L INKE L ISTE .

SDS - D UISBURG /E SSEN

T UNI X
Que vadis studentisches Alltagsleben? Von Oliver Opitz

A USGABE 1 /

ERSTES

H ALBJAHR 2008

Sonderbeilage

nicht mit der freien Zeit zu Der an Marx erinnernde Begriff verwechseln. der disponiblen Zeit ist die Zeit, Die Freizeit ist welche dem Menschen zur freien nur die Zeit die Verfügung steht. Dies ist die Zeit der Mensch bein der das Individuum seine Pernötigt um wiesönlichkeit frei entfalten kann. Das der zu funktioBedürfnis nach freier Zeit wird in nieren und seiunserer Gesellschaft verkehrt in ne Arbeitskraft die Form der Freizeit. Gewerkmit neuer Leschaften und reformorientierte bensenergie Parteien kämpfen auch nicht um aufzutanken, die disponible Zeit, sondern um um weiter vermehr Freizeit, dass jedenfalls ist wertbar zu sein. einer der Hauptforderungen einer jeden Tarifverhandlung. Dabei ist (Weiter S.2) aber die Freizeit ganz und gar

Wahlprogramm

S CHWERPUNKT DER A USGABE : S TUDIENGEBÜHREN

A LLTAG

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A USLÄNDISCH S TUDIERENDE H OCSCHUL

A USLÄNDISCHE S TUDIERENDE
Von Fatma Karacakurtoglu und Sonja Schacht dierenden an vielen Hochschulen von den Studienbeiträgen
(Fortsetzung Seite 4)

ENTWICKLUNGSPLAN

K APITAL D EMO

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Die Situation der ausländischen
Studierenden an unserer Hochschule ist grausam.

S TUDIEN GEBÜHREN

Während die ausländischen Stu-

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T UNIX einen Teil der Ausbildung und Wertbildung. Der unsichtbare Teil steckt in der Zeit des Lernens am einsamen Tisch zu Hause oder in der Bibliothek. Bei der Fülle des Stoffs gibt es streng genommen, nie Freizeit, weil es immer noch was zu lernen gibt, was man nicht weiß. Der Student antizipiert, dass nicht nur das Bestehen der Prüfung von Relevanz ist, sondern sieht sich schon im Studium als Konkurrent im Kampf um die nach der Studienzeit limitierten Arbeitsfelder. Das steigert die Not, auch noch in der vorlesungsfreien Zeit von der disponiblen Zeit soviel wie möglich in die eigene Wertsteigerung zu stecken. Das Diktum vom lebenslangen Lernen erfährt hier seine erste Zuspitzung. Wenn dann doch noch Zeit bleibt für bildungsferne Bereiche, so wird meistens der Körper an die Kulturindustrie angeschlossen und der Geist auf Null gestellt. Die Freizeit spielt sich hauptsächlich nur in den vom Kapital produzierten Bereichen ab. Die Freizeit wird in der Nichtlernzeit vom bloßen Spektakel okkupiert, der den Studenten in einer Zeit der Passivität hält. Die Zeit der Freizeit die immer mehr durch Banalitäten und Langeweile geprägt ist, ist aufgrund ihrer Passivität ein Moment antiemanzipatori-

Die Freizeit ist also reine Zeit der Werterhaltung von menschlicher Arbeitskraft. Neben der Reproduktion von Arbeitskraft ist die Freizeit zur Langeweile verkommen. Eine Anhäufung von Banalitäten, in der all das überflüssige konsumiert wird, was vorher erarbeitet wurde.

Beim Studenten und der Studentin kommt noch hinzu, dass selbst die Freizeit als solche kaum noch identifizierbar ist. Konnte beim Diplom oder Magister noch von einem Zeitregime gesprochen werden, dass der disponiblen Zeit zuzuschlagen war, weil durch die individuelle Zeiteinteilung noch eine freie Entfaltung der Persönlichkeit möglich war, so bröckelt diese kleine Chance mit der Einführung der Bachelor -Lehrgänge des Bologna-Prozesses völlig weg. Die Zeit des Studenten wird in kleinsten Einheiten vorgegeben, kontrolliert und bestimmt. Produkt ist nicht mehr der universell gebildete Humboldtsche Student, der sich Wissen aneignet, sondern ein auf die Verwertung hin zugerichtetes Subjekt. Flache Spezialisten ohne Horizont. Der Student ist noch im Prozess der Ausbildung, das heißt, er bildet seinen eigenen Wert im Fortgang seines Studiums. Die Vorlesungen und Seminare, mit den Prüfungen als Erfolgskontrollen bilden nur den

K ONSEQUENT LINKE P OLITIK scher Praxis einer rationalisierten Welt. Die Begierden des Menschen werden so vernichtet und in den Hintergrund gerückt.

