Ehewirkungen

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1. Eheliche Gemeinschaft Durch die Trauung werden die Gatten zur ehelichen Gemeinschaft verbunden; sie verpflichten sich, das Wohl der Gemeinschaft in einträchtigem Zusammenwirken zu wahren und für die Kinder gemeinsam zu sorgen (ZGB 159 II). Sie schulden einander Treue und Beistand (159 III).1 Die Beistandspflicht findet ihre Grenze in der Leistungsfähigkeit der Ehegatten; die Gatten müssen sich nicht einer Notlage aussetzen. Sie haben sich finanziell zu unterstützen, Angehörige des Gatten aufzunehmen, Stiefkinder zu unterstützen, dringende Geschäfte im Interesse des anderen zu besorgen usw.

2. Familienname Der Name des Ehemannes ist Familienname (ZGB 160 I). Die Ehefrau kann erklären, den Familiennamen ihrem Ledigennamen voranzustellen (160 II) oder hintanzustellen (ZStV 12 I).2 Dasselbe gilt für den Ehemann, wenn der Frauenname Familienname werden soll (ZStV 12 II);3 dies ist zu bewilligen, wenn achtenswerte Gründe vorliegen (ZGB 30 II; jeder auch nur entfernt einfühlbare Grund).4 Nach ZGB 30 I ist auch ein anderer Name möglich, wenn wichtige Gründe vorliegen.5

3. Bürgerrecht Die Ehefrau erhält das/die Kantons- und Gemeindebürgerrecht/-e des Ehemannes (verliert aber ihr Stammbürgerrecht nicht) (ZGB 161). Das neue Bürgerrecht ist durch eine erneute Eheschliessung resolutiv bedingt.6 Kinder erhalten immer das Bürgerrechts des Vaters (ZGB 271). Die Ausländerin, die einen Schweizer heiratet, kann um erleichterte Einbürgerung nachsuchen, wenn sie 5 Jahre in der Schweiz wohnt bzw. seit einem Jahr, wenn sie dafür mind. 3 Jahre in der ehelichen Gemeinschaft lebt.7

4. Eheliche Wohnung Die Ehegatten bestimmen gemeinsam die eheliche Wohnung (ZGB 162).8 Beide Gatten sind zur Benutzung von Wohnung und Hausrat unabhängig von den Eigentumsverhältnissen berechtigt. Beide Gatten sind Familienhäupter, bestimmen damit über das Hausrecht (z.B. Aufnahme von Dritten) und haften nach ZGB 333. Gehört die Wohnung beiden oder sind beide Mieter, können sie nur gemeinsam verfügen.9 Ist nur ein Gatte an der ehelichen Wohnung dinglich oder obligatorisch berechtigt, sieht das Eherecht das besondere Zustimmungserfordernis von ZGB 169 I und OR 266m I für Verfügungen10 vor (ausdrücklich; ohne diese ist das Geschäft ungültig, kein Gutglaubensschutz). Die Zustimmung muss wie die Kündigung des anderen Gatten vor Beginn der Kündigungsfrist zugehen; bei Verspätung wirkt sie wie die verspätete Kündigung auf den nächstmöglichen Termin. Die Zustimmung kann durch den kündigenden Gatten selbst im Sinne der Notstandsvertretung (ZGB 166 II Ziff. 2) erteilt werden,11 wenn der andere Gatte mit Sicherheit kein Interesse am Verbleib in der Wohnung hat (z.B. wenn er dauernd pflegebedürftig geworden ist).12 Die Kündigung durch den Vermieter muss beiden Gatten fristgerecht zugehen (OR 266n13; andernfalls ist die Kündigung absolut nichtig, OR 266o). Wird die Zustimmung nicht erteilt, kann der andere Gatte den ERsV nach ZGB 169 II anrufen (ZPO 215 Ziff. 6b);14 der Richter ersetzt die Zustimmung durch Urteil.15 Die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts ist jederzeit einvernehmlich möglich. Nach ZGB 137 I kann das jeder Gatte nach Einreichung der Scheidungs- oder Trennungsklage, ebenso bei Unmöglichkeit des Zusammenlebens, weil es der andere grundlos ablehnt, unbekannt abwesend ist oder sich in einem Zwangsaufenthalt befindet, ZGB 176 II. Auch wenn ein Gatte oder das Wohl der Familie gefährdet ist, kann er den Haushalt aufheben (ZGB 175).16 Als Folge der Aufhebung erlischt die Vertretungsbefugnis (ZGB 166 I e contrario); auch die Ehelichkeitsvermutung des Ehemannes (das Kind erwirbt, ist es noch unmündig, das Anfechtungsrecht nach ZGB 256 I Ziff. 2).

