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Schwinger-Chef Lanz unter Beschuss

Hans-Martin Jermannund Daniel Haller
Schwingfest Medienverantwortliche kritisiert Alleingang ihres Präsidenten beim geplanten
«Eidgenössischen»
Geht das so weiter, dann wird’s nichts mit dem Eidgenössischen Schwingfest 2022 in Aesch:
Ende vergangene Woche stellten die betroffenen Bauern im Nachgang zur Präsentation der
Machbarkeitsstudie klar: Ihr Boden stehe für die Durchführung des «Eidgenössischen» definitiv
nicht zur Verfügung (bz vom Freitag). Nun kommt für den Verantwortlichen der Projektgruppe,
den kantonalen Schwingerverbandspräsidenten Urs Lanz, auch massive Kritik aus den eigenen
Reihen.
Übergangener Vorstand
«Der Vorstand des Verbands ist bei der Ausarbeitung und Präsentation der Machbarkeitsstudie
komplett übergangen worden», kritisiert die Kommunikationsverantwortliche des
Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverbands, Anita Biedert, auf Anfrage der bz. Seit vor
ziemlich genau einem Jahr die Mitglieder an der GV ihren Segen zur Durchführung der
Machbarkeitsstudie gegeben hätten, sei diese nie mehr Thema einer Vorstandssitzung gewesen.
Weder sei die am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Studie vorgängig dem Vorstand
präsentiert, noch seien die Vorstandsmitglieder an die von Lanz einberufene Medienkonferenz
eingeladen worden, berichtet Biedert. Dabei ist laut der Medienverantwortlichen der
Gesamtvorstand und nicht eine Einzelperson mit der Studie beauftragt worden. Biedert kritisiert
das «eigenmächtige Vorgehen» ihres Präsidenten, auch deshalb, weil mit dem Alleingang die
Chancen für die Durchführung eines Schwingfests geschmälert, wenn nicht verunmöglicht
würden. Sie sei von Politikern, Schwingern und Bauern wiederholt angesprochen worden und
habe deren Anliegen aufgenommen. Sie sei überzeugt, dass sie – dem Bauernstand und
Naturschutzorganisationen nahe – in der schwierigen Situation hätte vermitteln können: «Der
Präsident ging allerdings gar nicht auf ein konstruktives Gespräch mit mir ein», bedauert Biedert.
Fakt sei, dass Präsident Lanz die Bauern im Abklärungsprozess erst übergangen habe, diese
aber dann über den politischen Weg ins Boot holen wollte. Biedert bedauert sehr, dass durch das
Verhalten des Präsidenten nun der gesamte Verband «in harscher, wenn auch berechtigter
Kritik» der Betroffenen stehe.
Lanz wehrt sich
Lanz bestätigt, dass der Vorstand nicht direkt an der Machbarkeitsstudie beteiligt war: «Der
Vorstand hat beschlossen, dass eine Projektgruppe gebildet wird, die für die Studie zuständig ist.
Bei der Suche der Mitglieder für diese Projektgruppe waren die Klubpräsidenten und der
Vorstand involviert.» Die Mitarbeit in der Projektgruppe sei also auch allen Vorstandsmitgliedern
offen gestanden. Er sei jedoch das einzige
Vorstandsmitglied in dieser Projektgruppe. «Der Vorstand hat andere Aufgaben.» Da gebe es
eine klare Aufgabentrennung zur Projektgruppe. Lanz bestreitet, dass dadurch der Vorstand
übergangen wurde: «Der Vorstand war immer über jeden Schritt informiert, das war an jeder
Sitzung ein Thema.» Hinter den Kulissen ist im Kantonalschwingerverband seit längerem eine
Kontroverse ums «Eidgenössische» im Gang. Mehrere Ehrenmitglieder,
darunter der Liestaler Hans-Peter Rickli, sprachen sich im August in der bz dafür aus, das
Schwingfest 2022 doch im Gebiet St. Jakob anstatt wie von Präsident Lanz gewünscht in Aesch
durchzuführen. Zum Vorgehen von Verbandspräsident Lanz hat auch er eine klare Meinung: «Er
hat im Alleingang gehandelt. Das gibt mir zu denken.» Kommunikationschefin Biedert betont:
«Ich lasse mir keinen Maulkorb mehr anlegen». Die öffentliche Kritik seiner
Medienverantwortlichen wird Lanz kaum als Bagatelle abtun können: Biedert gilt in der
Schwingerszene als gut vernetzt. Die Muttenzer Sekundarlehrerin und SVP-Politikerin
ist die Tochter des letzten Schwingerkönigs aus dem Baselbiet, Peter Vogt. Die bz weiss von
weiteren Vorstandsmitgliedern, die sauer sind wegen des Vorgehens ihres Präsidenten. An der
Generalversammlung des Schwingklubs Waldenburg am Samstagabend in Hölstein soll es
ebenfalls gewaltig rumort haben.