wollen, um erst dann an sie zu glauben!" (Bettex) Was macht uns die Bibel so wertvoll? Worin besteht ihr Wert? Wir antworten: Die Bibel ist eine Gottesoffenbarung! Die Bibel ist eine Herausforderung an den Menschen! Die Bibel ist das Fundament unseres Glaubens! 1. Die Bibel ist eine Gottesoffenbarung Was verstehen wir unter "Gottesoffenbarung"? Gottesoffenbarung bedeutet, daß Gott sich selbst "enthüllt", sich öffnet, uns in Sein Wesen, Seine

Eigenschaften und Seinen Willen hineinschauen läßt. Nach dem Fall des Menschen kann kein Mensch von sich aus Zugang zu Gott finden. Gott muß den ersten Schritt tun, die Mauer zwischen Ihm und uns durchbrechen. Offenbarung heißt: Gott teilt sich uns mit. Hebr 1,1-2 Gott hat geredet durch die Propheten Gott hat geredet durch den Sohn Außer Seinem geschriebenen Wort haben wir noch andere Gottesoffenbarungen: Röm 1,19-21 die Natur 1.Tim 3,16 Jesus Christus Wie wichtig ist uns ein Brief eines lieben Menschen! Nun hat Gott, der uns so sehr liebt, daß Er Seinen Sohn für uns hingab, zu uns gesprochen. Er hat Seine Rede niederschreiben lassen, damit wir sie immer und immer wieder lesen können. Wie gehen wir damit um? Ohne Sein geschriebenes Wort - was würden wir von Ihm wissen?

2. Die Bibel ist eine Herausforderung an den Menschen Viele Menschen lehnen die Bibel ab. Eigentlich lehnen sie nicht die Bibel ab, denn sie kennen sie oft gar nicht; aber sie lehnen die Form ab, in der ihnen die Bibel nahegebracht wurde oder wird. Jeder, der mit der Bibel in Berührung kommt, wird von ihr in Frage gestellt. Sie fordert jeden zu einer Stellungnahme heraus. Der Mensch hat die Freiheit, Gottes Wort - und damit Gott anzunehmen oder auch abzulehnen. Denen, die es ablehnen, ist die Tragweite ihrer Entscheidung meist unbekannt. Bedenken wir doch, was es bedeutet: Gott

ablehnen! Der Mensch kann "ja" sagen zum Wort Gottes, eingehen auf das, was Gott sagt, also Ihn annehmen. Joh 5,24 "Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat..." Diese positive Reaktion des Menschen auf das Wort Gottes nennt die Bibel Glaube. Glauben heißt: "ja" sagen zu Gottes Wort, es annehmen - Ihn selbst annehmen; aber nicht als bloßer Bejahungsglaube! Es geht auch nicht nur um ein einmaliges (erstmaliges) "Ja", sondern um eine ständige "Ja-Haltung" zu Gottes Wort, also zu Gott selbst. Ein Gläubiger sein, also im Glauben leben, heißt demnach: sich der ständigen Herausforderung des Wortes Gottes stellen, ja, sich Gott und Seinem Wort unterstellen. Deshalb gibt unser Verhältnis zum Wort - zur Bibel Auskunft über unser Verhältnis zu Gott. Röm 10,17 "So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi!"

3. Die Bibel ist das Fundament unseres Glaubens Unser Leib hat fünf Sinne: sehen, riechen, schmecken, hören und tasten. Keiner dieser Sinne heißt "glauben". Unsere Seele hat drei Funktionen: denken, fühlen und wollen. Keine dieser Funktionen heißt "glauben". Wo finden wir dann den "Glauben"?

Rö 10,9-10 "... und in deinem Herzen glaubst,..." Mit "Herz" ist das Zentrum gemeint, das Innerste des Menschen, oft auch Geist genannt. Glaube ist also eine Funktion des Geistes, oder anders ausgedrückt, des Herzens. Die Entstehung des Glaubens ist auf der einen Seite Wirken Gottes durch sein Wort und andererseits positive Reaktion des Menschen auf Gottes Wort. Der Glaube stützt sich dabei immer auf das Wort (vgl. auch Hebr 11): Joh 4,50 "Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin." ANREGUNGEN: In 80 bis 100 Stunden kann man die Bibel durchlesen Liest man jeden Tag 4 Kapitel, kommt man in einem Jahr durch die ganze Bibel 70% - 80% der deutschen Bevölkerung lesen selten oder nie in der Bibel! (idea 25/92) Außer Radio und Fernsehen gibt es auch in jedem Haushalt der Bundesrepublik Bücher - durchschnittlich 186 Bücher pro Haushalt! Trotzdem gibt mindestens jeder 3. Bundesbürger zu, praktisch nie ein Buch zu lesen. Der Bundesbürger verbringt durchschnittlich 4,5 Stunden am Tag mit Radiohören und Fernsehen. Für das Lesen von Zeitungen und Büchern "opfert" er hingegen nur 38 Minuten! Die Bibel ist weiter verbreitet als gelesen! Ein Bestseller ohne Leser!

Im normalen Buchhändler-Sortiment ist die Bibel kaum enthalten. Machen Sie den Test: Fragen Sie doch mal in einer Bibliothek nach der Bibel! Wann haben Sie das letzte Mal für Ihre Bibel oder "Bibelsammlung" (wenn mehrere vorhanden!) gedankt? II. Kapitel: Allgemeines über die Bibel

1. Die Namen der Bibel

a) Bibel Die Bücher der Bibel, die im Gottesdienst verwandt wurden, nannten die damals griechisch sprechenden Christen biblia = Bücher; Pluralform von "biblion" = Büchlein Dieses Wort wurde dann in die lateinische Kirchensprache übernommen, jedoch als Singularform gebraucht: biblia = Buch Wir machen hier eine interessante Beobachtung: gebrauchen wir das eingedeutschte Wort "Bibel" und denken an die griechische Herkunft (=> Pluralform!), so stellt sich uns die Einheit der Bibel dar; denken wir an den lateinischen Gebrauch (=> Singularform!), so weist

dies auf die Einzigartigkeit dieses Buches hin. Wir sprechen von einer Einheit, obwohl 66 Bücher von über 40 teilweise sehr unterschiedlichen Verfassern! verteilt auf über 16 Jahrhunderte! - in 3 Sprachen geschrieben wurden! Und dennoch geht es um nur eine Sache! Die Bibel ist - nicht nur wegen ihres göttlichen Ursprungs - einzigartig in der gesamten Weltliteratur. Nicht nur ihre Entstehung ist einzigartig, auch ihre Autorität und Wirkung sind es!

b) Heilige Schrift Bezeichnet die Bibel eine Sache oder eine Person als "heilig", so meint sie, daß es sich um eine 'abgesonderte', d.h. vom übrigen getrennte und unterschiedene Person oder Sache handelt, und zwar abgesondert für Gott. Gebrauchen wir den Namen "Heilige Schrift", so drücken wir ihre Einzigartigkeit aus, die sie von allen anderen "Schriften" unterscheidet. Sie hebt sich deutlich von der übrigen Literatur ab. Röm 1,2 "... in der heiligen Schrift," 2.Tim 3,15 "... von Kind auf die heilige Schrift kennst,"wörtl.: pl Heute gebrauchen wir "Heilige Schrift" für das AT und das NT und erinnern uns dadurch an ihre Einzigartigkeit. Wir greifen aus der Vielzahl der Unterschiede zu anderen Büchern die vier wichtigsten heraus.

Die Bibel ist

(1) "heilig" in ihrem Ursprung Zu diesem Thema werden wir später noch mehr zu sagen haben. Wir halten hier nur fest: Gott selbst läßt uns in einem Buch Sein Wesen und Seinen Willen erkennen. Wir haben es nicht mit einem Werk verschiedener Autoren zu tun, nein, Gott selbst ist der Autor!

(2) "heilig" in ihrer Absicht Was ist das Ziel der Bibel? Wofür ließ Gott Sein Wort niederschreiben? Wir betrachten diese Fragen naturgemäß von der menschlichen Seite aus und müssen uns daher stets bewußt sein, nur einen kleinen Bereich der Größe und Majestät des Wortes Gottes wiederzugeben. Heißt es doch von diesem Wort: Joh 1,1+3-4 "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. ... Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen." Auch von unserem Herrn Jesus, dem Sohn Gottes, heißt es: Offb 19,13 "..., und sein Name ist: Das Wort Gottes." Die Absicht des ewigen, also bereits vor der Welt existierenden Wortes Gottes kann nicht nur im Verhältnis Gott - Mensch gefunden werden. Die Bibel lehrt uns von Gott, von dem wir ohne Seine

Offenbarung im Wort nichts wüßten, und zeigt uns Seinen Willen und Seinen Weg zu einem Leben in Seiner Gegenwart und zu Seiner Ehre. 2.Tim 3,16 "Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit" Die Heilige Schrift dient weder der Unterhaltung noch der intellektuellen Wissensvermittlung noch der Befriedigung kultureller Bedürfnisse. Sie ist unvergleichlich, einzigartig - sie ist heilig!

(3) "heilig" in ihrer Autorität Der Schöpfer dieser Erde, der Erhalter des Universums gab uns Menschen Sein Wort. Kein anderes Buch der Weltgeschichte kann solch eine Autorität in Anspruch nehmen wie die Bibel. Die Autorität wird ihr nicht verliehen, sie kann höchstens anerkannt werden. Sie lebt nicht abhängig von einer hingegebenen Jüngerschar, sondern die Jünger leben durch sie. Ihre Autorität liegt allein in dem Verfasser, der über alle Autoritätsfragen erhaben ist und durch Seinen Geist, der sich dieses Wortes bedient und Menschen, Familien und Völker verändert.

(4) "heilig" in ihrem Anspruch Die Heilige Schrift stellt uns vor den "Heiligen". Er, Gott, ist es, dem wir hier begegnen. Und Er will die Herrschaft über unser Leben. Die Heilige Schrift ist heilig, deshalb

läßt sie uns nicht so, wie wir sind. Gott will durch sie nicht nur einzelne Bereiche, sondern Er will alle Bereiche unseres Lebens regieren! Die Bibel erhebt Anspruch auf unseren Glauben und unser Leben.

c) Wort Gottes Reden wir von dem "Wort Gottes", so betonen wir die Autorität der Bibel. Wir setzen die Bibel mit Gott gleich. Was die Bibel sagt, sagt Gott. Was die Bibel will, will Gott. Eigentlich ist dies nur die konsequente Fortführung des bisher Gesagten. Das Verhältnis der Bibel zu uns Gläubigen wird auf die gleiche Weise beschrieben wie das Verhältnis Gottes zu uns: beide sind unsere Richter (Jes 33,22 und Hebr 4,12) beide sind zu lieben (5.Mose 11,1 und Ps 119,127) auf beide soll man sich verlassen (Spr 3,5 und Ps 119,42) beide sind zu rühmen (Ps 22,24 und Ps 56,5) beide sind unsere Hoffnung (Ps 130,5 und Jer 17,13) beide sind unser Trost (Jer 14, 8 und Jer 15,16) beide bleiben ewig (Ps 92,9 und Ps 119,89) Erinnern wir uns noch einmal an das fleischgewordene Wort (Joh 1), an unseren Herrn und Heiland Jesus Christus: Offb 19,13 "..., und sein Name ist: Das Wort Gottes."

2. Die Einteilung der Bibel

Zunächst finden wir in der Bibel zwei Teile: Altes Testament: bis zum 1. Kommen Jesu Christi Neues Testament: seit dem 1. Kommen Jesu Christi Der Begriff "Testament" kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet "Bund" oder auch "Bündnis". Wir beachten jedoch, daß es im "Alten Bund" keineswegs nur ein Bündnis gab. Gott schloß einen Bund mit Adam, Noah, Abraham, Israel (Mose) und David. Alle diese Bündnisse sind im AT enthalten. Jedoch nimmt inhaltsmäßig der Sinai-Bund den größten Raum ein. Das AT deutet den neuen Bund (NT) an: Jer 31,31 "Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen" Das NT kennt auch das AT: 2.Kor 3,14 "Denn bis auf den heutigen Tag bleibt diese Decke unaufgedeckt über dem alten Testament, wenn sie es lesen, weil sie nur in Christus abgetan wird." Außer dieser groben Einteilung ist die Bibel in einzelne Bücher, in Kapitel und Verse unterteilt. Die heutige Kapiteleinteilung wird von den meisten Bibelauslegern Langton, Erzbischof von Canterbury (1227) zugeschrieben. Nicht ganz so alt sind die Verseinteilungen. Sie wurden vermutlich von R. Stephanus, einem Buchdrucker, um 1551 eingeführt. Wir wollen beachten, daß diese Hilfsmittel nicht inspirierter Bestandteil der Bibel sind. Sie dienen uns als Hilfe,

jedoch sollten wir uns nicht darauf verlassen, daß ein Gedankengang wirklich am Vers- bzw. Kapitelende abgeschlossen ist.

a) Altes Testament (AT) Unsere häufigste deutsche Übersetzung , die Lutherbibel (die Gesamtausgabe erschien 1534 zum ersten Mal), teilt das AT in drei Buchgruppen ein: Geschichtsbücher 1. Mose - Ester Lehrbücher und Psalmen Hiob - Hohelied Prophetenbücher Jesaja - Maleachi Nach dieser Einteilung umfaßt das AT 39 Bücher. Die Reihenfolge dieser Bücher in unserem deutschen AT geht auf die griechische Übersetzung (Septuaginta) des AT zurück, die in den Urgemeinden benutzt wurde. Sie war folgendermaßen eingeteilt: Gesetzesbücher 1. - 5. Mose Geschichtsbücher Josua - Ester Poetische Bücher Hiob - Hohelied Prophetische Bücher Jesaja - Maleachi Die hebräische Einteilung des AT kennt nur 24 Bücher. Es gibt nur je ein Buch für: 1. + 2. Samuel, 1. + 2. Könige, 1. + 2. Chronik, Esra + Nehemia und die 12 kleinen Propheten. Die Einteilung mit ihren hebräischen Namen und Büchern: Thora (Gesetz) 1. - 5. Mose Nebiim (Propheten)

- vordere Josua Richter Samuel Könige Nebiim (Propheten) - hintere Jesaja Jeremia Hesekiel 12 Prophetenbuch Ketubim (Schriften) Psalmen Hiob Sprüche Rut Hohelied Prediger Klagelieder Ester Daniel Esra / Nehemia Chronik Wir finden diese Einteilung in der Bibel erwähnt: Jos 1,8 Gesetz Mt 5,17 Gesetz und Propheten Alle Bestandteile des AT werden erwähnt in: Lk 24,44 "Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den

Propheten und in den Psalmen." b) Neues Testament (NT) Ähnlich dem AT teilt die Lutherbibel auch das NT ein: Geschichtsbücher Matthäus - Apostelgeschichte Briefe Römer - Judas Prophetisches Buch Offenbarung Das NT umfaßt 27 Bücher. Dabei fällt auf, daß Luther im Gegensatz zu allen anderen Bibelausgaben den Hebräer- und Jakobusbrief hinter die 3 Johannesbriefe gesetzt hat. Er begründete es beim Hebräerbrief mit der fehlenden Verfasserangabe und beim Jakobusbrief mit der Tatsache, daß der Opfertod unseres Herrn und Seine Auferstehung nicht erwähnt werden. Luther zum Jakobusbrief: "Diese Epistel, wiewohl sie von den Alten verworfen ist, lobe ich und halte sie für gut, darum daß sie gar keine Menschenlehre setzt und Gottes Gesetz hart treibt. Eine rechte stroherne Epistel, ein Gegensatz zu den andern, die dir Christum zeigen und alles lehren, das dir zu wissen not und selig ist."

3. Die Sprachen der Bibel

a) Sprachen des AT

Das AT wurde überwiegend in Hebräisch geschrieben. Bis zur Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar (587 v.Chr.) war Hebräisch die Umgangs- und Schriftsprache der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Deutlich wird dies bei der Rede des Rabschaken vor Jerusalem, als die Obersten des Volkes ihn baten, aramäisch zu sprechen, damit nicht das ganze Volk ihn verstehen könne. Jes 36, 11-13 "Aber Eljakim und Schebna und Joasch sprachen zum Rabschake: Rede doch mit deinen Knechten aramäisch, denn wir verstehen's gut, und rede nicht hebräisch mit uns vor den Ohren des Volks, das auf der Mauer ist. Da sprach der Rabschake: Meinst du, daß mein Herr mich nur zu deinem Herrn oder zu dir gesandt habe, solche Worte zu reden, und nicht vielmehr zu den Männern, die auf der Mauer sitzen und samt euch ihren eigenen Mist fressen und ihren Harn saufen werden? Und der Rabschake trat hin und rief laut auf hebräisch und sprach: Hört die Worte des großen Königs von Assyrien!" Wie Aramäisch und Arabisch ist auch Hebräisch ein Hauptzweig der semitischen Sprachfamilie. Aramäisch, das im Nordosten Kanaans gesprochen wurde, verdrängte während des Exils mehr und mehr Hebräisch als Umgangssprache. Schließlich wurde Hebräisch nur noch im Gottesdienst gebraucht. So findet sich neben Hebräisch auch Aramäisch im AT. Es handelt sich dabei um folgende Abschnitte: Dan 2,4b - 7,28 Esr 4,8 - 6,18; 7,12-26 Die Muttersprache unseres Herrn Jesu war Aramäisch. Schon zu Seiner Zeit gab es nur noch vereinzelt

Menschen mit hebräischer Muttersprache. Sie war nur noch die Sprache in religiösen Büchern und Gebeten. Selbst in den Synagogen wurden die hebräischen Texte nach der "Textlese" vor der Predigt in das Aramäische übersetzt. Im Jahre 1881 wurde Ittamar ben Awi in Jerusalem geboren. Sein Vater, ein hebräischer Gelehrter, sprach nur Hebräisch mit ihm. Er war der erste Mensch der Neuzeit, der als Muttersprache Hebräisch redete. Das moderne Hebräisch (sogenanntes Ivrit) hat zwar einige Veränderungen und vor allem Erweiterungen erfahren, ist aber dennoch im Kern die Sprache der Könige und Propheten des AT. Die Jerusalemer Sprachakademie versucht, auf der Basis der at-lichen Sprache immer wieder neue, logische und einpassungsfähige Wörter und Wendungen zu schaffen. Man sagt, daß vom klassischen Hebräisch zum Ivrit ein kürzerer Weg liege als von der Sprache Luthers zum Deutsch der Gegenwart!

b) Sprache des NT Das NT wurde in griechischer Sprache geschrieben. Hier haben wir es jedoch nicht mehr mit dem klassischen Griechisch der Philosophen zu tun, sondern mit einem späteren Dialekt, der sogenannten Koine. Die Eroberungszüge Alexander des Großen hinterließen nicht nur in der ganzen damals bekannten Welt des Mittelmeerraumes und Vorderasiens griechische Städte und Verwaltungen, sondern es entwickelte sich Koine auch zur Umgangssprache aller Nationen.

Natürlich hob sie die jeweiligen regionalen Volkssprachen nicht auf, aber sie stand gleichberechtigt daneben. Wie weise handelt Gott! Stellen wir uns die Missionsreisen des Paulus vor: Im Schutz des römischen Friedens und auf befestigten, geschützten römischen Straßen reist er jahrelang durch die Welt, ohne je ein Sprachstudium absolvieren zu müssen. Wohin er auch kommt, überall wird die Frohe Botschaft verstanden. Gott gebrauchte die Römer und die Griechen, um optimale Voraussetzungen für die rasche Evangelisation der damaligen Welt zu schaffen. Gal 4,4 "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, ..." Gott offenbarte sich den Menschen durch Sein Wort. Dabei gebrauchte Er ihre jeweilige Sprache und offenbarte sich so, daß sie Ihn verstehen konnten!

ANREGUNG: Wir müssen verstanden werden. Darum bedenken wir die Notwendigkeit: eines Sprachstudiums für Missionare! Bibelübersetzungen für einzelne Volks- und Stammessprachen! uns in unserer Sprache für Ungläubige verständlich auszudrücken! 4. Die Bedeutung der Bibel

a) Offenbarungsträger Die Bedeutung der Bibel ist in der Tatsache begründet, daß sie Hauptquelle göttlicher Offenbarung ist. Sie selbst erhebt den Anspruch, göttliche Offenbarung zu sein. Mehr hierzu siehe V. Kapitel: Inspiration der Bibel.

b) Selbstzeugnis in Bildern Die Bedeutung der Bibel wird uns durch sie selbst gezeigt, indem sie sich in Bildern mit alltäglichen Dingen vergleicht. Jedes dieser Bilder offenbart eine andere Tätigkeit oder Eigenschaft dieses wunderbaren Wortes: (1) Licht Ps 119,105 Licht zeigt und erhellt unseren Weg! (2) Feuer Jer 23,29 Ein Bild für Gericht! Gottes Wort richtet! (3) Hammer Jer 23,29 Ein Bild für Zerstörung! Welche Kraft enthält das Wort Gottes! (4) Spiegel Jak 1,22-23 Die Bibel zeigt jedem aufrichtigen Leser dessen wahres Bild!

(5) Wasserbad Eph 5,26 Gottes Wort reinigt und erneuert uns! (6) Speise Jer 15,16 / Mt 4,4 Ohne das Wort Gottes wäre geistliches Leben unmöglich! (7) Milch 1.Petr 2,2 Milch ist Baby- und Anfängernahrung. Die Schrift zeigt uns zwei verschiedene "Kinder in Christo", die Milch trinken: normal entwickelte Kinder: 1.Petr 2,2 zurückgebliebene, unterentwickelte Kinder 1.Kor 3,2; Hebr 5,12 (8) Schwert Eph 6,17 Obwohl das Schwert auch der Verteidigung dienen kann, ist es doch die einzige Angriffswaffe in der Waffenrüstung Gottes! (9) Regen Jes 55,10-11 Gottes Wort bereitet den Herzensboden vor, macht ihn fruchtbar und läßt den Glauben wachsen! (10) Same Lk 8,11 Jedes Wort Gottes ist ein Samenkorn, das Leben in sich trägt. Ihm ist die Verheißung, daß Leben entsteht, mitgegeben.

