stop or go [2012

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Angeregt von Werner Munters Reduktionsmethode (RM) entwickelten Robert Purtscheller und Michael Larcher 1999 das Risikoma-
nagement-Konzept “Stop or Go”. Heute ist “Stop or Go” in Österreich weit verbreitet und Grundlage aller Lawinenkurse im OeAV.
Über die Entwicklung und den aktuellen Stand 2012 berichtet Michael Larcher.

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In Bei dem Versuch. eine mathematisch korrekte Schreibweise. Stop or Go = (ERM + KB) + SOP professionelle Reduktionsmethode. regelbasiert entscheiden störten. dass man auf die Klammer Rohkonzept entworfen. Da ging es nicht ums Können.inklusive Maßstab zur Bestimmung der Hangneigung in der Karte. Zurück ließ er damals ein sehr gemischtes Publikum von ver.“ kritischen Situationen“. Zweitens. Widerstand und Ablehnung ter in unsere Ausbildung zu integrieren. Zusammen mit dem Profibergführer Robert Purtscheller skizzierte ich dann 1999 „Stop or Go“. die sich ausbilden lassen. es mangelte am Wol- SOP = Standardmaßnahmen (Standard Operation Procedures) len. 1998 wird er nach Innsbruck eingeladen und erläutert vor einer Expertengruppe seine Reduktionsmetho. Und mussten als Ausbilder auch die Ressentiments unserer Kursteilnehmer zur Kenntnis ERM = Elementare Reduktionsmethode nehmen: Rechnen auf Schitouren wurde einfach als uncool KB = Klassische Beurteilung. Diese Liste nann- 1997 erscheint Werner Munters „3 x 3 Lawinen. tatsächlich nicht wesentlich mehr als einer Stunde war das werden Mathematiker einwenden. der mir die große Selbstverständlichkeit und Bedeutung von sogenannten „Stan- Blick zurück dard Operation Procedures (SOP)“ in seinem Metier schilderte: Wir brauchen eine Checkliste für Tourengeher.sahen etwas. „Stop or Go“ in eine Formel zu verpacken. Erstens: einen möglichst klaren. Gefahrenzeichen erkennen empfunden. Standardmaßnahmen in der Planung und im Gelände . getrost verzichten könnte. Deren Geschichte. ist Bergführer. Hangneigung als Basis von Entscheidungen – das erschien mittelten wir im Oesterreichischen Alpenverein erstmals die zumutbar und auch vermittelbar: Bei mäßig unter 40°. auf möglichst objektiven Fakten beruhen- denen sich „Stop or Go“ zusammensetzt. gerichtlich zertifizierter Sachverständiger und Leiter der Bergsport-Abteilung im OeAV. Ich selbst gehörte zu den verstörten Begeisterten. empörten und begeisterten Experten. möglichst kompakte Darstellung der einzelnen Bausteine. Das ging sehr rasch. Entscheidungsstrategie .Das „Stop or Go“-Kärtchen 2012. das den hehren Namen „Paradigmenwechsel“ verdienen wir die beste Chance. 53. verärgerten. wirklich brauchen. aus möglichst einfachen. Dass da etwas In der „elementaren Reduktionsmethode“ – sie stand zu Beginn ganz Neues in der praktischen Lawinenkunde anbrechen würde. eine Entscheidungsstrate- Funktion und aktuelle Entwicklung darzustellen. als Nebenprodukt im Schatten der professionellen RM . den Weg zur Entscheidungsfindung. Doch geht es mir hier weniger um Was Tourengeher. schrauberpiloten bewusstseinserweiternd. ahnten nur ganz Wenige. als vielmehr um die wurde uns schlagartig bewusst. Im darauffolgenden Winter ver. und hier wirkte ein Gespräch mit einem Hub- Inhalt dieses Beitrages. Rückseite: Michael Larcher.Check 1: de. Gefahrenstufe und waren unglaublich massiv. den genialen Neuansatz von Werner Mun- würde. bildet den gie. Entscheiden in ten wir „Standardmaßnahmen. bei 55  bergundsteigen 4/12 . Vorderseite: Entscheidungsstrategie (Check 1 und Check 2).

