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Jürgen Elsässer
Terrorziel Europa

Jürgen Elsässer

Terrorziel

Europa

Das gefährliche Doppelspiel
der Geheimdienste

Residenz Verlag

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Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

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2. Auflage 2008
© 2008 Residenz Verlag

im Niederösterreichischen Pressehaus
Druck- und Verlagsgesellschaft mbH
St. Pölten - Salzburg

Alle Rechte, insbesondere das des auszugsweisen Abdrucks
und das der fotomechanischen Wiedergabe, vorbehalten.
Umschlaggestaltung: Studio B. A. C. K. / José Coli
Umschlagfoto: Waldhäusel
Lektorat:Verena Moritz

Typografische Gestaltung, Satz: Ekke Wolf, typic.at
Gesamtherstellung: CPI Moravia Books
ISBN 978-3-7017-3100-8

Für Mari

Inhalt 1 Die wichtigsten Akteure 11 Einleitung 13 Osama bin Laden und der Secret Service 29 Al Qaida ist von westlichen Geheimdienstleuten durchsetzt .bis an die Spitze 2 Londonistan 46 Militante Prediger schufen mit GeheimdienstLizenz die wichtigste Schaltzentrale des europäischen Dschihad 3 Das süddeutsche Netz In einem Balkandörfchen trafen Mitte der neunziger Jahre die wichtigsten Männer zusammen. die später in Mitteleuropa zum Dschihad antreten sollten 66 4 Eine maghrebinische Affäre Paris: Eine Terrorwelle mit Geheimdiensthintergrund erschütterte 1995/1996 die Hauptstadt und den Norden Frankreichs 91 .

der zu viel wusste Milano: Warum die CIA einen ihrer besten Mitarbeiter kidnappte 8 Aladin und die Wunderbomber Istanbul: Ein Dreifach-Agent soll die Anschläge in der Bosporus-Metropole finanziert . September trainiert haben 141 9 Verraten und verkauft Ulm: Martyrium und Mysterium des Khalid al Masri lassen viele Fragen offen 151 10 Terroristen und Agenten 175 Madrid: der Die Anschläge juristische vom 11.aber nicht nur 98 6 Kein Pearl Harburg Hamburg: Mohammed Atta ganz unislamische Freunde 108 7 hatte ein paar 132 Der Mann. Juli 2005 hat im Auftrag des MI6 in Bosnien und im Kosovo gekämpft 188 12 Ein Koffer voller Märchen 216 Köln: Die Spuren und nach Washington fuhren nach Trípoli - . Aufarbeitung März 2004 weist entscheidende Leerstellen auf 11 Im Geheimdienst Ihrer Majestät London: Der mutmaßliche Drahtzieher der Bombenanschläge vom 7.und die Attentäter des 11.5 Alte Bekannte Strasbourg: Bei der Planung eines Anschlags auf den Weihnachtsmarkt waren Dilettanten und Desperados am Werk .

13 Wenn V-Leute erzählen 235 Berlin und anderswo: Informanten der Polizei haben immer wieder Anschläge vorhergesagt . um eine Geheime Datenpolizei zu installieren 300 18 Die Putschisten 318 Deutschland ist auf dem Weg in eine Notstandsdiktatur Literatur 329 Register 334 .oder mit vorbereitet 14 Das Gerücht eines Gerüchts Wien: Die Erfindung einer »Al Qaida Österreich« kommt trotz Bemühungen kaum vom Fleck 245 15 Im Delirium eines deutschen 9 / 1 1 Oberschledorn: Die »Wasserstoffperoxidbomber« taten ihr Möglichstes. um auf sich aufmerksam zu machen 252 16 Das Netz der Gladiatoren 271 In vielen NATO-Staaten haben die USA während des Kalten Krieges einen unkontrollierbaren Terror-Untergrund geschaffen 17 Big Brother marschiert Der inszenierte Terror wird genutzt.

.

Die wichtigsten Akteure Das Londoner Netz Abu Hamza .Geheimdienst des Pentagon MI5 .Hassprediger und Rekruteur Abu Qatada .Hassprediger und Rekruteur Reda Seyam .Internationaler Kurier Kontaktleute der Netze Roubaix-Bande: Christoph Caze Strasbourger Weihnachtsmarkt: Fouhad Sabour Hamburger Zelle: Ramzi Binalshibh Istanbuler Anschläge: Louai Sakra Madrider Zelle: Yarkas Imad Eddin Barakat London 7/7: Haroon Rashid Aswat Ulmer Zelle: Fritz Gelowicz Pakistan: Ahmed Omar Saeed Sheikh Strategen der Spannung CIA .Hassprediger und Rekruteur Omar Bakri Mohammed .Chef der Organisation Al Muhajiroun Das süddeutsche Netz Yehia Yousif .Inlandsgeheimdienst Großbritanniens 11 .Auslandsgeheimdienst der USA DIA .

Inlandsgeheimdienst Frankreichs DGSE .Militärgeheimdienst Italiens BND .Auslandsgeheimdienst der Bundesrepublik Deutschland BfV .Auslandsgeheimdienst Frankreichs SISMI .Bundesamt für Verfassungsschutz mit angeschlossenen Landesämtern (LfV).Auslandsgeheimdienst Großbritanniens DST . Inlandsgeheimdienst der Bundesrepublik Deutschland 12 .Mi6 .

das sie sich aus dem weißrussischen Forschungsreaktor Sosny besorgt hatten. das Elend Strahlen verseuchter Hilfstrupps. Eine halbe Million Menschen flieht in panischer Angst vor dem tödlichen Fall-out . Zu diesem Zweck waren über 50 hochrangige Politiker und Experten von NATO. Ihnen wurden Nachrichtensendungen aus den Tagen der fiktiven Katastrophe präsentiert.»Europe you will pay. Mai des Jahres 2004. Der Angriff hat schon stattgefunden. Anhänger von Osama bin Laden haben sie aus hochangereichertem Uran zusammengebaut. Der schwerste terroristische Anschlag in der Geschichte der Menschheit. darunter auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana. EU und aus den USA zusammengekommen. 4. Auch das Anschlagsziel ist schon klar: das NATO-Hauptquartier in Brüssel. Adrette Sprecherinnen des Senders »Global Network News« und ernst dreinblickende Reporter wechselten sich ab und rapportierten die obigen Opferzahlen.« Slogan auf einer Islamistendemonstration in London. werden die Folgen schrecklich sein: 40000 Tote und 300000 Verwundete. Kommt Allahs Höllenfeuer über die belgische Metropole. your 9/11 is on the way. Wie im echten Leben wird die Ansagerin von sogenannten Breaking News unterbrochen. die ohnmächtigen Reaktionen der Politiker. Februar 20061 Einleitung Al Qaida hat die Atombombe.ein Albtraum. Eine Einspielung 13 . die ökonomischen Folgen. Gott sei Dank nicht in der Realität. sondern im Rahmen einer Notstandsübung. Bei entsprechender Windrichtung zieht die radioaktive Wolke Richtung Duisburg und Hannover. und zwar am 3.

.des Senders »Arab World News« folgt. können wir wieder tun. der auch die Terrorübung veranstaltet hat: das Center for Strategie and International Studies (CSIS). aber er ist nicht bin Laden. was simultan ins Englische übersetzt wird. die der Staatschefin Tod und Verderben an den Hals wünschen..2 Aber er ist nicht authentisch. eine Hure. er spricht wie bin Laden. verdient Folgendes festgehalten zu werden: Das Bekennervideo von Osama bin Laden für einen atomaren Anschlag in Europa ist schon fertig. Al Qaida hat keine Atombombe. Heute konnten Sie sehen. Der Mann sieht aus wie bin Laden. Offensichtlich kommt er aus derselben Weltgegend wie der Terrorist. Bleibt die Frage: Wie verhält es sich eigentlich mit den anderen Aufnahmen des Saudis. der das Vorgehen von Terroristen idealtypisch demonstriert und denunziert. Es stammt allerdings nicht von ihm.« Der Saudi spricht Arabisch. dass unser Angebot ein Zeichen der Stärke war . Der Dolmetscher hat einen undefinierbaren orientalischen Akzent. Was wir heute getan haben.. Eine Gottlose sei sie. Das macht den Clip noch authentischer. er wird übersetzt wie bin Laden. Aber Eure Politiker wollten nicht hören . Er ist gefälscht. Er zeigt eine Gruppe von religiösen Fanatikern. die dem Fernsehzuschauer gezeigt wurden? Die Anstifter Zu Jahresende 2007 begeisterte sich ein Millionenpublikum für einen Film. Der ultimative Bösewicht übernimmt die Verantwortung für den Horror: »Letztes Jahr haben wir den Europäern einen Waffenstillstand angeboten . So 14 . Zu sehen ist ein Bekennervideo von bin Laden. Bild und Ton wurden in einem US-amerikanischen Digitallabor erzeugt. Auftraggeber war der Think Tank. Das Bekennervideo ist ein Fake... Bevor wir uns näher mit dieser Firma beschäftigen. eine Ungläubige.. eine Brut Satans.

Mädchenjahre einer Königin«. der Vorstoß der 15 . wird von dessen Protagonisten auf das jahrhundertelange Ringen zwischen christlicher und islamischer Welt gestoßen: die blutigen Kreuzzüge ins Heilige Land auf der einen. vor allem mit der katholischen Führungsmacht Spanien.die schottische Katholikin gegen die englische Protestantin als solcher aber auch eingebunden in das geostrategische Ringen der damaligen Großmächte.. schickt einen Emissär zur Unterstützung der Schreckenstat.Das goldene Königreich« mit Cate Blanchett in der Hauptrolle. der schon vor neun Jahren das Publikum anlockte: »Elisabeth . Die Auseinandersetzung ist prima facie ein Religionskonflikt .hetzen die Verschwörer .. Im Mittelpunkt steht der geopolitische Zweikampf mit dem Katholizismus. Von ferne her gibt ein düsterer Herrscher dem Unternehmen seinen Segen. Deren Gefolgsleute sind es. blond und blass. ein Sohn des Habsburgers und Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Karl V. der Ende 2007 in die deutschen Kinos kam. Die Alliierte des spanischen Monarchen ist die schottische Königin Maria Stuart. Dessen Herrscher. sieht im Film wie der derzeitige iranische Oberschurke Ahmadinedschad aus. die sich gegen Elisabeth verschworen haben und ein Mordkomplott betreiben.fast allesamt junge Männer und planen den Tod der ehrenwerten Frau. Beschrieben wurde eine Sequenz aus dem Kinofilm »Elisabeth . In Wirklichkeit war Philipp. Der zweite Teil schildert Leben. Philipp II. Handelt es sich um eine Szene aus einem Al Qaida-Video? Wurde hier eine Fatwa gegen die deutsche Bundeskanzlerin auf Zelluloid gebannt? Sammelt auf diese Weise der Cyber-Dschihad seine Bataillone zum tödlichen Schlag gegen Deutschland? Weit gefehlt. Lieben und Herrschaft der englischen Königin in den Jahren nach 1585. Wer den aktuellen »Kampf der Kulturen« (Samuel Huntington) historisch vergleichen will. Die Hollywood-Produktion ist die Fortsetzung eines Kassenschlagers.

Mit Hilfe katholischer Glaubensgenossen unter Führung von Anthony Babington und der katho- 16 . nutzte ihre Rivalin die Situation aus: Maria wurde zwar das Gastrecht gewährt. Die schottische Königin war kurzzeitig. die Frankreich zwischen 1562 und 1598 zerrissen. In dieser Situation wurde die insulare Erbstreitigkeit zum Fokus der innerkonfessionellen und geostrategischen Rivalitäten. Doch an der Protestantenverfolgung auf dem Kontinent hatte sie keinen Anteil. Als die Stuart aber im innerschottischen Bürgerkrieg der Jahre 1565 bis 1568 unterlag und ihr in höchster Lebensgefahr die Flucht nach England als das kleinere Übel erschien. immerhin stammten beide Frauen aus der Dynastie Heinrich VII. Doch in den elisabethanischen Schlössern wurde die prominente Asylantin so streng bewacht. Vielmehr ging es zunächst um recht Profanes: Maria erhob Anspruch auf die englische Krone und bedrohte damit die Legitimität von Elisabeths Herrschaft. vor Beginn des Bürgerkrieges. In der Bartholomäusnacht 1572 wurden mehr als 3000 hugenottische Adelige. und der Grund für den tödlichen Hass Elisabeths lag auch ansonsten nicht in der katholischen Konfession der Schottin. die zu einer als interkonfessionelle Versöhnung gedachten Hochzeit nach Paris gekommen waren. auf dem jeder dritte Deutsche verblutete. erschlagen. Erinnert sei an den Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648. In diese Zeit fällt der Dualismus von Elisabeth und Maria Stuart.Osmanen bis an die Stadtgrenzen von Wien auf der anderen Seite. auch Königin von Frankreich. dass sie sich wie in einem Gefängnis fühlen musste. Franz starb im Jahre 1560. Ähnlich verlustreich verliefen die Religionskriege. als Gemahlin von Franz II.. In diesen Jahren wurde das Heilige Römische Reich zu einem Schlachtfeld. Hinzu kommt das noch blutigere Gemetzel zwischen den christlichen Konfessionen. London ebenso wie Madrid unterstützten in diesem Bürgerkrieg ihre jeweiligen französischen Glaubensgenossen.

In seiner historischen Kolportage Maria Stuart zeichnet der Schriftsteller anhand zeitgenössischer Dokumente nach. welche schließlich mit der Hinrichtung Maria Stuarts endete . muss zu einem Buch von Stefan Zweig aus dem Jahre 1951 greifen. in Babingtons Verschwörergruppe »unter der Maske leidenschaftlicher Katholiken einige seiner Spione . und es bleibt einzig übrig. Die Männer von Babington .. Vor allem jener Gifford. was von schottischer Seite gegen Elisabeth geplant wurde: die Verschwörung von Marias Anhängern. die viel entschlossener sind oder sich gebärden als Babington und seine Freunde.3 Im Jahre 1586 ist Maria Stuart bereits seit 18 Jahren in der Schutzhaft von Elisabeth.planen den Ausbruch ihrer Königin aus der düsteren Festung Fotheringhay und hoffen.. den Elisabeth später mit einer Jahrespension von hundert Pfund für seine Dienste belohnen wird. Wer sich für Tatsachen interessiert (und trotzdem gut unterhalten werden möchte). Marias Verschwörergruppe mit seinen V-Leuten zu unterwandern und so den Ereignissen eine Wendung zu geben. dass sie dann die Unzufriedenen auf der Insel sammeln und den Londoner Thron usurpieren kann. Ihnen 17 . ja sogar den Sturz von Elisabeth. »einer der fähigsten und skrupellosesten Polizeiminister aller Zeiten«.allesamt fanatische Katholiken.lischen Schutzmacht Spanien plante Maria Stuart ihren Ausbruch. erfüllt von der »Gläubigkeit junger romantischer Naturen« (Zweig) . wie Walsingham.und dem Aufstieg Englands zur führenden Kolonialmacht. und lief dabei in die Falle des englischen Polizeiministers Francis Walsingham. »Bald aber tauchen in dem Bunde der Ehrlichen einige Männer auf. Der nämlich schaffte es. Fanatiker und Instrukteure Im Elisabeth-Film wird die Geheimdienstoperation der Engländer unterschlagen. geschickt hat«.

dass der entsprechende Brief Maria Stuarts komplett vom Secret Service gefälscht wurde). nun war die Gelegenheit für die große Abrechnung gekommen: Die schottische Königin wurde verhaftet. ihren ursprünglich harmloseren Plan auf dieses Ziel hin zuzuspitzen. eigenhändig der Wahnsinnstat ihre Zustimmung zu geben (es gibt auch Hinweise. Stefan Zweig schildert die weltpolitischen Auswirkungen: »Elisabeth hat endgültig gesiegt und England mit dem Tode Maria Stuarts seine äußerste Gefahr bestanden. im Falle eines Mordkomplotts jeden hinzurichten . bis endlich Babington und seine Freunde wirklich auch das von Walsingham benötigte Attentat gegen Elisabeth ins Auge fassen«. Nie war die Königin mehr bewundert. nie mehr geliebt und verehrt als nach ihrer schlimms- 18 .. Mit einem merkwürdigen Ungestüm drängen sie auf eine ungleich gefährlichere Tat. mächtig wird nun seine Flotte ausgreifen können über die Ozeane nach allen Erdteilen und sie großartig zum Weltreich verbinden. dass ein gekröntes Haupt abgeschlagen wurde. Ein gerade verabschiedetes Sondergesetz gibt jedoch die Handhabe. Maria Stuart wird indessen. Die Zeiten der Abwehr sind vorüber. wiederum durch Einflüsterungen von V-Leuten. nicht aber die Schottin selbst. dazu überredet. Also werden die katholischen Konspirateure mit Hilfe von Polizeispitzeln dazu gebracht.scheint es nicht genug.. schuldig gesprochen und schließlich am 8. Der Reichtum wächst.5 »Benötigt« wird das Attentat von Geheimdienstchef Walsingham aus triftigem Grund: Für die bloße Befreiung Maria Stuarts könnte er zwar die Entführer enthaupten lassen. die eingeschlossene Königin zu retten. Nun konnte das Komplott aufgedeckt werden. Februar 1587 vom Scharfrichter geköpft. auf die Ermordung Elisabeths .«4Walsingham »lässt seine schuftigen Agents Provocateurs drängen und drängen.auch die Thronrivalin. Es war das erste Mal in der Geschichte der europäischen Dynastien. eine neue Kunst blüht auf in Elisabeths letzten Lebensjahren.

die in die klandestinen Strukturen der Verschwörer einsickern. Aber es ging und geht nicht nur um die Andersgläubigen. Auf der anderen Seite stehen Instrukteure der jeweiligen Staatssicherheit. zum 17. Im Kampf gegen den Katholizismus entstand im elisabethanischen England der Prototyp eines hoch zentralisierten Repressionsregimes gegen jedermann: »Der Staat . schrecken sie jedoch zurück. vor allem aber die Religion seiner Untertanen. Immer sind aus den Quadern der Härte und des Unrechts die großen Staatsgebäude gebaut.verkörpert und gipfelnd im Monarchen von Gottes Gnaden . Wenn dann der Coup .vor oder nach einem Blutbad aufgedeckt wird. die für ihren Gott und den Sieg ihres Glaubens durchaus zu kriminellen Aktivitäten bereit sind. und mit ehernem Schritt geht die Geschichte über sie hinweg. Vor dem Äußersten. Er verfügte . oder sie sind zumindest aufgrund ihres Dilettantismus nicht dazu in der Lage. dem Massenmord.überwachte und kontrollierte das Leben.«6 Mobilmachung und Krieg In vielen Polizeiaktionen gegen den sogenannten islamistischen Terror wiederholten sich die Grundmuster der Walsingham-Operation gegen die katholischen Untergrundkämpfer: Auf der einen Seite befinden sich religiöse Fanatiker und Schwarmgeister.äußerst modern anmu- 19 . immer ihre Fundamente mit Blut vermörtelt. unrecht haben in der Politik nur die Besiegten.ten Tat. Jahrhundert ähnelt der Einschüchterung der Muslime unter Premier Tony Blair. hat die Staatsmacht die Legitimität zur Durchsetzung diktatorischer Befugnisse: Die religiöse Säuberung gegen die Katholiken im Übergang vom 16. dort die irregeleiteten Desperados zu immer blutigeren Vorhaben drängen und ihnen erforderlichenfalls auch das Know-how sowie den Sprengstoff für den Terror liefern.

Bei den Kolleginnen und Kollegen der Journalistenzunft dominieren Paranoia und Islamophobie. das die Bombenbauer angestiftet oder trainiert haben soll.. zeigen heute die Scharfmacher in westlichen Hauptstädten nach jedem Anschlag oder Anschlagsversuch auf ein Land im Nahen und Mittleren Osten. Daneben eignete sich die Aufdeckung des inszenierten Mordkomplotts auch zur außenpolitischen Feinderklärung. umso weniger wird danach gefragt. Dies reichte von Vorladungen und Verhören über Geldbußen und finanziellen Ruin bis hin zur Todesstrafe. sondern >um Papisten auszuräuchern^«7 Zwischen 1581 und 1603 wurden 31 katholische Priester und 60 Laien in England hingerichtet. und zwar 20 . Pakistan und so weiter. So. sie durchzusetzen und die Ungehorsamen zu bestrafen. Syrien. Die Liste der Schurkenstaaten ist lang. der Krieg kann endlos fortgeführt werden. wie 1587 die vermeintlichen Drahtzieher des Attentats auf die englische Königin in Spanien ausgemacht wurden.und Strafgesetzgebung sowie durch seine Beamtenschaft über sehr effiziente Mittel. Dies geschah nicht aus Sorge um das Seelenheil. dann der Iran.tend . Und je mehr die einst freiheitlichen Gesellschaften in Europa sich in diesem Klima der Angst verpanzern. wie der ganze Wahnsinn ursprünglich begann: mit einer verdeckten Operation.mittels der Steuer.. welche feierlich unter bestialischem Sadismus vollzogen werden konnte . Hysterie und Paranoia Dieses Buch wird sich von fast allen deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Thema Terrorismus unterscheiden. mit einem Walsingham. das nächste Mal der Irak. Aus heutiger Sicht besonders abstoßend mutet die Überwachung und Kontrolle des (anglikanischen) Gottesdienstbesuchs und sogar des Kommunionempfangs an. Einmal soll es Afghanistan gewesen sein.

denen die Polizei zutraut. Dieses Buch wurde nur möglich.«11 Zeitungsartikel lesen sich oft so wie die Prosaversion von Geheimdienstberichten.unabhängig von der jeweiligen politischen Orientierung. dass islamistische Gruppen. in Deutschland zuzuschlagen.10 Sie malt ein düsteres Panorama: »Die Zeichen mehren sich. »Sicherheitspolitiker beunruhigt. Für die Münchner Tageszeitung macht Annette Ramelsberger Stimmung: »Fast 400 gewaltbereite radikale Muslime zählt die Polizei bundesweit .. die Informationen liefern.wer bietet mehr? Operiert in Deutschland eine Untergrundarmee aus moslemischen Terroristen und ihren Helfershelfern? Ramelsberger warnt vor der »Beschwichtigungsmaschine ... Das kann auf dem Oktoberfest in München sein oder im Hauptbahnhof von Berlin. 21 . zornige Einzeltäter oder Emissäre des Terrornetzwerkes Al Qaida versuchen. aber sie können anderen die Arbeit erleichtern. hält das für untertrieben. die die drohende Gefahr bedenkenlos kleinhäckselt«. hat es schwer. dass es möglicherweise 100 000 Muslime sind. auf dem Rockkonzert am Nürburgring oder auf einer Ostseefähre in Rügen.100000 . wenn ein Journalist ihre Arbeit kritisch unter die Lupe nimmt.. die über 30 000 Muslime. aber als nicht gewaltbereit gelten . dass sie Anschläge planen . Wer dagegen anschreibt. die zwar einem radikalen Islam anhängen. Ministerien und Dienste sind nicht besonders kooperativ... die in Deutschland das Ziel der Weltherrschaft des Islam mit politischen Mitteln anstreben. sogenannter Terrorismusexperte des »Focus«. Diese Leute müssen nicht selbst zuschlagen. Nehmen wir zwei Beispiele aus der Presselandschaft: die als linksliberal firmierende »Süddeutsche Zeitung« und ihr konservatives Gegenstück. weil es auch Ausnahmen gibt: unzufriedene Mitarbeiter der Behörden.es sind die sogenannten Gefährder.«8 Berndt Georg Thamm. Aber es gibt auch noch die anderen.«9 30000.. den »Focus«.

von wem er sich kontrollieren lässt. zum anderen auf eine süddeutsche Zelle. der im Mai 2006 seine Arbeit aufnahm und mögliche Gesetzesverstöße im Zusammenhang mit dem Antiterrorkampf zu klären hat. die mir eine ganz andere Verknüpfung der vorhandenen Informationen ermöglichten als den meisten Kollegen. Überdies bekam ich vom Verfassungsschutz keine Sicherheitsfreigabe. die dem Gremium zur Verfügung gestellt werden. aus den sensiblen Dokumenten zu zitieren. Der Staatsschutz darf nämlich genehmigen. Das Frappierende: In fast allen Fällen spielten Agenten oder V-Männer von Geheimdiensten eine tragende Rolle. das im zweiten Kapitel vorgestellt wird. Zum einen auf das Londoner Terrornetz rund um die Finsbury Moschee. erhielt ich Einblicke und Kontakte. Mit anderen Worten: Kein einziger dieser Morde oder Mordversuche hätte ohne die Mithilfe der Staatssicherheit unternommen werden können. Schnell verstand ich den Leitspruch von Sherlock Holmes: »Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache.Besonders profitiert habe ich von meiner Tätigkeit für den BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Fast jede der erwähnten Terrorattacken lässt sich auf zwei europaweit agierende Strukturen zurückfuhren. Obwohl ich aufgrund dieses Handicaps nur einige Monate für den Ausschuss tätig sein konnte. die mir das Studium besonders brisanter Geheimakten ermöglicht hätte. Zwar ist es jedem Mitarbeiter untersagt. Darüber informiert das dritte Kapi- 22 . die sich zunächst in Freiburg herausgebildet hat und sich von dort nach Ulm/ Neu-Ulm verlagerte. für die islamistische Täter verantwortlich gemacht wurden.« Zum Inhalt des Buches Die folgenden 300 Seiten kann man als Enzyklopädie aller europäischen Anschläge und Anschlagsversuche lesen.

Im Einzelnen werden behandelt: die Anschläge auf das Nahverkehrsnetz in Paris 1995 und in Nordfrankreich 1996 (Kapitel 4). MI6 und die US-amerikanische CIA. wie antidemokratische Fraktionen in den Sicherheitsapparaten durch geduldeten oder inszenierten Terror im Rahmen einer »Strategie der Spannung« die Vorbereitungen auf einen gigantischen 23 . der vereitelte Bombenterror zu Weihnachten 2000 in Strasbourg (Kapitel 5).nunmehr nicht mehr gegen den kommunistischen. Jahrhunderts bis zu der Epochenwende am 11. die Hamburger Zelle um die angeblichen Flugzeugentführer des 11. In Kapitel 17 wird beschrieben. Während es zum ersten Täterkreis in Großbritannien . Westliche Nachrichtendienste. sondern gegen den islamistischen Feind. wird der zweite Kontaktring in diesem Buch erstmals in seiner ganzen Tragweite enthüllt. die sogenannten Kofferbomber vom Kölner Hauptbahnhof 2006 (Kapitel 12).bereits einige Studien gibt. das Madrider Bombeninferno am 11. die Anschläge in Istanbul im Jahr 2003 (Kapitel 8). Juli 2005 in London (Kapitel 11). die Mailänder Zelle (Kapitel 7). die von der CIA/NATOGeheimarmee Gladio im Kalten Krieg durchgeführt wurden. wie diese Untergrundarbeit nach 9/11 fortgesetzt wurde . September 2001. Kapitel 1 gibt einen Überblick über die Kooperation vom Afghanistankrieg der achtziger Jahre des 20. März 2004 (Kapitel 10). blicken auf eine lange Geschichte der Zusammenarbeit mit moslemischen und anderen Extremisten zurück. mehrere Attentatsversuche in Berlin (Kapitel 13). Kapitel 16 stellt verdeckte Operationen vor. und skizziert. und das angeblich im September 2007 vereitelte deutsche 9/11 (Kapitel 15). September 2001 (Kapitel 6). vor allem der britische MI5 bzw. die 2007 in Wien festgenommenen sogenannten Cyber-Terroristen (Kapitel 14).allerdings nicht in Deutschland . die Anschläge auf drei U-Bahnen und einen Bus am 7.tel. die Ulmer Szene und die Entführung von Khaled al Masri 2004 (Kapitel 9).

was wahrscheinlicher ist: Die US-geführten Geheimdienststrukturen werden eine solche Attacke mit Hilfe moslemischer Dummies selbst durchführen. publizierte der Think Tank ein Memorandum. solche Planungen putschartig durchzusetzen. ehemalige Sonderbotschafter wie Bob Dole und Stuart Eizenstat.Überwachungsstaat vorantreiben. das die EU zu mehr Solidarität mit den USA 24 . etwa ein Jahr vor dem fiktiven Atomterror-Szenario. je tiefer die Bundesrepublik sich in den globalen Krieg der USA hineinziehen lässt. Entweder der islamistische Widerstand wird. dass insbesondere die Hardliner in der CDU/CSU um Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble versucht sein könnten. Zum Center for Strategie and International Studies (CSIS) gehören Vordenker der US-Außenpolitik wie Zbigniew Brzezinski und Henry Kissinger. Das abschließende Kapitel 18 diskutiert die Gefahr. Keine Entwarnung Für einen solchen Putsch bräuchte es einen Terroranschlag auf deutschem Boden. darf sich nicht wundern. Das Ziel: die mehrheitlich kriegsunwillige deutsche Bevölkerung von der scheinbaren Notwendigkeit des weltweiten Antiterrorkrieges zu überzeugen. Der transatlantische Schulterschluss ist auch die Intention des Think Tanks. der die eingangs geschilderte Notfallübung in Brüssel veranstaltet und das bin Laden-Bekennervideo produziert hat. Oder. Wer der wahnwitzigen Ansicht ist. Deutschland werde auf den Höhen des Hindukusch verteidigt. in Vergeltung der Beteiligung von Bundeswehrsoldaten an Gräueltaten in Afghanistan oder sonst wo. Ziele auch hierzulande angreifen. Dessen Wahrscheinlichkeit wächst. Im Jahr 2003. frühere Minister wie Warren Christopher und Madeleine Albright. wenn die Rächer der dortigen Opfer in den Tälern der Alpen zurückschlagen.

dass sie von atomarer Verwüstung bedroht sind. um den Amerikanern zu versichern.). S. S. CDRom mit bin Laden-Fake-Video im Besitz des Autors. 59fF. Black Dawn. Brüssels 3. Um Missverständnisse zu vermeiden: Dieses Buch richtet sich nicht gegen die deutschen Sicherheitsorgane.hammerschmidthummel. von Sury. William Shakespeare . 333. S. dass die Europäer mehr tun.htm. Berlin und Moskau der Fall zu sein schien? Dann muss man sie daran erinnern.5. Anmerkungen 1 2 3 4 5 6 7 8 Innenministerium Baden-Württemberg. Skript unter http://www. Berlin 2008. Stefan Zweig (FN 3). S. 25 . Stefan Zweig (FN 3). http://www.«12 Und wenn sie das nicht freiwillig tun. sgpproject. Das Wohl dieses Landes und seiner Menschen hängt davon ab. Shakespeare. 339. Januar 2006. um »Schaden vom deutschen Volk abzuwenden«.2004. dass die Vereinigten Staaten in Europa willkommen sind. Islamistische Terroristen planen den Anschlag. Die Demonstration wurde vom Umfeld der formal aufgelösten Organisation »Al Muhajiroun« veranstaltet. Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2006.auffordert: »Es ist dringlich und notwendig. Maria Stuart. Scenario-Based Exercise. wie es in jenem Jahr der Achsenbildung zwischen Paris. 214. Hans-V. (Rezension zu) Hildegard Hammerschmidt-Hummel.pdf. Stuttgart 2007. 392. Ganz im Gegenteil: Die allermeisten Mitarbeiter unserer Polizei und unserer Geheimdienste tun alles in ihrer Macht Stehende.de/translation/2c20032004. Annette Ramelsberger. 58. Frankfurt am Main 1962. die sich zum Gegenteil verschworen haben. falls sie sich dem Großen Bruder auf seinem Kreuzzug gegen den Islam nicht anschließen. S. die mit dem britischen Geheimdienst zusammengearbeitet hat (vgl. Stefan Zweig.entschlüsselt. dass sie den anderen. 340. Seine Zeit -sein Leben-sein Werk. Der deutsche Dschihad. S. Stefan Zweig (FN 3).org/events/Black%20Dawn%20Final%20Report. nicht das Feld überlassen. Center for Strategie and International Studies. wie es in der Eidesformel heißt. S.

z. John Laughland. S. Annette Ramelsberger (FN 8). 96. All News Is Lies: Becoming The 51st State. Die islamistische Gefahr in unserer Mitte.2003. S. S. Scoop 30. n. 11. 114. Terrorbasis Deutschland. 10 11 12 26 .9 Berndt Georg Thamm.5. München 2004. Annette Ramelsberger (FN 8).

die wichtige Arbeiten zu verwandten Themen publiziert haben.Danksagung Dieses Buch wurde nur möglich. Vielleicht hilft der konzentrierte publizistische Druck. Regine Igel und Daniele Ganser danken. Angaben finden sich in den jeweiligen Kapiteln. eine mutige Streiterin für die Wahrheit. Zeitgleich mit diesem Buch erscheinen die Werke von Christoph Hörstel und Michael von Wedel. (Genauere bibliographische Hinweise zu den Genannten kann man der Literaturliste entnehmen).juergen-elsaesser. Ein großes Dankeschön geht an Doris Glück. dass die Öffentlichkeit aufwacht. Insbesondere möchte ich Nafeez Mosaddeq Ahmed. Darüber hinaus bekam ich wertvolle Hinweise von Rechtsanwälten und Bekannten vieler . die von ähnlichem Fehlverhalten der deutschen Politik berichten. weil mir andere Experten mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.zu Recht oder zu Unrecht .angeklagter oder verurteilter Terrorverdächtiger. Vor allem Manfred Gnjidic hat mir wichtige Informationen geliefert. die ehemalige Frau von Reda Seyam.de 27 . Kontakt zum Autor: www.

28 .

Kapitel Osama bin Laden und der Secret Service Al Qaida ist von westlichen Geheimdienstleuten durchsetzt. CIA-Chef in Pakistan 1986-1989)1 I.2 29 .entstand Ende des Jahrzehntes und war nichts anderes als eine simple Anwesenheitsliste: Bin Laden wollte den Familienangehörigen der internationalen Brigadisten auf deren Nachfrage erklären können. also die wichtigsten Heiligtümer des Islam nutzte er zunächst die Ressourcen des Familienbetriebes und brachte Hunderte von Tonnen an Bulldozern. mit der Rekrutierung arabischer Freiwilliger für Afghanistan. Mekka und Medina restauriert. Der sowjetische Einmarsch in das Land am Hindukusch im Jahre 1979 hatte den damals 22-jährigen Saudi elektrisiert. wann ihre Söhne durch seine Ausbildungslager gegangen und ob sie noch am Leben waren. 1984 begann er in Absprache mit Prinz Turki. Er errichtete für sie ein Gästehaus im pakistanischen Peschawar. die zum Bau von Straßen. dem Chef des saudischen Geheimdienstes.bis an die Spitze Die Verbindung zwischen Osama bin Laden und den US-amerikanischen Geheimdiensten beginnt im Afghanistan der achtziger Jahre. Baggern und anderen Spezialgeräten nach Afghanistan. Al Qaida .»Bin Laden machte eigentlich ein paar sehr gute Sachen. aber auch von Unterkünften und Bunkern für die Kämpfer benutzt wurden. bezahlte für ihre Reise.« (Milt Bearden.sein Vater hatte unter anderem die Moscheen in Jerusalem.und Verpflegungskosten und kaufte Waffen zur Ausrüstung der neu geschaffenen Einheiten.Arabisch für »die Basis« . Als Sohn eines millionenschweren Bauunternehmers .

ob die USA nur Geld und Ausrüstung zur Verfügung stellten. die dann über den pakistanischen Geheimdienst ISI an die Front transferiert wurden.Es ist kein Geheimnis.«6 Ob es in den achtziger Jahren auch Kontakte der CIA 30 . und der britische Geheimagent Tom Carew hat seine Kampferfahrungen an der Seite der Mudschahedin gar in einem Buch festgehalten. zurückgestanden sein? Carew berichtete auch von der Militärausbildung der Gotteskrieger in Schottland. Das ist unglaubwürdig. die wesentlich stärker als die Europäer in Afghanistan engagiert waren. CNN-Reporter Peter Bergen verneint dies in seinem Standardwerk über Al Qaida entschieden und beruft sich dabei unter anderem auf einen hohen US-Beamten. dass die afghanischen Gotteskrieger in den achtziger Jahren von der US-Regierung massiv unterstützt wurden.3 Von den Saudis kam nach einer Absprache mit Washington noch einmal dieselbe Summe.5 Die Existenz von Mudschahedin-Camps in den USA behauptete Michael Springman. Leiter des amerikanischen Visabüros im saudischen Jeddah in den Jahren 1987 bis 1989. denn der damalige CDUBundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer besuchte die Gotteskrieger am Hindukusch gleich mehrfach.4 Und dahinter sollten die US A. um dann im Krieg in Afghanistan gegen die Sowjets eingesetzt zu werden. als dass ich Visa an Terroristen gab. Visa an ungeeignete Antragsteller auszufertigen. Allein die CIA hat sie in dem knapp zehnjährigen Kampf mit drei Milliarden US-amerikanischer Steuergelder gesponsert. Umstritten ist allerdings. oder ob es eine direkte militärische Zusammenarbeit mit den Männern bin Ladens und anderen Mudschahedin gab. und zu Trainingszwecken in die Vereinigten Staaten zurückkamen. gegenüber der BBC: »In Saudi-Arabien wurde ich wiederholt von hochrangigen Vertretern des Außenministeriums aufgefordert. die durch die CIA und Osama bin Laden rekrutiert worden waren.« Und weiter: »Ich tat nicht weniger.

bezahlt oder eine Verbindung irgendeiner Art mit ihm unterhalten hat... weil der erste Anschlag auf eine US-Militäreinrichtung auf der arabischen Halbinsel. deutsche Geheimagenten. (Ein früherer CIA-Beamter) legt sogar nahe.. April 1998 ausgestellt. ist unklar. zuständig für Einsätze in Schwarzafrika und den Anti-Terror-Kampf. aber falsche Vorstellung wiederholt.«7 Auch Buchautor Steve Coll unterstützt diese Sicht: »In den CIAArchiven gibt es keine Aufzeichnung über irgendeinen direkten Kontakt zwischen einem CIA-Offizier und bin Laden während der achtziger Jahre . dass sich US-Emissäre direkt mit bin Laden getroffen haben ..«8 Eine andere Sicht vertritt der Journalist Simon Reeve in seinem Buch The New Jackais: »Amerikanische Emissäre sind angeblich nach Pakistan gereist. der bin Laden zugeschrieben wird. um sich mit Mudschahedinführern zu treffen. dass die CIA niemals bin Laden beschäftigt. sondern der libyschen Regierung.. Die US-Regierung streitet beides vehement ab: »Zahlreiche Berichte in den Medien haben eine weit verbreitete. Sie unterstanden dem 31 ... oder ob man nur über Mittelsmänner verkehrte. und zwar nicht auf Veranlassung der US-amerikanischen. wonach die CIA damals eine Verbindung mit Osama bin Laden hatte. Hätte die CIA das verdeckt gemacht..«9 Osama bin London Der erste Haftbefehl von Interpol gegen Osama bin Laden wurde am 15. wäre das eine Meisterleistung.zu bin Laden persönlich gab. bereits zwei Jahre vorher stattfand. nämlich 1996 in Dharan. Die Libyer legten bin Laden einen angeblich von ihm angeordneten Mord an zwei Deutschen am 10. Es sollte bekannt sein. Das ist deswegen erklärungsbedürftig. »Bei den beiden deutschen Staatsbürgern handelt es sich um Silvan Becker und seine Ehefrau. März 1994 zur Last..

das heißt zumindest bis 1996. Zu jener Zeit also. und theoretisch hätten sie alle Hebel in Bewegung setzen müssen. Dabei wussten Interpol und sämtliche westlichen Justizbehörden schon im April 1998. dass die Attentatsplanungen von der britischen Regierung unterstützt wurden. Die Buchautoren Steve Coll. Der Deal wurde angeblich über Kontakte bei der Waf- 32 .12 Sie fanden Indizien für folgende Besuche: 1986: Teilnahme an Verhandlungen des afghanischen Widerstands zum Einkauf russischer SA-7 Abwehrraketen.10 Nach den Enthüllungen von David Shayler. der 1998 zum Team der Bombenleger vor der US-Botschaft in Nairobi gehörte. schreiben die französischen Geheimdienstexperten Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquie. Die Identität ihrer Mörder wurde nie aufgedeckt. aber dem Premierminister unterstehen. als die Emissäre des Bundesamtes ihre Wege kreuzten. Diese planten die Ermordung Muammar al Ghaddafis. Simon Reeve und Richard Labeviere berichten von häufigen Aufenthalten bin Ladens in London. mit den wichtigsten Verbündeten von Osama bin Laden zusammen!«11 Mit an den Anschlagsvorbereitungen beteiligt war bin Ladens Vertrauter Anas al Liby. waren die beiden Deutschen Anhängern des saudischen Millionärssohnes in die Quere gekommen. arbeiteten die britischen Geheimdienste. die sich in der libyschen Oppositionsgruppe »Al Muqatila« zusammengeschlossen hatten.Operation sollte Ghaddafi anlässlich eines öffentlichen Umzugs inmitten seiner Eskorte ermordet werden. die Teil des Foreign Office sind. die sich von einer Beseitigung des libyschen Staatschefs eine Reprivatisierung des Erdölsektors erhoffte. um ihn festzunehmen«.Bundesamt für Verfassungsschutz. dass Osama bin Laden der Verantwortliche war. Shayler berichtet. »Bei der gescheiterten . eines Agenten der Nordafrika-Abteilung des britischen MI5.

dass bin Laden daran interessiert war. Der Inhalt der Artikel ist weitgehend deckungsgleich. bis zum 14. Der entsprechende Artikel aus der renommierten französischen Tageszeitung »Le Figaro« vom 31.fenfirma Heckler & Koch vermittelt. 1994: Zwei Visiten. September 2001 mit US-Agenten. Das war anscheinend eine ernsthafte Nachfrage. Callaway hatte ihn aufgrund dieses Leidens dort schon 1996 und 1998 medizinisch versorgt. Demnach wurde bin Laden vom 4. nach Großbritannien zu kommen. Home Secretary Michael Howard erklärte: »Tatsächlich weiß ich wenig über ihn. unter anderem mit seinem Privatflugzeug. seinem damaligen Exilland. Bin Laden soll im Londoner Dorchester Hotel abgestiegen sein. Oktober 2001 trug den Titel »Die CIA hat bin Laden in Dubai getroffen«. »Nach Angaben verschiedener arabischer Diplomaten fand diese Reise eindeutig unter dem Schutz der britischen Behörden statt. der »Guardian« und die Nachrichtenagentur AFP berichteten am 1. 1995/1996: Mehrere Besuche in London. da ihm der Boden im Sudan. darunter ein Treffen mit Militanten der algerischen Terrorgruppe GIA.«15 Krankenbesuch in Dubai Mit hoher Wahrscheinlichkeit traf sich der saudische Multimillionär kurz vor den Anschlägen des 11. bin Laden habe zehn Jahre vorher überlegt. Auch die Londoner »Times«.«14 Ein britisches Kabinettsmitglied erklärte 2005. Während seines Aufenthaltes wurde der Patient »von mehreren Mitgliedern seiner Familie und sau- 33 . aber wir bekamen Informationen. November 2001 darüber. Asyl in Großbritannien zu beantragen. Juli 2001 im amerikanischen Krankenhaus in Dubai vom US-Arzt Terry Callaway wegen Nierenversagens behandelt. zu heiß wurde.13 1991: Besuch im Londoner Haus des Multimilliardärs Khalid bin Mafouz.

«17 Der »Guardian« meinte. September und nach der Hinrichtung von Saddam Hussein im Dezember. Juni 1951 in Maadi. 2006 unter anderem zum Jahrestag des 11. »Dies wurde später von der CIA. die den Sturz der linksnationalistischen Nasser-Regierung und die Herrschaft des Islam zum Ziel hatte. besucht«. In den letzten zwei. Juli soll CIAResident Larry Mitchell am Krankenbett gewesen sein. Man sieht den schweigsamen Brillenträger auf jeden Fall in einigen Videos an der Seite bin Ladens sitzen.16 Am 12.18 Nach Angaben der Zeitung wurde der Saudi noch von einem zweiten CIA-Mann im Krankenhaus besucht. Der Stellvertreter Neben bin Laden selbst gibt es noch eine weitere wichtige Dschihad-Figur mit verdächtigen Geheimdienstkontakten: Ayman al Zawahiri. deren Gründung Ende der 34 . die zwiespältige Rolle der CIA zu enthüllen und Washington davor zurückzuhalten. drei Jahren hat er sich jedoch häufiger mit Internet-Filmen zu Wort gemeldet als bin Laden selbst: In den Jahren 2003 und 2004 äußerte er sich zehn Mal. Nach der Zählweise der westlichen Antiterrorismus-Experten ist er angeblich die Nummer zwei in der Al Qaida-Hierarchie und hat an wichtigen 9/11-Planungskonferenzen in Afghanistan teilgenommen. Schon als 15-jähriger Schüler gründete er nach eigenen Angaben eine erste geheime Gruppe. dem Geheimdienstchef.19 Er wurde Mitglied der Muslimbruderschaft. Zawahiri wurde am 19. »der scharf darauf ist. dass die Meldung vom französischen Nachrichtendienst kam.dischen Persönlichkeiten. als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. dem Krankenhaus und sogar bin Laden selbst abgestritten. einem Stadtteil von Kairo. darunter Prinz Turki al Faisal. >Figaro< und Radio France International blieben bei ihrer Darstellung. den Krieg auf den Irak und anderswohin auszudehnen«.

er habe von dort aus »terroristische islamische Operationen in Bosnien-Herzegowina geleitet«. 68ff.22 Sein Bruder Mohamed ließ sich 1992 in der albanischen Hauptstadt Tirana nieder und etablierte eine Islamistenzelle. die im bosnischen Bürgerkrieg (1992-1995) an der Seite ihrer Glaubensbrüder und erneut mit klandestiner US-Hilfe gegen die Ungläubigen kämpften (vgl. Er soll die Einreise der internationalen Dschihad-Brigaden koordiniert haben. Spendensammeln mit einem US-Offizier Zu Beginn der neunziger Jahre engagierte sich der Ägypter auf dem Balkan.201974 führte Zawahiri nach eigenen Angaben eine Zelle mit 40 Mann. Begleitet wurde er auf diesen Reisen von einem gewissen Ali Mohammed . Ende der 1970er Jahre fusionierte er mehrere Untergrundzellen zur Gruppe Islamischer Dschihad.zwanziger Jahre von der britischen Regierung unterstützt worden war.21 Das Fachblatt »Defense and Foreign Affairs and Strategie Policy« behauptet. um Spenden für seine Organisation zu sammeln. um dort zusammen mit bin Laden gegen die Sowjets zu kämpfen. Zawahiri wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und in der Haft gefoltert. 1981 ermordete diese Organisation den Staatspräsidenten Anwar el Sadat. Während dieser Zeit sind Kontakte Zawahiris zum USGeheimdienst dokumentiert. Mitte der achtziger Jahre reiste er mit vielen seiner militanten Gefährten nach Afghanistan. Anfang der neunziger Jahre reiste der Ägypter zwei Mal in die USA. S.23 Der Ägypter Mohammed diente von 1971 bis 1984 in der Armee seines Heimatlandes und arbeitete dann in der Antiterrorabteilung einer Fluglinie.). 1985 35 .eine der schillerndsten Figuren im Pas de deux zwischen USA und Dschihadisten. Im Herbst 1991 eröffnete er zu diesem Zweck ein Büro in der bulgarischen Hauptstadt Sofia und wurde ab Sommer 1994 dort gesehen.

die in allen Ecken der Welt Geheimaufträge für das Pentagon durchführen. »Als Assistenzlehrer half er dem Seminarleiter bei der Vorbereitung von Unterrichtseinheiten zu Politik. hat seinen guten Grund: 1988 nutzte er einen Armeeurlaub zu einem Ausflug an den Hindukusch. nachdem er den Russen eigenhändig umgebracht hatte. Dass Mohammed sich bei diesem Thema auskannte.zog er in die USA und bekam die Staatsbürgerschaft. unter anderem erstellte er eine Reihe von Videofilmen über diese Region. Er soll schließlich auch »Al Qaida-Einheiten« im ostafghanischen Khost trainiert haben.26 Zurück in Fort Bragg zeigte er seinen Kameraden Trophäen seiner Kämpfe.24 In Fort Bragg machte Mohammed Karriere und gab Unterricht im Special Warfare Center. Ab 1993 arbeitete er an der Vorbereitung von Anschlägen auf die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi. »dass Mohammed niemals in die USA hätte einreisen. geschweige denn einen Job in Fort Bragg bekommen können.dem Hauptquartier der Special Forces.27 Im Nachhinein ist Anderson sicher. darunter den Uniformgürtel eines sowjetischen Soldaten.28 1989 trat Mohammed aus der US-Armee aus und half 1991 bin Laden bei der Übersiedlung in den Sudan. die schließlich 1998 stattfanden. Er habe ihn erbeutet. »Irgendwann Mitte der achtziger Jahre« bot er sich außerdem der CIA als Informant an. Geschichte. hätte nicht jemand bei der CIA oder im State Department sein Visum abgesegnet«.25 In seinem militärischen Führungszeugnis wird eine seiner »herausragenden« Vorlesungen über die Specnaz erwähnt. 1986 verpflichtete er sich zu einem dreijährigen Dienst in der US-Armee und leistete diesen ausgerechnet in Fort Bragg ab . um dort »Seite an Seite mit bin Ladens Männern« zu kämpfen. berichtete Mohammed seinem Vorgesetzten Robert Anderson stolz. Fotos von möglichen Zielen in Nairobi will er 1994 bin Laden im 36 . die in Afghanistan eingesetzten Sonderkommandos der Roten Armee. Kultur und Militär der Länder des Nahen Ostens«.

31 Unter anderem bot er seine Dienste dem FBI und einem Unternehmen an. weil er sich »auf eine inoffizielle Absprache mit den Strafverfolgungsbehörden« einließ. wenn er nicht gerade für den Dschihad um die Welt flog. Bei seiner Festnahme trug er amerikanische Geheimdokumente und eine Anweisung zur Platzierung von Sprengstoffen in öffentlichen Gebäuden bei sich. selbst in der Zeit. in einem Apartment in der kalifornischen Stadt Santa Clara . bewarb er sich weiter bei amerikanischen Regierungsbehörden«. Die FAZ schreibt: »Eine Woche nach den Anschlägen auf amerikanische Botschaften in Ostafrika wurde Ali Mohammed festgenommen. Zu jenem Zeitpunkt arbeitete Ali Mohammed als Übersetzer für das FBI. angeblich suchten beide Seiten in dieser Zeit nach einer gesichtswahrenden Übereinkunft. sagte Mohammed später. wundert sich CNN-Terrorspezialist Peter Bergen. »Bin Laden schaute sich ein Foto der amerikanischen Botschaft an und zeigte auf die Stelle. arbeitete er immer noch für die US-Dienste..30 »Von 1992 bis 1997 lebte Ali Mohammed. wo ein Selbstmordbomber mit einem Lastwagen hinfahren konnte«. der vorher an den vom MI5 in Auftrag gegebenen Mordplänen gegen den libyschen Staatschef Ghaddafi beteiligt gewesen war.. Als er 1998 am Bombenterror in Daressalam und Nairobi beteiligt war.29 In Nairobi war sein engster Kompagnon bei der Anschlagsvorbereitung derselbe Anas al Liby.«32 Schließlich wurde er nur zu einer kurzen Haftstrafe verurteilt. das geheime Aufträge des Verteidigungsministeriums ausführte.33 37 .Sudan vorgelegt haben. Acht Monate wurde seine Festnahme vom FBI geheimgehalten. in der er im Auftrag von Al Qaida um die Welt reiste. So unglaublich es klingt.

38 .34 Zu Jahresanfang 2005 sollte US-Geheimdienstmitarbeitern zufolge eine weitere geheime Militäroperation stattfinden.Rumsfeld schützt Im bosnischen Bürgerkrieg arbeiteten die von Zawahiri organisierten Mudschahedin-Verbände eng mit den USDiensten zusammen (siehe dazu Kapitel 3). Nur fünf Minuten entfernt standen Green Berets-Einheiten zum Eingreifen bereit. Das konnte man im Juli 2007 in der »New York Times« lesen.«35 Seit 2006 hat Zawahiri die US-Politik durch Attacken auf deren Hauptfeinde. von dem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in letzter Minute abgebrochen worden. Der Geheimdienst vermutete. »Allerdings sei der Einsatz. berichtet die Zeitung unter Berufung auf Geheimdienstmitarbeiter weiter. deren Ziel die Verhaftung hochrangiger Al QaidaMitglieder in den Bergen Pakistans war. Aber diesen wurde befohlen. also die palästinensische Hamas. so sein Kommentar direkt nach dem Triumph der Hamas an den Wahlurnen. dass die Hamas sich am palästinensischen Parlament beteilige und nicht allein auf den bewaffneten Kampf orientiere. An ihrer Stelle sollte eine weiter entfernte Truppe die Verhaftung übernehmen. Bush hielt ihre schützende Hand über den Ägypter. Im Jahr 2004 führte die »Washington Post« den Vorgang als einen in einer ganzen Serie verpasster Gelegenheiten zur Festnahme wichtiger Terroristen an. In einer Videobotschaft im Dezember 2006 kritisierte er. sich zurückzuhalten. »Jeder andere Weg (als der des Dschihad) wird uns nur zu Verlust und Niederlage führen«. Die brauchte zu lange für die Aktion: Zawahiri konnte entkommen. dass sich dort auch Zawahiri aufhielt. Im Frühjahr 2002 soll sich Zawahiri in einer Klinik im afghanischen Gardez aufgehalten haben. Auch die Regierung von George W. de facto unterstützt. die libanesische Hisbollah und die iranische Führung.

angeblich Mitglied der »Kommandoebene von Al Qaida«. die Nummer zwei der Hamas und kurz darauf zum Außenminister ernannt. schreibt »Spiegel Online«. Durch eine Indiskretion wurde schließlich am 2. Nach der offiziellen Lesart wurde er am 13. nur als Versuch des israelischen Sicherheitsdienstes. unsere Reihen zu brechen«. und wenn. dass es Al Qaida nicht in den palästinensischen Gebieten gibt. die ein. gelinde gesagt. Obwohl das Vögelchen also 39 .37 In der Schattenwelt Neben bin Laden. als sei nichts geschehen . Ende August 2007 meldete »Spiegel Online«.Mahmoud Zahar.36 Im April 2008 nannte Zawahiri die Hisbollah-Anhänger »Weichlinge«. replizierte ebenso polemisch: Es sei »kein Wunder. und Khan kommunizierte mit seinen Qaida-Genossen weiter. September 2001. Als »lächerlichen Witz« bezeichnete er. August 2004 doch bekannt. dass Khan in den Fängen der Antiterrorjäger war. »Der Deal war offenbar denkbar einfach: Die Behörden meldeten die Verhaftung nicht. MI6 und angeblich auch CIA mitgelesen wurde«. ungeklärtes Naheverhältnis zu den US-Geheimdiensten haben. Juli 2004 in Pakistan verhaftet und wechselte dann im Gefängnis die Seite. dass einer der farbigsten Spieler in der Schattenwelt zwischen westlichen Geheimdiensten und Dschihadisten wieder auf freiem Fuß ist: Mohammed Naeem Noor Khan.nur dass die Korrespondenz eben von ISI. Zawahiri und Mohammed gibt es weitere Top-Terroristen. die ihrerseits insgeheim von den Juden gesteuert würden«. Die libanesische Widerstandsgruppe und der sie unterstützende Iran seien »Agenten der USA. Die Verbindung zu Osama bin Laden und seinen Leuten riss ab. dass der iranische Staatschef Mahmud Ahmadinedschad zuvor darüber spekuliert hatte. Israel und nicht Al Qaida stecke hinter den Terrorattacken des 11.

ist erklärungsbedürftig.anders wäre das Ausmaß der pakistanischen Milde nicht zu verstehen«. gilt die Operation Khan bis heute als Erfolg. Mindestens ein großer Terroranschlag auf der Insel konnte möglicherweise vereitelt werden«. Schon bei der Hinreise »wird Al Midhar 40 . Dieser wird aber als (fehlgeschlagene) Observation und nicht als Kooperation dargestellt. Dies kann bei Khalid al Midhar und Nawaf al Hazmi. dass man zu den beiden bereits im Vorfeld der Terrorattacken Kontakt hatte. schon vor seiner Festnahme gegen Al Qaida gearbeitet haben . berichtet »Spiegel Online«. Auch von den Diensten wird eingeräumt. sitzt aber nichtsdestoweniger nach wie vor ein. kann nicht der einzige Grund sein. dass beide an der 9/11-Planungskonferenz der Al Qaida im Januar 2000 in Kuala Lumpur teilnehmen sollten. während kleine Fische auf Guantanamo und anderswo verfaulen. führten zur Verhaftung einer ganzen Terrorzelle in Großbritannien. September. Das hat der angebliche (!) 9/11-Mastermind Khaled Scheich Mohammed auch. zumal kein Mensch überprüfen kann. die beim Sturzflug auf das Pentagon dabei gewesen sein sollen. der sich mit Agenten und Doppelagenten auskennt. »Khan müsse wohl.38 Warum ein angebliches Mitglied der »Kommandoebene« von Al Qaida nach drei Jahren schon wieder auf freiem Fuß ist. Dass er ein bisschen ausgepackt hat. die der Infiltrationsagent in diesen Tagen lieferte. fasst »Spiegel Online« zusammen. ob Khan in diesen drei Jahren überhaupt hinter Gittern war. Das würde bedeuten: Ein Agent von ISI und/oder MI6 war lange Jahre in den höchsten Rängen der Al Qaida.nur kurze Zeit sang. So wusste die CIA bereits im Voraus. vermutet ein deutscher Experte. »Die Informationen. Dick und Doof Besonders elektrisierend ist die Teilnahme von V-Leuten an den Anschlägen des 11. als erwiesen gelten.

September mit Tickets und Pässen. die auf ihren eigenen Namen ausgestellt waren. stellt der malaysische Sicherheitsdienst die Ergebnisse der dreitägigen Beschattungsoperation der CIA zur Verfügung. die sie an der Grenze hätte zurückweisen können. Stattdessen lebten al Hazmi und al Midhar das ganze Jahr lang und (weitere) neun Monate nach ihrer Identifizierung als Terroristen offen und unter ihrem eigenen Namen in den USA. Die Agenten verständigten die (Einreisebehörde) INS nicht. In Langley weiß man zu diesem Zeitpunkt auch.45 Mehrere Monate lang logierten die beiden im Winter 2000 in San Diego »zur Untermiete bei einem FBI-Spit- 41 . dass er und al Midhar Einreisevisa für die USA besitzen.«39 Mit der Ankunft des Mannes auf dem Flughafen in Kuala Lumpur übernehmen die malaysischen Kollegen die Observation . dass die beiden auch am 11.«42 Am 15. September erstellen können. September trafen.»pausenlos«. fasste das Magazin »Newsweek« zusammen. Die CIA hat sich an seine Fersen geheftet. Agenten von insgesamt acht Basen und Außenbüros im arabischen und asiatischen Raum sind an der Observation beteiligt. und sie setzten das FBI nicht in Kenntnis. »Erstaunlicherweise unternahm die CIA nichts mit dieser Information. um ihre Mission herauszufinden. welches sie hätte beschatten können.44 »Und da sich die zwei Terroristen häufig mit den anderen Tätern des 11.40 Alle Teilnehmer des Al Qaida Treffens werden fotografiert und identifiziert. Januar 2000 fliegt al Hazmi weiter nach Los Angeles.auf Schritt und Tritt überwacht.«43 Die Buchautoren Oliver Schröm und Dirk Laabs haben recherchiert. eingecheckt sind. wenn sie diese beschattet hätten«. hätten Bundesagenten eine komplette Liste mit allen Flugzeugentführern des 11. eröffneten Bankkonten und schrieben sich in Flugschulen ein. sie beantragten Führerscheine.41 »Als die Terroristen am 8. Dies gehe aus den Passagierlisten hervor. Januar 2000 Malaysia wieder verlassen.

Er sah nichts.Khalid al Midhar und Nawaf al Hazmi .49 War also alles nur eine Panne? Indizien jedenfalls.als saudische Agenten galten.48 Diesen Umstand erwähnt der Abschlussbericht der 9/11-Kommission des US-Kongresses überhaupt nicht.«47 Zwei Sätze zu diesem Thema . Weil diese zwei Männer . gibt es zuhauf.zel«. Als Folge der entstandenen Sicherheitslücken hätten al Midhar und al Hazmi immer wieder entschlüpfen können. ohne dass dieser angeblich mitbekommen hatte. Ebenfalls in San Diego nimmt al Hazmi einen Aushilfsjob an einer Tankstelle an. Trento aus. schreibt Trento. wonach al Hazmi und al Midhar bezahlte Spione waren. was in seinem Hause geplant wurde. »Vor 9/11 hatten sich hohe CIA-Leute davon überzeugt. dass der saudische Geheimdienst GID Agenten in Al Qaida eingeschleust hatte. ein US-ame- 42 . der anonym bleiben wollte. weil sie im Solde des saudischen Geheimdienstes standen. freundlichen Kontakten zur Lokalpolizei und dem FBI. Ein ehemaliger CIA-Beamter.46 Im Abschlussbericht der 9/11-Kommission des US-Kongresses heißt es dazu beschönigend: »Der Mitbewohner. der das Zimmer im Jahre 2000 an al Hazmi und al Midhar vermietete. deren Besitzer vom FBI wegen mutmaßlicher Al Qaida-Verbindungen überwacht wird.das ist alles. sagte gegenüber Buchautor Joseph J. die aus der Welt des Sports stammen könnte: Die CIA habe sich auf »Raumdeckung« und das FBI auf »Manndeckung« konzentriert. dass die beiden sich unbehelligt in den USA aufhalten konnten. dass er darüber an die Gesetzeshüter hätte Bericht erstatten müssen. was in dem Verhalten von al Hazmi und al Midhar so ungewöhnlich gewesen wäre. Das bleibt für al Hazmi ohne Folgen. ist ein gesetzestreuer Bürger mit langjährigen. als sie nach einem terroristischen Gipfel in Malaysia in die Vereinigten Staaten kamen«. hat die CIA das FBI nicht informiert. Stattdessen bietet man eine Erklärung für die sogenannten »Fahndungspannen« an.

die speziell auf unserem Kontinent in terroristische Netzwerke eingeschleust worden sind. Taz 26. Simon Reeve. Guillaume Dasquie.1. The Bin Ladens: An Arabian Family in the American Century. Jean-Charles Brisard. The Secret History of the CIA.50 Eine vollständige Aufstellung islamistischer Terroristen. Book Says. 250. and the Future of Terrorism. Afghanistan and Bin Laden from the Soviet Invasion to September 10. 108. Richard Labeviere (FN 12).51 Jene V-Leute.rikanischer Investigativjournalist mit mehreren PulitzerNominierungen. 64. vgl.2008. 102. Ghost Wars. 7.com/news/story/sm_ 443114. 87. Frankfurt am Main 2002. 2004. Erfahrungen eines britischen Elitesoldaten in geheimer Mission. n. Anmerkungen z. 7 8 9 10 11 12 13 14 43 . S. Guillaume Dasquie (FN 10). Osama bin Laden. Karen DeYoung. Angriff der Falken. S. Presse-Erklärung vom 14. a. München S. Ein Terrorist wird geboren.2005. Tom Carew. S. www.ananova. z.1. New York 2000. fehlen in diesem Kapitel aber nur aus einem einzigen Grund: weil sie in diesem Buch noch ausführlich behandelt werden. S. vgl. Steve Coll. Richard Labeviere. Wolfgang Eggert. US State Department. Dollars for Terror: The US and Islam.9. 2 3 4 5 6 2002. n. Yousef. S. 155. 167 und 176. Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11. Washington Post 1. Simon Reeve (FN 9). Jean-Charles Brisard. Bern/München/Wien 2000. In den Schluchten der Taliban. die Angaben von Saad al Faghi.. die während ihrer Untergrundzeit für westliche Dienste arbeiteten.html. 179. Boston/Massachusetts 1999. London u. würde den Rahmen dieses Buches sprengen.4. Verschwörungen. Steve Coll (FN 1). 2001. 1 2001. der als Arzt am afghanischen Dschihad teilnahm. Tom Carew (FN 4). S. The New Jackais: Famzi. in: Mathias Bröckers.2002.S. BBC Newsnight. Steve Coll. New York 2008. Steve Coll (FN 1).11. Bin Laden Took Part in 1986 Arms Deal. Interessierte seien auf meine früheren Abhandlungen zu diesem Komplex verwiesen.

Some Call it Peace.8. London 2004. S. S. Guardian 1. Yossef Bodansky. 163. vgl. Heiliger Krieg Inc. Timeline July 4 -14. The Road to Al Qaida.1996. Spiegel Online 8. 47ff. New York 2005. Yassin Musharbash. Alexandria / USA. 165. S. Berlin 2003.15 Adam Sage. Alan Feuer. 266. S. vgl. S. Kein Partner für die islamische Weltrevolution. September 2001 Potsdam 2004. 250. 34.2008. The Story of Bin Laden's Right-Hand Man. Los Angeles Times 21. Die verqueren Verschwörungstheorien Al Qaidas.11. Defense and Foreign Affairs and Strategic Policy (London) 31..2001. 37/38 (Internetfassung/ Ausdruck). vgl.2007. 161. sam/Reuters. Peter Bergen.8. Ailing bin Laden >Treated Secretly for Kidney Diseases Times (London) 1.12.2001. Former GI Pleads Guilty In Embassy Bombings. NYT 13. Oliver Schröm/Dirk Laabs (FN 39). Peter Bergen (FN 23). Logbuch Al Qaida.4. Osama bin Ladens Terrornetz. Washington Post 5.7. Alexander Ritzmann. 18. vgl. Bin Ladens Doppelagent. Jörg Bremer. How the United States Helped Unleash Fundamentalist Islam.12. 13. S. Die offizielle Untersuchung zu den Terrorattacken vom 11. Udo Ulfkotte. 42 ff.1. S. N. Montasser al Zayyat. Oliver Schröm/Dirk Laabs (FN 39). Spiegel Online 21. The 9/11 Commission Report. S. Der Maulwurf in der Terrortruppe. Anthony Sampson (FN 16). cooperativeresearch. Welt 30. Oliver Schröm/Dirk Laabs. S. Devil's Game. Peter Bergen (FN 23). 166.2001.2007. 160. mit Bezug auf die Aussage von CIA-Chef George J.6.2001. Peter Bergen (FN 23). S.2004. CIA agent alleged to have met Bin Laden in July. Robert Dreyfuss. Military Split on Use of Special Forces. Peter Bergen (FN 23). Tödliche Fehler. FAZ 21..2006. Peter Bergen (FN 23). 163. S.2001.11. Peter Bergen (FN 23). 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 44 . Tenet vor dem Kongress-Ausschuss. Gregory L. S. Terror Exports Are the Business of Jihad Inc.org.2002. Rumsfeld vermasselte Schlag gegen Al Qaida. 16 Anthony Sampson. S.2. Vistica. Peter Bergen (FN 23).2000. FAZ 4. 26. Berlin 2003. S.10. S.. N. 161.

Trento. The 9/11 Commission Report (FN 41).9-llcommission. Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan. St.43 Michael Isikoff. 85. (FN 39).ohne die Namen der mutmaßlichen Entfuhrer.9. auch The 9/11 Commission Report (FN 41). The Informant who lived with the Hijackers. Michael Isikoff (FN 43). 263 sowie Untersuchungsbericht Nr. Pölten 2005. 44 45 46 47 48 49 50 51 45 . S. 195. vgl. USA 2006. 192 vgl. 223. and the Shocking Truth about Aviation Security Today.htm). Susan Trentofloseph J. S. Wie der Dschihad nach Europa kam. 10 der Kommission (ursprüngliche Quelle: http://www. S.2002. Oliver Schröm/Dirk Laabs. insbesondere: Jürgen Elsässer. 182. Michael Isikoff (FN 43). News- week 16. The 9/11 Commission Report (FN 41). S. Oliver Schröm/Dirk Laabs (FN 39). Scapegoating 9/11.gov/staff_statements. Die Passagierlisten wurden von den US-Behörden allerdings nur redigiert freigegeben . S. S. 182 sowie S. S. Unsafe at any Altitude: Failed Terrorism Investigations. 171-201.

das die geduckten typisch englischen Reihenhäuschen der Nachbarschaft weit überragte und von einem kleinen. sollte die erste Hauptstadt die es mit Cruise Missiles angreift London sein. Dann am U-Bahnhof links.»Ich bin wirklich verblüfft Ich denke. und schon der nächste Halt der Northern Line ist Finsbury Park. um ein Ale hinunterzuzischen und so in die richtige Stimmung zu kommen. Thomas Road ein rotes Backsteingebäude aufgefallen. Dort stieg Ciaran Cassidy in der Regel ein. wenn Amerika es wirklich emst damit meint den Terrorismus auszuschalten. wenn er Down Town etwas zu tun hatte. Thomas Road hinein. Auf den steinernen Mauern rollte sich Stacheldraht. Zum Fußball hingegen konnte er laufen: die Seven Sisters Road hinunter. wie die Massen auf der Tribüne ihre Schlachtgesänge einübten. 25. Oktober 2001)1 2. vielleicht mit einem kleinen Zwischenstopp beim Pub »The Twelve Pints«. am Souvenirshop gleich rechts und in die St. Das war die Finsbury Moschee. Kapitel Londonistan Militante Prediger schufen mit Geheimdienst-Lizenz die wichtigste Schaltzentrale des europäischen Dschihad Ein richtiger Junge aus dem Norden Londons muss ein Arsenal-Fan sein.« (Libyens Staatschef Muammar al Ghaddafi. wenn auch schmucklosem Minarett gekrönt wurde. in der sich das Schicksal des Arsenalfans entscheiden würde: Dort wurde das Verbrechen 46 . Sonst wäre ihm am Eingang der St. Auf diesem letzten Kilometer vor den Stadiontoren ging der 21-jährige Ciaran meistens schneller und hatte keine Augen für seine Umwelt. Von dort konnte man schon vor Spielbeginn hören. Das Highbury-Stadion des englischen Erstligaclubs hat eine eigene U-Bahn-Station.

dem Ciaran und 55 weitere Londoner am 7. führte jedoch radikalere Glaubensgenossen mit . hatten sich kräftig vermehrt. stark angestiegen.2 Die Moschee war Mitte der neunziger Jahre fertiggestellt worden . Eine neue Immigrationswelle. Bei ihnen handelte es sich durch die Bank um sehr integrationswillige Ausländer. Die Zehntausenden Pakistanis.geplant. wie in anderen EU-Ländern. Hassprediger Abu Hamza An der Spitze der Moschee stand ein kräftiger Riese von furchteinflößendem Äußeren: Sein rechter Arm endete 47 . Juli 2005 zum Opfer fallen sollten. Der rote Backsteinbau hat drei Stockwerke. Freiwillige zu rekrutieren und offen die Rechtmäßigkeit ihrer fremden heiligen Kriege zu predigen. die Ende der vierziger Jahre die Regierung zur Beseitigung von Engpässen auf dem Arbeitsmarkt ins Land geholt hatte. die durch die israelische Okkupationspolitik nach 1967. »Sie kamen mit brennender politischer Energie. in jedem befindet sich ein schmuckloser Gebetsraum. um Geldsammlungen zu veranstalten.«3 Für all das war die Finsbury Moschee ideal. Ein Moscheebau war in jenen Jahren nichts Ungewöhnliches: Die moslemische Minderheit in Großbritannien war. wie wir später sehen werden.Menschen.6 Millionen. Die umfangreichen Kellergewölbe dienten nicht nur als Rumpelkammer und zur Vorratshaltung. So wuchs die Zahl der Moslems im Vereinigten Königreich bis auf die heute offiziell angegebene Zahl von 1. belebten die sterbenden Moscheen von neuem und nutzen dieses schlüsselfertige Paradies der freien Rede. Khomeinis Revolution 1979 und den Krieg in Afghanistan politisiert worden waren.mit kräftiger finanzieller Unterstützung aus Saudi-Arabien und unter Schirmherrschaft von Prinz Charles. die ab den achtziger Jahren über die Insel hereinbrach.

aus dem zwei blinde Pupillen starrten. Andere berichteten. »Er trug Jeans und T-Shirt und normalerweise ein Goldkettchen um den Hals. »Einen hässlicheren Kerl wird man nur schwerlich finden«.und letzten Endes war er immer noch Ägypter. schwimmend in der trüben Milch zerschossener Augäpfel . Also. Er selbst behauptete.und außerdem ein attraktiver Mann. ja. Zum Verdacht bestand damals kein Anlass: Der Immigrant hatte nach seiner Ankunft auf der Insel zunächst in einem Nachtclub gearbeitet und war überhaupt erst 1981 zum Islam übergetreten. fasste Buchautor William Langewiesche seine Eindrücke zusammen. er war ein Frauentyp .die Boulevardpresse taufte ihn deswegen rasch »Captain Hook«. die der heilige Mann aus Afghanistan mitgebracht hatte. Wesentlichen Einfluss auf ihn übte in jener Zeit Abdullah Azzam aus. Stevensons Roman Die Schatzinsel. Über einem wilden Bart sahen die Ankömmlinge in ein kraternarbiges Gesicht. Nach dem Studium der Ingenieurstechnik an der Universität Alexandria wanderte er 1979 nach Großbritannien aus. was soll man da schon erwarten?«. Die Gründe seiner schweren Verwundung blieben im Dunkeln. Opfer einer Mine geworden zu sein. und zwar mit dem afghanischen Dschihad. erinnert sich ein Freund aus jenen wilden Jahren.4 Geboren wurde Captain Hook als Mustafa Kamel Mustafa 1958 in Ägypten.Folgen einer Kriegsverletzung. der wichtigste Weggefährte Osama bin Ladens am Hindukusch. sondern in einem eisernen Haken . 1993 kam Abu Hamza als Versehrter nach London zurück. 1984 wurde er eingebürgert. 48 . In jenen jungen Jahren war der spätere Prediger ein ganz weltlicher Typ . 1982 bekam er eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. nun bereits unter seinem Kriegernamen Abu Hamza al Masri. nach dem gleichfalls eisenfäustigen Kapitän in Robert L. er habe sich beim Bombenbasteln in die Luft gesprengt.5 Seine Radikalisierung begann spät. an dem er erst 1989 teilnahm.nicht in einer Hand. Er war cool.

der »blinde Scheich« aus New York und mutmaßliche Drahtzieher des ersten Anschlags auf das World Trade Center 1993.8 Nach seiner Heimkehr aus Bosnien 1996 predigte Abu Hamza zunächst in der Moschee von Luton. »den Feind auszubluten«.6 Dorthin brach er jedoch erst 1995 auf.die Wege eines Mannes mit Geheimdienstkontakten. Dieser Prozess ist gut dokumentiert. denn von vielen seiner Ansprachen existieren Video-Aufzeichnungen. Weiter hieß es: »Du kannst es nicht mit Atomwaffen tun. Seine Predigten radikalisierten sich . voller Hohn und Zynismus für die andersgläubigen »kuffar« und mit vielen Anspielungen auf populäre TV-Serien und BoulevardAufreger. ein Jahr darauf übernahm er die vom Finsbury Park. war im Zuge seiner Promotiontour für den afghanischen Dschihad auch nach London gekommen.7 Zwischen den beiden Kampfeinsätzen kreuzte er erstmals . Sein dämonisches Äußeres passte zu seinen scharfen Reden. Thomas Road. Er rief seine Zuhörer auf. Muslime lebten in England »wie in einer Toilette und wie Tiere«. vorgetragen in Arabisch gefärbtem Englisch. Omar Abdel Rahman. bis zu tausend Leute drängelten sich manchmal auf den drei Stockwerken des Gotteshauses in der St. Rasch zog er eine wachsende Zuhörerschaft an.und andere. es gibt keine andere Lösung. Abu Hamza habe sich nicht in Afghanistan.Der algerische Geheimdienst steuerte die Version bei. angeblich »um algerische Kämpfer in Bosnien zu beraten«. also machst Du es mit dem Küchenmesser. Du kannst es 49 . sondern später bei einem Kampfeinsatz in Bosnien die Verletzung zugezogen. »Times«-Reporter Sean O'Neill berichtete.soweit bekannt . dass Rahmans Reise »angeblich von der CIA finanziert worden war«. die seine Anhänger gemacht und dann in alle Welt vertrieben haben. Auf einem der Bänder aus dem Jahre 1997/98 sagte er in einer privaten Versammlung. Alle wollten das »Maschinengewehr Allahs« hören und erleben.

bis sie von der Erde verschluckt werden und keiner mehr übrig ist.. also machst Du es mit Mäusegift.. die in Finsbury Anleitung und Hilfe- 50 .12 Die Untersuchungsbehörden warfen ihm vor. die Unterstützung und die Kontakte zur Verfolgung gewalttätiger Ziele zu bekommen«. tut es! Wenn es Bezahlen ist. den Eiffelturm und Big Ben . Dies zeigt. bezahlt! Wenn es ein Hinterhalt ist. Sie wollten ihn in diesem Krieg täuschen.. ist okay! Auch wenn es keinen Grund dafür gibt!«10 Sein besonderer Hass galt den Juden: »Hitler schaute sich ihre Beziehungen und ihren Verrat an.. vergiftet! Ihr helft Euren Brüdern.nicht mit chemischen Waffen tun. dass die Juden zerstört werden. wie ihr wollt. Einige waren mit den Alliierten gegen ihn im Bündnis. Diese »Blaupause des Terrorismus« beschreibt unter anderem die Durchführung von Anschlägen auf die Freiheitsstatue.ebenso wie auf Flugplätze. legt einen Hinterhalt! Wenn es Vergiften ist. dann geht! Wenn ihr nicht gehen könnt. Die Liste derer. der euch bekämpft. Fragt nicht: Kann ich dies tun? Kann ich jenes tun? Tut es einfach! Wenn es Töten ist. Museen und Sportarenen.«9 In einer Predigt über den Dschihad soll er gesagt haben: »Meine lieben Brüder. wo ihr wollt! Sie sind alle Ungläubige (kuffar) und können getötet werden! Einen kuffar zu töten. 570 Videos und die elfbändige Enzyklopädie des afghanischen Dschihad. und das ist islamisches Gesetz . ihr Staat wird zerstört werden und einige Juden werden dann herumrennen und sich hinter Bäumen und Felsen verstecken.«11 Erst nach sieben langen Jahren war Schluss mit der Hetze: Im Jahre 2004 führte Scotland Yard eine Razzia bei Abu Hamza durch und beschlagnahmte 2700 Tonbänder. Deswegen tötete er sie und bestrafte sie. dann gebt Geld! . die Finsbury Moschee in ein »Zentrum des Extremismus und in einen sicheren Hafen für islamische Extremisten« verwandelt zu haben. Ihr helft dem Islam. wenn ihr gehen könnt. wodurch diese »in die Lage versetzt wurden.

offenherzigen Mann zu einem radikalen Hardliner. Seine Familie bezeugt. »Times«-Reporter Sean O'Neill. die 1996 Nordfrankreich terrorisierte.Stellung bei der Vorbereitung terroristischer Aktivitäten bekommen haben sollen. Rädelsführer der in Kapitel 4 beschriebenen Roubaix-Bande. Nizar Trabelsi. Mohammed Siddique Khan und die weiteren drei Tatverdächtigen der Londoner Anschläge vom 7. der 2003 in Belgien wegen eines geplanten Selbstmordanschlags auf einen NATO-Stützpunkt zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. an dem die Bomben 56 Menschen in den Tod rissen. einer der dort Rekrutierten.«15 51 . dass der beste Kenner der Thematik. der sich im April 2003 in einem Café in Tel Aviv in die Luft sprengte. Zacharias Moussaoui. Führungsmitglieder und Militante der algerischen Untergrundbewegung Gl A (siehe unten). der im Dezember 2001 auf einem Transatlantikflug Sprengstoff in seinem Absatz transportierte. so der Titel seines Buches13 . einer der wegen der Madrider Vorortanschläge 2004 verurteilten Terroristen (vgl.14 Unter anderen wurden in der Moschee instruiert: Christoph Caze. Asif Hanif. Kapitel 10). Jamal Zugam. war die Prozesseröffnung gegen Abu Hamza angesetzt. der angebliche 9/11-Flugzeugentführer Nummer 20.bezeichnet hat. dass nicht weniger als 50 Jünger von Abu Hamza bei Terroraktivitäten und Dschihadeinsätzen ihr Leben ließen. Schuhbomber Richard Reid. An dem Tag. Juli 2005 (vgl.The Suicide Factory. sie als »Fabrik der Selbstmörder« . ist so lang. wie sehr ihn der Besuch der Finsbury Moschee verwandelt hatte: »Er veränderte sich von einem fröhlichen. schätzt. Salman Abdullah. Kapitel 11).

1999. die Hassaine gefunden 52 . bei ihm bereits im März 1999 »von der Polizei sichergestellt. Offensichtlich war das eine vorgeschobene Begründung. wie die Finsbury Moschee sich zum vielleicht wichtigsten Knotenpunkt des internationalen Dschihad auf europäischem Boden entwickelte.16 Scotland Yard rechtfertigte das Laisser-faire damit. war den Behörden jedenfalls bekannt. So wurden etwa die Enzyklopädie des afghanischen Dschihad und weitere Hetzpropaganda. deren Besitz Abu Hamza bei einer Razzia 2004 zum Verhängnis werden sollte. dessentwegen damals gegen Abu Hamza ermittelt wurde: die Entführung von 16 westlichen Touristen im Jemen 1998. Und: Im selben Jahr. trafen (vgl. »Weder die Al Qaida-Dokumente. Reda Hassaine. schadeten diesem keineswegs. Im Zuge dieses 15-monatigen Auftrages musste Hassaine auch das Büro von Abu Hamza verwanzen. hatte die Polizei über einen V-Mann auch Kenntnis darüber erhalten. Was Abu Hamza in der Finsbury Moschee trieb. Doch die Dinge. sondern auch an Terroraktivitäten beteiligt war. Denn zu diesem Zeitpunkt wurden Videos mit den Hasspredigten Hamzas von seinen Anhängern bereits in alle Welt verkauft. etwa zur Ermordung des libyschen Präsidenten Muammar al Ghaddafi.Die geheime Übereinkunft Dass die britischen Behörden seelenruhig zugesehen haben. 32). hatte nach der Ermordung von Familienangehörigen in Algerien durch die Terrorgruppe GIA eingewilligt. so der Name des Maulwurfs. die schon Mitte der neunziger Jahre Absprachen mit Bin Laden-Anhängern. dass Abu Hamza nicht nur militante Reden schwang. zuerst für den französischen Geheimdienst DGSE und dann für den MI5 den Londoner GIAKontakten nachzuspüren. entspricht der Linie der Geheimdienste MI5 bzw. S. die Hassaine über Abu Hamza herausfand und weitergab. dass die Durchsuchung des Jahres 1999 nichts Beweiskräftiges erbracht habe für das einzige Verbrechen. MI6. aber ohne Befragung oder Verwarnung wieder zurückgegeben«.

«21 Auch der damalige Innenminister David Blunkett bestätigt im Rückblick. um Hamza wegen terroristischer Aktivitäten . war alles in Ordnung. Abu Hamza ließ man alles durchgehen .Gehirnwäsche. Das Magazin »New Statesman« formulierte die Logik des »Covenant of Security« so: »Die Präsenz lautstarker und aktiver Terrorsympathisanten im Vereinigten Königreich erhöht die Sicherheit für das britische Volk. während die volle Wucht des in Großbritannien geplanten Terrorismus vom Volk anderer Länder erlitten wird. dass er sich beim französischen DGSE bitter beklagte. wurden von den Behörden benutzt. Verschickung in Ausbildungslager. Dort wurde die verdeckte Kooperation zwischen den britischen Diensten und radikalen Moslems schon länger kritisch verfolgt. die sich in London zusammengefunden hatten.«18 Tatsächlich gab es zumindest ein Stillhalteabkommen zwischen den britischen Sicherheitsdiensten und den islamischen Fanatikern .19 Dieser »Covenant of Security« war kein förmlicher Vertrag. das sich bereits im 19. dass es in der zweiten Hälfte der 53 . wundert sich Buchautor Nafeez Mosaddeq Ahmed. Rekrutierung.. dass die Mörder hier in London waren. die er für die Spezialabteilung von Scotland Yard und MI5 niederschrieb. wie Langewiesche schreibt. aber real«. Jahrhundert herausgebildet hatte. sondern ein ungeschriebenes Gesetz. als das Foreign Office die moslemischen Minderheiten zum Kampf gegen das zaristische Russland aufwiegelte. noch die ausführlichen Augenzeugenberichte.17 Hassaine war so verzweifelt über das Nichtstun des britischen Geheimdienstes und von Scotland Yard. einer der profundesten Kenner von Londonistan. »Nach Meinung der Franzosen hatten die Briten einen faustischen Pakt mit den extremen islamistischen Gruppen geschlossen.»informell. aber die Briten kümmerten sich einen Scheißdreck darum.hatte. zu belangen«. So lange in Großbritannien nichts geschah..«20 V-Mann Hassaine drückte es drastischer aus: »Im Ausland gab es all dieses Morden.