Vgl.: Pred 11,4+6 - 2.Kor 9,6 als auch Ps 126,5-6 - 1.Kor 15,42

Gottes Wort befriedigt alle Bedürfnisse unseres Lebens! Die Bibel weist uns den Weg zur Seligkeit. Die Bibel will uns auf dem Weg zur Seligkeit bewahren. Die Bibel gibt uns die Möglichkeit, anderen den Weg zur Seligkeit zu zeigen. ANREGUNGEN: Was sagen und bedeuten uns diese Bilder? Wie könnte man sie praktisch "anwenden"? Wie könnten wir sie im Gespräch oder in der Verkündigung gebrauchen? Wie könnten die Themen und Hauptaussagen einer Stundenreihe über diese Bilder aussehen? (Kinderstunden, Jugendstunden, Gesprächskreise, Predigtreihe,...) Suchen Sie in der Bibel zu den aufgeführten Bildern Texte, Beispiele, Lebensbilder usw., die diese Bilder bestätigen und ergänzen. c) Einfluß Die Bedeutung der Bibel wird uns deutlich, wenn wir ihren Einfluß auf unser Leben als Gesellschaft und auf uns als Einzelpersonen betrachten. Bestimmt haben viele, vor allem religiöse Bücher, Einfluß auf diese Welt

genommen. Bedenken wir, wie sich durch den Koran ganze Völker dieser Erde änderten. Aber zwischen all diesen Büchern und der Bibel besteht ein gewaltiger Unterschied: die Bibel allein vermag unser persönliches Leben wirklich völlig zu verändern, d.h. neu zu machen. Alle anderen Schriften "verbiegen" den Menschen in eine andere Form, allein die Bibel zeigt ihm den Weg zu einer neuen Schöpfung!

(1) Einfluß in der Gesellschaft In unserer "nach-christlichen" Zeit nimmt der Einfluß der Bibel auf unser gesellschaftliches Leben immer mehr ab. Die Gesellschaft wird immer mehr säkularisiert. Wir beschränken uns daher auf: die Wertschätzung der einzelnen Person (Individualtität) die Monogamie (Einehe) die Gleichwertigkeit der Geschlechter eine Anzahl Gesetze (Eigentumsdelikte, Falschaussagen, u.ä.) die Ideal- und Wertvorstellungen ("Tugenden" = "Laster") (2) Einfluß im persönlichen Leben Hier zeigt die Bibel, das lebendige Wort Gottes, einen Einfluß, wie ihn kein anderes Werk der Weltliteratur besitzen könnte: - in der Kraft, von Sünde zu überführen

Apg 2,37 "Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz" - in der Kraft, die Wiedergeburt hervorzubringen 1.Petr 1,23 "Denn ihr seid wiedergeboren ... aus dem lebendigen Wort Gottes," - in der Kraft, Glauben zu wirken Röm 10,17 "So kommt der Glaube ... durch das Wort Christi." - in der Gewißheit, ewiges Leben zu haben 1.Joh 5,13 "Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wißt, daß ihr das ewige Leben habt," - in der Freude des Gläubigen Ps 119,162 "Ich freue mich über dein Wort, wie einer der große Beute macht." - in der Umgestaltung des Lebens Joh 17,17 "Heilige sie in der Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit." - im Kampf gegen Satan, Sünde und Welt Eph 6,17 "... und nehmet ... das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes." Von keinem Buch der Weltliteratur gehen solche Wirkungen aus. Wir können sie studieren in den römischen Theatern bei den Märtyrern oder auch in einer modernen Großstadt bei einer Freiversammlung. Wir spüren etwas von dem Einfluß des Wortes Gottes in einer Massenevangelisation mit Zehntausenden von Zuhörern oder auch im persönlichen Gespräch mit

einem Menschen. So dürfen wir uns dem Einfluß dieses herrlichen Gotteswortes immer wieder neu aussetzen. Leben und Segen werden die Wirkung sein. Dann können wir mit dem Psalmisten sagen: Ps 119,45 "Ich wandle fröhlich, denn ich suche deine Befehle." AUFGABEN: Lernen Sie die Reihenfolge der biblischen Bücher auswendig! Lesen Sie Ps 119 und unterstreichen sie die Verse, die Ihnen wichtig werden! III. Kapitel: Gebrauch der Bibel Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. kehrte auf seiner ersten Reise durch Ostpreußen in einer Poststation ein und bemerkte auf dem Schreibtisch ein Neues Testament. Auf die Frage des Königs, ob er auch fleißig darin lese, antwortete der Posthalter: 'Majestät, alle Tage!' 'Wo lesen sie denn jetzt gerade?' 'In der Mitte von St. Matthäi'. Als der Postmeister hinausgegangen war, legte der König heimlich einige Banknoten zwischen die letzten Blätter des Matthäus-Evangeliums. - Auf der Rückreise kehrte er wieder ein und fragte den Posthalter, wie weit er mit dem Lesen des Neuen Testaments gekommen sei. 'Bis zum LukasEvangelium'. - 'Reichen Sie mir bitte einmal das Buch!' Da lagen die Banknoten noch an derselben Stelle, wohin

der König sie gelegt hatte. Er nahm sie heraus und schenkte sie den Armen des Städtchens." (aus einem Traktat) Wir sagten bereits, daß die Bibel ein Bestseller ohne Leser ist. Einer der Gründe für diese traurige Tatsache ist hierzulande das Fernsehen. Statt ein Buch in die Hand zu nehmen, setzt sich der Durchschnittsbürger lieber vor das Fernsehgerät. Aus der Übung geraten, verliert er bald Interesse an Literatur und schaut nur um so öfter fern. Am Ende dieser Spirale stehen nicht selten zerrissene Familien, seelisch und körperlich geschädigte Kinder und Jugendliche, urteilsunfähige Erwachsene und vereinsamte Menschen. Ein leichter Rückgang des Fernsehkonsums, ein vergrößertes Freizeitangebot, neu in Mode gekommene Bildungsideale sowie eine auf Hochtouren laufende Werbekampagne der Verlage und Buchhändler ließen diesen Trend zum Fernsehbürger langsamer werden. Heute tobt der Kampf härter denn je zuvor: Video und KabelTV auf der einen Seite und Bücher auf der anderen. In einer Zeit, in der Ideologien von einem Tag zum anderen zerbrechen, in der Wohlstand erreicht ist, und doch keine Befriedigung gefunden wurde, in der Millionen Menschen neu entdecken, daß es mehr als nur Materie geben muß, in der immer öfter nach dem Sinn des Lebens gefragt wird, wollen wir unsere Bibel kennenlernen und andere anleiten, sie zu

lesen und zu studieren. Wir wollen in diesem Kapitel einmal die praktische Seite des Bibelstudiums beleuchten - der Frage nachgehen: "Wie macht man das?"

1. Allgemeine Ratschläge - keine Vorschriften! Benutzen Sie für den ständigen Gebrauch eine gut lesbare Bibel mit Parallelstellen. Das Papier darf nicht zu dünn sein, damit Sie unterstreichen und hineinschreiben können. Aus diesem Grunde ist auch ein breiter Rand wünschenswert. Sie sollten Stellen, die Ihnen zum Segen wurden, anstreichen und möglichst viele Randbemerkungen eintragen. Achten Sie auf die ganze Schrift. Sie ist Offenbarung Gottes und bleibt es, auch wenn wir sie nicht verstehen. Darum überschlagen Sie keine Bücher, oder anders ausgedrückt, lesen Sie nicht nur Ihre Lieblingsbücher. Erforschen Sie die Bibel (Esr 7,10 und Joh 5,39), und geben Sie sich mit reinem Lesen nicht zufrieden. Beachten Sie immer den Zusammenhang, in dem einzelne Verse, Abschnitte oder Kapitel stehen. Meistens erklärt dieser Kontext die Stelle. Hier werden wir oft von Kapitel- und Verseinteilungen verführt. Vorsicht! Diese Einteilungen sind nicht inspiriert. Sie benötigen Parallelstellen und möglichst auch eine Konkordanz, denn Sie sollten die Bibel immer durch die Bibel auslegen lassen! Ergänzen Sie Ihr AT-Studium immer durch die Erklärungen im NT (z.B.: 3. Mose mit dem Hebräerbrief). Betrachten Sie die biblischen Bücher (oder auch nur

einzelne Kapitel) immer in ihrem zeitgeschichtlichen Zusammenhang. (So werden die Psalmen Davids oder die Propheten in die Geschichtsbücher eingeordnet. Die Briefe des Paulus werden den Missionsreisen zugeordnet.) Ihr Gebet sollte sein: "Herr, zeige mir, wer Du bist! - Und zeige mir, wer ich bin!". Wir wollen in jedem Studium des Wortes Gottes eine Offenbarung Gottes und eine Offenbarung des Menschen sehen. Lesen Sie die Bibel betend. Wir Menschen haben keine natürliche Fähigkeit, die Bibel zu verstehen. Wir sind ganz auf die Hilfe des Heiligen Geistes angewiesen (1.Kor 2,10-14). Lernen Sie möglichst viel von Gottes Wort auswendig. Dabei geht es nicht nur um den genauen Wortlaut, sondern auch um die vollständige Angabe der Textstelle (Ps 119,11). 2. Anmerkungen in der Bibel Anmerkungen sollen Hilfe und Wegweiser sein. Jeder muß seinen eigenen Weg, sein eigenes System finden. Folgende Ratschläge können mit einem Treppengeländer verglichen werden, das man, je nach Bedarf, benutzt.

a) Unterstreichen Durch die ganze Bibel ziehen sich zwei Linien: eine göttliche und eine teuflische Linie. Der Mensch folgt entweder der einen oder der anderen. Deshalb bieten sich

zwei Farben für diese zwei Linien an. Vor allem im persönlichen Bibelstudium werden wir diese Linien erarbeiten. Beispiele:

Im Bibelstudium geht es aber auch um Sachfragen. So studieren wir z.B.: Namen von Personen, Völkern, Orten usw.; Begriffe, Zahlen, wiederholt vorkommende Wörter, Themen usw. Hier bieten sich verschiedene Farben an, die in jedem Buch der Bibel unterschiedliche Bedeutung haben können. Beispiele:

b) Zeichen / Symbole Zwischen Versen, Begriffen, Namen, Wiederholungen, usw. können Verbindungslinien gezogen werden. Für Themen können Symbole an den Rand gemalt werden, z.B. um auf AT-Typen auf Christus hin oder auf die Dreieinigkeit hinzuweisen. Sehr bewährt hat sich dieses System beim Studium der AT-Prophetie (z.B.: Tausendjähriges Reich)

In den einzelnen Büchern wird der Schlüsselvers besonders markiert. Dies ist unter Umständen auch möglich für Studien über Personen, Geschichten oder sonstige biblische Abschnitte. In den Synoptikern hat sich das Hervorheben des Sondergutes bewährt (je nach Bibelausgabe!) Beispiele:

c) Parallelstellen Tragen Sie möglichst viele Parallelstellen ein. Schon vorhandene, die bedeutsam sind, sollten unterstrichen werden. Achten Sie darauf, Parallelstellen immer an beiden Orten einzutragen. Die Auslegung der Bibel durch die Bibel kann durch nichts Besseres ersetzt oder überboten werden.

d) Bemerkungen Rund um den gedruckten Bibeltext können Einteilungen Erklärungen Hinweise auf andere Abschnitte Hinweise auf gute Kommentare Hinweise auf andere Übersetzungen Zusammenfassungen von Kapiteln persönliche Bemerkungen (evtl. ein Datum)

notiert werden. Für die Predigtvorbereitung ist dies eine enorme Hilfestellung.

e) Zusätzliche Blätter Auf Bibeldünndruckpapier (oder auch Luftpostpapier), das sorgfältig geschnitten und eingeklebt wurde, können besondere Themenausarbeitungen Zeichnungen / Tabellen Auszüge aus Notizen und Literatur seelsorgerliche Hinweise zu besonderen Themen, Abschnitten zusätzliches Kartenmaterial direkt in der Bibel aufbewahrt werden. Dieser Abschnitt über Anmerkungen ließe sich noch beliebig ergänzen.

TIPS: Kugelschreibertinte frißt sich oft in das Papier Füllertinte löst sich bei Feuchtigkeit auf Filzstifte und Marker drücken durch Tuscheschreiber und spezielle Trocken-Marker haben sich bewährt Buntstifte sollten von guter Qualität sein und nur auf einer Unterlage verwandt werden.

3. Bibelstudium Die Bibel kann auf die unterschiedlichste Weise studiert werden. So kann man ein ganzes Buch im Überblick erfassen und versuchen, Gottes Plan darin zu entdecken; oder man beschäftigt sich mit einem einzelnen Vers, indem man ihn sorgfältig zergliedert und der Bedeutung der einzelnen Wörter nachgeht. Zwischen diesen beiden Ansätzen stehen die anderen: Betrachtung eines Abschnittes, eines Themas oder auch eines Lebensbildes. Es ist eine traurige Tatsache, daß heute das Studium eines Buches vernachlässigt wird. Wir vergessen dabei, daß wir gerade so ein tieferes geistliches Verständnis gewinnen können. Beschäftigen wir uns ausschließlich mit einzelnen Versen der Bibel, so geht uns die Übersicht und der Durchblick verloren. Einblick in den Plan Gottes, sowie rechtes Verständnis einzelner Stellen sind nur durch einen Gesamtüberblick möglich!

a) Studium eines Buches Ziel des Buchstudiums ist, einen Gesamtüberblick über das Buch geben zu können und einzelne Abschnitte des Buches in den roten Faden oder den Rahmen des Buches einordnen zu können. Hierzu ist es unbedingt notwendig, das gesamte Buch mehrmals aufmerksam durchzulesen! Methodisch können wir dann folgendermaßen vorgehen:

(1) allgemeine Informationen Unter diesem Punkt tragen wir viele Kleinigkeiten zusammen, die uns helfen sollen, das Buch in einen größeren geschichtlichen Zusammenhang zu stellen: Wer ist der Verfasser des Buches? Wen hat er angeschrieben? Was wissen wir von ihm? Warum schrieb er das Buch? Wann und unter welchen Umständen schrieb er? (wie sah die geistliche Situation seiner Zeit aus?) (2) Inhalt Wir versuchen nun, den Inhalt des Buches zu erfassen. Es hat sich als hilfreich erwiesen, zu den einzelnen Abschnitten und Kapiteln Überschriften zu formulieren, die deren Inhalt zusammenfassen. Schreiben wir sie untereinander, bekommen wir einen Eindruck von dem Gesamtinhalt des Buches, von seinem Thema. Oftmals ist es auch eine Hilfe, wiederholten Wörtern oder Ausdrücken, die immer wieder im Buch erscheinen, nachzugehen. So kann sich ein (Buch-)Thema auch als roter Faden durch unterschiedliche Abschnitte hindurchziehen.

(3) Botschaft Haben wir uns den Inhalt eines Buches erarbeitet und

wissen um die allgemeinen Informationen zum Buch, Verfasser und Empfänger, so interessiert uns nun die Botschaft des Buches. In den meisten Büchern läßt sich die zentrale Botschaft in einem Vers ausdrücken. Wir nennen diesen Vers dann Schlüsselvers. Ähnlich einem Schlüssel, öffnet er uns den Zugang zu der Botschaft eines Buches und faßt sie in kurzer Form zusammen. Die Botschaft eines Buches sollte immer so formuliert werden, wie sie in die damalige Zeit hineingegeben wurde und daß uns deutlich wird, was sie mit unserem persönlichen Leben, unserer nächsten Umgebung, unserem Dienst oder auch unserer Zeit, in der wir leben, zu tun hat. Es geht uns also um die konkrete Anwendung auf unser Leben.

b) Studium eines Kapitels oder eines Abschnittes siehe die "Homiletik" - Notizen!

c) Studium eines Verses oder eines Begriffes siehe die "Homiletik" - Notizen!

d) Studium eines Lebensbildes Die Bibel bietet uns eine Fülle von Lebensbildern.

Einige Personen sind ausführlich beschrieben, so z.B. Abraham, David oder Petrus. Andere werden hingegen nur kurz geschildert, wie Lot, Jonathan oder Andreas. Auch bei den Lebensbildern gilt, daß wir es mit dem inspirierten Wort Gottes zu tun haben. Hier liegen nicht mehr oder weniger subjektiv gefärbte Biographien vor, sondern Gottes ewiges, zuverlässiges Wort. Die Beschreibungen der einzelnen Personen zeigen uns ein wahres Bild von dem Betreffenden. Sie beschönigen nichts und nennen auch die Fehler und Versagen eines Glaubenshelden beim Namen. Darüberhinaus bekommen wir von Gottes Seite auch Auskunft über das Verhältnis dieser Menschen zu Gott. Wir können also Personen auf der sichtbaren Ebene (das Leben vor und mit anderen Menschen) und auf der unsichtbaren (das Leben vor und mit Gott) betrachten. Methodisch können wir folgendermaßen vorgehen:

(1) Materialsichtung Hier ist zunächst einmal wichtig, alle Bibelstellen, die von einer Person sprechen, aufzusuchen und zu lesen (wie schon beim Buchstudium sollten auch diesmal die Texte mehrmals gelesen werden!). Von großer Hilfe können das Parallelstellenregister oder eine Konkordanz sein, da manche Personen des AT auch im NT erwähnt sind. Bei einigen Namen ist es wichtig, verschiedene

Personen gleichen Namens zu unterscheiden (z.B.: Herodes, Jakobus). Als Hilfe kann uns ein Bibellexikon dienen.

(2) Materialsammlung Wichtige Stellen sollten nun in Form von Stich- oder Kurzsätzen notiert werden. Wir erhalten auf diese Weise eine vollständige Sammlung zentraler Verse zu einer Person. Notieren Sie immer die Fundstellen am Rand, so daß Sie den biblischen Beleg sofort finden können.

(3) Materialordnung Die notierten Stellen werden nun geordnet. Wir können so Veränderungen im Aufenthaltsort, Charakter einer Person oder auch die Chronologie der Ereignisse darstellen. Wir bleiben jedoch nicht bei einer Betrachtung der sichtbaren Ebene stehen, sondern fragen uns nach den Abläufen auf der unsichtbaren Ebene. Was ist das Ziel Gottes mit dieser Person? Welche Schritte geht Er mit ihr, um Sein Ziel zu erreichen. Hier geht es um die Frage nach der Pädagogik in der Schule Gottes. Dieses Ziel ist gleichzeitig der Schlüssel zum Verständnis des Lebensbildes. Joseph 1.Mose 50,20 Paulus Apg 9,15; 26,16-18 Jesus Christus Mk 10,45; Lk 19,10

Achten Sie dabei auf die positiven Charaktereigenschaften, Umwelteinflüsse und Gelegenheiten, die es der Person leichter machten, Gottes Plan und Ziel mit seinem Leben zu erreichen. Berücksichtigen Sie aber auch die negative Seite, die Hindernisse, die ihm Satan durch andere oder durch sein eigenes Wesen in den Weg legte. Bleibt noch zu erwähnen, daß viele Lebensbilder in der Bibel schattenhaft auf Christus hinweisen. Beispiele:

TIP: Verwenden Sie beim Ordnen der Materialsammlung für die einzelnen Unterpunkte verschiedene Farben. Wenn Sie die zu einem Unterpunkt gehörenden Stellen mit dieser Farbe unterstreichen, sparen Sie viel Zeit und müssen die Materialsammlung nicht nochmals abschreiben! (4) Anwendung Nun erstellen wir die Anwendung für uns und erst dann auch für unsere Zuhörer. Erst nachdem wir die zentrale Botschaft des Lebensbildes gefunden haben, kommt die eigentliche Ausarbeitung der Anwendung. Wir bauen auf und um diese Botschaft unsere Ausarbeitung.

4. Stille Zeit In unserem natürlichen Leben gibt es tägliche Gewohnheiten. Von ihnen hängt auch weitgehend unser äußeres Wohlbefinden ab. So wirken wir auf unsere Umwelt gepflegt oder verwahrlost. Genauso kennt auch unser geistliches Leben tägliche Gewohnheiten. Es gibt auch hier "Verpflegung", "Arbeit" und "Hygiene", allerdings des inneren Menschen! Die Bibel greift sogar dieses Beispiel auf, um zu veranschaulichen, wie unser geistliches Leben Wachstum erfahren kann. Mt 4,4 "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Mund Gottes geht." Eine "geistliche Hauptmahlzeit" ist unsere "Stille Zeit". Sie ist das Rückgrat unseres geistlichen Lebens. Hier ist die Erklärung für ein kraftvolles, gesegnetes oder für ein schwaches, gelähmtes christliches Leben zu finden. Was bedeutet Ihnen die Stille Zeit? Lust oder Last? Not oder Freude? In 2.Mose 16 finden wir ein wunderbares Bild für die tägliche Stille Zeit. Diese Speisung Israels mit Manna ist ein Vorbild auf unsere geistliche Speise, wie Joh 6,48-51 und 1.Kor 10,3 deutlich machen: Brot vom Himmel (V. 4) täglich sammeln (V. 4) Brot die Fülle (V. 8) satt werden (V. 12)

soviel jeder braucht (V. 16) nicht für morgen (V. 20) alle Morgen früh (V. 21) a) Bedeutung Was heißt "Stille Zeit"? Nun, die Erklärung ist ganz einfach: eine Zeit der Stille! "Zeit haben" ist ein schwieriges Problem. Wir müssen uns für die Stille Zeit "Zeit nehmen"! Noch größer wird unser Problem, wenn wir versuchen, in unserer hektischen Zeit still zu werden. Wir brauchen Stille, wenn wir hören wollen und sollen, was Gott uns zu sagen hat. Hab 2,20 "Aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm stille alle Welt!" Der Vers aus Mk 4,39 kann uns im Kampf um die innere Stille Hilfe geben!

b) Zeitpunkt Wann machen wir Stille Zeit? Unsere Lebensgewohnheiten und festgefügten Tagesabläufe verführen uns oft dazu, der Stillen Zeit nur Randzeiten einzuräumen. Auch hier kann uns 2.Mose 16,6-7 Wegweisung geben. Der Morgen dient der Anbetung, der Begegnung mit der Herrlichkeit des Herrn. Am Morgen "sammeln" wir (2.Mose 16,21), wenn der Tag noch jung ist und die Arbeit noch vor uns liegt.