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das Rektorat, den Kontrollrat und die Regierung nach einem strikten Zeitregime (Credit-Points und dem zu kurzen Intervallen der Klausuren artikuliert mit der Notwendigkeit Zeit für den ganz konkreten Jenseits einer Klassenkampfrhetorik auf das hier und jetzt gerichteten bricht sich in der Langeweile etwas Lebensunterhalt zu verknüpfen) ist bahn. Die Unterdrückung der dispo- der Konflikt und die Sollbruchstelniblen Zeit erzwingt ein murren und le, an der der Student seinen Proknurren. Das Stöhnen des Studenten test als Widerstand sichtbar und über das strikte Zeitregime, über das fühlbar machen kann. Mit der er nicht mehr bestimmen kann, son- Schaffung von immer mehr Begierdern das sein Tagesrhythmus dikden nach disponibler Zeit zur freitiert wird durch den Mangel an Geld en Persönlichkeitsentfaltung wird zu einem Widerspruch. Studiengedas Kampffeld eröffnet, auf dem bühren verschärfen den Widerder Student anschlussfähig wird spruch für die, die von ihrer dispound auch außerhalb des universiniblen Zeit oder Freizeit noch was tären Feldes mit der Gesamtgesellabzwacken müssen, die dazu geschaft in Berührung kommt. Doch nutzt werden muss, der Bedingung Vorsicht ist geboten. Der Aufruf der Möglichkeit von Wertschöpfung nach Entwicklung der Persönlichdes eigenen Selbst zu bedienen. Auf keit kann nicht in den gleichen dieser Ebene findet auch die Selekti- Bahnen geschehen, wie dies in den on von gut betuchten Studenten und 60er Jahren der Fall war. Nur allzu solchen statt die für ihre Wertschöp- schnell wurden Persönlichkeitsentfung Startkapital einbringen müssen. wicklungen vom System aufgesoDabei spielt der soziale und kulturel- gen, kanalisiert und in einer erweile Background nur eine sekundäre terten unterdrückten Form wieder Rolle. Nur wer sich nicht schon eiauf den Markt zurück geworfen. nem total vertechnisierten Leben verschrieben hat, kann sich vom Ele[Der Autor studiert in Duisburg— mentarbedürfnis der disponiblen Essen Soziologie, Philosphie und PyZeit freimachen. Für alle anderen schologie und beschäftigt sich mit Fouund das dürfte die große Mehrheit caults Macht-Wissen-Komplex und sein, ist dieses Bedürfnis als nicht der Situationistischen Internationale] negierbar zu betrachten. Die hochschulpolitschen Forderungen durch

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(Fortsetzung von Seite 1) endgültig befreit wurden, versucht unsere Universität diese zur Kasse zu bitten. Dies unter anderem mit der Begründung, der Universität würden ansonsten Gelder in immenser Höhe verloren gehen. Da blickt uns die neoliberale Rechnungsweise wieder eiskalt an: da bislang von ausländischen Studierenden keine Gebühren verlangt wurden, ist die Rechnung nicht haltbar. Denn was man noch nie hatte, kann nicht als Verlust gerechnet werden. Gebührenbefreiung ausländischer Studierender?

Gründe dafür, auch weiterhin von
ausländischen Studierenden keine Gebühren zu nehmen, gibt es viele. Zum einen muß jeder ausländische Studierende dem Ausländeramt einen Nachweis erbringen, dass ihm im Monat 585,-€ zur Verfügung stehen. Schon mal eine gute Hürde, denn von deutschen Studierenden wird so etwas nicht verlangt.

