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SPEZIAL GOLF

Mallorca Magazin, Oktober 2016

Wenn die
Rasenstücke
fliegen
Golf kam im Leben von MM-Redakteurin Sophie Mono bisher
schlicht nicht vor. Jetzt wagte sie eine Schnupperstunde
VON
SOPHIE MONO

Mein erstes Mal
auf dem Golfplatz. Zum Glück
habe ich Golflehrer Juan Schmidt
Coll an meiner
Seite. Fotos (4): Pa-

E

s ist das erste
Mal, dass ich
einen
Golfschläger in die
Hand nehme.
Zugegeben: sogar das erste Mal, dass ich überhaupt
auf einem Golfplatz bin.
Golf, das kam in meinem
Leben bisher schlicht nicht
vor. Richtige Ballsportarten
schon eher. Als Kind hat
mich mein Vater mit auf den
Fußballplatz
genommen.
Zum selbst Kicken und zum
zuschauen. Das Bochumer
Ruhrstadion und der Golfplatz Son Termens haben
ungefähr soviel miteinander
gemein wie die gute alte
Ruhrpott-Currywurst und der
Champagner, der bestimmt
im Clubhaus auf der Anlage ausgeschenkt wird. Ich
blicke auf die grünen Hügel. Wer hätte das gedacht? Ich und Golfspielen,
auf Mallorca ... ich fühle
mich gründlich fehl am Platze.

Gut, dass ich Juan „Schuan” Schmidt Coll an meiner
Seite habe. 57, DeutschMallorquiner, für die kommenden zwei Stunden mein
Golflehrer und glücklicherweise erstaunlich bodenständig.
„Normalerweise
würdest du mit der Kleidung
hier nicht spielen dürfen”,
sagt er zu mir und deutet auf
meine kurzen Shorts und
mein dünnes – und vor allem kragenloses – T-Shirt.
„Aber das ist heute egal”,
fügt er hinzu und lächelt
sympathisch.
Ich habe es nie verstanden, wie Menschen freiwillig Hunderte von Euro ausgeben, um mit einem
Schläger einen kleinen Ball
über künstlich angelegte
Wiesen zu schlagen und
das auch noch als Sport
bezeichnen. Ja, ich habe
Vorurteile. Von dem kontroversen Thema Bewässerung ganz zu schweigen…

tricia Lozano

Schmidt Coll drückt mir
den Golfschläger in die
Hand. Mein erster Schlag
auf der Driving Range ist
gar nicht so schlecht. Ganze fünf Meter rollt der Ball
nach links, bevor er auf
deprimierende Weise liegen bleibt, gestoppt von
einem mickrigen Grashalm. Ok, so einfach, wie
es aussieht, ist Golf wohl
nicht.
„Zunächst machen wir
ein paar Trockenübungen”, sagt Schmidt Coll,
der höflich über meinen

jämmerlichen Schlag hinwegsieht. Ja, Etikette hat er
drauf. Und auch die Technik. Gut positionieren, den
Schläger ausrichten, richtig greifen, zum Schlag
ausholen und dabei mit
der linken Schulter leicht
nach unten drücken, gezielt nach unten fallen lassen – schon nach wenigen
Minuten schwirrt mir der
Kopf von so vielen Informationen. Doch mein Ehrgeiz
ist geweckt – immerhin den
kann ich vom Fußball mitbringen.
Der
zweite
Schlag mit Ball sitzt. In ei-

nem doch ganz ansehnlichen und recht hohen Bogen fliegt der Ball durch
die Luft. Relativ gerade
und relativ weit, finde ich –
zwanzig Meter, mindestens! Ich jubele, Schmidt
Coll jubelt mit mir, gibt mir
High five. Ich habe Feuer
gefangen. Ich will runter
von der Driving Range,
will endlich auf den Platz.
Bisher kannte ich den
kleinen Wagen („das ist
ein Buggy”, lehrt mich
Schmidt Coll) nur aus dem
Fernsehen, jetzt fahren wir

Sieht fast professionell aus: Die ersten Schläge auf dem Platz laufen gut. Manchmal fliegt der Ball
sogar weiter als das Stück Rasen, das ich aus Versehen aus dem Boden schlage.