Jes 50,4-5 "Alle Morgen weckt er mir das Ohr, daß ich höre, wie Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück." Am Abend werden wir ermutigt, auf die Führungen Gottes zurückzublicken und Ihm zu danken. Wenn Gottes Wort (d.h. Sein Wille) uns nur am Abend begegnet, schauen wir auf einen schon gelebten Tag zurück, an dem wir nichts mehr ändern können. Am Morgen hingegen liegt der Tag noch vor uns, und wir können aus Gottes Wort Wegweisung für den Tag empfangen.

c) Ort Machen wir unsere Stille Zeit im Bett, dann kann es zuzeiten ganz "stille" werden! Wir sollten an einen Ort gehen (2.Mose 16,4), an dem wir vor Gott stille sein können. Unser Herr Jesus ging in die Wüste (Lk 5,16), auf einen Berg (Mt 14,23) oder in einen Garten (Joh 18,1). Mt 6,6 "Wenn Du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließe die Tür zu und bete zu Deinem Vater,..." Gut ist es, wenn unsere Umgebung (Familie, Kinder, ...) weiß, daß wir gerade Audienz beim König aller Könige haben und deshalb nicht gestört werden dürfen.

d) Zeitdauer

Wie lange ich Stille Zeit mache, wird in erster Linie von meiner Liebe zum Herrn bestimmt. Er bietet uns die "Fülle" an (2.Mose 16,8). Wir dürfen essen, bis wir satt" sind (2.Mose 16,12). Prinzipiell darf gelten: 2.Mose 16,4 "..., und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf, ..." e) äußere Haltung Welche äußere Haltung nehmen wir für die Stille Zeit ein? Wir wollen kein Gesetz aufstellen, aber weisen zeugnishaft auf folgende Stellen hin: Lk 22,41 Dan 6,11 Apg 9,40 Eph 3,14 Phil 2,10 der Herr Jesus kniete Daniel kniete Petrus kniete Paulus kniete alle Knie werden sich beugen

f) innere Haltung 1.Mose 32,27 "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!" 1.Sam 16,7 "..., der Herr aber sieht das Herz an." Joh 4, 24 "..., und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." 1.Petr 5,5"...;denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade." Wenn ich Radio hören möchte, so muß ich auf "Empfang" gehen (oftmals ist dann ein schärferes "Nachstellen" notwendig!). Auch beim "geistlichen Hören" muß die "Antenne" ausgefahren werden (1.Kor

2,10 und 1.Joh 5,20). Der Psalmist sagt dazu: Ps 119,18 "Öffne mir die Augen, daß ich sehe die Wunder an deinem Gesetz." Die Bibel lesen wir: als Gottes Wort => wir beugen uns unter ihre Aussagen. 1.Thess 2,13 betend => wir gehen im Gebet auf das Gelesene ein und sagen "Ja" zum Wort - zu Gott! Ps 119,18 glaubend => Gottes Wort wird in mir lebendig, es wirkt an mir. Joh 5,24 gehorsamsbereit => Gottes Wille geschieht in meinem Leben. Jak 1,22 Das Ziel und der Hauptzweck unserer Stillen Zeit ist, Gottes Willen in meinem Leben Gestalt annehmen zu lassen.

g) Text Was lesen wir in der Stillen Zeit? In erster Linie natürlich die Bibel. Hilfreich ist dann oftmals noch eine gute, also nicht verwässerte Erklärung. Wir achten darauf, das Wort Gottes und nicht nur etwas über das Wort Gottes zu lesen! Joh 5,24 "Wer mein Wort hört..." Es ist ratsam, die Bibel nach einem bestimmten Plan, entweder einem selbsterstellten oder einem vorgegebenen, zu lesen. Auf diese Weise kommen wir durch die ganze Bibel und sind nicht so sehr versucht nur eine "Auswahl-Lese" vorzunehmen.

h) Gebet Unsere Stille Zeit kann mit einem Telefongespräch verglichen werden. Im Wort redet der Herr zu uns, und im Gebet dürfen wir mit Ihm reden! Dies geschieht abwechslungsweise. Wir lesen betend, d.h. fragend und antwortend. Dieses Zwiegespräch ist unsere eigentliche Stille Zeit. Erst dann folgt die Gebetszeit. Unser Gebet ist gegründet auf dem Fundament des Wortes, das wir gerade gelesen haben. Anbetung des Herrn und ein "Sich-unter-das-Wort-stellen" leiten eine Fürbitte für uns und andere ein, auf der die Verheißung der Erhörung ruht.

i) Auswirkung Was geschieht nun mit dem Segen, der uns in der Stillen Zeit geschenkt worden ist? Nun, zuerst wollen wir das Gelesene ausleben, es dann aber auch anderen weitersagen. Mt 10,8 "Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch." j) Hilfen Lesepläne erziehen durch ihr tägliches Hinweisen zu einem regelmäßigen Bibellesen. Zusätzlich verhelfen

manche zu einem besseren Verständnis des gelesenen Textes. Bibellesehilfen gibt es für alle Altersstufen. Den unterschiedlichen Altersstufen angepaßt sind z. B. die Bibellesepläne des Bibellese- bundes (Postfach 1129, 51709 Marienheide). Sie bieten zu den angegebenen Texten Anregungen und Verständnishilfen. Einem anderen Konzept folgen die "Tagebücher zur Stillen Zeit", die von Wort des Lebens (Postfach 60, 82328 Berg) vertrieben werden. Hilfreich besonders für Jugendliche, wollen sie selbständiges Nachdenken über den Text fördern. Wir können diesen Abschnitt über die Stille Zeit auch so zusammenfassen: Wollen wir ein fruchtbares Christenleben führen, so brauchen wir täglich eine Zeit, in der Gott zu uns spricht (Gottes Wort)! eine Zeit, in der wir zu Gott sprechen (Gebet)! eine Zeit, in der wir mit anderen von Gott sprechen (Zeugnis)! 5. Auswendiglernen von Bibelversen Unter dieser Überschrift finden wir wohl das größte Versäumnis der Kinder Gottes. Werden wir auf das Vernachlässigen des Auswendiglernens angesprochen, haben wir eine ganze Reihe von Entschuldigungen vorzubringen: schlechtes Gedächtnis keine Zeit

etwas für Sonntagsschul-Kinder Unwissenheit über das "Wie" a) Motivation Ein Hauptgrund für mangelndes Interesse am Auswendiglernen von Bibelversen ist mangelnde Einsicht in die Notwendigkeit dieser Praxis. - Gott hat es befohlen! 5.Mose 6,6-7 "Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen ..." Spr 7,1+3"Mein Sohn, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir. ... Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens." - Gott segnet das auswendig gelernte Wort! Offb 1,3 "Selig ist, der das liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe." - Gott segnet unser Gebetsleben! Joh 15,7 "Wenn ihr in mir bleibt, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren."

- Gott segnet unser Zeugnis! Bei einem wirkungsvollen Zeugnis müssen wir die Bibel gebrauchen. Gott hat verheißen, Sein und nicht unser Wort zu segnen. Dies ist in den meisten Fällen jedoch nur möglich, wenn wir die Verse auswendig zur Verfügung haben. Jes 55,11"... so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende." - Gott segnet uns im Kampf gegen die Sünde! Ps 119,11 "Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündige." - Gottes Wort begleitet uns den ganzen Tag! Ps 1,2 "... sondern hat Lust am Gesetz des Herrn, und sinnt über seinem Gesetz nach, Tag und Nacht!" Ps 40,9 "Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen." - Gottes Sohn ist unser Vorbild! Obwohl Er selbst "das Wort" ist, sagt Er doch: Mt 4,44+7+10 "Es steht geschrieben:..." Unser Herz gleicht einer Quelle. "Was drin ist, kommt

raus" (Mk 7,20-23). Mt 12,35 "Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens;..." Darum muß unser Herz ge- und erfüllt sein mit dem Wort Gottes.

b) Methodik Das Geheimnis des Auswendiglernens liegt in der Wiederholung! Dabei sollten die Bibelverse nach Möglichkeit aus der eigenen Bibel auswendig gelernt werden. Später wird man den Vers viel leichter wiederfinden; außerdem läßt sich so auch die Stelle leichter lernen. Schließlich kommt hinzu, daß man den Vers mehr im Textzusammenhang sieht. Zum Wiederholen eignen sich kleine Kärtchen. Sie können stets mitgenommen werden, um auch Wartezeiten sinnvoll auszunutzen. Das Lernen wird manchmal erleichtert, wenn wir dabei gehen. - Folgendes Schema kann für ein effektives Auswendiglernen hilfreich sein: Vers betend lesen! was steht da? - lesen! was bedeutet er? - lesen! in welchem Kontext steht der Vers? - lesen! was bedeutet er für mich? - lesen! auswendig probieren - lesen! auswendig aufsagen! wozu habe ich den Vers gelernt? - aufsagen! was sagt Gott durch diesen Vers zu mir? - aufsagen!

6. Weitere Hilfen a) Bibelkassetten Obwohl in der Anschaffung nicht ganz billig, eignen sich Bibeltexte auf Kassetten hervorragend für Autofahrten stereotype Arbeiten im Haushalt oder ähnliches Krankenbett Sehbehinderte Analphabeten b) Bibelkurse Es gibt für eine ganze Anzahl Bücher und Themen der Bibel schriftliche Bibelkurse. Auch Fernbibelschulen sind geeignete Hilfen, im autodidaktischen, also selbständigen Bibelstudium voranzukommen.

c) Gemeindebibelschulen Viele Gemeinden haben gute wöchentliche Bibelstudien. Gründliche Vorbereitung und engagierte Teilnahme können für das persönliche Studium eine wertvolle Hilfe sein.

d) Bücher

Jeder Gläubige sollte eine kleine Bibliothek guter Kommentare und Auslegungen der biblischen Bücher besitzen. Bitte sie nicht nur im Regal verstauben lassen! Achtung: Die Qualität des geistlichen Lebens hängt von der Lektüre des Wortes Gottes ab, sie kann nicht in "rm" (=Regalmeter) gemessen werden. IV. Kapitel: Geschichte der Bibel

1. Der Kanon der Bibel Kanon (griechisch) heißt wörtlich: Stab, Maßstab; im übertragenen Sinne: Regel, Richtschnur. Im 4. Jahrhundert begann man, mit "Kanon" die Liste der biblischen Bücher zu bezeichnen. Wenn wir heute von dem Kanon der Bibel reden, so meinen wir zunächst, daß die in unserer Bibel enthaltenen Bücher gemessen wurden, also geprüft und als autoritativ und kanonisch anerkannt sind. Zweitens anerkennen wir mit dem Begriff "Kanon", daß eben diese Bücher Autorität haben, unser Leben und Verhalten zu messen. Sie sind die maßgebliche Richtschnur für Leben und Glauben.

a) Kriterien Sprachen wir eben von der Prüfung biblischer Bücher, so wollen wir uns die Kriterien dieser Prüfung vor Augen führen:

- Göttliche Autorität Niemals hat die Kanonisierung eines Buches ihm Autorität verliehen. Nur die göttliche Inspiration und der damit verbundene Anspruch Gottes, authentisches Wort zu sein, macht ein Buch autoritativ. - Prophetische bzw. apostolische Herkunft Die Bücher mußten von Propheten oder Aposteln geschrieben sein, bzw. aus deren Umfeld stammen. Hierbei spielt z.B. auch die göttliche Berufung eine wichtige Rolle (Hes 2,3-7; 3,1-4; Röm 1,1+5). - Historische und dogmatische Zuverlässigkeit Ein Buch, das später geschrieben wurde, muß mit den älteren Schriften inhaltlich vereinbar sein. Dieser Punkt wendet sich nicht gegen die fortlaufende Offenbarung (z.B.: Eph 3,3-6), wie sie uns der Herr gab, sondern gegen Bücher, die etwas den übrigen Büchern völlig Fremdes lehren. - Bestätigendes Zeugnis des Heiligen Geistes Der Heilige Geist mußte in der Folgezeit ein Buch legitimieren. Zum einen wurde dies deutlich in der erbaulichen, lebensverändernden Wirkung der Bücher (2.Tim 3,16; Hebr 4,12). Zum anderen brachte der Heilige Geist eine allgemeine Auf- und Annahme der Bücher bei Juden-, bzw. Christengemeinden hervor. Die Prüfung lag also darin festzustellen, ob das betreffende Buch allgemein akzeptiert wurde. Der Kanon der Bibel ist nicht eine Sammlung

hebräischer und griechischer Schriften, denen "Heiligkeit" und damit "Autorität" verliehen wurde, sondern eine Sammlung von Schriften, die bereits als heilige Schriften bekannt waren. Die Kanonisierung gibt nicht einem Buch Autorität, sondern stellt nur seine schon vorhandene Autorität fest!

b) Kanon des AT

(1) Kanon Der geschichtliche Prozeß der Kanonisierung des AT läßt sich heute nicht mehr genau nachvollziehen. Fest steht, daß schon sehr früh der Pentateuch (Thora) als autoritatives Wort Gottes bekannt war (Jos 1,7-8; 1.Kön 2,3). In den Büchern der Propheten finden wir immer wieder den Anspruch bezeugt, von Gott eingegebenes Wort zu sein, und als solches wurden sie dann auch anerkannt (vgl. Dan 9,2 mit Jer 25,11-12). Die Überlieferung berichtet, daß Nehemia eine Bibliothek anlegte und die heiligen Schriften sammelte (2.Makk 2,13). Auf jeden Fall fällt die Sammlung der Schriften in das 4. Jahrhundert v.Chr., denn bereits die Septuaginta (griechische Übersetzung des AT, entstanden im 3. Jahrhundert v.Chr.) enthält alle Bücher unseres AT. Unser Herr Jesus kannte und anerkannte diesen Kanon: Lk 11,51 "von Abels Blut an bis hin zum Blut des

Secharja, der umkam zwischen Altar und Tempel." Der Mord an Abel wird in 1.Mose 4 berichtet, der an Secharja in 2.Chr 24. Und wie wir gesehen haben, ist 2.Chr das letzte Buch in der hebräischen Anordnung des AT. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus (37 - 100 n.Chr.) berichtet: "Man kann die Schriften nicht zum Gegenstand der Diskussion machen, denn man billigt unter uns nur, was die Propheten vor vielen Jahrhunderten geschrieben haben, die gelehrt wurden durch die Inspiration Gottes." (contra Apion 1,8) In seiner Liste des hebräischen Kanons um 90 n.Chr. erwähnt er die Apokryphen nicht.

(2) Apokryphen Außer den 39 Büchern (nach unserer Zählung) existierten noch weitere Bücher, die aus einer Zeit stammen, in der der Kanon des AT schon gebildet war. Wir kennen sie als Apokryphen, ein Begriff, den Hieronymus diesen Büchern gab. Mit Apokryphen bezeichnete man zu jener Zeit die Geheimschriften von Sektierern (das griechische Wort bedeutet soviel wie "die Verborgenen"). Diese Bücher fanden Eingang in die griechische Übersetzung des AT. Dennoch unterscheiden sie sich stark von den anderen kanonischen Büchern. Die Apokryphen wurden nie in den hebräischen Kanon

aufgenommen. (Deshalb finden sie sich auch nicht in der ursprünglichen Septuaginta.) Wir finden sie bis heute nicht in den hebräischen Bibeln. Nicht nur die Juden lehnten sie ab - auch unser Herr erkannte sie nicht als zum Kanon gehörig an (Mt 23,35; Lk 11, 51). An keiner Stelle der Apokryphen finden wir Aussagen wie "so spricht der Herr", "der Herr sprach" oder ähnliches. Diese Bücher wurden größtenteils in griechischer Sprache verfaßt. Sie unterscheiden sich in geradezu grotesker Weise von den kanonischen Büchern durch ihre Lehre, ihre Art und ihren Inhalt. Außer von Augustin, der sie dem AT zuordnete, aber sie als nicht ganz so autoritativ ansah, wurden sie von den Kirchenvätern verworfen. So waren sie auch nicht von Hieronymus für die Vulgata (lateinische Übersetzung der Bibel) übersetzt worden, also in der ursprünglichen Vulgata nicht enthalten. Als Martin Luther die Bibel in die deutsche Sprache übersetzte, hielt er sich strikt an den hebräischen Kanon. Deshalb setzte er die Apokryphen zwischen AT und NT und bemerkte: "Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleichgehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind." In einigen Ausgaben der Lutherbibel sind sie heute enthalten. Die katholische Kirche hingegen nahm eine andere Stellung ein. Aus den Apokryphen leitete sie z.T. ihre Sakramentslehre und andere Lehren ab (gemeint sind Irrlehren wie die vom Fegefeuer, von der Gerechtigkeit durch gute Werke und von Messen). Wir finden in den Apokryphen: Erlösung ist ohne Jesus und göttliche Vergebung

möglich (Weisheit 10,2) der Zweck heiligt die Mittel (Judit 12,10 - 13,10) abergläubische Praktiken sind erlaubt (Tobias 6,7-8) durch gute Werke wird man errettet (Tobias 12,9) Geld aus Sühnopfer auch für Tote (2.Makk 12,43+45) Gebet für die Verstorbenen ist gut und heilsam (2.Makk 12,44) Vergleicht man diese Lehren mit ihrer Wichtigkeit für den Bestand und das Wesen der Römisch Katholischen Kirche, so läßt sich leicht erkennen, daß die Apokryphen nicht aufgegeben werden konnten. Im Konzil zu Trient (1546) wurden die Apokryphen als kanonisch erklärt. Noch heute sind sie völlig unauffällig zwischen die echten Bücher des AT gereiht. Jeder Priester muß schwören, an die göttliche Inspiration dieses katholischen Kanons zu glauben. Abschließend zur Betrachtung der Bücher des AT wollen wir nochmals festhalten: Unser Herr Jesus kannte und benutzte den gleichen Kanon wie wir (vgl. Lk 24,27+44). Wir haben deshalb die gleiche Haltung den Schriften Israels gegenüber wie Er. Wir finden bei Ihm keine Spur von Diskussion über irgendein Buch. Er anerkannte und las das Buch, das die Synagoge besaß und auch las; also las Er nie aus den Apokryphen! Er hat sie nicht anerkannt - wir erkennen sie auch nicht an. In der wieder neu entflammten Diskussion über die Apokryphen, in ihrem immer häufigeren Erscheinen in Bibelausgaben, Verszitaten in christlichen Zeitschriften oder Kommentaren erkennen wir den Versuch, das Wort Gottes zu verfälschen und aufzuheben. Auch in unserer Zeit der Ökumene sagen wir ein klares und eindeutiges "NEIN" zu den Apokryphen!

c) Kanon des NT

(1) Kanon Das Werden des NT-Kanons ist wesentlich komplizierter als die Sammlung der AT-Bücher. Wieder wird den einzelnen Schriften keine Autorität verliehen, sondern nur ihre Autorität anerkannt. Doch finden sich diesmal die Schriften nicht nur an einem Ort (wie beim AT im Tempel). Sie sind weltweit in einzelnen Gemeinden verstreut. In den ersten Jahrhunderten dürfte wohl kaum eine Gemeinde im Besitz aller NT-Bücher gewesen sein. Jede Gemeinde akzeptierte oder verwarf Bücher, entsprechend ihres Gutachterausschusses. Über die meisten NT-Bücher schien weltweit bald Übereinstimmung zu herrschen. Über die folgenden 7 Bücher wurde länger diskutiert: Hebräer kein genannter Autor Jakobus Inhalt angeblich in Widerspruch zu Paulusbriefen 2. Petrus stilistischer Unterschied zum 1. Brief 2. Johannes 3. Johannes kurze Briefe, die nur den Gemeinden im Westen bekannt waren Judas Offenbarung stilistischer Unterschied zu den anderen Joh.-Büchern, war nur im Westen bekannt. Die zeitweise unterschiedliche Beurteilung dieser Bücher macht die eigenständige Entscheidung der

Gemeinden deutlich. Keine feste Großkirche, auch kein einzelner Bischof traf eine einsame Entscheidung, die sich allzuleicht als Fehlentscheidung hätte herausstellen können. Der Heilige Geist wirkte durch die Gemeinden, so daß wir den Kanon, wie er auf den Konzilen von Hippo 393 und Karthago 397 angenommen wurde, mit fester Gewißheit als göttliche Autorität betrachten.

