Aus Newsletter von Radio Vatikan – 02.06.

2010
THEMEN DES TAGES: Nahost: Jerusalemer Patriarch fordert Umdenken in Gaza-Politik Zwei Tage nach der gewaltsamen Erstürmung der „Solidaritätsflotte“ vor dem Gazastreifen durch israelisches Militär lässt die internationale Kritik am israelischen Vorgehen nicht nach. Die israelische Regierung selbst bemüht sich um Schadensbegrenzung und begründet die Eskalation der Gewalt auf den Schiffen mit brutalem Vorgehen der Besatzung gegen die Soldaten. Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, fordert in der Kontroverse zum Innehalten und Nachdenken auf: Es gehe darum, durch Gesten des Vertrauens den Hass einzudämmen. Das sagte der Patriarch unserer Korrespondentin Gabi Fröhlich vor Ort. Patriarch Twal, mittlerweile mit ein wenig Abstand: Wie sieht die Ortskirche den Vorfall in den Gewässern vor Gaza? „Es hat wenig Sinn, den vielen Verurteilungen des israelischen Vorgehens noch eine weitere hinzuzufügen. Was die Israelis jetzt brauchen, ist ein Moment des Innehaltens: Sie müssen überlegen, was ihrem Wohl und ihren Interessen wirklich dient. Und sie müssen sich die Zeit nehmen, die Folgen ihrer Handlungen abzuwägen. Solche Dinge darf man nicht der Willkür einer militärischen Option überlassen. Ansonsten kommt es zu so unbedachten Aktionen wie diesem kopflosen Angriff auf die ‘Solidaritätsflotte’ mit Toten und Verletzten, und das auch noch auf internationalen Gewässern. Ich frage mich tatsächlich, wo wir hier sind – da fehlt doch jegliches Gespür für das Maß...“ Wer verloren hat durch den Vorfall, scheint klar – gibt es auch Gewinner? „Meine Befürchtung ist, dass die Radikalen auf beiden Seiten gewinnen. Die Gemäßigten, um Ausgleich Bemühten finden immer weniger Gehör – da sind wir schon längst vom guten Weg abgewichen. Darum sollten wir uns nun dringend zusammensetzen – Israelis, Palästinenser und unsere Freunde im Ausland – und uns überlegen, wie wir eine gemeinsame Zukunft aufbauen können. Israel will Frieden und Sicherheit, das ist sein gutes Recht. Was müssen wir also säen, um Frieden und Sicherheit zu ernten? Doch sicher nicht Gewalt, dadurch ernten wir nur weitere Gewalt. Stattdessen frage ich mich, was so schädlich daran gewesen wäre, Schiffe mit Lebensmitteln und Medikamenten an Bord zu Not leidenden Menschen durchzulassen. Wäre das nicht eher eine Geste des Friedens gewesen?“ (kna) Ockenfels: „Köhlers Rücktritt ist ein dramatisches Zeichen!“ Der katholische Sozialethiker Wolfgang Ockenfels kritisiert nach dem Köhler-Rücktritt die Bundesregierung. Gegenüber dem Kölner domradio bemängelt Ockenfels die zunehmende Politisierung des Amtes. Man habe Köhler „wie irgendeinen Parteipolitiker“ behandelt. Ockenfels: ... Köhler hatte seinen Rücktritt bis zum Schluss geheim gehalten, auch vor der Kanzlerin. Wollte er damit ein Zeichen setzen? „Ein sehr dramatisches Zeichen! Aber die Frage nach seiner persönlichen Motivation braucht man nicht weiter nachzuprüfen. Die Gründe, die er selber angegeben hat, reichen für meine Begriffe völlig aus. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass man ihn isoliert hat. Und zwar aus dem bürgerlichen Lager CDU und FDP. Aus der Koalition hat er wohl zu wenig Unterstützung erhalten. Das ist also auch ein Vorwurf gegen Frau Merkel.“ ... (domradio) Papst: „Gute Theologen verbinden Herz und Seelsorge“ Theologen sind ein Reichtum, wenn sie mit viel Herz und einer gesunden realistischen Seelsorge tätig sind. Das unterstrich Papst Benedikt XVI. an diesem Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Er setzte die Reihe der Mittwochskatechesen zu bedeutenden Theologen des Mittelalters fort. Diesmal ging es um den heiligen Thomas von Aquin (1225-1274), und zwar mit seinem Leben. ... (rv)

AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM: Vatikan: Compostela-Ausstellung beginnt Die Jakobsmuschel ist in den Vatikan eingezogen. Santiago de Compostela feiert 2010 ein Heiliges Jahr, denn der Namenstag des Stadtpatrons fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Aus Anlass des Jubiläums gibt es jetzt im Vatikan eine Ausstellung. Die Schau ist dem ersten Erzbischof von Santiago de Compostela, Diego Gelmírez, gewidmet. „Compostela und Europa. Die Geschichte des Diego Gelmírez“ – so lautet der Titel der Ausstellung, den die Region Galizien organisiert hat. ... Erzbischof Diego Gelmírez war ein einflussreicher Mann - und unermüdlicher Reisender. Er wurde vermutlich 1069 als Sohn eines galizischen Adligen geboren. Er knüpfte Beziehungen nach Rom und trieb den Bau der Kathedrale in Santiago stark voran. Vermutlich ist es auch sein Verdienst, dass die Wallfahrt nach Santiago de Compostela ein ähnliches Niveau erlangte wie Pilgerreisen nach Rom oder ins Heilige Land. .... – Die Wanderausstellung „Compostela und Europa“ verlässt Rom wieder am 1. August. In Paris, wo die Schau den ersten Halt machte, zog sie bereits 13.000 Besucher an. Die Wanderausstellung findet ihren großen Abschluss in Santiago de Compostela. Übrigens: Auch der Papst „pilgert“ in diesem Jahr noch nach Santiago – und zwar Anfang November, kurz bevor das Jubiläumsjahr zu Ende geht. (rv) DIE NACHRICHTEN: Vatikan Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch am Rande der Generalaudienz eine Büste von Pius XII. (1939-1958) eingesegnet. Das bronzene Kunstwerk soll am Samstag in einem Marienheiligtum in Santa Marinella nördlich von Rom aufgestellt werden. Zuvor hatte das Kirchenoberhaupt die US-amerikanische Historikerin Margherita Marchione begrüßt, die an der Audienz teilnahm. Die 88-jährige Ordensschwester verfasste mehrere Bücher über die Rolle von Pius XII. während des Zweiten Weltkriegs. Sie hat sich wiederholt für eine Seligsprechung des Pacelli-Papstes ausgesprochen. (rv/kna) Richard Baawobr (50) aus Ghana ist zum ersten afrikanischen Generaloberen der „Weißen Väter“ gewählt worden. Wie der vatikanische Missionsdienst fides am Dienstag mitteilte, entschied sich das Generalkapitel der „Gesellschaft der Missionare von Afrika“ am Montag für Baawobr, der bisher stellvertretender Generaloberer war. Er tritt die Nachfolge des Franzosen Gerard Chabanon an, der den Orden seit 2004 leitete. .... – Die Weißen Väter zählen gegenwärtig nach eigenen Angaben 1.541 Mitglieder aus 37 Nationen auf allen fünf Kontinenten. Seit dem 10. Mai tagt das Generalkapitel des Ordens in Rom. Die 42 Delegierten aus aller Welt beraten noch bis zum 12. Juni über Ordensangelegenheiten. Der Orden wurde 1868 vom französischen Kardinal Charles Lavigerie (1825-1892) gegründet. (kipa/fides) Etwa 9.000 Priester aus 91 Ländern der Erde haben sich angemeldet zu den Abschlussfeiern des Priesterjahres. Sie werden vom 9. bis 11. Juni an mehreren Feiern im Vatikan teilnehmen. Zu den Höhepunkten gehört ein Gebetstreffen des Papstes mit Priestern am Abend des 10. Juni; dabei können sie dem Papst auch Fragen stellen. .... Am Freitag, dem 11. Juni, findet dann eine große Messe auf dem Petersplatz statt. Dabei werden die Teilnehmer ihre Priestergelübde feierlich erneuern; außerdem wird der heilige Pfarrer von Ars, Jean-Marie Vianney, zum Patron der Priester erhoben. (rv) Europa Deutschland Der ehemalige Augsburger Bischof Walter Mixa ist Presseberichten zufolge vor wenigen Tagen in

