PRAXIS

Photoshop-Praxis
Teil 77: Entzerren
Hennig Wargalla

W

ohnt man in Köln bleibt es nicht aus, dass man zwischen japanischen Touristen, englischen Geschäftsleuten und Hamburger Punks überraschende Gemeinsamkeiten entdeckt: Sie alle treffen sich mit weit zurückgelehnten Köpfen, den Fotoapparat in der Hand, vor dem Kölner Dom.

Kehren sie später nach Hause zurück, dann können sie alle Bilder vorweisen, die das gotische Bauwerk deutlich verzerrt zeigen. Das war’s dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn sicher werden nicht alle ihre Bilder mit Hilfe von Photoshop entzerrren.
Hier sehen wir deutlich die perspektivische Verzerrung des Ausgangsbildes. Um das Bild zu entzerren, muß man es transformieren. Diese Funktion kann man allerdings nicht auf die Hintergrundebene anwenden. Daher sollte man zuerst einen Doppelklick auf diese Ebene machen, wodurch sie bearbeitbar wird. Noch besser ist, man erstellt ein Duplikat der Ebene, indem man es in der Palette auf das „Neu“Symbol zieht. Darüber hinaus ist es hilfreich, Hilflinien an markanten Bildelementen zu erstellen und gegebenenfalls das Raster einzublenden. Diese Optionen finden Sie im Pull-Down-Menü „Ansicht“. Sodann bietet sich unter „Bearbeiten > Transformieren > verzerren“ die gewünschte Funktion an, um das Bild gerade zu stellen.

Da bei jeder Verzerrung die Bildpunkte interpoliert werden, sollte man das Bild eher verkleinern. Dadurch stellt man sicher, dass keine neuen Pixel hinzuerfunden werden. Meist genügt es nicht das Objekt nur in einer Dimension zu verzerren. Sehr oft wirkt diese Vorgehensweise, wie in unserem Beispiel, unproportional. So wird man oft das Bild auch stauchen oder in anderen Fällen strecken müssen.

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Ganz andere Formen von Verzerrungen kann man unter Umständen bei Weitwinkelobjektiven beobachten: Hier werden gerade Linien zu den Rändern hin krumm abgebildet. Nutzen kann man in diesem Fall den Wölben-Filter, der in der Abteilung Verzerrungsfilter zu finden ist. Man muß hier einen negativen Wert wählen, um die Verzerrung auszugleichen.

Allerdings wirkt diese Funktion nur auf einen kreisförmigen Bereich in der Mitte des Bildes. Um das gesamte Bild zu verändern, muß man daher zuerst die Arbeitsfläche des Bildes vergrößern. Den dazugehörigen Befehl findet man unter „Bild > Arbeitsfläche“ . In diesem vergrößerten Dokument und mit einigen Versuchen, um die richtige Einstellung zu finden, kann es gelingen, dass man eine solche Verzerrung minimieren kann.

Ausgangsbild Bei all diesen Ver- und Entzerrungen muß man sich natürlich bewußt sein, dass man damit keine perfekten Ergebnisse erzielen kann. Fotografiert man etwa den Kölner Dom von unten, dann sieht man in die Deckenkonstruktion der Portale hinein. Ganz anders wäre es, wenn man wirklich eine verzerrungsfreie Aufnahme gemacht hätte. Dann würden nur kleine Teile, dieser Deckenkonstruktionen zu sehen sein. Darüber hinaus müssen bei allen Transformationen die Bildpunkte interpoliert werden. Man sollte sich daher vergewissern, dass in den Grundeinstellungen von Photoshop die bikubische Interpolation gewählt ist.

Diesen, wie alle anderen seit 7/95 erschienenen Tips, können Sie auch im Internet abrufen: http://www.daton.de/wargalla

Die bearbeitete Version.

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