(2) Apokryphen In den ersten Jahrhunderten entstanden auch Schriften, die neben den als apostolisch bekannten Büchern gelesen wurden. Diese Apokryphen des NT wurden nie in den Kanon aufgenommen. Es handelt sich um sektiererische Um- und Nachbildungen kanonischer Schriften oder um kirchliche Legenden über das Leben des Herrn Jesu und der Apostel. Man unterscheidet demnach apokryphe Evangelien, Apostelgeschichten und Apokalypsen (griech.: "Enthüllung", Bezeichung für Text über die ferne Zukunft, besonders für die Offenbarung des Johannes). Diese Schriften bzw. Schriftteile sind sehr zahlreich. Zu den bekannteren gehören: Evangelium des Jakobus, des Petrus, des Philippus und des Thomas; Evangelium über die Kindheit Jesu, über Maria und Joseph; Apostelgeschichte des Philippus, des Andreas, des Thomas; außerdem Apokalypsen des Petrus, des Paulus und des Thomas.

d) Vollständigkeit des Kanons Die Bibel, bestehend aus AT und NT, ist eine abgeschlossene Offenbarung Gottes. Für die Gemeinde Gottes auf Erden gibt es bis zur Wiederkunft des Herrn keine weitere Offenbarung. Der Kanon, wie er uns vorliegt, ist vollständig und korrekt. Folgende Argumente sollen dies unterstreichen: Die Vollkommenheit Gottes kann Seine Gemeinde auf Erden nicht über Jahrhunderte im Unklaren lassen, ihr Offenbarung "vorenthalten" und diese erst jetzt noch zugänglich machen. Das Wesen der Heiligen Schrift läßt weitere Offenbarung nicht zu. Alle wichtigen Themen sind im AT (prophetisch) angesprochen - und im NT erfüllt. Es gibt keine "offenen Stellen" im AT und im NT, die weiterer Offenbarung bedürften. Das innere Zeugnis des Heiligen Geistes läßt eine weitere, über die Schrift hinausgehende Offenbarung nicht zu. Heute kann kein neues apostolisches Zeugnis von unserem Herrn Jesus, wie Er auf Erden lebte, abgelegt werde 2. Die Überlieferung der Bibel Wir haben bisher betrachtet, wie die einzelnen Schriften zu unserer Bibel zusammengefügt wurden. Nun wenden wir uns der Frage zu, wie denn diese Schriften, die es ursprünglich in nur jeweils einem Orginal gab, über die Jahrhunderte hinweg in unsere Generation gekommen

sind.

a) Überlieferung des AT

(1) Schreibmaterial Aus alttestamentlicher Zeit wissen wir von verschiedenen Schreibmaterialien: Sollten Texte besonders lange erhalten werden, so meißelte man sie in Stein. 2.Mose 32,15 "... die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand, die waren beschrieben auf beiden Seiten. Und Gott hatte sie selbst gemacht und selbst die Schrift eingegraben." Mußten diese Texte nicht transportiert werden, so meißelte man sie in Fels. So wünscht sich Hiob, daß seine Reden zum ewigen Gedächtnis in Fels gehauen würden (Hiob 19,24). Kleinere Texte (Sprüche, kleine Briefe, u.ä.) wurden mit Tinte auf weißgetünchte Steine (5.Mose 27,2) oder auch gebrannte Tontafeln (sogenannte Ostraka) geschrieben. Natürlich waren diese Materialien für die Bücher unseres AT nicht geeignet. Hierzu war Material notwendig, auf das wesentlich längere Texte geschrieben werden konnten. So finden wir im AT häufiger den Ausdruck "Buch" oder "Rolle". An diesen Stellen ist von Papyrusrollen die Rede.

Papyrus wurde schon im 3. Jahrtausend v.Chr. in Ägypten hergestellt, gebraucht und exportiert. Man nahm die Stengel der Papyrusstaude (bis zu 6 m lang!), die man in Stücke zerlegte und mit scharfen Werkzeugen in Längsrichtung zu Streifen schnitt. Diese Streifen wurden nun nebeneinander gelegt, und dann eine zweite Schicht quer darüber. Unter Zusatz von Wasser wurden diese Bögen dann gepreßt und geglättet. Schließlich brauchte man nur noch die Ränder sauber abzuschneiden. Nun wurden die einzelnen Teile zusammengeklebt, so daß ein Stück in gewünschter Länge entstand. Dies konnte dann (meist auf der Seite mit den waagerechten Streifen) beschriftet und zur Rolle aufgedreht werden. Zu leicht lassen wir uns von Exponaten in Museen täuschen: Papyrus war nicht zerbrechlich, sondern geschmeidig; auch hatte er nicht diese braune bis dunkelbraune Farbe, die er durch die jahrhundertelange Lagerung im Sand erhielt. Wir müssen uns die ursprünglichen Papyrusbogen oder -rollen in hellgrauer bis hellgelber Farbe vorstellen. Schließlich begann man wichtige Schriften und Urkunden auf Leder zu schreiben. Lederrollen waren noch haltbarer als Papyrusrollen - und das auch trotz häufiger Benutzung. Hergestellt aus dem Leder einzelner Tiere wurden sie, wie die Papyrusrollen, aus Einzelstücken zusammengenäht. Bis heute wird das Gesetz, das in der Liturgie verlesen wird, auf Lederrollen geschrieben. Von der Stadt Pergamon in Kleinasien erhielt das Pergament seinen Namen. Abgehäutete Tierfelle (meist Schaf- oder Ziegenfelle) wurden gebeizt, geschnitten und mit Kreide und Bimsstein vorbereitet. Pergament

war bedeutend haltbarer als die bisherigen Schreibmaterialien, bot eine glatte, helle Oberfläche, die sich gut zum Beschriften mit Tinte eignete. Ein Vorteil des Pergaments bestand auch darin, daß bereits einmal beschriebene Bögen "abgekratzt" werden konnten, also mit einem Schaber die alte Tinte entfernt werden konnte. Dies war auch aufgrund des Preises ein gern genutzter Vorteil (für 4 Seiten Manuskript benötigte man 1 Tier!). Ein solcher Bogen, dessen ursprünglicher Text abgeschabt und durch einen anderen ersetzt wurde, nennt man ein Palimpsest. Da der ursprüngliche Text mit Hilfe der Infrarotphotographie wieder sichtbar gemacht werden kann, fanden die Forscher viele alte Bibeltexte unter Urkunden und Texten des Mittelalters. Pergament ersetzte also nach und nach den Papyrus, der nach dem 4. Jahrhundert n.Chr. seine Bedeutung verlor. Vergegenwärtigt man sich, daß die in Qumran gefundene alte Jesajarolle (Material: Leder) eine Länge von 7,24 m hat, und bedenkt man, daß sie beim Lesen von Hand gehalten werden mußte, so läßt sich leicht vorstellen, warum der Pentateuch in 5 Bücher (Rollen) unterteilt wurde!! Auf Ostraka, Papyrus und Leder wurde mit Tinte geschrieben (Jer 36,18). Sie wurde anfangs aus Ruß (von Olivenöl) und Harz bzw. Öl hergestellt.

(2) Schrift Wir erkennen heute die hebräischen Texte an der Quadratschrift. Es war die Schrift, die auch unser Herr

Jesus kannte (Mt 5,18 spricht vom Jota als kleinsten Buchstaben, dies ist nur in der Quadratschrift richtig!). Eigentlich handelt es sich hierbei um die aramäische Schrift, mit der die hebräische Sprache geschrieben wurde. Dieses aramäische Alphabet verdrängte in der nachexilischen Zeit die alt-hebräische Schrift, die zwar noch Jahrhunderte bekannt blieb, aber immer unbedeutender wurde. Gleichgültig mit welchen Buchstaben sich das Hebräische im Laufe seiner Geschichte schrieb, die Kunst des Lesens und Schreibens war im Volk Israel weit verbreitet.

(3) Weitergabe Die Orginale unserer AT-Bücher wurden immer wieder abgeschrieben und weitergegeben. Besonders in der Zeit nach der Gefangenschaft bildete sich eine Gruppe Männer heraus, die sich ganz dem Studium und der Weitergabe der heiligen Schriften verschrieben hatte. Diese Männer begegnen uns im NT als Schriftgelehrte und Lehrer (Rabbi). Der Text des AT wurde sehr sorgfältig weitergegeben, war er doch für die frommen Juden heilig. Problematisch wurde es, als Hebräisch nicht mehr gesprochen wurde, und die Juden in alle Welt zerstreut waren. Der Konsonantentext mußte vom Leser ständig um die Vokale ergänzt werden. War dieser Leser aber nicht im Hebräischen zuhause, schlichen sich leicht Fehler ein. Da der Konsonantentext nicht geändert werden durfte, wurden nach syrischem Vorbild unter

und teilweise auch über die Konsonanten Punkte gesetzt, die verschiedene Vokale darstellten. Diesen Vorgang nennt man "punktieren". Der punktierte Text war völlig identisch mit dem Konsonantentext, es hatte sich kein Buchstabe verschoben, es waren nur unter (bzw. über) den Buchstaben Vokale hinzugefügt worden. So konnte die Aussprache einzelner Wörter für die folgenden Generationen "konserviert" werden. Die Gelehrten, die nach dem 5. Jahrhundert n.Chr. mit dieser Überlieferung beschäftigt waren, werden Masoreten genannt. Sie erhielten diesen Namen, weil sie rings um den Text einer Seite, also an allen 4 Rändern und am Schluß eines Buches Bemerkungen zum Text machten. Diese Bemerkungen heißen Masora. In der Masora wurden allerlei Bemerkungen zum Text gemacht, z.B. vor Stellen, die leicht zu Abschreibfehlern führten, gewarnt, oder auch eine Art kleine Konkordanz angeführt (so ist in 1.Mose 1,1 angegeben, daß "im Anfang" 5x im AT vorkommt, davon 3x am Versanfang). Uns kommen viele dieser Bemerkungen wie Spielereien vor, doch zeugen sie oftmals von der gewaltigen Ehrfurcht und Liebe, die die Gelehrten dem Text entgegenbrachten. Für uns ist interessant, daß auch offensichtliche Abschreib- oder Rechtschreibfehler nie im Text korrigiert wurden. Der Konsonantentext wurde, so wie er war, von Generation zu Generation weitergegeben, jedoch nicht ohne die entsprechende Korrektur in der Masora. Nicht nur die Vokale wurden dem Text hinzugefügt. Die Masoreten trugen auch Sorge, daß die Sprachmelodie des Hebräischen erhalten blieb. In einem äußerst feinsinnigen und komplizierten System von Punkten, Kreisen und Strichen wurden die Akzente dem Text

zugefügt. Alle diese Akzente, Vokale und Konsonanten machen das so charakteristische hebräische Schriftbild aus. Der auf diese Weise überlieferte Text des AT wird als Masoretentext bezeichnet. Abgenutzte Rollen, die nicht mehr gebraucht werden konnten, wurden sorgfältig in einer feierlichen Prozession zur Beerdigung in geweihter Erde getragen. Wir wollen jedoch beachten, daß diese Sorgfalt im Umgang mit dem Wort Gottes nicht immer vorhanden war. Wir wissen nur wenig über die Überlieferung des Textes in der vorchristlichen Zeit. Immer wieder waren das Wort Gottes oder Teile davon in Gefahr, vergessen oder vernichtet zu werden (vgl. 2.Kön 22 und Jer 36). Durch alle Jahrhunderte versuchte Satan mehrfach, die Bibel, das Wort Gottes zu vernichten, aber 1.Petr 1,25 "des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit." Durch Zeiten des Götzendienstes, der Gefangenschaft und der Gleichgültigkeit hindurch bewahrte Gott Seine Offenbarung, so daß wir sie heute, dreieinhalb Jahrtausende nach der Niederschrift des Pentateuch, aufschlagen und lesen dürfen. Welches Wunder begegnet uns auf jeder Seite unserer Bibel!

b) Überlieferung des NT

(1) Schreibmaterial

Zur Zeit der Entstehung der neutestamentlichen Bücher waren Papyrus und Tinte die üblichen Schreibmaterialen.

(2) Schrift Der griechische Text wurde fortlaufend, also ohne Abstände zwischen Wörtern und Sätzen in Großbuchstaben geschrieben. Wir nennen solche, nur mit Großbuchstaben geschriebenen Texte auch Majuskeln.

(3) Weitergabe Obwohl zur damaligen Zeit die Buchrolle die gängige Form längerer Texte war, benutzten die Christen von Anfang an eine andere Form: den Kodex (pl.: Kodexe oder Kodizes). In der Antike wurden Holztäfelchen, die mit Wachs überzogen und miteinander verbunden wurden, als Kodex bezeichnet. So kauften die Christen einen Stapel Papyrusbögen, falteten sie und verbanden sie. Man könnte also auch von der Geburtsstunde unseres Buches sprechen. Natürlich wurden nun beide Seiten der Papyri beschrieben, sowohl die waagerechten Fasern als auch die senkrechten. Diese Art von Buch brachte einen gewaltigen Vorteil, denn das Nachschlagen einzelner Textpassagen wurde wesentlich erleichtert. Eine Schriftrolle mußte nach dem Lesen arbeits- und zeitaufwendig zurückgewickelt werden. Einen Kodex schlug man zu und öffnete ihn an

gewünschter Stelle wieder. Vielleicht spielten wirtschaftliche Überlegungen auch eine Rolle. Nach dem 4. Jahrhundert setzte sich mehr und mehr das Pergament durch. Daß dieses Material den Papyrus nicht sogleich verdrängte, liegt vielleicht in den enormen Kosten begründet. Allein für eine Schriftengruppe (alle 4 Evangelien, oder die Briefe des Apostel Paulus) wurden 50-60 Tierfelle benötigt! Berücksichtigt man zusätzlich, daß viele Kodizes mehr als nur eine Schriftengruppe, ja vielleicht das gesamte NT und AT umfaßten, so erhält man eine Vorstellung über den Preis einer solchen Handschrift. Schließlich mußte das kostbare Material auch noch beschriftet werden. Über die Jahrhunderte, in denen alle Texte mit Großbuchstaben geschrieben wurden, entwickelten sich rundere, leichter und schneller zu schreibende Buchstaben, nämlich die Kleinbuchstaben. Seit dem 9. Jahrhundert ging man dazu über, Texte mit diesen Kleinbuchstaben zu schreiben. Sie werden ihrer Schrift wegen als Minuskeln bezeichnet.

3. Die wichtigsten Kodizes der Bibel Es würde den Rahmen des Unterrichtes sprengen, wollten wir auf die vielen tausend Handschriften, die uns erhalten sind, eingehen. Viele dieser Texte liegen uns nur in Bruchstücken, sogenannten Fragmenten, vor. Erwähnung sollen jedoch die wichtigsten Handschriften finden, auf die auch unser Text zum größten Teil zurückgeht.

a) hebräische Kodizes Wie schon erwähnt, wurden die hebräischen Texte sehr sorgfältig behandelt, ja, nach Gebrauch sogar beerdigt. Dies führte leider dazu, daß wir nur sehr wenige und nicht sehr alte Handschriften haben.

(1) Kodex von Aleppo Dieser Kodex war als Musterkodex gedacht, besonders sorgfältig gearbeitet, diente er nicht dem Gebrauch in der Synagoge, sondern nur der Entscheidung in Streitfällen. Nur am Passa, Pfingsten und Laubhüttenfest durfte er öffentlich gelesen werden, sonst war er sogar dem Studium der Gelehrten nicht zugänglich.Er stammt aus der hochangesehenen Masoretenfamilie Ben Ascher. Geschrieben wurde dieser Kodex wohl im frühen 10. Jahrhundert n.Chr., und er war bis ins Jahr 1947 vollständig, d.h.: alle Bücher des hebräischen AT waren enthalten. 1947 konnte er bei antijüdischen Ausschreitungen nur knapp gerettet werden, verlor hierbei aber ca. 1/4 seines Textes!

(2) Codex Leningradensis 1008 n.Chr. geschrieben. Er ist der beste Zeuge eines Ben Ascher Textes. Zugleich bildet er die Grundlage der

heute in Wissenschaft und Übersetzung gängigen hebräischen Bibelausgabe.

b) griechische Kodizes Bei den folgenden Kodizes handelt es sich um Handschriften, die ursprünglich den ganzen Text des AT und NT enthielten. Das bedeutet, daß das AT hier in einer griechischen Übersetzung dargeboten wird.

(1) Codex Alexandrinus Aus dem 5. Jahrhundert stammt der Codex Alexandrinus. Leider fehlt fast das ganze MtEvangelium, Teile von Joh und 2. Kor. Dieser Kodex befindet sich im Britischen Museum in London.

(2) Codex Sinaiticus Dieser Kodex stammt aus dem 4. Jahrhundert. Auf den uns erhaltenen 148 Blättern, die ein Format von 43 x 38 cm aufweisen, finden wir die einzige vierspaltige Handschrift der Bibel. Leider sind Teile des AT verloren. Er befindet sich heute im Britischen Museum in London. Gefunden wurde der Codex Sinaiticus unter spektakulären Umständen im Katharinenkloster auf dem Sinai. Sein Entdecker war der Gelehrte Constantin von Tischendorf (1815-1874).

(3) Codex Vaticanus Obwohl dieser Handschrift aus dem 4.Jahrhundert einige Stellen des NT fehlen, ist es die bedeutsamste Majuskel, die wir haben. Sie befindet sich heute in der Bibliothek des Vatikans in Rom.

4. Die wichtigsten alten Übersetzungen der Bibel In manchen Bibelausgaben, aber auch in vielen Kommentaren, begegnen uns immer wieder Hinweise auf alte Übersetzungen. Aus diesem Grund wollen wir einen kurzen Blick auf ihre wichtigsten Vertreter werfen. Der Wert dieser Übersetzungen liegt darin, daß sie Textvorlagen widerspiegeln, die uns heute nicht mehr zugänglich sind (also alte, heute nicht mehr existierende Handschriften in den Ursprachen). Sie können dann auf diesem Umweg rekonstruiert werden. daß man in ihnen erkennen kann, wie schwierige oder auch mehrdeutige Texte von den Übersetzern verstanden wurden. Weil jede Übersetzung in eine andere Sprache zugleich auch Interpretation ist, können wir einen Einblick in das Verständnis der alten Übersetzer bekommen (Wortbedeutungen, grammatikalische Konstruktionen, usw...). Im allgemeinen geht man davon aus, daß der Masoretentext, der uns erst aus dem 11. Jahrhundert vorliegt, genauer ist als eine wesentlich ältere Übersetzung. Man scheut sich deshalb davor, eine Handschrift in der Ursprache durch eine Übersetzung

desselben Textes zu verbessern - dies soll nur in begründeten Einzelfällen vorgenommen werden.

a) Targume Im nachexilischen Judentum wurde bekanntlich das Hebräisch durch das Aramäisch verdrängt. Um von allen - nicht nur den Gebildeten - verstanden zu werden, mußte die Textlesung in der Synagoge (hebräisch!) anschließend übersetzt werden (aramäisch). Die jüdische Tradition lehrt aufgrund von Neh 8,8, daß Esra diese Übersetzung einführte. Dabei war es verboten, den aramäischen Text aus einer Rolle abzulesen, wohl um einen deutlichen Abstand zum hebräischen "heiligen" Text zu schaffen. Aber später wurden diese mündlichen Übersetzungen zur Schulung und Vorbereitung der Übersetzer schriftlich fixiert. So wissen wir, daß schon zur Zeit des NT Targume aufgeschrieben wurden. Da diese Übersetzung eine praktische, erbauliche und lehrhafte Aufgabe im Gottesdienst der Synagogen besaß, fällt sie meist sehr frei aus. Daher ist sie nicht geeignet, den hebräischen Text, den sie übersetzt, zu rekonstruieren.

b) Septuaginta Mit dem Namen "Septuaginta" (oft nur mit "LXX" abgekürzt) bezeichnet man die griechische Übersetzung des AT. So wie in Palästina eine aramäische Übersetzung notwendig wurde, brauchten auch die

Juden in der Diaspora (griech.: Zerstreuung) einen für sie verständlichen Text. Die Legende erzählt, daß 72 fromme Männer (von jedem Stamm 6) nach Ägypten geholt wurden und dort in genau 72 Tagen das AT übersetzten. Wahrer Kern dieser Legende ist, daß tatsächlich die große jüdische Gemeinde in Alexandria Ausgangspunkt der Bestrebung war, doch endlich die Schriften auch in griechischer Sprache zu besitzen. So wurde in der 1. Hälfte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts zuerst die Thora übersetzt, und dann folgten die anderen Bücher. Wir haben es also nicht mit einer einzigen Übersetzung zu tun, sondern mit einer Sammlung von Übersetzungen. Die Übersetzer selbst unterschieden sich dabei stark in ihrer Kenntnis der hebräischen Sprache, ihrem griechischen Stil oder einfach auch in ihrer Übersetzungsweise (wörtlich sinngemäß). So finden wir in der LXX qualitativ sehr unterschiedliche Übersetzungen der verschiedenen Bücher, was natürlich den Umgang mit ihr erschwert. Die Bedeutung der LXX liegt nicht nur in ihrem Wert für die jüdische Gemeinde. Zum ersten Mal wurde die Offenbarung Gottes der ganzen damaligen Welt schriftlich zugänglich. Außerdem war die LXX die "Bibel" der Urgemeinde und der Apostel. (So lassen sich viele Fragen erklären, die entstehen, wenn man ein NT-Zitat [LXX-Text] mit der AT-Stelle [bei uns heute Masoretentext!] vergleicht.) Die Urseptuaginta wurde in der Folgezeit immer wieder überarbeitet. Viele Übersetzungen in den nächsten Jahrhunderten gehen nicht vom hebräischen, sondern von diesem griechischen Text aus.

c) Peschitta Die syrische Kirche bezeichnete die in ihrem Gottesdienst gebräuliche Übersetzung des AT als Peschitta, d.h. "die Einfache". Über ihre Entstehung wissen wir nichts Genaues. Fest steht, daß sie zumindest den Pentateuch sehr genau und zuverlässig wiedergibt. (2. - 4. Jahrhundert n. Chr. das AT und die Apokryphen, 5.Jahrhundert auch NT).

d) Vulgata Während die bisher angeführten Übersetzungen nur das AT wiedergaben, ist die Vulgata eine Übersetzung der ganzen Bibel, AT und NT, in die lateinische Sprache. Zwar existierten gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. bereits lateinische Übersetzungen. Diese waren jedoch sehr unzuverläßig und uneinheitlich. So wurde Hieronymus beauftragt, die Bibel neu ins Latein zu übertragen. Er war unter den abendländischen Christen der einzige, der direkt vom hebräischen Text das AT übersetzen konnte. (Natürlich brachte ihm das auch Schwierigkeiten. Selbst der Kirchenvater Augustin kritisierte ihn deswegen. Es gab ja keinen Theologen, der die Übersetzung auf ihre Richtigkeit hin überprüfen konnte. Außerdem galt zu dieser Zeit für viele der Text der LXX als inspiriert.) Wie der Name Vulgata (lat.: "die Allgemeine") schon andeutet, setzt sie sich im Laufe der Jahrhunderte durch. Das Dekret des Tridentinischen Konzils vom 8.