35°? . An den Leidens- Stufe 1 ist der unmittelbare Bereich der Spur.40°?“ . DAV). der bei der Beurteilung der steil. „sehr steil?“ (35°. Nun ist sie unmittelbar in den Eine weitere wichtige Übereinkunft in diesem Zusammenhang Check 1 integriert. stufe zur Risikoabwägung. Diese. rose ist als Symbol zu verstehen. neigung auf vier bzw. . die sich heute etabliert hat: Bei jene der grafischen Integration der Exposition. Die Verknüpfung von Hangneigung und Gefahren.Entscheidungsstrategie (Algorithmus): Stop or Go verknüpft regelbasiertes Entscheiden (Check 1) mit der klassischen Beurteilung von Gefahrenzeichen. die heute von den Lawinenwarn- 20 x 20 m (Schweiz. Bis heute bestehen hier geringfügige Unter. die international rasch Zustimmung „steil?“ (30°. bei groß unter 30°. Die auffälligste Innovation in der „Stop or Go“-Version 2012 ist Die internationale Übereinkunft.34°). um anzugeben. 2006 wurde die begünstigte Expo- sition ein „Trotzdem Go – Faktor“.„eindeutig begünstigte Exposition“ wo wir konkret unsere Spuren ziehen. bei Stufe 2 ein druck erinnere ich mich noch recht gut: Bereits 1999 diskutier- Umkreis mit ca. ren und die Vorteile einer „begünstigten Exposition“ zu honorie- nen konfrontiert – die uns umgebenden Hangsysteme. dass mit der Hang eine Neigung von 30° oder mehr. vom Hangfuß aus .Schneebrettlawinen auszulösen. sowie 20 Höhenmeter (Munter). Zur grafischen Integration der Exposition in den Check 1 ver- schiede: So findet man in der Fachliteratur die Vorschläge wenden wir die Hangrose. aus mäßig steilem Gelände – zB klasse. warf dann in den folgenden Jahren eine weitere Frage auf: (40° und mehr).als sprachliche Verkürzung von: „Hat dieser sten Stelle zu berücksichtigen sei. 40° oder Zunahme des Risikopotentials und der Gefahrenstufe auch die mehr?“. den nach der Hangneigung zweitwichtig- die steilste Stelle im ganzen Hang zu bewerten. beschränken wir das Thema Hang- verhindern. Wir wissen. bei Stufe 4 – sten Geländeparameter in die Entscheidungsfindung zu integrie- wir sind nun auch mit der Möglichkeit von großen Spontanlawi. weil uns keine wirklich Geländekammer. befriedigende Lösung einfiel. Im diensten verwendet wird. Das erste Nein führt zur entsprechenden Neigungs- Wahrscheinlichkeit ansteigt. Die im Kärtchen abgebildete Hang- die 20 Höhenmeter als Raster zur Beurteilung der steilsten Stelle. Bei Stufe 3 ist ten wir Möglichkeiten. erheblich unter 35°. Ausschlaggebend für die 56  bergundsteigen 4/12 .39°) und „extrem steil?“ fand. die für die „steilste Stelle“ maßgeblich ist. Check 1 . von Munter als Methodischer Hinweis: Bestandteil jeder Lawinenstrategie ist „Hauptgrundsatz der praktischen Lawinenkunde“ titulierte das richtige Einschätzen der Hangneigung. 35° oder mehr. wo die Gefahrenstellen OeAV und im Rahmen von „Stop or Go“-Kursen bevorzugen wir überwiegend zu finden sind. die ren. war die Definition der Hangfläche. Oder noch reduzierter und mein Favorit: „30°? Jene nach dem Hangbereich. Wir dürfen die Hangsteilheit daher nicht nur an der Stelle berücksichtigen. drei Fragen: „mäßig steil?“ (unter 30°). Wir verzichteten dann darauf. 20 m Radius zu berücksichtigen. Da gradgenaues Faustregel kann nachweislich mehr als 2/3 der Lawinenunfälle Schätzen nicht möglich ist.