Dazu kommt, dass ausländische
Studierende nur 90 Tage im Jahr arbeiten dürfen. Das ist so wenig, dass eine Finanzierung des täglichen Lebens unmöglich gemacht wird. Es wird also verlangt einen bestimmten Geldbetrag zu haben, aber nicht ermöglicht, sich diesen zu verdienen. Wer damit die Nutznießer dieses Systems sind, ist klar: wie immer und üblich ohnehin schon privilegierte Menschen, denen Bildung schon zur Verfügung steht. Denn dass Bildung mit dem Kontostand zu tun hat, ist ein alter Hut. So also werden die bahnbrechenden Erkenntnisse der Politik und Hilfsorganisationen in die Schublade geschoben und einfach so weiter gemacht wie bisher: in unserem System hilft nur Bildung, um aus prekären Verhältnissen heraus zu kommen, diese wird aber nicht denen, die sie brauchen zur Verfügung ge-

A NSPRECHPARTNER IST DIE VOM S TUPA
EINGERICHTETE H ÄRTEFALL KOMMISSION IN DER DIE LINKE L ISTE .SDS VERTETEN IST .

B EI R ÜCKFRAGEN KÖNNT
IHR EUCH GERN AN F ATMA KARACAKURTOGLU WENDEN

K ONSEQUENT LINKE P OLITIK stellt, bzw. wie immer nur über den Faktor Geld. Diesen Teufelskreis wird dann wohl hoffentlich jeder Leser erkennen.

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In diesem Teufelskreis auch noch
Gebühren aufzubringen ist schlechterdings unmöglich. Das führt zwangsläufig zur Exmatrikulation und dem Ende des Studiums, dahin ist das Recht auf Bildung, dem Mammon zum Opfer gefallen.

den SDS Duisburg—Essen Fatma ist besonders im Bereich Soziales der Universität Duisburg Essen tätig—Sonja Schacht ist Rechtsanwältin und hat sich auf den Bereich Sozialrecht spezialisiert. ]

DIE LEHRE VERSCHACHERN?

Von Benjamin Manigk Der Hochschulentwicklungsplan für die Universität Duisburg-Essen

Ausländische Studierende werden
nicht über ihre Rechte aufgeklärt und werden oft genug zur Kasse gebeten, obwohl sie eigentlich einem Ausnahmetatbestand unterfallen und damit von jeder Zahlung befreit sind.

Deutschland in 2008: Die Stu-

diengebühren sind Realität und werden so schnell nicht verAls Behörde ist die Universität dazu schwinden. 68 Prozent aller verpflichtet, über alle Möglichkeiten Studenten müssen neben der aufzuklären und Hilfestellung zu Uni Geld verdienen, um sich geben. Dieser Verpflichtung wird das Studium leisten zu können. jedoch nicht nachgekommen. Wir Statt für jeden zugänglich zu fordern die Universität Duisburg sein, wird höhere Bildung imEssen dazu auf, ihren Auftrag zu mer mehr zu einem Gut, welerfüllen und Menschen, die ihr Recht ches teuer erkauft werden auf Bildung wahrnehmen, zu untermuss. Umso wichtiger ist es da, stützen. dieses Gut aufzuwerten und Es muß Schluß sein mit den Grendie Qualität in den Vorlesungszen durch Nation und Geld! sälen zu steigern, oder?
[Die Autorinnen Fatma Karacakurtoglu und Sonja Schacht arbeiten für

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Dem gegenüber zielt der aktuelle würden durch das Vorhaben
Hochschulentwicklungsplan der UDE, den das Rektorat gänzlich ohne Mithilfe der Studentenschaft entworfen hat, eher in eine andere Richtung: Mehr Geld. Mehr Geld für wirtschaftlich ausgerichtete Studiengänge, mehr Geld für besondere Forschungsschwerpunkte, die wiederum viel Geld einbringen. Dies auf Kosten der Lehre und der Leistungen, die eine gute Universität ihren Studenten geben muss.

de die personellen Ressourcen des Rektorats, Professuren abzubauen, noch verstärkt werden. Dass die Fachbereiche am Ende der Studieneingangsphase durch Prüfungen als „Selektionsmechanismen“ die fähigsten Kandidaten auswählen sollen, macht da misstrauisch: Sollen möglichst viele Studenten an die UDE gelockt werden, die Studiengebühren bezahlen und der Universität zu einer hohen Kopfpauschale für Studienanfänger verhelfen, welche Teil des Hochschulpakts 2020 ist? Die Kosten für so eine Strategie wäre klar: Eine in der Anfangszeit durch Überfüllung und mangelnde Betreuung gekennzeichnete Lehre für die Studierenden.

