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Institut für Medien- u. Kommunikationswissenschaft

Wegwerfen und durch ein leeres Vorsatzblatt ersetzten!

Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft

Friedensfrauen im Cyberspace
Über den Einsatz digitaler Kommunikation in der globalen Vernetzung weiblicher Friedensinitiativen

wissenschaftliche Begleitforschung zum Projekt

Diplomarbeit
zur Erlangung des Akademischen Grades Magistra phil Eingereicht bei o. Univ. Prof. DDr. Christina Schachtner von Monika Neumayer Mat. Nr.: 8620821 Klagenfurt, am 20. Oktober 2005

EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG

Ich erkläre ehrenwörtlich, dass ich die vorliegende Schrift verfasst und die mit ihr unmittelbar verbundenen Arbeiten selbst durchgeführt habe. Die in der Schrift verwendete Literatur sowie das Ausmaß der mir im gesamten Arbeitsvorgang gewährten Unterstützung sind ausnahmslos angegeben. Die Schrift ist noch keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt worden.

(Unterschrift)

(Ort, Datum)

I

Danksagung
Ich danke der Organisatorin des Projekts 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005" RuthGaby Vermot-Mangold und der Projektmanagerinnen Maren Haartje, Rebecca Vermont, die mir in Gesprächen, bei meinen Anfragen und Interviews Interesse und Geduld entgegenbrachten. Christina Schachtner "meiner" Frau Professor und Diplomarbeit-Betreuerin danke ich für den Kosmos an neuen Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten, den sie mir in unserer Zusammenarbeit erschloss, für die kritisch begleitende Auseinandersetzung mit meinen Schriftstücken, Ideen, Hirngespinsten und Hoffnungen, deren Essenz letztendlich in diese Arbeit fruchtend einflossen. Mein Danke geht auch an Doris Wastl-Walter, als Mensch (!) und als wissenschaftliche Leiterin der Begleitforschung von "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005" für die Teilnahme an diesem Projekt. Ich danke meinen Eltern, meinen Kindern Lucia und Paula sowie meinem Lebensmenschen Renè für ihren moralischen Rückhalt und ihr Verständnis. Meinen Freundinnen Astrid und Claudia danke ich für ihre Anregungen und Diskussionen und dafür, die vielen Seiten hier gegengelesen zu haben. Und natürlich Danke ich auch dem Bundesministerium für die Gewährung eines 18 monatigen Studienabschlussstipendium, das mich in der Diplomarbeitsphase finanziell (gerade noch) über Wasser hielt! Besonders aber Danke ich den Friedensfrauen, die ich im Zuge meiner Forschungsarbeit kennenlernen durfte! Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, erfüllt mich mit Stolz. Ihr Mut, ihr Engagement und ihre Hingabe sollen mir lebendig in Erinnerung bleiben und meine Zukunft vorbildhaft begleiten! Ich danke Clara Charf, Lau Kin Chi, Vera Chirwa, Nomvuyo Skota Dayile, Asha Khalil Abdalla Elkarib, Kamla Bhasin Fatoumata Maïga, Sandy Fong, Nora Liliana Franco, Zainap Gaschajewa, Fatoumata Maiga, Fadila Memesevic, Aida Abu-Ras, Margo Okazawa-Rey, Supwadee Petrat, Marina Pikulina, Sima Samar, Nicci Simmonds, Paulynn Paredes Sicam und Karen N. Tanada.

Abstract PEACE WOMEN IN CYBERSPACE:
The use of computer-mediated communication in gendered peace building efforts. RESEARCH TOPIC: The use of computer-mediated communication in gendered peace building efforts focused on the 1000 Women for the Nobel Peace Prize 2005 project. The study analyzes the temporal structure of the project, the group purpose of the concerned team, the external context and the technical system infrastructure of their virtual interaction, the personal context of the team-members and the choice of shared virtual or non-virtual (public) sphere of communication. INVESTIGATION AND RESULTS Analyzing interviews with coordinating women as well as newsletters and online information of the www.1000peacewomen.org has been the source for the investigation. Here are few selected findings about how peace women constitute global networking in virtual space: • Computer mediated communication in the community of the coordinating team means above all "e-mailing". The coordinating women constitute their virtual networking not on any kind of corporate or shared platform but in addition to traditional forms of meetings and conferences. • In the process of searching for nominations in the different regions, e-mail was useful but mostly "not enough" to get to the grass root-organisations and the peace women on the sub-national level. To reach the organizational goals the personal contacts, acquaintances and face to face communication counts most and is clearly related to specific cultural backgrounds.

To use the internet as a source of information is common among the coordinating women, using it for interactive cooperation and collaboration (despite e-mailing) depends on the cultural setting and other factors like national state of democratic development or the asymmetric economic opportunities concerning internet access itself.

To handle open conflicts or life in a daily situation of violence or war, makes it difficult, to be present online or connected in any way. Especially for the political south, but also recognizes in marginalized area of highly developed countries computer mediated communication is not even an option–- and not only because of worsening infrastructure.

The diversity of languages, cultural, ideological and personal settings was not seen as grave barriers of virtual interaction by the peace women. Mainly the basic economic determinants of the global digital divide, especially the lack of resources are rated to cause informational restrictions in general.

CONCLUSION Virtual collaboration and cooperation in a team containing these specific factors of diversity have to follow the principal of lowest level of technical conditions and lowest necessity of resources in order to bring computer-mediated communication down to a common denominator for all participants of the group. Virtual presence and any kind of website is an important vehicle for public relations. Information, publicity and virtual communication makes the achievements of peace women sustainable visible.The use of Small-media software and application for collaborative workinggroups like WIKIs and Weblogs could be helpful, if distributed under Open Source, Common License or GNU. The ability of bringing together traditional, regional and digital networks of peace building seems to be the real attainment of the 1000peacewomen´s internet based communication. The women campaigning the project are spreading the global network-communication from digital space to traditional networks of gendered peace interests. By doing that they overcome social hierarchy and empower dynamic structures for peace action and the realization of democratic gender relations and create a alternative public sphere for their interests and aims.

Vorwort
Cyberspace – wo ist das? Die unendlichen Weiten des Cyberspace unfassbarer Raum

phantastischer Visionen einer schönen neuen Welt. Abgehoben von der realen Körperlichkeit, befreit von Konventionen und weit ab von schnöder Alltäglichkeit fließen die Kommunikationsströme ins Daten-Nirwana. Dass im Cyberspace aber durchaus „irdischen“ Zielen entgegen gearbeitet wird, begründet zumeist eine Reduplizierung der bestehenden Macht- und Geschlechterverhältnisse und steht im Kontext mit jenen

Ungerechtigkeiten und sozialen Konflikten, die bisweilen auch zu Kriegen führen. Krieg und Frieden im Cyberspace – der Krieg stand schon bei der Erfindung des Internet Pate – und wie kommt nun der „Frieden“ ins Netz der globalen Möglichkeiten? Wie machen sich Frauen virtuell Platz für die Vernetzung ihrer Friedensinteressen? Was bedeutet eigentlich „Frieden“ - einfach nur die Abwesenheit von Krieg? Wie können Frauen als Gleichberechtigte die Werte einer Zivilgesellschaft stärken, wo doch die Warlords, Militärs und Kriegstreiber, ebenso wie strukturelle Gewaltmechanismen in den meisten Weltregionen die besseren Karten haben? Welches Gegengewicht zur herrschenden Geschlechterhierarchie kann die Vernetzung von Frauen hier wirklich setzten? „We do it the female way – not only the e-mail way!“ – meinte Kamla Bhasin, Friedensnetzwerkerin aus Indien bei einem unserer gemeinsamen Workshops im Rahmen des Projekts "1000 Frauen für den

Friedensnobelpreis 2005" und fasste damit sehr eindringlich zusammen, wie sehr sich die digitale Vernetzung der Friedensfrauen an

pragmatischen Kommunikationszielen orientiert. Die Friedensaktivistinnen arbeiten mutig daran, das digitale Netz über sich hinauswachsen zu lassen, denn die Zahl der Friedensfrauen an der Basis, die über das Internet erreichbar sind, ist in den meisten Ländern denkbar gering. Zumeist schafft das Internet in einer Welt höchst unterschiedlich entwickelter Staaten eher eine Verstärkung sozialer Ungleichheit (vgl. Bühl) und wirtschaftlicher Klüfte, die letztlich den Zugang zu den Neuen Medien bestimmen. Die Chancen für „digitale“ Friedensarbeit verteilen sich dementsprechend polarisiert. Im Cyberspace ist nur sichtbar, wer auch „angeschlossen“ und "vernetzt" ist. „To be connected - or not ?“ wird zur Exsistenzfrage im Cyberspace. Je näher die Friedensarbeiterin am Konflikt dran ist, desto deutlicher verstärkt sich diese Situation. Der Traum, dass die von Ungleichheit gezeichnete Weltgesellschaft ausgerechnet im Cyberspace die Lösung aller oder auch nur einiger ihrer Probleme findet, bleibt ein solcher. Die Chance jedoch, dass Frauen gerade die Neuen Medien, als Neuland abseits traditioneller

Geschlechterrollen für sich und die Verwirklichung ihre Ziele erobern, erscheint mir nach den Gesprächen mit den Friedensfrauen als durchaus real. Frauen ergreifen in unterschiedlichster (digitaler) Form ihre Chance diese Cyber-Welt friedlich und zu friedlichen Zwecken zu „bevölkern“. Ihre Friedensarbeit besteht auch darin den Cyberspace nicht den „Warlords“ oder profitgetriebenen Globalisierungstendenzen zu überlassen, sondern aktiv für ihre Ziele im Sinne eines gemeinsamen Friedensbegriffes mitzugestalten.

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Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung
1.1 1.2 1.3 1.4

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Vorgehensweise .......................................................................... 7 "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005" ......................... 9 Problemstellung ......................................................................... 12 Relevanz der Forschungsthematik ............................................ 15 Kommunikationswissenschaftliche Relevanz ..................... 15 Praktische, feministische, politische Relevanz ................... 21

1.4.1 1.4.2 1.5 1.6 2

Fragestellung............................................................................. 23 Zielsetzung ................................................................................ 25

Forschungsprozess und Methodenwahl ........................................... 27 2.1 2.2 Methodendiskussion .................................................................. 27 Forschungsdesign ..................................................................... 29 Einzelfallstudie.................................................................... 30 Dokumentenanalyse........................................................... 31 Auswahlentscheidungen und Aufbereitung ........................ 32

2.2.1 2.2.2 2.2.3

Erhebung von Daten: .................................................................... 33

2 Die Fallgruppe unter den Koordinatorinnen:.................................. 34 Aufbereitung der Interviews:.......................................................... 35 Selektive Aufbereitung der Newsletter-Texte: ............................... 35 Selektive Auswertung.................................................................... 36 2.3 Forschungsverfahren................................................................. 36 Interview ............................................................................. 37 Qualitative Inhaltsanalyse................................................... 39

2.3.1 2.3.2 2.4 2.5 3

Konstruktion deskriptiver Systeme............................................. 40 Auswertung................................................................................ 41

Begriffsabgrenzung und theoretischer Bezugsrahmen ..................... 42 3.1.1 3.1.2 3.1.3 3.1.4 3.1.5 3.1.6 3.1.7 Netz .................................................................................... 42 Interaktivität ........................................................................ 44 Cyberspace und Virtualisierung des Sozialen .................... 48 Netzkommunikation ............................................................ 53 Netzkommunikation als Ausprägung von Medialisierung ... 57 Netzwerke .......................................................................... 59 Öffentlichkeit und Gemeinschaft im virtuellen Raum .......... 64

Virtueller Raum als Ort neuer Öffentlichkeit .................................. 64

3 Globale Öffentlichkeit – Weltöffentlichkeit ..................................... 71 Virtuelle Gemeinschaft .................................................................. 76 Virtuelle Gemeinschaft als globaler "Frauenraum" ........................ 81 3.1.8 4 Theoretische Dimensionen des deskriptives System ......... 83

Dimensionierte Fallbeschreibung und ihre Ergebnisse ..................... 86 4.1 Zeitliche Struktur........................................................................ 86 Konzeptionsphase: ............................................................. 89 Vernetzungs-Phase ............................................................ 92 Verwirklichung bzw. Umsetzungsphase ............................. 96 Nachhaltigkeitserwägung und Fortführung ......................... 97

4.1.1 4.1.2 4.1.3 4.1.4 4.2

Gemeinsame Absicht................................................................. 99 Ideelle Ziele ...................................................................... 100 Strategische Ziele............................................................. 102 Konkrete Ziele .................................................................. 105 Alltägliche Ziele ................................................................ 107

4.2.1 4.2.2 4.2.3 4.2.4 4.3

Äußerer Zusammenhang......................................................... 108 Diversität und Gemeinschaft ............................................ 109 Sprache ............................................................................ 111

4.3.1 4.3.2

4 4.3.3 4.3.4 4.3.5 4.3.6 Regionale Unterschiede und kulturelle Eigenheiten: ........ 112 Amerika ............................................................................ 113 Europa.............................................................................. 115 Asien und Ozeanien ......................................................... 117

Ozeanien:.................................................................................... 118 Mekong-Region........................................................................... 118 Philippinen................................................................................... 121 Südostasien ................................................................................ 122 China........................................................................................... 125 Zentral und Nordasien................................................................. 126 Mittlerer / Naher Osten ................................................................ 128 4.3.7 4.4 Afrika ................................................................................ 129

Technische System-Infrastruktur ............................................. 131 Computergebrauch offline ................................................ 135 Information ....................................................................... 137 Kommunikation................................................................. 138 Aktion ............................................................................... 139

4.4.1 4.4.2 4.4.3 4.4.4 4.5

Persönliche Aspekte ................................................................ 141

5 4.5.1 4.5.2 4.5.3 4.5.4 4.5.5 4.5.6 4.6 Wirkungskreis ................................................................... 143 Genderspezifische Technikzuschreibung ......................... 145 Medienkompetenz und Bildung ........................................ 145 Alter .................................................................................. 146 Emotionen ........................................................................ 147 Engagement ..................................................................... 147

Kommunikationsraum .............................................................. 148 persönliche Anwesenheit / Vermitteltheit.......................... 149 öffentlich / privat ............................................................... 153

4.6.1 4.6.2 5

Fazit ................................................................................................ 157

Literaturverzeichnis................................................................................ 168 Abbildungsverzeichnis ........................................................................... 178 Anhang und Primärquellen ........................................................................ II Newsletter .............................................................................................. II Interviews: .............................................................................................. II Maren Harrtje,....................................................................................IV Rebecca Vermot, .............................................................................VIII Kamla Bhasin.................................................................................. XXI

6 Supawadee Petrat (Kratae) ........................................................... XXV Nomvuyo Skota Dayile................................................................... XXX 5.1.1 Paulynn Paredes Sicam ................................................XXXV

Kurzbiographien ...........................................................................XXXVIII

7

1 Einleitung
Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. Artikel 19, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Die vorliegende Arbeit entstand als Projekt der wissenschaftlichen Begleitforschung zu 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005. Dieses Forschungsvorhaben wurde als internationale Kooperation des Institutes für Sozialgeographie der Universität Bern, dem Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bern und dem Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Klagenfurt organisiert. Im Zuge der Forschungstätigkeit für diese Diplomarbeit nahm ich an zwei der Koordinatorinnentreffen der Organisation 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 (13.-15. Oktober 2004 in Walenstadtberg und 8. April 2005 in Zürich) teil, und absolvierte gemeinsam mit Univ. Prof. Dr. Christina Schachtner ein Referat auf der Konferenz Women, Peace & Civil Society (12. Oktober 2004) an der Universität Bern.

1.1 Vorgehensweise
Die Einleitung dieser Arbeit soll den Leser/ die Leserin für die Thematik sensibilisieren, den Entstehungszusammenhang der Arbeit sowie die Problemstellung und die Vorgehensweise klären. So werden im ersten Kapitel der Forschungszusammenhang und seine wissenschaftliche,

praktische und politische Relevanz argumentiert, die Problemstellung umrissen, sich ergebende konkrete Fragestellungen geäußert und Erkenntnisziele formuliert.

8 Das zweite Kapitel enthält zum einen eine Diskussion der methodischen Vorgehensweise. zusammengefasst die und getroffenen argumentiert methodischen zum Entscheidungen wird der

anderen

Forschungsprozess als solcher skizziert. Die theoretische Rahmenbildung im dritten Kapitel dient der

Begriffsabgrenzung. Im Bestreben, die Bedeutungen der zentralen Begriffe zu konkretisieren, soll transparent werden, was hinter diesen zentralen Begriffen an empirisch beobachtbarem Daten und theoretischen Kontexten steckt und wie sie ihren Inhalt in die spätere Analyse einbringen. Zugleich bleibt der Forschungsprozess insofern offen, als er sich die Freiheit vorbehält, zu gegebenem Zeitpunkt empirisch begründet weitere theoretische Erklärungsversuche und entsprechende Konzepte einzubeziehen. Im vierten Kapitel werden die aus der Codierung der Textmaterialen erhobenen Daten zur Beschreibung des Falles genutzt, ausgewertet und einer weiteren Interpretation von Wirkungszusammenhängen zugänglich gemacht. Hier werden alle sechs im Laufe des Forschungsprozesses entwickelten Dimensionen zur Datenanalyse für sich in abgeschlossenen Abschnitten besprochen. Die einzelnen Abschnitte setzen sich detailliert mit den unterschiedlichen Kategorien oder Teilaspekten der Dimensionen auseinander und stellen die jeweiligen Auswertungsergebnisse vor. Im fünften Kapitel werden die Ergebnisse der Datenauswertung und ihrer Interpretation nun hinsichtlich der Beantwortung der vorangestellten Forschungsfragen reflektiert und als Grundlage zur Entwicklung praktisch relevanter Überlegungen genutzt. Kriterien zur Ermöglichung virtueller Vernetzung werden ermittelt und in Relation zu den beschrieben Rahmenbedingungen erörtert. Weiters versucht das Fazit , die gewonnene Erkenntnis hinsichtlich ihrer Gültigkeit über das gesetzte Fallbeispiel hinaus zu hinterfragen.

9 In den Vorsatz der Arbeit ist ein englischsprachiges Abstract

eingelassen, das Vorwort widmet sich dem persönlichen motivationalen Entstehungszusammenhang der Arbeit. Interviewtranskripte mit

Kurzbiographien der Befragten sowie das Textmaterial der untersuchten Newsletter finden sich im Anhang.

1.2 "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005"
Die Unternehmung, in deren wissenschaftlichem Geleit diese Arbeit entstand, setzt sich zum Ziel, die Friedensarbeit von Frauen ins Licht der Weltöffentlichkeit zu rücken und regionale Friedensbemühungen von Frauen in einem globalen Kontext zu vernetzten. Das Projekt 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 ist bestrebt, Frauen, die sich in der Friedensarbeit engagieren und außerhalb ihres engeren Wirkungskreises kaum Beachtung finden, zu suchen,

auszuwählen und sie alle gemeinsam für den Friedensnobelpreis 2005 vorzuschlagen. Die Porträts dieser Frauen sollen um die Welt gehen, ihre Sorge und Leistung für eine gewaltfreie, sichere Zukunft sichtbar machen und dabei gleichzeitig auf die Tatsache hinweisen, dass bisher mehrheitlich Männer mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt wurden. Der Ablauf des Projekts umfasst verschiedene Phasen, meine Forschung begleitete hauptsächlich die weltweite Organisation und Durchführung der Nomination, bei der Koordinatorinnen auf allen Kontinenten Informationen über Frauen in der Friedensarbeit suchen, sammeln, entgegennehmen und auswerten. Die gesamte Liste dieses Pools von Friedensfrauen wurde dem Nobelpreis-Komitee als Vorschlag für den Friedensnobelpreis 2005 zugesandt. Die mit dieser Eingabe an das Komitee verbundene politische Forderung ist, den Friedensfrauen gesellschaftliche Anerkennung für ihre Leistung zu verschaffen . Denn es sind zumeist gerade Frauen, die sich in

10 unterschiedlichsten und vor allem alltäglichen Konfliktsituationen um Aussöhnung bemühen, die aber zumeist unbedankt bleiben und selten mit Auszeichnungen belohnt werden. Das Ziel des Projektes besteht also darin den Frauen, die weltweit ihr Engagement dem Frieden widmen, eine Würdigung zukommen zu lassen, die ihnen bisher verwehrt blieb. Bisher erhielten rund 80 (zumeist ältere) Herren und 20 Organisationen diesen renommierten Preis1, dem stehen bisher nur 12 Frauen gegenüber. Vor der Eingabe an das Nobelpreiskomitee erstellte ein internationales Konzil die endgültige 1000 Frauen umfassende Liste, die am 29. Juni 2005 bei weltweit stattfindenden Pressekonferenzen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Dokumentation des Projektes sieht die Publikation eines Buches mit Biographien verschiedener Friedensfrauen, eine Wanderausstellung sowie die Aufbereitung der gesammelten Inhalte durch neue Informationstechnologien vor. Die weltweit gesammelten Daten sollen unter Berücksichtigung der Datensicherheit für Forschende und Studierende zugänglich gemacht werden und erhalten bleiben, sowie als Ausgangspunkt für weiterführende Vernetzungsbemühungen

bewirtschaftet werden. Das organisatorische Zentrum des Projekts liegt in der Schweiz, von hier aus wurde eine Vernetzung der unterschiedlichsten Initiativen und Organisationen in globalen und lokalen Zusammenhang forciert. Diese Vernetzung dient dem Austausch zwischen den Akteurinnen mit dem Ansinnen, jene Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen, die sich trotz unterschiedlicher Situationen, Regionen und kultureller Eigenheiten aus der Friedensarbeit ergeben. Die Organisatorinnen und regionalen

Daten laut Angaben der Nobel Price Fondation 2005 (http://nobelprize.org/search/all_laureates_yd.html) zuletzt besucht 20050810

1

11 Koordinatorinnen vernetzen die Schaltstelle in Bern mit Initiativen in der ganzen Welt. Dabei
2

entsteht

sowohl

horizontaler

und

vertikaler

Vernetzungsbedarf,

der sprachliche Barrieren zu überwinden hat,

kulturelle Unterschiede einbezieht, geographische Hürden bewältigt und in (notwendigerweise) hohem Ausmaß auf digitaler Kommunikation beruht. Die Nominationsphase, der Projektabschnitt also, in dem es um die Suche nach und die Entscheidung für 1000 Nominationen durch die Initiative ging, stellt den zentralen Zeitraum der Untersuchung dar. Die weltweite Ermittlung von Friedensarbeiterinnen musste organisiert werden. Aufgabe war es dabei, die Mitarbeit von Politikerinnen, Journalistinnen und lokalen NGOs zu motivieren und Eingaben für die Auswahl zu erheben. Das Vorgehen von rund 20 weltweit verteilten Koordinatorinnen musste organisiert werden, das Projekt an sich weiter bekannt gemacht werden. Die Organisationskommunikation hatte also einerseits die Aufgabe, Austausch und Vernetzung unter den Friedensfrauen zu bewirken und andererseits Möglichkeiten zu eröffnen, die das politische Anliegen des Projektes einer breiteren Öffentlichkeit erschließen.

2

Horizontale und vertikale Vernetzung bezieht sich hier auf die Ebenenkonstruktion von

drei Tracks vergleichbar mit dem Konzept der "multitrack diplomacy" von John W. McDonald und Louise Diamond "The concept is an expansion of the original distinction made by Joseph Montville in 1982, between track one (official, governmental action) and track two (unofficial, nongovernmental action) approaches to conflict resolution." (McDonald 2003) - einem Trackmodell, das inzwischen neun Tracks unterscheidet. Innerhalb des Projekts werden drei Tracks für die in der Friedensarbeit tätigen Frauen definiert: "women who are active on the Track ll Level and work for national or international (non-governmental) organisations or institutions, are networked, and have connections with the Track l women active on the governmental or parliamentary level. … with Track lll women on the grass-roots level, women who are active locally and not necessarily part of an organisations?" (http://www.1000peacewomen.org/weg.html)

12 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 kann innerhalb einer "Typologie organisierter Interessen nach Handlungsfeldern und

Politikbereichen" (Frerich/Wiemert 2002: 24) als gesellschaftlich-politische Vereinigung bezeichnet werden und ist ein transnational tätiger nicht staatlicher Akteur, eine "Nichtregierungsorganisation" (non governmental organizations, NGO). Die Definition als NGO für die Organisation 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 widerspricht zwar dem Projektcharakter der Initiative, hier jedoch wichtiger eingeschätzt ist jenes Wesensmerkmal einer NGO, das sie als Gruppe "mit autonomem Status den staatlichen Organisationen und dem Staatsapparat gegenüber" (Take 2002: 39) definiert. Die internationale Vernetzung von NGOs ist als strategisch geleitet anzusehen und "entspricht dem Zweck ihrer Ziele" (Take 2002: 87). NGOs sind deshalb oft netzartig mit anderen NGOs verbunden und weisen überlappende Mitgliedschaften auf. Ähnlich wie dies auch in virtuellen Netzwerken zu beobachten ist, sind NGOs unabhängig, basieren auf Freiwilligkeit und Solidarität und es kommt zum gegenseitigen

Ressourcenaustausch und gemeinsamer Bearbeitung gesellschaftlicher Problemlagen oder anderer Thematiken. In dieser Arbeit soll nun das Projekt 1000 Frauen für den

Friedensnobelpreis 2005 als Netzwerk seiner Akteurinnen und als virtuelle Gemeinschaft analysiert werden. Im Zentrum steht dabei die virtuelle Vernetzung jener Frauen, die sich als Koordinatorinnen und

Managerinnen an diesem Projekt beteiligten.

1.3 Problemstellung
Die Welt des Internets ist eine unvermutet kleine. Zwar sind Dreiviertel aller AmerikanerInnen regelmäßig online, unter den 35 – 54 jährigen Frauen sogar 81 Prozent (Nielsen-Netrating 2004), doch für die Länder an der Peripherie der amerikanisch-europäisch zentralisierten

13 Internetgeographie fallen die Nutzungszahlen weitaus geringer aus, wenn sich kommerzielle Marktforschungsinstitute überhaupt die Unkosten machen, welche zu erheben. Abseits der als neue Märkte erkannten Regionen sind nicht nur die UserInnen rar, sondern auch kaum aktuelle Statistiken greifbar. Anders bei den Regierungsorganisationen: So rechnet beispielsweise der CIA (CIA-Factbook 2005) für Afghanistan mit - alles in allem - rund 1000 (!) InternetuserInnen, wohingegen 94 Millionen UserInnen in China surfen. Hafkin und Taggert (2001: 27), geben in ihrer Studie für vierzig der 225 Nationen eine Internetverbreitung von weniger als 1 Prozent an, die meisten davon am Afrikanischen Kontinent. Der Zugang zu neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ist also nicht überall in gleicher Weise gegeben. Schon in den Neunzigerjahren wurde erst in politischen Diskussionen, später beispielsweise auch in globalen Entwicklungsberichten der UNO (UNO/Human Development Program 1999) ein "Digital Divide"

thematisiert, das eine Spaltung der (Informations-)gesellschaft entlang der Achse digitaler Konnektivität prophezeite. Eine solche digitale Spaltung wurde in den folgenden Jahren Gegenstand von Forschungsarbeiten (vgl. Norris 2001; Arnhold 2003; u.a.), die sich sowohl auf die Analyse nationalstaatlicher Gefüge und gesellschaftlicher (Rand-)gruppen

konzentrierten, als auch dieses Phänomen der Spaltung aus einer globalen Perspektive betrachteten. Die ursächliche Begründung für diese Spaltung glaubten diese Arbeiten in der Ausprägung ökosozialer, bildungsabhängiger, kultureller und geschlechtsspezifischer

Entwicklungsfaktoren zu finden, die letztlich jedoch nur Indikatoren für das "Digital Divide" sind. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass auch die Internetverbreitung selbst nur einen dieser Entwicklungsindikatoren darstellt und die digitale Spaltung Ausdruck einer "sozialen Ungleichheit" (Bühl 2000: 216) ist, die sich in Machtund Ressourcenverteilung äußert und mit der

"Virtualisierung der Sozialstruktur" (Bühl 2000: 215) einhergeht.

14 Der Ausschluss aus dem virtuellen Raum bedeutet in einer modernen Wissens- bzw. Informationsgesellschaft eine Benachteiligung in allen Lebens- und Wirkungsbereichen. Dieser pessimistischen Sicht der Entwicklung (steigende soziale Ungleichheit durch ungleiche Verteilung von Ressourcen wie bspw. Bildung und Zugang zum Internet etc.) steht die optimistische Haltung gegenüber, das Internet als Chance der Demokratisierung zu sehen und die Schaffung und Gestaltung virtueller Räume zur Stärkung weiblicher Interessen wahrzunehmen. Dieses "Netzengagement" (Schachtner/Winker 2005: 11) soll Solidarität und Verständigung fördern und eine globale Öffentlichkeit der Zivilgesellschaft der Globalisierung wirtschaftlicher und militärischer Interessen gegenüber stellen. Die Stärkung der Zivilgesellschaft wird als wichtige Strategie der Friedenssicherung, der gesellschaftlichen Konfliktbewältigung und

Konfliktbearbeitung gesehen. Insofern werden in der Virtualisierung von Kommunikation auch Potenziale für einen sozialen Wandel mit

friedenspolitischer und feministischer Relevanz geortet. Um diese Potenziale zu eröffnen und praktisch nutzbar zu machen, ist es notwendig, einzelne gesellschaftliche Gruppen nach dem Kontext ihres Handelns zu erfassen und die individuellen Nutzungsgewohnheiten, die

infrastrukturellen Grundlagen und die äußeren Zusammenhänge ihres Wirkens zu analysieren. Die Virtualisierung als bildet von auch Kommunikation hinsichtlich in einer dieser sowohl innerhalb an von

Organisationen Öffentlichkeit

Teilhabe Arbeit

globaler

den

behandelten

Problemzusammenhang, der anhand des Fallbeispiels des Projektes 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 in einen konkreten Nutzungsund Handlungszusammenhang für den Einsatz neuer

Kommunikationstechnologien gesetzt wird.

15

1.4 Relevanz der Forschungsthematik
1.4.1 Kommunikationswissenschaftliche Relevanz Das Internet stellt eine dezentral organisierte, eigendynamische, digitale Netzwerkstruktur auf globaler Ebene dar, die zu unterschiedlichsten Formen der Kommunikation genutzt wird, zumeist aber einen hohen Medialisierungsgrad im Gebrauch seiner Kommunikationsformen aufweist. Die gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die dieser "Zusammenschluß von regionalen, nationalen und

übernationalen Computernetzen" (Burkart 2002: 367) mit sich brachte, stellt für die Kommunikationswissenschaft insofern eine Herausforderung dar, als sie gefordert ist, viele ihrer Konzepte und theoretischen Ansätze neu zu überdenken. Dabei greift wiederum die interdisziplinäre

Orientierung der Medien- und Kommunikationswissenschaft in ihrer heutigen Prägung, die stets Konzepte und Modelle aus angrenzenden Fachgebieten wie der Soziologie, der Psychologie, der Philosophie, der Pädagogik, der Politikwissenschaft oder auch der Linguistik und Theaterwissenschaft (usw.) für ihre Theoriebildung einbezieht. Vor allem die kulturwissenschaftliche Perspektive (Karmasin / "Kulturwissenschaft Winter einer 2003:9) als stellt

Kommunikationswissenschaft" hinsichtlich aktueller

Problemstellungen

differenzierten

Internetforschung einen "Bezugspunkt für neue offenere und komplexere Ideen und Konzeptionen von Medien- und Kommunikationswissenschaft" (Karmasin / Winter 2003: 11) dar. Vor der Verbreitung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), die als sprunghafte Veränderung der Grundlagen gesellschaftlicher Kommunikation gesehen werden können, setzte sich die Medien- und Kommunikationswissenschaft auseinander, beschäftigten, die sich oder mit jedoch dem zumeist Phänomen mit der Theorieansätzen Massenmedien als

interpersonale erfassten. Versuche,

Kommunikation die

Gegenstandsbereich

angebrochene

16 Medienrevolution (Margolis/Resnick 2000, Dijk/Hacker 2000, Möller 2005) bzw. die beschleunigten Entwicklungen einer Medienevolution (vgl. Mainzer 1999, 109-149) in vorhandene Theorieansätze einzubinden, wie das beispielsweise ein um die Implikationen neuer Medien erweitertes Feldschema (Maletzke 1984) der Massenkommunikation leistet (Burkart / Hömberg 2004), blieben bisher ihre empirischen Einlösung schuldig. Eine wesentliche "Neuerung" kann in einer dem Internet inhärenten Eigenschaft gesehen werden: Die am Netzwerk Teilnehmenden sind prinzipiell sowohl Sender als auch Empfänger. Das gilt als ein inzwischen von der Medien- und Kommunikationswissenschaft durchaus anerkanntes Phänomen, das in die bisherigen Modelle von Massenkommunikation nur schwer einzuordnen ist. Denn das Internet stellt die technische Basis für eine "Vielzahl kommunikativer Aktivitäten" (Burkhart 2002: 363) dar und setzt voraus, dass die Rolle des Senders und die des Empfängers neu überdacht werden (Vgl Burkart 2002: 364). So fordern es zumindest die Lehrbücher. Versuche, die herkömmliche Mediendefinitionen auf den Computer an sich, E-mailing, das Intra- oder Internet oder auf unterschiedliche Erscheinungsformen digitaler Kommunikation anzuwenden (vgl. Faulstich 2000: 23-28), blieben bald hinter dem sich rasch entwickelnden IKTBereich zurück, denn "ein an den technischen Eigenschaften

festgemachter Medienbegriff reicht hier nicht aus", wie auch Höflich (1996: 60) feststellt. Mit dem Begriff "Hybridmedium" versuchte im folgendem die Theoriebildung von Höflich (1996, 1998, 2003) sich mit der Eigenschaft des Internets, zwischen den unterschiedliche Kommunikationsmodi zu wechseln, auseinanderzusetzen. Die Idee, auch in technisch vermittelter Kommunikation direkte Interaktion zu ermöglichen, wie es bisher zumeist nur in der interpersonalen Kommunikationsform des Telefonierens möglich war, ist jedoch an sich nicht neu. Bereits Enzensberger forderte in einem Kursbuchartikel

17 (Enzensberger 1970) Medien technisch so zu gestalten, dass sie im Sinne eines emanzipatorischen Mediengebrauchs sowohl Empfangs- als auch Sendegerät sein können, um damit Kommunikation im eigentlichen Sinne zu ermöglichen. Was im Internet nun als möglicher

Entwicklungstrend abzulesen ist, ist als prinzipielle Überlegung also nicht wirklich neu, wie sich an folgendem Zitat ablesen lässt:
"Zum ersten Mal in der Geschichte machen die Medien die massenhafte Teilnahme an einem gesellschaftlichen und vergesellschafteten produktiven Prozeß möglich, dessen praktische Mittel sich in der Hand der Masse befinden. Ein solcher Gebrauch brächte die Kommunikationsmedien, die diesen Namen bisher zu unrecht tragen, zu sich selbst. In der heutigen Gestalt dienen diese Apparate wie das Fernsehen oder der Film nämlich nicht der Kommunikation sondern ihrer Verhinderung. Sie lassen keine Wechselwirkung zwischen Sender und Empfänger zu, technisch gesprochen reduzieren sie den feedback auf das systemtheoretische Minimum." (Enzensberger 1997:99.)

Enzensbergers "Baukasten einer Theorie der Medien" und die Konzeption des emanzipatorischen Mediengebrauchs erfuhr, bedingt durch die neuen Technologien und die daraus resultierende "Suche" nach einem Modell, in dem der Empfänger auch gleichzeitig Sender ist, ebenso eine

Renaissance wie Bert Brechts Radiotheorie (Brecht 1967). Theorieansätze, die sich mit dem direkten dienten interaktiven somit als

Kommunikationsprozess

auseinandersetzten,

konzeptuelle Grundlage für eine umfassende Auseinandersetzung, die sich mit der computervermittelten Kommunikation als

"computervermittelter interpersonaler Kommunikation" befasste und die Vermitteltheit von Kommunikation durch Computer als
3

einen eine

kommunikativen Rahmen darstellte, der bereits bei Goffmann

umfassende theoretische Entwicklung erfuhr. Auf dieser Grundlage fand

3

Höflich gibt dazu an verschiedenen Stellen mehrere unterschiedliche Quellen aus den

Werken Goffmans an.

18 nun auch im deutschsprachigen Raum ein wissenschaftlicher Diskurs zur Thematik der Netzkommunikation Forschungstradition statt, bereits wie er in der früher

angloamerikanischen

wesentlich

einsetzte und der die Theorieentwicklung in unserem Sprachraum bis heute stark beeinflusst. Als hilfreich in der Definition des Sender – Empfänger Verhältnis erwies sich die Veranschaulichung durch die Kürzel: One to One (ein Sender ein Empfänger), One to Many (ein Sender ein Empfänger) und Many to Many.(viele senden und viele empfangen)4 (vgl. Höflich 1996: 119). Dieses Konzept erfasst sowohl die prinzipielle Sender-Empfänger-Relation der Datenströme als auch deren kommunikatives und mediales Potenzial. Erst der eigentliche und alltägliche Gebrauch dieser Technik gibt den Blick auf die damit verbundenen gesellschaftlichen Implikationen frei, So brachten vor allem die Cultural-Studies eine weitere wichtige Position in den medien- und kommunikationswissenschaftlichen Diskurs ein, indem der kulturelle Kontext und die alltägliche Praxis der Medienrezeption und – aneignung unter der Perspektive sozialer Veränderung zur Basis ihrer Analyse wurde (vgl Hepp 1999: 234).
"Weil also Phänomene der gesellschaftlichen Kommunikation Augenblicke auf die Welt aufmachen, die nicht (mehr nur) mit Bezügen auf gesellschaftliche Strukturen erschlossen werden, muss eine mit sozialtheoretischen Modellen operierende Kommunikationswissenschaft entweder ihre Kompetenzgrenzen einbekennen oder sie improvisatorisch (ex tempore) durchbrechen." (Bauer, 2003: 128)

4

Diese Kategorisierung von "Communication-Flow"-Qualitäten findet erstmals in einem Everett Rogers (1986) in dieser Form Erwähnung, in dem damit die

Aufsatz von

Interaktivität "Neuer Medien" beschrieben wird.

19 Das Internet brachte in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an neuen Kommunikationsformen hervor, die sich nicht nur in unterschiedlichen Diensten wie E-mailing, Usenet etc. äußern, sondern vor allem im World Wide Web (WWW) und den darauf basierenden Webapplikationen ständig neuartige Einsatzmöglichkeiten für eine wachsende Zahl von

Teilnehmerinnen darstellen. Die Vielfalt der Nutzungsofferte, die das Internet bietet, bringt eine Vielfalt an Gratifikationsmöglichkeiten mit sich. Von dieser Überlegung geht der kommunikationswissenschaftliche Use- and Gratification-Ansatz aus, der sich hinsichtlich der neuen IKT und bezüglich des Internets mit ganz ähnlichen, Fragestellungen wie diese Arbeit auseinandersetzt, nämlich was die Menschen mit dem Internet machen, welcher Nutzen und welche Bedürfnisbefriedigung sich aus dem alltäglichen Umgang mit den Angeboten digitaler Kommunikationstechnologie ergeben etc.. Dieser

theoretische Ansatz orientiert sich aber an der bereits durch das Internet und seine Dienste bedienten Bedürfnislagen. Damit lässt sich daraus wohl auch keine Erkenntnis über den möglichen innovative Nutzen und die Einsetzbarkeit des Internets im Sinne eines Empowerments von Frauen im speziellen: weiblicher Friedensarbeit im globalen und lokalen Vernetzungskontext - erwarten. Je nach Art der kommunikativen Voraussetzungen, wie sie die jeweilige Webapplikation (bzw. der jeweilige Internetdienst) mit sich bringt, beeinflusst die verwendete Technologie die Interaktion der Teilnehmenden und bildet, wie das bei Höflich (1998) formuliert wird, den Rahmen (frame as structure), aus dem sich jeweils spezifische Einflüsse auf die computervermittelte Kommunikation ergeben. Der "abgrenzbare

computerbezogenen Medienrahmen" (Höflich 2003: 22) zeichnet auch die Möglichkeiten des medialen Handelns vor, die als solche beschreibbar und erforschbar werden. "Neue Nutzungsofferte der IKT bilden distinkte Kulturen aus, die sich durch eigenen Regeln und emergente

Gebrauchsweisen kennzeichnen lassen, deren Mitglieder ein spezifisches,

20 kollektiv getragenes Verhältnis zum Medium Computer aufbauen. Aber auch unter den Nutzern des selben medialen Angebotes oder des selben Systems ist die Ausbildung unterschiedlicher multipler Nutzkulturen möglich" (Höflich 2003, 23). Wenn nun die Verbindung aller an Datenleitungen angeschlossenen Rechner ein Netzwerk bildet, bei dem alle Teilnehmenden sowohl Informationen senden als auch empfangen können, bildet dies einerseits einen gigantischen Ressourcenpool an Informationen, und andererseits einen Raum für Kommunikation. Das Rechnernetz wird zu einem Netzwerk, das potentiell jeden mit jedem verbinden kann. Das Netz erhält damit seine soziale Dimension, wird Ort gesellschaftlicher Kommunikation. Der Ort der Kommunikation ist der Cyberspace, in dem sich so die "Virtualisierung des Sozialen" (Becker/Paetau 1997) vollzieht. Der Cyberspace wird zum Raum gesellschaftlichen Diskurses und erhält, so er als solcher auch genutzt wird (!), den Stellenwert eines öffentlichen Raumes. Das Internet verändert also auch die Wertigkeit der bisherigen Konzepte von "Öffentlichkeit", mit denen sich die Medien – und Kommunikationswissenschaft traditionell auseinandersetzt. "Wenn hier über Cyberspace und Virtual Reality, über Internet und Homepages debattiert und geforscht wird, dann – so die

unausgesprochene Vorraussetzung – handelt man von ganz anderen Dingen als von Massenmedien oder Massenkommunikation. Hier wird grundlegend Neues verhandelt, das inkompatibel ist mit allem, was mit Medien bisher zu tun gehabt hat." (Schneider 1997: 38). Die Netzstruktur des Internets bildet lokale und translokale Gemeinschaften aus und ermöglicht neue Formen der Gegenöffentlichkeit oder die Aggregation von gleichgerichteten Interessen in einem global / lokalem Zusammenspiel, wie es bisher nicht möglich war. Institutionalisierte (herkömmliche) Medien stehen nun den unterschiedlichen Produkten "kleiner Medien" (vgl. Arns 2002: 8 und 38-41) oder "Indymedia" (Möller 2005: 138) gegenüber. Die Produktion und Distribution von kleinen unabhängigen freien Medien

21 (small media) wird kostengünstiger, erschwinglicher und somit

zugänglicher. Ob nun durch die technischen Grundlagen der IKT ein Prozess der Evolution oder die erneuernde Kraft einer Revolution in Gang gesetzt wurde, sei dahingestellt. Auf alle Fälle wird damit der wissenschaftliche Blick auf die herkömmliche Organisation von Medien, die Ökonomie von Medienunternehmen, die journalistische Arbeit und deren

Professionalisierungsgrad, die Grundlagen von Public Relations und die Position des "Medienkonsumenten" maßgeblich verändert. Letztlich verändern das Internet und die Innovationen der IKT die Art, in der wir in vielen Lebensbereichen des Alltäglichen miteinander

kommunizieren, wenn wir arbeiten, lernen, soziale Kontakte pflegen, uns politisch engagieren, Geschäfte treiben oder uns amüsieren. Sowohl für den Einzelnen als auch für Gruppen, Organisationen und Unternehmen und Nationen weitet bzw. ändert sich die kommunikative Grundlage ihres Wirkens. So ergibt sich für die Thematik dieser Arbeit eine ganze Reihe von medien – und kommunikationswissenschaftlichen Aspekten, die einerseits aus den herkömmlichen zentralen Themen des Fachbereiches erwachsen und gleichzeitig auf beobachtbare Veränderungen medialer Umwelt reagieren und hier sollen. 1.4.2 Praktische, feministische, politische Relevanz Auch im digitalen Raum wetteifern die Meinungen um Gehör, verbieten Obrigkeiten die freie Rede, herrscht ein ständiger Krieg um Ressourcen und toben Konflikte um Religion, ethnische Zugehörigkeit und die Basis für die forschungsleitenden Fragestellungen sein

Grenzziehungen unterschiedlichster Art. Die Zielsetzungen und der Standpunkt feministischer Diskussionen lassen sich immer nur vor dem

22 Hintergrund der alltäglichen Lebensrealität von Frauen begreifen. Die stark divergierenden Situationen der Frauen, die hier als Akteurinnen beobachtet und befragt werden, bedingen auch sehr unterschiedliche Perspektiven hinsichtlich feministischer und friedenspolitischer

Fragestellungen. Die Initiierung globaler Netzwerke, die Schaffung und Gestaltung virtueller Räume, in denen politische Netzwerke globale Diskussion und Gemeinschaft organisieren und politische Forderungen formulieren und grenzüberschreitende Solidarität begründen können, entspricht einer Ressourcenerschließung, die das Potenzial der neuen Medien für die Ziele der Frauen konkretisiert. Insofern bildet

Netzkommunikation in der feministischen Debatte eine Thematik, in der sich Erwartungen und Hoffnungen ausdrücken (vgl. Schachtner/Winker 2005: 8). Die Identifizierung und Erforschung von Netzwerken im Hinblick auf eine Vernetzung regionaler und globaler Friedensinteressen von Frauen ist für die Kommunikations- und Paritzipationsmöglichkeit der Frauen von praktischer Relevanz. (vgl. auch "Demokratisierungstheorem" Bühl 2000: 294). Der virtuelle Raum bietet "Möglichkeiten für Frauen und

Frauengruppen zur Selbstdarstellung im Netz, zur Verbesserung der Chancengleichheit wechselseitigen im öffentlichen und Raum online durch und offline, zur

Stärkung

Förderung

kommunikativen

Austausch und durch Beratung online sowie zur Erweiterung der Erfahrungshorizonte und Handlungsmöglichkeiten durch die Nutzung des Netzes als Ressource" (Schachtner/Winker 2005: 9). Die Betonung von herkömmlichen Dichotomien wie Krieg/Frieden und ihre Attribution mit Weiblich/Männlich, sowie eine besondere Betonung von Ungleichheit (vgl. Greven 2000: 13) und die mitunter einhergehenden Viktimisierung (Braig, 1999) von Frauen in hierarchisch geprägten und patriarchal beherrschten Strukturen findet ihre Entsprechung in der Polarisierung von Arm und Reich im Nord-Südkonflikt. Der Cyberspace stellt in vielerlei Hinsicht einen Ort der Reproduktion der

23 Geschlechterungleichheit und der bestehenden Machtverteilung dar (vgl. "Reproduktions-Theorem" Bühl 2000: 297). "Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass sich der virtuelle Raum zu einem zentralen Mechanismus der Vergesellschaftung entwickelt, an den sich Erwerbs-, Bildungs-, Partizipations-, und Machtchancen knüpfen." (Schachtner / Winker 2005 10). Um solchen Tendenzen gegenzusteuern, artikulierte bereits die Vierte Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 in ihrem Abschlußbericht folgende Forderung: “Increase the participation and access of women to expression and decisionmaking in and through the media and new technologies of communication". (UNO 1995). Das Empowerment von Frauen innerhalb ihrer persönlichen Lebenswelt im Kontext globalen Austausches (vgl. Hall 1992) findet seine

Virtualisierung in der Netzkommunikation, im "Von-einander-wissen" und "Um-einander-sorgen" (Duval 2005: 240) bis zum gezielten gemeinsamen Vorgehen auf frauenpolitischer Ebene. Im Sinne eines fruchtbaren Beitrags zur Dekonstruktion von existierenden Geschlechterhierarchien soll hier aus feministischer Perspektive dafür argumentiert werden, jene Möglichkeiten aufzuzeigen, die die technische Entwicklung im Sinne einer Verminderung von Unterschieden, einer Demokratisierung des Geschlechterverhältnisses und zu Gunsten einer Selbstermächtigung benachteiligter Gruppen bietet.

1.5 Fragestellung
Wie nehmen Frauen verschiedener Länder und Kulturen mit

unterschiedlichen sprachlichen, persönlichen und technischen Zugängen zum Internet an einem gemeinsamen, organisierten Vorgehen im virtuellen Raum teil? Welche besonderen Situationen ergeben sich daraus hinsichtlich ihrer Diversität und Gemeinschaft?

24 Wie kann unter den besonderen Bedingungen internationaler

Zusammenarbeit grenzüberschreitende virtuelle Vernetzung von Frauen in der Praxis organisiert bzw. optimiert werden? Wie kann das Bestreben der Frauen nach Chancengleichheit, Pluralität, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit in ihrer virtuellen Gemeinschaft durch Netzkommunikation unterstützt werden? Welche Hemmnisse begegnen den Friedensfrauen in ihrem Bestreben nach virtueller Vernetzung. Wie erleben die Frauen ihren persönlichen Handlungsspielraum im virtuellen Raum? Welche Formen der Netzkommunikation unterstützen die Arbeit der Frauen in welcher Hinsicht? Welche Anforderungen sollten also an die Arbeitsmittel und Werkzeuge gestellt werden, die eine sinnvolle virtuelle Vernetzung ermöglichen? Wie können die funktionellen Eigenschaften von Software-Produkten den kollaborativen/kooperativen Absichten der Frauen entgegenkommen, ihr soziales Miteinander im virtuellen Raum unterstützen und einfachen Zugang schaffen? Inwieweit unterstützen neue Formen des Publizierens (small media) die Friedensarbeit? Sind sie für die Friedensarbeit der Frauen zielführend, förderlich, nötig, praktisch oder überflüssig? Wie kann vom Code bis zur Anwendung dem Bestreben der Frauen nach Chancengleichheit, Pluralität, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit in ihrer virtuellen Gemeinschaft entsprochen werden?

25

1.6 Zielsetzung
Ziel der Arbeit ist es, den Einsatz digitaler Netzkommunikation in der Friedensarbeit von Frauen allgemein und speziell im Rahmen des Projekts 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 aus der Perspektive der beteiligten Akteurinnen zu erheben und auf die oben genannten Fragestellungen hin zu analysieren. Wie die Fragestellung auch schon nahe legt, soll hier der ganz subjektive Nutzen von neuen IKT vor dem Hintergrund alltäglicher Handlungszusammenhänge in ihrem spezifischen Umfeld erforscht werden. Die hier vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, den virtuellen Raum als zusätzlichen Kommunikations- und Informationsund Aktionsraum auszuloten. Das heißt im konkreten Fall eine sowohl globale als auch lokale Vernetzung, die weder von kommerziellen oder nationalstaatlichen Interessen getragen wird, die sowohl inter- als auch intraorganisational abläuft und ebenso auf virtueller als auch realer Begegnung der AkteurInnen basiert, als Rahmen zu erfassen und ein dafür geeignetes Beschreibungs- und Analyseschema zu finden. Am Beispiel dieser Initiative und ihrer Akteurinnen Chancen) sollen sowie die die

Voraussetzungen

(Hemmnisse

und

Einsatzmöglichkeit und Funktion der Neuen Medien bei der Durchführung eines solchen Projekts analysiert werden, um daraus handlungsrelevante Empfehlungen für virtuelle Vernetzungsstrategien zu geben und Kriterien für den "ermöglichenden" Einsatz5 von Informationsund

Kommunikationstechnologien zu begründen.

5

Enabling meint hier: Ermöglichen im Sinne einer nicht indoktrinierenden Hilfestellung,

beispielsweise in Form von Aufbau geeigneter Infrastrukturen etc.

26 Im Ausblick sollen vor allem neue Forschungsfragen zu dieser Thematik aufgeworfen werden und konkrete Kriterien für die Ermöglichung des multikulturellen, mehrsprachigen, grenzüberschreitenden Einsatzes von IKT auf Basis des WWW präsentiert werden. Dabei findet das Konzept einer gemeinsamen Plattform als infrastrukturelle Vorraussetzung, sich beständigen, selbst geschaffenen, gemeinsamen virtuellen Raum

aufzubauen, wie dies etwa im kollaborative Einsatz von WIKIs geschieht, besondere Beachtung.

