Bengt Feil

Das deliberative Potential von Weblogs

Das deliberative Potential von Weblogs im Wahlkampf: Die Blogs der Bundestagskandidaten im Wahlkampf 2005
von Bengt Feil

In den letzten Jahren lassen sich bei einer rein empirischen Betrachtung massive Veränderung des Internets feststellen. Diese Veränderungen vollziehen sich in allen Dimensionen des Netzes: der Technischen, der Wirtschaftlichen, der Soziologischen und auch der Politischen. Die Summe dieser Veränderungen wird häufig mit dem Begriff Web2.0 beschrieben. In diesem Aufsatz soll auf eine bestimmte Veränderung in der politischen Dimension eingegangen werden. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, in das Themengebiet der politischen Kommunikation fällt. Es wird dabei um das Auftreten einer Spielart von Politiker-Weblogs gehen: Der Kandidatenblogs und ihrer demokratiefördernden Potentiale. Die Grundlage für diesen Aufsatz liefert meine Diplomarbeit „Blog the Vote! - Bundestagskandidaten als Blogger. Eine Untersuchung zum demokratischen Potential von Weblogs“, welche im Frühjahr 2006 verfasst wurde. Bei der Behandlung dieses Themas wird dieser Aufsatz in vier Teile strukturiert sein. Beginnen werde ich mit einer Definition des Kandidatenblogs und einer Abgrenzung dieser speziellen Form von Weblogs von Blogs im allgemeinen. Dabei wird es notwendig sein, auf bestimmte empirische Ergebnisse vorweg zugreifen. Hierbei möchte ich darauf hinweisen, dass es natürlich im Rahmen eines solchen Aufsatzes nicht möglich ist eine detaillierte Darstellung des Themas Weblogs mit technischen Details und historischer Herleitung durchzuführen. Im zweiten Schritt werde ich theoretisch auf deliberativen Potentiale von Kandidatenblogs eingehen. Anschließend werde in einem empirischen Teil die Blogs der Kandidaten für den Bundestag im Wahlkampf 2005 hinsichtlich der Umsetzung der deliberativen Potentiale, welche im zweiten Teil erarbeitet wurden, betrachtet und bewertet. Dabei wird diese Bewertung parteiunabhängig und unter den Parteien um Vergleich geschehen. Im vierten um letzten Schritt möchte ich versuchen das Kandidatenblog als Phänomen in den breiteren Kontext des Web2.0 einzuordnen und damit gleichzeitig auf mein, sich in der Vorbereitung befindliches, Promotionsprojekt hinweisen. Was ist ein Weblog? Das Phänomen Weblog existiert im Internet seit Mitte der neunziger Jahre (Wikipedia.de: Weblogs; vgl. Blood 2000) und die Anzahl der Weblogs ist seitdem auf über 70 Millionen weltweit angestiegen (Technorati.com: State of the Blogosphere). Diese Erfolgsgeschichte spricht für sich. Es soll nun kurz darauf eingegangen werden, was ein Weblog ist und was das Kandidatenblog von normalen Weblog unterscheidet. Für den ersten Schritt soll hier die folgende Definition für Weblogs dienen: Weblogs (oder kurz Blogs) sind regelmäßig aktualisierte Webseiten, die bestimmte Inhalte in umgekehrt chronologischer Reihenfolge darstellen und üblicherweise durch Verweise und Kommentare untereinander sowie mit anderen Onlinequellen verbunden sind. Dabei kombiniert ihre spezifische Kommunikationsarchitektur Elemente der persönlichen Homepage und des 1