Das Vorhaben des Rektorats,
durch eine Änderung der Zugangsvoraussetzungen - die Abschaffung des Numerus Clausus und eine geänderte Studieneingangsphase - die Zahl der neuen Studenten zu erhöhen, führt nur vordergründig zu einer höheren Chancengerechtigkeit. Die mangelnden Kapazitäten, räumlich wie personell, würden kaum ausreichen, um die zu erwartende Zahl an Studenten adäquat unterrichten und unterbringen zu können: Prall gefüllte Vorlesungssäle, ein Mangel an Übungsplätzen in der Bibliothek und überforderte Dozenten wären die Folge. Gera-

In der Forschung bekennt sich
der Hochschulentwicklungsplan zu einer offen wirtschaftlichen Ausrichtung: Die bereits eingeführten Forschungsschwerpunkte - Nanowissenschaften, Biotechnologie, Empirische Bildungsforschung und Urbane Systeme - sollen weiter ausgebaut und durch eine höhere Einwerbung von Drittmitteln

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finanziert werden. Statt nach der arbeit mit den Studierenden erQualität der Forschung zu fragen, stellt werden soll. soll das Potenzial eines Projekts, Drittmittel einbringen zu können, Der Autor studiert Ingeneurswissenschaften und hat aktiv an der entscheidend sein. Im MittelKritik am Hochschulentwicklungspunkt steht dabei speziell die „ plan mitgearbeitet. Programmförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft“. Im Gegenzug sollen Forschungsschwerpunkte, die Kapitalismuskritik in und an der Hochschule nicht in „absehbarer Zeit“ diesem Ziel Von Julian Schulz Rechnung tragen, wieder abgeschafft werden. Dies führt in der Konsequenz zu einer AusrichKritik (ursprünglich kritiké tung nach dem wirtschaftlichen [téchne]) ist zunächst einmal „die Nutzen eines Projekts. Kunst der Beurteilung“ oder die

Dies sind nur die größten
Beispiele für die Pläne, die das augenblickliche Rektorat für die UDE hat. Im März dieses Jahres hat das derzeitige StudierendenParlament als höchste Repräsentanz der Studierenden eine klare Stellungnahme zum augenblicklichen Hochschulentwicklungsplan vorgelegt. Doch es hängt von den Studierenden und ihrem Engagement ab, ob diese Vorhaben eine Zukunft haben oder einem neuen Plan weichen - der in Zusammen-

„Infragestellung“. Betrachtet man die heutige Situation an Hochschulen, die sich durch Studiengebühren, Einführung von kurzen Bachelor-Studiengängen, verschulten Studienordnungen und privatisierten Eliten charakterisiert, wird deutlich, dass die Bildungsinstitution Universität einen Wandel vollzogen hat.

Als kritische Studenten der Hochschulgruppe DieLinke.SDS Duisburg/Essen beobachten wir diesen Wandel, und versuchen ihn zu analysieren.

Errungenschaften der Nachkriegs-

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T UNIX diengänge und Studienordnungen, die dem Studenten seinen Studienweg strikt vorschreiben, verdeutlichen diese Entwicklung.

zeit wie die Hochschulreform von 1977, die durch die Studentenbewegung(68er) erkämpft wurde, sollten die Hochschule demokratisieren und Chancengleichheit im Bildungssystem schaffen. 40 Jahre nach der Emanzipation der Studenten und gut 30 Jahre nach der Reform setzen sich Bund wie Länder über den Artikel 13.2.c des UNSozialpaktes hinweg und nehmen uns Studenten das Recht auf Unentgeltlichkeit des Studiums und verstoßen somit gegen das Verbot der Einführung von Studiengebühren. (Der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, den auch Deutschland unterzeichnet hat, fordert dass „der Hochschulunterricht auf jede geeignete Weise, insbesondere durch allmähliche Einführung der Unentgeltlichkeit, jedermann gleichermaßen entsprechend seinen Fähigkeiten zugänglich gemacht werden muß“ (Artikel 13.2.c). Damit soll das kulturelle Menschenrecht auf Bildung gewährleistet werden.)

Wir sehen die Hochschule als einen Teil der Gesellschaft an und für uns wird deutlich, dass die Entwicklungen in der Gesellschaft mit denen in den Hochschulen unabdingbar miteinander verbunden sind. Erscheinungen wie Erwerbslosigkeit, Kinderarmut, Kriege, Faschismus und Umweltverschmutzung sind nicht zufällig, sondern entstehen durch die kapitalistische Gesellschaft. Der Bildungsabbau, so wie die oben angezeigten Tatsachen sind nicht durch eine Kultur oder Gene der Menschen definiert, sondern durch die Ökonomie. Während in Entwicklungsländern und zunehmend auch in Industrieländern der Begriff „Armut“ zur Tagesordnung wird und die Bevölkerung nach politischen Alternativen sucht, bereichert sich ein kleiner Teil der Gesellschaft stetig und lebt in vollkommenen Überfluss.