27

2 Forschungsprozess und Methodenwahl
2.1 Methodendiskussion
Aus den konkreten Forschungsfragen resultiert nun die Notwendigkeit methodischer Entscheidungen. Der Forschungsprozess beabsichtigt, einen Erkenntnisgewinn – über die den im Mittelpunkt stehenden der

Forschungsgegenstand

digitale

Netzkommunikation

Friedensfrauen des Projekts - zu erzielen und empirisch begründet Aussagen über Wirkungszusammenhänge zu treffen. In der Folge sollen theoretische Aussagen über (vergleichbare) soziale Phänomene möglich werden, da eine "Theorie auf unterschiedlicher Ebene der Generalisierung unerlässlich ist, um soziale Phänomene zu verstehen." (Strauss 1991: 31). Ziel ist es, in ihrer Beschreibung ähnliche Vernetzungsszenarien handlungsrelevante Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen. Wie aus der Fragenstellung der Arbeit bereits abzuleiten, eröffnet die Anwendung quantitativer sozialwissenschaftlicher Methoden hier nicht die Komplexität des Gegenstandes. Das eher "kleine" Forschungsfeld und die gegebene Nähe zum Forschungsgegenstand begründen bereits, warum auf standardisierte quantifizierende Verfahren zu Gunsten eines

qualitativen Vorgehens verzichtet wird. Da es also vor allem um ein Verstehen im Rahmen dieses konkreten Fallbezugs geht, sieht sich diese Arbeit den von Mayring (2002) aufgestellten Postulaten qualitativer Sozialforschung verpflichtet,

insbesondere wenn es heißt "die von der Forschungsfrage betroffenen Subjekte müssen Ausgangspunkt und Ziel der Untersuchung sein" (Mayring 2002: 48-49). Der Dynamik des Untersuchungsgegenstandes wird hier mit ähnlicher Beweglichkeit und Offenheit in der Methodenwahl begegnet (Vgl Flick 2002: 17).Die hier vertretene Maxime des "Verstehens als

28 Erkenntnisprinzip" Konstruktivismus sowie der erkenntnistheoretische 1998: 151-163) Ansatz hier des das

(Schmidt

liefern

erkenntnistheoretische Fundament für das methodische Vorgehen. Für den Forschungsprozess dieser Arbeit bedeutet dies eine eindeutige Orientierung am Spektrum qualitativer Forschungsmethoden. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass auf der Grundlage dieser (hier nun anhand der qualitativen Fallanalyse geschaffenen) Erkenntnisse weitere quantitative Analyseschritte sinnvoll erscheinen könnten. Die Friedensfrauen und ihre Arbeit stellen den eigentlichen

Ausgangspunkt dar. Ihr kommunikatives Handeln und Interagieren soll hier auch im Mittelpunkt stehen, wenn die unterschiedlichen theoretischen Perspektiven und Konzepte in den kommenden Kapiteln reflektiert werden. Die theoriegeleitete Frageposition an den

Untersuchungsgegenstand soll ermöglichen, methodisch ein "Gerüst", ein Koordinatensystem der Orientierung zu konstruieren, in dessen

Dimensionen der Untersuchungsgegenstand beschrieben werden kann. Die Dimensionen repräsentieren unterschiedliche, in kategorisierten Unterscheidungen Koordinatensystem beobachtbare dient der Sachverhalte. Beschreibung Dieses des

adäquaten

Untersuchungsgegenstandes. Schlüsse auf Wirkungszusammenhänge ergeben sich aus den erkennbaren Relationen der Kategorien. Für qualitative, wie auch für andere Methoden gelten Gütekriterien, an denen man ihre Qualität erörtert. Eine konkrete Kontrolle der

Vorgehensweise, um eine Nachvollziehbarkeit der Schussfolgerung zu ermöglichen und die Wege der Erkenntnisgewinnung transparent zu gestalten, gilt der qualitativen Sozialforschung dort als

Bewertungsgrundlage, wo den quantitativen Methoden die Kriterien der Validität, Reliabilität und Wiederholbarkeit als Mechanismus der Wertung gegenüberstehen. "Der Forschungsprozess muss trotz seiner Offenheit methodisch kontrolliert ablaufen, die einzelnen Verfahrensschritte müssen

29 expliziert, dokumentiert werden und nach begründeten Regeln

ablaufen." (Mayring 2002: 29). So versucht diese Arbeit, den Kriterien der qualitätsvollen Verfahrensdokumentation, der schlüssigen Argumentation, des planvollen Vorgehens und der Nutzung mehrfacher Lösungswege zu einer Fragestellung (Triangulation) zu entsprechen. (vgl. Mayringer 2002: 147)

2.2 Forschungsdesign
Die Forschungskonzeption sieht eine Fallanalyse vor, in deren Ablauf unterschiedliche Forschungsverfahren und Datenerhebungsmethoden Verwendung finden. Anhand verbaler Daten aus Interviews mit den Teilnehmenden des Projekts sowie einer Dokumentenanalyse der Newsletter der Organisation. Am Beginn des Forschungsprozesses standen Interviews mit den Organisatorinnen, die in einer ersten Kodierung dazu beitrugen, einen Gesprächsleitfadens für die Interviews ausgewählter regionaler

Koordinatorinnen zu entwickeln und unter den 19 Koordinatorinnen Gesprächspartnerinnen zu wählen (Sampling). Weiters ermöglichte diese erste Kodierung der ersten Interviews die einsetzende Dimensionierung des Problemzusammenhangs Die zweite Phase von Interviews sah Gespräche mit den ausgewählten Regionalkoordinatorinnen vor und lieferten in einer ersten Auswertung weitere wesentliche Anregungen für Kategorien innerhalb der empirisch und theoriegeleitet festgelegten Dimensionen. Der Erhebung verbaler Daten in diesem Untersuchungsplan steht die Auswertung von Dokumenten gegenüber. Die Konstruktion eines

deskriptiven Systems - eines mehrdimensionalen Kategoriensystems – ermöglicht die inhaltsanalytische Auswertung ausgewählter Dokumente und den neuerlichen Bezug auf die Interview-Transkripte.

30 2.2.1 Einzelfallstudie Wie begründet sich nun die Entscheidung für die Einzelfallanalyse als Forschungskonzeption? Die hier vorliegende Einzelfallanalyse oder Fallstudie (vgl. Mayring 2002 41 u.a.) wurde deshalb als Untersuchungsdesign gewählt, weil sie dem Paradigma qualitativer Forschung in diesem Problemzusammenhang deutlich entgegenkommt. Die Wahl des Untersuchungsplanes legte hier eine qualitative Fallanalyse nahe, da diese "die Komplexität des ganzen Falles, die Zusammenhänge der Funktions- und Lebensbereiche" (Mayring 2002: 42) erschließt, denn "Fallanalysen stellen eine Hilfe dar bei der Suche nach relevanten Einflussfaktoren und bei der Interpretation von Zusammenhängen." (Mayring 2002:42). Zumeist werden Einzelfallanalysen für den Objektbereich "Mensch" konzipiert und dabei ist ein "einzelner" – wie die Bezeichnung dieser Analyseform schon nahe legt gemeint. Die Fallanalyse als

Untersuchungsdesign wird jedoch inzwischen auch erfolgreich auf umfassendere Gegenstandsbereiche ausgedehnt, unter Vorraussetzung der Beibehaltung der gleichen Regelgeleitetheit wie in den biographischen Einzelfallstudien. "Der Gegenstand einer Fallanalyse kann dabei auch ein komplexeres soziales System sein (Familie, gesellschaftliche Subgruppe usw.), die Grundgedanken bleiben die selben" (Mayringer 2002: 41) wie auch Brüsenmeister (2000: 65) in ähnlicher Weise feststellt. Das bedeutet, dieses Design passt sich schlüssig an den

Untersuchungsgegenstand und das Forschungsumfeld einer Organisation an. "Fallanalysen haben in der Soziologie oft geholfen, Institutionen genauer zu analysieren, da sie die Innensicht, das Handlungsverständnis unterhalb der Regeln institutioneller Strukturen freigelegt haben." (Mayring 2002: 44)

31 Weiteres Argument für die Einzelfallanalyse ist hier vor allem die Möglichkeit auf den gesamten Fallzusammenhang zurückgreifen zu können, wenn sich dies im Laufe des Forschungsprozesses als notwendig erweist. So bleibt der Rückgriff auf bereits in einem früheren

Forschungsschritt ausgewertete Daten oder noch nicht erschlossene Quellen praktisch immer möglich. "Die Einzelfallanalyse will sich während des gesamten Analyseprozesses den Rückgriff auf den Fall in seiner Ganzheit und Komplexität erhalten, um so zu genaueren und

tiefgreifenderen Ergebnissen zu gelangen" (Mayringer 2002: 42) Das Forschungsdesign einer Fallanalyse anhand qualitativer Methoden ermöglicht die Integration ganz unterschiedlicher Datenquellen, wie dies hier nötig war. Der Forschungsprozess insgesamt folgt einem

dynamischen Wechsel induktiver und deduktiver Vorgehensweisen und dem Reagieren auf Zwischenergebnisse aus laufenden Datenerhebungen und Auswertungen. (vgl. Brüsenmeister 2000: 67) Das für dieses Vorgehen geforderte kontrollierte Ablaufschema (vgl. Mayringer: 43) versteht sich auch als Gliederungsschema dieser Arbeit. Das

Forschungsarrangement beinhaltet sowohl die Erhebung verbaler Daten als auch die Analyse bestehender Dokumente. Im Folgenden soll nun die Motivation für den Entschluss zur Dokumentanalyse dargelegt werden: 2.2.2 Dokumentenanalyse Die im Forschungsplan festgelegte Analyse schriftlicher Daten versteht sich als Dokumentenanalyse und bedient sich des Verfahrens der qualitativen Inhaltsanalyse. "Dokumentanalysen können aber vorteilhaft in jeden Forschungsplan eingebaut werden, sobald sich Quellen dafür anbieten." (Mayering 2002: 49) Die Entscheidung für eine Dokumentenanalyse kann nur vor dem Hintergrund des Forschungsprozesses und sozusagen als (Zwischen-) Ergebnis der Interviewauswertung gesehen werden und begründet sich

32 aus dem jeweiligen Fall heraus, wie in der Datenauswahl näher beschrieben wird. Ein Vorteil bei der Wahl einer Dokumentanalyse ist die non-reaktive Erhebung (Mayring 2002: 51) von Daten, das heißt, die Daten müssen nicht erst erhoben werden, sondern liegen als solche schon vor. Daraus ergibt sich bei entsprechender Auswahl der zu analysierenden Elemente eine besondere "ökologische Validität" (Ballstaedt 1994: 167) da das Dokument innerhalb des untersuchten Handlungskontexts entsteht, und somit sowohl den Anspruch beinhaltet, einen konkreten Realitätsbereich darzustellen, eine Aussage über den Textproduzenten zu machen, als auch den Appell bzw. die vom Textproduzenten angestrebte Wirkung beim Leser mitzuliefern. 2.2.3 Auswahlentscheidungen und Aufbereitung Das hier verwendete Samplingverfahren wendet "die schrittweise Festlegung von Samplestrukturen im Forschungsprozess" (Flick 2002: 102) an. Dieses Auswahlverfahren wird beispielsweise bei Strauss (1991: 71) beschrieben und zeichnet sich durch die "Auswahl von Fällen und Fallgruppen nach konkret inhaltlichen statt abstrakt-methodologischen Kriterien, nach ihrer Relevanz statt nach ihrer Repräsentativität" (Flick 2002, 107) aus. Die Sampling-Strategie in dieser Untersuchung ist auf alle Fälle eine, die die Begründung für ihre Entscheidung aus dem Forschungsprozess heraus offen darlegt. Die Entscheidung zur inhaltsanalytischen Aufbereitung der

Newsletterdaten ergab sich aus der strukturellen Beschreibung der Interviewtranskripte in einem ersten Auswertungsschritt. Dabei wurde klar, dass sich nur sehr wenige Textsequenzen mit eindeutigem

Erzählcharakter fanden und viel mehr Sequenzen mit Argumentationen und Bewertungen, was es schwer machte, die "Logik des Handelns" (Brüsenmeister 2000: 168) damit für die Analyse zu erschließen.

33 Die Newsletter erschließen hier einerseits die Kommunikation der Organisation mit den Medien und unterstützenden Mitgliedern

(Öffentlichkeitsarbeit im weitesten Sinne). Viel wichtiger für die Analyse ist allerdings, dass der Newsletter eine wichtige Form der kommunikativen Vernetzung innerhalb des Projektes darstellt: Dieser regelmäßigen Publikation wurde von den Teilnehmenden die Funktion der informativen Vernetzung der Koordinatorinnen und aller Interessierten und auch der beteiligten ForscherInnen untereinander auf organisierter Basis

zugeschrieben. Alle Teilnehmenden veröffentlichten dort Texte - sowohl die politischen Initiatorinnen und Koordinatorinnen in der Schweiz, als auch die Regionalkoordinatorinnen. Der zweite wichtige Aspekt der Dokumentenanalyse ist Folgender: Die Newsletter geben Einblick in die Arbeit der Koordinatorinnen und geben durch ihre Erlebnisberichte und Problemschilderungen auch einen indirekten Zugang zur Problematik der Vernetzung im Allgemeinen und in den einzelnen Regionen. Die laufende Archivierung des Newletters geschah im "News"-Bereich der Homepage von 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis und blieb im Sinne der vom Projekt erwünschten Transparenz öffentlich abrufbar. Erhebung von Daten: 1. Set an Interviews: Rebecca Vermot, Projektmanagerin in Bern, 24.6.2004 interviewt in Bern (Zeichenumfang: ca. 22.000) sowie Maren Harrtje, Projektmanagerin und Koordinatorin für Westeuropa, 24.6.2004, interviewt in Bern (Zeichenumfang: ca. 8.000) Die Gespräche mit den Managerinnen des Projekts standen an einem sehr frühen Punkt des Forschungsprozesses, sie setzten den

verstehenden Zugang zur Institution. Die Interviews folgten vor allem der explorativen Zielsetzung, eröffneten die Möglichkeit weiterer

34 Datenerhebungen und begründeten das Sampling unter den 19 Koordinatorinnen unterschiedlicher Weltregionen. 2. Set an Interviews, geführt in Walenstadtberg- Monte Vuala, nahe Zürich am 13.10.2004 im Rahmen des 3. Koordinatorinnentreffens. Kamla Bashin, Indien (Umfang ca. 5200 Zeichen) Nomvuyo Skota Dayile, Südafrika (Umfang ca. 8000 Zeichen) Supawadee Petrat (Kratae) Thailand (Umfang: ca. 6500 Zeichen) Mailinterview mit Paulyn Sicam, Philippinen geführt am 28.9.2004 (Umfang ca. 3000 Zeichen) Die Fragen des Interviews (inkl. Übersetzung) und die Kurzbiographien der Interviewten finden sich im Anhang. Die Wahl der

Interviewpartnerinnen für die zweite Erhebung verbaler Daten kann also als Zwischenergebnis des Forschungsprozesses gesehen werden. Die Fallgruppe unter den Koordinatorinnen: Hier wurde vor allem der asiatische Raum als Weltgegend ausgesucht, da hier die wirtschaftlichen Entwicklungsunterschiede zwischen den Nationen und einzelnen Regionen sehr unterschiedlich ausfällt, die Internetdiffusion teilweise bereits sehr hoch ist und die Unterschiede zwischen Stadt und Land besonders deutlich ausgeprägt sind. Auch bezüglich der kulturellen, gesellschaftlichen und demokratiepolitischen Ausgangsbedingungen für Netzkommunikation erwies sich in einer ersten Recherche Asien als besonders vielfältige und interessante Region für die Analyse der gestellten Thematik. Einerseits zum Vergleichszweck und andererseits als besonderer Fall innerhalb ihrer Region wurde eine afrikanische

Koordinatorin für ein Interview ausgewählt. Afrika gilt in vielen Bereichen als weißer Fleck auf der Landkarte einer Geographie des Internets und gilt

35 als die am wenigsten durch Digitalisierung erschlossene

Kommunikationssphäre, wobei das an sich hoch entwickelte Südafrika einerseits eine Ausnahme bildet, andererseits gerade jene Faktoren viel krasser aufzeigt, die für die Ungleichheit im Zugang zu IKT und Netzkommunikation verantwortlich sind. Die interviewten Frauen kommen aus sechs verschiednen Ländern, in drei Fällen wurde das Interview in englischer Sprache durchgeführt. (Für alle Frauen bedeutete dies, nicht in ihrer unmittelbaren Muttersprache bzw. für die meisten auch nicht in der Sprache ihrer alltäglichen Arbeit zu sprechen.) In einem Fall kam ein Emailinterview zustande, auf das methodisch im Folgenden noch eingegangen wird. Aufbereitung der Interviews: Die Gespräche wurden in allen Fällen mit Tonband aufgezeichnet und transkribiert. Die gewählte Protokollierungstechnik entspricht einer

wortwörtlichen Abschrift, jedoch ohne sprachliche Färbungen besonders einzubeziehen, da sie keinerlei Aussagewert bezüglich der Fragestellung vermuten lassen. Selektive Aufbereitung der Newsletter-Texte: Die analysierte Zeitspanne des Erscheinens dieses Online-Newsletter erstreckt sich von der Ausgabe 1/2003 im Juni 2003 bis zur Ausgabe 10/2005 im Juni 2005 und umfasst somit alle bis zur Bekanntgabe der Nominierten am 29. Juni 2005 erschienen zehn Newsletter, die auch als Ausdrucke im Anhang dieser Arbeit zu finden sind. Die untersuchten Dokumente umfassen teilweise auch Texte der Hompage, so dies für die Arbeit sinnvoll und zweckmäßig erschien. Die Mailingliste des Newsletters bestand ab dem ersten Newsletter kurz nach dem Launch der Homepage, sie umfasste alle Koordinatorinnen und unterstützenden Teilnehmenden, alle Sponsoren, wissenschaftlichen Mitarbeiter der Begleitprojekte, alle

36 Vereinsmitglieder sowie Politikerinnen, Journalistinnen und

Aktivistinnen anderer NGOs und eine im Laufe des Projekts wachsenden Zahl an Interessierten, die sich auf der Homepage für den Erhalt des Newsletters eintragen konnten. Diese schriftlichen Dokumente wurden ausgewählt weil sie, wie sich im Forschungsverlauf herausstellte zu einem wichtigen

Onlinekommunikationsmittel unter den Teilnehmenden wurden. Sowohl die Organisatorinnen in Bern, als auch die Regionalkoordinatorinnen veröffentlichten dort Texte und schilderten die Situation ihre Arbeit. Der Newsletter sollte für die Organisation den Zweck erfüllen, alle

Teilnehmenden, Unterstützenden oder Interessierten über das Projekt und den Stand der Dinge im Projektverlauf zu informieren. Daraus entsteht der Anspruch, die Dokumentenanalyse dieses wesentlichen Beitrag dazu liefern, Materials die könne einen

subjektiven

Handlungszusammenhänge der Friedensfrauen, ihrer Vernetzung und Kommunikation allgemein und speziell im virtuellen Raum darzustellen. Selektive Auswertung Aus den Interviews resultierten für die Auswertung der Newslettertexte spezifische Kriterien für die Selektion von Textpassagen, die zu den entwickelten Dimensionen einen Belang aufweisen. Passagen, die diesen Dimensionen nicht entsprachen – sozusagen keine Aussage und keinen ersichtlichen Bezug zu den gesuchten Dimensionen und

Zusammenhängen gaben, wurden nicht kodiert.

2.3 Forschungsverfahren
Die Wahl der Erhebungsmethoden, die für die empirische Untersuchung Verwendung fanden, sollen hier kurz dargelegt werden:

37 2.3.1 Interview Die Interviews wurden in zwei Sets aufgeteilt und zu verschiedenen Zeitpunkten des Projekts geführt. Einmal zu Beginn der NominationsPhase das andere mal mit regionalen Koordinatorinnen aus ausgewählten Regionen gegen Ende dieser Phase. Die Interviews werden persönlich zwischen Interviewerin und jeweils einer Interviewten im unmittelbaren Arbeitsumfeld der Interviewten geführt. Im ersten Interviewset fanden die Gespräche im Besprechungscafe in der Nähe des Organisationsbüros in Bern statt. Das zweite Set fand im Rahmen des

3.Koordinatorinnentreffens in Walentstadtberg statt. Die Interviewsituation weist also eine eindeutige Nähe zum Forschungsumfeld auf. In einem der Fälle kam ein Mail-Interview zustande, was selbst als Faktum in die Analyse einbezogen wurde. Nachdem hier der virtuelle Raum als Arbeitsumgebung der Frauen erforscht werden soll, kann ein

Onlineinterview als eine Befragungssituation im üblichen Arbeitsumfeld gelten. Im Folgenden wird die Wahl der Interviewmethode argumentiert. Die mündliche Form der Befragung bzw. die Erhebung von Daten auf sprachlicher Basis stellt die üblichste Form der qualitativen

Erhebungstechniken dar, da sich darin menschliches Handeln besonders gut erschließt (vgl. Hron 1994: 119). Im ersten Set von Interviews Stand vor allem die Orientierung im Forschungsbereich, die Erfassung des Forschungsgegenstandes und die Erarbeitung von Dimensionen zur Beschreibung (deskriptives System) als Zielsetzung im Mittelpunkt. Daher wurde eine möglichst offene

Gesprächsführung gewählt, die nur durch die grobe Themenvorgabe auf den Untersuchungsgegenstand gerichtet (problemzentriert) wurde. "In den gängigen Methodenlehren wird den offenen Befragungsverfahren

explorierende und Hypothesen generierende Funktion zuerkannt." (Hron 1994: 128) sowie insbesondere für die Analyse "sozialer Einheiten wie Organisationen und Gruppen und die möglichst umfassende Analyse der

38 Handlungskontexte von Individuen." (Hron 1994: 128) eingesetzt. Es wurde versucht diese Interviews in einer typisch narrativen Struktur zu gestalten um subjektive Bedeutungsstrukturen (vgl Mayringer 2002: 73) damit zugänglich zu machen. Im zweiten Set wurden stark thematisch fokussierte Interviews

durchgeführt, die durch einen Leitfaden strukturiert wurden. "Die Methodenlehren empfehlen den Einsatz strukturierter Interviews um qualitative Anhaltspunkte für das Vorhandensein bestimmter Variabler" (Hron 1994, 120) zu finden. Daher erscheint diese Interviewform als hier durchaus angebracht. Die "non-direktive Gesprächsführung" (Flick 2002: 119) als Grundlage der Nichtbeeinflussung wird hier als wichtigstes Kriterium bei der Durchführung beachtet, die Zielsetzung richtete sich auf die "subjektive Verarbeitung von Bedingungen des eigenen Handelns", wie nach Flick (2002: 125) die Methode des fokussierten Interviews in den Forschungsprozess eingeordnet wurde. Der Leitfaden besteht aus wenigen theoriegeleitet entwickelten Fragen, die allen ausgewählten Koordinatorinnen bereits bei der

Intervieweinladung als Gesprächsstimulus vorgelegt wurden und wie sie sich nun auch im Anhang wiederfinden. Die Entwicklung der Fragestellungen und die Gesprächsführung

orientierten sich am Schema der Zulässigkeit von Frageformen bei spezifischen Interviewformen, wie sie bei Helffreich (2004: 94) darstellt werden. E-Mailinterview Eines der Interviews der Koordinatorinnen kam - wie bereits erwähnt - auf der Basis eines Email-Interviews zustande. Die empirische Tatsache an sich ,wie dieses Interview in gerade dieser Form und gerade mit dieser Koordinatorin online zustande kam, wird ebenso in die auswertende

39 Analyse mit einbezogen, wie dies in Mann/Steward (1999:129) vorgeschlagen wird: Ihre Strategie für die Durchführung von

Onlineinterviews legt nahe, vor allem auf die genaue Abwägung des computervermittelten kommunikativen Rahmens, in dem das Interview stattfindet, zu achten und ihn in die Analyse einzubeziehen. 2.3.2 Qualitative Inhaltsanalyse Die Fallanalyse integriert eine Dokumentenanalyse in Form einer qualitativen Inhaltsanalyse. Zweck dieser Analyse soll es sein "bestimmt Aspekte aus dem Material herauszufiltern [und] unter vorher festgelegten Ordnungskriterien … das Material auf Grund bestimmter Kriterien einzuschätzen" (Mayringer 2002: 115) Diese Inhaltsanalyse geht so vor, dass "konkrete empirische Tatbestände" (Mayring 2002: 100) verallgemeinernd immer eine Stufe abstrakter als das Material selbst beschrieben und einem Konzept zugeordnet werden. Im Zentrum dieser Inhaltsanalyse steht ein theoriegeleitet am Material entwickeltes Kategoriesystem, durch das diejenigen Aspekte festgelegt sind, die aus dem Material herausgefiltert werden sollen. Kodierung Die Kodierung umschreibt jenen Prozess bei dem das Textmaterial für die Abstraktion erschlossen wird. Dafür wird das Material in einem Analyseschritt in Sinneinheiten von Sätzen bis Absätzen zerlegt und eine Kategorie für die jeweilige Sinneinheit formuliert. Weitere der Kategorie entsprechende Textstellen werden dort zugeordnet (Subsumtion), neue Kategorien werden induktiv gebildet, bis ein für alle Elemente schlüssiges Kategoriensystem entsteht. In Überarbeitungsschritten werden die

Kategorien möglichst aussagekräftig benannt und der Logik nach überarbeitet. Die Auswertung erfolgt dann entlang des entwickelten Kategoriesystems, wobei die Ergebnisse bezüglich der Fragestellung und

40 der theoretischen Grundlage analysiert werden. Die zweite Möglichkeit der Auswertung besteht in einer quantitativen Gewichtung, also: Welche Kategorien kommen besonders oft vor? Auf diese deskriptive

Quantifizierung wird am Rande hingewiesen, so sie besonders Auffällige Ergebnisse bietet, ansonsten wird sie aber vernachlässigt.

2.4 Konstruktion deskriptiver Systeme
Dieses Analyseinstrument wird sowohl beim Aufbereitungs- als auch beim Auswertungsverfahren Anwendung finden und sowohl bei der Analyse der verbalen als auch der schriftlichen Daten gleichermaßen eingesetzt werden. Letztlich handelt es sich bei den Transkripten, wie allgemein in den qualitativen Methoden, immer um eine Auseinandersetzung mit dem Material "Text" (vgl. Mayringer 2002: 53) Die Konstruktion eines deskriptiven Systems bezeichnet das "Erstellen von Kategoriesystemen von Klassifikationen" (Mayering 2002: 99). Die Konstruktion der Kategorien, die dann immer einen Schritt abstrakter als das Material sind, entsteht im Vorgang der Kodierung und stellt eine Verallgemeinerung dar, die aus der Ebene konkreter empirischer Sachverhalte hervorgeht. Die Konstruktion deskriptiver Systeme steht "im Spannungsverhältnis zwischen Empirie und Theorie" (Mayringer 2002: 100). Zum einen müssen die Kategorien mit allen anderen theoretischen Aussagen und Konzepten übereinstimmen, zum anderen müssen sie dem empirischen Material angemessen sein. Mehrmals wurde die Kodierung der Textmaterialien und Transkripte überarbeitet, die Materialien wurden mitunter einer neuerlichen

Auswertung unterzogen, zumal die theoretische Auseinandersetzung mit bestehenden Konzepten, welche für die Thematik relevante Ansätze boten, gleichzeitig mit neuen Erkenntnissen aus der Datenanalyse immer

41 neue Perspektiven und Anregungen für den weiteren

Forschungsprozess lieferten. Letztlich entstand ein deskriptives System, das in sechs Dimensionen jeweils unterschiedlich viele Kategorien beinhaltet. Diese Kategorien beschreiben die Ausprägungen einer Dimension und erklären sich aus dem thematischen Zusammenhang bzw. dem Untersuchungsgegenstand heraus.

2.5 Auswertung
Im Sinne einer gegenstandsbezogenen Theoriebildung, die davon ausgeht, dass der Forscher während der Datensammlung theoretische Konstrukte entwickelt, durch neuerliche Fragestellung an den

Untersuchungsgegenstand die Konstrukte verfeinert und verknüpft, sodass Erhebung und Auswertung gleichzeitig geschehen, werden Daten hier kodiert und die Kategorien nach jeder Datenerhebung bzw. auswertung abgeglichen, verfeinert, angepasst. Gewonnene Erkenntnisse fließen dann wiederum in eine Re-Formulierung und Spezifizierung der Forschungsfragen ein. In diesem Fall mündet die Auswertung der Daten in die Konstruktion eines deskriptiven Systems, das dann auch für die Auswertung der verbalen Daten eingesetzt wird. Sowohl durch die Bearbeitung der Dokumente als auch durch die Verarbeitung verbaler Daten liegen nun Erkenntnisse über das Forschungsfeld vor, die in entsprechender Weise auch Antworten auf die anfänglich formulierten Forschungsfragen geben. Diese werden entlang der Dimensionen des deskriptiven Systems dargestellt und durch Inhalte aus dem Datenmaterial paraphrasiert und theoretisch reflektiert.

42

3 Begriffsabgrenzung und theoretischer Bezugsrahmen
3.1.1 Netz Was ist nun ein Netz? Was wird hier mit dem Begriff eines Netzes, eines Netzwerkes oder mit dem Begriff Netzkommunikation bezeichnet? Grundlegend betrachtet stellt ein Netz eine Struktur von Verbindung zwischen Knoten dar. "Netz" bezeichnet die Beschreibung einer Struktur, zumeist wird von digitalen Netzen die Rede sein, aufbauend auf technischen Netzen von miteinander gleichmäßig verbundenen Rechnern – konkret vom Internet. Zurück zu diesem Netz aus Rechnern, die Knoten darstellen, und den digitalen Datenverbindungen, die den Konnex dazwischen herstellen und als Gesamtheit das Internet bilden. Prinzipiell könnten auch andere digitale Netze dieser Definition entsprechen, doch aufgrund seiner enorm raschen und weitgehenden Verbreitung wird hier hauptsächlich vom Internet als digitalem Netz gesprochen werden. Faßler (2001: 21) nimmt "drei Geschwindigkeiten" wahr, mit der sich dieses Netz in seinen Entwicklungs- und Nutzungsfeldern voranbewegt. Zum einen das Netz als Projekt, als globales Weltvorhaben, zweitens als unüberschaubarer Prozess, der durch Selbstorganisation gekennzeichnet ist, und der Gesellschaft "neue Serien von Emergenz" (Faßler 2001: 21) beschert, mit der Wirkung, dass – drittens - Netzwerke die Position einer Infrastruktur erlangen "die den Aufbau, die Gliederung und Dynamik der Wahrnehmungs- und Kommunikationsumgebungen festlegt" (a.o. O.: 21). Diese "Geschwindigkeiten" erfassen auch eine wesentliche Eigenschaft des Internets als "temporäres Netzwerk" (Mussgnung 2002: 18), das derart dynamisch erscheint, dass "jeder Versuch der Fixierung zu jedem Zeitpunkt einen vergangenen, nur noch begrenzt gültigen Zustand beschreibt" (Mussgnung 2002:19). Greifbarer bleibt allemal das durch die Netzstruktur des Internet "Bewirkbare", das hier in seiner

43 kulturwissenschaftlichen Dimension vor dem Hintergrund der

Wechselwirkung gesellschaftlichen und medialen Wandels (vgl. Krotz 2003:15) verstanden werden soll. Doch "Netz" als Struktur verwobener Verflechtung hat in der

zunehmenden Komplexität konkreter Lebenszusammenhänge, in denen der Mensch in der modernen Informations- bzw. Wissensgesellschaft lebt, eine Vielzahl weiterer Bedeutungen. Netze – Vernetzung und die Bildung von Netzwerken - stellen eine Strategie dar, Komplexität zu denken, damit umzugehen, Orientierung zu erlangen und das Netz als "Wegesystem" zu erfassen, das Erfahrungen, Beziehungen, Bindungen, Wissen und Kommunikation im Sinne einer Orientierung strukturiert. Netzstrukturen ordnen, sie handeln nichtlinear und komplex, wie Gleich in seinen zehn Netzgeboten konstatiert. (Gleich 2004: 60 ff.). Distributive Netze, wie die Struktur des Internets sie abbildet, haben kein Zentrum nur eine Ausdehnung, das Netz ist das Zentrum (vgl. Mussgnung 2002: 190), was ihm seine integrativen Eigenschaften und die Fähigkeit, vielfältige Elemente zu verbinden, verleiht. Durch ihre dezentrale Eigenschaft bilden Netze eine hohe Redundanz, erhalten sich nicht zuletzt dadurch aber besonders flexibel, fehlerresistent, dynamisch und

tendenziell chaotisch. Durch ihre Logik, einerseits zu ordnen und andererseits Chaos zu erzeugen, erwächst die innovative Kraft, Neues entstehen zu lassen. Aus diesem Widerspruch des Ordnens und Zerstreuens erwächst dem Netz seine emergierende Wirkung6. Es ist

6

Das Phänomen der Emergenz kann damit umrissen werden, dass das Ganze mehr ist die Summe seiner Teile. Emergenz (von lat.: emergere, "auftauchen",

als

"hervorkommen") bezeichnet das Entstehen neuer Strukturen oder Eigenschaften aus dem Zusammenwirken der Elemente in einem komplexen System. "Der Ausdruck "emergence" wird im Englischen häufig in einem alltagssprachlichen Sinn gebraucht und

44 unmöglich sich in Netzten linear zu bewegen, jeder Knoten des Netzes erfordert eine Entscheidung und ändert die Richtung der Bewegung. Navigation und Benutzerführung leiten mitunter die Wege, die die Userin im Netz zurücklegt, die Logarithmen von Suchmaschinen agieren (bisher) nicht der Semantik menschlichen Denkens entsprechend, ihre

Suchergebnisse ermöglichen neue Wege und führen damit zu innovativen Verknüpfungen. "Dabei muss gewollt werden, was zugleich nicht gewollt wird: die zunehmende Wahrscheinlichkeit von nicht kontrollierbaren Rekombinationen" (Luhmann 1986: 161). Diese Eigenschaften von Netzstrukturen sind aber prinzipiell und lassen sich in unterschiedlichsten Arten von Netzen wiederfinden, sowohl in biologischen Netzwerken als auch in der sozialen Vernetzung, beispielsweise in politischen Netzwerken oder Frauennetzwerken mit nicht (ausschließlich) virtuellem Charakter. 3.1.2 Interaktivität Eine weitere charakteristische Eigenschaft von Netzstrukturen kann in ihrer besonderen Ökonomie des Gebens und Nehmens gesehen werden. Durch das Gefüge logisch gegebener, gegenseitiger Abhängigkeiten entwickeln Netze eigene Symbiosen und bilden Kooperationen aus. Im Falle des Internets bedeutet dies, die potentielle Fähigkeit, real herrschende ökonomisch, politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich determinierende Kontexte zu unterlaufen. Inke Arns bezieht sich hinsichtlich dieser Netzeigenschaft auf die "Geschenkökonomie" als netzkulturelle Ausprägung in der digitalen Kommunikation. Fredrichs und Wiemert (2002) verweisen auf die Reziprozität von Netzeigenschaft als "konstitutives Prinzip schlechthin" (Fredrichs / Wiemert 2002: 188), das sie

bezeichnet dann das "Auftauchen" oder (erstmalige) "Erscheinen" irgendeiner Entität." (Stephan 2000)

45 als "relatives Gleichgewicht zwischen den Tauschpartnerinnen" in Frauennetzwerken auch empirisch belegen konnten. Dieses Geben und Nehmen, Senden und Empfangen, weist auf jene Eigenschaft von Netzwerken hin, die alle anderen Attribute erst bedingt: die Interaktivität Die Interaktivität, wie sie Netze prinzipiell aufweisen und IKT als Eigenschaft der Neuen Medien anbietet, bedeutet mehr als einfach die Änderung von Angeboten und Gebrauchsweisen, sie impliziert einen veränderten Medienbegriff. Die Problematik ergibt sich aus der bisherigen Trennung zwischen Individual- und Massenkommunikation, die nun zu Konstruktionen wie dem Begriff "interaktive Massenmedien" (Höflich, 2003: 12) führt und kaum die Vielfalt an medialen Kommunikationsformen und neuen Medienformaten abdeckt oder erfasst, die seit der

massenhaften Verbreitung des Internet entstanden sind. Andererseits gibt die Entwicklung damit der "Massenkommunikation" als bisherigem Inbegriff öffentlicher medial vermittelter Kommunikation nur zurück, was stets ureigenes unausweichliches Attribut von Kommunikation war: Interaktivität, bei der sogar keine Antwort eine Antwort ist - "Es ist nicht möglich nicht zu kommunizieren" (Watzlawick 1969: 53). Die Anwendbarkeit dieser Aussage kann aus dem zwischenmenschlichen Kontext realer Kommunikation, für die sie Watzlawick mit seinen Axiomen entwarf, auch auf die Teilnehmenden von Netzkommunikation angewandt werden. "Die computerbasierten, globalen Netzwerke wirken wie eine massive Rückholaktion der Interaktivität in das

Kommunikationsgeschehen". (Faßler 2001: 135) Vor dem Hintergrund der im Abschnitt 3.1.6 beschriebenen Konzepte von Öffentlichkeit muss das nicht zwingend von die Auflösung der (als

unterschiedlichen

Funktionen

Massenkommunikation

veröffentlichter Kommunikationsinhalt ohne direkte Feedbackmöglichkeit) und der Individualkommunikation (als privater, direkt interaktiver

Kommunikation) bedeuten. Wie Höflich (2003: 13) darlegt, kann es sich

46 hier nicht um eine Verschmelzung aller Medien in einem

Universalmedium handeln, wie dies im Begriff der Konvergenz als Prognose impliziert wird. Eher erwiese es sich als analytisch sinnvoll, künftig darauf einzugehen, dass Interaktivität (sowohl direkt als indirekt) ein Wesensmerkmal der Vernetzung ist, in der Kommunikation heute öffentlich und privat stattfindet. Eine weitere Verquickung von Wortbedeutungen für ein und denselben Begriff, soll hier noch geklärt werden: Interaktivität bezeichnet in ähnlichen Kontexten unterschiedliche, aufeinander bezogene Aktionen. Je nach wissenschaftlicher Disziplin und zugrunde liegendem theoretischem Bezugsrahmen bleibt zwar der logisch gleiche Prozess bezeichnet, doch handelt es sich nicht immer um die kommunikative oder soziale Interaktion, sondern mitunter um Datenströme oder auch um die gegenseitige Beeinflussung von gesellschaftlichen, kulturellen oder ökonomischen Systemen und Subsystemen, untereinander. "Interaktivität" gilt innerhalb der hier vorgestellen Forschungsthematik hauptsächlich im Sinne sozialer Interaktion und wird als Austauschprozess zwischen Netzakteurinnen betrachtet und steht damit im Gegensatz zum

interaktiven Austausch zwischen Mensch und Maschine, bzw. Klient- und Serverrechner. Bath (1997: 58) beschreibt "Interaktivität als wesentliches Merkmal von "Multimedia": "Interaktiv setzt sich zusammen aus ;inter` = zwischen und ,aktiv` = tätig, wirksam, wobei der Begriff in den letzten Jahren in Bezug auf die "Akteure" einen Bedeutungswandel erfahren hat. Wurde früher mit Interaktivität wechselseitige eine menschliche Kommunikation, Individuen Handlung und oder

Beeinflussung

zwischen

Gruppen

assoziiert, bezeichnet er jetzt eher einen Datenaustausch zwischen Computer und Anwenderin bzw. zwischen Rechnern untereinander. Meist bedeutet dies jedoch nur, dass die Anwenderin Ausgaben erzeugen kann, die in einem Spektrum programmierter Auswahlmöglichkeiten liegen. Die "Aktivität" wird also stark begrenzt. (…)" Die im "Hypertext" als

47 Organisationsprinzip von nicht linearen Textstrukturen festgeschriebene Entscheidungsmöglichkeit über die virtuellen Abzweigungen und Verläufe während des Navigierens erfordert zwar die "Aktivität" eine Entscheidung zu treffen, über den nächsten anzuklickenden Link, gibt aber keine direkte Feedbackmöglichkeit. Das Internet "lebt" wie alle Netzstrukturen von der Interaktivität, denn ohne aktive Teilhabe, ohne Partizipation ist das Netz seiner grundlegenden und intendierten Netz-Fähigkeiten beraubt. Interaktivität beschreibt für die politische Kommunikation die weitestgehende Möglichkeit der

Partizipation, der Teilhabe am stattfindenden Diskurs und bietet Raum für globale Zusammenarbeit und die Herausbildung interessengeleiteter Gemeinschaften. Hinsichtlich der später erörterten Konzepte von

Öffentlichkeit kann Interaktion auch als "ein Prozess der wechselseitigen Orientierung von Menschen in bestimmten Situationen verstanden werden, bei der die Übergänge zur Kommunikation fließend bleiben, die Interaktion jedoch aufgrund ihrer höheren Dichte Aktivität auf der Gegenseite auslöst." (Winker 2005: 27). Winker bezieht "Aktivität" hier auf konkret frauenpolitisch gerichtetes Handeln als Aktion, ohne zu

unterscheiden, ob online oder offline ausgeführt. Ob im größeren Kontext gesellschaftlicher Kommunikation oder als Kommunikation von Gemeinschaften – Interaktivität ist das eigentliche Wesen des Internet. Das WWW entstand letztlich auch aus der Intention heraus, ein wissenschaftsbezogenes Kollaborationstool globalen

Ausmaßes zu entwerfen. Erklärtes Ziel bei der Erfindung des WWW war die Verwirklichung einer Reader-Writer-Konzeption. Alle sollten sowohl Daten empfangen als auch zur Verfügung stellen können, Informationen lesen und schreiben (auf die textbasierte Kommunikation übertragen sozusagen sowohl hören, sprechen als auch antworten) können: Eine Interaktivität also, wie sie der interpersonalen Kommunikation generell zugrunde liegt und wie sie herkömmlich Gemeinschaft im Kleinsten begründet. Nach dem Vorbild der herkömmlichen Medien dient das WWW

48 überwiegend als Informationsquelle (One-to-Many) und wird von Medienunternehmen als solche produziert. "Die Nutzung dieser InternetInformation entspricht als eher einer der Individualisierung des passiven

Medienkonsums

gemeinschaftsbildenden

Interaktivität."

(Neumayer 2005: i. V.). So wird im weiteren davon ausgegangen, dass Interaktivität, also die prinzipielle Gegenseitigkeit, ein Aufeinander–Bezug-Nehmen darstellt, wie es in der digitalen Netzkommunikation direkt und indirekt möglich ist, im einseitigen Gebrauch - das heißt in der nicht feedbackorientierten Verwendung rein distributiver oder massenmedialer Formate und Formen des Interneteinsatzes - aber nicht vorkommt. 3.1.3 Cyberspace und Virtualisierung des Sozialen "Cyber" geht zurück auf das griechische "kybernetike", die

Steuermannskunst, da der Cyberspace für ein Navigieren im Raum (space) steht" (Bath 1997: 62), erklärt Bath ihren Leserinnen kurz und bündig zur "Entmystifizierung" des Vokabulars neuer IKT. Zumeist setzt die Begriffsdefinition (Höflich 1996, Reid 1995) des "Cyberspace" bei seiner historisch ersten Erwähnung an, nämlich bei William Gibsons Science Fiction Roman "Neuromancer", in dem dieser Begriff eine neuronale Gesellschaft Vernetzung beschreibt der Mitglieder einer restlos virtualisierten

(Gibson

1987).

Ein

weltumspannendes

(hallizunogenes) System neuronaler Vernetzung steht sozusagen Pate für das wissenschaftliche Konzept des Cyberspace, das in unterschiedlichen Spielarten in fast allen diesbezüglichen theoretischen Überlegungen vorkommt. Zum Ausdruck kommt dabei das konstruierte Verhältnis von Raum, Zeit, Realität und sozialer Vernetzung. "Cyberspace ist der imaginäre, computergenerierte Raum "hinter" dem Computerbildschirm, der statt einer realen Anwesenheit Telepräsenz – eine Illusion von Nähe trotz geographischer Distanz - vermittelt" (Höflich 1998: 141), und definiert die Rahmenbedingungen für die Kommunikation im Cyberspace als

49 vermeintlich "assoziierte, grenzenlos anmutenden

Kommunikationsmöglichkeiten" (a.a.O.) Wenn hier von Kommunikation im Cyberspace bzw. von

Netzkommunikation oder Kommunikation im virtuellen Raum gesprochen wird, bezeichnet dies all jene kommunikativen Vermittlungsprozesse die Online – das heißt über Datenverbindung mit dem Internet - erfolgen, im Gegensatz zur Offline-Kommunikation, also von Angesicht zu Angesicht zwischen räumlich nicht getrennten Kommunikationsteilnehmern geführter Kommunikation bzw. der medial - durch analoge Medien - vermittelten Kommunikation. "Das was das Internet von allen anderen Netzen unterscheidet, ist seine Immaterialität" (Schachtner 2005a: 127) Diese Immaterialität ist eine für die Netzakteurinnen wahrnehmbare Tatsache. Aufgabe der Medien ist es (Mussgnug 2002: 179), Verbindung herzustellen, "Was Technik zu vermitteln versucht, ist, die Vermittlung überflüssig zu machen." (Mussgnung 2002: 182). Die wahrgenommene Immaterialität einerseits und gleichzeitig die imaginierte Räumlichkeit andererseits weisen ein großes Ausmaß an scheinbarer "Unvermitteltheit" (Mussgnung 2002:182) auf. Zeit und Distanzgefühl sind historisch determinierte Größen, die sich nun – ebenso wie bei anderen technischen Entwicklungen wie beispielsweise durch die. Verbreitung der Eisenbahn, des Telefons, des Flugverkehrs, des Fernsehen etc. - verändert haben. Der Cyberspace vermittelt aber nicht nur eine veränderte Geschwindigkeit, sondern vor allem eine zusätzliche Raumerfahrung, er bietet die Möglichkeit, ein stationäres Daten-Ereignis als "Raum" zu erleben und mitzugestalten (Vgl.

Mussgnung 2002: 54). "Der virtuelle Raum bewegt und verändert sich ununterbrochen mit den kommunikativen Akten derer, die ihn nutzen." (Schachtner 2005b 167).

50 Der Cyberspace steht in einem bestimmten Verhältnis zum

Wirklichkeitsbegriff. Im Gegensatz zu Fiktion und Simulation ist der Begriff der Virtualität "weniger im Bereich des Realen angesiedelt, sondern vielmehr auf eine Transgression des Wirklichen auf Potentialitäten, Mögliches hin [ausgerichtet], ohne jedoch mit der Fiktion als gegenüber der Wirklichkeit autonomer Welt in eins zu fallen." (Karpenstein-Eßbach 2004: 187) Aus der Differenz und Nähe zum Realen entstehen virtuelle Welten. Virtualität erzeugt Möglichkeitsräume – als solcher kann der Cyberspace als virtueller Raum hier angesehen werden. Als eine Eigenschaft von Netzen generiert der virtuelle Raum sozusagen Topographien, die aus der Abstraktions- und Formalisierungsfähigkeit des Menschen und deren Verknüpfungen zur Realität erwachsen und nicht direkt mit ihrer inhaltlichen Vermittlung verbunden sind. (vgl. Faßler 2001: 65) „Gerade deshalb werden elektronische Netzte im Zuge sozialer Veränderungen selbst als Räume wahrgenommen" (Faßler 2001: 65) Die Raumanalogie (Raummetapher) im Begriff Cyberspace stellt sich als eine Art kognitiv konstruierte Topologie für eine Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeit dar, die – wie alle technisch vermittelten Medien - das Zeit-Raum-Kontinuum, in dem die Kommunikation stattfindet, verändern, "quasi eine Erweiterung des Angebots an

Kommunikationsräumen" (Höflich 2003: 27) bieten. Für die Kommunikation im Cyberspace bedeutet dies einige

"Imaginationsleistungen", die den "Cyberakteuren" (Höflich 2003: 30) abverlangt werden. Wenn von konstruktivistischen Überlegungen

ausgegangen wird, erweitert der Cyberspace das, was wir ohnehin schon an Wirklichkeit für uns konstruieren, um eine weitere "Wirklichkeitssphäre" (Höflich 2003: 31). Diese Imaginationsleistung erschwert jedoch nicht die Kommunikation, sondern macht es leichter, den Raum des Möglichen mit kognitiv

51 Fassbarem zu bekleiden. "Indem das elektronische Netz in

Bezugnahme auf räumliche Metaphern konstruiert wird, lässt sich das Virtuelle "erden"." Durch Metaphern wie "Datenautobahn" "Chatroom" oder auch "Post" wird das Geläufige mit dem Neuen verbunden. "Das Neue unterscheidet sich vom Alten und muss dennoch genügend an Gemeinsamkeit mit ihm aufweisen, um durch die Unterscheidung erkennbar zu sein. Erst durch die bestehende Differenz wird das Neue anschlussfähig an das bereits bestehende" (Nowotny 2005: 9) "Virtueller Raum ist somit die Bezeichnung für eine Spannung, zwischen dem Neuen und dem Tradierten!" argumentieren Funken und Löw (2003: 11-12) und betrachten das Internet als eine Heterotopie des gleichzeitig

ausschließenden und einbeziehenden Miteinanders innerhalb einer Netzstruktur. "Netze sind als technologische Errungenschaften keine aus dem gesamtgesellschaftlichen Geschehen herauszulösende Erscheinung. Ein raum- zeittheoretischer Blick auf die Netze muss die Raum- ZeitDimension in Relation zu anderen Dimensionen betrachten" (Funken/Löw 2003). Herkömmliche Staatsgebilde sind in diesem Fall nicht mehr auf der Höhe der Räume "und die Realität der Möglichkeiten, der

Entwicklungsmöglichkeiten wachsen". (Mussgnug 2002: 57-59) Daraus ergibt sich der gesellschaftliche (auch frauenpolitische) Stellenwert der Netzkommunikation im Gefüge medialer und nicht und medialer einen

Kommunikationspraktiken,

die

Praktiken

ausbilden

standardisierten Gebrauch ausformen, "nicht nur prozeduale Regeln, die den Verlauf der medialen Kommunikation bestimmen, sondern auch ein Kalkül, in das eingeht, zu welchem Zweck das jeweilige Medium verwendet werden kann, um auf sozial adäquate Art und Weise intendierte Kommunikationsabsichten realisieren zu können." (Höflich 1998: 150). Was Höflich hier vorrangig für die interpersonale Kommunikation feststellt, lässt sich auch auf den größeren Rahmen gesellschaftlicher

Kommunikation und öffentlicher Diskussion übertragen. Wenn sich die

52 Konstruktion von Öffentlichkeit über das "Wie und Was" von Kommunikation definiert (vgl. Plake/Jansen/Schuhmacher 2001: 21), stellt sich der Cyberspace als der Ort dar, in dem netzkommunikative Öffentlichkeit "räumlich" verankert wird. Dieser neue Raum von Öffentlichkeit zeichnet sich durch einen Virtualisierung des Sozialen aus. Bezeichnenderweise lässt sich für die Sozialität in virtuellen Netzwerken eine Art der Virtualität als grundlegend feststellen: "Häufig wird das Virtuelle als das Künstliche bezeichnet und vom Natürlichen abgegrenzt. Das Phänomen, dass die Individuen an einem anderen Ort agieren, als sie sich tatsächlich befinden […] So wenig, wie man bei kanalisierten Flüssen zwischen dem Künstlichen und dem Natürlichen unterscheiden kann, so wenig gelingt dies beim Eintritt in den "Cyberspace". (Paetau 1997: 118) Paetau zeigt damit auf, dass Sozialität im virtuellen Raum nichts "Unwirkliches" sein kann und die Begriffe "Wirklichkeit und Virtualität" nicht als Gegensätze dargestellt werden können. Die Grenzen kommunikativen Handelns gestalten sich somit zwischen den Öffentlichkeitssphären des "Virtuellen" und des "Wirklichen" als fließend. Der Cyberspace stellt sich als ein Konstrukt heraus, das die in der menschlichen Kognition notwendige "Topologie" von Kommunikation liefert (ähnlich wie dies für gesellschaftliche Diskurse das Konstrukt "Öffentlichkeit" darstellt). Eine Raumanalogie, die letztlich auch von der Wissenschaft als solche genutzt wird, "als sinnvolles Konzept, um einerseits die sozialen und kommunikativen Praktiken zu dessen Ausgestaltung, andererseits aber auch die damit einhergehenden, sozial bedingten Begrenzungen von Kommunikation zum Thema zu machen." (Paetau 1997: 110). Für die Netzakteurinnen selbst ist der virtuelle Raum ein Erdachter, der nicht "wirklich" oder direkt im Verhältnis zum Funktionieren ihrer Kommunikation steht.

53 In Folge wird vom "Cyberspace" als vom "virtuellen Raum" die Rede sein. Dies erscheint als der geeignete Begriff zum ersten, weil er als solcher in der deutschsprachigen Literatur einschlägig Verwendung findet, zum zweiten um zumindest eine in den Eckpfeilern theoretischer

Begriffsabgrenzung

durchgehend

deutschsprachige

Grundterminologie beizubehalten, wie sie in der deutschsprachigen Theoriebildung auch angestrebt wird. 3.1.4 Netzkommunikation Unter Netzkommunikation wird jene soziale Interaktion bezeichnet, die sich bei ihrer Vermittlung auf digitale Vernetzung stützt. Mit mehr oder weniger geringen Abweichungen kann Netzkommunikation mit dem gleichgesetzt werden, was in der anglo-amerikanischen

Forschungstradition mit "computer mediated communication" bezeichnet wird (vgl. Schneider 1997, 30) und in entsprechender Übersetzung beispielsweise bei Höflich (1996) als "computervermittelte Kommunikation" geführt wird. Auch die Bezeichnung Online-Kommunikation (im Gegensatz zu Offline-Kommunikation) drückt einen wichtigen Wesenszug der Netzkommunikation aus, die ja anhand von Computern und über digitale Datenverbindungen vermittelt wird. Netzkommunikation ist jede Form von Kommunikation zwischen

Menschen, die via digitale Netzwerke miteinander in Verbindung treten, unabhängig von der technologischen Peripherie, Plattform oder Software, die dabei zum Tragen kommt. Netzkommunikation kann in der Gestalt von E-Mailing, Foren, Bulletin-Bords, News-Groups, List-Servers auftreten. Im Bereich der synchronen Kommunikation tritt Netzkommunikation zumeist als Instant Messaging, Internet-Relay-Chat oder webbasierte ChatApplikation auf. Netzkommunikation umfasst soziale Interaktion via Videound Audio-Streaming und entsprechende Conferencing - Anwendungen ebenso wie Voice-over-IP-Anwendungen, Netzkommunikation tritt auch in Multiplayer-Onlinegames (bspw. MUD´s und MMOG´s) in Erscheinung.

