Bildungsrecht

David Vasella, Oktober 2004 – keine Gewähr

Allgemeines Rechtsgrundlagen

Volksschule1 Mittelschule Hochschulen Der Anspruch auf einen ausreichenden und unentgeltlichen staatlichen Grundschulunterricht ergibt sich aus BV 62 II. UniG, FHG; PersonalV der Uni, Prüfungsordnungen der Fakultäten. Das BildG ist per 1. Januar 2004 teilweise in Kraft gesetzt worden. Es ersetzt das frühere Unterrichtsgesetz, das aber noch teilweise in Kraft ist. Hauptwirkung des BildG ist die Abschaffung der Schulrekurskommission; an ihre Stelle tritt der Bildungsrat. Das UntG enthält die Bestimmungen über die Schulund die Bezirksschulpflege; diese Teile sind noch in Kraft und die Schulpflegen und Bezirksschulpflegen noch im Amt. 2002 wurde ein neues Volksschulgesetz durch die Stimmberechtigten des Kantons ZH verworfen. Am 31. August 2004 hat die Kommission für Bildung und Kultur des Kantonsrat dem Kantonsrat den Antrag unterbreitet, ein neues Volksschulgesetz zu verabschieden. Die Volksschulstufe umfasst die Primarschule und die Die Mittelschule gehört zur Sekundarstufe Die Uni wie die FHS gehören zur sog. TertiärstuII. Als Vorbereitung für die kantonale Matu- fe. Sekundarstufe I. Der Besuch der Volksschule ist obligatorisch für jedes rität (MSG 2), d.h. die Hochschulreife, führt Sowohl der Bund als auch die Kantone sind befugt, Hochschulen zu führen (BV 63 II). Der Kind, das bis zum 30 April eines Jahres sieben Jahre alt der Kanton Mittelschulen.5 wird; die Schulpflicht dauert neun Schuljahre (VSG 10, Die Lehrpläne bestimmt der Bildungsrat Bund führt die ETHZ und die EPFL und unter11).2 Für die Einhaltung der Schulpflicht3 sind die Eltern (MSG 4); gegen die Festsetzung ist kein stützt nach Massgabe des Hochschulförderungsgesetzes die kantonalen Hochschulen. verantwortlich; vernachlässigen sie diese Pflicht, kön- Rechtsmittel gegeben (MSG 4). Die Unis leisten wissenschaftliche Arbeit in nen sie mit bis zu CHF 3000 gebüsst werden (VSG 49). Jedes Schuljahr beginnt im April; die Ferien dauern 12 Der Inhalt des vermittelten Stoffes bestimmt Forschung und Lehre im Interesse der Allgesich v.a. nach dem MAR der EDK und die meinheit. Sie fördern die akademische WeiterWochen (VSG 17). MAV des Bundesrates. Beide beruhen auf bildung und den wissenschaftlichen NachDie Primarschule umfasst sechs Klassen; die wöchentli- einer Verwaltungsvereinbarung der EDK mit wuchs. che Unterrichtszeit steigt von 15-20 Stunden in der dem Bundesrat. Die Uni ZH ist eine selbständige öffentlichrechtersten auf 24-30 Stunden in der vierten bis sechsten Die Schulen können verschiedene Schulty- liche Anstalt. Die Finanzierung erfolgt durch Klasse (VSG 21). pen anbieten, die sich nach MAR 9 ff. Kostenbeiträge des Kantons, die mit dem jährliDer Lehrplan und die Lehrmittel4 werden vom Bildungs- bestimmen. Die Zuteilung der Typen an die chen Globalbudget bewilligt werden; die Herrat bestimmt (VSG 24, 42). Auf dessen Grundlage einzelnen Kantonsschulen nimmt der Bil- kunftskantone ausserkantonaler Studierender leisten Beiträge gestützt auf die interkantonale erstellt die Schulpflege mit den Lehrern den Stunden- dungsrat vor. VSG MSG

Berufsschulen

BBG, EG BBG

Ziel

Die Berufsschulen vermitteln zusammen mit der Berufslehre die zur Ausübung eines Berufs notwendigen Fertigkeiten (BBG 6). Die Führung der Berufsschulen ist eine kantonale Aufgabe, der Kanton ZH führt mehrere Berufsschulen. Auch Berufsverbände usw. können Berufsschulen führen, wenn sie sie zu mind. 10% selbst finanzieren.