Das Aussenverhältnis umfasst die Regeln über die Vertretung, die eheliche Gemeinschaft und die Haftung.- Die Pflichten sind echte Rechtspflichten, aber trotzdem nicht klagbar. Meier Müller. Der Allianzname – Müller-Meier – ist ebenfalls zulässig. 3 Die Erklärung muss beim Zivilstandsamt der Trauung zusammen mit dem Gesuch um Durchführung des Vorbereitungsverfahrens abzugeben, spätestens bei der Trauung (bis dahin kann widerrufen werden). 4 Zuständig zur Bewilligung ist der Regierungsrat des Wohnsitzkantons, es handelt sich formell um eine Namensänderung. Die Trauung ist möglich, auch wenn das Gesuch noch hängig ist. Die Ablehnung des Gesuches kann mit Berufung ans BGer angefochten werden (OG 44 lit. a). Die Anfechtung der Namensänderung nach ZGB 30 III ist nicht möglich, denn materiell handelt es sich nicht um eine Namensänderung g i.S.v. ZGB 30, sondern um ZGB 160. 5 Bei Scheidung bleibt der Name; die Gatten können innert eines Jahres nach Rechtskraft des Urteils (auch wenn Nebenfolgen noch strittig sind) die Rückkehr zum alten Namen erklären, ZGB 119 I. Bei Tod ist das nicht der Fall (str.). 6 Bei mehreren Bürgerrechten ist dasjenige massgebend, wo der WS liegt oder zuletzt lag; mangels eines solchen Wohnsitzes das Stammbürgerrecht (ZGB 22 III). 7 BüG 27. Zum Entscheid über die erleichterte Einbürgerung ist das Bundesamt zuständig. Nach ANAG 7 hat der ausländische Ehegatte eines Schweizer Bürgers Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung; nach einem ordnungsgemässen und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren hat er Anspruch auf die Niederlassungsbewilligung, es sei denn, es handle sich um eine Scheinehe. 8 Sind sie dazu nicht fähig, kann ihnen der ERsV (ZPO 215 Ziff. 7) im Rahmen des vermittelnden Eheschutzes i.S.v. ZGB 172 I beratend helfen, aber nicht die Wohnung festsetzen. 9 Die Zustimmung des anderen Gatten muss ausdrücklich erfolgen (ZGB 169 I analog). 10 Veräusserung, Kündigung, Beschränkung der Rechte (Wohnrecht usw.). Bereits das Verpflichtungsgeschäft ist nur mit Zustimmung gültig, nicht erst die Verfügung! Die Zustimmung kann auch nachträglich erteilt werden. Der gute Glaube des Drutten wird auch hier nicht geschützt. Auch der Grundbuchbeamte darf Verfügungen über die Familienwohnung nur mit Zustimmung des Gatten eintragen, auch wenn aGBV 15a inzwischen aufgehoben worden ist. 11 D.h. die Kündigung ist ohne Zustimmung direkt wirksam. 12 Das Verhältnis der Gatten bezgl. der Familienwohnung entspricht der Gesamthandsgemeinschaft, was das gemeinsame Handeln und die Notvertretungsbefugnis angeht. 13 Nicht anwendbar bei der landwirtschaftlichen Pacht, auch dann nicht, wenn der Pachtgegenstand ein Wohnhaus umfasst, das als Familienwohnung dient, BGE 125 III 425. 14 Der Entscheid ist berufungsfähig. Der Richter entscheidet 15 Stellt der Richter fest, dass die Zustimmung objektiv nicht erforderlich war, war die Kündigung ex tunc wirksam. Der Entscheid wirkt ansonsten wie die Zustimmung des Ehegatten, wird er nach Beginn der Kündigungsfrist erteilt, ist die Kündigung auf den nächstmöglichen Termin gültig.
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5. Familienunterhalt 5a. Grundsatz Die Ehegatten sorgen gemeinsam, jeder nach seinen Kräften (nicht hälftig), für den gebührenden Familienunterhalt (ZGB 163; der Unterhalt umfasst den gesamten Lebensbedarf der Gatten inkl. der gemeinsamen Kinder und der fremden Kinder im gleichen Haushalt17 oder Steuern18 oder Versicherungen19). Beide haben Anspruch auf gleichen Lebensstandard. Die Gatten verständigen sich über die Beiträge (Geld, Haushalt, Kinderbetreuung, Mithilfe im Beruf/Gewerbe des anderen; 163 II). Massgebend sind die Bedürfnisse und die persönlichen Umstände (163 III). Notfalls ist Vermögen anzugreifen. Die Verständigung kann nicht selbständiger Inhalt eines Ehevertrages sein.20 Dritte haben kein Forderungsrecht gegen den Ehegatten. Die Durchsetzung des Unterhaltsanspruches erfolgt im Eheschutzverfahren (ZGB 172 ff.)21 Die Vernachlässigung der Unterhaltspflichten (Ehegatten- und Kinderunterhalt) kann strafbar sein (StGB 21722).