54 Auch das Personal Publishing und die so entstehenden "Kleinen Medien" (vgl. Arns 2002: 39) wie Weblogs und Wikis (vgl. Neumayer 2005: i.V.), und der Austausch von RSS-Daten (Content-Syndication) zählen inzwischen zu den In populären und üblichen Formen tritt von die

Netzkommunikation.

Peer-to-Peer

Social

Networks

Netzkommunikation mit der Betonung auf gezielter sozialer Vernetzung in Erscheinung. Andere technologische Entwicklungen, wie "collaborative tools" bspw. Wikis, forcieren die Organisation der Zusammenarbeit auf der Basis von Netzkommunikation. Groupware unterstützt

Organisationsaufgaben und E-Learning Programme verwenden die Netzkommunikation in der Virtualisierung von

Wissensvermittlungsprozessen. Aus den vielen verwirklichten und potentiellen Anwendungsgebieten der Netzkommunikation resultieren unterschiedliche Forschungsperspektiven im Hinblick auf Phänomene der Netzkommunikation. Im Zuge dieser Forschungsarbeit beschäftigte ich mich vorrangig mit dem sozialen Gebrauch der Netzkommunikation, also mit der Bildung, Unterstützung und Erhaltung von Beziehungen zwischen Individuen, Gruppen und Gemeinschaften Netzkommunikation. Netzkommunikation umfasst also eine Vielzahl von unterschiedlichen Kommunikationsformen und Medienformaten gleichzeitig und bringt eine Verschmelzung Individual-, und Vermischung und konventionalisierter Formen hervor. der Der und mit den kulturellen Aspekten der

Gruppen-

Massenkommunikation

Kommunikationsmodus der Netzkommunikation ist in der überwiegenden Anzahl der Fälle eine Verschriftlichung von Kommunikation, die mitunter Merkmale oraler Kommunikation beinhaltet Netzkommunikation ist

Kommunikation "zwischen Schreiben und Sprechen" (Schachtner 2002a: 16).

55 Netzkommunikation nimmt eine eigene Stellung in der Virtualität des Cyberspace ein, denn durch die Eingabe von (Sprach-)Daten vollzieht sich das reale (kommunikative) Handeln der Netzakteurinnen, die damit den Wirklichkeitsbezug herstellen und zugleich so diesen Raum erst entstehen lassen. Letztlich lässt sich die Interaktion, wie sie in der

Netzkommunikation stattfindet, nicht mit demselben Schema eines Verständigungsprozesses beschreiben wie die Situation einer sozialen

Interaktion im realen Raum und wird daher unter dem Aspekt eines neuen Interaktionsraumes analysiert. Dieser neue Interaktionsraum entsteht durch die kommunikative Interaktion und die Dichte der Kontexte auf virtueller Ebene. "Bei der Online Kommunikation handelt es sich […] nicht um ein Medium, wie es Beiträge über "das" Internet gelegentlich unterstellen. Die unterschiedlichen Protokolle der weltweiten

Computernetze eröffnen statt dessen einen neuen Kommunikationsraum, innerhalb dessen sich verschiedene Kommunikationsmodi ausdifferenziert haben und weiter ausdifferenzieren werden." (Rössler 1998: 131) Netzkommunikation kann sich sowohl einseitig als auch zweiseitig vollziehen, als Massenmedium fungieren oder auch zur direkten Interaktion dienen, ohne dass physische Präsenz nötig wäre.

"Netzkommunikation z. B. ist wirklich und auch wieder nicht, sie ist interaktiv, aber auch einbahnig." (Schneider 1997: 33) Netzkommunikation aus feministischer Perspektive Aus dem kommunikativen Handeln entsteht also ein sozialer Raum der wiederum unter verschiedenen Perspektiven erforscht werden kann. Die Fragestellung dieser Arbeit setzt vor allem die Perspektive von Netzkommunikation hinsichtlich der Verwirklichung feministischer und global friedenspolitischer Interessen an. Der politische Aspekt beschäftigt sich mit der Netzkommunikation als Instrument der Partizipation bzw. erforscht die demokratiepolitischen

56 Implikationen der Netzkommunikation und der hinsichtlich einer von

Geschlechterdemokratie

globalen

Entwicklung

zivilgesellschaftlichen Netzkulturen jenseits nationaler Determinismen. Die hier gewählte Perspektive analysiert die Herausbildung von Netzkultur(en) und Netzgemeinschaft(en) hinsichtlich ihrer feministischen Implikationen also dahingehend, welche Möglichkeiten die Netzkommunikation bietet, Benachteiligungen, die aus dem Geschlechterverhältnis erwachsen, abzubauen und Selbstbestimmtheit zu fördern (Schachtner/Winker 2005: 8). Aus diesem Kontext heraus erweisen sich besonders zwei Aspekte der Netzkommunikation als besonders interessant. Zum einen ist in vielen öffentlichen Bereichen netzmedialer Settings (Foren/Chats/Newsgroups u.s.w.) durch die gewährleistete Anonymität eine Loslösung von realen Handlungskontexten und auch soziokulturellen Kontexten gegeben. Identität wird in der Netzkommunikation neu entworfen und "als Projekt, das nach vorne hin offen ist" (Schachtner 2002a: 21) gedacht. Netzkommunikation - so der zweite und hier zentrale Aspekt - wirkt darüber hinaus gemeinschaftsbildend und grenzüberschreitend. "OnlineNetze versprechen eine Ergänzung, manchmal eine Alternative zu erodierenden Netzen jenseits der Neuen Medien zu sein" (Schachtner 2002a: 22). Virtuelle Netzwerke können vor dem Hintergrund

frauenpolitischer Zielsetzungen die Artikulation von frauenpolitischen Themen und deren Positionierung in der öffentlichen Debatte

positionieren. Als Virtualisierung des sozialen Netzwerkens von Frauen (Biber / Hebecker 1997: 174), eröffnet Netzkommunikation neues demokratisches Potential, um "verbesserte Formen für die kulturellen und politischen Kämpfe benachteiligter Minderheiten breitzustellen" (vgl. Drüecke/Winker 2005: 41)

57 3.1.5 Netzkommunikation als Ausprägung von Medialisierung Wie bereits ausgeführt zur verwendet jener Höflich das Konzept die hier sie des als als

Computerrahmens Netzkommunikation

Analyse

Interaktionen, Er

dargestellt

werden.

definiert

"Kommunikation, die computervermittelt zwischen Menschen stattfindet "(Höflich 1996: 15) allerdings bezieht er sich auf Kommunikation zwischen Individuen und Gruppen, die sonst nie miteinander in Kontakt kämen. "CVK [computervermittelte unter bislang Kommunikation Fremden, – Anm. mit M.N.] Personen erfolgt und

vorwiegend

also

Personengruppen, zu denen bisher keine Sozialkontakte bestanden haben und womöglich auch nicht folgen werden (wenngleich dies jedoch nicht ausgeschlossen ist)" (Höflich 1996: 148). Inzwischen hat es sich durchwegs durchgesetzt die Netzkommunikation als eine medialisierte Form der Kommunikation zu betrachten, die durchaus mit realen Kontakten und Kontaktmöglichkeiten in Wechselbeziehung stehen kann, aber nicht muss, die jedoch nicht von vornherein nur dort oder dann stattfindet, wo es sonst keine Kommunikation gäbe. Schneider (1997: 33) verweist darauf, dass in den Medientheorien und Theorieansätzen zur Massenkommunikation immer der Faktor des Massenhaften unreflektiert mitgedacht wird – wodurch es zu den Dichotomien Massenkommunikation versus interpersonale oder face-toface Kommunikation bzw. Massenkommunikation versus

Gruppenkommunikation oder auch bürgerliche Öffentlichkeit versus Medienöffentlichkeit erst überhaupt kommen konnte, und wie sie heute in der Analyse sozialer Interaktion und kommunikativen Handelns vor allem in Bezug auf die Netzkommunikation nicht mehr hilfreich erscheinen. Sie fordert in ihrer Schlussfolgerung, dass die bisherigen Analysen von Gruppenbildungsprozessen etc. um jene Prozesse, die durch die Netzkommunikation in Gang gesetzt worden sind ergänzt werden müssen.

58 In Anbetracht der medientechnischen Diversität und ihrer gleichzeitig in viele Richtungen orientierten Weiterentwicklung kann Kommunikation als soziale Interaktion in Prozessen der Gruppen- bzw. Gemeinschaftsbildung oder als Verständigungsprozess zwischen zwei Personen kaum mehr als Interaktion ohne technische Hilfsmittel gesehen werden, da

Kommunikation in zunehmenden Maße medialisiert stattfindet und diese Medialisierung alle Lebensbereiche betrifft. Medialisierung verändernden bezeichnet einerseits durch die die Prozesse einer sich die

Kommunikation

Entzeitlichung,

Enträumlichung und die Vervielfältigung, wie sie die Medienentwicklung mit sich bringt. Zum anderen werden damit Veränderungsprozesse beschrieben, die sich aus der Medienvermitteltheit von Kommunikation und dem damit einhergehenden kulturellen und gesellschaftlichen Wandel ergeben. Medien sind kulturelle Produkte, die der sozialen Kommunikation dienen, allen Medien ist zueigen, dass sie die natürlichen Einschränkungen von Kommunikation erweitern. (vgl. Schulz 2004: 5). Wobei es Schulz vor allem um die funktionale Perspektive von Kommunikation und hier wiederum vor allem um Massenmedien geht. Der Zusammenhang von Medienwandel und sozialem Wandel wird, wie bei (Behmer et.al. 2003) als interdependente Wechselwirkung beschrieben, medialer Wandel ist ein Aspekt des allgemeinen sozialen Wandels. (Schulz 2004: 8) Der Prozess der Medialisierung wird hier dargestellt als gekennzeichnet durch Extension, i.e. die Tendenz zur Ausweitung von

Kommunikationsmöglichkeiten, und Substitution, bei der soziales Handeln oder auch soziale Institutionen durch Medien ersetzt werden. Den digitalen Kommunikationsmedien mit direkter Feedbackmöglichkeit räumt Schulz allerdings nur im Rahmen der privaten Kommunikation einen Stellenwert ein. Doch den neuen Medien ist auch definitorisch neu zu begegnen, sie bieten sowohl ein hohes Maß an Selbstselektion und Selbstbestimmung (Schulz 2004: 12) als auch an Selbstorganisation.

59 Daraus leitet Schulz seine These der fortschreitenden Medialisierung ab und ortet steigende Konvergenz und stete Kontinuität als wesentliche Entwicklungsrichtungen medialen Wandels, in dem die neuen Medien letztlich einfach weitere Spielarten des Hybridmediums bzw. eine Rekonfiguration herkömmlicher Medien bleiben. (Schulz, 2004: 13) Letztlich zeichnet Schulz ein tristes apokalyptisches Szenario für das Zusammenwirken von sozialem und medialem Wandel: Sein Konzept der Medialisierung sieht eine klare Tendenz zu Wirklichkeitsverlust,

Ungleichverteilung von Partizipations- und Vermittlungschancen als Ergebnis dieses Wandels. So erweist sich die Frage nach einer Definition des Begriffes Medium im Zusammenhang mit Netzkommunikation als eine Frage nach dem Ausmaß und dem Grad der Medialisierung von Kommunikation allgemein (vgl. Faßler 2003: 70), die sich in der Netzkommunikation je nach Form und Format stark ändern. Ein Newsletter weist ganz andere Merkmale der Medialisierung von

Kommunikation auf als ein Chat, ein E-Mail oder der Kommentar in einem Weblog. Mediendefinitionen der haben vor dem Hintergrund der und

Entwicklungen

modernen mitunter eine

Informationskurze

Kommunikationstechnologie

Gültigkeitsdauer.

Netzkommunikation hat massenmedialen Charakter – mitunter aber nicht nur solchen. Die Definition der Medialisierung von Kommunikation bestimmt grundlegend die Sichtweise der Netzkommunikation als hier verwendeten Begriff 3.1.6 Netzwerke Im hier gegebenen Zusammenhang verstehe ich Netzwerk als ein Phänomen in Netzstrukturen, das durch Verdichtung entsteht. Vor dem Hintergrund dieser Definition sei jedoch festgestellt, dass es im Weiteren nicht um "Netzwerke" als technische Vernetzung geht, sondern um deren kommunikationsrelevante Folgen für die soziale Vernetzung. Daraus resultiert die Notwendigkeit, den Netzwerkbegriff in seiner Differenzierung

60 von Datennetzwerken (hinsichtlich ihrer Zugänglichkeit und

netzpolitischen Grundlage) und politischen Netzwerken (hinsichtlich ihrer Position im öffentlichen Diskurs) in seiner Ausprägung als virtuelles Netzwerke (auf der Basis ihrer technischen Vermitteltheit im Kontext zu ihrer Position und ihrer Konzeption von Öffentlichkeit) zu analysieren. "Virtuelle Netzwerke lassen sich über die technischen und ästhetischen Voraussetzungen ihres Internetauftritts sowie durch die Vielzahl ihrer Akteurinnen begreifen. Lebendig werden Netzwerke aber durch die Gemeinschaft ihrer Akteurinnen, in virtuellen Netzwerken Community genannt. Diese füllt das Netzwerk mit Leben, sie ‚bewohnt‘ und gestaltet es. (Duval 2005: i. V.) Der Begriff Netzwerk ist in vielerlei Hinsicht ein altbekanntes Schema oder Verbindungsmuster, wie es auch im beruflichen, ökonomischen Netzwerk eine Entsprechung findet. Ob es nun um das "soziale Netz", dass für die Absicherung durch Sozialleistungen sorgen soll, die nachbarschaftliche Hilfe, um Bindungen und Abhängigkeiten in der Familie bis hin zu mafiösen Tendenzen oder gesamtgesellschaftliche Netzwerke, wie den Generationenvertrag geht – Vernetzung und Netzwerkbildung haben viele Gesichter und machen Menschen nachhaltig lebensfähig. Vernetzung steigert die Lebensund Strategiefähigkeit sowie das

Durchsetzungspotential der Akteure (Bullinger / Nowak 1998). Die neuen Netzkulturen und ihre medientechnische Determiniertheit verändern die Ausprägungen sozialer Vernetzung. "Technische Vernetzungen spielen der im letzten Rahmen Jahrzehnte der eine

gesellschaftspolitischen

Entwicklung

bedeutende Rolle. Sie werden als Wiege des modernen Netzwerkbegriffs und als Vorlage gesellschaftlicher neuer Zusammenschlüsse benannt." (Goy 2004: 127). Der Terminus Netzwerk ist, lange bevor er uns in seiner digitalen Verfasstheit wieder begegnet, bereits ein umfassend

untersuchtes Phänomen, das die Komplexität sozialer Beziehungen oder

61 auch politischer Mobilisierungsstrukturen beschreibt. Wie Goy in ihrer Analyse beruflicher Netzwerke herausarbeitet, wurzelt der Begriff des Netzwerkens in den 1970er Jahren. Das Netzwerk als enthierarchisierte Organisationsform wurde zur Strategie und Kultur der Gegenöffentlichkeit, in dem ein oppositioneller Gemeinschaftsgedanke eine neue Form demokratischer Partizipation ausbildete. "Seit Jahrzehnten ist der Begriff des Netzwerks im sozialwissenschaftlichen Kontext neben sozialen Netzwerken im Zusammenhang von Initiativen, Zusammenschlüssen, Selbsthilfegruppen und frauenspezifischen Gruppierungen zu finden. Dabei wird das Bild des Netzes häufig als Gegenüberstellung zu hierarchischen Ordnungsmustern herangezogen, mit dem Ziel, auf gesellschaftliche Defizite aufmerksam zu machen und diese durch vernetzte Kommunikationsund Strukturierungsmuster ergänzend

auszugleichen. Die verschiedenen kleineren und größeren Netzwerke sollen politisch virulente Zusammenschlüsse außerhalb der etablierten vor allem parlamentarischen Zusammenhänge entfalten." (Goy 2004:127) Akteure solch eines losen Zusammenschlusses, wie ihn ein Netzwerk darstellt, können sowohl einzelne Personen, Organisationen, wie zum Beispiel NGOs oder Organisationsteile aus unterschiedlichen Bereichen sein, die ohne zentrale Steuerung und Hierarchie zwar besonders flexibel und innovativ bleiben, die allerdings auch wenig berechenbar sind. Darauf bezieht sich auch die Annahme, dass mit der Vernetzung die Strategiefähigkeit, Lebensfähigkeit und das Ducksetzungspotential der Akteurinnen eines Netzwerkes steigt (Vgl. Weber 2002: 11) So sieht Weber (2002: 10) die Netzwerkstruktur auch als die Idealform von Organisationen selbst, als Gegenvorschlag zur hierarchischen PyramidenOrgansiation, wie sie in Wirtschaft und Bürokratie vorherrscht und die mit der Komplexität nicht mehr zu Rande kommt, die sich aus den heutigen Anforderungen ergibt. Das scheint für den Umgang mit Komplexität zwar sinnvoll, klammert aber die beabsichtigte emergierende Wirkung der ursprünglichen

62 "Netzwerkidee" aus. Denn was in Netzwerken "wirkt" ist die Emergenz, die aus den Querverbindungen zwischen eigenständigen, von einander unabhängigen AkteurInnen erwächst und in einer Vernetzung durch ein gemeinsames Anliegen - und nicht durch organisationale Abhängigkeiten Veränderungen ermöglicht. Gerade aus der Eigenschaft des Netzwerks, neue Verbindungen zu nutzen und zu verdichten, die über institutionelle, gesellschaftliche, kulturelle und nationale Grenzen hinweg verlaufen und diese damit aufzuweichen und durchlässig machen, resultiert der Einfluss und Wandel im Sinne des jeweils verfolgten Interesses, das innerhalb der

wahrgenommenen Grenzen nicht mehr zu lösen, nicht mehr zu bewegen ist. (vgl. Schachtner 2002b) Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht kann das Internet als ein Netz kommunikativer Verbindungen angesehen werden. Es bildet eine globale Kommunikationsgemeinschaft, in der alle Teilnehmenden

prinzipiell mit allen anderen Teilnehmenden via digitale Datenübertragung miteinander in Kontakt treten können. Wo Netzkommunikation stattfindet, bildet der interaktive Austausch durch seine Qualität hinsichtlich Intensität, Häufigkeit bzw. Beschleunigung des Austauschprozesses eine

Verdichtung aus, die zur Ausprägung von Netzwerk-Strukturen führt. Die enge Verwobenheit der Beziehungen eines Netzwerkes beruht letztlich darauf, das Potential bestehender Verbindungen der Netzstruktur als solches zu verwenden. (vgl. Garton/Haythornthwait/Wellmann1999, 86) Im Datennetz Internet als Infrastruktur begegnen uns soziale Netzwerke auf der Ebene der Information und des Informationsaustausches, der Kommunikation und der gemeinschaftlichen Aktion, deren Ziele auch außerhalb des gemeinsamen virtuellen Raumes liegen können. Denn kommunikative Vernetzung bildet unterschiedliche Grade von Dichte aus, Netzwerke entstehen aus Verdichtung (vgl. Mussgnug 2002: 194). Das Netz vernetzt viele Netze (Garton/Haythornthwait/Wellmann 1999, 87)

63 ganz unterschiedlicher Kontexte. gesellschaftlicher Akteurinnen Interessenslagen eines Netzwerkes und wollen

kultureller

Die

"gemeinsam ihre Interessen vertreten, ihre Möglichkeiten und Macht für einander einsetzen und miteinander ergebnisorientierte

Aushandlungsprozesse […] führen" (Goy 2004, S 127). Kurz und bündig: "When a computer network connects people or organisations, it is a social Network. (Garton/Haythornthwait/Wellmann 1999: 75) Fredrich und Wiemert (2002: 18) gehen davon aus, dass eine enger gesteckte Definition nötig ist, damit mit dem Netzwerkbegriff nicht zu inflationär umgegangen wird und schlagen für die Analyse von Netzwerken die Perspektiven der Unterscheidung nach Dichte (der Beziehungen und Bindungen), nach Inhalten (Ressourcen, Tauschobjekte, Nutzen) und nach Dauer (inklusive der inneren Dynamik der Qualität und Stärke der Beziehungen) innerhalb des Netzwerks vor. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ergibt sich aus der Zahl der AkteurInnen und Akteursgruppen, nach ihren Zielen und Handlungsorientierungen bzw. danach, in welchem sozialen Feld sie agieren (Politik, organisational oder interorganisational ect.). Das Netzwerk wird als "Organisationsform zur Bewältigung bestimmter Handlungsprobleme" (Fredrich/Wiemert 2002: 19) aufgefasst. Ein einheitliches Bild dessen, was ein Netzwerk nun ausmacht, lässt sich in der sozialwissenschaftlichen Diskussion derzeit noch nicht ausmachen. Goy (2004: 128) stellt dazu fest, dass die an Netzwerken Partizipierenden "in der Regel, projektbezogen; interdisziplinär, sowie

problemlösungsorientiert bzw. bedürfnisorientiert vorgehen und dabei praktische und/ oder politisch gestalterische Ziele verfolgen sowie Synergieeffekte durch das Bündeln von Ressourcen und Know-How nutzen wollen."

64 3.1.7 Öffentlichkeit und Gemeinschaft im virtuellen Raum Virtueller Raum als Ort neuer Öffentlichkeit Das Internet schafft Öffentlichkeit(en), der Cyberspace als "mediale Sphäre binärer Netze" (Faßler 2001: 71) stellt eine Sphäre der Öffentlichkeit dar. Mit der digitalen Netzkommunikation erweitert sich die potentielle Öffentlichkeit über den physischen Raum in virtuelle Räume. Wenn der virtuelle Raum also jenen imaginierten "Topos" darstellt, in dem Netzkommunikation stattfindet, so kann er als Raum gewertet werden, in dem sich sowohl Öffentlichkeit als auch Privatheit entspinnen (vgl. Schachtner 2005b: 185). Der Begriff Öffentlichkeit ist ein vielgestalter, der sich nur schwer in einer klaren Definition einfangen lässt, vielmehr ist "Öffentlichkeit" ein zu Konstruierendes, ein Konstrukt in dessen Sichtweise die Kultur politischer Diskussion in demokratischen Systemen verhandelt wird. Der Cyberspace nimmt diesbezüglich als "Ort der Öffentlichkeit" noch eine besondere Stellung ein, die sich einerseits aus seinen besonderen Eigenschaften und den netzpolitischen Vorraussetzungen ergibt. Andererseits stellt sich der virtuelle Raum aufgrund seiner geringen historischen Verankerung in den Gesellschaften und der schnelllebigen Entwicklung neuer

Kommunikationsformen als besonders formbar und offen für die Einschreibung beliebiger, auch neuer, Formen und Konzepte von Öffentlichkeit dar. (Vgl. Kücklich, 1998) Die Konzeptionalisierung von Öffentlichkeit im Internet, wie sie sich in unterschiedlichen Netzkulturen vollzieht und wie sie demokratiepolitische Diskussionen allgemein erarbeiten, sind in nach wie vor in Bewegung und geben somit die Chance "den Öffentlichkeitsbegriff mit Erkenntnissen der feministischen politischen Theorie zu verbinden" (Drüecke / Winker 2005: 39) Welche Form(en) der Öffentlichkeit entstehen durch die digitale

Netzkommunikation und welches Verständnis von Öffentlichkeit bildet die

65 Grundlage eines gesellschaftlichen Wandels im Sinne einer

geschlechterdemokratischen Netzkommunikation? Bei Plake, Jansen und Schuhmacher (2001: 19) wird festgestellt, dass das Verständnis von "Öffentlichkeit" sich auf unterschiedliche Objektbereiche bezieht und dass es sich darüber definiert, ob damit ein Geschehen, eine Kommunikation oder ein Raum als "öffentlich" bezeichnet wird. Diese "drei Konnotationen des Öffentlichkeitsbegriffs, nämlich a) Vorgänge von allgemeinem Interesse, b) Kommunikation, die sich an alle richtet, sowie c) Zugangsoffenheit von Räumen, Plätzen, "Sozialräumen" und

institutionalisierten Bereichen sind Elemente von Öffentlichkeitsbegriffen, die sich in vielen Definitionen wieder finden." (Plake/Jansen/

Schuhmacher 2001: 20) Im demokratietheoretisch-politikwissenschaftlichen als Kommunikation die einen auffasst, Konsens geht Ansatz, es um der die

Öffentlichkeit

"Kommunikation,

zustande

kommen

lässt".(Plake/Jansen/Schuhmacher 2001: 21) Bezieht sich Öffentlichkeit auf Kommunikation, ist der Gegenstand derselben nicht definitorisch, das Objekt und seine Relevanz sind Konstruktionen, Öffentlichkeit äußert sich (demokratiepolitisch) im gemeinsamen Konsens bzw. in der Emergenz von Sinn. Öffentlichkeit äußert sich schlichtweg darin "dass und wie kommuniziert wird" (Plake / Jansen / Schuhmacher 2001: 21). Dieses "Wie" der Kommunikation setzt sich hier vor allem mit dem Verhältnis zwischen "virtueller" und "realer" Öffentlichkeit auseinander. Dabei sind die Authentizität und Wahrhaftigkeit ebenso Thema wie die Konstruktion von Identität im virtuellen Raum, der als "vage Sphäre" gilt. Öffentlichkeit im virtuellen Raum stellt durch dessen Eigenschaften die herkömmliche gesellschaftliche Definition von "privat" und "öffentlich" in Frage. Das gewandelte Verhältnis zwischen massenbzw.

individualkommunikativen Aspekten vor dem Hintergrund des generellen

66 gesellschaftlichen Wandels setzt die Definition von "öffentlich" und "privat" in ein neues Zusammenspiel. Ähnlich verhält es sich mit der geographischen Dimension von Öffentlichkeit; die Widersprüchlichkeit von "lokal" und "global" schwindet in ihrer bisherigen Ausprägung (Vgl. Schachtner 2005b: 186, sowie Schachtner 2002b) Die Öffentlichkeit als kulturspezifische Konstruktion und nationalstaatlich durchgesetzte Rechtssphäre (Zensur, Datenschutz, Redefreiheit etc.), weicht sich mit zunehmender Verbreitung des Internets deutlich auf. Zum einen kann das den Eigenschaften von distributiven Netzen

zugeschrieben werden, hier vor allem jenem (nicht rein technischen) Phänomen des sogenannten "Gilmore-Effekts"7 (Lorenz-Meyer: 2003). Zum anderen schafft eben diese Netzkommunikation auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Veränderungen, die mit ihnen einhergehen, neue Gegebenheiten für Öffentlichkeit(en). Diesen Veränderungen wird zumeist mit der Forderungen nach Steuerung und Regelung (auf Seiten der Macht) begegnet oder sie werden als Freiraum und Chance zur Verwirklichung von gesellschaftlichen Wandlungsprozessen, zur

Realisierung von gesellschaftlichen Utopien oder Wunschvorstellungen oder zur Ausweitung des Handlungsspektrums der Teilnehmenden jenseits von hierarchischer Ordnung verstanden und analysiert.

Vermeintlich fehlende gesetzliche Rahmenbedingungen und die fehlende weil unmögliche - Kontrolle der gleichberechtigten Teilhabe am politischen Diskurs im Internet stellen nicht nur nationalstaatliche Grenzziehungen in Frage.

7

"The Net treats censorship as a defect and routes around it" John Gilmore

(http://cyber.law.harvard.edu/people/reagle/inet-quotations-19990709.html)

67 Wenn es in dieser Arbeit also nun um Öffentlichkeit geht, dann darum, welche Veränderungen, welchen kulturellen und gesellschaftlichen

Wandel die digitale Netzkommunikation für die bisherigen Konzepte von Öffentlichkeit mit sich bringt. Interaktivität und gleichberechtigte Austauschprozesse, wie sie das Internet in Form von digitaler Netzkommunikation ermöglicht, lassen als erstes an das Ideal einer diskursiven Rationalität denken, wie sie Jürgen Habermas (1990) in der Tradition der politischen Philosophie des vergangenen Jahrhunderts festschrieb. Erklärungen für strukturellen Wandel der Öffentlichkeit, der sich im Zeitalter digitaler

Netzkommunikation entfaltet, lassen sich daraus aber nicht ableiten. Zwar bilden Medienentwicklung und Medialisierungsprozesse zentrale Quellen für Veränderungen von Öffentlichkeit, allerdings bietet die Analyse der Veränderungen der bürgerlichen Gesellschaft durch die Entwicklung von Massenmedien die Grundlage für das Verständnis - aber nicht für die Analyse - der aktuellen Wandlungsprozesse. Zwischen den Polen der herkömmlichen Medien (als Vermachtete) und der egalitären Medien (als freie grenzüberschreitend interaktive digitale Netzkommunikation) werden demokratiepolitische Überlegungen darüber verankert, wie die Defizite moderner Demokratien ausgeglichen werden können. Die idealtypische Gegenüberstellung von vermachteter Medienöffentlichkeit und egalitärer Diskursöffentlichkeit, wird von Holmes (2002), Dahlenberg (2001) u.v.a. in Anlehnung an die demokratietheoretischen Überlegungen von Habermas (1981, 1990) für die Analyse einer veränderten Öffentlichkeitskonzeption hinsichtlich der Entwicklungen der IKT. Habermas selbst jedoch nimmt zum Internet, "dem er demokratiepolitisch jedes Entwicklungspotential abspricht, [von dem er] vielmehr sogar Rückschritte erwartet, indem er die neuen Medien in der Funktion sieht, zu einer Fragmentierung der Öffentlichkeit im weltweiten Maßstab beizutragen" (Plake, Jansen, Schuhmacher 2001: 39 sowie Bühl 2000: 290), nie ausführlicher Stellung. Ob nun diese Fragmentierung als viel beschriebenes postmodernes

68 Phänomen von Gesellschaftsentwicklung (Brunner 1997) gesehen wird oder wie bei Fraser (1996) als ein wichtiger Prozess zur Bildung von subalterner Gegenöffentlichkeit gelten kann, in der auch marginalisierte, noch nicht im öffentlichen Bewusstsein vorhandene Thematiken sichtbar werden, ist eine Frage, deren Beantwortung weiteren Arbeiten zu diesem Thema überlassen bleibt. Für Luhmann haben Massenmedien nicht die Funktion, Öffentlichkeit herzustellen, sondern sie zu repräsentieren, als öffentlich gilt im System der Massenmedien ausschließlich als Produkt erzeugte veröffentlichte Meinung. Die Tatsache der Veröffentlichung gilt als Öffentlichkeitkonstruierend, Themen sind öffentlich und in einem allgemeinen Zustand des Bewusstseins, wenn sie Thema der Medien sind und der Rezipient durch ihr Auftreten um das Thema weiß und noch wichtiger: wahrnimmt, was andere auch wissen. Für die Systemtheorie Luhmanns ist die Öffentlichkeit als eine Institutionalisierung der politischen Kommunikation zu sehen (Plake, Jansen, Schuhmacher 2001:43). Themen sind sozusagen ein Reflex von Ereignissen. Medien bilden eine

Eigenwirklichkeit, in der es um die Erlangung von Aufmerksamkeit für nicht direkt erlebbare Bedeutungen von Themen der Gesellschaft geht. Öffentlichkeit ist hier die gesellschaftsinterne Was in dieser ist die Umwelt Konzeption Möglichkeit der von zur

gesellschaftlichen Öffentlichkeit

Teilsysteme. Beachtung

wenig

findet,

unmittelbaren, aktiven Teilnahme, wie sie das Internet heute bietet. Dessen ungeachtet bilden die systemtheoretischen Überlegungen

Luhmanns einen wertvollen Beitrag und zwar besonders zur Kritik an den euphorischen Utopien, wie sie manche Netzkulturen ausbilden, indem sie ein neues athenisches Zeitalter heraufdämmern sehen. Dies optimistische Sichtweise trifft jedoch nur innerhalb kleiner Teilöffentlichkeiten im Internet zu, also innerhalb einer Gemeinschaft von Teilnehmenden, die sich mit mehr oder minder durchlässiger Grenzziehung selbst konstituiert und eine virtuelle Gemeinschaft bildet (Dahlenberg 2001).

69 Öffentlichkeit steht in der heutigen Gesellschaft in einem

Abhängigkeitsverhältnis zu massenwirksamen Kommunikationsmedien, da sich erst aus diesen heraus eine öffentliche Meinung konstituiert, bzw. diese massenwirksamen Kommunikationsmedien ein Form bieten,

öffentlichkeitsrelevante Themen auf breiter gesellschaftlicher Ebene zu diskutieren. "Zwar kann sich im Internet jeder äußern, doch wahrscheinlich nehmen nur wenige davon Notiz" (Plake/Jansen/Schuhmacher 2001: 65). Auch bringt diese Sicht von Öffentlichkeit hier in die Analyse ein, dass es sich bei dem in den Medien artikulierten Bürgerwillen nur um das handelt, was an medialer Wirklichkeitskonstruktion daraus gemacht wird. Die Entstehungszusammenhänge dieser Konstruktion im System der Medien verändern diesen Bürgerwillen so sehr, dass eine Gegendarstellung durch Gegenöffentlichkeiten erforderlich ist. Im Zusammenhang mit dem Internet kann eine dreigeteilte

Phänomenologie der Öffentlichkeit angesetzt werden: Zum ersten, politische Prozesse, die das Netz selbst betreffen, also der

medienpolitische Kontext, die Zugangmöglichkeit, die ökonomische Organisation des Internet etc. kurz gesagt: medienpolitische

Entscheidungen, die das Internet und seine Weiterentwicklung als Kommunikationsmittel und Massenmedium betreffen. Zum zweiten das politische Geschehen im Cyberspace (politischer Netzaktivismus,

Cybercommunities) vor dem Hintergrund, dass politisches Handeln hier keine direkte Wirkung auf die politischen Verhältnisse in der "off-lineSphäre" bedingt und zum dritten der politische Gebrauch digitaler Medien als Form politischer Kommunikation, die sich nicht vorrangig mit Internetthematiken beschäftigt, sondern reale politische Ziele und gesellschaftliche Wirkung anstrebt. (Vgl Resnick 1999: 55). Ersteres entspricht der geschlossenen Sichtweise eines politischen Diskurses, der wie die elitäre Gemeinschaft der bürgerlichen Salons durch ungleichen Zugang bestimmt ist, weil diese Netzkommunikation nur im Internet stattfindet, sich nur aus der Netzidentität begründet und keine direkten

70 Auswirkungen auf die Off-line Welt hat oder anstrebt. Eine solche pessimistische Sichtweise für die Konstruktion neuer öffentlicher Räume ergibt sich aus der Tatsache, dass virtuelle Räume eben keine Sphäre für die gleichberechtigte Teilnahme aller Menschen darstellen. Ungleiche Zugangsmöglichkeiten (Digital Divide) sind eine Tatsache, die oft durch die verhärteten Geschlechterzuschreibungen (Internet als androzentrische Technik etc.), einen Gender-Divide und die "Fragementierung der Gesellschafts"-Sorge verstärkt wird Beim zweiten Bereich geht es um politische Fragestellungen, die die Weiterentwicklung interaktiver des Internets zwischen die massenmedialer Steuerungsund und

Orientierung

betreffen,

Regelungsansprüche der nationalstaatlichen Politik und der globalisierten Wirtschaft gegenüber dem Internet umfassen, es geht also um eine Form der Medienpolitik (Vergl Arns 2002: 42), die aber letztlich ganz wesentlichen Einfluss darauf nimmt welche "Öffentlichkeiten" im Internet entstehen und entstehen können, wer daran teilnehmen darf und wer nicht! Letztlich ist Öffentlichkeit immer von politischen

Rahmenbedingungen abhängig, dies gilt auch für das Internet. Im dritten Bereich geht es um den Einsatz des Internets für politische Zielsetzungen. Dabei ist der konstruierte öffentliche Raum ein Raum für Information, Kommunikation und politische Aktion, der nicht auf die virtuelle Öffentlichkeit beschränkt bleibt, sondern mehr oder minder direkt auf die reale Situation und die Durchsetzung von Interessen auch außerhalb des virtuellen Raumes abzielt, wie das bei feministisch orientierten Gebrauchsformen der Netzkommunikation inzwischen weithin der Fall ist. Andererseits kann die Öffentlichkeit, wie sie das Internet mit seinen interaktiven Eigenschaften und Partizipationsmöglichkeiten darstellt, nicht als von der restlichen Offline-Öffentlichkeit getrennt angesehen werden und ist in der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der dort vertreten Interessen

71 und Meinungen auch keine abgeschlossene Teilöffentlichkeit im Sinne einer gesellschaftlichen Fragmentierung. Netzkommunikation, definiert sich, wie bereits festgestellt, als in den Kontext von Offline-Kommunikation eingebettet. Damit ist die durch Netzkommunikation ermöglichte

Öffentlichkeit keine von der realen Welt abgeschlossene Sphäre. Information, Kommunikation und Aktion (vgl. Drüeke/Winker 2005: 46) reichen immer auch über die digitale Sphäre hinaus und sind daher im Kontext mit ihrer Wirkung auf den realen Raum zu beobachten. Die Abhängigkeit des Virtuellen vom real bereits Vorhandenen ist obsolet, denn es ergeben "elektronische Formen des Informationsaustauschs nur in sozialen Zusammenhängen Sinn, die Bedeutungseinschätzungen, Kontextierungen gewährleisten; und die Rahmungen der gehandelten und Informationen

Durchsetzungschancen

Tiefenwirkungen

elektronischer Netzte sind somit auf bereits bestehende oder entstehende Teilöffentlichkeiten angewiesen." (Hasse/Wehner 1997: 67). Die beiden Autoren Hasse und Wehner schreiben weiter, dass "Netze ihre strukturellen Wirkungen langfristig vor allem in solchen Kontexten entfalten werden, wo die Verbindung zwischen einer globalen Ausweitung der Kommunikationsmöglichkeiten, einer vergleichsweise strengen

Fokussierung auf ausgesuchte Themen sowie einer Homogenität der Interessen und Präferenzen der Teilnehmer nicht im Widerspruch zueinander geraten, sondern vielmehr konstitutive Momente der

Vergesellschaftungsform darstellen." (1997: 64) Globale Öffentlichkeit – Weltöffentlichkeit Für den virtuellen Raum als Raum neuer Öffentlichkeit mit seiner ZeitRaum- und Präsenzunabhängigkeit gilt der Anspruch von Globalität. Geopolitische Gebiete und Nationalstaaten entsprechen nicht mehr den einzigen Räumen, in denen Kommunikation und Öffentlichkeit stattfinden.

72 Die Differenzierung von Sprachgemeinschaften und kulturellen

Identitäten bildet veränderte Abgrenzungs- und Vereinigungsperspektiven. Aus einer Öffentlichkeit, in der Nationen und ihre zumeist monarchischen Oberhäupter miteinander in Kontakt traten, bzw. elitäre Kreise ihre Interessen weltweit verfolgten, entwickelte sich eine medial vermittelte Weltöffentlichkeit. Die Sicht der Weltöffentlichkeit als globale Öffentlichkeit wurde erst durch Medien ermöglicht. (Vgl. Volkmer 2003: 11) Sinn und Zweck der globalen Ausdehnung von Kommunikationsstrukturen war (und ist zumeist auch noch) immer der Ausdehnung militärischer und /oder wirtschaftlicher Machtdemonstration und -erhaltung unterworfen. Die erste Entwicklung, in der transnationale politische Allianzen der

Zivilgesellschaft(en) wirksam und deutlich sichtbar wurden, war die Friedensbewegung der frühen 70er Jahre. Die technologische Entwicklung sowohl in der Nachrichten- als auch in der Waffentechnik und die zunehmende Komplexität von Globalisierungsprozessen in ökonomischen Bereichen veränderten die Bedeutung, Struktur und Funktion der globalen Öffentlichkeit. Die "Global Public Sphere" steht heute vor allem in einem besonderen Verhältnis zu lokaler Öffentlichkeit (vgl. Schachtner 2002b) "The worlds of everyday life are formed worldwide under the direction of
transnational processes of intermixture and crisscrossing". Teil- bzw.

Gegenöffentlichkeiten formieren sich grenzüberschreitend ebenso in lokalem wie in globalem Kontext und bilden die Grundlage translokaler Kooperationen. (vgl. Arns 2002 50), die durch die globale

Kommunikationsstruktur des Internets ermöglicht werden. Die Konstruktion der globalen Öffentlichkeit entwickelte sich von einer globalen Kommunikationsstruktur der Massenmedien, bei der eine unbegrenzte Zahl an Rezipienten auf eine begrenzte Zahl von Aussagen trifft, dabei ein gemeinsames "Hintergrundwissen" erzeugt und bei der von einer universellen Akzeptiertheit ausgegangen werden kann (vgl.

Hasse/Wehner 1997: 56) zu einer Öffentlichkeit mit universellem Zugang, weitgehendem Verzicht auf interne Regulierung und

73 Sanktionskompetenzen, hoher Diversität und hoher Fragementierung des Meinungsspekturms auf der Basis von Teilöffentlichkeiten. Das Internet scheint Kommunikation ohne Zwang, Freiheit des Ausdrucks, Programm ohne Einschränkung zu garantieren, wie sie die teils utopistische Idee einer netzgestützten Weltöffentlichkeit plausibel machen will. Volkmer sieht in den Errungenschaften der Infomations- und Kommunikationstechnologien eine starke Veränderung der globalen Öffentlichkeit, hin zu einer "Reciprocal political communication" (Volkmer 2003:13), die die nationale Zensur und Repression umgehen kann, die verfestigte Grenzziehung zwischen Privatem und Öffentlichen neu in Beziehung setzt und zivilgesellschaftliches Engagement fördert. Formell Ein beliebtes Beispiele einer virtuellen politischen Aktion bildet der viel zitierte "elektronische zivile Ungehorsam" (vgl. Arns, 2002 61) der mexikanischen Zapatistas und ihrer weltweit vernetzten (größtenteils USamerikanischen) Solidaritätsgemeinschaft (Dominguez, 1998), die durch gezielte Häufung der Aufrufe der mexikanischen Regierungshomepage diese schließlich lahm legten. (Weitere Beispiele von Netzaktivismus sind u. a. bei Lovink (2001: 133) nachzulesen). Prinzipiell kann im Netzaktivismus unterschieden werden zwischen "blockierendem" (Hacktivismus) und "ermöglichendem" (Enabling) Einsatz von netzaktivistischen Einsatz Werkzeugen zielt darauf (vgl. ab, Anrs:2002: durch den 44). Einsatz Der von

ermöglichende

Informations- und Kommunikationstechnologien die Vernetzung und Kommunikation von gleichgerichteten Interessen herzustellen, Allianzen zu bilden und gemeinsame Aktionen zu koordinieren. Dazu interessantes empirisches Material veröffentlichten Hara/ Estrada (1999), die die menschenrechts- demokratie- und friedenspolitische Internetzeitschrift Moveon.com der rechtsradikalen Stormfront gegenüberstellten, um deren virtuelle Kommunikationsstrategie zu analysieren. Ein weiteres gut dokumentiertes und analysiertes Beispiel für Cyberaktivismus aus der Kategorie des "enablings" findet sich bei Walsch (1999), der über den

74 Einsatz von virtueller Kommunikation im Rahmen der

Friedensbemühungen im Jugoslawienkrieg meinte: "In the long run, bearing witness may be more important than anything else in the cyberwhatever of the postmodern information age." Vor allem das in den kleinen Amateurmedien (Vergl Neumayer 2005: i.V.) eröffnete Potenzial, zwischen Kriegsfronten und über Konfliktsituationen hinaus als wichtige

Vernetzungsagenten zu fungieren, (Vergl Blood 2003), ist ein Anliegen dieses ermöglichenden Einsatzes. Zumeist hat Netzengagement nicht nur das Ziel, zu Informieren, Kommunikation zu ermöglichen oder Aktion im virtuellen Raum und/oder Realen zu begründen. Dem politischen Aktivismus im Internet geht es vor allem auch darum, Aktionen zu setzen, die öffentlichkeitswirksam sind bzw. breites Medieninteresse auf sich ziehen, die den Blick auf blinde Flecken der Gesellschaft lenken wollen, auf (oft) marginalisierte Interessen in der Gesellschaft hinweisen und öffentliche Meinung beeinflussen. Dies kann, so wie am Beispiel des digital Zapatismo, vor allem als digitales Wirken auf transnationaler Ebene geschehen, in der die Öffentlichkeiten unterschiedlicher Nationen und politischer Sphären beteiligt sind, wo also auf der Ebene einer transnationalen Öffentlichkeit agiert wird, in der "Aufmerksamkeit als kostbarer Rohstoff gilt" (Biber/Hebecker 1998: 173). Politisches Engagement von zivilgesellschaftlichen Interessensgruppen äußert sich zumeist auf der Ebene der Information und Interaktion. NGOs sehen im Internet eine Erweiterung ihrer Wirkungsbereiche.

Grenzüberschreitende Vernetzung erhöht das Informationsniveau, die Handlungsressourcen und die Basis ihrer Legitimation. (vgl. Take 2002: 87). Im Kommunikationskontext des Internets wird Zugänglichkeit zu anderen lebensweltlichen Rahmenbedingungen eröffnet, die durch

Massenmedien nicht erschlossen werden, wie Meckel (2001: 46) feststellt. Die Rolle der Medienvon und der Massenkommunikation vor dem für die ihrer

Konstituierung

Weltöffentlichkeit

Hintergrund

75 historischen Entwicklung wurde bereits erwähnt. Das Internet ist also ein globales Projekt und konstruiert Räume globaler Öffentlichkeit, wie es bisher nur die Massenmedien annähernd in diesem Ausmaß konnten. Massenmedien übernehmen die globale Medienagenda der lokalen Geschehnisse und konstruieren mediale Weltöffentlichkeit nach wie vor – inzwischen eben ergänzt durch neue Formen von kleinen Medien und neue Formen des Journalismus, die andere Lebenswelten, Meinungen und Interessen für die öffentliche Diskussion in und außerhalb der virtueller Kommunikationsräume (besser) erschließen Die Netzkommunikation, an der zwar nicht alle in gleicher Weise oder überhaupt teilhaben, generiert Veränderungen, sozialen Wandel und kulturelle Transformationen die über den virtuellen Bereich hinausreichen und trotzdem "alle" betreffen– mitunter in unterschiedlicher Weise, aber doch. Eine dieser Auswirkungen wird in der Homogenisierung der Kulturen gesehen, die durch eine europäische und US-amerikanische Dominanz gekennzeichnet ist und so manipulative Zugriffe auf die transnationale Politikund Medienszene ermöglicht, marginalisierte

Gesellschaftsgruppen und lokale Kulturen unterminiert, sowie die geschlechtsspezifische Benachteiligungen verhärtet (vgl. George 2004: 86), dafür jedoch wirtschaftsliberal orientierten Globalisierungszielen in die Hand spielt und zivilgesellschaftliche Globalisierungsziele kaum

unterstützt. Welt-Öffentlichkeit, wie sie hier bisher als demokratiepolitisch erfasster Begriff erläutert wurde, erfährt in jedem nationalen System

unterschiedliche Ausprägungen. (Meckel 2001 63) Darüber hinaus gründet in vielen Ländern, deren Gesellschaften nun an dieser globalen Weltöffentlichkeit teilnehmen (wollen), die Ausübung von politischer Macht nicht auf der demokratischen Willensbildung aller Einwohner.