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Diskussionsforums, was ein dicht gespanntes Netzwerk von hypertextuellen und sozialen Verknüpfungen ermöglicht, die man auch als „Blogosphäre“ bezeichnet. (Schmidt, Schönberger, Stegbauer 2005; Hervorhebungen durch den Verfasser) Die definierenden Merkmale eines Weblogs, welche im obigen Zitat hervorgehoben sind, werden in der Arbeit „Blog the Vote – Bundestagskandidaten als Blogger. Eine Untersuchung zum demokratischen Potential von Weblogs.“ (Feil 2006) detailliert diskutiert, so dass hier darauf verzichtet werden soll. Statt dessen sollen die Unterschiede zwischen klassischem Weblog und Kandidatenblog im Mittelpunkt stehen. Hinsichtlich der rein technischen Merkmale, also der umgekehrt chronologischen Reihenfolge der Artikel, der Verwendeten Softwarelösungen, seien es Stand-Alone-Lösungen, wie Wordpress (Wordpress.org) oder Bloganbieter, wie Blog.de, und der weiteren technischen Features, wie Kommentarbereiche, Trackbackfunktionen etc., unterscheiden sich Kandidatenblogs nicht von klassischem Weblogs (vgl. Feil 2006). Die Unterschiede liegen also in der Art und Weise der Nutzung und nicht in der technischen Dimension. Auf diese soll nun eingegangen werden. Kandidatenblogs vs. Private Weblogs Weblogs gelten als „regelmäßig aktualisierte Webseiten“. Beispielhaft hierfür ist, dass 72,3% der deutschen Blogger ihr Weblog mindestens mehrmals wöchentlich (Schmidt, Wilbers 2006). Bei Kandidatenblogs lässt sich diese Regelmäßigkeit, zumindest in Deutschland, nur in einem Teil der Fälle feststellen. Bundestagskandidaten im Wahlkampf 2005 schrieben nur in den seltensten Fällen genau so oft neue Beträge in ihre Blogs, wie private Blogger (Feil 2006). Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei der Zielgerichtetheit von Kandidatenblogs im Vergleich zu privaten Blogs. So ist das primäre Ziel von Kandidatenblogs die Kommunikation mit dem Wähler und der Transport von Wahlkampfbotschaften (Feil 2006), während der allergrößte Teil der privaten Weblogs Tagebuchcharakter hat (Schmidt, Schönberger, Stegbauer 2005). Interessanterweise können auch Kandidatenblogs viele Informationen über das Privatleben der Politiker enthalten, allerdings scheinen diese dann das Ziel zu haben dem Wähler die menschliche Seite des Kandidaten aufzuzeigen (Feil 2006). Betrachtet man die Lebensdauer von Kandidatenblogs, also der Zeitraum in dem der Autor Blogeinträge verfasst hat, so fällt sofort auf, dass diese meist nur in einem bestimmten Zeitraum betrieben wurden. Dieser Zeitraum umfasste zum Beispiel bei den Blogs der Bundestagskandidaten 2005 in fast allen Fällen sechs bis acht Wochen vor und ein bis zwei Wochen nach der Wahl (Feil 2006). In der Blogosphäre ist ein hoher Grad der Verlinkung zwischen den einzelnen Blogs üblich und strukturbildend – bei den Kandidatenblogs aus dem Jahre 2005 fehlte diese Verlinkung in fast allen Fällen völlig (Feil 2006). Diese Unterschiede lassen den Schluss zu, dass Kandidaten Blogs aus einer bestimmten Motivation, nämlich der Instrumentalisierung für den Wahlkampf, heraus für sich nutzen. Ob diese Annahme gerechtfertigt ist, oder ob diese Motivation sich vielleicht mit dem Ausnutzen den deliberativen Möglichkeiten von Weblogs decken kann, soll im nächsten Teil geklärt werden. Deliberative Potentiale von Weblogs Das deliberative Potential von Weblogs kann auf zwei unterschiedlichen Ebenen betrachtet werden. Zum einem auf der Ebene der Deliberation von Themen und Inhalten – in diesem Fall von politischen Themen und Fragestellungen – und zum anderen können die Regeln und Grundlagen einen themenbezogenen Diskurses selbst einem deliberativen Prozess ausgesetzt werden (Feil 2006). Im Sinne der Habermas´schen Theorie, wird unter 2