23 Aber all das hatte keine Konsequenzen. auf die Informationen zu reagieren. er aber aus seinem eigenen Apparat heraus von Gegenmaßnahmen abgehalten wurde: »Es gab so viele in den Sicherheitsdiensten. 54 . Sie versuchen ihn zu überzeugen. seinen Ton und seine aufwiegelnden Reden zu mäßigen. dass Sie auf einem Drahtseil balancieren«. »Times«-Reporter O'Neill fasst nach dem Studium interner Protokolle der Unterredungen zusammen: »Die vertraulichen Memos der Treffen zwischen dem Imam der Finsbury Moschee und seinen Kontakten vom MI5 und der Sonderabteilung (Special Branche/Scotland Yard) verdeutlichen die respektvolle. höfliche und oft kooperative Zusammenarbeit.. eine >massive Überreaktion< wäre. die wir nicht mögen«.. und »Es gibt da ein paar Dinge. die mir in meiner Zeit als Innenminister sagten. Es gab eine tiefsitzende Weigerung.. so lange wir kein Blut auf unseren Straßen sehen. Einer antwortete: »Bei uns herrscht Meinungsfreiheit. habe man ihm gesagt. ob sie seine Predigten »für ein Problem hielten«. Sie müssen sich keine Sorgen machen. dass er vor seiner Verhaftung 2004 recht freundschaftliche Zusammenkünfte mit dem britischen Geheimdienst gehabt habe.neunziger Jahre unzweideutige Informationen über das Treiben in der Finsbury Moschee gab. Es gab zumindest sieben Treffen zwischen 1997 und 2000 .«22 Abu Hamza als Partner von MI5 Im späteren Prozess (siehe unten) sagte Abu Hamza aus. »Wir glauben. die aus Abu Hamzas eigenem Mund kamen. Abu Hamza berichtete von »mehreren Treffen mit Offizieren des britischen Inlandsgeheimdienstes«: Im Jahr 1997 fragte er die Beamten des MI5. dass ich die Bedrohung übertreibe und die Schließung der Finsbury Moschee .« Bei einem weiteren Gespräch im Jahr 2000 sollen die Beamten kritischer gewesen sein. Die Beamten des MI5 gaben dem Imam sogar einen Codenamen: 910..

diskutiert die Ideologien bestimmter Splittergruppen. meldete die Wochenzeitung »Observer« im Februar 2002.Abu Hamza hört respektvoll zu. »Es ist höchst verwirrend. dass MI5 Kenntnis von diesem terroristischen Trainingsprogramm hatte. Doch er hilft ihnen mit Informationen weiter. Bei Gelegenheit hört man ihn auch um Gefallen bitten . beharrt aber gegenüber den Beamten auf seinem Bekenntnis zum Dschihad. »Britisch-islamische Extremisten« übten demnach mit Sturmgewehren vom Typ Kalaschnikow AK-47 auf dem Gelände des Gotteshauses. von Finsbury aus wurde Nachschub an die Hindukusch-Front geschickt und die Schleusung von Kämpfern organisiert. die. obwohl er wusste.und Zusammenbauen von Kalaschnikows.«24 Terrortraining durch die Dienste Zu den kriminellen Aktivitäten. die der britische Staat tolerierte. wunderte sich das Blatt.«.25 Laut »Observer« übten die künftigen Mudschahedin im Keller der Moschee das Auseinander. und trotz erdrückender Beweise. im Vereinigten Königreich nicht gefährlich sind. US-Geheimdienstuntersuchungen bestätigen. dechiffriert seltsame Namen oder verrät schlüpfrige Neuigkeiten über andere islamische Gruppen . Sie »zeigten Abu Hamzas Anhängern in einem 55 . Doch es ging nicht nur um das Tolerieren terroristischer Aktivitäten durch die Dienste . dass Hamza Dutzende von Leuten in Al QaidaTrainingslager in Afghanistan sandte.es gab auch aktive Hilfestellung. gehörte die Schießausbildung in der Finsbury Moschee.. wie er verspricht. aber nichts dagegen tat. dass aktive Mudschahedin aus verschiedenen Konfliktregionen in der Moschee trainiert worden waren«..einschließlich der Freilassung einiger Mitstreiter. dass frühere britische Soldaten an einigen von Hamzas terroristischen Trainingsprogrammen teilgenommen haben.

Aufgrund des Waffengesetzes in Großbritannien müssen wir die ganze Ausbildung mit scharfen Schusswaffen in Übersee machen. wie man Gewehre benutzt«. Ein Ausbildungsaufenthalt in den Vereinigten Staaten wurde folgendermaßen beworben: »Die ultimative Dschihad-Erfahrung ist ein Zweiwochenkurs auf einem 1000 Ar großen Schießgelände in den USA. »dass britische Ex-Soldaten mit Kampferfahrung in Bosnien zehn von Hamzas Gefolgsleuten drei Wochen lang im Lager Brecon Beacons trainiert haben. Hierfür gab es eine eigene Firma: Sakina Security Service. Sie veranstaltete Ausbildungscamps in Großbritannien und in den USA. aber das Wirtschaftsministerium die Firma nicht geschlossen hat.28 Buchautor Ahmed berichtet weiter: »Es ist einigermaßen bizarr. wie man einen Hinterhalt legt. in Kent und in Schottland gegeben haben. dass die Polizei zwar die Trainingsprogramme nach Protesten von Abgeordneten untersagt. einem alten Kloster in Tunbridge Wells. wie man AK-47-Gewehre. In anderen Lagern wurde gelehrt.27 Die operative Durchführung des Terrortrainings oblag selbstverständlich nicht dem kriegsversehrten Abu Hamza. in Deckung geht und wie man sich am besten tarnt. Handfeuerwaffen und Übungs-Raketenwerfer benutzt. der Kurs biete Anleitung. zeigen laut »Observer«. Im Jahr 1997 muss es solche Camps auch in Brecon Beacons. die in Guantanamo festgehalten werden.«29 56 . wie man Waffen zerlegt und wieder zusammenbaut und gaben ihnen Ausdauertraining und Übungsstunden in Überlebenstechniken.Lager in Wales in einer Art Ad-hoc-Terrortraining.«26 Diese Aussagen sind möglicherweise unter Folter zustande gekommen. Abschriften von Befragungen mit Al Qaida-Verdächtigen. und ihr Wahrheitsgehalt ist deswegen strittig.« Weiter heißt es. Die früheren Soldaten zeigten ihnen. Allerdings »wurden die Einzelheiten unabhängig voneinander durch verschiedene Zeugen bestätigt«.

dessen Profite in Terrorsponsoring investiert wurden. Als im Jahre 1999 MI5 den Maulwurf Reda Hassaine in den Londoner Islamistenuntergrund einschleuste. Dieser predigte im Gemeindezentrum Four Feathers in der Bakerstreet. Dort wurde ein groß angelegter Kreditkartenfälscherring aufgezogen. den ich je hatte«. S. den Richterspruch zu ignorieren. dass sein Name im Zusammenhang mit vielen Anschlägen und Anschlagsversuchen aufgetaucht ist. 91) gewesen 57 .32 Außerdem unterhielt Abu Qatada angeblich Kontakte zum Chefredakteur der Londoner Zeitung »Al Ansar«. wenn ihm dort die Todesstrafe droht. Abu Qatada konnte es sich jedoch leisten. Dieser Mustafa Setmarian Nasar soll »nach Angaben der französischen Behörden in die Pariser Metroanschläge 1995 verwickelt« (vgl. weil er im Jahr 1998 ein Mordkomplott gegen König Hussein finanziert haben soll. sondern auch entsprechende Verwicklungen von Abu Qatada. sagte er einem Jünger. da er bereits 1993 nach Großbritannien geflohen war und die dortigen Behörden seine Auslieferung nach Jordanien ablehnten. Sie dürfen nämlich niemanden in ein Land abschieben. S. Tatsache ist immerhin. entdeckte dieser nicht nur die Verbindungen von Abu Hamza zu der algerischen Terrordiaspora (vgl.Die unheiiige Dreifaltigkeit Neben Abu Hamza ragen noch zwei weitere Personen aus dem Londoner Islamisten-Netzwerk heraus: Omar Bakri Mohammed und Abu Qatada. In der britischen Hauptstadt wurde Abu Qatada zum Lehrmeister von Abu Hamza. 52). 31 Das ist vielleicht etwas zu bombastisch ausgedrückt.30 Die Wochenzeitung »Die Zeit« bezeichnete Abu Qatada als »Oberbefehlshaber islamistischer Terrorzellen in Europa«. Lange Jahre lebte er in Jordanien und wurde von einem dortigen Militärgericht zum Tode verurteilt. sein genaues Alter ist nicht bekannt. Letzterer wurde angeblich in Bethlehem geboren. dem Sprachrohr der algerischen GIA. »Er war der beste (Koran-)Student.

wonach der gebürtige Syrer in den vier Jahren zuvor insgesamt 20 Mal bei Abu Qatada in London gewesen war. »ließ ihn aber unerklärlicherweise wieder frei«. Kapitel 10). aber wir müssen auf den Befehl des Scheichs Abu Qatada warten. nach eigenen Angaben Kopf der Al Qaida-Zelle in der französischen Hauptstadt. Nach dem 11.34 Danach baute Abu Qatada sein internationales Kontaktnetz weiter aus: Ende Dezember 2000 plante eine Gruppe von Islamisten von Frankfurt am Main aus einen Anschlag in Strasbourg. Er hatte 1997 die Veranstaltungen von Abu Qatada in London besucht und »ließ sich von den Hetzparolen des Predigers mitreißen«. In einem abgehörten Telefongespräch sagt Saber: »Wir müssen ihnen zeigen. dass es uns gibt und wer die wahren Mudschahedin sind. Als die Hauptverdächtigen der Terroranschläge auf einen Madrider Bahnhof im März 2004 bald nach ihren Schreckenstaten in einer Privatwohnung von der Polizei umstellt wurden und sich kollektiv in die Luft sprengten.sein.«35 In Paris wurde im Juli 2001 Djamal Beghal festgenommen. Sie hatten in ständigem Kontakt zu Abu Qatada gestanden. Kapitel 5) In Mailand bereitete 2001 eine Zelle um den Tunesier Emid Sami Ben Khemais alias Saber einen Anschlag auf eine US-Einrichtung vor. September 2001 erließ die spanische Justiz Haftbefehle gegen ihn und weitere Aktivisten (vgl. versuchten sie direkt vor der Zündung ihrer Bombe Abu Qatada noch telefonisch zu erreichen. Die Durchsuchung seiner Wohnung brachte Aufzeichnungen zu Tage. (vgl.33 Die britische Polizei nahm ihn daraufhin 1995 fest.36 In Madrid hatte Eddin Barakat Yarkas schon 1994 ein Netz für Al Qaida aufgezogen.37 58 .

wenn er doch angeblich so weit oben auf ihrer Schwarzen Liste stand? Abu Qatada hatte jedenfalls noch kurz vor seinem Abtauchen behauptet. und er habe regelmäßig Besucher aus dem Ausland empfangen können..« O'Neill hörte Ähnliches von den Franzosen. Doch just am Tag des Inkrafttretens dieses Gesetzes. beteiligte sich an der Revolte der Muslimbrüder gegen Präsident Assad im Jahre 1982 und musste nach deren Niederschlagung fliehen.39 Terrortraining Den größten Teil der Kampfausbildung britischer Moslemterroristen koordinierte Abu Hamza nicht mit Abu Qatada.38 Selbst »Zeit«-Reporter Oliver Schröm. am 15. die nach Inkrafttreten eines neuen Antiterrorgesetzes abgearbeitet werden sollte. »der britische Geheimdienst MI5 habe ihm einen Pass und ein iranisches Visum angeboten.« Frau und Kinder hätten mit ihm dort gewohnt. Dezember 2001. kolportiert. war Abu Qatada wie vom Erdboden verschluckt. Abu Qatada sei in direkter Obhut des MI5. Länger als ein Jahr versteckte er sich in einer Wohnung in Bermondsey. in einer Art Zeugenschutzprogramm. 1986 beantragte er Asyl in Großbritannien und gründete sogleich einen Ableger der drei Jahre zuvor in 59 .Eigentlich hätte Abu Qatada nach diesen Enthüllungen in Großbritannien verhaftet werden müssen. sondern mit Omar Bakri Mohammed. damit er Großbritannien verlasse«. der ansonsten die Sprachregelung der Terrorfahnder willig übernimmt. dem Chef der Organisation Al Muhajiroun (zu Deutsch: Die Emigranten). musste sich wundern: »In französischen Geheimdienstzirkeln wird .. von wo es zu Fuß nur ein paar Minuten zum Hauptquartier des MI6 ist. dass Abu Qatada ein Informant des MI5 gewesen sein musste. Angeblich stand er auch an der Spitze einer Fahndungsliste. »Sie spekulierten. Hatte Scotland Yard den Verdächtigen nicht überwacht. Er wurde 1958 in Syrien geboren.

wir haben Lager für die Ausbildung von Mudschahedin« erschien. September 2002. die zumeist britische Pässe besitzen. ebenso wie die Herstellung von Sprengstoffen und den Gebrauch schultergestützter Raketen. im Rückblick erscheine ihm 9/11 »als eine Schlacht.«41 In einem Interview beschrieb Omar Bakri Mohammed im Jahr 2001 rückblickend die Aktivitäten der Gruppe in den neunziger Jahren. Michigan und in die Missouri-Wüste. das unter dem Titel »Ja. »und zwar mit britischen. deren Kinder. wo sie verschiedene Techniken für die Guerilla-Kriegsführung lernten.40 Ihre Mitglieder sind moslemische Einwanderer bzw.« Angeblich reisten auf diese Weise 300 bis 400 Jugendliche pro Jahre zu diesen Kursen. Bakri Mohammed sagte bei der Konferenz am 11. den die Yellowpress nach seinem Wohnort bald als »TottenhamAyatollah« schmähte. Er gab der in London erscheinenden arabischen Tageszeitung »Al Wassat« ein Interview. September danach niemals gepriesen.« Weiter sagte er: »Ich habe den 11. aber nun kann ich sehen. Jameel 60 . Nach Beendigung des Trainings »gingen einige nach Kaschmir. andere nach Tschetschenien.Saudi Arabien entstandenen Al Muhajiroun. Abu Hamza und Omar Bakri Mohammed.42 Al Muhajiroun in Pakistan Einer der Al Muhajiroun-Verantwortlichen für das Terrortraining war Mohammed Jameel. als eine große Errungenschaft der Mudschahedin gegen die böse Supermacht. warum sie es taten. so dass sie keine Einreisevisa in die USA benötigten. vorher noch ins Kosovo«. französischen und deutschen Pässen.unter anderem bei einer Art Festveranstaltung am ersten Jahrestag von 9/11. »Al Muhajiroun schickte moslemische Jugendliche auf Dschihad-Trainingskurse nach Virginia. traten immer wieder gemeinsam auf . obwohl sie meist afrikanischer und asiatischer Herkunft waren«.

dass Butt Ende 2002 als Terror-Rekruteur in Haft genommen. aber »aus unerklärlichen Gründen sofort wieder freigelassen wurde«. Adressen und andere Details wurden vom britischen Militärgeheimdienst bei der Durchsuchung des Höhlenkomplexes Tora Bora in Ostafghanistan gefunden. Al Muhajiroun-Chef Omar Bakri Mohammed hatte schon im Jahr 2000 geprahlt: »Die britische Regierung weiß. ohne weitere Quellen zu nennen.«46 Butt warnte.45 Was bei Butt zunächst als Angeberei erschien. dass die Terrornovizen »nach Großbritannien zurückkehren könnten. wurde auch von anderer Seite bestätigt. Die Namen der Briten. brüstete sich Butt. Erwiesen ist aber immerhin. MI5 hat uns viele Male verhört.unglaublich.47 Ein unglaublicher Vorgang . dass wir jetzt so etwas wie Straffreiheit genießen. aber wahr. Der britische Militärgeheimdienst gab nach dem Einmarsch in Afghanistan bekannt. dass »1200 britische Moslems mit Osama bin Ladens terroristischem Al Qaida-Netzwerk in Afghanistan trainiert haben . »Ich war in Kontakt mit eintausend britischen Muslimen. um Angriffe auf die Regierung und militärische Einrichtungen durchzuführen«. »Hunderte von Briten für die Sache bin Ladens rekrutiert« zu haben.44 Von allen ausländischen Al Qaida.«48 61 . Sind diese Männer.bestätigte darin. Ich glaube. deren Namen doch vorlagen. dass er persönlich das Training von 150 britischen Staatsbürgern in Afghanistan und Pakistan beaufsichtigt habe.und Taliban-Kämpfern kämen 60 Prozent aus Großbritannien.. wer wir sind. Er behauptete Ende 2001. die in den Heiligen Krieg gingen«. und er sei nur einer von insgesamt 40 britischen Rekruteuren in der pakistanischen Stadt Lahore..43 Noch wichtiger für das Trainingsprogramm von Al Muhajiroun war der Brite Hassan Butt. im Weiteren von den britischen Behörden befragt worden? Buchautor Ahmed behauptet »nein«.

Special Air Services Regiments (SAS)« mit der Ausbildung der kosovo-albanischen Untergrundarmee UCK. die vor ihrem Balkaneinsatz von der pakistanischen Terrorgruppe Harkat al Ansar (HUA) militärisch ausgebildet wurden.). gingen demnach ab 1992 nach Pakistan. und der wiederum war auf Bitten des US-Militärgeheimdienstes DIA aktiv geworden. Frontmann Omar Bakri Mohammed reiste nach den Anschlägen des 7. die im Vereinigten Königreich lebten. die Nachfolgeorganisationen The Saviour Sect und Al-Ghurabaa wurden zwei Jahre später verboten. von 1997 bis 2003 Umweltminister im Kabinett von Tony Blair.«50 Dies passt zu den Informationen im nächsten Kapitel. wonach der Pentagon-Subkontraktor MPRI bosnische Mudschahedin angeworben und zum Kampf im Kosovo ausgebildet hat (vgl.49 Wie es auf dem Balkan nach Ende des bosnischen Bürgerkrieges 1995 weiterging. »mit der vollen Kenntnis und dem Einverständnis der britischen und amerikanischen Nachrichtendienste«. konnte man vom ehemaligen US-Justizermittler John Loftus erfahren.vom MI6 beauftragt worden waren. 79ff. S. Formal waren sie bei zwei privaten britischen Firmen beschäftigt. Natürlich geschah all das. Demnach begannen »frühere und aktive Mitglieder des britischen 22. so Meacher weiter. macht darauf aufmerksam. Die Saat geht auf Die Gruppe Al Muhajiroun löste sich am 13.Al Muhajiroun auf dem Balkan Der Labour-Abgeordnete Michael Meacher. Ungefähr 200 pakistanische Moslems. die . trainierten in HUA-Lagern und schlossen sich dann den HUA-Kontingenten in Bosnien an. Oktober 2004 formal auf. die britische Regierung verhinderte seine Rück- 62 . Juli 2005 in den Libanon zu seiner Familie. dass Al Muhajiroun ab 1992 junge Briten auch für den bosnischen Dschihad angeworben hat.so Loftus .

9/11 Synthetic Terror .von Scotland Yard im August 2005 verhaftet.. William Langewiesche (FN 3). Im Februar 2007 verfügte ein Gericht seine Auslieferung an Jordanien. indem er ihn . London u. 5.nachdem der französische Geheimdienst den Medien gesteckt hatte. n. Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). und im Februar 2007 das Urteil gefällt: sieben Jahre Haft. a. Abu Qatada gewann die Revision und befindet sich seit Anfang Mai 2008 gegen Kaution auf freiem Fuß. Vanity Fair (US-Ausgabe) 02/2008. dass der britische Geheimdienst Bakri schützen wollte. 63 . »Eine Quelle beim MI5 sagte mir. Anders erging es Abu Hamza.59) .Made in USA. entnommen und mit eigenen Eindrü- 3 4 5 cken vom Finsbury Park ergänzt. Abu Hamza and the Finsbury Mosque.2001. The Suicide Factory. so Buchautor Ahmed. 157. Joshua Tree/California 2005. Ab Januar 2006 wurde ihm der Prozess gemacht. Anmerkungen 1 2 Ghaddafi im Interview mit Al Jazeera 25. Vom Libanon aus ist Bakri über Chatrooms weiterhin in Kontakt mit einem informellen Netzwerk namens »Al Sabiqoon Al-Awaloon«. 2006. Juli 2005 jedenfalls aufgegangen.kehr.52 Über ihn und seine Tat informiert Kapitel 11. S. Die Saat der »unheiligen Dreifaltigkeit« ist mit den Terroranschlägen am 7. z. William Langewiesche.. dass der Prediger vom MI5 in einer konspirativen Wohnung versteckt wurde (vgl. Webster Griffin Tarpley.51 Abu Qatada wurde . S. entkommen ließ«. Drahtzieher war ein gewisser Haroon Rashid Aswat.10. in dem sich Leute aus den diversen verbotenen Gruppen gesammelt haben. vgl. S. A Face in the Crowd. unter anderem wegen Anstiftung zu Mord und Rassenhass. der »Lieblingsschüler« Abu Hamzas. Die Idee zu dieser Einleitung wurde dem Buch von Sean O'Neill/Daniel McGrory.

N. 189. n. z. 162. 39 Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). S. 24 Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). 34 Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16). An Independent Inquiriy. Sean O'Neill /Daniel McGrory (FN 2).2002. S. S. 27 Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16).1. 28 Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). n. 36 z. 144.2. 13 Sean O'Neill/Daniel McGrory (vgl. Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16).. 78. Cleric asserts British once asked his aid on terror..2006. S. 22 ff. Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). Police had Hamza's »murder evidence« 7 years ago. Oliver Schröm (FN 31). FN 2). Hamza's Web of Terror. 8 vgl. S. 12 vgl. n.2006.2006. 11 z. n. 16 Sean O'Neill.2. 37 Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16). S. S. S. Prediger und frommer Killer. S. 25 Jason Burke. n. 29 z. Times 17. 10 z. S. 14 Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). n. Times 9.htm). 22 Sean O'Neill/u. Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16). 63/64.2006. Abu Hamza boasted of Bosnia action.2. S. n. S. 18 Sean O'Neill /Daniel McGrory (FN 2). 18. 66. 85. z. 85. 7 Sean O'Neill. 165. 29. S. 86. 108. 20 Jamie Campbell.6 vgl.01. 31 Oliver Schröm. 163. Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16). Zeit 36/2002. Oliver Schröm (FN 31). New Statesman 08/2004. S. 9 N. a. 15 N. Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2).tmcnet. 35 z. 161. 26 Jason Burke (FN 25). S. z. S. 33 Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16). 32 Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16). William Langewiesche (FN 3). Times 18. Hamza's Web of Terror. n. 84. 127. Oliver Schröm (FN 31). AK-47 training held at London mosque. Why terrorists love Britain. n. 21 z.2006.com/usubmit/2006/02/08/1354116.. 38 z. 193. Daily Mail 8. S. Nafeez Mosaddeq Ahmed.1. n. 17 Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16).2006 (ursprüngliche Quelle: http://www. The London Bombings. Daily Mail 8. 150. 19 William Langewiesche (FN 3). S. S. S. 280 ff. Observer 17. 30 Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2).2. 64 . Police viewed imam's terror book years before he was seized. Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). S. NYT 20.N. 23 Alan Cowell.

80. 43 vgl. Hunt for 1.2005. 45. Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16). S. hier zitiert vom ehemaligen US- Agenten John Loftus in einem Gespräch vom US-TV-Sender FoxNews. 45 Danielle Demetriou/Patrick Sawer. 10. n.2005. 29. S. n.7.5. 48 Interview mit CNS-News 24. Britons boast of recruiting for bin Laden may lead to charges.200 Britons who trained with al-Qa'eda. z.5. Telegraph 26. 77.10. 52 vgl. Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16). This is London 29.bis heute in Großbritannien legalen . 47 Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16).2000. Telegraph 19. dass »Al Muhajiroun« erst 1996 gegründet wurde und Omar Bakri Mohammed vorher im Rahmen der . S.wikipedia.12.1. 42 Interviewvon Omar Bakri Mohammed mit der Londoner Zeitung »Al Sharq al Aswat« im Jahr 2001. 44 Richard Alleyne/Nigel Bunyan. Sean O'Neill/Daniel McGrory (FN 2). 50 Hintergrundgespräch des Autors mit Nafeez Mosaddeq Ahmed 51 Hintergrundgespräch des Autors mit Nafeez Mosaddeq Ahmed 9. Al-Muhajiroun say 1000 Brit Muslims have joined jihad. 46 David Bamber. Guardian (London). S. 49 Michael Meacher. »Al Muhajiroun«-Eintrag auf wikipedia (http://en. 41 z.»Hizb ut Tahrir« seine Getreuen sammelte.40 Andere Quellen gehen davon aus. 78. n. 81. z. org/wiki/Al-Muhajiroun). Intelligence interests may thwart the July bomb- ings investigation.2008.2003. S. 65 . 10.2001.1.9.2001. Nafeez Mosaddeq Ahmed (FN 16).2008.

Kapitel Das süddeutsche Netz In einem Balkandörfchen trafen Mitte der neunziger Jahre die wichtigsten Männer zusammen. sehr gut Wenn Allah entschied. »An der Abzweigung von der Hauptstraße hielten sie jedes fremde Fahrzeug an.und Telefonamt. sieht man als erstes die Moschee und nebenan eine stillgelegte Tankstelle. ganz in der Nähe das ehemalige Post. Von einem Dorf kann man eigentlich gar nicht sprechen: Der Flecken hat kein Zentrum und keine Struktur. Wenn man von dort kommt. patrouillierten Tag und Nacht.« 66 . Sie übernahmen die Häuser. sondern besteht aus vereinzelten Häusern und Ferienwohnungen. Im hinteren Teil des Tales »wurden Männer in Trainingslagern für den Kampf ausgebildet«. Ab Ende 1995 wurde das Dörfchen von arabischen Mudschahedin in Besitz genommen. die sich über acht bis zehn Kilometer erstrecken. auch gut solange niemand in guter Gesellschaft darüber sprach.« (Der ehemalige CIA-Agent Robert Baer über die Politik der CIA in Bosnien und anderswo)1 3. Hinzukommen ist schwierig: Die nächste größere Stadt. muss man die richtige Abzweigung über eine schlechte Nebenstraße fahren. Zenica. Wer mit dem Auto in den Flecken einbiegen wollte. und niemand hätte sich unbeobachtet in der Gegend bewegen können. aus denen sie zuvor die christlichen Serben vertrieben hatten. Um es zu finden.»Wenn Allah entschied. liegt 40 Kilometer entfernt. dass ein politischer Mord zulässig war. die Hauptstraße zwischen den benachbarten Kleinstädten Maglaj und Zavidovici berührt Bocinja nicht. auf unserer Seite zu kämpfen. die später in Mitteleuropa zum Dschihad antreten sollten Bocinja ist ein gottverfluchtes Kaff in Mittelbosnien. musste an schwer bewaffneten Checkpoints warten.

Von hier führen Verbindungen unter anderem zu den Mega-Anschlägen des 11.und ein Rekrutierungsfeld für US-amerikanische Nachrichtendienste. starke Mann hat Charme und imponiert ihr durch seine virile Ausstrahlung. wie ihr damaliger Mann sich veränderte: »Ausschlaggebend war ein Heidelberger. den Moslems in Bosnien im Krieg gegen die Ungläubigen Unterstützung zu leisten.Die Zitate stammen von Doris Glück. Wie war es dazu gekommen? An der Front Seyam hatte ursprünglich mit Fundamentalismus nichts im Sinn. die für den Aufbau von islamistischen Zellen in Deutschland wichtig waren. lässt sich einen Bart wachsen. September 2001. die damals etwa ein Jahr in Bocinja lebte. In der jugoslawischen Teilrepublik tobte seit dem Frühjahr 1992 ein Bürgerkrieg zwischen den Volksgruppen der Serben. Er wurde in Afghanistan als Terrorist ausgebildet und hat dann meinen Mann Ende 1993/Anfang 1994 für den Dschihad angeworben.«3 Die beiden überzeugten Seyam. War Seyam sein williger Komplize oder sein unbewusstes Werkzeug? Jedenfalls: Über Bocinja wurden jene Kontakte geknüpft. Erst Anfang 1992 radikalisiert er sich. Doris Glück lernt ihn im Oktober 1987 kennen. der Freiburger Yehia Yousif. die Brutstätte des europäischen Dschihad . Frau Glück hat hautnah miterlebt. Bocinja war. neben London. verzichtet auf Alkohol und Schweinefleisch.das blutigste 67 . der Kroaten und der Muslime .2 Seyam war der bosnische Statthalter eines der wichtigsten Drahtzieher des terroristischen Netzes in Mitteleuropa. Die zweite wichtige Person war der beste Freund dieses Abu Musab. der große. des in Freiburg und später in Ulm ansässigen Verfassungsschutzagenten Yehia Yousif. auch Abu Musab genannt. Der stand in der Hierarchie noch höher. als deutsche Ehefrau eines gewissen Reda Seyam. Ahmed Mohamed.

wurden in Zenica umgehend die Serben vertrieben. im Frühjahr 1994 einem deutschen Reporter. berichtete Marijana. Die Leute machten 1991 noch Witze darüber. Doch alles änderte sich dadurch.«4 Anfang der neunziger Jahre war etwa die Hälfte der 150000 Einwohner der Stadt Muslime. zur DDR und den Amerikanern. dass auf ihrer Seite fundamentalistische Fanatiker in die Kämpfe eingriffen. »Bis vor fünf Jahren gab es hier überhaupt keinen Nationalismus«. Mitte März 1993 brach der Bruderkrieg zwischen den bis dahin verbündeten Kroaten und Muslimen aus. »Das Leben war von kollektiven Ideen geprägt. ab dann bauten die rivalisierenden Mudschahedin einen Gottesstaat auf. Als im April 1992 in Sarajevo das Schießen begann. die serbischen Angriffen in anderen Teilen des Landes entkommen waren. In ihre verlassenen Häuser zogen muslimische und kroatische Flüchtlinge ein. Kroaten und gemischte Familien. vor dem Krieg ein Kraftzentrum der Schwerindustrie in der jugoslawischen Teilrepublik.es gab intensive Wirtschaftsbeziehungen zu Russland. die zumeist schon in Afghanistan das Töten gelernt hatten. der Rest verteilte sich zu etwa gleichen Teilen auf Serben. 1991 fiel die einheimische Linksregierung in Kabul.hatte sie angestachelt.Stadium im Auflösungsprozess des alten Jugoslawien. dasselbe in Südosteuropa zu versuchen.1988 mussten die Sowjets von dort abziehen. Dort kam das Ehepaar Seyam Ende 1994 an. unweit der Stadt 68 . entwickelte sich nach Ausbruch der Kämpfe im Frühjahr 1992 schnell zur Hochburg der Dschihadisten aus aller Herren Länder. Ihr Erfolg am Hindukusch . Zenica war wegen seiner großen Industrie eine moderne Stadt . Die mittelbosnische Stadt. ob man die kyrillische oder die lateinische Schrift benutzen sollte. Die bosnischen Muslime waren in ihrer Mehrheit gemäßigte und vernünftige Leute. Hochburg der arabischen Freiwilligenverbände war Mittelbosnien mit dem Schwerpunkt Zenica. Leiterin des Medica-Zentrums in Zenica.

geht von 15 000 bis 20 000 aus.5 Ein Reporter der Londoner »Times« war 1992 in einem Camp der Gotteskrieger in Zenica. zwischen vierzig und fünfzig Mann.wurde gekämpft.. Serbische Quellen nennen 15 000 bis 40000.7 Yossef Bodansky. Über die Stärke der arabischen Freischärler gibt es unterschiedliche Angaben. »Eine schwarze islamische Fahne flatterte. es gab Massaker auf beiden Seiten. Eine Hand voll junger Bosnijaken war darunter. Terrorbeauftragter des USKongresses. Die Krieger hatten sich vor einigen ungewöhnlichen Fahrzeugen versammelt.. Mitglieder einer einheimischen Einheit.8 die Warschauer Tageszeitung »Rzespospolita« spricht mit Bezug auf Erkenntnisse des polnischen Kontingents in der UN-Truppe SFOR von 5000.9 die mit den Muslimen 69 . die sechs Monate lang in Podbrezje trainiert worden waren. die nicht vergessen. Man sah Araber und Leute aus dem Kaukasus und aus Afrika. Steve Rodan von der Fachzeitschrift »Jane's Intelligence« verweist unter Berufung auf Geheimdienstquellen auf 7000. vor allem über die Hauptstadt Zagreb und Split geschleust. Etwa ein Viertel der 23 000 setzte sich ab. Nun bekamen es auch die Kroaten von Zenica mit der Angst zu tun. Sie wurden über Kroatien. bevor sie bei El Mudschahedin mitmachen durften. Leute. der ersten Mudschahedin-Einheit in Bosnien. einige hatten sich die Köpfe rasiert.«6 Kämpfer vor allem aus dem Iran und Afghanistan sickerten ab Juni 1992 illegal ein. die die Kriegsfreiwilligen zur Tarnung mit humanitären Pässen versorgten. wo sich zu Beginn der neunziger Jahre saudische Stiftungen und Wohltätigkeitsvereine etabliert hatten. berichtete ein Mitarbeiter der EU-Beobachtermission. um in den Reihen der Izetbegovic-Truppen zu kämpfen.Leute mit scharfen Augen. alle trugen ausgewaschene Uniformen und waren gut bewaffnet . Die meisten trugen Bärte. An allen Vertreibungsaktionen waren die großteils ausländischen Mudschahedin beteiligt.

die Anfang der neunziger Jahre nach Bosnien in den Kampf gingen. zusammen mit dem Tunesier Adouni Mehrez in die bosnische Botschaft in Wien gekommen und identifiziert worden.«14 Bin Laden soll jedenfalls zu Jahresanfang 1993 einen bosnischen Pass bekommen haben. war der Krieg im ehemaligen Jugoslawien .11 Serbische Quellen behaupten.10 Die UN schätzte ihre Zahl im Sommer 1995 auf nicht mehr als 1500.15 Derselbe Mehrez soll fünf Jahre später an den Anschlägen auf US-Botschaften in Ostafrika beteiligt gewesen sein. und bin Ladens Dienstleistungsbüro unterhielt außerdem ein Büro in Zagreb. Er sei.. Zum Vergleich: Die Gesamtstärke aller Mudschahedin-Milizen im afghanischen Bürgerkrieg der achtziger Jahre wird auf 175000 bis 250000 geschätzt. welcher bei 150 000 bis 200 000 lag. Al Qaida bildete Mudschahedin aus.13 Bin Laden in Sarajevo Die Rolle von Osama bin Laden als Rekruteur und Finanzier der bosnischen Mudschahedin-Verbände ist schwer einzuschätzen. weitere 4000 bis 6000 Mudschahedin hätten zivile Aufgaben im Rahmen von sogenannten Wohltätigkeitsorganisationen übernommen. so die übereinstimmenden Angaben von bin Ladens Freund Chalid al Fauwaz und von Milt Bearden.. so das Magazin »Dani« aus Sarajevo. CNN-Terrorspezialist Peter Bergen schreibt über die Situation zu Anfang der neunziger Jahre: »Der auswärtige Konflikt. der die größte Bedeutung für Al Qaida hatte.12 Diese Zahlen müssen mit dem Personalstand der muslimisch dominierten Armee Bosnien-Herzegowinas in Beziehung gesetzt werden. der Hauptstadt des benachbarten Kroatien. der damals die Afghanistan-Operationen der CIA leitete. Der verantwortliche Wiener Botschafter in jener Zeit war Huso Zivalj.verbündeten Kroaten geben 4000 Mudschahedin an. gleichzeitig Vize- 70 . Der Zahl der ausländischen Kämpfer soll bei 25 000 gelegen haben.

Präsident der Waffenschmuggel-Organisation »Third World Relief Agency« (TWRA). »Spiegel«-Balkan-Korrespondentin Renate Flottau traf den Terroristenchef 1993 in Sarajevo. berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin mit sieben Jahren Verspätung. Wenn er das Signal gebe. Er besaß einen Pass des neuen Staates Bosnien-Herzegowina. Er sah auch so aus. Ich wunderte mich sehr. internationale Kämpfer ins Krisengebiet zu schmuggeln«.in einem der Vorzimmer des bosnisch-muslimischen Präsidenten Izetbegovic . auf der sein Name in Arabisch und Englisch gedruckt war. würden sich Millionen Moslems erheben. Der antwortete mir. wie ich ihn später im Fernsehen wieder gesehen habe: mit langem Bart. meinte er.18 Während des bosnischen Bürgerkrieges tauchte der saudische Millionär mindestens einmal in Sarajevo auf.19 Frau Flottau konnte sich auf Nachfrage nicht mehr erinnern.machte und fragte deshalb einen von dessen Beratern. Mir ist gleich seine Großspurigkeit aufgefallen: Er stellte sich ohne jede Ironie als >Führer der islamischen Welt< vor. an dem seine Leute auf der Seite der Muslime mitmachen wollten. der Besucher 71 . ausgestellt von der Botschaft in Wien. und dann gäbe es keine Serben und keine USA mehr. denn der Herr hat mir seine Visitenkarte gegeben. Ansonsten aber bestätigte sie die Begegnung: »Ich weiß es genau. Europol fand jedoch »immer mehr Hinweise auf die bosnische Staatsbürgerschaft bin Ladens«. warum man einen solchen Verrückten eingelassen habe. ob das Zusammentreffen wirklich 1993 oder aber erst 1994 stattgefunden habe. was ein solcher Mann an diesem exklusiven Ort .16 Nach dem 11. hohem Turban und einem langen weißen Gewand. und rühmte sich. September 2001 hat die bosnische Regierung die Ausstellung eines Passes an den saudischen Millionär dementiert. »Er stellte sich artig vor und sprach vom bosnischen Befreiungskampf.17 Unter anderem wurde Mehrez' in Wien 1993 ausgestellter Pass bei seiner Verhaftung 1998 sichergestellt.

Auch mein Mann hat geschossen. obwohl >der Alte< eine Umschreibung für Izetbegovic .sei penetrant und nicht abzuwimmeln. Es war sein Kopf. »Jeder der etwa 50 Mudschahedin gab einen Schuss auf einen gefesselten Serben ab. und zwar »in der Nähe der Stadt Zenica« im Sommer 1995. was für furchtbare Dinge sich insbesondere während der Kämpfe im Spätsommer und Herbst 1995 abspielten. sondern als Kameramann und als Kurier.eigentlich nichts mit ihm zu tun haben wolle.das aus der Reihe fällt. Sie war Augenzeugin von Exekutionen im Herbst 1995 im Dorf Guca Gora in der Nähe von Tuzla: »Neben dem knienden Mann erkannte ich . den Führer der Muschahedin . Am nächsten Tag traf ich bin Laden am selben Ort wieder. Zu sehen sind mehrere Mudschahedin. Einige Propagandafilme von Seyam hat sich die »Spiegel-Redaktion besorgt: »Eines davon .«22 Gegenüber »Focus« behauptete Seyams Frau sogar.«20 Kameramann des Grauens Reda Seyam war ein wichtiger Mann für die Mudschahedin . ihr Mann habe mitgemordet. die in der ganzen Welt Verbreitung fanden.«21 Besonders schockierend für die Frau war..nicht als Kämpfer.. Jedenfalls habe er viel Geld.. wo sie Sponsoren zu Spenden für den Fortgang des Dschihad motivieren sollten.«23 72 .könnte ihm nun zum Verhängnis werden.. als die Muslime den serbischen Artilleriegürtel um Sarajevo sprengten. etwas flog durch die Luft. Auf eine schnelle Bewegung hin sackte der kniende Mann zusammen. Groß war der Absatz vor allem im arabischen Raum. dass ihr eigener Ehemann die Köpfung filmte und das entsprechende Video als Werbung für den Heiligen Krieg vertrieb. weil es Muslime als Täter zeigt . Er drehte Propagandavideos von den Schlächtereien der Gotteskrieger. Seine Ehefrau kann bestätigen. die drei Serben den Kopf abschlagen und damit Fußball spielen.

diese einfachen Sachen 73 . durfte aber immer noch die Nachbarn besuchen.Ende September 1995 flauten die Kämpfe in Bosnien ab. vor allem zum Abzug aller ausländischen Kämpfer. Auf der anschließenden Friedenskonferenz im November im US-amerikanischen Dayton gelang es Präsident Bill Clinton. wo ich Frauen begegnete. in einer Großoffensive die serbischen Frontlinien überall zurück gerollt.. ein neues Lied im Radio hören. Schaffung eines föderalen Staates nach westlichem Vorbild. Dies betraf auf muslimischer Seite die Mudschahedin-Verbände. die Republika Srpska. ein Päckchen Kaffee. das in ihren Alltag zurückkehrte. Der Kurier des Kommandanten In ihrem autobiografischen Buch Mundtot berichtet Doris Glück über den Ort: »In Zenica musste ich zwar von Kopf bis Fuß verschleiert vor die Tür gehen. Aufteilung des Territoriums im Verhältnis 51 Prozent zu 49 Prozent. in den Supermarkt gehen und selbst die Lebensmittel aussuchen . Auf dem kleineren Teil sollten die Serben ihren eigenen Staatsteil mit großzügigen Autonomierechten. Deren Militärcamps. die Führer der Volksgruppen zu einem Kompromiss zu zwingen: sofortiger Waffenstillstand. eine Flasche Shampoo. Nun begann der große Umzug der Mudschahedin-Kader nach Bocinja. wie in Zenica. Teil des Dayton-Abkommens waren Bestimmungen zur Demilitarisierung der verfeindeten Armeen.. an einer Seife riechen. regelmäßig zum Markt. Die verbündeten Muslime und Kroaten hatten.. Söckchen und Höschen für die Kinder. In Zenica fuhr ich . die nicht mit den Mudschahedin zu tun hatten. schaffen können. Eine Zigarette rauchen. die sich über den Frieden freuten und jedes Stück Normalität feierten.. unterstützt durch zweiwöchige Luftangriffe der NATO. mussten aufgelöst oder der neuen NATO-überwachten multiethnischen Armee Bosnien-Herzegowinas unterstellt werden.

die er im Auftrag von Izetbegovic »beaufsichtigte«. Schließlich bestand immer Gefahr. schreibt Kohlmann. In Bocinja galt das als überflüssiger oder gar schädlicher Luxus. denn al Maali war auch enger Vertrauter des prowestlichen Moslempräsidenten Alija Izetbegovic. Den Rest der Woche waren sie meist in Zenica. da die Einwohnerzahl sehr gering und die soziale Kontrolle sehr dicht war.28 Im Jahr 2005 ist al Maali.26 Dies ist etwas einseitig. Sachverständiger der 9/11-Kommission des US-Kongresses. so Angaben aus BND-Kreisen. dass sie in Reichweite von fremden Männern kamen!«24 Reda Seyam und seine Frau verbrachten das Jahr 1996 großteils in Bocinja.machten die Frauen glücklich. US-Ermittler nannten ihn bisweilen »Osama bin Laden junior«. dem Feldemir der Mudschahedin-Verbände in Bosnien. dass Abu al Maali 1998. In dem kleinen Dörfchen kannte jeder jeden. jedenfalls die Wochenenden.27 Doris Glück will von ihrem Mann gehört haben. als er bereits von den SFORBesatzungstruppen gesucht wurde.29 74 . Die Roubaix-Gruppe und andere versorgte er aus versteckten Waffenbeständen. geht davon aus. nach zeitweiliger Flucht wieder nach Bosnien zurückgekehrt und hat dort »sichere Zuflucht« gefunden. hätten sich Mudschahedin-Frauen niemals mit einer duftenden Seife waschen dürfen. Kohlmann.25 In diesem überschaubaren Milieu hatte Seyam zu allen Kämpfern im Ort Kontakte. Evan F. »im Privatflugzeug von Izetbegovic außer Landes geflogen wurde«. Wenn es nach Omar (alias Reda Seyam) und seinen muslimischen Brüdern gegangen wäre. Von Kohlmann wird al Maali als Instrukteur und Aufbauhelfer der Roubaix-Zelle bezeichnet. die 1996 Nordfrankreich in Angst und Schrecken versetzte (siehe dazu das folgende Kapitel). Eine Reporterin der kroatischen Tageszeitung »Slobodna Dalmacija« will »300 Mudschahedin mit ihren 900 Frauen« gesehen haben. Vor allem zu Abu al Maali. dass 100 Mudschahedin dort gewohnt haben.

»Mein Mann Reda war täglich mit Abu al Maali zusammen«. Besonders brisant: Frau Glück weiß von Waffenlagern. aber auch die CIA. Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst waren alarmiert. »Danach wurde nie gesucht«. der Kommandeur der Mudschahedin-Brigade in Bosnien wolle Sprengstoff nach Süddeutschland schmuggeln. Abu al Maali in Zenica festzunehmen«. wonach der bosnische Kommandant im Jahr 1998 »große Mengen an C4-Plastiksprengstoff und Zünderkapseln an eine ägyptische Terrorgruppe< schmuggeln ließ. Seyam fuhr in 75 . Kohlmann weist auf CIAErkenntnisse hin. die in Freiburg den Bombenstoff in Empfang nehmen sollte. berichtet Doris Glück aus der Zeit in Bocinja: »Der kam zu ihm und sagte: Tu dies und tu jenes.31 Im »Spiegel« konnte man über denselben Vorfall lesen: »Im Dezember 1998 hatten mehrere Geheimdienste gemeldet.34 Schaltstelle Freiburg In Freiburg war damals eine wichtige Schläferstruktur für in Bosnien ausgebildete Mudschahedin. Januar 1999 fanden Grenzbeamte in einem Reisebus bei einem Kurier des Kommandanten zehn Sprengzünder.33 Aber auch gegen die »ägyptische Terrorgruppe«. um US-Militärbasen in Deutschland anzugreifen«.«30 Al Maali hat aufgrund seines Zugriffs auf die Waffendepots offenbar auch Sprengstoff für Anschläge nach Mitteleuropa bringen lassen. Und die drängte auf schnelles Handeln. dass die US-Administration in Bosnien »trotz dieser Erkenntnisse immer noch keine Anstalten machte. die die Bosnien-Krieger in Süddeutschland angelegt haben.«32 Kohlmann wundert sich. Fahr da hin und fahr dorthin. Am 8. die für einen Algerier in Freiburg bestimmt waren. wurde bezeichnenderweise nichts unternommen. Reda war sein Kurier für die internationalen Beziehungen. Bundeskriminalamt. sagt sie heute enttäuscht.

Auf der Durchreise hat auch Feldkommandant Abu al Maali einmal dort gewohnt. Die Vermutung: Dort wurden Mudschahedin.35 Dort lebte der Mann. selbstverständlich auch für den Dschihad. Nach der Ermordung von Präsident Anwar al Sadat 1981 verbrachte er wegen Unterstützung der Attentäter einige Monate im Gefängnis.38 Auch andere Kuriere küm- 76 . Frau Glück erinnert sich: »Die Moschee war so eine Dachgeschosswohnung über einem Getränkemarkt. bestätigt ein Verfassungsschützer. Den Verfassungsschützern fiel bald auf.« Zusammen mit Seyam gründete Yousif den Verein »Menschen helfen Menschen«. Offensichtlich war ihm danach der Boden in seiner Heimat zu heiß geworden: 1988 bewarb sich Yousif am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Freiburg für eine Doktorandenstelle. der Geld für die Muslime in Bosnien sammelte. Der Ägypter lebte sehr zurückgezogen und schirmte Frau und private Aktivitäten fast vollständig vor seinen Kollegen ab.regelmäßigen Abständen von Bocinja und Sarajevo in die Breisgau-Metropole. »Seyam war Yousifs Mann in Bosnien«. 1993/94 richtete der Arzt eine Art Hinterhofmoschee in der Habsburger Straße ein. dass der Wasserverbrauch in einem Nebenzimmer der Moschee immens in die Höhe ging. Regelmäßig fuhr Seyam nach Freiburg. Einmal waren das etwa 1. verfolgte er sein Ziel weiter und hatte schließlich doch Erfolg: Im Jahre 1992 promovierte er summa cum laude und erhielt sogar einen Forschungspreis in der Stadt an der Dreisam. berichtet Doris Glück.5 Millionen Mark auf einen Schlag. die sich an der bosnischen Front Verletzungen zugezogen hatten. von Yousif medizinisch versorgt.36 Der 1958 geborene Ägypter war Arzt und hatte vier Jahre am Klinikum in Alexandria gearbeitet.37 Die Heimlichtuerei hatte ihren Grund. um dort Barbeträge abzuholen und undeklariert per PKW zurück nach Bocinja zu bringen. Zunächst abgewiesen. der ihn für den Dschihad rekrutiert hatte: Yehia Yousif.

als diese Flüssigkeit bei uns im Haus war.« Sie sagte weiter: »Ich meine. sei sie mit Seyam zum Flughafen im kroatischen Split gefahren: »Wie immer wartete ich im Auto auf dem Parkplatz .«41 77 . weil ihm offensichtlich zu heiß war. dass ich achtsam sein sollte. Und wenn mein Mann in die Moschee ging zum Beten. Yehia Yousif war in der Wissenschaft. In Istanbul bekam er einen bosnischen Pass. war Yehia Yousif auch in Bocinja. Ich bewegte den Rückspiegel zurück und sah darin. in Bocinja. und mit dem flog er dann nach Sarajevo. Wir wissen.merten sich um den Cash Flow. Denn Yousif reiste. wie so viele.«40 Frau Glück hat auch eine Vermutung.«39 Yousif reiste auch höchstpersönlich nach Bocinja und besuchte Sedam. Doris Glück erinnert sich an seltsame Chemikalien. Und diese Flaschen haben auch sehr ätzend gerochen wie Nagellackentferner. warum bei späteren Ermittlungen gegen Yousif (vgl.. dass ich nicht mit den Flaschen in die Luft fliege. wie der eine sein Hemd öffnete. also in der Forschung. Und an diesem besagten Tag. über die Türkei nach Bosnien. S. tauchten plötzlich diese Pulver und Flaschen auf mit Flüssigkeiten. 84) die Reisen nach Bosnien nie eine Rolle spielten: »Die deutschen Justizbehörden haben das gar nicht mitbekommen. habe ich oben aufgeräumt. mit denen die beiden hantierten: »Das war in Bosnien. so berichtet Frau Glück vom Frühjahr 1997. Darunter kamen mehrere Bündel von Geldscheinen zum Vorschein. Eines Tages. Eine Minute später kam Omar (gemeint ist Reda Seyam) mit zwei Männern.. Er hatte sie offensichtlich durch die Kontrollen geschmuggelt. Und in den Tagen. die mit Klebestreifen an seiner Brust befestigt waren. wo er Aufnahmen machte. wo mein Ex-Mann ein Studio hatte. wo ein Gast aus Deutschland da war. Und mein Mann hat mich daraufhingewiesen. die hinten einstiegen. da braucht man gar nicht lange darüber zu reden.

dass Reda Seyam Binalshibh zur medizinischen Behandlung von Bosnien nach Süddeutschland brachte. »Dreimal oder noch öfter besuchte er uns«. so die »FAZ«.44 Auch im Oktober/November 1999 war der Hamburger noch einmal auf dem Balkan und wurde dann von Seyam mit dem PKW zurück Richtung Deutschland genommen. In der Türkei wurde er wegen Vorbereitung der Anschläge auf britische Einrichtungen und Synagogen im Jahre 2003 verurteilt. denn als er in Freiburg lebte. ist nicht bekannt. S. war er jedenfalls öfter in Bocinja bei Reda Seyam. usff. auch Kapitel 8).zu ihm unten mehr . erinnert sich Doris Glück. führte höchstwahrscheinlich zum 11. »Hinter der slowenischen Grenze stieg er aus. Ein weiterer Verbindungsmann von Yousif und Seyam war Louai Sakra. Er hat nach eigenen Angaben einige Flugzeugentführer des 11. das weiß man heute. Ob er dort auch Seyam traf.hat herausgefunden. hatte Sakra zu zwei Konvertiten im Schwarzwald Verbindungen aufgebaut und war schließlich selbst als Asylbewerber in Schramberg gelandet (vgl.46 Auch der wichtigste Drahtzieher des Londoner Terror- 78 . sagte mein Mann damals zu mir.) Bevor Binalshibh 1996 nach Hamburg ging. September 2001. Sakra kämpfte während des Bürgerkrieges in Bosnien. Aber Yousif hatte zum Kreis um Sakra »regelmäßige Kontakte«.«45 Dieser Weg. September verdächtigt.43 Der BKA-Sonderermittler Michael von Wedel . Kapitel 8). ebenfalls ein wichtiger Vorbereiter von 9/11.42 (vgl. so die Beobachtung von Frau Glück. September trainiert und mit Pässen ausgerüstet (vgl. >Sein Weg für den Dschihad führt ihn in eine andere Richtung<.Auf dem Weg zu 9/11 Der Dritte im Bunde von Seyam und Yousif war Ramzi Binalshibh. Binalshibh hat ab 1996 die Hamburger Zelle um den angeblichen 9/11-Selbstmordbomber Mohammed Atta mit aufgebaut und wird von den US-Behörden als »Mastermind« des 11.

»Ich habe ihn deutlich erkannt.. der Hassprediger Abu Hamza. die mit den fundamentalistischen Besatzern die Rückgabe von Bocinja Donja an die rechtmäßigen serbischen Besitzer aushandeln wollten. um Pässe zu schmuggeln.untergrundes. Dabei erkannte ich ihn. wurden sie von wütenden Bewohnern belästigt und suchten aus Sicherheitsgründen schnell das Weite. »Den stellvertretenden SFOR-Kommandanten Generalleutnant Michael Wilcox und seine Männer.«48 Der Hass galt insbesondere der NATO-geführten Besatzungstruppe IFOR (später SFOR).« Kohlmann berichtet über weitere Zwischenfälle: »Als einige US-Offiziere im Januar 1999 durch Bocinja fahren wollten. Mit seinem eisernen Haken anstelle der Hand war er unübersehbar. >Solange auch nur ein Muslim hier lebt. Bis Mitte der neunziger Jahre waren mehrere tausend bosnische Blankopässe an Mudschahedin ausgegeben worden. Die Anwerbung von V-Leuten Die Atmosphäre in Bocinja muss gegenüber allen nichtmuslimischen Besuchern extrem feindselig gewesen sein. Ein britischer General.. kämpfte 1994/95 Bosnien und besuchte Bocinja. In dem Fluss vor unserem Haus machten die Männer ihre rituelle Waschung vor dem Gebet. sollte kein Serbe sich heran wagen<. stellten sie ein großes Schild mit der Aufschrift >Fürchtet Allah< auf und verweigerten selbst der internationalen Friedenstruppe .. wie der deutsche Reporter Johannes von Dohnanyi berichtete: »Am Eingang des Dorfes . krankenhausreif. ließen sie wissen und prügelten zum Beweis ihrer Entschlossenheit den ersten jungen Serben. nahmen sie für einige Stunden gefangen. den Zutritt. der nach Bocinja wegen einer Visite gekommen 79 . der ihnen in die Hände fiel..«47 Nach Auskunft von Frau Glück flog Seyam mehrfach von Sarajevo nach London. die nach dem Dayton-Vertrag in Bosnien stationiert wurde.

dem informellen Ortsvorsteher von Bocinja (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Prediger aus London. vgl. und leider fehlt auch der Vorname dieses Bennett. die Mitte 1997 gebildet worden sei. dass sie weltweit 1500 Angestellte im Einsatz hat und innerhalb sowie außerhalb der USA 150 Programme durchfuhrt. wurde von anti-westlich eingestellten Dörflern angegriffen. Der Transfer einer Einheit. die 22 besten davon unter Vertrag. Ein V-Mann eines westeuropäischen Nachrichtendienstes meldete. Jedenfalls hatte kurz zuvor die UN-Menschenrechtskommission eine Untersuchung veröffentlicht. wie man schwierige Aufgaben unter den anspruchsvollsten Bedingungen durchführt«.war. Demnach kann sie jederzeit auf »12 500 frühere Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Am 2. Kapitel 2). »dass die Kommunikation gesucht werden muss und dass das (Treffen) ein guter Start war«.53 MPRI hat 340 frühere US-Generale in seiner Kartei54. Freischärler von Bosnien in das Kosovo zu transferieren«.51 Sehr erfolgreich verliefen auch die Versuche der USSöldnerfirma Military Professional Ressources Inc.55 Sie erhalten das Doppelte bis Dreifache ihrer früheren Staats- 80 . »die am besten wissen. Mudschahedin für die eigenen Dienste anzuwerben.52 Auf ihrer Website vermeldete die Firma im Sommer 2004 stolz.«49 Aber nicht alle Vertreter der westlichen Militärmächte wurden so schlecht behandelt. Februar 1999 traf US-Diplomat Bennett mit Abu Hamza zusammen. nachdem Abu Hamza »beschuldigt wird. MPRI wurde im Jahre 1987 von acht pensionierten US-Topoffizieren gegründet und hat mittlerweile »mehr Vier-SterneGenerale hat als das Pentagon selbst«. ist dem Bericht nicht zu entnehmen. der Strafverfolgungsbehörden und andere Experten« zurückgreifen. (MPRI). habe bereits ab Juli 1998 begonnen. einer von ihnen wollte gewaltsam die Autotür aufstemmen und machte Aufschlitzbewegungen quer über seine Kehle.50 Wofür die Kommunikation notwendig und warum das ein guter Start war.

«58 Doch es sollte anders kommen. Viel Geld für einen Mann. nie wieder eine Uniform anzuziehen oder gar ein Gewehr anzufassen. zuzüglich Vorsorgeleistungen und MPRI-Aktien. Unter dieser Tarnung kamen die Rekruteure der Firma 1996 auch nach Bocinja. MPRI-Leute kamen 1996 nach Bocinja und boten Si Hamdi viel Geld: 5000 Dollar in bar legten ihm die Werber auf den Tisch und boten ihm des Weiteren ein monatliches Fixum von 1500 Dollar an . während ihre Pentagon-Pensionen weiterlaufen. Im März 1997 wurde Si Hamdi mit 15 weiteren BosnienMudschahedin von Sarajevo in die Türkei ausgeflogen..56 MPRI war nach Abschluss des Dayton-Vertrages Ende 1995 mit dem Aufbau der sogenannten Friedensarmee des neuen Staates Bosnien-Herzegowina beauftragt worden.57 Abdul Si Hamdi hatte im September 1995 an einem Angriff auf die mittelbosnischen Städte Donji Vakuf und Jajce teilgenommen. der in BosnischSibirien von der Hand in den Mund lebte. und Reza S. dass er einen Close Air Support leiten könne . bei dem »unbewaffnete serbische Flüchtlinge zu Hunderten massakriert« wurden.steuerfrei. Doch ihre Werbung galt ganz anderen Zielen.bezüge. Die MPRI-Operation wird belegt durch vier Zeugen: durch den algerischen Mudschahedin Abdul Si Hamdi und seine drei bosnischen Mitkämpfer Haris K. Zunächst trainierten sie Guerillataktiken in Fojnica. Die folgende Darstellung folgt Hutschs Reportage. Zwischen Frühjahr und Sommer 1998 wurde Si Hamdi mit seinen Kameraden in das MPRI-Camp Ljabinot in der 81 . »Dort wurden wir zu Fliegerleitoffizieren ausgebildet«. »Da hatte sich Si Hamdi geschworen.Lufteinsätze zur Unterstützung von Bodentruppen. Der deutsche Journalist Franz-Josef Hutsch hat die vier ausfindig gemacht und ihre Geschichte für das NDRJournal »Streitkräfte und Strategien« aufgeschrieben. Auf diesem bescheinigt ihm die MPRI. Fikret B. sagte Si Hamdi und zeigte dem Reporter Hutsch sein Zertifikat.

59 Eine schmutzige Verbindung Es gibt auch einen Mudschahedin-General. die anderen bei Urosevac und in Pristina. ihre Stärke und Zusammensetzung melden. Korps geschaffen haben. resümiert Hutsch. das der albanische Präsident Sali Berisha unterhielt. Si Hamdi sollte serbische Truppen überwachen. dessen Kommandeure sich später wegen schwerer Kriegsverbrechen vor dem Haager Jugoslawientribunal verantworten mussten. der zu MPRI überlief: Dzemal Merdan. wenige Wochen später in das Lager Tropoja-Vucidol an der Grenze zum Kosovo.60 82 . Er selbst soll die berüchtigte 7.der eine am Dulje-Pass bei Prizren. bevor sie in die Kampfverbände eingegliedert wurden. Auch Haris. »Hier wurden wir Einheiten der (albanischen Untergrundarmee) UCK zugeteilt«. und Fikret B. Nach dem Friedensvertrag von Dayton im November 1995 trat MPRI an Merdan heran und übernahm ihn in ihre Dienste. Zu seiner Aufgabe in Zenica gehörte während des bosnischen Krieges die Begrüßung und Einführung der internationalen Dschihad-Brigadisten. Fikret und Reza bereiteten im Frühjahr 1999 den Luftkrieg um das Kosovo vor .Nähe der albanischen Hauptstadt Tirana verlegt. also nicht zu gewöhnlichen Fußsoldaten (!) der UCK ausgebildet und in das Kosovo eingeschleust worden. Am 24. sagte Si Hamdi. Ab März 1999 wurde es plötzlich hektisch. Der Mudschahedin-General wurde »der bosnische Mittelsmann« der MPRI und rekrutierte in dieser Funktion auch die eben erwähnten Gotteskrieger Abdul Si Hamdi. Gemeinsam mit der UCK schlichen sich die vier Bosnienbrigadisten im Oktober und November 1998 ins Kosovo. Haris K. Koordinaten von möglichen Zielen für Luftangriffe sammeln und überprüfen. Insgesamt seien auf diese Weise 80 bis 120 der besten Mudschahedin aus Bosnien zu Offizieren. März fielen die ersten Bomben auf Jugoslawien. Brigade des 3.

ein klarer Bruch des UN-Waffenembargos . Tatsächlich hat die Regierung von Bill Clinton bereits ab 1993 auf Kroatien Druck ausgeübt. Ab 1995 übernahmen die US-Amerikaner selbst das Gros der Transporte. die je veröffentlicht worden ist«.wurden in den Jahren 1992 bis 1994 vor allem von iranischen Maschinen durchgeführt. dass sie während des Bosnienkrieges in einem Militärcamp bei Zenica ausgebildet wurden. und ebenso beim Waffenschmuggel über kroatische Flughäfen wegzusehen. Der »Pakt mit dem Teufel« (so eine Formulierung von US-Balkanemissär Richard Holbrooke61) ist in einem Untersuchungsbericht des »Niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation« (Nederlands Instituut voor Orloogsdocumentatie . Noch brisanter ist ihre Aussage. Doch die gründlichen Forscher haben gleich den gesamten Bürgerkrieg behandelt und sind dabei auf die Machenschaften der Geheimdienste gestoßen.62 Für den »Guardian« ist dabei »eine der sensationellsten Studien über westliche Geheimdienste. Diese Versorgungsflüge . der 2002 veröffentlicht wurde. gut beschrieben. Eigentlich geht es in der Untersuchung um die Ereignisse im ostbosnischen Srebrenica und die Rolle der holländischen Blauhelme bei den großen Massakern im Sommer 1995.Sie bezeugten vor einem deutschen Gericht nicht nur ihre Einschleusung in die Kosovo-Untergrundarmee UCK durch MPRI. Das renommierte Armeeinstitut war im Herbst 1996 vom niederländischen Parlament mit der Studie beauftragt worden. Es befragte über 900 Zeugen und legte sechs Jahre später einen Bericht mit 3496 Seiten vor.63 »Da haben 83 . dass die Zusammenarbeit zwischen US-amerikanischen Diensten und den Gotteskriegern nicht erst nach dem Ende der Kampfhandlungen einsetzte. Dies verweist darauf. das schon damals unter Leitung der MPRI stand.NIOD). entstanden. den von Osama bin Laden und anderen organisierten Zustrom arabischer Freiwilliger an die bosnischen Fronten passieren zu lassen.

hatte Mamoun Darkanzali angeheuert. die den bosnischen Muslimen beistehen sollten .«67 Nach ihren Aussagen war zu jener 84 .einige davon dieselben Gruppen. allerdings bereits 1995 und im benachbarten Albanien. dass ihr saudischer Partner GID die Twaik-Gruppe . dann nach Saudi-Arabien. September.66 Nach einem Jahr schloss er die Firma und ging zuerst nach Albanien.64 Westliche Geheimdienste gehen davon aus. Zwei oder drei Autos waren vorgefahren. Am nächsten Morgen fragte sie: »Sag schon. wo er einen Job bei der TwaikMedientochter Rawasin annahm. religiöse Songs abspielte und im Übrigen keine Autos an Juden vermieten wollte. Dieser ist angeblich der Hamburger Finanzier Osama bin Ladens (vgl. S. sie durfte bei dem Treffen nicht dabei sein. Seyam und die Dienste Seyam übersiedelte ab Oktober 1997 in die bosnische Hauptstadt Sarajevo und wurde dort Gebrauchtwagenmanager der Firma Twaik.ein Mischkonzern mit 100 Millionen Dollar Jahresumsatz zur Finanzierung fundamentalistischer Subversion in anderen Staaten nutzt. Eines Abends hörte Frau Glück. Frau Glück sagt. die das Pentagon jetzt bekämpft«.. schrieb das Blatt in Anspielung auf die geopolitische Situation nach dem 11. ihr Mann sei in jener Zeit öfter nach Tirana geflogen. Seine Frau besuchte ihn im Jahr 2000 in Riad und wohnte einige Zeit bei ihm. Osama bin Laden mit seinen Leibwächtern.. einen Koran ins Büro mitbrachte.65 Seyam machte aus seiner Filiale eine strenggläubige Einrichtung. Seyam hatte sie schlafen geschickt. wer war denn da?« Seyam antwortete: »Osama . wie Besuch kam. Ein Mitarbeiter erinnert sich. Bei derselben Firma. 111). dass er zwei weibliche Angestellte feuerte.wir die ganze Geschichte der geheimen Allianz zwischen dem Pentagon und radikalen islamistischen Gruppen aus dem Mittleren Osten.

hinweisen. Die Behörden wussten also.und Hinweise. Zwei festgenommene Verdächtige behaupten aber unabhängig voneinander: »Reda Seyam war unser Chef. Dieser wurde 2003 wegen Teilnahme am Bali-Attentat zum Tode verurteilt und hingerichtet. bekundete ein hochrangiger Verfassungsschützer. also eine Aktion der Geheimdienste.70 Doch seltsam: Während in vergleichbaren Fällen die CIA kurzen Prozess machte und die Verdächtigen nach Guantanamo oder in irgendein anderes finsteres Loch verfrachtete. Er allein hat Seyam in Djakarta mehr als 60 Stunden verhört. Erwiesen ist das allerdings nicht. Eine Überweisung soll an Imam Samudra gegangen sein.«69 Auf den Notebooks und Festplatten von Seyam fanden die indonesischen Ermittler eine komplette Liste mit Finanztransaktionen an Anführer der Jemaah Islamiyah. die auf einen »Inside-Job«. 74) in Riad. einem angeblichem Ableger der Al Qaida in Indonesien.68 Seyam soll außerdem in den Bombenanschlag am 12. S. kam Seyam auf Intervention des BKA frei und wurde nach Deutschland abgeschoben. Die Hinweise stammten »von der CIA. »Warum das BKA Seyam gerettet hat. Auch von Wedel hat viele offene Fragen. Oktober 2002 in Bali verwickelt gewesen sein (202 Tote). nachdem diese Khalid Sheikh Mohammed und den indonesischen Terrorführer Hambali verhört hatte«. Mitglied der Bali-Sonderkommission des BKA. dass 85 . ist mir bis heute ein Rätsel«. was die Anschläge selbst angeht . Er hat den Anschlag im Auftrag der Al Qaida über zwei muslimische Stiftungen finanziert. »Zwei Stunden vor den Anschlägen wurde die Straße vor den betreffenden Anschlägen von der Polizei abgesperrt und alles durchsucht.Zeit auch der bosnische Mudschahedin-Kommandant Abu al Maali (vgl.71 Ein BKA-Ermittler in Djakarta Licht in dieses Dunkel brachte ein Gespräch mit Michael von Wedel.

wenn 86 . wir bringen Deine Familie und Dich nach Deutschlands Das war ein offenes Angebot zur Mitarbeit. Im anschließenden Prozess konnte ihm keine Beteiligung nachgewiesen werden.«73 Seyam selbst wies im Gespräch jede Schuld an dem BaliTerror von sich.«72 Ob Seyams wundersame Heimholung aus Djakarta eine Aktion des Geheimdienstes war. aber es gibt sehr viele Leute. sonst verschleppen dich die Amerikaner nach Guantanamo.es dort mit ziemlicher Sicherheit einen Anschlag geben würde. Ich arbeite nur für meinen Schöpfer Allah. als Agent zu arbeiten.« Darauf will Seyam geantwortet haben: »Ich bin offen.weiß der Teufel!« Außerdem habe er Berichte über ein arabisches Pärchen gehört. Warum sie ihn dann nicht verhindert haben . Aber ich lehnte ab und sagte: >Mein Glaube und mein Charakter lassen es nicht zu. Er berichtete von Anwerbeversuchen in der Zelle in Djakarta: »Ende 2002 kamen drei Deutsche und stellten sich vor: >Wir sind vom Geheimdienst in Deutschlands Sie sagten weiter: >Du musst kooperieren. BKA-Mann von Wedel sei jedenfalls nicht unter den Dreien gewesen. »Die wurden ständig überwacht und waren dann trotzdem verschwunden und konnten nie befragt werden.«< Welchem Geheimdienst diese drei angehörten. habe ihm aber ein eigenes Anliegen unterbreitet: »Du musst mit uns kooperieren. aber ich habe davon nur zwei Blätter gesehen. Schließlich sei er am 16. Was mir aufgefallen ist: Der BND in Djakarta hat unsere Vernehmungen von Seyam in keiner Weise unterstützt. sei nicht ersichtlich gewesen. die vom Gegenteil überzeugt sind. September 2002 verhaftet worden. dann holen wir Dich raus. dass Seyam beim BND war. fast vier Wochen vor den mörderischen Attacken. Über ihn gibt es in der Pullacher BNDZentrale vier Leitzordner. das im Vorfeld die Nachtclubs besucht und vermutlich als Bombenziele ausgekundschaftet hat. um einen wertvollen Mitarbeiter zu retten? »Ich glaube nicht. er wurde nur wegen Visa-Vergehen verurteilt.

76 Seyam ließ sich nach seiner Rückkehr aus Indonesien in der Nähe von Ulm nieder. dass er Seyam als V-Mann anwerben wollte: »Das stand nie zur Debatte. Der »Spiegel« schrieb nach Sichtung einiger dieser Snuff-Videos ganz richtig: »Sollte Seyam eine Tatbeteiligung nachgewiesen werden können. Hamburger Kontaktpersonen des angeblichen 9/11Bombers Mohammed Atta.« Er betont aber das Interesse seiner Vorgesetzten. Zuvor hatte sie offen in einer süddeutschen Stadt gelebt. Die Justiz ging nicht gegen ihn vor. glaubt Frau Glück. Seither wurde Seyam nicht juristisch zur Verantwortung gezogen.»unter allen Umständen« nach Deutschland zurückzuholen.75 Eine stumme Zeugin Frau Glück wurde am Tag der Verhaftung von Seyam in Indonesien vom BKA kontaktiert und in ein Zeugenschutzprogramm gedrängt. aber spionieren kann ich nicht für Sie. Harmlose Randfiguren wie Abdelghani Mzoudi und Mounir Motassadeq hingegen. Damit verschwand sie für drei Jahre aus der Öffentlichkeit.entgegen dessen Willen und gegen seinen Protest als zuständigen BKA-Ermittler .«74 Von Wedel bestreitet. Reda Seyam derart zu protegieren? Weil er 87 . obwohl sie nach umfassenden Aussagen bei der Polizei im Jahr 2000 auch schon damals ein Hassobjekt für ihren Ex-Mann hätte sein müssen.« 77 Doch diese Sätze stammen aus dem Jahr 2004. könnte er dafür in Deutschland belangt werden. Welches Interesse hatten und haben deutsche Sicherheitskreise. den Verdächtigen . obwohl seine Ex-Frau in den Vorjahren gegenüber der Polizei ausgepackt und von seiner filmischen Begleitung der Hinrichtungen in Bosnien (siehe oben) erzählt hat. wurden jahrelang durch die Mühlen der Gerichte gedreht.Sie etwas wissen wollen. Warum jetzt die Eile? »Das BKA wollte nicht. dass ich mit den Medien spreche«.

September 1995. Ich war die Frau eines Gotteskriegers. Mehr dazu in den Kapiteln 9 und 15. 75. 3. Vjesnik (Zagreb). Thomas Fischer (FN 4). Peter Bergen. Taskforce on Terrorism and Unconventional Warfare. S. Unsere schmutzige Liebesaffäre mit Londons Muslim-Bruderschaft. Osama bin Ladens Terrornetz.. Frontenwechsel in Bosnien. Bureau of Relations with ICTY of Republic of Srpska. Thomas Fischer. 19. wo dann auch Seyam eintraf.2008. steht im Falle von Yehia Yousif fest: Er hat für den Verfassungsschutz gearbeitet. 65.2006.3. der Name der Autorin ist ein Pseudonym. da sie in einem Zeugenschutzprogramm des BKA ist. Banja Luka 2002.9.1997. Anmerkungen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 88 z. Intelligence and the War in Bosnia 1992 -1995. vgl. 135. Peter Bergen (FN 13). Berlin 2003.11.78 Was im Falle von Seyam und Musab nicht erwiesen ist. Islamic Fundamentalists' Global Network .S. Novo (Frankfurt) Juli/ August 1994. Documentation Center of Republic of Srpska. S. Congress. Münster/Hamburg/London 2003. Janvier an Kofi Annan vom 8.4. lebt heute in Deutschland auf freiem Fuß. Zeit-Fragen 27. 1. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11.1998.9. Part I.Model Bosnia. dass er für das BKA tätig ist«.1996 Jerusalem Post 14.für sie arbeitet oder gearbeitet hat? Auch Abu Musab.12. S. Geffrey Steinberg. Tanjug. 208.7. sein erster Dschihad-Freund aus Heidelberg. . n.B. Bericht von UNPROFOR-Kommandeur M. In der Doppelstadt an der Donau entstand in jenen Jahren ein gewaltbereiter Terroruntergrund. 110. Im Auftrag des Stuttgarter Landesamtes war er mindestens von 1996 bis 2002 tätig. Berlin 2004. Mundtot.1997. S.1992.Modus Operandi . vgl. sagt Frau Glück. S. Tanjug 21. Report to the U. der bis heute von sich reden macht. Doris Glück. Heiliger Krieg Inc. »Ich vermute. Cees Wiehes. In dieser Zeit übersiedelte der Prediger von Freiburg nach Ulm/Neu-Ulm.

Wie sich der BND dem Terrorismus stellt. 146. Dominik Cziesche/u. Johannes und Germania von Dohnanyi.2006. 209. ISSA Balkan Strategic Studies (www. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11.1. Hintergrundgespräch des Autors mit Michael von Wedel 30.12.2008. Sicherheitskreise: Hinweise auf eine dritte Londoner Terrorzelle. Die nicht erfüllte Pflicht. Der Prinz und die Terror-GmbH. Timo Frasch. Vlasti. a.2005. Ulrich Neumann/Fritz Schmaldienst. Schmutzige Geschäfte und Heiliger Krieg. Al-Qaida's Jihad in Europe.9.4. Johannes von Dohnanyi.4. S. 97. Frankfurt am Main 2006. Kohlmann. Report Mainz 14. 16 Gregory R. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11.org).8. S. 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 89 . Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11.15 Senad Pecanin. Dominik Cziesche/u.1997.2001. S. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11.1. 38/2001.11.4. Kohlmann (FN 27). The Afghan-Bosnian Network.11. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11. Dominik Cziesche/u. Focus 6/2004. 12. Islamisten. Experimentieren auch deutsche Islamisten mit Flüssigsprengstoff?. Alle Informationen nach: Eric Gujer. S. Spiegel 13/2004. I Osama bin Laden ima bosanski pasos! In: Dani (Sarajevo) 24. Slobodna Dalmacija (Split) 8. Drogen. Prostituierte. Hubert Gude.2008. Doris Glück (FN 2).2002.2008.. Okford/New York 2004. Hintergrundgespräch des Autors 18. Spiegel 12. Esad Hecimovic. Versteckt vor dem Ex. Copley. Evan F.. Kampf an neuen Fronten. Udo Ulfkotte. S. Doris Glück (FN 2). humanitarci i teroristi: taijne jedne veze. 202.2004. S.9. FAZ 26. Doris Glück (FN 2).2008. a. 51. Madrid Bombings Highlight Extent and Capa- bility of Islamist Networks. strategiastudies. Zürich München 2002.4. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11.12.2008.2008.2008.2006.2008. S.4. a. Erich Follath/Gunther Latsch. Hintergrundgespräch des Autors mit Renate Flottau 4.2008. Doris Glück (FN 2). Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11. Dani (Sarajevo) 6. Kohlmann (FN 27).4. S.202.9. mit uns zu leben«. (FN 22).4. »Ihr müsst lernen.135. Evan F.1999.2005. Evan F. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11. S. Weltwoche (Zürich) 27. »Die machen. 192. Al Qaida in Europa.2008. ddp-exklusiv. Spiegel Nr.4. was sie wollen«. 109.4.

1999.. z.publicintegrity.MPRI. (FN 22).un second front islamiste. n.org/icty/transe54/transe54. Hutsch als Zeuge im Milosevic-Prozess in Den Haag am 12. Franz-Josef Hutsch. Leslie Wane. Akt. Privatizing War. a.2008. Hintergrundgespräch des Autors mit Michael von Wedel 30. S. 262. Rempel. Guardian (London) 22. William C.1.4.N.10.4. BND deckte offenbar Verbindungen zwischen saudischem Königshaus und Al Qaida auf. Franz-Josef Hutsch (FN 57). Srebrenica A »safe« Area.nl.2004.2008. NDR-Hörfunk 8.2. America used Islamists to arm the Bosnian Muslims. 174. Los Angeles Times 7. Kampf an neuen Fronten. Netzzeitung 31. NYT 14. Jihad Watch (FN 65). Hintergrundgespräch des Autors mit Michael von Wedel 30. S. Eric Gujer.4. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11. (FN 27). Aldrich. Doris Glück (FN 2).1. Windfalls of War .10. Richard J. (FN 22). a. NDR-Hörfunk 8.2008. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11. Hintergrundgespräch des Autors mit Reda Seyam 14.2004. n. 211.srebrenica. Background.7. 49 Evan F. Terrorists Use Bosnia as Base and Sanctuary.2008.2008. Dominik Cziesche/u. Fresh War Clouds Threaten Ceasefire.4. Hintergrundgespräch des Autors mit Doris Glück 11. z. Transkript unter http://www.2008.2001. Amsterdam 2002. Hintergrundgespräch des Autors mit Verfassungsschützern 18.2008. 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 90 .4. S. Franz-Josef Hutsch (FN 57).aspx?act=pro&ddlC=39. publicintegrity. Robert Fox. Reconstruction. Consequences and Analysis of the Fall of a Safe Area.1997.2003. Nederlands Instituut voor Orloogsdocumentatie.1995.10. Sunday Telegraph 15. zu finden unter: www. 53. Streitkräfte und Strategien.4. The Nation (New York) 27.mpri.com.htm.48 Johannes und Germania von Dohnanyi (FN 18).un. Bericht der UN-Menschenrechtskommission vom 13. Uni-101. www.2008. N.4. Marianne (Paris) 4. 50 Memorandum eines westeuropäischen Nachrichtendienstes vom Dezember 1999. UCK .2002.2008. S.Z.2002.4. Wie sich der BND dem Terrorismus stellt. Private Contractors Step in the Pentagon.10.2.10. Kohlmann. intern.2003. Hintergrundgespräch des Autors mit Michael von Wedel 30. im Besitz des Autors. Frankfurt am Main 2006.org/wow/bio.4.1. Ken Silverstein.2002. unter http://www. Dominik Cziesche/u.

Er wurde kurz darauf im Zuge einer Großfahndung gestellt und von der Polizei vor laufenden Kameras erschossen. September explodierte ein Sprengsatz in einer jüdischen Schule in Lyon. Alle ihre Unterlagen sind Staatsgeheimnisse. Dort hatte die fundamentalistische Islamische Heilsfront (FIS) 91 . 14 Menschen wurden verletzt. CIA-Chef 1953-1961)1 4. Juli 1995 erreichte der in Bosnien mit westlicher Hilfe implementierte Dschihad zum ersten Mal eine Metropole im Herzen Europas. eines Franzosen algerischer Herkunft. In den Medien wurde die Gewaltwelle vor allem als ein Ausläufer des Bürgerkrieges in Algerien dargestellt. acht Menschen starben und 80 wurden verletzt. Am 7. Am 26. In seinem Besitz stellte man unter anderem jene Mordwaffe sicher. selbst die Regierungsorgane können ihre Aktivitäten schlecht überprüfen.« (Allen Dulles. Ein Vorortzug des Pariser RER-Netzes wurde im Bahnhof St. Am 3. An der TGV-Bombe wurden Fingerabdrücke von Khaled Kelkal gefunden.»Ein Nachrichtendienst ist der geeignete Nährboden fur eine Verschwörung. August konnte die Polizei einen Sprengsatz an der TGV-Schnellzuglinie in der Nähe von Lyon gerade noch rechtzeitig entschärfen. mit der Anfang Juli 1995 ein gemäßigter algerischer Moslemführer in Paris liquidiert worden war. Michel von einer Bombe zerfetzt. August folgte ein weiterer Anschlag auf die U-Bahn-Station Place de l'Étoile. September wurden vier Personen durch eine fehl gezündete Bombe in Paris verwundet. ohne dass man Fragen stellt. Seine Mitglieder können überallhin reisen. Kapitel Eine maghrebinische Affäre Paris: Eine Terrorwelle mit Geheimdiensthintergrund erschütterte 1995/1996 die Hauptstadt und den Norden Frankreichs Am 25. Am 17.