April 1546 erklärte diese Übersetzung zur allgemein gültigen Übersetzung der römisch-katholischen Kirche.

5. Die Textforschung (Textkritik) Natürlich bezieht sich der Anspruch der Bibel, das unfehlbare Wort Gottes zu sein, nur auf den Orginaltext so wie ihn der göttlich inspirierte Schreiber niederschrieb. Diese ursprünglichen Texte, oder auch Autographen, existieren nicht mehr. Wir haben nur noch Abschriften von ihnen, bzw. Abschriften von Abschriften, tlw. auch nur Fragmente dieser Abschriften. Vergleicht man diese miteinander, so stellt man Abweichungen fest, sogenannte Varianten (lat.: Verschiedenheiten) oder auch Lesarten. Die wissenschaftliche Disziplin, die nun versucht herauszufinden, welche dieser Lesarten dem Urtext am nächsten ist, heißt Textkritik. Sie darf unter keinen Umständen mit der "Bibelkritik" verwechselt werden. Die Bibelkritik stellt die Autorität der Bibel in Frage, während die Textkritik nur nach dem Urtext fragt, ohne ihn zu bewerten. (Oftmals wird neben der Bibelkritik auch die Textkritik verneint, da "Kritik" in unserem Sprachgebrauch "Aburteilung" bedeutet. Richtiger ist jedoch, das aus dem Griechischen kommende Fremdwort mit "Beurteilung" wiederzugeben.)

a) Notwendigkeit Zunächst müssen wir festhalten, daß wir nur staunen

können, wie Gott Sein Wort über alle Jahrhunderte hindurch bewahrt hat. Wir halten das Wort Gottes in unseren Händen, überliefert von Generation zu Generation. Die erwähnten Varianten beziehen sich in ihrer Großzahl auf einzelne Buchstaben (z.B. Rechtschreibfehler), Wortstellungen und andere geringfügige Dinge. Die wichtigen Lehren der Bibel sind sowieso mehrfach an verschiedenen Stellen belegt, so werden sie nie durch das Vorhandensein irgendeiner Lesart in Frage gestellt. Wie aber konnten diese Abweichungen in der Textüberlieferung entstehen? Der größte Teil der Varianten läßt sich durch die Eigentümlichkeiten der Ursprachen erklären. Die griechische Sprache wurde wie auch Hebräisch und Aramäisch in einem Zug, ohne Abstände zwischen Wörtern und Sätzen, geschrieben. Außerdem konnte ein Wort ohne Trennstrich auf zwei Zeilen verteilt werden. Ein Beispiel: Amos 6,12 "Rennen Pferde denn auf Felsen , oder pflügt man darauf mit Rindern?" Teilt man die Buchstabenkette anders, so ergibt sich in der Übersetzung: Amos 6,12 "Rennen Pferde denn auf Felsen, oder pflügt man mit dem Rind das Meer?" (Ein Beispiel aus dem Englischen: Godisnowhere Otherwisemenwoulddoit) Da Hebräisch vokallos geschrieben wurde, konnten je nach zugefügten Vokalen unterschiedliche Wörter

entstehen: so lesen wir in 1.Mose 47,31 "Bett" und in Hebr 11,21 "Stab". Beide Wörter haben in Hebräisch dieselben Konsonanten, aber andere Vokale. Aber auch der Mensch war Quelle verschiedener Lesarten. In Zeiten, da alle Texte von Hand geschrieben wurden, traten natürlich schnell Schreib- und Lesefehler auf. Zu dieser Rubrik rechnen wir auch Hörfehler, die beim Diktat von Bibeltexten entstanden. Manchmal wurden ähnlich aussehende Buchstaben verwechselt: z.B. (He) mit (Hêth). Oder das Auge des Schreibers irrte sich beim Lesen in der Zeile, so werden in manchen Handschriften ganze Zeilen einfach wiederholt, oder nachweislich deshalb ausgelassen. Zu den Hörfehlern (beim Diktat!) können im NT Varianten gerechnet werden, die ein "wir" durch ein "ihr" ersetzen. Die Aussprache dieser zwei Wörter war in späterer Zeit weitgehend identisch. b) Methodik Die Vielzahl der komplizierten Regeln in der Textkritik können hier nicht ausführlich angesprochen und erklärt werden. Grob gesprochen gliedern sie sich in zwei Bereiche (man spricht von äußerer und innerer Evidenz): Der Textforscher versucht, die Varianten anhand ihrer Überlieferung zu beurteilen. Welche Handschriften unterstützen die Lesart? Wie alt sind sie? Wie zuverlässig sind diese Handschriften an anderen, gesicherten Stellen? Mit anderen Worten: In diesem

Arbeitsabschnitt wird die Häufigkeit einer Lesart festgestellt und gleichzeitig mit der Güte der Textzeugen betrachtet. (Die häufigste Lesart, wenn nur in "unzuverlässigen" Texten überliefert, muß noch lange nicht die "ursprüngliche" Lesart sein!) Ist die Variantenfrage nach Untersuchung der äußeren Merkmale noch nicht eindeutig geklärt, so wird der betreffende Text seinem Aufbau und Inhalt nach geprüft. Nicht mehr im Vergleich mit anderen Handschriften, sondern innerhalb des betreffenden Textes versucht man, die bessere Lesart zu ermitteln. Hierzu gehört, daß sich der Forscher ständig fragt: Wenn der vorliegende Text eine Variante ist, wie konnte sie entstehen? Dazu untersucht er die verschiedenen Fehlerquellen und vergleicht diese Möglichkeiten mit dem vorliegenden Text (z.B.: kann es sich um eine andere Worttrennung handeln? Könnte ein Lese- oder Schreibfehler vorliegen?) V. Kapitel: Inspiration der Bibel In den folgenden Abschnitten wollen wir der Frage nachgehen, ob die Bibel einzigartig göttlich inspiriert ist oder mit anderen Werken der Weltliteratur auf einer Stufe steht. Wird sie durch die Art und Weise der Inspiration völlig zuverlässig, oder beinhaltet sie "Irrtümer"? Auch andere Religionen behaupten eine göttliche Inspiration ihrer Schriften (so z.B.: der Islam oder die Mormonen). Allerdings besteht zwischen solchen Ansprüchen und dem Inspirationsverständnis der Bibel ein großer Unterschied. Das Studium der Inspiration soll nicht nur diese Unterschiede aufzeigen, sondern auch unser Verständnis der biblischen Lehre von der Inspiration erweitern und vertiefen.

1. Der Anspruch der Bibel Vor die Untersuchung einiger zentraler Stellen zum Thema Inspiration stellen wir den Vers aus Joh 7,17 "Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede." Im Gespräch mit Menschen dürfen wir die Erfahrbarkeit und die Kraft des Wortes Gottes weitergeben. Der göttliche Ursprung der Bibel ist jedoch nicht nur erfahrbar, sondern er wird vom Wort Gottes ausdrücklich gelehrt.

a) 2.Tim 3,16 2.Tim 3,16 "Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit." In die deutsche Übersetzung dieses Verses muß ein "ist" eingefügt werden. Aber wo? Die Elberfelder Bibelübersetzung übersetzt: "Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre,...". Es wird deutlich, daß "von Gott eingegeben" mit "nützlich" gleichrangig ist. Am deutlichsten wird uns das, wenn wir zweimal "ist" einfügen: "Alle Schrift ist von Gott eingegeben und ist nützlich zur Lehre,...". Meistens, wenn im NT der Begriff "Schrift" gebraucht wird, bezieht er sich auf das AT (Lk 4,21; 24,45; Joh

10,35). Aber auch für die bereits geschriebenen Bücher des NT wird dieser Begriff benutzt. So zitiert Paulus in 1.Tim 5,18 nach der Einleitung "Denn die Schrift sagt:" einen Vers aus Lukas (10,7), und Petrus setzt die Briefe des Apostel Paulus mit den Schriften des AT gleich (2.Petr 3,16). Unser Wort "Inspiration" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: "Eingebung" ("eingeben" oder auch "einhauchen"). Da es in der Bibel so nicht vorkommt, und immer die Bedeutung von "in etwas hineinhauchen" trägt, ist sein Gebrauch nicht allzu glücklich. Paulus benutzt hier "von Gott eingegeben", griechisch "theopneustos", was mehr die Idee des "von Gott aushauchen" beinhaltet. Alle Schrift ist von Gott ausgehaucht. Sie ist ein göttliches Produkt. Der Vers beschreibt jedoch nicht den Vorgang, wie Gott wirkte. Er erhebt lediglich den Anspruch, daß Gott wirkte. Wir lernen aus 2.Tim 3,16: die gesamte Bibel kommt von Gott!

b) 2.Petr 1,20-21 2.Petr 1,20-21 "... daß keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet." Während es in 2.Tim 3,16 um das geschriebene Wort geht, erfahren wir hier mehr über den Autoren und seine Schreiber. Inspiration geschah nicht durch oder unter

dem Willen des Menschen. Sie waren - "getrieben" vom Heiligen Geist - Sprachrohre Gottes. Dieser Vers bezeugt die alleinige Initiative Gottes bei der Inspiration. Der Wille des Menschen und damit die Möglichkeit des Irrtums blieb ausgeschlossen. Wir stellen außerdem fest, daß die Bibel nicht vom Himmel fiel, sondern daß Gott Menschen gebrauchte, die Seine Offenbarung in ihrer Sprache festhielten. Wir lernen aus 2.Petr 1,20-21: Gott gebrauchte menschliche Schreiber!

c) 1.Kor 2,13 1.Kor 2,13 "Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten , die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen." Es war nicht nur der Gedanke, die Idee oder die Vorstellung, die den inspirierten Schreibern der biblischen Bücher von Gott eingegeben wurde. Selbst die einzelnen Worte wurden vom Heiligen Geist "gelehrt". Wir haben es nicht mit einem normalen Buch der Literatur zu tun, das nach den Gesetzen der Literatur verstanden werden kann. Nur der Heilige Geist kann uns den Zugang zum Inhalt und der Botschaft der Bibel erschließen: 1.Kor 2,14 "Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden."

Wir lernen aus 1.Kor 2,13: Gott wachte über jedem einzelnen Wort der Bibel!

2. Die Definition der Inspiration Unter der völligen Inspiration verstehen wir: daß die Originalmanuskripte der Bibel von Männern, die unter der Führung und Kontrolle des Geistes Gottes, der sich ihrer Individualität und Begabung bediente, so geschrieben wurden, daß als Ergebnis eine bis in jedes Wort vollkommene und irrtumslose Offenbarung Gottes den Menschen gegeben wurde. Dabei wollen wir betonen, daß sich diese Definition nur auf die Orginalhandschriften (Autographen) beziehen kann.

3. Der Vorgang der Inspiration Über die Art und Weise der Inspiration wissen wir wenig. Gott hielt es nicht für notwendig, unsere Neugierde auf diesem Gebiet zu befriedigen. Wir können über das Wunder der Inspiration staunen und unseren Gott darüber anbeten, aber wir können es mit unserem begrenzten Verstand nicht fassen. Machen wir uns bewußt: aus dem zeitlosen Raum der Ewigkeit offenbart sich der allwissende und allmächtige Gott Seiner in Sünde gefallenen, mit völliger Blindheit geschlagenen Schöpfung. Wir Menschen haben keinerlei natürliche "Antenne" für das Reden Gottes.

Aber das Wunder geschieht: Gott redet zu uns. Hebr 1,1-2a "Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, ..." In diesen Versen des Hebräerbriefes finden wir den Vorgang der göttlichen Inspiration dargestellt. Er umfaßt drei Akte: das Reden Gottes das Empfangen des Wortes Gottes durch den Menschen das Weitergeben, bzw. Niederschreiben des empfangenen Wortes Der Empfang und die Weitergabe, bzw. Niederschrift des Wortes Gottes geschah unter der Führung des Heiligen Geistes: 2.Petr 1,21 "Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet." Schematisch läßt sich der Vorgang der Inspiration nach Hebr 1,1 folgendermaßen darstellen:

Das, was Gott uns zu diesem Thema offenbart hat, wollen wir im folgenden untersuchen. Wir beginnen bei dem direkten Empfänger göttlicher Offenbarung: dem Propheten.

a) Prophetenamt

Zwei Verse geben die Aufgabe und das Wesen eines Propheten wieder: 2.Mose 4,15-16 "Du sollst zu ihm reden und die Worte in seinen Mund legen. Und ich will mit deinem und seinem Munde sein und euch lehren, was ihr tun sollt. Und er soll für dich zum Volk reden; er soll dein Mund sein, und du sollst für ihn Gott sein." 5.Mose 18,18 "Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde." Ein Prophet ist jemand, der Gottes Wort empfängt und weitergibt. Dabei wurden nicht alle Propheten beauftragt, die empfangenen Worte niederzuschreiben. Alle Schreiber der Bibel sind Propheten, aber nicht alle Propheten haben geschrieben. Das Wort "Prophet" meint also nicht notwendigerweise einen, der die Zukunft voraussagt, sondern einen, der das empfangene Wort Gottes, gleichgültig ob die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft betreffend, weitersagt. Von einigen Propheten lesen wir, daß Gott sie ausdrücklich zum Propheten berufen hatte (so z.B.: Samuel und Hesekiel).

ANREGUNGEN: Das Studium der Berufunsgsgeschichten kann sehr gesegnet sein. Betrachten Sie die Person, die berufen wird. Wie geht Gott mit dieser Person um? Achten Sie auf Ort, Zeit, Person, Art und Weise, Machterweis (Wunder), Einwände, Reaktionen, mitgegebenen Hilfen und Verheißungen usw. Neben den echten Propheten (Empfang und Weitergabe der Worte Gottes) gab es zu jeder Zeit ungehorsame Propheten (Empfang, aber keine Weitergabe der Worte Gottes) und falsche Propheten (ohne die Worte Gottes empfangen zu haben, geben sie eigene Gedanken als angebliche Gottesoffenbarung weiter). Jer 14,14 "Aber der Herr sprach zu mir: Diese Propheten weissagen Lüge in meinem Namen; ich habe sie nicht gesandt und ihnen nichts befohlen und nicht zu ihnen geredet. Sie predigen euch falsche Offenbarungen, nichtige Wahrsagung und ihres Herzens Trug." Hes 13,2-3 "Du Menschenkind, weissage gegen die Propheten Israels, und sprich zu denen, die aus eigenem Antrieb heraus weissagen: 'Höret des Herrn Wort!': So spricht Gott der Herr: Weh den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geist folgen und haben doch keine Gesichte!" Wie anders hingegen die echten Propheten! (vgl. 2.Petr 1,21) Nicht nur zur Zeit des AT mußten sich die echten von den falschen Propheten abgrenzen (siehe auch: Jer 23,16+26; 29,9), auch im NT finden wir solche Verse:

2.Petr 2,1"Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die verderbliche Irrlehren einführen und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat; die werden über sich selbst herbeiführen ein schnelles Verderben." 1.Joh 4,1 "Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt." 2Kor 11,13-15 "Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi. Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken."

b) Methode Nachdem wir die Person, die die Offenbarung Gottes empfing, betrachtet haben, wenden wir uns der Art und Weise der Inspiration zu. Hebr 1,1 "Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten," Gott hat in Seinem Reden zu den Menschen die unterschiedlichsten Methoden benutzt: Traum

Schrift Gesicht/Vision Worte/Stimme Engel Tier Verzückung Theophanie 1.Mose 28,12-15; 41 2.Mose 31,18; Dan 5,5 Sach 2,5; Amos 7 1.Sam 3; Mk 9,7 Dan 10,12; Lk 1,26 4.Mose 22,28 2.Kor 12,2-4; Offb 1,10 Ri 6,12; Joh 1,14; Hebr 1,2 Gott kann Menschen unabhängig von deren Willen gebrauchen. Wir denken an Bileam (4.Mose 23,5+16), Jeremia (Jer 20,9) und Kaiphas (Joh 11,51). Gott offenbarte sich Menschen unabhängig von deren Begabung. Die Botschaft Gottes überstieg häufig das natürliche Verständnis des Propheten. Gerade dies ist

ein feiner Beweis für die Inspiration der Heiligen Schrift (z.B.: Dan 12,8). Wenn Gott zu einem Propheten sprach, so konnte dieser oftmals den genauen Zeitpunkt angeben. Sie waren sich des Redens Gottes bewußt (z.B.: Jeremia in Jer 3,6; 26,1; 33,1; 34,1). So kam es manchmal zum Gespräch, die Propheten konnten Fragen stellen (Jes 6,11; Hab 2,23). Aber nicht immer ging es den Schreibern der biblischen Bücher wie diesen Propheten. Manchmal waren sie sich der Tragweite ihrer Schriften nicht bewußt (Lukas berichtet Theophilus, Paulus schreibt seinem Freund Philemon) - und trotzdem benutzte der Heilige Geist diese Männer, um Gottes Wort zu empfangen und (schriftlich) weiterzugeben. Nur der geringste Teil biblischer Offenbarung ist mit der obigen Aufzählung diverser Methoden Gottes abgedeckt. Der weitaus größere Teil besteht aus dem Wirken des Heiligen Geistes bei der Abfassung der verschiedenen Bücher. Hier können wir den Vorgang nicht mehr beschreiben, ja, ein jeder Versuch einer Beschreibung birgt die Gefahr in sich, ein falsches Inspirationsverständnis zu lehren (siehe Kapitel VI Unsere Stellung zur Bibel: 1. Unsere Stellung zur Inspiration der Bibel). Zu dem Wunder der Inspiration gehört auch die Umwandlung (Transformation) des geredeten Wortes Gottes in gesprochenes oder geschriebenes Menschenwort. In Hebr 1,1-2 bezeichnet die Heilige Schrift diesen Vorgang mit "durch". Wie wir wiederholt gesehen haben, stand dieses "durch" unter der Führung und Kontrolle des Heiligen Geistes (2.Petr 1,21). Obwohl menschliche Schreiber die Bibel schrieben, also vollkommenes Menschenwort, ist sie zugleich die

vollkommene Offenbarung Gottes - Gottes Wort und Menschenwort in einem. Das gleiche Wunder finden wir in der Fleischwerdung Christi: vollkommen Gott und vollkommen Mensch. Vergleichen wir das fleischgewordene und das schriftgewordene Wort Gottes.

Jesus Christus nahm Knechtsgestalt an (Phil 2,7) vollkommen,ohne Sünde (Hebr 4,15) Brot des Lebens (Joh 6,35) wer an ihn glaubt, hat ewiges Leben (Joh 3,16) Heilige Schrift Gottes Wort wurde menschliches Wort (Hebr 1,1) Gottes Wort ist vollkommen (Ps 19,8) Das Wort ist Speise (Mt 4,4; Jer 15,16) Gottes Wort ist ein lebendiger Same (1.Petr 1,23) Offb 19,13 "... und sein Name ist: Das Wort Gottes." Jesus Christus und die Heilige Schrift können nicht voneinander getrennt werden. Das eine ohne das andere hätte keine Bedeutung für uns. Ohne das schriftgewordene Wort Gottes wüßten wir nichts von dem fleischgewordenen Wort Gottes. Ohne das fleischgewordene Wort wäre die Heilige Schrift inhaltsleer und rätselhaft. Das Wunder der Inspiration ist, wie auch das Wunder der Inkarnation, für uns rational nicht faßbar - nur für

den Glauben zugänglich. Gott wählte das "Buch" als Mittel, um Seine Offenbarung dem Menschen zu übermitteln. Er bediente sich der Eigenart der verschiedenen Schreiber. Sein Heiliger Geist wirkte in diesen Schreibern, aber so, daß sich der göttliche und menschliche Verfasser nicht gegenseitig aufhoben, sondern in jedem Wort gleichzeitig vorhanden sind. Die Bibel ist Gotteswort und daher unfehlbar und autoritativ in allem, was sie aussagt - doch diese Aussage geschieht in menschlichen Worten. Schlagen wir die Heilige Schrift auf, so lesen wir die Worte von Menschen, die in ihrer Eigenart schrieben. Gott hebt die Persönlichkeitsstruktur Seiner Schreiber nicht auf, sondern Er benutzt sie. Er war es, der die Schreiber "auswählte" und "vorbereitete", Seine Propheten zu sein. Er war es, der ihren Wortschatz vorbereitete, und dann durch Seinen Geist die Wortwahl beim Schreiben führte und kontrollierte. Wort für Wort entstand so - innerhalb des Wortschatzes und Sprachstils des Schreibers - Gottes Offenbarung. 1.Kor 2,13 "Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten , die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen." 2.Sam 23,2 "Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und sein Wort ist auf meiner Zunge." Gerade durch die Verschiedenartigkeit der Schreiber besitzen wir einen unermeßlichen Reichtum in den verschieden Büchern: Mose der hochgebildete Organisator, ein geborener

Führer seines Volkes Jesaja der Prophet aus königlichem Geschlecht, der einen Blick für den Weltenthron hatte und seine Zeit mit Herrscherblick durchschaute Hesekiel der Priester, dem das Auge für die Zustände im Tempel und für den zukünftigen Tempel geöffnet wurde Daniel der kluge Staatsmann, der Minister des babylonischen Weltreiches, vor dessen Auge der Herr die Weltgeschichte der Zukunft ausbreitete Johannes der Mystiker, der das Wesen des Sohnes Gottes und der Gemeinschaft mit Ihm schaute Petrus der einfache Mann der Tat, der Praktiker Paulus der Denker, der die christliche Lehre darlegte Alle diese Männer haben, getrieben vom Heiligen Geist, im Namen Gottes geredet und uns Gottes Offenbarung weitergegeben.

