...na Klassen, bald haben sie das ganze Tafelsiber verscherbelt...

und
damit noch den ökologischen Umbau unseres Verkehrswesens auf
Jahrzehnte erschwert. Wird bestimmt ganz Toll der Service der Bahn...
wie gut so eine Bahn-Privatisierung funktioniert konnte man ja schon
in England bewundern. Und wieder ist es die SPD die den größten Verrat
am Volke begeht...was für ein korruptes Pack!
---------------------------------------------------------------------30. Mai 2008, 14:06 Uhr

BAHNPRIVATISIERUNG:
Tiefensee meldet Vollzug
Von Carsten Volkery
Zerreißproben in der SPD, Attacken zwischen Abgeordneten und Ministern
- und jetzt doch noch der Abschluss: Nach fünf Jahren heftiger Debatte
hat der Bundestag den Bahn-Börsengang beschlossen. Verkehrsminister
Tiefensee zeigt sich erleichtert. Die Opposition schimpft über "üble
Tricks".
Berlin - Es ist ein emotionales Thema, das die Bevölkerung aufwühlt,
doch im Bundestag war die Teilprivatisierung der Bahn am Freitag bei
der entscheidenden Lesung eine Sache der Hinterbänkler. Einzig die
Grünen und die Linken, die die Privatisierung verhindern wollten,
schickten ihre Frontmänner Fritz Kuhn und Gregor Gysi ans Rednerpult.
Für die SPD warb Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee für eine "starke
Bahn". Den Rest der zweistündigen Debatte machten die Verkehrsexperten
aller Fraktionen unter sich aus.
Kanzlerin Angela Merkel war streckenweise auf der Regierungsbank
anwesend, schwieg aber ebenso wie die Fraktionschefs von SPD und
Union, Peter Struck und Volker Kauder. Offensichtlich drängte es
keinen aus der ersten Reihe der Koalition, die unpopuläre Reform zu
verteidigen.
Die Abstimmung war nur noch Formsache: Nachdem SPD-Chef Kurt Beck die
Privatisierungsgegner in seiner Partei im April zum Abschied von der
Volksaktie bewegt hatte, konnte das Reformwerk am Freitag ungehindert
das Parlament passieren. Für den Antrag votierten in namentlicher
Abstimmung allerdings nur 355 Abgeordnete - das sind 90 weniger als
die Koalition im Bundestag hat. Mit Nein stimmten 153 Parlamentarier,
drei enthielten sich. Knapp 100 Abgeordnete nahmen nicht an der
Abstimmung teil.
Damit darf die Regierung ab Herbst bis zu 24,9 Prozent einer
Bahn-Tochter-Holding an private Investoren verkaufen. In der Holding
sollen der Personen- und Güterverkehr sowie die Logistiksparte

zusammengefasst werden.
Linke und Grüne wollten Abstimmung verhindern
Vergeblich versuchten Linke und Grüne mit Anträgen zur
Geschäftsordnung, die Abstimmung zu verhindern. Das von der Großen
Koalition gewählte "Affentempo" stehe im Widerspruch zur Tragweite der
Reform, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der
Linksfraktion, Dagmar Enkelmann. Erst am Montag habe es die letzte
Experten-Anhörung gegeben.
Das Protokoll der Anhörung könne noch kein Abgeordneter gelesen haben,
schimpfte auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck. Wesentliche Unterlagen zum Börsengang fehlten, weshalb es keine
Grundlage gebe, die Entscheidung zu treffen. Beck mutmaßte, die
Koalition wolle die Entscheidung schnell durchziehen, aus Angst vor
Protest aus den eigenen Reihen. Grünen-Fraktionschef Kuhn sprach von
"systematischer Desinformation" im Parlament.
Vertreter von Union und SPD wiesen den Vorwurf zurück. Das
parlamentarische Verfahren sei "vollkommen in Ordnung", sagte der
CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer. Kaum ein Thema sei gründlicher
diskutiert worden als die Bahnreform. Wer von Durchpeitschen rede,
rede "dummes Zeug". Vielmehr müsse die parlamentarische Mehrheit nun
"endlich handeln". Dieser Auffassung schloss sich FDP-Verkehrsexperte
Horst Friedrich an: Nach fünf Jahren Diskussion und zig Anhörungen sei
es Zeit für eine Entscheidung.
Tiefensee: "Wir behalten die Zügel in der Hand"
Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas
Oppermann, warf Linken und Grünen vor, irrationale Ängste gegen die
Reform zu mobilisieren. Die Große Koalition werde die aufgeregte
Intervention der Opposition in aller Ruhe zurückweisen. Darauf
erscholl aus der Linksfraktion der Zwischenruf: "Arroganz der Macht."
Insbesondere die SPD-Redner zeigten sich zufrieden, entgegen aller
Erwartungen doch noch zu einem Ergebnis gekommen zu sein. "Wir haben
Sie alle Lügen gestraft", triumphierte SPD-Fraktionsvize Klaas Hübner.
Minister Tiefensee, den die Reform zeitweise an den Rand des
Rücktritts gebracht hatte, zeigte sich erleichtert und dankte allen
Beteiligten.
Die Zustimmung der SPD war lange nicht gesichert. Noch auf dem
Hamburger Parteitag im vergangenen Herbst hatten die
Privatisierungsgegner so hohe Hürden errichtet, dass die Bahnreform
als tot galt. Erst Kurt Becks Vorschlag, den Umfang des Börsengangs
auf 24,9 Prozent des Personen- und Güterverkehrs zu beschränken,
brachte einen Sinneswandel im Parteivorstand. Die SPD-Skeptiker kamen
im Bundestag am Freitag nicht zu Wort, sie mussten sich mit
persönlichen Erklärungen im Protokoll zufrieden geben.