6 Bestätigt wird dies durch die Aussagen eines Überläufers. »in Bosnien-Herzegowina und Afghanistan trainiert worden zu sein«. wenn man lediglich den nordafrikanischen Hintergrund der Terrorwelle ausleuchtet. woraufhin das Militär die Macht übernahm.muslimischen Fanatikern zugeschrieben -.2 Khaled Kelkal und andere Tatverdächtige seien »Schüler einer afghanisch-bosnischen Bruderschaft«. Denn die GIA hatte seit 1992 auch Brigaden nach Bosnien entsandt. und es waren ihre dort aufgebauten Netzwerke. Auch für die ersten beiden Bombenanschläge in Paris 1995 übernahm die GIA die Verantwortung. Gegenüber der Londoner Tageszeitung »Observer« sagte er: »Die Bomben.3 Ein französischer Geheimdienstbericht von Ende Juli 1995 resümierte. schreibt Investigativjournalist Nafeez Mosadeqq Ahmed. dass es »eine klare Sicherheitsbedrohung in Westeuropa durch arabische (besonders nordafrikanische) MudschahedinSchläfer gibt. die in Bosnien trainiert worden waren«. Juli gewesen war. Doch greift es zu kurz.5 Nicht übersehen werden darf freilich. »Die Orchestrierung der Metrobomben in Paris 1995 durch den algerischen Sicherheitsdienst. der sich militanter Islamisten bediente. Von der FIS hatte sich die Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) abgespalten. bevor er sich nach Großbritannien absetzte. waren das Werk des alge- 92 . So berichtete »Le Monde«. dass die Taten von Gewährsleuten des algerischen Regimes initiiert worden waren. die den Terror in Paris koordinierten. die Paris 1995 schockierten .Josef« war 14 Jahre lang Agent des algerischen Geheimdienstes. von dem nur der Vorname bekannt ist: »Yusuf . kann nicht länger bestritten werden«. die mit immer blutigeren Gewalttaten von sich reden machte. dass eine Reihe von Tatverdächtigen bei Verhören zugegeben hatte. dass die Zagreber Filiale der bosnischen Hilfsorganisation Human Concern International (HCl) die »Schaltstelle« für die Terroristenzelle des 25.4 Andere Medien berichteten.im Dezember 1991 die Parlamentswahlen gewonnen.

lud Mitte September 1995 Journalisten ein und äußerte seine Überlegungen über eine mögliche Manipulation des Terrorismus durch algerische Dienste. dass Ali Touchent für die DCE tätig war: »Die jungen Männer wie Khaled Kelkal wussten nicht. obwohl die französischen Behörden nach ihm fahndeten. vom Chef des DST 1993 rekrutiert worden. um islamistische Kreise zu infiltrieren. führt zahlreiche Belege auf. Sie waren Teil eines ausgeklügelten geheimen Propagandakrieges (>psychologische Kriegführung^. dass Touchent für uns arbeitete. die mit immer massiverem Terror den Militärmachthabern in Algier Handhabe zur dauerhaften Abschaffung demokratischer Rechte boten. einem ehemaligen algerischen Geheimdienstoffizier.10 Drei Jahre später wurde er getötet. Abdelkader Tigha. die für die Nichtregierungsorganisation Algeria Watch arbeitet.8 Zu diesem Zweck arbeitete die algerische Gegenspionage DCE (Direction Contre Espionage) auch mit dem französischen Inlandsgeheimdienst DST (Direction de la Surveillance du Territoire) zusammen. wonach die GIA von Agents Provocateurs durchsetzt war. Er wohnte in einem »sicheren Polizei-Viertel von Algier«. Touchent wurde demnach im April 1995 zum »Verantwortlichen der GIA in Europa« befördert. damals Innenminister im Kabinett des gaullistischen Premiers Alain Juppé. bestätigte.«7 Die Journalistin Salima Mellah. Jean-Louis Debré. Und ein ehemaliger Berater von 93 .«9 Touchent konnte sich nach Beendigung seines Auftrags nach Algerien absetzen. Der Koordinator der Anschlagsreihe Ali Touchent war laut Oberst Mohamed Samraoui. die französische öffentliche Meinung gegen die Islamisten aufzubringen. der darauf abzielte. Der Auslandsgeheimdienst DGSE (Direction Generale de la Sécurité Extérieure) beobachtete diese schmutzige Kooperation reserviert bis ablehnend. Tote Zeugen sind gute Zeugen. der damals in der algerischen Geheimdienstzentrale in Blida eingesetzt war.rischen Geheimdienstes.

sonst hätte die neue Regierung womöglich einen nachgiebigeren Kurs gegenüber dem Fundamentalismus im Inland und in Nordafrika eingeschlagen.«12 Die Roubaix-Bande Zu Jahresanfang 1996 erschütterte eine weitere Gewaltwelle Frankreich. schossen sie sofort. Als sie von der Polizei angehalten wurden. die den schmutzigen Krieg der algerischen Generäle unterstützten. Auf der einen Seite die Hardliner um Innenminister Charles Pasqua und im Inlandsgeheimdienst DST. mussten die Extremisten im DST und ihre algerischen Partner handeln. Eine Woche später schlug die Bande wieder zu. Auf der anderen Seite Alain Juppé und der Auslandsgeheimdienst DGSE. die zunächst keine Verbindung zu dem Metroterror des Vorjahres zu haben schien. Januar 1996 entwendeten moslemische Jugendliche im nordfranzösischen Roubaix mit vorgehaltener Maschinenpistole einen Kleinwagen. überfiel einen Aldi-Supermarkt und 94 .Debrés Vorgänger Charles Pasqua ließ öffentlich durchblicken.11 Man kann von einem Kampf zweier Linien in den französischen Machtapparaten und in der damals führenden gaullistischen Partei sprechen. Als im Mai 1995 Jacques Chirac zum Präsidenten gewählt worden war und er in der Folge Juppé zum neuen Premierminister ernannte. die für einen Kompromiss mit den maghrebinischen Islamisten eintraten. was sie wollten: Frankreichs politische Klasse und öffentliche Meinung schlugen sich uneingeschränkt auf die Seite der Militärjunta in Algier. Der Bombenterror gegen U-Bahnen und Züge jedenfalls fachte die antiislamische Hysterie in Frankreich erneut an. Am 27. dass die Anschläge von Paris eine vom DST organisierte und finanzierte Operation der psychologischen Kriegführung waren. »Damit hatten Algeriens Generäle erreicht.

spielte er gerne mit den Köpfen von Serben Fußball. Doch gerade im Falle dieser beiden stellt sich wieder die Frage. So lautet die in französischen Medien verbreitete Version. die normalerweise alle Gebäude im Umkreis von 200 Meter dem Erdboden gleich gemacht hätte.erbeutete etwa 20000 Francs. ein Brite libyscher Herkunft. Was zunächst nach purer Kriminalität aussah. S. hatte auch einen politischen Hintergrund. war der Terror nämlich ein Fall-out des balkanischen Dschihad. ob sie weniger Allah als ihren Führungsoffizieren folgten. der während des Krieges in einem Mudschahedin-Korps gekämpft hat und für den britischen Geheimdienst gear- 95 . wie lange sich Dumont der Strafverfolgung entziehen konnte. in Roubaix den Dschihad weiterzuführen. wieder in Bosnien nieder und wurde erst nach einem Mord an einem örtlichen Polizisten verhaftet. vier getötet. war Endstation: Die Autobombe. Wieder. Auf der Flucht töteten sie einen unbeteiligten Zivilisten. Als die Gruppe im März 1996 einen Anschlag auf die G7-Konferenz in Lille plante. Im Sommer 1997 ließ er sich. Beide waren erst im Erwachsenenalter zum Islam übergetreten. Verdächtig ist vor allem. Es gab nur eine harmlose Verpuffung. Caze wurde besonders fanatisch: »Als er in Zenica war. Im mittelbosnischen Zenica (vgl. explodierte nicht. 68) hatten sich die beiden Rädelsführer der späteren Roubaix-Bande 1995 kennen gelernt: Christoph Caze und Lionel Dumont. Kapitel 3) verließen Caze und Dumont frustriert den Balkan und beschlossen. die er im Krankenhaus abgeschnitten hat. obwohl wegen Roubaix ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorlag. Im Weiteren wurden die meisten Bandenmitglieder geschnappt.«13 Nach der Auflösung vieler Mudschahedin-Einheiten im Zuge der Dayton-Bestimmungen ab Ende 1995 (vgl. wie bei den Anschlägen auf Züge und U-Bahnen im Jahr zuvor.14 Bei derselben Razzia in Zenica ging der Polizei auch Tarik Kabava ins Netz.

n.. 96 . »Aber der Engländer nahm es leicht. Am Ende des Treffens ging er mit mir zurück zum Wagen. mit dem wir uns bereits in Kapitel 2 beschäftigt haben: Abu Hamza al Masri. Terrorjahre. Lehrmeister zumindest von Caze war ein Geistlicher. 256. wenn ich nicht wollte. so gab er vor. Es war »das erste Mal seit dreißig Jahren.« Als er sich den Fragen von zwei Fahndern aus Paris stellte. S.. Die dunkle Seite der CIA in Italien.«18 Anmerkungen 1 z. Caze. Zwar wurde er von Scotland Yard zum Gespräch mit den französischen Kollegen gebeten. er lächelte und plauderte . den Brandstifter zu vernehmen. erinnerte sich Abu Hamza später. dass sich die Roubaix-Gruppe ihre Waffen aus den Depots des bosnischen Mudschahedin-Führers Abu al Maali beschafft hatte. dass ein Häftling von dort entkam«.beitet haben soll. ich sei britischer Staatsbürger und bräuchte nicht antworten. München 2006. »Der wichtigere der beiden Franzosen war wirklich wütend«. dass der französische Auslandsgeheimdienst DGSE darauf drängte.16 Interessant ist weiterhin. Doch der britische MI5 stellte sich. als ob er Abu Hamzas Beschützer sei«. der Hassprediger der Moschee im Londoner Finsbury Park.. wieder einmal. der seinerseits »die Protektion des bosnischen Präsidenten Izetbegovic genoss«. und zwar aus dem Gefängnis in Sarajevo. »saß ein Detektiv von Scotland Yard dabei und verhielt sich. schützend vor Abu Hamza.15 Gerade ein Jahr nach seiner Verhaftung konnte Dumont 1998 »auf mysteriöse Weise« auch schon wieder fliehen.. doch gleichzeitig ermunterte man ihn zur Nichtaussage: »Sie sagten mir. Kein Wunder also. kenne er nicht. Regine Igel.17 Izetbegovic war damals der wichtigste Verbündete der USA auf dem Balkan.

Julian Nundy.admin.2000. Crimes et Mensonges d'Etats. Von Juli 2002 bis September 2003 lebte Dumont dann in Japan und soll während der Fußballweltmeisterschaft Anschlagsziele ausspioniert haben. La Bosnie: un état islamiste pro-américain en plein coeur du monde orthodoxe. Observer 9. Kohlmann (FN 2). Velika Istraga u BiH . Recherche. Assistance. 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 97 . Salima Mellah. We Bombed in Paris for Algeria.2003. The London Bombings.11. The Suicide Factory.n. Sean O'Neill/Daniel McGrory. Kohlmann (FN 2).4. Voice of America. Salima Mellah (FN 8). France Trial (L-Only). Beograd 2001. Salima Mellah (FN 8).free. An Independent Inquiry.htm) vgl. September 2005. z. Abu Hamza and the Finsbury Park Mosque. 125.1997. S.7. n. 24. Intervention. Evan F. Naima Bouteldja. Infomappe 32. L'intervention contre les fanatiques de Roubaix (http://raid. Al-Qaida's Jihad in Europe. 143. Algerien: Terrorismus im Dienste der Großmächte.1996. Im Dezember 2003 wurde er endlich in Deutschland verhaftet und nach Frankreich ausgeliefert. 192. Algeria-Watch. Miroslav Toholj.9.2 vgl. Kohlmann (FN 2). 226. London 2006. 142. John Sweeney und Leonard Doyle. London 2006. Oxford/New York 2004. Dissuasion. 142. Evan F. Nafeez Mosadeqq Ahmed. S. Evan F. S. S.11. Amerika strepi da su brojni teroristi dosli na Izetbegovicevu dzenazu i ostali u Bosni i Hercegovini!. Nacional (Zagreb) 27. Louis Aggoun und Jean-Baptiste Ri voire. S. 454.2001. 25. S. Suzana Mijatovic/Adnan Butorivic. 127f. S. n.1997. Kohlmann. The Afghan Bosnian Network. Slobodna Bosna. France Uncovers Islamist Networks. Françalgérie. »Svetni ratnici« i rat u Bosni i Hercegovini. Paris 2005. Erich Inciyan. 143.2005. 5. Zeljko Rogosic. Evan F.12. Kohlmann (FN 2).fr/roubaix. z. Manchester Guardian Weekly 21. Who really bombed Paris?.9. S. Guardian 8. Alexandre del Valle. S.FBI sumnja da jedan od terorista imao bosansku putovnicu. Evan F. z.

»Es wird freilich rasch klar. kaufen. der Unglücksrabe«) 5. Rund um das Münster.aber nicht nur Am 23. Lebkuchen. eine gotische Trutzburg der Christenheit. Man verdirbt sich den Magen davon. Glühwein. Einen Tag vor Heiligabend drängen sich Tausende von Touristen durch die engen Gässchen zwischen den Buden: Zuckerwatte. »Dies ist die Kirche der Feinde Allahs!«. Sie werden in der Hölle schmoren!« Der letzte Satz sollte ihnen zum Verhängnis werden: Im späteren Gerichtsprozess gegen sie wertet der Staats- 98 . eine Videokamera dabei und filmen. Der Jahrmarkt der Ungläubigen erregt ihren Widerwillen. Mitten drin sind die Algerier Salim Boukhari und Fouhad Sabour. Sie haben.Mammon ist der neue Gott vieler Besucher. dass Virgil zwar voll krimineller Energie steckt. sie sprechen abfällige Kommentare in ihr Kameramikrofon. Nikoläuse. und bis hinunter zum Place Kleber mit dem gut sortierten Kaufhaus Marks & Spencer spielt sich ein nicht sehr christliches Treiben ab: kaufen. die Umsetzung seiner dreisten Pläne aber stets an seiner tollpatschigen Art scheitert« (Wikipedia über Woody Allens Film »Woody. aber schmecken tut es trotzdem. Kapitel Alte Bekannte Strasbourg: Bei der Planung eines Anschlages auf den Weihnachtsmarkt waren Dilettanten und Desperados am Werk . lautet ihr Kommentar zum Münster. Und beim Anblick der vorweihnachtlichen Völlerei schimpfen sie verächtlich: »Das sind die Feinde Allahs! Sie tanzen und haben Spaß. wie viele Familienväter und Ausflügler. Dezember 2000 ist der Weihnachtsmarkt in Strasbourg besonders voll. kaufen .

und die Videoaufzeichnung habe ihnen helfen sollen. Die Banner des Islam halten wir hoch. ein Dampfkochtopf. Noch war Zeit.angeblich. Textproben: »Das Volk des Islam steht auf und bewaffnet uns. aber ausgerechnet das Wichtigste fehlte: Ein stabiler Topf.«1 Am nächsten Tag wollten die Männer mit dem Zusammenbau der Bombe beginnen. hören. Der Algerier Djillali Benali.hatten sie sich seit November in Drogerien und Apotheken schon zusammengekauft. so die Richter. Kaliumpermanganat. damit wir die Niedertracht und die schändliche Ungerechtigkeit bekämpfen. Viel war es wohl nicht gewesen.« Oder: »Wir waren einst Herrscher dieser Welt. wollte dafür extra einen Aluminiumkochtopf aus pakistanischer Herstellung haben .anwalt die Worte als Vernichtungsdrohung. den besten Ort zum Deponieren ihrer Bombe zu finden. das Teil aufzutreiben.unter anderem Wasserstoffperoxid. Aceton und Schwefelsäure . nicht schon am Heiligen Abend. anstatt vorab zu verpuffen. denn der Weihnachtsmarkt in Strasbourg endete. Im Namen Gottes und für Gott stehen wir auf und kämpfen. in dem die Mischung explodieren und die maximale Wirkung hätte entfalten können. Zumeist lief der Kassettenrecorder mit arabischer Kampfmusik. Sie hätten an jenem Tag Anschlagsziele ausspioniert. da Boukhari und Sabour das Gerät fast ständig hatten laufen lassen. Der Kochtopf fehlt Die deutschen Fahnder beschlagnahmten später die Kassetten der Videokamera und konnten. weil der bedeutend besser splittert als die Edelstahlprodukte made 99 . Die Chemikalien . sondern ging bis zum Sylvestertag. anders als ähnliche Veranstaltungen in Deutschland. was die beiden auf der Fahrt von Frankfurt am Main über die A5 bis zur Abfahrt Offenburg/Kehl und hinüber ins Elsass sprachen. der in den Gerichtsakten später als Sprengstoffexperte der Gruppe firmierte.

kaum hatte Benali den Hörer aufgelegt. Sabour und Benali. neben Boukhari. Eigens zu diesem Zweck hatte die deutsche Polizei im Zuge eines illegalen Wohnungseinbruchs am 23. bevor die Bombe hoch ging. genannt Meliani. so die Anklage. erst dann sollte der Zugriff der französischen Kollegen erfolgen. Dezember 2000 wurde. Juni 2001 in Spanien ins Netz. die man in Frankfurt an jeder Ecke im Dutzend billiger bekommen kann.3 Was.12. sondern eine andere Tasche aus der Wohnung im Röderbergweg 136 geschleppt wurde. Der angebliche Anführer Mohammed Bensakhria. telefonierte Benali eigens mit seinen Kontaktleuten in London. Einige Ungereimtheiten Der Prozess vor dem zur Festung ausgebauten Oberlandesgericht im Frankfurter Bankenviertel begann am 16. wenn man die Spur der Bombenleger verlor und man die Franzosen nicht rechtzeitig auf deren Fährte setzen konnte? Deswegen musste der Zugriff überhastet schon in Frankfurt erfolgen: Am frühen Morgen des 26. Es wurde ernst. Man musste die Bande stoppen. Großer Kochtopf ist gleich große Vernichtungsabsicht. Eigentlich hatte man die Gruppe mit ihrem Kochtopf über den Rhein fahren lassen wollen. Jedenfalls. begannen bei den Mithörern in den deutschen Apparaten hektische Konferenzen. »Bringe den größten mit. »Einen großen aber und nicht einen kleinen«. das ist doch klar. einen Peilsender an einer Reisetasche der mutmaßlichen Bombenbauer angebracht. der den Angeklagten zum Verhängnis werden sollte. und deswegen. soll er in die Sprechmuschel gesagt haben. Aber es musste partout pakistanisches Aluminium sein.«2 Auch das war so ein Satz. konnte entkommen und ging der Polizei erst am 22. auch ihr Kumpel Lamin Maroni verhaftet.in Germany oder die türkischen Billigimitate. Als jedoch nicht diese. Man musste etwas tun. drohte der schöne Plan der Fahnder zu platzen. April 100 .

wenn niemand in der Synagoge ist.. Aber diese Widersprüche waren letztlich irrelevant. dass eine Synagoge als Anschlagsziel als mildernder Umstand zu Buche schlagen würde? Man kann dem Richter nicht ver- 101 . Die umfangreichsten Aussagen dazu machten Benali und Sabour. finden sich in jedem Haushalt. Dilettanti! Dieser Versuch. Die Angeklagten hätten vermutlich gute Chancen gehabt. darauf sind vordem nicht einmal US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und seine Pentagon-Lügenbrigade (Office of Special Plans) gekommen. Warum machten sie dann aber von der Synagoge keine Filmaufnahmen? Sabours wenig überzeugende Antwort: »In der Stadt hätten sie sich . Verwünschungen und Verfluchungen künden nicht von Mordabsichten. Sein Komplize habe stattdessen Straßenzüge in der Innenstadt aufgenommen. da drei der vier Angeklagten die Anschlagsplanung zugaben. Menschen hätten »bei dem Anschlag auf keinen Fall zu Schaden kommen sollen«.2002. von der Polizei beobachtet gefühlt. und handelsübliche Chemikalien. sich herauszureden.. mit einer milden Strafe davon zu kommen. so dass keine Bilder von dem jüdischen Gotteshaus entstanden. Schließlich: Dass pakistanische Aluminiumkochtöpfe Massenvernichtungswaffen sein können. denn. war wenig überzeugend.«4 Avanti. so Sabour. Abweichend von der Anklage nannten sie allerdings die jüdische Synagoge der elsässischen Hauptstadt als Ziel und nicht den Weihnachtsmarkt. die in bestimmten Mischverhältnissen explosiv sind. Wie konnten die Angeklagten annehmen. denn die Widersprüche in der amtlichen Erzählung ihrer vorgeblichen Schandtaten waren beträchtlich: Das Abfilmen eines Weihnachtsmarktes ist kein Beweis für einen geplanten Bombenanschlag. Die Bombe sollte gezündet werden.

handelte es sich aber bei ihren Mitgliedern nicht gerade um kaltblütige Terroristen. um es mit dem gottlosen Edelstahl aus deutscher Produktion zu versuchen..Übeln.Maroni brüllte einmal. dass Leute wie Maroni hätten töten wollen. die Religion? Einer ist Franzose. Auf »Spiegel«-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichs wirkte das Quartett wie eine ChaosTruppe: »Doch im Ernst: Mit wem hat man es hier zu tun? Wer sind diese Angeklagten? Man versteht sie nicht .5 Sie standen derart unter Strom. Dazu muss man nämlich in der Lage sein. Gut möglich beispielsweise. für ihn offenbar ein schlimmes Schimpfwort . Vielleicht erklären sich so einige der oben erwähnten Widersprüche. dass diese Männer vor Hass brodelten. sich auch ansonsten nicht besonders intelligent verhalten zu haben. ob sie ihre Mordabsichten auch in die Tat hätten umsetzen können. Man muss also davon ausgehen.deuten daraufhin.sonst macht man Fehler. und das Gericht und selbst die Verteidiger bezeichnete er als Juden. der Arabisch-Dolmetscher sei ein Teufel. seine Emotionen in Vorbereitung und Durchführung des Verbrechens unter Kontrolle zu halten . mit denen man sich selbst in Gefahr bringt. dass sie tatsächlich auf einen pakistanischen Kochtopf zum Bombenbau warten mussten. Angesichts ihres Dilettantismus vor Gericht darf man den Angeklagten zutrauen. weil sie zu ungeschickt oder zu religiös vernagelt waren. März 2003 relativ hohe Strafen verhängte: Die vier wurden zwischen zehn und zwölf Jahre hinter Gitter geschickt. die anderen stammen aus Alge- 102 . dass sie sich nicht einmal vor Gericht beherrschen konnten. was über die Frankfurter Gruppe bekannt geworden ist. Wie hängen sie zusammen? Ist es die Herkunft. »dem man den Kopf abhacken« solle. Auch die verbalen Exzesse im Gerichtssaal . Nach allem. Eine ganz andere Frage ist allerdings. wenn die Gelegenheit vorhanden gewesen wäre.. sondern vielmehr um heißblütige Desperados. dass er am 10.

Sabour wurde im Dezember 1996 freundlicherweise auf freien Fuß gesetzt . trugen diese die Handschrift des Inlandsgeheimdienstes DST und seines algerischen Partners DCE. deutsch. ob es Auftraggeber für das geplante Attentat gab oder nicht«.rien. Instrukteure und Einpeitscher gab es trotzdem. sondern flüchtete nach Pakistan und von dort nach Bosnien. Die französische Justiz konnte ihn deswegen 1999 nur in Abwesenheit verurteilen. Sind sie Ladendiebe. war im Hauptberuf Drogendealer.mit der Auflage. Kreditkartenfälscher. je nachdem. Drogendealer. die Frankfurter agierten als Ableger von Al Qaida. sich regelmäßig bei der Polizei zu melden. französisch. Er war 1996 in Frankreich vorübergehend in Haft. Drahtzieher. Bei der Erstürmung seiner Wohnung am zweiten Weihnachtsfeiertag fand die Polizei neben den angeblichen Bombenchemikalien auch 672 Gramm Haschisch und etliche Schusswaffen. der angebliche Sprengstoffexperte. Der erste Verdacht fällt auf das Gruppenmitglied Sabour. weil er bei den Bombenanschlägen 1995 mit von der Partie gewesen sein soll. hat sich während des Prozesses tatsächlich in Luft aufgelöst. Das tat er selbstverständlich nicht.oder Terroristen?«6 Benali jedenfalls. Geburtsdaten sind bei zweien nur vermutliche. Wie wir in Kapitel 4 gesehen haben. resümierte »Focus«-Terrorexperte Berndt Georg Thamm. Sie reden arabisch. wer einzig Mega-Bösewicht Osama bin Laden als Auftraggeber gelten lassen würde: Der Verdacht.9 Zum Zeitpunkt des Urteils war Sabour bereits wieder 103 . Sozialhilfebetrüger .7 Die Instrukteure Wer hat die Desperados auf den Terror-Trip gebracht? »Ungeklärt blieb im Prozess letztlich die Frage. englisch.8 Das kann nur behaupten. und zwar zu drei Jahren Gefängnis »wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten«.

Im Frühjahr des Jahres 2000 soll er die anderen Mitglieder der künftigen Frankfurter Zelle in einem Ausbildungslager im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan getroffen haben. Man bedenke: Vorher hatten ihn die Spürnasen der DST fast vier Jahre lang verloren gehabt . die Gruppe im Auftrag eines Geheimdienstes infiltriert zu haben. weitere in Paris inhaftierte Mitglieder der Frankfurter Gruppe als Zeugen zur Verfügung zu stellen. »Das Gericht kritisierte die mangelnde Hilfe der französischen Behörden. Diese hätten es abgelehnt.11 Das zwielichtige Agieren der DST nötigte die deutsche Justiz jedenfalls.14 Tatsächlich spielte er eine wichtige Rolle bei der Radikalisierung der übrigen.angeblich. der Verteidiger von Boukhari.auf dem Weg nach Mittelasien. betont Rechtsanwalt Rainer Koch. Als er von dort nach Europa zurückkehrte.«12 Der wichtigste Zeuge. der sich in französischem Gewahrsam befand und im Frankfurter Prozess nicht aussagen durfte. Jedenfalls informierte Paris umgehend die deutschen Kollegen vom Bundesamt für Verfassungsschutz. konnte aber entkommen . Muthanna war beim Zugriff der Fahnder am 26. wurde er sehr schnell vom französischen Inlandsgeheimdienst lokalisiert. war Laurant Mourad Djoumak. auch des BKA war es ausgeschlossen. den Vorwurf »Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung« fallen zu lassen. Dezember 2000 in unmittelbarer Nähe des Zielobjekts Sigmund-Freud-Straße 55.»trotz der massiven polizeilichen Observation«.13 Er wurde von den Angeklagten im Prozess beschuldigt. dass es zu der geplanten Tat überhaupt hätte kommen können«. der die Flucht des Gruppenmitgliedes Mabrouk Echiker alias Muthanna organisierte. Die beobachteten die Möchtegern-Terroristen ab Herbst 2000 »auf Schritt und Tritt«.10 »Gerade durch die Kontrolle der Geheimdienste bzw. Bei ihrem bereits erwähnten Trainingsaufenthalt in Afghanistan war er zugegen und »hatte ein eigenes Haus gehabt und dort das Schießen mit 104 .

als in der Sigmund-Freud-Straße 55 bereits Chemikalien gemixt wurden. dass dieser Mann für die Nachrichtendienste gearbeitet hat. zur Ausbildung nach Afghanistan zu gehen. Dezember 2000 noch mit dem Anschluss in der Sigmund-FreudStraße 55 telefoniert.16 Am 25. Von Noureddine kam nach Kochs Erkenntnissen der Tipp. dass er sich vor dem Gebet nicht dem Ritual entsprechend wusch. Sein heutiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Dezember. Die Angeklagten beobachteten. dass in der Wohnung Röderbergweg 136 Waffen gelagert seien. Dezember 2000 eingedrungen ist und in einer der Waffentaschen einen Peilsender angebracht hat. Koch ist überzeugt: »Noureddine hat Boukhari angestiftet. Anfang Dezember 2000 wies er die Gruppe auf die Möglichkeit des Waffenkaufs in Belgien hin und fuhr eigens mit ihnen nach Verviers. Er setzte sich von dort mit Hilfe der sogenannten VareseGruppe über Georgien nach Tschetschenien ab.17 Boukhari hat angegeben. während die Freiwilligen alle im Lager lebten«. die Aktion in Strasbourg zu machen. ein gewisser Noureddine (Vorname und Nationalität unbekannt).15 Trotz dieser privilegierten Position war er kein überzeugter Muslim. um ihm dadurch den Kampf gegen das Regime und die Diktatur der Generäle in Algerien zu ermöglichen«. führte er zwei Telefonate mit den Gruppenmitgliedern. Ebenfalls erfolgreich verborgen hält sich ein weiterer mutmaßlicher V-Mann der Gruppe. Wie Muthanna stand auch Noureddine bis zuletzt im Kontakt mit der Tätergruppe und hat am Abend des 25. Muthanna gelang die Flucht nach Milano. und verdächtigt insbesondere den französischen Geheimdienst als dessen Auftraggeber. woraufhin das BKA dort ohne richterliche Genehmigung am 23.der Waffe geübt. dass Noureddine »ihn davon überzeugt habe.«18 Der Verdächtige soll sich heute in Tschetschenien aufhalten. Rechtsanwalt Koch hält es für »eindeutig belegt«. 105 .

Beschuldigter bestätigt Anschlagsplan auf Synagoge. Kreuzlingen/München 2004.4.Noch einmal Londonistan Auch die britische Islamistenszene könnte für die Vorbereitung des Strasbourger Verbrechens wichtig gewesen sein. Annette Ramelsberger (FN 1).4.. Hintergrundgespräch des Autors mit Rechtsanwalt Rainer Koch 8. Terrorbasis Deutschland. Urteil gegen Straßburg-Islamisten. Berndt Georg Thamm. Dort haben sie sich dem militanten Islamismus verschrieben«. Prediger und frommer Killer. Spiegel Online 12.8. n. Hintergrundgespräch des Autors mit Rechtsanwalt Rainer Koch 8. N. 183. Der deutsche Dschihad. z.19 Sowohl vor wie nach der Ausbildung in Pakistan/Afghanistan im Frühjahr 2000 hat sich das Terror-Quartett demnach in der britischen Hauptstadt aufgehalten.2008.. enge Verbindungen zum Geheimdienst MI5. Als »Beandali« angeklagt. ein radikaler und charismatischer Redner. Spiegel 22. n. N.. Das ist das Ergebnis einer staatsanwaltschaftlichen Untersuchung aus Frankreich über die Frankfurter Gruppe.4. wie wir in Kapitel 2 gesehen haben.2008. Die islamistische Gefahr in unserer Mitte. N.2002. Oliver Schröm (FN 7). Spiegel Online 10. S. 126. Gisela Friedrichsen (FN 5). »Ursprung der Frankfurter Gruppe war offenbar London. Zeit 36/2002. Oliver Schröm. Gisela Friedrichsen. religiös indoktriniert. S. Oliver Schröm (FN 7). In London wurden die Mitglieder der Gruppe. und Abu Doha.«20 Abu Qatada hatte. N.2002.. die das Attentat auf Straßburg vorbereitet hatte. S. Berlin 2008.3.. 187.2003 106 . »Während der Ausbildung in London stand die Gruppe vor allem unter dem Einfluss zweier Männer: Abu Qatada. Annette Ramelsberger. fasste »Spiegel«-Online zusammen. Anmerkungen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 z.

Al Qaida . Nasrin Parsa (FN 13).2003. Hintergrundgespräch des Autors mit Rainer Koch 8. Hintergrundgespräch des Autors mit Rainer Koch 8. S. 14 15 16 17 18 19 20 107 . S.. 26. Nasrin Parsa (FN 13). 2005. S. N. N.Die Logistik der Frankfurter Gruppe. Nasrin Parsa (FN 13). (FN 19). 11. 221. 163.2008.4. S. Spiegel Online 7. N. Terroristen oder Geheimdienstmarionetten? Enthüllungen zum Frankfurter Terroristenprozess. Frankfurt am Main.2008.4.1. N.13 Nasrin Parsa.

dass Hamburg die zentrale Operationsbasis war«.2 Der »Spiegel« prägte schnell den Begriff »Pearl Harburg«3 .»Atta und seine Leute sind in Deutschland rekrutiert und in Geheimdienstmanier gecoacht worden. Die drei haben zuvor in wechselnder Zusammensetzung mit anderen Moslems in 108 . wo die Japaner im Dezember 1941 die US-amerikanische Pazifikflotte zerstört hatten. September 2001.« (Ein Ermittler gegenüber dem Nachrichtenmagazin »Focus«)1 6. In diesem Bundesstaat. und zwar viele Monate lang. mit dem Hafen gleich. und Ashcroft wie »Spiegel«-Chef Stefan Aust wussten dies vermutlich auch: Selbst nach der offiziellen Version der 9/11-Untersuchungskommission des US-Kongresses war Florida für die Vorbereitung der Flugzeugattacken wesentlich wichtiger gewesen. Die Konzentration auf Hamburg war in der Sache aber nicht gerechtfertigt.das setzte den Stadtteil der Elbmetropole. sagte US-Justizminister John Ashcroft bald nach den Anschlägen des 11. regiert vom Präsidentenbruder Jeb Bush. die am 11. in dem die angeblichen Terroristen gewohnt hatten. Ziad Jarrah soll am Steuerknüppel jener Maschine gesessen sein. September in die Türme des World Trade Centers krachten. Kapitel Kein Pearl Harburg Hamburg: Mohammed Atta hatte ein paar ganz unislamische Freunde »Es ist klar. die am selben Tag in Pennsylvania abstürzte. fand die Ausbildung der Todespiloten statt. Nach dem Bericht der US-Kongresskommission sollen Mohammed Atta und Marwan al Shehhi die Flugzeuge gesteuert haben.

dass es dem Verfassungsschutz gelang.9 109 . das von November 1998 bis Februar 2001 unter Attas Namen gemietet war. so dass man dort schwerlich Straftaten hätte vorbereiten können. einen V-Mann zumindest »im Umfeld der Attentäter« zu platzieren.einem Vierzimmerappartement in der Harburger Marienstraße 54 gewohnt.8 Außerdem steht fest. weil deren Treffpunkt . angesichts der Tatsache. Nach dem Inferno des 11. dass sie diese Wohnung durchsuchen mussten . Abdelkahim Y. In derselben Nacht »werden sieben weitere Wohnungen überprüft. meldete das »Hamburger Abendblatt«. gemacht«.5 Die Reporter bekommen in der Marienstraße gesagt: »Die Adresse ist seit drei Jahren bekannt. dass der Verfassungsschutz bis dahin »von den Attentätern nichts gewusst« haben will. Bis in die Morgenstunden rückt das MEK noch mindestens achtmal aus«.von einem Mitarbeiter des LKA Hamburg mitgegründet worden war.. von denen gleich noch die Rede sein wird. September erkannten die Hamburger Behörden blitzschnell. gab den Kriminalbeamten seit Eröffnung des Gotteshauses 1993 weiter. Das schreibt jedenfalls die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«.4 Schon am Abend des 12. Das Ausmaß der Schnüffelei war gigantisch: »Mehr als 8400 Telefonanrufe an 1400 verschiedenen Telefonanschlüssen wurden innerhalb von drei Jahren aus dem Hamburger Appartement . vier davon durchsucht.«6 Das war eine vornehme Untertreibung: Die Harburger Wohngemeinschaft von Atta und Co. September fuhr ein Einsatzkommando in der Marienstraße 54 vor..verdächtig schnell.. die von dem Mann Dokumente erhalten hat. das Atta und andere sich geteilt haben.die Al Quds-Moschee am Hamburger Steindamm . stand seit Jahren unter totaler Überwachung. registrierten die Lauscher.7 Die Infiltration der Dienste in den Atta-Zirkel konnte gelingen. was er abseits frommer Gebete an Informationen bekam.

die das BfV abhörte..«12 Damit wäre es den Ermittlern möglich gewesen. Observation. abgesegnet von einem Kontrollgremium des Bundestages: Grenzfahndung.10 ZDF-Antiterrorspezialist Elmar Theveßen behauptet. schrieben Stefan Aust und Cord Schnibben vom »Spiegel« im Jahr 2002.Zielperson Zammar Zwei Bekannte von Atta standen schon sehr frühzeitig unter Beobachtung. Jedesmal. wenn nicht sogar die Schlüsselfigur in der Wandlung des Mohammed Atta zum skrupellosen Terroristen . hörte das BfV mit. das ganze Netz der Hamburger Fundamentalisten aufzurollen. Zammar sei die »zentrale Figur. wenn Zammar dafür zu Hause in Hamburg zum Telefon griff und mit europäischen Gesinnungsgenossen sprach.. Im Visier: Mohammed Haydar Zammar«. Nachnamen hingegen nie. führte die Spur immer wieder zu Zammar«. Telefonüberwachung. »Unter Observation durch das BfV baute Zammar das europäische Netzwerk der Al Qaida mit auf.11 Laut »Frankfurter Allgemeine« waren die Staatsschützer Zammar bei diesen Aktivitäten immer auf den Fersen. Denn während der Gespräche. Der Syrer war von erheblicher Bedeutung für den internationalen Dschihad. Zur Überwachung Zammars stand das gesamte nachrichtendienstliche Repertoire bereit. September 2001 nach Ma- 110 . man habe >nur Vornamen identifiziert<. empfahl Atta und seine Freunde an die Führungsspitze von Al Qaida in Afghanistan«. Das BfV behauptet jedoch. berichtete die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« auf der Grundlage der Dokumente des V-Mannes. »Wenn in den vergangenen Jahren irgendwo in Europa Mudschahedin-Kämpfer verhaftet wurden. fiel zweimal Mohammed Attas vollständiger Familienname: Mohammed Atta al Amir. »Tatsächlich hätte Zammar das BfV auf die Spur der Todespiloten bringen müssen.. »Im Herbst 1997 startete das BfV (Bundesamt für Verfassungsschutz) eine aufwändige Überwachung.«13 Zammar reiste nach dem 11. die >Operation Zartheit<.. Zammar .

dass sich die CIA schon seit 1993 an die Fersen des Wahl-Hamburgers geheftet hatte. Darkanzali . Mit von der Partie waren zwei andere zwielichtige Figuren. dass er ihnen nicht früher .rokko aus.15 111 . deren Namen später auch bei Ermittlungen über die Botschaftsanschläge 1998 in Nairobi und Daressalam auftauchten. Wir werden in den nächsten Kapiteln auf andere Fälle zurückkommen. »Zeit«-Autor Oliver Schröm geht davon aus. Bis dato schmachtet er unter menschenunwürdigen Bedingungen in einem Foltergefängnis von Damaskus. behauptete der »Focus«. Ersterer wurde von Letzterem in einem öffentlichen Gerichtsverfahren wegen der Anschläge 1998 als »Al Qaida-Aktivist mit deutschem und israelischem Pass« bezeichnet. September sperren ließ«. Trotzdem ist der Deutsch-Syrer bis heute auf freiem Fuß.als »Schlüsselperson« im Al QaidaNetzwerk. muss übrigens nicht unbedingt bedeuten. sich 1994 am Kauf eines Schiffes zu beteiligen. wo er auf Druck der USA verhaftet und nach Syrien ausgeliefert wurde.begehrt und geschützt Mamoun Darkanzali ist eine weitere Person aus dem Umfeld von Mohammed Atta. Der Fall beschäftigt den Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages. wo die US-Dienste ihre V-Leute nach getaner Arbeit schlecht behandelten. »Seine Konten waren die ersten. angeblich im Auftrag bin Ladens. Bush nach den Anschlägen des 11. die US-Präsident George W.zu Willen war. Dass die US-Amerikaner den Mann so brutal aus dem Verkehr gezogen haben. an der die Dienste Interesse gezeigt hatten. Das hinderte ihn nicht daran.zum Beispiel während seiner Kampfzeit in Bosnien 1994/95 oder auch später in Hamburg .14 Die spanischen Behörden erließen einen internationalen Haftbefehl gegen ihn . die vielleicht aber nur Schwarzhändler waren: Sadek Walid Awaad und Wadih el Hage.

die Mudschahedin unter anderem in Bosnien gesponsert haben soll. Ende des Jahres 2000 soll er außerdem .1995 stellte der saudische Twaik-Konzern Darkanzali als Manager in einem Autoverleih in Tirana.«20 Darkanzali bestreitet.22 Ab August 1998 112 .16 Darkanzali nutzte die Zeit auf dem Balkan und »betreute Mudschahedin-Kämpfer in Bosnien«. war Darkanzali als Mitbevollmächtigter eingetragen. auf denen er als Gotteskrieger vor Schützengräben posiert. der Videofilmer und spätere Aktivist der Ulmer Szene (vgl.so steht es im Europäischen Haftbefehl gegen ihn im Zusammenhang mit Terrorprozessen in Spanien (dazu unten mehr) . bis heute auf freiem Fuß. ein. In der emporgereckten Hand hält er ein Maschinengewehr.19 »Womöglich griff der bieder wirkende Kaufmann auch selbst in den bewaffneten Kampf ein. dass er die auf dem Foto abgebildete Person ist. Für ein Konto. Nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste instrumentalisiert der saudische Geheimdienst die Twaik-Gruppe zur verdeckten Finanzierung von Dschihad-Aktivitäten im Ausland.einen Krankenwagen in das Kosovo überführt haben. Bei einer Razzia in Spanien stießen die Fahnder auf Fotos. wie Darkanzali. Kapitel 2). »wodurch andere Aufgaben in Beziehung mit Anweisungen der Organisation Al Qaida zu diesem Zeitpunkt gedeckt wurden«.17 Twaik überwies in diesem Zeitraum 250000 Dollar auf seine Konten.eine mildtätige saudische Stiftung.18 Von Darkanzali seinerseits ist zumindest eine Überweisung auf das Brüsseler Konto der Global Relief Foundation nachgewiesen . 1998 wurde der angebliche Finanzchef bin Ladens. das er bei der Deutschen Bank eröffnet hatte. der Hauptstadt Albaniens. Auch er ist. angeblich zum Ankauf von Gebrauchtwagen in Hamburg. Darkanzali wirkte jedoch nicht nur auf dem Balkan. Mahmud Salim.21 Parallel zu Darkanzali war übrigens auch ein anderer deutscher Terror-Verdächtiger bei der Twaik-Gruppe auf dem Balkan beschäftigt: Reda Seyam. in München festgenommen.

Die Versuche der CIA. Kapitel 10). Die deutschen Verfassungsschützer versuchten es mit Abschreckung. um sich mit Barakat zu treffen.27 Dass »die CIA versuchte.23 In derselben Zeit bemühten sich gleich mehrere Dienste um Darkanzali. Darkanzali als Maulwurf zu gewinnen.«24 Die US-Kollegen wollten es nicht dabei bewenden lassen. dass er im Visier der Sicherheitsbehörden steht. angeblich auch zu einem 9/11-Vorbereitungstreffen mit Atta im Sommer 2001.28 Aber ist es denn so sicher. wurden Ende 1999 initiiert«. zu einer Zeit. resümierte die »Frankfurter Allgemeine«. verfolgt dieses Ziel so unerbittlich. dass diese Fußabdrücke nur außerhalb der Hijackerwohnungen hinterlassen wurden? Woher weiß man eigentlich. konnte man der »Chicago Tribüne« entnehmen. Mamoun Darkanzali anzuwerben. Darkanzali reiste zwischen Ende 1998 und September 2001 mindestens vier Mal nach Madrid.registrierte die spanische Polizei regelmäßige Telefonverbindungen von Darkanzalis Hamburger Anschluss mit Yarkas Imad Eddin Barakat. dass sogar die deutschen Kollegen protestieren. Darkanzali als Agenten zu gewinnen.. der später als Chef des spanischen Al Qaida-Zweigs verurteilt wurde (vgl. markiert die frühesten und tiefsten Fußabdrücke der US-Geheimdienste vor dem Fenster der Hijacker«. Im Haftbefehl der spanischen Ermittler wurde er bezichtigt. Die spanischen Behörden erho- 113 .25 Sie beabsichtigten. »CIA belauerte Al Qaida in Hamburg . den Anschlag auf die Madrider Vorortzüge im März 2004 »in der Logistik und im Finanzbereich« tatkräftig unterstützt zu haben.. dass Darkanzali bei den Anwerbeversuchen nicht anbiss? Nach 9/11 erfreute sich Darkanzali jedenfalls einer recht freundlichen Behandlung. »Operative Maßnahmen des LCV Ende 1999/Anfang 2000 hatten vor allem zum Ziel. Herrn Darkanzali deutlich zu machen. als die ursprünglichen Entführungspläne ausgeheckt wurden.26 Thomas Volz. CIA-Agent mit Akkreditierung beim Hamburger US-Konsulat.

der indirekten Drohung nachzugeben und flüchtete in sein Her- 114 . Abdelghani Mzoudi wurde nach über zweijährigem Verfahren im Juni 2005 zwar zum zweiten und letzten Mal freigesprochen.«30 Ein Sieg der Justiz . In der Zwischenzeit hatte der Bundestag die gesetzliche Grundlage für den europäischen Haftbefehl entsprechend angepasst. Doch diesmal legte sich Bundesjustizministerin Brigitte Zypries quer.ein Sieg des Grundsatzes »in dubio pro reo«? Man könnte sich freuen. Erst über ein Jahr später. obwohl er nach Ansicht der Richter nicht an 9/11 beteiligt war. Am 18. Oktober 2004. Ende desselben Jahres stand er schließlich auf dem Rollfeld des Flughafens Berlin-Tegel. Er zog es vor. ihr Verfahren gegen den Kaufmann eingestellt«.da stoppte das Bundesverfassungsgericht in einem Eilantrag die Zulässigkeit europaweiter Haftbefehle.29 Das Magazin kommentierte unter der Überschrift »Unter Staatsschutz«: »Der Deutsch-Syrer Mamoun Darkanzali darf nicht nach Spanien ausgeliefert werden . referierte der »Focus« die Begründung der Sozialdemokratin. So wurde Mounir Motassadeq im August 2005 zu sieben Jahren Haft verurteilt. um nach Madrid überstellt zu werden . aber dennoch von den Hamburger Behörden dringend zur Ausreise aufgefordert.auf Betreiben des Bundesjustizministeriums. Im Frühjahr 2007 forderte Spanien erneut die Auslieferung des Mannes. am 14. Darkanzalis Name tauchte 177 Mal in der 690-seitigen Anklageschrift auf. Man bezeichnete ihn als »bin Ladens Finanzier in Europa«.ben am 17. September 2003 gegen ihn und über 30 weitere Personen Anklage wegen Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung. Juli 2005 wurde der ehrenwerte Kaufmann wieder auf freien Fuß gesetzt. bestünde nicht eine große Diskrepanz zum Umgang mit zwei kleinen Fischen aus dem Atta-Umfeld. der auch die spanischen Ermittlungsergebnisse vorlagen. die dem spanischen Auslieferungsantrag zu Grunde lag. wurde Darkanzali in Deutschland verhaftet. »Schließlich habe die Bundesanwaltschaft.

urteilt Schröm. es sei Binalshibh gewesen. Er kontrollierte von Hamburg aus die Finanzströme und koordinierte die Unterstützer.kunftsland Marokko. Der geheimnisvolle Mastermind Ein weiterer Atta-Freund kommt als Instrukteur der Hamburger Gruppe in Frage.33 »Innerhalb der Islam AG versteht es Binalshibh. Stets hatte er mehrere Handys in der Tasche. keines war auf seinen Namen angemeldet. Ramzi Binalshibh soll die Spinne im 9/11-Netz gewesen sein.31 In der blumigen »Spiegel«-Sprache liest sich das so: »Binalshibh war das entscheidende Glied in der Kette . Er reist erst im November/ 115 . geschickt für die Ideen von Al Qaida zu werben«.die Schnittstelle zwischen Osama bin Laden in Afghanistan und der Hamburger Zelle um den Todespiloten Mohammed Atta. Konkret verlangte er: »Man muss in Bezug auf Amerika etwas tun!«34 Doch seltsam: Zu diesem Zeitpunkt ist Binalshibh noch gar nicht Mitglied von Al Qaida. die in der berüchtigten Wohngemeinschaft in der Harburger Marienstraße 54 residierte. der darauf gedrängt habe. war Binalshibh der »Wortführer«. die die mutmaßlichen Terroristen ab Januar 1999 an der Technischen Universität in HamburgHarburg eingerichtet hatten. Zuweilen seufzte er: >Was bringt dieses Leben? Das Paradies ist viel schöner!«<32 In der Islam AG. den Worten endlich auch Taten folgen zu lassen. Darkanzali dagegen lebt bis heute unbehelligt im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst. Unter anderem habe er Videokassetten mit religiöser Werbung und Predigten für Osama bin Laden an die anderen verteilt. Ein Teilnehmer der AG berichtete. Er nannte Atta die Ziele und informierte bin Laden persönlich über das genaue Datum der tödlichen Schläge. Nach einem Dossier der Untersuchungskommission des US-Kongresses war er der »key coordinator for the plot« (»Chefkoordinator der Verschwörung«).

Dezember 1999 zum ersten Mal nach Afghanistan, zusammen mit Atta und Jarrah, und erst nach diesen beiden legt
er den Treueschwur auf bin Laden ab, den sogenannten
Bayat.35 Wer oder was hat diesen Binalshibh aber getrieben, wenn es nicht bin Laden war? Sein ganzes Agieren in
Hamburg vor dem Besuch in Afghanistan Ende 1999 kann
nicht einem Auftrag der Al Qaida-Spitze entsprungen
sein. Er hatte die betreffenden Kontakte noch gar nicht.
Hat er alles selbst ausgebrütet? Oder baute er die Hamburger Truppe im Auftrag der Leute auf, die er bei seinen
Kampfeinsätzen in Bosnien kennen gelernt hatte - zum
Beispiel den Video-Propagandisten der Mudschahedin,
Reda Seyam (vgl. Kapitel 3)? Waren darunter auch USAmerikaner, die die Gotteskrieger damals hochrüsteten?
In der Folge erfreut sich Binalshibh jedenfalls einer besonderen Fürsorge der US-Geheimdienste. Seit seiner angeblichen Verhaftung am 11. September 2002 in Karatschi
ist er von der Bildfläche verschwunden. Ist er überhaupt
geschnappt worden? Das Foto des von der pakistanischen
Polizei abgeführten Binalshibhs zeigt einen bis zur Unkenntlichkeit vermummten Mann. Ein früherer Hamburger Freund konnte Binalshibh darauf nicht erkennen.36
Alles, was Binalshibh seither über den Tathergang nach
der Verhaftung zum Besten gegeben hat, stützt die offizielle Version der US-Behörden. Kleiner Schönheitsfehler:
Dieselben US-Behörden sind es auch, die die Stellungnahmen von Binalshibh an die Öffentlichkeit weitergegeben
oder sie vielleicht sogar selbst fabriziert haben, ganz ohne
Binalshibh. Kein Richter oder Staatsanwalt hat diesen geheimnisvollen Mann seit seiner Verhaftung je wieder gesehen, nicht einmal auf Video. An der Unwilligkeit der USBehörden, Binalshibhs Befragung zu ermöglichen, sind die
Hamburger Prozesse gegen Mzoudi und Motassadeq fast
gescheitert - die deutschen Richter wollten die Angeklagten nicht auf der Grundlage von bloß schriftlichen Aussagen verurteilen, die ein Gespenst gemacht haben könnte.

116

Aber es gibt Bewegung in der Causa: Anfang Juni 2008
begann im US-Straflager Guantanamo der Prozess gegen
Binalshibh und weitere angebliche Drahtzieher der Anschläge des 11. September. Den Angeklagten droht die
Todesstrafe. Foto- und Filmaufnahmen bei den Verhandlungen sind nicht erlaubt. Man darf gespannt sein, welche
Leiche hinterher als die Binalshibhs präsentiert werden
wird.

Der doppelte Atta
Möglicherweise brauchte es aber auch gar keinen Coach
oder Mastermind zur Instruktion der Hamburger Gruppe,
egal ob Zammar oder Darkanzali oder Binalshibh. Es gibt
nämlich zahlreiche Indizien, wonach auch Mohammed
Atta mit den US-Geheimdiensten Kontakt hielt.
Dass mit diesem Atta - bzw. dem Atta-Bild, das die Terrorfahnder zeichneten - etwas nicht stimmt, konnte man
schon bald nach 9/11 bei genauer Lektüre der Medien herausfinden. So schrieb der »Focus« im Oktober 2001, dass
die Kreditkarte Attas auch noch nach dessen angeblichem
Selbstmordflug weiter benutzt worden ist. »Tage nach dem
massenmörderischen Anschlag auf das World Trade Center wurde die Karte eingesetzt - so am 16. und 18. September in Boston und Portland. BKA-Erkenntnissen zufolge
lagen die Buchungsbeträge zwischen 49 und 400 Dollar.«37
Wer hat dieses Geld abgehoben, wenn Atta schon tot war?
Eine weitere Ungereimtheit: Es gibt zwei unterschiedliche US-Einreisevisa für Atta für denselben Tag, den
10. Januar 2001. Beide wurden in Miami ausgestellt. Das
eine war gültig bis 8. September 2001 und hat die Zulassungsnummer 68653985708, das andere lief bis 9. Juli 2001
und trägt die Nummer 10847166009. Der »Miami Herald«
kommentiert: »Die zweifache Einreise könnte ein Irrtum bei der Erstellung der Papiere oder Konfusion über
die Gültigkeitsdauer des Visa sein. Oder Atta kam nach

117

Miami, flog in ein anderes Land wie die Bahamas und
kam am selben Tag zurück. Oder es könnte sein, dass zwei
Männer die Einreise beantragten und dabei dieselbe Passnummer verwendeten.«38
Zwei Männer mit demselben Namen? Zwei Mohammed Attas? Für diese Annahme sprechen die Recherchen
des US-Journalisten Daniel Hopsicker. Er hat herausgefunden, dass Atta in den ersten acht Monaten des Jahres
2001 häufig dort war, wo ihn die US-Behörden nicht lokalisieren konnten.

Atta und die Stripperin
Hopsicker recherchierte in dem für die 9/11-Vorbereitung
vermutlich wichtigsten Städtchen - Venice. Der Ort liegt
an Floridas verschlafener Goldküste, nicht weit von vornehmeren Badeplätzen wie Naples oder Sanibel Islands
entfernt. Im milden Klima verbringen Rentner von überall
her ihren Lebensabend - das Städtchen hat mit 69 Jahren
den zweithöchsten Altersdurchschnitt der Vereinigten
Staaten. Genau in dieses weiße Rentnerparadies zog es die
jungen dunkelhäutigen Moslems aus Hamburg - obwohl
sie dort auffallen mussten wie bunte Hunde. »Drei der
vier Terrorpiloten vom 11.9. lernten das Fliegen an zwei
Flugschulen, die beide zum winzigen Flugplatz von Venice gehören. Drei von vieren - eine terroristische Troika.
Das macht Venice in Florida zum bedeutendsten nicht in
Schutt und Asche gelegten Tatort des 11.9.«39
Hopsickers investigative Glanzleistung besteht im Aufspüren der Stripperin, mit der der vermeintliche SuperFundamentalist Atta im ersten Halbjahr 2001 um die
Häuser zog: Amanda Keller. »Zu dem Zeitpunkt, da sie
sich mit Atta >zusammen tat<, war sie zwanzig Jahre alt
und schmückte sich mit einer pinkfarbenen Stachelfrisur.
Tagsüber betätigte sie sich als >Dessousmodel<, abends
entweder als Stripperin oder als Hostess für einen Begleit-

118

Service namens Fantasies & Lingerie, zu dessen Klientel
Politiker, Richter, Geldleute und Partylöwen beiderlei Geschlechts gehörten und dessen Büro sich nicht weit weg
vom Cheetah's befand, einem Stripteaselokal, in dem Atta
nachweislich verkehrte.«40
Das ungewöhnliche Pärchen erweckte die Aufmerksamkeit zahlreicher Einwohner von Venice, wie Hopsicker auch
den Berichten der Lokalpresse direkt nach dem 11. September 2001 entnehmen konnte. Als Ortskundiger - seine
Eltern haben seit über 25 Jahren ein Ferienhäuschen dort konnte er die in den Artikeln genannten Augenzeugen
leicht aufspüren und seinerseits weiter befragen. In seinem Buch nennt und zitiert er um die zwanzig, hier seien
nur die wichtigsten angeführt.
Da wären zum einen die Leute, die Atta und Keller
aus Venice kannten, wo sie im Sandpiper Apartment 26
wohnten. Der Verwalter der Anlage, Charles Grapentine,
gab Hopsicker gerne Auskunft: »Atta sei eng mit einer aus
sechs arabischen Männern bestehenden Gruppe verbandelt gewesen, die gemeinsam mit ihm ein Apartment im
Erdgeschoß gemietet hatten.«41 Die Beschreibungen passen auf Marwan al Shehhi und Ziad Jarah, Attas Freunde
aus Hamburg. Stephanie Fredericksons Apartment liegt
direkt neben Nummer 26. Sie erinnerte sich, dass die Stripperin Amanda Keller ihr »meinen Freund Mohammed
Atta« vorstellte und dass beide »mehrere Monate« in dem
Komplex wohnten.42 Sie sah, wie Atta und seine Freunde
ständig »jede Menge Geld parat« hatten und gerne ausgingen: »Diese Jungs waren allesamt echte Partylöwen.«
Eine dieser Partys war eine regelrechte Drogenorgie
in Key West, an der Atta und Keller vom 22. bis 25. Februar 2001 teilnahmen. In der Ortsgazette »Charlotte SunHerald« berichtete die Reporterin Eline Allen-Emrich
gleich nach dem 11. September: »Sie waren drei Tage lang
weg. Sie schliefen keine Nacht - es war eine durchgehende
Party.«43 Kronzeuge für die Journalistin war das Ehepaar,

119

das an jenem Wochenende ein Apartment an die zwei
Nachteulen vermietet hatte, Tony und Vonnie LaConca.
Zwar erfuhren die beiden nicht den richtigen Nachnamen
von Atta - er benutzte eine Kreditkarte, die auf Mohammed Arajaki ausgestellt war. Doch die Angaben, die sie
ansonsten gegenüber der Presse machten, trafen exakt auf
den Hamburger Studenten zu: »Aus Gesprächen mit Keller und Atta erfuhr das Ehepaar, dass er eine Pilotenlizenz
für das Fliegen von Kleinflugzeugen mit vier bis sechs Passagieren hatte und bei Huffman Aviation in Venice eine
Ausbildung für den Erwerb eines Pilotenscheines für Verkehrsmaschinen machte.«44

Die deutschen Piloten
Nach mühseligem Suchen trieb Hopsicker schließlich Frau
Keller selbst auf. In einem dreistündigen Gespräch identifizierte sie Atta eindeutig und erzählte ausführlich von
ihrer Beziehung, die von Ende Februar bis Ende April 2001
dauerte. (Teile des Video-Interviews können auf Youtube
gesehen werden.)45 Einige Details machten sie stutzig: »Er
sagte, er sei Flugschüler, aber er durfte andere Schüler fliegen, durfte Alleinflüge machen und hatte die Rechte eines
Fluglehrers.«46
Der Verdacht, dass Atta bereits vor seiner Ankunft in
den USA ein ausgebildeter Pilot war, sollte sich erhärten.
Frau Keller berichtete: »Er hatte Pilotenscheine aus mehreren verschiedenen Ländern. Doch die Fotos sahen alle
unterschiedlich aus. Auch die Namen waren alle anders. Er
hatte eine Fluglizenz von praktisch jedem Land, in dem er
gewesen war... Ich fragte ihn (wegen seines Namens), und
er sagte mir, dass sein Nachname in den verschiedenen
Sprachen jeweils anders geschrieben würde, dass er aber
den Vornamen Mohammed immer beibehalte.«47
Einmal fand Frau Keller in Attas Pilotentasche auch
»eine kleine Ausweiskarte in Blau und Weiß«. Weil sie ihn

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auf dem dazugehörigen Foto nicht erkannte, fragte Frau
Keller nach. »Er sagte mir, dass das Foto aus einer Zeit
stammte, in der er in so einem milizartigen Verein war, in
einem militärischen Verein. Er sagte, es sei ähnlich gewesen wie unser Militär, nur dass man dort andere Taktiken
lernt... Er sagte nicht, wo der Ausweis her war. Doch die
Schrift sah aus wie ein Mittelding zwischen Hebräisch
und Arabisch.«48
Besonders aufschlussreich ist, was Hopsicker über den
Freundeskreis von Atta herausgefunden hat. »Die Leute,
mit denen Mohammed Atta in Florida Umgang pflegte,
waren nicht ausschließlich - vielleicht nicht einmal vorwiegend - arabischer Herkunft. Informationen, die ich
zuerst von Attas zeitweiliger amerikanischer Freundin
Amanda Keller erhielt und die ich durch Hinweise aus
anderen Quellen in Venice und Naples untermauern
konnte, lassen es als sicher erscheinen, dass mindestens
sieben der Personen, mit denen er in dem Jahr vor dem
Terroranschlag vom li. 9.2001 den engsten Umgang pflegte,
Europäer waren: Deutsche, Schweizer und Franzosen.«49
Zwei davon, die Deutschen Wolfgang und Jürgen, nannte
er nach Angaben von Frau Keller »meine Brüder«. »Er und
Wolfgang waren sehr eng befreundet, sie gingen überall
zusammen hin ... Er und Jürgen benahmen sich, als ob sie
sich schon ewig kennen würden.«50
Die Identität des erwähnten Jürgen konnte Hopsicker
nicht zweifelsfrei klären. Bei Wolfgang handelt es sich dagegen angeblich um einen gewissen Wolfgang Böhringer.
»Wolfgang Böhringer, ein Mittdreißiger, hat eine ziemlich
buntscheckige Biografie. Er kommt aus Bayern und lernte
bereits vor seiner Übersiedelung in die USA das Fliegen,
und zwar bei der Flugschule Flieger-Verein in München.
1996 kam er als einer der ersten, die später das >deutsche
Kontingent< bildeten, nach Florida und eröffnete noch im
selben Jahr in Naples eine eigene Flugschule. Im Frühjahr
2002 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.«51

121

« Amanda Keller erging es. Auch nach ihrem Wegzug aus Venice hatte sie noch mehrere Monate lang jeden zweiten Tag einen Anruf von FBI-Beamten erhalten.52 Druck auf die Zeugen Von der unglaublichen Geschichte zwischen Frau Keller und Atta hat der Leser der Mainstream-Presse weder in Europa noch in den USA etwas mitbekommen. ihren neuen Wohnsitz nicht zu verraten. gleich nach den Anschlägen. Er erzählte ein paar echt schlechte Witze über Öfen. genau wie Stephanie Frederickson. und kamen nur noch einmal die Woche vorbei.Böhringer pflegte einen unverhohlenen Antisemitismus: »Es war klar. Juden. Der Grund ist ganz einfach: Auf alle Zeugen wurde. »wie sehr sie und andere Bewohner des Komplexes von Agenten des FBI bedrängt und eingeschüchtert worden waren«.53 Sie beklagte sich bei Hopsicker: »Am Anfang. dass das FBI sie mit denselben Drohungen und strengen Ermahnungen traktiert hatte. massiver Druck ausgeübt. dass ich mit niemandem darüber gesprochen hatte. Schließlich gaben sie den Versuch auf. wie die eingeschüchterten Zeugen aus dem Umkreis der Sandpiper Apartments sie über sich hatten ergehen lassen müssen. bezeugte eine seiner Freundinnen gegenüber Hopsicker. So berichtete Stephanie Frederickson. Brote und Schwarze«. um sich zu vergewissern. schreibt Hopsicker. nicht besser: »Sie berichtete mir. nachdem sie sich gegenüber kleinen Regionalzeitungen gleich nach 9/11 geäußert hatten. ich müsste mich bei der Identifizierung getäuscht haben. sagten sie mir. künftig den Mund zu halten. die Nachbarin von Atta und Keller in den Sandpiper Apartments. Das Treffen fand schließlich 122 . Oder sie unterstellten mir.« Gegenüber Hopsicker war sie erst zum Reden bereit. dass er Juden hasst. dass ich lüge. mir meine Geschichte ausreden zu wollen. nachdem er versprochen hatte.

identifiziert. »Die frühere Stripperin aus Venice sagt jetzt. Die US-Ermittler schickten der Regierung Kiribatis eine Terrorwarnung. Der Verdächtige soll Verbindungen zu Mohammed Atta gehabt haben. dass sie recht hat. doch der offizielle »Airport Security Report« der Insel nannte am 22. der nichts mit 9/11 zu tun hatte.56 Das Blatt zitierte nur zwei Sätze der scheinbar reumütigen Amanda Keller: »Es war schlecht. dass es für einen wichtigen Teilaspekt eine Bestätigung des FBI gab.noch schlimmer .«57 Der Verdächtige wird vom »Spiegel« als Wolfgang B. November 2006 den Klarnamen: Es 123 . Frederickson und all die anderen Zeugen sich getäuscht oder . Keller. dass ihr Freund ein anderer Flugstudent war. dass Hopsicker.54 Bemerkenswert ist auch.55 Im Jahre 2002 gab Amanda Keller Hopsicker das oben erwähnte Interview. und zwar fast gleichzeitig zum Widerruf von Amanda Keller. Vier Jahre hielt sie dem Druck stand. beschrieb sie ihre Wohnsituation. dass ich gelogen habe. Mitte November 2006 meldete »Spiegel Online«: »Weil er auf der abgelegenen Pazifikinsel Kiribati eine Flugschule gründen wollte. Im Jahre 2006 widerrief sie. um sich wichtig zu machen? Man sollte eine solche Möglichkeit nie ganz ausschließen.«.in einem Hotel statt.« Die Zeitung ergänzte: »Und zum ersten Mal sagen die Bundesermittler.« Aber vielleicht stimmt es ja wirklich. Nach Auskunft des örtlichen Sergeanten Marty Treanor sei die Maschine »dann mit Jeb Bush an Bord Richtung Washington abgeflogen«.mächtig aufgeschnitten haben. fasst die »Herald Tribüne« zusammen. ist ein Deutscher ins Visier des FBI geraten.« Sowie: »Ich dachte erst hinterher richtig drüber nach. Für die Glaubwürdigkeit von Hopsickers Recherche spricht aber. »Dauernd stand ein Polizeiauto vor dem Haus«. dass das FBI sofort nach 9/11 alle Akten des Polizeireviers in Venice beschlagnahmte und in eine Herkules C-130 verfrachtete.

den USA und aus Deutschland. aber schnell wieder freigelassen. als dieser vor 9/11 in den USA lebte. Nach Aussagen mehrerer Mitarbeiter des Programms wurden in diesem Zusammenhang Atta und drei weitere angebliche 9/11-Selbstmordbomber bereits im Jahr 2000 124 . dass die Behörde eigens eine Terrorwarnung wegen Böhringer herausgab. dass der Deutsche und der arabische Flugschüler so engen Kontakt gepflegt hatten. Codename: Able Danger . aus Grenada. Dieser Chuck Corbett berichtete: »An einem Abend legte er mal sieben Pässe auf den Tisch. Ich erinnere mich an einen aus Irland. In den USA hatte 1999 das Kommando Spezialoperationen (Special Operations Command . von Indien. dass hochgestellte Personen in den USDiensten Mohammed Atta schützten. sondern mit irgendeinem anderen Mohammed befreundet gewesen. der in Kiribati mit Böhringer monatelang zusammen war.«59 Able Danger Es gibt Hinweise. Ich bin bei der CIA. Nun musste auch das FBI.handelte es sich um keinen anderen als um Attas »Bruder« Wolfgang Böhringen58 Vom innigen Verhältnis der zwei hatte Amanda Keller berichtet. nach dem deutschen »Bruder« dieses Mohammed eine weltweite Fahndung auszuschreiben.SOCOM) ein geheimes Programm zur Informationsgewinnung über den internationalen Terrorismus gestartet. weil er einen magischen Satz gesprochen habe: »Ihr könnt mir gar nichts. das Frau Keller gerade zum Dementi gedrängt hatte. hätte es keinen Grund gegeben. Und zwar. einräumen. wie Hopsickers Quellen behaupten. Hopsicker trieb einen US-Amerikaner auf. aus den Bahamas.Mögliche Gefahr.« Böhringer wurde auf Kiribati festgenommen. Wäre Frau Keller nicht mit Mohammed Atta.

Das würde sehr gut zu der intensiven Überwachung der Wohngemeinschaft in der Harburger 125 . S. Demnach hatten Bundesbehörden »eine größere New Yorker Zelle von Mohammed Atta bereits vor 9/11 identifiziert«. brachte diesen Skandal immer wieder zur Sprache. dass Able Danger den mutmaßlichen Hijacker bereits verfolgte. In Bezug auf Atta bedeuten Weldons Informationen.60 Außerdem kritisierte er. So seien beispielsweise die Fotos von Atta und Al Shehhi sowie von zwei weiteren 9/11-Beteiligten.als V-Leute des saudi-arabischen Geheimdienstes GID und unter Protektion der CIA (vgl.und armeekritischer Umtriebe vollkommen unverdächtig war. Auf Intervention von Führungsoffizieren durften die Spuren aber nicht weiterverfolgt werden. vor den Anschlägen Erkenntnisse über Atta und die anderen mutmaßlichen Terroristen gehabt zu haben. sagte Weldon.).bis heute . und sie auch im späteren 9/11-Untersuchungskommissionsbericht des Kongresses keine Rolle spielte. Später präzisierte Weldon: Die Sondereinheit Able Danger habe Atta 13 Mal vor dem 11. da die Bush-Administration . September 2001 identifiziert. die ihm in den Vormonaten zugegangen waren. Khalid al Midhar und Nawaf al Hazmi. ein republikanischer Abgeordneter des Repräsentantenhauses. Besonders Curt Weldon. da er stellvertretender Vorsitzender des Streitkräfteausschusses und des Ausschusses für innere Sicherheit (The House Armed Services and House Homeland Security Committees) und als solcher staats. Die zuletzt genannten Araber waren schon in Kapitel 1 vorgestellt worden . Allein das war zum damaligen Zeitpunkt eine Sensation.abstreitet. dass die Weitergabe dieser Information an das FBI unterbunden wurde.bekanntlich reiste er erst im Juni 2000 in die USA ein. bereits 1999 in einer Liste von Able Danger zu sehen gewesen. Weldons Wort hatte Gewicht. Am 27. 4off. als er noch in Hamburg lebte . Juni 2005 erwähnte er vor dem Repräsentantenhaus zum ersten Mal »sehr verstörende« Berichte.entdeckt.

Ich will das nicht sehen. doch sein Gegenüber habe ihn gestoppt: »Sie können mir das nicht zeigen. also während seiner Hamburger Zeit. dass sich nach dreiwöchiger Überprüfung der Arbeit von Able 126 . geschildert wurde. Demnach habe es fast ein Jahr vor 9/11 eine Sitzung im Hauptquartier für Sonderkommandos der US-Army (SOCOM) in Tampa/Florida gegeben. Weiterhin bestätigte er.« Im Oktober habe er selbst dem Vize-Chef des Militärgeheimdientes DIA eine Disk mit Informationen über Al Qaida und Atta zeigen wollen. dass Atta im Januar oder Februar 2000 identifiziert worden sei. dass er General sei .und ich nicht. bis zu dem Punkt.62 Das Pentagon gab am 1. die auf Seite lo9ff.«61 Auch Able Danger-Direktor Scott J. Die Angaben von Weldon wurden von anderen Mitgliedern des US-Kongresses und des 9/11-Untersuchungsausschusses zum Teil scharf zurückgewiesen. und dass ich ansonsten gefeuert werden würde. die den Abgeordneten über die verdächtigen Vorgänge unterrichtet hatten: Oberst Anthony Shaffer. sich nicht weiter um Atta zu kümmern. »Ich wurde mehrfach angewiesen. Ein Zwei-Sterne-General sei zu ihm gekommen und habe ihn »sehr unnachgiebig« aufgefordert. auf der die Able Danger-Unit ihre Vorgesetzten über ihre Arbeitsergebnisse unterrichtete. die ich nicht sehen darf. wo er mich daran erinnerte. Doch plötzlich meldete sich einer der Informanten zu Wort. Phillpott. gab an. bestätigte die Angaben Weldons in vollem Umfang und wartete mit weiteren Details auf. September 2005 bekannt. nach eigenen Angaben selbst Mitarbeiter des Geheimprogramms Able Danger. Es könnte Informationen enthalten.Marienstraße 54 passen. dass er persönlich unter anderem die Führung der Special Operations Commands und die 9/11-Untersuchungskommission des Kongresses über den Sachverhalt informiert hatte (was Mitglieder dieser Kommission zuvor bestritten hatten).

sein dienstliches Mobiltelefon privat genutzt und im Alter von 19 Jahren . Das waren die Bürokraten. Dies betraf insbesondere die Anhörung vor dem Justizausschuss des Senats (Senate Judiciary Committee) am 21... Smith.. die die Einheit zuvor gesammelt hatte. Das wurde nicht von uniformierten Militärangehörigen veranlasst.. Die Begründung dafür war offenkundig an den Haaren herbeigezogen: Er soll sein »Miles and more«-Konto überzogen. Letzterer gab an. 127 . dass die Einheit vor 9/11 Erkenntnisse über Atta gesammelt habe oder sie zumindest ein Foto von ihm in den Unterlagen gesehen hätten.63 Öffentlich haben sich von den dreien James D. und der Major Eric Kleinsmith zu Wort gemeldet. Allen fünf Able DangerAngehörigen verbot das Pentagon die Aussage. die unter Verteidigungsminister Donald Rumsfeld immer mehr Positionen im Pentagon übernommen hatten..Danger drei weitere Mitarbeiter gefunden hatten.5 Terrabytes an Daten gelöscht hatte. September 2005. ihn total zu diskreditieren .«65 Vermutlich spielte Weldon damit auf die sogenannten Hühnerfalken an .neokonservative Hardliner ohne Armeeerfahrung. wurde eine massive Rufmordkampagne angestrengt: Ihm hat man einen Tag vor der geplanten Aussage vom Militärgeheimdienst DIA die Sicherheitsfreigabe für Geheimdienstarbeiten generell entzogen. Ein Versuch. die bestätigten.. Der Abgeordnete Weldon empörte sich vor dem Repräsentantenhaus: »Oberst Shaffer wurde Opfer eines groben und außergewöhnlichen Übergriffs .Geld gestohlen haben. Gegen den Hauptbelastungszeugen. ein ziviler Auftragsnehmer von Able Danger.vor seiner Aufnahme in die Armee . Er soll zum Schweigen gebracht werden .64 Rufmord und Zensur Die Hinweise der Zeugen wurden in der Folge massiv unterdrückt. dass er auf Befehl von oben 2. Oberst Shaffer.

September 2006 wurde eine Untersuchung des Pentagon veröffentlicht. Weldon blieb bei seiner Kritik. Ihre Schlussfolgerung: Shaffer sei offensichtlich nie so sehr in die Arbeit eingebunden gewesen. wie er behauptet hatte.«69 Allerdings hatte er kaum noch Möglichkeiten. Die Untersuchung gegen ihn erbrachte nichts Belastendes. die sie gezogen haben. Die Beweisführung war originell: Die Fahnder.) und den Inhalt des Reports in Frage.66 Im Dezember desselben Jahres kam eine Kommission des Geheimdienstausschusses des Senats (US Senate Intelligence Committee) nach 16-monatigen Erhebungen zum selben Schluss.Zwei weitere amtliche Kommissionen wiesen schließlich alle Vorwürfe der genannten Zeugen zurück.68 Dass man als Zeuge wichtige Dokumente an einem sicheren Ort aufbewahrt. und ich weise die Schlussfolgerungen zurück. Im darauf folgenden Monat verlor er bei den Nachwahlen zum Kongress seinen Sitz. im Haus seiner Tochter gab es eine spektakuläre Razzia. sich mit dieser Äußerung von Ende September 2006 Gehör zu verschaffen: Drei Wochen später eröffnete das Justizministerium in einer Korruptionsaffäre eine Untersuchung gegen ihn. Anm. hätten dort keine der Able Danger-Unterlagen gefunden. dass Atta und andere Flugzeugentführer nicht vor dem 11. hatten die Kommissionäre offensichtlich beim Abfassen ihres Berichtes gerade vergessen. J.70 128 . in der kategorisch behauptet wurde.67 Die Pentagon-Untersuchung setzte die Rufmordkampagne gegen Shaffer fort. E. An das Pentagon schrieb er: »Ich stelle ihre Motive (der Mitglieder des Untersuchungsausschusses. die Shaffers Büro durchsucht haben. September 2001 identifiziert worden waren. Am 18.

Digital file from the Court Reporters Office.2004. z. Unser Mann in der Moschee. Oliver Schröm. LfV Hamburg.org/ usa-v-ubl-02. Hufelschulte. Radikaler im Präsidium. Oliver Schröm/Dirk Laabs (FN 9). n.2003. 14. Hubert Gude/Savina Koch (FN 14). Oliver Schröm/Dirk Laabs. John Crewdson. Artikelüberschrift im Spiegel 48/2001. John Crewdson. 14.2003. 175ff.2003. A Nation Challenged. 18. Transkript auf http://www. Hubert Gude/Savina Koch (FN 14). Oliver Schröm/Dirk Laabs (FN 9). HA.2.11. Madrid und das gläserne »Al Quaia-Netzwerk«.Anmerkungen 1 2 W. 2 firms linked to Al Qaeda.). Stern 13. Dietl/u. Die tödlichen Fehler des US-Geheimdienstes. Georg Bönisch/u. Stefan Aust/Cordt Schnibben.2. Focus 28/2002. S.2001 (FN 5). Gemeinsame Pressekonferenz mit dem deutschen Innenminister Otto Schily.2001.9.9. Saudi intelligence agency. Netzwerker des Terrors.htm. n.9.2002. Ende der Schonzeit. Knut Mellenthin. Hubert Gude/Savina Koch.2001 und folgende Tage (http://cryptome. a.3. Witnesses in Terror Trial Threatened.2002. in: Chicago Tribune. in: Ronald Thoden (Hrsg.. S. John Tagliabue/Raimond Bonner.2001. Hubert Gude/Savina Koch (FN 14). September .htm). Southern District of New York. 82. Unser Mann in der Moschee.10. Berlin 2004. Das Netzwerk des Terrors in Deutschland.1.Geschichte eines TerrorangrifFs. H. Elmar Theveßen.yale.10.8. 6.2001. HA. München 2004.196.2004 Hubert Gude/Savina Koch (FN 14). Fotokopie aus dem Europäischen Haftbefehl im Besitz des Autors. S. Terror und Staat. Focus 41/2001. 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 129 . so im Nachhinein der damalige Leiter der LfV. a. FAS 2. Gotteskrieger aus Hessen. Oliver Schröm/Dirk Laabs. Focus 46/2004. FAS 2. Chicago Tribune 31. 11.. NYT 29.11. Germany Says. Los Angeles Times (Online-Ausgabe) 30. Schläfer mitten unter uns.2. Reinhard Wagner. Pressemeldung vom 18. CIA stalked Al Qaeda in Hamburg.edu/lawweb/ avalon/sept_l 1 /doj_briefÖl 9.2002. z. Gude/J. Spiegel 43/2004. 17. 23.

Zeugenaussage Shahid Nickels (FN 34). Daniel Hopsicker (FN 39). 140. Berlin 2003. S. S.2005.2001. Focus 41/2001. madcowprod. 52 ff. The mystery of fanning island. S. Fox News. 343. 25.129. AP. Welcome to Terrorland. 135. S.2005. September.71. Oliver Schröm. Weldon: >Able Danger< ID'd 9/11 Ringleader. Pentagon Probs Able Danger Claims. National Commission on Terrorist Attacks. Outline of the 9/11 Plot (www.131.85. Daniel Hopsicker (FN 39). Oliver Schröm/Dirk Laabs. S. a. Staff Statement No.27 vgl.youtube. Heather Allen. W.2006. 73. n. Spiegel Online 15. Georg Mascolo/Holger Stark. Curtis Morgan/u.9. Oliver Schröm/Dirk Laabs (FN 9). Mohammed Atta und seine amerikanischen Helfer.2006. S. Tödliche Fehler. 6. FBI warnte vor geplanter Flugschule eines Deutschen auf Kiribati. S. Prelude to Terror. im Ermittlungsverfahren gegen Said Bahaj u. z. Al Quaida . Daniel Hopsicker. Hubert Gude (FN 29). gegenüber dem Autor am 5.16. S. Daniel Hopsicker (FN 39). http://www.8. Daniel Hopsicker (FN 39).2006. Daniel Hopsicker (FN 39).com/120112006.83. S. S. Daniel Hopsicker (FN 39). Daniel Hopsicker (FN 39). S. Fox News. November 2001. Daniel Hopsicher (FN 39). Gotteskrieger aus Hessen. Daniel Hopsicker (FN 39). Daniel Hopsicker (FN 39).73f. Berlin 2003. Unter Staatsschutz. Daniel Hopsicker (FN 39). Miami Herald 22. S. April 2004. a. Daniel Hopsicker (FN 39). dem Verteidiger von Abdelghani Mzoudi.8.. Strukturen. Attentate. Navy Captain backs Able Danger Claims. S. 139. 23.12. 32.com/watch?v=hy4u5NW_eOY&feature=related. Das Versagen von Politik und Geheimdiensten im Umfeld des 11. 107.11. S.. n.gov). >Lover<: Amanda Keller. Aussage von Rechtsanwalt Michael Rosenthal. 19. S. 11. S. 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 130 . Dietl u.html) Daniel Hopsicker (FN 58). Hubert Gude. S. Zeugenaussage Shahid Nickels. Daniel Hopsicker.2006. Daniel Hopsicker. Daniel Hopsicker (FN 39). Daniel Hopsicker (FN 39).2. phw/AP. 11.Akteure. 14. z. Focus 18/2007. 344. The mystery of fanning island.9-llcommission.9. (http://www.34. Frankfurt am Main 2004. Herald Tribune 10. a.

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einige Straßencafes stellen schon Tischchen auf die Bürgersteige. Plötzlich hielt ein roter Fiat 127 neben mir auf der Straße. die mich griffen und in den weißen Mini-Van schleuderten. vorbei an kleinen Geschäften. Kapitel Der Mann. Meine Frau und ich hatten zu der Zeit schon länger den Verdacht.»Durch die Entführung Abu Omars wurde . Aus der Po-Ebene wehen laue Winde und treiben die Kälte zurück in die Hochtäler des Ticino. Ich war gerade auf dem Weg von meiner Wohnung zu der Moschee. dass wir beobachtet würden. Keiner sagte auch nur ein 132 .. einen vierzigjährigen Ägypter. Sie waren sehr brutal. die nur knapp einen Kilometer entfernt war. »Es war ein sonniger Mittag am 17.. Es war nichts Besonderes zu sehen. Ein Mann mit einem Funkgerät wedelte mit einem Ausweis und wollte meine Papiere. sollte einer dieser Frühlingsspaziergänge zu einem Höllentrip werden. oder wir dachten das zumindest.. schlugen auf mich ein und zogen mir eine Mütze über den Kopf. ich sollte auf dem Gehweg stehen bleiben.. ein herber Schlag versetzt« (Dick Marty. Immer wieder folgten uns Autos. dem Kampf gegen den Terrorismus . wie immer lief ich durch die Via Guerzoni.. der zu viel wusste Milano: Warum die CIA einen ihrer besten Mitarbeiter kidnappte Im Februar kann es in Mailand schon warm sein.. Einzig ein weißer Lieferwagen fiel mir am Straßenrand auf. Ich gab ihm die Papiere. da ich ihn dort noch nie gesehen hatte. Doch für Abu Omar. da spürte ich von hinten zwei kräftige Männer. Die Temperaturen laden zu einem kleinen Spaziergang ein. Sonderberichterstatter des Europarates zu den CIA-Entführungen)1 7. Februar 2003.

und wir rasten los. hatte sehr starke Schmerzen. der heute zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in Alexandria lebt: »Ich bin ein gebrochener Mann. Um 17 Uhr erreichten die Kidnapper die US-Luftwaffenbasis Aviano in Venetien.«3 Haftbefehle gegen US-Agenten Bereits im April 2004 nahm die italienische Justiz Ermittlungen wegen der Entführung auf. umso mehr für mich als Islamist und CIAOpfer. Februar 2007 wurde Abu Omar völlig überraschend freigelassen. Wohin wir fuhren. dass ich kaum das Wasser halten kann. Noch am selben Abend verfrachtete man ihn in eine weitere Maschine. In den folgenden fast vier Jahren . Freiheit ist in Ägypten relativ. Ich bin 46 Jahre alt und fühle mich wie ein Rentner. Ich darf mich nicht in der Presse äußern.erlitt der Mann schreckliche Folterqualen. um seine Frau in 133 .Wort. Die Gelenke sind nach der langen Zeit in Fesseln versteift. bevor er wieder eingesperrt wurde . Abu Omar hatte die kurze Zeit genutzt. stehe unter Hausarrest. in der er von seinen ägyptischen Folterknechten auf freien Fuß gesetzt war. die am nächsten Morgen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo landete. Ich blutete aus der Nase. habe starke Rückenschmerzen. der nur noch wenige Jahre zu leben hat. von wo Omar umgehend mit einem Learjet nach Ramstein geflogen wurde.lediglich im Frühjahr 2004 war Omar für einige Wochen auf freiem Fuß. sie traten mich in die Seiten und gegen den Kopf und fesselten meine Hände mit einem Plastikband zusammen. ich blieb verängstigt liegen. konnte ich nicht sehen. »Spiegel«-Reporter Andreas Gebauer besuchte Omar. Außerdem habe ich keinen Pass. Meine Nieren sind so angeschlagen.«2 Später ließen sich die Stationen der Entführung rekonstruieren. kann mich kaum bewegen. Jeder Schritt von mir wird kontrolliert. Sie warfen mich auf den Boden des Wagens. Erst am 11.

in denen die Entführer abgestiegen waren. fasst Stephen Grey zusammen. Ihre Spur ließ sich von der Nähe des Tatorts den ganzen Weg über die Autobahn bis nach Aviano verfolgen.Mailand anzurufen und über sein Martyrium zu informieren. weil ihre Besitzer immer wieder miteinander telefoniert hatten. für seine Verschleppung verantwortlich zu sein. Er beschuldigte dabei die US-Amerikaner. Mit Hilfe einer Polizei-Sondereinheit von 30 Beamten konnte Spataro die Entführer identifizieren. Trank und Unterkunft auf satte 144984 US-Dollar. Da der Telefonanschluss der Familie unabhängig vom Verschwinden Omars seit längerem überwacht wurde. der vielleicht am intensivsten mit dem CIA-Entführungsprogramm befasste Journalist. die zum Zeitpunkt der Entführung mit der nächstliegenden Basisstation verbunden gewesen waren. Zwei mutmaßliche Tatbeteiligte logierten drei Wochen im vornehmen Mailänder Hotel Savoy 134 . Einige Nummern waren verdächtig. landete die Angelegenheit auf dem Schreibtisch von Staatsanwalt Amando Spataro. Insgesamt elf Handys aus dem Umkreis des Tatortes waren besonders auffällig. »Besonders aufschlussreich war die Entdeckung. wohin sich die fragliche Gruppe von Mobiltelefonen unmittelbar nach der Entführung bewegt hatte. die von den Telefongesellschaften in Italien vier Jahre gespeichert werden müssen. wie komfortabel die Kidnapper gelebt hatten: Insgesamt summierten sich ihre Rechnungen für Speis. Dabei stellte er fest. und wo sie mit ihren Kreditkarten bezahlt hatten. Spataro ließ sich die Nummern aller Handys geben. Entscheidend hierfür waren die Verbindungsdaten von Mobiltelefonen. Zudem hatten einige der Handys Nummern angerufen. die sich offiziellen amerikanischen Stellen auf dem Luftwaffenstützpunkt Aviano zuordnen ließen«. weil sie auf denselben Namen oder auf nichtexistente Personen zugelassen waren.4 Die Weiterverfolgung der Kommunikationsspuren führte Spataro schließlich zu Hotels.