5b. Betrag zur freien Verfügung (ZGB 164) Der nicht durch Geld zum Unterhalt beitragende Gatte (Haushalt usw.) hat Anspruch auf einen regelmässigen Betrag zur freien Verfügung (ZGB 164 I).23 Zu berücksichtigen sind u.a. eigene Einkünfte des Berechtigten und eine vernünftige Vorsorge (164 II). Der Restbetrag ist im Prinzip zu teilen.

5c. Ausserordentliche Beiträge (ZGB 165) Wenn ein Gatte im Beruf oder Gewerbe des anderen erheblich mehr mitarbeitet oder hat er aus seinem Einkommen oder Vermögen erheblich mehr beigesteuert, als es der Unterhalt – der ja durch solche Mitarbeit geleistet werden kann – erfordert, hat er Anspruch auf eine angemessene Entschädigung (ZGB 165 I, II)24, es sei denn, der Beitrag sei aufgrund eines Vertrages wie Darlehen, Arbeits- oder Gesellschaftsvertrag erfolgt (165 III). Nach der Rechtsprechung des BGer ist i.d.R. ein Arbeitsvertrag i.S.v. OR 320 II anzunehmen. Es handelt sich nicht um Lohn, sondern um Vorteilsausgleich, weshalb Art, Umfang und Dauer der Mitarbeit, die Verteilung des Unterhalts und der Güterstand zu berücksichtigen sind.

6. Vertretung der ehelichen Gemeinschaft (ZGB 166) 6a. Laufende Bedürfnisse (166 I) 6b. „Übrige“ Bedürfnisse (166 II) Jeder Gatte kann den anderen für die laufenden Für ausserordentliche Bedürfnisse (nicht alltägliche Bedürfnisse der Familie vertreten (ZGB 166 I),25 Anschaffungen, Weiterbildungskurse, Ferien usw.) setzt damit jeder Gatte die Möglichkeit hat, seine die Vertretungsbefugnis voraus, dass die Handlung im ehelichen Aufgaben wahrzunehmen.26 Die lau- Interesse der Familie liegt.29 Ferner muss die Vertretung

6c. Wirkungen (166 III) Die Wirkung der Vertretung besteht darin, dass beide Gatten solidarisch verpflichtet werden (ZGB 166 III). Die Vertretungsmacht hat ihre Grenze im Anschein der Vertretungsbefugnis: solange ein Dritter nicht erkennt und nicht erkennen kann, dass die Vertretungsbefugnis überschritten wurde, wird neben

