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Ohne die Bauern kein Schwingfest

Das «Eidgenössische» in Burgdorf konnte nur stattfinden, weil die Landwirte mitzogen
Von Christian Horisberger
Aesch/Burgdorf. «Wenn man die Bauern nicht auf seiner Seite hat, kann man es gleich
vergessen», sagt Fritz Kunz. Er muss es wissen. Als einer von fünf Landwirten hatte er vor
drei Jahren dem Eidgenössischen Schwingfest (Esaf) in Burgdorf auf seinem Pachtland
Gastrecht gewährt. Im Baselbiet sieht es nicht danach aus. Mehrere betroffene Landwirte
haben kein Interesse daran, ihren Boden für den Grossanlass zur Verfügung zu stellen. Kunz
gibt dem Esaf in Aesch daher kaum Chancen.
Die Promotoren der Grossveranstaltung im Emmental vor drei Jahren hatten die Bauern von
der ersten Stunde an einbezogen. «Ohne das Terrain kein Schwingfest», sagt der damalige
OK-Chef Andreas Aebi rückblickend.
Ertragsausfall abgegolten
Schon nach der ersten Besprechung sei für alle fünf Landwirte klar gewesen, dass sie den
Grossanlass unterstützen würden, sofern ihr Ertragsausfall kompensiert würde, erinnert sich
Kunz. «Hätte einer von uns Nein gesagt, hätte es nicht geklappt. Aber es waren alle dafür.
Das war das Glück der Veranstalter.» Nicht nur: Dass der damalige OK-Präsident Aebi
ebenfalls Landwirt ist und seinen Berufskollegen nahesteht, war sicher nicht von Nachteil.
Der Ertragsausfall sei gemäss Vertrag abgegolten worden, und es hätte für die Landwirte
gestimmt,
betont
Aebi.
Von
Beeinträchtigungen
am
Kulturland
über
die
Entschädigungsperiode von einem Jahr hinaus wisse er nichts, sagt der SVP-Nationalrat.
«Gäbe es die, würden sich die Landwirte bei mir melden.» Es gibt sie: Man sehe es den
Feldern noch immer genau an, wo der Boden während des Schwingfests am stärksten
belastet und verdichtet wurde, sagt Landwirt Kunz. Doch die Auswirkungen seien nicht so
gravierend, dass für ihn daraus wirtschaftlich relevante Ertragsausfälle resultierten.
Wie bei der Ebene zwischen Reinach und Aesch handelte es sich beim Gebiet Ey bei
Burgdorf um eine rein landwirtschaftlich genutzte Fläche. Der Boden wurde beim Aufbau der
Infrastruktur bestmöglich geschützt: Als Hauptverkehrswege zum und auf dem Festgelände
beispielsweise wurden 60 Zentimeter dicke Mergel-Pisten auf einem Vlies angelegt, erklärt
Kunz. Vier bis fünf Monate blieb das Material liegen.
Die am stärksten belasteten Bereiche haben sich laut dem Landwirt noch nicht vollständig
erholt. Erkennbar sei dies vor allem an den Mais- oder Weizenfeldern. Je grösser das
Gewicht der Bauten war, desto geringer der Wuchs. Ein solches Fest sei eine Belastung für
den Boden, sagt Kunz. Für ihn sei sie tolerierbar gewesen. Auch, weil es sich um eine
einmalige Geschichte gehandelt habe. «Aber ich begreife, wenn einer sagt, dass er dies
nicht wolle.»

Zäher Widerstand in Aesch
Die Projektgruppe «Aesch 2022» hatte Landwirt Kurz und einen Berufskollegen im Frühling
eingeladen, um den betroffenen Bauern in Aesch von ihren Erfahrungen beim Esaf 2013 zu
berichten. «Als ich das Treffen verliess, war ich überzeugt: Die werden sich nicht einig, die
bringen das nicht hin», erinnert sich der Burgdörfer. «Wenn das Schwingfest 2022 in der
Region Basel stattfinden wird, dann im Joggeli.»
Noch immer aber hoffen die Baselbieter Schwinger, die Bauern, die sich gegen das Fest mit
250 000 Besuchern an drei Tagen stemmen, überzeugen zu können. Eine erste CharmeOffensive hat nicht verfangen: Aufgrund des Gesprächs mit den Landwirten im Frühling
wurde das Projekt in einigen Punkten nachgebessert. Die Bauernfamilie Schürch, die einen
Teil des benötigten Kulturlands bewirtschaftet, zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt und
lehnt den Monster-Anlass weiterhin kategorisch ab (die BaZ berichtete).
Unter Einbezug der Fachleute vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain wollen die
Schwingfest-Promotoren das Gespräch mit den Landwirten erneut suchen. Der OK-Chef von
Burgdorf würde gerne mithelfen. Sollten seine Erfahrungen gefragt sein, stehe er zur
Verfügung, sagt er. Dafür müsste er sich aber erst in das Dossier einlesen. «Bisher weiss ich
von dem Projekt nur, das Maya Graf dagegen ist.»