Er sei »sanft und ruhig gewesen. Jeffrey W.so der amtliche Name Abu Omars . Castelli. vielleicht weil er nicht unter Druck von uns war«. gegen die die italienische Justiz im Jahr 2006 namentliche Haftbefehle erließ. Am 27..5 Noch wichtiger für Spataro war freilich der Umstand.6 Den gebürtigen Ägypter zog es wie viele andere Dschihadisten 1991 auf den Balkan. bereits damals unter Leitung seines US-Partnerdienstes. sich zu weigern«. verhaftet und zehn Tage festgehalten.und gaben dafür fast 18 000 US-Dollar aus.»einst die produktivste Informationsquelle der CIA in. Teilweise wird die unterstellte Freiwilligkeit Omars dann aber auch wieder dementiert: »Wir übten nicht viel physischen Druck auf ihn aus. und der CIA-Chef für Italien. sondern einen ihrer Helfer entführt. zwei Fingernägel herausziehen? Waterboarding? 135 . Insgesamt handelte es sich um 26 CIA-Agenten. den die USA dem islamischen Terrorismus erklärt haben. September 2001 auf der schwarzen Liste des Terrorsponsoring landeten.. Einem ausführlichen Porträt des Verschleppten in der »Chicago Tribune« vom 3. darunter Robert Seidon Lady. dass Osama Moustafa Hassan Nasr . Seltsam ist aber folgender Umstand: Die US-Agenten haben in der norditalienischen Metropole keinen ihrer Feinde. Juli 2005 ist zu entnehmen. gaben die Shik-Leute gegenüber der »Chicago Tribune« an. Albanien« gewesen ist. die nach dem 11. August 1995 wurde er vom albanischen Geheimdienst Shik. wo er für zwei angebliche muslimische Wohltätigkeitsorganisationen arbeitete. Nach einiger Zeit des Schweigens begann er auszupacken: Er war »weit entfernt davon.« Was soll das bedeuten? Ein paar Ohrfeigen? Ein. Spion gegen Spion Soweit liest sich die Geschichte wie viele andere Episoden aus dem schmutzigen Krieg. CIA-Stationschef in Mailand. dass die Kreditkarten schließlich zu den Klarnamen der Straftäter führten.

hebt das Blatt mit Verweis auf seine Quellen beim Shik hervor. »Die Kooperation vertiefte sich«. »Abu Omar war der erste Araber. Doch trotz eines Haftbefehls 136 . Wäre es nicht.Wie dem auch sei: Der Häftling begann schnell zu kooperieren. Ein Mitwisser wird beseitigt Schnell wurden die italienischen Strafverfolgungsbehörden auf Omar aufmerksam.« Astrit Nasufi. und der Shik war ganz überrascht von seinem Erfolg. wenn er sich wirklich dem Shik und der CIA hätte entziehen wollen. wo enge Verbindungen mit dem Institut für Islamische Studien in der Via Qaranta bestanden. über das er zuvor mit seinen albanischen Geheimdienstkontakten so intensiv geplaudert hatte. Nach ein paar Wochen tauchte Omar plötzlich unter. damaliger Vizekommandeur der Antiterroreinheit des Shik. Er redete mit dem Shik über islamistische Zentren in Großbritannien. wo er genau in jenem Islamischen Institut an der Via Quaranta auftauchte. wenn er einen anderen Zufluchtsort gesucht hätte? Spricht nicht alles eher für einen mit den Geheimdiensten abgesprochenen Umzug an die neue Stätte seines Wirkens? Jedenfalls entpuppte sich der Mann. plausibler gewesen. bestätigte gegenüber der »Chicago Tribune«: »Zum ersten Mal konnten wir den Amerikanern völlig neue Informationen liefern.einschließlich Mailand. in Mailand plötzlich als Hassprediger und stieg zum stellvertretenden Imam auf. Deutschland und Italien . der in albanischer Haft nur ganz selten gebetet hatte. September wurden seine Tiraden gegen die USA sogar noch feindseliger. dem Shik Informationen zu geben.« Auch nach seiner Freilassung blieb Omar zunächst in Tirana und arbeitete weiter mit seinen neuen Bekannten zusammen. setzte sich zuerst nach München und dann nach Mailand ab. der bereit war. Nach dem 11. Zum ersten Mal wurden wir ein echter Partner.

schreibt die »Chicago Tribüne«. die als Streitmacht 9 bekannt werden wird. zehn von uns sind schon dort. ermöglichten die CIA-Leute das Weitertreiben des Terrorplans für den 7. das in Kapitel 2 beschrieben wurde? Dazu passt der Hinweis. »Besucher: Wir brauchen Geld.9 Indem er der Befragung durch die italienischen Fahnder entzogen und nach Ägypten gebracht wurde. Sonderermittler des Europarates. Dieses Kalkül wurde durch das CIA-Kidnapping zerstört. Abu Omar: Wie laufen die Dinge in Deutschland? Besucher: Wir können nicht klagen.vermieden sie den Zugriff. Aber der Kern der Organisation bleibt in London. Unser Ziel ist.«7 Um welches Netzwerk es bei dieser Überwachung ging. »Statt gegen Terroristen ermitteln wir 137 . weil der Ägypter für sie als freier Mann nützlicher war: Er stand unter Totalüberwachung. Spanien. urteilt vernichtend: »Durch die Entführung Abu Omars wurde. hätten sie ein ganzes Netzwerk auffliegen lassen können. wie die Mailänder Justizbehörden ausdrücklich hervorheben. warum die CIA Abu Omar aus dem Verkehr ziehen wollte . da sie mit der CIA die Früchte ihrer elektronischen Überwachung Abu Omars teilten«. und wir konzentrieren unsere Bemühungen auf Belgien.besonders.«8 Welcher Kern. eine islamische Armee aufzubauen.seinen Spuren folgend. macht der Mitschnitt eines Gespräches deutlich. seine Wohnung war verwanzt . dass Abu Omar »offenkundig Kenntnis von den Anschlagsvorbereitungen in London« hatte. das Omar mit einem nicht näher bekannten Besucher in einer Mailänder Moschee führte. die Niederlande und die Türkei. welche Organisation? Das Londoner Netzwerk um die Finsbury Moschee. »Für die italienischen Behörden war es ein Rätsel. Juli 2005. Dick Marty. die italienische Überwachungsoperation gefährdet und dem Kampf gegen den Terrorismus somit ein herber Schlag versetzt.

zuständiger Staatssekretär im Kabinett von Romani Prodi. dass sie sich durch italienische Stellen protegiert fühlten. Michael Scheurer.nun gegen die CIA-Kidnapper«. klagte ein hochgestellter Strafverfolger in Mailand. Enrico Micheli. Der ehemalige CIAVerantwortliche für das Verschleppungsprogramm.12 Glücklicherweise ist die Justiz aber in Italien wesentlich freier von politischen Pressionen als etwa in Deutschland. Staatsanwalt Spataro blieb hart. Marco Mancini. ließ von Anfang an den Verdacht aufkommen. Die nachfolgende MitteLinks-Regierung übte sich im Mauern. bestätigte diese Vermutung in mehreren Zeitungsinterviews. Scheurer hatte von 1996 bis 1999 die Bin Laden-Einheit der CIA geleitet und erst im November 2004 Abschied von der Behörde genommen. wurde im Geheimdienstausschuss des Parlaments mit der Frage konfrontiert. Deswegen finden sich unter den 39 Namen. neben den 26 CIA-Leuten immerhin 13 Italiener. Am 25. Spektakulär waren insbesondere die Verhaftungen vom Chef der Antiterror-Abteilung des SISMI. darunter sieben Mitglieder des Militärgeheimdienstes SISMI (Servizio per le Informazioni e la Sicurezza Militare). und 138 . während oder nach der vermuteten Entführung von Abu Omar informiert hätten«. mit der sich die CIA-Kidnapper in Vorbereitung und Durchführung ihres Verbrechens bewegten und eine Elefantenspur quer durch Italien legten. »ob die amerikanischen Autoritäten die italienische Regierung vor.10 Die fünfte Kolonne Die Ungeniertheit.11 Die Regierung von Silvio Berlusconi stritt eine Beteiligung staatlicher Institutionen strikt ab. egal ob in Rom Berlusconi oder Prodi regierte. die von der Mailänder Staatsanwaltschaft wegen der Entführung schließlich angeklagt wurden. Oktober 2006 antwortete er: »Diese Frage ist ein Staatsgeheimnis«.

weil er ein Risiko für die Aktion geworden sei.6. Stephen Grey.3. S. Kurz vor der Entführung hatten Pignero und Mancini sogar die lokalen SISMI-Chefs von Mailand. John Crewdson/Tom Hundley.2006. das ihre Beteiligung an dem Kidnapping beweist. weil diese sich nicht an dem Verbrechen beteiligen wollten. Das Schattenreich der CIA. ein Vertrauter des damaligen Premiers Berlusconi.2007.2005.von dessen Vorgänger Gustavo Pignero. Einer der Abgesetzten gab an. Stephen Grey (FN4J. Strasbourg/ Brüssel 7. Protokoll eines Martyriums. Spiegel Online 19. Dick Marty (FN 1). 277. die an den italienischen Institutionen vorbei und unter Missachtung der Gesetze gebildet worden war. Padua und Triest abgesetzt.14 Im Gefängnis begann Mancini auszupacken. Er berichtete über die Existenz einer geheimen Sondereinheit aus CIA-Leuten und handverlesenen SISMI-Agenten. Amerikas schmutziger Krieg gegen den Terror. Matthias Gebauer (FN 2). Mutmaßliche geheime Haft und unrechtmäßige Verbringung von Häftlingen zwischen Staaten unter Beteiligung von Mitgliedsstaaten des Europarates. wie wir in Kapitel 16 sehen werden. Anmerkungen 1 2 3 4 5 6 7 Dick Marty. München 2008. Später veröffentlichte der »Corriere della Sera« ein Telefonprotokoll der beiden. Diese dramatische Entwicklung gibt es freilich nicht nur in Italien.S.13 Auch SISMI-Chef Nicolo Pollari. entging der Anklage nicht.7. 270f. Abducted imam aided CIA ally. Ausschuss für Recht und Menschenrechte. Mancinis Name war explizit schon von Scheurer genannt worden. Matthias Gebauer. Danach habe er seinen Posten verloren. Chicago Tribüne 3. 139 . für ihn sei die geplante Operation »illegal« und »gegen die Prinzipien unserer Demokratie« gewesen. Parlamentarische Versammlung des Europarates.

vgl. Corriere della Sera 7. wsws.11. Stephen Grey (FN 4). S. S. Der Krieg im Dunkeln. 10 11 12 13 14 140 . Udo Ulfkotte. Marianne Arens/Peter Schwarz (FN 11). z. so der Vorsitzende des Parlamentsausschusses. Frankfun am Main 2006.org 8. Claudio Scajola.2006. Regierung Prodi deckt Verschwörung der Geheimdienste.2006. 275. John Crewdson/Tom Hundley (FN 6). Marianne Arens/Peter Schwarz (FN 11).11. Marianne Arens/Peter Schwarz. Die wahre Macht der Geheimdienste. Marianne Arens/Peter Schwarz (FN 11). 213. n.8 9 z. n.

Das massive Gebäude lag teilweise in Trümmern. der Galata-Turm mit seiner atemberaubenden Aussicht und der Dolmabahce-Palast aus der Zeit der Sultane. in Washington. Zu den touristischen Attraktionen gehören der Taksimplatz mit dem Opernhaus. Büros von Fluggesellschaften und modernistische Galerien. feine Hotels. Kosmopolitisches Flair vermitteln internationale Bankhäuser. den die amerikanischen Strategen des Kalten Krieges geschaffen haben. muss die US-Regierung erst noch die Verantwortung für den türkischen >Frankenstein< übernehmen.»Auf der anderen Seite des Atlantiks. Selbst die ton- 141 . September trainiert haben Im Stadtteil Beyoglu ist Istanbul vielleicht am europäischsten: In der Flaniermeile Istiklal Caddesi (»Straße der Unabhängigkeit«) stöckeln Frauen auf hohen Absätzen und mit kurzen Röcken durch teure Läden und Passagen.« (US-Faschismusforscher Martin Lee über die US-Untergrundstrukturen in der Türkei)1 8. Kopftuch oder gar Schleier sieht man nirgendwo. Nicht weit von dort schlugen die Attentäter am 20. danach kam es zu einer gewaltigen Detonation. Kapitel Aladin und die Wunderbomber Istanbul: Ein Dreifach-Agent soll die Anschläge in der Bosporus-Metropole finanziert . In diesem Viertel wohnten schon in den Zeiten des Osmanischen Reiches die nicht-moslemischen Minderheiten und die Residenten aus dem Ausland. Außenmauern kippten auf die Fahrbahn und beschädigten Autos. und es ist wenig verwunderlich.und die Attentäter des 11. November 2003 zu: Ein Kleintransporter fuhr um elf Uhr Ortszeit in das britische Konsulat hinein. dass hier auch heute noch beinahe alle Vertretungen der westlichen Staaten konzentriert sind.

der ganze Bau wankte«. war zeitgleich der zweite Tatort. November war Schabbat gewesen. ein 20-stöckiges Gebäude an einer mehrspurigen Hauptverkehrsader. Der bekannteste Verurteilte war ein gewisser Louai Sakra. an der Planung der Anschläge im Jahr 2003 beteiligt gewesen zu sein. Der Weg eines Moslembruders Sakra wurde Ende Juli 2005 im osttürkischen Dyarbakir festgenommen.2 Unter den mindestens 27 Todesopfern dieses Tages war auch der britische Generalkonsul Roger Short. 24 Menschen wurden zerfetzt. Als Täter klagte die Justiz in der Folge 73 Islamisten an. die Gotteshäuser waren mit Betenden gefüllt. Ihm legten die Ermittlungsbehörden später zur Last. sowie vor der fünf Kilometer entfernten Beth-Israel-Synagoge im Stadtteil Besiktas explodiert. Ein Anblick des Schreckens: »Vor dem Gebäude liegen drei. der sich im Vorratsraum der Küche aufhielt. Der erste Prozess ging am 16. »Ich glaubte an ein Erdbeben.nenschwere Eingangstür hielt der Explosion nicht stand. ein Syrer namens »Aladin« habe die Terror- 142 . alle unkenntlich. ein weiterer auf dem Fußsteig. Der 15. die in den umliegenden Moscheen oder in nahegelegenen Geschäften arbeiteten. in den Seitenstraßen der Umgebung splitterten die Fensterscheiben.«3 Fünf Tage zuvor war bereits eine Autobombe vor Istanbuls größter Synagoge Neve Shalom. berichtet ein Passant im »Stern«. »Auf dem Boden lagen verstreut abgerissene Hände und Arme. mehrheitlich Muslime. berichtete ein Mitarbeiter des türkischen Personals. Es waren die ersten Al Qaida zugeschriebene Anschläge in der Türkei. Bombenleger hatten bei Verhören ausgesagt. am Seiteneingang ein Mensch. Februar 2007 mit sieben Urteilen zu lebenslanger Haft zu Ende. Die Zentrale der britischen HSBC-Bank in der Türkei. schwarz«.

so die Redaktion. als er angeblich mit Sprengstoff werkelte. Zunächst eröffnete er in der Türkei ein Rekrutierungsbüro für Mudschahedin. Die Identifizierung dieses Aladin soll nicht allzu schwer gewesen sein: Sakra ist Syrer. Dabei hat er. israelische Schiffe hätte ich angegriffen«. und er gab auch möglichen Aufschluss über einige der ungelösten Fragen. über das auch medizinische Hilfe organisiert wurde. als ihn die Beamten abführten.6 Im Herbst 2007 gab er der Londoner »Times« im Hochsicherheitstrakt von Kandira. 100 Kilometer östlich von Istanbul. erinnert sich Sakra. zerschlug Staatschef Hafez al Assad einen Aufstand der fundamentalistischen Moslembruderschaft. Seine Politisierung begann schon in jungen Jahren: 1982.8 Der Ausbruch des bosnischen Bürgerkrieges 1992 elektrisierte Sakra . die dabei im Räume stehen«. Von dort aus wurden 143 . Dann führte er mit Freiwilligen Kampfübungen in den Yalova-Bergen in der Nähe von Istanbul durch. als er neun Jahre alt war.7 Sakra wuchs demnach in Syrien auf.attacken finanziert.4 Angeblich soll er die Anschläge »vorgeschlagen« und mit »160 000 Dollar aus Al Qaida-Depots« finanziert haben. »Wie jeder andere muslimische Junge wurde ich von diesem Ereignis zutiefst geprägt«.er wollte unbedingt seinen Glaubensbrüdern auf dem Balkan helfen. nachdem es in seinem Ferienappartement in Antalya einen Brand gegeben hatte. Alaa« oder auch »Ala al Din«. »seine angebliche Rolle in einigen der wichtigsten Verschwörungen der letzten Jahre enthüllt. mehrere Interviews und skizzierte dabei seinen Lebensweg.5 Zu Sakras Festnahme war es gekommen. soll Sakra laut türkischen Zeitungsberichten geschrieen haben. und als Tarnnamen benutzte er unter anderem »Dr. Bei der blutigen Säuberung der Stadt Hama metzelten Sicherheitskräfte 10000 Gläubige nieder. »Ich hatte eine Bombe von einer Tonne vorbereitet.

Ich besorgte Geld und Pässe. Mit ihm soll er einen Anschlag zum Millenniumswechsel in Jordanien geplant haben.Kämpfer auf den Balkan. Sakra könnte ein Fall für die psychiatrische Klinik oder vielleicht ein Egomane sein. Ich nahm auch an den Vorbereitungen der Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon teil. Dabei kam er in Kontakt mit Abu Zubaydah. Iran und Syrien. September 2001. jedenfalls bezogen auf Europa. der seine Rolle überschätzt. von denen vier eigentlich zum Kämpfen weiter nach Tschetschenien wollten.«10 Sakra und 9/11 Doch man sollte den Syrer nicht allzu schnell als Großsprecher abtun. Sein Anwalt Osman Karahan schlägt ein noch höheres Ranking vor: Sakra sei die »Nummer 1« im Al Qaida-Netzwerk. flogen alle sechs mit Sakras Hilfe . dass der Syrer in den Veröffentlichungen der US-Regierung als »Nummer 5« in der Hierarchie von Al Qaida bezeichnet wird. einem Gefährten bin Ladens. Da aber der Grenzübergang via Georgien blockiert war. und zwar an der Seite des Top-Terroristen Abu Musab Zarqawi. fälschte auch die Visa12 .er besorgte Geld und Pässe. Nach der US-Invasion im Irak im März 2003 will Sakra gegen die Besatzungstruppen gekämpft haben. Denn ausgerechnet ein zentraler Punkt seiner Vita wird von der Gegenseite bestätigt: seine Rolle in der Vorbereitung des 11. Angesichts dieses Sündenregisters ist es kein Wunder.«11 Nach Sakras Angaben sind im Jahre 1999 sechs Leute in sein Trainingslager in den Yalova-Bergen gekommen.9 Das hört sich etwas aufschneiderisch an.nach 144 . die die Täter des 11. September kannten. der rechtzeitig verhindert wurde. aber auch nach Tschetschenien geschickt. »In der Türkei sagen Quellen im Polizeiapparat. »Ich war einer der Leute. und ich kannte die Zeit und den Plan der Angriffe im voraus.

Afghanistan. offenkundig Insiderwissen besessen haben. aber Sakra nannte schon am Tag vor den Anschlägen Details der >Operation Heiliger Dienstags unter anderem Flugzeuge als Tatwaffen und Türme als Ziele.13 Die Aussage Sakras gegenüber der »Times« wird teilweise von der 9/11-Kommision des US-Kongresses bestätigt. auf die sich der »Spiegel« berufen konnte. das ins Pentagon crashte). Satam al Sugami (starb im Nordtower).und letzte . September. gehörte auch der damalige CIA-Chef George Tenet. Dort wurden sie von Sakras Freund Abu Zubaydah in Empfang genommen und auf die angeblich wichtigste . davon gehen westliche Geheimdienste aus. einen Tag vor den Anschlägen in den USA. berichtete Sakra angeblich dem syrischen Geheimdienst. wonach neun der 19 angeblichen Hijacker.«15 Zu den Quellen in westlichen Geheimdiensten.Aufgabe ihres Lebens eingeschworen: die Beteiligung am 11. darunter die vier von Sakra genannten. Es fielen keine Städtenamen und keine Gebäudebezeichnungen. September 2001. in naher Zukunft seien Anschläge von Al Qaida in Amerika geplant. Im »Spiegel« heißt es: »Am 10. Er muss. ursprünglich über die Türkei und Georgien nach Tschetschenien reisen wollten. Tatsächlich finden sich die Namen aller sechs in der Todesliste der Hijacker. die die US-Regierung nach den Anschlägen veröffentlicht hat: Ahmed und Hamza al Ghamdi (ihre Körper verbrannten angeblich im Südtower des World Trade Center). Saeed al Ghamdi (stürzte mit der Maschine in Pennsylvania ab) sowie Majed Moqued und Nawaf al Hazmi (sollen in jenem Flugzeug gewesen sein. 145 .14 Wie wohlvertraut mit den 9/11-Anschlagsvorbereitungen Sakra war. Sie hat auch Erkenntnisse zusammengetragen. beweist auch seine Warnmeldung im Vorfeld.

dass die türkische Tageszeitung »Zaman« einem ihrer ersten Artikel nach Festnahme Sakras die Überschrift »Al Qaida . »Sakra wurde zu einem Triple Agent für die Geheimdienste«. wie bereits angedeutet.eine Geheimdienstoperation?« gab.17 »Die Polizei sagte.« 16 In Antalya. In seinem 2007 veröffentlichten Buch At the Center of the Storm geht er auf die oben erwähnte 9/11-Warnung am 10. der an so vielen Schreckenstaten des vermeintlichen Heiligen Krieges beteiligt war. Ich trinke stattdessen Alkohol und ich bevorzuge Whiskey und Wein. einen Job und eine grosse Summe Geldes offeriert. damit er beten konnte. verhört und offenbar angeworben. »In Folge der Befragung bot ihm die CIA eine Beschäftigung an. die CIA habe Sakra bereits vor 9/11. antwortete er: »Ich bete nicht. war selbst alles andere als religiös. Ich mag nicht beten. Auch der türkische Geheimdienst soll bereits seit dem Jahr 2000 auf Bitten der US-Amerikaner hinter dem Syrer her gewesen sein. in der Zeit vor dem angeblich von ihm geplanten Anschlag auf das israelische Kreuzfahrtschiff.« Im späteren Verlauf habe ihn die syrische Staatssicherheit verhaftet. Die US-Amerikaner hätten ihn in diesem Jahr zwei Mal einer Befragung unterzogen.Lieber Whiskey als Allah Das Verblüffende: Der Mann. auch vom damaligen CIA-Chef Tenet bestätigt. wird indirekt. Er bekam auch eine große Summe Geldes von der CIA. September 2001 ein 146 .18 Mit Bezug auf die Verhörunterlagen der türkischen Polizei schrieb das Blatt. sah man ihn am Swimmingpool der Ferienanlage herumlümmeln. eine Pause zu machen. nämlich im Jahr 2000. Bier trinken und die Reize einer langhaarigen Schönen genießen.« Bei diesen Widersprüchen verwundert es nicht. resümierte »Zaman«.19 Dass Sakra zumindest zeitweise ein Mann Washingtons war. Als er im Gefängnis verhört wurde und man ihm anbot. ein solches Verhalten auf der obersten Ebene von Al Qaida sei >verwirrend<.

allerdings ohne Details zu nennen. 78). Es gibt keinen anderen Agenten. weil er 1997 bei einer seiner Reisen zwei Konvertiten aus Deutschland kennen gelernt hatte: die Brüder Christian und Matthias K.20 Der Name des Informanten fällt hier zwar nicht explizit.für die CIA arbeitete und vor 9/11 eine Regierung im Mittleren Osten über die bevorstehende Katastrophe informiert haben will. »dass ein Informant. zwei junge Deutsche. Mit ihm in der Sammelunterkunft Majolika wohnten seine 18-jährige Frau und ihre zwei Kinder. aber die Details der Angaben Tenets passen zu Sakras vom »Spiegel« erwähnter Warnung am Vorabend des Massenmords. Yousif kannte die beiden Brüder aus dessen Freiburger Zeit (vgl.21 Immerhin war er zwei Mal längere Zeit in Deutschland.und schreibt. der . war Yousif bereits V-Mann des Verfassungsschutzes von Baden-Württemberg geworden und siedelte gerade nach Ulm über. Bald heirateten die Deutschen zwei Schwestern von Sakra und zogen in die Nähe von Schramberg. »Auf Süddeutschland kam der umtriebige Syrer wohl. seinen ausländischen Führer traf und ihm im Grunde sagte. dass eine große Sache passieren würde«..auch .«22 Über die deutschen Konvertiten mag Sakra auch Kontakte zum Hetzprediger Yehia Yousif gehabt haben. S. BND im Zwielicht Sakra behauptet. Juli 2001 war er unter dem Namen »Louai Sakka« als Asylbewerber im beschaulichen Schwarzwaldstädtchen Schramberg gemeldet. auch mit dem Hamburger 9/11-Verdächtigen Mohammed Atta Kontakt gehabt zu haben . Als Sakra in Schramberg ankam. wo 147 . Vom September 2000 bis zum 24. den wir gemeinsam mit einem mittelöstlichen Land nutzten. die zum Islam übergetreten waren und von Tschetschenien und den Mudschahedin schwärmten. Die Familien verstanden sich blendend.

gerade im Zusammenhang der deutschamerikanischen Zusammenarbeit beim Antiterrorkampf. Er hätte dazu beitragen können.«25 Trotzdem bleiben Zweifel. dass weitere Anschläge verhindert werden können«. Im Ergebnis soll der Geheimdienst dann polizeiliche Massnahmen gegen den Terroristen verhindert haben. das ist Ende 2001 ein ganz dicker Fisch für die deutschen Fahnder«. Kapitel 9). Dort nimmt ihn das Bundeskriminalamt (BKA) ins Visier. sagte ein Kriminalbeamter gegenüber »Panorama«. die hier noch vorhanden sind. Dann reist er erneut ein. weil er rechtzeitig flieht. Diesmal landet er in Holzgerlingen. offenbar mit Hilfe des deutschen Geheimdienstes BND. aufzuhellen oder sogar zu zerschlagen.also in der Zeit unmittelbar vor und unmittelbar nach 9/11 .«24 Der BND dementierte heftig. Doch das BKA kann Sakra nicht fassen.eines der Zentren des gewaltbereiten Fundamentalismus entstand (vgl. Einstimmig kam die von allen Parteien beschickte Kommission am Ende zu der Erkenntnis: »Die gegen den BND erhobenen Vorwürfe entbehren nach den Feststellungen des Kontrollgremiums jeglicher Grundlage.23 »Er hätte dazu beitragen können. einer Kleinstadt in der Nähe von Stuttgart. Sakra sei nach Syrien gebracht worden. fasst das ARD-Magazin »Panorama« zusammen. so ein internes Dossier: Auch der Bundesnachrichtendienst BND sei auf Sakra aufmerksam geworden. Von Ende Juli 2001 bis Anfang Oktober 2001 . die Al Qaida-Zellen. weil das PKG in den letzten Jahren immer wieder von der Bundesregierung getäuscht wurde. Außerdem gehörten bei besagter Sitzung die investiga- 148 . Nach Sakras Verhaftung im August 2005 beschäftigte sich das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) des Deutschen Bundestags mit dem Vorgang. befragte Beauftragte der Bundesregierung sowie Mitarbeiter der Geheimdienste und studierte die internen Akten. »Sakra. »Der schwerwiegende Verdacht der BKA-Beamten.war Sakra nicht in Deutschland gemeldet.

Sakra zu erkennen. Schon bei seiner Festnahme in Antalya sah er anders aus als auf den Steckbriefen wegen des IstanbulAnschlages .er hatte sich einer Gesichtsoperation unterzogen. Demnach erschienen bei ihm im türkischen Gefängnis zwei Englisch sprechende Männer und boten ihm zehn Millionen Dollar an. überhaupt der Richtige ist. In diesem Fall würde ihn der deutsche Staatsanwalt Detlev Mehlis. wird sich wohl nie genau herausfinden lassen. der im UN-Auftrag den Hariri-Mord untersuchte. zu Beginn des Prozesses im März 2006 hatte er sich wieder verändert. falls er den syrischen Geheimdienstchef Asif Schaukat als Drahtzieher des Mordes am libanesischen Premier Rafik Hariri im Jahre 2005 bezichtige. als er das Gebäude betrat. der dritte unbequeme Abgeordnete im PKG.«28 149 . ob der Mann. kann sich heute nicht mehr an die Sitzung des Gremiums zum Fall Sakra erinnern.27 Dann. Nicht vom PKG geklärt ist außerdem ein weiterer schwerer Vorwurf Sakras. sogar sein eigener Anwalt bezweifelt die angebliche Identität seines Mandanten. Hans-Christian Ströbele. die in der folgenden Legislaturperiode manche Vertuschungsaktion aufdecken sollten.26 Mann mit vielen Gesichtern Ob die Aussagen Sakras gegenüber »Zaman« und »Times« stimmen. Kein Mensch weiß nämlich. er war schwerer und trug einen Vollbart. Die »Washington Post« berichtet: »Mehr als 20 Journalisten gelang es nicht. noch nicht dem Gremium an. im Gefängnis besuchen »und sein Leben würde gerettet«. der vor Gericht stand und heute im Gefängnis sitzt.tiven Abgeordneten Max Stadler (FDP) und Wolfgang Neskovic (Linke).

engl. Karl Vick (FN 4). Sunday Times 25. Ercan Gun (FN 10). z. >Out of the Shadows<.2005. Daniele Ganser. On the Trail of Turkey's Grey Wolves. (FN 3). Thomas Berndt.8. Ercan Gun. Chris Gourlay/Jonathan Calvert (FN 6). 233. Sakra . Ercan Gun (FN 11). Ahmet Senyurt. junge Welt 15. Chris Gourlay/Jonathan Calvert (FN 6).Fluchthilfe fur einen Terroristen?. Domnik Cziesche/u.. Chris Gourlay/Jonathan Calvert.2005. a Secret Service Operation?.2005. WP 21. Thomas Berndt. n. My Years at the CIA. A Bomb Builder. a. NATO-Geheimarmeen in Europa. 5 Karl Vick. Chris Gourlay/Jonathan Calvert (FN 6). 9/11 Commission. Washington Post 20.2006.2. Dominik Cziesche/u. 6 dpa. Chris Gourlay/Jonathan Calvert (FN 6). New York 2007.11. (FN 3). Vorwürfe von »Panorama« gegenüber BND nicht bestätigt.8. Berliner Morgenpost 12. Komplott aufgeflogen.2003. a.2005.2005. Al-Qaeda. Karl Vick. Zaman 14. 30. Ahmet Senyurt (FN 23). Spiegel 2 3 4 15. Ercan Gun (FN 10).2005. Al Qaida kingpin: I trained 9/11 hijckers. 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 150 .2007. Ercan Gun (FN 11).3.a. Blankes Entsetzen nach dem Blutbad.11. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsfuhrung. Aladin aus dem Schwarzwald. ARD-Panorama 27. vgl. Ausgabe.11. Zürich 2008. Nick Brauns. George Tenet. SternOnline 20. 160. Dominik Cziesche/u. Pressemeldung des Deutschen Bundestages. S. At the Center of the Storm. S.2005. Türkei erlässt Haftbefehl gegen Syrer.Anmerkungen 1 Lee Martin. Sakra hatte den Vorgang in einem Brief an die arabische Tageszeitung Al Hayat beschrieben. Interesting Confessions: I Provided 9/11 Attackers with Passports. Ingo Bierschwale (FN 1). 376 Ingo Bierschwale. Ercan Gun. Karl Vick (FN 4). Suspect in Al-Qaeda Bombings Disrupts Trial in Turkey.11.8.2006.8. S. Zaman 14.10.

Der Name des Mannes ist mittlerweile Hunderte Male über die Fernsehkanäle gegangen: Khalid al Masri. Mit der Flexibilisierung der Arbeitszeiten und den immer billigeren Flugangeboten wächst der Trend. Doch ein solcher Ausflug kann in der Hölle enden. Sonderberichterstatter des Europarates zu den CIA-Entführungen)1 9. Nicht aufgeklärt ist das Mysterium. sich spontan in den Süden abzusetzen. Weil die Türscheibe nicht sofort zu Bruch ging. Mit einem deutschen Pass und einem Bündel EuroNoten steht einem die Welt offen.ein Familienvater mit fünf Kindern. Kein anderes Völkchen reist so gerne.« (Dick Marty. 151 . Das Ende der Geschichte Am 17. Sein Martyrium ist erwiesen. das ihn umgibt.. Mai 2007 lief ein Mann in Neu-Ulm Amok . An den Folgen leidet er bis heute. Das bordeauxrote Personaldokument schützte ihn nicht vor dem Zugriff der US-Geheimdienste. Sie warfen ihn über vier Monate in ein afghanisches Dreckloch. Kapitel Verraten und verkauft Ulm: Martyrium und Mysterium des Khalid alMasri lassen viele Fragen offen Die Deutschen sind Holiday-Weltmeister. denken sich viele und fahren einfach drauflos. Er rammte nach Ladenschluss mit seinem Auto einen Nebeneingang des MetroMarktes. wie das Beispiel eines Kurzurlaubers aus Ulm zeigt. der im Spinnennetz der CIA einen Albtraum durchleben musste. Sein Schicksal ist Gegenstand eines Bundestags-Untersuchungsausschusses. .»Die Geschichte Al Masris ist die dramatische Geschichte eines offenbar unschuldigen Mannes..

dass al Masris Anwalt Manfred Gnjidic fünf Monate lang vom Verfassungsschutz illegal überwacht worden war. Er hat nicht. wäre es zu einer Explosion gekommen. Doch die Meldung ging in den Medien unter.holte er ein Beil aus seinem Wagen und hackte das Glas in Splitter. Anschließend legte er mit Hilfe von vier Benzinkanistern an mehreren Stellen Feuer. Im Untersuchungsausschuss des Bundestages war sein Fall im Sommer 2006 als erster behandelt worden. Er wollte keinen ernsthaften Schaden anrichten. für Gnjidic und al Masri. 152 . dass also die Jagd auf den Unschuldigen offenbar auch nach dessen Freilassung noch weiterging. »Warum hat al Masri das gemacht? Warum schlägt er sich. Hätte er Propangasflaschen an die Kanister gebunden. (Lediglich über die Frage. so war die Ansicht aller Parteien. dem man Mitleid entgegenbrachte. hätte das Mitgefühl eigentlich ein neues Hoch erreichen müssen. als unberechenbar. Bis zu diesem 17. Mai 2007 wurde der Klage des Anwalts wegen des monatelangen Lauschangriffs stattgegeben. Bei dem Brand entstand vor allem durch Ruß. Diesem Mann war schweres Unrecht geschehen. als Gewalttäter. Am 16. ob die Bundesregierung an diesem Unrecht Mitschuld trug. in der Stunde unseres großen juristischen Erfolges. die ganze Anlage wäre in die Luft geflogen und ein flammendes Inferno die Folge gewesen. Nun präsentierte er sich als Täter.und Löschwasserschäden ein Sachschaden von über 300 000 Euro. gingen die Meinungen auseinander. Den schlimmsten Schaden trägt er nämlich selbst davon: Der Mann stürzte von einem Tag auf den anderen in der Gunst der Öffentlichkeit jäh ab. Der Amokläufer war kein anderer als al Masri. Eigentlich ein Triumph für den Rechtsstaat. wie sein Anwalt später sagte. Mai 2007 hatte er als Opfer gegolten.) Als dann noch aufflog. denn alle berichteten nur noch über den Amoklauf in der folgenden Nacht.

Die Haft wurde zur Bewährung ausgesetzt. kann den Fall al Masri ganz aufklären. dass al Masri psychisch nie mehr ganz gesund wird. Von den mazedonischen Zöllnern wurde al Masri aus dem Fahrzeug geholt. 120 Euro kostete das Ticket. und für welche Gegenleistung? Nur wer die Antwort auf diese Fragen findet. Es besteht die Gefahr. als ihm die Beamten vor dem brennenden Metromarkt die Handschellen anlegten: »Wäre ich damals nur auf das Angebot der Amerikaner eingegangen. über Österreich hinein in das ehemalige Jugoslawien. weil sich der Verurteilte mit psychiatrischer Behandlung einverstanden erklärte.selbst die Beine weg?«.« Und darüber fett gedruckt die Überschrift: »Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?«3 Am 11. Dezember 2007 sprach das Landgericht Memmingen das Urteil: Wegen gefährlicher Körperverletzung. Hausfriedensbruch und Brandstiftung muss al Masri für zwei Jahre hinter Gitter. 153 . Querulant und Brandstifter. angeblich. Am Silvestertag 2003 ging es los. um weiter auf den Ulmer einzutreten: »Al Masri ist ein durchgeknallter Schläger. hätte ich jetzt nicht die Schwierigkeiten!4 Welches Angebot meinte al Masri? Was hatten ihm die US-Amerikaner offeriert. Urlaub mit CIA-Airlines Alles hatte anscheinend ganz harmlos begonnen: al Masri hatte zu Jahresende 2003 Streit mit seiner Frau Aischa und wollte etwas Abstand gewinnen. den er in jener Mainacht in seinem levantinisch gefärbten Schwäbisch gesagt hat. Von seiner Wahlheimat in Ulm fuhren dorthin für wenig Geld Busse. durch Serbien hindurch bis zum Grenzübergang Tabanovce. Beleidigung. Spontan entschied er sich für einen Kurztrip in die mazedonische Hauptstadt Skopje. wundert sich Gnjidic bis heute.2 »Bild« nutzte den Vorfall. Dann wird man von ihm keine Aufklärung über den seltsamen Satz bekommen.

«5 Dann brachten sie ihn mit verbundenen 154 . ins Hotel Skopski Merak und dort in einem Zimmer in der obersten Etage eingeschlossen .zusammen mit mehreren einheimischen Bewachern. Noch am selben Abend wurde al Masri vom mazedonischen Geheimdienst UBK in die Hauptstadt Skopje gebracht. es gab Satelliten-TV. schlugen sie. ohne einen Ton von sich zu geben. aber nicht genutzten Luxus: Es wurden für al Masris Aufenthalt mindestens 2500 Euro in bar bezahlt. habe ich versucht. Internetanschluss und eine Badewanne . Sie trugen schwarze Handschuhe. mich zu wehren. Nach dreiwöchigem Arrest wurde al Masri am 23. Die meiste Zeit verbrachte er auf dem Bett. sie steckten mir. Aus diesen vier Wänden sollte al Masri in den nächsten drei Wochen nicht mehr hinauskommen. Das Hotel war übrigens über einen Hinterhof von der USBotschaft aus bequem und ohne Aufsehen zu erreichen. Ich kann nicht drüber reden. Dennoch endete hier die Busfahrt für al Masri. Doch das erwies sich als falsch. Sie zogen mir eine Windel an.. Meine Augenbinde verrutschte etwas. mit Messern eingestochen. Sie demütigten mich. wortlos. sie waren vermummt.aber nichts davon konnte der Gefangene nutzen. und dann von hinten. sonst muss ich mich übergeben . Als sie meine Unterwäsche runterziehen wollten... wie sie mich fotografierten. Januar zum Flughafen gebracht. Chancenlos. Sie schnitten mir die Kleider auf. Sie warfen mich auf den Boden. Die Unterkunft war komfortabel. eine Interpol-Anfrage war negativ. Sechs Männer schlugen auf mich ein. Plötzlich wurde von allen Seiten auf mich eingeschlagen.weil sein Pass nicht in Ordnung war. schwarze Masken. Die Hotelrechnung entsprach dem gebotenen. Al Masri berichtet: »Dort verbanden sie mir die Augen. allerdings nicht von dem unfreiwilligen Gast. an den sich der Hotelbesitzer später lieber nicht erinnern wollte. zehn Minuten lang. sondern von einem Unbekannten.. selbst auf der Toilette stand einer der Gorillas hinter ihm. ich hörte.

verständlich. die neben al Masri unter anderem ein Pakistaner. Immerhin 37 Tage hielt er durch.wir werden auf ihn zurückkommen (vgl. befanden sich 13 US-Amerikaner mit Diplomatenpässen. 171) hielt Wort. S. Mai 2004 kehrte al Masri mit CIAAirlines zuerst nach Tirana und von dort tags darauf mit einer Linienmaschine nach Frankfurt am Main zurück.in der berüchtigten »Salzgrube« der CIA. Dazu gab es vermoderten Salat. deren Betonwände von früheren Unglückseligen in Arabisch. saß er in einer Zelle in einer schmutzig-kalten Ziegelfabrik im Norden Kabuls. der bereits gelb war. und begann einen Hungerstreik. Als al Masri aus der Narkose erwachte. Am 28.Augen und zugestöpselten Ohren zu einem Jet. Der Grund ist sehr simpel: 155 . Durchfall war die zwangsläufige Folge. Mitte Mai 2004 versprach ihm ein deutscher Verhörer. Man wollte nichts mehr von ihm wissen. dann war Schluss.6 Die Rätsel al Masris Verschiedene Aspekte der Geschichte sind rätselhaft und konnten auch im Untersuchungsausschuss des Bundestages nicht aufgeklärt werden. mit der man ihn während des Fluges betäubt hatte. drei Saudis und zwei Tansanier belegten. Der Deutsch-Libanese wollte trotzdem raus. dass er bald freikommen werde. An Bord der Maschine mit der Kennung N313P. In den ersten vier Tagen wurde al Masri vier Mal verhört. Dieser »Sam« . Das einzige Wasser in der Zelle war eine abgestandene gelbliche Brühe in einer versifften Plastikflasche. so später Ermittlungsergebnisse der spanischen und deutschen Justiz. Der Komplex umfasste neun Einzelzellen. Das Essen bestand aus Hühnchen in einer sandigen Brühe. Das Flugzeug hob gegen Mitternacht wieder ab und flog nach einem Zwischenstopp in Bagdad sofort nach Kabul weiter. Urdu und Farsi bekritzelt worden waren .

hätte er ebenso gut dahin fliegen können. S. kann die Auswahl eines attraktiveren Reisezieles nicht gescheitert sein: Al Masri hatte bei seiner Festnahme 3000 Euro in bar bei sich. 156 .vor allem den neuen Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD). die Verantwortlichen in der Bundesregierung . was ihm geschehen ist. Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich war al Masri ein Opfer.Max Stadler von der FDP. unser alter Bekannter aus dem Bosnien-Kapitel (vgl. Warum reist einer mit so viel Cash in eine vergleichsweise unsichere Gegend? Die Antwort auf beide Fragen könnte Reda Seyam heißen. die dieses Image hätten ankratzen können. um gleich mit der zweiten Frage fortzufahren. auf die Kanarischen Inseln. zur Entspannung ausgerechnet nach Skopje? Die mazedonische Hauptstadt ist eine triste Betonsiedlung aus der Tito-Zeit. nicht weiter nachzugehen. Ihnen war aber daran gelegen. 66 bis 88). wendete er sich sofort an Seyam. Das hieß im Umkehrschluss aber auch. Er war al Masris engster Freund in Ulm. durch die im Winter ein verdammt kalter Wind pfeift.Die Abgeordneten der Opposition . Kehren wir zum Anfang der Geschichte zurück: Warum reist ein Mann. Als al Masri Ende Mai 2004 aus seinem afghanischen Verlies zurück nach Ulm kam. Hans-Christian Ströbele von den Grünen und Wolfgang Neskovic von den Linken . den Verschleppten möglichst unschuldig zu zeichnen und Widersprüchen. nach Südspanien.trieben mit ihren Recherchen und Fragen die Aufdeckung des Verbrechens zwar erfreulich offensiv voran. nichts rechtfertigt auch nur im Mindesten. Trotzdem bleiben offene Fragen. das al Masri in die Busreise nach Balkanisch-Sibirien investiert hat. Für das Geld. Und am Geld. als Geheimdienstkoordinator unter Kanzler Gerhard Schröder neben dem abgetretenen Innenminister Otto Schily ranghöchste mit der Causa al Masri befasste Politiker maximal zu belasten. der Eheprobleme hat. wo die Sonne scheint: nach Mallorca.

Die ideologisch der Moslembruderschaft nahe stehende Organisation bekämpfte damals in erster Linie die als unislamisch geltende Sekte der Aleviten im Libanon. so »Focus«.Dieser fuhr den Renault. der auf al Masris Frau Aischa zugelassen war. hatte zunächst das ehrbare Handwerk eines Tischlers ausgeübt und war 1995 Staatsbürger der Bundesrepublik geworden. Immerhin: Al Masri hatte in Ulm auch ein bisschen Autohandel getrieben.«7 Ein wichtiges Faktum dabei fehlt: Al Masri hatte in seiner Jugend im Libanon in einer Miliz mitgemischt. Er könnte al Masri den Tipp mit Skopje gegeben haben. hatten 1995 ihre Leute auch in Bocinja rekrutiert . soll al Masri sogar eine 157 . S. hatte dort 1994/95 in Mittelbosnien beim Dschihad mitgemischt und nach dem Waffenstillstand einen Autoverleih in Sarajevo betrieben. denn in der Stadt leben viele Albaner.dem mittelbosnischen Dörfchen. Er kannte das Business. ein paar Autos zu kaufen. im Februar 2004. Das bietet Möglichkeiten. In zweiter Ehe war er mit einer Albanerin verheiratet. genauer gesagt: mit der Frau eines gefallenen albanischen Gotteskriegers. Seyam war auf dem Balkan heimisch. die bei dieser Terrortruppe namens UCK bisweilen mitgeholfen hatten. Lesen wir zunächst. ganze Stadtviertel sind rein muslimisch. der Al Tawhid.79). Vielleicht hat Seyam seinen Kumpel aber auch mit den 3000 Euro auf den Balkan geschickt. um die Kriegskasse der albanischen Aufständischen zu füllen. zuerst in Mazedonien und dann vor allem im Kosovo mit Pogromen gegen die Slawen von sich reden machen sollten. was der »Spiegel« über seine Vergangenheit preisgibt: »Der Sohn libanesischer Eltern war 1985 aus der umkämpften Levante nach Deutschland gekommen. Al Masri als Unterstützer islamischer Untergrundkämpfer? Dafür gibt es Anhaltspunkte in seiner Biografie. Vielleicht war das Geld dafür gedacht. Angeblich. die kurz darauf. Die US-Militärberater. wo zur selben Zeit auch Seyam gelebt hatte (vgl.

und jeder fühlende Mensch kann seine Qualen nachempfinden. beim Lesen dieses Satzes das Wörtchen »vergleichsweise« zu betonen. die bei einem Häftling zum Verlust von 30 Kilogramm Körpergewicht führt. Sonst wäre das derselbe Zynismus. September? Oder wurde er gekidnappt. Sein Bruder soll auch heute noch ein wichtiger Geistlicher dieser Organisation im Libanon sein.8 Mit der Zugehörigkeit zu dieser von den Syrern verfolgten Organisation soll al Masri 1985 seinen Asylantrag in der Bundesrepublik begründet haben. Wahr ist: Nach der Definition der Genfer Konvention erlitt al Masri Folter. Zum einen sei Al Tawhid keine durchgängig fundamentalistische Gruppe. Jedenfalls: Als »gut« kann man wohl keine Behandlung bezeichnen. als würde man die Konzentrationslager von Mussolini relativ human im Vergleich zu den Vernichtungslagern von Hitler nennen. Der Autor bittet unbedingt darum. Das stehe in einem Geheimbericht der deutschen Sicherheitsbehörden an das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG). Al Masri habe sich in den achtziger Jahren eher als Linker verstanden. könnte man sagen: Sie haben al Masri vergleichsweise gut behandelt. Wahr ist aber auch: Im 158 . um auf diese Weise Informationen über seine früheren libanesischen Kampfgenossen herauszubekommen oder auf sie Druck zu machen? Erinnerungen an Kafka Auch die Kidnapper haben sich in einigen Punkten sehr seltsam verhalten . davon künden noch heute Werke von Karl Marx in seinem Bücherregal.16-köpfige bewaffnete Gruppe von Al Tawhid im Libanon kommandiert haben.anders jedenfalls als in ähnlichen Fällen.zumal in der angespannten Situation nach dem 11. Würde es nicht zynisch klingen. Aber: Könnte einer wie Seyam nicht al Masri im Sinne des radikalen Islam indoktriniert haben .9 Hängt al Masri dieser Ideologie immer noch an? Freunde bezweifeln das.

.. dass er in Afghanistan jemals geschlagen worden sei. dass die CIA-Leute ihre Opfer zunächst geschlagene drei Wochen in einem Hotel der oberen Mittelklasse untergebracht haben? Warum wurde al Masri nicht. wie viele Berichte anderer Überlebender bezeugen. als sie ihn ins Gefängnis ge- 159 .«10 Was die vier folgenden Monate Haft in Afghanistan angeht. der Sonderermittler des Europarates.«11 Seltsam war auch. Er deutete beispielsweise nie an. Folgendes ist jedoch zu bedenken: Hat man je davon gehört. Tatsächlich unterstrich er in seinem ersten Interview. wie andere auf dem Balkan festgenommene vermeintliche Terroristen.Guantanamo-Zeitalter ist die Sache für ihn noch glimpflich abgegangen. Partnerdienste und CIA-Mitarbeiter gleichermaßen streben gewöhnlich einen möglichst kurzen Zeitraum zwischen erster Festnahme und Verbringung zu einer CIA-Haftanstalt an.. Grey fasst zusammen: »Die CIA hatte äußerste und kostspielige Anstrengungen unternommen. Khaled (al Masri) litt eher psychische Qualen. dass er zwar schreckliche Dinge durchgemacht habe. im Gefängnistrakt des US-Stützpunktes Bondsteel im Kosovo oder auf der US-Luftwaffenbasis Tuzla in Bosnien festgehalten und von dort binnen Kürze in andere.. dass die anderen aber viel schlimmer behandelt worden seien als er. Und dann. am Tag nach seiner Rückkehr nach Hause. dass al Masri nicht richtig verhört wurde. an der die CIA beteiligt ist. ist ungewöhnlich lang für eine Operation. um ihn per Flugzeug nach Afghanistan zu bringen. . in dem al Masri in Mazedonien bis zu seiner weiteren Verschleppung festgehalten wurde... als er sich in ihrer Hand befand. wundert sich: »Der 23-tägige Zeitraum. noch schlimmere Folterhöllen verbracht? Auch Dick Marty. aber die Behandlung im Gefängnis (in Kabul) war milder. schreibt Sachbuchautor Grey nach Gesprächen mit al Masri: »In Mazedonien und auf dem Flughafen von Skopje hatte man ihn geschlagen.

Weißt du...«13 Dieser andere mit demselben Namen taucht im Bericht der 9/11-Untersuchungskommission des US-Kongresses als Verbindungsmann zwischen Mohammed Atta und der Al Qaida-Spitze in Afghanistan auf.« Al Masri erinnerte sich gegenüber Grey an einen typischen Wortwechsel. in der Josef K.2004 an den Grenzübergang Tabanovce kam. 160 . stand sein Namensvetter noch auf der internationalen Fahndungsliste. wo es keine Gesetze gibt. forderten sie Khaled (al Masri) auf. als würden die CIA-Leute erst jetzt anfangen. Der Verhörbeamte fing an herumzuschreien: »Weißt du.und griffen zu.« Darauf wieder der Verhörer: »Du bist hier in einem Land. was ihm widerfahren ist. Und keiner weiß von dir. Statt die Entführung ihm gegenüber zu rechtfertigen. Sie hatte einfach keine Ahnung.«12 Keine Verwechslung Die Eine-Million-Euro-Frage lautet: Warum fiel die Wahl der Kidnapper überhaupt auf al Masri? Die offizielle Antwort darauf gab ein ehemaliger CIA-Beamter der »Washington Post«: »Al Masri wurde im Wesentlichen deshalb fünf Monate lang festgehalten. wo du bist. Als der DeutschLibanese aus Ulm am 31. weil die Leiterin der Al Qaida-Abteilung im CIA-Zentrum für Terrorismusbekämpfung ihn für jemand anderes hielt . im Nachhinein ihre Aktion zu rechtfertigen.steckt hatten. was das heißt?« Al Masri antwortet: »Ja. selbst ein Verbrechen zu erfinden und auf diese Weise zu rechtfertigen. aufgefordert wird. Bei Eingabe der Namen der Reisenden in den Computer erhielten die mazedonischen Zöllner einen Warnhinweis . Das Ganze gemahnte an eine Szene aus Franz Kafkas Prozess. Sie wusste es nicht wirklich. schien es fast so. warum du hier bist?« Darauf hat ihm al Masri geantwortet: »Das ist eigentlich meine Frage.12. so die offizielle Version. ein unbekanntes Verbrechen zu gestehen.

. ein Verbrechen zu begehen. dem Multi-Kulturhaus (MKH) und dem Islamischen Informationszentrum (IIZ).. wo im MKH die Tiefkühltruhe steht. dass er sich mit seinem Freund Reda Seyam das Auto teilte.Diese Erklärung kann nicht stimmen. S.. 154). geschweige denn nach seinen Absichten. weil das der Schlüssel zu dem ganzen Fall Khaled (al Masri) ist . Dieses Augenmerk auf den Bekanntenkreis war wichtig. welche Nachrichten er zwischen Hamburg und den Berghöhlen von Tora Bora hin und her transportiert hat. Sein Name könnte höchstens noch in einer CIA-Datei gespeichert gewesen sein.«14 Die Verhörer waren über die Lebensumstände ihres Opfers blendend informiert. Sie waren über al Masris Vorliebe informiert. dass er wegen einer irrtümlichen Anschuldigung festgehalten wurde (vielleicht mit Ausnahme der ersten Verhaftung an der Grenze). Khaled wurde nicht nach einem konkreten Verstoß gefragt. sondern darauf. Zum einen stand al Masri nicht auf der Interpol-Liste (vgl. sondern in erster Linie nach seinem Bekanntenkreis . dass man ihn festhielt. Vielmehr konzentrierten sich die Fragen . ist er überhaupt je nach diesem Doppelgänger gefragt worden.nach einem allgemeinen Geplänkel im Zusammenhang mit Al Qaida gleich zu Beginn . Weder in Skopje noch in Kabul wollte irgendjemand von ihm wissen.. Woher stammten diese Detailkenntnisse? 161 . die in mazedonischen Amtsstuben verwendet wird. und sie wussten sogar. im Metro-Markt Fisch zu kaufen. Gezielt fragten sie nach den beiden Anlaufstellen für fromme und radikale Muslime im Raum Ulm. sagte al Masri später. Grey resümiert: »Die Art der Khaled (al Masri) gestellten Fragen lässt meiner Ansicht nach nicht darauf schließen. Noch wichtiger aber ist: In keinem einzigen seiner Verhöre.auf die gemütliche Donaustadt Ulm. um Informationen zu gewinnen. und sie wussten.

und das gleich 18 Monate lang. Wer dort nach 9/11 zu Allah betete. aber nicht auswies. wie der »Stern« zutreffend schrieb. Nach »Stern«-Recherchen ermittelten die US-Fahnder auf eigene Faust im Raum Ulm . aber mit leicht amerikanischer Färbung. Er müsse in dienstlichem Auftrag eine gegenüberliegende Wohnung observieren. Später stellte sich heraus.Erste Antwort: Weil »Neu-Ulm ein Einsatzgebiet der CIA« war (und vermutlich immer noch ist). der Witwe eines gefallenen Tschetschenienkämpfers gehörte. dass der Observant gut Deutsch sprach. Wurde auch al Masri das Opfer dieser transatlantischen Sicherheitspartnerschaft? Im Dezember 2005 notierte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg: »Al Masri war 162 .« Interessant war der Inhalt der Sporttasche des Besuchers: »Darin sahen wir ein großes Funkgerät und zwei Teile eines olivgrünen Gewehrs. Auf Nachfrage soll er erklärt haben: »In diesem Geschäft muss man gut ausgerüstet sein.15 Die Redaktion hat Augenzeugen gefunden. behauptete der Mann. kam der seltsame Gast nicht mehr zurück. Die gesetzestreuen Bürger ließen ihn herein: »Zielgerichtet ging er in unser Arbeitszimmer. die diese These bestätigen: Ein Neu-Ulmer Ehepaar bekam im Frühjahr 2003 Besuch von einem Mann.ein klarer Verstoß gegen bundesdeutsche Souveränitätsrechte. der sich als deutscher Polizist ausgab.«16 Dem Ehepaar fiel auf.« Außerdem hatte er in der Weste eine Pistole stecken. Nachdem das Ehepaar sich bei der örtlichen Polizei beschwert hatte. Soviel zur angeblichen NichtZusammenarbeit deutscher Stellen mit den US-Amerikanern bei der Islamistenfahndung. geriet nicht nur in das Visier deutscher Staatsschützer. dass die gegenüberliegende Wohnung. Stattdessen nutzten deutsche Beamte die Wohnung des Ehepaars zum Spähen in die gegenüberliegende Wohnung . sondern auch ihrer US-amerikanischen Kollegen. nahm den Computerstuhl und setzte sich in die äußerste Ecke vor ein Fenster. die den Mann so interessiert hatte.

so das LKAPapier. habe sich im Sommer 2002 ergeben.19 Das muss gar nicht willentlich geschehen sein. warum al Masri gekidnappt wurde. und auch die hängt mit seinem Wohnort zusammen: Weil die Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm seit Ende der neunziger Jahre vom Verfassungsschutz gezielt zu einem »Honigtopf« aufgebaut 163 ..als Kontaktperson zu allen Gefährdern aus dem kriminalgeografischen Raum Ulm/Neu-Ulm bekannt. sei al Masri spätestens zum Zeitpunkt Oktober 2003 als Vertreter einer fundamentalistischen Linie des Islam und Befürworter des militärischen Dschihad bekannt gewesen. In seinem Umfeld. »Auf höherer Ebene wiesen deutsche Geheimdienstanalytiker in mehreren Interviews in Berlin . »Im September 2002 sei al Masri als Nutzer eines Fahrzeugs aufgefallen. sagte später ein deutscher Sicherheitsbeamter. die wir mit den US-Behörden ausgetauscht haben. Wurden diese Erkenntnisse auch mit den US-Amerikanern geteilt? Kam al Masri deswegen auf deren Schwarze Liste? »Möglicherweise haben wir durch Informationen. der seinen Namen nicht nennen wollte. als bei Ermittlungen das Auto eines hessischen Islamisten vor seiner Wohnung festgestellt worden sei. dass die CIA. das dem »Stern« vorliegt.«17 Ein erster Bezug von al Masri zur islamistischen Szene.«18 Offensichtlich ging die Observation also mindestens bis ins Jahr 2002 zurück. in Anbetracht der engen Beziehungen zwischen der CIA und den deutschen Sicherheitsdiensten..«20 Der Honigtopf Es gibt noch eine zweite Antwort auf die Rätselfrage. ohne zu fragen detaillierten Zugang zu einer großen Zahl von Berichten über die Vorgänge in Ulm erhalten habe. das auf die damalige Firma eines als Gefährder eingestuften Arabers zugelassen gewesen sei. die CIA auf al Masri aufmerksam gemacht«. so heißt es weiter in den Unterlagen. darauf hin.

»Was wenig bekannt ist: damals waren vier Leute vom HZ in den Heiligen Krieg gezogen. andererseits als V-Leute gewonnen. zusammen mit zwei weiteren Ulmern. auch als Rekruten für die Dienste. Die »FAZ« schrieb im Herbst 2007: »Fast immer. ist wenige Wochen vor den Anschlägen des 11.24 Zu den Initiatoren des HZ gehörte auch der Konvertit Thomas Hamaza Fischer. September 2001 auch der Hamburger Mohammed Atta zu Attar nach Ulm gekommen. sagt ein Kenner der Szene. der im Jahr 2000. Verdächtige aus einem größeren Umkreis nach Ulm zu locken. ein 164 . »Es war wie ein orientalischer Basar.22 Als Gründer der Islamistenszene in der Doppelstadt an der Donau gilt der Arzt Adley al Attar. führen die Spuren in die baden-württembergische Stadt Ulm an der Donau. in Tschetschenien im Kampf gegen russische Einheiten gefallen ist. schreibt das Regionalblatt »Südwest-Presse«. um militante Islamisten anzulocken.23 Al Attar soll bereits 1998 Kontakt zum sogenannten Al Qaida-Finanzchef Mamduh Mahmud Salim gehabt haben.wurde. Dort wurden sie einerseits radikalisiert. so die Aussage eines Taxifahrers sowie einer Sprechstundenhilfe in al Attars Praxis. sagt al Masris Anwalt Gnjidic. Der vierte kam zurück nach Ulm. »Er hat in den neunziger Jahren nach dem Vorbild der Muslimbruderschaft den Islamischen Verein Ulm gegründet. Das war offensichtlich überhaupt kein Widerspruch für die Staatsschützer«.«21 Das hat eine Vorgeschichte: »Es geht dem Verfassungsschutz schon seit Jahren darum.25 Das war kein Einzelfall. wenn in Deutschland ein gefährlicher Islamist festgenommen wird. denn das MKH fungierte offensichtlich ebenso als ein Anlaufpunkt für Fundamentalisten und Möchtegern-Terroristen wie auch als Rekrutierungsbüro für Agenten. Außerdem. Dem Polizeipräsidium Schwaben ist der Mann gut bekannt«. aus dem später das Multi-Kulturhaus (MKH) auf bayrischer und das Islamische Informationszentrum (HZ) auf württembergischer Seite hervorgegangen sind«.

der Organisator des süddeutschen IslamistenNetzes (vgl. Der Ortswechsel Yousifs muss mit seinem damaligen Auftraggeber. 85ff.29 Dort übernahm er die Rolle des bisherigen Spiritus Rector al Attar. S. wurde er gezielt dorthin bugsiert. September 2001.«27 Auch Reda Seyam. wer in der Moschee denn nicht als Informant arbeite. Khaled al Masri und Yehia Yousif wurden im Laufe der Jahre vom Honigtopf angelockt. Dazu gleich mehr. hörte Grey von einem Undercover-Mann. Das könnte ihm zum Verhängnis geworden sein. kurz nach dem 11. Als Seyam 2003 mit Hilfe des Bundeskriminalamtes aus dem Gefängnis in Djakarta frei kam (vgl. zitiert der Schweizer eine Quelle. »Seyam sei dann auf Drängen seiner deutschen >Retter< nach Neu-Ulm in das Multikulturhaus gegangen«. der sich ein Jahr später. »Er gluckste nur. zog im Oktober 2000 von Freiburg im Breisgau nach Ulm.« Grey fragte den Verfassungsschützer.Geheimdienstmarkt.28 Auch bei al Masri ist offenbar nachgeholfen worden. Warum Ulm? Wegen Yehia Yousif. saudische und marokkanische Geheimdienstleute. und jeder warb um Informanten«. ins Ausland absetzte. dass wir ägyptische Geheimdienstleute hatten. In höchster Verzweiflung wandte er sich an den Prediger.). schreibt Europarat-Sonderermittler Marty. dem baden-württembergischen Verfassungsschutz. Er lebte ursprünglich in Ludwigsburg bei Stuttgart. abgestimmt worden sein. Kapitel 3). Yousif. die ebenfalls starkes Interesse hatten. Dort hat er als Autohändler Schiffbruch erlitten und zog dann nach Ulm. und das zählt noch nicht die Amerikaner und Israelis.26 Ein Beamter in Stuttgart ergänzte: »Ich bin mir ziemlich sicher. 165 .

Der deutsche V-Mann Der US-Buchautor Grey erzählt die Geschichte al Masris schlüssig und mit vielen Details. weil er sie nicht mit einer weiteren zusammenbringt.. zu einem bundesweiten Magneten für Islamisten .« Die Bedeutung des Mannes war dem Verfassungsschutz sehr wohl bekannt: »Herr Dr. der in jener Zeit im MKH der wichtigste Prediger war. dass »Yousif zeitweise als Informant für den Verfassungsschutz« gearbeitet habe. Unter anderem ist dort zu lesen: »Herr Dr. Zur Beendigung des Kontaktes durch das LfV kam es im März 2002. nach ihm gefragt wurde«.«. sondern aufgrund seines Ulmer Bekanntenkreises in das Visier der CIA geriet .32 »Informant«. nur in verharmlosenden Formulierungen. und das über viele Jahre hinweg. dass der Deutsch-Libanese nicht wegen 9/11.30 Diese Information ordnet Grey aber falsch ein. eine Verpflichtung fand im Juli 1996 statt. »Zeitweilig war er (Yousif) V-Mann des Verfassungsschutzes. aus dem hervorgeht. Unter Yousif entwickelte sich Neu-Ulm .31 Auch die »Neue Zürcher Zeitung« räumt in einem Halbsatz ein. dass dieser Yousif selbst ein Geheimdienstmann war. Weil ich. immer wieder. Grey sieht Yousif als Feind der Geheimdienste. und ganz richtig weist er darauf hin. Doch dem Autor liegt die Kopie eines Schreibens des baden-württembergischen Verfassungsschutzes vor. deswegen seien sie an ihm interessiert gewesen.. Yousif wurde erstmal im Jahr 1995 kontaktiert.das klingt nach einer relativ kleinen Nummer in der Geheimdiensthierarchie.. »Ich glaube. es gibt eine Verbindung. Insbesondere seien die Verhörer an einem seiner Bekannten interessiert gewesen: Yehia Yousif. Die Massenmedien schreiben darüber. meint auch al Masri. »zeitweilig« .. wenn überhaupt. Yousif hat persönlich und über 166 . Nur en passant erwähnt er. dass Yousif über viele Jahre eine wichtige Rolle spielte. so der »Spiegel«.für ihn »der Schlüssel zu dem ganzen Fall«.

«33 Zu Zeiten seiner Beschäftigung für das LfV hat Yousif demnach auch interessante Kontakte ins Ausland gepflegt.. • Kontakte »zu einem mutmaßlichen Militanten. den die ägyptische Regierung via Internet zur Fahndung ausschrieb«. und zwar schon im zeitlichen Vorfeld der Kontakte mit unserem Haus.« Und weiter: »Er hat durchaus bei islamistischen Konferenzen im Inland für unser Haus gesammelt. Näheres geht aus dem Dokument nicht hervor).seinen Verein Kontakte zu Personen islamistischer Organisationen und deren Propagandamedien gehalten. In dem Schreiben der Behörde werden genannt: • Kontakte zu »einem namensverwandten Verein in Österreich« (offenbar gibt es auch dort ein Multi-Kulturhaus. dessen Kritik an der Zusammenarbeit 167 . »Möglichkeiten und Kenntnisse des Verfassungsschutzes zu erkunden und unter dem vermeintlichen Schutz einer jetzt ostentativ behaupteten Zusammenarbeit tatsächlich im Sinne der Mudschahedin-Bewegung zu agieren«. Das LfV betont. Das ist wenig glaubhaft. • Im Jahr 1999 sei er nach Bosnien gereist. In dem jugoslawischen Nachfolgestaat halten sich seit dem Bürgerkrieg zu Beginn der neunziger Jahre einige Tausend ausländische Mudschahedin auf (vgl. Wegen dieser unbestreitbaren Verbindungen wurde er auch von unserer Behörde angegangen . Damit versucht die Behörde. allerdings ohne Wissen der Stuttgarter Behörde. Kapitel 3). dass Yousif bei der Zusammenarbeit seine eigenen Ziele verfolgt habe: Er habe versucht. das von Yousif sage und schreibe sechs Jahre lang zum Vorteil der Gegenseite benutzt worden ist. Es ist an das Bundeskriminalamt (BKA) in Meckenheim gerichtet und hat offensichtlich den Zweck. sich als Opfer darzustellen.. auch wenn man den Kontext des Schreibens des LfV bedenkt.

• Yousif sei eine »Einbürgerungszusicherung« gemacht worden. Das Ganze erinnert mich an das NPD-Verbotsverfahren. »Jeder zweite Satz in dem Verbotsantrag bezog sich auf verdächtige oder kriminelle Aktivitäten von Dr. • Yousif habe »für das Bundesamt für Verfassungsschutz gearbeitet« und sei »regulärer Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in Baden-Württemberg« gewesen. Der V-Mann Yousif platzierte Beweise. Demnach muss es in der Meckenheimer Zentrale unter anderem folgende Befürchtungen gegeben haben: • Yousif »habe 15 Jahre für den Verfassungsschutz gearbeitet«.«35 Die Puzzleteile passen Sorgte Yousif nicht nur für das Verbot des MKH. sondern lieferte er auch seinen Freund al Masri ans Messer? Immerhin: Von ihm hätten die CIA-Verhörer alle Details bekom- 168 . dass Yousif damals für den Verfassungsschutz gearbeitet hat.34 Schwere Vorwürfe an die Verfassungsschützer kommen auch von Christoph Käss. Rückschlüsse auf den Inhalt dieses BKA-Dokuments lassen sich aus dem ziehen. Dabei wurde vor Gericht zugegeben. was das LfV Baden-Württemberg abstreitet. muss die Bundesbehörde demnach in einem früheren Brief (der nicht vorliegt) Vorhaltungen gemacht haben. Ohne diesen Mann hätten sie gar nichts in der Hand gehabt. die dann vom Staatsanwalt gegen das MKH verwendet wurden. weil viele Beweise überhaupt erst von V-Leuten produziert worden waren. Das musste platzen. Yousif. die die Stuttgarter dementieren. Der Rechtsanwalt vertrat das Multi-Kulturhaus 2005 gegen die Verbotsverfügung der bayrischen Behörden. Zu verschiedenen Punkten.der Schwaben mit Yousif zu entkräften. • Yousif habe »einen Auftrag im Ausland durchgeführt«.

dass Al Masri gerne im Metromarkt einkaufte. die ein Yankee oder Schwabe niemals hätte herausbekommen können: Wo die Gefriertruhe im MKH stand. die CIA müsse die Information aus amtlichen deutschen Unterlagen haben. Warum bringt die CIA al Masri zunächst in einem so komfortablen Hotel unter. dass al Masris Freund Seyam oder der Dritte im Bunde. der nur als die Enttäuschung eines abgewiesenen Werbers zu erklären ist: »Er sagte. Auch an einem weiteren Punkt springt Grey zu kurz. Unter dieser Prämisse lassen sich viele bisher lose herum liegende Puzzleteile zu einem Bild zusammensetzen. wie er selbst es gar nicht hätte bezahlen können? Weil er gar nicht gefoltert. Und deswegen schleuderte der Chef Verhörer al Masri wutentbrannt einen Satz an den Kopf.men können. Er schreibt. angeleitet vom langjährigen StaatsschutzAgenten Yehia Yousif. Oder beides. wie ein Ulmer Bekannter von al Masri mutmaßt. Warum fährt al Masri ausgerechnet nach Skopje? Die Balkanexperten Yousif und Seyam flüstern ihm diese Idee ein. die Verhörer wollten von al Masri vor allem Informationen über Ulm haben. sie wollten einen Informanten! Al Masri sollte eingekauft werden. Auf den Gedanken. Er denkt seinen Ansatz nicht zum logischen Ende: Sie wollten nicht nur Informationen. Das Problem der CIA-Leute ist nur: Al Masri will nicht. diese Information weitergegeben haben könnte. eben dieser Yousif. und dass 169 . ich sei nicht kooperativ. Er sollte als Spitzel im Raum Ulm agieren. Oder er sollte Informationen über seine ehemaligen Al Tawhid-Kämpfer im Libanon liefern. Das ist nach einer Woche im Skopski Merak klar. kommt Grey gar nicht. schreibt Grey und schlussfolgert. sondern angeworben werden sollte. weil er das Ausmaß der V-Mann-Tätigkeit Yousifs nicht kennt. »Khaled (al Masri) zufolge wusste so gut wie niemand aus dem Bekanntenkreis der beiden Männer von dieser Abmachung« in Sachen car-sharing. dass das Auto seiner Frau von Seyam gefahren wurde.

38 Nicht ausgeschlossen.ich mit ihnen spiele. Er wäre erschossen oder in irgendeine Folterhölle à la Abu Ghraib oder Guantanamo deportiert worden. sondern um Zusammenarbeit. dass er bei Al Qaida gewesen sei. und er hatte daraufhin die deutsche Botschaft informiert. Das wussten nicht nur die deutschen Spielgefährten der CIA bei den Diensten. Dieser Mann rettete al Masri das Leben. dass ein Deutscher von den Amerikanern festgehalten wurde. Der frühere Direktor der deutschen Telekom in Skopje. sondern sogar Condoleeza Rice höchstpersönlich nahm sich der Sache an und drängte auf die Freilassung. Normalerweise wäre das sein Todesurteil gewesen. Man konnte den Gefangenen jetzt nicht einfach beseitigen. dass die CIA al Masri verschleppt hatte. Entweder du spurst. Al Masri weigert sich. Damit hätte die CIA den Mann für alle Zeiten als V-Mann ihn der Hand gehabt. Aber er landet in einem weniger schlimmen Knast in Kabul.6. Warum? Weil eine Komplikation aufgetreten ist. Al Masri erhält im Hotel Skopski Merak eine letzte Chance: Er soll einwilligen. Sie sollte nur möglichst geräuschlos passieren. oder wir geben das Band an die Strafverfolger. der Mann sich nicht hinterher das Maul zerreißen.2006 bereitwillig vor dem Untersuchungsausschuss aus). ein Videogeständnis abzulegen. dass der Mann auch zur Presse lief (tatsächlich sagte Mengel am 22.«36 Gnjidic erinnert sich an ein weiteres Zitat von al Masri: »Mein Verhörer bot mir einen Deal an. In Deutschland hatte man mitbekommen. die vermutlich bei der Entführung kooperiert hatten. so musste die CIA annehmen. hatte im Januar 2004 erfahren. sondern das wusste dummerweise auch ein Zivilist. und sie seien Profis. Schließlich wurde der Fall zu einer Staatsaffäre: Nicht nur Agenten in Kabul oder Referatsleiter in Langley. wo er nicht einmal geschlagen wird. Immerhin war er deutscher Staatsbürger. WolfDietrich Mengel.«37 Da ging es offensichtlich nicht um Geständnisse. 170 .

Später bezeichnete al Masri diesen »Sam« als seinen »Schutzengel« und eine Art »Lebensversicherung«.nach all den »bad cops« einen »good cop« zu al Masri nach Kabul. Schilys 171 . jenen deutschen »Sam«. Von dort wurde er stundenlang durch die Gegend kutschiert. Dann ließ man ihn in Richtung eines Grenzübergangs nach Albanien laufen. nun würde er von hinten »auf der Flucht« erschossen.40 Drittens versuchte man. Was geschah auf dieser Spazierfahrt? Hat sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. führ ihn zum Flughafen Tirana. al Masri vielleicht doch noch für eine künftige Zusammenarbeit zu gewinnen.ein klarer Bruch seines Amtseides . »Ich bin nicht der Erfüllungsgehilfe der Staatsanwaltschaft«.erstens . die eigenen Staats.und Justizorgane nicht über die Verschleppung eines deutschen Bürgers zu informieren. Der Ulmer dachte schon. nett und kundig über Ulm und »unseren Präsidenten« Horst Köhler plauderte (was dem Untersuchungsausschuss später den Rückschluss erlaubte.die Bundesregierung zum Stillhalten. Mai 2004. Die sah so aus: Man schickte . Mai an einem unbekanntem Ort. dass »Sam« tatsächlich ein Bundesbürger sein muss) und schnell einige Hafterleichterungen durchsetzte. Bei al Masris Rückführung aus Afghanistan landete die Maschine nämlich am 29.dem Bush-Emissär tatsächlich zu. irgendwo auf dem Balkan.Also übte sich die CIA in Schadensbegrenzung. verteidigte der Minister sein illegales Vorgehen im Nachhinein. der sich manierlich mit dem Gefangenen unterhielt. Das könnte auf einer mehrstündigen Autofahrt passiert sein. Stattdessen sammelte man ihn wieder ein.39 Man verdonnerte . deren Zweck sich bisher noch keinem erschlossen hat. Dies geschah im Zuge eines vertraulichen Gesprächs zwischen Bundesinnenminister Otto Schily und dem US-Botschafter Daniel Coates am 29.zweitens . und von dort ging es zurück nach Deutschland. Schily sicherte .

«42 Yehia Yousif. nur aus den Fingern gesogen. Andererseits ist im Lichte der Ereignisse nach der Freilassung al Masris durchaus vorstellbar. Gnjidic ist sich sicher: »Den Psychoterror gegen meinen Mandanten übten dieselben Netzwerke aus. seit ein Unbekannter im Kindergarten seinen Jungen ablichtete. So wäre auch al Masris Äußerung bei seiner späteren Festnahme vor dem Metromarkt (»Wäre ich damals nur auf das Angebot der Amerikaner eingegangen. hinter den Regalen auf und bedrohte ihn. Fakt ist jedenfalls. Ein anderes Mal lauerte ihm ein älterer Herr in einem türkischen Lebensmittelgeschäft. dass al Masri nach seiner Rückkehr nach Deutschland weiterem Druck ausgesetzt war.Nachfolger. 314). berichtete Anwalt Gnjidic. hätte ich jetzt nicht die Schwierigkeiten«) verständlich. Er habe »Todesangst« um seine Kinder gehabt und sie wochenlang nicht in den Kindergarten gehen lassen. Ein Reporter des Südwestrundfunks hat ihn dort ausfindig gemacht. weil ihm und seiner Familie immer wieder Unbekannte nachgestellt hätten. S. dass die USRegierung al Masri Schweigegeld angeboten hatte?41 Schäuble muss man zutrauen. obwohl er in Absprache mit den Erzieherinnen ein Fotografierverbot verfügt hatte. Auch er fühlt sich unbehaglich. So sind ihm Ende 2006 bei einer nächtlichen Autofahrt nach Biberach auf einer vierspurigen Bundesstraße fünf Wagen 20 Kilometer lang gefolgt und haben ihn regelrecht eingekeilt. dass die CIA diesem doch noch ein Angebot gemacht hat . dass er Dinge erfindet man denke nur an seine Wahnsinnsgeschichte von der schmutzigen Atombombe Al Qaidas (vgl. lebt mittlerweile in Saudi-Arabien. »wo ansonsten kein Deutscher hingeht«. der wichtigste Netzwerker in Ulm. die auch hinter seiner Verschleppung steckten. Von Dschidda aus zieht er weiter die Strippen im schwäbischen Terror- 172 .zum Beispiel in jenen letzten Stunden seiner Gefangenschaft in den albanischen Bergen.

Warum ausgerechnet Ulm.2. Mutmaßliche geheime Haft und unrechtmäßige Verbringung von Häftlingen zwischen Staaten unter Beteiligung von Mitgliedsstaaten des Europarates. Bild 2 3 18. Hans-Uli Mayer. Dick Marty (FN 1). z. z. Neu-Ulm.1. S. n. Reuter/AP.10.2005.2006.12. Rüdiger Soldt.. Ausschuss für Recht und Menschenrechte.10. Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?. Südwest-Presse 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 23. N.net 27. S. Stephen Grey (FN 6). Rainer Nübel/Hans-Martin Tillack. Stephen Grey (FN 6). S. S.120ff. Hintergrundgespräch des Autors mit Manfred Gnjidic 19.de 10.6. Al Masri war Mitglied bei el Tawhid.2007. focus.2007. S. von Manfred Gnjidic 19. Dominik Cziesche/u. S. München 2008.. Dschihadisten aus der Provinz. Hintergrundgespräch des Autors mit Manfred Gnjidic 19. Der deutsche Dschihad. »Zieh Dich aus.43 Anmerkungen 1 Dick Marty. Amerikas schmutziger Krieg gegen den Terror. a.Untergrund.5. Stern 51/2005. Islamistische Terroristen planen den Anschlag. 25 173 . 28. Rainer Nübel/Hans-Martin Tillack (FN 15). 129. 24 Rainer Nübel/Hans-Martin Tillack (FN 15) sowie Annette Ramelsberger. Stern 16. 101.2007.2005. 4 z. 135. ein Einsatzgebiet der CIA. nach Dick Marty (FN 1). N. a.10. wie in Kapitel 15 gezeigt wird. faz.. S. Hintergrundgespräch des Autors mit einem Informanten 18.2006.2007. 5 Arno Luik. 6 Detailangaben über die Verschleppung u. 121f. Parlamentarische Versammlung des Europarates. 131. Stephen Grey (FN 6).4. Al Masri gehörte zu al Tawhid. Von einem Auslieferungsersuchen der Bundesrepublik Deutschlands ist nichts bekannt.2008. sowie Stephen Grey. Berlin 2008. Das Schattenreich der CIA. Stephen Grey (FN 6). pca.2007. S. Rainer Nübel/Hans-Martin Tillack (FN 15). Rainer Nübel/Hans-Martin Tillack (FN 15). n. sagten sie zu mir«. Strasbourg/ Brüssel 7.10.9. Stephen Grey (FN 6). FAZ 6.de 24. n.10. z.2007.2006. was sie wollen!«. Keine deutsche Beteiligung an Al Masri. S. bre/hjv. Spiegel 12.2006. stern.12. 22 ff. 131. »Die machen.

n. 29 Eric Gujer.10. »Operation Alberich«. S.2007. 27 Stephen Grey (FN 6). S. SWR-4 25.12. Frankfurt am Main 2006. Heiße Spur nach Mallorca. 29.2006. Hintergrundgespräch des Autors mit Christoph Käss 27.10. 133. Hintergrundgespräch des Autors mit Manfred Gnjidic 19.2007. Peter Carstens.2005.2007. Eg. Dick Marty (FN 1). Hintergrundgespräch des Autors mit Manfred Gnjidic 19. z. 29. S. S. 28 Dick Marty (FN 1). S. vgl. a.2007. Bernd Schlecker.. 22. Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg. z. S. Stephen Grey (FN 6). 14.9. Brief an Bundeskriminalamt 53340 Meckenheim. Fußnote 105.2008.2005.2004.12. 209.9. 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 174 . 133f.6.2007. Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (FN 33). Tagesspiegel 15. Islamisten aus der schwäbischen Provinz. NZZ 21. S. FAZ 1.6. Ex-Imam aus Islamistenszene aufgetaucht.26 Stephen Grey (FN 6). Wie sich der BND dem Terro- rismus stellt. Spiegel 10. n. Simone Kaiser/u. Kampf an neuen Fronten. Wolfgang Schäuble im Bundestag. Stephen Grey (FN 6). 117.. 132.2.12.