16 Und nur wenn die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts berechtigt war, kann der Eheschutzrichter (ERsV) Eheschutzmassnahmen nach ZGB 176 anordnen (z.B. geschuldete Geldbeträge, Benützung der Wohnung, ev. Gütertrennung anordnen). Die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts ist jedenfalls berechtigt, wenn er einvernehmlich erfolgt; in der Praxis wird im entsprechenden Eheschutzurteil aber von einer besonderen Berechtigung Vormerk genommen (der Richter prüft diese Berechtigung als Vorfrage im Eheschutzverfahren). 17 Auch Prozesskostenvorschüsse, die zurückzuzahlen sind. 18 Ehegattenbesteuerung, solidarische Haftung; vgl. StG 7. 19 BGE 129 V 90. 20 ZGB 181/182: nur Güterrecht. 21 Der Richter setzt die Geldbeträge an den Unterhalt der Ehegatten fest, ZGB 173 I, indem er die Aufgabenteilung während der Ehe zugrundelegt. Zwangsweise ist nur der Anspruch auf Geld vollstreckbar. 22 Nicht erst dann, wenn sich die Pflichten aus einem Urteil oder einer Parteivereinbarung ergeben, sondern auch, wenn sie direkt auf dem Gesetz beruhen. Der Strafrichter beurteilt Vorhandensein und Umfang der Pflichten, selbst nach Anhebung einer Scheidungsklage, bis der Zivilrichter den Umfang (auch vorsorglich) bestimmt hat. 23 Voraussetzungen sind, dass der haushaltsführende Ehegatte sich zur Hauptsache der Haushaltsführung widmet und dass er, falls er Nebeneinkünfte hat, seinen Lebensunterhalt mit diesen nicht bestreiten kann; vom Einkommen des verdienenden Ehegatte muss nach dem gebührenden Unterhalt der Familie und einer vernünftigen Vorsorge ein Restbetrag übrig bleiben, nur dann ist ein angemessener Beitrag geschuldet (BGE 114 II 306). Dieser Anspruch erlischt nicht bei der Aufhebung de s gemeinsamen Haushalts! 24 Voraussetzung ist immer eine Absprache der Gatten über die Tragung des Unterhalts und diese Abmachung erheblich übersteigende Leistungen an den Unterhalt, nicht z.B. an das Gewerbe des anderen. 25 Da die Ehegemeinschaft nicht rechtsfähig ist, bedeutet „Vertretung“ hier, dass das Rechtsgeschäft des einen Ehegatten ihn und den anderen solidarisch verpflichtet (ZGB 166 III), solange die Handlungen nicht für Dritte erkennbar die Vertretungsbefugnis überschreiten. 26 Das Kind kann die Eltern nach ZGB 301 vertreten: sofern es urteilsfähig ist, wirken seine Handlungen mit Zustimmung der Eltern (auch Genehmigung reicht aus) für die Eltern (und nur für diese, nicht auch für das Kind).

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fenden Bedürfnisse umfassen den notwendigen und üblichen täglichen Unterhalt i.S.v. ZGB 163,27 (Lebensmittel, Kleider, Beizug von Arzt und Handwerkern, Entgegennahme von Postsendungen, aber auch der Abschluss von Krankenversicherungen und den Wechsel des Versicherers; nicht aber die Aufnahme von Bankkrediten).28

besonders begründet werden: mit der Zustimmung des Gatten oder des ErSV30 (ZGB 166 II Ziff. 1) oder mit der Dringlichkeit, mit der das Interesse der ehelichen Gemeinschaft wahrgenommen werden muss (Notstandsvertretung), wenn der Ehegatte nicht zustimmen kann (Krankheit, Abwesenheit usw., Ziff. 2).31

dem Handelnden auch der andere Gatte verpflichtet. Die Vertretungsbefugnis deckt die laufenden Bedürfnisse und gegebenenfalls auch die übrigen Bedürfnisse der Familie ab. Im Bereich der von aussen nicht erkennbaren Überschreitung der Vertretungsbefugnis geht die Vertretungsmacht also über diese hinaus.32 Die Haftung der Gatten ist i.d.R. eine unbeschränkte, d.h. jeder haftet mit seinem ganzen Vermögen; bei der Gütergemeinschaft mit dem Eigen- und dem Gesamtgut.33

6d. Entzug der Vertretungsbefugnis Die ordentliche Vertretungsbefugnis nach ZGB 166 I (laufende Bedürfnisse) kann vom Eheschutzrichter (ERsV) als Eheschutzmassnahme entzogen werden, wenn der betreffende Ehegatte nicht fähig ist, die Vertretungsbefugnis gehörig auszuüben oder wenn er sie überschreitet (ZGB 174 I); einmaliges Versagen reicht nicht aus. Partieller Entzug (für bestimmte Geschäftspartner, Güter oder einen bestimmten Betrag) ist möglich. Der antragstellende Ehegatte kann den Entzug Dritten gegenüber persönlich mitteilen; er darf ihn aber nicht veröffentlichen. Die generelle Zerstörung des guten Glaubens Dritter ist nur durch richterliche Anordnung der Veröffentlichung möglich (/ZGB 174 III).