Die Einführung der Studiengebühren zeigt somit wie Bildung im 21.Jahrhundert angesehen wird, nämlich als Dienstleistung oder Investition in das eigene „Humankapital“. Verschulte Stu-

Die Linke.SDS Duisburg/Essen
versucht im Wintersemester 08/09 diese Widersprüche aufzuzeigen, und sie anhand von Lektüre zu erklären. Dazu bieten wir einen „Kapital-Lesekreis“ an, zu dem

K ONSEQUENT LINKE P OLITIK jeder herzlich eingeladen ist. In der bundesweiten Lesebewegung wird anhand Karl Marx „Das Kapital“ der Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur von der Urgesellschaft bis zum „Tod des Kapitalismus“ erläutert. Als kritische Studenten sehen wir uns außerdem dazu verpflichtet die Theorie mit der Praxis zu verbinden. Pragmatische Forderungen an der Hochschule und in der Gesellschaft könnt ihr unserem Wahlprogramm entnehmen.
„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Karl Marx

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Fehlende Studienplätze, unsoziale
Studiengebühren, BachelorabsolventInnen ohne Perspektive… Diese untragbaren Zustände sind das Resultat der schwarz-gelben Bildungspolitik. An fast allen Hochschulen des Landes sind die Studierenden mittlerweile gezwungen 500 € pro Semester an die Hochschule abzudrücken. Mit jedem Semester steigt dadurch der Schuldenberg weiter an. Trotz steigender SchulabsolventInnenzahlen studieren immer weniger Menschen in NRW. Das Studium wird immer mehr zu einem Privileg, das sich nur noch wenige leisten können.

Demoaufruf vom FZS
Dienstag, 17.06.2008, ab 11:00 Uhr

Die bildungspolitische Misere
wird durch die überhastete und nicht durchdachte Umstellung auf Bachelor/Master-Studiengänge noch zusätzlich verstärkt. Unstudierbare Studiengänge und fehlende Vergleichbarkeit selbst im eigenen Bundesland sind die Folge. Ein großer Teil der BachelorAbsolventInnen wird keinen Master-Platz erhalten. Viele werden die Hochschule ohne berufsqualifizierenden Abschluss verlassen müssen.

in Düsseldorf:

Landesweite Demo

Jetzt reichts! Bildungsnotstand in
NRW!

Landesweite Demo gegen Studiengebühren und für einen Master für alle!

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T UNIX Wir fordern deshalb: • Gebührenfreies Studium vom Bachelor bis zur Promotion. • Einen Masterstudienplatz für alle. • Abbau aller Bildungshürden. • Studierbare Studiengänge Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, werden wir am 17. Juni auf die Straße gehen. Gerade jetzt, wo Studiengebühren zu Fall gebracht werden können, treten wir mehr denn je für ein gebührenfreies Studium ein.

Das alles akzeptieren wir nicht
länger. Studiengebühren müssen schnellst möglich abgeschafft werden. Gleichzeitig muss allen Bachelor-AbsolventInnen ein Masterstudienplatz zur Verfügung gestellt werden. Dass die linke Mehrheit im hessischen Landtag Anträge zur Abschaffung der dortigen Studiengebühren eingebracht haben, ist vor allem ein Verdienst der studentischen Proteste. Darüber hinaus ist die juristische Zulässigkeit der Gebühren mehr als fraglich. Am 13. März diesen Jahres beschloss das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), die Revision der Musterklage des AStA der Uni Paderborn zuzulassen. Mit dieser Entscheidung des BVerwG wird nun unsere Rechtsauffassung bestätigt. Der UN-Sozialpakt ist Bundesrecht. In der Konsequenz bedeutet dies, dass Studiengebühren von den RichterInnen, die im Herbst über die Klage beraten werden, als rechtswidrig erklärt werden müssen. Bildung ist Menschenrecht und muss für alle frei zugänglich sein. Die Hochschulen müssen für Studierende egal welcher sozialen Herkunft geöffnet werden.