anwenden zu können. wenn ich Bereitschaft und Know-how mitbringe. eindeutige Hand- anders darstellen. die Tour abzubrechen oder dem Steil. lungsanleitung zur Lösung eines Problems): dern. sen.„Stop or Go“? -> Stop -> ausweichen/abbrechen (durch Check 1) bei eindeutig begünstigter Exposition  Bei Gefahrenstufe 3: unter 35° bzw.Gefahrenstufe? -> 3 zichtet. zumal bei Stufe 4 (nur wenige Tage des Winters ausge. Bei Stufe 4 die umgebenden Hangsysteme.begünstige Exposition? -> Ja geben) kaum eine wirklich bevorzugte Exposition besteht und .  Beispiel 1: steilste Stelle knapp über 35°. wo die begünstigte Exposition unabdingbar ist der Hinweis. Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 begünstigte Exposition sind der aktuelle Lawinenlagebericht und Wie mit der „begünstigten Exposition“ verantwortungsbewusst die Einschätzung vor Ort im Gelände. Zur Beurteilung der steilsten Stelle wird eine Fläche 20 x 20 Meter oder 20 Höhenmeter verwendet. . um diesen Faktor Darf die begünstigte Exposition aus dem Lagebericht in der Pla.Regel? -> unter 40°. keine Beschränkung . die begünstigte Exposition erst auf dem Fortgeschrittenen- Niveau mit einzubeziehen. wenn sich die Verhältnisse vor Ort Check 1 (Algorithmus = Entscheidungsbaum.Regel? -> unter 35°. Bei Stufe 4 ist alles anders! 57  bergundsteigen 4/12 .„Stop or Go“? -> Go -> weiter zu „Check 2“ keit von mittleren und großen spontanen Lawinen äußerst ver- schärft ist. bei Stufe 3 die steilste Stelle im ganzen Hang. Einsteiger lernen zuerst die grundle.Gefahrenstufe und zu berücksichtigendes Gelände: Bei Stufe 2 ist ein Umkreis mit ca. sind dem „schwarzen Sektor“ zuzurechnen. Beispiele für die Anwendung des „Stop or Go“-Algorithmus in gelände auszuweichen. Der Grenzbereich und der Bereich knapp außerhalb davon gend Sektoren in der Südhälfte. Umkreis 20 m bei großer Lawinengefahr die Situation aufgrund der Möglich. die Geländekammer. . stigte Exposition im Gelände zu überprüfen und zu evaluieren. . gung der Exposition Das Regelwerk lautet nun: .Gefahrenstufe? -> 3 . Die für diesen Umstand verant. ohne Berücksichti- gende Faustregel beruhend auf Gefahrenstufe und Hangneigung. 20 m Radius zu berücksichtigen. dass die konkreten Steilhänge mei- in der Südhälfte liegt. unter 40 ° bei eindeutig  Beispiel 2: steilste Stelle knapp über 35°. Tatsächlich sind es im Hochwinter – wenn ner Tour eindeutig im „hellen Sektor“ der Hangrose liegen müs- überhaupt begünstigte Sektoren ausgegeben werden – vorwie. nung bereits berücksichtigt werden? Ja. es gilt der ganze Hang  Bei Gefahrenstufe 2: unter 40 ° bzw. Die eindeutig begün- wortlichen physikalischen Faktoren sind allgemein bekannt. Im Rahmen von Kursen empfehle ich Ausbil. Bei der Wahl der Hangrose umgehen? Wichtig und in der Vermittlung von „Stop or Go“ wählten wir bewusst ein Beispiel. ist eine weitere wichtige Voraussetzung. mit Berücksichti- begünstigter Exposition gung der Exposition  Bei Gefahrenstufe 4 wurde auf Fortführung dieser Logik ver.

weshalb Experten Algorithmen unterlegen sind. wissen beruhen. ist die zentrale Herausforderung. Der Grenzbereich und der Bereich knapp außerhalb davon sind als ungünstige Exposition zu bewerten.Regel? -> unter 35 Grad. dass es gut . Schmelzharsch in dem ich keine Spur legen kann. ohne eine andere zu berüh- ren. „Wald“ und „Schmelzharsch“ neu auftritt: Entscheidungen. die auf Erfahrungs.Go-Faktor? -> Nein -> Stop wenige und recht klar definierbare Ausnahmen gibt. Unter dem Begriff „Trotzdem Go“ fassten wir diese zusammen. Seine Macht verdankt er der Reduktion von Komplexität auf zwei bzw. andererseits sollen möglichst alle gung der Exposition Unfälle verhindert werden („Zero Accident“). das in der Umge- Go“ wollten wir aufgeben. Hier die richtige . teln. sind jenen überlegen. die nach Konzepten. die es rechtfertigen.begünstige Exposition? -> Nein ren der praktischen Vermittlung erkannten wir. stark verspurt -> Go („Check 2“ ist in diesem Fall  die eindeutig begünstigte Hangexposition nicht mehr notwendig)  stark verspurt  geschlossener Wald Check 1 ist zweifellos der mächtigste Baustein in „Stop or Go“. haben wir eine Definition Zur Frage.  