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Deliberation eine rationale Diskussion verstanden, welcher das Für und Wider bestimmter Positionen argumentativ abwägt (Coenen 2005, vgl. Habermas 1992, Schelyi 2000, Palazzo 2002). Diese rationale Diskussion findet in beiden Fällen, dem Deliberation von politischen Themen und dem Diskurs über die Deliberationsregeln selbst zum einen unter den Lesern eines Blogs in den Kommentarbereichen der einzelnen Artikeln und Blogübergreifend durch die übliches Vernetzung innerhalb der Blogosphäre zwischen Bloggern statt (Feil 2006). Betrachtet man die Möglichkeiten für solche deliberativen Prozesse mit Hilfe von Weblogs, so zeigt sich, dass gute Bedingungen vorliegen um gerade dieses Medium für die Deliberation von politischen Themen zu nutzen (Feil 2006). So sind die technischen Hürden beim Einstieg in die Blogosphäre, sei es mit einem eigenen Blog oder als Leser eines Weblogs sehr niedrig. Dem Leser eines Blogs stellen sich keine größeren Hindernisse, als dem Leser jeder anderen Webseite und durch Bloghostinganbieter, wie blogspot.com oder blog.de, ist der Weg zum eigenen Blog kaum mit mehr Aufwand verbunden (Feil 2006). So dauert das Aufsetzen eines eigenen Blogs bei zum Beispiel blog.de weniger als zehn Minuten. Ein weiterer Vorteil von Weblogs für deliberative Kommunikation stellt die Tatsache dar, dass diese unterschiedliche Formen der Onlinekommunikationen in einem einfach zu nutzenden System verbinden. So findet Kommunikation zwischen dem Autoren und dem Leser eines Weblogs über Artikel und Kommentarebereiche statt, während gleichzeitig durch die Verlinkung von Weblogs untereinander ein Austausch zwischen den Autoren von Weblogs stattfindet (Feil 2006). Die Diskussionen in den Kommentarbereichen von Weblogs sind auf Grund der Struktur eines Weblogs – ein einzelner Kommentarbereich für jeden einzelnen Artikel – fast immer themenbezogen. Die Tatsache, dass Artikel in umgekehrt chronologischer Reihenfolge dargestellt werden führt dazu, dass diese themenbezogenen Diskussion zügig geführt werden, da immer der aktuellste Artikel und damit sein Thema an prominentester Stelle dargestellt wird. Ein Vorteil, von Weblogs als Mittel der Kommunikation über politische Themen könnte die vermehrte Einbeziehung von politikabsinenten Bevölkerungsteilen in den Diskurs sein. Die in der Blogosphäre vertretenen Bürger sind im Durchschnitt jünger als die Gesamtheit der Bürgerschaft. Diese jüngeren Bürger sind es auch, die geringeres Interesse an politischen Vorgängen und Fragestellungen zeigen (Gaiser, Gille, Krüger, Rijke 2000; vgl. Hurrelmann, Albert 2002). Daher ist die Annahme, dass diese sich, durch die Verwendung „ihres“ Mediums, eher am politischen Diskurs beteiligen – Diese These bedarf allerdings eingehenderen empirischen Prüfung (Feil 2006). Die direkte Kommunikation zwischen Politikern und Bürgern wird als wichtiger Punkt für eine gesunde politische Kultur in einer Demokratie angesehen. Die Umsetzung der Vorstellung des direkten Austausches zwischen Bürger und Politikern steht gerade in einem Flächenstaat vor mehreren Problemen. So ist es zum Beispiel auch einen gewählten Repräsentanten nur schwer möglich direkten Kontakt zu „seinem“ Wahlkreis zu halten und auch im Vorfeld einer Wahl kommt es nur selten zum direkten Austausch zwischen Kandidaten und dem Bürger und Wähler. Weblogs können ein Werkzeug sein um einen Teil dieser Kommunikation abzuwickeln. Dabei bieten sie die Möglichkeit der Kommunikation One-to-Many, so zum Beispiel, wenn ein Repräsentant seine Arbeit in einem Blog darstellt, und Many-to-One, wenn Bürger die Kommentarbereiche eines Blogs nutzen um den Politiker, welcher das Blog betreibt direkt anzusprechen (Feil 2006). Des 3

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weiteren macht Ito (ohne Jahr a), unter Verweis auf „Mayfields Ecosystem“, deutlich, dass Weblogs die gleichzeitige Kommunikation in mehreren Netzwerken zulassen. So kann ein Politiker wenn er eine Veröffentlichung zu einen Thema macht gleichzeitig einen vielleicht kleinen Kreis anderer Politiker und einen größeren Kreis interessierter Bürger ansprechen, welche dann wiederum entweder im Kommentarbereich des Politikerblogs oder in ihren eigenen Blogs auf seine Veröffentlichung reagieren. Die Blogosphäre besteht aus mehreren Duzend Millioenen Blogs weltweit, so dass es nicht möglich ist ohne Hilfsmittel zu verfolgen, welche Themen und Fragestellungen zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihr relevant sind. Das wohl wichtigste Hilfsmittel hierbei sind spezielle Suchmaschinen für Weblogs, wie zum Beispiel Technorati oder Blogpulse. Diese Suchmaschinen können dafür benutzt werden um die Blogosphäre als Stimmungsbarometer für die in ihr vertretenen Bevölkerungsteile zu nutzen. So ist es zum Beispiel möglich festzustellen, welche Themen innerhalb der deutschen Blogosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt am meisten diskutiert werden und welche Meinungen dabei vorherrschend sind (Feil 2006). Diese Möglichkeit kann von interessierten Bürger genauso genutzt werden, wie von Politikern. Natürlich kann ist dies nur durch die hohe Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Diskussion innerhalb der Blogosphäre, also auf einzelnen Blogs und zwischen ihnen, möglich. Diese Transparenz kommt durch unterschiedliche Faktoren zustande. Erstens werden Informationen in der Blogosphäre dezentral gespeichert, so dass es einem einzelnen Blogger kaum gelingen kann eine Information oder ein Argument „tot zu schweigen“. Zweites führt die hohe Vernetzung innerhalb der Blogosphäre in Verbindung mit der Tatsache, dass jeder einzelne Blogartikel direkt unter einer eigenen Adresse (URL) auffindbar ist, dazu, dass Diskussionsverläufe leicht nachvollzogen werden können (Feil 2006). Drittens findet sich diese Transparenz auch auf der Ebene eines einzelnen Weblogs: Hier sind es die Kommentatoren, die sofort darauf hinweisen, wenn ein Blogautor Inhalte nachträglich verändert oder seinen Argumenten nicht die entsprechenden Quelleninformationen hinzufügt. Hieraus folgt, dass Informationen relativ permanent und auffindbar innerhalb der Blogosphäre gespeichert werden und als Wissensressource in einem deliberativen Prozess dienen können. So lassen sich Argumente in einzelnen Blogs oder ganze Diskussionsabläufe innerhalb der Blogosphäre mit geringen Zeitaufwand auffinden. Des weiteren kann die Blogosphäre so als Mittel des Selbststudiums den einzelnen Teilnehmern an einen deliberativen Prozess eine Hilfestellung sein (vgl. Böttger, Röll 2004). Zusammenfassend kann die Blogosphäre ein sinnvoller Raum für deliberative Prozesse sein. Allerdings müssen bei diesem positiven Befund einige Probleme bedacht werden, die sich ebenfalls stellen. Allen voran steht das Problem des Digital Divide und die Feststellung, dass die Ergebnisse eines deliberativen Prozesses in der Blogosphäre nur für die dort vertretenen Bevölkerungsteile gelten können. Radikale Verfechter des Gleichheitsgrundsatzes könnten an dieser Stelle der gesamten Idee der politischen Diskurses mit Hilfe von Weblogs und dem Internet als Ort der politischen Kommunikation als Ganzes eine Absage erteilen – allerdings ignoriert dies die Realität der Demokratie in Deutschland, so dass ich mich der Aussage anschließen möchte, dass ein mehr ein politischem Diskurs in keinem Fall negativ bewertet werden kann (Feil 2006). Zusätzlich kann gesagt werden, dass die Schere zwischen Onlinern und Offlinern in Deutschland im Laufe der letzten Jahre abgenommen hat ((N)onlineratlas 2007). Ein weiteres Problemfeld stellt die mögliche Anonymität der Blogautoren und Leser innerhalb der Blogosphäre dar. Hierbei gilt es zwei Ebenen zu betrachten: Erstens stellt sich die Frage, ob die Möglichkeit zur Anonymität in einen deliberativen Diskurs negativ bewertet werden muss und 4