76 Multikulturalität Die Kommunikation zwischen Organisationen oder zwischen Individuen im globalen Kommunikationskontext des Internets ist in vielen Fällen interkulturelle Kommunikation. wurde (Günther bereits 2004: 100) Für die mit

Netzkommunikation

spezifischer

Umgang

Multikulturalität beobachtet und bestätigt. (Simoff/Sudweek 1999: 38) Wie kann von einer globalen Weltöffentlichkeit gesprochen werden, die auf einer gemeinsamen Sinnproduktion (vgl. Stichweh 2003) gründet, wenn in dieser Welt knapp 5000 Sprachen (Vergl. Glück (Hg.) 2000: 653) gesprochen werden. Und teilt man die Welt auch in (nur) acht Kulturkreise (vgl. Huntigton, 1986: 57) und zieht in Betracht, zum dass die die

sozioökonomischen

Zugangsbeschränkungen

Internet

Teilnehmenden zu einer globalen Bildungselite (vgl. Douglas Kellner 1998: 167) werden lassen, dann fragt man sich immer noch, inwieweit hier von nur einer "Öffentlichkeit" die Rede sein kann. Es scheint also sinnvoll, auch in Bezug auf "Weltöffentlichkeit" von einem Plural auszugehen. Virtuelle Gemeinschaft

Virtuelle Öffentlichkeit äußert ihren transformativen Charakter auf global/lokaler Ebene in der Bildung virtueller Gemeinschaften (Vgl Schachtner 2002b) und Netzkulturen. “Virtual communities are social aggregations that emerge from the Net when enough people carry on those public discussions long enough, with sufficient human feeling, to form webs of personal relationships in cyberspace. People who use computers to communicate form friendships that sometimes form the basis of communities, but you have to be careful to not mistake the tool for the task and think that just writing words on a screen is the same thing as real community.'" (Rheingold 1993)

77 Damit hält Rheingold - sozusagen als Erfinder der "virtuellen Communites" - nicht nur fest, dass es sich hier zumeist um verschriftlichte, computervermittelte, interpersonale Kommunikation handelt, sondern vor allem auch, dass diese Kommunikation Gemeinschaft begründen kann. Der Begriff "virtuelle Gemeinschaft" stellt die Menschen in den Mittelpunkt, denen die neuen Technologien nur als Träger der Kommunikation dienen. "Virtuelle Gemeinschaften ersetzten die sozialen Beziehungen der wirklichen Welt und würden eine Weltgemeinschaft mit

basisdemokratischen Entscheidungsstrukturen bilden." - analysiert Bath (1997: 62) Howard Rheingolds Thesen aus den frühen Neunzigern, die bereits das Potential zu demokratiepolitischen Veränderungen feststellen. "Damit aus einer Vielzahl von Netzakteurinnen eine Gemeinschaft werden kann, sind gemeinschaftsstiftende Elemente auf drei Ebenen notwendig, auf der Handlungsebene, auf der emotionalen Ebene und auf der sozialen Ebene." (Duval 2005b i. V.) Ein wichtiger Aspekt in der Analyse virtueller Gemeinschaft bezieht sich auf deren Zusammenspiel mit der

unvermittelten direkten Kommunikation, die von Angesicht zu Angesicht stattfindet. Teilweise dienen die virtuellen Beziehungen "als Vorstufe oder Erweiterung für realweltliche face-to-face Beziehungen, teilweise bleiben sie auf die virtuelle Beziehungsebene beschränkt" (Thiedeke 2003: 10). Das muss als Anregung gelten, den Zusammenhang und das

Wechselspiel von "realen" und virtuellen Interaktionsprozessen in Gemeinschaften in die Analyse aufzunehmen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ergibt sich aus der Zahl der Akteurinnen und Akteursgruppen, nach ihren Zielen und

Handlungsorientierungen bzw. danach, in welchem sozialen Feld sie agieren (politisch, organisational oder interorganisational etc.), denn das Netzwerk einer virtuellen Gemeinschaft orientiert sich an seiner Funktion als "Organisationsform zur Bewältigung bestimmter Handlungsprobleme" (Fredrich/Wiemert 2002: 19). In ähnlicher Weise argumentiert das auch (Leitner Leitner) wenn sie definieren: "Eine Online-Community ist eine

78 Gemeinschaft von Menschen, die online (über ein entsprechendes Internet-Kommunikationssystem) in Kontakt kommen und zur Erreichung bestimmter Ziele kooperieren. […] Eine OC entsteht, wenn jemand die Rolle eines Gründers auf sich nimmt, Visionen entwickelt, Ziele formuliert, die technische Infrastruktur verfügbar macht und so das Projekt ins Rollen bringt. Es genügt im nicht, virtuellen ein technisches entsteht System durch einzurichten." die "lebendige

Gemeinschaft

Raum

Kommunikation" (Schachtner 2005b: i. V.). Ihre Kontinuität baut auf der Aktualität ihrer Inhalte auf, setzt die Anerkennung der Akteurinnen untereinander voraus und vereint eine anregende Vielfalt um ein gemeinsames Zentrum an Interessen. Unter virtueller Gemeinschaft versteht Höflich (1996: 65) "relativ dauerhafte Gruppen medial miteinander verbundener Nutzer" und meint damit eine Gemeinschaft, die sich erst im virtuellen Raum formiert, deren Teilnehmende also (zumindest bevor sie sich kennenlernen) außerhalb des virtuellen Raumes keinen sozialen Kontakt pflegen oder pflegen können. Computernetzwerke ermöglichen einen weitgehend

ortsunabhängigen und damit globalen Zugriff auf Informationen, (Winker, 2001: 277) und sie ermöglichen damit die Entstehung von globalen Netzwerken virtuell miteinander verbundener Teilnehmender. Auch Gemeinschaften, die vorrangig offline aktiv sind, können mit der Initiierung einer virtuellen Gemeinschaft ihre virtuelle Ausweitung erfahren und allen Teilnehmenden einen Netzgewinn bringen, der sich in unterschiedlichen Formen von Wissen, Kompetenz, Identitätsgewinn oder auch als Entertainment äußern kann. (Vergl. Schachtner/Welger 2005 i.V.) Virtuelle Gemeinschaften können im Allgemeinen als spezialisiertes Publikum angesehen werden, dessen Interessenneigung und Meinung meist einen hohen Grad an Homogenität aufweisen, was darin begründet ist, dass sie Identifikationsmöglichkeiten schaffen und Kommunikation organisieren, aus der dann eben Gemeinschaft entsteht. Ein homogenes Meinungsspektrum innerhalb einer Art von virtueller "Community"

79 begünstigt die Herausbildung von Teilöffentlichkeit(en). So diese Gemeinschaft Gleichgesinnter das Internet bewusst dafür einsetzt, die herkömmliche Medienrealität mit einer "unterschlagenen Wirklichkeit" (Plake / Jansen / Schuhmacher 2001:62) zu konfrontieren, fungiert sie als Gegenöffentlichkeit. "Indem sich Bürger versammeln, um ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen, machen sie die Relevanz des kollektiven Anliegens deutlich." (Plake / Jansen / Schuhmacher 2001:78) Daraus entspringt wohl das wesentliche politische Potential des Internets: Es ermöglicht den Einfluss auf demokratische Prozesse und stärkt den Stellenwert von sozialer Vernetzung in der politischen Einflussnahme von gesellschaftlichen Subgruppen. Zumeist sind in einem von

Mehrheitsentscheidungen getragenen politischen System die Interessen der Einzelnen gegenüber dem "Gemeinwohl" und dem "Wir" ziemlich machtlos. Als Formierung dieser Einzelinteressen in unterschiedlichen "subalternen Öffentlichkeiten" (Fraser 1996) (bzw. als Teil- oder Gegenöffentlichkeit, wie dies im weiteren nun hier bezeichnet werden soll), ergibt sich die Möglichkeit der Schaffung "kultureller Klassifikationen und rhetorischer Etiketten" (Fraser 196: 171) für die Vorlieben, Interessen, Meinungen und Identitäten, die in anderen Kommunikationsprozessen des öffentlichen Diskurses ungehört bleiben würden. Darin eröffnet sich der Widerspruch von Homogenität und Diversität8 (Vergl. Winker 2005: 29)

8

Der Begriff Diversität bezeichnet qualitative und/oder quantitative Unterschiede, die sich

in Positionen, Eigenschaften, Funktionen, Verhaltensweisen, Persönlichkeiten, Lebensund Alltagsentwürfen zeigen. Netzen generell und so auch virtuellen Netzen eignet die Fähigkeit, die verschiedensten Elemente eines Netzes so zu verbinden, dass sie miteinander kommunizieren können, ohne ihre Unterschiede einzuebnen (vgl. Gleich 2002, 114). Diese Chance begründet sich in der für Netze typischen dezentralen Machtverteilung. Während Hierarchien Machtzentren aufweisen, die versuchen,

untergeordnete Elemente den Intentionen der zentralen Macht anzupassen und damit Unterschiede tendenziell einebnen, verfügen Netze im Idealfall über keine

80 aus dem die Emergenz von Netzkommunikation im Sinne des skizzierten Konzeptes von Gegen- und Teilöffentlichkeit entsteht. Die Beziehungen und Normen, Regeln und Wertvorstellungen in virtuellen Gemeinschaften entstehen auf der Basis der gemeinsamen

Netzkommunikation - so entstehende soziale Kommunikationssysteme, welche typische Charakteristika verschiedener Vergesellschaftungsformen aufweisen können. Das heißt, sie können sich ähnlich der Form einer Organisation oder einer sozialen Gruppe entwickeln oder ein

Interaktionssystem ganz anderer Art aufbauen. (Vergl Thiedeke 2003: 41). So kann also eine virtuelle Gemeinschaft als "ein Modell für Gemeinschaft und Kooperation im Allgemeinen" (Leitner 2003: 19) gelten. Bei der Beobachtung und Beschreibung sozialer Sachverhalte, wie dem der virtuellen Gemeinschaft, kann die "materiale, medientechnische

Bedingung des Zustandekommens von Kommunikation" (Dollhausen/ Wehner 2003) nicht vernachlässigt werden, sondern bildet ihre

grundlegende Infrastruktur. Thiedeke (2003) analysiert die Gemeinschaftsformen in virtuellen Räumen – im speziellen die der virtuellen Gruppe, also die Erscheinungsformen ihrer Kommunikation, ihre soziale Kommunikationsorientierung, ihre Steuerung und ihre zeitliche Stabilität. Diese Dimensionen lassen eindeutige Zuweisungen und Unterscheidungen und damit Vergleiche zwischen verschiedenen Kommunikationssystemen im virtuellen und nicht virtuellen Bereich zu, die auch auf neu entstehende virtuelle

Vernetzungsformen (Weblogs, Wikis, Podcasting, Peer-to-Peer Netzwerke u. a.) angewandt werden können und spezielle Erscheinungsformen -

Machtkonzentrationen, von denen vergleichbare Versuche ausgehen. Allenfalls drängen individuelle Bedürfnisse zur Anpassung. (Schachtner 2005c)

81 beispielsweise Communities of Practise, (Schneider, 2004: 147) bzw. Communities of Knowlegesharing - bilden. Die in der vorliegenden Arbeit untersuchte Kommunikation weist folgende Eigenschaften auf: Sie ist computervermittelte Kommunikation in Gruppen, sie ist weiters

textvermittelte und interpersonal und kann sowohl asynchron als auch synchron stattfinden. Die Art der hier gegenständlichen Kommunikation ist somit klar von anderen Netzkommunikationsformen abgegrenzt. Interaktive Kommunikation auf der Grundlage digitaler Netzstrukturen als interessengeleitete Vernetzung kurz: Netzkommunikation stellt also vor der nun erörterten theoretischen Konzeption von Netz, Netzwerk, Interaktivität, Öffentlichkeit, Gemeinschaft und Virtualisierung des Sozialen den zentralen Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit dar. Öffentlichkeit wird hier als globale Öffentlichkeit im Sinne einer transnationalen Interaktion zivilgesellschaftlicher Interessensausformungen untersucht, wie sie die internationale Vernetzung verschiedener Friedensinitiativen darstellt, die sich (auch) in virtuellen Räumen durch Netzkommunikation konstituiert. Virtuelle Gemeinschaft als globaler "Frauenraum"

"Das Spektrum der Vernetzung geht von Alltagskommunikation und den losen, persönlichen, informellen Kontaktnetzen aus und spannt seinen Bogen bis hin zu formal verankerten Zusammenschlüssen in Fusionen und Allianzen von zunächst oder bleibend auch rechtlich eigenständigen Organisationen." (Weber 2002: 11) Die Prozesse sozialer

Vergesellschaftung in kommunikativen Netzwerken wie sie hier dargelegt wird, kann vor allem hinsichtlich der Bildung von globalen "Frauenräumen" als solches übernommen werden. Wie Leslie Shade für die bisher untersuchten Netzgemeinschaften zusammenfasst, konnten diese den Frauen – auch und vor allem im

82 globalen Zusammenhang – folgende Handlungsspielräume eröffnen: "mobilize, build coalitions, and offer space to share experiences and lessons learned" (Shade 2002: 99) Netzkommunikation dient den Frauen weltweit in der Anwaltschaft (advocacy) und Mobilisierung, und zwar insofern, als die Netzkommunikation ihnen die Möglichkeit gibt, aktuelle Informationen zur Verfügung zu stellen und zu erhalten, sie ihnen als Werkzeug in der Organisation zur Verfügung steht und weiterführende Aktionen unterstützt. (Shade a.a.O.). Dabei erachtet Shade es als besonders wichtig, dass sich auch Frauen des politischen Südens die Potenziale des Internets erschließen können, wie dies beispielsweise aus der Gegenüberstellung zweier Forschungs-Settings - in Nairobi und Toronto - besonders facettenreich hervorgeht. (Brayton, Shade, White 2001: 45 ff.). Dadurch, dass das hier zu analysierende Netzwerk und Frauen in

unterschiedlichen

äußeren

Zusammenhängen

persönlichen

Kontexten zusammenführen soll, weist die Vernetzung spezielle Merkmale von Gemeinschaft auf. Barbara Kleine (1997: 19) hält fest, dass mit Mailinglists und Newsgroups "…die Möglichkeit, über große Entfernungen ein Netz von Gleichgesinnten aufzubauen." entsteht. Durch das regelmäßige Mitlesen "entsteht eine virtuelle Gemeinschaft unabhängig vom geographischen Aufenthaltsort: Eine Frauenwelt im Internet." Die friedensengagierten Frauen orientieren ihr Netzwerk daran, "gemeinsam ihre Interessen zu vertreten, ihre Möglichkeiten und Macht für einander einzusetzen und miteinander ergebnisorientierte Aushandlungsprozesse zu führen" (Goy 2004: 127). Dabei wird ihr Netzwerk nicht durch die Grenzen des virtuellen Raumes von ihrer Realität abgegrenzt, sondern "[v]iele ans Netz angeschlossene (connected) Frauen (vor allem im Süden) fungieren als Brücken zu nicht angeschlossenen (unconnected) Gruppen in ihren Communities, indem sie Online-Information in ein anderes Format bringen und über andere Kommunikationswege wie

83 Druckmedien, Fax, Telefon, Radio und Theater verbreiten" (Young 2002: 20). 3.1.8 Theoretische Dimensionen des deskriptives System Letztlich erwächst der theoretischen Reflexion der Thematik hinsichtlich der erhobenen Daten und der vorgebrachten Diskurspositionen der analystische ermöglichen. Anspruch, Der eine angemessene Sinn des Fallbeschreibung im Laufe zu des

analytische

Forschungsprozesses entwickelten theoretischen Rahmens besteht darin, jenen beeinflussenden Faktoren auf die Spur zu kommen, aus denen Frauennetzwerken global und lokal Vorteile erwachsen. Bevor dies möglich ist, sollen die deskriptiven Eckpunkte fixiert werden, anhand derer die empirischen Daten beschreibbar zu machen sind und die die Grundlage für weiterführende theoretische Annahmen darstellen. Das kann als Vorraussetzung gelten, um die Relationen, Wechselwirkungen und Wirkungszusammenhänge der Kategorien und ihrer Ausprägungen zu erschließen. Somit zeigen zum einen die Daten, wie die Frauen im virtuellen Raum agieren und zum anderen werden ihre Haltung, Kompetenzen und ihre Sichtweise der digitalen Vernetzung gegenüber sichtbar. Wie lässt sich also die emergierende Wirkung von digitalen Netzen, Netzwerken, Netzkulturen und im speziellen Fall von feministisch orientierten Frauennetzwerken in der Friedensarbeit erklärend

beschreiben? Woraus erwächst handlungsrelevante Erkenntnis, den virtuellen Raum als "ermöglichenden" wahrzunehmen und einzurichten? Nancy Baym (1995) unterscheidet vier verschiedene Quellen von Einflüssen, die auf das Hervortreten von Gemeinschaft auf der Basis von Netzkommunikation Auswirkungen haben, nämlich: External Context, Temporal Structure, System Infrastructure, Group Purpose und

Participants characterism.

84 Wenn dies die Einflüsse sind, die auf die Gemeinschaftsbildung im virtuellen Raum einwirken, dann können diese auch als Dimensionen der Beschreibung einer solchen virtuellen Gemeinschaft herangezogen werden, mit der Absicht Wirkungszusammenhänge in empirisch

Beobachtetem auszuforschen. Dieses Vorgehen dient also einerseits der Beschreibung des Fallbeispieles in den Dimensionen, die als

Beeinflussung von Gemeinschaft im Cyberspace von Baym dargelegt wurden und lässt Relationen offenbar werden, die mitunter nur für dieses Fallbeispiel gelten können, was das Verständnis und somit die Handlungsrelevanz der Ergebnisse dieses Falles wesentlich erhöht und möglicherweise mit anderen Fallbeispielen vergleichbar macht.

"Furthermore, these already complicated factors affect one another in ways that may not be expected, as when the external context soap operas impacts on norms of temporal relevance or on the purpose in the group. Finally, the discussion of purposes in r.a.t.s. demonstrates that which aspects of the five categories of impact are relevant in a group may be emergent rather than predictable." (Baym 1995: 149) Dieses für die Untersuchung einer Usenet-group (r.a.t.s.) erstmals angewandte Schema von für Einflüssen, die Es Analyse handelt also des sich Dimensionen hier um des

Zusammenwirkens Fallbeispieles viele

bietet

vorliegenden asynchrone

Vorteile:

verschriftlichte Kommunikation in einer (mehr oder weniger) beständigen Gruppe der gleichen Teilnehmenden. Damit ist sie von den

Rahmenbedingungen

computervermittelter Kommunikation (computer

determinism) her dem analysierten Fall von Netzkommunikation (der Organisation 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis) sehr ähnlich. Weitere Vorteile sind folgende: Sowohl die theoretischen Überlegungen als auch die empirischen Daten ließen sich in der Kodierung durchwegs eindeutig den Dimensionen zuordnen und diesen entsprechend

strukturieren.

85 Ein wichtiger Unterschied, der zur Erweiterung dieses Schemas führte ist folgender: Die erforschte "Gemeinschaft" entspringt nicht dem virtuellen Raum, sondern liegt in den gemeinsamen Absichten und Interessen begründet. Die Netzkommunikation der Friedensfrauen steht also - wie die Auswertung der empirischen Daten noch zeigen wird, in einem engen Widerund Zusammenspiel basierenden mit den realen auf Face-to-Face der

Kommunikation Friedensfrauen. • • • • • •

Gemeinschaftserfahrungen

die zeitliche Struktur, die gemeinsame Absicht den äußeren Zusammenhang die persönlichen Aspekte und Eigenschaften der Teilnehmenden die technische Systeminfrastruktur Kommunikationsraum (virtuell, real, öffentlich, privat)

Die einzelnen Dimensionen werden im Vorsatz des jeweiligen Abschnitts der Fallbeschreibung inhaltlich noch abgrenzend konkretisiert und dem jeweils empirisch beobachtbaren Ereignissen gegenübergestellt.

86

4 Dimensionierte Fallbeschreibung und ihre Ergebnisse
4.1 Zeitliche Struktur
Die Dimension "zeitliche Struktur" ermöglicht es, Netzkommunikation auf einer zeitlichen Achse zu analysieren und beschreibbar zu machen. So können die Interaktionsprozesse als zeitlich synchrone (in "Echtzeit") oder asynchrone Interaktion dargestellt werden, sowie Zeiten verstärkter oder verdichteter Kommunikation erfasst werden. Weiters kann die

Netzkommunikation im Kontext des spezifischen Falls in eine temporale Struktur eingebunden sein, aus die der sich im hier gegebenen des

Forschungszusammenhang

zeitlichen

Gestaltung

Projektablaufes ergibt. Denn der Projektablauf und alle die Abwicklung des Projekts gestaltenden Ereignisse, Entscheidungen und Arbeitsschritte (siehe auch "Absichten und Ziele") verleihen der Netzkommunikation des Projekts eine beschreibbare Chronologie der Projektphasen, in deren Gefüge die Netzkommunikation der Organisation passiert. Sowohl Dichte, Intensität, Thematik und Ziel der Netzkommunikation, als auch die Wahl des jeweiligen Kommunikationsraumes stehen in enger Beziehung mit dem im folgenden beschriebenen Phasenplan. Die Beziehung zwischen der Netzkommunikation und der Chronologie der Projektphasen als zeitliche Dimension verdeutlicht, dass virtuelle Vernetzungsprozesse komplexe Abläufe darstellen. Die im Folgenden dargestellten Phasen lassen sich aus den erhobenen Daten ableiten, d. h. diese Einteilung fußt nicht in wissenschaftlichen oder theoretischen Vorgaben zur Analyse, Gestaltung und Steuerung von Projekten, sondern wird aus den digitalen Informationen der Organisation ermittelt. Sie ergeben sich aus den unterschiedlichen Zielvoraussetzungen (Ziele, Absichten), die in den einzelnen Phasen das kommunikative Handeln der Projektgruppe und ihrer Mitglieder leitet. Die Phasen sind

87 nicht hermetisch von einander abzugrenzen, die eine Phase ist nicht zwangsläufig restlos abgeschlossen bevor die nächste einsetzt, wie dies in der klassischen Projektsteuerung vorgesehen ist (Vgl. Kupper 1996: 39 ff). Jedoch ergibt sich aus terminlichen Koordinaten und erreichten Teilzielen der Abschluss einer Phase bzw. eine Neuorientierung, die dann den Beginn der nächsten Phase kennzeichnet und in dieser Weise auch in den Daten zu beobachten ist. So ergab sich für das Projekt vor dem Hintergrund einer Zeitleiste (s. u.) folgender Phasenverlauf der zeitlichen Struktur:
Zeitlauf Newsletter Mär.03 Apr.03 Mai.03 Jun.03 1. Newsletter Jul.03 Aug.03 2. Newsletter Sep.03 Okt.03 3. Newsletter Nov.03 Dez.03 4. Newsletter Jän.04 Feb.04 Mär.04 5. Newsletter Apr.04 Mai.04 6. Newsletter Jun.04 Jul.04 Aug.04 Sep.04 7. Newsletter Okt.04 8. Newletter Nov.04 Dez.04 Jän.05 9. Newsletter Feb.05 Mär.05 Apr.05 Mai.05 Jun.05 10. Newsletter Jul.05 Aug.05 Sep.05 Okt.05 Nov.05 Dez.05 Termine Vereinsgründung

1. Medieninformation 1. Koordinatorinnentreffen 27- 29. August Bern Medienkonferenz 1. Besuch Oslo

2. Koordinatorinnentreffen 12. - 15. Februar Möschberg Nominationsprozess eröffnet

3. Koordinatorinnentreffen 13. -17 Oktober Monte Vuala

26. Januar - Brief nach Oslo

4. Koordinatorinnentreffen 8.-10. April Zürich 29. Juni Medienkonferenzen in 22 Ländern

Bekanntgabe der/des Preisträgers Buchpräsentation Übergabe des Preises

88
Konzeption Vernetzung Nomination Umsetzung Veröffentlichung Nachhaltigkeit Vorprojekt, Konzeptionierung, zeitl. Plannung Vernetzung Track 1-2, Koordinatorinnen und Projektteam bilden, Friedensbegriff Vernetzung Track 1-3, Nominationen recherchieren ect. Dokumentation, Buch, Ausstellung vorbereiten, Medienarbeit koordinieren, Pressekonferenzen weltweit, Eingabe in Oslo. Bekanntgabe der 1000 nominierten Frauen wie wird fortgesetzt, wie wird dokumentiert?

Abbildung 1: Projektphasen "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005" inkl. Legende Diese Chronologie des Projektverlaufs soll im Folgenden durch die Analyse der Daten aus der Website der Organisation und der Newsletter dargestellt werden. Die Interviews ergeben auf Grund ihrer spezifischen Fragestellung hier kaum relevante Daten, da sich diese Gespräche hauptsächlich der persönlichen Dimension und dem äußeren

Zusammenhang der Netzkommunikation widmen. Wie die Daten zeigen, werden die Newsletter - als eine von vielen möglichen Formen von Netzkommunikation - dazu verwendet, den Projektverlauf transparent zu gestalten. EmpfängerInnen des Newsletters sind nicht nur die Frauen der Projektgruppe sondern alle Vereinsmitglieder und Unterstützer ebenso

wie alle Interessierten und Medienvertreter, die sich für die Zusendung des Newsletters online angemeldet hatten – die also aktiv diese Information auswählten. Dies war laufend möglich und somit sahen sich die Autoren des Newsletters auch einer im Laufe des Projekts wachsenden Zahl von Lesern gegenüber. Der Newsletter erschien jeweils in deutscher und englischer Sprache und zwar viermal jährlich, wobei die Abstände zwischen den Publikationen (Erscheinungsmonat) – so lässt sich aus der Darstellung in der Zeitleiste ablesen - nicht einem regelmäßigen Dreimonatsintervall, sondern den zeitlichen Strukturen des Projektverlaufs folgen, und somit. auf Ereignisse und Ergebnisse im Projektablauf reagieren und damit den Mitteilungsbedarf für diese digitale Kommunikationsform begründen.

89 Die jeweiligen Schwerpunkte in den unterschiedlichen Phasen werden in den Newslettern sehr konkret vermittelt, es werden alltägliche Arbeitsziele beschrieben und in den fortgeschrittenen Phasen des Projektes kommen auch die Regionalkoordinatorinnen mit ihren Belangen innerhalb der Newsletter zu Wort. In Form von Zitaten geschieht dies ab dem Newsletter 2003/3. Damit entwickelt sich der Newsletter im Laufe des Projekts von einer Form vorrangig einseitiger Netzkommunikation mit hohem Medialisierungsgrad zu einem Kommunikationsforum einer

Gruppe, das auch regelmäßig publiziert wird. Für die Netzkommunikation der 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 bedeutet das, dass der Newsletter als Mittel der Verständigung

innerhalb der Arbeitsgruppe eingesetzt wird, um alle Koordinatorinnen und am Projekt mit Nominationen Beteiligten über die Abläufe des Projekts auf dem gleichen Informationsstand zu halten. Zum anderen informiert der Newsletter die am Projekt Interessierten, assoziierte Teilnehmende, Unterstützer und Medienvertreter relativ aktuell über das

Projektgeschehen. Die Gleichzeitigkeit dieser beiden Funktionen ergibt die besondere Transparenz, die den Frauen des Projekts - wie sie oftmals äußern - sehr wichtig ist. 4.1.1 Konzeptionsphase: Die Konzeptionsphase umfasst die Zeit, in der die Planung erster Teilziele der Organisation erarbeitet wird, in der der zeitliche Rahmen festgesetzt und die vorläufige Finanzierungsplanung erstellt werden. Das Ende dieser Phase kann mit der ersten Präsentation des Projekts vor der Medienöffentlichkeit fixiert werden.
Die langwierige aber auch kreative Projektarbeit ist abgeschlossen …der verein ist gegründet. Das Vorprojekt der 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 für den Friedensnobelpreis wird im Juli beendet sein. Zur Zeit sind wir auf der Suche nach den Koordinatorinnen. Zu diesem Zeitpunkt (Workshop Aug. 2003) werden wir auch die Gelegenheit wahrnehmen, an die Presse zu treten, und das Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. (Newsletter 1/2003)

90 Dem Projekt liegt die gemeinsame Konzeptionsarbeit von Dr. RuthGaby Vermot-Mangold, Nationalrätin, Europarätin (Bern) mit Maren Haartje9 zu Grunde, die mit der kreativen Umsetzung des Projekts begannen. Bald (März 2003) wurde als rechtliche Grundlage für das Vorhaben ein Verein mit dem Namen 1000 Frauen für den

Friedensnobelpreis 2005 gegründet. Die Projektmanagerinnen setzten bereits in der frühesten Phase die internationale Vernetzung der Organisation in Gang, die sich als wesentliches Element der Vereinsinteressen darstellte. In den ersten Monaten des Jahres 2003 nahm das Projekt seine konkrete Gestalt an, mit dem bereits klaren Ziel:
"Im Jahr 2005 sollen weltweit 1000 Frauen den Friedensnobelpreis für ihre unermüdliche Friedensarbeit erhalten. Vor allem jedoch wollen wir mutigen Friedensfrauen Gesicht und Geschichte verleihen und ihre Arbeit mit Filmen, Fotos und Dokumenten sichtbar machen." (1000peacewomen.org - Editorial von Ruth-Gaby Vermot-Mangold, Homepage sowie Newsletter 1/2003)

Gleichzeitig

mit

dem

Konzept

für das

die

Umsetzung wurden und

entstand

in

internationaler internationaler

Zusammenarbeit Expertinnen

Logo,

Meinungen Sponsoren

eingeholt,

Unterstützer

geworben, das Büro in Bern eröffnet und die Homepage gelaunched. Im Juni 2003 ging der erste Newsletter an die wachsende Zahl der EmpfängerInnen ab.
"Ein gleichnamiger Verein ist gegründet worden und die Liste der Unterstützenden wächst. Wir sind nun dabei, unsere engste Arbeitsgruppe, die Koordinatorinnen, aufzubauen. Sie werden aufgrund ihrer regionalen Kenntnisse und Vernetzung mit der Ernennung der Friedensfrauen betraut. (www.1000peacewomen.org - Editorial der Homepage, Ruth-Gaby VermotMangold und Newsletter 1/2003)

9

Im Anhang finden sich Kurzbiographien aller Frauen, die hier im engeren Sinne als

Projektteam gelten können.

91 Mit der Umsetzung dieser ersten planmäßigen Projektphase setzt die Initiative den Beginn der Vernetzung einer interessengeleiteten (virtuellen) Gemeinschaft von Frauen aus der Friedensarbeit. In dieser ersten Phase scheint vieles noch sehr vage, die gemeinsamen Absichten werden formuliert und die zeitliche Struktur des Vorgehens wird bestimmt. Das Kernteam der beiden Initiatorinnen wächst um weitere

Mitarbeiterinnen, Helferinnen und Mentorinnen und als strategische Fortsetzung der zuerst noch spontanen Vernetzung wird die Suche nach Koordinatorinnen geplant. Denn die Gruppe derer, die an dem Projekt aktiv beteiligt sind, ist zu Beginn noch auf wenige Frauen (hauptsächlich) in der Schweiz beschränkt und besteht einerseits aus den Frauen des gegründeten Vereins, den Projektkoordinatorinnen (Rebecca Vermont und Maren Hartjee als Projektmanagerin) und den Beraterinnen (wie Dr. Noa Zanolli Davenport, die das Projektteam als Coach begleitet und die mehrsprachigen Workshops moderiert). Es formiert sich ein Kernteam in der Schweiz. Jedoch bereits im ersten Newsletter werden 5 Frauen des internationalen Koordinatorinnenteams vorgestellt, das bis zu Beginn der Nomination auf 18 anwächst und letztlich bis zum Ende der

Nominationsphase auf rund 20 anwachsen wird. Die Gruppe der Frauen entsteht nicht aus der digitalen Netzkommunikation, sondern erwächst aus den persönlichen Netzwerken und der Vernetzung der

Friedensaktivistinnen auf der Ebene internationaler Kongresse, Tagungen, Treffen und ihrer Teilnahme an Verhandlungsprozessen internationaler NGOs etc.
"Wir bauen also ein breites Netzwerk auf und schreiben Konzepte für die kommenden Projektphasen"(Newsletter 1/2003)

Mit Abschluss der Konzeption wird der erste Schritt in die Öffentlichkeit getan, und damit zugleich die internationale Vernetzung in einen größeren Zusammenhang gestellt und in digitaler Form in Gang gebracht.

92
Zu diesem Zeitpunkt (Workshop Aug. 2003, Anm. M.N.) werden wir auch die Gelegenheit wahrnehmen, an die Presse zu treten, und das Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. (Newsletter 1/2003)

Mit diesem Workshop im August 2003 findet einerseits die globale Vernetzung mit Friedensaktivistinnen von Track 1-2 ihre Fortsetzung. Andererseits wird auf lokaler Ebene die gezielte Vernetzung mit potentiellen SponsorInnen und UnterstützerInnen (auch über den Newsletter) initiiert. 4.1.2 Vernetzungs-Phase Die Vernetzungsphase beinhaltet die Koordinatorinnensuche, globale Vernetzungsprozesse, gemeinsame Entwicklung der Nominationskriterien und des Friedensbegriffs, Planung und Durchführung der

Nominationsabläufe und läuft von August 2003 – Mai 2004 Diese Phase ist prägnant von einer Ausweitung des neuen Netzwerkes gekennzeichnet, Nun erfordert das geschaffene Netzwerk persönlichen Vertrauens, wie es auf dem Koordinatorinnentreffen entstand, eine regelmäßige Fortsetzung der Dialoge auf digitaler Ebene. Die

Koordinatorinnen in den Regionen beginnen das Netzwerk von der Track 1-2 Vernetzung auf eine Track 1-3 –also bis auf Grassroot10-Ebene auszuweiten und Friedensfrauen für die Nominierung zu finden.

10

Grassroot ist ein vom deutschen Wort "Grasswurzel" inspirierter Terminus in der

angloamerikanischen politischen Forschungstradition und bezeichnet Initiativen auf der Ebene regionaler und/oder politischer Netzwerke von Engagierten bzw. Betroffenen. Diese Grassroot-Initativen sind zumeist basisdemokratisch organisiert und zielen auf die Veränderung politischer Institutionen durch gewaltfreien Aktivismus, zumeist lehnen sie herkömmliche hierarchische und ideologische Organisationsstrukturen ab.

93 Zwei teilweise parallel laufende Prozesse charakterisieren diese Phase: Einerseits die Ausdehnung des Netzwerkes als (virtuelle) Gemeinschaft mit der Koordinatorinnensuche in allen Weltregionen. Andererseits die Vorbereitung und Durchführung der Datenerhebungen im Rahmen der Nominierung mit forcierter Vernetzung in die Grassroot-Ebene auf Basis bestehender Netzwerkverbindungen der Koordinatorinnen, mit dem Ziel, schwer zu erschließende oder schwer kontaktierbare Regionen und Tätigkeitsbereiche der Friedensarbeit zu erschließen. Die Phase ist stark von der schnell voranschreitenden globalen Vernetzung gekennzeichnet, die zu großem Teil auf Netzkommunikation basiert. Anders die lokale Vernetzung: Wie in den Datenauswertungen von anderen Dimensionen noch gezeigt werden wird, ist diese Ausweitung auf die Grassroot-Ebene in der Vernetzungsphase zwischen Track 2 und Track 3 Frauen nicht vorrangig von Netzkommunikation getragen und auch nicht auf dieser Ebene durchführbar. Die Suche nach Koordinatorinnen, wie auch die Suche nach neuen Finanzquellen ist das bestimmende Thema der Newsletter in dieser Phase, die sich mit der Offenlegung der finanziellen Kalkulationen, der Vorstellung erster Koordinatorinnen, der Bildung eines Friedensbegriffs und der Definitionen von Konflikten und ihrer Lösung beschäftigen. Das erste Treffen der Koordinatorinnen wird vorbereitet und Fragen über die weitere Vorgehensweise, weitere Vernetzungsschritte werden

aufgeworfen. Mit dem Termin des ersten Koordinatorinnentreffens und dessen kommunikationsintensivem Klima, setzt die Diskussion über die gemeinsamen Ziele und Absichten, insbesondere über die Kriterien für die Nominierung einer Frau im Projekt und über das gemeinsame Friedensverständnis ein.
"Ziel des Workshops war einerseits die Verabschiedung eines gemeinsamen und umfassenden Friedensverständnisses und andererseits der Kriterien, welche die

94
1000 Friedensfrauen zu erfüllen haben. Aber auch arbeitsorganisatorische und technische Fragen waren Thema des Workshops." (Newsletter 3/2003) "die wissenschaftliche Begleitgruppe nimmt konkrete Formen an und diskutiert bereits die Kriterien" (Newsletter 2/2003) "14 Koordinatorinnen rund um den Globus verteilt, sollen uns helfen, die 1000 Friedensfrauen zu suchen. Sie werden in ihrer Weltregion mit je 8-10 Hilfskoordinatorinnen zusammenarbeiten, die dann jeweils weitere 8-10 Friedensfrauen an der Basis suchen werden." (Newsletter 2/2003)

Die Ausdehnung des Handlungsraumes der Organisation in alle Weltregionen erfolgt über regionalen Koordinatorinnen, die ihr

Engagement und ihre Netzwerke zur Verfügung stellen, um die Anliegen des Projekts in ihren Regionen bekannt zu machen und Nominationen zu sammeln. Die Vernetzung, die von den Koordinatorinnen vorangetrieben werden soll, setzt von vorne herein eher auf persönliche Netzwerke. Für die Organisation des Projekts macht es keinen Unterschied, ob diese Aufgabe der Koordinatorinnen anhand von Netzkommunikation bewältigt werden kann oder nicht.
Wir haben in einer ersten Phase in unserem Bekanntenkreis nachgeforscht. In einer zweiten Phase fragten wir FreundInnen und Organisationen im In- und Ausland an: In der Schlussphase halfen uns schliesslich bereits angefragte Frauen – also unsere Koordinatorinnen –ein neues, breiteres Netzwerk knüpfen (Newsletter 2/2003)

Mit

der

Erarbeitung

von

Kriterien

für

die

Nomination,

für

die

Veröffentlichung von Nominationsbögen, mit denen Daten über alle in der Friedensarbeit tätigen Frauen weltweit erhoben werden sollen, wird im laufenden Vernetzungsprozess begonnen.
Die erarbeiteten Kriterien sind streng aber klar und transparent. Sie befinden sich noch im Entwurfsstadium und werden laufend den Erfahrungen entsprechend verifiziert. Wichtig ist, dass jede Frau in ihrem Kontext "nobelpreiswürdig" ist. (Newsletter 3/2003) "In dieser Aufbauphase ist es wichtig, diese Arbeit eng zu begleiten."(Newsletter 3/2003)

Ob

die

Kommunikation

zur

"Begleitung"

dieser

Arbeit

von

Koordinatorinnen nun virtuell oder real stattfindet und organisiert wird,

95 oder nicht, kommt hier noch nicht konkret zur Sprache. Die Nomination (die Eingabe von Nominationen) beginnt mit März 2004, und entspricht dem Termin, ab dem auch der Online-Nominationsbogen bereit ist. Dabei handelt es sich um ein Formular zur Online Eingabe der relevanten Daten, das über ein Javaskript organisiert wird und an die

Regionalkoordinatorinnen weitergegeben wird.
"Wie bereits erwähnt, wurde der Nominationsprozess anfangs März eröffnet. Das überarbeitete Nominationsformular ist auf unserer Homepage zu finden." (Newsletter 3/2003)

Das Ende der Nominationsphase wurde mit 31. Mai 2004 terminiert und auf gemeinsamen Beschluss hin bis Juni verlängert. Die Kriterien werden, so das gemeinsam als notwendig erachtet wird, im laufenden

Nominationsprozess noch abgeändert oder spezifiziert.
"Nominationen können bis zum 31. Mai 2004 eingereicht werden. Bis Ende August werden die Kandidaturen von den Koordinatorinnen und deren Gremium geprüft und in einem weiteren Schritt nach Bern geschickt. Am nächsten Workshop werden die Vorschläge diskutiert. Das internationale Team der Koordinatorinnen wird die 1000 Kandidatinnen bestätigen. Ein International Council, zusammengestellt aus internationalen Persönlichkeiten wird diesen Prozess begleiten. Im Februar 2005 wird die Nomination in Oslo eingereicht." (Newsletter 1/2004) "Ein wichtiges Datum auf unserer Zeitachse ist der 30. Juni 2004. An diesem Tag sollten die Namen der vorgeschlagenen Friedensfrauen dem Projektteam bekannt sein."(Newsletter 3/2003) "Bis zum zweiten Treffen der Koordinatorinnen im Februar 2004 werden die Koordinatorinnen ihre Arbeit und ihre regionalen Teams organisieren, erste Kontakte zu Friedensfrauen knüpfen und vorschlagen und Mittel beschaffen." (Newsletter 3/2003)

Der 1. Februar 2005 steht ab Herbst 2003 für die Eingabe der Nominationen an das Nobelpreiskomitee in Oslo fest. Der Brief wird am 26. Jänner 2005 abgeschickt.
"Die definitive Liste mit den Namen der 1000 Friedensfrauen und ein zweiseitiger Nominationsbrief muss spätestens am 1. Februar 2005 in Oslo eintreffen." (Newsletter 3/2003)

96 4.1.3 Verwirklichung bzw. Umsetzungsphase Im nächsten Schritt geht es darum, die Nominationen auszuwerten, Liste der 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 zu verabschieden und in Oslo abzugeben, sowie um die Vorbereitung der Medienarbeit mit den Koordinatorinnen, um die Planung von Pressekonferenzen und weitere Koordinatorinnentreffen. Mit Beginn dieser Phase ändern sich die Arbeitsziele wiederum drastisch, konkret geht es jetzt an die Verwirklichung des Zieles, die Frauen sichtbar zu machen.
"Mit dem Ablauf der Nominationsfrist Ende Juli ist ein weiterer Meilenstein erreicht worden." (Newsletter: 3/2004) "die Nominationen wollen alle gelesen, bewertet und teilweise übersetzt werden." (Newsletter: 3/2004) "Überdies muss das Herzstück des Projekts in Angriff genommen werden, die Dokumentation der 1000 Frauen." (Newsletter: 3/2004) Zur Zeit stecken die Koordinatorinnen in der wesentlichsten, spannendsten und auch schwierigsten Arbeit, nämlich diese Nominationen zu analysieren. (Newsletter: 3/2004)

Um diese terminlichen Koordinaten kann auch die weitere Einteilung der Projektphasen gelagert werden. So setzt nun in der Verwirklichungs- bzw. Umsetzungsphase die Medienarbeit einen Schwerpunkt.

"Sichtbarmachen" war ein erklärtes Ziel von der ersten Stunde an, das gemeinsame Auftreten dieses Projektes wird geplant und koordiniert und gemeinsam durchgeführt. Einerseits ist es zwar die Absicht, sichtbar zu machen, andererseits widerspricht dieses Sichtbarmachen mitunter der Datensicherheit bzw. der Sicherheit der nominierten Friedensfrauen. Durch ihr Engagement sind viele der durch Recherche gefundenen Friedensfrauen als "bedroht" oder "gefährdet" einzustufen, wenn ihnen in ihrem Land größere Öffentlichkeit eingeräumt würde, bzw. sogar internationale Medien ihnen Aufmerksamkeit entgegenbrächten. Dadurch

97 stellt sich für die Phase der Verwirklichung, in der es um die Sichtbaramachung der Friedensfrauen selbst geht, ein besonderer Umgang mit öffentlichen und organisationsinternen

Kommunikationsräumen ein. Weiters geht es in dieser Verwirklichungs- und Umsetzungsphase natürlich auch um die Erstelllung einer entsprechenden Dokumentation, die die vielen Friedensfrauen in Form von Artikeln, Bildern, Datensätzen darstellen soll und in dieser Form der Aufarbeitung als Pressematerial, als Grundlage der Buchpublikation und als Basismaterial für die geplanten Wanderausstellung fungieren soll.
"Für den Entscheid, die Namen erst im Juni 2005 bekannt zu geben ist ausschlaggebend, dass die nominierten Frauen auf die Aufmerksamkeit – vor allem durch die Medien – vorbereitet werden müssen und, dass bis im Juni ausführliche Dokumentationen über die Arbeit der Frauen vorhanden sein werden." (Newsletter 4/2004) "Bis Ende März 2005 müssen alle Tausend von lokalen Journalistinnen porträtiert werden. Textformate mussten erarbeitet werden, eines für eine Postkarte, eines für das Buch, ein weiteres fürs Internet."(Newsletter 4/2004) "Geplant sind 22 Medienkonferenzen in Städten wie Taschkent, Hongkong, New Delhi, Kabul oder Boston, Nairobi und Sao Paulo und in vielen weiteren Orten. In Hamburg/Deutschland ist ein Medienfrühstück geplant. Unterstützt und organisiert wird diese Veranstaltung von filia, der Frauenstiftung." (Newsletter 2/2005)

4.1.4 Nachhaltigkeitserwägung und Fortführung In diesem Abschnitt geht es um die Dokumentation der Biographien der Friedensfrauen, um weitere Überlegungen zur Nutzung des Netzwerks und die Fortsetzung der gemeinsamen Tätigkeit sowie die Nutzung und Verwaltung der Datensammlung. Die gemeinsamen Absichten und Ziele der Frauen kreisen vor allem darum, was nach der Bekanntgabe der 1000 nominierten Friedensfrauen bzw. was nach der Bekanntgabe der FriedensnobelpreisträgerInnen 2005 geschieht, für den Fall, dass der Preis an das Projekt geht oder auch

98 nicht. Die Weiterführung des Vereins unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit des Projekts wird erwogen und besprochen. Wichtige Fragen, die in dieser Phase auftreten, sind folgende: Was soll mit den Daten geschehen? Wie soll die geschaffene Vernetzung weiterhin genutzt und fortgesetzt werden, was geschieht – sollte der Preis wirklich an die Organisation 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 gehen mit dem Preisgeld? Wie kann mit dem bis dahin Bewirkten den nominierten 1000 Frauen geholfen werden? Wie sollen die Partner und Sponsoren weiter "bewirtschaftet" werden? Wie wird die Dokumentation vermarktet und welche digitalen Kommunikationsformen scheinen

geeignet, die Ziele der 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 fortzuführen? Das sind die Fragen, die die Arbeit der Projektgruppe in dieser Phase beschäftigen und die so wiederum Aspekte einer erneuten Konzeptionsphase in sich tragen. Aus diesem Fragenkosmos ergibt sich auch die Diskussionsbasis für das fünfte und vorläufig letzte

Koordinatorinnentreffen. Viele dieser Fragen wurden auch schon am vierten Treffen diskutiert und waren bereits Thema in den Newslettern, die in dieser Phase erschienen. Die Ergebnisse sind veröffentlicht, die Regionalkoordinatorinnen berichten im Newsletter (2004/4) von ihren Erfahrungen. Hier kommen nun erstmals in größerem Umfang die Koordinatorinnen aus den Regionen zu Wort. Das macht diese Phase für die forschungsleitenden Fragenstellungen dieser Arbeit besonders interessant. Dass erstmals in großem Umfang die Koordinatorinnen von ihren Erfahrungen im Internet einander und den anderen Interessierten berichten, was ansonsten nur im persönlichen Rahmen geschieht, kommt einer Ausweitung der Funktionen des Newsletters gleich, der ja an sich als ein voranging einseitiges Medium im Spektrum der vielen Formen von Netzkommunikation erstmals im gilt. Die

Koordinatorinnen

kommunizieren

öffentlichen

Kommunikationsraum, via Netzkommunikation über das Projekt. Und sie

99 sprechen dabei über ihren Arbeitsalltag und die Erfahrungen mit Netzkommunikation. Die Thematik Nachhaltigkeit äußert sich darin, dass im November 2005 das Buch zum Projekt erscheinen soll.
"In den nächsten Woche werden uns hauptsächlich das Lektorat der Texte für Buch, Internet und Ausstellung sowie die Vorbereitungen für die Namensbekanntgabe in Atem halten. Danach werden uns Anfragen von Medien beschäftigen. Und dann steht schon beinahe die Ausstellung und das nächste und gleichzeitig letzte Koordinatorinnentreffen vor der Tür!" (Newsletter 2/2005) Das Koordinatorinnentreffen im April 2005 steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Dieses war ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung der Nominationen der Frauen und ist ein wichtiges Projektziel. Die Daten sollen nach Projektschluss weiter bewirtschaftet werden. Die Netzwerke sollen wachsen und genutzt werden und der Einfluss der Frauen soll gestärkt werden. In Medientrainings mit Journalistinnen und Journalisten werden die Koordinatorinnen im Umgang mit Information und Kritik geschult. Fragestellungen und Antworten darauf sollen die Sicherheit gegenüber den Medien erhöhen und eine einheitliche Kommunikation gewährleisten. Weiter auf dem Programm stehen Diskussionen zur Strategie bei Erhalt bzw. Nicht-Erhalt des Nobelpreises und die Verwendung eines allfälligen Preisgeldes. Wie und in welcher Form die Namen bekannt geben werden sollen, ist ein weiteres zentrales Thema. Dies und vieles mehr gilt es in drei Tagen zu besprechen und zu beschliessen, bevor die 20 Koordinatorinnen wieder in ihre Regionen reisen. (Newsletter 1/2005)

4.2 Gemeinsame Absicht
Die gemeinsame Absicht, die mit der Netzkommunikation verfolgt wird, beeinflusst die Kommunikation grundlegend. Der Einsatzzweck bzw. der gemeinsame Sinn ("group purposes" - Baym 1995: 146) für Interaktion im virtuellen Raum determiniert das "Wie" des Miteinanders ebenso, wie das "Wer" und die zeitliche Struktur (das "wie oft" und "wie lang",, die Intensität) und wirkt auf die Art, wie Ziele und Absichten virtuell oder real ausgehandelt werden. Die Ziele der Organisation bzw. des virtuellen Netzwerkes beziehen sich auf unterschiedliche Kommunikationsinhalte und Tätigkeiten innerhalb der Organisation.

100 Für Höflich (Höflich 1996:. 140) wird die Kommunikation in Organisationen einerseits durch ihre Formalisierung und andererseits durch ihre Zielsetzung charakterisiert. Diese Sichtweise gelte auch für den Einsatz von Kommunikationstechnologien. Wie Draft (2000) in seinem Standardwerk über Organisationstheorie und Organisationsgestaltung anmerkt, ist jede Organisation durch vier unterschiedliche Arten von Zielen als zu unterscheidenden Merkmalen gekennzeichnet: mission, offical goals, operative goals und strategy.. Ich habe diese Zielmerkmale für den Zusammenhang dieser Arbeit unter den Begriffen • • • • ideelle Ziele, konkrete Ziele, strategische Ziele und Arbeitsziele

sinnverwandt übernommen und so die Merkmale von Draft (2000) zum Ausgangspunkt für die analytischen Kategorien von Zielen in diese Arbeit gewählt. Wie sich die Zielmerkmale von 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 in ihrer Netzkommunikation äußern, soll nun anhand der Textmaterialien aus Newslettern und ausgewählten

Homepagetexten dargestellt werden. 4.2.1 Ideelle Ziele Die ideellen Ziele, durch die das Projekt motiviert wird, konzentrieren sich vor allem auf die Sichtbarmachung von Leistungen, die im Kontext genderspezifischer und weltpolitischer Ungleichheit gesellschaftlich nicht (an)erkannt bzw. kaum öffentlich thematisiert werden.
Millionen von Frauen setzen sich täglich für den Frieden ein. Sie kümmern sich um Überlebende, leisten Wiederaufbau und schaffen eine neue Friedenskultur. (Website http://www.1000peacewomen.org/de/html/index.html)

101
Das Projekt will die Arbeit von Frauen gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung, Unterdrückung und Gewalt sichtbar machen. (Website http://www.1000peacewomen.org/de/html/weg/ziel.html) Wir wollen die Friedensarbeit von Frauen aus aller Welt sichtbar, erkennbar, erfassbar und vermittelbar machen. So werden Frauen und Männer in Konfliktsituationen bestärkt, sich weiterhin für friedliche Lösungen einzusetzen. (http://www.1000peacewomen.org/de/html/weg/ziel.html)

So weit äußern sich die ideellen Ziele in den Texten der Homepage, die sich explizit – unter dem Linktext Ziele – mit diesen auseinandersetzen. In den Newslettern liegt die Darstellung der ideell motivierten Ziele und Absichten ebenso offen, sie nimmt aber nicht den gleichen Stellenwert ein. Denn wer den Newsletter bezieht, weiß zumeist, wie sich das Projekt ideell positioniert. In den frühen Ausgaben des Newsletters nimmt Ideelles durchaus einen wichtigen Platz ein, jedoch weniger in der Funktion, einen konkreten Status zu manifestieren, denn als einen dynamischen Prozess der Zielentwicklung darzustellen. Ein gemeinsames Friedensverständnis steht im Mittelpunkt dieser Suche nach einem ideellen common sense der Projektgruppe, der eben auch innerhalb der Netzkommunikation in Form des Newsletters abgehandelt wird.
Mutig, zielstrebig und ohne Rücksicht auf die eigene Person verlangen sie (die gesuchten Friedensfrauen) Frieden. (Newsletter 1/2003) "Wir legen bei der Wahl der Koordinatorinnen großen Wert auf unterschiedlichen Ansätzen ihrer Friedensarbeit." (Newsletter 1/2003) "Wir haben uns bewusst entschieden, diese Arbeit (Definieren von Friedensarbeit) nicht vorweg zu nehmen, da wir der Überzeugung sind, das Friedensarbeit im kulturellen Kontext definiert werden muss." (Newsletter 2003/1)

Der Prozess, die gemeinsamen ideellen Ziele auch innerhalb der stattfindenden Netzkommunikation (Newsletter) zu entwickeln, resultiert in der Präsentation der Ergebnisse dieses Prozesses, im gemeinsamen Friedensverständnis und den Kriterien der Nominationen.
Das Friedensverständnis als Basis des Projektes: *ist breit aber nicht beliebig, es ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es will das Leben, die Lebensbedingungen umfassend gesichert wissen; *geht vom gleichberechtigten Zugang zu allen Ressourcen, den

102
lebensnotwendigen (Wasser, Nahrung...) und den strukturellen (Bildung, Politik, Eigentum...); *und fordert die persönliche Sicherheit und Würde jeder Frau, jedes Kindes, jedes Menschen in sozialer Verantwortung und global. Wichtige Stichworte sind Gerechtigkeit, Schutz der Frauen- und Menschenrechte, Engagement gegen strukturelle Gewalt und Diskriminierungen, Vermittlung zwischen rivalisierenden Gruppen und Zugang zu Ressourcen. So wird dem gängigen Friedensverständnis von Truppen, Abkommen, Verträgen und Handshakes zwischen Staatsoberhäuptern ein breites Friedensverständnis gegenüber gestellt, das besagt: "Kein Krieg ist noch kein Frieden." Kriterien, die jede einzeln zu erfüllen hat, lassen sich in folgenden Stichworte fassen: *Gewaltlosigkeit *Langfristigkeit und Nachhaltigkeit der Arbeit *Beispielhaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein *Altruismus/Uneigennützigkeit *Transparenz und Toleranz *Gerechtigkeit (2003/03)

Mitunter finden die ideellen Ziele auch darin ihren Ausdruck, dass Bewunderung für die Arbeit der Beteiligten explizit gemacht wird, idem ihnen im Newsletter Achtung und Respekt ausgesprochen wird.
"Das Engagement der Frauen um uns herum ist mutmachend und stärkend und ihre Kreativität ist ansteckend. Sie schauen hin und nicht weg, sind Tabubrecherinnen, Brückenbauerinnen und Multiplikatorinnen und sind fest mit der Basis verwurzelt, auch wenn sie in Entscheidungspositionen sitzen. Sie haben keine Berührungsängste gegenüber den Ärmsten, Schwächsten und denen, die keiner mehr will. Sie verstehen Frieden als Menschliche Sicherheit und das bedeutet ein Dach über dem Kopf, Gesundheit für Frauen und Kinder, wie Aids, Teenagerschwangerschaft, Traumata, politische Rechte und Empowerment, Dialog und Versöhnung, Bildung und Kultur. Sie schlagen neue Wege ein und ihr Engagement ist partizipativ, unkonventionell und nachhaltig."(Newsletter 3/2004)

Gerade in der Konzeptionsphase sind die ideellen Ziele ein häufiges und vieldiskutiertes Thema des Newsletters. In den Interviews kommt diese Dimension, schon allein wegen der spezifischen Fragestellung, nur selten zum Vorschein. Auch in den späteren Newslettern stehen ideelle Ziele kaum mehr im Mittelpunkt und tauchen kaum als Thema auf, da geklärt scheint, um was es den Frauen ideell geht. 4.2.2 Strategische Ziele Das strategische Ziel der Organisation besteht in der Zuerkennung des Friedensnobelpreises 2005 an die dem Nobelpreiskomitee in Oslo

103 vorgeschlagenen 1000 Friedensfrauen. Die mit der Verleihung verbundene (digitale) Vernetzung und die dadurch forcierte Publizität dienen als Strategie zur Verwirklichung der Mission.
"100 Jahre nach der ersten Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner sollen 2005 nun 1000 Frauen gemeinsam diesen Preis in Empfang nehmen." (Website: http://www.1000peacewomen.org/de/html/weg/ziel.html) "Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an 1000 Frauen soll ihre Arbeit international anerkannt und gewürdigt werden. 1000, weil Frauen selten alleine arbeiten, sondern in Netzwerken tätig sind." (Website: http://www.1000peacewomen.org/de/html/weg/ziel.html) "Friedensfrauen gibt es Millionen! Stellvertretend für sie sollen 1000 Frauen diesen prestigeträchtigen politischen Preis erhalten. Sie und wir brauchen auf dem Weg zum Friedensnobelpreis die Unterstützung, die Ideen und das Wohlwollen einer breiten engagierten Bevölkerung." (Dr. Ruth-Gaby Vermot-Mangold, Präsidentin des Vereins im Editorial der Website http://www.1000peacewomen.org/de/html/weg/ziel.html)

Die Homepagetexte dienen als Diskussionsbasis für die Kommunikation der Projektgruppe und stecken gleichzeitig die strategischen Ziele ab, welche in den Newslettern wiederum zur Diskussion stehen und ihre Weiterentwicklung finden. Die strategischen Ziele treten zu Beginn durchaus sehr deutlich in Erscheinung, sie nehmen aber vor allem in der Konzeptionsphase und der frühen Vernetzungsphase auch einen bedeutenden Platz in den Themen der Newsletter ein. Sehr strategisch wird beispielsweise an die Auswahlkriterien für die Mitarbeit der Koordinatorinnen herangegangen.
"Uns ist und war wichtig, dass die Frauen, die Koordinatorinnen sein könnten, regional und über die Landesgrenzen hinaus vernetzt und auf der sogenannten Track ll-Ebene tätig sind. Mit anderen Worten: in Organisationen arbeiten mit Kontakten zu Track l (Regierungsebene) und Track lll (Basis)." (Newsletter 1/2003) "14 Koordinatorinnen rund um den Globus verteilt, sollen uns helfen, die 1000 Friedensfrauen zu suchen. Sie werden in ihrer Weltregion mit je 8-10 Hilfskoordinatorinnen zusammenarbeiten, die dann jeweils weitere 8-10 Friedensfrauen an der Basis suchen werden."(Newsletter 2/2003)

104 In ähnlicher Weise ergeben sich auch in anderen Zusammenhängen des Projekts konkrete Aufgabenstellungen und alltägliche Arbeitsziele, die strategische Entscheidungen erfordern. Beispielsweise in der späteren Umsetzungsphase, als davon Abstand genommen wurde, die

burmesischen Friedensfrauen zu sichtbar zu machen. Hier wurde im Sinne des strategisch wichtigeren Ziels im Widerspruch von Sicherheit und Sichtbarkeit entschieden:
"In Burma haben wir nach langen Diskussionen mit Burmesinnen auf deren Nomination verzichtet. Zu instabil ist die politische Situation, zu gross wäre die Gefahr für die Frauen, ihre Familien und ihre Arbeit."(Newsletter 2/2004)

Inwiefern

tangiert

nun

aber

das

strategische

Zielspektrum

der

Organisation die Netzkommunikation der Projektgruppe an sich? Zum einen wird die Möglichkeit der digitalen Kontaktaufnahme als Kriterium der Teilnahme der Koordinatorinnen vorausgesetzt.
"Sie (die Koordinatorinnen Anm. M.N.) verfügen über eine gute Infrastruktur (Arbeitsplatz, Telefonanschluss, wenn möglich über PC/Internetanschluss) und teilen mit uns eine gemeinsame Kommunikationssprache (Priorität Englisch, dann Deutsch, Französisch, Spanisch oder Italienisch).…" (Newsletter 1/2003)

Zum anderen wird durch den Einsatz von Netzkommunikation die Arbeit erleichtert und teilweise erst ermöglicht (siehe auch "technische Infrastruktur"). Ein Beispiel dafür ist die Online-Nomination, die die Digitalisierung der Nominationen erleichtert aber auch garantiert, dass Friedensfrauen vorgeschlagen werden können, die nicht aus dem Netzwerk der zuständigen Koordinatorinnen hervorgehen, sondern deren Nominationen spontan durch die Eingabe von interessierten

TeilnehmerInnen entstehen. Denn Onlinenominationen können von jedem eingegeben werden, der die Seite im Internet findet, sie werden aber dann von den Koordinatorinnen, einem ihnen zur Seite stehenden Advisory Board und den Projektkoordinatorinnen in der Schweiz überprüft und begutachtet.