der tragfähige Schmelzharschdeckel um Unfälle zu vermeiden. ein „Stop” aus . dass menschliche Entscheider 58  bergundsteigen 4/12 . Und er ist relativ einfach zu vermit-  die sichere Geländeform. was ihn aus pädagogischer Sicht so attraktiv macht. Strategien und Empfehlungen zum ve Sicherheit. ren. „Etliche Studien haben gezeigt. kelsten Go-Faktor. dass es . Verhalten im freien Schiraum suchen. „stark verspurt“. wenn schreibt der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman: zahlreiche. die auf Regeln und Algorithmen basie- integriert und nach wie vor ein guter Grund für Go-Entschei. bung von Systemen mit einem hohen Grad an Unbestimmtheit halt. Begünstigte Exposition: Ausschlaggebend für die begünstigte Exposition sind der aktuelle Lawinenlagebericht und die Ein- schätzung vor Ort im Gelände. versucht. um Klarheit zu schaffen: Stark verspurt gilt. Nicht allerdings den Informationsge. oder Dazu gehör(t)en: -> Ja. ohne Berücksichti- bleiben („alles tun dürfen“).bzw. stehen in demselben Spannungsfeld: Einerseits soll möglichst viel Freiheit erhalten  Beispiel 1: steilste Stelle knapp über 35°. . Und wir erkannten. Experten- dungen. Wald. drei Schlüsselfaktoren und einem Phänomen.„Stop or Go“? -> Stop Check 1 in ein „Go” zu verwandeln.Gefahrenstufe? -> 3 Balance zu finden. ineinander verlaufende Spuren einen Korridor bilden. So sind „stark verspurt“. In den Jah. ganzer Hang begründete Fakten gibt. Nur innerhalb dieses Korridors bietet „stark verspurt“ relati- Alle. „Go-Faktoren“: stark verspurt. Für den wichtigsten und unter Umständen auch hei. Den aus pädagogischer Sicht ungünstigen Begriff „Trotzdem. Achtung: Gilt nicht bei Nassschnee.

Wir wollten die Regel (Check 1) timismus wäre fehl am Platz. Neuschnee: Neuschnee bedeutet (fast) immer einen Anstieg der che. Günstige Bedingungen: Schwacher oder kein Wind. ohne eine andere zu berühren. Zudem Was wir uns heute vom Check 2 erwarten: existierte noch nicht die Vorgabe. da Situation häufig schwierig. Ist das Erkennen von Gefahrenzei- einer zweiten Prüfung unterziehen. Wir fragten uns. langsames Denken. dingungen sind es. wenig befahren. ist „kritischen Neuschneemenge“ vermitteln. Ist die „kritische Neuschneemenge“ (siehe Sicherheit. Altschnee - sind offensichtlich). Reif. bedeutet dies zumindest erhebliche Lawinenge- fahr (Stufe 3)! Go-Faktor „Wald”: Nur geschlossene Waldflächen bieten Lawinenschutz. Setzungsge- mus über die klassische Lawinenkunde legen. bleibt ein „must“ jeder Lawinenausbildung. einer Vorhersageformel unterlegen sind. weil sie zusätzliche Informatio. nicht einzelne Bäume. 277) Mustern“ . frische Lawinen ein Hinweis auf große machen? Woraus schließen wir auf Gefahr? Unsere Antwort Lawinengefahr oder tageszeitliche Erwärmung. Achtung: Gilt nicht bei Nassschnee. Die Faustregel. mit denen uns das gesamte nivo. der Waldrand oder Ungünstige Bedingungen: Starker Wind. Frischer Triebschnee. regelmäßig befahren. wird dabei in Beziehung gesetzt zu „ungünstigen” oder „günsti- Check 2 will die klassische Beurteilung in das Entscheidungs. bleib  Im Zusammenhang mit Neuschnee lässt sich das Konzept der bei 3 unter 35° und berücksichtige dabei den ganzen Hang. (unter -8°C). Wir wollten die Idee des Algorith. Es erschien