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zweitens, ob diese Möglichkeit zur Anonymisierung durch die Blogger und Leser überhaupt genutzt wird. Der erste Punkt kann hier nicht endgültig geklärt werden, allerdings muss im Rahmen der Transparenzsteigerung, der vollen Ausnutzung des partizipatorischen Potentials und der Schaffung von Rechtssicherheit das Internet deanonymisiert werden und so wird, laut Franz (2005) der „gläserne Bürger“ geschaffen. Dieser Akt der Deanonymisierung wird in vielen online geführten Diskussionen als negativ empfunden. Allerdings muss hier für den Fall der Blogosphäre entgegengehalten werden, dass in einem rationalargumentativen Diskurs jeder der Teilnehmer durchaus Verantwortung für seine Aussagen übernehmen sollten. Des weiteren muss bei der Bewertung des deliberativen Potentials von Weblogs die ungleichmäßige Aufmerksamkeitsverteilung in der Blogosphäre bedacht werden. Laut Shirky (2003) sind es nicht die talentierten Blogger welche den Großteil der Aufmerksamkeit bekommen, sondern die bereits Etablierten. Daraus folgt, dass nicht alle Teilnehmer an einen deliberativen Diskurs in der Blogosphäre gleich viel Macht besitzen, wodurch wiederum in Frage gestellt werden, ob sich tatsächlich das beste Argument innerhalb der Diskussion von politischen Themen durchsetzt. Neben den diskutierten Möglichkeiten einer Deliberation von politischen Themen in der Blogosphäre, ist es interessant zu fragen, wie die Regeln für einen Diskurs im Sinne der deliberativen Demokratietheorie aussehen. Dies geht überein mit der Frage, wie sich die, laut Habermas für den Diskurs notwendige, politische Kultur entwickeln kann. Festzustellen ist, dass weder die Orthographie des Deutschen in der Blogosphäre zwingend ist, wie an den vielen Anglizismen und Kunstwörter sehen kann, noch gibt es ein festes Set an Themen oder Quellen existiert, welche für alle Blogger verbindlich wären. Vielmehr ist es so, dass die Rahmenbedingungen und Grundregeln in denen sich die Tätigkeit des Blogging bewegt sich stetig weiterentwickeln. Es ist insofern sinnvoll die Blogosphäre als umstrittenen Raum (contested space) zu begreifen (Coenen, 2005). Durch diese Offenheit besteht in der Blogosphäre die Möglichkeit über eine MetaDiskussion über die Regeln eines themenbezogenen Diskurses (Feil 2006). Diese MetaDiskussion kann gleichermaßen in einem Blog, in den Kommentarbereichen der einzelnen Einträge oder in mehreren Blogs, die untereinander vernetzt sind stattfinden. Beispielsweise werden Blogautoren von ihren Kommentatoren oder anderen Bloggern darauf hingewiesen, dass in ihren Artikeln die Verlinkungen zu Quellen fehlen, oder es entstehen Diskussionen über die Grad der Voreingenommenheit des Blogautors. Aus der Möglichkeit des Diskurses über die Regeln für eine themenbezogene Diskussion in der Blogosphäre ergibt sich, dass dieser an Legitimität gewinnen kann, da die Diskursteilnehmer sich nicht unter das Regelwerk einer bestimmten staatlichen oder privaten Instanz stellen müssen (vgl. Beierle 2003; Lührs, Albrecht, Hohberg, Lübcke 2004). Natürlich ist unter diesem Bedingungen auch die Akzeptanz der Diskursregeln höher, als bei einem vorbestimmten System. Hierdurch wird Problem des „Trolling“, also der rein destruktiven Teilnahme an Diskussionen in Foren oder im Kommentarbereich von Blogs (vgl. Coenen 2005; Wikipedia: Troll), zu einen gewissen Grad eingedämmt. Die Leser eines Blogs, werden auf einen Kommentar-Troll reagieren und ihn zurechtweisen, oder den Autor des Blogs auffordern die entsprechenden Kommentare zu löschen. Die Plattform für den gewünschten deliberativen Diskurs von politischen Themen, also die Blogosphäre, verhält sich also neutral gegenüber den Diskutanten, die durch eigene Blogs und die den Diskurs über die Regeln der Diskussion an dem Rahmenbedingungen für themenbezogene Diskussionen beteiligt sind (Feil 2006). Unter diesem Bedingungen kann 5