4. Das Zeugnis über die Inspiration An die völlige, göttliche Inspiration der Bibel zu glauben, ist schon durch äußere Gründe nahegelegt, so z.B.: die Unzerstörbarkeit der Bibel die innere Einheit der Bibel die erfüllte Prophetie in der Bibel (5.Mose 18,21-22) die Wirkung / der Einfluß der Bibel (Joh 7,17) die Bestätigung durch die Kraftwirkungen des Heiligen Geistes beim Hören und Lesen der Bibel Aber es sind vor allem die inneren Gründe, das innere Zeugnis der Heiligen Schrift,welche die Inspiration überwältigend deutlich belegen.

a) AT (1) das innere Zeugnis des AT Das AT bezeugt: Gott hat geredet! Über 3800mal kommen im AT gleichbedeutende Ausdrücke vor, die das Reden Gottes anzeigen. Auf den ersten Seiten der Bibel, im ersten Kapitel des AT, wird uns nicht nur dieSchöpfung bezeugt - sondern auch der redende Gott: 1.Mose 1,3+6+9+11+14+20+22+24+26+28+29 "und Gott sprach" Welch ein Beginn der Gottesoffenbarung! Gott sprach auch direkt zu Menschen, z.B. in 2.Mose 3,4+7+12+14+15 zu Mose. (3.Mose ist fast alles direkte Rede Gottes, eingeleitet durch: "Gott sprach:".) Auch die Propheten sind voll von diesem Zeugnis (Jes 1,2+11+18+24 Jer 1,2+4+7+9+11+12+13+14). Allein im Buch des Propheten Jeremia finden wir 500mal Ausdrücke, die das Reden Gottes anzeigen! Unser Gott schweigt nicht: Er redet im AT! Es gehörte zum Willen Gottes, daß diese Worte aufgeschrieben wurden. Ja, Er selbst schrieb: 2.Mose 31,18 "Und als der Herr mit Mose zu Ende geredet hatte auf dem Berge Sinai, gab er ihm die Tafeln des Gesetzes; die waren aus Stein und beschrieben von dem Finger Gottes."

In 2.Mose 32,16 und 34,1 wird diese Tatsache nochmals betont. Dies war jedoch eine Ausnahme. Normalerweise benutzte Gott menschliche Schreiber zur Aufzeichnung Seines Wortes. Sein Ziel war es, Seine Worte im Gedächtnis der Menschen zu halten, sie für immer und ewig zu erhalten und jedem die Möglichkeit zu geben, Seine Offenbarung zu erfahren: 2.Mose 17,14 "Und der Herr sprach zu Mose: Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch und präge es Josua ein;..." Jes 30,8 "So geh nun hin und schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, daß es bleibe für immer und ewig." Hab 2,2 "Der Herr aber antwortete mir und sprach: Schreib auf, was du gesehen hast, deutlich auf eine Tafel, daß es lesen könne, wer vorüberläuft!" 2.Mose 34,27 "Und der Herr sprach zu Mose: Schreib dir diese Worte auf; denn auf Grund dieser Worte habe ich mit dir und mit Israel einen Bund geschlossen." Jer 30,2 "So spricht der Herr, der Gott Israels: Schreib dir alle Worte, die ich zu dir geredet habe, in ein Buch." Jer 36,2 "Nimm eine Schriftrolle und schreibe darauf alle Worte, die ich zu dir geredet habe über Israel, über Juda und alle Völker von der Zeit an, da ich zu dir geredet habe, nämlich von der Zeit Josias an bis auf diesen Tag." Nicht nur das Gesetz des Mose wurde bereits zur Zeit der Abfassung des AT als inspiriertes Wort Gottes akzeptiert (vgl. Ps 119), sondern auch die Propheten und die Geschichtsbücher: Dan 9,2 "In diesem ersten Jahr seiner Herrschaft

achtete ich, Daniel, in den Büchern auf die Zahl der Jahre, von denen der Herr geredet hatte zum Propheten Jeremia, daß nämlich Jerusalem siebzig Jahre wüst liegen würde." Daniel bezieht sich hier auf die Rede Gottes in Jer 25,1112; 29,10. 1.Kön 16,34 "Zur selben Zeit baute Hiel von Bethel Jericho wieder auf. Es kostete ihn seinen erstgeborenen Sohn Abiram, als er den Grund legte, und seinen jüngsten Sohn Segub, als er die Tore einsetzte, nach dem Wort des Herrn, das er geredet hat durch Josua, den Sohn Nuns." Uns fällt in diesem Vers auf, daß hier ein "Wort Gottes" zitiert wird, das in Jos 6,26 nicht als von Gott gesprochen angezeigt wird. Für den Schreiber der Königebücher ist es keine Frage, daß Gott durch Josua spricht. Ähnlich auch das Verständnis Davids: 2.Sam 23,2 "Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und sein Wort ist auf meiner Zunge." Wir finden im AT eine Fülle von Zeugnissen dafür, daß es sich um Gottes Wort handelt. Nicht nur das Gesetz, sondern auch die Geschichtsbücher, die Poesie (z.B. die Psalmen Davids) und nicht zuletzt die Propheten bezeugen: Gott hat geredet!

(2) das Zeugnis Jesu Christi über das AT Wie verhält sich unser Herr Jesus in bezug auf das Alte Testament? In Ihm ist die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol 2,9), in Ihm sind verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis (Kol 2,3).

- Jesus Christus bezeugt: Gott hat geredet! Mt 22,31 "Habt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, der da spricht:" Mt 22,43 "Da fragte er sie: Wie kann ihn dann David durch den Geist Herr nennen, wenn er sagt" Das ganze AT, nicht nur die wörtlichen Reden Gottes, sind Gottes Wort! Unser Herr Jesus bezeugt dies in Mt 19,4-5 "Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach: 'Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen und die zwei werden ein Fleisch sein'?" Der Herr Jesus gebraucht hier den Vers aus 1.Mose 2,24 und spricht direkt aus: dies hat Gott, der Schöpfer gesagt! Anders als viele heutige Theologen läßt der Herr Jesus das AT als Gottes Wort stehen. Nirgends berichtigt Er das geschriebene Wort. Er greift gerade heute umstrittene Ereignisse, Personen und Wunder auf und beglaubigt dadurch das AT: die Schöpfung des Menschen Mord an Abel Noah, die Arche, die Flut die Erzväter Sodom und Lot

Mose und seine Schriften Jona und der Fisch Mk 10,6 Mt 23,35 Mt 24,37-39 Mt 8,11; Joh 8,39 Mt 10,15; Lk 17,28-29 Joh 5,46 Mt 12,40 Offensichtlich betrachtet Jesus Christus das AT als historisch zuverlässig. Er geht sogar noch weiter: in Seinen Argumentationen verläßt Er sich auf jedes einzelne Wort. In Seinen Streitgesprächen verläßt Er sich auf die Richtigkeit einer verbalen Zeitform Pluralform Pronominalform Mt 22,32 (2.Mose 3,6) Joh 10,35 (Ps 82,6) Mt 22,44 (Ps 110,1 "meinem") Nicht nur in Seinem Gebrauch der alttestamentlichen Bücher stellen wir dieses Vertrauen auf das Wort fest.

Der Herr Jesus sagt: Mt 5,18 "Denn wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht." In Joh 10,34 sehen wir, daß unser Herr mit dem Begriff "Gesetz" nicht nur das Gesetz des Mose meint: Joh 10,34 "Jesus antwortete ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: 'Ich habe gesagt ihr seid Götter?'" (Ps 82,6) Jesus Christus hat nicht nur die göttliche Autorität des AT bezeugt, Er hat das AT auch als Gottes Wort für Sein persönliches Leben benutzt. Wir sehen dies besonders deutlich bei der Versuchung durch Satan (Mt 4). Der Herr Jesus gebraucht hier nicht Seine Autorität als Sohn Gottes, sondern ein mehrfaches "es steht geschrieben" mit einem entsprechenden Zitat aus dem 5. Buch Mose. - Jesus Christus ist die Erfüllung des AT. Mt 5,17 "Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen." Lk 4,21 "Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren." Die vielen Weissagungen des AT über Jesu erstes Kommen erfüllten sich. Er wußte, daß die Schrift von Ihm zeugt und daß sie in Seinem Leben, Sterben und Auferstehen erfüllt würde. Wie oft lesen wir in den Evangelien: "auf daß die Schrift erfüllt werde"! Auf dem Spaziergang mit den Emmausjüngern machte Er ihnen deutlich: es mußte so kommen, damit die ganze Schrift erfüllt wurde!

Lk 24,25-27 "Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war." Einige Verse weiter, kurz vor Seiner Himmelfahrt, öffnete Er Seinen Jüngern das Verständnis für die Schrift: Lk 24,44-45 "Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden." Dieses Verständnis fehlte den Juden zur Zeit Jesu. So sagte Er: Joh 5, 37+39 "Und der Vater, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis gegeben. [...] Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist's, die von mir zeugt." Joh 5,46 "Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben." - Jesus Christus ist der Redende im AT Joh 1,1+14 "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." Jesus Christus ist selbst das Wort - das

fleischgewordene Wort Gottes. Er ist die einzige Offenbarung Gottes. Joh 1,18 "Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündet." Der Geist Christi war in den Schreibern des AT: 1.Petr 1,11 "und haben geforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach." Selbst die Schöpfung, die Gottes Größe und Macht offenbart, geschah durch Jesus Christus: Joh 1,3 "Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist." Jesus Christus offenbarte den Vater durch Erscheinungen und Handlungen (der Engel des Herrn und Jahwe), aber vor allem durch das Wort. Dieses Wort wurde dann im NT Fleisch. Wir greifen zwei Beispiele auf, die uns den Herrn Jesus als den Redenden im AT aufzeigen: Ps 40,8 "Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben" Hebr 10,5+7 "Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt: ' [...] Da sprach ich: Siehe, ich komme - im Buch steht von mir geschrieben -, daß ich tue, Gott, deinen Willen.'" Als zweites Beispiel vergleichen wir Ps 22 mit den Aussprüchen unseres Herrn am Kreuz.

- Jesus Christus lehrt das AT Nicht nur in der Synagoge lehrt der Herr Jesus aus dem AT (Lk 4,17-19), sondern auch Seinen Jüngern legt Er immer wieder das AT aus (so in Lk 24,27+44). Jesus lehrt das AT, um sich selbst zu offenbaren. Man sagt, daß etwa der 10. Teil Seiner Worte im NT Zitate aus dem AT sind.

ANREGUNGEN: An dem Beispiel unseres Herrn und Seiner Apostel erkennen wir, daß Vollmacht nicht mit dem Gebrauch der "Ursprachen" verbunden ist, so gut und notwendig ihre Kenntnis sein kann. Zitate aus dem AT werden immer in der griechischen Übersetzung geboten - und an keiner Stelle wird sie korrigiert! (Auch unser Herr benutzte die damals gängige Übersetzung des AT - die Septuaginta!) Für Jesus Christus kann die Schrift nicht irren. Sie ist unfehlbar. Irrtum liegt in der Unkenntnis der Schrift begründet. Mt 22,29 "Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes." Habt ihr nicht gelesen? - ist mehrmals die erstaunte Frage (Mt 19,4; 21,42, 22,31). Augustin sagt dazu: "Die 'dunklen Stellen' in der Bibel kommen von den dunklen Stellen in unserem Herzen."

Aus diesen 4 Punkten - Verhältnis Jesu Christi zum AT ergibt sich für uns: Ein echtes Studium des AT ist ein Studium über unseren Herrn und Heiland! Das AT anzuzweifeln oder zu kritisieren bedeutet, den Sohn Gottes selbst anzuzweifeln und zu kritisieren! Wer an den Herrn Jesus glaubt, der glaubt auch an das AT! Wer seinen Erlöser liebt, der liebt auch das AT!

(3) das Zeugnis der Apostel über das AT Die Apostel, mit dem Heiligen Geist erfüllt, geben uns ein klares Zeugnis über das AT. Wie für den Sohn Gottes so ist auch für sie das AT Gottes Wort. Was die Schrift sagt, das sagt Gott. In ihrem Sprachgebrauch wird die Schrift personifiziert, indem "Schrift" und "Gott" identifiziert werden. Dies ist nur aufgrund der tiefen Überzeugung möglich, daß das Wort der Schrift das Wort Gottes ist. Röm 9,17"Denn die Schrift sagt zum Pharao:..." Gal 3,8 "Die Schrift aber hat es vorausgesehen, daß Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham:..." In beiden Schriftstellen schließt sich direkte Rede Gottes an. Matthäus ist geradezu ein Meister in der Anwendung des AT. Im Mt-Evangelium finden wir Zitate aus 27 verschiedenen Büchern des AT! Ein typischer Satz des Evangelisten Matthäus ist: Mt 1,22 "... damit erfüllt würde, was der Herr durch den

Propheten gesagt hat, der da spricht:" Allein in den ersten zwei Kapiteln dieses Evangeliums finden wir hiervon fünf Beispiele. Johannes nennt zurückschauend die Worte unseres Herrn und das AT als Grundlage des Glaubens: Joh 2,22 "Als er nun auferstanden war von den Toten, dachten seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte." Er selbst zitiert, ähnlich wie Matthäus, aus dem AT: z.B.: in 12,14+38-39+41; 19,24+28+36-37. Petrus tritt schon vor Pfingsten auf und zitiert aus dem AT: Apg 1,16+20 "Ihr Männer und Brüder, es mußte das Wort der Schrift erfüllt werden, das der heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangennahmen, [...] denn es steht geschrieben im Psalmbuch:..." Ungefähr die Hälfte seiner Pfingstpredigt besteht aus Zitaten aus dem AT (Apg 2), und auch in seinen Briefen legt er von der göttlichen Inspiration des AT Zeugnis ab: 1.Petr 1,11 "und haben geforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach." 2.Petr 1,20-21 "... daß keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes

geredet." Paulus Im NT finden wir ca. 290 Zitate aus dem AT. Davon entfallen allein auf die Briefe des Paulus 93 (ein nicht geringer Teil des Briefes an die Römer besteht aus AT-Zitaten; z.B. 1,2; 3,2+10+21 usw.)! Ausgebildet als Pharisäer war er im AT bestens zuhause und anerkannte den Anspruch des AT, göttlich inspiriertes Wort zu sein. Apg 24,14 "Das bekenne ich dir aber, daß ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, daß ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten." Das AT ist die Grundlage seiner Lehre: Apg 17,2-3 "Wie nun Paulus gewohnt war, ging er zu ihnen hinein und redete mit ihnen an drei Sabbaten von der Schrift, tat sie ihnen auf und legte ihnen dar, daß Christus leiden mußte und von den Toten auferstehen und daß dieser Jesus, den ich - so sprach er - euch verkündige, der Christus ist." Apg 28,23-25 "... Da erklärte und bezeugte er ihnen das Reich Gottes und predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Mose und aus den Propheten vom frühen Morgen bis zum Abend. Die einen stimmten dem zu, was er sagte, die andern aber glaubten nicht. Sie waren aber untereinander uneins und gingen weg, als Paulus dies eine Wort gesagt: Mit Recht hat der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern gesprochen:" 1.Kor 15,3-4 "...: Daß Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift; und daß er begraben worden ist; und daß er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;" Wie wir bereits gesehen haben, finden wir in den Briefen des Paulus auch zwei der wichtigsten Stellen zum Thema Inspiration (s. Ausführungen zu 2.Tim 3,16 und

1.Kor 2,13). Im Hebräerbrief, dessen menschlichen Verfasser wir nicht feststellen können, finden wir ein besonderes Zeugnis von der göttlichen Autorität des AT. Alle drei Personen der göttlichen Trinität werden in der Einführung zu AT - Zitaten als Sprecher genannt: Hebr 1,5-8 Gott, der Vater Hebr 2,12 Jesus Christus, der Sohn Hebr 3,7 der Heilige Geist b) NT (1) das Zeugnis Jesu Christi über das NT Nachdem der Sohn Gottes durch die Propheten des Alten Bundes gesprochen hatte, kam Er selbst in diese Welt, um uns den Vater zu offenbaren. Gott, der Vater, führt Ihn ein: Lk 9,35 "Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, die sprach: Dieser ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören!" In Jesus Christus redet Gott. Wie wertvoll sind uns die Evangelien, in denen die Worte und Taten unseres Gottes, sichtbar geworden in dieser Welt, aufgezeichnet sind. Seine Worte sind - Gottes Worte! Nicht allein, weil Jesus Christus Gott ist, sondern auch weil Er als Gott-Sohn die Worte GottVaters uns Menschen weitergab.

Joh 17,8 "Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen..." Joh 17, 14 "Ich habe ihnen dein Wort gegeben,..." - wahre Worte! Wie könnte es bei dem Sohn Gottes auch anders sein! Joh 8,40 "Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat,..." Joh 8,45-46 "Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht?" Er sagt nicht nur die Wahrheit - Er ist die Wahrheit! Joh 14,6 "Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." - lebendige Worte! Sein Wort macht Kranke gesund und erweckt Tote zum Leben; Sein Wort vergibt Sünden und weist den Weg zum ewigen Leben! Joh 6,63 "... Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und Leben." Joh 6,68 "Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens;" - ewige Worte! Unser Herr kann von Seinem Wort sagen, was niemals ein Mensch von den seinen behaupten könnte, nämlich

Mt 24,35 "Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen." Was sagt der Herr über das NT? Sagt Er (prophetisch) etwas über die Inspiration dieser Bücher, die doch erst nach Seiner Himmelfahrt abgefaßt wurden? Ja, Er wies schon zu Seiner Erdenzeit auf den Heiligen Geist und dessen Aufgabe hin: Joh 14,26 "Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." Joh 16,13-14 "Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinem wird er's nehmen und euch verkündigen." In diesen Versen können wir die "Vorab-Legitimation" der Inspiration des NT durch Jesus Christus sehen. "Erinnern", "leiten", "lehren" und schließlich auch "was zukünftig ist, verkündigen" spiegelt das NT in seinen Teilen Evangelien, Apostelgeschichte, Briefe und Offenbarung wider. Als der Auferstandene hat Jesus Christus Sein Wort zur Grundlage christlicher Lehre gemacht. Mt 28,20 "und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

(2) das Zeugnis der Apostel über das NT Wir haben das Zeugnis der Apostel in bezug auf das AT betrachtet und festgestellt, daß sie sich zur vollen Inspiration der alttestamentlichen Schriften bekannten. Wie aber verhalten sie sich gegenüber den Evangelien bzw. den anderen Schriften des NT? Paulus, der so eindeutig zur Inspiration des AT steht, stellt das Evangelium des Lukas mit den AT-Schriften auf eine Stufe, indem er schreibt: 1.Tim 5,18 "Denn die Schrift sagt: 'Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden'; und: 'Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert'." Das erste angeführte Zitat ist aus 5.Mose 25,4 entnommen, während das zweite Zitat aus Lk 10,7 stammt. Petrus bekennt die Autorität der Briefe des Apostel Paulus: 2.Petr 3,16 "Davon redet er (Paulus, s. V.15) in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die anderen Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis." Diese Gleichstellung gilt nicht nur Paulus, sondern auch den anderen Aposteln, also auch Petrus selbst: 2.Petr 3,2"daß ihr gedenkt an die Worte, die zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten, und an das Gebot des Herrn und Heilands, das verkündet ist durch

eure Apostel." 1.Petr 1,25 "aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit'. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist." An der Person des Apostel Paulus entzünden sich immer wieder Fragen. Er gehörte ursprünglich nicht zu den 12 Aposteln, die unser Herr berief, als Er auf Erden lebte. Kann er trotzdem die Autorität eines Apostels beanspruchen? Handelt es sich in seinen Briefen um Gottes direktes Wort oder nur um die Werke eines geisterfüllten Menschen? Bei dem Ausmaß und der Bedeutung, die den Briefen des Paulus im NT zukommt, ist dies eine außerordentlich wichtige Frage. Es fällt uns auf, mit welchem Eifer Paulus sein Apostelamt verteidigt. Er beruft sich auf die Berufung Gottes, Gottes Willen zu erkennen, Jesus Christus zu sehen und zu hören, und Zeuge vor allen Menschen zu sein (Apg 22,14-15). Aufgrund dieser Berufung nennt er sich in seinen Briefen mit dem Titel göttlicher Autorität: Apostel Jesu Christi! (s. Grußformel der Briefe: 1,1) 2.Kor 11,5 "Ich meine doch, ich sei nicht weniger als die Überapostel." Jedoch fügt er auch hinzu: 1.Kor 15,8-10 "Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin." Die anderen Apostel anerkannten Paulus als den Apostel der Heiden:

Gal 2,7 "Im Gegenteil, da sie sahen, daß mir anvertraut war das Evangelium an die Heiden so wie Petrus das Evangelium an die Juden" So kann er mit vollem Recht von "uns Aposteln" sprechen (1.Kor 4 ,9). Paulus bezeugt, daß seine Lehre auf göttlicher Offenbarung gründet: 1.Kor 15,3 "Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe:..." Gal 1,11-12 "Denn ich tue euch kund, liebe Brüder, daß das Evangelium, das von mir gepredigt ist, nicht von menschlicher Art ist. Denn ich habe es nicht von einem Menschen empfangen oder gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi." Eph 3,3 "Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich eben aufs kürzeste geschrieben habe." Wir fassen zusammen: Das NT steht gleichberechtigt neben dem AT. In beiden Teilen der Heiligen Schrift offenbart sich Gott der Menschheit. Die Bibel tritt mit dem Anspruch an uns heran, Gottes Wort zu sein. Röm 16,25-26 "Dem aber, der euch stärken kann gemäß meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, durch die das Geheimnis offenbart ist, das seit ewigen Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbart und kundgemacht ist durch die Schriften der Propheten nach dem Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden:"

5. Die Unfehlbarkeit der Bibel a) Ableitung Wir glauben an die Unfehlbarkeit der Bibel. Aber worauf stützt sich dieser Glaube? Er stützt sich auf die biblische Lehre von der göttlichen Inspiration. Wir haben in den letzten Abschnitten gesehen, daß die Bibel Gottes Wort ist. Gott lügt nicht, noch kann Er sich irren: Er ist wahrhaftig! Tit 1,2 "in der Hoffnung auf das ewige Leben, das Gott, der nicht lügt, verheißen hat vor den Zeiten der Welt;" Röm 3,4 "Das sei ferne! Es bleibt vielmehr so: Gott ist wahrhaftig und alle Menschen sind Lügner; wie geschrieben steht: 'Damit du recht behälst in deinen Worten und siegst, wenn man mit dir rechtet.'" Hebr 6,18 "So sollten wir durch zwei Zusagen, die nicht wanken - denn es ist unmöglich, daß Gott lügt einen starken Trost haben, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung." Gleichzeitig wissen wir von der Allwissenheit des Schöpfers und Erhalters dieses Universums. Es ist unmöglich, daß Gott, der alle Dinge weiß und niemals lügt, sich widerspricht oder irrt! Eine zweite Ableitung der Lehre von der Unfehlbarkeit beruht auf der Person Jesu Christi. Wie wir sahen, ist Er das Wort Gottes. Wäre dieses Wort fehlerhaft, so wäre Christus fehlerhaft. Dies würde nicht nur die Göttlichkeit Jesu in Frage stellen, sondern unser ewiges Heil. Eine Sühnung unserer Schuld wäre dann nie geschehen! Im Jahre 1977 bildete sich das International Council on

Biblical Inerrancy (ICBI) (der Internationale Rat für Biblische Irrtumslosigkeit). Auf einer Konferenz dieser Organisation bibeltreuer Pastoren, Professoren und Laien, wurde am 26. Oktober 1978 die Chicagoer Erklärung über die Irrtumslosigkeit der Bibel verabschiedet. Nach einem Vorwort und einer kurzen Darlegung folgen 19 Artikel mit anschließender Erläuterung. Das Studium dieser Erklärung kann sehr hilfreich sein.

b) Einwände Gegen eine völlige Wortinspiration werden natürlich Einwände erhoben. Es leuchtet ein, daß Satan nichts unversucht läßt, dem Menschen Zweifel an der göttlichen Offenbarung und damit am einzigen Weg zur Gemeinschaft mit Gott zu erwecken. Diese Zweifel kommen nicht aus dem Wort Gottes, sondern aus unserem Herzen. Wann immer wir mit einem Menschen sprechen, der zweifelt, wollen wir uns vor einer rein "intellektuellen" Diskussion hüten. Es geht nicht um den Verstand, sondern um sein Herz! Satan benutzt verschiedene Motivationen, aus denen er Einwände, aber auch bewußten Widerstand in den Herzen der Menschen entspringen läßt: Die bewußte Gegnerschaft ist hierbei am ehesten als Satans Werk zu erkennen. Wer sich für die Bibel und für ihren göttlichen Autor einsetzt, wird von Satan angegriffen. So benutzt er bibelkritische, scheinbar wissenschaftliche "Theologen", die mit geradezu

missionarischem Eifer versuchen, jeden Gedanken an den göttlichen Ursprung der Bibel auszurotten. Auch der Wille des Menschen wird von Satan gebraucht. Immer wieder stärkt er dessen Widerstand gegen den Totalitätsanspruch des Wortes Gottes. "Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche!" (Lk 19,14) ist auch heute das Motto vieler Menschen. Gerade hier muß ein Gespräch über Widersprüche in der Bibel tiefer gehen, als nur in einem Austausch spitzfindiger Argumente zu verharren. Auch das Herz dieser Menschen kann von der Liebe Gottes erreicht werden. Häufig begegnet uns angebliche wissenschaftliche Redlichkeit. Der Wissenschaft wird dabei mehr Glauben geschenkt als dem untrüglichen Wort Gottes. Dabei kann die Wissenschaft von heute der große Irrtum von morgen sein. Betrachten wir nur den ganzen "Unsinn", der im Laufe der Menschheitsgeschichte als "Wissenschaft" den Menschen der jeweiligen Epoche verkauft wurde! Außerdem bemerken wir, daß viele Argumente, die gegen die Bibel benutzt werden, (so z.B. einige Archäologieergebnisse bei Bibelkritikern) längst veraltet sind. Die Wissenschaft ist stets ihrem Bekanntwerden einen Schritt voraus... - Allerdings unterstützen wir jede wissenschaftliche Anstrengung, die auf der Grundlage der göttlichen Inspiration der Bibel arbeitet. Kein noch so engagierter Bibelkritiker blieb - aber Gottes Wort bleibt in Ewigkeit!

c) Hilfestellung Oft werden wir auf angebliche Widersprüche oder Fehler in der Bibel hingewiesen. Für manchen Ungläubigen

sind dies willkommene Entschuldigungen, sich nicht mit der Bibel beschäftigen zu müssen. Wir merken bei genauerem Befragen, daß sich der Betreffende mit den Stellen gar nicht auseinandergesetzt, sondern solche Aussagen nur übernommen hat. Wir sind nicht zu Verteidigern, sondern zu Zeugen und Verkündigern berufen (1.Tim 6,3-5; 2.Tim 2,23) 1.Kor 2,14 "Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden." Wir müssen es uns schon gefallen lassen, wenn wir von unseren ungläubigen Zeitgenossen verspottet und verlacht werden. Doch auch wir stoßen im Bibelstudium auf schwer oder scheinbar nicht verständliche Verse oder Zusammenhänge. Wir sprechen von scheinbaren Widersprüchen. Wie gehen wir mit ihnen um? Woher kommen sie? Unkenntnis der Heiligen Schrift. Unser Herr Jesus warf den Schriftgelehrten Seiner Zeit vor: Mt 22,29-31 ".... Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes." (vgl. auch Mt 19,4; 21,45) Viele Stellen, die für uns Problemstellen waren, klärten sich in dem Maße, wie wir Gottes Wort näher und besser kennenlernten. Manche von denen, die uns noch heute schwierig erscheinen, werden uns noch einleuchten spätestens in der Ewigkeit! Hierzu zählen wir auch "Probleme", die durch die verschiedenen Heilszeiten in der Offenbarung Gottes oder synoptische Vergleiche "entstehen".

Unkenntnis der Kultur, Geschichte... Manche Stellen erscheinen uns rätselhaft, weil wir zu wenig über den kulturellen Rahmen, die Geschichte oder die Eigenarten der Ursprachen wissen. Durch "Erklärungen" und "Auslegungen" von Ungläubigen oder einseitigen und einsichtslosen Gläubigen werden angebliche Widersprüche geschaffen. Sie sind eigentlich nicht da, werden aber in die Schrift hineingetragen (Illustration: Unterschied zwischen Pilze sammeln und Ostereier suchen!) Textverderbnis. Wir bekennen die Unfehlbarkeit der Bibel nur für die Orginalmanuskripte (s. Definition der Inspiration). Im Laufe der Überlieferung und Übersetzung können sich Fehler eingeschlichen haben. Diese berühren nicht die Lehre von der Inspiration oder Unfehlbarkeit der Bibel. Unsere Begrenztheit. Unser Verstand ist zu klein, als daß er auch nur ein Wunder im Worte Gottes fassen könnte. Dies kann uns als Schlüssel zum richtigen Umgang mit Schwierigkeiten dienen. 1.Kor 13,9+12 "Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. [...] Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, ..." Am Schluß dieses Abschnittes wollen wir uns vergegenwärtigen, daß Einwände gegen die Bibel nicht erst eine Erfindung unserer Zeit sind. Wir lesen, was der Heilige Geist durch den Apostel Paulus zu sagen hat: 1.Tim 6,3-5 "Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus

Christus und bei der Lehre, die dem Glauben gemäß ist, der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern hat die Seuche der Fragen und Wortgefechte. Daraus entspringen Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänk solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die meinen, Frömmigkeit sei ein Gewerbe." 1.Tim 6,20 "O Timotheus! Bewahre, was dir anvertraut ist, und meide das ungeistliche lose Geschwätz und das Gezänk der fälschlich so genannten Erkenntnis," 2.Tim 2,14+23 "Daran erinnere sie und ermahne sie anständig vor Gott, daß sie nicht um Worte streiten, was zu nichts nütze ist, als die zu verwirren, die zuhören. [...] Aber die törichten und unnützen Fragen weise zurück; denn du weißt, daß sie nur Streit erzeugen." 6. Die Autorität VI. Kapitel: Unsere Stellung zur Bibel

1. Unsere Stellung zu verschiedenen Inspirationslehren Wenn wir Kommentare oder andere Bücher über die Bibel studieren, stoßen wir oft auf Aussagen, die uns befremden oder von denen wir sofort sagen können, daß sie falsch sind. Trotzdem erhebt der Autor den Anspruch, "bibeltreu" und "wissenschaftlich exakt" gearbeitet zu haben. Neben der Frage der Hermeneutik (Verfahren der Auslegung und Anwendung von Texten), stellt sich die Frage des Inspirationsverständnisses des

Autoren. Wir wollen die häufigsten Mißdeutungen der biblischen Inspirationslehre aufzählen. In allen erkennen wir letztlich den Versuch Satans, das Vertrauen in Gottes Wort zu untergraben. Sie entstehen, indem der Mensch etwas zu erklären versucht, was dem menschlichen Verstand unverständlich ist. Es geht um die zwei Elemente, zwei Kräfte, zwei Verfasser, die in jedem Wort der Bibel gleichzeitig vorhanden sind: Gott und der Mensch. Die verschiedenen Theorien über die Inspiration beschäftigen sich mit der Beziehung dieser beiden zueinander. Erst in den letzten 200 Jahren gewannen diese Überlegungen an Bedeutung; in früheren Jahrhunderten galt die Bibel als völlig inspiriertes Wort Gottes. Es erfordert heute Bekennermut, sich gegen die "modernen" Auffassungen über die Inspiration zu stellen. Man wird als "rückständig" bezeichnet, verspottet und verlacht. Gläubige Theologiestudenten können in den hiervon betroffenen Fachgebieten keine Doktorarbeit einreichen, weil sie als unwissenschaftlich gilt, wenn nicht die gängige Theologie vertreten wird. Wir wollen nun versuchen, einige Hauptanschauungen oder besser - Hauptirrtümer, über die Inspiration der Heiligen Schrift darzustellen. Wir werden uns bewußt machen müssen, daß viele Buchautoren und Theologen ein Gemisch unterschiedlicher Theorien vertreten. Vollkommen einig sind sich die wenigsten.

a) Natürliche Inspiration Eigentlich dürfte die natürliche Inspiration gar nicht zu den Inspirationsverständnissen gezählt werden, leugnet sie doch jeden übernatürlichen Eingriff Gottes. Sie lehrt, daß auf dem Gebiet der Religion außerordentlich begabte Künstler und Schriftsteller die Bibel schrieben. Paulus wird auf eine Stufe gestellt mit Shakespeare, Mohammed oder Goethe. Wir verwerfen diese Ansicht, denn sie leugnet den von der Schrift erhobenen Anspruch: Gott hat geredet! Gott hat in diesem Modell keinen Platz, es handelt sich eigentlich um eine atheistische Erklärung der Entstehung der Bibel.

b) Ideeninspiration Im Rahmen der Ideeninspiration wird versucht, den Inhalt (die Aussage) von den einzelnen Worten zu trennen. Nur der Gedanke gilt als inspiriert, nicht jedoch die vom Schreiber benutzten Wörter. Die Wortwahl war allein dem Schreiber überlassen. Wir könnten es auch so ausdrücken: nur die Schreiber waren inspiriert, nicht die entstandene Schrift. Wir verwerfen diese Ansicht, denn sie leugnet die direkte Offenbarung Gottes in der Schrift. Die Schrift wäre nur noch das Echo der stattgefundenen Offenbarung, eine Nacherzählung des Erlebten. Worte und Inhalt lassen sich nicht trennen. Worte können nicht einfach ersetzt oder vertauscht werden. Leider findet

diese Ideeninspiration auch unter wiedergeborenen Christen viele Anhänger, und das, obwohl die Bibel gerade auf die einzelnen Worte Wert legt (vgl. nochmals die Verse in 1.Kor 2,13; Joh 6,63; 17,8).

c) Partielle Inspiration Diese falsche Theorie behauptet, daß nur Teile der Schrift inspiriert sind, während andere Teile rein menschlichen Ursprungs sind. So seien z.B. die Aussagen über unser Heil inspiriert, während die Aufzeichnungen der Geschichte Israels dem Wissen und Glauben der damaligen Zeit entsprächen und aufgrund des ausschließlich menschlichen Ursprungs mit Fehlern behaftet seien. Neben den wunderbaren Offenbarungen enthalte die Bibel viele Mythen, Legenden und damit verbunden auch Fehler. Die beiden Verfasser - Gott und der Mensch - der biblischen Worte werden getrennt. Der Wissenschaft und dem Leser bleibt es vorbehalten, diese Trennung nach eigenem Gefallen vorzunehmen. Das Schlagwort dieser Theorie ist: "Die Bibel enthält Gottes Wort!" Es muß jetzt darum gehen, die Wahrheit zu finden. Über die Frage, wie dies möglich ist, herrscht Uneinigkeit. Für einige gilt als Kriterium eine inhaltliche Aussage ("was Christum treibet"), andere beurteilen die Schrift nach ihrer Nähe zur apostolischen Verkündigung oder auch, indem sie bestimmte Bücher der Bibel hervorheben. Bei anderen ist es das Gefühl, das als Kriterium dient, was Gottes Wort ist und was nicht. Diese Suche nach dem "Wort Gottes" innerhalb der Bibel wird als Suche nach

dem "Kanon im Kanon" bezeichnet. Wir verwerfen diese Ansicht, weil sich der Mensch anmaßt, Richter über das Wort Gottes zu sein. Er glaubt, er könne unterscheiden, was inspiriertes Gotteswort sei und was nicht. Dabei sind seine Kriterien niemals objektiv, sondern immer subjektiv. Was ihm gelegen kommt, ist göttlich; was ihm nicht paßt, darf eben nicht inspiriert sein! Wir können die beiden Verfasser der Heiligen Schrift nicht trennen. Wenn jeder einzelne entscheiden muß, was inspiriertes Wort Gottes ist und was nicht, so bleibt der Mensch zwangsläufig in einem gefährlichen, ungewissen Zustand. In den über 200 Jahren, in denen die Suche nach dem "Kanon im Kanon" mit viel Einsatz und Aufwand betrieben wurde, war man erfolglos. Dies liegt zum einen an den oben erwähnten subjektiven und zum Teil ungenauen Kritierien, zum anderen aber (und das ist der eigentliche Grund) an der Tatsache, daß die Bibel selbst keinerlei Maßstab, kein Kriterium für diese Suche gibt. Sie beansprucht in ihrer Ganzheit, mit allen Büchern und Kapiteln, Gottes Wort zu sein und als solches akzeptiert zu werden.

d) Graduelle Inspiration Im Unterschied zur partiellen Inspiration bezeugt die graduelle Inspiration göttliche Inspiration für alle Teile der Bibel, jedoch sei der Grad dieser Inspiration unterschiedlich. Man möchte unterscheiden zwischen christusnahen und christusfernen Teilen der Bibel. So gelten die Worte Jesu mehr als die Worte der Apostel,

die jedoch den Schreibern des AT wieder überlegen sind. Wir verwerfen diese Ansicht, denn wiederum erhebt sich der Mensch zum Richter über die Bibel. Dabei erliegt er einem Irrtum, weil er "Erkenntnis" und "Inspiration" verwechselt. Zwar mag es Unterschiede in der Erkenntnis (geistlichen Reife) der Verfasser gegeben haben, doch ist gerade dieser Unterschied durch die Theopneustie (Inspiration) aufgehoben worden.

e) Mechanische Inspiration Das mechanische Inspirationsverständnis oder auch "Diktatinspiration", lehrt, daß Gott dem Menschen Seine Worte diktiert hat. Der Mensch war damit nicht mehr selbst beteiligt, sondern nur Schreibmaschine Gottes. Wir könnten auch sagen, daß die Bibel vom Himmel gefallen ist. Die Schreiber der biblischen Bücher waren nur passive Empfänger und Sekretäre. Durch die passive Rolle des Menschen wurde, so wird gelehrt, der Text vor Fehlern und Irrtümer bewahrt. Wir verwerfen diese Ansicht, da die Persönlichkeit der einzelnen Verfasser in ihren Büchern klar zum Ausdruck kommt. Form und Stil der Bücher unterscheiden sich. Unterschiedlicher Wortschatz und unterschiedliche Wortwahl unterscheiden die Verfasser. Jesaja schreibt anders als Amos; Paulus anders als Johannes. Zudem stellt die mechanische Inspirationstheorie den Bibelleser vor unlösbare Probleme. So z.B. wenn er liest, daß Lukas geforscht habe (Lk 1,1-4).

Wir wollen jedoch festhalten, daß das Resultat der mechanischen Inspiration identisch ist mit dem Resultat der völligen Inspiration. Allerdings ist die Methode, wie Gott der Menschheit Sein Wort gab, völlig verschieden. Gott übergeht die Persönlichkeit des Schreibers nicht, Er benutzt sie! Vorsicht: Uns wird heute oft vorgeworfen, dieses falsche Inspirationsverständnis zu lehren. Das Schlagwort, das dann in der Diskussion fällt, heißt "Verbalinspiration"! Dieser Begriff wird im englischen Sprachraum für den Inhalt der biblischen "völligen Inspiration" gebraucht, hingegen im deutschen Sprachgebrauch meist mit der mechanischen Inspiration gleichgesetzt. Nachdem auch deutsche Autoren "Verbalinspiration" im englischen Sinne verwandten, haben wir einen Begriff mit zwei völlig verschiedenen Bedeutungen. Wir müssen also nachfragen und genau zuhören, wie der Begriff definiert wird.

f) Modernistische Inspirationsverständnisse Wir können nicht auf alle zeitgenössischen Strömungen in der Theologie eingehen. Meist sind sie eine Mischung der oben dargelegten Inspirationsverständnisse. Wir wollen jedoch kurz auf eine Richtung eingehen, wie sie neben anderen auch gerade von Karl Barth und seinen Schülern gelehrt wurde und wird. Dies ist daher notwendig, weil wir Einflüsse dieses Verständnisses in vielen Kreisen, auch innerhalb des evangelikalen Spektrums, vorfinden.

Mit großer Freude haben gläubige Menschen bei Barth gelesen: "die Heilige Schrift ist Gottes Wort" oder "wir glauben, daß die Bibel Gottes Wort ist". Nach Jahrzehnten radikalster Bibelkritik erschien dies als Befreiung. Doch Vorsicht! Hier werden oft biblische Ausdrücke gebraucht, die jedoch mit völlig anderem, unbiblischen Inhalt gefüllt sind. Plötzlich ist die Bibel nicht mehr das Wort Gottes, das wir in der Hand halten, sondern ein Buch, das Gottes Wort wird, wenn wir Gottes Reden darin hören! Barth sagt: "Die Bibel ist Gottes Wort, sofern sie Gott Sein Wort sein läßt, sofern Gott durch sie redet." Erst in dem Moment, in dem wir uns getroffen fühlen - Gottes direkte Ansprache vernehmen - wird das Wort der Bibel zu Gottes Wort. Gott bedient sich sogar einer fehlerhaften Schrift. Und wir erinnern uns an ein Reden Gottes durch die Bibel und schlagen sie auch weiterhin auf in der Hoffnung, daß sich dieser Vorgang, dieses unfaßbare Wunder wiederholt. Wir verwerfen diese Ansicht, weil die Bibel bezeugt, Gottes Wort zu sein (nicht zu werden!)! Wir brauchen nicht auf ein "Ereignis" zu warten, sondern dürfen aktiv lesen und Gott auf Sein Wort hin antworten. Die Gefahr dieser Lehre besteht nicht zuletzt darin, daß der Mensch sich nur noch passiv verhalten kann. In der missionarischen Predigt geht es nicht mehr um einen Aufruf zur Buße, zur Reaktion auf das Heilshandeln Gottes, sondern um ein Mitteilen von Information. In der Folge öffnet eine solche Theologie der "Allversöhnung" ("alle Menschen kommen in den Himmel") und dem Skeptizismus ("man kann ja letztlich doch nicht wissen") die Tür. Wir bekennen die Aussagen der Schrift, daß Menschen ohne Christus in die ewige Verdammnis gehen, die Erlösten jedoch sich ihres Heils

gewiß sein dürfen.