105 Die strategischen Ziele (oder Teilziele) üben also direkten Einfluss auf die Gestaltung von Netzkommunikation der Organisation aus, sowohl in der Wahl der Kommunikationsformen (Nominationsformular, Newsletter, Homepage, E-Mail) als auch in der Auswahl der Koordinatorinnen, für die der Umgang mit diesen Kommunikationsformen ebenso geläufig sein muss, wie eine gemeinsame Kommunikationssprache (Deutsch, Englisch , Französisch, Italiensich, Spanisch). 4.2.3 Konkrete Ziele Die konkreten Ziele, die die Organisation verfolgt, können in der Identifizierung von Friedensfrauen weltweit, derMedienarbeit mit, durch und für die beteiligten und nominierten Frauen, im Aufbau einer Datenbank internationaler Kontakte und der Suche und Pflege von Spendenkontakten identifiziert werden. (Fundraising, Donation-

Management und Sponsorship etc.) Ausgehend von dieser Basis lassen sich in den Newslettern konkrete Ziele finden, die die Netzkommunikation jedoch kaum tangieren. Das heißt: Netzkommunikation hat kaum eine Einwirkung auf die Gestaltung von konkreten Zielen und wird nicht explizit als Mittel zur Erreichung von konkreten Zielen erwähnt, wohl aber zur Erreichung dieser Ziele eingesetzt. (Wiederum als Ausnahme ist hier die Nomination über Onlineformulare an sich zu sehen.) Implizit kann die Einrichtung der Homepage und des Nominationsformulars an sich, sowie die regelmäßige Versendung des Newsletters an sich ja als solch ein konkretes Ziel der Organisation gesehen werden, diese Services(?) sind aber nicht Thema der Newsletter. Als konkretes Ziel kann eine kommunikative Vernetzung von

genderspezifischem Friedensengagement gesehen werden, dabei wird aber nie speziell auf die virtuelle Dimension dieser Vernetzung eingegangen. Die Frauen der wissenschaftliche Begleitgruppe (unter

106 ihnen eine Mehrzahl der Koordinatorinnen des Projektteams) wurden zwar auf Basis einer Community-Software von Microsoft (MS-Sharepoint) auf einer gemeinsamen technischen Plattform vernetzt und damit zu einer verstärkt kooperativen Mitwirkung eingeladen. Allerdings wurde das sehr umfangreiche, vielseitige Angebot an virtuellen Kommunikationsformen, die dort gleichzeitg angeboten werden, bisher nur als Adressverzeichnis genutzt, es gab nur minimale Eingaben durch die Teilnehmenden11.
"Mit den drei Projektpfeilern: Friedensnobelpreis 2005, Dokumentation und Wissenschaft soll diese Arbeit (die Friedensarbeit der nominierten Frauen. Anm. M.N.) gewürdigt, analysiert und sichtbar gemacht werden."(Website: http://www.1000peacewomen.org/de/html/weg/weg.php) "Deshalb werden die vielfältigen Friedensstrategien der Frauen mit Texten, Ton, Bildern, Biografien, Filmen etc. dokumentiert. Aus diesem umfassenden Material entsteht ein Buch, eine Wanderausstellung und eine interaktive OnlineDatenbank. Damit sollen die vielfältigen und kreativen Strategien der konstruktiven Konfliktbewältigung sichtbar werden. Mit dem Projekt werden bestehende Friedens- und Frauennetzwerke gestärkt und neue geschaffen. Eine interaktive Online-Datenbank soll der Vernetzung und dem Austausch der nominierten Frauen unter sich sowie mit Universitäten, Hilfswerken, Kirchen und Regierungendienen."(Website:http://www.1000peacewomen.org/de/html/weg/ziel .html) "Die Frauen, ihre Arbeit und Strategien geben wichtige Impulse für die zukünftige Konfliktforschung und Friedenspolitik. Deshalb untersuchen Forscherinnen verschiedener Universitäten die Friedensarbeit wissenschaftlich und stellen ihre Forschungsresultate Regierungen, Zivilgesellschaften und internationalen Organisationen zur Verfügung." Website: http://www.1000peacewomen.org/de/html/weg/weg.php

Die konkreten Umsetzungsziele stehen bereits in einer sehr frühen Phase fest, sie nehmen zwar je nach Phase des Projekts andere alltägliche

11

Unter http://www.gendercampus.ch/projects/womenpeace zuletzt besucht 2005-05-10:

"The platform allows interested scientists to participate in discussion forums, to build up libraries, to set agendas and to present their own research interests. The aim of the platform is to enable direct contact between researchers working on related topics, and thus to strengthen individual research." (Auszug aus dem Begrüßungsschreiben des Scientific Networks/ von susanne.stalder@izfg.unibe.ch)

107 Arbeitsziele ins Visier, bleiben aber unverändert erhalten und sind selten Gegenstand der Newsletter. 4.2.4 Alltägliche Ziele Die alltäglichen Arbeitsziele der Organisation stehen in direktem Zusammenhang zum kommunikativen Geschehen der Projektgruppe. Die Ausführung der dargestellten Ziele konkretisiert sich im alltäglichen Arbeitsprozess, in der kommunikativen Vernetzung, im Agieren der Frauen im realen und virtuellen Raum, in ihrer organisationsinternen und öffentlichen Kommunikation. Nicht zuletzt wegen der geographischen Voraussetzungen einer global tätigen Organisation, aus denen die Notwendigkeit vermittelter Kommunikation entspringt, wird diese in einem beträchtlichen Maß als Netzkommunikation abgewickelt. Die

kommunikative Vernetzung des Projektteams stellt also (auch) ein virtuelles Netzwerk, eine Netzgemeinschaft dar, da alle Koordinatorinnen in ihrer alltäglichen Arbeit im Projekt Netzkommunikation einsetzen. Speziell während der Umsetzungs- und der Nominationsphase stellt die interne Kommunikationssituation dabei den empirisch ergiebigsten

Abschnitt im Projekt dar. Die Dimension alltägliche Ziele eröffnet jenen Bereich, in dem die Netzkommunikation von den teilnehmenden Frauen als am brauchbarsten, nützlichsten und effektivsten wahrgenommen wird. Beispielsweise strebt die Organisation an, die regelmäßige Information aller (mit dem Projekt assoziierten) TeilnehmerInnen über den Newsletter zu organisieren, um einen gemeinsamen Informationsstand über den gesamten Projektverlauf hinweg aufrechtzuerhalten. Diese regelmäßige Information zu erstellen und zu koordinieren wird zu jener Form der Netzkommunikation, die zur Erledingung alltäglicher Arbeitsziele der Organisatorinnen gemeinsam eingesetzt wird.

108
Wir möchten Ihnen in diesen und in den all zwei Monate folgendenen [sic] Newsletters jeweils einen Überblick über unsere Arbeit und den Stand des Projektes 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 geben. (Newsletter 1/2003)

Die Organisation betont in ihrem Newsletter, wie wichtig ihnen eine gemeinsame Vorgehensweise ist und macht beispielsweise die

Diskussion und Konsensfindung über den Friedensbegriff zu einem Ziel der alltäglichen gemeinsamen Arbeit.
"Wir werden gemeinsam bestimmen mit welchem Friedensbegriff wir arbeiten werden. Weiter werden wir die Kriterien definieren, welche die Frauen erfüllen müssen, um eine der 1000 Friedensfrauen zu werden. Und schließlich geht es auch um die konkrete Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen ihnen und der Geschäftsstelle in Bern."(Newsletter 2/2003)

Wie im späteren noch zu zeigen sein wird, hilft den Frauen die Netzkommunikation bei der Erledigung alltäglicher Organisationsziele durchaus, jedoch je nach äußerem Zusammenhang auf ganz

unterschiedliche Weise - in der Kommunikation mit Track 3 Frauen mitunter auch gar nicht. Zuweilen ist E-Mail die einzige Möglichkeit, mit den Friedensfrauen oder unterstützenden NGOs zu kommunizieren (vgl. Situation im Sudan, Verweis auf Afrika Abschnitt), unter anderen äußeren Bedingungen bleibt nur das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht oder die Weiterverbreitung von Infos auf der Basis des Weitererzählens (oral information – Vergleiche Afrika Südafrika), und zwar dort, wo das Projektteam seine Kommunikation nicht virtuell erledigen kann.

4.3 Äußerer Zusammenhang
Kommunikation an sich, sowie auch Netzkommunikation findet in äußere Zusammenhänge eingebetet statt. Kommunikation zielt auf Verständigung innerhalb des gegebnen sozialen Kontexts und der kulturellen

Zugehörigkeit der Teilnehmenden, und erfolgt auf der Grundlage einer gemeinsamen Sprache. (vgl. Baym 1995: 141)

109 Netzkommunikation bildet hier wiederum eine charakteristische Kommunikations-Situation aus, die letztlich nicht nur durch ihre

Vermittlung via digitale Netze eine spezifische Form annimmt. Denn wie die Teilnehmenden den Zugang zu virtuellen Räumen finden, beeinflusst wer an der Interaktion teilnehmen kann. Die Techniknutzung in der Netzkommunikation ist eingebunden in die Art, die Umstände und den Zweck ihres Einsatzes die mit der Dimension äußerer Zusammenhang hier nun für die Netzkommunikation der "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005" beschrieben werden soll. 4.3.1 Diversität und Gemeinschaft Sprache, Religion, ideologische und kulturelle Identität bilden in der Projektgruppe eine Art der Diversität aus, deren Einfluss auf die Netzkommunikation der Gruppe in der Dimension äußerer

Zusammenhang beschrieben wird. Der äußere Zusammenhang umfasst jene Aspekte, die einerseits Verschiedenheit (Diversität) ausprägen bzw. andererseits Gemeinsamkeit innerhalb der Gruppe begründen oder bestärken. Generell grenzt sich diese Dimension zu der Dimension der persönlichen Aspekte insofern ab, als sie auf den größeren, gesamten Kontext, in dem die Frauen agieren, fokussiert. Das Splitting in fünf Regionalteams wie es die Organisation für sich vorgenommen hat, bildet die Unterteilung für die Beschreibung des äußeren Zusammenhangs. Die Unterscheidung wird also innerhalb des Rahmens beschrieben und dargestellt, wie sie das Projekt in seiner Struktur an sich schon darbietet. Der Vorgabe dieser regionalen Achsen entlang wird nun analysiert, inwieweit die Regionen als kulturelles Umfeld mit länderspezifischen Eigenheiten den Umgang mit Netzkommunikation beeinflussen. Die Koordinatorinnen und Managerinnen stehen somit als Vertreterinnen dieser unterschiedlichen Szenarien "äußerer Zusammenhänge" für die Länder, in denen sie für das Projekt arbeiten. Die Erzählungen und Berichte über Erlebnisse, Erfahrungen, Emotionen und Standpunkte

110 äußern sie in den Interviews und beschreiben sie in den Publikationen des Newsletters. Diese beiden Datenquellen bilden die Basis für die Darstellung der äußeren Zusammenhänge. Die Netzkommunikation der Projektgruppe entspricht dem

organisationalen Zusammenhang sowie den Gepflogenheiten unter den international tätigen Friedensaktivistinnen als einer Art Subkultur, vergleichbar mit der Subkultur wie oder sie etwa die das internationale internationalen

"diplomatische

Parkett"

"Antiglobalisierungsaktivisten" für sich ausbilden. Die Koordinatorinnen kommen aus unterschiedlichem Tätigkeitsbereich, trotzdem folgt ihre Arbeit ähnlichen sozialen Zielen, die ihre Gemeinschaft begründen. Die Kriterien für die Wahl der am Projekt Teilnehmenden stellen sich in den Newslettern folgender maßen dar:
"Uns ist und war wichtig, dass die Frauen, die Koordinatorinnen sein könnten, regional und über die Landesgrenzen hinaus vernetzt und auf der sogenannten Track ll-Ebene tätig sind. [...] Sie sind u.a. in folgenden Bereichen tätig: • Aufbau bzw. Institutionalisierung von Friedensbeziehungen zwischen rivalisierenden Gruppen • Beiträge zu Friedensverhandlungen auf verschiedenen regionalen, nationalen und internationalen Ebenen • Friedens- oder humanitäre Aktivitäten während akuten Kriegsereignissen oder bewaffneten Konflikten • Gewaltprävention • Kriegsverweigerung • Politische Aktionen für den Frieden • Aktivitäten zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegssituationen • Aktivitäten zur Unterstützung von Frauen, die sich in Kriegssituationen für die Beendigung von Krisen und Kriegen in ihren eigenen Regionen/Ländern einsetzen • Demokratisierung in Nachkriegsgesellschaften (Grund- und Menschenrechte, insbesondere Frauenrechte/BürgerInnenrechte) • Friedenserziehung in Schulen und Gemeinden • Friedens- und Konfliktforschung (Wissenschaft) • Gemeinsames Ressourcenmanagement in Konfliktregionen (Agrarpolitik: Landrechte, nachhaltige Produktionsweisen) • Geschichtsaufarbeitung und -vermittlung (Politik, Kunst, Literatur, Medien) • Versöhnung und Trauma-Arbeit • Gesundheit/Familienplanung (Newsletter 2/2003)

Nationale

und

regionale

Kultureinflüsse

und

länderspezifische

Subkulturen, die hier beteiligt sind, werden in die Analyse einbezogen, so

111 sie offensichtlich werden und als solche in den Daten erkennbar sind. Auch der äußere Zusammenhang, aus dem heraus die Frauen überhaupt Kontakt zur Gruppe bekamen bzw. die Situation, wie sie Zugang zum Internet bekommen, soll innerhalb dieser Dimension beschrieben werden.
"In an organisation where one of my friends is working, he has sent me the information that the 1000peacewomen.org was looking for a coordinator. This is how I communicated first with the people. It is only the director and the finance person who can use the internet. All the other stuff, about 40 people – they are not in their office connected to the internet, because it is costly. So it is a national NGO – so I get information from the director because only he is the person who is connected to the internet in this organisation. Not because he don´t want other people to have internet connection, only because of the cost". (Nomvuyo Skota Dayile, Südliches Afrika)

In diesem Zitat klingen darüber hinaus bereits viele weitere äußere Zusammenhänge an, die im laufenden nun beschrieben werden und die konkreten Situationen beschreiben innerhalb der die Koordinatorinnen spezifisch auf dieses Projekt bezogen bzw. allgemein in ihrer Region arbeiten. Ab der Ausgabe 3/2003 kommen die Regionalkoordinatorinnen auch im Newsletter zu Wort – zumindest mit kurzen Zitaten. In den Newslettern, in denen die Regionalkoordinatorinnen zu Wort kommen und von ihrer Arbeit berichten, ergeben sich für die wissenschaftliche Analyse wichtige Informationen zu der Arbeitssituation, zu kulturellen und politischen Besonderheiten der Nationen und Regionen. Sie eröffnen Einsicht in den Kontext in dem Friedensarbeit allgemein und die Arbeit der Gruppe im Besonderen erfolgt. 4.3.2 Sprache Sprache stellt einerseits einen äußeren Zusammenhang in der

Netzkommunikation dar, beispielsweise in der gemeinsamen Sprache, die gefunden werden muss um Kommunikation stattfinden zu lassen. Gleichzeitig kann Sprache ebenso als persönlicher Aspekt wie auch als

112 Bestandteil des kulturellen Umfeldes gelten, es wird in beiden Abschnitten versucht, dies als solches zu trennen.
"the grassroot women: they do not know English and they have no access, so internet you can use only with middle class people and organisations with some money, with an office, with a computer." (Kamla Bhasin, Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) "And also the language that is used in the internet is not everybody’s language, it’s not a matter of you clicking and then you get closer, you click and write it in English, you click and read it in English, this is a certain language – not everybody’s language, and so it becomes very difficult for the most people to use. Saying doesn’t change that".(Nomvuyo Skota Dayile, Südliches Afrika) "and then you can communicate through internet but only for them who can write and read in English, so we can not communicate with them! You mostly can not communicate in your local language." (Supawadee Petrat, Mekong-Region)

Soziokulturelle

Unterschiede

beeinflussen

die

tägliche

Netzkommunikation, die Projektkoordinatorinnen merken das jeden Tag. So ist es – dort wo die Kommunikation auf Basis der Netzkommunikation stattfinden kann zumeist nicht der Umgang oder der personale Technikstil der Teilnehmenden, an denen Diversität erkennbar wird, als vielmehr die sprachliche Ebene der Formulierungen in der Netzkommunikation.
"Ich denke im Umgang mit den Medien besteht kein Unterschied, hab ich das Gefühl. Der interkulturelle Unterschied den kriegt man bei den Formulierungen mit. Also aus England bekomme ich knappe Einzeiler. Zack und Tschüss und aus Mali bekomme ich von der Fatomata „Das Gott dir deine Gesundheit bewahre und hoffentlich ist deine Familie guten Mutes und so weiter Zeilen über Zeilen mit Begrüßungsformeln dann irgendwann erst kommt es zur Sache. Die Konventionen die gesellschaftlich-kulturell üblich sind zeigen sich dann eben auch in den Mails wieder... Also ich habe den Eindruck es ist weniger ein interkultureller Unterschied auf der Ebene des technischen Gebrauches zu bemerken sondern eben im sprachlichen Bereich! ich kann nicht der Fatomata einen Einzeiler zurückschicken, das geht eigentlich nicht!" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

4.3.3 Regionale Unterschiede und kulturelle Eigenheiten: In einer groben Einteilung fasst die Organisation die Länder Amerikas (Kanada, US und Länder Süd- und Mittelamerikas), Europas (inkl. GUS und Russland), Asien (inkl. Mittlerer Osten und Ozeanien) und Afrikas zusammen. Die Zentrale in Bern (also das Schweizer Projektteam in Bern)

113 wird dem Abschnitt Europa zugeordnet. Die vier regionalen Teams bestehen jeweils aus mehreren Koordinatorinnen, die die 225 Länder als Arbeitsgebiete aufteilten. Die Koordinatorinnen vertreten jene Nationen, die in ihrer Region liegen und / oder zu denen sie bezüglich ihrer Erfahrung, persönlicher ihrer Tätigkeit, eine ihres Arbeitsbereiches aufweisen Die oder und der anderer nützliche Länder

Aspekte

Affinität können.

Netzwerkstrukturen

einbringen

Zuteilung

entspricht somit nicht zwingend einem Kultur- oder Sprachkreis, sondern ist mit den persönlichen Aspekten der Koordinatorinnen verknüpft und ergibt eine projekteigene Struktur, die sich als solche analysieren lässt. Das besondere Augenmerk liegt für mich hier vor allem auf der Region Asien. Prinzipiell treten dagegen die Regionen Europa, Amerika etwas in den Hintergrund der hier angestellten Betrachtung, die sich - wie bereits erwähnt auf die Region Asien konzentriert und Afrika gegenüberstellt, um zu zeigen wie sich die äußeren Zusammenhänge unter denen die Frauen (im Netz) agieren, gestalten. 4.3.4 Amerika Region: Kanada, USA und die Länder Südamerikas In der Analyse von Netzkommunikation der 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 stellt Amerika und Kanada mit einer besonders hohen Internetdiffusion (lt. Nielsen – Net Ratings 2004) fast 75 % d. h. 204,3 Millionen US Bürger und Bürgerinnen bzw. 81,7 % der Frauen zwischen 35 und 54 Jahren) einen Sonderfall in mehrerer Hinsicht dar, auf den hier jedoch nur kurz eingegangen werden kann. Für Amerika, ebenso wie für Europa, kann aufgrund der Auswertungen angenommen werden, dass die Suche nach Friedensfrauen durchaus sehr effizient über Netzkommunikation organisiert werden kann, allerdings die Möglichkeit dazu mit zunehmender Nähe zum Krisen- oder Konfliktfall

114 bzw. zu gesellschaftlich marginalisierten Thematiken abnimmt. Hier am Beispiel einer Aktivistin gegen Menschenrechtsverletzungen in amerikanischen Gefängnissen:
Doch sie kämpft weiter, setzt sich immer wieder für einzelne Mandantinnen ein, versucht aber vor allem, das System als Ganzes Schritt für Schritt zu verändern. Die Gefängnisse, sagt sie, widerspiegeln die Verhältnisse in der Gesellschaft. Deshalb müsste die Arbeit drinnen mit jener draussen eng verknüpft werden; sie zeigt die Zusammenhänge auf – zum Beispiel jene zwischen Rassismus und Rechtsprechung, aber auch jene zwischen den Geschehnissen von Abu Ghraib im Irak und den Gefängnissen in den USA.(Beitrag von Gabriela Neuhaus, Offroad Reports tätig im Projektbereich der Dokumentation über eine der nominierten Friedensfrauen in Amerika im Newsletter 1/2005)

Den Häftlingen selbst ist auch nur sehr eingeschränkt eine Teilnahme an der Netzkommunikation generell gegeben. Der hohe Verbreitungsgrad des Internet in den USA und deren Vorreiterstellung im Wirtschaftsbereich technologischer Innovation bedingt die nach wie vor bestehende kulturelle Dominanz, die das Internet derzeit noch aufweist. 33% der aktiven InternetnutzerInnen sprechen gewöhnlich asiatische Sprachen, 37,9 % der OnlinerInnen sprechen eine europäische Sprache (außer Englisch) und 35,8% der Internetbevölkerung spricht hauptsächlich englisch. Eine ähnliche Verteilung ergibt das für die Sprache der Internet-Sites (siehe Graph zur Sprachenverteilung im Internet: The Joshua Project 2005: global-reach.biz). Für die Länder Südamerikas sieht die Situation anders aus als im Norden des Kontinents. Hier kann nicht mit Bausch und Bogen zusammengefasst werden, nur über nationale und lokale Bezüge erscheint hier eine Analyse sinnvoll. Das ergibt sich auch aus dem Datenmaterial, beispielsweise aus folgendem Kontext: Nora Franco – zuständige Koordinatorin für Südamerika mit Ausnahme Brasiliens ging - so berichtet der Newsletter, für ihre Arbeit schon vorab davon aus, dass sie die Länder Südamerikas durch ihre vorhandenen Netzwerke abzudecken vermag, die sie zumeist anhand persönlicher Meetings und über Kontakt per E-Mailkommunikation erreicht. Anders bei der Suche nach Friedensfrauen in der Karibik:

115
"Die „Karibik-Suche“ wird sie mehrheitlich per elektronischer Post erledigen. Doch stehen bestimmt Schwierigkeiten bei der Identifikation von Frauen in Kuba an, wo Regimekritikerinnen durch Publizität gefährdet werden könnten." (Newsletter 4/2003)

Für Brasilien ergibt sich, dass die Information über das Projekt vor allem über herkömmliche Medien hergestellt wird. Das heißt neben den hilfreichen informellen Kontakten zu politischen Institutionen und

Aktivistinnen, ist es die klassische Medienarbeit, die als Strategie der Vernetzung und Suche nach Friedensfrauen eingesetzte wird.
Als Koordinatorin für Brasilien sah ich mich vor eine große Herausforderung gestellt. Brasilien ist ein Land mit 180 Millionen EinwohnerInnen. Es bedarf einer Fülle von koordinierter Kommunikation, um in einem Land dieser Grösse über ein solches Projekt zu informieren. (Clara Charf, Koordinatorin Brasilien im Newsletter 2/2005

So ergibt sich für die verschiedenen Länder eine sehr unterschiedliche Situation, der sich die Koordinatorinnen bewusst werden mußten und daraus resultierend eine entsprechende Kommunikationsstrategie, einen Mix aus persönlichem Netzwerk und Netzkommunikation kreierten. Netzkommunikation Organsiationsbüro Koordinatorinnen. 4.3.5 Europa Region: Europa inkl. GUS und Russland sowie das Team der Zentrale in Bern, Schweiz Wie in der bereits dargebrachten Statistik abzulesen, erscheint Europa als im Internet durchaus präsente Weltregion, doch bezüglich der hier gegenständlichen Thematik der Vernetzung von Friedensfrauen sieht das weitgehend anders aus, sprachliche Barrieren und Marginalisierung auf unterschiedlichen Ebenen erschweren das Netzwerken.
"Aber auch die Vielfalt der Sprachen erschwert die Kommunikation, in vielen Regionen wird nicht englisch gesprochen. Und Europa ist längst nicht so gut

fand in

vor

allem statt,

mit mitunter

der

Zentrale, unter

dem den

Bern

auch

116
vernetzt, wie wir es von hier aus annehmen." (Beitrag Maren Haartje, Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa im Newsletter 4/2004)

Mitunter ist für Europa – ähnlich wie für die anderen Weltregionen festzustellen, dass sich mit zunehmender Nähe zu Konflikten

(Krisenherden, konkreten Situationen der Benachteiligung, Unterdrückung oder Menschenrechtsverletzungen etc.) sich auch die Möglichkeit zu Netzkommunikation Handlungsspielraum verringert. möglicher Damit verengt die sich hemmt der die

Netzakteurinnen,

Entwicklung eigenständiger Kommunikationsstrategien. Diese Tendenz kann nicht als typisch für hoch entwickelte Länder dargestellt werden, darin zeichnet sich keinen Unterschied zu Afrika oder Asien ab.
"Die Frauen haben E-Mail, sie arbeiten an Computern und sie gehen gerade mal einmal am Tag online, weil sie eben pro Minute bezahlen. Es ist schwer zu sagen welche Möglichkeiten die Frauen da mit diesen Medien überhaupt haben. Aber da funktioniert die Kommunikation sehr gut!" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz im Interview über die Frauen in den GUS Staaten und Russland) "Frauen in Westeuropa sind an vielen Orten tätig, aus denen sich der Sozialstaat zurückgezogen hat. Deshalb schauen sie hin und nicht weg und weisen Wege aus der Gewalt. Ihr Engagement ist partizipativ, unkonventionell und nachhaltig. Dennoch darf über diese positiven Beispiele nicht vergessen werden, dass auch in Europa Frauen bedroht werden, wenn sie sich dem organisierten Verbrechen entgegenstellen und deren Schnittstellen zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufdecken. Bei der Auswahl haben wir uns auf die Vielfalt der Arbeit im Kontext der Regionen konzentriert." (Maren Haartje ,Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa in einem persönlichen Beitrag im Newsletter 4/2004)

So

unterschiedlich

wie

der

Kontext

der

Regionen

und

Arbeitsschwerpunkte der gewählten Friedensfrauen bilden sich mitunter auch die Vorraussetzungen für die Netzkommunikation ab.
"Während der relativ kurzen Nominationsphase konnten wir nicht alle Regionen erreichen. Mir wurde bewusst, dass Europa nicht nur seine Grenzen erweitert, sondern auch Regionen hat, die marginalisiert sind, wie z. B. Grönland, die Faröer Inseln, Zypern. Aber auch die Vielfalt der Sprachen erschwert die Kommunikation, in vielen Regionen wird nicht englisch gesprochen. Und Europa ist längst nicht so gut vernetzt, wie wir es von hier aus annehmen. Die Nominationen, die wir erhalten haben, sind deshalb wie eine Momentaufnahme, nicht komplett, sondern ein Zeichen, dass die Zahl 1000 wirklich symbolisch ist."

117
(Maren Haartje, Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa in einem persönlichen Beitrag im Newsletter 4/2004)

Für die Staaten des ehemaligen Jugoslawiens und die angrenzenden Regionen des Balkans ergibt sich vor allem aus den jüngst erst beendeten kriegerischen Auseinandersetzung besondere Bedeutsamkeit der

Konfliktbewältigung und Aufarbeitung der Vergangenheit in dieser Nachkriegsgesellschaft.
"Ein wichtiges und immer wiederkehrendes Thema der nominierten Frauen ist die Rückkehr der Flüchtlinge und die Traumabehandlung der 20'000 vergewaltigten Frauen.."(Fadila Memesevic Koordinatorin Balkan, Südosteuropa) "Fraueninitiativen in Ländern des ehemaligen Jugoslawiens fokussieren auf die Bedürfnisse der Schwächeren und entstehen nicht aus den Interessen der mächtigen Elite. Ihr Kampf gilt der alltäglichen Gewalt." (Fadila Memesevic Koordinatorin Balkan, Südosteuropa)

Für Europa kann – wie für den Bereich Nordamerikas kann behauptet werden: Hier ist und war Netzkommunikation wesentlicher Bestandteile der Kommunikationsstrategien von Friedensfrauen. 4.3.6 Asien und Ozeanien (inkl. Mittlerer Osten und Ozeanien) Für diese Weltregion, die innerhalb dieser Arbeit eine besondere Betonung findet, bedarf es einer weiteren Aufgliederung, denn die Länder Vorderasiens sind zu denen im Ostens, Südosten und Norden Asiens sehr verschieden, und die asiatischen Länder wiederum nicht mit denen Ozeaniens in eine Analyseeinheit zu verquicken, zu groß sind die Unterschiede bezüglich der äußeren Bedingungen von

Netzkommunikation. So wird im Folgenden die Region nach den Wirkungsbereichen ihrer Koordinatorinnen aufgeschlüsselt, wobei das Augenmerk hier vor allem auf die Mekong (Südostasien)–Länder, die Philippinen – Pazifischen Ozean, und den Ländern Südasiens liegen wird.

118 Ozeanien: Koordinatorinnen: Nicola Louise Simmonds und Südostasien sowie Sandy Fong Für Regionen, wie Fiji beispielsweise wird zu bedenken gegeben, dass die Bewältigung der Aufgabe nur mit der Hilfe des Netzwerks eines regionalen NGO´s nur mit …
"dem Netzwerk von ECREA, dem Ecumenical Centre for Research, Education & Advocacy, möglich ist. Kontakte können in alle Südseestaaten hergestellt werden, Probleme wird es zum Teil mit den Nominationsformularen geben, denn nicht alle Betroffenen können lesen und schreiben und oft schon gar nicht in Englisch." (Newsletter (3/2003)

Solche Rückmeldungen hatten zur Folge, dass es auch prinzipiell möglich wurde, Nominationen in Form von Tonbandaufnahmen zur Verfügung zu stellen. Information läuft in diesen Ländern eher über die herkömmlichen Medien. Wie Sandy Fong berichtet, war für die Netzkommunikation mit den gesuchten Friedensfrauen die Infrastruktur einfach nicht gegeben, hier halfen vor allem bestehende Netzwerke von NGOs, die einerseits über einen digitalen Anschluss verfügen und andererseits Kontakt zur Basis der lokalen Friedensinitiativen ermöglichen.
Trotzdem war es schwierig, Nominationen aus dieser Gegend zu erhalten. Zum einen ist die Kommunikation nach wie vor erschwert. Nicht alle Leute haben Zugang zum Internet, die Stromversorgung ist nicht immer gewährleistet und die Telefonverbindungen funktionieren zeitweise nicht. Dennoch sind 36 Frauen der Pazifik-Region nominiert. UNIFEM Pazifik, Oxfam Australien, der Global Fund for Women und NZAid unterstützen das Projekt tatkräftig.(Newsletter 1/2005)

Mekong-Region Koordinatorin: Supawadee Petrat (Kratae)

119 Kratea, die den Bereich Südostasien bzw. laut ihrer eigenen Definition die Länder des Mekong ("but we don´t want to use the Indochina-term because of
the historical connotation to the political colonisation to the Mai Kong area." Supawadee Petrat im Interview) zu koordinieren hat, war in ihrer Region mit einer Vielfalt

an Sprachen, Schriftzeichen, religiösen, ideologisch-politischen und kulturellen Unterschieden konfrontiert, die sich ganz grundlegend auf die Möglichkeiten der Netzkommunikation in und mit dieser Weltgegend auswirken. Wie dies auch von anderen Koordinatorinnen berichtet wurde, war es hier besonders schwierig, die kulturellen Werthaltungen, die mit dem Nobelpreis verbunden sind, zu vermitteln, denn nicht überall ist dieser Preis überhaupt bekannt.
"In der Mekongregion leben rund 200 Millionen Menschen verschiedener Ethnien und Religionen. Beherrschender Wirtschaftssektor ist die Landwirtschaft…"(Newsletter 1/2005) "Bevor aber in dieser Region zu Nominationen aufgerufen werden konnte, galt es Sprachbarrieren zu durchbrechen: das Nominationsformular wurde in die lokalen Sprachen übersetzt, denn Englisch sprechen die Wenigsten. Überdies ist die Kommunikation per Internet nicht geläufig. Deshalb fehlte uns oftmals die Zeit, die Informationen in den Netzwerken zu streuen und alle Frauenorganisationen zu informieren. Dennoch befinden sich heute unter den 1000 nominierten Frauen, deren 43 aus der Mekongregion. Frauen mit unglaublichen Geschichten…(" Newsletter1/2005)

In den Länder des Mekong ist letztlich die Sprache Englisch (auch als Sprache des Internet) von so vorrangiger Bedeutung, weil es nicht nur unterschiedliche Sprachen, sondern auch eine beträchtliche Vielfalt an unterschiedlichen Zeichensätzen gibt.
"Live seems so simple trough email but also the message of the project was hard to make understandable… civil peace, the Nobel Peace Award and nominations and price money… and also the information we sent, is in English." (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong- Region) In vielen der Länder besteht ein sehr prägnantes Stadt-Land Gefälle, digitale Medien sind am Land meist kaum zugänglich, und noch weniger für die Friedensfrauen, die sich im Rahmen ihres Engagements zumeist in den Widerspruch zu den restriktiven Machthabern stellen. "If we want to connect people in Cambodia or Vietnam, I can not connect them directly, is difficult. …in the big cities internet is widely spreaded, but in the rural area…"(Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong)

120
"You mostly can not communicate in your local language. So if we want reach these who cannot read and write English we have to found people how can do it for them! Those who now the language can communicate on internet with us! If you look in this country internet is hardly to access to the grassroot people. Mostly the academics and the middleclass and the people in the cities are using it, but not on the grassroots level!" (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region)

Wiederum sind es die NGOs, die einen wichtigen Anknüpfungspunkt für die Netzkommunikation bieten.
"Most of the NGOs nowadays have internet not only in Thailand also in Cambodia and in the big cities of Vietnam and so on" (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region) "I told you – when we travelled around in the countries of the MaiKong Area searching for nominations we came to the different cities of Vietnam and I found that there are a lot of internet cafes – a real boom. But if you travel to the province – which is not the tourist area, - the tourist area have a high standard of internet access…there is no access." (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region)

Generell sind es eher die jungen Leute, die sich der neuen digitalen Kommunikationsformen bedienen. Das Alter spielt hier eine Rolle, weil vorallem junge Menschen im Internet präsent sind.
"There are very many people especially using internet in the internet cafes – especially the new generation – the young people" (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region) "I hardly use forums, but sometimes newsletters could be an important information resource. When we in the MaiKong attend a meeting, we leave our mailing address, and when ever there is a new information, we get it through that mailing list and we get the newsletters or recurrent information about new meetings or news about … That is very useful" (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region).

Mitunter gibt das Anlass zur Vermutung, dass nicht persönlich adressierte virtuelle Post weniger verfänglich für die Empfänger ist. Instabile politische Lage, Militär, Diktatur, Zensur, Korruption und

Menschenrechtsverletzungen prägen in vielen dieser Länder den Alltag der Friedensfrauen, für Burma wurde dementsprechend sogar von Nominationen abgesehen.

121
"Wie genau die Aufgabe für Burma bewältigt werden soll, ist noch fraglich. Die Erfahrungen der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, sind nicht gerade ermutigend. Besonders für mutige Aktivistinnen nicht."(Newlstter 4/2003) In Burma haben wir nach langen Diskussionen mit Burmesinnen auf deren Nomination verzichtet. Zu instabil ist die politische Situation, zu gross wäre die Gefahr für die Frauen, ihre Familien und ihre Arbeit.(Newsletter 2/2005)

Letztlich begründet mitunter aber auch die Sozialisation in einer kollektivistischen Kultur, die darüber hinaus traditioneller Weise Kontakte nicht virtualisiert sondern eher ritualisiert resultiert eben eine Kultur die auf realen Sozialkontakt basiert. Das schlägt sich auf die Art und Weise nieder, wie und ob Netzkommunikation ihre Verwendung findet.
"We also do not have this socialisation of individualism, as they have in Europe and the US, and our culture is based on real social contacts and then you can communicate through internet but only for them who can write and read in English, so we can not communicate with them!" (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region) "You mostly can not communicate in your local language. So if we want reach these who cannot read and write English we have to found people how can do it for them! Those who know the language can communicate on internet with us! If you look in this country internet is hardly to access to the grassroot people. Mostly the academics and the middleclass and the people in the cities are using it, but not on the grassroots level!" (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region) "If you look in this country internet is hardly to access to the grassroot people." (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region) "Mostly the academics and the middleclass and the people in the cities are using it, but not on the grassroots level!" (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region) "But in the areas wich is not typically tourist area or in the rural area there are no internet-cafes only in the big cities you can find in the urban area." (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region)

Philippinen Koordinatorinnen: Paulynn Paredes Sicam, Karen Tanada Anders die Situation auf den Philippinen, wo die traditionelle Kultur den Frauen einen bedeutenden Stellenwert im öffentlichen Leben zuspricht.

122 Durch die geopolitisch besondere Lage, die Geschichte und die starke Orientierung am westlichen Wertesystem hat die Netzkommunikation hier inzwischen weite Verbreitung gefunden. Offene bewaffnete Konflikte kennt das Land vor allem in Bezug auf die Moslemproblematik. Die Koordinatorin für Südostafrika (!) ist gleichzeitig auch Herausgeberin einer regelmäßig erscheinenden Internetzeitung, die als Ziel die Stärkung zivilgesellschaftlicher Interessen verfolgt. Pauly weist vor allem darauf hin, dass die Netzkommunikation in den umliegenden Regionen nicht so frei und unabhängig geschieht wie in ihrem Land.
"There is no problem in the Philippines for women to have access to the internet, or for anyone to bring up any issue, peace included, in the internet. the philippine media is one of the freest in the world and internet has just broadened that freedom and our audience as well. The rest of the region is probably not as fortunate. i know that censorship exists in singapore, mlaaysia, brunei and myanmar so they are having problems there as far as content. but i am not aware of any restrictions on women's access to the internet anywhere in my part of the world." (Mailinterview: Paulynn Paredes Sicam, Philippinen)

Südostasien Koordinatorin:: Kamla Bhasin Für Südasien, also die Länder des Wirkungsbereiches der Koordinatorin Kamla Bhasin ergibt sich aus den Newslettern und dem Interview mit Kamla ein Bild, das vor allem durch ein großes gesellschaftliches Gefälle gekennzeichnet ist. Internet ist Standard, Netzkommunikation für viele Inder - und auch Inderinnen eine ebenso selbstverständliche Alltäglichkeit. Wie aber schon bei den Ländern des Mekong erwähnt, wo es hauptsächlich die Tourismus-Metropolen sind, die sich digital vernetzt geben, so sind es in den südasiatischen Ländern die großen Städte, die Wirtschaftsmetropolen der Region, die einer bewanderten Minderheit an gut ausgebildeten Mittelschichtmenschen Zugang zu Information bietet. Ein starkes Gefälle zwischen Arm und Reich, Stadt und Land prägen die äußeren Bedingungen für Netzkommunikation in Indien und die

umliegenden Ländern, die aufgrund der Größe und Bevölkerungsdichte

123 der Region sowohl gewaltigen sozialen als auch infrastrukturellen Herausforderungen gegenübersteht.
"There are a lot of people in South Asia (…) they do not know English and they have no access, so internet you can use only with middle class people and organisations with some money, with an office, with a computer." (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) "Wo die Infrastruktur für zumeist internationalen NGO´s vorhanden ist, werden die Vorteile der Netzkommunikation hinsichtlich ihrer Effizienz auch gerne genutzt." (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) "In these seven countries lot of the organisations already have internet, so to coordinating with them, we are all the time using the internet. kamla über die NGO´s mit denen sie zusammenarbeitet"(Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

Herkömmliche Medien sind von den Einschränkungen bezüglich der ungleichen Ressourcenverteilung in ihrer Verbreitung ebenso betroffen, wie die Netzkommunikation.
Many women have been nominated whose villages do not already have electricity (…) They are so poor that they not even have a radio. (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

Auch in dieser Region stellen die sprachlichen Unterschiede eine bildungsabhängige Barriere dar, die im Gleichtakt mit der ungleichen Ressourcenverteilung die Friedensfrauen in ihrem Engagement oft von der Netzkommunikation ausschließt.
"So that it is no question, having access to the internet, they do not know English and they have no access, so internet you can use only with middle class people and organisations with some money, with an office, with a computer. (…)But the grass root-level women – they are definitely not on the internet" (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) So access is a question about control over resources, control over money. (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) Half of the world do not have the resources and the electricity and the access to use the internet. (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

124 Die Koordinatorin äußert diesbezüglich auch ganz konkrete

demokratiepolitische Kritik, in der sie die öffentlichen Räume, die durch die neuen Medien entstehen vor allem nur von einer mit wirtschaftlichen Ressourcen und Bildung ausgestatteten Elite in den Städten

entsprechenden bevölkert sieht.
"I mean in my country even 50% of the people can´t even read and write so why are we talking about the internet. Still 40% of the villages in India do not have electricity, clean water… and internet is also one of these resources – of course it is related to education, to electricity and resources like that. Even in Delhi – which is the capital of India there are so many hours by the day that there is no electricity connection… for hours, it is not like here, where you sit at the computer and you are connected to the internet. Even I have to try – because we have no 24-houres internet connection – when I want to get a connection I have to deal a number, I have to wait and sometimes it works for three or four hours – so even for the peoples in the cities it is difficult and does not always work!" (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

Ein

Ungleichgewicht

in

der

Ressourcenverteilung

wird

von

der

Koordinatorin als Urasche erkannt, vor allem wird Kritik an der Globalisierng und ihre negativen Folgen für die gleichberechtigten Kommunikationschancen laut. Wirtschaftsliberale Interessen werden als Kontrollinstantz für die Entwicklung der eigenen Region genannt.
"So it is a resource of the well of people of the world .Organizations in Delhi like Ford corporation, the world trade org. etc. They have special arrangements for electricity, for internet connection and have backups, because of there is no short of money. But the small organizations like many NGOs they have shorten of accessibility. There is the politics of control and you have to recognize the politics of this media. On the one hand the movement goes faster, but on the other hand, the other people against whom we are fighting; they are already 5000 times faster then us. We are totally aware of the politics and the power-politics in all media – including the internet. So I do not agree, that internet democratizes, it only democratizes for the well of people. But it do not democratize for 50% of the world population. " (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

Für das Treiben auf internationalen Treffpunkten wirtschaftlicher oder akademischer Vernetzung spielt die Infrastruktur-Debatte inzwischen jedoch kaum eine Rolle, was die Einwände von Kamla umso deutlicher unterstreicht und illustriert:

125
"Dahingegen Indien zu Beispiel, da sind sie unglaublich mobil auch mit ihren Computern Also Konferenz und Laptop und das Ding eingesteckt und zackzack da verzichten sie lieber auf einen Sessel, als auf einen Laptop den sie dann immer auf ihren Knien schnell mal aufbauen! ... Ich habe in Deli keine Internetcafes gesehen, aber die gibt es auch dort ganz bestimmt! Doch mit Indien ist dann die Kommunikation auf digitaler Ebene wieder schwieriger weil viele Frauen, gerade Frauen dort nie in einen Schule gegangen sind." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

China Koordinatorin: Dr. Lau Kin Chi, China Taiwan Hong Kong
"Grassroots-Frauen sind in China nicht sichtbar – nicht bekannt. Kin Chi freut sich deshalb sehr, die Arbeit und das Engagement von Frauen an der Basis sichtbar machen zu können, Austausch zwischen ihnen aber auch mit Frauen aus anderen Ländern zu ermöglichen. Für sie ist am Projekt das Netzwerken wichtig – national und international." (Newsletter 4/2003)

Chinas

Wille

zu

internationaler

Vernetzung

stehen

regressive

Zensurvorschriften im Lande selbst gegenüber. Vielen Friedensfrauen erschwert dies ihr Wirken und die Koordinatorin Chinas entschied sich für besondere Transparenz, die hier als Schutz wirkt, denn keine der Friedensfrauen sollte durch ihre Nomination verstärkt in ihrer eigenen Sicherheit gefährdet sein. So wurde offiziell in ganz China zu Nominationen aufgerufen, es gibt eine eigene Chinesische Homepage der Organisation, die von der chinesischen Koordinatorin organisiert wurde. Den Managerinnen der Organisation ist von Anfang an die Problematik bewusst, auf die sie sich bei der Suche nach Friedensfrauen in China einlassen:
So wie ich das sehe und auch gelernt habe, ist in China die Zensur sehr groß, das heißt du kommst auf viele Seiten gar nicht rein! Auch mit der Überprüfung von Emails und so, also ich denke das ist nicht ganz unproblematisch, gerade da!( Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

126 Politische Diskussionen mit der Koordinatorin Kin Chi bleiben nicht aus, der Meinung der anderen wird mit Respekt, Verständnis und Gesprächsbereitschaft begegnet.
"Gleichzeitig mussten wir auch politische Themen diskutieren (…) Und klar ist auch, dass das Politische noch viel zu diskutieren geben wird." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz im Newsletter)

Für die Netzkommunikation innerhalb Chinas bedeutet dies, dass jeder Teilnehmende sich der Kontrolle und Zensur bewusst ist und massiven Einschränkungen der Meinungsfreiheit ausgesetzt ist. (vgl. amnesty international 2004) Zentral und Nordasien Koordinatorinnen: Marina Pikulina Koordinatorin Zentral Asien sowie Dr. Sima Samar Afghanistan, Pakistan. Für diese Länder gelten vor allem kulturelle Geschlechtszuschreibungen als ein Hindernis für Frauen an der Netzkommunikation generell teilzunehmen. Durch die Stellung der Frau in den oft (streng) muslimisch geprägten Gesellschaft dieser zumeist totalitär beherrschten Länder stellt sich ein Set von äußeren Zusammenhängen dar, das Netzkommunikation für Friedensfrauen nicht zum ersten Mittel für die Bildung von Koalitionen werden lässt. Gleichzeitig wird die Situation von den bereits aktiven Frauen als Motivation und Ursache für verstärkte (auch digitale) Vernetzung gesehen.
Traditionelle Denkmuster verbieten den Frauen am öffentlichen Leben teilzunehmen und weisen ihnen die Rolle im Haushalt und bei der Kindererziehung zu.(Rebecca Vermot in einem Reisebericht - Newsletter 1/2005) Einmal mehr erkenne ich die Wichtigkeit unseres Projektes, als eine Frau über sich häufende Selbstverbrennungen von Frauen berichtet. Sie fühlt sich dieser Art Protest und Verzweiflung gegenüber hilflos und allein. Als ich ihr erzähle, dass in Indien Organisationen in dieser Thematik arbeiten, verlangt sie sofort Kontakte, um Erfahrungen auszutauschen. Ist das Netz der 1000 Frauen erst einmal gespannt, werden solche Kontakte vereinfacht stattfinden können. (Rebecca Vermot in einem Reisebericht – Newsletter 2/2004)

127 Den Verknüpfungen und Vernetzungstendenzen internationaler und nationaler NGOs untereinander – insbesondere auf der Ebene ähnlich gerichteten Synergien:
Für ihre Arbeit wird Sima die Infrastruktur und Vernetzung der afghanischen Menschenrechtskommission, deren Präsidentin sie ist, nutzen und zwar vor allem in den Regionen, die bislang schwer zugänglich gewesen sind und in denen die Kommission nun mit Büros vertreten ist. Außerdem möchte sie Friedensfrauen aus den Flüchtlingslagern an den Grenzen Afghanistans nominieren.(Newsletter 4/2003)

Engagements,

eröffnet

allen

Beteiligten

offensichtliche

Gerade auch hier ergibt sich aus der politischen Situation der Region eine verschärfte Situation für die Arbeit der Koordinatorinnen, das ihr Engagement zwar mit motiviert, andererseits eben auch erschwert. Das heißt, dass sich die Friedensfrauen oft rigoros in Opposition zu dem vorherrschenden Machtsystem stellen und anhand der

Netzkommunikation die Enge ihrer nationalen Bekanntheit zu ihrer eigenen Sicherheit ausdehnen.
"Mit interessanten Frauen kleiner NGOs diskutieren wir die lokalen und regionalen Besonderheiten Usbekistans und der umliegenden Länder. Besonderheiten, die für Marina mit Schwierigkeiten verbunden sind, denn auch wenn z.B. Pressefreiheit in der usbekischen Verfassung garantiert wird, ist Selbstzensur von JournalistInnen weit verbreitet. Die Angst vor Sanktionen durch Verleger oder Regierung ist gross und verbreitet. Kritik wird in Taschkent kaum öffentlich gemacht." (Rebecca Vermot in einem Reisebericht – Newsletter 2/2004)

Die informellen Netze der Koordinatorinnen sind zugleich meist jene, die nicht per E-Mail erreichbar oder nutzbar sind.
"Funkstille aus Ländern, für welche die Koordinatorinnen zuständig, die Netze jedoch mehrheitlich informell sind oder schlicht der Zeitmangel herrscht, an welchem die meisten NGOs leiden." (Newsletter 2/2004)

Zum einen ist in der Netzkommunikation aufgrund bestehender Verbote Vorsicht und Zurückhaltung geboten, mitunter die Infrastruktur nicht vorhanden, oder die Zusammenarbeit der NGOs noch nicht in dieser Form soweit ausgereift, dass gemeinsam vorgegangen werden kann. Strikte Zensur und anderen Repressionsmaßnahmen stehen trotzdem auf der

128 Tagesordnung, und wirkt sich natürlich kontraproduktiv für die Verbreitung von Internetzugangsmöglichkeiten aus.
Die turkmenische Regierung verunmöglicht die Arbeit von NGOs weitgehend, sie verbietet das Internet als Kommunikationsmittel und ein Visa zu bekommen war nicht möglich. Dennoch wurden bis zum Ende der Nominationsfrist vier Nominationen aus Turkmenistan eingereicht. Auch in Usbekistan waren Probleme zu überwinden. So boykottierte eine NGO aus Taschkent (Hauptstadt) das Projekt, um zu erreichen, dass keine Frauen aus anderen Landesteilen als der Hauptstadt nominiert würden. (Newsletter 1/2005) "Ich war nur in Usbekistan und da habe ich nur ganz wenige Internetcafes gesehen…" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