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es gelingen festgesetzte Kommunikationsstrukturen aufzubrechen. Da innerhalb der Blogosphäre keinen bestimmten Diskursregeln festgelegt sind, werden die Teilnehmer in ihren Äußerungen nicht durch vielleicht gesetzte und ritualisierte Ausdrucksformen eingeschränkt unter denen gerade Präsenzdiskurse leiden (Schell, Troyller 2003). Die Blogosphäre bietet also Raum für kulturelle und politische Heterogenität. Bedenkt man die hohe Komplexität und die fehlende Moderation der Regeldiskussion, wie sie in der Blogosphäre stattfindet, so ist anzunehmen, dass die Ergebnisse ohnehin ähnlich den für andere Formen der Onlinediskussion (Usenet; wikis; Foren) sein werden. Hierfür spricht auch, dass ein der in der Schweiz entwickelte Kodex für Blogger und Blogleser nur die ohnehin im Netz von den meisten akzeptierte Regeln umfasst und kaum blogspezifische neue Regeln beinhaltet (Feil 2006, vgl. edemokratie.ch). Zusammenfassend sprechen also eine Reihe von Argumenten dafür, dass die Bedingungen für eine Deliberation der Diskussionsregeln innerhalb der Blogosphäre nicht nur günstig sind, sondern dieser Prozess bereits stattfindet. Ausnutzung der deliberativen Bundestagswahlkampf 2005 Potentiale durch die Kandidaten im

Im folgenden soll diskutiert werden, ob die Weblogs der Bundestagskandidaten im Wahlkampf 2005 die deliberativen Potentiale von Weblogs ausnutzen konnten. Hierbei soll zu erst kurz dargestellt werden, wie der empirische Gegenstand beschaffen war, um anschließend zuerst die Kandidatenblogs unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit zu betrachten und dann einen Vergleich zwischen den Parteien anzustellen. 61 Weblogs wurden in der Arbeit „Blog the Vote! - Bundestagskandidaten als Blogger. Eine Untersuchung zum demokratischen Potential von Weblogs“ (Feil 2006) untersucht. Hierbei handelt es sicher nicht um die Gesamtheit aller Kandidatenblogs in diesem Wahlkampf, jedoch ist wohl der größte Teil in de Untersuchung betrachtet worden. Die Weblogs im

Sample wurden im Zeitraum von September bis Dezember 2005, also dem Zeitraum des „heissen Wahlkampfes“, untersucht. In Abbildung 1 ist die Verteilung dieser 61 Blogs im Hinblick auf die Parteizugehörigkeit ihrer Autoren zu sehen. Abbildung 2 zeigt die 6