Kapitel Terroristen und Agenten Madrid: Die juristische Aufarbeitung der Anschläge vom 11. Im Glutofen der koordinierten Explosionen wäre der Knotenpunkt des Nahverkehrsnetzes verglüht . Eigentlich hatten die Attentäter noch Schlimmeres vorgehabt: Sie wollten die Züge gleichzeitig sprengen. Wenige Minuten später detonieren Sprengsätze auch in den Stationen Santa Eugenia und El Pozo del Tío Raimundo. Fotos vom Tatort an jenem 11. 20 später. 500 Meter weiter vier Wagen einer S-Bahn.»Ein Attentat unter den Augen der Polizei. wenn sie in die Halle von Atocha einfahren. Verletzte hocken apathisch auf den Bahnsteigen. so die bald geprägte Chiffre der Medien für den Schreckenstag.« (Ein BND-Mitarbeiter über die Anschläge vom I I . Auch so war die Bilanz verheerend: 171 Menschen starben sofort. 2000 Verletzte mussten von hastig alarmierten RotkreuzHelfern vor Ort versorgt oder in den Krankenhäusern be- 175 . 3/11. drei S-Bahnen hatten Verspätung und kamen nicht fahrplanmäßig an. März 2004 weist entscheidende Leerstellen auf Der Tod kam um 7. März 2004 zeigen ein Bild des Schreckens: Auf dem Gleisschotter vor den zerborstenen Abteilen liegen Leichen und Leichenteile.dort steigen täglich 200 000 Pendler um.39 Uhr: Auf dem Bahnhof Atocha explodieren drei Waggons eines Nahverkehrszugs. Eine glückliche Fügung ließ diesen teuflischen Höhepunkt des Anschlages scheitern: Drei Bomben explodierten nicht. hätte Dimensionen von 9/11 erreichen können. Verblutende und Verstümmelte sterben unter herausgerissenen Sitzen. März 2004)1 10.

nicht mehr unterdrücken. Sie stammte aus einem Mobilfunkladen im Viertel Lavapies. man merkt's. Damit lag auch auf der Hand. Bis zum Freitag sagten alle Meinungsumfragen dem Amtsinhaber Jose Aznar einen Sieg voraus. Nur einmal hatte der Terrorismus in Europa einen höheren Blutzoll gefordert: Am 21.« Da 48 Stunden vor dem Urnengang der Wahlkampf zu ruhen hatte. sorgte nun für die Verbreitung der Wahrheit. starben 259 Menschen. wurde der Sprach über Handy verbreitet. »Se nota. Glied in einer terroristischen Kette war. die Sozialisten übernahmen die Regierung. als in einer PanAm-Maschine über dem schottischen Lockerbie eine Höllenmaschine detonierte. Die bosnische Connection Doch per Handy kann höchstens ein Stückchen Wahrheit verbreitet werden .dieser Slogan verbreitete sich am Samstag wie ein Lauffeuer durch das ganze Land: »Man fühlt's. die Regierung lügt. Eine der nicht-explodierten Bombentaschen führte die Fahnder schnell auf die richtige Fährte.zur Erforschung der ganzen braucht es die Methoden der traditionellen Polizei. Eine böse Ironie: Dieselbe Telekommunikationstechnik. Schnell wurde klar. die den Tod gebracht hatte. Dezember 1988. se siente. wenn auch sehr wichtiges. dass die Schuldzuweisung der damaligen konservativen Regierung von Premier Jose Maria Aznar an die baskische Untergrundorganisation ETA falsch war. der dem Marokkaner Jamal Zugam gehörte. Am Sonntag nach dem Madrider Inferno war Wahltag in Spanien. dass er nur ein. Dann ließen sich die Untersuchungen der Polizei. das wie bei den übrigen Sprengsätzen als Zünder fungierte. el gobierno miente« . Die Konservativen verloren die Wahl. In einem Handy.handelt werden. die gegen die baskische und für eine islamistische Spur sprachen. 176 . wurde eine Telefonkarte sichergestellt.und Justizarbeit.

Gründer der radikalen moslemischen Szene ist der in Syrien geborene Yarkas Imad Eddin Barakat alias Abu Dadah. behaupteten gemäßigt-muslimische Zeitungen aus Sarajevo. auf der Verbindungen zwischen der italienischen Hafenstadt Ancona. die in Lagern in der Nähe von 177 . Barakat sei das Bindeglied »zwischen dem bosnischen Schlafzimmer der Al Qaida und den Al Qaida-Kämpfern in Westeuropa« gewesen. Der Prozess endete für die Anklage blamabel und musste so enden. und wie fast überall in Europa war er auch in Spanien mit dem bosnischen Bürgerkrieg zu Beginn der neunziger Jahre verbunden . Er beschließt den Glaubensbrüdern in Sarajevo. als Jugoslawien gerade am Auseinanderbrechen ist. da .wie an anderer Stelle in diesem Buch gezeigt (vgl. die dem Treiben der ausländischen Mudschahedin kritisch gegenüberstanden. September 2001 hinter Gittern bringen.und offeriert Spanien als Rückzugsraum für Verwundete. ist islamistischer Terrorismus. Tuzla und Srebrenica gegen die christlich-serbischen Teufel beizustehen. organisiert Freiwillige für die bosnische Front . der nach Madrid kommt.und von Geheimdienstagenten infiltriert. sollte aber den weiteren politischen und kriminellen Hintergrund ausleuchten und die Organisatoren eines spanischen Zweigs der Al Qaida nebst ihrer Mitverantwortung für die Anschläge am 11. dass die spanische Al Qaida »sich aus Mudschahedin zusammensetzt. Kapitel 1) .Zwei Mammutprozesse sollten die Verantwortlichkeiten klären. Was es zweifellos gab und gibt.Al Qaida als Organisation nie existiert hat und es deswegen auch schwerlich eine Zweigniederlassung von ihr auf der iberischen Halbinsel geben konnte.2 Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurde eine Karte gefunden. dem kroatischen Split und dem bosnischen Zenica eingezeichnet waren. Daraus zogen italienische Zeitungen den Schluss. März 2004 zu tun. Das erste Gerichtsverfahren hatte nichts mit dem 11.

entgegen der Fluchtlinie gewöhnlicher Asylsuchender . war der dortige Kommandant nicht gerade erfreut und »beklagte sich über die jungen Leute. der Zugam für die Barakat-Zelle angeworben haben will. wie wir gleich sehen werden. März mit vorbereiteten: zum einen Mohamed Neeld Acaid.5 Zum anderen der Marokkaner Abdelmajid Bouchar. und Barakat holte ihn zur medizinischen Behandlung nach Madrid.Zenica ausgebildet wurden«. Der Mann war als einziger dem Zugriff der spanischen Polizei drei Wochen nach dem Zug-Massaker entkommen. der Mitte August 2005 in Belgrad aufgegriffen wurde. gehörten zumindest drei. bewegte. S. Bouchar aber hatte . wo Barakat überhaupt etwas Handfestes nachgewiesen werden konnte.Richtung Süden. 68).8 Das war auch der einzige Punkt. Sieben der als Bombenleger Verdächtigten hatten sich damals in die Luft gesprengt. in dem die Rucksackbomben gefertigt wurden«. »dem das Haus bei Madrid gehörte.4 Zu jenen Rekruten. als er sich . Er hatte auf dem bosnischen Schlachtfeld ein Auge verloren. Dort waren sie allerdings nicht immer willkommen.3 Daran ist immerhin so viel wahr.seltsam genug kurz vor Eintreffen der Antiterrorkommandos das Weite gesucht. Als er etwa im November 1995 das Ausbildungscamp in Zenica anrief und eine neue Ladung spanischer Rekruten ankündigte.6 Zum dritten Salaheddin Benyaich. die Barakat in das bosnische Feuer geschickt hatte. dass Barakat seine Leute vor allem in dieses mittelbosnische Städtchen schickte. über dessen Bedeutung im Buch schon mehr zu lesen war (vgl.7 Insgesamt 300 Mal wurde Bosnien in der Anklageschrift gegen die mutmaßlichen Mitglieder der spanischen Al Qaida-Zelle erwähnt. also Richtung Kosovo oder Albanien. 178 . die Barakat in das Lager geschickt hatte«. die später das Inferno des 11.

25 Jahre für jeden in New York. Zeugen dafür gab es keine. ist ohnedies strittig. fasst Ralf Streck. da wird die Beweislage schon dünner«. dass Barakat islamistische Kämpfer in Spanien für den Einsatz in Bosnien rekrutiert und mit Geld unterstützt hat.27 Jahre. und zwar mit dem Hamburger Zellenchef Mohammed Atta und dem angeblichen 9/11-Mastermind Ramzi Binalshibh zur letzten Vorbereitung der Mega-Attacken. denen eine Beteiligung am 11. Gemessen am geforderten Strafmaß endete der Prozess mit einer Pleite. Ob Atta zu dieser Zeit überhaupt in Spanien war. denn der tote Atta konnte nicht mehr befragt werden. der angeblich in US-amerikanischer Haft sein soll. September 2001 zur Last gelegt wurde . zusammen. »Bewiesen wurde nur. Ob er dies auch im Falle von Indonesien und Afghanistan getan hat. der bestinformierte deutsche Beobachter des Verfahrens. Die Staatsanwaltschaft forderte jeweils absurde 74337 Jahre Haft für Barakat und zwei weitere Männer. April 2005. Weitere 15 Jahre muss er wegen 9/11 im Gefängnis verbringen. Washington und Pennsylvania getöteten Menschen. Juli 2001 in Tarragona. Nachgewiesen wurde ihm nichts. 179 .Der 9/11-Prozess Das Madrider Gerichtsverfahren gegen die 24 Angeklagten begann am 22. und eine Aussage von Binalshibh. Der wichtigste davon war ein angebliches Treffen am 16. wurde von den US-Behörden nicht zugelassen. Rädelsführer Barakat muss lediglich einen Bruchteil der vom Staatsanwalt verlangten Zeit im Gefängnis absitzen . 20 der übrigen Angeklagten mussten sich Zugehörigkeit zu beziehungsweise Unterstützung von Al Qaida vorwerfen lassen. die aber gemäß der spanischen Rechtslage als »solide Beweise« gewertet worden seien.9 Für diese Aktivitäten als Mitglied einer Terrororganisation erhielt Barakat 12 der 27 Jahre Haft. Streck konnte lediglich »gewichtige Indizien« erkennen.

in Afghanistan vor seine Kamera zu bekommen. Bankkonten zu eröffnen und in den Jahren 2006 und 2007 Schecks in Höhe von 2.Im Gefängnis hatte Barakat merkwürdige Freiheiten.3. kam mit sechs Jahren Gefängnis davon. für Alluni endete die Sache im Knast. Der politische Charakter des Verfahrens wurde an der Verurteilung eines Journalisten deutlich. weil die Justiz es verabsäumt hatte.11 Im Verfahren wegen der Anschläge vom 11. Ende April 2008 berichtete »El Pais«. Der bereits erwähnte Bosnienkämpfer Acaid wurde zu knapp neun Jahren Haft verurteilt. soll es der gebürtige Syrer geschafft haben. Obwohl er unter ständiger Überwachung steht und alle seine Telefongespräche abgehört werden.10 Driss Chebli. Freigesprochen wurde der dritte wegen 9/11 Angeklagte. mit dem Teufel höchstpersönlich ein Interview zu führen: Es gelang ihm. dass es keine Beweise für die Übergabe des Streifens gebe. bereits 1997 die Twin Towers in New York gefilmt und dieses Video zur Vorbereitung der Operation an Al Qaida weitergeleitet zu haben. Osama bin Laden am 21. Ghasoub al Abrash Ghalyoun. Ihm war allen Ernstes zur Last gelegt worden. Doch die Amateurfilmchen waren von lachhafter Qualität. also kurz nach 9/11. der die Tarragona-Konferenz vorbereitet haben soll. und der spanischen Auslandsgeheimdienst UCIE bestätigte überdies. den Richterspruch rechtskräftig zu machen und eines Tages die vierjährige Höchstdauer für die U-Haft überschritten war.4 Millionen Euro einzulösen. Er kam im Februar 2006 frei. »Seine journalistische 180 . Ein CNNMann hätte dafür vielleicht den Pulitzerpreis erhalten. Oktober 2001. obwohl in seinem Haus die Bomben zusammengebaut worden waren. die er allerdings nicht absitzen musste. hatte das unverzeihliche Verbrechen begangen.2004 wurde er gar nicht erst angeklagt. Reporter des arabischen TV-Senders »Al Jazeera«. Taisir Alluni.4 Millionen Euro unterstützt habe. dass er von seiner Zelle aus Terrorgruppen mit insgesamt 2.

12 Die Organisation Reporter ohne Grenzen kommentierte: »Wenn es sich nur um Terrorismus handelt. bis die Polizei die angeblichen Drahtzieher des Zug-Massakers aufspürte.13 Dafür wurde er zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt.« Zum Verhängnis wurde Alluni. sprengten sich sieben der acht Anwesenden in die Luft. De facto wurde nur von Ende April bis Anfang Juli verhandelt. und die spanische Justiz geriet offensichtlich unter Druck. April 2004 wurde eine Wohnung im Madrider Stadtteil Leganes umstellt und gestürmt. Unter den Toten war Serhane Ben Abdelmajid Fakhet. ob es ohne die neuerlichen Anschläge in London nicht mehr Freisprüche gegeben hätte«. so die Version der Polizei. Dann explodierten die Bomben in London.14 Der 3/11-Prozess Es dauerte keinen Monat. März. »Es stellt sich die Frage. hätte der Staatsanwalt niemals das Interview als Anklageelement nutzen dürfen. Um sich der Verhaftung zu entziehen. Deckname »der Tunesier«. schnell ihren Beitrag zum Antiterrorkampf zu leisten. Die Anklage gegen die übrigen Täter verzichtete von 181 . Von den übrigen 20 Angeklagten wurden fünf freigesprochen. Nur der oben erwähnte Acaid wollte und konnte entkommen. dass er »einem Al Qaida-Führer« in seinem Haus in Granada Unterkunft und Geld geboten haben soll. September 2005. kritisierte Allunis Anwalt Jose Luis Galan. schreibt Streck. jeweils unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Maß.Arbeit wird mit einer angeblich terroristischen Tätigkeit vermischt«. Der Fernsehsender ging in Berufung. Auffällig war die Kürze des Verfahrens: Das Urteil erging am 26. Ihn hielten die Ermittler für den Kopf des Terrorkommandos vom 11. Die restlichen 15 erhielten Haftstrafen zwischen sechs und elf Jahren. Am 3.

Das Ganze war mein Projekt.15 Das Verfahren begann am 15.vornherein auf die Konstruktion einer organisatorischen Verbindung zu Al Qaida und erwähnte nur vage den propagandistischen Einfluss: Die Attentäter »bezogen ihre Inspiration von einer Website. Mit knapp 35000 Jahren (25 Jahre für jeden Toten. Und obwohl ich im Augenblick 182 . In der Anklageschrift konnte man allerdings Zitate eines Anrufs lesen. Der Mann. der in Mailand lebende Rabei Osman el Sayed (Deckname »derÄgypter«). 15 Jahre für jeden Verletzten) erhielt der Spanier José Emilio Suärez Trashorras ein ähnlich hohes Urteil. Februar und endete am 31. sondern lediglich Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung nachgewiesen. Der oben erwähnte Bosnienkämpfer Abdelmajid Bouchar wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt. Darin bezeichnete er sich angeblich als Anstifter und Organisator der Aktion: »Sie. Spanien zum Rückzug seiner Truppen aus dem Irak zu veranlassen«. Für acht der 28 Angeklagten reichte es nicht einmal dazu: Sie wurden freigesprochen. wie den übrigen hier nicht genannten Verurteilten. Ihr Strafmaß: rund 40000 Jahre Haft . der nicht moslemischen Glaubens ist. die örtliche Islamisten in Spanien vor den Parlamentswahlen 2004 aufrief. da er den Sprengstoff der Marke Goma 2 ECO aus einem asturischen Bergwerk gestohlen und für 7000 Euro und eine unbestimmte Menge Haschisch an Zugam verkauft habe. Ihm wurde. keine direkte Tatbeteiligung. den er bei einem Araber in Belgien gemacht hatte. Oktober 2007. eines das mich viel Geduld und Studium gekostet hat. die als Märtyrer gestorben sind. waren meine viel geliebten Brüder.« Und an anderer Stelle heißt es: »Der Faden von Madrid bin ich.30 Jahre für jeden Toten. sei »notwendiger Kollaborateur« der Terroristen gewesen. 20 Jahre für jeden Verletzten. Darunter war überraschenderweise auch der angebliche »Mastermind«. Als eigentliche Bombenleger wurden der eingangs erwähnte Telefonshop-Besitzer Jamal Zugam und Otman al Gnaui verurteilt.

im Zivilleben Imam der Moschee im Madrider Stadtteil Villaverde. Dieser Cartagena. März 2004 ausspioniert und für jeweils 300 Euro monatlich ihre Pläne an die Polizei weitergemeldet.und nichts passiert Viele der Terroristen vom 11. So hatte man den Bombenleger Jamal Zugam »seit rund zehn Jahren aufmerksam observiert und abgehört«. Vor der Operation hatte ich am 4. wahrscheinlich auch von Amerikanern und Israelis«. Fast alle der später Angeklagten und Verurteilten standen unter Beobachtung. Unter dem Aufmacher »Die Berichte von Cartagena beweisen. ursprünglich ebenfalls einer der Hauptangeklagten: Er erhielt 15 Jahren Haft. Totale Überwachung . unter anderem Spitzelrapporte eines Maulwurfs in moslemischen Zirkeln. aber wahr: Mit dem Freispruch für den »Ägypter« ließ das Gericht offen. obwohl die gegen ihn vorgebrachte Anschuldigung im Prozess zurückgenommen wurde. hatte zwischen Oktober 2002 und Februar 2004 die späteren Täter des 11.«16 Die Richter hielten die Übersetzungen dieses und ähnlicher Telefonanrufe für falsch. dass die Polizei die Chefs des 11. März 2004 waren für den Staatsschutz keine Unbekannten. sondern zumindest auch von marokkanischen und französischen Stellen. Die gab lediglich die von Cartagena überlieferten Te- 183 . Man vergleiche den Freispruch des »Ägypters« mit dem Urteil gegen Hassan al Haski.17 Zugam ist kein Einzelfall. März noch Kontakt mit ihnen. und das »nicht nur von der spanischen Polizei und dem Geheimdienst. Traurig.des Ereignisses nicht dort war. vor allem nach den Selbstmordattentaten von Casablanca im Mai 2003. wer die eigentlichen Führer und Drahtzieher waren. überdies sei die Überwachung unrechtmäßig gewesen. März kontrollierte« veröffentlichte etwa die Tageszeitung »El Mundo« Ende Mai 2005 Dokumente des Polizeiinformationsdienstes. sage ich dir die Wahrheit.

und zwar für die Guardia Civil.lefonnummern der späteren 3/11-Täter zur Genehmigung des heimlichen Mitlauschens der Gespräche weiter. Verantwortlich für die Telefonüberwachung war der Ermittlungsrichter Baltasar Garzón.21 Handelten diese V-Leute auf eigene Faust. resümiert Streck.«18 »El Mundo« kommentiert: »Es ist offensichtlich. wiegten die Polizei aber im Glauben.. in Asturien auch als Polizeispitzel. Der umstrittene Jurist sei »quasi live beim Sprengstofftransport der Spitzel zu den Attentätern zugeschaltet« gewesen. Entweder durch eine sorgfältige Polizeioperation oder durch eine juristische Intervention. sie blieben immer kriminell. der Mann. Beide handelten völlig skrupellos. obwohl Garzón die Aufzeichnung der Gespräche der Beteiligten genehmigte. die nicht stattfand.. dass Garzón schon am Mittag des 11. wie die »FAZ« im Falle von Trashorras und Zouhier suggeriert? 184 . dass die Wagen aus Asturien (mit dem Sprengstoff) mehrfach von der Guardia Civil gestoppt wurden. wer die Täter waren. schritt aber nicht gegen die Anschlagsplanungen ein. Und es verwundert ebenso wenig. »Es wundert deshalb auch niemanden. dass die Anschläge von Madrid zu verhindern gewesen wären. waren fünf Mitarbeiter der Dienste. aber unbehelligt blieben.« Einige der in den Anschlag Verwickelten wurden aber nicht nur überwacht. die in Asturien wegen des Sprengstoffschmuggels an die Terroristen verhaftet wurden. Vor allem trifft das auf eine Schlüsselperson zu: den Sprengstofflieferanten Trashorras. ihre Informantentätigkeit könne sich für die Behörden lohnen. März darstellen sollte. Die »FAZ« schrieb: »Trashorras arbeitete . genau wie in Madrid Rafa Zouhier. der das Verbindungsstück zwischen Trashorras und den Terroristen des 11.« 19 Was die »FAZ« nicht schrieb: Auch Zouhier war V-Mann. sondern waren selbst Mitarbeiter diverser Geheimdienste.20 Unglaublich. März wusste. aber wahr: Von elf Personen.

in dem die Bomben gebaut wurden. Geheimagenten oder Zuträger der Sicherheitsdienste .. »weil seine Fingerabdrücke sogar in dem Haus in der Nähe von Madrid gefunden wurden. sondern auch weitergehend an der Operation beteiligt. die in die Anschläge verwickelt sind«?23 Aktenkundig ist immerhin. die auch bei 3/11 verwendet wurde. Dies war bekanntlich die beim Zug-Massaker verwendete Methode gewesen. welche die Bomben in den Vorortzügen deponierten«. Ein Zeuge will ihn zudem als eine der Personen erkannt haben. Er könne Tonnen davon besorgen. Trotzdem kam er abermals frei. Trashorras habe Lavandera auch gefragt. Erwiesen ist aber. 185 . der auch Funktionär der Sozialistischen Partei ist. und zwar ein gewisser Fernando Huarte. Dieser Francisco Javier Villazón alias Lavandera informierte die Polizei spätestens im August 2001 über den Sprengstoffdealer. ob dieser jemanden kenne.22 Seltsam ist auch das Glück. Das Tonband mit der Aussage von Lavandera aus dem Jahr 2001 verschwand aus ungeklärten Gründen für einige Jahre und wurde erst während der Ermittlungen 2005 von der Presse veröffentlicht.. der Mobiltelefone als Bombenzünder präparieren könne. Der später verurteilte Trashorras habe Lavandera bereits damals etwa 40 Kilogramm Dynamit derselben Marke angeboten. habe er geprahlt. dass sich ein Mitarbeiter des Geheimdienstes CNI. Vielleicht war Trashorras also nicht nur Lieferant. dass die Umtriebe von Trashorras durch einen weiteren Spitzel rechtzeitig an die Guardia Civil weitergemeldet wurden.Oder waren sie im Auftrag der Geheimdienste tätig? Letzteres lässt sich nicht beweisen.. das der Marokkaner Fouad el Morabit Amghar lange Zeit hatte. wurde aber schnell wieder auf freien Fuß gesetzt. Er war nach dem 11. März 2004 verhaftet worden. Am 31. mehrfach vor und nach der Tat mit ihm getroffen hat. März 2004 kam er erneut hinter Gitter. Hatte er Protektion von oben? Gehört auch er »zum Kreis der Spitzel.

der von ihr und anderen besorgte Sprengstoff sei für das Massaker benutzt worden. wie »El Mundo« ihn bezeichnet. Esad Hecimovic. »El Mundo« zitierte aus einem abgehörten Telefonat zwischen Frau Toro und dem Chefinspektor der Polizei von Àviles. 22. Eric Gujer. habe sie an jenem Tag dem Kriminalbeamten gesagt.. Manuel (Manolo) Garcia Rodriguez. März 2004 glaubte. kurz nach dem Bombeninferno. ihr Bruder Antonio arbeitete ebenfalls als Polizeispitzel. die spanischen Sozialisten auf die eine oder andere Weise in die Attentate verwickelt?«24 Mit Ausnahme von Trashorras kamen die anderen angeklagten V-Leute gut aus dem Prozess heraus. Schwager und Ehefrau des verurteilten Haupttäters Trashorras. Kampf an neuen Fronten.«25 Anmerkungen 1 2 z. S.. 186 . Gerhard Wisnewski hat die Aufnahme in seinem Buch Verschlußsache Terror veröffentlicht. 170. Frau Toro war am Dynamitschmuggel an die Attentäter beteiligt gewesen. Frankfurt am Main 2006.2002. n. das den späteren Wahlsieger und Ministerpräsidenten José Luis Rodriguez Zapatero zwischen seinen Parteigenossen Gaya und Huarte zeigt. Freigesprochen wurden Antonio Toro und Carmen Maria Toro. Zwei Tage vor dem Anschlag entstand bei einer Wahlkampfveranstaltung der PSOE ein Foto. dass die Gattin von Trashorras schon am 11.Auch der Sozialist Rabin Gaya hatte Kontakt zu einem der Attentäter. eine der geringeren Strafen.11. Dani (Sarajevo). Wie sich der BND dem Terrorismus stellt. die Anschläge gehen auf das Konto der ETA. Der Spitzel Zouhier wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. »Manolo. Blokada na putu mladih muslimana. habe erwidert: »Du kannst beruhigt sein. ich glaube wir haben es verschissen«. Daraus wird deutlich. Der »Veteran des antiterroristischen Kampfes«. Seine Frage: »Sind.

42f.2005. Ralf Streck. 175 ff.7. N.2008.indymedia. faz. München 2007.2. Ralf Streck. FAZ 14.es/elmundo/2005/06/06/espana/l 118066833. Knut Mellenthin.2004. Spitzel in Madrider Anschläge verwickelt.4.2004.2004. bitte kommen. Spiegel Online 26. Verschlußsache Terror. Ralf Streck. telepolis 15. wie. Moroccan wanted over Madrid bombings arrested in Belgrade. 17.3.4.5. Darko Trifunovic.4. Defense & Foreign Affairs Special Analysis 21.2005. 27 Jahre Haft für Qaida-Drahtzieher. http:// www. Exclusiv: Pattern of Bosnian and Other Links to Madrid Bombings Becoming Increasingly Clear.yahoo. Neue Festnamen.6.5.2005. Wer die Welt mit Angst regiert. Polizeispitzel und Terroristen. telepolis 30.Hintergründe und Folgen. n. Ralf Streck (FN 11). ND 29.9.net 15. Marruecos reconoce haber perdido el control de 400 extremistas entrenados en Afganistan. N. Terror und Staat. El Munde 10. Ralf Streck. S. z. Zweifelhaftes Urteil im Al Qaida-Prozess in Madrid.2004. Goma zwo. Keine Aufklärung des Madrider Massakers.com/news?tmpl=story&u=/ afp/20050817/ts_afp/spainattacksserbia_050817131209).2005. La >célula< de Avilés. Gerhard Wisnewski. Leo Wieland. Madrider Zelle reine Erfindung. de/tp 15. Viele Indizien gegen den »Ägypter«. Al Kaida steckt nicht hinter Anschlägen von Madrid. Welt 11. El Pais 25.6.2005.. S. Spanska celija al-Kaide obucavana u Zenici.heise. www.9. yahoo-news.2007. telepolis 18. Berlin 2004.elmundo. de.2005. Ralf Streck. FAZ 7. Polizei kontrollierte Chefs der Madrider Anschläge. Ralf Streck. Ralf Streck (FN 11). Spanische Geheimdienste. September . Madrid und das gläserne »Al Qaida-Terrornetzwerk«.. N.html. 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 187 .6..2005 (http://news.8.3 Sanja Mihaljinac. Der 11.org 12.3. neue Spitzel. Ralf Streck (FN21).2006. Oslobodjenje (Sarajevo). dpa/ND.2006.). Al-Qaida-Mann soll Terrorzellen aus der Haft finanziert haben.2005. Ralf Streck (FN 22). Jucio a la Célula Española de Al Qaeda. El Mundo 6. Paul Ingendaay. Jose Maria Irujo. 17.2005. in: Ronald Thoden (Hrsg.3. telepolis 27. N. Fernando Mugica.2004.7.6.

die wir mit einem gefälschten Autogramm von Leadsänger Bono verziert hatten. Aber wir zogen ihn auf unsere Seite.»In mancher Beziehung sah sie viel klarer als Winston und war weit weniger für Parteipropaganda empfänglich. Kampfname »Hulji«. wundert sich der Mann in Anspielung auf die in der serbischen Provinz nach dem Krieg 1999 stationierten internationalen Friedensschützer der Kfor. wollte er unbedingt mit uns ins Geschäft kommen. Als er einmal in irgendeinem Zusammenhang die Rede auf den Krieg gegen Eurasien brachte. wird beschuldigt. »1984«) I I. Juli 2005 hat im Auftrag des MI6 in Bosnien und im Kosovo gekämpft Die Terroristen besorgten sich den Plastiksprengstoff im Kosovo. verblüffte sie ihn.« Hulji soll demnach gesagt haben: »Ich kann euch genug Semtex 188 . indem sie ganz beiläufig sagte. »Hulji. Er posierte sogar grinsend für einen Fotografen. von der dortigen Untergrundbewegung UCK. »Wir trafen ihn unter der Nase der Britischen Armee und der UN-Streitkräfte«... »Wir kauften genug Semtex. Als wir ihm eine der CDs der Band versprachen.« (George Orwell. während des Krieges serbische Frauen und Kinder massakriert zu haben. Kapitel Im Geheimdienst Ihrer Majestät London: Der mutmaßliche Drahtzieher der Bombenanschläge vom 7. indem wir uns eine seiner Schwächen zunutze machten: Er ist ein großer Fan der irischen Rockband U2. Geliefert wurde vom UCK-Feldkommandanten Niam Behljulji. um die Oxford Street oder das Parlament hochzujagen oder 40 Lockerbie Jets herunterzuholen«. in der Hand den abgeschnittenen Kopf eines seiner Feinde. ihrer Meinung nach gebe es diesen Krieg überhaupt nicht Die täglich in London einschlagenden Raketenbomben würden vermutlich von der Regierung Ozeaniens selbst abgefeuert >nur um die Leute in Furcht und Schrecken zu halten<. gibt später einer der Einkäufer zu Protokoll.

Zwar war die von der UCK gelieferte Ware von mörderischer Qualität . Bemerkenswert ist. Zu Jahresende 2003 hatten sie sich in den albanischen Untergrund mit der Tarnung einschleusen lassen. Nach vier Tagen war die Ware angekommen und wurde übergeben. sie seien Kämpfer der nordirischen IRA und an modernsten Waffen interessiert. darunter übrigens zwölf kosovarische Polizisten.« Nun war alles bereit für den Big Bang in London. Kann an Flughäfen nicht entdeckt werden.der Beweis für Semtex. Man kann ihn nicht aufspüren . brannte es mit einer intensiven blauen Flamme . weil er eine Terroroperation der UCK gefährdet hatte.« Insgesamt wechselten 13. Für Kommandant Hulji endete die Operation tragisch: Es gab viele Gerüchte. dass die Journalisten ihren Undercovererfolg noch andernorts wiederholen wollten. Allerdings konnten 189 . Tatsächlich waren sowohl die kroatische wie die serbische Mafia in höchstem Maße geschäftsbereit.doch die Einkäufer waren keine Terroristen. Gott sei Dank wurde nichts draus. wonach Hulji ermordet worden ist. Die wurde in einem Bungalow der Terroristen eingesperrt. benachrichtigen sie über Satellitentelefon britische Polizeieinheiten in Pristina. Die Käufer waren skeptisch. sondern Journalisten des britischen Wochenblattes »Daily Mirror«.5 Kilo Semtex in 108 Stangen für 10 000 Pfund den Besitzer. Braucht ihr es für Terrorismus?« Und er versprach: »Der Plastiksprengstoff ist vom alten Typus: ohne Metallstreifen im Innern. Unmittelbar nachdem der Deal gelaufen war. das Zeug fühlte sich wie Spielzeugknete an. der genau gegenüber der Residenz des britischen Botschafters in der kosovarischen Hauptstadt Pristina lag.und nahmen die beteiligten albanischen Terroristen innerhalb kurzer Zeit fest.für einen kleinen Krieg besorgen. Die stellten das Semtex sicher .es gibt auch keine chemischen Marker. »Aber als wir es mit einem Feuerzeug anzündeten. Die Albaner waren vorsichtig: Sie wollten eine Anzahlung auf dreiviertel des Betrages und eine Geisel als Pfand.

Edgware Road und Russell Square. »dass die für die vier Anschläge verwendeten Sprengsätze sehr wahrscheinlich von ein und demselben Hersteller stammen.50 Uhr. Dieser habe Militärsprengstoff für die Bomben benutzt. Vor dem Hintergrund des eingangs geschilderten Semtex-Kaufs im Kosovo musste es einigermaßen elektrisieren. 190 . Juli berichtete das Blatt: »Der Sprengstoff wird vor allem in den USA hergestellt. Juli 2005 morgens. Insgesamt starben 56 Menschen. Es kam jedoch nur zu relativ harmlosen Verpuffungen ohne Personenschäden. Am 21. der aus dem Balkan gekommen sein könnte.«2 Am 13. zum Beispiel vom Balkan«. darunter die vier angeblichen Attentäter. mindestens 700 Menschen wurden verletzt. aber es gibt Beweise.«3 Auch Christophe Chaboud.4 Für Yossef Bodansky. vermutete »Schmuggel. den Terrorbeauftragten des US-Senats. dass militärischer Sprengstoff von Terroristengruppen auch aus Quellen in Kroatien und anderswo auf dem Balkan besorgt worden ist. dass unmittelbar nach 7/7 von verschiedensten Seiten Hinweise kamen. Diesen Stoff hatte es nur in Pristina gegeben. Leiter der französischen Koordinationsstelle zur Terrorbekämpfung. war der Sprengstoff »wahrscheinlich aus Bosnien-Herzegowina« gekommen. Juli sollten vier weitere Bomben im Londoner Nahverkehrsnetz explodieren.5 Doch innerhalb einer knappen Woche verschwand die Balkan-Connection wieder aus der öffentlichen Diskussion. 57 Minuten später detonierte eine vierte Bombe im Doppeldeckerbus Nummer 30 nahe Tavistock Square.1 Von der Drina an die Themse Am 7. Die »Times« schrieb. zerrissen drei Bomben innerhalb von 50 Sekunden Zugwaggons in oder kurz vor den Londoner U-Bahnhöfen Aldgate. dass die verwendeten Bomben balkanischer Herkunft waren. um exakt 8.die Einkäufer weder in Zagreb noch in Belgrad Semtex auftreiben.

Seibstmordbomber oder Marionetten In dem ganzen Infotainment der Behörden gingen die Balkanspur und viele andere Details. dass die vier Männer gefasst werden und alles verraten«. fragte etwa der »Independent on Sunday« Mitte Juli 2005. wie ansonsten bei Selbstmördern üblich. sollen nicht aus hochmodernem Plastiksprengstoff hergestellt worden sein. wenn sie sterben wollten?«. so die neue Sprachregelung. sondern auch ihre Parkscheine brav bezahlt hatten. wie es die Attentäter im Vorjahr in Madrid gemacht hatten? Weiter- 191 . Wenn sie sie aber schon in Rucksäcken herumschleppten . Außerdem hatten sie die Bomben nicht um den Körper geschnallt. »Warum kauften sie sich Rückfahrkarten.6 Auch Scotland Yard räumte zu diesem Zeitpunkt ein: »Wir haben keine eindeutigen Beweise. Und weiter: Die Hintermänner wollten womöglich »nicht riskieren.und die Bomben.warum stellten sie diese dann nicht rechtzeitig ab und brachten sich in Sicherheit. schnell unter. Etliche Indizien sprechen dafür. dass diese Männer die Anschläge nicht hatten begehen oder sich zumindest nicht hatten opfern wollen. Shezaad Tanweer und Lindsay Germaine. weil die Verdächtigen nicht nur Rückfahrkarten gelöst.7 Diese These erscheint plausibel. Dazu gehörte etwa das seltsame Verhalten der angeblichen Attentäter. Alle vier waren britische Staatsbürger. dass die Männer Selbstmordattentäter waren. der letzte kam aus Luton und stammte aus Jamaica. Als solche identifizierte Scotland Yard innerhalb weniger Tage vier Männer: Mohammed Siddique Khan.« Das Quartett »sei unter Umständen von Hintermännern in eine Falle gelockt worden«. Die ersten drei hatten ihren Wohnsitz in Leeds und waren pakistanischer Herkunft. die der offiziellen These widersprachen. Hasib Hussain. zitierte der »Sunday Telegraph« aus Geheimdienstkreisen. sondern aus handelsüblichen Chemikalien.

Juli bestätigten Ermittler. wo die Explosion die maximale Verwüstung hervorgerufen hätte? Auch die ersten Erkenntnisse über den Zündmechanismus der Bomben unterfütterten die These. dass sie in eine Falle gelockt wurden. um sich ein Weiterleben zu wünschen. der frühere Antiterrorismus-Beauftragte der CIA. Noch am 7. fast eine Stunde nach den beinahe synchronen ersten drei? Warum stellte sich der Attentäter im Bus nicht an den Aufstieg zur Wendeltreppe. Demnach wurden die Bomben nicht über einen Zeitzünder oder über ein Mobiltelefon (wie in Madrid) aktiviert. ihre Frauen waren schwanger .ein weiteres Motiv. dass es sich nicht um Selbstmordbomben handelt. wonach die vier Männer die Bomben nicht selbst ausgelöst hatten. die vierte Detonation. sondern von den Attentätern selbst per Knopfdruck gezündet. die zurückgelassen wurden. sondern um Sprengkörper in Päckchen oder Taschen. die diese Widersprüche auflösen sollte.9 Am nächsten Tag meinte Vincent Cannistaro. schrieb der »Independent on Sunday«.47 Uhr. die Polizei habe »mechanische Zeitzünder« an den Explosionsstätten der Bomben gefunden. Warum erfolgte sie erst um 9. was sie für die Überreste von Zeitzündern bei den Untergrund-Explosionen hält.«11 Nach sieben Wochen präsentierte Scotland Yard eine Theorie.12 Damit wäre die These.hin sahen zwei Verdächtige Vaterfreuden entgegen. »Wurden die Bomber gelinkt? Das würde Berichte erklären. Juli sagten britische Sicherheitsbeauftragte gegenüber ABC News: »Die Polizei hat auch etwas entdeckt. vom Tisch. dass die drei Bomben in der U-Bahn »offensichtlich mit Zeitzündern« aktiviert worden waren.8 Insbesondere diese. gibt den Ermittlern Rätsel auf. was sie glauben lässt. wonach ein Mann im Bus kurz vor der Explosion in seiner Tasche herumwühlte«. Doch auch dieser Erklärungsansatz scheitert an der 192 . Auch das Verhalten des Attentäters im Doppeldeckerbus spricht für die Theorie vom unfreiwilligen Ableben.10 Ebenfalls am 8.

Dass Augenzeugen ihn gesehen haben. Das sei der Grund gewesen. Juli zu veröffentlichen . wird in dieser Lesart als Indiz für den geplanten Rückzieher gedeutet.13 Doch würde die Theorie von der Verabredung zum gleichzeitigen Knopfdruck stimmen. Vor allem ein Widerspruch der Druckknopf-Theorie bleibt unauflösbar: Wenn Attentäter Nummer vier wirklich aus der Operation aussteigen wollte. hätte er natürlich wissen müssen. ging in ein McDonalds-Restaurant und tätigte drei hektische Telefongespräche mit seinen drei Freunden. Die einzige Aufnahme. dass seine Telefonanrufe zu spät kamen . durchaus. Die Bombe aber explodierte auf dem Oberdeck.obwohl es aufgrund der Rundumüberwachung der U-Bahnhöfe eigentlich eine große Zahl davon geben müsste. warum zündete er dann die Bombe überhaupt noch?14 All dies deutet daraufhin. die Untergrund-Sprengsätze gingen bereits um 8. Die Behörden wollen herausgefunden haben.die Nordlinie fuhr nämlich an diesem Vormittag. anders als zunächst angenommen. Ein Zug nach nirgendwo Die offiziellen Angaben über den angeblichen Tatablauf sind in höchstem Maße verwirrend. Doch beim Vergleich der Aussagen stellt man fest: Der RucksackWühler saß unten im Bus. Dazu beigetragen hat die Weigerung der Behörden. dass der mutmaßliche Bombenleger Nummer vier im letzten Augenblick nicht mehr mitmachen wollte. wie er im Bus hektisch in seinem Rucksack herumsuchte. der im Doppeldeckerbus. Demnach flüchtete er aus dem U-Bahnhof. dass er die Explosion nicht selbst auslöste. warum er die vorgesehene U-Bahn nicht nehmen wollte . Videoaufnahmen von den vier Verdächtigen vom 7.50 Uhr hoch. angeblich um sie von seinem Entschluss zu unterrichten.er telefonierte kurz vor neun Uhr.vierten Explosion. die Scotland Yard freigegeben 193 .

hat, zeigt die vier Männer beim Betreten der Station Luton
um 7.21 Uhr. Von dort sollen sie gemeinsam den Zug nach
King's Cross genommen haben, wo sie sich trennen wollten. Zunächst wurde 7.40 Uhr als Abfahrtszeit von Luton
genannt, dann 7.48 Uhr angegeben.
Der Buchautor Nafeez Mosaddeq Ahmed hat für seinen alternativen Untersuchungsbericht zu den Londoner
Ereignissen herausgefunden, dass beide Versionen nicht
stimmen können. Zu diesem Zweck hat er die Actual Train
Times-Liste untersucht, in denen der Linienbetreiber
Thameslink Tag für Tag die Zeiten registriert, zu denen
seine Züge verkehren. Im Unterschied zu den Fahrplänen,
die die vorgesehene Abfahrts- und Ankunftszeit verzeichnen, wird aus dieser Liste ersichtlich, wann die jeweilige
U-Bahn tatsächlich die vorgesehenen Bahnhöfe erreicht.
Das Ergebnis für den Morgen des 7. Juli 2005 ist verblüffend: Statt der für 7.40 Uhr und 7.48 Uhr vorgesehenen
Züge fuhren zwei andere, nämlich um 7.42 Uhr und um
7.56 Uhr.
Der um 7.42 Uhr abgefahrene Zug traf um 8.42 Uhr in
King's Cross ein, der um 7.56 Uhr abgefahrene um 8.39
Uhr. Die Polizei aber behauptet, eine Videokamera in
King's Cross habe die vier Verdächtigen um 8.26 Uhr aufgenommen - also vor dem Eintreffen sowohl des einen
wie des anderen Zuges. Somit haben wir angeblich zwei
Videoaufnahmen - eine um 7.12 Uhr in Luton und eine um
8.26 Uhr in King's Cross -, aber es gibt keine Züge, die die
angeblichen Bombenleger rechtzeitig zwischen den beiden Stationen hätten transportieren können. Des Rätsels
Lösung könnte darin liegen, dass es die zweite Videoaufnahme - jene von der Ankunft der vier Verdächtigen in
King's Cross - gar nicht gibt. Dafür spricht, dass sie nicht
veröffentlicht wurde. Das heißt: Es gibt kein Foto von der
gemeinsamen Ankunft des Quartetts in King's Cross, und
es gibt auch keine Aufnahmen aus den drei U-Bahnen und
dem Doppeldeckerbus, in die die Attentäter anschließend

194

umgestiegen sein sollen. Damit fehlen die Schlüsselbeweise für die offizielle Version des Tathergangs. Ahmed
urteilt: »Das beweist nicht notwendigerweise, dass die
Bomber nie nach King's Cross fuhren«, aber man müsse
vermuten, »dass die offiziellen Angaben, wie alles geschah,
falsch sind. Das wirft ernsthafte Fragen über die Integrität
der polizeilichen Untersuchungen auf.«15

Rucksackbomben und andere Hexereien
Ein weiterer Widerspruch ist evident: Laut ersten Untersuchungen soll es sich bei den harmlosen Nachfolgeanschlägen des 21. Juli »um eine ähnliche Sprengsatz-Konstruktion« wie am 7. Juli gehandelt haben.16 Die »Times« berichtete sogar, »derselbe Bastler« habe für beide Tage die Bomben zusammengebaut.17 Warum war die Wirkung dann
aber bei der zweiten Anschlagserie so bescheiden? Es gab
bekanntlich nicht einmal Verletzte. Weil die Trittbrettfahrer des 21. Juli keine Tötungsabsicht hatten, wie der in Rom
festgenommene Tatverdächtige Hussain Osman sagte?18
Oder weil in den Rucksäcken auch am 7. Juli keine Höllenmaschinen waren, sondern wie am 21. Juli nur harmlose
Knallfrösche? Wurde also die mörderische Wirkung bei
den ersten Anschlägen durch Sprengsätze anderer Herkunft verursacht, mit denen die offiziell Tatverdächtigen
gar nichts zu tun hatten?
Eine ganze Reihe von Augenzeugenberichten unterstützt die These, dass die Sprengsätze nicht in, sondern
unter den Zügen platziert worden waren. So gab der leichtverletzte Tanzlehrer Bruce Lait aus Cambridge noch vom
Krankenhaus aus zu Protokoll: »Der Polizist sagte >Kümmern Sie sich um das Loch, da war die Bombe<. Das Metall war nach oben gebogen, als ob die Bombe unter dem
Zug war. Die denken anscheinend, die Bombe war in einer
Tasche abgestellt worden, aber ich erinnere mich an keinen dort, wo die Bombe war, und auch an keine Tasche.«19

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Sehr aufschlussreich ist auch der Bericht von Danny
Belsten aus Manchester, der in der U-Bahn saß, die in
Edgware Road von der Bombe zerrissen wurde. Ein anderer Fahrgast habe ihn unter den Trümmern geborgen,
und dann seien sie beide »durch den ersten Wagen gegangen, wo die Einstiegsluken heraus geflogen waren«.20 Die
Einstiegsluken befinden sich am Boden des Waggons und
öffnen sich nach oben beziehungsweise innen. Wenn ihre
Deckel heraus flogen, konnte das also nur nach oben oder
innen geschehen. Das bedeutet, der Explosionsdruck muss
von unten beziehungsweise außen gekommen sein.
Mark Honigsbaum, ein Reporter des »Guardian«, kam
um 9.30 Uhr an der Station Edgeware Road an, wo eine
dreiviertel Stunde vorher eine der Bomben explodiert
war, und konnte mit Passagieren sprechen, die gerade
den Todeszügen entkommen waren. Der Reporter bekam
zu hören, dass der Boden der Waggons bei der Explosion
»hoch gehoben worden« war. Seine Schlussfolgerung: Der
Sprengsatz sei »unter dem Zug« explodiert.21
Es gibt andere Überlebende, die beschreiben, wie Fensterglas nach außen splitterte, was eher auf Bomben im
Innern des Zuges hindeutet, aber einen Sprengsatz unter
dem Zug (dessen Explosionsdruck durch den Waggonboden nach oben geht und dann die Decken, Wände und
Fenster nach außen drückt) nicht ausschließt.
Erneut wirft ein Detail der Busexplosion die verstörendsten Fragen auf. Auf einem Foto der BBC ist festgehalten, wie unmittelbar nach der Explosion - einen
Teil der Passagiere sieht man noch panisch fliehen - ein
Lieferwagen der Firma »Kingstar« unmittelbar vor dem
Doppeldecker steht.22 Das Unternehmen ist nach eigenen
Angaben auf »kontrollierte Zerstörung« (controlled demolition) spezialisiert, seine Geschäftsräume sind knapp
20 Kilometer vom Tatort entfernt.23

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Eine Parallelübung
Klärungsbedürftig ist insbesondere eine weitere zeitliche
Koinzidenz: Ein Beraterunternehmen mit Verbindungen
zu Regierungs- und Polizeikreisen hat am 7. Juli 2005 eine
Antiterrorübung in London durchgeführt. Peter Power ist
Leiter dieser Firma, Vigor Consultants - ein Mann mit
Erfahrung und Verbindungen: Er war von Scotland Yard
beispielsweise nach dem Raketenangriff der irischen Untergrundarmee IRA auf die Ml6-Zentrale im September
2000 und den Bombenanschlägen auf die BBC im März
2001 als Experte angeheuert worden.24
Das Besondere an der Übung von Vigor Colsultants: Sie
hat gleichzeitig mit den wirklichen Bombenanschlägen
und an denselben U-Bahnhöfen stattgefunden. Diesen Zufall mathematisch zu berechnen, ist eine Herausforderung:
London hat 274 U-Bahnhöfe, das Jahr hat 365 Tage, und
der Betrieb läuft jeweils über 19 Stunden. Wie wahrscheinlich ist es, dass zwei unterschiedliche Ereignisse im selben
Jahr, am selben Tag, zur selben Uhrzeit und auf denselben
Bahnhöfen stattfinden? Ein Sechser im Lotto dürfte leichter zu bekommen sein.
Aber es kommt noch dicker: Mehr als ein Jahr vor 7/7,
am 16. Mai 2004, sendete das erste Programm der BBC
eine Dokumentation über einen fiktiven Terrorangriff auf
London. In einer ebenso fiktiven Krisenrunde diskutierten ganz reale Experten der Regierung und der Polizei in
dieser Dokumentation das Geschehen und beschlossen
geeignete Gegenmaßnahmen. Einer dieser Experten war
Peter Power. Atemberaubend ist das Szenario, das der
BBC-Produktion zugrunde lag: Terrorangriffe auf drei UBahnstationen und mittels eines Straßenfahrzeuges in
London. Und genau dasselbe passierte dann wirklich! Und
wieder ist Peter Power, der Experte in der BBC-Fiction, mit
von der Partie!
Power gab auf BBC Radio 5 am Abend des 7. Juli 2005
ein Interview: »Power: Um halb neun an diesem Morgen

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führten wir für einen Betrieb mit über tausend Mitarbeitern eine Übung durch. Zugrunde gelegt waren gleichzeitige Bombenanschläge exakt an den Bahnhöfen, wo es an
diesem Morgen passierte, deswegen stellen sich mir noch
jetzt die Nackenhaare hoch. Moderator: Habe ich das richtig verstanden: Sie führten eine Übung durch, wie man
mit so etwas umgehen könnte, und es ist während dieser
Übung passiert? Power: Genau, und es war ungefähr halb
neun diesen Morgen, wir planten das für ein Unternehmen und aus offensichtlichen Gründen. Ich will seinen
(des Unternehmens) Namen nicht aufdecken, aber sie
hören zu und sie werden es wissen. Und wir hatten den
Raum voller Krisenmanager, die sich zum ersten Mal trafen, und innerhalb von fünf Minuten erkannten wir ganz
schnell, dass das jetzt echt ist. Dann nahmen wir uns die
richtigen Schritte im Krisenmanagement vor und schalteten vom langsamen zum schnellen Nachdenken um und
so weiter.«25

Mörderisches Aftershave
Die Frage, ob die tödlichen Bomben von den Verdächtigen
mittels ihrer Rucksäcke platziert worden sind, oder ob sie
von anderen Personen gebaut, gelegt und gezündet wurden, hängt auch mit der Frage des verwendeten Sprengstoffs zusammen. Die zunächst aufgetauchten Indizien
über Plastiksprengstoff aus dem Balkan (siehe oben)
wurden schon bald von den Behörden nicht mehr weiterverfolgt. Stattdessen wurde von den Ermittlern eine neue
These vertreten: Die Täter hätten sich handelsübliche Chemikalien besorgt und selbst zu Höllenmaschinen zusammengebaut. So verbreitete Scotland Yard ab dem 15.7.2005
die Theorie, wonach die Bomben auf der Basis von Azetonperoxid (Apex) oder Triacetontriperoxid (TATP) hergestellt worden sind. Die Bestandteile der Mischung können
in jeder örtlichen Drogerie gekauft werden, etwa Abfluss-

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reiniger, Mittel zum Haarebleichen oder Nagellackentferner, ja sogar Aftershaves und Designer-Parfüms wurden
als Ausgangssubstanzen ausgemacht. 26
Diese Version steht im Widerspruch zu Experteneinschätzungen. So konnte man wenige Tage nach den Anschlägen in der Presse lesen: »Forensische Fachleute haben
der >Times< gesagt, dass die Herstellung der vier in London detonierten Sprengsätze technisch sehr anspruchsvoll
gewesen war. >Man hört immer, dass Terroristen leicht
eine Bombe aufgrund von Anleitungen aus dem Internet
machen können. Man kann, aber nicht mit dem Design
und der Qualität dieser Dinger. Die waren gut zusammengebaut, und es sieht danach aus, dass der Bombenbauer
ein erfahrener Experte war<.«27
Trotz dieses Widerspruchs sollte die Theorie von der
Bombe aus Nagellackentferner und Aftershave Karriere
machen. Angeblich, so die Version der Antiterrorkämpfer,
sollten mit TATP im August 2006 auch Transatlantikflieger von London in die USA gesprengt werden, und auch
die angeblichen Sauerländer Bombenbastler vom Sommer 2007 (vgl. Kapitel 15) haben sich TATP besorgt. Doch
die Mischung ist für Terroranschläge höchst ungeeignet:
Apex und TATP sind so instabil und so gefährlich, dass die
Polizei beim Abtransport von Resten dieser Substanzen
aus einer angeblich konspirativen Wohnung der 7/7-Viererbande das ganze Viertel absperren und sogar ein Überflugverbot verhängen mussten.28 Der »Spiegel« räumte
ein: »TATP entsteht... erst nach stundenlanger Reaktion,
bei der sich das sprenggewaltige Pulver am Boden des Reagenzglases absetzt. Aber zahllose Unfälle belegen, dass
schon beim Mischen selbst tödliche Gewalt freigesetzt
wird.«29 Auch die »FAZ« blieb skeptisch: »Insbesondere
gegen Schlag, Reibung und Wärme ist Apex besonders
empfindlich. Wird der Sprengstoff in einem Gefäß aufbewahrt, das einen Schraubverschluss hat, kann schon die
Reibung beim Öffnen zur Explosion führen. Wichtig ist,

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200 . aber es scheint..32 Nach seiner Erkenntnis soll die böse und doch so preisgünstige Chemikalie nicht Apex oder TATP gewesen sein. dass man gar nicht mehr sagen könne.. der Polizeichef von New York.31 Den wankelmütigen Briten sprangen aber rasch US-amerikanische Kollegen zur Seite. wonach »einfache Stoffe wie Haarbleicher« verwendet worden seien. weil es sonst explodiert.«30 Packt man so ein Zeug in den Rucksack und reist im Hochsommer zwei Stunden lang durch halb London? Nach der Balkan-/Semtex-Theorie und der Abflussreiniger-Version kam eine Phase der durchaus produktiven Verwirrung: Am 19. Im knapp ein Jahr nach den Anschlägen veröffentlichten Untersuchungsbericht des Unterhauses heißt es zum verwendeten Bombenstoff: »Die Untersuchungen der Experten dauern noch an. Die britischen Kollegen ließen durchblicken.2005 Juli gab Scotland Yard bekannt. die Scotland Yard selbst drei Wochen später präsentieren sollte. und trotzdem verweisen die Medien bei jedem TATP-Fund auf den angeblich damit durchgeführten Londoner Anschlag. Anfang August 2005 wärmte Raymond Kelly.«33 Mehr weiß man auch bis heute nicht.dass das Gemisch schon bei der Produktion ausreichend gekühlt wird. woraus die Bomben fabriziert worden seien. Dies passte aber gar nicht zu der Knopfdruck-Version. Kein Wunder: Kelly hatte nicht nur die Drogeriebomben-Theorie wieder aufgetischt. dass sie »unglücklich« mit der Schützenhilfe des Großen Bruders seien. erneut die Theorie auf. dass die Bomben zu Hause zusammengebaut worden sind . sondern auch von Mobiltelefonen als »möglichen« Auslösern der Detonationen gesprochen. sondern HMDT (Hexanethylentriperoxid Diamin).

werdet ihr ein Ziel sein. dass er ein gut integrierter Brite und kein moslemischer Fundamentalist gewesen sei.). und. Juli 2005 zu sterben. stoppen wir unseren Kampf nicht. als Anfang August 2005 über den arabischen Sender »Al Jazeera« ein Video ausgestrahlt wurde. dass Khan die Absicht hatte. Nun werdet ihr auch die Wirklichkeit dieser Situation zu spüren bekommen.Ein Bekennervideo Die bisher referierten Zweifel und Widersprüche schienen gegenstandslos geworden. Aber es verrät genügend Hass und die Bereitschaft. Auf diesem stieß Mohammed Siddique Khan. andere zu töten . sondern auch an deren Wähler. militante Drohungen aus. Khan sagt auf dem Video unter anderem: »Eure demokratisch gewählten Regierungen verüben unaufhörlich Grausamkeiten gegenüber meinem Volk und eure Unterstützung für sie macht euch verantwortlich. 34ff.auch ganz normale Briten. Vergasung. Wir müssen vielmehr davon ausgehen. genauso wie ich direkt verantwortlich bin für den Schutz und die Rache meiner moslemischen Brüder und Schwestern. (Zum geheimdienstlichen Hintergrund Zawahiris vgl. in einem zweiten Teil. einer der tatverdächtigen 7/7-Bomber. Dieses Video beweist zwar nicht. mit Tony Blair und anderen Kreuzzüglern im selben Staat zu leben. Die von Verwandten Khans vertretene Ansicht. die nur das Pech haben. und sie sind offensichtlich nicht nur an westliche Regierungen gerichtet. am 7. Solange wir keine Sicherheit haben. pries Bin Laden-Stellvertreter Ayman al Zawahiri die Bombenanschläge auf London als Vergeltung von Al Qaida für die britische Beteiligung an der Besetzung des Irak. S. dass Khan tatsächlich in einem Zusammenhang mit den Schreckensta- 201 . Wir sind im Krieg. ließ sich nach diesen Aufnahmen nicht mehr halten. Einkerkerung und Folterung meines Volkes stoppt.«34 Das sind böse Drohungen. und ich bin ein Soldat. Solange ihr nicht die Bombardierung.

Einer der Anrufer war die Mutter von Hasib Hussain. Alles änderte sich. mit denen sich ihr Sohn an jenem Tag hatte treffen wollen.36 Sarkozys britischer Amtskollege Charles Clarke war empört: Die Kritik sei »völlig unwahr«. wie wir gleich sehen werden. ist definitiv falsch. Denn nur die von dem Franzosen erwähnte frühere Auffälligkeit der 7/7-Verdächtigen macht überhaupt plausibel. Hussains sterbliche Überreste wurden bald in den Trümmern von Bus Nummer 30 identifiziert. um einen probaten Täter präsentieren zu können.schon im Jahre 202 . Die Behauptung im 7/7-Abschlussbericht der britischen Geheimdienste. Darunter war nämlich auch der erwähnte Khan. nicht als Täter. wie die britischen Behörden später die Spur zu ihnen so schnell hatten finden können. Doch Nachforschungen der britischen Presse gaben Sarkozy bald Recht. aber bis zu diesem Zeitpunkt galt er nur als Opfer. »ein Teil dieses Teams«.ten des 7. als die Namen seiner Freunde in die Computer eingegeben wurden. der nicht mehr sprechen kann. Vielleicht wurde er nur als Statist oder vielmehr als Dummy eingesetzt. die zu der Gruppe vom 7. Juli steht. den MI5 und Polizei bei einer Razzia . also der 7/7-Attentäter. Rekapitulieren wir: Am 7. und sie gab den Beamten auch die Namen der Freunde. wonach »keine der Personen. Juli gehörte«. sei von den britischen Behörden »schon einmal festgenommen worden«. Er behauptete.der Operation Crevice (dt.35 Gegenteilige Hinweise hatte gleich nach den Anschlägen der damalige französische Innenminister (und heutige Präsident) Nicolas Sarkozy gegeben. Riss) . der in London bereits seit dem Jahr 2004 einen Bombenanschlag vorbereitete. vordem »als potentielle terroristische Bedrohung identifiziert« worden war. Aller Wahrscheinlichkeit nach wollte er sich nicht selbst in die Luft sprengen. Aber in jedem Fall hatte er sehr engen Kontakt zu jenem Kreis. Juli gingen nach den Anschlägen bei Scotland Yard Hunderte Hinweise auf vermisste Personen ein. Dafür gibt es handfeste Beweise.

war Mohammed Khan. dass bei der Operation Crevice »von 13 angeblichen Terroristen. dass sich Khan im Februar und März 2004 fünf Mal. dass einige der 7/7-Attentäter »ungefähr ein Jahr vorher verhaftet worden waren. er sei bei der Kunstdünger-Verschwörung nicht aufgefallen und habe nur »lose Kontakte« mit deren Mitgliedern gehabt?42 203 . sein Mitverschwörer Tanweer drei Mal mit dem Chef der Kunstdünger-Gang getroffen hatten .bekam Khan Informationen über den jeweils aktuellen Stand der Anschlagsvorbereitungen.«39 Im Crevice-Prozess selbst sollte sich dann herausstellen. Unter den fünf..2004 geschnappt.41 Wie können die britischen Geheimdienste da behaupten. Erst diese Verbindung zwischen Hussain und Khan sowie Khan und Crevice führte jedenfalls Scotland Yard auf die Spur der vier 7/7-Verdächtigen. Sarkozy hatte gesagt. die von den Briten identifiziert worden waren.38 Ein französischer Polizeioffizier präzisierte gegenüber der Tageszeitung »Liberation«. Die damalige Anschlagsplanung ging aufgrund der gefundenen Chemikalien als »Kunstdüngerverschwörung« in die Geschichte ein. Es wurden Gespräche abgehört.jedes Mal verfolgt und fotografiert vom MI5.40 Bei diesen Treffen . auf die Sarkozy angespielt hatte.37 Operation Crevice Unter diesem Codenamen führte die britische Polizei im März 2004 mit 1000 Beamten einen Schlag gegen den Terrorismus durch.unmittelbar vor dem polizeilichen Zugriff auf die Bande im März 2004 . aber freigelassen wurden«. acht verhaftet wurden und fünf entkamen . und zwar.. die bei der Operation entkamen. Es waren diese Festnahmen bei Crevice. in denen er »den Bau einer Bombe und das Verlassen des Landes« diskutierte. um mit Hilfe dieser freigelassenen Lockvögel »ein größeres Netz schnappen zu können«. aber dann wieder freigelassen hatten.

oft einschließlich tagesaktueller Überwachungsfotos. dass es eine solche Person gab. Stattdessen geschah das Gegenteil: »MI5-Offiziere. die vier angeblichen Selbstmordattentäter hätten auf eigene Faust gehandelt. und wurde kontinuierlich auf den neuesten Stand gebracht«.44 Diese Liste »enthielt ein detailliertes Dossier über jede Person. auf Deutsch würde man sagen: eine »weiße Weste«. dass sie ihn auf eine höhere Überwachungsstufe hatten setzen wollen«.46 Spuren. dass die vier auf Kommando handelten. Dabei war schon kurz nach den Anschlägen klar gewesen. Diese seien »auf einer Liste mit 100 Leuten gewesen. von denn man fürchtete. Folgerichtig wurden alle Hinweise auf einen Mastermind. einen Drahtzieher also. Der »Spiegel« bezeichnete sie als »die netten Attentäter von nebenan«. Die Massenmedien übernahmen von Scotland Yard den Begriff »clean skins«: Eine »saubere Haut« hätten die vier gehabt. Auch seine drei mutmaßlichen Kompagnons hatten Aufmerksamkeit erregt.43 Aber nicht nur Khan war den Terroristenjägern bereits mehr als ein Jahr vor dem 7. die darauf hindeuten. die mit der Untersuchung des Anführers der (späteren) Attacken vom 7. Demnach handelte es sich also um unbescholtene oder zumindest nicht polizeibekannte Bürger. Juli beauftragt waren. Juli 2005 aufgefallen. dass sie islamische Fanatiker seien«. Sie »waren so besorgt über ihn.Tatsächlich wussten die Sicherheitsdienste im Vorfeld des 7. konnten dieses Weltbild nur stören. mit der die Attentäter bis zuletzt engsten Kontakt hatten. dass von diesem Mann Gefahr ausging.45 Der Mastermind Die britischen Behörden behaupten. aus der offiziellen Version der Ereignisse getilgt. Diese Person »war zwei Wochen vor den Bombenanschlägen 204 . wurden zu anderen Antiterroreinsätzen« beordert. Juli 2005 sehr wohl.

dass Aswat »die Wohnungen aller vier Bomber besucht hatte«. Juli«. als er wichtige Positionen im Team des Finsbury-Predigers Abu Hamza übernahm (dazu unten mehr). wonach er ein Mann des britischen Geheimdienstes ist. Die »Washington Post« nannte auch den Namen des Mannes: Haroon Rashid Aswat. ein 30-jähriger Brite mit pakistanischen Eltern aus Dewsbury in Yorkshire. Nach der Auswertung der Telefongespräche der Tatverdächtigen galt Aswat für das FBI als deren »Schlüsselkontakt«.48 Gegenüber der »Times« bestätigten Geheimdienstler. Doch Ende Juli 2005 verschwand Aswat schlagartig aus den Medien. Außerdem habe er »mit dem Selbstmordteam ein paar Stunden vor dem Anschlag telefoniert«. sondern von einem früheren US-Bundesanwalt mit 205 . darunter einen mit Khan »am Morgen des 7.eingereist.50 Unmittelbar nach den Anschlägen berichteten britische und US-amerikanische Medien durchaus über die Rolle Aswats und bezeichneten ihn als eine Art Instrukteur der Al Qaida-Spitze für die vier Attentäter. »dass er auch die als Ziele angedachten U-Bahnen identifiziert und seine Rekruten im Zünden ihrer Bomben unterrichtet« habe. Diese Behauptung stammt nicht von einem der üblichen Verschwörungstheoretiker auf einer der einschlägigen Websites. weil Ende Juli 2005 plötzlich ein ganz anderer Hintergrund des Mannes auftauchte: jener nämlich. Sie nannten ihn den »Top Al Qaida-Briten« (»Times«). Warum bloß? Der Grund ist simpel: Aswat als möglicher Al QaidaInstrukteur wurde aus der offiziellen 7/7-Version getilgt.49 Ein anderes Mal schrieb das Blatt. hatte Khan telefonisch kontaktiert und dann das Land Stunden vor den Anschlägen verlassen«.47 Der schmächtige Mann mit Pinocchio-Nase und schriller Stimme hatte sein Ego bereits zehn Jahre zuvor aufgeplustert. In den Tagen vor den Anschlägen habe Aswat mit zweien der Attentäter »bis zu zwanzig Telefonanrufe« getätigt.

.am 29.52 »Loftus: Ja. und ein Flügel der britischen Regierung. Moderator: Also ist er ein Doppelagent. dass er für sie gearbeitet hat? Loftus: Oh. Und das war eine echte Ursache für Spannungen zwischen der CIA. In seiner Zeit als Bundesanwalt hatte Loftus Zugang zum NATO-Archiv Cosmic. das ist der Kerl . oder was? Loftus: Er ist ein Doppelagent. Wer ist dieser Loftus? Seiner Website kann man entnehmen. dass er als junger Offizier der US-Armee israelische Soldaten für Geheimoperationen im Yom-KippurKrieg 1973 trainierte. den CIA-Codeworten und streng geheimen Atomakten. und was wirklich bestürzend ist. Aswat wird für den Drahtzieher (Mastermind) all der Anschläge in London gehalten. Moderator: Also arbeitet er für die Briten und versucht ihnen Informationen über Al Qaida zu geben. dem Justizministerium und Großbritannien. Loftus: Das ist der Kerl. Moderator: MI6 hat ihn versteckt.Geheimdiensthintergrund. Wollen Sie damit sagen. aber in Wirklichkeit ist er immer noch ein Al Qaida-Agent. und am 21. Im Jahre 1982 gewann sein TV-Feature über Nazis auf der Gehaltsliste der US-Regierung den Emmy Award.51 Die folgenden Auszüge aus »Fox News« sind weitgehend ungekürzt. hat ihn versteckt. Juli 2005 ein längeres Liveinterview.. Das sagte der muslimische Scheich (Scheich Abu Hamza von der Londoner Finsbury Moschee) in einem Interview mit einer britischen Zeitung 2001. Moderator: Am 7. dass die ganze britische Polizei draußen ist und ihn jagt.die super-patriotische Alternative zu CNN . MI6 oder britischer Geheimdienst. Mit diesem John Loftus führte der US-Fernsehsender Fox News . nicht ich sage das. Juli. 206 . Während der Präsidentschaft von Jimmy Carter und Ronald Reagan ermittelte er im Auftrag des US-Generalbundesanwaltes gegen NS-Kriegsverbrecher.

Loftus: Yeah. Die CIA und die Israelis klagten MI6 an,
dass sie diese Terroristen in London leben lassen, und
zwar nicht, um (von ihnen) Al Qaida-Informationen zu bekommen, sondern nur um des lieben Friedens willen (for
appeasement). Das war so ein Ding nach der Art - ihr lasst
uns in Ruhe, wir lassen euch in Ruhe.
Moderator: Offensichtlich ließen wir sie dann zu lange
in Ruhe.
Loftus: Absolut. Nun kennen wir diesen Kerl, Aswat.
1999 kam er nach Amerika. Das Justizministerium wollte
ihn in Seattle anklagen, weil er und sein Kumpel eine Terrorschule in Oregon aufmachen wollten.
Moderator: Also haben sie seinen Kumpel angeklagt, ja?
Aber warum klagten sie ihn nicht an?
Loftus: Nun, es ist raus, gerade haben wir es erfahren,
dass das Hauptquartier des US-Justizministeriums die
Staatsanwälte in Seattle anwies, Aswat nicht anzurühren.
Moderator: Hallo? Moment mal, warum?
Loftus: Offensichtlich arbeitete Aswat für den britischen
Nachrichtendienst. Dann wurde Aswats Boss, der einarmige Captain Hook (Spitzname für den erwähnten Scheich
Abu Hamza von der Finsbury Moschee), zwei Jahre später
angeklagt. Also man hat den Kerl unter ihm und den über
ihm angeklagt, aber nicht Aswat...«
Die Ereignisse nach den Anschlägen bestätigen die Vermutung Loftus', wonach Aswat vom britischen Geheimdienst geschützt wurde. Man hat ihn zwar am 17. Juli 2005
in Pakistan endlich festgenommen. Doch obwohl er neben
einem britischen Pass auch noch einen Sprengstoffgürtel
bei sich hatte, wurde er - auf wessen Veranlassung? - innerhalb von 24 Stunden wieder freigelassen.53 Drei Tage
später gelang seine erneute Festnahme, diesmal in Sambia, von wo er am 7. August nach London überstellt wurde.
Dort aber befragte man ihn nicht wegen des 7. Juli, ganz
im Gegenteil: Scotland Yard »spielte Aswats Bedeutung
für die Untersuchung der Anschläge herunter«.54 »Die De-

207

tektive waren nicht interessiert daran, mit Aswat über die
Londoner Anschläge zu sprechen.«55

Noch einmal Al Muhajiroun
Loftus identifizierte Aswat als Aktivist der islamistischen
Gruppe Al Muhajiroun (vgl. Kapitel 2). Er habe an den
Kampfeinsätzen mitgewirkt, die die Gruppe in den neunziger Jahren im Auftrag des britischen Geheimdienstes
in Bosnien und im Kosovo durchgeführt habe (vgl. dazu
ausführlich Kapitel 2). Er sei der »Lieblingslieutenant«
des Al Muhajiroun-Hetzpredigers Abu Hamza gewesen, weisen die Buchautoren Sean O'Neill und Daniel
McGrory nach. Der Einäugige habe ihn »wie einen Sohn«
behandelt.56
Was an dieser Stelle wichtig ist, sind vor allem die
Verbindungen der Organisation zu den Anschlägen des
7. Juli 2005. Aswat, der Mastermind, war nicht als einziges
Mitglied mit von der Partie und handelte auch nicht auf
eigene Faust. Auch Omar Bakri Mohammed, der Chef von
Al Muhajiroun, scheint mit diesem Terrorplot in Verbindung zu stehen. Zunächst muss man bei ihm Vorwissen
konstatieren, das mit Einverständnis korrespondiert. So
sagte er bereits im April 2004 gegenüber der portugiesischen Zeitschrift »Publica« über mögliche Terrorattacken in Großbritannien: »Das ist unausweichlich. Weil
einige (Attacken) von verschiedenen Gruppen vorbereitet
werden.« Eine »sehr gut organisierte Gruppe ... nennt sich
Al Qaida in Europe und zieht junge Leute an. Ich weiß,
dass sie bereit sind, eine große Operation zu starten.«57
An Bakris früher Warnung verblüfft nicht nur, dass die
von ihm genannte Gruppe fast genau so heißt wie jene,
die gleich nach der Tat in einem Bekennerschreiben die
Verantwortung für den 7. Juli übernahm - sie nannte sich
Geheimorganisation Al Qaida. Bezeichnend ist auch, dass
er in den nächsten Sätzen des Interviews das Personalpro-

208

nomen »wir« verwendet - als ob er selbst zu den Vorbereitern der Anschläge gehört oder gerne gehören würde:
»Wir machen keine Unterschiede zwischen Zivilisten und
Nicht-Zivilisten, Unschuldigen und Nicht-Unschuldigen.
Nur zwischen Muslimen und Ungläubigen. Und das Leben
eines Ungläubigen hat keinen Wert.«58
Im Januar 2005 konstatierte er in einem Internetradioauftritt, dass die britische Regierung das informelle
Stillhalteabkommen mit radikal-islamischen Gruppen
(Covenant of Security, vgl. S. 52ff.) durch ihren immer rüderen Antiterrorkampf aufgekündigt habe. Damit seien
auch die Muslime nicht mehr gebunden: »Ich glaube, ganz
Großbritannien ist Dar ul Harb (Land des Krieges) geworden.« In einem solchen Zustand »kann der kuffar (NichtGläubige) keinen Schutz für sein Leben oder seinen Besitz
beanspruchen«.59 Kann man es vor diesem Hintergrund
für einen Zufall halten, dass die Anschläge am 7. Juli
stattfanden - genau an jenem Tag, als in London der Prozess gegen den Rekruteur Al Muhajirouns, den Prediger
Abu Hamza (vgl. Kapitel 2), eröffnet werden sollte?
Zurück zu den Balkaneinsätzen von Al Muhajiroun
Anfang der neunziger Jahre. Zu den 200 Kämpfern, die
Al Muhajiroun nach den Aussagen des langjährigen britischen Umweltministers Michael Meacher nach Bosnien
schickte (vgl. S. 62), gehörte nicht nur Aswat, sondern
auch ein bekannterer pakistanischer Brite: Ahmed Omar
Saeed Sheikh, der angebliche Mörder des Journalisten Daniel Pearl. Sheikh, der »Musterschüler des Todes« - so die
Buchautoren Nick Fielding und Yosri Fouda60 - wuchs in
London auf, wollte dann 1992 zum Kämpfen nach Bosnien,
landete aber schließlich in Kaschmir. Nach mehreren Jahren in indischer Haft wurde er freigepresst, flüchtete nach
Pakistan und arbeitete dort für den Geheimdienst ISI.
Nachdem er auch dort verhaftet wurde, brüstete er sich,
dass er am Bombenattentat auf das Parlament in Kaschmir im Oktober 2001 und beim Anschlag auf das indische

209

Parlament im Dezember 2001 beteiligt gewesen sei, stritt
aber gleichzeitig jede Schuld am Pearl-Mord ab. Trotzdem
wurde er deswegen angeklagt und sitzt heute in der Todeszelle in Pakistan.
Der ISI zog damit Sheikh trotz seiner Verdienste aus
dem Verkehr, weil er zuviel über eine hochbrisante Spezialoperation weiß. Der Chef des ISI, Ahmed Mahmud, soll
Sheikh im September 2001 nämlich angewiesen haben,
100000 Dollar an den 9/11-Bomber Mohammed Atta
zu überweisen - das behauptet jedenfalls die Regierung
in Neu Delhi. »Die Beweise, die wir (die indische Regierung) an die USA gegeben haben, bestehen aus weitaus
mehr als nur einem Stück Papier, das einen Schurkengeneral zu einem falsch platzierten Terrorakt in Verbindung
setzt«, zitierte die Nachrichtenagentur AFP.61 Die »Times
of India« schrieb nach dem unerwarteten Rücktritt von
General Mahmud kurz nach dem 11. September 2001:
»Hochrangige Informanten bestätigten hier am Dienstag
(9. Oktober 2001), dass der General seinen Posten wegen
der Beweise verlor, die seine Verbindungen mit einem der
Selbstmordbomber aufzeigen, die das World Trade Center
in Schutt und Asche legten. Die US-Behörden ersuchten
um seine Entfernung, nachdem sich der Fakt bestätigt
hatte, dass 100000 Dollar an den WTC-Attentäter Mohammed Atta von Pakistan aus überwiesen worden waren,
und zwar von Ahmed Omar Sheikh im Auftrag von General Mahmud.«62
Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf schrieb
in seinem 2006 erschienen Buch In the Line of Fire, dass
Ahmed Omar Saeed Sheikh vom britischen Geheimdienst
»rekrutiert« worden sei, als er zu Beginn der neunziger
Jahre in London studierte, und dass er in dessen Auftrag
in den bosnischen Dschihad zog. Später sei er dann »ein
Schurke oder ein Doppelagent geworden«.63
Musharrafs Gegenspielerin, die Oppositionsführerin
Benazir Bhutto, behauptete im November 2007 in einem

210

Interview in der bekannten TV-Talk Show von David
Frost, Sheikh habe Osama bin Laden ermordet. Die Mainstream-Medien gingen der Information nicht nach und
verbreiteten, Frau Bhutto habe sich versprochen - sie habe
den Mord am Journalisten Daniel Pearl und nicht an bin
Laden gemeint.64

Abgeschirmte Schlüsselpersonen
Offensichtlich war die britische Organisation Al Muhajiroun sowohl für 9/11 als auch für 7/7 von großer Bedeutung: Eines ihrer Mitglieder, Sheikh, überwies das Geld
für die Anschläge am 11. September; ein anderes, Aswat,
dürfte der Mastermind hinter den Bombenlegern des 7. Juli
gewesen sein. Über Sheikh wird gesagt, er sei ein Mann
des pakistanischen und/oder britischen Geheimdienstes,
über Aswat, er arbeite für den MI6.
Seltsam ist jedenfalls, wie sehr die Geheimdienste die
drei Tatverdächtigen von Al Muhajiroun abschirmen.
Organisationschef Omar Bakri wurde wegen seiner
Hetzreden im Vorfeld der Londoner Bombenanschläge nie
von der Polizei verhört oder gar angeklagt und vor Gericht
gestellt. Stattdessen ließen ihn die Behörden 2005 in den
Libanon ausreisen, wo er bis heute lebt.65 »Eine Quelle
beim MI5 sagte mir, dass der britische Geheimdienst Bakri
schützen wollte, indem er ihn in sein Heimatland entkommen ließ«, so Buchautor Ahmed.66
Sheikh sitzt zwar in Pakistan in einer Todeszelle (wegen
des Mordes an Daniel Pearl); aber die US-amerikanischen
Ermittler haben ihn nie wegen der ominösen 100 000 Dollar-Überweisung an Mohammed Atta befragt. Stattdessen
heißt es im Abschlussbericht der 9/11-Kommission des
US-Kongresses lapidar: »Bis heute konnte die US-Regierung den Ursprung des Geldes für die 9/11-Anschläge nicht
ermitteln.« Den nächsten Satz muss man zwei Mal lesen:
»Letzten Endes ist die Frage von geringer praktischer Be-

211

deutung.«67 Weil die Geldspur von Sheikh zum ISI und von
da zur CIA fuhrt?
Aswat befindet sich seit 20. Juli 2005 in Auslieferungshaft in London. In den USA wird er wegen seiner Rolle
beim Aufbau eines Terrorcamps in den Jahren 1999/2000
im Bundesstaat Oregon gesucht. Allerdings war der Aufbau dieses Lagers eine totale Pleite, dort wurde nie ein
Mudschahedin im Kämpfen ausgebildet.68 Das viel gravierendere Verbrechen vom 7. Juli 2005 spielt in dem Verfahren gegen Aswat keine Rolle. Wegen seiner (erwiesenen!)
Kontakte zu den mutmaßlichen Bombenlegern sowie
seiner (möglichen) Rolle als ihr Auftraggeber, SemtexBeschaffer und Todesengel wurde Aswat nie befragt. So
genau will es Scotland Yard nicht wissen - oder MI6 nicht
wissen lassen.

Anmerkungen

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8
9

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11
12
13
14

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einer alarmierte die Polizei..? Terror-Razzia beim Eifel- 216 .und nach Washington Es war Reisezeit. die Bahnsteige waren schwarz vor Menschen. die Ende 2000 einen zur Splitterbombe umgebauten Schnellkochtopf auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt explodieren lassen wollten. 2007)1 12. Der herrenlose Koffer weckte die Aufmerksamkeit der Menschen. als die Polizei bisher mitgeteilt hat.2. 25. Die Gefahrenzone wurde abgesperrt. Statt Hemden.. Als Täter vermuten Sicherheitsexperten islamistische Terroristen oder Neonazis.»Das Weiße Haus hat eine neue Gesamtstrategie für den Nahen Osten in Kraft gesetzt. Nach Informationen des >Tagesspiegels< steckten in dem Koffer ein Kilogramm TNT sowie Nitroverdünner.wenn nötig auch mit Hilfe sunnitischer Extremisten. deren Ziel darin besteht. Sprengstoffexperten öffneten das Gepäckstück. den Einfluss des Iran zu kontern . Hosen und Waschzeug fanden sie eine seltsame Chemikalie und einen Kochtopf.« Weiters schrieb das Blatt: »Der Schnellkochtopf könnte ein wichtiger Hinweis auf islamistische Terroristen sein. eine sehr feuergefährliche Substanz. Der Kölner »Express« schrieb den passenden Artikel zur Razzia: »Legte er die Kofferbombe . Kapitel Ein Koffer voller Märchen Köln: Die Spurenführen nach Tripoli . deren Tun die Grenze zum Terrorismus verschwimmen lässt« (»Die Welt«.«2 Drei Wochen später schlugen die Fahnder zu. ein verlängertes Wochenende stand bevor. Im März dieses Jahres hatte das Frankfürter Oberlandesgericht vier Algerier verurteilt. Harmlos? Verdächtig? Der Berliner »Tagesspiegel« schlug Alarm: »Planten Terroristen Anschlag auf ICE?« Der Kofferinhalt sei »offenbar weit gefährlicher gewesen.

sie wurden in Haft genommen und zum Verhör gebracht. Unbeteiligte. wurden mit entsicherten Waffen bedroht. in den Wohnhäusern wurde in gleicher Weise vorgegangen.«4 Eine Episode des Antiterrorkampfes vom Sommer 2006? Die Geschichte der Kofferbomber vom Kölner Hauptbahnhof und der anschließenden Fahndung? Weit gefehlt. war der herrenlose Koffer im Dresdner Hauptbahnhof sicher gestellt worden.Scheich«3 Der so Titulierte und andere Bewohner und Gäste der sogenannten Osmanischen Herberge berichteten Einzelheiten der ohne richterliche Genehmigung durchgeführten Durchsuchung: »Die eingesetzten Beamten verhielten sich. ihnen mit Fangfragen weitere >Hinweise< zu entlocken. In der Osmanischen Herberge wurden sämtliche Türen mit Gewalt aufgebrochen. den Beamten sämtliche Schlüssel auszuhändigen. mit Kabelbindern die Hände auf den Rücken gefesselt. 60-jährige Besucherin aus Großbritannien. wo man versuchte. obwohl sowohl der Hausmeister als auch die Pächterin des Restaurants anboten. Per DNA-Analyse überfuhrt. Der Mann wurde im Juli 2005 zu zwölf Jahren Haft ver- 217 .und Finanzmakler. verhaftet und schließlich verurteilt wurde schließlich ein Immobilien. die gesamte Dekoration des Restaurants wurde auseinander gerissen. darunter vier Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren sowie eine ca. am 28. als handele es sich um einen Kampfeinsatz im Bürgerkrieg. Juni 2003 fand die Durchsuchung der Osmanischen Herberge statt. Die von den Medien hochgepeitschte Islam-Hysterie brach sehr schnell in sich zusammen. Lebensmittel in der Restaurantküche wurden durchwühlt. da die Ermittlungen die Polizei in eine ganz andere Richtung führten. offensichtlich derartig von ihren Vorgesetzten instruiert. Der 62-jährige Deutsche aus dem sächsischen Vogtland hatte die Deutsche Bank um 50 bis 120 Millionen Euro erpressen wollen. Die geschilderten Ereignisse spielten sich mehr als drei Jahre früher ab: Am 6. am Freitag vor Pfingsten. Juni 2003.

An diesem Tag feiern die Muslime auf aller Welt die Himmelsreise ihres Propheten Mohammed auf dem geflügelten Pferd Burak. mit dem die israelische Luftwaffe den Nachbarstaat Libanon seit Wochen überzog und um die tatsächlichen Toten dieses Wahnsinns . Vielmehr halluzinierte das Hamburger Nachrichtenmagazin über die möglichen Opfer in Folge eines potentiellen Anschlages islamischer Selbstmordattentäter . wenn nötig. Es war ja kein Moslem. der ganzen Welt«. »durchaus als angemessen erachtet werden für einen apokalyptischen Untergang Israels oder.urteilt. August.»ein Massaker von gigantischen Ausmaßen«. 218 . Fast durchweg handelt es sich dabei um junge Leute. die keinen streng gläubigen Lebenswandel pflegten und in die Gesellschaft integriert waren. der des versuchten Massenmordes überführt wurde. Es ging nicht um das rücksichtslose Flächenbombardement. Ein Gutachter urteilte. so verriet der promovierte Islamhasser Bernard Lewis dem Nachrichtenmagazin. Der heiße Sommer 2006 »Strategie Massenmord« warnte das Titelbild des »Spiegel« vom 14. davon ein Drittel Kinder. der Dienstag der folgenden Woche. bevor sie einen »Massenmord in unvorstellbarem Ausmaß« mit Opfern »in einem noch nie dagewesenen Ausmaß« durchführen konnten . die Bombe sei scharf gewesen und nur per Zufall nicht explodiert. Auch Termine wurden von den Islam-Astrologen schon genannt: entweder der fünfte Jahrestag des 11. bei der 19 angebliche Flugzeugattentäter angeblich gerade noch rechtzeitig festgenommen wurden.etwa 1300 seit Kriegsbeginn. August 2006. September 2001 oder bereits der 22. August 2006 in Großbritannien gewesen. Dieses Datum könnte. Das Interesse der Medien am Prozess war beschränkt.5 Anlass für die Weltuntergangs-Fantasien war eine spektakuläre Razzia in der Nacht zum 10.so der britische Innenminister John Reid.