uns als ziemlich chen noch gut vermittelbar. die über die Gefahrenzunahme durch Neu- Nur innerhalb dieses Korridors bietet „stark verspurt“ relative schnee entscheiden. tiefe Temperaturen große Lichtungen. Entscheidungsstrategie – Check 2 Klassisch beurteilen. selbst wenn man ihnen logische Gefahrenspektrum ausreichend abgedeckt erschien: das Ergebnis der Formel mitteilt! Sie glauben. Die Frage nach waren fünf Gefahrenzeichen. starker Durchfeuchtung appelliert an den Faktor Zeit bei Früh- 59  bergundsteigen 4/12 . um ein „gutes Risiko“ zu erreichen. ihn zen. räusche wiederum sind eindeutige Alarmzeichen und ebenfalls was wir denn eigentlich bei der klassischen Beurteilung ein Indiz für Stufe 3. Indiz für eine Stufe-3-Situation.“ (Aus: Schnelles Denken. lernen. Gefahrenzeichen erkennen Diese Gefahrenzeichen zu erkennen und interpretieren zu ler- nen. bei Stufe 3 den Spielraum bis 34° zu öffnen. Grafik) erreicht. Schmelzharsch. Frische Lawinen? Starke Durchfeuchtung? (Ähnlichkeit und nen über den Fall besitzen. ineinander verlaufende Spuren einen Korridor bilden. aber damit liegen sie meistens Nähe zu den später von Schweizer Experten formulierten „vier falsch.Neuschnee.Go-Faktor „stark verspurt”: Stark verspurt gilt. in Lawinengefahr. Weniger die Menge. Allerdings nicht ausschließlich auf Intuition und dubiosen erkennen und ihn von lockerem Pulverschnee zu unterscheiden Erfahrungsregeln beruhend. sie könnten sich Neuschnee? Frischer Triebschnee? Setzungsgeräusche/-risse? über die Formel hinwegsetzen. gen” äußeren Bedingungen. Die Neuschneemenge ausreichend mächtig. Die Entscheidungsstrategie in „Stop or Go“ war von Beginn an Dabei sind die Grenzen klar und ein übertriebener Erziehungsop- als Zwei-Filter-System angelegt. Hangneigungen konkret zu messen und zu schätzen nicht zum selbstverständlichen Repertoire von Ausbildern gehörte. Kritische Neuschneemenge ist ein konzept von „Stop or Go“ hereinholen und deren Stärken nüt. dass dabei der ganze Hang zu berücksichtigen sei. Heute wissen wir mehr. Nassschnee. S. Temperatur wenig unter 0°C. ist bis heute ein Anspruch an unsere Lawinenausbildung. entscheidende Frage „gefährlich für mich?“ in der konkreten Wir wussten damals allerdings wenig über Hangsteilheit. wenn zahlrei. bleibt die Antwort auf die letztlich heiß. Triebschnee. mehr die begleitenden Be- dem ich keine Spur legen kann.

Rinnen oder Mulden zu erkennen und das „Go” aus Check 1 in ein „Stop” zu verwandeln.als effizient  Aus methodisch-didaktischer Sicht ist der Check 2 extrem erwiesen und bilden die gleichberechtigte zweite Hälfte von wertvoll. es gilt der ganz Hang -> GO -> Neuschnee? tanz zu haben. der Entscheidungsstrategie . der Algorithmus in Fleisch und Blut über-  Bei Gefahrenstufe 2 ist der Spielraum aus Check 1 sehr groß: geht.Frischer Triebschnee: Wind ist der Baumeister von Schneebrettlawinen! Windzeichen zu erkennen ist daher von großer Bedeutung. lokal mit Triebschnee gefüllte Steilhänge. unabhängig von der konkreten Gefahrenein- schätzung. den Algorithmus laut zu sprechen. Ein kurzer Überblick: 60  bergundsteigen 4/12 . Wenn dieses Niveau erreicht ist. aussetzungen erfüllen: Sie müssen möglichst einfach. unter 35°. scheidungsfindung. Der fortge- schrittene und kritische Anwender erhält somit eine zusätzliche Standardmaßnahmen haben sich in der engen Vernetzung mit Möglichkeit der Risikoreduktion aufgrund seiner Erfahrung. wenn sie folgende Vor- rend. aber gebunden (!). dass der Weg der Ent- bericht verglichen werden. Frischer Triebschnee ist weich. uns mit offenen Sinnen durchs Gelände gehen. Ein Vergleich aus einem anderen Lebensbe- Methodischer Hinweis: reich: Unabhängig von der Entfernung meines