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Altersverteilung innerhalb des Samples. Betrachtet man das Durchschnittsalter der Kandidaten aufgeteilt nach Parteien und vergleicht dieses mit dem in der Gesamtheit der Bewerber für den Bundestag, ebenfalls nach Parteien aufgeteilt, so kann man feststellen, dass bei Die Linke.PDS, FDP und SPD das Durchschnittsalter sehr ähnlich ist. Im Falle der CDU und Bündnis 90/Die Grünen liegt das Durchschnittsalter nur einige Jahre unter dem aller Bewerber (Feil 2006). Im Vorfeld der Bundestagswahl wurden verschiedene Angebote entweder neu geschaffen oder weiter ausgebaut, welche zum Ziel hatten Politikern den Weg in die Blogosphäre zu vereinfachen (Albrecht/ Lübke/ Perschke/ Schmitt, 2005). Eines dieser Angebote war wahl.de – eine Seite die Politikern die einen Blog unterhalten wollten den Unterhalt des Blogs und Support anbot. Wahl.de wurde von dem bekannten deutschen Bloghosting-Anbieter Blog.de betrieben. In Abbildung 3 ist zu sehen, dass wahl.de, 26 der Kandidatenblogs aus dem Sample gehostet hat, während die nächstgrößere Plattform, politikerscreen.de nur Heimat für vier Blogs war. Stand-A-Lone-Systeme, wie Wordpress, wurden von 22 bloggenden Politikern genutzt. Aus dieser eindeutigen Dominanz von wahl.de ergaben sich einige Folgen für die Nutzung und die Rezeption der Kandidatenblogs, auf die ich später zu sprechen kommen werde. Es soll nun dargestellt werden in wie weit die Kandidatenblogs im Bundestagswahlkampf 2005 die beschrieben deliberativen Potentiale von Weblogs ausschöpfen konnten. Dabei wird zunächst die Gesamtheit der Kandidatenblog ohne Berücksichtigung der Parteizugehörigkeit betrachtet. Mit der Ausnahme von einigen wenigen Blogs die Politiker die Forderung nach der technischen Bereitstellung von Diskussionsmöglichkeiten erfüllt haben, allerdings die Artikel inhaltlich nicht immer eine gute Diskussionsbasis lieferten. Es ließ sich feststellen, dass Artikel in persönlichen, provokativen und direktem Stil, also im Stil der Blogosphäre, eher zu Diskussionen führten als neutral gehaltene. Auch die notwendigen regelmäßigen Veröffentlichungen konnte nur von einem, allerdings großen, Teil der Kandidatenblogs erfüllt werden. Die Intensität der Kommentare in einen Kandidatenblog und damit der Grad des Diskurses auf der Blogebene hingt eindeutig von der Plattform ab, auf der das jeweilige Blog veröffentlicht wurde. Es lässt sich also folgende ungefähre Reihenfolge der Plattformen abhängig von der Kommentarintensität angeben, wobei natürlich einzelne Blogs nicht in dieses Schema passen: 1.) Focus.de, 2.) AOLPlattform, 3.) wahl.de, 4.) Politikerscreen21.de, 5.) Blogspot.com, 6.) Stand-AloneSysteme. Eine Erklärung für diese Abhängigkeit der Kommentarintensität von der Plattform ist, dass zum Beispiel Focus.de im Internet etabliert ist und eine große Leserschaft aufweist und dadurch auch die dort veröffentlichten Weblogs für eine breite Spanne von Internetnutzern sehr sichtbar sind. Ähnliches gilt für die AOL-Plattform, wo bereits eine Bloggercommunity und eine Leserschaft bestand und somit die Kandidatenblogs mehr Aufmerksamkeit erhielten. Bei wahl.de spielte zum einem sicherlich zum eine Rolle, dass der Betreiber dieser Domain, Blog.de, eine bekannte Plattform ist 7