Juli 2005 verwendet worden war (vgl. dann von zehn. schließlich von »Dutzenden« die Rede -.6 Was machte sie also verdächtig? Einzig Telefonanrufe und E-Mails. Der »Spiegel« berichtete über denselben Stoff. noch über den möglichen Anschlagstermin. die in Regionalzügen gefunden und im Hauptbahnhof Koblenz beziehungsweise Dortmund abgegeben worden waren. Wie der Londoner »Guardian« meldete. weil in bei- 219 . musste auch der »Spiegel« einräumen.mal war von drei. Aber nicht nur die »Tatwaffen« fehlten. »Bislang scheint noch niemand die präparierten Gatorade-Flaschen gesehen zu haben. 199/200). blumige Begriffe wie >Korinthen<. 198): Triacetontriperoxid (TATP). die leicht aus Nagellackentferner und weiteren handelsüblichen Drogeriestoffen gemixt werden kann .«7 Der Ballack-Bomber In diese hysterische Stimmung des August 2006 platzte die Meldung von zwei herrenlosen Trolleykoffern mit Bombenzubehör. wie alle Medien die Story vom vereitelten Mega-Plot in zum Teil reißerischer Aufmachung nachbeteten.Das Tollste war. Es gab zunächst weder genaue Angaben.und zum Bombenbauen völlig untauglich ist. (vgl. Oder vielmehr: Die Meldung explodierte zunächst genauso wenig wie die Koffer. eine Chemikalie. auch die offiziösen Theorien über sie waren lachhaft. S. die in der arabischen Sprache oft als Synonyme für Sprengstoff verwandt werden. in denen die Verdächtigen den Sprengstoff angeblich an Bord schmuggeln wollten«. ohne dass die britischen Behörden irgendwelche Beweise präsentiert hatten. hatte kein einziger der Festgenommenen irgendwelche Flugtickets bestellt oder gekauft. Kleine Kostprobe: »Sie benutzten unverfängliche Codewörter. wie viele Flugzeuge entfuhrt werden sollten . S. der vermeintlich auch bei den Londoner Anschlägen vom 7.

Es dauerte über zwei Wochen. die Nation verbat sich mediale Belästigungen mit Terrorgespenstern. lautete die Überschrift. Am 18.«9 »Bild« titelte in Riesenlettern: 220 . dann aber wieder verworfen: »Der Fahndungsansatz ging ins Leere. Die KlinsmannTruppe hatte dem ganzen Land ein Sommermärchen beschert. Einer trug das Trikot der deutschen Nationalmannschaft mit der Nummer 13. Juli auf dem Kölner Hauptbahnhof zeigen.also bis nach der von London aus hochgepeitschten Hysterie. Juli nur knapp einem verheerenden Terroranschlag entkommen. zehn Tage vor der Londoner Razzia gegen die vermeintlichen Atlantikflugbomber. die die beiden mutmaßlichen Kofferbomber am 31.« Über mögliche Opfer sagte der Dortmunder Kriminaldirektor Jürgen Kleis recht zurückhaltend: »Es hätte Tote und Verletzte gegeben. dann verschwand das Thema aus den Medien. bis es wieder auftauchte . An diesem Tag war Deutschland noch im Fußballfieber . Ein möglicher islamischer Hintergrund wurde kurz gestreift.«8 Das war der Sachstand Anfang August 2006.der unbekannte Bombenleger hinterließ eine Reihe rätselhafter Spuren«.die Weltmeisterschaft war erst wenige Tage zuvor zu Ende gegangen. »Terrorist oder Irrer . Entsprechend zurückhaltend war etwa die Berichterstattung im »Focus«: »Rausch nach der Tat«. fasste die »Focus«-Redaktion ihre Unsicherheit zusammen. Der »Focus« fand zur gewohnten Form zurück: »Deutschland ist am 31. Fundtag der Trolleys war nämlich der 31. August sendete die ARD-»Tagesschau« zur besten Sendezeit unscharfe Fotos. der leicht die Ausmaße des Blutbades von London im Sommer 2005 mit 56 Toten und 700 Verletzten erreicht hätte. Juli. Nun änderte sich die Diktion der Berichterstattung. Es könne sich wohl um die »Ersatzhandlung eines im Leben gescheiterten Versagers« handeln.den Fällen die Ingredienzien für eine Explosion nicht gegeben waren. bekannt vom Publikumsliebling Michael Ballack. wurde der Kölner Kriminalpsychologe Christian Lüdke zitiert.

Seit gestern ist klar: Wir sind in Deutschland vor dem internationalen Terror nicht mehr sicher!«10 Die ursprüngliche Zurückhaltung war sachlich weit eher begründet gewesen als die letztendliche Dramatisierung. da wird es sehr heiß.. die an ihnen befestigt waren. Was machte die Fahnder so sicher. die halten einen erheblich erhöhten Innendruck aus. Juli bundesweit die Überwachungsvideos aller Bahnhöfe beschlagnahmen. Der Sprengstoffexperte Bodo Plewinsky meinte dazu im Interview auf »Spiegel Online«: »Birst die Flasche überhaupt? Das Benzin konnte doch sonst wo hinlaufen.. Und in diesen Flaschen ist eine gewisse Sicherheit eingebaut. der im gemeinsamen Antiterrorzentrum von Bund und Ländern in Berlin-Treptow die Suche nach den Kofferbombern koordinierte.und keinen ganz normalen Koffer? Annette Ramelsberger. AntiterrorExpertin der »Süddeutschen Zeitung«. denn die Sprengsätze hätten höchstwahrscheinlich gar nicht explodieren können. dass man die Männer nicht erkannte. Schließlich vergessen manche sie ja auch im Sommer im Kofferraum. die möglicherweise Hunderte Opfer gefordert hätte. dass der Ballack-Fan und sein Kompagnon einen Bombentrolley hinter sich herzogen . Die Materialmenge war riesig: »Würde man die einzelnen Bildsequenzen in beschriebene DIN-A4-Seiten umrechnen. hat die Geschichte aus der Sicht von Polizeidirektor Sinan Selen aufgeschrieben. dann wären das 221 .«11 Die Rätsel der Fahndung Mit der Veröffentlichung der Überwachungsfotos in der »Tagesschau« am 18. August 2006 war freilich für die Polizei noch nicht viel gewonnen: Sie waren so unscharf. und sie dürfen auch nicht explodieren. Die Gasflaschen sollten durch drei Plastikflaschen mit Benzin gezündet werden. Eine Tragödie.»Terroristen schlagen wieder zu! . Angeblich ließ Selen noch am Abend des 31.

Doch zu diesem Zeitpunkt kannten die Fahnder die Namen der Kofferbesitzer nicht. August gefunden. dass die Kofferbesitzer aus der Zedernrepublik kommen mussten . Wenn die Geschichte von Frau Ramelsberger der Wahrheit entspricht. dass zwei junge Männer mit Trolleykoffern sich zunächst lebhaft unterhalten. wegen der nicht explodierenden Gasflaschen auch nicht verbrannt.240 Kilometer aneinander gereihter dicker Aktenordner.aber warum gerade der? Es gab zwar Indizien. so tun. Das war verdächtig. wurde Youssef Mohamad al Hajdib in Kiel festgenommen. Warum dauerte es trotzdem weitere zehn Tage. Bereits am nächsten Tag. um die Überwachungsvideos zu sichten. bis sie der Öffentlichkeit präsentiert wurde? Spielte die von London nach dem 10. August starrten sich die Leute von Selens Team. bei seinen Eltern im Libanon angerufen haben. gleich nachdem die ersten Ausschnitte des unscharfen Bahnhofsvideos über die TV-Kanäle liefen. als ob sie sich nicht kannten. August über den Kanal schwappende Panikstimmung doch eine Rolle? Wie auch immer: Nach Ausstrahlung der Überwachungsaufnahmen ging alles rasend schnell. Diese Videosequenz ging an die ARD-»Tagesschau«. 15 Polizistinnen und Polizisten. hätten wir es mit einer Meisterleistung in investigativer Polizeiarbeit zu tun. und die Koffer samt verräterischer Zettel waren. August. Das Unglaubliche geschah: In der Nacht auf den 8. August fiel einem Beamten auf.«12 Ab dem 1.praktischerweise hatten sie in den Gepäckstücken eine Einkaufsliste auf Arabisch mit einer libanesischen Joghurtmarke sowie eine libanesische Telefonnummer zurückgelassen. 222 . Der Anschluss war abgehört worden . am 19. von vier Uhr morgens bis 24 Uhr nachts die Augen vor den Monitoren wund. auf dem Bahnsteig. Doch eine Frage wäre auch dann noch ungeklärt: Die verdächtige Videosequenz wurde in der Nacht zum 8. Angeblich soll er. und kurz darauf. schöner Zufall.

oder die Überwacher wussten.zielsicher den einen von Youssef Mohamad al Hajdib herauszufiltern. sondern stellte sich am 24. Dennoch schaffte der libanesische Militärgeheimdienst das Kunststück. Anfang September 2006 stellte sich BKA-Chef Jörg Ziercke stolz vor die Presse und verkündete. August zwischen der Bundesrepublik und dem Kriegsgebiet getätigt wurden .so Generalbundesanwältin Monika Harms. den Koffer abgestellt zu haben. aus den Tausenden Anrufen.14 Der angebliche Drahtzieher Fadi al S. die »schwere Gewalttaten in der Bundesrepublik« geplant habe . deswegen hätten sie ursprünglich sogar noch während der Fußball-Weltmeisterschaft zuschlagen wollen. musste Mitte September 2006 schon wieder aus der Haft entlassen werden. Doch die Ermittlungserfolge waren von Widersprüchen begleitet. die Bundesanwaltschaft ließ den Anklagepunkt »Bildung einer terroristischen Vereinigung« fallen. Deutsch-Libanesen hatten Angst um ihre Angehörigen! . das Tatmotiv sei nunmehr ebenfalls »geklärt«: Die Verdächtigen seien über die Mohammed-Karikaturen in Dänemark und über die Liquidierung des irakischen Terrorchefs al Sarkawi empört gewesen. bei wem der Anruf eingehen würde. unter anderem Dschihad Hamad und Fadi al S. Schnell erhob die Bundesanwaltschaft Anklage wegen Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung. Er gab zu. »Die Täter sind 223 .13 Das ist entweder Kommissar Zufall in Höchstform. aber von seinem Inhalt habe er nichts gewusst. Dschihad Hamad wurde nicht von der Polizei gefasst.es war der Höhepunkt der israelischen Aggression. die an jenem 18. August 2006 im Libanon freiwillig den Behörden. Die Durchsuchung von al Hajdibs Studentenbude in Kiel war jedenfalls ein voller Erfolg: Selbstverständlich hatte der Mann Freunde.logischerweise auch nicht deren Telefonnummer (die im Koffer war eine andere). auszuwerten und noch in derselben Nacht Polizeidirektor Selen in Berlin anzurufen.

der auf dem Kölner Hauptbahnhof am 31. Der Angeklagte Nummer fünf war Youssef Mohamad al Hajdib.15 Die Verdachtsmomente gegen Youssef Mohamad al Hajdib erhärten sich zwar. Juli gescheitert war? Die Prozesse Anfang Januar 2007 erhob ein Untersuchungsrichter in Beirut Anklage gegen sechs Libanesen. kehrte aber.über ihn gleich mehr.also den Anschlag wiederholen. Dschihad Hamad unterschrieb vor Prozessbeginn ein Geständnis und brachte sich damit in eine sehr schlechte Verhandlungsposition. ein Cousin des Mannes mit dem Ballack-Trikot. Juli 2006 gefilmte zweite Kofferträger. der Botschaften von bin Laden und Anleitungen zum Bombenbau nach Deutschland gemailt haben soll. »das Ganze zu Ende bringen« . wieder zurück? Was machte ihn so sicher. Der sechste Angeklagte. sagte ein konservativer Sicherheitspolitiker der »Süddeutschen Zeitung«. anders als dieser. dessen Telefonnummer in einem der Koffer gefunden worden war. am 31. dass er hier nicht verhaftet würde? Oder wollte er. • Chalid al Hajdib. war untergetaucht und hatte sich dem bewaffneten Dschihad angeschlossen . Schlüsselsatz: »Beide Koffer waren 224 . der in Deutschland auf den Beginn seines Prozesses wartete. aber eine große Frage blieb auch bei ihm: Warum verließ er. Am 11. • Chalil Bubu. • Aiman Abudullah Hawwa. der am 31. wie Dschihad Hamad. Juli 2006 per Flugzeug Deutschland.zum Teil eines internationalen Netzwerkes hochgejazzt worden«. sein Bruder Saddam al Hajdib. April begann der Prozess gegen vier davon: • Dschihad Hamad. wie Polizeikommissar Selen annimmt.

geschweige denn für Folter. wären Dschihads Aussagen für deutsche Gerichte wertlos. wir dürfen nicht untätig bleiben. dass zwei deutsche Zeitungen die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht haben.«16 Ein BKA-Beamter wies später zurück. Er hat mir das eingebrockt.für die Explosion präpariert. Ziel war es. wenn du das nicht zugibst. Er wurde im Dezember 2007 zu zwölf Jahren Haft verurteilt. zitiert »Spiegel Online« den Kommissar. mit den Bomben eine möglichst große Zahl von Menschen zu töten. Ich hasse ihn. wenn wir nichts tun. Wir kommen in die Hölle. freundliche Gespräche« gehandelt. wir dürfen nicht schweigen. Ich bin verführt worden von Youssef al Hajdib. Er war in der Zwischenzeit getötet wurden. Das Urteil gegen den sechsten Mann entfiel. bevor sie an den Vernehmungen teilgenommen hätten. Er hat mir gesagt. Es habe sich um »ruhige. dann verpassen wir dir Elektroschock.«17 Weiter beschuldigte Dschihad den in Deutschland einsitzenden zweiten Mann als Anstifter.« Im Text des WDR-Beitrags heißt es weiter: »Ein ungeheurer Vorwurf. Dessen Geständnis habe schon vorgelegen.lebenslänglich. Die drei Mitangeklagten wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen.«18 Im Prozess hat Dschihad diese Strategie nichts genützt. denn er hat mich hierher gebracht. er selbst sei nur dessen Marionette gewesen: »Youssef hat mir gesagt. Man hat mir gesagt. »Es gab keine Anhaltspunkte für psychischen oder physischen Druck. Er hat mich aufgehetzt. Man hat mich bedroht. Der deutsche Prozess gegen Youssef Mohamad al Haj- 225 . dass deutsche Ermittler im Libanon mit »Zuckerbrot und Peitsche« Druck auf Dschihad ausgeübt hätten. Deswegen bin ich jetzt hier.« Weiter sagte er: »Ich bin sehr böse auf Youssef. Sollte dies stimmen.19 In Abwesenheit erhielt Youssef Mohamad al Hajdib das härteste Urteil .« Im Gespräch mit dem WDR-Magazin »Panorama« rückte er allerdings davon ab und sagte: »Ich bin nach meiner Festnahme geschlagen worden.

und Dschihad sagte im Beiruter Prozess. war aber gegen Gewalt gegenüber Zivilisten. habe Dschihad ihm gesagt. sei aber wegen massiver Zweifel davon abgerückt.«20 Die beiden Hauptverdächtigen beschuldigten sich also gegenseitig.dib begann am 18. Zivilisten zu töten.« An allem sei Dschihad schuld. dann fum- 226 . »Ich konnte ihm nicht widersprechen. im letzten Moment verhindert zu haben. für eine zu geringe Sauerstoffzufuhr in der Gasflasche gesorgt zu haben. unschuldige Zivilisten töten zu wollen: »Ich war mir 1oo-prozentig sicher. dass das.ohne Sauerstoff in der Gasflasche. dass Unschuldige gestorben sind.das Gegenteil von Konspiration. Youssef reklamierte die Verantwortung. aber ohne Ahnung. Nachdem der Angeklagte zunächst zu den Tatvorwürfen schwieg. das Schlimmste verhindert zu haben. aber mein Herz fühlte sich nicht wohl bei dieser Sache . Youssef machte bereits durch Krakeelereien auf einer Demonstration im Frühjahr 2006 gegen die Mohammed-Karikaturen auf sich aufmerksam .. Dezember 2007 vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. das die Fehlfunktion ebenfalls auf mangelnde Belüftung zurückführte. Fingerabdrücke und DNA-Spuren an den Bomben erlaubten eine eindeutige Zuordnung. versuchte er später seinerseits. »Wir haben die Pflicht. nicht explodieren kann . sich über die Schuldzuweisung an seinen Kompagnon Dschihad zu entlasten: »Ich bin froh. das die beiden Hauptverdächtigen abgaben: Da haben Anfänger herumgestümpert. mit viel Wut im Bauch. Die gegenseitige Schuldzuweisung passt ganz gut zu dem übrigen Bild.. ohne Plan.21 Die Version von Youssef stimmt immerhin mit den Erkenntnissen des BKA überein. wenn der Prophet beleidigt wird«. was wir da gemacht haben. er habe die Zünddrähte vertauscht. Ich glaubte an den Dschihad und war gegen die US-Präsenz im Irak. und jeder nahm für sich in Anspruch.« Er habe zwar die Sprengsätze maßgeblich gebaut und im Juli 2006 auch eine der Bomben in einem Zug deponiert.

«22 Seltsam allerdings ist: Zakaria war später nicht mehr bereit. habe ich ein langes Gespräch mit ihm geführt und vieles erfahren. Darüber habe ich detaillierte Informationen. was die Ankläger hören wollten . Er. die ich jedoch nicht preisgeben kann. Ich betone noch einmal: Dschihad ist das letzte Glied in dieser Kette des Terrors.kriminell wurden. die nicht explodieren konnte. die vor allem für die deutschen Ermittler von Nutzen sein werden. Diese Terrorzelle ist größer. und im Gefängnis sagten sie alles. Bevor Dschihad sich gestellt hat. seine Aussage zu wiederholen und fühlte sich vom Magazin »Cicero« sogar falsch wiedergegeben. Es ist aber 227 .24 Höchstwahrscheinlich ist das ein Kurzschluss: Hizb ut Tahrir macht zwar wilde Propaganda und wurde deswegen vom Bundesinnenministerium im Jahr 2003 verboten.etwa über den Libanonkrieg. ob die Nachwuchsterroristen aus purer Verzweiflung . Der Anwalt von Dschihad. Youssef Mohamad al Hajdib könnte eventuell im Auftrag der Organisation Hizb ut Tahrir gehandelt haben. seine acht Brüder und sein Vater seien in dieser Truppe Mitglied.nur jeweils auf den anderen bezogen. viel größer. schließlich schritten sie als unzertrennliches Duo ausgerechnet im komplett videoüberwachten Kölner Hauptbahnhof zur Tat. Fawaz Zakaria. Eine ehrenwerte Familie Bleibt die Frage. dann ist er das letzte Glied in der Kette. in dem ein Bruder von Youssef getötet wurde . Es gibt eine Menge brisanter Informationen. hatte über seinen Mandanten behauptet: »Wenn überhaupt. nach erfolgreicher Flucht kehrte Youssef an seinen Wohnort zurück.melten die beiden aus einer Internet-Bastelanleitung eine Bombe zusammen.23 Hatte er kalte Füße bekommen? Annette Ramelsberger suggeriert. oder ob jemand sie in die Sackgasse der Gewalt getrieben hat. direkt in die Arme der Fahnder.

Ähnlich abwegig ist eine Spur zur libanesischen Hisbollah-Miliz. hat er sich intensiv um mich gekümmert.26 Welches Ziel verfolgte er damit. Die Organisation verfugt über derart gewaltige Finanzmittel. er sei wie ein Vater für ihn gewesen. die laut »Bild-Zeitung« sogar ein Bekennerschreiben nach den Kofferbombenfunden geschrieben haben soll.ohne Regierungsmittel (aber mit Spenden aus dem Iran). nämlich nicht oder nicht mehr Hizb ut Tahrir an. dass sie nicht auf jugendliche Dilettanten angewiesen wäre. die im Sommer 2006 gegen die israelische Armee ihre Professionalität bewiesen haben. wo dieser Verein in Terroraktivitäten verwickelt war. wo doch der eine in Kiel und der andere in Köln lebte? In den Ferien habe er Chalid oft besucht. und zwar der Fatah al Islam. wenn sie wirklich einen Terroranschlag durchführen wollte. Er starb bei Gefechten mit libanesischen Regierungstruppen im Mai 2007 (weswegen er im Beiruter Prozess nicht mehr 228 . Hisbollah hat Tausende ausgebildeter Kämpfer. Er soll den Kontakt zwischen den beiden Kofferbombern hergestellt haben. dass sie den anschließenden Wiederaufbau des zerstörten Südens der Zedernrepublik praktisch allein finanzieren konnte . Gegen eine Verwicklung dieser Organisation spricht auch.weltweit kein Fall bekannt.«27 Cheneys Terroristen Die geheimnisvollste Figur in der Verwandtschaft Youssefs ist jedoch sein Bruder Saddam al Hajdib.25 Ein solches ist allerdings nie aufgetaucht. sondern einer offen terroristischen Gruppe. Trotzdem ist der familiäre Hintergrund Youssefs interessant. Da wäre zum einen sein in Schweden lebender Cousin Chalid. im Beiruter Prozess zuerst angeklagt und dann freigesprochen. was Annette Ramelsberger verschweigt. die sich ursprünglich gar nicht kannten. Er gehörte. gab Youssef al Hajdib im Düsseldorfer Prozess zu Protokoll: »Als ich nach Deutschland kam.

30 Zum anderen sicherte Hisbollah. Ende 2006/Anfang 2007 stahl Fatah al Islam die Waffen der Palästinenser und tötete einige ihrer Sicherheitskräfte. wunderte sich Khalid Dib gegenüber der »FAZ«. obwohl fast durchweg keine Palästinenser. Zum einen saß deren Anführer Schakir al Absi drei Jahre in syrischer Haft .31 Der US-Journalist Seymour Hersh glaubt den Grund dafür zu kennen: Fatah al Islam bombt und tötet nach seinen Informationen nicht im Auftrag von Damaskus. Angeblich war er die Nummer vier in der Kommandohierarchie der Splittergruppe. weil er Anschläge geplant hatte. »Es ist erstaunlich.so Palästinenserführer Khalid Dib aus dem Camp Badawi. Sie hielten sich dort im Verborgenen und gaben ihre Identitäten nicht preis. ist nicht plausibel. betonte der Mann. der schiitische Verbündete von Damaskus in der Zedernrepublik. »Aber das Problem mit Fatah al Islam ist. Hersh.28 Fatah al Islam entstand. sickerten im November 2006 in deren Flüchtlingslager im Nordlibanon ein.angeblich. der den seltsamen Neuankömmlingen zunächst Quartier geboten hatte. der libanesischen Armee vollkommene Unterstützung im Kampf gegen die Fatah al Islam zu. dass Syrien Fatah al Islam fernsteuere.wer dann? Die Behauptung der Mainstream-Presse.29 Wenn nicht die Palästinenser hinter der Gruppe standen . Einige Dutzend Kämpfer. wie frei sich ihre Leute in den vergangenen Monaten von Lager zu Lager bewegen konnten«.verurteilt wurde). sondern von Washington. weil sie sich angeblich »für einen geheimen Auftrag« vorbereiteten . Die prowestliche Regierung von Premier Fuad Siniora verhielt sich lange Zeit lax gegenüber der Gruppe. wie aus dem Nichts. der sich durch seine Reportagen über das US-Massaker im vietnamesischen My Lai wie durch die Entdeckung des Foltergefängnisses in Abu Ghraib in die Annalen des investigativen Journalismus 229 . erst Ende 2006. dass es keine palästinensische Organisation ist«.

die sich von einer prosyrischen Gruppe losgesagt habe .. den Extremisten half.. Das könnte sehr gefährlich werden.33 Die International Crisis Group (ICG) hat genauer recherchiert. Demnach zahlte er aus seinem Erbe .im Jahre 2005 die Kaution in Höhe von 48 000 Dollar für vier Mitglieder einer isla- 230 . »Mir wurde gesagt.er bekam nach dem Tod seines Vaters mehr als vier Milliarden Dollar . wie Saad Hariri. berichtete Hersh Einzelheiten über die Finanzierung der Fatah al Islam: »Die libanesische Regierung gewährt diesen Leuten gegenwärtig Raum. der fast 30 Jahre für den britischen Geheimdienst MI6 gearbeitet hat und heute für Conflicts Forum. dem früheren saudischen Botschafter in Washington.« Fatah al Islam habe sich von der prosyrischen Ursprungsgruppe Fatah al Intifada abgespalten und ursprünglich weniger als 200 Mitglieder gehabt. berichtete darüber im März 2007 mit Verweis auf seine Informanten in der US-Armee und den US-Geheimdiensten: »Gesteuert wird die Politik aus dem Büro Vizepräsident Dick Cheneys in enger Abstimmung mit Prinz Bandar. Im Rahmen dieser Politik stellten die USA der Regierung Siniora im Libanon erhebliche Summen zur Verfügung. der oben bereits erwähnte Sohn des ermordeten früheren Premierministers Rafik Hariri. Die Mitglieder solcher Gruppen hätten zum Teil einst in Al Qaida-Lagern trainiert. dass ihnen innerhalb von 24 Stunden Waffen und Geld angeboten wurde von Leuten. Bandar ist heute Nationaler Sicherheitsberater des saudischen Hofes.«32 Alastair Crooke. die teilweise bei extremistischen Sunni-Gruppen landen. Das Geld fließe teilweise über den Sohn des ermordeten Premiers Rafik Hariri. tätig ist.vermutlich. damit sie es mit der Hisbollah aufnehmen».eingeschrieben hat. die sich als Interessensvertreter der libanesischen Regierung ausgaben . einen Think Tank in Beirut. Eine von ihnen sei eine neue Splittergruppe namens Fatah al Islam. so Crooke.

gegen die Schiiten im Libanon.35 Hersh fasst das strategische Ziel der neuen US-Politik zusammen: »Der Feind unseres Feindes ist unser Freund. gegen die Schiiten zu unterstützen .mischen militanten Gruppe aus Dinniyeh.37 Anders gesagt: Falls die Behörden wussten. und sie dennoch den Soldaten die Lizenz zum Töten gaben. die sich im Palästinenserlager Nahr el Bared und im Flüchtlingscamp Ein al Hinweih bei Tripoli verschanzt hatten. in der angeblich die Führungskader von Fatah al Islam untergebracht waren. liegt der Verdacht nahe.«36 Tote Zeugen reden nicht Nach der Veröffentlichung von Hershs Artikel Anfang März 2007 wurde für den Hariri-Clan das Bündnis mit den Terroristen von Fatah al Islam zu heiß. dass Saddam al Hajdib gezielt liquidiert wurde .gegen die Schiiten im Iran. gegen Hisbollah-Chef Nasrallah vorzugehen.« Und: »Wir sind jetzt damit beschäftigt. Ab Mai 2007 gingen libanesische Regierungstruppen gegen die Freischärler vor. Saddam al Hajdib wurde bei dieser Razzia erschossen. »Unklar ist. wo immer möglich. Die hier geschilderten Ereignisse fanden im Mai 2007 statt. Sunniten. bevor sie das Apartment angriffen. 231 . ob den libanesischen Behörden der Aufenthaltsort des Gesuchten bekannt war«. Fernab der Kämpfe um die Lager stürmte die Armee in der Innenstadt von Tripoli auch eine luxuriöse Wohnung. wer sich in dem Unterschlupf versteckte.damit er im Kofferbomber-Prozess nicht mehr aussagen konnte. Innerhalb von drei Wochen waren über 100 Tote zu beklagen. zehn Monate nach der Festnahme der Kofferbomber. die Dschihadisten-Gruppen im Libanon sind auch dazu da.34 Nach anderen Angaben sollen die Mitglieder der Fatah al Islam monatlich 700 US-Dollar aus dem Spesenfonds des Hariri-Clans bekommen haben.

Dazu ist die gesamte Welt längst viel zu sehr zusammengewachsen. in Deutschland Unfrieden zu stiften. Er wird in seinem Schlussplädoyer herausarbeiten. Idealtypisch war die Argumentation von Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD): »Wir können nicht einfach eine Grenze um die EU ziehen und sagen: Bei uns schießen wir nicht aufeinander. um das Land in den Nahostkonflikt mit hineinzureißen? Youssefs Anwalt Johannes Pausch hält nichts von diesen Spekulationen. Angesichts der jahrzehntelangen und wohlbegründeten Zurückhaltung Deutschlands in der Nahost-Politik bedeutete dies einen »Tabubruch«. aber noch rechtzeitig Skrupel bekam und die selbstgebaute Höllenmaschine entschärfte. dass zumindest sein Mandant ursprünglich zwar tatsächlich einen Bombenanschlag durchführen wollte. wie die FDP in ihrer Ablehnung des Einsatzes feststellte.War Saddam al Hajdib im Sommer 2006 bereits auf der Gehaltsliste des Hariri-Clans? Veranlasste er mit diesem Geld seinen Bruder Youssef Mohamad. Der nützliche Terror Parallel zur Aufregung um die Kofferbomben im August 2006 debattierte der Bundestag über die Entsendung deutscher Fregatten an die levantinische Küste. Damit der Terror aus anderen Weltgegenden nicht zu uns komme. müssten unsere Soldaten möglichst überall out of area präsent sein. von wo Gewaltexport in unsere Breiten drohe. wächst die Terrorgefahr auch in den Regionalzügen bei uns. Die Politiker der Regierungskoalition hielten dagegen.«38 So wurde die Hysterie um den dilettantischen Anschlagsversuch vom Kölner Hauptbahnhof genutzt. und der Rest der Welt geht uns nichts an. um 232 . Wir haben das gerade erst wieder erlebt: Wenn im Nahen Osten ein Krieg ausbricht. Der Prozess dauerte zu Redaktionsschluss des Buches noch an.

dpa.php?option=com_content&task= view&id=21&Itemid=66. Tagesspiegel 11. NYT 19.2006. T. Craig Murray. Knapp am Tod vorbei. N. Interview Bodo Plewinsky. a. asc/dpa. Bild 19. Mutmaßlicher Kofferbomber will Anschlag sabotiert haben. Berndt u.. Transkript auszugsweise auf http://hintergrund. Welt-Online 7.8.8.12. Berndt/u.Geständnis eines Kofferbombers. N. Washingtons neue Strategie gegen den Iran. Spiegel Online 21. Stern 30.2007. dpa. Syrer soll Anschläge in Deutschland geplant haben. a.2006. So viele Tote wie möglich . Osmanische Herberge. Josef Hufelschulte.11. »Die Terrorzelle ist größer«.2006.8. SZ 11. 30. Dominik Cziesch/u.2003 (http://www. Spiegel Online 11.2. dpa.2006.2003. Mehr Beispiele über die Instrumentalisierung des Terrorismus durch die etablierte Politik finden sich in Kapitel 17.8. Focus 35/2006. Bahn: Der geheimnisvolle KofFerbomber. a. Anmerkungen 1 Torsten Krauel.2007. Arno Heissmeyer/Josef Hufelschulte. AP. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 233 .6.2008. Panorama 9. Lebanese Man Convicted in 2006 Plot to Bomb German Trains. Focus 32/2006.de/index. Rekruten des Irrsinns.8. Hans Leyendecker.1.2006..html). »Die Bomben waren dilettantisch gebaut«.2003.2. 30. Dominik Cziesche/u. S. 74. Rausch nach der Tat.6. Express 28. Anette Ramelsberger.6. The UK Terror plot: What's really going on. Interview mit Fawaz Zakaria. Planten Terroristen Anschlag auf ICE?. Stellungnahme zur Polizeiaktion. Mutmaßlicher Kofferbomber (FN 20).9. Guardian 14. (FN 5). a.deutsche Truppen in eines der heißesten Krisengebiete der Welt zu schicken. T. Berlin 2008. Der deutsche Dschihad.osmanische-herberge.2003.8.2006.2006. Welt 25. Schattenmänner mit unklaren Motiven.2008. Cicero 10/2006.6. Carsten Bränstrup/Frank Jansen.2006.. Terroristen schlagen wieder zu. 21.de/poll. Spiegel 14. (FN 16).

8.8. S.de/diplo/de/Infoservice/Presse/ Reden/2006/060830-Europa-Schwarzkopf. Torsten Krauel. Spiegel Online 21.2007. Who's Behind the Fighting in North Lebanon.. Hersh (FN 33).2007. Bruder des Kofferbomben-Verdächtigen . Hersh (FN 33). Seymor M. Zermürbungsschlacht gegen neue Dschihadisten-Truppe. Bruder des Kofferbomben-Verdächtigen im Libanon getötet. Fatahs verfeindete Kinder. Rede 30.2006. als/AP. Markus Bickel. FAZ 26.87. Markus Bickel (FN 29). Hersh.12. Berlin 2008.2007. Islamistische Terroristen planen den Anschlag. Der deutsche Dschihad.2007. Kofferbomber aus gutem Haus.2008.5.2007. Washingtons neue Strategie gegen den Iran.. Spiegel 18. Franklin Lamb. Counter Punch 24. Seymor M.2. Europa neu denken. Seymor M.5. 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 234 .2006 (http://www.23 nach Aussage von Youssefs Anwalt Johannes Pausch.5. 28 als/AP. Bild 19. Frank Walter Steinmeier.html).auswaertiges-amt. Hintergrundgespräch des Autors 23.2007. (FN 28). 87.2007. Bahn-Bomber trägt Ballack-T-Shirt. The redirection.3. Spiegel Online 21. Welt 25. The New Yorker 5. 25 Einar Koch/u.5.5. S. Yassin Musharbash. 26 Annette Ramelsberger (FN 24). 24 Annette Ramelsberger. a.. 27 Philipp Wittrock.

mit einem Freund. Dann ziehen Ihsan und der Besitzer des Transporters los. wird 235 . Und wenn die an diesem Tag Unter den Linden oder sonst wo in der Innenstadt abgestellt wird. geheime Informanten . »Kaum ist er wach. denn er hat am Vormittag Wichtiges zu tun. Keine Bombe. auch andere Brüder finden sich bei ihm ein.»Vertrauensleute.nichts. Die Polizei schlägt zu. V-Leute. öffnen den Kofferraum.eine unheimliche Geschichte von Lug und Trug Täuschung und Verrat faszinierend und unappetitlich zugleich.«2 Wenn Araber etwas Großes transportieren. telefoniert Ihsan G. Doch da ist nichts. Die Friedensbewegung hat für diesen Tag X zum Protest aufgerufen. noch im Schlaf. Auch die Al Nur-Moschee im Stadtteil Neukölln.oder mit vorbereitet Um 3. Der angekündigte Angriff der US-Streitkräfte und ihrer willigen Koalitionäre auf den Irak hat begonnen. Buchautor)1 13. Der 33-jährige braucht Ruhe. keine Chemikalie. was man auch nur im Entferntesten als Utensil für eine Sprengvorrichtung bezeichnen könnte. Zehntausende werden erwartet.12 Uhr in der Frühe des 20. In Berlin liegt der Tunesier Ihsan G. Ob der Bruder ihm seinen Lieferwagen leihen könne? Der Freund kommt. wäre ein Blutbad die Folge. Kapitel Wenn V-Leute erzählen Berlin und anderswo: Informanten der Polizei haben immer wieder Anschläge vorhergesagt . grotesk und doch bundesdeutsche Realität« (Rolf Gössner. Die Hauptstadt des Zweistromlandes wird mit einem Bombenteppich belegt. März 2003 bricht in Bagdad das Inferno los. kein Elektrokabel . wo der Verdächtige verkehrte. kann es nur eine Bombe sein. Etwas Großes. Die Beamten halten den Wagen an. Er habe etwas zu transportieren.

sie kannten G. die sich in der Al Nur-Moschee umgehört hatten.durchsucht. Anfang 2001 über Pakistan nach Afghanistan kam. nicht persönlich und blieben recht ungenau in ihren Aussagen. Dort hatte man gesagt. sei zurück.«5 Und weiter: »Das entscheidende Manko war nämlich. In seiner Wohnung in Gelsenkirchen stellte die Polizei später Batteriesäure.«3 Der Prozess gegen den jungen Mann. von weit her. ist vollkommen unklar. ebenfalls ohne Ergebnis. Aber ob dort nur religiös disputiert und auf die westlichen Teufel geschimpft oder tatsächlich ein Anschlag geplant wurde. Die beiden V-Leute waren auch nicht im innersten Kreis. Zu Jahresanfang 2003 sei er über Aachen in die Bundesrepublik gekommen. Ihsan G. Trotzdem meldete der »Focus« triumphierend: »Die Verhaftung eines Tunesiers ist offenbar der bislang größte Erfolg deutscher Fahnder im Kampf gegen Al Qaida. der im Mai 2004 begann. Salem al Rafei. Die Staatsanwältinnen wollten den Richter überzeugen. das am 27. dass beide V-Leute ihre Informationen nur 236 . Wichtig für den Zugriff der Polizei waren die Aussagen von zwei Informanten des Verfassungsschutzes. einen Flugsimulator. Dort habe er bei Al Qaida angeheuert und eine Kampfausbildung absolviert. Auf seinem Laptop waren angeblich islamistische Hetzpredigten und Schaltpläne für eine Zündvorrichtung gespeichert. sie haben nur schriftlich auf Fragen geantwortet. sei mit von der Partie. »Das Problem: Vor Gericht sind die V-Leute nicht erschienen. Die Spitzel meinten zu wissen. und biete »Sportkurse« an. Februar 2003 stattgefunden haben soll. endet im April 2005 in einem Fiasko für die Anklage. damit sie nicht enttarnt werden. Chemikalien und ein Fernrohr mit integrierter Digitalkamera sicher. Aus der Telefonüberwachung wussten die Anklägerinnen außerdem von einem konspirativen Treffen. dass G. berichteten die zwei V-Leute.4 Auch der Imam der Moschee. »dass in diesem Fall Sport gleich Mord« war.

dass die Geräte südafrikanischer Bauart seien und mit einer entsprechenden SIM-Karte in Deutschland nicht funktioniert hätten. Der Verurteilungswille der Staatsanwaltschaft war so ausgeprägt.7 Die Blamage rund um die Informanten führte keineswegs zum Abbruch des Prozesses. die angeblich als Bombenzünder hätten dienen sollen. griff zu«.die Berliner Polizei aber. wenn man nicht gerade zu den »happy few« gehört. nützte Ihsan G. 237 . entpuppte sich scheinbar als Lüge: Die Anklage demonstrierte im Gerichtssaal. ob die Freischaltung von G. der die Amerikaner ihren Zuträger ebenfalls offerierten. Oder war alles nur ein Versehen? Jedenfalls wurden dem Gericht aus der Hausdurchsuchung in G. »Nach zwei Nachfragen hat das Bundeskriminalamt dann lapidar mitgeteilt. Die Agency hatte die gemeinsame Nutzung der Quelle zunächst dem deutschen Verfassungsschutz angeboten: »Der Verfassungsschutz hatte Bedenken und lehnte ab . Er hatte nämlich illegal Gold nach Deutschland eingeführt und die fällige Umsatzsteuer in Höhe von 411000 D-Mark hinterzogen. man habe vor gut einem Jahr vom Hersteller einen Freischaltungscode angefordert und das Telefon entsperrt. berichtete der »Spiegel«. als die Verteidigung vom BKA wissen wollte. nichts. weil sonst die Daten nicht hätten ausgelesen werden können.s Gelsenkirchener Wohnung Handys präsentiert. und zwar zu drei Jahren und neun Monaten. Doch der Schwarze Peter wanderte weiter. Er wurde trotzdem zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. dass man sogar zu Manipulationen von Beweismitteln Zuflucht nahm.«6 Mittlerweile ist klar.s Telefon nach Sicherstellung vielleicht dort erfolgt sei. dass wenigstens einer der beiden V-Männer im Solde der CIA stand.von dritten Personen erhalten hatten. dass die SIM-Sperre deaktiviert war.«8 Dass keine Beweise gegen ihn vorlagen. Das ist hierzulande ein schweres Delikt. Der Hinweis des Angeklagten.

Sprengstoffhunde durchkämmten die Niederlassung der Deutschen Bank in der Charlottenstraße. der Verkehr brach zusammen. »Zum ersten Mal hatte die Hauptstadt die reale Angst ergriffen.« schreibt »SZ«-Terrorexpertin Annette Ramelsberger. aus Berlin-Neukölln sowie seine süddeutschen Kontaktpersonen Ata R. den man mit »Lammkopf«. Sollte das bedeuten. es würde sich ein Zeuge melden. Ersatzweise 238 . und Mäzen H. dass Allawi mit Sprengstoff. die Waffe im Anschlag. Pistolen oder einem Molotow-Cocktail angegriffen werden sollte? Das blieb völlig unklar.«9 Die Formulierung verwundert: Hatte dieselbe »reale Angst« vor einem Terrorakt nicht bereits eineinhalb Jahre vorher geherrrscht. beim angeblich geplanten Anschlag zum Beginn des Irakkrieges (siehe oben)? Der Anschlagsvorbereitung bezichtigt wurden der 30jährige Rafik Y. Im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim wurde ihnen ab Jahresende 2006 der Prozess gemacht.. der beim Dechiffrieren helfen könnte. Hubschrauber knatterten im Tiefflug über die Stadt. (. »Fleischspießen« und einer »Wasserpfeife« verwöhnen will. in dem von einem »Gast« die Rede ist. erfüllte sich nicht. Die Hoffnung der Staatsanwaltschaft. Taucher suchten die Spree nach Bomben ab. auf dem Dach des Kanzleramts. Dezember 2004 mitgehört. Bei den Durchsuchungen vor dem Allawi-Besuch waren bei keinem von ihnen Waffen oder Sprengstoff gefunden worden. »Der Mann war in Gefahr selbst das militärische Protokoll im Innenhof des Kanzleramtes wurde deswegen gestrichen. dass im nächsten Augenblick ein Anschlag stattfinden könnte. der Schiffsverkehr wurde gesperrt. Die Polizei hatte allerdings ein Telefongespräch der beiden Letztgenannten am 2. Dezember 2004 machte der irakische Präsident Iyad Allawi in Berlin seine Aufwartung..Kein Anschlag auf den Präsidenten Am 6.) Scharfschützen lagen. wo der Anschlag vermutlich stattfinden sollte. Die Sicherheitsdienste fürchteten einen Anschlag.

»Nach Angaben des V-Mannes hatten die Islamisten codiert über ihr Vorhaben gesprochen und ihre Absicht mit >Hochzeit< oder >Essenseinladungen< umschrieben«. Dann relativiert er wieder: Allerdings sei der Dschihad ja ein Akt der Selbstverteidigung gegen die Invasion der Amerikaner.« Man darf gespannt sein. wofür. auch Ata (einer der Angeklagten) habe Geld gesammelt.«12 Aber so recht klappte es auch mit ihm nicht: »Doch als es um Lokmans Beziehung zu den Angeklagten geht. sagt er aus. erhielt er keine Aussagegenehmigung vom Innenministerium in Schwerin. welche kriminellen Personen die Staatsanwälte noch aufbieten. der dem Geheimdienst von dem Plan berichtete. gerät der Zeuge ins Schlingern. berichtete der »Spiegel«. »Anfang 2007 wurde er dafür zu sieben Jahren Haft verurteilt. Auch sonst hatten die Behörden in Berlin-Brandenburg nicht viel Glück mit Tippgebern aus dem Berliner islamischen Milieu. Nur ungern scheint er seine Glaubensbrüder zu belasten. Ein Ex-V-Mann bot der Bundesanwaltschaft zu Jahresanfang 2005.10 Als der Spitzel jedoch im Oktober 2006 vor Gericht befragt werden sollte. Dann wieder räumt Lokman ein. dass Ata einen der Finanzchefs der Ansar al Islam gekannt habe. das wisse er nicht genau. im Vorfeld des Besuches von US-Außenministerin Condoleeza Rice. um den vermeintlichen Anschlagsplan zu beweisen. Jetzt wird er in verschiedenen Islamisten-Prozessen als Zeuge herumgereicht. Auch den bewaffneten Dschihad habe der Angeklagte befürwortet. behauptet Lokman. außerdem soll er Dschihadisten in den Irak geschleust haben.versuchte man es mit Aussagen eines V-Manns: Während der Ermittlungen hatte der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommerns einen Informanten an einen der Verdächtigen »herangeführt«. Ja. brisante Informa- 239 .11 Anstelle des V-Mannes hoffen die Ankläger nun auf einen Kronzeugen: Lokman Mohammed warb bis zu seiner Festnahme im Dezember 2003 für die nordirakische Terrorgruppe Ansar al Islam um Spenden.

.tionen an: Er wisse. Sodann habe die Vierertruppe in einem Opel die Sicherheitszone des Flughafens verlassen .unter Mitnahme von Messer und Pistole. dass er die mit Ausweisen der Luftfahrtgesellschaft versehenen Gestalten »im letzten Moment an der Gangway gestoppt und gefilzt« habe. Es sind nämlich auch Vorgänge aktenkundig. an der Darstellung des Wachmannes zu zweifeln«.: Es handle sich bei dem Waffenschmuggel lediglich um einen Test. »Das Landeskriminalamt Berlin nahm die Gefahr wegen des nahenden Staatsbesuchs so ernst. wo sich Informanten und Zuträger von Polizei und Geheimdiensten nicht nur als Desinformanten und Aufschneider hervortaten. Ein Experte des Frankfurter Flughafens glaubte gegenüber dem 240 . auf dem Frankfurter Flughafen ein Rambo-Messer und eine Pistole in einen Lufthansa-Airbus nach Tel Aviv zu schmuggeln. Eine sicher unvollständige Auswahl: • Am 21. dass es ein Honorar von 80 000 Euro anbot. LH-Sprecher Thomas Jachnow sah aber dennoch »keinen Grund. September 2002 versuchten zwei Männer. Agents Provocateurs Die Geschichte der V-Leute in Deutschland kennt noch schlimmere Fälle als die geschilderten. Bundesverkehrsministerium. Ein Wachmann der Fluggesellschaft sagte aus. Anschließend hätten ihn »zwei plötzlich auftauchende Kollegen der mutmaßlichen Hijacker beruhigt. den er erfolgreich bestanden habe«. wo ein Depot mit fiinf Boden-Luft-Raketen vom Typ Stinger sei. BGS und Staatsanwaltschaft wollten auf Nachfrage des »Focus« von keiner derartigen Inspektion wissen. sondern möglicherweise als Agents Provocateurs Straftaten anstiften wollten oder direkt an ihnen beteiligt waren.«13 Der Hinweis löste sich in Luft auf..

berichtete der »Focus«. und zwölf weiteren Al Tawhid-Leuten die Vorbereitung von Anschlägen auf jüdische Einrichtungen zur Last gelegt wird . Im Gefängnis wechselte er die Seite und packte angeblich sein Wissen über islamistische Netzwerke aus.auf Grund seiner Homosexualität fühlte er sich in Jordanien verfolgt. geschnappt. 114).. soll hier zum Islamisten geworden sein? Die Qualität des Mannes sollte sich bald erweisen: Der von ihm als Helfer des mutmaßlichen 9/11-Hijackers Mohammed Atta denunzierte Abdelghani Mzoudi wurde vom Hamburger Oberlandesgericht letztinstanzlich freigesprochen (vgl. gilt längst als verlässlicher Zeuge«.Magazin des Rätsels Lösung zu kennen: »Das müssen israelische oder US-Geheimdienstler gewesen sein. der in Deutschland Zuflucht vor dem nicht besonders sittenstrengen Islam in Jordanien gesucht hat. Zu seiner Entlastung führte der bekennende Haschischraucher an. Zeitweise beschaffte er der Polizei Informationen über Heroin-Dealer. »Der gelernte Friseur Shadi A. Die wollten uns Sicherheitslücken vorführen. Am interessantesten ist aber der Umstand. zur Tatzeit »von Geistern besessen« gewesen zu sein. S. dass Shadi A. erhielt dafür aufwändigen Zeugenschutz.«15 Ein schwuler Drogendealer.«14 Im Herbst 2002 wurde bei einer bundesweiten Razzia gegen die Gruppe Al Tawhid der Jordanier Shadi A. der die Verhörspezialisten anfangs durch abenteuerliche Storys verblüffte. 1997 im Ruhrgebiet auf und geriet dort in die Drogenszene. als dieser (siehe oben) schon als V-Mann für das Drogendezernat gearbeitet hatte. als Asylbewerber nach Deutschland .16 Kurz nach dem G8-Gipfel von Heiligendamm meldete die Deutsche Presseagentur (dpa): »US-Sicherheits- 241 . Nach mehreren Stationen in Belgien tauchte A.und zwar zu einer Zeit. Sein Werdegang weckte offensichtlich keinerlei Verdacht: »1995 kam A.

Denn die beiden Männer. die sich daraus ergeben. weil Präsident Bush im Lande weilt?«18 • Im Frühjahr 2008 wurden drei georgische Autohändler in Rheinland-Pfalz getötet. Der andere. »Es sind die Tat-Hintergründe. einer davon angeblich nach islamischem Ritus geschächtet. welche die Ermittler rätseln lassen und dem Fall eine politische Dimension verleihen. eine so genannte Vertrauens-Person (VP). Daraufhin hätten sich die zivil gekleideten Insassen als US-Sicherheitskräfte zu erkennen gegeben. im Mai 2007 sogar 4500 Euro.. Der in einem Koffer versteckte Plastiksprengstoff sei von den deutschen Beamten an einer Kontrollstelle in einem Auto entdeckt worden.17 Die Fragen. sind den Behörden bekannt. ist den Staatsschützern ebenfalls bekannt. war nur ein kleiner Test« zu nuscheln.endlich ihren Beweis gefunden? Reicht es.« Obwohl es sich um eine »sehr kleine Menge« gehandelt habe. um fröhlich seiner Wege zu ziehen? »Gilt in Deutschland statt Grundgesetz und Strafgesetzbuch der Patriot Act. Einer von ihnen ist ausgerechnet ein Zuträger.»Chaoten. hat als erstes der Investigativjournalist Mathias Bröckers formuliert: Was hätten die »US-Sicherheitskräfte« gemacht. Der Iraker mit deutschem Pass aus Ludwigshafen hatte der Polizei seit 2001 Infos aus der Islamistenszene gesteckt und bekam dafür Honorare. wollt ihr Tote?« . er ist ein als >Gefährder< registrierter Islamist.«19 Bildeten der Polizeispitzel und 242 . die in U-Haft sitzen. wenn das Material bei der Kontrolle unentdeckt geblieben wäre? Hätte dann die Hetze der »Bild«-Zeitung gegen die Demonstranten . der Somalier Ahmad H.kräfte haben die Kontrollen um den G8-Gipfel in Heiligendamm nach dpa-Informationen mit dem Transport einer geringen Menge Sprengstoff getestet. nach der Entdeckung einer Straftat einen CIA-Ausweis zu zücken und »Sorry. schlug demnach die Durchleuchtungstechnik Alarm.

der den Dschihad predigte und in dessen Garage man Anleitungen zur Organisation von Terrorausbildungslagern fand. S. Annette Ramelsberger (FN 2). Zudem sei der Mann streng geführt worden.3. München 2003. Ein vermutlicher Terrorist. hieß es. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen hatte der Iraker zwar Vorstrafen. Bis zum Januar habe er exakte Tipps gegeben. dem Mann aus dem hessischen Langen. es gibt mehr als 250 Akteneinträge von Treffen mit seinem V-Mann-Führer.der Gefährder ein Joint Venture und ermordeten drei Christen? »Der zuständige Innenminister von Rheinland-Pfalz wies alle Vorwürfe zurück.3. Der deutsche Dschihad. Berliner Zeitung 7. S. Andreas Förster. Verschanzt hinter Wänden aus Schweigen.2005. auch Verbindungen zu Schlüsselpersonen der bundesweiten Gefährder-Szene: »Sie wissen. 121. der V-Mann sei nicht ausreichend kontrolliert worden. 7. Jener Mann.«21 Mit diesen Kontaktpersonen des Mordverdächtigen H. für die 4500 Euro im Mai 2007 habe er ein ganzes Dossier über Islamisten geliefert. Islamistische Terroristen planen den Anschlag. Annette Ramelsberger. SZ 29.«20 Pikant: Der somalische Islamist hatte. Alex Desselberger. Yehia Yousif.2005. Focus 31. Big Fish an Land gezogen. 243 . Annette Ramelsberger. mit wem er Kontakt hat: zum Beispiel mit Adem Yilmaz. der erst in Freiburg. Berlin 2008. beschäftigt sich das übernächste Kapitel. 117. einem Pharmakologen und Prediger. vgl. Geheime Informanten. der zu den Bombenbauern vom Sauerland gehört und nun in Haft sitzt. so die Fahnder. allerdings handle es sich dabei >um Kleinzeug<. V-Leute des Verfassungsschutzes: Kriminelle im Dienst des Staates. All diese Menschen kennt H. Oder auch zu Dr.4.2003. S. Anmerkungen 1 2 3 4 5 6 Rolf Gössner. dann im Multikulturhaus von Neu-Ulm predigte.

10.2.7 Dominik Cziesche/u.6. Vernehmung eines V-Manns im Stuttgarter Terror-Prozess verzögert sich. Das Terror-Phantom. tal.2006. V-Mann verriet Pläne für Attentat auf Allawi. Ein Polizeiagent unter Verdacht. Josef Hufelschulte.2. 375. S..10. Matthias Gebauer (FN 19).2008.9. S. Spiegel Online 28. Focus 43/2005. Verteidigung in Terrorismus-Verfahren.7.2006.2007. Focus 8/2005.. Jürgen Elsässer. Michael Rosenthal. Spiegel 12. Focus 42/2002.. Provokateure raus!. Berliner Morgenpost 4. Alarm zum Rice-Besuch. »Vielzahl von Opfern«. 150.2007. »Wie ein Sechser im Lotto«.2005. Arno Heissmeyer. Ein V-Mann und drei Tote. SZ 28.2005.6. stv 612006. n. »Sie machen. Die Stunde des Lokman H. Thomas Zorn. z. 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 244 . N.. jW 16.2008.12. was sie wollen«. dpa 8. Roman Heflik. Annette Ramelsberger (FN 2). jkr. N. Focus 40/2002. a. AP. Spiegel Online 27. Matthias Gebauer.

5 Nun wäre dies der erste Selbstmordattentäter. wurde aber bald darauf von der herbeigerufenen Polizei überwältigt.2 Der festgenommene Tatverdächtige wollte demnach am 1. an- 245 . vergleichbar einem Schrapnellgeschütz«.3 Beim Scannen seines Rucksacks sprang der Alarm an. Sprengstoff und Hunderte Nägel«. Im Rucksack fand man »zwei Handgranaten. Oktober gegen 11. Er ließ einen Rucksack fallen.1 Und Anfang Oktober wurde angeblich ein Attentat in der US-Botschaft in Wien gerade noch vereitelt. »Die Polizei hat. meldete der staatliche Fernsehsender ORF. einen Bombenanschlag auf die US-Botschaft verhindert: Ein Niederösterreicher hatte versucht.4 »Wenn der Sprengsatz mit den Nägeln explodiert wäre. erklärte eine Sprecherin des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT).. Der Mann riss aus. 17. hätte dies schreckliche Auswirkungen gehabt. Fast über Nacht scheint die gemütliche Alpenrepublik im Herbst 2007 zu einem Brennpunkt des internationalen Terrorismus geworden zu sein.2007) 14. in dem sich ein Sprengsatz befand«.»Allah Anfang ist schwer« (»Profil«.. Kapitel Das Gerücht eines Gerüchts Wien: Die Erfindung einer »Al Qaida Österreich« kommt trotz Bemühungen kaum vom Fleck Außerhalb Österreichs bekam man kaum etwas davon mit.30 Uhr die US-Vertretung betreten und den Sicherheitschef sprechen.9. in das Botschaftsgebäude einzudringen. der seinen Bombenkoffer brav zum Durchleuchten abgibt. Mitte September wurde der »erste Al Qaida Terrorist Österreichs« samt seiner Ehefrau dingfest gemacht.

begann ab diesem Zeitpunkt die Deeskalation. den Rucksack in die Botschaft zu bringen.jedenfalls im Vergleich zu den Frontstaaten des sogenannten Anti-Terror-Krieges? Oder 246 . dass er geistig verwirrt war. ein Bekannter habe ihm aufgetragen. und beide kommen aus einem Bürgerkriegsgebiet.11 Das LVT spielte Spekulationen herunter. der vermeintliche Auftraggeber gleich wieder freigelassen. Aber in Deutschland hätten die Indizien genügt. Der erste Mann wurde in die Psychiatrie überstellt.7 Was wollte der Mann also? Bei seiner Vernehmung stellte sich heraus. dass sich die Anschlagshysterie in Österreich binnen 24 Stunden abkühlte. für die Toleranz in der Alpenrepublik .10 Obwohl bei den Tullner Hausdurchsuchungen gleich auch noch ein halbes Kilo Plastiksprengstoff in der Wohnung des vermeintlichen Botschaftsbombers gefunden wurde. der Verdacht gegen ihn sei unbegründet. ebenso wie der Verhaftete bosnischer Staatsbürger und in Tulln in Niederösterreich lebend.9 Dieser Bekannte. wurde ebenfalls festgenommen.8 Brisant ist allerdings. der Rucksackträger habe sich bei diesem lediglich »abputzen« wollen (österreichisch für: den Schwarzen Peter weitergeben). im Rucksack mit den Sprengutensilien fand sich auch ein islamisches Gebetsbuch. Zumindest zeitweise war er wohl auch schon in psychiatrischer Behandlung gewesen. Spricht die Tatsache. in dem sich seit den frühen neunziger Jahre Tausende Mudschahedin aufhalten. wonach der Anschlagsversuch »von radikaler islamischer Weltanschauung motiviert« gewesen sein könnte. Er sprach konfuses Zeug. Das wäre freilich auch gar nicht gegangen: Bei den Handgranaten waren die Zünder heraus geschraubt6 auch ansonsten fanden sich im Rucksack »keine Zünder«.12 Damit hat die Behörde wohl Recht. dass der Mann angab. Sehr schnell erklärten die Ermittlungsbehörden.statt ihn vorher in der Warteschlange zur Explosion zu bringen. um den Vorfall dennoch als Auftragsarbeit von Al Qaida darzustellen: Beide Personen sind Moslems.

wie 247 .« Und weiter: »Wir fragen uns: Welchen Nutzen hat Deutschland davon.. »Spiegel Online« fasst zusammen: »Sie sollen an der Produktion eines Videos beteiligt gewesen sein . dass die Teilnahme der Deutschen bei den NATOTruppen für den Wiederaufbau gedacht ist. falls die beiden Länder ihre Soldaten nicht aus Afghanistan abzögen.die Verbreitung missliebiger Ansichten im Internet für die Website der Globalen Islamischen Medienfront (GIMF).kein Anschlag. Ist es nicht dumm.. obwohl dem Duo . die Mudschahedin zu ermutigen. Kapitel 15) .im Unterschied zu dem parallelen Oberschledorn-Fall in Deutschland (vgl. Seite 79). dass es 2750 Soldaten als Unterstützung für die NATOTruppen schickt. um die Lügen von Bush und seiner Bande zu verteidigen?. Internet-User und andere Terroristen Mitte September 2007 wurde ein muslimisches Ehepaar in Wien festgenommen.musste die Sache tief gehängt werden.. dass Gewährsleute westlicher Geheimdienste mit Hilfe eines armen Irren einen Terrorangriff fingieren wollten? Nota bene: Ein Teil der bosnischen Mudschahedin steht spätestens seit 1995/96 auf der Payroll des Pentagon-Subkontraktors MPRI und kämpfte auch im Kosovo (vgl. sondern vernünftige Ansichten. Die Aufregung in Medien und Politik überschlug sich. 1984) . weil zu offensichtlich wurde.« Doch in dem Filmchen wurden Anschläge weder angedroht noch gerechtfertigt.. Anschläge in eurem Land zu verüben?«13 Das sind keine Drohungen. als sie sagte. Darin drohte ein vermummter Sprecher auf Arabisch mit Anschlägen in Deutschland und Österreich. Stattdessen hieß es: »Die deutsche Regierung log ihr Volk an. keine Anschlagsvorbereitung und nicht einmal der Besitz irgendwelcher auch nur im weitesten Sinne für solche Zwecke verwendbarer Chemikalien zur Last gelegt wurde. Vielmehr ging es um ein reines »Gedankenverbrechen« (Orwell.

sondern »kanadische Medien unter Berufung auf die US-Organisation SITE«. um einen Moslem der Vorbereitung eines Massenmords zu bezichtigen. der ansonsten vor keiner Panikmache zurückschreckt. 248 . Peter SchollLatour und . Der Clou an der Sache: Die Redaktion von »Spiegel Online« räumte ein. Entsprechend verlief der im März 2008 in wenigen Tagen durchgepeitschte Prozess. sondern lediglich ihr selbst sowie dem österreichischen Fernsehsender ORF zugestellt worden war.für den Staatsanwalt »eine terroristische Vereinigung«.sie auch von Leuten wie Oskar Lafontaine. Er empfahl supercool »Gelassenheit und Geschlossenheit«.14 Die Öffentlichkeit wurde von einigen Medien geradezu hysterisiert: Die Tageszeitung »Österreich« schrieb auf ihrer Titelseite am 20. Die Anklage hatte keine anderen Beweise und Indizien als die bereits gerade aus den Medien referierten: Im Internet sei die Durchführung von Anschlägen unter anderem auf die Fußball-EM erörtert worden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Zweiten Republik wurde der Paragraf 278b (»Bilden und Fördern einer terroristischen Vereinigung«) angewendet. Aus dem konkreten Indikativ (»plante Attentat«) wurde im Weiteren aber ein vager Konjunktiv aus dritter Hand: Über die bösen Vorhaben der GIMF-Leute berichteten demnach nicht die Ermittler.sogar von Bayerns Innenminister Günther Beckstein vertreten wurden. Ein Gerücht von einem Gerücht reichte aus. In Deutschland winkte sogar Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Außerdem habe der Angeklagte führend an der GIMF mitgewirkt .in Sternstunden . September 2007: »Terrorist plante Attentat auf Fußball-EM«. Warum die Videomacher in Österreich Mitte September unter Al Qaida-Verdacht gestellt wurden. dass der Clip gar nicht ins Netz gestellt. versteht der gesunde Menschenverstand nicht. obwohl ihr Filmchen bereits vor einem halben Jahr bekannt geworden war und inhaltlich harmlos ist. ab: das Video enthalte »nichts Neues«.

auch hätte er nichts mit Terroranschlägen zu tun. Mitglied von Al Qaida oder »eines anderen international tätigen radikal-islamistischen Terrornetzwerkes« zu sein. Mohammed Mahmoud kritisierte in seinen Ausführungen den »Schauprozess«. Seine »Kriegsverletzung« an der rechten Hand sei erwiesenermaßen 2003 beim Fußballspielen in Wien passiert. »Er beteuerte aber. Im Übrigen machte er aus seiner Abneigung gegen die USA keinen Hehl. behauptete Verteidiger Lennart Binder. weil er »nachweislich niemals im Irak war«. Seine Frau Mona wiederum habe ihm Übersetzerdienste geleistet und sich damit mitschuldig gemacht.« Mahmoud selbst berichtete. rechtfertigte sich die Frau. Der Richter bezeichnete ihren Gesichtschleier als »Fetzen« und schloss sie daraufhin von den Verhandlungen aus. ihre Burka abzulegen. der dem Angeklagten zum Verhängnis geworden war: »Mein Mandant war ein kleines Nichts.15 Die Anklageschrift strotze vor falschen Angaben. wie diese seine Schwäche ausgenutzt worden war: Alles 249 .16 Fallensteller und Profiteure Anwalt Lennart verwies vor Gericht auf einen Charakterzug. »dass ja auch Journalisten Botschaften von Terroristen übersetzen würden«. So könne Mahmoud an keiner Terrorausbildung in einem irakischen Camp teilgenommen haben. das sich als Großmaul aufgeblasen hat. Allen Ernstes warf der Staatsanwalt auf dieser Null-Grundlage Mohammed Mahmoud vor. Sie habe mit ihrer »Nachrichtenagentur« eine »andere Version« von »der US-Besatzung und dem Krieg im Irak« weitergegeben. gegen die Tötung von Unschuldigen zu sein. Das öffentliche Interesse an dem Prozess richtete sich vor allem auf die Kleidung der Angeklagten: Sie weigerte sich aus religiösen Gründen.die ein »Drohvideo« verbreitet habe.« Seine Frau argumentierte in ihrer schriftlichen Stellungnahme. was durch das Attest einer Klinik belegt werde.

berichtet »Profil« . sich in entsprechende Internet-Foren »eingeschlichen«.habe angefangen mit seinem Kontakt zu Gerhard Tuschla. indem man ihm für die weitere Kommunikation eine Post-Box auf der GIMFWebsite offerierte: Dort werde hinterlegt. Mahmoud. referiert »Profil« die Ausführungen Mahmouds.« Dieses gab er dann flugs an den »Spiegel« weiter. ersuchte er über diese PostBox um Vermittlung eines Gesprächspartners. Dort habe er einen »vollkommen vermummten Mann« getroffen. wann und wo er solche Al Qaida-Gespräche führen könne.17 Tuschla wurde heiß gemacht. Trotz seiner Zweifel führte Tuschla mehrere Gespräche »und sendete sie auch«.18 Seither ist die Rede vom »Cyber-Dschihad« und von »Al Qaida Österreich« .noch bevor der Clip im Netz stehen konnte. der darüber sofort in großer Aufmachung berichtete .und niemand. um Tuschla den lukrativen Beitrag für »Spiegel TV« zu ermöglichen. außer »Profil« . »Einige Wochen später entdeckte Tuschla in seiner GIMF-Postbox eine neue Sendung: Es war das berühmte erste Drohvideo. eines windigen Journalisten und der sensationsgeilen Medien- 250 .leider ohne mitzuteilen.hat je aufgedeckt. Im Auftrag von Tuschla habe er. dass all das eine Erfindung war: das Produkt eines geltungssüchtigen moslemischen Halbstarken. »Die durch den möglicherweise weltweiten Verkauf derartig gefragter Interviews eingespielten Beträge habe man sich teilen wollen«. der ihm »schon komisch oder irgendwie bekannt vorkam«. um sogenannte Führungsfiguren von Al Qaida für Interviews mit diesem zu gewinnen. Schnell sei ihm ein Treffen in Wien angeboten worden. Offensichtlich hatte sich Mahmoud oder einer von dessen Freunden als Top-Terrorist kostümiert. und zwar zu nächtlicher Stunde an einem Februartag 2007 auf dem Karlsplatz. Tuschla biss an: Um für das deutsche »Spiegel TV« einen Beitrag über die GIMF produzieren zu können. welche Medien den Schwindel mit verbreiteten. einem Journalisten. der gelegentlich auch für den ORF arbeitet.

»das Gewäsch eines harmlosen Dampfplauderers hochzustilisieren.10. Emil Bobi (FN 16).2007. n. moe/u.9. APA (FN 3). a. APA/Red.11. 2nd man held in US Embassy bomb attempt.. Zweiter Verdächtiger in Wien festgenommen. AP. Brigitte Zeyzay. Kole. Spiegel Online 20. Yassin Musharbash. 14.10.2007. Drohvideo: Hiesige Islamisten beanspruchen Beteiligung. Allah Anfang ist schwer. 12:46 Uhr. Die Sicherheitsfanatiker haben von dem Schwindel profitiert: Verteidiger Binder beschuldigte die Polizei..2007. APA (FN 3). Mit Revision wird gerechnet. 1. Der Standard 2.2008.2007. 3.2007 (http://oesterreich. Anschlagsversuch auf US-Botschaft: Zweite Festnahme. Emil Bobi.10. seine Frau Mona zu 22 Monaten Haft verurteilt.. »Ein Fetzen vor dem Gesicht.. Terroralarm vor der US-Botschaft. Anmerkungen 1 2 z. Zwei Terrorverdächtige sitzen noch immer in Haft. Für den Dampfplauderer hatte das Ganze schlimme Folgen: Am 13. 3. Emil Bobi (FN 16). AP. was ja mit Jahresbeginn (2008) bereits passiert ist«. Spiegel Online. März 2008 wurde Mohammed Mahmoud von den Geschworenen zu vier Jahren. ORF.15:42 Uhr.10.2007. Neues Drohvideo gegen Deutschland und Österreich.meute.at/noe/stories/225708/). Profil 17. Anschlag auf US-Botschaft: Zweiter Verdächtiger verhaftet.2007. um die Einführung der Online-Fahndung zu rechtfertigen. telepolis 13. AP (FN 5). William J. AP 2.10.3.orf. profil 26/08. William J. Emil Bobo/u. angeführt vom »Spiegel«. APA (FN 3).«..2007.3. Kole (FN 9). Bosnian Muslim bomber of US Embassy released. 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 251 .10. Die Presse 2.2007. a.

doch der Fliehende stürzt sich wie entfesselt auf ihn.Fritz Gelowicz. September 2007: Zwölf Männer der GSG9 sitzen gedrängt in ihren VW T4-Bullis. Zugriff.freie Bahn für die legendäre Spezialtruppe. Dosorsi sopra la prima deca di Titio Livio. Blickkontakt zum Einsatzleiter. Mit quietschenden Reifen halten die drei VW-Busse vor dem Ferienhaus am Eichenweg 22. 252 . die mit brummenden Motoren in der Straße am Oggetal warten. Kapitel Im Delirium eines deutschen 9/1 I Oberschledorn: Die »Wasserstoffperoxidbomber« taten ihr Möglichstes. Die schwer Bewaffneten stürmen heraus. Uhrenvergleich: 14. entreißt ihm die Dienstwaffe und schießt. Dann endlich kommen zwei GSG9-Kämpfer zu Hilfe und überwältigen den Tollkühnen. I53I)1 15. brechen die Vordertür auf. Die drei Festgenommenen . Gemeinde Medebach. Die Polizei hat mit 15 Wagen alles abgesperrt . Und landen auf den Titelseiten aller Zeitungen. Ein weiterer Mann entkommt durchs Badezimmerfenster. springt über eine Hecke in den Nachbargarten. Adem Yilmaz und Daniel Schneider.»Um die Machtausübung zu bewahren.26 Uhr. Nach 300 Metern stellt sich ein Beamter in den Weg. Die schwarzen Strumpfmasken werden über die Gesichter gezogen. Der Polizist wird leicht an der Hand verletzt.verschwinden hinter Gittern. 4. zwei zum Islam konvertierte Deutsche und ein Türke . Die Männer nicken sich zu. um auf sich aufmerksam zu machen Sauerland. werfen zwei Verdächtige auf den Boden. ist es notwendig sich zu gewissen Zeiten des Terrors zu bedienen. Ortsteil Oberschledorn.« (Niccolo Machiavelli.

dass junge Männer in die Türme des World Trade Centers flogen. »Der nette Junge von nebenan . war sein Plan«. sein Ceterum censeo zur Online-Durchsuchung anzufügen.2 Wurde also ein deutsches 9/11 in letzter Minute abgewendet? Vermeintliche Kassandrarufe hatte es bereits ein Jahr zuvor gegeben. Sie ist durch die jüngste Polizeiaktion so augenfällig geworden. dass (Bundesinnenminister) Schäuble darauf verzichten konnte. in denen sich die Welt fundamental verändert hat und der Terror auch in manchen Köpfen hierzulande angekommen ist«. so glauben die Fahnder.der. Das ist eine Realität. der auch ein idealer Schwiegersohn hätte werden können. Und dann erfährt man.wie damals am 11.«3 Doch bei genauerer Analyse hat der Anschlagsversuch das Gegenteil gezeigt. so die Botschaft der TV-Journalisten für Millionen deutscher Haushalte. Doch seither habe sich die Lage weiter zugespitzt. September und am liebsten zum Jahrestag oder kurz danach. Gymnasium und so weiter und so weiter. »Massenmord . das. der Nachbar ist ein Bombenbastler. rund um die sogenannten Kofferbomber vom Kölner Hauptbahnhof (vgl. Bürgertum. so begann im Zweiten Deutschen Fernsehen eine Reportage über den in Oberschledorn festgenommenen Gelowicz. Sechs Jahre ist es heute her.Schon bald versuchen sich die Medien in einem Täterprofil. der ist nun auch ein vereitelter Terrorist: ein Sohn aus so genanntem gutem Hause. wie »FAZ«Leitartikler Berthold Kohler die Situation messerscharf analysierte: »Die Bomben werden größer und ihre Leger offenbar professioneller. 253 . sechs Jahre. der man sich auch hierzulande stellen muss. Kapitel 12). konvertierte zum Islam und hätte am liebsten Hunderte Landsleute in die Luft gesprengt.

ein Ausgangsstoff für die Herstellung jenes bekannten Bleichmittels. dann entsteht Triaceton-Triperoxyd (TATP) oder Apex. Obwohl angeblich in einem Ausbildungslager in Nordpakistan militärisch geschult. stellten sich jedenfalls so tollpatschig an wie nur wenige Nachwuchsterroristen vor ihnen. geschweige denn zu ihrem angeblichen Bestimmungsort in irgendeiner US-Einrichtung transportieren wollen. (vgl. da sie zu leicht explodiert. und auch bei den Londoner Attacken vom 7. dass die Gruppe Wasserstoffperoxid gekauft und in einem Haus bei Freudenstadt im Schwarzwald zwischengelagert hat. Erwiesen ist lediglich. Dort wurde bekanntlich Dynamit aus asturischen Bergwerken verwendet (vgl. 199/200). wenn die Chemikalie mit Aceton und weiteren Säuren reagiert. September 2007.Wasserstoff(peroxid)bomben »Terror-Fritz und seine gefährlichen Freunde«. heißt es in Anspielung auf die Anschläge in der spanischen Hauptstadt vom 11. das berüchtigten Wasserstoffblondinen zu ihrer Haarpracht verhilft. Das ändert sich erst. Die Mischung ist jedoch zum Bombenbauen höchst unpraktikabel. März 2004 mit knapp 200 Toten (vgl. die dafür höchst ungeeignet ist: Wasserstoffperoxid. Die »FAZ« prägte in der Folge den Ausdruck »Wasserstoffperoxidbomben«. so die Schlagzeile in der »Welt« am 8. Dieser Stoff an sich ist jedoch ungefährlich. S. was zwar Nonsens ist. aber durch den Anklang an Wasserstoffbomben höchst gefährlich klingt. ohne dass sie ihnen um die Ohren fliegen? Mit dem Bombenanschlag in Madrid hat TATP/Apex übrigens nichts zu tun. Kapitel 10) -. Wie hätten die Täter die Mega-Böller aus ihrer FerienhausGarage herausbringen. Kapitel 10). »Die zwanzigfache Menge des Madrider Sprengstoffes« habe das Trio bereits vorbereitet. wollten sie ihre Bomben ausgerechnet aus einer Chemikalie mixen. Juli 2005 ist die Verwendung dieses Stoffes alles andere als erwiesen 254 .

Mehr noch: Bis dato wurde offensichtlich kein einziger der Anschläge in Europa oder Nordamerika mit Hilfe dieser Substanzen begangen. Januar 2007 hätte er merken müssen.(vgl.4 tauchte er nicht etwa in den Untergrund ab. als wollten die Tatverdächtigen für die Ermittler eine Fährte legen. Häuser und Garagen zu mieten. Trotz der kontraproduktiven und .so auffällig. dass der Staatsschutz es wieder auf ihn abgesehen hat: Seine Ulmer Wohnung wurde durchsucht. er änderte auch nicht sein Erscheinungsbild oder besorgte sich eine neue Identität. was er will Auch ansonsten unterließ insbesondere Gelowicz.bei der falschen Beimischung . kanisterweise Explosivstoffe zu beschaffen. und seine mutmaßlichen Komplizen sich von der Hausdurchsuchung nicht abschrecken ließen. »Dass Fritz G. Vielmehr führ er am Sylvestertag 2006 mit Freunden »mehrfach auffällig« vor einer US-Kaserne in Hanau hinund her . S. dass sie im Gegenteil erst danach begannen. militärische Zünder zu besorgen 255 .selbstmörderischen Wirkung von Wasserstoffperoxid besorgten sich »Terror-Fritz« und seine Kumpane sukzessive mehr als 700 Kilo dieser Chemikalie bei einem Hannoveraner Großhändler und karrten die zwölf Fässer in mehreren Fuhren quer durch die Republik zu ihrem Unterschlupf in Südbaden. nichts. ins sauerländische Oberschledorn transportiert . Fritz macht. fast wieder über dieselbe Distanz. dass das Observationskommando des Verfassungsschutzes das Auto anhalten und die Personalien der Insassen aufnehmen ließ.5 Spätestens am 6. Obwohl gegen ihn bereits im Jahre 2005 wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung ermittelt und er kurzfristig festgenommen worden war. 200). um die Aufmerksamkeit auf sich und sein Vorhaben zu lenken.gerade so. der mutmaßliche Anführer des Trios. Von dort wurde eines der Fässer.

schreibt die »FAZ« über den Flecken. wirft ernste Fragen auf«. Warum mieteten sie sich nicht.. Sie hatten sich Spottnamen für ihre Bewacher ausgedacht. Schließlich wählte das Trio zum Bombenbauen ausgerechnet das idyllische Oberschledorn aus. dass »der Gruppe zwei deutsche Konvertiten sowie drei Türken mit deutschen Pässen angehören«.und in ihren (abgefangenen) E-Mails angeblich sogar die Fahnder zu verhöhnen.«. wie weiland die RAF-Leute. dass es genauestens observiert wurde. Obwohl einer der Streifenpolizisten bei der Kontrolle unvorsichtig laut zu einem Kollegen sagte. September 2007: Am 3. »Man kennt sich und die Feriengäste in dem Dorf. in einem anonymen Hochhaus mit Tiefgarage und Autobahnanschluss ein? Aufschlussreich ist auch die unmittelbare Vorgeschichte des polizeilichen Zugriffs am 4. konnten sie weiterfahren. »Für die Sicherheitsbehörden war dieser >Focus<-Bericht eine kleine Katastrophe. dass die PKW-Insassen »auf einer BKA-Liste« stünden.. »Pepsi« nannten sie die Deut- 256 . inmitten der Sommerfrischler und Wanderfreunde. Sie erwarteten das unmittelbare Abtauchen der Gruppe . machten seelenruhig mit ihren »Anschlagsvorbereitungen« weiter. mussten die langhaarigen. Das Magazin berichtete damals schon.8 Das Trio war sich die ganze Zeit bewusst.7 Doch wieder geschah das Gegenteil: Fritz und Co. Es schrieb über die militärische Ausbildung in Pakistan und erwähnte sogar die angebliche Zugehörigkeit zur bis dahin völlig unbekannten Organisation Internationale Dschihad Union (IJU). In dieser Umgebung. in dem rund 900 Menschen leben«.6 Anfang Mai 2007 erschien ein alarmierender Bericht in der Zeitschrift »Focus«. wunderte sich die »FAZ«. September fuhren die drei tagsüber mit aufgeblendetem Licht auf eine Polizeikontrolle zu und wurden prompt angehalten. bärtigen beziehungsweise glatzköpfigen Finsterlinge auffallen wie die Panzerknacker bei einem Donald Duck-Kindergeburtstag.

dass sie bestimmte überdrehte Formulierungen ganz bewusst gebrauchten. »Wir brauchen drei große Ziele«. dass sie abgehört wurden. September . kriegen . Wenn wir es am 11. mahnte Gelowicz laut »Focus«. Allerdings gibt er zu bedenken. Eines Tages jedenfalls hätten sich die drei über ihre Observanten geärgert.obwohl sie wussten.. dass die Drohungen von den jungen Männern vielleicht nicht ernst gemeint waren: »Die drei redeten wie Geistesgestörte .«13 257 ... leider ohne Hinweis auf den genauen Zeitpunkt des Geschehens.sehen.. Die verbale Brutalität und Großspurigkeit des Trios war ohnegleichen. die flippen . um dem Klischee ihrer Verfolger zu entsprechen und diese dadurch noch hektischer zu machen. »Jeder Anschlag 50 Stück.. das sind 150 Stück .. an einer roten Ampel aus und schlitzte die Reifen eines Verfolger-Wagens des Verfassungsschutzes auf«.«.... genau um diese Uhrzeit. Das wär' schon gut«. als ob ein Remake des 11.12 Verteidiger Michael Murat Sertsöz konnte die Abhörprotokolle lesen und bestreitet den vom »Focus« kolportierten Inhalt nicht.10 Ein anderes Mal randalierte Adem Yilmaz so wild vor einer Disco voller US-Soldaten . »Coca Cola« die US-Amerikaner. die flippen.. wird Yilmaz zitiert. September 2001 geplant gewesen sei: »Die Welt wird brennen. ein paar Verletzte... die ihren Weg aus den Ermittlungsakten in die Redaktion des Münchner Nachrichtenmagazins gefunden hatten.. Seine weiteren O-Töne lesen sich im »Focus« tatsächlich so. wenn es Inschallah in diesem Monat passiert. Daraufhin »stieg einer der Islamisten .9 Das deutlichste Beispiel für das Verhältnis von vermeintlichen Jägern und vermeintlichen Gejagten gab schließlich »Spiegel Online« zum Besten. »Focus« präsentierte Ende Oktober 2007 Zitatfetzen der drei aus den Mitschnitten der Fahnder..einem potentiellen Anschlagsziel dass eine Polizeistreife ein11 griff. Warum sollten sie dann so offen sprechen und auch noch in den brutalsten Redewendungen? Ich kann mir nur vorstellen.

.14 Zu Spitzenzeiten standen mehr als vierzig Gebäude in verschiedenen Bundesländern unter Observation. um dem tollpatschigen Trio auf den Fersen zu bleiben? Die Frage soll an dieser Stelle offen bleiben . so US-Heimatschutzminister Michael Chertoff.war laut »Spiegel« der »größte Polizeieinsatz seit dem Deutschen Herbst 1977« und beschäftigte ständig 500 Beamte aus verschiedenen Landeskriminalämtern. so der »Spiegel«. Sie wurde. nachdem der amerikanische Abhördienst NSA im Internet verdächtige E-Mails zwischen Deutschland und Pakistan abgefangen hatte.»Operation Alberich« Obwohl »Terror-Fritz« und seine Gehilfen kaum Anstalten machten. angeblich zur Verhinderung des Anschlages. mal sprach CIA-Chef Michael V.« 16 Chronologie einer verdeckten Operation Die »Operation Alberich« begann im Oktober 2006. Schauen wir uns zunächst die Regie der »Operation Alberich« an. allein auf den angeblichen Rädelsführer Gelowicz waren rund 120 Beamte des LKA Baden-Württemberg angesetzt..wir werden auf S. Die monatelange Inszenierung unter dem Codenamen »Operation Alberich« . Hayden in der Sache in Berlin vor. Die Kooperation sei so >eng wie nie< gewesen. Beständig wurde der Druck erhöht. 261 darauf zurückkommen. Timken. Und weiter: »In Berlin arbeitete gar eine gemeinsame Arbeitsgruppe deutscher Behörden und der CIA an dem Fall.15 Warum war der riesige Aufwand notwendig gewesen? Hätten nicht zwei Observationsteams genügt.17 Mit diesen zusammengebastelten Erkenntnissen wurden die deutschen Behörden gefuttert 258 . lief über fast ein ganzes Jahr eine Mega-Fahndung.benannt nach dem Zwerg unter der Tarnkappe aus der Siegfried-Sage . sich ihren Beschattern zu entziehen. mal der amerikanische Botschafter William R. sondern auch in Washington« geführt. »nicht nur in Berlin.

