Luxemburg

Nach der Erklärung zur Lage zur Nation

Was ist im Staate Luxemburg überhaupt noch machbar? Ein Leiter eines Privatunternehmens, der in seinem Betrieb kostenintensive Neuerungen einführen möchte, weiß sehr wohl, dass er in der Vorplanung nicht an einer Machbarkeitsstudie vorbeikommen kann! Es sei denn, er wäre gegebenenfalls bereit, seinen Betrieb in den Bankrott zu führen! Es ist umso mehr unverständlich, dass in dem Augenblick, wo der Premier in der vergangenen Woche neue Staatsausgaben ankündigte, sich die christlichen und die sozialistischen Abgeordneten freudestrahlend in die Arme fielen. So jedenfalls hätte die CSV in einer Regierung mit der DP nicht mit den Abgeordneten der Demokratischen Partei herumspringen können! Rückblende auf 1969: DP verlangt genaue Haushaltsangaben! Erlauben sie mir darum auch, liebe Leser, auf das Jahr 1969 zurückzublenden. Damals sprach sich die CSV, nach den Landeswahlen, für eine Regierungskoalition mit der DP aus. Die entsprechenden Verhandlungen begannen Ende Juni 1969.Als im Laufe der Gespräche Gaston Thorn und Eugène Schaus genaue Auskunft über die Staatsfinanzen forderten, hatte Staats- und

Finanzminister Pierre Werner erhebliche Schwierigkeiten, um genaue Zahlen zu geben. So beschränkte er sich auf die eher mageren Auskünfte, nach denen die Liquidität des Staats (genügend Geld in der Kasse) recht gut sei und das Gesetz über den Staatshaushalt des Jahres 1969 nach Strich und Faden durchgeführt werde. Nach der Art: Wenn in einem Staatsbetrieb die Kredite für Klopapiere aufgebraucht sind, dann müssen eben die Beamte ohne Klopapier auskommen! Nebenbei bemerkt: das Staatsschatzamt wusste es besser, denn es kaufte das Toilettenpapier über ein Kredit, das für Ausgaben im Rahmen der Tilgung der Staatsschulden vorgesehen war! Mit diesen Angaben gaben sich die DP Vertreter ganz und gar nicht zufrieden, so dass anschließend das Finanzministerium eine größere Mannschaft von exzellenten Mitarbeitern ins Staatsschatzamt abordnen musste, um an Ort und Stelle in mühseliger Arbeit (ohne Computer) eine detaillierte Aufstellung über die Ein-und Ausgaben des Staates vom 1. Januar bis zum 30. Juni 1969 zu erstellen. Erst nachdem diese Unterlagen den wo möglichen Koalitionären vorlagen, war die DP bereit, mit der CSV in Verhandlungen über ein Regierungsprogramm einzutreten! Mit dem Schwergewicht auf die Umverteilung eines größeren Teils der Staatseinnahmen zu Gunsten der kinderreichen Familien und der weniger bemittelten Einwohner. Ohne die Notwendigkeit

der Aufwertung der Staatsbeamtengehälter im Rahmen einer teilweisen Revision des im Jahre 1963 verabschiedeten Gesetzes über die öffentliche Funktion aus dem Auge zu verlieren! In der darauf gebildeten Regierung erhielten die Staatsbeamten in der Person von Gaston Thorn den bei weitem besten Minister!

Heute: Ausgaben für bestehende Infrastrukturen zu hoch! Im Vergleich zu 1969 ist die Lage in diesem Jahr 2008, umso schwieriger, da inzwischen der Staat einen erheblicher Teil seiner Einnahmen in die Nachfolgekosten der inzwischen geschaffenen Infrastrukturen (Schulen, Philharmonie, Zeitgenössisches Museum….) ohne wie und aber investieren muss! Ohne die vielen kostspieligen Fehlplanungen zu vergessen, wie z.B. das Festungsmuseum! Schule und Qualität des Unterrichtes Dennoch darf das Volk mit Recht erwarten, dass weiterhin nicht nur neue Schulen gebaut wurden, sondern dass auch sehr viel Geld in die Qualität des Unterrichtes, vom" Précoce" bis zur Uni Luxemburg investiert wird. Dabei ist die Zahl der Schüler, die nie Aufnahme in ein Lyzeum geschweige denn in eine Universität finden, für ein Land von 450.000 Einwohnern riesig groß! Diese Jugendliche finden zwar Aufnahme in dem

so hübsch bezeichneten „Régime Prépatoire“ des technischen Lyzeums. Doch trotz edler Intention seitens der ehemaligen CSV-Schulministerin verlassen viel zu viele Schüler diesen Unterricht, ohne jemals eine Chance zu haben, in den ordentlichen Unterricht eines Lyzeums aufgenommen zu werden. Darum auch jedes Jahr 3.000 bis 4.000 Schüler, die ohne Abschlusszeugnis unseren Schulen verlassen, wozu noch die vielen in Belgien eingeschulten Schüler hinzukommen, die auch dort nicht immer sehr erfolg voll sind