Rom gewesen. Dies bestätigte am Mittwoch auf Anfrage auch eine Sprecherin der Bischöflichen Pressestelle in Augsburg. Näheres über den Zweck von Mixas Aufenthalt sei jedoch nicht bekannt. Der Geistliche war wegen Misshandlungsvorwürfen von seinem Bischofsamt zurückgetreten. Ein für den 18. Juli im Augsburger Dom geplanter Festgottesdienst anlässlich der Priesterweihe Mixas vor 40 Jahren sei abgesagt worden. Das bestätigte die Sprecherin der Diözese, Kathi Marie Ulrich. Auch eine Feier aus diesem Anlass in der Gebetsstätte Wigratzbad der Petrusbruderschaft habe der Diözesanadministrator, Weihbischof Josef Grünwald, verhindert, so die Sprecherin weiter. (kap) pm) Türkei/Deutschland Der Leiter des Katholischen Büros bei der deutschen Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, hat Ankara zu größerem Respekt für die christliche Minderheit aufgefordert. Die Türkei sei von Religionsfreiheit, wie sie in Europa bestehe, trotz mancher Fortschritte „noch weit entfernt“. Das sagte Jüsten am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur. Er hält sich seit Montag mit einer Delegation der Bundestags-Unionsfraktion in der Türkei auf. Im Mittelpunkt der Reise steht die Lage der Christen in dem Land und die Situation des christlichen Klosters Mor Gabriel im Südosten der Türkei. Von Dienstag auf Mittwoch übernachtete die Gruppe unter Leitung des Fraktions-Vizes Johannes Singhammer (CSU) in dem mehr als 1.600 Jahre alten Kloster im Südosten des Landes. Die Mönche von Mor Gabriel müssen sich seit längerem mit Rechtsstreitigkeiten um Grundstücksfragen auseinandersetzen. Der Prälat nannte die Visite einen Solidaritätsbesuch bei einer bedrängten Minderheit. Die syrisch-orthodoxen Christen in den Dörfern um Mor Gabriel lebten unter schweren Bedingungen, so Jüsten. Die Reise hatte am Montag mit Gesprächen im griechisch-orthodoxen Patriarchat in Istanbul begonnen. Am Mittwochabend geht es nach Deutschland zurück. (kna) Großbritannien Eklat zum Auftakt der Weltmissionskonferenz in Edinburgh: Zur Eröffnung am Mittwoch ist deren Direktor Daryl Balia abgesetzt und von der Tagung ausgeschlossen worden. Die ausrichtende Universität von Edinburgh werfe dem südafrikanischen Methodistenpastor rufschädigendes Verhalten vor, meldet der Informationsdienst „Ecumenical News International“ (Eni) am Dienstagabend. Die Jubiläumskonferenz in Schottland mit Vertretern von 30 christlichen Kirchen erinnert an den Beginn der ökumenischen Bewegung vor 100 Jahren. .... – An der fünftägigen Konferenz in Edinburgh nehmen nach Veranstalterangaben mehr als 300 Delegaten und Experten für Missionsfragen aus 60 Nationen teil. Die Tagung steht unter dem Motto „Christus heute bezeugen“. Das historische Treffen internationaler Missionsgesellschaften in Edinburgh im Juni 1910 gilt als Geburtsstunde der überkonfessionellen Zusammenarbeit. (kipa) Afrika Nigeria Der Erzbischof von Abuja warnt vor einer Instrumentalisierung der Religion. Erzbischof John Onaiyekan sprach bei einer Veranstaltung der Hilfswerk „Kirche in Not“ in der Akademie Klausenhof in Hamminkeln-Dingden (Kreis Wesel). Nach Angaben des katholischen Hilfswerks ist in zwölf Bundesstaaten im Norden Nigerias die Sharia, das religiös begründete Gesetz des Islam, eingeführt worden. Der Bischof sagte, dass die nigerianische Bischofskonferenz die Einführung der Sharia zwar als Gewohnheitsrecht respektiere. Sie lehne es aber als allgemeingültige Gesetzgebung für alle Einwohner Nigerias ab. Der Anteil der christlichen und muslimischen Gläubigen in dem afrikanischen Land ist mit jeweils 70 Millionen nahezu gleich groß; aufgrund der hohen Geburtenrate wachsen beide Glaubensgruppen. Während der vergleichsweise wohlhabende Süden Nigerias mehrheitlich christlich geprägt ist, leben Muslime vor allem im Norden des Landes. ....(pm)