2. Unsere Stellung zur Auslegung der Bibel Neben dem Inspirationsverständnis spielt die Hermeneutik eine entscheidende Rolle. Es geht um die Art und Weise der Auslegung und Anwendung biblischer Texte. Da wir im Bereich der Bibliologie nicht Hermeneutik behandeln können und wollen, beschränken wir uns auf den zentralen Aspekt: das Wirken des Heiligen Geistes - s. Abschnitt c)!

a) Unfähigkeit des natürlichen Menschen Die Bibel lehrt, daß der natürliche Mensch vom Wort Gottes nichts vernehmen kann. 1.Kor 2,14 "Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden." Egal, wie gelehrt oder gebildet der ungläubige Mensch ist, er kann das Wort Gottes nicht begreifen, es ist ihm eine Torheit (1.Kor 1,18). Wann immer ein solcher Mensch eine führende theologische Stellung einnimmt, bedeutet es für die Sache des Herrn eine große Gefahr. Dies gilt genauso für unsere Mitarbeiterkreise in der Gemeinde (Sonntagsschule, Jungschar, Jugend, Frauenstunde, usw...). Bereits im AT finden wir Stellen, die deutlich zeigen, daß

die Schrift ohne den Heiligen Geist nicht verstanden werden kann: Jes 29,11-12 "Darum sind euch alle Offenbarungen wie die Worte eines versiegelten Buches, das man einem gibt, der lesen kann, und spricht: Lies doch das!, und er spricht: 'Ich kann nicht, denn es ist versiegelt'; oder das man einem gibt, der nicht lesen kann, und spricht: Lies doch das!, und er spricht: 'Ich kann nicht lesen.'." Bis heute hat sich daran nichts geändert. Es bleibt so, wie wir es beim Kämmerer aus Äthiopien finden: Apg 8,30-31 "Da lief Philippus hin und hörte, daß er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen." Auch den Jüngern, die lange Jahre mit dem Herrn Jesus gelebt haben, erging es nicht anders. Sie hatten alles für Ihn verlassen, folgten Ihm nach, liebten Ihn - aber Seine Reden über Tod und Auferstehung verstanden sie nicht. Lk 18,34 "Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war." b) Blindheit Israels Interessant ist es, an dieser Stelle die Situation des Volkes Israels zu betrachten. Die Juden unterliegen einer zeitlich begrenzten Blindheit (Röm 11,25). Diese ist zwar national, aber nicht universal, d.h. immer wieder können einzelne Juden zum Glauben kommen. Paulus selbst gehörte wie der Großteil der Urgemeinde zu

ihnen. 2.Kor 3,13-16 "und tun nicht wie Mose, der eine Decke vor sein Angesicht hängte, damit die Israeliten nicht sehen konnten das Ende der Herrlichkeit, die aufhört. Aber ihre Sinne wurden verstockt. Denn bis auf den heutigen Tag bleibt diese Decke unaufgedeckt über dem alten Testament, wenn sie es lesen, weil sie nur in Christus abgetan wird. Aber bis auf den heutigen Tag, wenn Mose gelesen wird, hängt die Decke vor ihrem Herzen. Wenn Israel aber sich bekehrt zu dem Herrn, so wird die Decke abgetan." Für den Ungläubigen wie auch für den Juden bleibt die Bibel toter Buchstabe - und der Buchstabe tötet (2.Kor 3,6). Der Geist gibt dem Buchstaben das Leben. Man kann die Bibel lesen, sogar mit dem Verstand die Prinzipien der völligen Inspiration bejahen und vertreten, ohne daß die Decke vom Herzen weggenommen ist.

c) Wirken des Heiligen Geistes Durch die Wiedergeburt beginnt ein wunderbarer, erleuchtender Dienst des Heiligen Geistes in dem Gläubigen. In dem Maße, wie wir Ihm Raum geben, wird Er uns das Wort öffnen. Chambon, ein großer französischer Theologe, drückte es so aus: "Der Heilige Geist ist der Schlüssel zur Schrift. Man kann wohl versuchen, die Tür zur Schrift ohne Schlüssel aufzustoßen, aber man zerbricht entweder das Schloß oder die Tür."

Der fleischliche Gläubige schränkt durch seine Eigenherrschaft das Wirken des Heiligen Geistes ein. 1.Kor 3,1-3 "Und ich, liebe Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen, wie zu unmündigen Kindern in Christus. Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Auch jetzt könnt ihr's nicht, weil ihr noch fleischlich seid. Denn wenn Eifersucht und Zank unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und lebt nach Menschenweise?" Hebr 5,12-14 bitte nachschlagen! Wenn der Heilige Geist jedoch die Herrschaft innehaben kann, dann macht Er aus dem geschriebenen Wort ein aktuelles, persönliches und überzeugendes Wort. Hebr 4,12 "Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräfig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens." Die Wirkungen des Heiligen Geistes in der Inspiration und Erleuchtung müssen immer zusammengehen. Joh 14,26 "Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." Joh 16,13 "Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen." 1.Kor 2,10 "Uns aber hat es Gott offenbart durch

seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit." 1.Joh 2,27 "Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, daß euch jemand lehrt; sondern, wie euch seine Salbung alles lehrt, so ist's wahr und ist keine Lüge, und wie sie euch gelehrt hat, so bleibt in ihm." Leider wird in manchen Kreisen die Erleuchtung durch den Heiligen Geist, die auch als das "innere Zeugnis des Heiligen Geistes" bezeichnet wird, mit eigenen religiösen Erfahrungen, mit dem Gewissen, der Vernunft oder einfach auch mit menschlichen Auslegungen verwechselt. Dabei wird dann der eigenen Erfahrung absoluter Wert beigemessen. Achten wir darauf, daß alle "persönlichen Führungen" des Heiligen Geistes durch das Wort Gottes kontrolliert werden. Wenn wir uns der absoluten Autorität der Bibel nicht mehr unterstellen, indem wir "angebliche" Erleuchtungen oder Führungen auf die gleiche Autoritätsebene stellen, gleiten wir ab in eine Schwarmgeisterei und Irrlehre (1.Kor 14,29) genannt Subjektivismus. Nicht das innere Zeugnis des Heiligen Geistes schafft die Autorität der Heiligen Schrift, sondern es überführt uns davon, daß diese Autorität eine Tatsache außerhalb von uns ist. Außerdem überführt uns der Heilige Geist, daß wir uns dieser Autorität mit unserm Leben unterstellen.

3. Unsere Stellung zur historisch-kritischen Auslegung der Bibel Schon lange vor der Aufklärung fand hin und wieder

eine Trennung zwischen gelebtem Glauben unter der Leitung des Heiligen Geistes einerseits und "wissenschaftlicher Erforschung" der Bibel unter Leitung des menschlichen Verstandes andererseits statt. Die Tendenz, den eigenen Verstand zum Maßstab der Erforschung göttlicher Offenbarung zu machen, wurde durch die Aufklärung nur noch verstärkt. Die "Wissenschaft" entwickelte daraufhin eine Methodik, die angeblich objektiv an den zu untersuchenden "Gegenstand", die Bibel, herangeht. Diese Methode, die historisch-kritische Methode (HKM), ist heute die einzig akzeptierte Vorgehensweise in jeder deutschen theologischen Fakultät. Wir können hier nicht ausführlich auf den philosophischen Hintergrund der HKM eingehen. Wir merken uns jedoch, daß sie von einem bestimmten Verständnis der Bibel ausgeht. Die Geschichte der Bibel scheint der einzige Weg zu sein, auf dem sich der Verstand der Bibel nähern kann. Diese ist für den Theologen nicht mehr das inspirierte Wort Gottes, sondern eine geschichtlich gewordene Religionsurkunde. In ihr spiegelt sich nicht mehr der Wille Gottes wider, sondern lediglich der Glaube jener Leute, die an ihrer Abfassung beteiligt waren. Da die HKM stark vom jeweiligen Zeitgeist abhängig ist, können wir sie nicht einheitlich beschreiben. Verschiedene Forscher benutzen sie auf verschiedene Weise. Ja, wir können nirgends auch nur den Ansatz einer objektiven Methode entdecken, sondern stoßen immer auf äußerst subjektive Bausteine, die nach Belieben zusammengefügt werden. Von diesen Bausteinen wollen wir die wichtigsten Begriffe kurz

darstellen und erläutern. Bevor wir uns jetzt mit den diversen "Kritiken" auseinandersetzen, wollen wir beachten, daß das Werkzeug, mit dem gearbeitet wird, nicht von vornherein zu verdammen ist. Auch wir wollen und müssen zum besseren Verständnis der Bibel Literar-, Form- und Redaktionsanalyse betreiben. Jedoch sprechen wir immer von "Analyse", nie von Kritik. An keiner Stelle wollen wir das ewige Wort Gottes durch Ergebnisse unserer Forschung verändern oder in Frage stellen. Nie wollen wir es beurteilen oder bewerten. Dies ist der Unterschied zwischen "Kritik" und "Analyse".

a) Literarkritik Eine Säule der HKM ist die Literarkritik. Hier wird die Bibel mit den Mitteln und Methoden untersucht, die ganz allgemein auf jedes andere Buch angewandt werden. Besonders der Verfasser steht im Mittelpunkt - sein Wortschatz und sein Stil werden genauestens untersucht, vor allem soll sein theologisches Grundanliegen herausgestellt werden. Mit diesen Informationen über den Verfasser ausgestattet, wird nun sein ganzes Werk kritisch unter die Lupe genommen. Alle Verse, Abschnitte, Kapitel oder auch ganze Bücher, die sich nicht mit dem selbstgewonnenen Bild von dem Verfasser decken, werden im Rahmen der Literarkritik als "unecht" eingestuft und verworfen. (So kommen z.B. Aussagen zustande, daß von den 66 Kapiteln des Propheten Jesaja nur 2 Verse von ihm selbst stammen könnten!)

Natürlich trägt diese Methode nicht zum Verständnis der Bibel bei. Wir müssen ihr entgegenhalten, daß sich allein schon durch unterschiedliche Situationen, Themen oder auch Empfänger der Stil und Wortschatz eines Autoren grundlegend unterscheiden kann. Dies wird jedoch nirgends berücksichtigt. Die Literarkritik ist damit in ihrem Kern von falschen Voraussetzungen ausgehend entlarvt. Häufig begegnen wir dem Begriff Quellenscheidung. Die Quellenscheidung gehört zur Literarkritik und untersucht vor allem bei sogenannten Sammelwerken, also Büchern, die angeblich nicht nur von einem Verfasser geschrieben wurden (1.-5.Mose wird oft angeführt), die diversen Einzelteile, aus denen das Buch später zusammengefügt wurde. Als Ergebnis der Quellenscheidung stehen wir vor einem Trümmerhaufen unterschiedlich abgegrenzter Abschnitte, über deren Zuordnung heftig gestritten wird. Wir stellen bald fest, daß gerade die Quellenscheidung äußerst subjektiv und damit unhaltbar ist. Was uns so oft als gesicherte Erkenntnis jahrelanger Forschung verkauft wird, entpuppt sich als rein spekulatives Gedankengebilde, das durch keinerlei Beweis abgesichert ist.

b) Formkritik In der Form- und Traditionskritik versucht der "Wissenschaftler", Einblick in die Zeit vor der schriftlichen Fixierung einzelner Abschnitte zu erhalten. Es geht um die Zeit der mündlichen Tradierung. Einzelne Abschnitte werden dann Kategorien wie

"Legende", "Sage" oder "Anekdote" zugeordnet. Oftmals wird noch versucht festzustellen, wo die so abgegrenzten Texte erzählt oder z.B. die Psalmen gesungen wurden. Der "Theologe" bezeichnet dies als den "Sitz im Leben". (Z.B. sollen bestimmte Verse der paulinischen Briefe ihren "Sitz im Leben" im Taufunterricht haben; d.h. diese Verse wurden, bevor Paulus sie aufschrieb, mündlich im Rahmen des Taufunterrichtes gebraucht. Die meisten Sitz-im-LebenAussagen sind jedoch reine Phantasieprodukte, bzw. schwach begründbare Spekulationen!) Im AT stoßen wir, so wird uns von Kritikern gesagt, häufig auf ätiologische Sagen. Sie wurden nur gebildet (sind also erfunden!), um eine bestimmte Erscheinung zu erklären. Hierbei kann es sich z.B um eine Ortsbezeichung, einen auffälligen Stein, Steinhaufen oder Ruinenhügel handeln. Nicht eine wahre Begebenheit gab der Stätte ihren Namen, sondern um den Namen zu erklären, wurde eine Geschichte erfunden und weitererzählt. Diese Auffassung von der Entstehung vieler Kapitel unserer Bibel weisen wir aufs schärfste zurück. Es muß noch einmal gesagt werden, daß wir uns wohl einer Formanalyse bedienen. Wir unterscheiden Formen und Gattungen, z.B. ist uns der Unterschied zwischen Poesie und Prophetie, zwischen Brief und Evangelium, aber auch in kleinerem Maßstab zwischen Hymnus, Klage- und Lobpsalm bekannt. Wir benutzen diese Formanalyse jedoch nur, um die Aussagen des Textes besser zu verstehen, nie um sie zu hinterfragen oder zu korrigieren.

c) Redaktionskritik Die Redaktionskritik betrachtet nicht mehr die einzelnen kleinen Abschnitte, sondern deren Rahmen. Dieser Rahmen verbindet die einzelnen Abschnitte miteinander zu dem betreffenden Buch. Indem man diesen Gesamtrahmen eines Buches untersucht, meint man, die theologische Absicht des Redaktors ermitteln zu können. Sie muß dem Exegeten bekannt sein, damit er die Intention des Verfassers versteht und die daraus folgende Färbung der Berichterstattung gebührend berücksichtigen kann. Mit anderen Worten: nicht mehr Gott offenbart sich durch die Werke eines Verfassers, sondern ein Mensch schreibt aus eigenem Antrieb ein Buch mit einer bestimmten Absicht. Nicht Gott ergreift die Initiative und lenkt in eine bestimmte Richtung, sondern der Mensch! Das ist unbiblisch.

Zusammenfassend können wir feststellen, daß Literar-, Form- und Redaktionskritik automatisch zur Sachkritik führen. Ihr geht es um die Frage, ob die in der Bibel berichteten Ereignisse wirklich so stattgefunden haben können. Nur was für den menschlichen Verstand einleuchtend und nachvollziehbar ist, kann als wirklich geschehen betrachtet werden. So scheidet alles Wirken Gottes auf übernatürliche Weise aus. Was nicht wiederholbar, allgemeingültig, allgemeinverständlich oder kontrollierbar ist, kann nicht stattgefunden haben. Uns leuchtet ein, daß bei einer so konsequenten Sachkritik große Teile der Bibel gestrichen werden müssen. Gott offenbart sich immer wieder auf unerklärliche Weise. Sie kann einmalig, nur für einen

Menschen gültig, nur von wenigen verstanden und völlig unkontrollierbar sein. Wir lehnen auch eine gemäßigte historisch-kritische Methode ab. Zur HKM sagen wir ein absolutes Nein.

4. Unsere Stellung zum Gebrauch der Bibel Am Schluß unserer Überlegungen über die Heilige Schrift wollen wir noch zwei wesentliche Punkte ansprechen. Wir haben verschiedene Aspekte des Gebrauchs, der Geschichte und des göttlichen Ursprungs der Heiligen Schrift untersucht. Wie stellen wir uns dazu? Es ist nicht möglich, ein echtes Studium der Bibliologie durchzuführen und dabei uns selbst auf "neutralem" Boden bewegen zu wollen. Das Wort Gottes ist kein totes Objekt, das analysiert und weggelegt werden kann. Nein, Gott spricht zu uns, Er fordert uns heraus und stellt uns unsere Verantwortung gegenüber einer verlorenen Welt vor Augen.

a) Herausforderung (1) Höre das Wort! Das ganze Wort Gottes ist eine laute Herausforderung an den Menschen: Höre! Jes 1,2 "Höret, ihr Himmel, und Erde, nimm zu Ohren, denn der Herr redet!"

Mt 17,5 "Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!" Off 2,7 "Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist." Ag 2,22 "Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wißt" Wir finden aber auch eine Vielzahl anderer Ausdrücke, die die gleiche Herausforderung beinhalten: Jes 34,16a "Suchet nun in dem Buch des Herrn und lest!" Ps 34,9 "Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!" Hes 3,10 "Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit dem Herzen und nimm sie zu Ohren!" Joh 7,37 "Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!" "Hören" ist eine innere Stellungnahme, die Bereitschaft, sich dem Wort Gottes auszusetzen. "Hören" ist ein aktiver Willensakt. Die Sünde beginnt damit, daß der Mensch nicht hören will, was Gott ihm zu sagen hat. Jer 25,3-4+8 "Vom dreizehnten Jahr des Josia an, des Sohnes Amons, des Königs von Juda, ist des Herrn Wort zu mir geschehen bis auf diesen Tag, und ich habe

zu euch nun dreiundzwanzig Jahre lang immer wieder gepredigt, aber ihr habt nie hören wollen. Und der Herr hat zu euch immer wieder alle seine Knechte, die Propheten, gesandt; aber ihr habt nie hören wollen und eure Ohren mir nicht zugekehrt und mir nicht gehorcht, [...] Darum spricht der Herr Zebaoth: Weil ihr denn meine Worte nicht hören wollt..." Vgl auch Jer 7,24-28.

(2) Glaube dem Wort! Wahres Hören und Glaube sind untrennbar verbunden: Joh 5,24 "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist von Tode zum Leben hindurchgedrungen." Röm 10,14+17"Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? [...] So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi." Der Heilige Geist, der Verfasser der Bibel, wirkt den Glauben durch das Wort Gottes. Er stellt uns vor die lebendige Person des redenden Gottes. Er, der Heilige Geist, verklärt uns Christus - das fleischgewordene Wort - so, daß in uns Glaube entstehen kann. Wie schon das Hören, so ist auch der Glaube ein Willensentschluß (nicht eine Sache des Verstandes!). Zwar ist Glaube Gottes Werk in uns, aber Glaube ist nie Zwang. Glaube ist das "Ja" unseres Willens auf die

Wirkung des Wortes Gottes hin. In Seinem Wort fordert Gott uns Menschen auf, dieses Wort (und damit die Person, die es redet) an- und aufzunehmen (Joh 1,12). Unglaube ist diejenige Sünde, um derentwillen die Welt verloren geht: Joh 16,9 "über die Sünde: daß sie nicht an mich glauben;" Joh 8,24 "Darum habe ich euch gesagt, daß ihr sterben werdet in euren Sünden; denn wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden." Hebr 11,6 "Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt" (3) Gehorche dem Wort! Wer das Wort Gottes aufnimmt, es glaubt, der läßt es auch zur Auswirkung in seinem Leben kommen. So wenig der Glaube vom Hören zu trennen ist, so wenig ist der tätige Gehorsam vom Glauben zu trennen. Die Schrift fordert uns immer wieder zur Tat heraus: 5.Mose 4,1 "Und nun höre, Israel, die Gebote und Rechte, die ich euch lehre, daß ihr sie tun sollt, auf daß ihr lebet und hineinkommt und das Land einnehmt, das euch der Herr, der Gott eurer Väter, gibt." Mt 7,24 "Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute." Jak 1,22 "Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst."

Jak 2,17 "So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber." Wieder ist unser Wille gefragt. Auch der Gehorsam dem Wort gegenüber ist eine bewußte Willensentscheidung. Jer 25,7 "Aber ihr wolltet mir nicht gehorchen, spricht der Herr, auf daß ihr mich ja erzürntet durch eurer Hände Werk zu eurem eigenen Unheil." Wir haben die Herausforderung der Heiligen Schrift vernommen: Höre! Glaube! Gehorche!

b) Verantwortung Wir können es nicht oft genug betonen: Mit der Bibel halten wir Gottes Wort, Seine Offenbarung, Seine Willensäußerung in Händen. Wenn uns dies bewußt ist, so spüren wir auch die große Verantwortung, die auf uns ruht. Röm 10,14+17"Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? [...] So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi." Evangelisation und Jüngerschaftsschulung, zwei Schlagworte, mit denen unsere Verantwortung verbunden ist. Ist sie uns wirklich bewußt? Ist dies das Wichtigste, das oberste Ziel in unserm Leben? (d.h. für diese Priorität setze ich meine ganze Kraft, mein ganzes Geld, meine ganze Begabung usw. ein!?)

(1) Verkündigung siehe Praktische Theologie- und Missionsfächer!

(2) Verbreitung der Heiligen Schrift siehe Praktische Theologie- und Missionsfächer!

(3) Versorgung mit entsprechenden Übersetzungen siehe Praktische Theologie- und Missionsfächer!

(4) Vermittlung von Erkenntnissen siehe Praktische Theologie- und Missionsfächer!

ANREGUNGEN: Es empfiehlt sich (z.B. auf einem hier eingefügten Extrablatt!), zu den oben genannten Punkten stets aktuelle Angaben der diversen Gesellschaften, bzw. Missionsgemeinschaften zu sammeln. Diese Informationen sind dann bei Bedarf (Predigtvorbereitung, Jugendstunden, Missionstage und -feste usw...) leicht zugänglich und stets aktuell. Sie können für sich eine Liste erstellen, welche Organisation in welchem der angesprochen vier

Bereiche ihre Hauptaufgabe sieht. Wo arbeiten die meisten Missionare? Sind die Kräfte (Geld und Personal) gleichmäßig verteilt? Wissen Sie bereits, in welchem dieser vier Bereiche der Herr Sie gebrauchen möchte? Bewegen Sie diese Frage regelmäßig im Gebet!