Abwässer: Viele Bäche und Flüsse drohen zur Kloake zu werden Wo bleiben übrigens die erforderlichen weit höheren Subventionen für neue Kläranlagen für etliche Abwässer, die heute noch immer in unsere Flüsse und Bäche fließen. Liebe Leute, das ist Umweltverschmutzung in höchster Potenz! Heute so arm und morgen dennoch Glücksbringer für alle! Letztlich stelle ich mir die Frage, ob ein Staat wie Luxemburg, der den Lebenskostenindex so manipuliert hat, dass die Gelder erst später oder überhaupt nicht ausbezahlt werden, der sich des weiteren heftig wehrt, die vollständige Anpassung der Steuertabellen an die in Luxemburg viel zu

hohe Inflation vorzunehmen und zusätzlich die Kindergeldzulagen, einschließlich Mutterrente nicht mehr an den Index anpasst …. wie plötzlich ein solcher Staat riesige Geldsummen aufbringen kann, um Dienstleistungsschecks, eine erhöhte Teuerungszulage und weitere Steuerbonusse einzuführen! Des Rätsels Lösung ist freilich einfach: Was dem Bürger an Geldern aus der linken Hand genommen wird, das erhält er in veränderter Form nach“Junckers Art“ höchst gnädig in die rechte Hand zurück! Unsere Autos bald nur noch Ausstellungsobjekte? Derweil lassen sich unsere Minister, im Verein mit ihren Kollegen aus den anderen EU-Ländern in Entwicklungsländern als kleine Götter feiern. Verteilen so auch recht huldvoll kleine Gastgeschenke an die Ärmsten dieser Welt. Reichen ehrerbietig den Ölmultis die Hand. Ohne den wirklichen Mut zu haben, als EU nur noch mit einer Zunge zu sprechen und so auch stark genug zu sein, um als ernstgenommene EU-Vertreter über einen gerechten Ölpreis auszuhandeln. Und damit auch dem Höhenflug des Gaspreises ein jähes Ende bereiten! Nur so würden die vielen Menschen in Europa die Gewissheit erhalten, dass es sich wirklich lohnt, einer EU anzugehören, die nicht tatenlos zusieht, wie sich die Wirtschaft in der EU regelrecht ausblutet. Dazu mit Bürgern, deren Kinder die Autos in den Hausgaragen oder vor der Haustür

bald schon nur noch als Ausstellungsobjekte bewundern werden. Es sei denn, die Bürger wären bereit, auf eine gesunde Ernährung zu Gunsten von Biosprit zu verzichten! So gesehen ist unsere letzte Hoffnung ein starker Mann in der EU. Eine geradlinige Herrschaft auf Zeit unter meinem Wunschkandidaten JeanClaude Juncker als beständiger Vorsitzende des Europäischen Rates oder der Brüsseler EUKommission! Doch vor Brüssel erst Kassensturz in Luxemburg Doch bevor es so weit ist, hoffen wir, das spätestens im kommenden November Premierund Finanzminister Juncker zu einem nationalen Luxemburger Kassensturz bereit ist! Der Premier kann von Glück sprechen, dass er eine Riege von exzellenten Staatsbeamten, Angestellten und Arbeitern hat. Auf sie alle ist Verlass. Vom Huissier/Kanzlisten/Redaktor bis zum Professor. Es wäre jedoch sehr schlecht, wenn Herr Juncker gegebenenfalls nach Brüssel gehen würde in einem Augenblick, wo sich Regierung und einzelne Berufsgruppen in den Haaren liegen. Es liegt mehr fern, die eine oder andere Forderung als gerecht oder ungerecht abzustempeln. Es gibt aber eine bewährte Methode, der sich der verstorbene ehemalige Minister Gaston Thorn

stets zu bedienen wusste: Immer zum Dialog und je nach Sachlage zu Kompromissen bereit sein! Henri Schumacher