Wiedervorlage: Studiengebühren
Hochschulpolitischer Kommentar von Klemens Kimpele

Rückdrängen der Gebühren…

Nach der Landtagswahl gibt es
in Hessen eine Mehrheit gegen Studiengebühren. Durch das bundesweite Erstarken der Linken sieht sich auch die SPD wieder an ihr Nein zu Studiengebühren erinnert – spannend bleibt, ob das auch ein Nein ge-

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gen die eigenen Studienkonten impliziert – und so werden die Gebühren in Hessen vermutlich abgeschafft. Diese Abschaffung sollte den Studierenden auch in anderen Ländern Auftrieb geben und mit der Forderung einer generell zu stärkenden Durchlässigkeit des Bildungssystems verknüpft werden.

Damit ist noch nicht klar, wie das Gericht entscheiden wird. Allerdings besteht die Chance, dass dem Sozialpakt zur Geltung verholfen wird – mit weitreichenden Konsequenzen auch für andere Bundesländer. …und das Umfallen der Grünen

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ist auch in NRW etwas Wichtiges passiert. Das OVG Münster hatte seinerzeit die Studiengebühren in NRW für zulässig erklärt. Das OVG war der Meinung: Das Studienbeitragsund Hochschulabgabengesetz berechtige die Universität zur Erhebung von Studienbeiträgen. Höherrangiges Recht stehe dieser Regelung nicht entgegen. Das gelte namentlich für den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt). Damit wurde die Rechtbindung des Sozialpaktes, der Gebühren im Bildungssystem abzuschaffen zum Ziel hat, negiert. Eine Revision wurde nicht zugelassen. Dem Widersprach nun das Bundesverwaltungsgericht: Es hat nun per Beschluss die Revision zugelassen.

Die Nachrichten sind also erfreulich – und dennoch ist nicht entschieden, wie es mit den Gebühren in Deutschland weitergeht. Die Freude des bürgerlichen Lagers über eine weitere bürgerliche Koalitionsoption in Hamburg hat die Berichterstattung über die Inhalte überlagert. Die Grünen haben sich mit der CDU auf ein Modell nachgelagerter Studiengebühren geeinigt. Damit machen die Grünen deutlich: Sie halten das Studium für eine Investition in das eigene Humankapital – und eine solche muss sich rechnen. Es hilft hierbei wenig, wenn die Grünen ihr Gewissen mit vergleichbar geringen Gebühren in Höhe von 375 Euro und vergleichsweise hohen Einkommensgrenzen, aber denen zurückbezahlt werden muss, be-

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Kurzinfo—Wahlen Wahlen zum StuPa und zum Senat sowie über das Semesterticket finden in der Woche vom 9.-13 Juni 08 statt.

Telefon: 01775891848 E-Mail: die-linke-sds@gmx.de Impressum V.i.S.d.P. Oliver Opitz

Mit der Erststimme wählt ihr die Linke Liste.SDS und mit der Zweitstimme eine/ n KandidatIn. Für den Senat habt ihr eine Stimme. Vorsicht: Entscheidet ihr euch beim Semesterticket für keine der beiden Optionen, kann auch das Ticket als ganzes wegfallen.

INTERNET WWW. LILI-DUE.DE

Selbst die Tatsche, dass die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Gebühren geringer sind als heute kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Hamburg ein Dammbruch droht. Viele Gebührengegner scheinen das „weichere“ Modell nachlaufender Gebühren zu akzeptieren. Damit werden Gebühren durch die Grünen auch in Schichten attraktiv, die bisher strikt gegen Gebühren waren. Das historische Verdienst der Grünen wird also nicht die Abschaffung der BeustGebühren sein, sondern die Verbreiterung der Akzeptanz von Gebühren. Dass es dafür keinen Grund gibt hat das ABS in einer
HIER STEHT IHR FIRMENSLOGAN.

aktuellen Broschüre zu nachlaufenden Gebühren herausgearbeitet. Die Argument sollte sich jede/ r zu Gemüte führen – nachgelagerte Gebühren werden die Auseinandersetzung in der Gebührenfrage sein, und hier müssen Studierendenverbände – allen voran die Linken – aktiv gegenarbeiten. Die Losung muss sein: Die Abschaffung der Gebühren in Hessen aktiv betreiben, danach kurz feiern und dann den Dammbruch in Hamburg bekämpfen. [Der Autor ist beim SDS aktiv und arbeitet bei der AG Hochschulpolitik mit.]