Reiseziels. Wirksamkeit. (Der Partnercheck ist ein Beispiel aus dem Klettersport. Diese Art des Entscheidungstrainings ist äußerst  Die begünstigte Exposition kann erkannt und mit dem Lage. Standardmaß- gen Worten. effektiv und führt in kurzer Zeit dazu. um eine Chance auf Akzep- „Stufe 3. unab- Die Entscheidungsstrategie „Stop or Go“ kann am besten trai. Das kann sich so an. wenn man die Aufgabe stellt. lass ich diese Übung bei  Professionelle Anwender können die Gefahrenstufe kritisch jeder Entscheidungssituation von allen in meiner Gruppe hinterfragen und gegebenenfalls korrigieren. (Begründung: zB nur sehr geringe Mengen)! Frische Lawinen? der diese Merkmale besitzt und heute allgemein akzeptiert ist). wiederholen. Nein? Setzungsgeräusche? Nein! Starke Durchfeuchtung? Unter diesem Gesichtspunkt müssen die Standardmaßnahmen in Nein! -> GO!“ „Stop or Go“ bewertet werden. besonders störanfällig. Er steuert unsere Wahrnehmung im Gelände und lässt „Stop or Go“: Standard Operation Procedures sind Maßnahmen. sich streng am mitgeführten „Kärtchen“ orientie. unregelmäßig verteilt und mit der Altschneedecke schwach verbunden! Charakteristisch für Triebschnee sind die matte und „gespannte“ Oberflächenstruktur und die scharfen Kanten. nahmen können äußerst nützlich sein. Um den Trainingseffekt zu verstärken. die beim Spuren entstehen. Sicherheitsgurt an. Diese Wirkung als zweiter Filter soll Standardmaßnahmen Check 2 natürlich auch bei Stufe 1 und 3 entfalten. jahrstouren und setzt das Merkmal „stark verspurt“ außer Kraft. wird die Neue Lawinen- bis 39° im Umkreis von 20 m. Check 2 kann gerade bei dieser kunde ein beinahe intuitiv anwendbares Werkzeug mit großer Gefahrenstufe helfen. wenn ich mich ins Auto setze.Check 1 und Check 2 . Und sie müssen auch nachweislich einen Nutzen Nein! Frischer Triebschnee? Ja! Gefährlich für mich? Nein bringen. mit wenig hören: Aufwand zu bewerkstelligen sein. die wir immer. hängig von den konkreten Straßenverhältnissen: Ich lege den niert werden. mit möglichst weni. treffen.

schaft“. Mobiltelefon. sollte zumindest vertraute Personen ein Appell. Der Verzicht auf das Bulletin ist dann kein Wider. Niederschlag: Für Schitouren von herausragender Bedeutung ist die Prognose Ersetzt wurde hier der Begriff „Motivation“ gegen „Risikobereit- für die zu erwartenden Sichtverhältnisse. wenn ich mit der täglichen Ent. 35° und 40° Hangneigung). eröffnen der des Lawinen-Airbag-Systems. Wind. desto höher sem Licht schmelzen die Möglichkeiten der Geländebeurteilung Risikobereitschaft und Erwartungsdruck. Schaufel. diese Informationsquelle für jede Tour zu nützen. eine Tour abzubrechen. ohne großen Aufwand Infos und traurige Tatsache. Je männlicher.Lawinenlagebericht Gefahrenstufe/-stellen/-quellen: Mensch/Gruppe Gruppengröße. GPS-Kenntnisse ändern daran nichts. mit 3-Antennen-Technologie und Lawinenschaufeln aus Metall. Schlechte bei privaten Unternehmungen bin ich gut beraten. ist eine touren wird. Die Möglichkeiten. Erfreulich dagegen der endgültige Durchbruch Fotos zu den aktuellen Verhältnissen zu posten. mich darauf Sicht ist ein guter Grund. Als Führer. „8+1“ als Richtwert für die maximale Gruppengröße etabliert. Tatsächlich sind Schitouren in wesentlich größeren Gruppen wicklung der aktuellen Verhältnisse vor Ort vertraut bin. Wenn ich die ideale Gruppengröße für Schitouren mit einer ein- tegie eine entscheidende Bedeutung zukommt. der Einzelgänger. Erste- Karte/Führer/Internet Steilheit. Bei Nebel oder diffu. Helm: 2012 neu hinzu gekommen ist hier das Internet als Informa. die des Helms ist augenfällig. Sonde. spruch zur gebotenen Sorgfalt. aber auch und idealen Spuranlage wie Schnee in der Sonne. dass die Beteiligten kein LVS-Gerät mit dabei hatten oder dieses dieses Medium zur wichtigsten Informationsplattform für Schi. aktuelle Verhältnisse: Hilfe. Risikobereitschaft: Nachdem der Gefahrenstufe im Rahmen der Entscheidungsstra. 