7. Beruf und Gewerbe Beide nehmen bei Wahl und Ausübung von Beruf bzw. Gewerbe Rücksicht aufeinander (ZGB 167).

8. Rechtsgeschäfte unter Ehegatten und mit Dritten Die Ehegatten können untereinander und mit Dritten Rechtsgeschäfte abschliessen, solange das Gesetz nichts anderes bestimmt (ZGB 168).34 Schulden zwischen den Ehegatten werden unabhängig vom Güterstand nach OR 75 fällig (203 I, 235 I, 250 I). Die Verjährung beginnt während der Ehe nicht oder steht still (OR 134 i Ziff. 3). Bereitet die Zahlung ernstliche Schwierigkeiten, welche die eheliche Gemeinschaft objektiv gefährden,35 kann er die Einräumung von Zahlungsfristen verlangen (ZGB 203 II; 235 II, 250 II), allerdings nur, wenn die reale Aussicht besteht, dass sich die finanzielle Lage des Schuldners bessern wird. Die Forderung ist sicherzustellen, wenn es die Umstände rechtfertigen. Verweigert der Gläubiger die Einräumung, kann sie beim ERsV begehrt werden (ZPO 215 lit. b Ziff. 10). Diese Frist ist eine

9. Gegenseitige Auskunftspflicht Die Gatten schulden einander Auskunft über „Vermögen, Einkommen und Schulden“ (ZGB 170 I), d.h. alle finanziellen Angelegenheiten. Die Grenze der Auskunftspflicht besteht in ihrem Zweck: Sie besteht nur, wenn die Auskunft für eine vermögensrechtliche Frage zwischen den Gatten eine Rolle spielt, z.B. für die Festsetzung der Geldbeträge (ZGB 163), auch im Eheschutzverfahren (ZGB 176), oder bei der güterrechtlichen Auseinandersetzung; auch der Detaillierungsgrad der Auskunft ist so begrenzt. Es handelt sich also um ein

27 Nach der Rechtsprechung hat der Begriff „Unterhalt“ i.S.v. ZGB 163 eine umfassendere Bedeutung als die „laufenden Bedürfnisse“ i.S.v. ZGB 166, weshalb der Unterhalt nach ZGB 163 die obere Grenze für die Vertretungsbefugnis für laufende Bedürfnisse darstellt, BGE 129 V 90. 28 BGE 129 V 90, Änderung der Rechtsprechung (solidarische Haftung für Beitragsschulden, selbst wenn das Versicherungsverhältnis vor der Ehe begründet wurde. Grund: Aufgrund des Versicherungsobligatoriums sind solche Schulden voraussehbar und budgetierbar. Konsequenterweise haften die Ehegatten also für sämtliche Forderungen solidarisch, die zum Unterhalt i.S.v. ZGB 163 gehören und voraussehbar sind, unabhängig vom Entstehungszeitpunkt). 29 Keine Vertretungsbefugnis für Anschaffungen ausschliesslich im Interesse eines Gatten allein, z.B. Sportgeräte oder besondere Kleider (auch nicht für dessen laufende Spezialbedürfnisse). Hier handelt jeder alleine oder als gewillkürter direkter Stellvertreter des anderen i.S.v. OR 32. Pflicht zur Stellvertretung besteht im Rahmen von ZGB 159 III (Beistandspflicht), d.h. dass ein Gatte dem anderen u.U. Bedürfnisse zu erfüllen hat, die nur in dessen Interesse liegen (z.B. medizinische Behandlung bis zu einer gewissen Grenze). 30 ZPO 215 lit. b Ziff. 6a. 31 Für dringliche Geschäfte im Interesse nicht der Familie, sondern des anderen Gatten, kann OR 419 ff. (GoA) anwendbar sein. 32 Interne Abrechnung: In der Tilgung der Schuld liegt ein ausserordentlicher Beitrag an den Unterhalt, für den eine angemessene Entschädigung geschuldet ist (ZGB 165). Sofern allerdings die Zahlung nur für ein Sonderbedürfnis des Gatten geleistet wurde, also nicht als Beitrag an den Unterhalt verstanden werden kann, dürfte die Abrechnung über ZGB 165 entfallen. Vermutlich ist dann OR 148 II anwendbar (Regress nach Massgabe von ZGB 148 I). 33 Wird der Gatte durch eine Handlung nicht verpflichtet, weder aufgrund von ZGB 166 noch von OR 419 ff., haftet er alleine. Sein Gläubiger kann u.U. Forderungen seines Schuldners gegen dessen Ehegatten pfänden lassen, soweit sein übriges Vermögen nicht ausreicht (SchKG 95a). 34 Das tut es z.B. betr. die Familienwohnung; im Fall der Gütergemeinschaft bedarf die Ausschlagung oder Annahme einer überschuldeten Erbschaft der Zustimmung des anderen, ZGB 230. Dasselbe gilt bei Teil- und Abzahlungsgeschäften (OR 226b und 228) und Eingehung einer Bürgschaft, OR 494. Als Eheschutzmassnahme kann die Verfügung über bestimmte Vermögenswerte von der Zustimmung des Ehegatten abhängig gemacht werden, ZGB 178. 35 z.B. indem die Tilgung die Zahlung des Haushaltsgeldes (ZGB 164) oder Hypozinsen gefährden würde. Eine nur persönliche Notlage rechtfertigt die Anwendung von ZGB 203 II usw. nicht, doch ist darauf natürlich Rücksicht zu nehmen (ZGB 159).