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und dadurch Nutzer von dort sich auch auf wahl.de als Leser und Kommentatoren beteiligten. Zum anderen spielt hier eine Rolle, dass eine sehr große Anzahl von Kandidatenblogs, 26, hier erschienen sind und so viele Leser in mehreren Blogs Kommentare hinterließen. So finden sich von einigen Lesern Kommentare in einer sehr großen Zahl von unterschiedlichen Politkerweblogs. Weiterhin wurde eine bedeutende Anzahl von Kommentaren auf dieser Plattform von ebenfalls auf dieser Plattform bloggenden Politkern getätigt, wodurch sich die Gesamtzahl noch einmal erhöhte. Politikerscreen21.de und auch Blogspot.com veröffentlichten jeweils nur eine kleine Zahl von Kandidatenblogs, so dass dieser Effekt nicht so intensiv zum tragen kommen konnte. Bei den Stand-Alone-System konnte dies überhaupt keinen Effekt haben. Auch waren diese Blogs wegen des Fehlens einer prominenten Plattform im Internet weniger sichtbar. Interessant ist, dass sich bei einigen Blogs eine feste Leser- und Kommentatorenschaft herausgebildet hat. Natürlich ist die Anzahl der Kommentare noch von anderen Komponenten, wie dem Stil des Bloggers oder auch der Lebensdauer des Weblogs, abhängig, dennoch lässt sich diese Einordnung nach Plattformen für das untersuchte Sample aufrecht erhalten. Dabei war allerdings die Anzahl der, für einen deliberativen Prozess wichtigen, Artikel, welche versuchten die Arbeit und die Positionen des jeweiligen Politikers transparenter und nachvollziehbarer zu machen eher gering. Dies gilt ebenfalls für die Durchsichtigkeit der Arbeit des Politikers im Internet, was sich an fast immer fehlenden Trackbacks, Blogrolls und Verlinkungen zeigte. Hieraus lässt sich ableiten, dass sich die bloggenden Politiker kaum innerhalb der Blogosphäre bewegt haben. Es ließen sich auch sonst kaum Hinweise darauf finden, dass sich Politiker näher mit dem Medium und den in ihm geäußerten Meinungen beschäftigt hätten. So konnte es nicht dazu kommen, dass die Blogosphäre als Wissensressource und Stimmungsbarometer genutzt werden konnte. Die Forderung nach Transparenz der Arbeit, Positionen, Entscheidungen und der OnlineTätigkeit des Politkers mit Hilfe des Mediums Weblog wurde nur durch wenige bloggende Kandidaten erfüllt. Abhängig von der Kommentarintensität, dem Inhalt und Stil der Veröffentlichungen durch die Kanididaten und auch der Art und Weise der Kommentare, kam es nur in den wenigsten Weblogs überhaupt zu Diskussionen in den Kommentarbereichen. Die Diskurse orientierten sich thematisch meist an den Veröffentlichungen des Bloggers zu dem der jeweilige Kommentarbereich gehörte, allerdings wurden oft auch andere Themen aufgeworfen und dann weiter verfolgt. Hierbei handelte es sich allerdings immer um Themen die politische Relevanz aufwiesen. Die, von den Kommentatoren fast immer anonym, geführten Diskussionen waren meist qualitativ hochwertig und hielten sich an die im Internet üblichen Umgangsformen. Somit spielte „Trolling“, bis auf wenige Ausnahmen, keine Rolle in den Kandidatenblogs. Gerade auf der Plattform wahl.de ließ sich das Phänomen beobachten, dass bloggenden Kandidaten als Kommentatoren in anderen Kandidantenblogs auftauchten. Dies geschah in unterstützender Form, meist durch Parteiangehörige, oder in kritischer Form, durch Angehörige der gegnerischen Partei und oft durch konkurrierende Direktkandidaten. In einigen Fällen dominierten gerade die unterstützenden Kommentare die Diskussionen und ließen den eigentlichen Lesern, also den Bürgern, kaum Raum. Allerdings kann, wenn dies nicht der Fall war, diese blogübergreifende Kommentierung auf wahl.de als eine Form der Deliberation in einenm Mikrokosmos der Blogosphäre gesehen werden und muss positiv bewertet werden. Zuletzt kann noch gesagt werden, dass es in einigen Fällen zu 8

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deliberativen Prozessen über die Diskursregeln innerhalb der Kommentarbereiche kam. Nach dieser parteiunabhängigen Darstellung soll nun noch kurz darauf eingegangen werden, ob sich in der Umsetzung der deliberativen Potentiale signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Parteien zeigen ließen. Dabei soll, aus Platzgründen und als Demonstration der oben beschriebenen Potentiale, nur auf die positiven Beispiele aus dem Kandidatenpool der einzelnen Parteien kurz eingegangen werden. Unter den 17 untersuchten Weblogs der Grünen finden sich nur zwei bei denen das Zusammenspiel von Kommentatoren und bloggendem Kandidaten zu deliberativen Prozessen im eigentlichen Sinne geführt hat. Es handelt sich dabei um die Blogs von Oswald Metzger und Sebastian Striegel. Das Weblogs von Oswald Metzger war in diesem Zusammenhang bevorteilt, da es bei Focus.de veröffentlicht wurde und somit sehr viele Kommentare und daraus folgende Diskussionen aufweisen kann. Das eintige Blog das bei Die Linke.PDS positiv auffallen konnte ist das der Kandidatin Petra Pau, welcher durch ihre Veröffentlichung auf der Plattform von AOL hinsichtlicht der Intensität der Kommentierung einen Vorteil hatte. Zwar beteiligte sich die Kandidatin nicht an den im Kommentarbereich geführten Diskursen, aber sie lieferte mit ihren Artikeln Material für diese. Das erste von vier Blogs eines FDP Kandidaten, das hier erwähnt werden soll das von Marco Buschmann, welches auf wahl.de veröffentlicht wurde und mit besonders ergiebigen und intensiven Diskussionen unter den Lesern und mit dem Autor, sowie einem sinnvoll geführten Diskurs über die Regeln der Diskussion im Kommentarbereich, aufwarten konnte. Als zweites findet sich in dieser Gruppe das von Hans-Joachim Otto, welches, bei blogg.de veröffentlicht und damit relativ geringer Kommentarbeteiligung, aber schneller und umfangreicher Beantwortung von Leserfragen, mit einer hohen Kontinuität und damit einhergehender Bindung der Kommentatoren an das Weblog positiv auffallen konnte. Drittens ist das von Hermann-Otto Solms zu nennen, welches bei AOL veröffentlicht wurde und viele auch kontrovers geführte Diskussionen aufwies, an denen sich der Blogger sinnvoll beteiligte. Des Weiteren fand sich hier ebenfalls eine Diskussion über die Löschung eines Kommentars, bei der auch die Selbstregulierungsmechanismen der Blogosphäre Thema waren. Zuletzt sei die Veröffentlichung bei wahl.de von Rainer Stinner genannt, bei der sich intensive Diskurse unter Beteiligung des Autors fanden, deren Steuerung, in Bezug auf destruktive Kommentare, der Leserschaft überlassen wurde. Bei FDP-Blogs fällt die Vernetzung untereinander auf, welche sich gerade durch die gegenseitige Unterstützung in den Kommentarbereichen zeigt. Dieser Umstand führte an einigen Stellen zu einer Dominanz von bloggenden Politikern gegenüber den eigentlichen Lesern in den Kommentarbereichen. Betrachtet man die sechs Weblogs die bei den Schwesterparteien CDU und CSU vorliegen so findet sich nur das von Hildegard Müller als besonders positives Beispiel. Dieses bei Focus.de betriebene und damit sehr intensiv kommentierte Weblog weist eine ganze Reihe von interessanten Diskursen auf. Bemerkenswert ist dabei zum Beispiel die Diskussion über den beruflichen Werdegang der Kandidatin und die damit aufkommenden neuen Informationen über ihre Kandidatur. Die zwei Positivbeispiele aus den Reihen der SPD wurden von den Kandidaten Ulrich Kelber und Brigitte Zypries geführt. Bei dem als Stand- Alone-System geführten Weblog 9