1 Nicht zur Schule, sondern zur Vorschulstufe gehören die Kindergärten. Zu ihrer Regelung sind die Gemeinden zuständig (VSG 74). Die Gemeinden müssen einen zweijährigen Besuch ermöglichen. Der Besuch ist freiwillig und unentgeltlich. Weil der Kindergarten nicht in den Lehrplan der Volksschule übergreifen darf, darf der spätere Lernstoff nicht vermittelt werden. Die Führung der Kindergärten ist Personen vorbehalten, die über ein vom Bildungsrat ausgestelltes Diplom verfügen. Die Aufsicht über die Kindergärten obliegt den Gemeinde- und Bezirksschulpflegen. 2 Wiederholte Klassen zählen; nach neun Jahren dürfen SchülerInnen deshalb entlassen werden, wenn sie dies beantragen (VSG 46 IV). 3 Die Schulpflicht kann auch in Privatschulen erfüllt werden, sofern diese eine entsprechende Polizeibewilligung des Bildungsrates besitzen (die Führung von Privatschulen ist durch die Unterrichtsfreiheit gedeckt). Auch die Privatschulen unterstehen der staatlichen Aufsicht. 4 Die Lehrmittel werden z Tobligatisch erklärt; die obligatorischen gibt der Staat selbst heraus. Für neue Lehrmittel wird freie Konkurrenz eröffnet, wie das VSG 42 IV nennt. 5 Der Kantonsrat kann bestehende Mittelschulen aufheben oder neue errichten.

David Vasella, Oktober 2004 – keine Gewähr Volksschule1 plan. Das Ziel der Volksschule ist nach VSG 1 die Erziehung zu einem Verhalten, das sich an christlichen, humanistischen und demokratischen Wertvorstellungen orientiert; die Schule wahrt die Glaubens- und Gewissensfreiheit und nimmt auf Minderheiten Rücksicht. Die „Volksschule ergänzt die Erziehung in der Familie“ (!) usw. Am Ende jedes Schuljahres finden öffentliche Schulexamen unter Anwesenheit der Schulpflege und eines Mitglieds der Bezirksschulpflege statt. Ob die Schüler in die nächste Klasse kommen („Beförderung“), entscheidet die Schulpflege auf Antrag des Lehrers. An die sechste Klasse schliesst sich die Oberstufe an, die drei Jahre dauert. Die Gemeinden entscheiden sich für das Modell der Dreiteiligen oder der Gegliederten Sekundarschule (VSG 55). Die Dreiteilige Sekundarschule gliedert sich in die Abteilungen A, B und C. In allen Abteilungen werden alle Fächer unterrichtet, doch auf unterschiedlichen Niveaux; A ist am anspruchsvollsten. Die Gegliederte Sekundarschule ist in Stammklassen und Niveaugruppen unterteilt, d.h. in jeder Klasse werden für zwei Fächer drei Lerngruppen mit unterschiedlichen Anforderungen gebildet. Über die Zuteilung in die Sekundarschule A, B oder C bzw. in eine Lerngruppe entscheidet die Oberstufenschulpflege. Träger der Schulen sind die Schulgemeinden.6 Die Aufsicht erfolgt in erster Instanz durch die Schulpflege7, in zweiter Instanz durch die Bezirksschulpflege8. Die Lehrer sind öffentlichrechtlich durch die Gemeinden angestellt, sie unterstehen aber dem kantonalen LPG. Die Lohneinstufung erfolgt aber durch den Bildungsrat. Mittelschule Hochschulen Universitätsvereinbarung. Fachhochschulen sind durch den Bund zu fördern (FHG des Bundes, Art. 1). Im Kanton ist das FHG maßgebend. Danach hat der RR für einzelne oder mehrere Schulen Verordnungen zu erlassen. Fachhochschulen bauen i.d.R. auf einer Berufslehre auf, sie sind auf Hochschulstufe. Fachhochschulen entstehen oft durch Zusammenschluß bisher selbständiger Schulen; sie sind entweder selbständige öffentlichrechtliche Anstalten oder privatrechtliche Einrichtungen, die vom Kanton anerkannt werden können. Berufsschulen

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Organisation

Das oberste Organ der Schule ist die Schulkommission (MSG 5), deren Mitglieder vom Bildungsrat gewählt werden. Sie übt die Aufsicht über die Schule aus und ist u.a. auch für die Ernennung und Entlassung der Lehrer mit unbestimmter Amtsdauer zu-

Das oberste Organ der Uni ist der Universitätsrat, der u.a. zuständig ist für den Erlass der wichtigsten Verordnungen und Reglemente der Uni. Die Universitätsleitung hat an den Sitzungen beratende Stimme. Die Universitätsleitung setzt sich aus dem Rek-

Für jede Berufsschule besteht eine Aufsichtskommission. Die Lehrkräfte unterstehen den gleichen Bestimmungen wie diejenigen an den Mittelschulen.