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Stundung, darauf kann sich z.B. ein Rechtsvorschlag (SchKG oder die Einstellung der Betreibung (SchKG 85; ERsV, ZPO 213 Ziff. 3) stützen.36 Die Frist entfällt mit Auflösung der Ehe und mit Konkurseröffnung über den Schuldner (SchKG 208), nicht aber bei Pfändung von Vermögenswerten des Schuldners.37 Die Gatten können einander nach den ordentlichen Regeln betreiben. Die Betreibung für durch Urteil (ZGB 173 I) festgesetzte Unterhaltsbeiträge ist auch während des Zusammenlebens möglich.38 Verrechnung mit Unterhaltsansprüchen ist ausgeschlossen (OR 125 II), ebenso die Abtretung (OR 164 I) und die Pfändung (SchKG 92 f.); für den Betrag zur freien Verfügung nach ZGB 164 und die angemessene Entschädigung nach ZGB 165 gilt das nicht, diese Ansprüche sind also verrechen-, abtret- und pfändbar. Die Unterhaltsansprüche geniessen das Vorrecht nach SchKG 219 IV (erste Klasse); auch das gilt nur für sie. Immerhin ist auch für Ansprüche nach ZGB 164 und 165 die Anschlusspfändung möglich (SchKG 111).39

akzessorisches oder Hilfsrecht. Auf Verlangen ist die Auskunft schriftlich und unter Vorweisung der Belege zu geben. Bei Verletzung der Auskunftspflicht kann die Anordnung der Gütertrennung begehrt werden (ZGB 185 II Ziff. 4). Der Anspruch ist aber auch separat durchsetzbar (ZGB 170 II, beim ERsV, ZPO 215 lit. b Ziff. 6c).40 I.d.R. wird er gemeinsam mit einem vermögensrechtlichen Anspruch geltend gemacht. Ist der Gatte renitent, kann ein Dritter, z.B. die Bank, zur Auskunftserteilung verpflichtet werden.41