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von Herr Kelber hat sich über die lange Lebensdauer eine feste Gruppe von Diskutanten herausgebildet, welche sachliche und sehr strukturierte Diskurse mit Beteiligung des Politikers durchführen. Der Blog von Frau Zypries wurde bei einen Drittanbieter geführt und konnte für diese Plattform eine sehr solide Kommentierung aufweisen, welche immer wieder zu deliberativen Prozessen führte an denen sich die Politikerin beteiligte. Interessant ist, dass der Kommentarbereich bei diesem Weblogs bei einigen Einträgen deaktivert war, aber dies nicht negativ von der Leserschaft aufgenommen wurde. Somit ergab sich bei der genauen Analyse in „Blog the Vote!“ (Feil 2006), unter Berücksichtigung der Anzahl der Weblogs der einzelnen Parteien im Sample, folgendes Ranking für die Umsetzung der deliberativen Potentiale des Mediums durch die Kandidatenblogs: 1.) FDP, 2.) CDU, 3.) Bündnis 90/Die Grünen, 4.) SPD, 5.) Die Linke.PDS. Allerdings ließen sich diese Unterschiede bei einen insgesamt niedrigen Niveau der Ausnutzung der deliberativen Potentiale von Weblogs durch die Kandidaten im Wahlkampf 2005 feststellen. Ergebnis und Ausblick auf die Doktorarbeit Zusammenfassend ergibt sich ein zweigeteiltes des Themas Deliberation mit Hilfe von Weblogs. Bei der Bewertung der Potentiale muss ein positiven Urteil gefällt werden. Weblogs bieten durch ihre Offenheit, Struktur und Nutzungsmuster eine gute Grundlage für die Deliberation von politischen Themen und der Diskursregeln selbst. Dies ist gerade durch die enge Vernetzung der einzelnen Weblogs zur Blogosphäre möglich. Fragt man nun aber nach den konkreten Umsetzungen dieser Potentiale durch die bloggenden Kandidaten im Bundestagswahlkampf 2005 ist festzustellen, dass nur einige wenige Kandidatenblogs einen Teil der Potentiale nutzen konnte, während ein Großteil eher als ein weiter Kanal zur Übermittlung klassischer Wahlkampfbotschaften gedient hat. Die Entstehung und Entwicklung von Weblogs stellt nur einen Teil der Vielzahl von Entwicklungen dar, die in den letzten Jahren im Internet auf technischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene ablaufen. Die Gesamtheit dieser empirisch feststellbaren Entwicklungen wird häufig mit dem Schlagwort Web2.0 umschrieben. Gerade weil Weblogs nur einen geringen Teil des Web2.0 darstellen, ist es notwendig das oben beschriebene Themenfeld der politischen Kommunikation mit Hilfe im Internet auch im Bezug auf die Gesamtheit der stattfinden Entwicklungen, also auf das Web2.0 zu betrachten. Mit dieser Ausweitung des betrachten Themenfeldes wird sich mein Promotionsprojekt beschäftigen und dabei das Gewicht auf die Frage legen, wie Web2.0Technologien und Konzepte bei der Umsetzung von e-government und e-democracy Konzepten helfen können.

Literaturverzeichnis Albrecht, Steffen; Maren Lübke; Rasco Perschke; Marco Schmitt (2005): „Hier entsteht eine neue Internetpräsenz“ - Weblogs im Bundestagswahlkampf 2005, in Schmidt, Jan / Schönberger, Klaus / Stegbauer, Christian (Hrsg.) : Erkundung des Bloggens. Sozialwissenschaftliche Ansätze und Perspektiven der Weblogforschung, Sonderausgabe 10

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