6 Vgl. GemG 1: Die Gemeinden werden u.a. in Primarschulgemeinden und Oberstufenschulgemeinden eingeteilt, wobei sich diese Gemeinden decken können; eine Schulgemeinde kann als vereinigte Schulgemeinde sowohl die Primarschule wie auch die Oberstufe betreiben. Auch kann die politische Gemeinde die Verantwortung für das Schulwesen übernehmen. 7 Das ist die Gemeindevorsteherschaft der Schulgemeinde oder eine besondere Behörde der politischen Gemeinde. In der Stadt Zürich besteht für jeden Schulkreis eine Kreisschulpflege. 8 Die Bezirksschulpflege hat mindestens 13 und zur Zeit höchstens 78 Mitglieder. 20% werden von der Lehrerschaft des Bezirks (sog.Lehrerkapitel) gewählt, die anderen von den Stimmberechtigten für vier Jahre (WAG).

David Vasella, Oktober 2004 – keine Gewähr Volksschule1 Eine Kündigung ist beidseitig auf Ende eines Schuljahres möglich. Mittelschule ständig, ebenso wie für Ausschlüsse von Schülern aus disziplinarischen Gründen (MSG 6). Die Lehrer unterstehen dem PG, wobei das MSG teilweise abweichende Bestimmungen enthält. Die Schulleitung führt die Schule in pädagogischer, administrativer und finanzieller Hinsicht und führt die Schule nach aussen. Sie stellt administratives und technisches Personal an (MSG 7). Hochschulen tor, drei Prorektoren und dem Verwaltungsdirektor zusammen; sie ist das operative Organ, ernennt und entlässt Professoren, verabschiedet den Finanzplan der Uni usw. Der Senat ist die Vollversammlung der Professorenschaft; er macht nichts anderes, als die Prorektoren und Rektoren zur Wahl vorzuschlagen. Der Lehrkörper besteht aus Professoren und Mittelbau (Assis). Für ihre Anstellung ist die PersonalV der Universität massgebend, und subsidiär das PG (z.B. für Disziplinarfragen). Die Studierenden befinden sich mit Aufnahme an der Uni in einem Sonderstatusverhältnis. Das oberste Organ der Fachhochschulen ist der Fachhochschulrat. Die unmittelbare Aufsicht übt der Schulrat aus, die Schulleitung ist das operative Organ (die Organisation entspricht derjenigen der Uni ZH). Anordnungen des Universitätsrates unterliegen dem Rekurs an den Regierungsrat (46 I UniG), solche der anderen Organe der Universität dem Rekurs an die Rekurskommission der Universität. Auf Bundesebene ist die Staatsrechtliche Beschwerde möglich. Berufsschulen

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Rechtsschutz

Entscheide der Gemeinden sind bei der Bezirksschul- Entscheide der Schule sind mit Rekurs vor pflege anfechtbar, soweit es um schulische Angelegen- die Schulkommission zu bringen. Deren heiten geht, und sonst beim Bezirksrat. Für dienstrecht- Entscheide unterliegen dem Rekurs an die liche Angelegenheiten ist der Bildungsrat Rekursinstanz Bildungsdirektion und der Beschwerde an (LPGs 10). Die Entscheide der Bezirksschulpflege kön- das Verwaltungsgericht. Auf Bundesebene nen an die Bildungsdirektion weitergezogen werden, ist die Staatsrechtliche Beschwerde möglich. und deren Entscheide an das Verwaltungsgericht.9 Auf Bundesebene ist die Staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung des Anspruchs auf ausreichenden Grundschulunterricht gegeben. Die Beschwerde ans Verwaltungsgericht ist nach VRG 43 lit. f im Bereich der Ergebnisse von Prüfungen, von Klassenzuteilungen, von Dispensationen, von scheiden ausgeschlossen, ebenso bei disziplinarischen Massnahmen im Schulwesen. Von dieser Ausnahme besteht wieder eine Ausnahme: Zugelassen tungsgericht beim disziplinarischen Mittel des Ausschlusses von der Schule.

Anordnungen der Berufsschulen sind mit Rekurs an das Mittelschul- und Berufsbildungsamt und an den Bildungsrat anfechtbar (unsicher). Auf Bundesebene ist die Staatsrechtliche Beschwerde gegeben. Promotions- und Zulassungsentist die Beschwerde ans Verwal-

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VRG 19, 41. Zur Zeit besteht keine besondere Ordnung für den Rechtsmittelweg im Bereich der Volksschule.