Mittlerer / Naher Osten Für den mittleren bzw. nahen Osten kann aufgrund der vorliegenden Daten kein besonders umfassendes Bild gewonnen werden, darum soll hier nur auf einige Aspekte eingegangen werden, die augenscheinlich wurden: Die Situation der Palästinensergebiete - eine Konfliktregion die besondere Sensibilität erforderte wurde von mehreren Koordinatorinnen und Beraterinnen gemeinsam und gleichzeitig betreut um so zu einer Ausgewogenheit der Auswahl der Nominationen zu ermöglichen. Vor allem in den Reisebericht von Ruth-Gaby Vermot-Mangold, Präsidentin des Vereins 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 und der Kommunikationsberaterin im Vereinsvorstand, Christine Menz tritt die Brisanz von weiblichen Friedensbemühungen in der Region deutlich zu Tage. Die umliegenden Nationen des Mittleren Ostens stellten auf ihre Weise eine mitunter sehr eigenwillige Problemlage dar, die weniger die äußeren Zusammenhänge in denen Netzkommunikation dort stattfindet klären, aber sehr gut illustrieren, wie Projektarbeit und dadurch die

Organisationskommunikation durch politische wie kulturelle Eigenheiten sich gegenseitig beeinflussen.
"zum Beispiel die Syrer wo die Regierung die Nominierungen absegnen will? … das ist nicht nur dort so … wir wollen das bestimmt nicht so, aber mitunter geht

129
es nicht anders und wir machen das transparent." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) Im Libanon wo wir ein Mail bekommen haben mit etwa dem Inhalt : ja wir wollen die Frau des Premier-Ministers nominieren aber wir dürfen daneben niemanden aus dem Land nehmen, den sonst wäre niemand würdig." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

4.3.7 Afrika Afrika ist nicht nur die Weltregion für welche die Statistiken die größte Armut ausweisen, hier befinden sich die meisten Krisenregionen und viele der Konfliktregionen mit langjährigen bewaffneten Auseinandersetzungen (The PRIO/Uppsala Armed Conflict Dataset 2005). Die Suche nach den 1000 Friedensfrauen kreuzte so auch die Routen der internationalen Kriegsberichterstattung:
"Im Hotel treffen wir auf Journalisten von Financial Times, BBC und Internews bei Melonensorbet. Sie versuchen, sich eine Reise nach Darfur in den Rachen des Löwen zu organisieren. Schön passen wir mit unseren Friedenfrauen in diese männerdominierte Kriegsberichterstatterwelt." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin in einem Reisebericht, Newsletter 3/2004)

Die aktuelle Konfliktsituation im Sudan ergab für die Koordinatorin im Sudan eine Verschärfung der sowieso auch sonst schon prekären Lage, in die sie ihr emanzipatorisches Engagement als afrikanische Frau in einem nun muslimisch dominiertem Land bringt. Hier kamen vor allem die bestehenden Netzwerke von Frauenorganisationen zum Tragen,

Netzkommunikation entfaltete sich hier im besten Sinne des Wortes (und der s.o. verwendeten Definition, denn ein breites Unterstützungskomitee stellte in diesem Fall die entsprechende Netzwerkstruktur technisch wie persönlich als Kontakt und Verknüpfungspunkt zu weiteren Initiativen zur Verfügung, um das Ansinnen des Projektes zu verbreiten. Die herkömmlichen Medien jedoch stellten sich vor dem gegebenen politischen Hintergrund der Heimat der Sudanesin nicht als hilfreiche Informationsvermittler dar.
"Im Sudan konnte ich mein inzwischen weit reichendes Netzwerk dazu nutzen Informationen zur Nominationsfrist, den Kriterien und dem Projekt im Allgemeinen

130
zu streuen. Ein Unterstützungskomitee formierte sich. Die Mitglieder halfen, die Informationen in alle Landesteile zu tragen und stellten dazu ihre Telefone, Internetzugänge und Computer zur Verfügung. Nach Ablauf der Nominationsfrist wurden die Nominationen mit ihrer Hilfe ausgewertet und ausgewählt. In Eritrea, Tschad und Äthiopien konnten die Informationen über die Agency for Cooperation and Research in Development (ACORD) und in Djibuti und Somalia die Dachorganisation Strategic Initiatives for the Horn of Africa (SIHA) gestreut werden."(Asha Khalil Abdalla Elkarib, Koordinatorinn Horn von Afrika berichtet im Newsletter1/2005) "Aus Sicherheitsgründen wurde das Projekt in den Medien kaum thematisiert – bis anhin ist ein Artikel erschienen. Der persönliche Kontakt zu Frauennetzwerken erwies sich als entscheidend und gerade dieser war außerhalb Sudan sehr schwierig" (Newsletter 1/2005)

In den afrikanischen Ländern ergibt sich für die Netzkommunikation im Allgemeinen eine interessante Entwicklung, die nun neuen, weiteren Bevölkerungsgruppen digitale Erreichbarkeit gibt und Kommunikation ermöglicht:
Ganz spannend: ich war jetzt in Kenia, Burundi, Sudan und Malawi und überall hast du Internet-Cafes in den Strassen, die sind bei uns bereits verschwunden, die gab´s früher mal. Bei uns gibt es sie nicht mehr, weil jeder Mann - jede Frau inzwischen einen Computer und Internetanschluss zu hause hat, wenn sie will. In Afrika ist aber klar, wenn du Zugang haben willst zum Internet, dann musst du in ein Internet-Cafe gehen (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

Trotz

der

zunehmenden

Verbreitung

öffentlich

zugänglicher

Internetanschlusse in Afrika ergab sich für die Netzkommunikation der afrikanischen Koordinatorinnen nicht das Problem, sondern die

Selbstverständlichkeit, dass Frauen, die sich in Afrika an der Basis für den Frieden einsetzten, kaum oder ganz und gar nicht per Mail erreichbar oder mit anderen Formen der Netzkommunikation anzusprechen sind. Nomvuyo Skota Dayile, die als Südafrika-Koordinatorin für die

Organisation tätig ist, stellt für die afrikanischen Frauen vor allem die ökonomischen Gründe in Betracht, Bildung bzw. Medienkompetenz lässt sie nicht als Ursache, aber als Folge der geringen Internetnutzung durch Frauen in Afrika gelten.
"How ever, one must to know to use the internet – you must have the instrument that is fundamental for this communication. That is something made by the

131
people who relay on it, that everybody is in that stage, where you can have it" (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

Im gleichen Atemzug mit den ökonomischen Ursachen nennt die Interviewte die emotionale Komponente, die Technikangst vieler

Menschen, die mitunter davon abhält mit neuen Technologien vertraut zu werden.
"But it costs and some people get threatened by it, they get scared. At first when I had to use it, I had to be told that it doesn’t bite. It is threatening!"(Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika) "But then and now it makes work easy, because you can say things, you can access information you can network, you can respond quickly if you may." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

Für den Einsatz im akademischen Bereich wird die Netzkommunikation als Selbstverständlichkeit akzeptiert.
"When I was a student in the developing studies where I had the Sub-Sahara and the World Bank connection for networking, that was a different thing. But now I mostly use Email and search information in internet, that’s it we don´t use chartrooms in our business." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

Unter den in verschiedenen internationalen und nationalen NGOs tätigen Frauen der afrikanischen Länder ist Netzkommunikation geläufig und üblich, für die Kommunikation mit den Friedensfrauen an der Basis wird es nicht als relevante Kommunikationsform in Betracht gezogen.
"Many offices not even have a PC for there work! In South Africa and generally in Africa people are poor! Very poor, therefore a PC is not the first priority. So, one has to have other kind of media. And therefore many does not have PC and therefore they are not connected to internet. Many are not connected at all, also because many are unemployed and cannot get into the business. – I think. There are also people in Africa, which you can not reach with any media, not even a radio – so they are not connected at all." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

4.4 Technische System-Infrastruktur
Die technische Infrastruktur auf deren Basis die Netzkommunikation organisiert wird, bzw. die von den Teilnehmenden eingesetzt werden

132 kann, wirkt sich auf die Kommunikation aus, die damit geführt wird. "Die Beziehungen innerhalb einer virtuellen Gemeinschaft sind "in hohem Maße mittelbar und in ihrer Interaktionsmöglichkeit durch technische Rahmenbedingungen geprägt" (Thiedeke 2003: 33) Diese Dimension umfasst und beschreibt also die technischen

Gegebenheiten auf deren Basis Netzkommunikation stattfindet. Zum einen beschreibt die Dimension System-Infrastruktur, die technische

Konfiguration, also die Menge und Art der zugänglichen Rechner und ihre Leistungsdaten, die Qualität der Internetanbindung und ähnliches. Für den vorliegenden Fall soll hier auch die prinzipielle Verfügbarkeit von Strom, Telefonleitung bzw. Internetanschluss an sich zusätzlich in Betracht gezogen werden. Nicht Inhalt dieser Dimension ist die Fähigkeit der Teilnehmenden mit der technischen System-Struktur umzugehen, die eher in die Dimension der persönlichen Aspekte fällt. Weiters soll hier mit technischer Systeminfrastruktur das Ausmaß an Adaptionsfähigkeit der Programme und Softwareprodukte erfasst werden, also wie gut passt sich das System geänderten oder sich ändernden Bedingungen an, wie gut kann es unterschiedlichen Anforderungsprofilen entsprechen bzw. entsprechend programmiert oder technisch anders gestaltet werden. Als weitere Kategorie kann noch die

Benutzerfreundlichkeit hier einbezogen werden, also die Überlegung, ob die verwendeten Softwareprodukte ein Hindernis darstellen, oder leicht zugänglich, lernbar und einfach benutzbar sind, wie viel Flexibilität sie den Userinnen zugestehen bzw. auch wie viel Multikulturalität sie in Verwendung und Design integrieren können. In Ergänzung dessen, was Baym (1995: 144) als "system infrastructure" umschreibt, möchte ich hier in die Kategorie "Benutzerfreundlichkeit" zusätzlich die Zugänglichkeit von Technologien bezüglich ökonomischer

133 Hürden in diesen Kontexte mit einbringen (beispielsweise ob Lizenzgebühren nötig sind, wie hoch die Internetverbindungskosten sind ect.), da dies vor allem in internationalen Projekten mit Beteiligung regionaler NGOs in ärmeren Ländern von Bedeutung sein muss. Die Auswertung der Dimension der technischen Systeminfrastruktur folgt einer an das Analyseschema von Quibria (2002), wie dies in einer Studie zum Digital Divide in Ländern des Fernen Ostens eingesetzt wurde und unterschiedlichen Computing, Entwicklungsstufen von Computereinsatz communication als und

Communication,

Internetenabled

Computing Internet charakterisiert. Diese Unterscheidung kann auch prinzipiell für die Analyse der Netzkommunikationsfähigkeit hinsichtlich der technischen Infrastruktur im hier untersuchten Fall verwendet werden, da sich diese Unterscheidungen als solche auch im Datenmaterial deutlich wieder finden und im Weiteren folgende Kategorien dazu herausgebildet wurden. • Nutzung von Computern (Informationsressourcen speichern, Verwendung als Arbeitsmittel, schreiben, rechnen, ausdrucken von Info etc. offline) • Kommunikation und Vernetzung (interaktiver/sozialer Gebrauch des Internet, Bewältigung von kommunikativen Organisationsaufgaben intern, digital als auch analog, jedoch technisch vermittelt) • Aktion: basierend auf digitaler Vermittlung von Kommunikation, bzw. durch vernetzten Gebrauch von digitalen Ressourcen ermöglichte Mobilisierung, Teilnahme an öffentlichen Diskursen, Artikulationsmöglichkeit für andere bieten, Anwaltschaft, Solidarität ausdrücken, Public Relations und alternative Informationsquelle für Medienvertreter, Spenden lukrieren, Fundraising, usw. Kontinuität in der Gestaltung eigener kleiner Medien, Der Bereich "Kommunikation" und "Aktion" findet später vor allem im Abschnitt Kommunikationsraum eine weiterführende Ausführung da sich

134 hier die Relation zwischen den beiden Aspekten

(Kommunikationsraum und technischer Systeminfrastruktur) deutlich zeigen, aus denen Netzkommunikation entsteht. Geht es, wie nun hier im Folgenden, allein um wird die zu Grunde welche liegende technischen technische Mittel zur

Systeminfrastruktur,

erhoben,

Verfügung stehen oder (mitunter nicht) erreichbar oder einsetzbar sind, sowie welche technischen Mittel genutzt werden bzw. welche vorhanden sind, aber ungenutzt bleiben. Prinzipiell weiß das Projektteam, was die Netzkommunikation an Möglichkeiten bietet um ihr Engagement zu unterstützen und schätzt die Neuen Medien und die Netzkommunikation als unabdingbare Vermittler über geographische Distanzen hinweg.
"Also wir konnten das ganze Projekt nicht machen ohne die digitalen Medien, unmöglich!" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) "und ohne der Neuen Medien wären wir heute nicht so weit wie wir jetzt sind!" Maren Haartje,Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa

Als problematisch nehmen die Projektteilnehmenden nicht nur die technischen Unterschiede wahr…
"Mal abgesehen von solchen Dingen wie den unterschieldichen Zeichensätzten, wenn wir da eine mail aufmachen und nur seltsame Hyroglyphen habe, sei es jetzt wegen des Modus HTML oder Plaintext oder auch wegen des MIME Formats – weiß ja auch nicht was, aber das kann die Kommunikation schon mal verkomplizieren! Aber da klappt die Kommunikation an sich recht gut, wir erhalten auch recht viel Onlinenominationen aus diesen Ecken der Welt!" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

…vor allem die fehlende Infrastruktur macht den Projektalltag schwierig.
"Even in Delhi – which is the capital of India there are so many hours by the day that there is no electricity connection… for hours, it is not like here, where you sit at the computer and you are connected to the internet. Even I have to try – because we have no 24-houres internet connection – when I what to get a connection I have to deal a number, I have to wait and sometimes it works for three or four hours – so even for the peoples in the cities it is difficult and does not always work!" (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

135
"Ja in erster Linie mal die Einschränkung wir können nur mit jenen digital in Kontakt treten die überhaupt einen Zugang haben!" (Maren Haartje,Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa)

Die Gruppe wird schon nach dem Vorhandensein grundlegender technischer Infrastruktur ausgesucht und zusammengesetzt:
"Sie verfügen über eine gute Infrastruktur (Arbeitsplatz, Telefonanschluss, wenn möglich über PC/Internetanschluss) und teilen mit uns eine gemeinsame Kommunikationssprache (Priorität Englisch, dann Deutsch, Französisch, Spanisch oder Italienisch). Sie sind u.a. in folgenden Bereichen tätig "(Newsletter 2003/1)

4.4.1 Computergebrauch offline Computernutzung offline als auch online wird nicht gleichgesetzt aber zumindest in einem Atemzug genannt, wo beides infrastrukturell vorhanden ist. Gleichzeitig scheint auch die Verwendung von MicrosoftSoftware als ein gewisser notwendiger infrastruktureller Standard gesehen zu werden.
"Must people I know working in NGO and doing good work are already work on a computer, not necessarily on the internet." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika) "Ich bin froh, hab´ ich e-mail, hab´ ich word, hab ich excell, hab ich ein PDF reader, und das Internet und mehr brauch ich nicht!" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) "Es ist ja oft eine Hürde, meist braucht es ja nicht so viel, wenn wir ehrlich sind, braucht es Umgang mit Word, mit Excell, ein Mailprogramm und Internet, that´s it und vielleicht einen Gutschein damit sie gratis surfen können im Internetcafe zum Beispiel! Das ist jetzt nur so eine spontane Idee... da geben es genug Dinge die da überlegenswert wären..." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) "…ja, man kann da sicher auch den Teufel an die Wand malen und sagen, in fünf Jahren ist das Internet unendlich überlastet, und Viren und all das erledigt, das Mail nutzlos wegen des vielen Spam und Werbemails etc. und wir steigen wieder auf fax und Schreibmaschine um" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

Im Newsletter wird davon berichtet, dass die Kontakte mit Journalistinnen, Politikerinnen, Sponsoren und Friedensfrauen aller Ebenen im Laufe des Projekts in einer Projektdatenbank aufbereitet werden um sie für die

136 weiteren Vernetzungsbestrebungen präsent zu halten. Auch die Datensicherheit war vom ersten Newsletter an Thema des Newsletters.
"Wir haben eine Datenbank entworfen"(Newsletter 2003/1)

Die Datensicherheit bleibt Thema:
Aus Gründen der Datensicherheit werden die Namen der Kandidatinnen nicht sofort nach der Nomination publik gemacht, sondern erst im Januar. 2005, nachdem das Internationale Gremium alle Kandidatinnen als nobelpreiswürdig bestätigt hat.(Newsletter 2004/1) Es wurden verschiedene Sicherheiten eingebaut, um die Daten vor allfälligen Hackerangriffen zu schützen.2004/2

Bedenken dem Medium an sich gegenüber:
There is the politics of control and you have to recognize the politics of this media. On the one hand the movement goes faster, but on the other hand, the other people against whom we are fighting; they are already 5000 times faster then us. (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

Der Computergebrauch der Koordinatorinnen ist zumeist an den Arbeitsbereichgekoppelt, auch bei jenen, für die ein privater

Internetzugang vorhanden oder möglich ist.
"Es ist ein Gebrauchsgegenstand und wenn ich in meinem Umfeld gucke ist Computer halt häufig auch ein Spielzeug, wo man halt abends auch mal dran sitzt." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) "So I think, for those who can manage to have a computer, not necessarily the internet, to have it privately it is very costly. So they have to go to work to connect even if they have a computer at home. (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika) It gives access it’s true! It brings information for those who have it! It improves communication skills and quick responses, and it spreads information quickly – you are able to spread information to the people in your network so you are able to group them and you are able to sent information to as much as people as possible. Within ten or fifteen minutes you can sent information to people in the whole world. And it helps you in the documentation and to assemble information. Once you get or find information, that is important, then you can document. (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

137
Must people I know working in NGO and doing good work are already work on a computer, not necessarily on he internet. (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

4.4.2 Information Das Internet wird als leicht zugänglicher Informationsspeicher geachtet, zum einen stellt die Organisation, oder auch einzelne Koordinatorinnen Informationen im Web zur Verfügung, zum anderen verwenden die Teilnehmenden am Projekt das Internet auch als Informationsressource, nehmen es in seiner massenmedialen Dimension wahr und nutzen es als solches.
"obwohl wenn ich Informationen brauche dann hole ich sie mir, entweder vom netz oder sonst wie" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) "To inform them, we have put that on a Website, and most of our information we give to these NGO´s on the internet." (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) "For my work it is very important to use the internet. Usually for communication and emailing, but also for searching information, if I am looking for some information to a certain topic, usually we had to go to the library and maybe find an article about or not. Nowadays we use the internet to search for the articles." (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong)

Der Übergang zur Kommunikation als direkt interaktiver Prozess ist ein fließender, begünstigt von den Eigenschaften der im Internet

angebotenen Kommunikationsformen:
"So we are maybe not involved to a discussion or dialog, but we know what is going on and if a group is interested in the issue of one of these mails, they can read and find out more about it with this information. We maybe have no broaden idea what is going on in a global discussion about, but we can exchange information, that is important." (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region)

Auch auf der Ebene der Information: Wo aufgrund der Infrastruktur, persönlicher Eigenschaften oder äußerer Umstände kein Zugang möglich ist, bleiben Frauen von der Information ausgeschlossen und somit ergibt sich auch keine Möglichkeit der virtuellen Kommunikaiton.

138
"Generally of course it provides information - provides information so you access information, access is the very important thing here." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

4.4.3 Kommunikation
"And know, you also get some networks, you get to know what is happen, you read this and are informed about things you otherwise would not know and it is helpful in this way, it helps in trying to respond to some things, this is communication, one mean of communication is that you can use it." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

So beschreibt die südafrikanische Koordinatorin ihre Wahrnehmung der Aspekte Information, Wissen und Kommunikation wahrnimmt. Ist es für die Friedensfrauen in armen Ländern der Mangel an Ressourcen der ihnen den Zugang zum Internet verwehrt, sind die

Nutzungsgewohnten bereits von den Unzulänglichkeiten des Mediums genervt.
Klagen über Spam - Weil halt das Mailaufkommen so immer größer wird, auch jetzt schon Zweidrittel aller Mails die reinkommen sind Spam! Es wird nicht besser! Begründung dafür die E-mail möglichst nicht bekannt werden zu lassen! Also vom Internet befürchte ich, das ja eigentlich nicht, aber beim E-Mailsystem kann ich mir das schon vorstellen, da gibt es unglaubliche Schwächen! (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

Für das Management in Bern ist es vor allem die Effizienz, die der Netzkommunikation innerhalb der internen Organisationskommunikation ihren Stellenwert gibt.
"Erstens wegen der Schnelligkeit und ich stell mir vor, ich verbringe Stunden vor dem Fax, wenn ich beispielweise den Koordinatorinnen was faxen soll, mal kommt die Verbindung nicht zustande, dann geht das mal nicht, dann ist das Telefon besetzt, dann heben die dort ab anstatt das fax angeschaltet zu lassen meist geht es einfach nicht und es vergehen Stunden um Stunden und die hab ich einfach nicht!"(Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

Die Koordinatorinnen in den ärmeren Ländern stellen ihrem Agieren im virtuellen Raum andere Motive und Ziele voran.
And if the well–of-people of the world are connected to the poor, and our movement to some extend is connected and if there is that solidarity – than it

139
works. (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) I hardly use forums, but sometimes newsletters could be an important information resource. When we in the MaiKong attend a meeting, we leave our mailing address, and when ever there is a new information, we get it through that mailing list and we get the newsletters or recurrent information about new meetings or news about … That is very useful. (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong-Region)

Bei allen Koordinatorinnen ist zu bemerken, dass es hauptsächlich das EMailing ist, das als Plattform zur (Netz-)Kommunikation im Projektalltag genutzt wird.
"…wir haben Tage wo wir über hundert Mails am Tag beantworten…" (Maren Haartje,Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa)

4.4.4 Aktion Als Aktion wird hier die aktive Gestaltung von Webinhalten bezeichnet, wenn diese Webinhalte öffentlich bzw. zumindest einer nicht restriktiv eingeschränkten Zahl von Teilnehmenden zugänglich ist und die Teilnehmenden zu Netzkommunikation im Sinne einer direkten Interaktion im virtuellen Raum auffordert. Teilweise kann das für die Website angenommen werden, sobald diese eine Rückmeldemöglichkeit in Form einer Mailadresse angibt. Am deutlichsten wird Netzkommunikation als Aktion im Rahmen dieses Projekts in der Nominationsphase und ihrer virtuellen Abwicklung via Online-Nominations-Formular. Die Nomination ist also jener Ablauf, in dem sich solche Aktion am ehesten Äußert und bei der die technische Infrastruktur für die Netzkommunikation der

Friedensfrauen relevant wird.
"Jede sorgsam ausgefüllte Nomination ist ein sichtbares, kleines Netzwerk: die Person, die nominiert, die Friedensfrau, die in den meisten Fällen ihr Einverständnis gegeben hat und weitere zwei Personen, die ihre Frie-densarbeit bestätigen."(Newsletter 3/2004) "Die Mitglieder halfen, die Informationen in alle Landesteile zu tragen und stellten dazu ihre Telefone, Internetzugänge und Computer zur Verfügung." 2005/1

140 Wiederholt werden alle BesucherInnen der Website aufgefordert mitzuwirken:
"Nominieren Sie jetzt!"(Newsletter 2004/1)

Das

Onlineformular

ist

eines

von

vielen

Möglichkeiten,

die

wahrgenommen werden um Frauen zu melden.
"Nominieren kann wirklich jede und jeder, die Nominationen kommen derzeit per Post, per Fax, die Leute schreiben uns auch per Schreibmaschine oder mit Hand, uns am liebsten natürlich wenn wir die Nomination über das Onlineformular bekommen, …"(Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

In diesem Fall der Netzkommunikation als Aktion steht wiederum die Effizienz der Netzkommunikation an wichtiger Stelle. Datensicherheit bleibt ein ständiges Bedenken.
"Wie bereits erwähnt, wurde der Nominationsprozess anfangs März eröffnet. Das überarbeitete Nominationsformular ist auf unserer Homepage zu finden. Wir haben uns entschieden, dass die Nominationen, wenn immer möglich online erfolgen sollten, da der Arbeitsaufwand, handschriftliche Nominationen zu bearbeiten, sehr gross ist. Es wurden verschiedene Sicherheiten eingebauen, um die Daten vor allfälligen Hackerangriffen zu schützen."(Newsletter 1/2004) "Das Nominationsverfahren ist im Gang. Online sind bereits über 100 Nominationen eingegangen – wenig im Vergleich zu den Nominationen, die weltweit direkt den Koordinatorinnen zugesandt werden."(Newsletter 2/2004)

Der Anteil an Online-Nominationen ist hoch doch zumeist muss in vielen Fällen nachrecherchiert, vervollständigt und übersetzt werden. Letztlich sind es rund zwei Drittel aller Nominationen, die die Organisation nachbearbeiten muss. Zieht man den Umfang des Online-

Nominationsformulars in Betracht, dass mit sehr vielfältig und spezifisch Daten von den Nominierenden auszufüllen war, ist dieses Ergebnis trotzdem beachtlich!
"Ungefähr die Hälfte der Nennungen sind online eingegangen, die andere Hälfte hat uns per Post, E-Mail oder Fax erreicht."(Newletter 2004/3) Weiter müssen alle Nominationen abgelegt werden: rund 2/3 der Vorschläge wurde nicht oder nur zum Teil elektronisch eingereicht, weshalb nun Freiwillige diese Daten erfassen. Eine langwierige und wichtige Arbeit, denn ohne die Daten

141
kann die wissenschaftliche Gruppe ihre Recherchen nicht verfeinern. (Newlstetter 2004/4)

Die gesammelten Daten, der Datenbankinhalt als Materialisierung der Vernetzung, und gemeinsamen Aktion der Friedensfrauen sollen also erhalten und verwertbar bleiben. "Die Daten sollen nach Projektschluss weiter bewirtschaftet werden." (Newsletter 2005/1)

4.5 Persönliche Aspekte
Die persönlichen Aspekte sollen die Tendenz zu personalen Technikstilen (vgl.: Matuschek/Voß/Kleemann: 2001: 150) einbeziehen helfen,

charakteristische Eigenschaften der Kommunikationsteilnehmenden, die sich aus ihrer Person, ihrer persönlichen Ausgangslage, ihr Umfeld und ihre (Arbeits-)Situation ergeben können und sich etwa wie folgt äußert:
(Das ist aber auch ganz unterschiedlich bei uns. Also ich weiß das Barbara da eher so der Typ ist, der halt schnell mal anruft! (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

Der persönliche Aspekt schließt also die persönliche Begründung und Motivation in einer Gruppe teilzunehmen ebenso ein und bezieht sich auf die individuellen Unterschiede im Umgang mit der Netzkommunikation. Mit "persönlichen Aspekten" sind nicht nur die charakteristischen Eigenschaften der an der Kommunikation Teilnehmenden bezeichnet, sondern sie umfassen in gleicher Weise die Eigenschaften der Gruppe oder Gemeinschaft innerhalb der die Kommunikation stattfindet. Im Folgenden sollen nun einerseits die persönlichen Aspekte jener Frauen erörtert werden, die das Projektteam bilden. Zum anderen soll hier dargelegt werden, wie die Koordinatorinnen solche "persönlichen Aspekte" wahrnehmen, an anderen beobachten oder für sich bewusst machen.

142 Im Zentrum der hier angestellten Analyse steht die

Netzkommunikation der Projektmanagerinnen in Bern und der regionalen Koordinatorinnen in den verschiedenen Ländern und deren (digitale) Vernetzungstendenzen und –möglichkeiten. Die Betonung liegt hierbei auf der Phase der "Nomination und Vernetzung". Innerhalb dieser (analytisch gesetzten) Abgrenzung einer Gruppe und Phase steht in dieser Dimension die besonderen charakteristischen Eigenschaften der Gruppe oder Gemeinschaft zur Debatte, innerhalb der die Kommunikation stattfindet. Die Projektgruppe, die hier den engeren Kreis der Beobachteten bildete, besteht aus den Projektmanagerinnen und den regionalen

Koordinatorinnen, als eigentlich operativ Teilnehmende. Die operative Projektgruppe wächst von anfänglich rund sieben Frauen, also zwei Managerinnen und fünf Koordinatorinnen (Newsletter 2003/1) auf letztlich rund 25 Frauen an. Mitunter wandelt sich die Rolle einer Koordinatorin wiederum zurück zu der einer Unterstützerin oder es ergibt sich die Notwendigkeit eine weitere Koordinatorin für eine der vier Regionen zu suchen. Die Gruppe ist kein zahlenmäßig oder personell fixiertes Ganzes an Teilnehmerinnen. Sowohl die Mitwirkung von ehrenamtlichen

UnterstützerInnen, die Mithilfe von Mitgliedern aus dem Verein der 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 20005, die Tätigkeit der

Übersetzerinnen und weiterer Beschäftigter im Büro in Bern (bspw. Barbara Mangold als PR-Assistentin des Projekts, Yvonne Kremser als selbständige Fundraising-Beraterin, Regula Küng-Mastronardi, Gabriela Neuhaus, Filmproduktionsfirma u.v.a.) geben der Abgrenzung des eigentlichen Projektteams eine gewisse Dynamik, die im Zusammenhang mit den Projektphasen und dem Projektverlauf zu sehen ist. Mitunter wächst die Zahl der Projektteilnehmer aus Notwendigkeit sprunghaft an:
"Gleichzeitig müssen Nominationen, die in Russisch, Afrikaans, Indone-sisch, Französisch, Xhosa, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch oder Arabisch eingegangen sind, übersetzt und in die Datenbank übertragen werden. Eine

143
Aufgabe, die ohne freiwillige Helferinnen nicht zu bewältigen wäre. Ein Glück, dass sich an die 20 Personen mit ausgezeichneten Fremdsprachenkenntnissen freiwillig und unentgeltlich dieser aufwendigen, wie auch spannenden Aufgabe annehmen.(Newsletter 4/2004)

Folgende Merkmale zur Differenzierung persönlicher Aspekte und ihrer Auswirkungen auf die Netzkommunikation der Organisation und der beteiligten Friedensaktivistinnen allgemein werden hier nun im Folgenden eingehend analysiert: • • • • • • Wirkungskreis Technik & Geschlecht Medienkompetenz und Bildung Alter Emotionen Engagement (unterschiedliche inhaltliche, organisationsabhängige und persönliche Friedensziele) Dies umfasst jene persönlichen Merkmale, die aus den Daten heraus abgeleitet werden konnten, d.h. in den Newslettern oder Interviews von den Frauen thematisiert wurden. Denn es kann hier nicht um die vollständige Darstellung aller möglicherweise die Netzkommunikation beeinflussenden persönlichen Aspekte gehen. Besondere

Berücksichtigung finden hier also Statements, die sich auf den Einfluss der persönlichen Aspekte der Teilnehmenden auf die Netzkommunikation im allgemeinen und speziell im Zusammenhang des Projektes beziehen. 4.5.1 Wirkungskreis Die Arbeitsbereiche unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer inhaltlichen Ausrichtung, sondern auch bezüglich der Wirkungsebene im Spektrum zwischen lokaler und globaler Friedensarbeit. Der Wirkungskreis der Nominierten und Koordinatorinnen bezieht sich (entsprechend einer Definition der Organisation) auf folgende Wirkungskreise:

144
"*auf der lokalen Grassroots-Ebene tätig sind (Clan, Ethnie, Nachbarschaft, Dorf, Stadt); (35% der Nominierten sollen laut der Projektbeschreibung aus diesem Bereich kommen) *auf regionaler Ebene arbeiten; (25% der Frauen) *auf nationaler Ebene engagiert sind; (20% der Frauen) *grenzüberschreitend agieren (10% der Frauen) *international agierend (10% der Frauen)" (Newsletter 3/2003)

Die Koordinatorinnen kommen zumeist aus den drei zuletzt genannten Wirkungskreisen und ihre Aufgabe ist die Vernetzung mit den beiden zuvor genannten. (vgl.: Trackdefinitionen in "multitrack diplomacy12") Die Aufgaben, die alle Koordinatorinnen jeweils für ihren Bereich zu bewältigen haben, ist für alle gleich, stellt also den gemeinsamen persönlichen Hintergrund dar. Je nach individuellem persönlichem Hintergrund und den äußerem Zusammenhang können diese Aufgaben jedoch ganz unterschiedliche Strategien im Umgang mit der

Netzkommunikation erfordern.
"Die Arbeit der Koordinatorinnen umfasst **Suche und Vorschlagen von Friedensfrauen ev. mit Hilfe von Hilfskoordinatorinnen oder einem regionalen Team, **Hilfe bei der Dokumentation dieser Friedensfrauen (Betreuung der Reporterinnen vor Ort), **Hilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit, Hilfe beim Fundraising (lokal bis international) und **Hilfeleistungen für die Wissenschaftliche Gruppe". (Newletter 3/2003)

12

Multi-track diplomacy is a concept developed and put into practice by Louise Diamond

and myself, co-founders of the Institute for Multi-Track Diplomacy. The concept is an expansion of the original distinction made by Joseph Montville in 1982, between track one (official, governmental action) and track two (unofficial, nongovernmental action) approaches to conflict resolution. John W. McDonald

145 4.5.2 Genderspezifische Technikzuschreibung Generell sind geschlechtsspezifische Technikzuschreibungen (vgl. Klaus 1997, Bath 2002, Schachtner 2002b, Drüeke/Winker 2005 u. a.) als ein Phänomen des gesellschaftlich determinierten Geschlechterkodes zu verstehen. Gerade Technik bildet hier ein besonders androgen besetztes Gesellschaftsfeld ab. Im hier gegeben Zusammenhang kann die Geschlechtszuschreibung von Technik als persönliche Einstellung und emotional besetzte Einschätzung der Projektmitarbeiterinnen festgestellt werden und ist somit als persönlicher Aspekt hier in die Analyse aufgenommen.
"Wenn wir versucht hätten unsere tausend Frauen nur im Internet zu finden, wären wir wahrscheinlich schneller auf tausend Männer gekommen als auf tausend Frauen! Einfach weil sich auch Männer viel eher mit dem Internet beschäftigen als Frauen! - und da herumbasteln und sich vielleicht ne´ eigenen Homepage machen oder so - wo bei Frauen eben andere Prioritäten - die eben eher mal aufs Feld gehen um noch ne hand voll reis mit heim zu nehmen. "(Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) "Mein Eindruck ist, für Frauen ist es ein Gebrauchsinstrument und für Männer ein Spielzeug. Und mit einem Spielzeug probiert man auch mal mehr rum ... und gestaltet dann auch – gezwungener Maßen." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

In Relation zu den kulturellen Unterschieden der Regionen, wie sie in der Dimension äußerer Zusammenhang besprochen werden, kommen solche verfestigten Geschlechtercodes in verschiedener Weise zu tragen. 4.5.3 Medienkompetenz und Bildung Betont werden soll hier: Es geht nicht um die Medienkompetenz der Teilnehmenden, sondern wie weit die Teilnehmenden diesen persönlichen Aspekt als für die Netzkommunikation bedeutend einschätzen und wahrnehmen.
"Sei es einerseits von der Ausbildung und andererseits von den technischen Möglichkeiten – das ist schon eine Elite irgendwo, die meisten sind ja davon noch entfernt und haben diese Möglichkeit nicht."( (Maren Haartje,Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa))

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"I mean in my country even 50% of the people can´t even read and write so why are we talking about the internet." (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) "Also mein E-Mailsystem ist dann auch wirklich ein Art Ablagesystem mit Ordnern Filtern und so weiter." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

Mitunter setzten also die Koordinatorinnen durchaus hohe Ansprüche an ihre eigene Medienkompetenz. Jenen Frauen, denen der

Computergebrauch aufgrund der äußeren Zusammenhänge und des Mangels an Infrastruktur nicht selbstverständlich ist, setzen die

Medienkompetenz mit dem Zugang an sich schon auf eine Ebene. Für sie bedeutet Zugang auch gleichzeitige die Möglichkeit zum Erwerb von Medienkompetenz.
"How ever, one must to know to use the internet – you must have the instrument that is fundamental for this communication. That is something made by the people who relay on it, that everybody is in that stage, where you can have it." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika) "Most people I know working in NGO and doing good work are already work on a computer, not necessarily on the internet." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika) "Having the internet makes people thinking that it is the fastest the only efficient. But sometimes it is not, you have to have electricity you have to have an computer and you also must know how to use it – so that are many other things that you must have, before you have that." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

4.5.4 Alter Der persönliche Altershorizont bedingt mitunter spezifischen Einfluss auf den Umgang mit Netzkommunikation. Zumeist wird den Jüngeren auch mehr Medienkompetenz zugetraut.
"There are very many people especially using internet in the internet cafes – especially the new generation – the young people," (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong) "Ich habe nicht das Gefühl, das es ein interkultureller Unterschied ist, als eher ein Altersunterschied! Unsere beiden ältesten Koordinatorinnen sind einfach Computer- illiterates! Die Vera aus Malawi, die liest die Mails, die werden ihr ausgedruckt, dann beantwortet sie die Mails von Hand und die werden dann von

147
ihrer Sekretärin abgetippt...und Tage später krieg ich dann eben die Antwort. Und auch die Vera aus Brasilien, das sind die beiden Ältesten, die hat auch sich eine Assistentin besorgt." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

4.5.5 Emotionen Technikverdrossenheit in der Schweiz und vielen hoch entwickelten Ländern, in denen die Zahl der aktiven Internetnutzerinnen bereits wieder zurückgeht!
"Ich hab´ so die Nase voll von der Kiste abends, das ich mich da nicht mehr dazu setze, außer ich erwarte halt mal ein dringendes Mail aber sonst..." (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) "…ja, man kann da sicher auch den Teufel an die Wand malen und sagen, in fünf Jahren ist das Internet unendlich überlastet, und Viren und all das erledigt, das Mail nutzlos wegen des vielen Spam und Werbemails etc. und wir steigen wieder auf fax und Schreibmaschine um" (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz) "But it costs and some people get threatened by it, they get scared. At first when I had to use it, I had to be told that it doesn’t bite. It is threatening! (…) But then and now it makes work easy, because you can say things, you can access information you can network, you can respond quickly if you may." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika) Such things people get scared about, I don’t know how you bring it home but there are some things that some people get really scared about. And then they avoid it. And it is not true, if you read about it that it becomes curious, not for everybody, not for every culture. (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

4.5.6 Engagement Das Engagement aus dem heraus der Kontakt zur Gruppe entspringt, stellt einen persönlichen Aspekt dar, der ebenso wie die Verortung im Tracking (Track 1-3 Zuordnung) der Arbeitsbereiche von der Organisation abgesteckt wird.
• Aufbau bzw. Institutionalisierung von Friedensbeziehungen zwischen rivalisierenden Gruppen • Beiträge zu Friedensverhandlungen auf verschiedenen regionalen, nationalen und internationalen Ebenen • Friedens- oder humanitäre Aktivitäten während akuten Kriegsereignissen oder bewaffneten Konflikten • Gewaltprävention

148
• Kriegsverweigerung • Politische Aktionen für den Frieden • Aktivitäten zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegssituationen • Aktivitäten zur Unterstützung von Frauen, die sich in Kriegssituationen für die Beendigung von Krisen und Kriegen in ihren eigenen Regionen/Ländern einsetzen • Demokratisierung in Nachkriegsgesellschaften (Grund- und Menschenrechte, insbesondere Frauenrechte/BürgerInnenrechte) • Friedenserziehung in Schulen und Gemeinden • Friedens- und Konfliktforschung (Wissenschaft) • Gemeinsames Ressourcenmanagement in Konfliktregionen (Agrarpolitik: Landrechte, nachhaltige Produktionsweisen) • Geschichtsaufarbeitung und -vermittlung (Politik, Kunst, Literatur, Medien) • Versöhnung und Trauma-Arbeit • Gesundheit/Familienplanung (Newsletter 2/2003)

Mitunter

bringt

das

Engagement

der

Frauen

eine

persönliche

Weiterentwicklung mit sich, innerhalb der sich die Möglichkeiten an der Vernetzung im virtuellen Raum teilzunehmen, verändern, bzw. ihre Netzkommunikation sich intensiviert, wie beispielsweise in der Mitwirkung in dieser Projektgruppe, in der Kooperation mit anderen NGOs oder eigenen Web-Projekten, wie dies Paulyn in ihrem E-Zine Cyberdyario betreibt. Mitunter bedeutet dies auf der anderen Seite eine Entfernung von ihrem eigentlichen Engagement und dass sich die Frauen vermehrt um die Schaffung von Öffentlichkeit und politische Einflussnahme zu kümmern haben oder ihre Kompetenzen weitervermitteln wollen, sich ihr

persönlicher Wirkungskreis also nicht nur weitet, sondern verändert.
Oft ist es einfach so: eine Frau hat eine Idee, wird dann irgendwie von den Agencies entdeckt, worauf sie eben auch finanzielle Mittel für ihren Einsatz und ihre Arbeit bekommen können, dann wird aus der Idee dann ein Verein oder eine Teil einer größeren Organisation und schon sind die Frauen von dieser eigentlichen „Grassroot“-Ebene“ eigentlich ein Stück weg! (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

4.6 Kommunikationsraum
Die Dimension versucht anhand der Daten aus analysierten Newsletter und Interviews jenes Zwischenspiel zwischen unterschiedlichen

Kommunikationssphären und –räumen zu beschreiben, in denen sich in die Kommunikation der Projektgruppe ereignet. Ohne diese Dimension ist die Netzkommunikation einer Organisation nicht zu verstehen. Denn die

149 Projektgruppe agiert ja vor allem auch innerhalb realer bzw. nicht virtueller Begegnungen und Bezüge und stellt keine ausschließlich im virtuellen Raum konstituierte Gruppe dar. Ihre Kommunikation beruht nicht nur auf der Kommunikation im virtuellen Raum, daraus erwächst dieses Zwischenspiel von virtueller Netzkommunikation und der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, die hier als variables Spektrum in seinen Eigenheiten beschrieben werden soll. Aus diesem Wechselspiel ergeben sich auch veränderte Bedingungen für die Netzkommunikation an sich, die hier beschrieben werden sollen. Im Sinne einer Organisationskommunikation, die es hier zu untersuchen galt, kann also von einem gruppenunterstützenden gesprochen werden, Einsatz die hier von die

Kommunikationstechnologien

verwendete(n) Form(en) von Netzkommunikation bilden. Weiters ist die Kommunikation 2005 zum Teil der 1000 Frauen für den alle auch

Friedensnobelpreis Newsletter-Daten,

öffentlich

(beispielsweise aber

Nominationsformular,

Website)

organisationsintern (private E-Mails) abgelaufen, was im kommenden Abschnitt als öffentlich bzw. organisationsintern erörtert wird. Öffentliche und organisationsinterne Kommunikation findet sowohl real

(Pressekonferenz, Treffen etc.) als auch virtuell ihren Niederschlag. Die technischen SystemInfrastruktur, die den virtuellen Raum ermöglicht, beeinflusst auch, wie in diesem virtuellen öffentlichen Räumen Aktion und Kommunikation statt- bzw. ihre Fortsetzung finden. 4.6.1 persönliche Anwesenheit / Vermitteltheit Welcher Kommunikationsraum wird für welche Kommunikationsziele als geeignet erlebt? Wie später noch thematisiert wird, zeigen sich hinsichtlich der kulturellen Diversität hier die deutlichsten Unterschiede, welche Kommunikationsform die Frauen wählen.

150 Wie bereits dargelegt, offenbart sich die Diversität in den kulturellen Unterschieden auf nationaler und internationaler Ebene, den

unterschiedlichen Kulturkreisen, Sprachen und Spracheinfluss-Gebieten sowie in unterschiedlichen ideologischen Zugangskontext. Die Diversität wird in den Newslettern zwar meist bezüglich der Bewältigung unterschiedlicher Aufgabenstellungen innerhalb des Projekts thematisiert, aber eher als Tatsache akzeptiert, also nicht als Problem beurteilt.
"Die Internationalität zeigte Möglichkeiten aber auch Grenzen auf. Doch war das Verbindende und das gemeinsame Ziel stets stärker als das Trennende!" (Newsletter 3/2003)

Die Netzkommunikation tritt in der Bewältigung von Hindernissen, wie sie die Diversität der Frauen mit sich bringt, etwas in den Hintergrund, die als "klärend" beschriebene Wirkung von Gesprächen, in denen die Frauen einander gegenüber sitzen, wird gerade bei kontroversen Themen genutzt. E-Mail-Kommunikation stellt sich aber als durchaus geschätzt und geeignet heraus, wenn es darum geht die Gespräche fortzusetzen und zu ergänzen oder sie als "Begleitung" Teilnehmenden zu verwenden.
Nach dem konstruktiven Gespräch diskutieren wir zur Zeit, wie wir mit den dieser Vorgabe (Reglement des Nobelpreiskomitees) umgehen wollen. Die Koordinatorinnen brauchen Klarheit, um den möglichen Friedensfrauen die Vorgehensweise erklären zu können. Deshalb findet zur Zeit ein intensiver Austausch per E-mail statt – quer durch die ganze Welt. (Newsletter 2003/3)

für die tägliche Arbeit der

Gerade diese begleitende Funktion von häufigem E-Mail-Verkehr zwischen dem Organisationsbüro in Bern und den Koordinatorinnen und Friedensfrauen in aller Welt entsteht aus der Notwendigkeit

geographische Distanz zu überwinden und Hindernisse, die aus anderen äußeren Zusammenhängen erwachsen zu überwinden. Die Organisation verfolgt die bewusste Strategie, die Kommunikation mit den Mitwirkenden des Projektes auch persönlich wahrnehmbar und erlebbar zu gestalten und reale Begegnungen zu initiieren (Reisen /

151 Koordinatorinnentreffen), was auch aus den Begründungen für die rege Reisetätigkeit der Projektkoordinatorinnen hervor geht.
"Da viele der Fragen aus dem spezifischen Kontext der Koordinatorinnen auftauchen, ist es oft schwierig, diese Fragen von der Schweiz aus zufrieden stellend zu beantworten. Deshalb reist Rebecca Vermot im November/Dezember zu 8 Koordinatorinnen. Es geht darum, ihre Arbeitsrealitäten kennen zu lernen, Schwierigkeiten und Möglichkeiten zu diskutieren und mit ihnen offizielle Termine wahrzunehmen. Es geht aber auch darum, drei neue Koordinatorinnen willkommen zu heissen und sie in ihre Aufgabe einzuführen."(Newsletter 2003/3)

In diesen real erlebbaren Gesprächen geht es meist um das gegenseitige Verstehen und Wahrnehmen der unterschiedlichen Standpunkte,

wohingegen in der Netzkommunikation bestätigt und bereits Bestimmtes und Beschlossenes gemeinsam gefestigt und versichert wird.
"Doch, so Ruth-Gaby Vermot am Schluss der Konferenz, wurde das Verstehen und Verständnis für die verschiedenen Ansichten erarbeitet."(Newsletter 1/2004) "Solche Probleme werden immer wieder diskutiert. Sind sie zu komplex, um per Email gelöst zu werden, telefonieren wir mit den Koordinatorinnen so oft es notwendig ist und das Problem gelöst werden kann." (Newletter 2/2004) "In dieser Aufbauphase ist es wichtig, diese Arbeit eng zu begleiten. Es tauchen immer wieder Fragen auf, wie denn die Organisation der Arbeit aussehen könnte,"3/2003

Die

Zuschreibung

verschiedener

Kommunikationsräume

zu

unterschiedlichen Kommunikationszielen ergibt sich einerseits aus den kulturellen Eigenheiten, andererseits sind ähnliche Tendenzen abzulesen, wenn es um Vertrauen und Wahrhaftigkeit in der Kommunikation geht. Hier setzten die Frauen auf ihre "Menschenkenntnis" also auf direkt erlebte Kommunikationssituationen. Besonderes Gewicht erhält dies in Ländern mit totalitären Regime oder/und geringer Meinungsfreiheit.
"We also do not have this socialisation of individualism, as they have in Europe and the US, and our culture is based on real social contacts and then you can communicate through internet but only for them who can write and read in English, so we can not communicate with them!"( Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong, Thailand) "For me and my experiences also with the project of the 1000peacewomen is, that in Europe it is very easy and very quick to communicate with emails rather if

152
you know each other personally or not, isn´t it. No need to have face to face meetings. In Asia I mentioned e-mail is really a threat to them, in my country we are very socialized, only when we know good, like me and my friend – we use instant messagers and make online communication just for fun, as well as for increasing our knowledge, we can use the internet." (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong, Thailand) "Especially if have someone in a country, I already know, for the new groups and the new peoples in the network it is important to have direct contact." (Supawadee Petrat (Kratae), Koordinatorin Maikong, Thailand)

Dieses Ergebnis kann auch vor dem Hintergrund der zeitlichen Dimensionen des Projektablaufes bestätigt werden. Nach der

Konzeptionsphase setzte rege Netzkommunikation ein, die vor allem während der Vernetzungs- und Nominationsphase noch zusätzlich mit den Onlinenominierungen anwuchs. Die Treffen wurden hingegen

hauptsächlich rund um diese Vernetzungs- und Nominationsphase gesetzt, denn dort ging es zumeist um die gemeinsame Zieldefinition und die Abstimmung unter einem weitem Spektrum unterschiedlicher

Standpunkte, die sich via E-Mail nicht als solche bewerkstelligen ließen.
"Wir haben in einer ersten Phase in unserem Bekanntenkreis nachgeforscht.In einer zweiten Phase fragten wir FreundInnen und Organisationen im In- und Ausland an:In der Schlussphase halfen uns schliesslich bereits angefragte Frauen – also unsere Koordinatorinnen –ein neues, breiteres Netzwerk knüpfen " (Newsletter2/2003)

Um in Kontakt zu kommen reicht mitunter die Begegnung im virtuellen Raum, die Vertrauensbasis für gemeinsames gerichteten Vorgehens zu begründen, verlangt innerhalb des Projekts die Begegnung von Angesicht zu Angesicht, dem aufgrund der Unmittelbarkeit eine ganz andere, mitunter besonders emotionale Informationsebene zugeteilt wird:
"If I am able to look in your face, I am able to stand the seriousness about what you are protecting to me. Well, if I read something, this is very cold! In the most cases in Africa reading is not as useful …okay of corse there are a lot of people who can write and also are very well reading. But otherwise you have to connect them else way so I touch your face for your seriousness!" (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

Die Vertrauensbeziehung, die im virtuellen Raum möglich ist, steht also im engen Zusammenhang mit der Vernetzung innerhalb der sich die

153 Kommunikationspartner bewegen. Dabei wird aber auf reale

Erlebnisse zurückbezogen und übertragen, die im Gegensatz zu den virtuellen Infos zu einer Person in den Vordergrund treten.
So for example as you wrote me your mail, and I knew - okay - you are working with Rebecca, and I have seen Rebecca – so I knew – you are like Rebecca. You see, so I could imagine who you are. That’s the reason, why face to face communication is that important to us! It is much more powerful because it is possible to touches emotions and some kind of physical contact can engage you from what I’m saying. Words themselves can carry different meanings, I mean I can write something and it is my own way but someone else understands it different." (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika)

In Netzwerken, die auf realen Bezügen und Begegnungen basieren, erscheint gemeinsames gerichtetes Vorgehen auf der Basis virtueller Netzkommunikation jedoch dann ganz selbstverständlich zu geschehen.
In these seven countries lot of the organisations already have internet, so to coordinating with them, we are all the time using the internet. To inform them, we have put that on a Website, and most of our information we give to these NGO´s on the internet. (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka) But because - most of the coordinators here are selected because of their network capacity and because we have people working at the grassroot level. So we are connected with them and the grassroot people have contact with some people who have internet-access. So we reach the people that are connected to the internet trought people that are connected. This is the only way we can do it and I don´t think you can improve this without revolutionizing the whole world and giving access to people. (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

Ein weiterer Aspekt, der im vorangegangenen Zitat bereits sehr deutlich in Erscheinung tritt, ist die Ausbreitung eines sozialen Netzwerkes über die Grenze der Virtualität von Netzkommunikation hinaus. Im Fall der Organisation 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 bedeutet dies, die Partizipationsmöglichkeiten der Friedensfrauen auszuweiten, indem Öffentlichkeit für die Thematik der Friedensfrauen geschaffen wird. 4.6.2 öffentlich / privat Viele Hoffnungen der feministischen Debatte bezüglich der

Netzkommunikation gründen darin, dass diese neuen Räume von

154 Öffentlichkeit es möglich und notwendig machen, die gesellschaftlich fortgeschriebenen Kategorien von öffentlich und privat neu zu verhandeln. Die tradierte Zuschreibung, was öffentlich ist und was privat, kann in diesem neuen öffentlichen Raum, der noch nicht von tradierten Zuschreibungen vereinnahmt ist, neu konstruiert werden (vgl. Schachtner 2002b, Schachtner 2005b: 185, u.a.). Ziel der gemeinsamen Aktion ist es dann, die Friedensarbeit von Frauen auch dort sichtbar und öffentlich zu machen, wo ihr Engagement oder der Konflikt bzw. Missstand, den sie bearbeiten, im jeweiligen kulturellen Kontext vielfach dem privaten Bereich zugerechnet wird. Hier sei - nur als eines von vielen möglichen Beispielen für die strukturelle Repression, die hinter dieser gesellschaftlichen Trennung von privat und öffentlich steht - eine Situation in Pakistan angesprochen, wie sie sich im Reisebericht der Projektkoordinatorin Rebecca Vermot äußert, angesprochen:
Traditionelle Denkmuster verbieten den Frauen am öffentlichen Leben teilzunehmen und weisen ihnen die Rolle im Haushalt und bei der Kindererziehung zu.(Rebecca Vermot in einem Reisebericht - Newsletter 1/2005) Einmal mehr erkenne ich die Wichtigkeit unseres Projektes, als eine Frau über sich häufende Selbstverbrennungen von Frauen berichtet. Sie fühlt sich dieser Art Protest und Verzweiflung gegenüber hilflos und allein. Als ich ihr erzähle, dass in Indien Organisationen in dieser Thematik arbeiten, verlangt sie sofort Kontakte, um Erfahrungen auszutauschen. Ist das Netz der 1000 Frauen erst einmal gespannt, werden solche Kontakte vereinfacht stattfinden können. (Rebecca Vermot in einem Reisebericht – Newsletter 2/2004)

Wenn pakistanische Frauen im Rahmen des untersuchten Projekts diese Problematik weltweit bewusst und sichtbar machen kann dies als eine weltweite Friedensarbeit angesehen werden, die für regionale

Problematiken auf globaler Ebene Öffentlichkeit schafft.
"wie denn die Organisation der Arbeit aussehen könnte, wie Öffentlichkeit geschaffen werden kann, wie vorgegangen werden soll."(Newsletter 3/2003)

Angesprochen soll nicht nur die Solidarität der Freidensarbeiterinnen weltweit werden, sondern gerade auch eine breite Medienöffentlichkeit:

155
"Zu diesem Zeitpunkt (Workshop Aug. 2003) werden wir auch die Gelegenheit wahrnehmen, an die Presse zu treten, und das Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen."(Newsletter 1/2003) "Ein zentrales Thema war der Zeitpunkt der Namensbekanntgabe und die damit verbundene Medienarbeit. Am letzten Tag fand in diesem Zusammenhang ein Medientraining für die Koordinatorinnen statt, in welchem häufige, aber auch schwierige Fragen diskutiert wurden und gemeinsam nach Antworten gesucht wurde."(Newsletter 2/2005)

"Wir werden in unserem Film das Scheinwerferlicht nicht auf alle 1000 Frauen richten können.(4/2004 Gabriela Neuhaus, Offroad Reports GmbH)"

Die Dokumentation und daraus resultierende Produkte gehören dabei ebenso zu den Instumenten um Öffentlichkeit zu erreichen, wie die Website bei der jedoch die Verbreitung nicht näher kontrolliert wird.
"also wir haben da keine Übersicht, wo wir überall bereits wahrgenommen wurden und wie das dann auch dorthin kommt, aber es kommt hin" (Maren Haartje, Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa)

Und oft wird Zweifel laut, ob dieses Organisationsziel überhaupt anhand der Netzkommunikation erreicht werden kann:
"So having the internet the positives and the negatives of it: it gives us as quickly the possibilities but at the same time it is no guarantee that someone will notice you or that someone responds, and also the language barriers and the accessibility of it …" (Nomvuyo Skota Dayile, Koordinatorin Südafrika) This already makes a gap between these that information has, and these who have not. So we are aware of that! (Kamla Bhasin, Koordinatorin für Indien Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka)

Weitestgehend wird von der Organisation versucht, die Menschen des Projekts, ihre Arbeit, Ziele und unterschiedlichen Ansichten möglichst unverfälscht darzustellen.
"wir sind sehr transparent, informieren, wer steht hinter dem Projekt, dazu dient auch unsere Website, da sieht man auch die Gesichter, die Gesichter des Vorstandes, der Koordinatorinnen, das kommt gut an und ist unverfälscht." (Maren Haartje,Projektmanagement und Koordinatorin für Nord – und Westeuropa)

156 Der Wille zu größtmöglicher Transparenz und das Ziel die

Friedensfrauen sichtbar zu machen stoßen an den Widerspruch, dass vielen nominierten Frauen aus der Veröffentlichung ihres Namens, ihrer Identität als Friedensfrauen auch Schaden oder Gefahr erwachsen kann.
"Das besprechen wir mit jeder Frau, wenn nicht dann anonymisieren wir das Porträt, die frage ist halt dann immer, ist die Veröffentlichung gefährdend? Es kann einer auch Schutz bedeuten! Wenn ich an die Friedensnobelpreisträgerin vor zwei Jahren denke aus Burma … da denke ich der Friedensnobelpreis hat sie geschützt! " (Rebecca Vermot, Projektkoordinatorin, Schweiz)

157

5 Fazit
Die Erforschung der Netzkommunikation, wie sie unter den Frauen des Projekts 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 stattfindet, zeigt, dass die Durchführung von sozialen und politischen Vernetzungsvorhaben auf globaler Ebene durch den Einsatz digitaler Netzkommunikation wesentlich erleichtert und mitunter überhaupt erst möglich wird.

