Literatur

Die deutsche Literatur ist sehr bedeutend.
Im Mittela1ter erschienen die ersten eigenen literarischen Werke wie zum Beispiel die
Merseburger Zaubersprüche, die altesten deutschsprachigen Novellen, das Alexanderlied
und das Rolandslied. Die Blütezeit der mittelhochdeutschen Literatur bedeutete der
Minnesang, der berühmteste Dichter war Walther von der Vogelweide. Neben dem
Minnesang entwickelte sich das höfische Epos, das haufig auf Stoffe aus der Antike
zurückgriff wie zum Beispiel das Nibelungenlied.
Im Humanismus und in der Renaissance war Luthers Bibelübersetzung (1522-1534)
wichtig. Volksbücher entstanden wle- zum Beispiel Till Eulenspiegel (1515).
Im Barock war das bedeutendste Romanwerk der Zeit, Johann Jakob Christoffel von
Grimmelshausens Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch (1669), der mehrere
Fortsetzungen erlebte.
AutKHirung und Sturm uns Drang: Die Philosophie stand unter dem Primat der kritischen
Vemunft im Sinne Immanuel Kants, der in der Dichtung dem Bemühen um Einfachheit
und Klarheit entsprach. Die Höfe verloren weitgehend ihre Funktion als Zentren des
kulturellen Lebens an die Universitaten und weltoffenen Handelsstadte. Neben Berlin,
wo Friedrich Nicolai mit Lessing, Christian Felix Weille und Moses Mendeissohn die
Briefe, die neueste Literatur betreffend (1759-1765) herausgab, wurde Leipzig zum
Hauptort der Aufklarung in Deutschland. Lessing begründete in der Dramatik, mit Miss
Sara Sampson (1755) und Emilia Galotti (1772) das bürgerliche Trauerspiel in
Deutschland. Sein dramatisches Gedicht Nathan der Weise (1779) setzte dem
Führungsanspruch der christlichen Kirche den Toleranzgedanken einer undogmatischen
Humanitat entgegen, der bereits auf die Ideale der Klassik verwies.
Die Bewegung des Sturm und Drang übemahm die subjektivistische Ausrichtung der
Empfindsamkeit, verlieh ihr jedoch mit dem Ideal des schöpferisch-titanischen Genies
and ere Akzente. Zum wichtigsten Anreger der Rückbesinnung auf die deutsche
Volksdichtung wurde Johann Gottfried von Herder mit zahlreichen theoretischen
Schriften. Das meistgelesene deutsche Prosawerk der Epoche war Goethes
Sensationserfolg Die Leiden des jungen Werthers (1774, Neufassung 1787), eines der
herausragenden Beispiele des deutschen Briefromans.
Die Feudalismuskritik des Sturm und Drang trat am deutlichsten im Drama zutage, so in
Friedrich Schillers Die Rauber (1781), Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (1783) und
Don Carlos (1787, im spater für die Klassik typischen Blankvers). Den bei Schiller prasenten
Konflikt von Individuum und gesellschaftlicher Konvention gestaltete Goethe in Götz von
Berlichingen mit der eisernen Hand (1773), Clavigo (1774) und Egmont (1778) und lieB
sich wie Friedrich Maximilian Klinger, dessen Drama Sturm und Drang (1775) der
Bewegung den Namen gab, von der Figur des Faust anregen (1772-1775, erstmals 1790
als Faust. Ein Fragment).

Klassik

Als Weimarer Klassik bezeichnet man das zwischen 1786 und 1805 entstandene Werk
Goethes und Schillers. Beide legten in unterschiedlicher Weise, haufig ab er auch in
gemeinsamer Arbeit, ihren Dichtungen und theoretischen Schriften von der Antike und

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