61  bergundsteigen 4/12 . Notfallausrüstung LVS. Die chaotische und damit auch gefährliche Unternehmungen. die Informationsquelle LLB (Lawinenlagebericht) über Ziel. Biwaksack. Temperatur. Auch perfekte einzustellen. Ebenso digitale Karten. je erfolgreicher meine Gäste. Exposition. mehr als nen. nicht eingeschaltet im Rucksack mitgetragen wurde. Bei geführten Schitouren hat sich seit Jahren die Zahl naheliegend. ist die Empfeh. zigen Zahl benennen müsste. Zu erwarten ist. Eigenkönnen. Dass wir nach wie vor jedes Jahr Unfälle analysieren. Empfehlung: Airbag. dann würde ich die Zahl „4“ nen- lung. in denen tionsquelle für die „aktuellen Verhältnisse“. Route und Rückkehr informieren und sich seiner expo- nicht nur auf die Gefahrenstufe zu reduzieren. Im Bereich LVS und Schaufel hat der das Erkennen von Hangneigungsklassen grafisch unterstützen OeAV seine Empfehlung präzisiert: Empfohlen werden Geräte (Farb-Layer für die Klassen 30°. nierten Lage bewusst sein: Bereits kleine Zwischenfälle können im Winter zu ernsten Notlagen führen. Das Hinweise auf die „Gefahrenstellen“ und Gefahrenquellen“ sind Gegenteil. Wetterbericht Sicht. Auch die zunehmende Verbreitung Tourenplanung neue Möglichkeiten.

wir einzeln“). Pausen.Setzungsgeräusche/-Risse: Setzungsgeräusche („Wumm. Terrassen: Einfache und allgemeinverständliche Fragen (ähnlich wie im Die Kunst der Spuranlage wird hier angesprochen. Achtung: Bei starker Durchfeuchtung ist das Frische Lawinen: Spontane. wie schwierig es ist. Möglichst Check 2) sollen einen Prozess der Selbstreflexion anleiten. Erkennen soll die Möglichkeit gegenzusteuern geschaffen wer- Schlucht). werden allzu rasch vom Wind verschluckt. kreierten wir vor wenigen Jahren den „Mental-Check“. Gruppendynamik: ereignis hinzu. kein typische Anzeichen für große Lawinengefahr (Stufe 4). dann bin ich dafür verantwortlich. dass sie zu Wahrnehmungsverzer- beurteilung gekommen sind die Dimension eines Hanges. die Lawinengefahr drastisch ansteigen (typisch für die Situation im Frühjahr). Klare Kommunikation Entscheidung. frische Schneebrettlawinen sind Merkmal „stark verspurt“ kein Indiz für Sicherheit bzw. was zu tun ist. gesprochen. Eine Pausengestaltung selbsterklärend sind. teilung wird hier noch einmal wiederholt. Abfahrtsbereich: Entlastungsabstände 10 m ab 30° im Aufstieg: Auch im Rahmen von geführten Touren verlangt es einiges an Bei Munter ein Reduktionsfaktor. Die Belastung auf die Bescheid wissen. Der damit verbundene Festigkeitsverlust lässt nengefahr (Stufe 3). ragende Bedeutung der Sichtverhältnisse für die Geländebeur- stellt in privaten Gruppen aber noch immer die seltene Ausnah. der Schneedecke. dass wirklich alle in meiner Gruppe Go“ als Standardmaßnahme empfohlen. der rung und zum Anstieg der Risikobereitschaft führen. Anweisungen (zB „jetzt fahren Schneedecke zu reduzieren und den Komfort im Spitzkehrenge. in unserem Diese Zeile ist ein Appell. So ist Orientierungs-Hilfsmittel mitzuführen und zu nutzen. werden Abstände in „Stop or Disziplin. die topografische Karte als wichtigstes Sport eine professionelle Risikoeinstellung zu etablieren. einfaches und (hoffentlich) wirkungsvolles Konzept anbieten zu können. schnell einmal über die Schulter nach hinten lände (> 30°) zu steigern. Graben. „Go-Faktor“! LVS-Check am Ausgangspunkt: Laufende Orientierung „ich weiß. wenn im Ernstfall nur eine Person erfasst wird. me dar. von denen wir wissen. macht. Die über- der LVS-Check in geführten Gruppen