Netzkommunikation kann in diesem Fall als ermöglichende kommunikative Basis gesehen werden, ohne die das erforschte Projekt in dieser Form nicht durchführbar gewesen wäre. Der Cyberspace schafft im gegebenen Fall einen globalen „Frauenraum“, der jedoch stets jenen vorbehalten bleibt, die auch (Internet-) Zugang haben. Der Versuch, die Sphäre der virtuellen Vernetzung durch die kommunikative Vernetzung ihrer realen Sphäre zu erweitern, kann als Kommunikationsstrategie der Frauen des Projektes erkannt werden. Das heißt die Netzkommunikation der beobachteten Teilnehmerinnen bezieht ihre generelle kommunikative Vernetzung mit ein. Aus einem

Wechselspiel von vermittelter Netzkommunikation und direkter realer Kommunikation lassen die Frauen ein enges Geflecht von Vernetzung entstehen, das virtuelles Geschehen und reales Kommunikationsraum miteinander verbindet und verwebt. Welche Kommunikationsform in welcher Situation eingesetzt wird, orientiert sich einerseits an der Prämisse, Verständigung herstellen zu wollen, andererseits an den pragmatischen Zielen ihres gemeinsamen Vorgehens. Die Teilnehmenden an der zentralen Projektarbeit bringen viel an Diversität in das Netzwerk ein, die Kommunikation weist einen hohen Grad an Interkulturalität auf. Die Fallbeschreibung schildert differenziert, wie Frauen in verschiedenen Regionen und Kulturen ihren sprachlichen, persönlichen und technischen Zugang zu den neuen Medien finden und

158 wie sie gemeinsames globales Vorgehen im Alltag koordinieren. Wie dabei gezeigt werden konnte, ist den Frauen des Teams diese Diversität bewusst, wurde von ihnen als solche wahrgenommen und sie reagierten in beobachtbarer Art und Weise darauf. Zum Teil hatten die Frauen auch bezüglich ihres professionellen Backgrounds als Friedensaktivistinnen einen kompetenten Zugang zu der Thematik multikultureller

Verständigungsprozesse, was das Miteinander innerhalb des Netzwerkes auf eine gemeinsame Basis von Professionalität und Toleranz hob. Sprachliche Grenzen erscheinen (mitunter mit Hilfe Dritter, die als Übersetzerinnen fungieren,) als relativ leicht überwindbar. Auch die Diversität hinsichtlich ideologischer Unterschiede wird von den Frauen nicht als trennend erlebt, sondern als Kristallisationspunkt für Dialog, Diskussion und Meinungsaustausch genutzt. Für die Frauen des Projekts stellt die besondere Vielfalt innerhalb ihrer Gruppe subjektiv kein Hemmnis in ihrer Netzkommunikation dar bzw. sie wird als durchaus überwindbar wahrgenommen. Sehr direkt sprechen die Frauen jedoch an, dass sie die aufgrund der unterschiedlichen Ressourcenverteilung ungleichen

Zugangsmöglichkeiten zu Internetanschlüssen, zu Informationen, zu neuen Kommunikationsformen und zur gestaltenden bzw. publizierenden Teilnahme an der Netzkommunikation als trennend, abgrenzend und die Kommunikation erschwerend empfinden. Die Frauen äußern ein sehr waches Bewusstsein dafür, gemeinsam Kommunikationsformen und Kommunikationssituationen zu wählen, die ihrem Bestreben nach Chancengleichheit, Pluralität und Gleichberechtigung auch innerhalb der Projektgruppe entsprechen. Die Wahl fällt vor allem dann auf die Netzkommunikation, wenn es darum geht geographische

Kommunikationshemmnisse zu überwinden. Die Gespräche mit internationalen Friedensaktivistinnen zeigten, dass sich virtuelle Kommunikationshemmnisse im alltäglichen Arbeitsprozess

hauptsächlich aus der Ressourcenknappheit, also der wirtschaftlichen Situation der Friedensarbeiterinnen, ergeben, was von den Frauen als

159 besonders 'einschränkend' erlebt wird. Das Spektrum der subjektiv wahrgenommenen 'Schranken', von denen die Aktivistinnen berichten, umfasst auch medienpolitische Implikationen, wie die Thematik der Meinungsfreiheit oder des Datenschutzes in der Netzkommunikation. Die Aus- oder Nebenwirkungen neoliberaler Globalisierungstendenzen oder das strukturelle Gewaltverhältnis im Nord-Süd-Konflikt werden von den Frauen als wesentliche Mechanismen der Ungleichheit in der

Netzkommunikation angesehen. Im Gegensatz dazu erleben die befragten Friedensfrauen

Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede, ideologische Differenzen und geografische Entfernungen als eher überwindbar. Die wahrgenommene Diversität möchten sie in ihrer (virtuellen) Gemeinschaft gar nicht 'einebnen', sondern einbeziehen. Die äußeren Zusammenhänge haben somit eine stärkere Wirkung auf die technische Systeminfrastruktur, als dies für die persönlichen Aspekte der Teilnehmenden zu beobachten war. Schon bei der Auswahl der Koordinatorinnen wurde von der Organisation darauf geachtet, dass die Koordinatorinnen des Projekts einen

Internetanschluss zur Verfügung haben, im weitesten Sinne an den Einsatz des Internets gewöhnt sind und regelmäßig erreichbar bleiben. Die globale und lokale Vernetzung von Friedensfrauen, wie sie hier vorliegt, tritt aber nicht als Netzgemeinschaft (Mailing-Group, Forum, Internetplattform etc.) in Erscheinung. Die Netzkommunikation war nicht an eine spezielle Form digitaler Kommunikation gebunden, die Präsenz der Akteurinnen im Cyberspace wird nicht über eine bestimmte Art der Kommunikation organisiert, die sie als Gruppe identifiziert. Die vorrangig verwendete Netzkommunikationsform innerhalb des Projekts war das EMailing, also das Versenden und Empfangen von elektronischer Post bzw. von Gruppenaussendungen wie dem Newsletter. Die Gruppe von Frauen wurde also, wie bereits erwähnt, nach ihrer Erreichbarkeit durch digitale Netzkommunikation ausgewählt, also danach,

160 ob sie an der digital vermittelten und Projekt koordinierenden Kommunikation teilnehmen konnten. Bei den nominierten

Friedensarbeiterinnen, die von den Koordinatorinnen in ihren Regionen eruiert werden sollten, war dies nicht immer der Fall. Die Vernetzung der Friedensfrauen aller Trackebenen basiert auf Kommunikation, ungeachtet ob diese digital erfolgt oder nicht. Kommunikation an sich ist das wesentlichste Werkzeug ihrer globalen Vernetzung. Frauen in GrassrootInitiativen sind zumeist nicht per Netzkommunikation erreichbar, dies gilt zwar nicht überall im selben Maß, trifft aber bemerkenswerterweise auch für die Regionen mit hoher Internetverbreitung wie Europa und Amerika zu! Die Annahme, dass sich mit zunehmender Nähe zur Konfliktsituationen, mit zunehmender Nähe zu geographisch/geopolitisch heiklen Gegenden oder auch mit zunehmender Nähe zu sozial marginalisierten Bereichen und gesellschaftlichen Konfliktthemen, die potentielle Möglichkeit

netzkommunikativen Handelns verringert, wurde durch die Auswertung der Daten bestätigt. Ein Indiz dafür sind die vor allem von Frauen, die in Krisengebieten leben, häufig thematisierten Bedenken bezüglich der Datensicherheit. Innerhalb des Projektverlaufs ergibt sich der Widerspruch, dass das klare Ziel (Sichtbarmachung weltweiter weiblicher Friedensarbeit) mit der Tatsache kollidiert, dass viele Frauen vermehrten Repressionsversuchen oder auch konkreten Gefahren ausgesetzt sein könnten, wenn ihr Engagement in der medialen Öffentlichkeit bekannt wird. Im Projekt wurde mit dieser Problematik so umgegangen, dass Netzkommunikation den virtuellen Raum auch als eine Art von "Schutzraum" konstruiert. Damit ist gemeint, dass zwar im Rahmen der Vernetzung eine Teilöffentlichkeit konstituiert werden kann, dass aber die mediale Öffentlichkeit dosiert ausgeschlossen wird, um die Frauen zu schützen.

161 Die Kommunikationsstrategie der Koordinatorinnen umfasste somit auch Aktivitäten, die das entstehende Netzwerk über die Grenzen der Vermitteltheit durch Netzkommunikation hinaus ausweiten sollten, mit dem Ziel, die Netzkommunikation in der real erlebbaren

Kommunikationssphäre des direkten Gespräches fortzuführen. Zugleich gelingt es dem globalen Austausch der Projektgruppe via

Netzkommunikation, die regionalen Friedensarbeiterinnen und ihre Anliegen ins (virtuelle) Netz zu holen und ihnen und ihren Anliegen im virtuellen Raum Platz zu bieten. Dies geschieht im Rahmen des erforschten Projekts sowohl als Thematisierung und Sichtbarmachung auf breiter öffentlicher Basis, als auch im Sinne der Bildung von

Gegenöffentlichkeit im globalen Kontext. Somit wurden traditionelle, regionale, wie auch virtuelle Netzwerke der Friedensarbeit verbunden und die Netzkommunikation über die Grenze eines globalen virtuellen Austausches hinweg bis auf die Ebene regionaler Konfliktthemen erweitert. Hier erwies sich vor allem der Newsletter als jenes Podium, das sich im Laufe des Projekts zu einer Plattform der Information und des gegenseitigen Austausches entwickelte und auch den Koordinatorinnen in den Regionen das Wort erteilte. Vor dem Hintergrund der zeitlichen Struktur des Projektverlaufs kann festgestellt werden, dass die Vernetzungsphase, in der zuerst die Koordinatorinnen gesucht wurden, wie dann auch die Nominationsphase, in der die 1000 Friedensfrauen gesucht wurden, das intensivste Aufkommen von Netzkommunikation verursachten. Persönliche Aspekte und äußere Zusammenhänge konnten als maßgeblich dafür bestätigt werden, wie die Teilnehmenden die Netzkommunikation in

zwischenmenschlichen Beziehungen (Kontakt aufnehmen, kennen lernen, Informationen austauschen, Kontakt aufrechterhalten, gemeinsames Vorgehen planen etc.) innerhalb der Projektarbeit für sich einsetzten. Sobald nun aber die gemeinsamen Absichten und Ziele klar waren, konnte

162 Netzkommunikation schon allein durch die Überwindung

geographischer Entfernungen dem Projektteam viel an koordinierender, unterstützender und gemeinschaftsbildender Kommunikation leisten. Das E-mailen, als alltägliche Netzkommunikation, erscheint den Frauen des Projekts als selbstverständlich und kaum erwähnenswert. Dies zeigte sich bei der Auswertung des Newsletters insofern, als Face-to-Face Events, Meetings, Treffen bei Vorträgen etc. besonders häufig Erwähnung fanden. Die Diversität der Frauen äußert sich sowohl im Umgang mit als auch im emotionalen Zugang zu Netzkommunikation. Hier reicht das Spektrum von Angst vor den Neuen Medien und dem, was sie an Veränderungen bewirken, über Misstrauen bezüglich Datensicherheit und Anonymität bis zu Genervtheit oder Überforderung durch Informationsflut, Arbeitsaufwand und technische Unzulänglichkeiten (Spam-Post etc.). Die technologische Entwicklung der Neuen Medien – insbesondere des Internets – ermöglicht einen globalen Austausch von Information, wie er bisher nicht möglich war. Zugleich werden auch bisher nicht

organisierbare Vernetzungsformen begünstigt. Im Cyberspace werden nationalstaatliche Grenzen dünn und durchlässig, vor allem die

Vernetzung internationaler NGOs sowie die zunehmende Verbreitung digitaler Kommunikationsmedien stärken das globale Miteinander der zivilen Gesellschaft(en) und erzeugen ein Zusammengehörigkeitsgefühl trotz wahrgenommener Verschiedenheit. Aus der digitalen Vernetzung entstehen neue Formen grenzüberschreitender Kooperation und

Kollaboration. Die Analyse der Daten ergab, dass vor allem die Vernetzung von internationalen und nationalen NGOs den

zivilgesellschaftlichen Interessen von Friedensinitiativen auf regionaler Ebene den virtuellen Raum eröffnet. Wo Internetzugang aufgrund äußerer Zusammenhänge für Frauen in der Friedensarbeit schwer realisierbar ist, ermöglichen oft die NGOs die Teilnahme an der Netzkommunikation und erleichtern die Entwicklung von diesbezüglichen Medienkompetenzen. Generell sind die Friedensfrauen des Projekts selten bis kaum private

163 Nutzer von Netzkommunikationsangeboten, ihr Zugang ergibt sich aus der Arbeit für eine NGO oder im Rahmen ihres Berufen bzw. Engagements. Bei der Analyse der äußeren Zusammenhänge in den einzelnen Regionen zeigten sich sehr große Unterschiede, oft trotz geographischer Nähe, und zwar sowohl hinsichtlich sozialer Gefälle als auch hinsichtlich der nationalen Besonderheiten (bspw. vgl. Philippinen und Thailand). Diese Unterschiede zeigten sich natürlich nicht nur hinsichtlich der technischen Dimension der vorhandenen Infrastruktur sondern auch hinsichtlich kultureller Ausprägungen von Gesprächskultur und einer hohen Diversität an Zeichensätzen und Sprachen etc. Erreichbarkeit an sich und die Erreichbarkeit durch Printmedien, elektronische oder digitale Medien ergeben ein Wechselspiel, das sich vor allem in den

Kommunikationsstrategien der einzelnen Koordinatorinnen für ihre Region zeigt. So gibt es z.B. in Brasilien und Südamerika elektronische Medien und Printmedien wohingegen in den ländlichen Gebieten Afrikas und Asiens nur die mündlich weitergegebene Information sowohl ihr Ziel logistisch und inhaltlich erreicht und damit immer noch am effizientesten ist. Welche Formen der Netzkommunikation unterstützen nun auf der Basis der hier erfolgten Erforschung globaler Vernetzung weiblicher

Friedensinitiativen die Arbeit der Frauen in den unterschiedlichen Regionen? Schon lange vor der Wahl der netzkommunikativen Form beschränken die gegebene technische Infrastruktur und die technischen Anforderungen, die die Netzinitiatorinnen an ihre Zielgruppe stellen, bereits den Zugang zum Netzwerk. Das ist jedoch eine bereits auf der Seite der Netzinitiatorinnen vermeidbare Beschränkung. Gerade die technologischen Hürden digitaler Vernetzung und die Ermöglichung von Kommunikation stellen sich als jene Problemdimension dar, für die hier handlungsrelevante Forschungsergebnisse vorgelegt

164 werden. Kriterien für die Strategien, die in den Initiativen auch umsetzbar sind und die Organisation virtueller Vernetzung sowie die Schaffung von globalen virtuellen (Frauen-)Räumen begünstigen, folgen in übersichtlicher Aufzählung im Laufe des Textes. Wenn Frauen verschiedener Länder und Kulturen mit unterschiedlichen sprachlichen, persönlichen und technischen Zugängen zum Internet im virtuellen Raum zusammenarbeiten möchten, ergibt sich die faktische Notwendigkeit einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, der die größtmögliche Diversität auf einer Plattform vereint. Bisher gelingt dies vor allem dem E-Mailing, was mitunter damit begründet wird, dass hier eine virtuelle Entsprechung für ein sehr altes und wohlbekanntes

Informationssystem – die Post – gefunden wurde. Vom technischen Standpunkt aus betrachtet, liegt der Vorteil des E-Mailings darin begründet, dass es ein Übertragungsprotokoll zur Verfügung stellt, welches große Diversität zulässt. Unabhängig von der jeweiligen technischen Infrastruktur (Betriebssystem, Mailprogramm) der Nutzerinnen stehen die Informationen zur Verfügung (geringer

Datenübertragungsaufwand bei Text) und zum Austausch bereit (Abruf der Infos von verschiedenen Rechnern, Webmail-Anwendungen etc.). Die Anforderungen, die an die technischen Arbeitsmittel gestellt werden und die ausschlaggebend sind, wenn über den kleinsten gemeinsamen Nenner einer virtuellen Gruppe großer Diversität entschieden wird, sind folgende:
Kleinster gemeinsamer Nenner: "Je weniger Know-how, Equipment und Software, Datenübertragungsrate und Speicherplatz benötigt werden, umso Ressourcen sparender und dadurch leichter zugänglich tritt die virtuelle Arbeitsgemeinschaft auf. Größte Vielfalt Je unterschiedlicher das Equipment, die Software, die Sprachen/Zeichensätze, die Struktur und die Kommunikationsziele in der digital vermittelten

165
Zusammenarbeit sein können, desto eher wird eine UserInnen-Gruppe hoher Diversität diese Werkzeug einzusetzen wissen. Mitgestaltung Je mehr Möglichkeiten der Mitgestaltung auf Ebene der Kommunikationsziele, der Inhalte und deren Strukturierung, aber auch des Programm-Codes jede/r einzelne Netzakteur/in hat, desto konkreter entspricht das Netzwerk einer Umgebung gleichberechtigten Zusammenwirkens" (Neumayer 2005 i.V.)

Um die vorhande technische Systeminfrastruktur bestmöglich für das gemeinsame Vernetzungsvorhaben zu optimieren und der

angesprochenen Zielgruppe von Frauen nicht den Zugang auf technischer Ebene zu erschweren, sollten folgende Faktoren beachtet werden: Betriebssysteme / Hardware: Welche Betriebssysteme und welche Geräte verwenden die Netzakteurinnen? Browser: Mit welchen Browsern soll das Webinterface bedient werden? Internetverbindung: Bandbreite der Internetverbindung soll prinzipiell kein Zugangshemmnis darstellen (Datenübertragungsrate). Zusatzprogramme: Keine Dateiformate verwenden, die zusätzliche Player, Viewer, Editoren, PlugIn´s oder andere Zusatzprogramme erfordern und von denen nicht gesichert ist, dass die Netzakteurin die lizenzierte Software besitzt oder erreichen kann (Lizenzkosten der Userinnen). Software, die eine gemeinsame technische Plattform voraussetzt und damit der Nutzerinnen Kosten verursacht, ist zu vermeiden bzw. gut abzuwägen. Lizenzkosten : Die Lizenzkosten sollten sowohl für Netzinitiatorinnen finanzierbar sein als auch für die Netzakteurinnen möglichst gering gehalten werden oder ganz entfallen.

166 Usability: Die Handhabung der Software-Funktionen (Usability) sollte keine (bis kaum) Schulung erfordern und entsprechend

kollaborative Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten. Eingabe- / Ausgabegeräte: Welche Infrastruktur kann bei der Eingabe Verwendung finden respektive vorausgesetzt werden? (HandyTastatur, Braille-Zeile, Touchscreen etc.) Welche Infrastruktur steht für die Ausgabe zur Verfügung bzw. wird angesteuert: (HandyDisplays oder ähnliches, Bildschirmart und Auflösung, VoiceMonitor, Lautsprecher etc.) Lesen und Schreiben: Welche Mitgestaltungsmöglichkeiten bietet die Software, wie sind diese organisiert und strukturiert? Entsprechen sie den Konventionen und der Kommunikationsstruktur des angestrebten Netzwerks? (Lesen und Schreiben,

Rechtemanagement etc.) Sprachunterschiede: Abgesehen von der Möglichkeit parallel Sprachklons für die Informationsinhalte des Netzwerkes zur Verfügung zu stellen, muss auch in Betracht gezogen werden, dass andere Sprachen mitunter andere Zeichensätze verwenden. Von der technischen Systeminfrastruktur hängt letztlich auch ab, wer bzw. welche Zielgruppe Zugang zu diesem virtuellen Raum erhält. Hier wird bereits entschieden wer potentiell partizipieren kann und wer nicht. Aufgrund der Beliebtheit des Newsletters als gemeinsames Mittel, um Information mit Öffentlichkeitsanspruch zu kommunizieren, kann davon ausgegangen werden, das es eine wichtige Funktion von Software ist, allen Gruppenmitgliedern das Publizieren von Inhalten zu ermöglichen. Diese Funktion stellen viele Werkzeuge heute bereits zur Verfügung und eigenen sich dadurch für einen Netzkommunikation, die dem virtuellen Miteinander entgegenkommt. Überall dort, wo Frauen in ihrem Netzwerk

167 viele textbasierte Daten bereitstellen und untereinander austauschen möchten, wo textbasiertes Wissen geteilt oder erzeugt werden soll, wurde bisher zumeist auf der Basis von E-mails zusammengearbeitet.

Inzwischen erweist sich die kollaborative Inhaltsgestaltung wie sie WIKIs und ähnliche Webapplikation bieten, als das adäquate Werkzeug für die freie Meinungsäußerung im WWW. (s.a. Neumayer 2005) Gerade in der grenzüberschreitenden Vernetzung, oder Spencer in insbesondere NGOs, 2002) für ergeben diese in sich Form der viele der

Entwicklungszusammenarbeit Einsatzmöglichkeiten (vgl.

Netzkommunikation, die uns der Einlösung des Rechts auf freie Meinungsäußerung eine Schritt näher bringt. Ein WIKI ist die virtuelle Umsetzung der "Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten" (Artikel 19, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte).

168

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Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Projektphasen "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005" inkl. Legende .......................................................................... 88

179

I

II

Anhang und Primärquellen:
Newsletter:
10. Newsletter Juni 2005 (pdf) 9. Newsletter Januar 2005 (pdf) 8. Newsletter Oktober 2004 (pdf) 7. Newsletter September 2004 (pdf) 6. Newsletter Mai 2004 (pdf) 5. Newsletter März 2004 (pdf) 4. Newsletter Dezember 2003 (pdf) 3. Newsletter Oktober 2003 (pdf) 2. Newsletter August 2003 (pdf) 1. Newsletter Juni 2003 (pdf)

zu finden ONLINE im WWW unter http://www.1000peacewomen.org/de/html/news.php [2005-10-10]

Interviews:
1. Set an Interviews: Maren Harrtje, Projektmanagerin und Koordinatorin für Westeuropa, 24.6.2004, interviewt in Bern (Zeichenumfang: ca. 8.000) Rebecca 24.6.2004 Vermot, interviewt in Projektmanagerin Bern (Zeichenumfang: in ca. Bern, 22.000)

2. Set an Interviews, geführt in Walenstadtberg- Monte Vuala, nahe Zürich am 13.10.2004 im Rahmen des 3. Koordinatorinnentreffens.

III Kamla Bashin, Indien (Umfang ca. 5200 Zeichen) Nomvuyo Skota Dayile, Südafrika (Umfang ca. 8000 Zeichen) Supawadee Petrat (Kratae) Thailand (Umfang: ca. 6500 Zeichen) Mailinterview mit Paulyn Sicam, Philippinen geführt am 28.9.2004 (Umfang ca. 3000 Zeichen)

IV Maren Harrtje, 24.6.2004, Bern
Projektmanagerinnen, Maren Haartje, Akademische Referentin für feministische Bildung und Politik, war Aktivistin in der deutschen Friedens- und Ökologiebewegung. Von 1986-1988 arbeitete sie am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und ist seit 1989 Mitarbeiterin in der Schweizerische Friedensstiftung in Bern. Seit 1994 ist ihr Schwerpunktthema "Frauen in Friedensprozessen". Sie organisierte die Konferenz "War against Women - The Impact of Violence on Gender Relations" und initierte das Projekt "Conflict Resolution and Gender CraG". Von 1996-2003 leitete sie die FrauenRundtisch-Gespräche "Die Partizipation von Frauen in der zivilen Konfliktbearbeitung" und nahm in dieser Funktion als NGO-Vertreterin in Schweizer Delegationen an offiziellen Konferenzen teil. Sie absolvierte den Weiterbildungskurs "Konstruktive Konfliktbearbeitung und Mediation" (Berghof Forschungszentrum für konstruktive Konfliktbearbeitung Berlin) und das Nachdiplomstudium "Feministisches Grundstudium". (peacewomen.org)

Wie gestaltet sich der Projektalltag bezüglich der Verwendung von Neuen Medien? Wie gestaltet sich das Wechselspiel zwischen persönlicher und digitaler Netzkommunikation?

Das Ganze hat sich ja aufgebaut und ohne der Neuen Medien wären wir heute nicht so weit wie wir jetzt sind! Am Anfang war da die Idee dann waren das Gespräche und dann waren da Gespräche und Überzeugungsarbeit damit wir anfangen können – das vollzog sich vorrangig von Angesicht zu Angesicht. Dann, mit dem Aufbau der Website haben wir das alles in eine andere Kommunikationsstruktur fortgesetzt und heute ist das Internet das wichtigste Kommunikationsinstrument im Projekt. Im ersten Halbjahr haben wir (Rebecca) um die 5000 Mails auf unsere persönlichen Email-Accounts bekommen, dazu haben wir auch noch die Adresse des Infomail das viel mehr Anfragen darüber hinaus hat, wir haben Tage wo wir über hundert Mails am Tag beantworten, also Mailing ist sicher unser intensivstes Kommunikationsinstrument, danach das Telefon und das persönliche Gespräch!

V
Mit den Koordinatorinnen unterhalten wir ein Netzwerk in dem wir uns auch persönlich treffen, wir haben ja alle Koordinatorinnen kennen gelernt und persönlich angesprochen, da gab es vorab telefonische und persönliche Gespräche. Da gab es bisher auch zwei Treffen der Koordinatorinnen hier in der Schweiz, die ganz wichtig gewesen sind. So gab es die Möglichkeit direkt in Kontakt zu kommen. Darauf legen wir sehr viel Wert, deshalb reist eben Rebecca und besucht die Koordinatorinnen um sich vor Ort zu informieren und auch Unterstützung zu leisten, zu sehen wo gibt es Hindernisse, und da hat sich auch schon gezeigt das alle Koordinatorinnen sehr unterschiedlich auch mit dem Medium Internet umgehen, Heute kommunizieren wir alle über Internet, dazu wird ja dann auch Rebecca noch zu sprechen kommen, es gibt Regionalteams, Also ich bin also für den Bereich Westeuropa im Regional Team mit Fadila Memisevic aus Osteuropa Balkanregion, Marina Pikulina aus Zentralasien, Zainap Gaschajewa aus Russland und Larissa... die für Russland und GUS-Staaten zuständig ist, wir haben ja Überlappungen und gerade durch die Ostöffnung und die neuen GUS Staaten bekommen, wir haben aber auch Überlappungen mit den Friedensfrauen, die vorgeschlagen werden aber auch sonst, was sehr wichtig ist: Die Informationen, die wir weitergeben sind immer aus erster Hand, also nicht aus Zeitungen oder anderen Medien die ja dann oft sehr verfälscht wiedergegeben werden, oder aus der Perspektive des Mediums für die sie veröffentlicht werden. Hinweis auf Swiss-Peace Projekt das darauf auch aufbaut: FAST

Der persönliche Kontakt ist dennoch immer sehr wichtig deswegen werden wir uns im September in Moskau treffen, und dann eben noch mal vor Ort mit Institutionen sprechen die in diesem Netzwerk drinnen sind und berichten aber auch mit der Presse sprechen denn sobald etwas in der Zeitung stand oder auch im Radio war, das löst dann immer einen ganzen Schub an nachfragen aus, die dann immer ganz unterschiedliche bei uns Ankommen, das kann in Form eines handgeschriebenen Briefes sein, ein Telefongespräch, eben e-Mail, oder es kommt ein Fax rein mit der Anfrage: Wir haben da eine Veranstaltung könnten sie nicht als Referentin kommen und in so fern sind wir einfach auch auf die Medien angewiesen, weil das immer sehr viel Folgendes auslöst.

VI
Also, fasse ich das so richtig Zusammen: Die herkömmlichen Medien unterstützen die Bekanntheit des Projekts, das persönliche Gespräch hat vor allem vertrauensbildenden Charakter, welche Funktion übernehmen die digitalen Medien im Projekt.

Ja ! - Ähnlich! Eine Funktion hat es für die, die auf das Internet Zugriff haben und dieses Medium auch ganz intensiv nutzen, so ist das Projekt auch letztlich um die Welt gegangen. Es gibt immer wieder Kolleginnen und Kollegen aus ganz anderen Ecken der Welt, wo es dann zu Gesprächen kommt, „Ach du bist aus der Schweiz, ihr habt da ja so ein Projekt 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis...“, also wir haben da keine Übersicht, wo wir überall bereits wahrgenommen wurden und wie das dann auch dorthin kommt, aber es kommt hin. Wie die Friedensfrauen jetzt auch diese Möglichkeiten der Neuen Medien einsetzten ist noch nicht klar. Es wäre spekulativ aber ab Oktober, wenn alle Nominationen eingebracht sind wissen wir auch wie viele der 1000 Nominationen sind nun übers Internet gekommen, was ist per Post oder Fax gekommen und so weiter!

Was gibt es für Euch in der alltäglichen Organisationsarbeit für genderspezifische bzw. soziale Aspekte bezüglich der digitalen Medien!

Ja in erster Linie mal die Einschränkung wir können nur mit jenen digital in Kontakt treten die überhaupt einen Zugang haben! Sei es einerseits von der Ausbildung und andererseits von den technischen Möglichkeiten – das ist schon eine Elite irgendwo, die meisten sind ja davon noch entfernt und haben diese Möglichkeit nicht. Eine Fragestellung die mich persönlich an deiner Arbeit interessieren würde wäre wie ist das in anderen Regionen wo es beispielsweise in Internetcafes gibt, wie werden diese von den Frauen genutzt, wie hoch ist der Anteil an Frauen wie hoch der von Männern, wie kommen die Frauen da dran und wann kommen die Frauen da dran, nach der Reihenfolge oder kommen sie dran wenn alle Männer an der Reihe waren? Werden sie gedrängelt und das sind so Sachen die es mal interessant wäre zu erfragen, auch in bezug auf deine Fragestellung. Aber wie gesagt, welchen Stellenwert das für die Frauen in der Friedensarbeit hat, können wir erst sagen wenn die Nominationen durch sind, oder auch einige

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Koordinatorinnen anzufragen, wie sie das eigentlich machen. Dabei kannst du beispielsweise auch einige Fragen direkt an die Koordinatorinnen schicken damit die das beantworten.

Was möchtest du nun noch ergänzend zu diesem Gespräch noch anmerken, was ist dir darüber hinaus noch wichtig?

Beispielsweise die Generationenfrage, ich habe die Befürchtung, wenn nur noch digital kommuniziert wird, so wichtig das auch ist Informationen aus erster Hand zu haben, aber das auch irgendwo das Gespür über die Wahrheit verloren geht, das Gespür das man einfach hat und gelernt hat, Menschen einzuschätzen denen man gegenübersitzt und dass das ganz wichtig ist! Wir haben ja sehr viele, die über die Informationen verfügen, die alle Informationen – auch über das Internet zugeschickt bekommen haben, aber darüber hinaus dann das persönliche Gespräch einmal möchten und erst dann entscheiden, wie sie uns unterstützen wollen. Es sind nicht nur einfach Fragen, die geklärt werden, das könnte man ja teilweise auch über das Internet organisieren, sondern auch um einfach zu wissen, wer und welche Menschen stehen dahinter. Wir werden generell sehr positiv aufgenommen also wir haben bei diesen tausenden von Anfragen und Kontakten und dem Austausch den wir bisher hatten, vielleicht gerade mal zwei, drei „dumme“ Bemerkungen erhalten. Das es so positiv aufgenommen wird, hat letztlich mit dem Inhalt des Projektes zu tun, wir sind sehr transparent, informieren, wer steht hinter dem Projekt, dazu dient auch unsere Website, da sieht man auch die Gesichter, die Gesichter des Vorstandes, der Koordinatorinnen, das kommt gut an und ist unverfälscht. Das wurde alles von Frauen entwickelt und gestaltet, die technische Umsetzung übernahm ein Mann, aber die Gestaltung, die Inhalte, das haben Frauen ins Leben gerufen. Letztlich kann ich das aber erst im Herbst sagen - und das ist wohl auch - also vor allem Information aus erster Hand zu bekommen, das mit den persönlichen Gesprächen kombiniert, so ist das Projekt eben auch um die Welt gegangen!

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Rebecca Vermot,
24.6.2004, Bern

Rebecca Vermot, studierte Journalistik an der Universität Fribourg und Politikwissenschaften an den Universitäten Konstanz (D), Bern und Genf. Ihre Lizenziatsarbeit verfasste sie zum Thema «Relevanz der Friedensinitiativen im Sudan» im Fachbereich Konflikt- und Friedensforschung. Sie arbeitete als Journalistin erst bei Schweizer Radio DRS (1998-2000) und später als Bundeshauskorrespondentin für Schweizer Radio International/swissinfo (2000-2002).( 1000peacewomen.org)

Das Projekt befindet sich gerade in der Nominationsphase, wie sieht das für euren Projektalltag aus? Wie gestaltet sich Projektalltag bezüglich der Verwendung von Neuen Medien?Wie gestaltet sich das Wechselspiel zwischen persönlicher und digitaler Netzkommunikation?

Also nominieren kann wirklich jede und jeder, die Nominationen kommen derzeit per Post, per Fax, die Leute schreiben uns auch per Schreibmaschine oder mit Hand, uns am liebsten natürlich wenn wir die Nomination über das Onlineformular bekommen, dann haben wir das gleich in der Datenbank. Hinweis auf die Vernetzung der Nominationen gibt, ob die nominierte Frau eine E-Mail hat, oder auch sogar eine Website hat. Aber wir sind vor allem auf der Suche nach Frauen an der Basis und da denke ich haben viele wirklich nicht den Zugang. Allein wenn ich an Afrika denke: Ganz spannend: ich war jetzt in Kenia, Burundi, Sudan und Malawi und überall hast du Internet-Cafes in denStraßen, die sind bei uns bereits verschwunden, die gab´s früher mal. Bei uns gibt es sie nicht mehr, weil jeder Mann - jede Frau inzwischen einen Computer und Internetanschluss zu hause hat, wenn sie will. In

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Afrika ist aber klar, wenn du Zugang haben willst zum Internet, dann musst du in ein Internet-Cafe gehen auch schon voll ausgerüstet mit Kameras, wo man da in die Kamera lächelt beim Chatten undso habe ich das bei uns nie gesehen.

Welche Erfahrung macht ihr in der digitalen Kommunikation mit Regionen in denen die Zensur eine große Rolle spielt? Beispielsweise China ect. Gibt es da Chancen für friedenspolitische oder demokratiepolitische Initiativen auf digitaler Ebene?

Ja und Nein! So wie ich das sehe und auch gelernt habe, ist in China die Zensur sehr groß, das heißt du kommst auf viele Seiten gar nicht rein! Auch mit der Überprüfung von Emails und so, also ich denke das ist nicht ganz unproblematisch, gerade da!

Wie sieht es mit den Staaten des ehemaligen ehemaligen Ostens diesbezüglich aus

Ich war nur in Usbekistan und da habe ich nur ganz wenige Internetcafes gesehen? Ich habe dort eine Organisation besucht und von dort weiß ich, die Frauen haben E-mail, sie arbeiten an Computern und sie gehen gerade mal einmal am Tag online, weil sie eben pro Minute bezahlen. Es ist schwer zu sagen welche Möglichkeiten die Frauen da mit diesen Medien überhaupt haben. Aber da funktioniert die Kommunikation sehr gut! Mal abgesehen von solchen Dingen wie den unterschieldichen Zeichensetzten, wenn wir da eine mail aufmachen und nur seltsame Hyroglyphen habe, sei es jetzt wegen des Modus HTML oder Plaintext oder auch wegen des MIME Formats – weiß ja auch nicht was, aber das kann die Kommunikation schon mal verkomplizieren! Aber da klappt die Kommunikation an sich recht gut, wir erhalten auch recht viel Onlinenominationen aus diesen Ecken der Welt! Dahingegen Indien zu Beispiel, da sind sie unglaublich mobil auch mit ihren Computern: Also Konferenz und Laptop und das Ding eingesteckt und zackzack da verzichten sie lieber auf einen Sessel, als auf einen Laptop den sie dann immer auf ihren Knien schnell mal aufbauen! ... Ich habe in Deli keine Internetcafes gesehen, aber die gibt es auch dort ganz

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bestimmt! Doch mit Indien ist dann die Kommunikation auf digitaler Ebene wieder schwieriger weil viele Frauen, gerade Frauen dort nie in einen Schule gegangen sind. Also da ist das Problem wie in Afrika auch in den Internetcafes sitzen die Männer! Und die Frauen müssen warten!

Mal abgesehen von den sprachlichen Barrieren, sind auch kulturelle Eigenheiten im Umgang mit den digitalen Medien zu bemerken? Da du meintest, mit den GU Staaten klappt das obwohl die nur ein paar Minuten Online sind pro Tag, ist das eine Mentalitätssache, gibt es interkulturelle Unterschiede, regionale Eigenheiten?

Ich habe nicht das Gefühl, das es ein interkultureller Unterschied ist, als eher ein Altersunterschied! Unsere beiden ältesten Koordinatorinnen sind einfach Computer- illiterates. Die Vera aus Malawi, die liest die Mails, die werden ihr ausgedruckt, dann beantwortet sie die Mails von Hand und die werden dann von ihrer Sekretärin abgetippt...und Tage später krieg ich dann eben die Antwort. Und auch die Vera aus Brasilien, das sind die beiden Ältesten, die hat auch sich eine Assistentin besorgt. Ich denke im Umgang mit den Medien besteht kein Unterschied, hab ich das Gefühl. Der interkulturelle Unterschied den kriegt man bei den Formulierungen mit. Also aus England bekomme ich knappe Einzeiler. Zack und Tschüss und aus Mali bekomme ich von der Fatomata „ Das Gott dir deine Gesundheit bewahre und hoffentlich ist deine Familie guten Mutes und so weiter Zeilen über Zeilen mit Begrüßungsformeln dann irgendwann erst kommt es zur Sache, aber das auch immer nur sehr durch die Blume... Die Konventionen die gesellschaftlich-kulturell üblich sind zeigen sich dann eben auch in den Mails wieder... Also ich habe den Eindruck es ist weniger ein interkultureller Unterschied auf der Ebene des technischen Gebrauches zu bemerken sondern eben im sprachlichen Bereich! Das ist auch für mich ... also ich kann nicht der Fatomata einen Einzeiler zurückschicken, das geht eigentlich nicht! Sonst wäre sie vielleicht vor den Kopf gestoßen.

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Bezüglich dieser Wirkungskreise – Ihr versucht ja auf verschiedenen Ebenen zu agieren, Frauen aus verschiedensten Wirkungskreisen einzubeziehen. Also von der Basis, den Grassroots über lokale und regionale Initiativen und eben dann auf nationaler und weiter bis globaler Ebene. Wie weit besteht hier eine Vernetzung auch digital, wie weit setzt sich diese Vernetzung in welchen Ebenen fort.

Die Vernetzung geht bis in die Basis aber technisch und digital gesehen... ich muß hier irgendwie einen Unterschied machen: Wir reden beispielsweise von Grassroot, nehmen wir eine Grassroot-Organisation... die hat dann wahrscheinlich einen Präsidentin, die Frage ist dann: Ist diese Präsidentin der Grassroot-Initiative immer noch „grassroot“ oder ist die nun schon „track 2“ . Das ist für mich immer noch ein großes Fragezeichen, wo ich immer noch nicht genau Bescheid weiß, wie da mit einer solchen Frage umgegangen werden soll, Prinzipiell geht die Vernetzung wirklich bis ganz unten, bis zu der Stufe zumindest von dieser Präsidentin zum Beispiel.

Frauen, die sich engagieren, möchten sich auch weiterentwickeln, beispielweise .. Ja genau .. eine Frau aus Kenia, die kommt aus Somali-Land, heißt Virgillia, da gab es immer so Konflikte und sie hat als Kind wirklich schlimme Sachen miterlebt, mit Ausgangssperre, die Schule wurde niedergebrannt, die Kinder wurden einfach physisch gequält und dann hat sie mit anderen jungen Leuten dann eine Gruppe gebildet und sich ausgemacht sie wollen Friedenserziehung durchsetzten. Also es war ein Peace Movement, aber es blieb ein Komitee weil sie sich diese Form des Vereins oder der fixen Organisation nicht geben wollten. Einfach auch weil es da Religiöse Unterschiede gab, sie waren Religionsdurchmischt, Völker durchmischt und wollten sich daher nicht so binden... und heute gibt sie jungen Leuten, die das machen was sie früher initiiert hat, Trainings. Das heißt sie hat sich weiterentwickelt. Und ich habe den Eindruck: Wenn diese Peacewomen ein Minimum an Bildung gehabt haben, und die Arbeit erfolgreich durchführen dann möchten auch irgendwann ihr Wissen ihr Know-how teilen und da entfernen sich dann zwangsläufig von der Grassroootsebene. Also wir sehen das auch an den Nominierungen, Wir haben da viele Frauen die waren mal Grassroot und sind jetzt eben schon einen schritt weiter, sind durch diesen schritt eben dann auch bekannter und haben

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Zugang zu Medien und ab diese Frauen besteht auch die digitale Vernetzung. Also es sind nicht die Frauen, die beispielsweise über den Fluss gehen und mit den verfeindeten Frauen – unter Anführungszeichen, die Felder bestellen um Nahrung für das ganze Dorf zu erwirtschaften, die nominiert werden, meist sind es die Frauen, die diese Frauen betreuen... Oft ist es einfach so: eine Frau hat eine Idee, wird dann irgendwie von den agencies entdeckt, worauf sie eben auch finanzielle Mittel für ihren Einsatz und ihre Arbeit bekommen können, dann wird aus der Idee dann ein Verein oder eine Teil einer größeren Organisation und schon sind die Frauen von dieser eigentlichen „ Grassroot“-Ebene“ eigentlich ein Stück weg!

Wie sind die Koordinatorinnen untereinander vernetzt? Gibt es da auch Kontakte, Kooperationen?? Ich kann das nicht sagen, ich erfahre solche Sachen eher per Zufall, aber sie sind schon in Kontakt miteinander. Also auch ohne unser CC oder was auch immer, und das finde ich auch gut so! Wir müssen das ja auch gar nicht wissen, denk ich mir. Dann manchmal bei Treffen kommen dann Forderungen und Ideen, wo ich das dann merke und denke ja –upp .. und es dann heißt: WE have discussed that....

Also da gibt es auch Barrieren, welche die eben dann ausgeschlossener sind. Ich weiß zum Beispiel, dass Nora und Klara im Austausch sind, weil sie auch einfach beide Südamerika zuständig sind, aber da ist ein Sprachproblem... die Nora spricht kein Englisch, Fatoma ist in Kontakt mit Cecil in Kenia aber sonst ist sie auch eher ausgegrenzt aufgrund der Sprache, wobei das nicht negativ zu beurteilen ist, denn das orientiert sich doch sehr an den Bedürfnissen und Interessen die sie verfolgen, so etwa „Hej Kamla du warst doch in Bankok, hast du jemanden in Burma kennengelernt, oder du bist ja die mit den Kontakten nach Süd- und Nordkorea, gib mir doch bitte deine Informationen für dies und das...

Wie ist das Zwischenspiel interpersoneller und digitaler Kommunikation?

von

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Du reist ja viel, besuchst die Koordinatorinnen vor Ort, hast vertrauensbildet persönlichen Kontakt.. wie läuft so was denn ab ... kommt der Kontakt da eher digital oder durch persönliche Kommunikation zustande?

Also mit den Koordinatorinnen ist das meiste eigentlich nur durch Mails Zustande gekommen, und dann wurde das einfach persönlich vertieft. Ich persönlich bin eher so, dass ich vorerst mal ein Mail schreibe und dann anruft. Wenn ich keine Antwort kriege, fällt es mir dann auch schwieriger anzurufen, wenn doch guck ich dann doch auch eher .. kann ich es per mail erledigen oder ist es besser das man telefoniert. Ich hab es aber doch gerne gerade wenn es um Verpflichtendes geht, also nicht um Verpflichtungen aber um Verbindliches geht, hab´ ich es halt lieber schriftlich. Also mein E-Mailsystem ist dann auch wirklich ein Art Ablage system mit Ordnern Filtern und so weiter. Das ist aber auch ganz unterschiedlich bei uns. Also ich weiß das Barbara da eher so der Typ ist, der halt schnell mal anruft!

Gibt es so typische Situationen oder Gegebenheiten in der Friedensarbeit, in der Organisationsarbeit mit den Koordinatorinnen, in denen digitale Medien Vorteilegegenüber anderen Medien verschaffen oder Kommunikation ermöglicht, die sonst nicht zustande käme? Ich denke dabei vor allem an Ländern mit Zensurbestimmungen oder infrastrukturelle Gegebenheiten bei denen denn beispielsweise normale Briefe nie ankommen würden?

Also wir konnten das ganze Projekt nicht machen ohne die digitalen Medien, unmöglich! Erstens wegen der Schnelligkeit und ich stell mir vor, ich verbringe Stunden vor dem Fax, wenn ich beispielsweise den Koordinatorinnen was faxen soll, mal kommt die Verbindung nicht zustande, dann geht das mal nicht, dann ist das Telefon besetzt, dann heben die dort ab anstatt das fax angeschaltet zu lassen meist geht es einfach nicht und es vergehen Stunden um Stunden und die hab ich einfach nicht!

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Und mit digitalen Medien, ist das einfach genial!

Wie und auf welche Art nutzt du die digitalen Medien? Surfst du gelegentlich, bist du in mailinglists, newsgroups ?

Nein, gerade bei Mailinglists, da versuche ich auszuweichen. – nein , ich versuche prinzipiell meine Mailadress selbst so wenig wie möglich hinauszugeben, obwohl wenn ich Informationen brauche dann hole ich sie mir, entweder vom netz oder sonst wie. Und da hab´ ich natürlich schon Vorteile, denn ich war vier Jahre lang Journalistin da weißt du relativ gut wie du schnell zu Informationen kommst. Von uns aus haben wir schon eine Mailinglist – für den Newsletter zum Beispiel – wobei das die einzige ist die wir diesbezüglich haben, also ich selber versuche da möglichst in keine Mailingliste reinzukommen. Weil halt das Mailaufkommen sonst immer größer wird, auch jetzt schon zweidrittel aller Mails die reinkommen sind Spam! Es wird nicht besser!

Wir haben ja vorher schon geplaudert über.. Genderaspekt – digital Divide /social Divde /gender Divide – gibt es so Momente in deiner Arbeit wo du so AhaErlebnisse hast und dir sagst: siehst du so macht sich dieses Trennlinie bemerkbar!...?

Also wie ich vorher schon gemeint habe wirklich offensichtlich wird das, wenn man in ein InternetCafe geht und dort nur Männer sitzen sieht! Ich denke aber auch, - mhhh? – ist jetzt vielleicht ein bisschen spekulativ aber: ich versuch ein Beispiel dafür zu finden! Wenn wir jetzt – nehmen wir einmal an – versucht hätten unsere tausend Frauen nur im Internet zu finden, wären wir wahrscheinlich schneller auf tausend Männer gekommen als auf tausend Frauen! Einfach weil sich auch Männer viel eher mit dem Internet beschäftigen als Frauen! - und da herumbasteln und sich vielleicht ne´ eigenen Homepage machen oder so – wo bei Frauen eben andere Prioritäten - die eben eher mal aufs Feld gehen um noch ne hand voll reis mit heim zu nehmen.

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Wenn ich ne Nomination krieg und da gebe ich manchmal schnell den Namen der Friedensfrau in der Suchmaschine ein und da kommt in den seltensten Fällen was! Gut, - ich mache die Probe auf´s Exampel nicht, ich geben ja keine Männernamen ein, aber ich denke, da würde schon sicher häufiger was kommen!

Also du beobachtest also dass die Friedensfrauen vielleicht das Internet nutzen aber eher keine Inhalte im Netz gestalten …?