damit zu meinem ersten
Loch. Noch vor wenigen
Minuten habe ich die Menschen belächelt, die damit
fahren, jetzt merke ich: Der
Buggy macht durchaus
Sinn, die Wege sind weit
in Son Termens und eigentlich macht es auch viel
mehr Spaß, in dem luftigen
Gefährt über die sonnenüberfluteten Hügel zu brausen – 25 Stundenkilometer
kommen einem viel schneller vor, wenn man sie
knapp über dem Rasen
und ohne schützende Wände oder Scheiben zurücklegt. „Wer den ganzen
Platz spielt, muss insgesamt
etwa sechs Kilometer laufen. Die richtigen Sportler
machen das, viele sind dafür aber zu bequem und
fahren lieber”, berichtet
Schmidt Coll und hält an einer Markierung im Grünen.
Par 4 steht auf einem
Schild. So viele Schläge
sind also für dieses Loch angelegt, lerne ich. Allein: Die
Fahne, die das Loch markiert, ist nirgends zu sehen.
„Die ist dort hinten, hinter
der Schlucht”, sagt Schmidt
Coll und deutet wage nach
rechts, wo ich nur eine
Baumgruppe entdecke. Ich
muss schlucken. Mein erster
Schlag ist – milde ausgedrückt – ausbaufähig. Das
riesige Rasenstück, das ich
direkt erwische, fliegt jedenfalls deutlich weiter als der

Ball. Ich werde rot, entschuldige mich. „Gar nicht
schlimm, das setzen wir einfach wieder zurück und treten es fest”, beruhigt mich
Schmidt Coll.
Der zweite Schlag sitzt.
Aber: Der Ball liegt nun
knapp vor der Schlucht, hinter der ich nun endlich, im-

Letztlich bleiben
ich und mein Ball
in einer Kuhle
hängen

mer noch Welten entfernt,
die rettende Fahne wehen
sehe. Das wird nichts, denke ich. Wie viel mag ein in
der Schlucht versenkter
Golfball
wohl
kosten?
„Denk einfach nicht darüber
nach, dass dort ein Abgrund ist”, sagt Schmidt
Coll. Er scheint zu ahnen,
was mir durch den Kopf
geht. Der hat gut reden.
Doch ich tue wie mir geheißen. Kopf aus, zuschlagen... mitten in einem Busch
kommt der Ball auf, hinter
der Schlucht! „Toll, er ist drüber”, ruft Schmidt Coll.
„Das kannst du nachher jedem erzählen, dass du es
beim ersten Schlag über die
Schlucht an Loch 12 geschafft hast, das schafft
sonst kaum ein Anfänger.”

Ich weiß nicht, ob er mich
nur aufmuntern will. Und ob
ich jemals überhaupt jemandem erzählen werde, dass
ich unter die Golfer gegangen bin, das weiß ich erst
recht nicht. Doch in diesem
Moment ist das egal – Lob
im Sport tut immer gut und
Erfolge erst recht.
Da sollte auch der beträchtliche Hügel vor mir
kein Problem mehr darstellen. „Das größte Hindernis
beim Golf ist der Ball und
der Druck, den man sich

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SPEZIAL GOLF

Mallorca Magazin, Oktober 2016

Wären da nicht die zwei
weiteren Löcher, die mich
Schmidt Coll spielen lässt.
Die Konzentration sinkt von
Schlag zu Schlag und mit
ihr meine neu gewonnene
Professionalität.
Letztlich
bleiben ich und mein Ball
in einer Kuhle hängen. Es
ist tatsächlich anstrengender, als ich gedacht hätte,
eine Gratwanderung zwischen sportlichem Einsatz
und psychischem Bei-Sichsein.

Das neue alte
Loch 6 von Son
Muntaner: Der
See bestraft
Slice-Spieler
gnadenlos.

„Golf ist lange nicht mehr

Back to the roots
Neues Gras, Rückkehr zum alten Layout: Arabella-Platz Son Muntaner wieder geöffnet

Beim Pendeln ums Loch komme ich mir genau so
ungeschickt vor wie damals, beim Minigolf.

selbst macht. Wichtig ist es,
geschehen zu lassen, nicht
zu viel nachzudenken,
ganz bei sich zu sein”, kommentiert Schmidt Coll. Klingt
fast wie beim Achtsamkeitstraining oder der Meditation, denke ich. Und merke,
dass er recht hat. Nervosität
verscheucht Konzentration,
und ohne die geht es tatsächlich nicht beim Golfen.
Mit zwei weiteren Schlägen
schaffe ich es bis zum
Green. „Jetzt musst du pendeln und zwar mit diesem
Schläger
hier”,
sagt
Schmidt Coll und drückt mir
einen dicken eisernen in die
Hand. „Das kenne ich vom
Minigolf”, sage ich eifrig –
während der Ball dreimal
knapp am Loch vorbeikullert.
Trotzdem kann ich es
nicht abstreiten: Ich freue
mich, bin sogar etwas stolz,
als ich endlich einloche. Zufrieden blicke ich über den
weiten grünen Platz, die
Sicht ist fantastisch, in der
Ferne ist Palma zu sehen,
und noch weiter hinten das
Meer. Solche Aussichten
gab es im Ruhrstadion
nicht. Ich muss lächeln. Es
hat etwas Beruhigendes, in
der Natur zu stehen und zu
versuchen, ganz bei sich zu
sein, fast spirituell.