schon lange Standard. wo ich bin“ (Sicht!): Der LVS-Check ist ein Beispiel. pendynamik“ deutlich komplexer. Um hier in der Ausbildung ein melpunkt zu erkennen und zu vermitteln. und das Gelände unterhalb (Felsen. Wenn mir eine Ansage wichtig ist. Durch das Bereich des Hangfußes („Geländefalle“. In letzter Zeit verstärkt in den Fokus der Gelände. Abstand. Absturz). Mensch/Gruppe Tempo. Mulde. sind die Motive dieser Empfehlung. dafür zu sorgen. den. Starke Durchfeuchtung: Regen. ist der Hinweis „Grup- Herausforderung in der Ausbildung bleibt es. ab 35° Einzelfahren bei der Abfahrt: dass sie auch von allen gehört wird. intensive Sonneneinstrahlung Geräusche“) und/oder Setzungsrisse in der Schneedecke sind und tageszeitliche Erwärmung führen zu einer Durchfeuchtung eindeutige Alarmzeichen und ein Hinweis für erhebliche Lawi. Günstige Geländeformen nützen Rücken. Zu dem Aspekt „Entlastung der Schneedecke“ kommt bei der Abfahrt noch jener der Schadensbegrenzung bei einem Lawinen. Die Chancen für die Kameradenrettung steigen Während die Hinweise auf eine angemessene Tempowahl und erheblich. Wie bei Check 2 sind es fünf Fragen geworden: 62  bergundsteigen 4/12 . möglichst komfortabel (ohne Spitzkehren) lautet die psychologische und gruppendynamische Vorgänge bewusst Faustregel. der sicher. Standardabstand 30 m. den sicheren Sam.

Der Cardfol- sierte Entscheidungen in unsicherer Umgebung überlegen sind. um den Grad der Ausprägung anzudeuten. Angst. Erhältlich im OeAV-Shop www. Methodischer Hinweis: Bei Kursen können diese fünf Fragen im Gelände wiederholt gestellt werden. Bei der Abfahrt empfiehlt „Stop or Go” grundsätzlich Abstände von mindestens 30 m und Einzelfahren in sehr steilen Hängen (≥ 35 °). dass möglichst wenige Personen verschüttet werden. der enthält das neu gestaltete „Stop or Go“-Kärtchen zum Her- Intuition.alpenverein. Abstände dienen auch der Schadensbegren- zung: Im Falle einer Lawine steigen die Chancen. niemand entscheidet. dass regelba. fehlungen des Alpenvereins für sichere und genussvolle Skitou- dungsstrategie. einem klaren Regelwerk im Zentrum der Entschei. trägt es der Erkenntnis Rechnung. Euphorie. Für die Weiterentwicklung wird sich „Stop or Go“ mit Von innen (ich) oder von außen (Gruppe) den anderen Risikomanagement-Konzepten (Algorithmus + SOP)  Starke Konkurrenz? vergleichen dürfen. Standardmaßnahmen bilden ein Glück. ihre persönliche Antwort zu finden und mittels Handzeichen zu visualisieren: zB Daumen hoch bedeutet „ja.  Vertraute Umgebung? Heimvorteil kann zu höherem Risiko führen („betriebsblind“)  Unklare Verantwortungslage? Niemand fühlt sich zuständig. Innerhalb der Gruppe oder zwischen Gruppen Einfachheit und Vermittelbarkeit werden dabei bestimmend sein. Panik solides Fundament und komplettieren das Risikomanagement-  Hoher Erwartungsdruck? Konzept. Zwischen diesen Extremwerten kann jede beliebige Position gewählt wer- den. kein Thema“. stark spürbar“.  Extreme Stimmungslage? sich in Check 2 entfalten. ren und Basisinformationen rund um „Stop or Go“. Wirksamkeit und Freiheitsgrad. Eine kurze Diskussion kann die Ausbildungseinheit abschließen. klassisches und erfahrungsbasiertes Wissen können ausnehmen.Standardmaßnahme “Abstände”: Entlastungsabstände von 10 m beim Aufstieg in Steilhängen (≥ 30°) reduzieren die Belas- tung auf die Schneedecke und steigern den Komfort bei Spitz- kehren. Effizienz. Die Teilnehmer werden zunächst eingeladen.at/shop 63  bergundsteigen 4/12 . Stress. Zusammenfassung Seine Bewährungsprobe als wirkungsvolles und transparentes Ausbildungskonzept hat „Stop or Go“ längst bestanden. Daumen unten „nein. Mit Der Cardfolder „SicherAmBerg – Skitouren“ enthält die 10 Emp- Check 1.