Mein Eindruck ist, für Frauen ist es ein Gebrauchsinstrument und für Männer ein Spielzeug. Und mit einem Spielzeug probiert man auch mal mehr rum ... und gestaltet dann auch – gezwungener Maßen. Wenn ich mich am Computer sehe: Ich bin froh, hab´ ich e-mail, hab´ ich word, hab ich excell, hab ich ein PDF reader, und das Internet und mehr brauch ich nicht! Es ist ein Gebrauchsgegenstand und wenn ich in meinem Umfeld gucke ist Computer halt häufig auch ein Spielzeug, wo man halt abends auch mal dran sitzt.

Für dich nie?

Nein! Also ich arbeite nur am Computer und als ich noch studierte und das nicht so hatte, habe ich auch viel mehr...da hab ich dann schon auch manchmal rumgespielt ein halbes Stündchen aber, Ich hab´ so die Nase voll von der Kiste abends, das ich mich da nicht mehr dazu setze, außer ich erwarte halt mal ein dringendes mail aber sonst... __________________________________ ______ Abschließend noch so ins blaue hineingefragt : was möchtest du mir zu der Thematik diese Gespräches noch mitgeben, was ich noch nicht erfragt habe!?

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Was ich sehr spannend finden würde, aber dafür ist es einfach noch zu früh! Es wäre spannend die Friedensfrauen selber dann mit einem Fragebogen zu befragen, was sie denn brauchen... denn so im Vertrauen : Microsoft ist interessiert an diesem Projekt, und da stellt sich für mich und uns natürlich die Frage, wie könnte Unterstützung da aussehen... und vielleicht könntest du dir da ja mal überlegen, was könnte da sinnvoll sein. Was uns da als erstes in den Sinn kommt, wäre da jeder Friedensfrau einen Laptop zu geben. Was dann aber auch sinnlos wäre, denn viele von ihnen haben nicht mal Strom. Was könnte es sein? Schulung in jedem Land der Welt? Auch um Berührungsängste mit der Technik abzubauen. Es ist ja oft eine Hürde, meist braucht es ja nicht so viel, wenn wir ehrlich sind, braucht es Umgang mit Word, mit Excell, ein Mailprogramm und Internet, that´s it und vielleicht einen Gutschein damit sie gratis surfen können im Internetcafe zum Beispiel! Das ist jetzt nur so eine spontane Idee... da geben es genug Dinge die da überlegenswert wären...

Also findest du, sind die digitalen Medien doch durchaus hilfreich auch auf der Basisebene von kleinen Friedensbewegungen..?

Tja, man kann da sicher auch den Teufel an die Wand malen und sagen, in fünf Jahren ist das Internet unendlich überlastet, und Viren und all das erledigt, das Mail nutzlos wegen des vielen Spam und Werbemails etc. und wir steigen wieder auf fax und Schreibmaschine um Also vom Internet befürchte ich, das ja eigentlich nicht, aber beim E-Mailsystem kann ich mir das schon vorstellen, da gibt es unglaubliche Schwächen! Ich bin mir echt nicht sicher wo wir in zwei drei Jahren stehen werden, ob da alles nur noch über Internet Formular gehen wird.

Es ist halt auch für die Friedensarbeit von uns und hier unabdingbar, als ich mit dem Fundraising beschäftigt war, war eines der ersten Dinge: hej: Google und Frieden und Stiftungen und ab geht’s ... wenn das die Frauen weltweit wüssten, wäre vieles viel einfacher. Ein Vorteil für viele Projekte, einfach nicht nur zu wissen wie das Internet

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funktioniert, reicht nicht. Man muss da schon auch so ein paar Tricks beigebracht kriegen! Ach, erinnere Dich als wir vor einigen Jahren zu surfen begonnen haben, wir uns ja vom tausendste ins millionste verloren, och und da noch ein link....

Was meinst du, wird durch dieses Internet jetzt nicht eigentlich auch ein transnationaler oder globaler oder wie auch immer Diskurs möglich, den es früher nicht gegeben hat, in der Form?

Ja und Nein! Ja es wäre möglich! Nein findet zwar durchaus statt, also ich gucke einmal die kleine Runde der Koordinatorinnen an, inklusive mich und Maren, wir haben also keine Sekunde uns auf so etwas wirklich einzulassen, obwohl wir es total spannend fänden! Das ist einfach das Problem mit wirklich sehr engagierten Frauen, die haben einfach die Hände so voll zu tun, das diese Diskurse, so nicht direkt mit dem Projekt zusammenhängen, wegfallen, wegfallen müssen. Und dann habe ich das Gefühl, sind diese Diskurse – böse gesagt – wiederum eher beschränkt auf einen akademischen Level wo das eben auch zur Arbeit an den Unis gehört,

Akademische Hintergrund der Koordinatorinnen, Vernetzung der Koordinatorinnen untereinander, Dialog der nicht einfach von Bern aus funktioniert, vom Norden in den süden ... oder wie auch immer, der Diskurs auch unter den Koordinatorinnen vorhanden ist...? Ja natürlich, ich glaube auch dass der Dialog da teilweise auch ganz bewusst unter unserem Ausschluss besteht, bin ich fast überzeugt. Als Projektkoordinatorinnen sind wir natürlich schon irgendwie die Bosses die Chefinnen wenn man so sagen will und da denke ich haben die Koordinatorinnen ihre ganz eigenen Ideen und Vorstellungen. Sie versuchen das unter sich zu beraten und dann mit´ner Breitseite – jetzt nicht bös´ gemeint, sondern

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einfach dann stark auftreten zu können und sagen wir wollen das anders gelöst haben, sie sagen, wir tragen mit unseren Namen auch Verantwortung für unser Projekt und deshalb möchten wir das auch gerne diskutieren! Finde ich auch toll? Wie geht es nun für dich unmittelbar in den kommenden Monaten im Projekt weiter? Ich werde mal alle Nominationen durchgehen und dann werden wir uns überlegen müssen, wie machen wir das, wie bringen wir das zustande im Oktober? Da müssen ja alle Eingaben gelesen werden, nicht alle müssen alle lesen, aber wir werden ungefähr dreißig Leute sein, an die dreißig Nominationen pro Person und da müssen wir uns was überlegen dass wir nicht drei Tage nur lesen, sondern so eine Mischung an Diskussion hinkriegen... Plus jetzt dann die Dokumentation vorbereiten. Vordergründig sehr sehr wichtig...

Was wird es zur Dokumentation geben...

Wir versuchen derzeit so eine Art Generalunternehmung unter Anführungszeichen - zu finden, das heißt wir suchen eine Gruppe Leute, die Journalistinnen organisieren die gemeinsam mit den Koordinatorinnen dann die Friedensfrauen porträtieren, Fotografinnen die Fotos machen, das ganze muss dann redigiert und übersetzt werden, zumindest in englisch, ich denke wir werden vorerst ein englisches Produkt machen, und wenn es dann später vielleicht Verlage gibt die das weiterübersetzten wollen ... das ganze Material soll verarbeitet werden in eine Ausstellung und eigentlich nun wieder pragmatisch gesehen: das der Ausstellungskatalog zu der Ausstellung dann das Buch wird zu dem Projekt zu den 1000 Frauen, Ich stelle mir vor, dass wir das gesamte Rohmaterial – also was wir geliefert kriegten als CD herausgeben, in den Originalsprache zur Verfügung stellen, das wird dann zwar so rund 200 Sprachen beinhalten, aber das ist ja egal. Und darüber hinaus möchten wir natürlich eine Datenbank aufbauen, denn es wäre ja schade, denn alle diese Frauen sind ja auch Ressourcen-Personen, da sind Kontakte vorhanden, das soll nicht verloren gehen und ist Basis der Vernetzung.

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Die Frage ist dann auch …. Wie betreut man das danach?

Wie sieht es aus mit den Frauen die gefährdet werden könnten, durch die Veröffentlichung ihrer Daten, wie sieht es einerseits mit der „Sichtbarmachung“ und andererseits mit der „Vertraulichkeit“ aus?

Das besprechen wir mit jeder Frau, wenn nicht dann anonymisieren wir das Porträt, die frage ist halt dann immer, ist die Veröffentlichung gefährdend? Es kann einer auch Schutz bedeuten! Wenn ich an die Friedensnobelpreisträgerin vor zwei Jahren denke aus Burma … da denke ich der Friedensnobelpreis hat sie geschützt! Ich denke das werden wir sorgfältig mit den Friedensfrauen besprechen und bis jetzt haben wir einen extra Kategorie bzw. Online einen Link in den Nominationen eingebracht, wo dann gesagt wird ob die Frau anonym bleiben soll oder nicht – diese Information bekommen dann die Koordinatorinnen in den Regionen – das war aber soweit ich weiß noch keine dabei, bei der das der Fall wäre , aber wir haben da ganz andere Probleme .. zum Beispiel die Syrer wo die Regierung die Nominierungen absegnen will? … das ist nicht nur dort so … wir wollen das bestimmt nicht so, aber mitunter geht es nicht anders und wir machen das transparent. Im Libanon wo wir ein Mail bekommen haben mit etwa dem Inhalt : ja wir wollen die Frau des Premier-Ministers nominieren aber wir dürfen daneben niemanden aus dem Land nehmen, den sonst wäre niemand würdig…

Und was heißt das dann für euch …? ,dass ihr in diesem Land noch mal von vorne anfangen müsst?

Nein, da seh ich nicht so die Gefahr … aber was, wenn wir dann auch noch einen andere Frau aus dem Land finden, und sie nominieren, die kann dann gefährdet werden… und solcherlei Gefährdungen begegnen uns dann schon, es sind da so viele Dinge abzuwägen …manchmal denk ich mir schon .. ach´, was hab ich mir da aufgehalst (lacht…).

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Dann ist es vor allem in vielen Ländern auch ganz unterschiedlich! Wir werden sehen!

XXI Kamla Bhasin
Walenstadtberg- nahe Zürich am 13.10.2004

Coordinator India, Bangladesh, Bhutan, Nepal, Sri Lanka Kamla Bhasin, an economist and sociologist, lives in India, and has worked for 28 years at the South Asian level on a UN project to strengthen Civil Society Organisations and to encourage networking between them on issues related to sustainable livelihoods, gender, human rights, peace etc. She is co-founder of several women's groups, including regional and international networks (e.g. SANGAT South Asian Network of Gender Activists and Trainers, SAWF - South Asian Womem's Forum, ACFOD - Asian Cultural Forum on Development, WIPSA - Women's Initiative for Peace in South Asia, SAHR - Asians for Human Rights). Now she is coordinating SANGAT, working closely with Jagori, Women's Resource and Training Centre in New Delhi, and as a freelance consultant/resource person she is conducting workshops and training on gender, peace and sustainable development for women's groups, international and regional NGOs, senior government officials, parliamentarians and various UN agencies

She has written on participatory and sustainable development, women's empowerment, gender and peace. She has also written songs for children and for the women's movement and has created posters, music cassettes and banners for different people's movements. Some of her publications are:, «Borders and Boundaries: Women in India's Partition» (1998), «Exploring Masculinity» (2003), and «Turning Dangers Into Opportunities: Young People and HIV /AIDS in South Asia» (2003).(1000peacewomen.org)

There are a lot of people in South Asia, I am responsible for South Asia: India, Pakistan,

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Bangladesh, Nepal, Sri Lanka, Maldivs, Buthan, - so I´m coordinating for these seven countries. In these seven countries lot of the organisations already have internet, so to coordinating with them, we are all the time using the internet. To inform them, we have put that on a Website, and most of our information we give to these NGO´s on the internet. But the grass root-level women – they are defiantly not on the internet, they do not know English and they have no access, so internet you can use only with middle class people and organisations with some money, with an office, with a computer. This already makes a gap between these that information has, and these who have not. So we are aware of that! Trough the people how have the Internet Connection we try to reaches these how do not have it. What we need is a good partnership between people with access to these media and other who don´t. So we can only function NOW trough the internet, but at the level within countries the middle class people who are in cities, and they have to go and have discussions face to face. They can’t use the Internet to have contact with their partners in the field. It’s not only because the personal contact is important, they don’t have access at all, and they don’t have electricity. Many women have been nominated whose villages do not already have electricity. They are so poor that they not even have a radio. So that is no question having access to the internet. And I feel that this is creating some problems, people with internet have all the information and so they can make use of it. So that the people with out the internet they are deprive and can not participate in many important things. We are aware of it, and so for the grass rootlevel it is face to face, oral and even letter writing… and from that area to us, it is internet.

What kind of progress in digital communication could be useful for peaceefforts? Is it an aim to spread access?

You can not spread the access of internet without spreading development and without removing poverty. And if that would be so easy we would have done it. So access is a question about control over resources, control over money. Half of the world do not have the resources and the electricity and the access to use the internet. So it is a resource of the well of people of the world . And if the well of

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people of the world are connected to the poor, and our movement to some extend is connected and if there is that solidarity – than it works. It is not true, that trough the internet, you can reach the well of people. But because - most of the coordinators here are selected because of their network capacity and because we have people working at the grassroot level. So we are connected with them and the grassroot people have contact with some people who have internet-access. So we reach the people that are connected to the internet trough people that are connected. This is the only way we can do it and I don´t think you can improve this without revolutionizing the whole world and giving access to people. I mean in my country even 50% of the people can´t even read and write so why are we talking about the internet. Still 40% of the villages in India do not have electricity, clean water… and internet is also one of these resources – of course it is related to education, to electricity and resources like that. Even in Delhi – which is the capital of India there are so many hours by the day that there is no electricity connection… for hours, it is not like here, where you sit at the computer and you are connected to the internet. Even I have to try – because we have no 24-houres internet connection – when I what to get a connection I have to deal a number, I have to wait and sometimes it works for three or four hours – so even for the peoples in the cities it is difficult and does not always work!

So internet-communication can be useful for your peace-efforts?

Yes and No! - It is a difficult tool for us. Again it is connected with the money you have, it’s simple. Organizations in Delhi like Ford corporation, the world trade org. ect. They have special arrangements for electricity, for internet connection and have backups, because of there is no short of money. But the small organizations like many NGO´s they have shorten of accessibility.

Do the NGO´s improve the situation of internet-access for peace working?

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Yeah, they improve but they also get the control! There is the politics of control and you have to recognize the politics of this media. On the one hand the movement goes faster, but on the other hand, the other people against whom we are fighting; they are already 5000 times faster then us. I mean today: What we do in one hour they do in half a second, because of that they are fare ahead. We are totally aware of the politics and the powerpolitics in all media – including the internet. So I do not agree, that internet democratizes, it only democratizes for the well of people. But it do not democratize for 50% of the world population … They are using it – to what extent ever.

XXV Supawadee Petrat (Kratae) Walenstadtberg - nahe Zürich am 13.10.2004

Supawadee Petrat (Kratae), works with the National Human Rights Commission. As advisor for gender-specific issues in the Women Workers Unityand in the local committee for the Committee of the Collective Action for Women Workers Foundation (Committee for Asian Women, CAW), she is familiar with the situation of women especially working women in Asia. Since 1988 she has concentrated on women's issues in Thailand and Asia. After working as Assistant Coordinator in the Women in Development Consortium at Thammasart University in Thailand, she later supported foreign workers during their often difficult period of integration. This was in the framework of an exchange program of the Asian Migrant Center (AMC) in Hong Kong.

After returning to Thailand, she worked for the Center of Friends of Women Foundation (FOW), which promotes the rights of women workers and opposes violence against women. As Program Coordinator in the Committee for Asian Women (CAW) she was engaged in bettering the position of women in the work market. She is now, in addition, resource person for questions of gender equality in Thailand. (peacewomen.org)

I am Petrat Supawadee, actually I am responsibly for MaiKong the countries in Indochina – but we don´t want to use the Indochina-term because of the historical connotation to the political colonisation to the Mai Kong area. It covers five countries: Laos, Vietnam, Cambodia, Burma and Thailand! MaiKong is the name of the river connecting the area and was deprived for five hundred years, so now we use this term again, because the river flows trough all of these

XXVI countries – it also flows through China – but I am responsible for the other five countries we call MaiKong.

What significance does the internet to your daily work, to your peacework, to the peaceefforts in your region?

Internet is very important for me, I think without internet it would be in a difficult situation. It simplifies communication when we cooperate with the head office in Bern, or with different organisation in the other countries. In the past it was very difficult to keep connection but now it is very easy, you sent an e-mail. We write it one day and get the respond from the recipient. But to cooperate with the countries that I am responsible for and where the internet is not so common it is very difficult to reach the organisations. At the beginning when I first sent emails to them, hardly to get response from them. I think internet cooperation with the countries in MaiKong is difficult, because we have a strong tradition of face to face communication. At the beginning it is important to let the other know, who you are and what you want and intent and if you are true and to look in each others eyes…it is a process of building trust in face to face communication. But then you can go on with internet-cooperation. Live seems so simple trough email but also the message of the project was hard to make understandable… civil peace, the Nobel peace award and nominations and price money… and also the information we sent, is in English. Sometimes they just ignore. So it was not easy for local people to understand. And so they mostly do not respond. (Transskriptionshinweis: in den Ländern des Maikong werden auch unterschiedliche Zeichensätze verwendet, die von versch. Software-Produkten nicht immer bzw. unterschiedlich implementiert werden. –UNICODE 8 ect… daher gibt es verkürzte Zeichensätze bzw. die Internet-Communication wird vorrangig in English absolviert.

XXVII And then we go there and we discuss with them and so we build trust between both sides. And after that, I think internet is very useful. It does not mean that we require face-to-face meeting every time, but it becomes essential for trust-building. Especially if have someone in a county, I already know, for the new groups and the new peoples in the network it is important to have direct contact. If you want to connect people in Cambodia or Vietnam, I can not connect them directly, is difficult. …in the big cities internet is widely spreaded, but in the rural area…

We also do not have this socialisation of individualism, as they have in Europe and the US, and our culture is based on real social contacts and then you can communicate through internet but only for them who can write and read in English, so we can not communicate with them! You mostly can not communicate in your local language. So if we want reach these who cannot read and write English we have to found people how can do it for them! Those who now the language can communicate on internet with us! If you look in this country internet is hardly to access to the grassroot people. Mostly the academics and the middleclass and the people in the cities are using it, but not on the grassroots level!

Most of the NGO´s nowadays have internet not only in Thailand also in Cambodia and in the big cities of Vietnam and so on. I told you – when we travelled around in the countries of the MaiKong Area searching for nominations we came to the different cities of Vietnam and I found that their are a lot of internet cafes – a real boom. There are very many people especially using internet in the internet cafes – especially the new generation – the young people, but if you travel to the province – which is not the tourist area, - the tourist area have a high standard of internet access…there is no access. These cafes are totally bugged of people. But in the areas wich is not typically tourist area or in the rural area there are no internet-cafes only in the big cities you can find in the urban area.

XXVIII

What are you using for your work?

For my work it is very important to use the internet. Usually for communication and emailing, but also for searching information, if I am looking for some information to a certain topic, usually we had to go to the library and maybe find an article about or not. Nowadays we use the internet to search for the articles. I hardly use forums, but sometimes newsletters could be an important information resource. When we in the MaiKong attend a meeting, we leave our mailing address, and when ever there is a new information, we get it through that mailing list and we get the newsletters or recurrent information about new meetings or news about … That is very useful.

So we are maybe not involved to a discussion or dialog, but we know what is going on and if a group is interested in the issue of one of these mails, they can read and find more about it with this information. We have no broaden idea what going on a global discussion about but we can exchange information that is important. I thing that I mentioned that not many people know the language they mostly have e-mail – of course - there are also fans for Instant Messengers ICO or web logs, but for Indochina-people it is possible only if they can English.

Is there something else you want to contribute? - Something I forgot to ask you?

XXIX For me and my experiences also with the project of the 1000peacewomen is, that in Europe it is very easy and very quick to communicate with emails rather if you know each other personally or not, isn´t it. No need to have face to face meetings. In Asia I mentioned e-mail is really a threat to them, in my country we are very socialized, only when we know good, like me and my friend – we use instant messagers and make online communication just for fun, as well as for increasing our knowledge, we can use the internet. It is very useful especially the NGO`s . (…)

XXX Nomvuyo Skota Dayile Walenstadtberg – nahe Zürich am 13.10.2004,

Coordinator Southern Africa Region Nomvuyo Skota Dayile, lives in Cape Town, South Africa, and is presently working for the University of the Western Cape as a Development Lecturer, Educator and Trainer of adults. She also teaches and facilitates learning of Anti-Discrimination on topics like culture, gender, racism in the society. With her diverse academic and experiential knowledge and skills, being a health professional, (Medical Technologist) a Development academic (Masters in Development Studies from the University of the Western Cape, South Africa) a political activist and practitioner, doing development work in health NGOs, she has a wide range of expertise. Nomvuyo SkotaDayile has served on a number of NGO and CBO boards and committees in South Africa. She has been a motivational speaker on many fora on socialisation, gender and culture issues. She is the first president of an international civil society organisation (United Nations Association) South Africa chapter (UNA-SA). (peacewomen.org)

What significance does the Internet have for your peace goals and for your everyday work? What online media do you use (forums, mailing lists..)?

Generally of course it provides information - provides information so you access information, access is the very important thing here. And know, you also get some networks, you get to know what is happen, you read this and are informed about things you otherwise would not know and it is helpful in this way, it helps in trying to respond to some things, this is communication, one mean of communication is that you

XXXI can use it. How ever, one must to know to use the internet – you must have the instrument that is fundamental for this communication. That is something made by the people who relay on it, that everybody is in that stage, where you can have it. But it costs and some people get threatened by it, they get scared. At first when I had to use it, I had to be told that it doesn’t bite. It is threatening! But then and know it makes work easy, because you can say things, you can access information you can network, you can respond quickly if you may.

You ask also: what online media do I use. I use, e-mail, mailing lists, no forums! Except one stage, when I was a student in the developing studies where I had the Sub-Sahara and the World Bank connection for networking, that was a different thing. But know I mostly use Email and search information in internet, that’s it we don´t use chartrooms in our business.

What are the conditions for you and Peace women in your nation/ region/ situation concerning internet access for women?

So what are the conditions in my origin… The situation concerning internet access for women …? Okay: many offices not even have a PC for there work! In South Africa and generally in Africa people are poor! Very poor, therefore a PC is not the first priority. So, one has to have other kind of media. And therefore many does not have PC and therefore they are not connected to internet. Many are not connected at all, also because many are unemployed and cannot get into the business. – I think. There are also people in Africa, which you can not reach with any media, not even a radio – so they are not connected at all.

XXXII So I think, for those who can manage to have a computer, not necessarily the internet, to have it privately it is very costly. So they have to go to work to connect even if they have a computer at home. And even in the corporations and in the organisations. In an organisation where one of my friends is working, he was sent me the information that the 1000peacewomen.org was looking for a coordinator. This is how I communicated first with the people. It is only the director and the finance person who can use the internet. All the other stuff, about 40 people – they are not in their office connected to the internet, because it is costly. So it is a national NGO – so I get information from the director because only he is the person who is connected to the internet in this organisation. Not because he don´t want other people to have internet connection, only because of the cost.

What chances and risks do you see in digital networking concerning your daily work and that of peacewomen in your region?

I say: It gives access it’s true! It brings information for those who have it! It improves communication skills and quick responses, and it spreads information quickly – you are able to spread information to the people in your network so you are able to group them and you are able to sent information to as much as people as possible. Within ten or fifteen minutes you can sent information to people in the whole world. And it helps you in the documentation and to assemble information. Once you get or find information, that is important, then you can document. Therefore … are the chances and therefore and it saves your time so you don’t have to write and sent it per mailing. It teaches you to be efficient in your taking and giving information. But at the same time: one has to know how to use it to learn, and should not be afraid from it. And the risk that I m afraid is, that it creates a gap between those who have and those who don’t have and those who will never have it! The people who have it, assumed that

XXXIII everything goes that fast and quick and now it is in somehow denying people the chance to meet face to face and to find out other communication strategies, undermined that it is the fastest thing, but in the rural area and the countryside it is proved that the word of mouse in fact is the fastest. Having the internet makes people thinking that it is the fastest the only efficient. But sometimes it is not, you have to have electricity you have to have an computer and you also must know how to use it – so that are many other things that you must have, before you have that.

What is the special relationship between oral culture and the face to face communication and the digital communication?

If I am able to look in your face, I am able to stand the seriousness about what you are protecting to me. Well, if I read something, this is very cold! In the most cases in Africa reading is not as useful …okay of cause there are a lot of people who can write and also are very well reading. But otherwise you have to connect them else way so I touch your face for your seriousness! So for example as you wrote me your mail, and I knew - okay you are working with Rebecca, and I have seen Rebecca – so I knew – you are like Rebecca. You see, so I could imagine who you are. That’s the reason, why face to face communication is that important to us! It is much more powerful because it is possible to touches emotions and some kind of physical contact can engage you from what I’m saying. Words themselves can carry different meanings, I mean I can write something and it is my one way but someone else understands it different. And now - looking at the risks, there is this topic of availability, because ( - in face to face communication Anm. sic) it is the information that is here, it is in my eyes and in my face, maybe in my hole body. And so I postpone and keep on postponing, and sometimes I forgot…

XXXIV And the biggest risk on electronic communication: It costs me and there is no money! It does not create some culture of reading – you know, people who are open up the internet are watching at the advertising, there must be some very specific and clear interest and words that can attract them. Something you see there, but if it is some matter you say – it is something that I hear, … we already learned about “teaching” – people remember things better what they can see than what they can only hear or only read. They do not remember things about they just hear or read than things they can really touch! If you are here face to face, I can ask you a question immediately, right now. When I get the information via e-mail, I will maybe say: okay I received your information, I will come back to you… and if they don’t come back to you, there is nothing you can do. Some people some times look at it, they say, see the land where the message is coming from, oh it´s too far away - delete – you see, it is difficult, such things people get scared about, I don’t know how you bring it home but there are some things that some people get really scared about. And then they avoid it. And it is not true, if you read about it that it becomes curious, not for everybody, not for every culture. And also the language that is used in the internet is not everybody’s language, it’s not a matter of you clicking and then you get closer, you click and write it in English, you click and read it in English, this is a certain language – not everybody’s language, and so it becomes very difficult for the most people to use. Saying doesn’t change that. So having the internet the positives and the negatives of it: it gives us as quickly the possibilities but at the same time it is no guarantee that someone will notice you or that someone responds, and also the language barriers and the accessibility of it … Must people I know working in NGO and doing good work are already work on a computer, not necessarily on he internet.

XXXV 5.1.1 Paulynn Paredes Sicam
Email-interview 8.10.2004

Coordinator Southeast Asia Paulynn Paredes Sicam, was a member of the Philippine Commission on Human Rights (CHR) from 1991 to 1994. As Commissioner in Charge of Education and Information, she directed the development of the CHR's training program for the Philippine military, police and public school teachers into a model of participative and experiential learning, for which the Commission received the UNESCO prize for Human Rights Education in 1994. After this, she shared her Philippine experience in human rights education in India, Mongolia, Canada, Vietnam, Indonesia, Thailand, Malaysia and Germany. She is a member of a conveners' group of representatives of ASEAN national institutions and NGOs which initiated the process of setting up a regional human rights mechanism in ASEAN. From 1993 to 1997, she served as a consultant to the Philippine government's panel negotiating peace with the communist rebel group, the National Democratic Front. She is currently editor of the on-line news magazine CyberDyaryo dedicated to the issues of Philippine civil society, the peace process, human rights, agrarian reform, democratic development. She is also a consultant to the Benigno Aquino Foundation, heading its Peace and Human Rights desk. (peacewomen.org)

I have already prepared the questions that I am most interested in and which are important for the research. These questions are:,, What significance does the Internet have for your peace goals and for your everyday work, in general an especially as editor of the CyberDyaryo?

dear monika, i hope these answers serve your study well.

XXXVI CyberDyaryo is an advocacy website, which means we are involved in promoting certain causes, issues and societal values. It is my vehicle for my peace work and my work in human rights, equality and other causes that are near to me. As editor of cyberdyaryo, i am fortunate to have the last say in what issues to tackle, and what kind of position we take regarding these issues.

What online media do you use (mailing, forums, mailing lists...)? At present, we are using only the website as an online magazine appearing twice a week. we also send some of our articles to newspapers and magazines to use for free. that is how much of advocates we are. we have plans to establish on-line fora, mailing lists and active monitoring of the sectors and issues we are involved in. these should come in ther very near future because our facilities have been recently updated. . What are the conditions for you and peacewomen in your nation/ region/ situation concerning internet access for women? There is no problem in the Philippines for women to have access to the internet, or for anyone to bring up any issue, peace included, in the internet. the philippine media is one of the freest in the world and internet has just broadened that freedom and our audience as well. The rest of the region is probably not as fortunate. i know that censorship exists in singapore, mlaaysia, brunei and myanmar so they are having problems there as far as content. but i am not aware of any restrictions on women's access to the internet anywhere in my part of the world. What chances and risks do you see in digital networking concerning your daily work and that of women in your region? The lack of privacy in communications is one problem, but it is not a threat to me in the philippines. perhaps in the other countries i mentioned, it could be threat to all users of the internet, not only women. Virus

XXXVII attacks is another. Spamming, especially by those selling products for breast and penis enlargement are a big bother. But besides feeling harrassed by the outright sexual content of these spams, i see no risk to myself in the internet. paulynn sicam

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Kurzbiographien
Kurzbiographien Informationen der 1000 2005 den Frauen sind für den den und an der ihren

Friedensnobelpreis entsprechend

entnommen Teams

Regionalkoordinatorinnen Wirkungsbereich entspricht!
Team the Americas:

zugeordnet,

Koordinatorin Nordamerica und Kanada, Japan, Korea: Dr Margo Okazawa-Rey, ist Direktorin des Women's Leadership Institute und Professorin für Women's Studies am Mills College, Oakland, Kalifornien. Sie interessiert sich insbesondere für Probleme, von denen speziell farbige Frauen in den USA aber auch im globalen Süden (global south) betroffen sind. Ihr derzeitiger Forschungsschwerpunkt liegt in der Untersuchung der Verbindung und der Wechselwirkung zwischen Militarismus, Krieg und Globalisierung der Wirtschaft. Sie ist aber auch aktiv gegen die militärische Gewalt gegen Frauen. Sie ist Mitbegründerin des East Asia-US Puerto Rico Women's Network against Militarism und erhielt ein Fulbright Senior-Stipendium, um in Süd-Korea zu studieren. Sie ist überzeugt, dass Frauen die Macht haben, die Welt zu verändern und dass es eine transnationale feministische Praxis braucht. Mills College, Oakland, California: http://www.mills.edu/WMST Koordinatorin Latin Amerika, exkl. Brasilien Nora Liliana Franco, Journalistin aus Argentinien, lebt in El Salvador. Sie ist Koordinatorin des Projektes The Historic Memory of Women in Latin America and The Caribbean, das Texte, Gedichte und Zeuginnenaussagen von Frauen sammelt, die gegen Regierungen und Organisationen kämpfen, welche Menschen- und Frauenrechte verletz(t)en. Sie schreibt für lateinamerikanische, japanische und österreichische Zeitungen. Sie ist Mitglied des Pressekomitees der Comisión Pro Monumento a Víctimas Civiles de la Guerra en El Salvador. Zur Zeit arbeitet sie an einer Serie von Interviews mit jungen Salvadorianerinnen und Salvadorianern, deren Mütter und Väter während des bewaffneten Konfliktes in El Salvador von 1980 bis 1992, ermordet wurden oder verschwunden sind. Publikation:: http://www.milena-verlag.at/indenhaenden.html

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Koordinatorin Brasilien Clara Charf, aus Brasilien, kämpft seit 1945 für Frauen- und Menschenrechte. Nach der Ermordung ihres Mannes, dem Revolutionär Carlos Marighella, durch die Militärdiktatur, verlor sie für zehn Jahre ihrer Bürgerrechte und lebte während neun Jahren im kubanischen Exil. 1979 kehrte sie nach Brasilien zurück und begann mit der Aufarbeitung der Memoiren von gefolterten und getöteten brasilianischen Kämpfern. Nach der Gründung des Partido dos Trabalhadores PT begann sie und ihre Mitkämpferinnen über die von ihnen gegründete "ersten Frauenfraktion" Konferenzen und Seminare über Rechtsgleichheit und Partizipation der Frauen zu organisieren. Heute ist sie Koordinatorin des Nationalen Frauensekretariates und Mitarbeiterin im Büro für Internationale Beziehungen des PT. Sie ist Mitglied der Comisión de Familias de Muertes y Desaparecidos politicos und der nationalen Kommission für Frauenrechte und Zivilgesellschaft. Während den letzten Wahlen hat sie die Kampagne zur Mobilisierung von Frauenstimmen für Präsidentschaftsanwärter Lula koordiniert. Auch ist sie Mitglied der National Council for Women's Rights unter dem Vorsitz von Nilcéia Freire. Team Africa Koordinatorin West Afrika Fatoumata Maiga, lebt in Bamako, Mali, und ist Gründerin und Präsidentin der Vereinigung Association des femmes pour les initiatives de paix, AFIP. Ihr Engagement gilt insbesondere dem Kampf gegen Kleinwaffen. Sie ist strategische Partnerin für die nationale Kommission gegen die Verbreitung von Kleinwaffen, sensibilisiert die Zivilgesellschaft zu diesem Thema und klärt die Bevölkerung über Auswirkung und Einfluss von Kriegsspielzeug auf. Sie hat zur Zeit des Tuaregkonfliktes über die Rolle der Frau in der Konfliktbearbeitung und im Konfliktmanagement geschrieben und ist Mitglied des Centre for Conflict Resolution in Capetown, Südafrika. Sie ist auch Mitglied bei GRIP (Groupe de recherche et d'information sur la paix et la sécurité) und Koordinatorin des malischen Zweiges von IANSA (International Action Network On Small Arms). Koordinatorin Südliches Afrika Dr. Vera Chirwa, ist Juristin und lebt in Malawi. Zusammen mit ihrem Mann führte sie die malawische Unabhängigkeitsbewegung an. Nach dem Putsch musste die Familie Chirwa ins tansanische Exil fliehen und wurde später verhaftet. Ihr Mann, ehemaliger Justizminister Malawis, starb in malawischer Haft unter «unbekannten Umständen». Vera Chirwa wurde nach 12 Jahren Gefängnis (davon 4 in Isolationshaft und 3 in Ketten) freigelassen. Nach ihrer Freilassung 1993 gründete sie das Malawi Center for Advice, Research and Education on Rights, MalawiCARER (Know, claim and defend your rights) und kämpft noch heute für Menschen-, Bürger- und insbesondere Frauenrechte. Sie klärt die Bevölkerung über die Folgen von HIV/AIDS auf. Sie hat ein Verfassungssymposium organisiert, an welchem alle malawischen Interessengruppen teilnahmen, und so und ein Fundament für die heutige Verfassung gelegt. Sie ist Gründerin und Präsidentin der Organisation Women's Voice und Sonderberichterstatterin für Gefängnisse und Haftbedingungen für die OAU, die Organisation Afrikanischer Einheit. Sie wurde oft angefragt, Präsidentin des Landes zu

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werden. Bis heute hat sie jedoch abgelehnt, um ihre Unabhängigkeit zu wahren und um für die Menschen Malawis zu arbeiten. Malawi Center for Advice, http://www.malawicarer.org/ Koordinatorin Südliches Afrika Nomvuyo Skota Dayile, lebt in Kapstadt/Südafrika und ist an der Universität Western Cape, Südafrika, Lektorin für Entwicklungsthemen und Erwachsenenbildnerin. Seit jeher thematisiert sie in ihrer Arbeit kulturelle und geschlechterspezifische Diskriminierung und Rassismus. Breites akademisches und praktisches Wissen, ihre Erfahrungen im Gesundheitsbereich (sie ist Medizinische Technologin) und ihre Arbeit als Entwicklungsspezialistin (Masters in Development Studies der Universität Western Cape) machen sie zu einer gefragten Expertin. Nomvuyo Skota-Dayile war Vorstandsmitglied verschiedener NGOs und CBOs in Südafrika und als politische Aktivistin und Vordenkerin hat sie NGOs im Gesundheitsbereich beraten. Sie nahm als Motivationsrednerin an zahlreichen Foren zu sozialen, geschlechterspezifischen und kulturellen Themen Stellung. Sie ist überdies die erste Präsidentin des Südafrika-Chapters einer internationalen Organisation der Zivilgesellschaft (United Nation Association). Koordinatorin Horn von Afrika Asha Khalil Abdalla Elkarib, ist Agronomin und lebt in Khartum, Sudan. Sie arbeitet als Beraterin für Entwicklungsmethoden bei ACORD International (London) Sie war Dozentin für Agrarwirtschaft (Agriculture Research Corporation of Sudan) und arbeitete als Analytikerin und Trainerin in den Bereichen soziale Integration, Gender und Nachhaltigkeit. Sie ist aktiv in der sudanesischen Frauenrechtsbewegung und setzt sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein. Koordinatorin Great Lakes, Uganda, Kenya Cecile Mukarubuga, aus Ruanda ist Managerin der Institutional Development Unit der International Planned Parenthood Federation (IPPF) in Kenya. Sie ist insbesondere dafür verantwortlich, für starke Führungskapazitäten in den IPPF-Unterorganisationen in 44 afrikanischen Ländern zu sorgen. Während der letzten zehn Jahre widmete sie sich vor allem der Konflikttransformation in der Region der Grossen Seen. Schwerpunkte waren zum einen die Versöhnungsprogramme auf Gemeindeebene und zum anderen die Stärkung der Zivilgesellschaft. Sie entwickelte und führte Projekte gegen geschlechterbedingte Gewalt und erarbeitete für Nichtregierungsorganisationen Friedenstrainings-Programme. Sie ist Mitglied von Copa (Coalition for Peace in Africa) und dem weltweiten Netzwerk für Friedensbildung. Aus ihrer Feder stammen verschiedene Artikel und Bücher zum Thema Frieden und Konflikttransformation. Zurzeit untersucht sie überdies die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Verhinderung von struktureller Gewalt gegenüber mittellosen Frauen. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung soll ein Trainingsmodul entstehen. Ihre Zukunft sieht Cecile Mukarubuga in der Arbeit mit Jugendlichen mit dem Ziel sie die Fähigkeit der friedlichen Konfliktbewältigung zu lehren. Research and Education on Rights:

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Team Switzerland Präsidentin Ruth-Gaby Vermot-Mangold, Dr. phil. Ethnologin, hat mehrere Jahre als Forscherin und Expertin für Entwicklungszusammenarbeit in Afrika gelebt. Sie hat in der Schweiz die «Schulstelle 3. Welt» geleitet und mit einem Team Materialen für Schule und Unterricht erarbeitet, Fortbildung für Lehrpersonen organisiert, Tagungen zu entwicklungspolitischen Schwerpunktthemen durchgeführt und für verschiedene Universitäten Lehraufträge zu Gender- und Oeffentlichkeitsfragen durchgeführt. Sie ist Mitinhaberin des «Büro hekate» für Führungstrainings, Coaching von Führungspersonen, Organisationsentwicklung und interkulturelle Beratung. Seit 1995 ist sie Mitglied des Schweizer Parlamentes (Nationalrat) und Mitglied des Europarates. Ihre politischen Schwerpunkte sind die Migrations- und Flüchtlingspolitik. Sie befasst sich mit Fragen der Integration, der Gewalt im sozialen Nahraum, mit Drogenproblemen und engagiert sich im Gender- und Gleichstellungsbereich. Im Europarat ist sie Sprecherin für Flüchtlingsfragen im Südkaukasus. Die Schwerpunktthemen sind Frauen- und Kinderhandel und vor allem Fragen der internationalen Krisen und Kriege. Ruth-Gaby Vermot ist Präsidentin des Contact-Netz, einer Suchthilfeinstitution, sowie der Gesellschaft für bedrohte Völker, Sektion Schweiz. Sie arbeitet im Komitee von Kinderschutz Schweiz. Projektmanagerinnen Maren Haartje, Akademische Referentin für feministische Bildung und Politik, war Aktivistin in der deutschen Friedens- und Ökologiebewegung. Von 1986-1988 arbeitete sie am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und ist seit 1989 Mitarbeiterin in der Schweizerische Friedensstiftung in Bern. Seit 1994 ist ihr Schwerpunktthema "Frauen in Friedensprozessen". Sie organisierte die Konferenz "War against Women - The Impact of Violence on Gender Relations" und initierte das Projekt "Conflict Resolution and Gender CraG". Von 1996-2003 leitete sie die FrauenRundtisch-Gespräche "Die Partizipation von Frauen in der zivilen Konfliktbearbeitung" und nahm in dieser Funktion als NGO-Vertreterin in Schweizer Delegationen an offiziellen Konferenzen teil. Sie absolvierte den Weiterbildungskurs "Konstruktive Konfliktbearbeitung und Mediation" (Berghof Forschungszentrum für konstruktive Konfliktbearbeitung Berlin) und das Nachdiplomstudium "Feministisches Grundstudium". Rosa-Mayreder-College Wien: http://www.rmc.ac.at Rebecca Vermot, studierte Journalistik an der Universität Fribourg und Politikwissenschaften an den Universitäten Konstanz (D), Bern und Genf. Ihre Lizenziatsarbeit verfasste sie zum Thema «Relevanz der Friedensinitiativen im Sudan» im Fachbereich Konflikt- und Friedensforschung. Sie arbeitete als Journalistin erst bei Schweizer Radio DRS (1998-2000) und später als Bundeshauskorrespondentin für Schweizer Radio International/swissinfo (2000-2002).

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Dr Noa Zanolli Davenport, begleitet das Projektteam als Coach und moderiert die Projektplanungsworkshops. Sie ist Schweizerin, Ethnologin und Lehrerin, und hat sich seit 1986 in den USA auf dem Gebiet der Konfliktlösung und der Mediation spezialisiert. Nach mehrjaehriger Tätigkeit in der Schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit und beim Schweizerischen Roten Kreuz, wurde sie Leiterin der Erziehungs- und Forschungsabteilung am Iowa Peace Institutes. Zur Zeit ist sie als freiberufliche Beraterin und Ausbildnerin auf dem Gebiet Konfliktlösung, Entwicklung und Friedensbildung, vor allem in Africa, taetig. Als Beraterin ist sie vor allem mit IRIS (Iowa Resource for International Service und mit dem IMTD (Institute for Multi-Track Diplomacy) in Washington DC assoziert. Bis November 2004 ist sie Programme Advisor für Oxfam-GB's Development and Peacebuilding Programme in Rwanda tätig. Heute ist sie unabhängige Ausbildnerin in Konfliktbearbeitung und Mediatorin, spezialisiert in interkultureller Kommunikation. Noa Davenport übte lange Zeit Beratungstätigkeiten in Asien und Afrika aus und war Ko-Leiterin von Trainingsprogrammen des U.S. State Department, die durch das Iowa Resource for International Service (IRIS) durchgeführt wurden. Schwerpunkt war hier peace building und Demokratisierung in West-, Ost- und Zentralafrika. Als Partnerin des Institute for Multi-Track Diplomacy in Washington DC war sie kürzlich als Beraterin für Friedensförderung und Entwicklung in Ruanda tätig. Sie ist Dozentin an der Iowa State University und Fakultätsmitglied an der der William Penn University, School for Working Adults. Institute for Multi-Track Diplomacy: http://www.imtd.org/about_keypersonnel.htm Team Asia, Middle East and Oceania Koordinatorin Pazifik Sandy Fong, lebt auf Fiji und arbeitet als Koordinatorin für das Pazifik Team des Projekts 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005. Zuvor arbeitete sie während zwei Jahren im Friedensprogramm des Ökumenischen Zentrums für Wissenschaft, Bildung & Fürsprache (ECREA). Erst assistierte sie bei der Auswertung der ländlichen Entwicklungsprogramme, 2003 ergab sich daraus eine Vollanstellung als Assistentin der Projektkoordinatorin. Vorher war sie während zwei Jahren ehrenamtlich in der Frauenrechtsbewegung von Fiji aktiv und half bei der Entwicklung eines Handbuches zur Aufklärung von Frauen über ihre Arbeitsrechte, das 2002 erschien. Sandy Fong wird von Nicci Simmonds und Koila Costello unterstützt und beraten. Ökumenisches Zentrum http://www.ecrea.org.fj/ Koordinatorin Südostasien Paulynn Paredes Sicam, lebt in Makati City, Philippinen. Sie war von 1991-1994 Mitglied der Philippine Commission on Human Rights (CHR). Als Kommissarin für Bildung und Information war sie verantwortlich für die Entwicklung des CHR Menschenrechts-Trainingsprogramms für Militär, Polizei und LehrerInnen, ein Programm für Wissenschaft, Bildung & Fürsprache:

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das auf Partizipation und Experimenten aufbaut. Dafür erhielt die CHR 1994 den UNESCO Preis für Menschenrechtserziehung. Diese Kenntnisse verbreitete sie später in Indien, in der Mongolei, in Kanada, Vietnam, Indonesien, Thailand, Malaysia und Deutschland. Sie ist Mitinitiantin regionaler Menschenrechts-Mechanismen in der ASEAN und arbeitete von 1993-1997 als Beraterin der Regierung in den Friedensverhandlungen mit der National Democratic Front (kommunistische Rebellengruppierung). Heute ist sie Herausgeberin des Internet-Magazins CyberDyaryo, das Themen der Zivilgesellschaft aufgreift und Artikel über den Friedensprozess, Menschenrechte, Agrarreformen und die demokratische Entwicklung veröffentlicht. Sie ist Beraterin der Benigo Aquino Jr. Stiftung und da Leiterin des Friedens- und Menschenrechtsbüros. Ko-Koordinatorin Südostasien Karen N. Tanada, ist als Ko-Koordinatorin zusammen mit Paulynn Paredes Sicam für die Suche und Dokumentation von Friedensfrauen in Südostasien zuständig. Sie ist Exekutivdirektorin des Gaston Z. Ortigas Peace Institute, ein Zentrum für Frieden und Konfliktlösung in den Philippinen. Es unterstützt insbesondere das zivilgesellschaftliche Engagement in Friedensprozessen. Seit den 70er Jahren hat sie sich in Sozialbewegungen engagiert, unter anderem auch im Kampf gegen die Diktatur. Sie war eine der Mitbegründerinnen der Coalition for Peace. Sie ist auch eine der führenden Persönlichkeiten der feministischen Organisation PILIPINA. Von 1990 bis 2000 wirkte sie als Koordinatorin des Women's Action Network for Development (WAND), einem nationalen Netzwerk von Frauengruppen und NGOs mit Gender- und Entwicklungsprogrammen. Zudem engagierte sie sich im Umweltbereich als Beauftragte eines NGO-Konsortiums für das Management von Naturschutzgebieten. Koordinatorin Indien, Bangladesch, Bhutan, Nepal, Sri Lanka Kamla Bhasin, Ökonomin und Soziologin, lebt in Indien. Sie arbeite während 28 Jahren für ein UNO-Projekt, das die Organisationen der Zivilgesellschaft und deren Netzwerke stärkt. Themen waren: Nachhaltigkeit, Gender, Menschenrechte, Frieden etc. Sie ist Mitbegründerin zahlreicher Frauengruppen und -organisationen auf regionaler und internationaler Ebene (z.B. SANGAT - South Asian Network of Gender Activists and Trainers, SAWF - South Asian Women's Forum, ACFOD - Asian Cultural Forum on Development, WIPSA - Women's Initiative for Peace in South Asia, SAHR - South Asians for Human Rights). Heute koordiniert sie, in enger Zusammenarbeit mit Jagori, Women's Ressource and Training Centre SANGAT in New Delhi und leitet als Beraterin und Fachfrau Workshops und Trainings zu obigen Themen für Frauenorganisationen, nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen, Regierungsmitglieder, ParlamentarierInnen und UN-Agenturen. Sie ist Autorin von Büchern über teilnehmende (participatory) und nachhaltige Entwicklung, Empowerment von Frauen, Gender und Frieden. Sie schreibt Texte für Frauenbewegungen und Kinderlieder. Zu ihren Publikationen zählen «Borders and Boundaries: Women in India's Partition» (1998), «Exploring Masculinity» (2003) und «Turning Dangers Into Opportunities: Young People and HIV /AIDS in South Asia» (2003).

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Für weitere Informationen: http://www.cddc.vt.edu/feminism/Bhasin.html SANGAT: http://www.jagori.org/pdf/sangat%20brochure%20.PDF Koordinatorin Afghanistan und Pakistan Dr Sima Samar, ist Ärztin und lebt in Afghanistan. Sie war die erste stellvertretende Präsidentin in Afghanistan und Ministerin für Frauenangelegenheiten in der Übergangsregierung bis Juni 2002. Heute ist sie Vorsitzende der ersten unabhängigen Menschenrechtskommission in der Geschichte Afghanistans (Afghan Independent Human Rights Commission AIHRC). Sie ist Direktorin der Shuhada Organization und unterstützt 12 Kliniken und 4 Spitäler nur für Frauen und Kinder sowie 60 Schulen in Afghanistan und Pakistan mit mehr als 40'000 Studierenden. Shuhada Organization: http://www.shuhada.org/ Koordinatorin Nordafrika, Teile des Nahen Ostens, England, Irland Anita Mir, aus Pakistan lebt zur Zeit in England, wo sie ihre Dissertation schreibt. Sie arbeitete jahrelang als Journalistin in Pakistan und war Reporterin für die "The Frontier Post" in Lahore bevor sie bei Nichtregierungs-Organisationen tätig wurde. Anita Mir thematisierte vor allem Menschenrechtsthemen, speziell jene, die religiöse Minderheiten und Frauen betreffen. In ihrer Arbeit sowie in ihrem persönlichen Engagement sind diese beiden Themen immer wiederkehrend. Ihre Artikel erschienen in den wichtigsten englischsprachigen pakistanischen Zeitungen und Magazinen und auch im Journal der Friedrich Naumann Stiftung. Koordinator Nordamerika und Kanada, Japan, Korea Dr Margo Okazawa-Rey, siehe Team Amerika Koordinatorin Indochina, Thailand Supawadee Petrat (Kratae), ist eine Mitarbeiterin der nationalen Menschenrechtskommission. Als Beraterin für genderspezifische Angelegenheiten der Women Workers Unity, sowie dem des Committee of the Collective Action for Women Workers Foundation (Committee for Asian Women, CAW), ist ihr die Situation der Frauen, speziell der berufstätigen Frauen im Asien vertraut. Seit 1988 konzentriert sie sich auf Frauenfragen in Thailand und den umliegenden Ländern. Nach ihrer Tätigkeit als Assistenz-Koordinatorin im Women in Development Consortium an der Thammasart Universität in Thailand, unterstützte sie im Rahmen eines Austauschprogramms des Asian Migrant Centers AMC in Hong Kong, ausländische Arbeitskräfte während der oft schwierigen Integrationsphase. Zurück in Thailand arbeitete sie für das Center of Friends of Women Foundation FOW, das sich für die Rechte von Arbeiterinnen und gegen die Gewalt an Frauen einsetzt. Als Programm-Koordinatorin im Committee for Asian Women CAW setzte sie sich für die

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Besserstellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt ein. Heute ist sie überdies Ressourcenperson für Gleichstellungsfragen in Thailand. Koordinatorin China, Taiwan, Hong Kong Dr Lau Kin Chi, unterrichtet vergleichende Literaturwissenschaft, kritische Pädagogik, globale Kultur, lokale Regierungsführung und Umgang mit Gewalt im Departement für Kulturwissenschaft an der Lingnan Universität in Hong Kong, China. Sie ist Vorstandsmitglied der Redaktion von Cultural and Social Studies und Asian Exchange. Sie ist Mitbegründerin der Gruppe China Social Services and Development Research Centre (CSD), die sich für Entwicklungsforschung und Projekte zum Aufbau der Zivilgesellschaft in China einsetzt. In 2000-03 war sie Ratsvorsitzende vom Asian Regional Exchange für New Alternatives (ARENA), einem Netzwerk von akademischen Aktivisten. Verschiedentlich hat sie Artikel zu Themen wie Modernisierung, ländlichen Wiederaufbau, das Wiederaufleben des Patriarchats und Praxisalternativen in China veröffentlicht. Sie war Ko-Editorin von China Reflected und Resurgent Patriarchies: Challenges for Women's Movements in Asia, eine Publikation von ARENA. China Social Services and Development Research Centre (CSD): http://www.csd.org.hk/ New Alternatives (ARENA): http://www.arenaonline.org/ Chinesische Homepage von 1000 http://www.1000peacewomen-hk.org Koordinatorin Naher Osten Aida Abu-Ras, lebt in Jordanien und ist Präsidentin der Women-Workers Association. Sie führt Kurse zu Gleichstellung, Gesundheit und Sicherheit durch. Die Pharmazeutin ist Mitglied des Menschenrechtsforums und Gründerin der Friends of Women Workers Association. Sie befasst sich intensiv mit der Situation der berufstätigen Frauen im arabischen Raum und führt dazu Seminare und Workshops durch. Sie führte als Trainerin für UNIFEM Seminare zu Gender-, Gesundheits- und Sicherheitsthemen durch. Sie erarbeitete eine Analyse zum Thema Gewalt gegen Frauen. Ihre Themen sind immer wieder die Gleichstellung, Frauenrechte und strukturellbedingte Gewalt. Zur Zeit leistet sie konzeptionelle Arbeit für UNIFEM zum Thema Wanderarbeiterinnen. Frauen für den Friedensnobelpreis 2005:

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