Es blieb den Linken und Grünen überlassen, die keinesfalls
hundertprozentig überzeugten Sozialdemokraten zu piesacken. Die
heutige Entscheidung widerspreche dem Parteitagsbeschluss der SPD,
stichelte Gysi. Er sei sich im übrigen sicher, dass es nicht beim
Verkauf von 24,9 Prozent bleibe. Union, FDP und auch die SPD würden
später entscheiden, diesen Anteil auszubauen. Auch Unionsredner
äußerten diese Hoffnung. Union und FDP streben weiter eine
Privatisierung von 49 Prozent des Personen- und Güterverkehrs an.
Empörung über SPD-Karrieristen
Die Sozialdemokraten wehrten sich vehement gegen den Verdacht, künftig
einzuknicken. Schließlich geht die Parteispitze damit hausieren, dass
man SPD wählen müsse, wenn man keine weitere Bahnprivatisierung wolle.
Tiefensee sagte an die Vertreter der Linkspartei gewandt: "Sie spielen
ein falsches Spiel." Es sei ein "Affront" zu behaupten, der Bund gebe
die Kontrolle über die Bahn auf. Die Deutsche Bahn AG bleibe zu
hundert Prozent in Bundesbesitz, nur eine Tochterfirma werde zu nicht
einmal einem Viertel verkauft. "Wir behalten die Zügel in der Hand."
Redner von SPD und Union betonten, der Börsengang bringe dringend
benötigtes Geld für Investitionen ins Schienennetz. Tiefensee hatte in
der Vergangenheit Summen von bis zu zwölf Milliarden Euro genannt. Die
Bahn selbst ging kürzlich jedoch nur von vier Milliarden aus.
Jenseits der Grundsatzfrage "Börsengang ja oder nein" kritisierte die
Opposition die Begleiterscheinungen der Reform. So hatte die Große
Koalition sich entschieden, statt eines Gesetzes nur einen Beschluss
über die Privatisierung zu fassen. Damit bleibt der Bundesrat außen
vor - also eine Hürde weniger. Gysi sprach von einem "üblen Trick".
Auch Tiefensee wurde noch einmal persönlich angegriffen. Der Minister
hatte bei der letzten Bundestagsdebatte zum Thema am 8. Mai
versprochen, den Beteiligungsvertrag für den Verkauf in den folgenden
Tagen nachzureichen. Bis heute, kritisierten die Grünen, sei dieses
wichtige Dokument nicht fertig.
Noch mehr empörten sich Oppositionsredner über die Tatsache, dass
gleich drei mit der Privatisierung befasste Sozialdemokraten ins
Bahn-Management wechseln. Den Anfang machte vor einigen Wochen der
Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, eingetragenes
SPD-Mitglied und seit neuestem Bahn-Vorstandsmitglied. Dazu kommen mit
Thomas Kohl und Achim Großmann ein Abteilungsleiter und ein
Staatssekretär aus dem Verkehrsministerium, die nun zur neuen
Bahn-Holding gehen. Als der FDP-Mann Friedrich monierte, es gehe zu
wie in einer "Bananenrepublik", ertönte aus der SPD der Zwischenruf,
es seien eben "gute Leute".
URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,556740,00.html