Und gegenüber der Kanzlerin machte er deutlich.«21 Schäuble im Rückblick: »Kein Land hat eine so gute weltweite Aufklärung wie die Amerikaner. Bereits am 5. Amtschef von Bundeskanzlerin Angela Merkel. »die Möglichkeit von Anschlägen auch in Deutschland« sei nicht von der Hand zu weisen. Bush und Merkel unter vier Augen über den Fall. konnten also unabhängig davon gar nicht überprüft werden: »Es sind Kopien der Botschaften der deutschen Islamisten und ihrer Verbindungsleute in Pakistan. wie ernst er die Sache nahm. Der US-Präsident machte Druck: »Bush kannte die Namen der Verdächtigen. Diese (wie spätere) Kassandrarufe wurden »vor dem Hintergrund der Operation >Alberich«< gemacht. federführend dafür war Thomas de Maiziere. komme 259 .20 Im April 2007 gab die Berliner US-Botschaft eine erhöhte Terrorwarnung für Deutschland heraus. Anfang Mai berichtete der »Focus« bereits relativ detailliert über die Gefährlichkeit der später Festgenommenen.«22 In die heiße Phase ging »Alberich« ab Anfang Juni 2007. Bei den Chefrunden im Bundeskanzleramt wurde die Operation über Monate hinweg »fast jeden Dienstag« besprochen. und die Bedrohung.wie zu Beginn der Kampagne von der Internetüberwachung durch CIA und NSA.19 Offensichtlich war dort die Kommandobrücke der »Operation Alberich«. wir profitieren täglich davon. inklusive ihrer Kontakte nach Zentralasien. Die entsprechenden Informationen stammten . so hatten es US-Geheimdienstler ihrem Präsidenten aufgeschrieben. er war glänzend vorbereitet. Auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm sprachen George W.« Sein Wink mit dem Zaunpfahl: »Amerika fühlte sich bedroht.und zum gemeinsamen Vorgehen gedrängt. Januar 2007 zog das »Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum« (GTAZ) von Polizei und Geheimdiensten in Berlin-Treptow die Ermittlungen gegen die angeblichen Anschlagsvorbereitungen an sich.18 waren also Teil der Inszenierung. Zum Jahreswechsel 2006/2007 sagte Generalbundesanwältin Monika Harms.

24 Mit den zuständigen Ministerien und den Spitzen der Geheimdienste stimmte sie das weitere Vorgehen ab. posaunten Schäuble und Co.«25 Anstatt nun das verdächtige Trio endlich festzunehmen. alles zu unternehmen.«26 Innenstaatssekretär August Hanning warnte vor Gefahren »so dramatisch wie vor den Anschlägen des 11. den 21. Sofort rief sie die »sogenannte Sicherheitslage zusammen. einen kleineren Kreis von Fachjournalisten von der ziemlich drastisch veränderten Lagebewertung zu unterrichten.wieder einmal. in deren Mittelpunkt der Verdacht steht. Am Freitag erging dann bundesweit der Hinweis auf eine neue Gefahrenanalyse. das angeblich die Einschwörung von Selbstmordattentätern für ihre Mission unter anderem in Deutschland zeigt. September 2001«. und er sagte: »Wir sind voll ins Zielspektrum des islamistischen Terrors gerückt.«23 Die Kanzlerin parierte.aus Deutschland .«27 Hanning bezog sich dabei auf ein Video aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. September 2001. Die Aufnahmen 260 . »entschloss man sich im Innenministerium. halbgare Informationen in die breite Öffentlichkeit.nur zu deren Abtauchen hätten führen können. wie beim 11.wären Gelowicz und seine Kumpane wirklich Profis gewesen . Am Donnerstag.« Und weiter: »Wir erleben eine neue Qualität der Gefahr: Deutschland wird mit Selbstmordattentätern gedroht. Juni. die . nachdem ihn sein US-amerikanischer Amtskollege noch einmal ins Gebet genommen hatte: »Chertoff persönlich reiste Anfang Juni nach Gengenbach. in dieser Besetzung erstmals seit dem 11. um einen möglichen Anschlag zu unterbinden. Beim Abendessen bat Bushs Minister für Sicherheitsfragen noch einmal. Wir kümmern uns. September 2001«. Der ebenfalls anwesende Bundesinnenminister übernahm die operative Federführung.« Schäubles Antwort: »We care. es könnten Selbstmordattentate in oder gegen Deutschland vorbereitet werden. in Wolfgang Schäubles Heimatort.

Juni entstanden. Juli 2007 erschien ein Interview mit Schäuble unter der Überschrift »Es kann uns jederzeit treffen«. In der »Spiegel«-Ausgabe vom 8. warum eine derart riesige Polizeiaktion gegen offenkundig so dilettantische Täter notwendig gewesen war: Schäuble und Co. Das IJU-Phantom Die Bundesanwaltschaft erhob sehr schnell Anklage gegen die in Oberschledorn Überwältigten.als berechtigt erweisen.) durchzusetzen. schwingt da keine Panikmache mit. der Gesellschaft durch entschlossenes polizeiliches Handeln die Terrorangst zu nehmen . O-Ton der Bundesanwaltschaft: 261 .und Überwachungspolitik. so hieß es.scheinbar . 314ff. dass die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags so hoch wie nie zuvor ist. S. ob solche Szenen echt oder gestellt sind?«29 Doch die konzentrierte Propagandaoffensive von Bundessicherheitsorganen und »einem kleineren Kreis von Fachjournalisten« (siehe oben ) sollte weitergehen. ging es nicht darum. am 9.« Mit den Festnahmen von Anfang September sollte sich dieser Alarmismus . Vorgeworfen wurde dem Trio die »Bildung einer terroristischen Vereinigung« sowie die »Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung«. seine weit reichenden Vorschläge zur Beschneidung der Verfassung (vg.waren. und dann dem amerikanischen Fernsehsender ABC News »zugespielt« worden.sondern diese überhaupt erst zu erzeugen. also kurz nach den diversen Top-Gesprächsrunden in Deutschland. nämlich der Internationalen Dschihad Union (englisch: IJU). Schäuble hatte in der Folge leichtes Spiel. Damit ist auch die Antwort auf die Frage von S. Schäuble weiter: »Wenn wir sagen. Mit dieser »Strategie der Spannung« schufen sie das geeignete Klima zur Durchsetzung ihrer Repressions.28 Selbst die Tageszeitung »Die Welt« fragte: »Wer weiß schon. 258 gefunden.

Am 5. also den 5. dass Oberschledorn kein »Land«. etwas später. von 2002 bis 2004 britischer Botschafter in Taschkent. Eine Gruppe mit diesem Kürzel hatte wenige Tage danach im Internet ein Bekennerschreiben veröffentlicht. dass sich die IJU im Jahr 2002 als Abspaltung der größeren Islamischen Bewegung Usbekistans (englisch: IMU) gebildet habe. schildert in seinem Buch Murder in Samar- 262 . In diesem Zusammenhang berichteten die US-Geheimdienste.32 Craig Murray.«31 Der desinformierten Öffentlichkeit schlotterten ob dieser Erklärung die Knie.»Geprägt von der Ideologie der IJU und unter Verwendung der in terroristischen Ausbildungslagern erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse haben sich die Beschuldigten zumindest seit Ende 2006 in Deutschland zu einer nach außen abgeschotteten. September 2007 wurden im Land Oberschledorn drei unserer Brüder vom deutschen Geheimdienst festgenommen.. Niemand las genauer: Warum hatten die großartigen IJU-Kommandeure das Datum der Festnahme verwechselt . Die Islamische Dschihad Union hatte für Ende 2007 Operationen geplant..«30 Mit den Festnahmen von Oberschledorn begann der mediale Siegeszug der mysteriösen Organisation IJU.statt dem 4. Sie wollten die amerikanische Militärbasis Ramstein und usbekische und US-Konsulate angreifen. Angriffe auf die Botschaften der USA und Israels. konspirativ arbeitenden Organisationseinheit zusammengeschlossen . September angegeben? Warum wussten sie nicht. Damals rühmte sich die vordem völlig unbekannte Gruppe mehrerer Selbstmordanschläge und Schießereien in den usbekischen Städten Taschkent und Buchara sowie. sondern ein Ort ist? Und überhaupt: Wieso veröffentlichte eine vermeintliche usbekische Terrorgruppe ihr Bekennerschreiben auf Türkisch? Der Name IJU war erstmals 2004 aufgetaucht. Darin hieß es: »Wir beten sehr für unsere Brüder und erklären uns zu ihrer Tatplanung und ihren Zielen.

ob diese IJU wirklich existiert. Unter anderem beschreibt er. geschweige denn eine Führungsfigur beim Namen nennen. hat sie niemals irgendwo erwähnt. Anfang Oktober 2007 gegenüber dem ARD-Magazin »Monitor«.« 34 Sein Urteil ist kategorisch: »Ich traf keinen in Usbekistan.«35 Die Frage. welches Objekt sie überhaupt angreifen sollten. Keiner kann ein Mitglied. wurde nach den Oberschledorner Festnahmen auch von einem Vertreter des deutschen Inlandgeheimdienstes negativ beantwortet. von der sich die Gruppe angeblich abgespalten hat. Die IMU. auch keinen von islamischen Gruppen. ist erst mal eine Erfindung im Internet und hat nur eine Präsenz im Internet«.« Und weiter: »Die Sicherheitsdienste haben eine erstaunliche Menge an elektronischer Kommunikation zwischen Extremisten und verdächtigen Terroristen abgefangen. so meine Untersuchungen vor Ort zu jener Zeit. keine entsprechenden Bombenschäden zusammenfand. sagte Benno Köpfer. Keiner in Islamistenkreisen in Großbritannien oder in usbekischen Exilkreisen auf der ganzen Welt hat je von der IJU gehört. In einem Fall seien alle Fensterscheiben in der nächsten Umgebung der angeblichen Explosion intakt gewesen. Nach seiner Einschätzung wurde in der nachträglichen Kommandoerklärung nur die 263 . wo angeblich kurz zuvor schwere Sprengstoffanschläge stattgefunden hatten. »Die Islamische Dschihad Union. so wie sie sich uns darstellt. dass in dem Bekennerschreiben konkrete Anschlagsziele wie die US-Basis Ramstein genannt wurden.kand seine Beobachtungen nach den gerade erwähnten Terrorakten vom Frühjahr 2004. Die IJU wurde in diesem Zusammenhang nie erwähnt. Ich erkundigte mich intensiv. Köpfer machte stutzig. der von der IJU gehört hatte. Islamexperte des baden-württembergischen Verfassungsschutzes. dass er an Stellen. Seines Wissens seien aber die Verhafteten bis zuletzt unsicher gewesen.33 »Diese Angriffe waren tatsächlich zum großen Teil vorgetäuscht und fast sicher das Werk usbekischer Sicherheitskräfte.

waren zuvor niemals von irgendwelchen Polizei-. und zwar ein Usbeke namens Gofir Salimov.«38 Besonders brisant ist. Der steuere von der iranischen Grenzstadt Zaidan/Zahedan Trainingslager der IJU im nahe gelegenen Grenzgebiet zu Pakistan.«36 Der falsche Mastermind Nach diesem Einspruch aus berufenem Munde gab es erstmals Zweifel in Teilen der Öffentlichkeit an der offiziellen Version des Oberschledorn-Plots. Eine ähnliche Verbindung hatte kurz zuvor die »Los Angeles Times« erkannt und behauptet. Die Behauptungen. drei Tage nach der ZDF-Sendung. Ausbildungslager der IJU waren vordem im Grenzgebiet Afghanistan/Pakistan lokalisiert worden. der die Widersprüche und die Wirkung des ZDF-Beitrages untersucht hat. bezogen sich auf die DPA-Meldung (Vorab-Meldung zum Film) vom 23. etwa 2000 Kilometer von dem im Film genannten Zaidan/Zahedan entfernt. Justiz. noch nicht einmal von dem ansonsten sehr erfindungsreichen Bundesinnenminister Schäuble. wirklich ausnahmslos alle.oder Geheimdienstkreisen gemacht worden. schreibt: »Am 26. Oktober 2007 zerstreut. ergab die Google-Suche nach >Gofir Salimov< 855 Treffer. Oktober und deren Klone in den Mainstream-Medien. die im Film mit Verweis auf Ermittler vorgetragen wurden.Medienberichterstattung aufgenommen. Auch Gofir Salimov war niemals erwähnt worden. dass die IJU durch diese Fernsehproduktion mit dem Iran in Verbindung gebracht wurde. Doch diese wurden durch eine Medienkampagne rund um den ZDF-Fernsehfilm »Angriffsziel Deutschland« vom 23. Alle.37 Darin wurde erstmals einer der mutmaßlichen Auftraggeber des festgenommenen Trios identifiziert. »Das lässt mich an der Authentizität zweifeln. die Oberschledor- 264 . Der Investigativjournalist Knut Mellenthin. Oktober (2007) abends.

die . Jundallah. Wenn also über Zaidan/Zahedan deutsche Terroristen überhaupt nach Pakistan gelotst wurden. Durchsuchung im Januar 2005 entdeckten Polizeibeamte bei Yehia Yousif auf einer CD- 265 . »Ich denke. von welcher real existierenden Person Rädelsführer Gelowicz tatsächlich angeleitet worden ist . April 2007. Die erfündene Verbindung von IJU zum Regime im Teheran bietet aber den Vorteil. bei jedem echten oder vermeintlichen Anschlag der Gruppe in Deutschland und anderswo den Iran mitverantwortlich machen zu können. dass die iranischen Behörden die Grenze zu Pakistan nur schlecht kontrollieren und seit 1979 über 3300 Grenzer von Schmugglern und Separatisten getötet worden seien. zitierte das Blatt einen anonymen italienischen Ermittler.just in der als IJU-Zentrale erwähnten Stadt Zaidan/Zahedan . dann waren wohl eher die Separatisten die kundigen Führer.39 Mellenthin weist im Unterschied dazu darauf hin. das setzt Unterstützung durch iranische Behörden voraus«. Die geo. Die Spur der Dienste Verdächtig wenig wurde darüber gesprochen. denn er stand den Yousifs nahe. werde »seit 2005 von amerikanischen Beamten insgeheim ermutigt und angeleitet«.und militärpolitischen Implikationen liegen auf der Hand. so Mellenthin mit Verweis auf eine Ausstrahlung des USSenders ABC vom 3. Indiz Nummer eins: »Bei einer.« Für diese These gibt es zwei Indizien. dass »Fritz G. dem langjährigen Agenten des baden-württembergischen Verfassungsschutzes (vgl.ner Terroristen seien über den Iran in Ausbildungslager nach Pakistan gereist. Seit vier Jahren treibt in der unwegsamen Bergregion die Sezessionsbewegung Jundallah ihr Unwesen.im Frühjahr 2007 einen Anschlag mit mindestens 13 Toten verübt hat. Kapitel 9)...nämlich von Yehia Yousif. sowie von dessen Sohn Omar. die Verfahren der Sprengstoff-Produktion kannte. Für den »Focus« ist klar.

»etwa für die Herstellung des Flüssigsprengstoffes TATP«41. einem engen Partner der CIA. urteilte er. Vater und Sohn Yousif haben sich 2004 bzw. durchgeführt wurde. dass Schneider »im Herbst vorigen Jahres (also im Jahre 2006. da der junge Saarländer schon vor diesem Termin in Geheimdienstbehandlung war. Dazwischen waren Koranzitate notiert.) verschwand und wie verschiedene Islamisten aus Deutschland in den Fängen des Geheimdienstes ISI landete. auch im Hintergrund«.siehe oben . die am 21. dem Sohn Yehias. An der Herstellung von TATP sollen Gelowicz und seine Kumpane .43 »Wer sagt denn.42 Auch im Fall des in Oberschledorn verhafteten Daniel Schneider findet sich die Spur der Geheimdienste. Johannes Schmalzl. Direktor des Verfassungsschutzes Baden-Württemberg. behauptet der Verfassungsschutz im Nachhinein. Darin wurde die Fertigung von Bomben mit detaillierten Mengenangaben beschrieben. Die Frage scheint allzu berechtigt. Angeblich sollen seine Eltern im Februar 2007 aus Sorge um ihr Kind an den saarländischen Verfassungsschutz herangetreten sein und daraufhin Beamte ein Gespräch mit dem jungen Mann geführt haben. Doch auch von dort aus sollen sie noch Einfluss haben. dass das stimmt?«. Es handelt sich um zum Teil verschlüsselte Aufzeichnungen über das Bauen von Sprengladungen. Dabei soll schnell klar gewesen sein. Anm.«44 Erst im Februar 2007 sei er von Pakistan aus zurück in die Bundesrepub- 266 . Mai 2003 bei Omar Yousif. 2005 ins Ausland abgesetzt.Rom einen >Kurs zur Herstellung von Sprengstoff* auf Arabisch. wurde nach den Oberschledorner Festnahmen zur Bedeutung von Yousif für die Ulmer Szene um Fritz G. dass eine Kooperation wohl nicht zustande kommen könne.in Oberschledorn gewerkelt haben. gibt Verteidiger Sertsöz zu bedenken. J. befragt: »Yousif zieht nach wie vor die Fäden. So merkte jedenfalls der »Spiegel« en passant an. und zwar beim pakistanischen ISI. E.«40 Indiz Nummer zwei fand sich bei einer Razzia.

fehlt jedenfalls der Bezug zur IJU. der aus Deutschland kam« (»Spiegel«) im ostafghanischen Khost in die Luft. Die von den Medien kolportierte Version. ein Islamist aus dem bayrischen Ansbach. berichtet das Internetportal stolz. die im April 2008 von der sagenhaften IJU über eine türkischsprachige Website verbreitet wurde.45 Taliban? Nicht IJU? Auf dem ersten Band.lik geschickt worden. nichts Besseres zu tun haben. dem von der Taliban. in dem Moment. Allzu gut dürften ihn die Vertreter des ISI demnach nicht behandelt haben. wie auch »Spiegel Online« einräumt. Der junge Mann hinterließ eine Botschaft auf Video. riss dabei zwei US-Soldaten und zwei Einheimische mit in den Tod. dass Ciftci auf dem neuen Video vor 267 . Doch seltsam: »Einen Teil der Aufnahmen spielte die Propagandaabteilung der Taliban >Spiegel Online< bereits Ende März zu«. Cüney Ciftci. wie Ciftci vor einem schwarzen Banner der Organisation sitzt und religiöse Gesänge anstimmt. dass Eltern. und zwar in einem »abgemagerten« Zustand. gibt »Spiegel Online« zu. wie der »Spiegel« beobachtete. Kann man sich vorstellen. Schon bald meldeten sich dann die hilfsbereiten Kollegen des saarländischen Verfassungsschutzes bei dem 22-jährigen. Erst auf der Internet-Veröffentlichung der IJU ist zu sehen. widerspricht der Alltagserfahrung völlig. als ihm den Verfassungsschutz auf den Hals zu schicken? Das IJU-Gespenst kehrt zurück Im Frühjahr 2008 meldete sich das IJU-Phantom in den Medien zurück. Trotzdem schlussfolgern die Medienmacher ganz frivol: »Die Tatsache. Am 3. da ihr Kind nach halbjähriger Abwesenheit halbverhungert aus irgendeinem Absurdistan zurückkehrt. »Diese Passage scheint allerdings hineinmontiert worden zu sein«. März sprengte sich »der erste Selbstmordattentäter. dass die Beamten auf Einladung der Erziehungsberechtigten aktiv wurden.

Anmerkungen 1 2 3 4 5 z.2007. Simone Kaiser/u. bei der viele Ungläubige »in die Hölle geschickt« worden seien. Im Herbst 2007. FAZ 6. a. Frontal 21 (ZDF).. Die angebliche IJU-Mitgliedschaft des einen stützt auf diese Weise die Plausibilität der Mitgliedschaft des anderen. Ende April 2008 meldete sich dann ein weiterer deutscher Todeskandidat per Video aus Afghanistan.« Der Bundesanwaltschaft kommt zu pass.46 Auch diese beiden jungen Männer sollen direkte Kontakte zu den in Oberschledorn Festgenommenen gehabt haben..2007. Legale Zutaten für die Sprengstoffküche. München 2006. Die dunkle Seite der CIA in Italien. Regine Igel. Terrorjahre. wo sie die Koranschule eines aus Deutschland ausgewiesenen HassPredigers besuchten. dass die IJU eine reale und aktive Organisation ist. seien sie aus Deutschland verschwunden. G. »Operation Alberich«. Eric B. n. dass der todessüchtige Bayer angeblich ein Bekannter des in Oberschledorn festgenommenen Yilmaz war. S. der der mysteriösen IJU und ihren angeblichen Paten in Teheran in die Schuhe geschoben werden kann.9. erhärtet die These.9.2007.9. 11. September 2007. Angriffsziel Terrorismus . aus dem saarländischen Neunkirchen hatte sich darin eine Kalaschnikow und einen Munitionsgürtel umgehängt und lobte die »gute Tat« von Ciftci. In der Folge suchte das Bundeskriminalamt mit Fahndungsplakaten in Kabul nach Eric B. Daniela Bach/Elmar Theveßen/Rolf Peter Weißhaar. und seinem mutmaßlichen Komplizen Houssain al M. 268 . also im zeitlichen Umfeld des Wasserstoffperoxid-Plots.Bedrohung durch Terrorismus. »Zuerst reisten sie nach Ägypten.«47 Offensichtlich wird also weiter an einem Anschlag gearbeitet. Köpfe und Tentakeln.einem IJU-Banner zu sehen ist. P. Bko. 142. Spiegel 10. FAZ 6.

2007. Peter Carstensen. Simone Kaiser/u. S. 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 269 .9. a.9. Simone Kaiser/u. a. Günther Lachmann (FN 18). wir haben ein Problem«. n. S. Washington April 2007. Axel Spilcker. Who are the Islamic Jihad Group? Reuters. Christiane Braunsdorf. a. »Drei große Ziele«. Festnahme dreier mutmaßlicher Mitglieder der »Islamischen Jihad Union« (IJU).2007.2007. Die Mosaiksteinchen passen zusammen.9. Peter Carstens. Berlin 2008. Die zwanzigfache Menge des Madrider Sprengstoffes. Deutschlands Angstmacher. Annette Ramelsberger (FN 9).2007.9. Spiegel Online 8. (FN 5). FAZ 6.2007. (FN 5).. Von Entwarnung kann keine Rede sein. Annette Ramelsberger (FN 9). 325-339. 8.9. Simone Kaiser/u. FAZ 23.9. z. 22.2007 . Interview mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Der deutsche Dschihad. a.2007.Z. »Treptow. (FN 5). 2006. 5. FAZ 7. Spiegel 8. (FN 5).2007.9.2007. Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof. S.11. Murder in Samarkand. Das fliegende Klassenzimmer des Terrorismus. phw/dpa/AFP/ddp. Dorfpolizist zwang Terror-Fahnder zum Zugriff. Peter Carstensen (FN 7). U. a. Günther Lachmann (FN 18). Welt 9. Focus 29.2007.6. Simone Kaiser/u. Simone Kaiser/u.2007 z.9. Islamistische Terroristen planen den Anschlag. »Es kann uns jederzeit treffen«. vgl. Craig Murray. WamS 23. B. A British Ambassador's Controversial Defiance of Tyranny in the War on Terror. Ansgar Graw. London 2006. Department of State. a. Annette Ramelsberger. S. Ansgar Graw (FN 28). Pressemitteilung 5. 23.S.10. (FN 5). Simone Kaiser/u.2008 Simone Kaiser/u. Günther Lachmann. Dorfpolizist zwang Terror-Fahnder zum Zugriff Spiegel Online. n. 38.07.9. a.6 Peter Carstensen. Country Reports on Terrorism. 23f.2007. Hintergrundgespräch des Autors mit Michael Murat Sertsöz 2. vgl. (FN 5).(FN 5).

Focus-Online.9. Knut Mellenthin (FN 38).4.9. Knut Mellenthin. FAZ 21.2007. 43 »Verfassungsschutz hatte Kontakt zu Terrorverdächtigem«. craigmurray. a.html).4. N. Terror-Zelle lernte Bombenbau vermutlich in Ulm. Matthias Gebauer/Yassin Musharbash.org.2007.2008. Elmar Theveßen/u.9.10. Terrorziel Deutschland. Spiegel Online 44 45 46 29.2007 (http://www. Craig Murray.2007. Matthias Bartsch/u. ähnlich in Matthias Bartsch/u. www..2005. 47 Matthias Gebauer. Top-Taliban kommandieren deutsche Gottes- krieger.craigmurray.com 8.10. Matthias Gebauer/Yassin Musharbash. 41 Focus-Online.craigmurray. Spiegel Online 5. Spiegel Online 16.2008. Verfassungsschutz zweifelt an Bekennerschreiben.. Spiegel 17. ARDTagesschau 4.html). Bayrischer Selbstmordattentäter buhlte um Nachahmer. 270 . ZDF 23.34 Craig Murray. com 12.hintergrund.2007.2007 (http://www. craigmurray.9. a.2007. 42 Daniela Bach/u.de. »Deutsche Terrorzelle« aus dem Iran gesteuert?.uk/archives/2007/09/ islamic_jihad_u.4. The Mysterious Islamic Jihad Union.uk/archives/2007/09/ the_mysterious. (FN 2). a..9. (FN 43). Terror-Zelle /FN 40). German Bomb Plot: Islamic Jihad Union.Behörden alarmiert. a. »Die verschwundenen Söhne«. 35 36 37 38 39 40 15. Deutscher Islamist meldet sich mit Dschihad-Aufruf . N.org.

die weit weg vom politischen Spiel waren. Diese politische Logik liegt all den Massakern und Terroranschlägen zu Grunde. Die Anschläge sollten das italienische Volk dazu bringen. Der Grund dafür war einfach. dem süddeutschen um seinen Ulmer Geistesverwandten Yehia Yousif. die diese Netze direkt oder indirekt lenkt? 271 . den Staat um größere Sicherheit zu bitten .. unschuldige Menschen. Kapitel Das Netz der Gladiatoren In vielen NATO-Staaten haben die USA während des Kalten Krieges einen unkontrollierbaren Terror. ob sich diese Schattenmänner aus eigenem Antrieb an der Vorbereitung von Mord und Totschlag beteiligten.« (Yincenzo Vinciguerra.Untergrund geschaffen Bis zu dieser Stelle konnte man in diesem Buch nachlesen. Kinder. oder ob sie im Auftrag oder wenigstens im Sinne der staatlichen Auftraggeber handelten. Anders gesagt: Gibt es neben den beiden europaweiten Netzen fundamentalistischer Fanatiker . Männer. Frauen.noch eine übergeordnete Metastruktur staatlicher Dienste.dem britischen um den Londoner Hassprediger Abu Hamza. 1990 wegen Mordes an drei Karabinieri verurteilter Rechtsextremist und Mitglied der NATO-Geheimstruktur Gladio) 16.. welche ohne richterliches Urteil bleiben. Unklar musste jedoch oft bleiben. weil der Staat sich ja nicht selber verurteilen kann. unbekannte Menschen. dass in fast jedem Terroranschlag oder Anschlagsversuch auf europäischem Boden seit Mitte der neunziger Jahre Agenten oder Informanten der Geheimdienste verwickelt waren.»Man musste Zivilisten angreifen.

in den Skandal um die Notizen des 1978 entführten Aldo Moro über seine Verhöre durch die Roten Brigaden. d. Juli 2005 beteiligt waren.«1 Mancini und Pignero wurden schon seit den frühen achtziger Jahren protegiert.Das Beispiel Italien Die weitestgehenden Hinweise auf die Verwicklung von vermeintlichen Terrorbekämpfern in den Terror kommen aus Italien. insbesondere den damaligen Chef der Gegenspionageabteilung Marco Mancini und dessen Vorgänger Gustavo Pignero. S. weil sie einheimische Helfer beim Geheimdienst SISMI hatten. »Der frühere CIA-Chef (George Tenet) soll einen Brief geschrieben haben. Damals begann ihr Aufstieg zunächst bei den Karabinieri. (vgl. sondern höchstwahrscheinlich ihrer Ermöglichung: Indem der Prediger aus dem Verkehr gezogen wurde. verhinderten die US-Amerikaner. Doch das Kidnapping war den CIA-Beamten nur gelungen. des höchsten italienischen Antiterrorbeauftrag- 272 . Vorgesetzter Mancinis war in jener Zeit Umberto Bonaventura gewesen.h. Der Name Bonaventura ist mit den Erschütterungen verknüpft. dann 2005 Mancini. und zwar in der sogenannten Pastrengo-Division. dessen Ausläufer bis nach London reichten. Wir haben in Kapitel 7 gesehen. Der Oberst wechselte später zu SISMI und avancierte dort zum Chef der Spionageabwehr. Diesen Posten bekam nach seinem Abgang zunächst Pignero. wo sie vermutlich an den Anschlägen des 7. die bis heute die italienische Demokratie gefährden. dass die italienischen Fahnder über seine Observation einen verzweigten Untergrundring zerschlagen konnten. Er war in den Fall der »Moro-Papiere« verwickelt. Das Team des ermittelnden Generals Carlo Alberto Dalla Chiesa. dass die Verschleppung des Mailänders Abu Omar nicht der Vereitelung von Gewalttaten diente. 139) Nach Recherchen des »Corriere della Sera« hatte die CIA Mancinis Aufstieg innerhalb des Militärgeheimdienstes SISMI gezielt gefördert. in dem er sich für Mancinis Beförderung einsetzt.

Entertainment und Sport. zum Teil mit Hilfe dienstlicher Anweisungen von Mancini. Die Möglichkeiten des Jobs nützte er zu einer brisanten Nebentätigkeit: Seit Mitte der neunziger Jahre ließ er. fehlten allerdings mehrere Seiten. wo er 1982 unter dem Etikett der Mafia ermordet wurde. der Trainer des Fußballvereins Real Madrid. Bonaventura. Hauptaktionär unter anderem der Telecom Italia. aber auch Größen aus Politik. Der war nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst zuerst Sicherheitschef beim Reifenhersteller Pirelli und dann bei der italienischen Telecom geworden.ten. Dalla Chiesa. Kurz vor seiner Aussage vor einem weiteren Untersuchungssausschuss wurde er am 7. Fabio Capello. auf dessen Auslandskonten Tavaroli 20 Millionen Euro aus der Telecom-Kasse überwies. Neben Bonaventura hatte SISMI-Oberst Mancini noch einen weiteren interessanten Kontakt aus den Tagen der Pastrengo-Division der Karabinieri: Giuliano Tavaroli. Die Schmutzarbeit machte dabei ein weiterer alter PastrengoKollege. die Telefonanschlüsse von Hunderttausenden Italienern überwachen und Mitschnitte anfertigen. September 2002 in seiner Wohnung tot aufgefunden. die er mit weiteren Informationen von Mancinis Geheimdienstleuten zu Dossiers bündelte. Als er sie an Dalla Chiesa zurückgab. damals ein Hauptmann in Dalla Chiesas Team. Carlo de Benedetti. stellte diese Aufzeichnungen des ermordeten Christdemokraten in Mailand sicher. wurde überraschend vom Moro-Fall abgezogen und nach Palermo abberufen. Emanuele Cipriani. Bonaventura gab vor einem Parlamentsausschuss im Mai 2000 die Aktenbeseitigung zu. Präsident des Informatikkon- 273 . Mehr als ein Jahrzehnt lang soll die TelefonspionageGang ihr Unwesen getrieben haben. die sich die Lauscher am Schluss teilten. ein überzeugter Demokrat und Verfassungsfreund.2 Unter den Abgehörten war Gilberto Benetton. nahm sie an sich und fertigte Kopien an. Die Opfer waren kleine Leute. Wirtschaft.

dem die Schuhmarke Tod's gehört. berichtete der »Spiegel«.zerns Olivetti. dass die damalige Geheimdienstspitze etwa 150000 Abhörakten angelegt hatte. Italien gegen die vorgebliche kommunistische Gefahr zu verteidigen. Zielsetzung und Aufbau dieses Netzwerkes dokumentiert. Dass es sich um einen »Anschlag auf die Demokratie« handelte. wie italienische Medien schrieben. falls es nicht um einen gezielten Angriff gegen Berlusconi-Kritiker gegangen sein sollte. Der . Damals ging es um die politischen Gegner von links. sowie Cesare Geronzi. Heute ist die P2 auch wieder im Gespräch. die im Falle innerer Unruhen ausgeschaltet werden sollten. Die Namen der ausspionierten Politiker sind in den Ermittlungsakten geschwärzt worden. die als eine Art Parallelregierung im Land fungierte und über die klandestine NATO/CIA-Struktur Gladio verfügte. während des Kalten Krieges Chef der Freimaurerloge Propaganda due oder kurz P2. verhaftete Privatdetektiv Cipriani ist ausgerechnet mit dem Sohn des alten Chefs der P2-Loge Licio Gelli befreundet«. der Industrielle Diego della Valle.. Erinnerungen an ähnliche gelagerte Skandale der Vergangenheit werden wach: 1967 wurde aufgedeckt.3 Die Schattenregierung Damit ist der entscheidende Name gefallen: Licio Gelli. ist aber auch dann klar. sondern »nur« um eine ungezielte Massenüberwachung. »Auch die 1981 aufgeflogene und eng mit den Geheimdiensten verbandelte geheime Freimaurerloge P2 hatte das politische Projekt. Chef der Bankengruppe Capitalia.. Dadurch fällt es schwer. den politischen Zweck der Mega-Operation einzugrenzen. Im deutschen Sprachraum haben die faktenreichen Bücher von Regine Igel und 274 . Zahlreiche Parlamentskommissionen und Gerichtsprozesse haben seit den achtziger Jahren Funktionsweise.

38 Parlamentsabgeordnete. ein Parteisekretär.Daniele Ganser die entsprechenden Erkenntnisse in wünschenswerter Klarheit zusammengetragen. »52 hohe Offiziere der Carabinieri. Rechtsanwälte. Direktor aller verdeckten Operationen der CIA im Italien der 70er Jahre. unter anderem über von neofaschistischen Gruppen durchgeführte Bombenanschläge erreicht werden. 14 Staatsanwälte und Richter. Krankenhauschefs. dann Bürgermeister. Nach 1945 stieg er zum entscheidenden Bindeglied zwischen der italienischen Rechten und ihren US-amerikanischen Förderern auf. drei Minister im Amt. Nachdem die Freimaurerloge P2 im Jahr 1981 aufgeflogen war.4 Gelli war zu Mussolini-Zeiten ein überzeugter Faschist gewesen. hatte aber schon im Zweiten Weltkrieg Kontakte zu US-amerikanischen Diensten geknüpft. Journalisten. . 50 gleichgestellte der Armee.« fasst Regine Igel zusammen.. 70 Unternehmer. zehn Bankpräsidenten.und Zivilpersonen. Sie verzeichnet 962 Namen. deren Ziel es ist. zwei ExMinister. Haig und Kissinger gaben Gelli im Herbst 1969 die Ermächtigung für die Rekrutierung von 400 hohen italienischen und NATO-Offizieren in seine Loge. fünf Präfekten. 37 der Finanzpolizei und 29 der Marine. Dieses Ziel soll über die unterschiedlichsten Mittel.«7 275 . der den Chef der Freimaurerloge P2 (Lucio Gelli) US-General Alexander Haig vorstellte. elf Polizeipräsidenten. dass in Italien eine Geheimstruktur existiert. erklärte der Militärgeheimdienst SISMI gegenüber einer parlamentarischen Untersuchungskommission die Hintergründe der Entstehung von P2: »Es war Ted Shackly. Experten gehen allerdings von bis zu 2500 P2-Angehörigen aus. die zusammengesetzt ist aus Militär..6 In der Anklageschrift zum Bombenanschlag in Bologna (mehr dazu später) hieß es dazu: »Man muss sich des neuartigen und komplexen Problems bewusst werden.«5 Bei einer Razzia in Gellis Haus findet sich 1981 die Mitgliederliste der Geheimloge. Notare. das politische Gleichgewicht zu erhalten.

»In diesem Fall muss das US-Militär über Mittel verfügen. 276 .«10 Immer wieder weist das Handbuch auf die Notwendigkeit für die US-Dienste hin.«8 Die Vorgehensweise der CIA ist im Field Manual 30-31 vom 8. um Sonderaktionen in Gang zu setzen. Gelli selbst bestätigt jedoch die Authentizität: »Die CIA gab es mir. dass . Sein Kommentar: »Dies ist ein authentisches Dokument. wie in solchen Fällen üblich. November 1970 dokumentiert. falls der Einfluss der Linkskräfte zu groß wird. auch in befreundeten Staaten auf eigene Faust und außerhalb der Legalität zu operieren.Insbesondere die Enthüllungen des CIA-Mannes Richard Brenneke im Jahre 1990 verdeutlichen die Funktionsweise der Geheimstruktur: »Seine zentrale Behauptung ist... George Bush. Langley bestreitet. die Echtheit des Dokuments. die in der Lage sind.. die Regierung des Gastlandes und die öffentliche Meinung von der Realität der revolutionären Gefahr und der Notwendigkeit von Gegenaktionen zu überzeugen. spezielle Aktionsgruppen innerhalb der radikalsten Elemente der Aufrührer aufzubauen. in den sechziger Jahren stellvertretender Spionagedirektor der CIA.«9 In einer BBC-Dokumentation wird eine Kopie des FM 30-31 Ray Cline gezeigt. mittels Agenten Spezialkommissionen im Inneren der Aufrührer zu infiltrieren mit der Aufgabe. führend an diesen Aktivitäten beteiligt war. Brenneke selbst habe 1969 ersten Kontakt mit der P2 gehabt. Zwischen 1969 und 1980 war er für die monatlichen Geldtransfers der CIA in Höhe von einer bis zehn Millionen Dollar an die P2 zuständig.. (.) Schließlich weiß er auch zu berichten. dass der europäische Terrorismus der 70er Jahre von der Geheimloge P2 angekurbelt wurde.«12 Ungeschminkt werden Gewalt und Mord propagiert. CIA-Chef unter Reagan.«11 Zu diesen »Sonderaktionen« gehört das Einschleusen von Agents Provocateurs in extremistische Gruppen: »Zu diesem Zweck sollen die Geheimdienste des nordamerikanischen Militärs versuchen.

«13 Diese Ratschläge wurden befolgt. »dass Gladio-Einheiten als operativer Arm der P2 und damit für verdeckte politische Entscheidungsinstanzen fungierten«. um die Kontrolle über die Bevölkerung zu erlangen. was großes Aufsehen verursachte und auch in anderen Ländern zu Debatten führte.als Guerilla hinter den Linien des Feindes. Eigentlich sollten die Gladio-Einheiten als Schläfer-Struktur (»Stay behind«) erst im Falle einer sowjetischen Okkupation von NATO-Territorium aktiv werden .»Terroristische Aktivitäten sind besonders nützlich. P2-Chef Gelli räumte aber selbst ein.«15 Auch für Regine Igel ist klar. die alle Geheimdienste in der Nachkriegszeit aufgebaut haben und die geschaffen wurde zur Bereitstellung und Ausführung nicht bekennbarer Operationen. Die Existenz dieses Untergrundnetzes wurde 1990 von Premier Giulio Andreotti offiziell zugegeben. dass die Aufgabenstellung wesentlich weiter 277 . die spezialisiert ist auf den unorthodoxen Krieg.«17 Die offizielle Gründung in Italien erfolgte 1956.benannt nach dem lateinischen Wort für das Kurzschwert der römischen Legionäre. Terror kann selektiv oder wahllos ausgeübt werden. Eine Abteilung. In Italien wurden zwischen 1969 und 1987 bei terroristischen Anschlägen 491 Zivilisten getötet und 1181 verletzt.16 Rechtsterrorist Vinzenco Vincinguerra sagte 1994 vor einem Untersuchungsgericht in Milano: »Gladio ist eine Abteilung. Daniele Ganser schreibt: »Die von den USA finanzierte antikommunistische Parallelregierung P2 und die ebenfalls von den USA finanzierte antikommunistische Parallelarmee Gladio kooperierten während Italiens Erster Republik sehr eng.14 Das Schwert der Legionäre Zur Durchführung ihrer terroristischen Aktivitäten bediente sich die P2 einer verdeckten NATO/CIA-Struktur namens Gladio .

gefasst war. ist das Verdienst der Organisation Gladio. zumeist aus Beständen des Warschauer Paktes. »Das Ziel von Gladio und anderer ähnlicher Organisationen. Intendiert war die Einschüchterung der Sozialistischen Partei (PSI). Zu den spektakulärsten Aktionen der Untergrundarmee gehörten die folgenden: • Putschversuch Piano Solo: Anfang 1964 bombardierten Gladio-Guerilleros Büros der Christdemokraten und Zeitungsredaktionen. CIA- 278 . Die Anschläge wurden Linken in die Schuhe geschoben. Gelli: »Dass die PCI (Kommunistische Partei Italiens) während all der Jahre nie an die Macht gekommen ist.« Die Operationen waren jedoch auch präventiv und zielten bereits auf die Schwächung der Linken. oder wenn kommunistische Parteien an die Macht kämen. die seit dem Vorjahr als Juniorpartner in eine Regierung unter dem Christdemokraten Aldo Moro eingetreten war.«18 Die Ausbildung der 1500 Gladiatoren und weiterer 300 Reservisten fand großteils in einem Lager auf der Insel Sardinien statt. Dezember 1970 waren schwer bewaffnete Gladio-Einheiten bereits unterwegs. um im Falle der Entdeckung eine falsche Spur nach links zu legen.19 • Putschversuch Tora Tora: Am 7. Moro traf sich mit dem kommandierenden General und willigte in eine Umbildung seines Kabinetts ein. einen Staatsstreich durchzuführen. Im Mai und Juni 1964 besetzten Panzerverbände der Armee unter der Deckung eines NATO-Manövers die Hauptstadt Rom. war es. obwohl sie es oft versucht hat. solange sie noch in der Opposition waren. einer Invasion der Roten Armee entgegenzutreten. angeblich wegen massiver sowjetischer Flottenbewegungen im Mittelmeer. Im ganzen Land wurden versteckte Waffendepots angelegt. die in allen Ländern Westeuropas existierten. um Regierungsgebäude und das rote Stadtviertel Sesto San Giovanni in Rom zu besetzen. Der Putsch wurde in letzter Minute gestoppt.

Am 16. wo er diesen »historischen Kompromiss« bekannt geben wollte.Direktor William Colby bestätigte später in seinen Memoiren. in das Verbrechen verwickelt zu sein. bei dem die Roten Brigaden höchstwahrscheinlich nur das Instrument eines größeren politischen Systems sind«. Es waren die USA und die NATO. S. 272f. gegen den entschiedenen Widerstand der USA die 1976 zur stärksten italienischen Partei avancierten Kommunisten in seine Regierung aufzunehmen.22 Genaueres ließ sich nicht mehr recherchieren. August 1980 starben 85 Menschen. mehr als 200 wurden verletzt. März 1978 wurde er auf dem Weg zum Parlament. dass auch der Abbruch von Nixon selbst angeordnet worden sei. die mich aufgefordert haben. und deutete an. In ihrem Resümee stellte sie fest.23 Zur Aktenvernichtung trug auch der eingangs erwähnte Karabinieri-Oberst Bonaventura bei. (vgl.20 Der italienische Geheimdienstchef Vito Miceli rechtfertigte sich: »Aber ich habe den Staatsstreich nicht selbst organisiert. das zu tun!«21 Die Ermordung Aldo Moros: Der Christdemokrat beabsichtigte. Die GladioUntersuchungskommission des Senats verdächtigte die CIA und deren italienische Helfer. von einem Kommando der linksterroristischen Roten Brigaden entführt und später getötet. Im gleichen Prozess wurden P2-Chef Gelli und zwei Mitarbeiter des SISMI der Behinderung der Ermittlungen für 279 .) Bombenterror in Bologna: Bei dem Anschlag am 2. Die Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppe Nuclei Armati Rivoluzionari Valerio Fioravanti und Francesca Mambro wurden 1995 verurteilt. weil »fast alle Akten über die Entführung und Ermordung Moros auf mysteriöse Weise aus den Archiven des Innenministeriums verschwunden waren«. dass der Moro-Mord »ein kriminelles Projekt war. der Ziehvater der späteren Abu OmarKidnapper Mancini und Pignero. »dass die CIA 1970 diesen Staatsstreich auf Weisung von Nixon versucht« habe.

Dabei gab es Unterschiede in Aufgabenstellung und Vorgehensweise: Nur in einigen Ländern mutierten die Sicherheitsnetze zu Terrorzellen. »Wie weit die zu gehen bereit waren. zahlreiche Waffenlager unterhalte und von den Amerikanern unterstützt werde.schuldig befunden. die bereits vor dem 8. Die weiteren Ermittlungen ergaben. Für den Ernstfall hatten die Kameraden Listen erstellt. der ab 1949 auch den späteren BND aufbaute. dass ein dem rechten Bund Deutscher Jugend angegliederter geheimer Technischer Dienst (TD) auch den innenpolitischen Feind im Auge hatte. als der ehemalige SS-Hauptsturmführer Hans Otto sich der Kriminalpolizei in Frankfurt stellte und ein Geständnis ablegte: Er gehöre mit rund hundert weiteren Getreuen zu einer geheimen Widerstandsgruppe. Gesteuert wurde sie von einem zentralen Büro im NATOHauptquartier in Brüssel mit dem Namen »Allied Clandestine Committee« (Alliiertes Geheimkomitee). wie in Italien. Für Italien ist diese Mutation erwiesen. die Struktur mit Hilfe von Faschisten auf. Der britische »Guardian« schrieb: »Die vermutete Verbindung zum Terroranschlag in Bologna ist möglicherweise die gravierendste aller gegen Gladio gerichteten Anklagen. für Deutschland führt Ganser entsprechende Indizien auf. Mai 1945 ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatten: ehemalige SS-Angehörige und Agenten der Spionageabteilung Fremde Heere Ost von Wehrmacht-General Reinhard Gehlen.«24 Das Beispiet Deutschland Gansers bisher ausfuhrlichste Studie zu Gladio weist die Untergrundstruktur für insgesamt 14 Staaten nach. auf denen sich neben Mitgliedern der Kommunistischen Partei auch Sozialdemokraten 280 . zeigte sich 1952. In der Bundesrepublik zog die CIA. die für den Fall einer sowjetischen Invasion trainiere.

50 Panzerfäuste. Vier festgenommene TDKämpfer kamen ohne weitere juristische Verfolgung frei. 219 wurden verletzt. dass der Nazi Heinz Lembke ihnen Waffen. Doch zum Erstaunen der Polizisten spielten Bundesanwaltschaft und Bundesregierung den Fall herunter. wie auch in der Bundesrepublik rechtsradikaler Terror mit Hilfe der GladioStrukturen durchgeführt worden sein könnte. Damals starben 13 Menschen. Sprengstoff und Munition angeboten und von großen Lagern mit Militärgerät geredet habe.und Sprengstoffvorräte in der Lüneburger Heide. Dort wurden unter anderem 14000 Schuss Munition. Ermittlungsbehörden und Politik einigten sich in der Folge darauf.befanden .«25 Ganser hat Hinweise gefunden. die beide am >Tag X kaltgestellt< werden sollten. Die Geheimkommandos in anderen Teilen der Bundesrepublik blieben unbehelligt und wurden später dem BND unterstellt. September 1980. 156 kg Sprengstoff und 258 Handgranaten sichergestellt. Dieser Aussage gingen die Fahnder aber erst auf den Grund. Zwei Mitglieder der Vereinigung Deutscher Aktionsgruppen gestanden bereits einen Tag später. Dies konnte jedoch nie bewiesen werden. dass Lembke ein Einzelgänger gewesen sei und es auch keine Verbindungen zum Oktoberfestattentat gebe. Er hatte zuvor gedroht. Der schnell festgenommene Lembke offenbarte gegenüber den Verhörbeamten die Lage seiner 32 weiteren Waffen. da Lembke am 1. und zwar der Anschlag auf das Münchner Oktoberfest am 26. am nächsten Tag gegenüber der Staatsanwaltschaft seine Hintermänner zu benennen.27 281 . dass es sich um Gladio-Bestände handelte. November 1981 erhängt in seiner Zelle aufgefunden wurde.allen voran der frisch gewählte SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer und Herbert Wehner -. als etwa ein Jahr später durch Zufall eines der Erddepots aufflog.26 Quantität und Qualität der sichergestellten Hardware sprechen laut Ganser dafür.

»Uns ist klar geworden. die wir auch mit Journalisten erörtert haben.29 Im Zuge seiner Recherchen fand der Sohn des Ermordeten Hinweise und Augenzeugen.Ob Gladio. am Gründonnerstag 1977 samt seiner zwei Leibwächter erschossen worden war. dass die bisher wegen der Bluttat Verurteilten .die RAF-Mitglieder Christian Klar. Es gibt weitere. E. J. auch bei den Linksterroristen mitmischte? Hinweise auf geheimdienstliche Infiltration der Roten Armee Fraktion (RAF) fand jedenfalls neben Sachbuchautoren wie Gerhard Wisnewski und Ekkehard Sieker28 auch Michael Buback. Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt . Anm. Buback suchte einen Grund für dieses Fehlverhalten der Strafverfolgungsbehörden: »Unter den Möglichkeiten. dessen Vater Siegfried. Vielmehr sei mit ziemlicher Sicherheit die Terroristin. bei der später auch die Tatwaffe gefunden wurde. Diese war nicht nur RAF-Mitglied. wie südlich der Alpen.die tödlichen Schüsse nicht abgegeben haben konnten. dass diese Person doch nicht voll unter Kontrolle war und sie den Generalbundesanwalt erschossen hat. noch bedrückendere Denkmöglichkeiten.Verena Becker.aber bei den Ermittlungen der Polizei regelrecht unterdrückt worden waren.) gefunden zu haben. die seine These von der Todesschützin Becker untermauerten . Buback ermittelte auf eigene Faust und stieß auf eindeutige Hinweise. resümierte Michael Buback. diesen Tatbeitrag zu verbergen. die Mörderin gewesen . sondern stand auch auf der Gehaltsliste der Gegenseite. eine Kontaktperson im RAF-Bereich (gemeint: Verena Becker. dass Geheimdienste in den siebziger Jahren glücklich waren. In dieser misslichen Situation kann schon die Versuchung entstehen. Da stellt man plötzlich mit Schrecken fest. dass Frau Becker eine dringend Tatverdächtige ist und gleichzeitig eine Informantin des Geheimdienstes«. ist die noch am wenigsten schlimme. der damalige Generalbundesanwalt. So könnte die Deckung eines Täters deshalb so rasch Wirkung entfaltet 282 .

haben, da sie vorbereitet werden konnte, weil man von der
Tat bereits vor deren Ausführung wusste. Ein schrecklicher
Gedanke! Leider können wir auch diese Variante nicht mit
Sicherheit ausschließen. Wir sind überzeugt, dass mein
Vater neben der RAF noch andere Gegner hatte, und es
gibt bedrückende Hinweise dafür.«30
Wussten bundesdeutsche Staatsorgane also »von der
Tat bereits vor deren Ausführung«? War Becker schon 1977
Mitarbeiterin eines westdeutschen Geheimdienstes? Ist
die einzig offene Frage, ob sie am 7. April 1977 als wildgewordene Kombattantin ohne Auftrag ihres Dienstherren
schoss - oder mit dessen Billigung? Diese Fragen werden
sich kaum klären lassen, da Mitte Dezember 2007 vom
Bundesamt für Verfassungsschutz beim Bundesinnenministerium der Antrag gestellt wurde, die Verhör-Akten von
Frau Becker »für immer« zu sperren.31 »Der Verfassungsschutz berief sich auf die Strafprozessordnung, nach der
die Vorlegung von Akten durch andere Behörden nicht gefordert werden darf, wenn die Weitergabe der Schriftstücke >dem Wohl des Bundes oder eines Landes Nachteile
bereiten würde<.«32 Am 18. Januar 2008 hat das Bundesinnenministerium dem Antrag entsprochen.33

Gladios Erben
Eines der Mitglieder der P2 war Silvio Berlusconi, der im
April 2008 zum dritten Mal zum italienischen Premier
gewählt wurde. Er hat nach dem 1. September 2001, in seiner vorhergehenden Amtszeit, Präsident George W. Bush
-dem Sohn jenes Mannes, der als CIA-Chef Kontakte zur
P2 pflegte - seine volle Unterstützung im Kampf gegen den
Terrorismus zugesichert. Dieser Männerfreundschaft ist es
wohl zu verdanken, dass italienische Geheimdienstler an
Parlament und Verfassung vorbei bei illegalen Aktivitäten
wie der Verschleppung von Abu Omar kooperiert haben.
Neben der bei dieser Verschleppung aktiven Seilschaft um

283

die Geheimdienst-Offiziere Mancini und Pignero muss es,
so Regine Igel, eine weitere verdeckte Struktur innerhalb
des SISMI geben, die ein Überbleibsel von Gladio sein
könnte. Demnach haben »Ermittler in Genua im Juli 2005
zwei Neofaschisten inhaftiert, die beide alte Mitglieder
sowohl von Gladio als auch von SISMI sind. Seit März
2004 leiten sie eine geheime Antiterrorismus-Einheit
(DSSA = Dipartimento Studi Strategici Anti-Terrorismo),
die Verbindungen zur Regierung Bush und Ariel Sharons
Likud-Partei haben soll. Gegen weitere 25 Mitglieder dieser DSSA wird ermittelt. Man vermutet, dass sie an der
Entführung des Imam Abu Omar ... durch die CIA beteiligt waren.«34
Über die Überführung des deutschen Gladio-Zweigs
in neue Strukturen liegt ein recht aufschlussreicher Insiderbericht vor, der leider in der Medienöffentlichkeit nie
unter diesem Gesichtspunkt ausgewertet worden ist, und
zwar das Buch Bedingt dienstbereit des ehemaligen BNDAgenten Norbert Juretzko aus dem Jahr 2005. Juretzko
stieß im Frühjahr 1987 zu Gladio, für ihn »eine Mischung
aus staatsgefährdenden Geheimdienst-, Militär- und Neonazimauscheleien«.3S
Juretzko weiter: »Wir waren eine geheime, paramilitärisch organisierte Truppe, die sich im Falle eines Angriffs aus Richtung Osteuropa überrollen lassen sollte.
Angeblich bestand die deutsche Sektion von Gladio ... aus
104 Mitarbeitern und 26 hauptamtlichen Führungspersonen beim BND. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges
sollen es bis zu 75 Hauptamtliche des Geheimdienstes und
500 Helfer gewesen sein.«36
Juretzko macht das deutsche Organisationsschema
von Gladio transparent: Die Truppe unterstand der DDRAufklärung des BND und bildete in diesem Referat die
Unterabteilung 12C. Ihr Sitz war in »einer der geheimsten Außenstellen« des BND, dem »Sattelhof« am Bonner
Platz in München.37 Juretzkos Chef bei Dienstantritt war

284

der Fallschirmjägeroffizier Ollhauer, der vorher eine Spezialtruppe der Bundeswehr mit dem sprechenden Namen
»Schwarze Hand« befehligt hatte.38 Juretzko weiß nicht
oder will nicht preisgeben, was Aufgabe dieser Spezialtruppe war. Geschichtskundige erinnern sich, dass der
Name »Schwarze Hand« auf eine Abteilung des serbischen
Geheimdienstes zurückgeht, die 1914 die Ermordung des
österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo organisierte.
Juretzko selbst blieb bis April 1991 bei Gladio, als die
entsprechende BND-Abteilung 12C in Folge der italienischen Enthüllungen (siehe oben) aufgelöst wurde. Danach wechselte er zu der neu geschaffenen Abteilung 12YA
über, in der es zu den Aufsehen erregenden Konflikten
kam, die den Zündstoff seines Buches lieferten. Diese
Dienststelle in Berlin wurde nämlich gemeinsam mit dem
US-Nachrichtendienst DIA betrieben, und Juretzkos Vorgesetzter erklärte gleich zu Beginn, »dass die Amerikaner
ab sofort für unsere operativen Einsätze verantwortlich
seien«.39 Hauptaufgabe war zunächst die Überwachung
des Abzuges der Roten Armee aus den neuen Bundesländern, die Besorgung von sowjetischem Militär-High-Tech
und die Gewinnung von Agenten unter den russischen Soldaten und Offizieren. Im Laufe der Zeit wurde dafür auch
das alte Gladio-Netz reaktiviert. Anfang 1993 gab Juretzko
die Devise aus: »Wir mobilisieren alle unsere Stay-BehindQuellen und machen daraus Beschaffungshelfer ...«40
Die Schwierigkeiten für Juretzko begannen, als er
einen Fall von Landesverrat innerhalb des BND aufdeckte
- und zwar nicht zugunsten des früheren und möglichen
künftigen Gegners in Moskau, sondern zugunsten der
verbündeten Briten. »Das Doppelspiel mit MI6«41 hatten drei BNDler mit den Decknamen Gassing, Wulf und
Ernst begonnen. Sie verkauften zum eigenen pekuniären
Vorteil Informationen an den Auslandsgeheimdienst des
Vereinigten Königreiches. Oder arbeiteten sie im Auftrag

285

ihrer Vorgesetzten? Als die BND-Führung gegen das verdächtige Trio Ende 1995 Strafanzeige erstattete und die
Bundesanwaltschaft mit Ermittlungen begann, geschah
etwas Unerwartetes: Unterabteilungsleiter Wolbert Smidt,
ein Protégé von BND-Sicherheitschef Volker Foertsch, bagatellisierte die Sache. Smidt forderte von Juretzko: »Sie
sollten Ihre Aussage beim Ermittlungsrichter in Karlsruhe
so herunterfahren, dass wir von einer Anklage in Sachen
Landesverrat wegkommen!«42
In dieser Situation platze Juretzko der Kragen und er
beschwerte sich persönlich bei BND-Chef Konrad Porzner. Porzner ließ sich die Probleme, auch diejenigen »in
der Zusammenarbeit mit den Amerikanern«, schildern
und polterte schließlich: »Wieso betreiben hier eigentlich
einige Leute ihre private Dienstpolitik?«43
Damit eskalierte ein Kampf zweier Linien innerhalb des
BND, der sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Auf der einen
Seite die zunächst um Foertsch gruppierte Seilschaft, später auch als die »Dino-Fraktion« im Dienst bezeichnet.44
Diese Dinosaurier des Kalten Krieges schreckten in enger
Abstimmung mit den US-Diensten auch vor illegalen Operationen nicht zurück. Dem entgegen stand die zunächst
von Porzner geführte Strömung, die auf Abstand zum
Großen Bruder bedacht war.
Das SPD-Mitglied Porzner, einst enger Vertrauter von
Herbert Wehner, war von Bundeskanzler Helmut Kohl
1990 an die Spitze der Pullacher Behörde berufen worden,
damit er »die Opposition davon abhielt, die Fortexistenz
des Dienstes nach dem Ende des Kalten Kriegs allzu
lautstark in Frage zu stellen«.45 Bereits 1991 war seine
Position angeschlagen, nachdem im Hamburger Hafen
Panzerfahrzeuge der aufgelösten Volksarmee der DDR
aufgetaucht waren, die der BND an Israel liefern wollte
- gegen Porzners Wissen. Zwei Jahre später scheiterte er
beim Versuch, Foertsch abzulösen, weil dieser angeblich
mit Bernd Schmidbauer, dem Geheimdienstkoordinator

286

im Kanzleramt, konspiriert habe. Im Jahr 1994 geriet der
Dienst erneut in die Schlagzeilen: Agent Adrian alias Willi
Liesmann inszenierte eine, so später die Formulierung des
Landgerichts München, »klassische polizeiliche Tatprovokation«: Mit Hilfe russischer Mafiosi wurde Plutonium in die bayrische Landeshauptstadt geschmuggelt und
mit großem Trara abgefangen. »Das wäre ein guter Punkt
für die Partei bei den Wahlen«, hatte Liesmann vorab die
Atomdealer zur Eile gedrängt. Mit der »Partei« war die
CSU gemeint, und mit den »Wahlen« jene zum bayrischen
Landtag, zwei Wochen nach dem spektakulären Fund. Die
Informationen über die Inszenierung der Sache durch den
Dienst gelangten über einen BND-Vizepräsidenten zum
»Spiegel«, angeblich um Porzner zu desavouieren und zum
Rücktritt zu zwingen - obwohl der kein Interesse gehabt
haben dürfte, den CSU-Wahlkampf zu fördern.46
Porzners Gegenspieler Foertsch war, so Ganser, der
»letzte Stay-Behind-Direktor des BND«47 - also der letzte
Chef der deutschen Gladio-Sektion. Er war sofort nach
dem Studium 1956 in den BND übernommen worden, arbeitete jahrelang im Leitungsstab von Gehlen und stieg
danach in der Pullacher Hierarchie immer weiter nach
oben. Im April 1985 wurde er Unterabteilungsleiter 12
- Aufklärung im Sowjetblock - und damit Vorgesetzter
auch der Unterabteilung 12C, also des deutschen Zweiges
von Gladio. 1989 wurde er Abteilungsleiter 1 und damit für
die gesamte Beschaffung zuständig, wechselte aber nach
ersten Konflikten mit Porzner 1994 - siehe oben - auf den
Chefsessel der Abteilung 5, der Gegenspionage.48 In dieser
Funktion könnte er mitverantwortlich für die Bespitzelung von Journalisten und Experten wie Erich SchmidtEenboom gewesen sein - eine schmutzige Affäre, die ab
2006 die Kontrollgremien des Bundestages beschäftigte.
Foertsch war ein überzeugter Antikommunist und Gegner der Sowjetunion. Seine Karriere in Pullach war eng
verknüpft mit der Aufklärung des Falles Heinz Felfe An-

287

fang der sechziger Jahre. Er nahm erste Hinweise der CIA
über einen russischen Doppelagenten im Herzen des westdeutschen Dienstes auf und konnte sich höchstpersönlich
die Enttarnung Felfes als Verdienst anrechnen. Im CIAHauptquartier in Langley erhielt Foertsch in der Folge den
letzten Schliff in der hohen Schule der Gegenspionage.49
»Wenn es im prosaischen Alltag des BND ein Pendant zu
John Carrés Romanfigur George Smiley gab, jenem britischen Agentenjäger, der einen Sowjetspion nach dem
anderen zur Strecke brachte und doch ein Leben lang von
ihnen nicht los kam, dann war dies am ehesten Volker
Foertsch«, urteilt »NZZ«-Terrorspezialist Eric Gujer.50
Nachdem BND-Chef Porzner von Juretzko erfahren
hatte, dass Vorgesetzte seiner Behörde die »private Dienstpolitik« zugunsten des britischen MI6 deckten, beantragte
er 1996 die Entlassung von Foertsch. Doch im Kanzleramt hatte dieser in Gestalt von Geheimdienstkoordinator
Bernd Schmidbauer und Kanzleramtschef Friedrich Bohl
mächtige Verbündete, die den Antrag zurückwiesen. Porzner blieb nichts anderes übrig, als im Juni 1996 seinerseits
um Entlassung zu bitten.
Doch letztlich sollte auch Foertsch den Machtkampf
politisch nicht überleben. Kurz nach der Demission
Porzners lancierte der russische Geheimdienst FSB, der
Nachfolger des KGB, im Oktober 1996 eine Operation, um
Foertsch als den kältesten Krieger in Pullach doch noch
loszuwerden. Über einen Doppelagenten mit dem BNDTarnnamen Rübezahl spielte Moskau Juretzko Informationen zu, wonach Foertsch seit 1974 für die Stasi gearbeitet habe und danach vom FSB übernommen worden
sei. Im Oktober 1997 wurde der Verdacht sogar über ein
scheinbar hoch offizielles FSB-Dokument erhärtet. Erst
später sollte sich herausstellen, dass es sich dabei um eine
gut gemachte Fälschung handelte. Der Generalbundesanwalt stellte folgerichtig im Mai 1998 das Verfahren gegen
Foertsch ein.51 Doch in der Zwischenzeit hatte in der Parla-

288

des Spiels über Bande. Vorläufer der heutigen PKG) das Unbehagen über Foertsch dennoch Oberhand gewonnen. Oktober 1998 zuvor. Zugegeben: Wegen möglicher Illoyalität zugunsten von Washington und London hätte Foertsch nie zu Fall gebracht werden können.kein Rauswurf. die illegale Materialweitergabe an den britischen MI6 als Kavaliersdelikt eingestuft und schließlich die Überwa- 289 . das die Geheimdienstarbeit so spannend macht . Gladio-Fraktion macht weiter Wie stark die Dino.oder besser Gladio-Fraktion im BND auch nach dem Ausscheiden von Foertsch und Smidt noch war. Zur Erinnerung: Aus diesem Sumpf heraus war an BND-Präsident Porzner vorbei 1991 der Panzerschmuggel nach Israel organisiert und 1994 mit Plutonium Wahlkampf in Bayern gemacht worden. die Abgeordneten forderten seine Entlassung. Juretzko wurde 2003 wegen Betrugs zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Medien diskutierten nach Erscheinen seines Buches lang und breit die offene Flanke des deutschen Geheimdienstes gegenüber Moskau. Gladio-Leute hatten höchstwahrscheinlich Agenten des Pentagon-Geheimdienstes DIA das Kommando über Juretzkos Unterabteilung 12YA ermöglicht. um ihn loszuwerden.und so gefährlich. Moskau musste ihn als Mann Moskaus anschwärzen. Kaum einer thematisierte.mentarischen Kontrollkommission des Bundestages (PKK. hielt aber an seiner Darstellung vom Ost-Spion Foertsch fest. wohl aber eine Degradierung zum Leiter der Schulen des BND . zeigen Ereignisse der Jahre 2002/2003. Der faulen Kompromisslösung . dass Foertsch als Gladio-Chef der Vertrauensmann der USA in Pullach war und später die Zusammenarbeit seiner Agenten mit dem britischen MI6 vor Kritik abgeschirmt hat. Das ist die Kunst der Dialektik.kam Foertsch durch sein freiwilliges Ausscheiden aus dem Dienst mit 1.

Teile der BND-Führung hatten diese Direktiven aber wissentlich ignoriert: Über die Richtlinie war beim BND »keinerlei Aufzeichnung« angefertigt. Laut »New York Times« kamen die US-Militärstäbe am 3.und Weisungslage« der Bundesregierung an den Geheimdienst. sie sei nur teilweise an die Agenten weitergegeben und ihre Einhaltung auch nicht überprüft worden . Zwei BND-Agenten in Bagdad spielten dabei eine Schlüsselrolle. so der diesbezügliche Bericht der Bundesregierung. die gegen Schröders Nein arbeitete. Februar 2003 an den von den zwei Deutschen beschafften Verteidigungsplan Saddam Husseins. Die Rede ist von Zielkoordinaten für die Luftkriegsführung. Im Vorfeld und während des Irak-Krieges unterlief die Gladio-Fraktion die Beschlüsse und Weisungen der von Gerhard Schröder geführten Bundesregierung. hatte die beiden Bagdader Agenten rechtzeitig vor Ort geschickt. Sie haben. Dagegen spricht. was der grüne Abgeordnete Hans-Christian Ströbele aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKG) berichtete: Es gab »eine klare und eindeutige Auftrags. klandestine Hilfe auf der anderen? In vielen Fällen bestimmt. die Aggression der USA nicht zu unterstützen.52 Zu dieser Zeit hatte die CIA keine eigenen Leute in der Zweistrom-Metropole.ein für eine deutsche Behörde vermutlich einmaliger Vorgang.wortgewaltiges Nein zum Irak-Krieg auf der einen Seite. Zu 290 . Außerdem sollen die beiden einen geheimen Verteidigungsplan der irakischen Armee an die US-Streitkräfte weitergegeben haben. von denen Pullach »sieben Koordinaten enthaltende Berichte an die US-Seite übermittelte«. »mehr als 130 Meldungen« an die BND-Zentrale geschickt. die USKriegführung nicht zu unterstützen.chung von Schmidt-Eenboom und anderen GeheimdienstKritikern veranlasst. aber in diesem höchstwahrscheinlich nicht.53 Die BND-Seilschaft. Betrieb Rot-Grün also ein doppeltes Spiel .

»Zweifelhaft« nannte das Ströbele. dass sie sich vorher inoffiziell in der irakischen Hauptstadt um das Geheimdokument bemüht hatten am Instanzenweg der Pullacher Behörde vorbei. Dort hatten sie einen Komplizen.«56 Die US-Army jedenfalls zeichnete die beiden Bagdader BND-Agenten und ihren Verbindungsmann in Katar nach Kriegsende mit einem Militärorden (»Meritorious Service Medal«) aus und bedankte sich für die »Unterstützung von Kampfoperationen«. wie die deutsche Regierung sich benommen hat.erst zwölf Tage später meldeten sie gegenüber den Vorgesetzten ihre Ankunft.«58 Über solche und andere Treffen zwischen dem BND und den US-Diensten Ende 2002/Anfang 2003 gebe es jedoch keinerlei Aufzeichnungen.55 »Die Verbindung zu US-Stellen lief über eine Person. die ihr vom BND weitergegeben wurden. wir unterstützen ihn voll und ganz. dass die Spionageerkenntnisse noch zur Bombardierung von Zielen in der irakischen Hauptstadt ausreichten.54 Alles spricht dafür. wurde dem PKG mitgeteilt.zum Teil so schnell. Der gab ihre Berichte ebenfalls hintenrum an die CIA-Kollegen im Verbindungsbüro Stuttgart-Vaihingen weiter .57 Für die These von der Wühlarbeit der alten GladioFraktion während des Irakkrieges spricht auch. Meldungen und Informationen. die ihre Aufgabe nicht darin sah.« Weiter hätten sie gesagt: »Wir unterstützen den Krieg.diesem Zeitpunkt waren die BND-Leute offiziell noch gar nicht in Bagdad . 291 . Beweismittelvernichtung wäre das bessere Wort. was ein BND-Mitarbeiter gegenüber der »Süddeutschen Zeitung« von einem Gespräch zwischen BND-Leuten und ihren USKollegen im Vorfeld des US-Angriffes berichtete: »Sie entschuldigten sich für Schröder und die Art und Weise. entsprechend der Auftragsund Weisungslage (der Bundesregierung) zu filtern und auszusortieren.

einst Direktor im Bundesamt für Verfassungsschutz. wonach die Bundeswehr und die Polizei die primären Verantwortlichen für die äußere bzw.Die neue Geheimstruktur Foertsch und Smidt haben nach ihrem Abgang aus dem BND am 4. zur Seite. Als Beiräte fungieren ein ehemaliger BND-Präsident (Hans-Georg Wieck). Es kommt eben nicht allein auf die repressive Bekämpfung an. zwei ehemalige Vize-Präsidenten des Auslandsgeheimdienstes (Rainer Keßelring und Werner Schowe). Der eingetragene Verein versteht sich als Pressuregroup zur weiteren Vernetzung der deutschen Dienste mit denen der NATO-Partner und wirbt für immer härtere Antiterrorgesetze. zwei MAD-Amtschefs (Winfried Schwenke und Klaus Vollmer) sowie der ehemalige Präsident des Militärgeheimdienstes Rudolf von Hoegen. Dem Vorsitzenden Smidt steht als Beisitzer neben Foertsch auch Klaus Grünewald. Müssen jetzt nicht die geheimen Nachrichtendienste mit ihren spezifischen Zugängen im Bereich des >Unsichtbaren< für präventive Zwecke herangezogen werden?«59 Wo staatliche Stellen passen müssen. Schatzmeister ist der vormalige BundeswehrGeneral Authari G. wenn der terroristische Gegner unsichtbar bleibt und sich einem rechtzeitigen Zugriff entzieht. 292 . helfen manchmal private Sicherheitsunternehmen weiter. dem eine ganze Reihe weiterer hochrangiger Geheimdienstler angehören. Zustimmend nimmt der Vereinsvorsitzende Smidt auf verfassungswidrige Überlegungen zur Schaffung eines präventiven Sicherheitsstaates Bezug. ein ehemaliger Verfassungsschutz-Präsident (Peter Frisch). Geschäftsführer eines solchen ist das GKND-Mitglied Friederich Klotz. Juli 2003 den Gesprächskreis Nachrichtendienste in Deutschland (GKND) gegründet. auch im Grundgesetz verankerten Auffassung. Lapp. innere Sicherheit sind. die der Politikwissenschaftler Herfried Münkler geäußert hatte: »Er entfernt sich insofern von der herkömmlichen.

60 Der GKND schaffte es mit Erfolg. des französischen DGSE und des BND .und Verschlüsselungstechnologie. September 2001 wurde aus diesem Nukleus die Alliance Base. Das Thema Foertschs: »Ansätze und Entwicklungsmöglichkeiten europäischer Intelligence-Strukturen«. die GKNDMitglieder und Ex-BND-Oberen Wieck und Foertsch. government authorities«). sondern bietet auch eine »lebensnahe« Vorbereitung (»training under live conditions«) auf Geiselnahmen (»hostage taking«) oder zum Schutz in anderen bedrohlichen Situationen an. zusätzlich zu den Europäern entsand- 293 . dass die neue klandestine Zusammenarbeit während des BalkanKonfliktes zu Beginn der neunziger Jahre institutionalisiert wurde.für ihn kam Smidt zu den Treffen. und zwar in Form einer regelmäßigen Runde in Paris mit Teilnehmern des MI6. Klaus-Dieter Fritsche.und ausländischen Regierungsstellen (»considerable amount of contacts to national and international .61 Zu dieser Problematik könnte es keinen besseren Fachmann geben.. Dort referierten neben dem aktuellen Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt. für seine Ziele auch Multiplikatoren zu begeistern. Wie gefragt seine Experten sind. sondern um den islamistischen Feind.Seine im bayrischen Geretsried bei München beheimatete Firma Alpha ES Elektronik Systeme GmbH handelt nicht nur mit Überwachungs. beweist etwa eine gemeinsame Tagung der SPDnahen Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem GKND im April 2008 unter dem Titel »Europäische Nachrichtendienste . die in vielem an Gladio erinnern.Transformation und demokratische Kontrolle«. Der »NZZ«-Fachjournalist Gujer berichtet.. Denn noch in seiner aktiven Zeit hatte Foertsch seinen Adlatus Smidt mit dem Aufbau dieser unkontrollierbaren supranationalen Intelligence-Strukturen beauftragt.62 Nach dem 11. Die GmbH verweist auf gute Beziehungen zu in. Nun geht es nicht mehr um den kommunistischen.

«64 Wichtiger scheint die Counter Terrorist Group (CTG) zu sein. Sie kann auf die Geheimdienstkapazitäten im EU-Militärstab (Single Intelligence Analysis Capacity . rekrutierte die CIA lokale Beamte.65 Weder das Parlament in Strasbourg noch nationale Parlamente können diese Struktur kontrollieren. geheimen CIA-Gefängnissen in Osteuropa zu wissen. »Was das Zentrum und seine 130 Mitarbeiter in Brüssel genau tun. Unter einer ähnlichen Abkürzung operiert das neue internationale Netzwerk der CIA: Counterterrorist Intelligence Centers (CTICs) sind nach Recherchen von Gujer in »zwei Dutzend Ländern in Osteuropa. Gujer weiter: »Die CTICs wurden nach dem Vorbild der Antidrogenzentren geschaffen.63 Nach Auskunft des Grünen-Geheimdienstexperten Ströbele wird die Alliance Base »vermutlich in ihrer Bedeutung überschätzt«.66 In diesen Zentren arbeiten demnach »neben Amerikanern handverlesene Beamte aus den Gastgeberländern«. die Langley in den achtziger Jahren in Lateinamerika gegründet hatte. konnte man im Frühjahr 2008 in der »FAZ« lesen. Weil die Sicherheitsbehörden in diesen Ländern korrupt und von Spitzeln der Drogenmafia durchsetzt waren. Diese Antiterrorzentrale stand »zeitweise im Verdacht.SIAC) und auf die Nachrichtendienstliche Zelle (NDZ) im Stab des EUAußenbeauftragten Javier Solana (Joint Situation Center . schreibt die »FAZ« vorsichtig. in der sich die Geheimdienste der 27 EU-Staaten plus Schweiz und Norwegen zusammengeschlossen haben. ist nicht bekannt«.«67 Das war auch die typische Vorgehensweise bei der In- 294 . »In der Arbeit des BND-Untersuchungsausschusses des Bundestages hat das Pariser Zentrum in keinem der Verschleppungsfälle eine Rolle gespielt. die sie zuvor mit Lügendetektoren überprüft hatte. ebenso von der Verschleppung Verdächtiger«.Sitcent) zurückgreifen. von angeblich existierenden. dem Nahen Osten und Asien« eingerichtet worden.ten nun auch US-Amerikaner und Kanadier ihre Experten nach Paris.

auch in Westeuropa gibt.stallation der Gladio-Strukturen: Die CIA bildet in Partnerländern eigene Zellen und rekrutiert dafür Vertrauenspersonen vor Ort.vgl. unter dem Kommando der CIA gesuchte >Terrorverdächtige< festzunehmen. September 2001 gegründeten Besonderen Aufbauorganisation USA (BOA) des Bundeskriminalamtes.bei der Entführung von Abu Omar spielten CIA-Leute und willige Helfer des SISMI perfekt zusammen. Dort arbeiteten etwa 500 Beamte an der Aufklärung der deutschen Spuren von 9/11.gibt es zumindest eine offiziell bestätigte institutionelle Kooperation. um mit diesen Erlösen schwarze Konten zur Aufrüstung antikommunistischer Contra-Guerillas einzurichten. S. der besonders ausgewählte SISMI-Beamte angehören. als Gujer behauptet . ob es diese CTICs .«69 Der Grünen-Abgeordnete Ströbele geht von einem halben Dutzend FBI-Ermittler aus.70 295 . Bleibt die Frage. Die Bundesregierung schreibt: »Die Anwesenheit von Verbindungsbeamten des FBI in der BOA USA trug dazu bei. hat die CIA in Südamerika beschlagnahmte Drogen auf eigene Rechnung weiterverkauft. Die Einheit wurde 2002/2003 angeblich wieder aufgelöst. dass auch Ermittlungsergebnisse auf den polizeilichen Schienen schnell und umfassend ausgetauscht werden konnten. 162 .anders. Der Verweis Gujers auf den Kampf gegen Drogen ist verräterisch: Wie man weiß. Der wegen Tatbeteiligung verurteilte SISMIAbteilungsleiter Mancini räumte im Gefängnis explizit die Existenz eines CTIC in Italien ein. »Die Organisation. und zwar im Rahmen der nach dem 11. verfolgt den Zweck.«68 Deutsche CTIC-Zellen? Neben der bestrittenen Zusammenarbeit zwischen deutschen und US-Stellen etwa bei der Beobachtung der Islamistenszene in Ulm . Das italienische Beispiel spricht dafür .

weist die Bundesregierung zurück. Das absolute Folterverbot ist in der deutschen Rechtsordnung fundamental verankert und daher zwingende Vorgabe für die Arbeit der deutschen Sicherheitsbehörden. die deutschen Sicherheitsbehörden bei ihrer Arbeit zur Einhaltung menschenrechtlicher Normen und Verträge anzuhalten.Gab es eine Fortsetzung? Ende November 2005 stellte die FDP-Bundestagsfraktion eine Kleine Anfrage zur Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den USA im Antiterrorkampf. es bestünde Anlass.«72 Zwei CTIC-Zellen dürfte es mit großer Sicherheit in Deutschland geben. Bundesbehörden bei der Planung und dem Aufbau von CTICs beteiligt? Inwieweit ist es der Bundesregierung bekannt. Die italienischen Ermittler stellten jedenfalls fest. davon sieben auf der Air Base Ramstein (wo das Opfer in eine weitere Maschine 296 . dass das Kidnapper-Team insgesamt 26 Telefonnummern in Deutschland anwählte. ob es ein CTIC in Deutschland gibt?«71 Die Bundesregierung antwortete bemerkenswert unpräzise: »Die Unterstellung. Die eine besteht aus den Agenten. seit wann? Waren die Bundesregierung bzw. die im Ausland durch Sicherheitsbehörden anderer Staaten unter Folter gewonnen werden. Darin wollten die Liberalen unter anderem über mögliche CTICs Auskunft erhalten: »Über welche Informationen bezüglich der Planung und der Existenz solcher Anti-Terror-Zentren auf deutschem und europäischem Boden verfügt die Bundesregierung. sind keine Beweismittel im rechtsstaatlichen Strafprozess. die dem italienischen CTIC bei der Entführung von Abu Omar geholfen haben (vgl. Kapitel 7).« Sehr interessant ist die Vorbemerkung: »Es wird daraufhingewiesen. dass die Bundesregierung Fragen zu geheimhaltungsbedürftigen und nachrichtendienstlichen Zusammenhängen nur in den dafür vorgesehenen Gremien des Deutschen Bundestages beantwortet. Erkenntnisse.

ganz große Lauschangriff. n. NATO-Geheimarmeen in Europa.2006. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung. S. Daniele Ganser (FN 4).1990. S. z. 290. z. 137. Regine Igel.umgeladen wurde). S. Daniele Ganser (FN 4). 113. Daniele Ganser (FN 4). Daniele Ganser (FN 4). z. S. 112. Regine Igel (FN 4). z. S. Terrorjahre. 112. Espresso 25. n. S. vgl. z. Regine Igel (FN 4). Regine Igel (FN 4). 307. S. Ihre Arbeit wurde in Kapitel 15 ausführlich beschrieben. n. Zürich 2008. vgl. 137. z. Regine Igel (FN 4). Daniele Ganser (FN 4). Regine Igel (FN 4). z. Regine Igel (FN 4). Regine Igel (FN 4). n. Daniele Ganser (FN 4). Daniele Ganser (FN 4). n.9.7. S. 363. Regine Igel (FN 4). Daniele Ganser (FN 4). Daniele Ganser (FN 4). z. Michael Braun (FN 2). 129. die 2007 in der »Operation Alberich« zusammenwirkten. 290. Die dunkle Seite der CIA in Italien. S. 317. Michael Braun. S. Anmerkungen 1 2 Guido Olimpio in Corriere della Sera 7. das als Rechnungsanschrift die Adresse des amerikanischen Generalkonsulats in Frankfurt nannte«73 Der Geheimdienstexperte Schmidt-Eenboom geht davon aus. n. 262. S.289f. München 2006 und Daniele Ganser. 14. S. n.dreimal so viel wie die Dependance in Bagdad. S. n. n. 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 297 . Spiegel Online 21.74 Die zweite CTIC-Zelle war die gemischte Einheit aus deutschen Fahndern und US-Agenten. Der ganz. vgl. vgl. Regine Igel (FN 4). S. Daniele Ganser (FN 4). 123. S.n. 363. z. z. 133.2006. Regine Igel (FN 4). z. n. S. dass die CIA-Station in Frankfurt über etwa zweihundert Mitarbeiter verfügt . S.11. eine auf der Air Base Frankfurt und »den Anschluss eines Unternehmens. S. 138. S. 139. S. 129.

Gnade und Recht. BND. Reuter. S. Norbert Juretzko (FN 35). Im Herzen des BND . Ekkehard Sieker.10. 300. Focus-Online. Frankfurt am Main 2006. Norbert Juretzko (FN 35). 36.Für die Veröffentlichung bestimmte Fassung .2007. vgl. München 2007. Der BND. 28 Gerhard Wiesnewski. S. München 2008 (Neuausgabe).17:09:09. S. 131.12.1996. S. Spiegel 11. S. Wolfgang Landgraeber. Michael Buback (FN 29). 22. Berlin 2005. wikipedia. 1. Der deutsche Geheimdienst im Nahen Osten. Berlin 15. z. S. Bericht der Bundesregierung (Offene Fassung) gemäß Anforderung des Parlamentarischen Kontrollgremiums vom 25. 130. Eric Gujer. dpa. Rhein-Zeitung. Norbert Juretzko (FN 35). Norbert Juretzko.2006. vgl. 18. Norbert Juretzko (FN 35). n. 91. Das RAF-Phantom.2007.die Abrechnung eines Aussteigers. dem Leipziger BND-Spitzel in der Journalistenszene. Bedingt dienstbereit.wikipedia. vgl. Norbert Juretzko (FN 35). 203.4.11. Vortrag im Badischen Staatstheater Karlsruhe. 136. 293. Kampf an neuen Fronten. Die dunkle Seite des Westens. Gerhard Schäfer. Düsseldorf 1993. Die unheimliche Macht im Staate. S. Beugehaft für frühere RAF-Terroristen beantragt. S. 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 298 . Erich Schmidt-Eenboom. Der Ausdruck stamm ursprünglich von Uwe Müller. 25. Eric Gujer (FN 49). Erich Schmidt-Eenboom. 14. Norbert Juretzko (FN 35). S. Innenministerium sperrt Verfassungsschutz-Akte im Mordfall Buback. Mü. vgl.2007.Berlin 26. z.2008. S. 27 Gesamtdarstellung bei Daniele Ganser (FN 4). S. Norbert Juretzko (FN 35). BND-Chef geht im Zorn. Dr. Oktoberfestattentat (http://de. ddp.3. 80.12. Gutachten . 272. Vom Parlamentarischen Kontrollgremium des Deutschen Bundestages beauftragter Sachverständiger.2. 297. FAZ 15.25 Günther Latsch. 26 vgl. Wie sich der BND dem Terrorismus stellt. Regine Igel (FN 4). Januar 2006 zu Vorgängen im Zusammenhang mit dem Irakkrieg und der Bekämpfung des Internationalen Terrorismus. 326 Vgl. Vgl. 319fF. Eric Gujer (FN 49). S.2005. S. Michael Buback.. S. S. Neue Ermittlungen in Sachen Terror. 32 und 36. S. 76. 21. n. Brisante Akte soll für immer geheim bleiben. S.2006.org/wiki/ Oktoberfestattentat). Daniele Ganser (FN 4). Norbert Juretzko (FN 35).5.