so elitär, wie es mal war”,
erzählt mir Schmidt Coll, als
wir nach meiner Trainingseinheit auf der schicken
Aussichtsterrasse des Clubhauses sitzen – ganz leger
mit Café und Cola, von
Champagner keine Spur.
750 Euro kosten fünf Tage à
zwei Stunden Golftraining
bei ihm. Dann folgt eine
Prüfung, und für die zugelassenen Golfer jedes Mal,
wenn sie spielen wollen,
rund 100 Euro Greenfee.
„Plus 40 Euro für den Buggy”, sagt Schmidt Coll.
Nicht gerade günstig.
Auf dem Weg nach Hause lasse ich die vergangenen zweieinhalb Stunden
Revue passieren. Golf wird
wohl nie meine Welt sein.
Dafür fehlt es mir an Teamgeist, am Austoben, an grölenden Fans. Aber dass
Golf tatsächlich Spaß machen kann, das habe ich
gemerkt. Ein leichtes Ziehen
in meinen Oberarmen kündigt einen Muskelkater an.
„Ja, vielleicht kann man
Golf tatsächlich als Sport
bezeichnen”, erzähle ich zu
Hause. „Und übrigens: Ich
habe es beim ersten Mal
geschafft, über die Schlucht
an Loch 12 zu schlagen.
Das schafft sonst fast kein
Anfänger.”

er ArabellaPlatz
Son
Muntaner in
Palma
ist
nach
fast
fünfmonatiger Pause wieder geöffnet. Grund für die
Schließung war der Austausch des Rasens auf allen 18 Spielbahnen.

D

modifieren. Es ist ein
Back to the roots, denn
die Spielbahnen sind jetzt
wieder so angelegt, wie
sie der Architekt einst geplant hatte. Später waren
sie geändert worden,
weil sie einem (nie verwirklichten) Hotelprojekt
im Wege standen.

Die
Wiedereröffnung
wurde unter anderem mit
einem Turnier für geladene
Gäste gefeiert, bei dem
Theodor Maass (Golf de
Andratx) als Sieger vom
Platz ging. Beim anschließenden Cocktail wies
der Direktor des Arabella
Golf Resorts Mallorca, Bernat Llobera, darauf hin,
dass man eine Pionierleistung vollbracht habe. Noch
nie sei in Europa in so kurzer Zeit ein kompletter Golfplatz neu eingesät worden.

Ferner wurden in der
Schließungsphase
Teile
des Clubhauses, darunter
die Restaurantterrasse, renoviert.

Turnier-Gewinner Theodor Maass mit Head-Greenkeeper Paco Gavira und Arabella-Golf-Direktor Bernat Llobera (v.l.).

Wie berichtet, wurde
dabei die Grassorte Bermuda Celebration verwendet, die nicht nur besonders geschmeidig für
das Spiel sein soll, sondern auch eine nachhaltigere Pflege mit weniger

Wasser
ermöglicht.
Natürlich wurden auch
die Greens komplett erneuert.
Außerdem wurde die
Zeit genutzt, das Layout
der Löcher 5 und 6 zu

Die ersten Spieler erlebten, dass das Gras auf
den Fairways und Roughs
noch etwas Zeit braucht,
um die gewünschte Dichte
zu erreichen. In bereits
perfektem
Zustand
präsenterten sich hingegen die Greens von Son
Muntaner.

Terrassengolf auf dem
Hoteldach des OD Port Portals

E

in neuer Golf-Event
für Mallorca: Am
Donnerstag,
20.
Oktober, wird zum ersten
Mal mit Blick auf den Hafen
Puerto Portals gespielt. Die
Terrasse des Designhotels
OD Port Portals beherbergt
dann von 18 bis 22 Uhr das
erste internationale Terrassengolf-Turnier auf der Insel.

Organisiert wird der
Event von Golfreiseveranstalter Golfmotion in Zusammenarbeit mit Uwe
Erensmann Sport & EventConsulting.
Erensmann
war auch der Ideengeber
von Terrassengolf auf der
Königsallee in Düsseldorf.
Auf dem Hoteldach sollen
neun individuell gestaltete

Bahnen aufgebaut werden
und so die Terrasse in ein
riesiges Putting-Green verwandeln. In der Hotellobby präsentiert die Firma
4ProGo ein Putting-Green,
das ganz neue Trainingsmöglichkeiten bieten soll.
Als weiteres Unternehmen
ist die Schlägermarke Caledonia mit im Boot, bezie-

hungsweise
Dach.

auf

dem

Die Teilnahme inklusive
Getränken und Fingerfood
kostet 69 Euro pro Person.
Anmeldungen per Mail an
anmeldung@terrassengolf.
com. Oder Tel. +49-1722820692. Weitere Infos:
www.terrassengolf.com.