Abweichende Bewertung zum Bericht der Bundesregierung zu den »Vorgängen im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg und der Bekämpfung des Internationalen Terrorismus«.2. Eric Gujer (FN 49). Hintergrundgespräch des Autors mit Hans Christian Ströbele.2004 (http://www.2005. Wolbert Smidt. 10.4.2006. 188.2008. Geheime Freundschaftsdienste.2005. Der deutsche Geheimdienst im Nahen Osten. Hans Christian Ströbele (FN 53).2008. nicht geschüttelt. Januar 2006 zu Vorgängen im Zusammenhang mit dem Irakkrieg und der Bekämpfung des Internationalen Terrorismus. Werner Hoyer/u.11. Neue Rheinische Zeitung 2.2006.2. S. Spiegel Online 6. S. S. SZ 12. 23.www.53 Hans Christian Ströbele.4. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 299 . CIA-Gefangenentransporte und Counter Terrorist Intelligence Centres (CTIC)«. Matthias Gebauer. vgl. 30. 11. Eric Gujer (FN 49). vgl. Marc Hoch/Hans Leyendecker. 186. »New York Times« wehrt sich gegen Berliner Backpfeife. 10.2008 Peter Carstens (FN 63).4. Nicht verrührt.1. München 2007.5.12. S. Berlin 15. Peter Carstens. Kleine Anfrage »Aufklärung zu den Vorwürfen der CIA-Geheimgefängnisse. Entfuhrungsfall Abu Omar. Spiegel Online 27. Hans Georg.de. Bericht der Bundesregierung (Offene Fassung) gemäß Anforderung des Parlamentarischen Kontrollgremiums vom 25. Überlegungen zur Gründung eines »Gesprächskreises Nachrichtendienste« (GKND).de/Dokumente/030-Publikationen/031 -ZurGruendungdesGKND/031 -Gruendung. Vgl. S. Erich Schmidt-Eenboom.2006. BND.2006. 188. Eric Gujer (FN 49). gknd. globale-gleichheit. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage vom 20.. 29.2008.2006.2006.2.3. Hintergrundgespräch des Autors mit Hans-Christian-Ströbele 29. Lobbyarbeit für Geheimdienste.html). 39.fes. vgl. S. a. Transatlantisches Verwirrspiel.11.4.de 13. FAZ 24. Dr. Hintergrundgespräch Hans-Christian Ströbele 29.2008. Georg Mascolo/Holger Stark. Marianne Arens / Peter Schwarz. Erich Schmidt-Eenboom (FN 73).4.

so wird das in aller Regel als kleineres Übel zur Abwendung des Massenmordes für notwendig erklärt. indem er sie abschafft« (Der FDP-Politiker Burkhard Hirsch. Geheimagent der Counter Terrorist Unit (CTU). »Süddeutsche Zeitung« 4. falls er sich da nicht immer an Recht und Gesetz halten mag: Wenn er einen Verdächtigen foltert oder erschießt. so ist heute Jack Bauer der fiktive Held des Kriegs gegen den Terror.«2 Der Reiz der Serie ist die Verfilmung in Echtzeit: Eine Staffel behandelt lediglich die Geschehnisse eines einzigen Tages und ist aufgeteilt in genau 24 Sendungen von je einer Stunde Länge. Akteure und Zuschau- 300 . 24 setzt die Welt so in Szene.»Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble will die Rechtsordnung dieses Landes verteidigen. Seit 2001 rast die Hetzjagd über die Fernsehschirme der westlichen Welt. Entsprechend komprimiert ist die Handlung: Ständig rast die Uhr. wie sie uns die Herren im Weißen Haus und im Pentagon erscheinen lassen wollen. Jahrhunderts in die Netzhaut und das Unterbewusstsein des Betrachters. April 2007)1 17. Kapitel Big Brother marschiert Der inszenierte Terror wird genutzt. die mit Hilfe von Atombomben oder Nervengiften Millionenstädte ausradieren wollen. Kaum ein TV-Junkie wird ihm übel nehmen. bringt vorwiegend islamistische Bösewichte zur Strecke. um eine geheime Datenpolizei zu installieren In der US-amerikanischen Krimiserie 24 brennen sich die Albträume des 21. und immer geht es um den Kampf gegen den Terrorismus: Kiefer Sutherland alias Jack Bauer. Die »FAZ« fasst zusammen: »War James Bond der fiktive Held des Kalten Kriegs.

ist er tot. ein anderes Mal soll ein von US-Rüstungsfirmen inszenierter Anschlag den Krieg gegen arabische Staaten provozieren. Setzt man den Frosch hingegen in einen Topf mit kaltem Wasser und erwärmt ihn allmählich. Könnte es sein. und schließlich wird auch die große Abrechnung mit Russland geplant. sind seine Kräfte erlahmt. Neue Anschläge und Anschlagsdrohungen passen den westlichen Regierungen ins Konzept. um die Demokratie in unserer Hemisphäre immer weiter zu strangulieren. Zur Illustration der Gefahr wählt er ein Gleichnis: »Ein Frosch. sind nur zu oft Verbündete.er hetzen von einer Situation in die nächste. Wenn das Wasser weiter erhitzt wird. so lernen wir in 24. so bleibt er drin. die den Übeltätern nicht wehren. sondern sie anfeuern und ihnen die benötigten Codes. Zunächst mag das sich erwärmende Wasser sogar recht angenehm sein. in der Jack Bauer und seine Einsatzkommandos alle Macht haben? Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hält einen abrupten Übergang zu einer Diktatur für ausgeschlossen. Überschlagende Hektik als Kennzeichen der globalisierten Welt das haben die Drehbuchautoren und Regisseure gut getroffen und nur ein bisschen überdreht. dass wir eines Morgens in einer Diktatur erwachen. gäbe es nicht auch andere Elemente in der Serie. springt reflexartig sofort wieder hinaus. Wenn es den Siedepunkt erreicht hat. Die Zuschauer würden die Propaganda nicht so willig goutieren. Zugangswege und Waffen übermitteln.«3 Geht es uns auf dem Weg in eine Überwachungsgesellschaft ähnlich? 301 . So sind die terroristischen Netzwerke fast immer infiltriert von Geheimagenten der Regierung. Terroristenjäger und Terroristen. Aber er warnt vor einem schleichenden Prozess. den man in einen Kessel sprudelnd heißen Wassers wirft. Einmal lässt der Präsident höchstpersönlich seinen Amtsvorgänger mit Hilfe von Terroristen ermorden.

«4 Lediglich ein schlechter Scherz? Selbst dem früheren Präsidenten-Berater John Dean ist es nicht ganz wohl: »Ich bin besorgt. und so lange. Wo werden sie enden? Die Antwort lautet: Es könnte eine Form von Faschismus kommen. .Sind wir deswegen also auf dem Weg in den Faschismus? . das .Nein. ein Verhalten mit faschistischen Grundmustern. ohne Anklage ins Gefängnis zu werfen.Menschen.9/11 und der Übergang zur Demokratur Während des Präsidentschaftswahlkampfes im Oktober 2000 witzelte George W. Jahrhundert wurde im HabeasCorpus-Act jedem Bürger rechtsstaatlicher Schutz gegen die Häscher der Obrigkeit verbürgt.»Herrn Bush die Macht gibt. wäre es viel einfacher. einseitig die 302 . Allerdings wird es eine banale Ausprägung des Faschismus sein. so ziemlich jeden.«6 Drei Jahre nach dem Kassandra-Ruf Mailers beseitigten US-Repräsentantenhaus und Senat beinahe einstimmig eines der Fundamente der angelsächsischen Demokratie. wo wir vielleicht einmal sagen werden: >Hätten wir das doch nie getan!«<5 Energischer die Warnung des US-amerikanischen Bestsellerautors Norman Mailer (Die Nackten und die Toten). weil ein proto-faschistisches Verhalten zu erkennen ist.so die »New York Times« . den er will. und Amerika ist ein faschistisches Land. September. Vor 800 Jahren hat der niedere Adel in England sich mit der Magna Charta Freiräume gegen Papsttum und Königswillkür erkämpft. die davon etwas verstehen. dass der Faschismus bei uns mit einem lächelnden Antlitz auftritt und uns dazu bewegt. Ende September 2006 verabschiedeten beide Häuser der US-Volksvertretung ein Gesetz. . wie er will. Drei oder vier Attentate wie am 11. sagen. bis es wieder zu einer Katastrophe kommt. Er schlug im Jahr 2003 Alarm: »Wir sehen die Vorzeichen drastischer gesellschaftlicher Veränderungen. im 17. dort freiwillig Rechte aufzugeben. Bush: »Wenn wir in einer Diktatur leben würden. Aber wir sind davon nicht weit entfernt. jedenfalls solange ich Diktator wäre.

was normale Leute als Folter ansehen und Hunderten.Genfer Konvention auszulegen. ihn zu lesen.«7 Einschneidende Veränderungen wurden schon direkt nach dem 11. dass weitere Terroranschläge drohten. Oktober 2001. September. die irrtümlich verhaftet wurden. Der Patriot Act »ermöglicht den Behörden unter anderem den Zugang zu den Ausleihdaten öffentlicher Bibliotheken. Abgeordnete beklagten sich. Durch den Patriot Act und den Homeland Security Act wurden »in bisher nicht gekanntem Ausmaß die Befugnisse der Exekutive erweitert und viele rechtsstaatliche Garantien aufgehoben«. als er gerade aus seinen von Milzbranderregern kontaminierten Büros ausquartiert worden war und die Vorhersage des Justizministers. dass sie vor der Abstimmung kein Exemplar des Entwurfs erhalten hatten.10 Über die Folgen berichtet ein Zeitungsartikel Mitte 303 . Obendrein hatte es zu diesem komplizierten und weitreichenden Gesetz so gut wie keine öffentliche Anhörung oder Debatte gegeben. das zu autorisieren. nur sechs Wochen nach den Anschlägen vom 11. ganz zu schweigen davon. September durchgedrückt. sich zu bewahrheiten schien. Dem Weißen Haus gegenüber kritisch eingestellte Politiker werden sogar von Regierungsmitgliedern als Helfer von Al Qaida diffamiert«. Oder: Wer sich zum Beispiel in der aktuellen Diskussion für eine liberale Einwanderungspolitik einsetzt.8 Der Kongress verabschiedete diese Gesetze »mit atemberaubender Geschwindigkeit in einem Augenblick. bilanziert der Deutschlandfunk. Gerechtigkeit zu verweigern. und es war auch kein Ausschussbericht erstellt worden.«9 Die Gesetze erlauben der Regierung eine umfassende Überwachung der Telekommunikation und des Internets und nahezu unbeschränkte Eingriffe in die Privatsphäre. Präsident Bush unterzeichnete das Gesetzespaket am 26. es hatte keine Beratung stattgefunden. gilt dem offiziellen Washington rasch als Sympathisant von Terroristen. dass ihnen Zeit eingeräumt worden wäre.

In wenigen Jahren haben sich Veränderungen vollzogen. die die Mehrheit der Bürger früher nie für möglich gehalten und nie unterstützt hätte.Oktober 2006: »Agenten des US-Geheimdienstes haben eine 14-jährige Schülerin mitten im Unterricht abgeführt und verhört. Beispiel Telefonüberwachung: Wer kann sich heute noch vorstellen.und Finanzdaten von Privatpersonen sowie die Aufnahme biometrischer Daten in Pass und Personalausweis. Die Agenten hätten Julia Wilson während der Biologiestunde an einer High School im kalifornischen Sacramento aufgegriffen und mitgenommen.. Das Bild zeigte den Angaben zufolge den US-Präsidenten. September 2001 über die Gesellschaft herein.. Kommunikations.«11 Big Brothers Schily und Schäuble Die Welle neuer Gesetze und Bestimmungen brach auch in Deutschland nach dem 11. September sowie am 12. Diese ermöglichten Verbotsverfügungen gegen islamische Vereine (Streichung des Religionsprivilegs). die sie auf der bei Teenagern beliebten Chat-Seite MySpace veröffentlicht habe. Zugriffsrechte auf Luftverkehrs-. Bereits am 18. Anklagen gegen inländische Mitglieder ansonsten nur im Ausland tätiger terroristischer Vereinigungen (Paragraf 129b). Oktober verabschiedete der Bundestag zwei umfangreiche Gesetzespakete. Die sommersprossige Zahnspangenträgerin habe sich für eine Fotokollage rechtfertigen müssen. in dessen Hand ein Messer steckt. die nach dem Vornamen des damaligen Bundesinnenministers Schily von Kritikern als »Otto-Kataloge« bezeichnet wurden. darunter stand >Kill Bush< (>Tötet Bush*). dass bis zur Verabschiedung der sogenannten Notstandsgesetze 1968 das Fernmeldegeheimnis 304 . weil sie auf einer Internetseite drastische Kritik an Präsident George W. Bush geübt hatte. berichtete die Tageszeitung Sacramento Bee<.

Mit der Verabschiedung des Großen Lauschangriffes 1998 wurden in den folgenden drei Jahren 305 .im Mai 2008 wurde bekannt. »Nach offiziellen Angaben wurden in Deutschland im Jahr 1990 nur 2494 Telefongespräche abgehört.nicht angetastet werden durfte . 2002 waren es 21984 Gespräche und 2003 dann schon 24441 Gespräche. so wird Deutschland tatsächlich zum Weltmeister des Abhörens. dass sie über Jahre hinweg eigene und fremde Manager. ohne dass dies den Datenschutzbeauftragten mitgeteilt würde. Dabei gehörten nur 38 Prozent der überwachten Anschlüsse Beschuldigten oder Verdächtigen.13 Beispiel Großer Lauschangriff: Wer kann sich heute noch vorstellen. Und nur in 15 Prozent der Fälle wurden die Betroffenen über die Abhörung benachrichtigt. Journalisten und Hunderttausende Kunden bespitzeln ließ .immerhin wurde er Kontakten mit der RAF verdächtigt.und welche riesigen Proteste das neue Gesetzespaket damals hervorrief? Mittlerweile ist der deutsche Staat »Weltmeister« im Mithören.nämlich die Verwanzung der Wohnung des Atomphysikers Klaus Traube? Dass Traube SPD-Mitglied ist. schreibt Buchautor Udo Ulfkotte. dass Bundesinnenminister Werner Maihofer (FDP) 1978 zurücktreten musste. würde ihm heute gar nichts nützen . weil er eine einzige Überwachungsoperation zuviel gebilligt hatte . obwohl das Gesetz dies für alle Beteiligten fordert«. und die Terrorgefahr rechtfertigt heute fast jede Maßnahme. Nach einer im »Münchner Merkur« am 28.ist in diesen Zahlen noch gar nicht erfasst. bei denen Richter einzelne Abhörmaßnahmen genehmigt haben.« Das sind aber nur die bekannten Fälle von Telefonüberwachung. Daneben hören deutsche Geheimdienste zahlreiche Gespräche ab. Juli 2005 veröffentlichten Studie des Max-Planck-Instituts »wurden 2004 in Deutschland rund 42 Millionen Telefongespräche abgehört.12 Nota bene: Der neueste Überwachungsskandal der deutschen Telekom . Nimmt man diese Gespräche hinzu.

Eigentlich sollten diese Fotos nur in den Dokumenten selbst und nicht in weiteren Dateien gespeichert werden. Doch für Peter Schaar ist es »so sicher wie das Amen in der Kirche«. etwa das unerlaubte Herunterladen von Musiktiteln aus dem Netz. »weil eine derartig pauschale Vorratsspeicherung nicht mit der Verfassung vereinbar sei«?17 Bei der Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes 2006 wurde Kritikern entgegen gehalten. es ginge doch nur um die Aufklärung schwerer Straftaten wie Terrorismus. dass Passdokumente künftig ein digitales Foto und Fingerabdrücke enthalten müssen. dass die Bundesregierung 1997 einen entsprechenden Vorstoß des Bundesrates ablehnte.mögen sie noch so gut formuliert sein .18 Beispiel zentrale Antiterrordatei: Wer kann sich heute 306 . wenn die gesammelten Daten für andere wichtige Zwecke nützlich sein könnten«. Diese Zusage revidierte Schäuble im Jahr 2007 und forderte. die für die Passerstellung erfasst wurden.14 Mittlerweile . dass künftig Polizeibehörden generell auf die biometrischen Daten zugreifen können müssten.15 »Zweckbindungsvorschriften . dass bald auch »weniger schwere Gesetzesübertretungen« mit den neuen Zugriffsmöglichkeiten geahndet werden. bis das Bundesverfassungsgericht 2004 Restriktionen verfügte.und Internetverbindungen: Wer kann sich heute noch vorstellen. Beispiel Personalausweis: Wer kann sich heute noch vorstellen.geraten dann unter Beschuss. dass das Bundesverfassungsgericht den sogenannten maschinenlesbaren Personalausweis 1983 stoppte und besonders die Speicherung von Fingerabdrücken in diesem Dokument ausdrücklich verbot? 2004 beschloss die EU für ihre Mitgliedstaaten auf US-Druck verbindlich.geht der Trend von der akustischen zur audiovisuellen Wohnraumüberwachung.im Schnitt 40 Überwachungsmaßnahmen pro Jahr bewilligt.16 Beispiel Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikations.siehe unten . warnt Schaar.

Im Juni 2004 waren in dem Verzeichnis erst 158 000 Namen registriert gewesen. dass Schäubles Amtsvorgänger Manfred Kanther 1998 mit dem Vorhaben einer gemeinsamen Datei aller 38 Sicherheitsbehörden Deutschlands noch gescheitert ist? Kein Wunder. Ursprünglich war das Trennungsgebot von den Vätern und Müttern des Grundgesetzes als Lehre aus der Nazi-Diktatur festgeschrieben worden.so 1993 der damalige Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes. in der das Terrorabwehrzentrum (Terrorist Screening Center .«19 Erschreckend war.also etwa Mitbewohner. Wohin die Entwicklung geht. Hans Josef Horchern .20 Das kommt unter anderem daher. von denen im Vorfeld der Gesetzgebung die Rede gewesen war. dass bereits bei Freischaltung der Zentraldatei zu Jahresende 2006 etwa 13000 Personen gespeichert waren . anlegen konnte. dass nicht nur Verdächtige. Es reflektierte . Jährlich schwillt die Liste also um 200 000 307 . also ohne Verpflichtung zur sofortigen Strafverfolgung. sondern auch deren Kontaktpersonen erfasst werden .noch vorstellen. hatten doch selbst die CDU-geführten Länder Sachsen und Thüringen die Trennung polizeilicher und geheimdienstlicher Aufgaben nach der Wiedervereinigung ausdrücklich in ihre neuen Verfassungen aufgenommen . zeigt das Beispiel USA.TSC) der Regierung alle Informationen der verschiedenen Geheimdienste sammelt. die das deutsche Volk mit der allgegenwärtigen geheimen Staatspolizei machen musste. Familienangehörige oder Anwälte. im Herbst 2007 bereits 860000 Namen von In.in Erinnerung an die Staatssicherheit (Stasi) der DDR.und nicht nur die »rund hundert terroristischen Gefährder«. keiner parlamentarischen und gesetzlichen Kontrolle unterlag und die ihre Exekutivmaßnahmen nach den jeweiligen Erfordernissen der Opportunität langfristig. Dort umfasste die Liste der »ernsthaft Terrorverdächtigen«. die über alle staatlichen Zwangsmittel verfügte.und Ausländern.die »schrecklichen Erfahrungen.

wie der Ulmer Khaled al Masri (vgl. »Wer sich auf der TSC-Liste befindet. 308 . existiert nur ein einziges und wenig aussagekräftiges Foto der vier angeblichen Bombenleger vom 7.23 Ein weiteres Beispiel ist die Videoüberwachung. aber in Folge des 11. dass die neuen Sicherheitsgesetze zur Bekämpfung von Terrorismus und anderen schweren Straftaten nichts gebracht haben. Unnütze Schikanen Es kann nicht oft genug hervorgehoben werden. Kapitel 9). kommt nur schwer wieder von ihr herunter. Ein Beispiel ist die Rasterfahndung. Obwohl in London alle Bahnhöfe. Juli 2005. die seit der Verfolgung der RAF Ende der siebziger Jahre nicht mehr praktiziert. September 2001 wieder neu aufgelegt wurde. S. Bahnwaggons und Busse lückenlos überwacht werden. 194/195). In den drei U-Bahnen und dem Doppeldecker-Bus.22 In keinem einzigen Fall war man durch diese Maßnahme auf die Spur irgendeines »Schläfers« oder sonstiger Verdächtiger gekommen.Personen an. liegt es höchstwahrscheinlich daran. Demnach waren seit den Megaanschlägen in New York und Washington 8. waren die Kameras angeblich komplett ausgefallen (vgl. sofern er dies überhaupt erfährt. Einwohnermeldeämtern und Ausländerregistern anhand festgelegter Rasterkriterien und Verdächtigenprofile miteinander. Dabei vergleichen die Landeskriminalämter personenbezogene Daten von Universitäten. dass Ihr Name auf dieser Liste gestanden hat. wo sie ihre Höllenmaschinen deponiert haben sollen.«21 Wenn Sie demnächst an irgendeinem Grenzübergang festgenommen und nach Afghanistan verschleppt werden. Das BKA legte im Jahr 2004 eine Zwischenbilanz über die Rasterfahndung in allen Bundesländern vor.3 Millionen personenbezogene Datensätze ausgewertet und 19 000 Prüffälle ausgemacht worden.

dass Großbritannien bislang seine nationale Liste terroristischer Verdachtsfälle nicht an Interpol weitergebe . »Er warf ihnen vor. dass die britischen Grenzbehörden einerseits bei ihren Einreisekontrollen bislang nicht systematisch Passdaten mit den Fahndungslisten und den Listen gestohlener Pässe von Interpol verglichen. Während Großbritannien der europäische Vorreiter bei der Überwachung unschuldiger Bürger ist .2 Millionen Videokameras.und hertransportiert. 218/219). dass jeder einzelne im Antiterrorismus-Kampf Einschränkungen der persönlichen Freiheit und Bequemlichkeit hinzunehmen hat.. Auf keinem einzigen Flughafen fiel das Gefahrengut bei den Kontrollen auf. hätten also freie Hand zur Ausführung 309 . Außerdem sei zu bedauern. Nur: Im Oktober und November 2006 wurde hochgiftiges und radioaktives Polonium auf verschiedenen innereuropäischen Flügen hin.Das schlagendste Beispiel für die Sinnlosigkeit der neuen Gesetze sind die verschärften Bestimmungen für das Handgepäck. Seither sind die Prozeduren beim Check-In wesentlich verschärft worden. das beim tödlichen Anschlag auf den russischen Dissidenten Alexander Litwinenko in London verwendet wurde. Aus diesem Versäumnis erwachse die größte terroristische Bedrohung für die gesamte Welt. die in Großbritannien als Verdächtige geführt wurden. jeder Brite wird Tag für Tag 300 Mal gefilmt -. Flüssigkeiten. Jene. Noble. Ronald K. die die Europäische Kommission den Fluggesellschaften nach vermeintlichen Anschlagsversuchen auf britische Transatlantikmaschinen im Sommer 2006 auferlegt hat (vgl.. s. Cremes und selbst Medikamente dürfen nur in Kleinmengen mitgebracht und müssen in Plastikbeuteln vorgezeigt werden. So werden die Reisenden bei jedem Flug daran erinnert. öffnet man den Terroristen weiter Tür und Tor. Schwere Anschuldigungen gegen die britischen Behörden erhob im Juli 2007 der Generalsekretär von Interpol.auf der Insel gibt es 4. also etwa eine pro 14 Einwohner.

Aufmerksam hilft er vielleicht einer alten Dame über die Straße. auch in Deutschland. die Eroberung der Welt durch den Islam.J. die hier in Frieden aufwachsen. Sie verbergen sich. Das Gefährlichste daran: Sogar Kinder von Einwanderern.von Anschlägen in anderen Ländern. Weder dem braven Asyl-Studenten. Die »Bild«-Zeitung schrieb im August jenes Jahres: »Der Dschihad. Parallel mit der Durchsetzung der Antiterrordatei wurde im Sommer 2006 das Feindbild Islam neu konturiert. rauschebärtige Radikalinskis (»Hassprediger«) gelten seither als gefährlichste Bedrohung.. mitten unter uns. lassen sich vom Bazillus anstecken. wie bisher.ein Student wie jeder an der Uni. hetzen Politiker und Medien gegen die breite Masse der Moslems. Wagner: »Wir werden uns in Zukunft daran gewöhnen müssen. Nicht mehr. der Heilige Krieg gegen die Ungläubigen. niemandem zu vertrauen.«25 Und nach der Enttarnung der angeblichen Kofferbomber hieß es in »Bild«: »Das Böse kommt ganz harmlos daher: Das Klischee vom irren Vollbart-Terroristen gehört längst ins Erinnerungsalbum der Fahnder! Der Attentäter von heute kann der junge Mann mit deutschem Pass von nebenan sein . sondern völlig unauffällige Nachbarn oder Kommilitonen. ist eine tödliche Bedrohung. 310 .«26 Und an einem anderen Tag schrieb Springers Briefkastenonkel F. wie es in Kapitel 2 und 11 dokumentiert wurde. sie müssten als >Soldaten Allahs< Feinde vernichten. als unsichtbare Bomben.«24 Das passt freilich zu dem Verhalten der britischen Behörden gegenüber dem Londoner Terroruntergrund. die mit diesen Extremisten gar nichts zu tun hat.. mit jedem Tag mehr . Feindbild Islam Während die Geheimdienste die schlimmsten Dschihadisten gewähren lassen oder gar verdeckt mit ihnen zusammenarbeiten.

folgende Überlegungen: »Es geht nicht mehr um die Erhaltung der Ordnung nach gesellschaftsinternen Irritationen. Strafrechtsprofessor Günther Jakobs veröffentlichte im Jahr 2000. sondern es geht um die Herstellung erträglicher Umweltbedingungen dadurch.. die nicht die kognitive Mindestgarantie bieten. die nötig ist. wo sie nachts hingehen und beten.? Ist Feind jeder.«28 Heribert Prantl.«27 Je weniger man eine terroristische Struktur unter den hiesigen Moslems nachweisen kann. also bereits vor 9/11.. Systemwechsel Einschlägige Juristenkreise fordern bereits eine grundsätzliche Revision der Rechtsgrundlagen. umso mehr gilt das als Beweis. bei dem Hopfen und Malz verloren zu sein scheinen? Und wer beurteilt das? Und für wie lange gilt diese Beurteilung?«29 Prantl befürchtet angesichts des immer weitergehenden 311 .dem Döner-Koch und dem Kellner mit seinen arabischen Augen.. dass alle uns irgendwie bedrohen könnten. Ich weiß nicht. wie man sie seit den dreißiger Jahren nicht mehr gelesen hat. Muhamad in der Döner-Kneipe. fragt erschreckt: »Und wer ist als Feind kaltzustellen? Nur Terroristen? Oder auch die jugendlichen Schläger vom Münchner U-Bahnhof Arabellapark. Ich weiß überhaupt nichts von meinen muselmanischen Mitbürgern. kaltgestellt werden. Es bereitet mir Unbehagen. das liberale Sturmgeschütz der »Süddeutschen Zeitung«. Haben sie zwei Gesichter? Ich habe Angst vor ihren Augen.. Das ist die Feinderklärung an eine inländische religiöse Minderheit. meine Freunde von gestern zu umarmen. die >Scheiß Deutscher* brüllten und einen Rentner zusammengeschlagen haben? Auch die jungen Neonazis. dass alle diejenigen . um sie praktisch aktuell als Personen behandeln zu können. die den Türken Brandsätze in die Wohnung werfen . Ali in der Paris-Bar.

Weit vorangeschritten ist bereits die Vorbeugehaft.30 Habe bisher die Aufgabe der Justiz darin bestanden. umso mehr ist dem Staat erlaubt. der etwa gegen polizeibekannte Hooligans im Vorfeld von Fußballspielen praktiziert wird. der muss mögliche Täter auf bloßen Verdacht hin hinter Gitter setzen und aus potenziellen Zeugen sachdienliche Aussagen herausfoltern. So wurde die Möglichkeit der Sicherungsverwahrung. Die immanente Logik der Prävention führt geradewegs zu diesen Maßnahmen: Wer eine Straftat bereits im Vorfeld verunmöglichen will. Straftaten vorzubeugen. Nach ihren Bestimmungen können Personen auch nach Verbüßung ihrer Haftstrafe hinter Gittern gehalten werden. Das neue System schleift die moralischen und politischen Grenzen des liberalen Zeitalters. wenn keine Haftgründe vorliegen. Demnach können Verdächtige bis zu 14 Tage ohne jede richterliche Genehmigung hinter Git- 312 . »Je weiter eine konkrete Tat entfernt ist. doch Prantl macht darauf aufmerksam. um sie zu verhindern«. Festgenommene »unverzüglich«.31 Neben der Sicherungsverwahrung gibt es seit 1986 den polizeilichen Unterbindungsgewahrsam. Straftaten zu ahnden. in der Bundesrepublik trotz Anläufen in der Ära Willy Brandt nie revidiert. so gehe es nun darum. Doch die Rechtswirklichkeit entspricht der Verfassungsnorm längst nicht. Eigentlich müssen. eine Erfindung der NS-Justiz.vom Rechtsstaat zum Präventionsstaat. so gebietet es das Grundgesetz in Artikel 104. Es enttabuisiert das willkürliche Wegsperren.Abbaus von Grundrechten einen Systemwechsel . spätestens »am Tage nach der Festnahme«. Gerechtfertigt wird dies mit Verweis auf serielle Sexualstraftäter. dem Richter vorgeführt werden. die Folter und die Todesstrafe. eine »Regression des Rechts von historischem Ausmaß«. dass diese nur einen Teil der insgesamt 375 für immer Weggeschlossenen (Stand 2006) stellen. und dieser hat umgehend die Freilassung anzuordnen. skizziert Prantl die Grundregel der neuen Ordnung.

der über elektronische Fußfesseln überwacht wird. Im Fachjargon der Terroristenjäger spricht man von Rettungsfolter. scheiterten aber an Widerständen in der Labour-Partei und im Oberhaus.33 In Bezug auf die Folter trieb Horst Dreier.32 Daneben gibt es auf den britischen Inseln noch die Möglichkeit zum Hausarrest. juristisch dagegen vorzugehen. dass Leben und Menschenwürde eines Verbrechensopfers nur noch gerettet werden können. Dort gaben die Gesetze ab 1974 der Polizei nur die Möglichkeit zum siebentägigen Einsperren ohne richterliche Genehmigung. dürfe der »Rechtsgedanke der rechtfertigenden Pflichtenkollision nicht von vornherein auszuschließen sein«. demonstriert kein anderer als Bundes- 313 . ist nicht geeignet. Großbritannien hat Deutschland auf diesem Weg mittlerweile überholt. Nach dem 11.ter gesetzt werden. Der Jurist skizzierte in einem Grundgesetzkommentar die hypothetische Zwickmühle. September 2001 wurde der Zeitraum auf 14 Tage verdoppelt (was dem deutschen Gesetz entspricht) und 2006 kam die nochmalige Verdoppelung auf 28 Tage. wenn die Polizei in die Menschenwürde des potenziellen Verbrechers eingreift. und der Betroffene hat keinerlei Möglichkeit. In solch einer Konstellation. Die Regierungen von Tony Blair und Gordon Brown versuchten in mehreren Anläufen.« Dreier verzichtete nach der heftigen öffentlichen Debatte auf seine Kandidatur für das höchste Richteramt. ein Würzburger Hochschullehrer und im Frühjahr 2008 von der SPD als Richter am Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen. sogar eine 90-tägige Frist durchzusetzen. Recht zu sprechen.34 Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisierte zu Recht: »Wer Folter relativiert und den Schutz der Menschenwürde infrage stellt. Dieser Arrest wird ohne Befristung verhängt. Seit Juni 2008 dürfen Verdächtige 42 Tage in U-Haft gehalten werden. die Debatte voran. Wie schnell man bei Überlegungen zur Einführung der Todesstrafe landet. ohne dass sie dagegen Rechtsmittel einlegen können. so Dreier.

. dass wir uns die verbleibende Zeit auch noch verderben. Die Amerikaner würden ihn (bin Laden) exekutieren und die meisten Leute würden sagen: Gott sei Dank . Bundesinnenminister unter Kanzler Helmut Schmidt.innenminister Schäuble. Wir sollten versuchen. Diesmal ging es ihm um einen Anschlag mit schmutzigen Atombomben: »Viele Fachleute sind inzwischen davon überzeugt. Mit den Festnahmen der angeblichen Wasserstoffperoxid-Bomber Anfang September 2007 jedoch (vgl. Zudem will Schäuble im Grundgesetz klären.. wann ein solcher Anschlag kommt. und Rechtsgrundlagen schaffen. um besser gegen Sympathisanten terroristischer Netzwerke vorgehen zu können. solche Fragen möglichst präzise verfassungsrechtlich zu klären. wenn wir es nicht anpassen würden. unter welchen Bedingungen der Staat Terroristen gezielt töten darf. Die Nachrichtenagentur AP meldete Anfang Juli 2007: »Der CDU-Politiker sprach sich am Wochenende für eine Internierung von Gefährdern und den Straftatbestand der Verschwörung aus.«35 Schäuble setzt sich durch Der Vorstoß des radikalen Badeners stieß zunächst auf erhebliche Kritik. setzt er nach: »Es hat keinen Zweck.«36 Das bestätigt das vernichtende Urteil.. über seinen Amtsnachfolger Schäuble fällte: »Er beschuldigt seine Kritiker der Hysterie und erzeugt zugleich eine hysterische Anti-Terror-Angst im Lande. gerade bei solchen zentralen Fragen. die uns die nötigen Freiheiten im Kampf gegen den Terrorismus bieten.. weil wir uns vorher schon in eine Weltuntergangsstimmung versetzen. nicht mehr. dass es nur noch darum geht. Kapitel 15) wendete sich das Blatt. das Gerhart Baum (FDP).« Und als ob das nicht schon Horror genug wäre. Schäuble konnte sich als erfolgreicher Fahnder profilieren und nutzte die Publicity für weitere Angstmache. ob. um 314 .« Originalton Schäuble: »Das Grundgesetz würde doch zerbrechen.

Die »Otto-Kataloge« wurden als Lehre aus dem 11.40 Im Ergebnis hat die von der »Operation Alberich« im Jahr 2007 entfachte Terrorparanoia innerhalb weniger Mo- 315 . still und leise haben sie zur Überraschung von Freund und Feind den Großen Spähangriff in den Entwurf des BKAGesetzes gemogelt.. die Vorratsdatenspeicherung mit dem 11. Nach den Festnahmen von Oberschledorn im September 2007 kam der nächste Streich. Einziger Vorbehalt: »Ermittler dürfen . kann auch über E-Mails eingeschleust werden.«37 Alle gesetzlichen Verschärfungen der letzten Jahre wurden im Windschatten großer Terrorplots mit Geheimdiensthintergrund durchgesetzt.den Weg für seine Vorschläge frei zu räumen. »Noch vor Tagen gaben sich die Sozialdemokraten knallhart in der Ablehnung neuer Instrumente zur Terror-Abwehr. März 2004 in Madrid und die gemeinsame Antiterrordatei als Konsequenz aus dem Anschlagsversuch der sogenannten Kofferbomber 2006 verkauft. auf Wunsch der SPD nicht in die Wohnung eines Verdächtigen eindringen. hieß es etwa auf »Spiegel Online«.« kommentierte die »Süddeutsche«.«39 Das braucht es auch gar nicht: Die entsprechende Software. Die SPD ging sofort nach der erfolgreichen Polizeiaktion in die Knie.. um Spähprogramme auf Computern zu installieren. September 2001 ausgegeben. »Heimlich. der sogenannte Bundestrojaner. OnlineDurchsuchungen zu erlauben. Das erinnert mich an die Situation in den USA nach den Anschlägen in New York und Washington. Doch nach den gestrigen Festnahmen von drei mutmaßlichen Attentätern bröckelt die Front«. Die sozialdemokratische Bundesjustizministerin Brigitte Zypries einigte sich mit Schäuble darauf. Gleichzeitig beschlossen die Parteien der Großen Koalition die Ergänzung des Großen Lauschangriffs (siehe oben) durch die optische Wohnraumüberwachung.38 Mitte April 2008 brach der Widerstand der SPD zusammen.

eine Seifenblase. n. n. Peter Schaar. Chalmers Johnson.«41 Anmerkungen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 siehe: www. desto massiver muss die Drohung mit dem Unheil sein. dass er rechtzeitig gewarnt hat. Welt. Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie. Der Weg in die Überwachungsgesellschaft. das im Falle eines Falles über uns kommt. FAZ 4. Ein hinreichend hohes Risiko aber entwaffnet das Verfassungsgericht.de/deutschland/artikel/774/108666/. Nancy Chang.de/AFP. in der Hand haben. Rushing offa Cliff. Und behält er recht mit seinen Szenarien. Agenten fuhren Mädchen aus Schulunterricht ab. Das erwünschte Ergebnis . um die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags zu begründen. Deutschlandfimk 4. München 2007. Michael Kleff (FN 5).2006. 316 . NYT 28. S. 46f. S. Selbst »Spiegel Online«. z. 11. Norman Mailer. wenn ein fantasiebegabter Ermittler sich nur hinreichend düstere >Sorgen< macht.10.9. n. Michael Kleff. werden alle ihn loben. Welt 14.2006.ein hohes Risiko ist also polizeirechtlich einwandfrei zu erzielen. George Soros. Johanna Adorjan.eine Seifenblase. S. das den Hysterikern nur zu oft eine Plattform bot.sueddeutsche. Bekommt er aber unrecht. Ich glaube an Jack Bauer. München 2004. München 2004. »Es droht eine Form von Faschismus«. werden ihn alle loben.2007..nate zu bedeutendem Terraingewinn für die Big-BrotherFraktion in der Bundesregierung geführt.9.2006. Editorial Desk. George Soros.1. 399. >Sorgen< lassen sich nicht so einfach widerlegen. Denn welche Maßnahme ist dann noch unangemessen? Das Spiel mit dem Entsetzen ist gefährlich für den Rechtsstaat. 47. München 2003. Die Weltherrschaft der USA . Aber es ist vollkommen ungefährlich für den Innenminister. warnte angesichts der Entwicklung: »Je weniger die Ermittler . z. S. Greenpeace Magazine 2/2003. How Democracy Dies. Das Ende der Privatsphäre. z. Die Weltherrschaft der USA .. Furcht vor schleichendem Rechtsruck. weil er die Bürger vor dem Schlimmsten bewahrt hat.

E-Mail und (gelbe) Post. FAZ 11. S.10. 85f.9. Heribert Prantl (FN 28).. The British War on Terror. Der Terrorist als Gesetzgeber. 67.8. 118. Berndt Georg Thamm (FN 19). Sie nehmen uns als Geiseln. S.7.2007.2007. n.9. Sie Bombenleger im Ballack-Trikot. heise news 11. in 439 000 Fällen Überwachungsmaßnahmen fiir Telefonkommunikation. 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 317 .8. Heribert Prantl (FN 28). Terrorgefahr aus dem Nichts.8. Schuldsprüche im Londoner Terrorprozess. 13 zum Vergleich die britischen Zahlen: »In einer 15-monatigen Frist von 2005 bis 2006 beantragten Polizei und Geheimdienste . AP/baz 8. vgl.. Einar Koch. 128f. 10. Spiegel Online 18. Heribert Prantl (FN 28). Innenminister billigen OnlineDurchsuchung. S.8.7.2007. ssu/sev/hen/AP/dpa/Reuters. Günther Lachmann. vgl. 236f. Deutschlands Angstmacher. S. Peter Schaar (FN 3). Juli 2007.1. Steve Hewitt (FN 13). Spiegel Online 17.2006. S. Wie man mit Angst Politik macht.. S. Heribert Prantl (FN 28).4. Die wahre Macht der Geheimdienste. z. 150f. 134. 130.12 Udo Ulfkotte. London 2008. 102. S. Florian Rötzer. 210f. Peter Schaar (FN 3). 312. Peter Schaar (FN 3). Peter Schaar (FN 3). 154. S. Christoph Hülskötter. Der Krieg im Dunkeln. S. Schäuble und Jung spielen mit dem Entsetzen. Peter Schaar (FN 3). 151f. Heribert Prantl. München 2004. 243. Lt. vgl. S. ssu/sev/hen/AP/dpa/Reuters (FN 39).2005.2007.2007. Wagner. Terrorbasis Deutschland. S. Peter Schaar (FN 3).2008. Spiegel Online 6. vgl. München 2008. Terrorism And Counter-Terrorism on the Home Front since 9/11. a. Frankfurt am Main 2006. S. Großer Lauschangriff wird immer kleiner. S. n. SPD-Politiker schwenken auf neuen Kurs. Bald eine Million Namen auf der US-Terrorliste. Die islamistische Gefahr in unserer Mitte. 116f. telepolis 25.html.« Steve Hewitt. S. Bild 21. F. Steve Hewitt (FN 13). S. Stefan Krempl/u. z. n. Thomas Darnstädt.n.2006. siehe: http://stern. Welt 14.2006. Bild 22. J. Deutschland: Schäuble will Tötung von Terroristen erlauben. vgl. flo/cvo/dpa/ddp/AP/Reuters. Berndt Georg Thamm. z. S.. Bild 11. 52 ff. 46f.2005. S.de/politik/deutschland/:Gerhart-Baum-TerrorAngst-Denken/592798. z.

In Deutschland wurden seit der Kampagne um die sogenannten Kofferbomber 2006 und die sogenannten Wasserstoffperoxidbomber 2007 weit reichende Gesetzesvorhaben beschlossen oder auf den Weg gebracht. die bisher ohne Beispiel ist«. die alles sammeln. auf ihrem Computer oder in ihrer Wohnung äußern. Die parlamenta- 318 . Damit wäre es zumindest de jure möglich. an denen V-Leute der Sicherheitsapparate beteiligt waren. September 2001 radikale Einschränkungen bürgerlicher Freiheitsrechte. über Internet. Fluchtpunkt ist die Installierung einer Geheimen Datenpolizei. Kapitel Die Putschisten Deutschland ist auf dem Weg in eine Notstandsdiktatur Das Zusammenspiel zwischen Terroranschlägen und Terrorplanungen. ermöglichte in vielen westlichen Ländern seit dem 11. Videoüberwachung und Auto-Kennzeichenerfassung ermöglichen die Erstellung von Bewegungsprofilen und Kontaktnetzen. was die Bürger am Telefon. (Der frühere Generalbundesanwalt Kay Nehm)1 18. mit Bild und Ton speichern und verwerten darf. Big Brother weiß alles über uns.Sollte es in Deutschland einen Terroranschlag geben. Aber die Extremisten in der CDU/CSU arbeiten bereits an der Abschaffung dieser Möglichkeit. durch die Wahl verantwortungsbewusster Politiker und Parteien einen Kurswechsel einzuleiten. die dieselben Sicherheitsapparate mit Hilfe der Medien orchestrierten. und einer Terrorhysterie. »werden wir eine Hysterie erleben. Immerhin gibt uns die Verfassung noch das Recht. unsere Parlamente und damit die Regierung zu bestimmen. Biometrische Personaldokumente.

Krieg ist Frieden Die »Sicherheitsstrategie für Deutschland«. (Die Passage aus dem Entwurf taucht in der Endfassung nicht mehr auf. Die Kriegseinsätze im Ausland sollen erheblich ausgedehnt werden. Durchgehende Leitlinie der Überlegungen ist. »Angesichts der steigenden Anzahl von Krisen. Heute ist der transnationale Terrorismus die größte Gefahr für die Sicherheit unseres Gemeinwesens. Mit George Orwell gesagt: Krieg ist Frieden.« Die Notwendigkeit dieses Umbruchs wird so begründet: »Die Sicherheit unseres Landes ist heute völlig anderen. aber nicht minder gefährlichen Bedrohungen ausgesetzt als zu Zeiten des >Kalten Krieges<. die sich negativ auf unser Land auswirken können. ist die bisher deutlichste Blaupause für diese Strategie.rische Demokratie soll ausgehebelt und durch eine Notstandsdiktatur ersetzt werden. 319 .« Damit werden das Phantom Al Qaida und islamistische Gruppen als noch größere Bedrohung dargestellt als früher der Warschauer Pakt und die kommunistische Bewegung. und Frieden ist Krieg. was auf starke Proteste selbst beim Koalitionspartner SPD zurückging. ein von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Mai 2008 beschlossenes und auch von der Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstütztes Konzept. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Staat und Gesellschaft müssen sich noch stärker verpanzern als im Kalten Krieg. aber nichts mit einem Sinneswandel der CDU/ CSU-Autoren zu tun hat).2 Und weiter: »Die Erhöhung der Wehrhaftigkeit Deutschlands nach außen wie nach innen muss sich auch organisatorisch in der deutschen Sicherheitsarchitektur niederschlagen. dass »die bisherige Trennung von innerer und äußerer Sicherheit oder von Kriegszustand und Friedenszeit nicht länger aufrechterhalten« werden kann.

Förderanlagen etc. Pipelines. Bereits heute sind angesichts des weltweit stark wachsenden Energie.2001.« Weiter heißt es: »Operieren terroristische Netzwerke von schwachen Staaten aus oder nutzen sie diese als Rückzugsraum wie zum Beispiel in Afghanistan vor dem 11. Auch an der »Raketenabwehr« der USAmerikaner müsse sich die Bundeswehr beteiligen . »Einsätze sind ..9. vorbereiten. vor allem aus Russland.. im Rahmen der kollektiven Beistandsverpflichtung in NATO oder EU.muss sich Deutschland auf weitere.ein Hinweis auf die entsprechenden US-Planungen. Die Herstellung von Energiesicherheit und Rohstoffversorgung kann auch den Einsatz militärischer Mittel notwendig machen.« Weiterhin pocht die Union auf die »nukleare Teilhabe« ..also die Ausrüstung von deutschen Flugzeugen und Raketen mit Atomwaffen.« Aber auch zur Rohstoffsicherung muss notfalls geschossen werden: »Im Jahr 2030 werden über zwei Drittel des Energieverbrauches in Europa durch Einführen gedeckt werden müssen. die bis dato nur Abschussbatterien in Polen vorsehen. länger andauernde Einsätze der Bundeswehr.. kann auch der Einsatz von Streitkräften zur Terrorismusbekämpfüng erforderlich werden. der Golfregion und Nordafrika.und Rohstoffbedarfs. zum Beispiel zur Sicherung von anfälligen Seehandelswegen oder von Infrastruktur wie Häfen. auf der Grundlage eines Mandats der Vereinten Nationen oder auch ohne ein solches Mandat in Wahrnehmung des Selbstver- 320 . die bis zum Einsatz der US-Kontrolle unterliegen. Terrorismus oder gewaltsame Konflikte in Lieferländern können unsere Versorgung mit Energie und Rohstoffen gefährden und unserer Wirtschaft Schaden zufügen. Krisenhafte Entwicklungen. Engpässe. Auf Völkerrecht und UNO wird keine Rücksicht mehr genommen. insbesondere in China und Indien. zur Friedensstabilisierung und zur Friedenserzwingung. Ressourcenkonflikte und -Verteuerung zu erwarten.

plädiert die Union zur Abwehr von Vergeltungsaktionen für die innere Militarisierung unter dem Stichwort »vernetzter Heimatschutz« . wenn eine Entscheidung des Deutschen Bundestages nicht rechtzeitig herbeigeführt werden kann.eine Referenz an die bisher in der Bundesrepublik ungebräuchliche Formulierung »Homeland Security«. Kommunikation und Bewegung von Terrorgruppen können geplante Anschläge aufgedeckt und verhindert werden.eine Anspielung auf das neue 321 . ist für Deutschland keine reale Option. um die Anfälligkeit der kritischen Infrastruktur zu reduzieren. »Durch Maßnahmen zur Verhinderung der Finanzierung. Dazu gehören auch die Befugnisse des Bundeskriminalamts zur bundesweiten Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus« . der Eindruck von Schwäche würde terroristische Netzwerke noch gefährlicher machen. Parallel dazu müssen hierzulande weiter Vorkehrungen getroffen werden. September 2001 ein eigenes Super-Ministerium geschaffen. Die Union leugnet diesen auf der Hand liegenden Zusammenhang und postuliert trotzig: »Die Gefahr von terroristischen Anschlägen durch außenpolitische Zurückhaltung zu mindern. Unter diesem Titel hat die BushAdministration nach dem 11.«3 Homeland Security Die Intensivierung weltweiter Militäreinsätze mit deutscher Beteiligung lässt Vergeltungsaktionen auf deutschem Boden befürchten.« Das Parlament wird in der Frage von Krieg und Frieden ausgeschaltet: »Die Bundeswehr muss als Teil eines multinationalen Eingreifverbandes zur militärischen Krisenbewältigung auch dann kurzfristig einsatzfähig sein.teidigungsrechts entsprechend Artikel 51 oder in Verfolgung der Ziele der Charta der Vereinten Nationen (humanitäre Intervention) möglich.« Da außenpolitische Zurückhaltung nicht gewünscht ist.

und entwicklungspolitische Maßnahmen zu überführen. Dort heißt es. Allerdings muss dieser Bedarfsfall mit Zweidrittelmehrheit 322 . die Bundesregierung könne im Bedarfsfall »Streitkräfte zur Unterstützung der Polizei und der Bundespolizei beim Schutz von zivilen Objekten und bei der Bekämpfung organisierter und militärisch bewaffneter Aufständischer« (Artikel 87a Abs. Nachrichtendiensten und Entwicklungsinstitutionen sind in präventive.BKA-Gesetz mit der Lizenz zum Großen Spähangriff auf Privatwohnungen und für Online-Durchsuchungen. »In besonderen Gefährdungslagen muss ein Einsatz der Bundeswehr im Innern mit ihren spezifischen Fähigkeiten im Katastrophenschutz sowie bei der Bewältigung terroristischer Gefahren ergänzend zu Länder. An die Stelle des Parlaments tritt im Krisenfall der Nationale Sicherheitsrat unter Vorsitz des Kanzlers bzw.und Bundespolizei im Rahmen festgelegter Grenzen möglich sein. sicherheits. Seine Aufgabe ist »die umfassende. Die verschiedenen Informationen zu sicherheitsrelevanten Veränderungen aus Auslandsvertretungen.« Die Notstandsdiktatur Das ständige Trommeln der Union für Bundeswehreinsätze im Innern verwundert auf den ersten Blick. bedeutet das also bei Gefahr im Verzug auch das »präventive«. Bei diesen Uniformierten geht es nicht nur um die Polizei. auf Deutsch: »vorbeugende« Zuschlagen von Uniformierten. Ressort übergreifende Analyse möglicher Bedrohungen für die innere und äußere Sicherheit. zeitgerechte und zielgerichtete außen-. 4 GG) einsetzen. der Kanzlerin. denn solche Einsätze sind nach Maßgabe der 1968 verabschiedeten Notstandsgesetze bisher schon möglich.« Man beachte das Wörtchen »präventiv«: Wenn im Weiteren von der »Einleitung geeigneter Abwehrmaßnahmen und Notfallplanungen« sowie dem »Einsatz von Heimatschutzkräften« die Rede ist.

im aktuellen Fall: einer einzigen Frau . Weiterhin heißt es in Artikel 87a einschränkend: »Der Einsatz von Streitkräften ist einzustellen. »Auf den Kanzler kommt es an. »Wird 323 . bereits im Januar 2006 geäußert hat. Leiter der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. wenn der Bundestag oder der Bundesrat es verlangen.« Warum reichen den Unionisten nicht einmal diese 1968 eingeführten Möglichkeiten? Ist ihnen lästig.vom Bundestag (oder dem Gemeinsamen Ausschuss. wie 2008 die Union in ihrem gerade zitierten Strategiepapier. beim Kanzler liegen. dass sie nur mit einer parlamentarischen Zweidrittelmehrheit . was in letzter Konsequenz im deutschen Interesse liegt und welche Opfer dafür geboten sind. die Befehls. dann sollten die Grundfragen der nationalen Existenz. »Es spricht Vieles ...in Kraft treten können? Dafür sprechen die Überlegungen. dem Kanzler zu übertragen..also mit Zustimmung von zumindest Teilen der Opposition .« Und wann wäre dieser Fall gegeben? Laut Adam nicht nur bei einem kriegerischen Angriff auf das deutsche Staatsgebiet. einer Notfallvertretung.. die Frage Krieg und Frieden.legen. die in den letzten Jahren allesamt in Berlin angesiedelt worden sind. die Rudolf Georg Adam. in der die Parteien im selben Proporz vertreten sind) festgestellt werden.. den militärisch relevanten Kriseneinsätzen . des Bundesnachrichtendienstes und des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums bündeln. Der frühere BND-Vize und Redenschreiber von Bundespräsident Richard von Weizsäcker plädierte damals. Er soll die Kompetenzen des Bundeskriminalamtes..und Kommandogewalt nicht nur beim klassischen Verteidigungsfall.« Dasselbe soll auch im Falle eines Terrorangriffs auf deutschem Boden gelten. sondern auch bei. dafür. die Bestimmung. Im Unterschied zum weitgehend machtlosen Bundessicherheitsrat soll er bei Bedarf die Macht in die Hände eines einzigen Mannes . für die Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrates.

Der Dritte Weltkrieg war verhindert worden. Da zog der Präsident die Notbremse und einigte sich mit seinem sowjetischen Amtskollegen Nikita Chruschtschow in letzter Minute auf beiderseitige Abrüstung. zugeben. dass offenbar die NATO am 12. Man muss . Brüssel gegen Karlsruhe Für die Installation eines Nationalen Sicherheitsrates mit diesen Kompetenzen bräuchte es eine Grundgesetzänderung. Wie das abläuft.«4 Da der Nationale Sicherheitsrat auch in der CDU/CSU-Strategie präventiv tätig werden soll (siehe oben). Die Falken im Beraterstab plädierten mehrheitlich für Luftangriffe oder gar für eine Bodeninvasion..in einem Terroranschlag das Bundesgebiet angegriffen? Die USA haben diese Frage bejaht und den >war on terrorism< ausgerufen. und die kann nur mit Zweidrittelmehrheit im Bundestag beschlossen werden. Wie eine Kanzlerin Merkel im Falle eines Falles handeln würde. alle Macht lag bei der Exekutive. Wahr- 324 . 315) macht wenig Hoffnung. weil der einsame Mann an der Staatsspitze klüger war als der Nationale Sicherheitsrat. September 2001 ähnlich gedacht haben muss.Warnung vor einem Anschlag alle Macht an sich ziehen. steht in den Sternen. Ist auf das Nein der SPD Verlass? Das Einknicken der Sozialdemokraten beim neuen BKA-Gesetz (vgl. könnte er nach diesen Vorstellungen bereits bei der . S. In der Stunde der Gefahr schien keine Zeit mehr für Beratungen und Abstimmungen im Kongress. Die gewählten Volksvertreter jedenfalls hatten bei der Kubakrise nie etwas zu melden. lehrt ein Blick auf die Kubakrise 1962: US-Aufklärungsflugzeuge hatten sowjetische Raketen auf der Zuckerinsel entdeckt. Kennedy berief das Executive Committee des Nationalen Sicherheitsrates ein. als sie Artikel 5 des NATO-Vertrags anrief und in Kraft setzte.echten oder erfundenen . John F..

dass damit eine letzte Bastion.so lässt sich vermuten keine Träne nachweinen. »SZ«-Redakteur Heribert Prantl schreibt zu Recht: »Solange es der Politik nicht gelingt. hätte ein Widerspruch aus Karlsruhe keine Blockadewirkung mehr. Der Christdemokrat Willy Wimmer.. Wenn die EUInstanzen aus irgendwelchen Gründen die Mitgliedstaaten verpflichten. Der Vorstoß wird über Brüssel vorgetragen: Der neue EU-Vertrag. In den nächsten Jahren werden wir Zeugen eines Machtkampfes werden. gibt es gute Hoffnung. die das Inkrafttreten verzögern könnte. Allerdings ist noch eine Verfassungsklage des CSU-Abgeordneten Peter Gauweiler anhängig. »In Karlsruhe steht ein deutsch-europäischer High Noon bevor«. macht die Aushebelung der nationalen Gesetzgebung und Rechtsprechung über die EU-Ebene jederzeit möglich. die Karlsruher Wächter kalt zustellen. kommentierte Prantl. Haben sich doch die Karlsruher Richter zu offensichtlich als Hemmschuh für selbstherrliche Vorgehensweisen der Exekutive.scheinlicher ist da schon. warnt verzweifelt: »Jeder kann sich ausrechnen. erwiesen.7 In jedem Fall wird die vollständige Entmachtung der deutschen zugunsten der EU-Institutionen noch eine Zeit lang dauern. im darauf folgenden Monat auch vom Bundesrat verabschiedet. das Verfassungsgericht zu usurpieren. dass das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe sich querlegt. wie so oft in den vergangenen Jahren. nach dem Entstehungsort auch als Lissaboner Vertrag bezeichnet. Der damit einhergehenden Bedeutungsminderung des höchsten deutschen Gerichts wird mancher in Berlin . einer der wenigen besonnenen CDU-Bundestagsabgeordneten. im selbst definierten Krisenfall alle Macht auf Notstandsinstitutionen wie einen Nationalen Sicherheitsrat zu übertragen. geschleift wird.«5 Allerdings wird mit Macht daran gearbeitet. die sich Verfassungsverstößen in den Weg stellte.«6 Der Lissaboner Vertrag wurde im April 2008 vom Bundestag.. in dem die Karlsruher Rich- 325 .

wenn hinterher in Grauzonen gehandelt wird. darf sich nicht wundern.ter und Verfassungspatrioten aller Parteien versuchen werden. Um das Kräftegleichgewicht zu ihren Gunsten zu verändern. Ende<. Die Putschtruppen Die Springer-Zeitung »B. Verfassungsschutz. auch mit schmutzigen Methoden zu arbeiten. die 16 Landeskriminalämter. Über Funk meldet sich ein Mann mit arabischem Akzent: >Das Flugzeug ist in der Gewalt von El Tawhid. eine Kombi-Dienststelle aus Bund und Ländern. Wir werden die Maschine auf das Atomkraftwerk Grohnde stürzen lassen.« skizzierte im September 2007 ein Szenario für ein solches Handeln in Grauzonen: »12. die vor den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit sorgsam verborgen wird. Experten und Spezialisten aus 40 Behörden arbeiten hier zusammen.Z. die Durchsetzung eines diktatorischen Nationalen Sicherheitsrates zu blockieren.«8 Das darf man durchaus als Drohung verstehen. Bundespolizei und Militärischer Abschirmdienst. werden letztere nicht davor zurückschrecken. Von dort aus würden 220 Beamte in einem unscheinbaren Gebäudekomplex in (Berlin-) Treptow alarmiert. die sich um Bundesinnenminister Schäuble gruppiert haben. an Bundesregierung und BKA weitergeben. Dagegen steht die Gruppe der Verfassungsfeinde. unterstützt von den Politkommissaren in Brüssel und den Einflussagenten Washingtons. dass das Passagierflugzeug als lebende Bombe benutzt werden soll.«9 Wie ginge es dann weiter? »Die Flugüberwachung würde die Nachricht. Bundesnachrichtendienst. darunter Bundeskriminalamt. Zwischen Elsenstraße und Treptower Park sitzt das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ). sagte Schäuble: »Wer Tabus und Denkverbote aufstellt.15 Uhr auf dem Lufthansa-Flug LH 183 Tegel-Frankfurt. An die Adresse der Kritiker des Nationalen Sicherheitsrates gerichtet.« 326 .

»die im Fall eines übergesetzlichen Notstandes zur hundertprozentigen Befehlsausübung bereit sind«. »Wenn es kein anderes Mittel gibt. will Jung offensichtlich durch eigens instruierte Putschtruppen umgehen. »Gehen Sie davon aus. und zur Legitimation von einem unmittelbar bevorstehenden terroristischen Angriff sprechen. sagte er zur Erklärung. Eine »Befehlsverweigerung« im Falle eines Abschussbefehls für Flugzeuge sei auf Grund der Vorabsprachen deshalb »nicht vorstellbar«. obwohl im Frühjahr 2006 ein gegenteiliges Urteil des Bundesverfassungsgerichts ergangen war. sobald sie es für richtig halten. aber ein realistisches . dass das alles besprochen ist«.Das Blatt schreibt: »Die Situation ist ein Szenario. für den Abschuss von entführten Passagiermaschinen plädiert.so die Einschätzung von Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU).12 Im Szenario der Extremisten braucht es keinen Bundestag. Handverlesene Bundeswehrtruppen werden auf Befehl des Verteidigungsministers jede Verschwörung zerschlagen. stellte der Offizier klar. um den Notstand zu sanktionieren. ebenfalls im September 2007. versicherte ein deutscher Offizier aus einer NATO-Luftverteidigungseinsatzzentrale Mitte September 2007 gegenüber der »Leipziger Volkszeitung«. die der Innenminister identifiziert hat. Dazu gehören sogenannte Alarmrotten der Luftwaffe im norddeutschen Wittmund und im süddeutschen Neuburg. die er außerhalb der Befehlskette der Armee aufgebaut hat.11 Die parlamentarische Kontrolle der Notstandsmaßnahmen. dass das Parlament eine gesetzliche Grundlage für den Bundeswehreinsatz im Innern oder die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrates beschließt. Offensichtlich entsprang der Vorstoß des Hessen keiner Unbedachtheit. Sie werden handeln. meinte er.«10 Der hatte nämlich. Um es deutlich zu sagen: Die Putschisten werden nicht darauf warten. sondern war kühl kalkuliert. würde ich den Abschussbefehl geben«. Die fre- 327 . die die Notstandsgesetze von 1968 vorsehen. Dort gebe es Offiziere.

5. sondern auch von den Liberalen.5.9. Berlin 7.2008 (Mitschrift. dass es in den Sicherheitsapparaten noch genug verantwortungsvolle Beamte gibt. Jung würde Befehl zum Abschuss geben.5.1. Die Verfassungsfeinde brauchen zur Durchsetzung ihrer Ziele die Terrorwarnung in Permanenz. S. Legislative und Judikative vor vollendete Tatsachen stellen. Arnold Schölzel.2007. B. Christiane Braunsdorf (FN 9).Ein nationaler Sicherheitsrat als strukturelle Lösung. Auf zum letzten Gefecht. Vortrag in Berlin am 13.2008. Heribert Prantl.Z.9. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 328 . Anmerkungen 1 z. irgendwann auch einen echten Anschlag. SZ 24.2008. Heribert Prantl.aspx CDU/CSU-Bundestagsfraktion (FN 2). Fortentwicklung der deutschen Sicherheitsagentur . sogar von den Getreuen Gauweilers in der Union und vom Bundeswehrverband. z. 211. Rudolf Georg Adam. Willy Wimmer. die einen neuen Reichstagsbrand verhindern. München 2008. Teilen der SPD. »Treptow.2008.che Tat soll ein juristisches Exempel statuieren. Hoffnung macht immerhin. Jung stellt Freikorps auf. Freitag 16. 22. und. S.5.bevor es zu spät ist. Der Terrorist als Gesetzgeber. Wolfgang Schäuble auf dem CDU/CSU-Kongress »Sicherheit in einer globalisierten Welt«. Entwurfsfassung im Besitz des Autors.2007. falls das nicht reicht.de 16. Notwendig wäre die Zusammenfuhrung dieser Opposition . dass entschiedener Protest nicht nur aus der Linken kommt.9.cducsu. Das verabschiedete Dokument im Wortlaut: www. focus. CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Berlin 6. Man kann nur beten. Sicherheitsstrategie für Deutschland.2007.) Christiane Braunsdorf. wir haben ein Problem«. n.2006. den Grünen.de/Titel_Themen_des_Tages/TabID ____ 1/SubTabID ___ 5/InhaltTypID ___ 4/InhaltlD _ 9735/Inhalte. Heribert Prantl (FN1). n. Wie man mit Angst Politik macht. 214. jW 19. Auch dieser Satz wurde in der Endfassung entschärft. Doppeltes Spiel.

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334 .

Robert 66.329 Böhringer.61.78.160. 276.244 Allen-Emrich.37f.110.111.115-" 117.201. Umberto 272f. Eric 268 Babington. Rudolf Georg 323.74. 302-304 Butt.. 274.171. Abdelmajid 178.57. Salaheddin 178 Bergen. Danny 196 Benali. Haroon Rashik 11.13f. 329 Berlusconi.Personenregister A. Madeleine 24.259f. Zbigniew 24 Buback.53.103 Benetton.97.52. 44. Niam 188 Belsten. Omar 11. Mathias 43. Silvan 31 Becker.88.298 Bush. Mohammed 100 Benyaich. Cate 15 Blunkett. Taisir 180f Amghar. Anthony 16-18 Baer. SadekWalid 111 Aznar. Robert 36 Ashcroft.329 Albright.329 Awaad.65.130. Silvio 138f. Shadi 241 Acaid. 61. Adley al 164f Aust. Ramzi 11. Mohamed Neeld 178. . Günther 248 B.180. Hassan 61 335 . 29-37.210f.211f Atta. Osama 7.144.208.70. 39 Ahmed.316 Becker.179. Ulf.329 Brzezinski.26. 92.43. Ivad 238. Djillali 99-101.108111.182 Boukhari. 279 Bouchar. 242.147.64f.224.113-128. 48.328 Ahmadinedschad Mahmud 15.63. 332f bin Mafouz.129. Khalid 33 Binalshibh. Jose Maria 176 Fikret 81 f B. 164.83f. 283 bin Laden.329 Allawi. Eline 119 Alluni. Nafeez Mosaddeq 26. David 53 Bodansky.78. Gilberto 273 Bennett (Deckname) 80 Bensakhria.314.211 Bauer jack 300f. Peter 30. 59-63. Fouad el Morabit 185 Anderson. 88.65. John 108 Assad. Michael 282. 87. Hafez al 59.63. 241. 211. 69. Djamal 58 Behljulii.179 Blanchett. Wolfgang 121f. 205-209. Mohammed 8.George 38.247.194.213-215. Richard 276 Brisard.39.329 Bakri Mohammed.283f. 124 Bonaventura.331 Attar.43f.104f Brenneke.138. Verena 282 Beckstein. Beghal.103. 211.195. 24. 56. Yossef 44. 70-72. Jean-Charles 32.329 Bröckers. 114-116.329f.242.125.143 Aswat.190.180f Adam. Salim 98-100. Stefan 108.

243.265f Germaine. Johannes von 79.89.330 Fioravanti. . Dick 228. Wulf 285 Gauweiler.111115. Lindsay 191 Geronzi. Driss 180 Cheney.231f G. Eric 89f. Mamoun 84. Laurant Mourad 104 Doha. 87-89. Carlo Alberto 272f.164 Flottau. Otman al 182 Gnjidic.277. 287. 330 Dole. 260.43.288.186. Vincent 192 Capello. 280f.329 Cartagena (Deckname) 183 Cassidy.159-161. 293-295. Renate 71. Stuart 24 Felfe. Tom 30. Thomas 259 Dean.330 Gnaui.298f. Rolf 235.173f.329 Cline. Reinhard 280. Chuck 124 Crooke. Ahmad 242 H. Ciaran 4 Caze. Cesare 274 Ghaddafi. John 302 Debré.Callaway.330 Franz Ferdinand 285 Franz II. Valerio 279 Fischer.122f Friedrichs. Charles 202. Bubu 224 Chebli. Peter 325. Christoph 11. Klaus-Dieter 293 . Ghasoub Al Abrash 180 Ghamdi. Saddam al 224. Doris 26. Muammar al 32. Volker 286-289. Guillaume 32..73-78. Stephen 134. 255.287 Gelli. Aelxander 275 Hajdib.117 de Benedetti. Charles 119 Grey. Gisela 102. Stephanie 119. Thomas Hamaza 88.228.51.43. Yosri 209.330 Corbett. Ciiney 267f Cipriani. 165f. Warren 24 Ciftci. 172-174 Gössner.152f.252f. Ray 276 Colby. Chalid al 224 Hajdib. 292f 336 Folkerts. Saeed al 145 Glück. 169.84.214. Nick 209. Terry 33 Cannistaro. Daniele 26. Christophe 190 Chalil. 331 .106 Fritsche.214. William 279 Coll. 174. Hamza al 145 Ghamdi.297f.275. Mabrouk 104 Eizenstat. Abu 106 Dohnanyi.150. Jean-Louis 93f della Valle. 257f.37. Bob 24 Dreier. Steve 31f.67.328 Gaya. Knut 282 Fouda. 330 Garzön. Manfred 26. 330 Gujer. Ihsan 235-237 Ganser. Carlo 273 de Maizière. Baltasar 184 Gassing. Rabin 186 Gehlen.213. Mäzen 238 Hage. Diego 274 Djoumak. Ahmed al 145 Ghamdi. 279 Dasquié. Fabio 273 Carew.330 Grapentine.89 Foertsch. Fritz 11.230 Chertoff. 170. Lionel 95-97 Echiker. H. Wadih el 111 Haig.43.95 Chaboud. Horst 313 Dumont. 46.52. Ernst 285 Gassing. Michael 258. Licio 274-279 Gelowicz. 16 Fredrickson.329 Darkanzali. Alastair 230 Dalla Chiesa. Heinz 287f Fielding.139. Emanuele 273f Clarke.63 Ghalyoun. 260 Christopher.

Horst 171 Kohlmann. 74f. Houssain al 268 Maali.102 Marty. Marco 138f. Günther 311 Jameel. Heinz 281 Liby. Hans Josef 307 Howard. 331 337 . Abu al 74-76. 271. Sherlock 22 Honigsbaum.331 Köpfer.234 Holbrooke. Khaled 91-93 Keller.259 Haski.85. 63f.96. Nawaf al 40-42. Seymour 229-231. Christoph 168 Kelkal.227f Hamad. Rafik 149. Richard 32. Amanda 118124. 331 Jachnow. Jürgen 220 Klotz. Monika 223. Mohammed 249-251 Mahmud. 205-209.202f Igel.327f Juppé. Ahmed 210 Maihofer.. Alain 93f Juretzko. 277. Friederich 292 Koch. 79f.206-209. Werner 305 Mailer. August 260 Hariri.. Norbert 284-286. Thomas 240 Jakobs.214f.37 Liesmann.96 Mahmoud.125.96f.Anasal 32. 272f. Raymond 200 Kennedy. Christian 282 Kleinsmith.275 Klar. 89f. 51. 79..331 K. Richard 83. Alija 69. Youssef Mohamad al 222-225. 331 Izetbegovic.116 Jung. Vonnie 120 Lafontaine. Mohammed 60 Jarrah.65.Hajdib.173f.130 Kelly.295 Maroni. Dirk 41. Fernando 185f Huntington Samuel 15 Hussain. Berthold 253 Köhler. Emid Sami Ben 58 Kissinger. Benno 263 Laabs. Christian 220 M. 71f. 74. 97. 298. Hassan al 183 Hawwa. Bruce 195 Lavandera alias Villazon 185 Lembke. Evan F. Michael V.297f..139. Haris 81f K. 284. 258 Hazmi. Dick 132.274f.165. Michael 33 Huarte. 279.59f.316 Mambro.201-205 Khemais. Regine 26. Mark 196. Dschihad 223f Hambali 85 Hamza. Toni 120 LaConca. Willi 287 Litwinenko.230-232 Harms. 121-124. 130. Christian 147 K. Osman 144 Karl V. Abu 11.96f. Ziad 108.151.288f. John F. Asif 51 Hanning. Henry 24. Rainer 104-107 Kohler. 15 Käss. Franz-Josef 317. 324 Keßelring.43 LaConca.191. Daniel 118f. Norman 302. Francesca 279 Mancini. Rainer 292 Khan. Tarik 95 Karahan.284. Hasib 191. 16 Hersh.145 Heinrich VII.331 Horchern.213 Hopsicker.331 Holmes. Mohammed Siddique 39f. 159.268. Eric 127 Kleis. Alexander 309 Loftusjohn 62. 129f Labeviere. Oskar 248 Lait. Lamin 100.44f. Matthias 147 Kabava.47-57. Aiman Abdullah 224 Hayden. Majed Moqued 145 Hazmi.137. 332 Hanif.214 Lüdke.

.319.44.43.125 Mitchell. Khalid al 40-42. 317. 295f. 243f. Abdelghani 87. 238.59. Michael 62. 299 Otto. Heribert 311f. Majed siehe al Hazmi Moro. Angela 259. Hassan 231 Nasser.241. Abu 11.214f. Manuel Garcia 186 Rumsfeld.164 .57 Muthanna (alias Echiker. 332 Meacher. 244 Mohnhaupt.114. Wolf-Dietrich 170 Merdan. Mustafa Kamel 48. Kay 318 Neskovic. Mounir 87.213 Prantl. Ronald K.Masri. Osama Moustafa Hassan 135 Nasrallah. Fadi al 223 Sabour. Ali 35-37. 168-173. 209.264f. 284 Pollari..97. 106.27. Abu Hamza al siehe Abu Hamza Masri. 332 Reeve. 332 Ollenhauer.173. Dzemal 82 Merkel. 127 S.97.39 Mohammed. Fouhad 11. Adouni 70f Meliani (alias Mohammed Bensakhria) 100 Mellah. Reza 81f S. Ata 238f Rafei.98-101. 215 Mehlis. Vito 279 Micheli. Zacharias 51 Murray.101.272. 87f.57-59.332 Reid. Astrit 136 338 Nehm. Mohammed 39 Nasr. Daniel 209-211 Philipp II. Larry 34 Mohamed. Romano 138. Simon 31f. Mellenthin.221f.187. 65.332 Prinz Bandar 230 Prinz Charles 47 Prinz Turki 29. Louai 147 Sakra.324 Miceli.140 Qatada. Detlev 149 Mehrez.97.278f Motassadeq. 269f. 233f. Mahmud 112.151-163. 126 Pignero.308 McGrory.157 Masri.279.142-150 Salim. 283f. Annette 21. Khalid al 8. Scott J. Charles 94 Pauschjohannes 232. Erich 281 Ollhauer (Deckname) 285 Omar.208. Peter 197f.272.262. Daniel 63-65. Salima 93.214f.103 Sakka. 63-65.78. 212.23. Lokman 239. Khalid Sheikh 85 Mohammed. Knut 129. Steve 69 Rodriguez.63. 227f. Salem al 236 Rahman.54. Richard 51. 331 Musab. 269. 15 Philipott. Enrico 138 Midhar. Omar Abdel 49 Ramelsberger.218 Rodan. Brigitte 282 Moqued. 130. Abu 67. Sean 49. Konrad 286-289 Power. 144 Mustafa. Wolfgang 149. 165f. Craig 233.325. Gamal Abdel 34 Nasufi. Mabrouk) 104 Mzoudi. Naeem Noor Khan.279. Abu 132-138. Louai 11. Nicolo 139 Porzner.116 Moussaoui. Aischa al 153.156 Noble. 328. Hans 280 Pasqua.234 Pearl. Ahmed 67 Mohammed. 309 Noureddine 105 O'Neill. Aldo 272f.34 Prodi.208.51.106 R.114.116. Gustavo 139. 270 Mengel. Donald 38.

333 Ulfkotte.112. Marwin al 108.115. Herbert 281. 294f. Abdul 81f.171f. Carmen Maria 186 Touchent.282. 310.26.125 Sheikh.286.. 272 Thamm. Adern 243.333 Sutherland.252.89. George 44. Erich 287. Otto 129. 209-212 Si Hamdi.156. 72.306f.116. Willy 325. 156-158. Asif 149 Scheurer. Eddin Barakat 11.304. Rabei Osman el 182 Schaar. 332 Schowe.333 Villazón.150. 59.266. Winfried 292 Selen. 74-79. F. 317. Omar 266 339 .161. 156. Wolfgang 24. Imam 85 Sarkozy.289. Wolbert 286. 299 Smiley. Hans-Georg 292f Wilcox. 332 Schäuble. 138 Springman. Bernd 286.259-261.184.298 Smidt. 332 Schwenke.305. 113. 333 Y. 90. Ted 275 Shaffer. Werner 292 Schröm. Max 149.253. Kiefer 300 Tanweer.332 Schneider.111.131 Shayler. Klaus 292 Volz.165. Michael 138f Schily.27. Abdelkahim 109 Y. Sinan 221-224 Sertsöz.177 Yilmaz. Berndt Georg 21.316f.174. 127 Solana. Weldon.44f. Joseph J. 42.328 Wisnewski. 106.169 Shackly. José Emilio Suärez 182. George 288 Smith.171. Jürgen 30 Toro. Vincenzo 271 Vollmer. Ali 93 Trabelsi. Giuliano 273 Tenet.106.181.234 Streck.Salimov.203 Tavaroli.264. Hans-Christian 149. 268 Seyam.317. Francis 17-20 Wedel. Rafik 238 Yarkas. Antonio 186 Toro. 248. 85-87.184-186 Trento. Oliver 41. 232.306. Maria 15-18. Anthony 126-128. William R. Gerhard 186f.58.317 Walsingham. 288 Ströbele. 145 Sieker.26. Ralf 179. 300.304 Schmidbauer. Michael Murat 257. Michael 30 Stadler. Michael von 26.268 Yousif. Nicolas 202f. Thomas 113 Wagner.78. 288 Schmidt-Eenboom.119. Francisco Javier 185 Vinciguerra.130f Wieck. Michael 79 Wimmer.257..156 Steinmeier.269. Peter 301. Reda 11. 64.187. Peter 248.84-88. Daniel 252.145-147. Frank Walter 156. Ekkehard 282. David 32 Shehhi. Shezaad 191.332 Timken.45. 326. 213 Sayed.290f. Nizar 51 Trashorras.317. 89f Wehner. Amando 134f. Gofìr 264 Samraoui 93 Samudra. James D. Ahmed Omar Saeed 11. J. Javier 13. 258 Todenhöfer.294 Spataro.140. Udo 44.292f.266 Scholl-Latour.129f. 103. 297-299. 299 Stuart.328 Schaukat. Curt 125-128. 313-315.67f.

Jamal 51. José Luis Rodríguez 186 340 Zawahiri.182f Zouhier. 147.117 Zapatero.76-78.165-169.172. Mohammed Haydar 110.178. Ayman al 34f. Brigitte 114. 201 Zivalj. Rafa 184. Stefan 17f.243. 271 Zahar. Mahmoud 39 Zakaria.265f. 38f.Yehia 11. Abu 144f Zweig.315 .88.186 Zubaydah.Yousif. Fawaz 227 Zammar.333 Zypries.176.26f. Huso 71 Zugam.67.

168.230 Berlin 9.91.26. 71.325f Berlin-Tegel 114 Biberach 172 Bocinja 66f. 324-326 Buchara 262 Cambridge 195 CampBadawi 229 Damaskus 111.280. 102.56.235.105 Algier 93f Ancona 177 Ansbach 267 Asturien 184 Atocha 175 Aviano 133f Äviles 186f Baden-Württemberg 26. 308. 164-166. 258f.93f.159f.229 Daressalam 36f.118.121.237-240. 216.25.147.99f. 29f.179f.24.279f Boston 117 Brecon Beacons 56 Brüssel 13. 243 Freudenstadt 254 Gardez 38 Gelsenkirchen 236f Gengenbach 260 Genua 284 Georgien 105.264. 145.85f. 109f.11. 75f.221. 158.162. 240.320 Ägypten 48.157 Bologna 275.226..Ortsregister Abu Ghraib 170.112.144f Geretsried 293 Grohnde 326 Guantanamo 40. 171.106.23f.326 Freiburg 22.170 GucaGora 72 Hamburg 8. 73-81.268 Algerien 52.61. 259 Hindukusch 24. 117. 68 Holzgerlingen 148 341 .67-70.92.280.241. 111 Dewsbury 205 Dharan 31 Djakarta 85f. 307 Hannover 13.126 Fojnica 81 Fotheringhay 17 Frankfurt am Main 58. 179. 102-104.147.161.23.165.137. 36.115f.55.106f.125f.229 Afghanistan 20.247. 236.268. 147.110. 55.164.84.21.258. 113.286. 78. 29f.218. 285. 165 Dortmund 219f Dresden 217 Dubai 33 Duisburg 13 Düsseldorf Dyarbakir 142 Eifel 216 Florida 108.133.263. 108-120.223. 34-36.163.114.228.155.255 Heiligendamm 241f. 87f. 104-106. 47-49.323. 78.23.48.265f Beirut 224.294.67. 216.

284.141-143.58.47.293 My Lai 229 Nairboi 32.83.216f.144.69. 242f.324f Katar 291 Kehl 99 Kent 56 Key West 119 Khost 36.283.286-291 . 254.271f.159.177.105. 157.277-280.181.285 Pakistan 11.36f Naples 118. 228 Kiribati 123f Koblenz 219 Köln 8. 254. 78-80. 165f. 268 Kairo 34.268.155.264 Lüneburger Heide 281 Lyon 91 342 Madrid 8.77.137. 220.288.62.182.211. 261-266. 226.133 Kanarische Inseln 156 Kandira 143 Karatschi 116 Karlsruhe 286.207.315 Offenburg 99 Österreich 9.271-275.194.265.167. 222.20.272f. 273.121 Neu Delhi 210 Neuburg 327 Neunkirchen 268 Neu-Ulm 22. 225.106. 268.238f.288f München 21.197.133-139. 243 New York 38.293f Pennsylvania 108.188.57f. 46-49.23. 9.16. 157f. 287.99-104.253 Kosovo 8.315 Maglaj 66 Mailand/Milano 8. 285.191f. 191.16.112.144.134-139. 222f.16f.121.302.13.252f.145. 254.34.29-31.170.182. 285.80.179 Portland 117 Pristina 82.224.227f.96.209-211.245-248.161.116. 143.23. 112. 290. 175-178.308-310 Los Angeles 41.136. 67. 60-62.189f Pullach 86. 132. 31-33.38-40.295f Jamaica 191 Jeddah 30 Jerusalem 29 Jordanien 57. 250.219f.258-260.57f.188-190.58.256. 277 Mallorca 156 Manchester 196 Meckenheim 167f Medebach 252 Medina 29 Mekka 29 Memmingen 153 Miami 117f Mombassa 111 Moskau 25.229-231 Libyen 46 Lille 95 London 7f.269. 94.190 Kuala Lumpur 40f Kuba 324 Langley 41.23.290f Istanbul 8.82f.223.11.264-266 Palermo 273 Paris 7.96. 22f. 60. 199-202.218.155. 51-53.267 Kiel 222f.23.60.106.49.92.162f.315 Norwegen 294 Nürburgring 21 Oberschledorn 9.170f.308. 200.236.23.88.125.190.51.179f.294 Libanon 62f.Irak 20.181-185. 149 Italien 12.235.247 Kroatien 69f.113f.276.247. 249. 169. 100.201.206-211.96f.178. 289. 232. 255f.153. 91f.151.11.205. 104.25.159.227.241 Kabul 68.

147.70f. 79.177.160 Tampa 126 Tarragona 179f Taschkent 262 Tirana 35.243.294 Schwerin 239 Skopje 153f.74. 245.169f Sofia 35 Somalia 242f Split 69.266. 238.11. 156f. 171 Tripoli 8.94-96 Rügen 21 Saarland 266-268 Sacramento 304 San Diego 41f Sanibeilsland 118 Santaclara 37 Sarajevo 68.157.96.144f.147 Schwarzwald 78. 147.76f.162.285 Sardinien 278 Sauerland 199. 177f Zentralasien 259 343 .56 Schramberg 78.216.291 Sudan 33.247.255 Schottland 30.254 Schweden 228 Schweiz 121.36f Syrien 20.16. 148.68f.161.249f Wittmund 327 Würzburg 313 Yalova-Berge 143f Zahedan/Zaidan 264f Zavidovic 66 Zenica 66.177.136. 159.23.262f.82f.23.111.58.Ramstein 133.59.81.296 Rheinland-Pfalz 242f Rom 138.277f Roubaix 11.143f.231 Tropojae-Vucidol 82 Tschetschenien 60.84. 294 Stuttgart-Stammheim 148.112. 98f. 84.177 Srebrenica 83.195. 95.51. 229 Tabanovce 153. 72-75.70-72.164 Tulln 246 Tunbridge Wells 56 Urosevac 82 Usbekistan 262f Venice 118-123 Verviers 105 Vogtland 217 Wien 9.82.105.244.165. 105f.252. 167f.77.165.155.177 Strasbourg 8.