10. Eheschutz 10a. Verfahren

10b. Vermittelnder Eheschutz

10c. Autoritativer Eheschutz

36 Stützt sich die Forderung auf einen Vertrag, kann mit der Stundung u.U. die provisorische Rechtsöffnung verhindert werden, wenn die Stundung sofort glaubhaft gemacht werden kann (SchKG 82 II). Bei der definitiven Rechtsöffnung ist das ebenso, doch muss die Stundung hier urkundlich nachgewiesen werden (SchKG 81 I). 37 Die Fristeinräumung kann allerdings unter der Resolutivbedingung der Pfändung erfolgen. 38 Auch wenn das Geld güterrechtlich Eigentum des Schuldners bleibt und der betreibende Gatte nur berechtigt, es zu verwalten und für die Bedürfnisse des Haushalts auszugeben.- In das Existenzminimum des Gatten kann eingegriffen werden, aber nur, wenn der gemeinsame Haushalt aufgehoben ist, BGE 123 III 332. 39 Innert 40 Tagen nach Pfändungsvollzug kann der Ehegatte des Schuldners für fällige Forderungen (BGE 127 III 46 E. 3) Anschluss erklären, falls die Pfändung während der Ehe erfolgt (SchKG 111 II). Dem Schuldner wird eine Frist von 10 Tagen zur Bestreitung angesetzt. Falls er bestreitet, nehmen die Anschlussgläubiger mit dem Recht einer provisorischen Pfändung teil, sie können dann innert 20 Tagen beim ER im beschleunigten Verfahren (GVG 22) auf Anschluss klagen (betreibungsrechtliche Streitigkeit mit Reflexwirkung).- Der nicht betriebene Gatte ist nicht Partei und kann weder Rechtsvorschlag noch Beschwerde erheben (Ausnahme: SchKG 153 II, Pfändung der Familienwohnung, und bei Gütergemeinschaft, SchKG 68a). Die Lohnpfändung eines Gatten ist vom gemeinsamen Einkommen auszugehen und dann im Verhältnis der Nettoeinkommen auf die Gatten aufzuteilen. Das für beide Gatten gemeinsam bestimmte Existenzminimum ist ebenso aufzuteilen; die pfändbare Quote eines Gatten ergibt sich durch Abzug seines Anteils am Existenzminimum von seinem massgeblichen Einkommen. 40 Der Richter kann die Auskunft unter Strafdrohung befehlen (StGB 292). Die Auskunftsverweigerung führt in einem vermögensrechtlichen Prozess nicht zur Umkehr der Beweislast, wird von Richter aber frei gewürdigt (vgl. ZPO 148, Berücksichtigung des Verhaltens der Parteien im Prozess). Ev. ist der Anspruch mit einer Stufenklage durchsetzbar. Obwohl Teilurteile an sich nicht berufungsfähig sind, kann der Entscheid betr. der Rechnungslegung selbständig mit Berufung angefochten werden. 41 Vorbehalten bleibt z.B. das Anwaltsgeheimnis.

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Die Gatten können sich an Eheberatungsstellen wenden (ZGB 171; vgl. JHG 11 lit. d42). Tun sie das nicht, können sie nach ZGB 172 den ERsV (ZPO 215 lit. b Ziff. 7, zwingend am Wohnsitz eines Gatten, GestG 15 I lit. a) anrufen, der nicht v.A.w. tätig werden kann. Ist bereits ein Scheidungs- oder Trennungsverfahren hängig, sind nur noch vorsorgliche Massnahmen i.S.v. ZGB 137 möglich, wobei der Scheidungsrichter die Bestimmungen über den Eheschutz sinngemäss anwenden (ZGB 137 II). Bei Rechtshängigkeit der Scheidungsklage bereits bestehende Eheschutzmassnahmen bleiben in Kraft, soweit sie nicht durch Massnahmen i.S.v. ZGB 137 abgeändert werden (BGer). Die Abgrenzung der Zuständigkeiten erfolgt mit Rechtshängigkeit der Scheidungsklage;43 für die Zeit vor der Scheidung ist nach wie vor der Eheschutzrichter zuständig (auch wenn er über Massnahmen für diese Zeit erst nach Rechtshängigkeit der Scheidungsklage entscheidet).44 Eheschutzentscheide sind keine Endentscheide i.S.v. OG 48 I, weshalb nur die StaB oder ev. die Nichtigkeitsbeschwerde gegeben ist.45 Sie erwachsen nicht in materielle Rechtskraft und können deshalb auf Antrag jederzeit geändert werden, soweit sich die Verhältnisse geändert haben, ZGB 179 I.46

Wenn ein Ehegatte seine Pflichten gegenüber der Familie nicht erfüllt oder wenn die Ehegatten in einer wichtigen Angelegenheit47 uneinig sind, können die Gatten das Gericht (ERsV, ZPO 215 lit. b Ziff. 7) einzeln oder zusammen um Vermittlung anrufen (ZGB 172 I); der ERsV kann Sachverständige beiziehen (Budgetberater u.dgl.); er kann die Gatten an ihre Pflichten mahnen. Der ERsV kann nichts durchsetzen, aber die Gatten auf weitere Möglichkeiten hinweisen und die Vormundschaftsbehörde benachrichtigen, wenn Kindesschutzmassnahmen oder sonst vormundschaftliche Massnahmen in Erwägung zu ziehen sind.

ZGB 173: Der ERsV kann wenn nötig die – und nur diese – Massnahmen anordnen, die das Gesetz vorsieht.48 Während des Zusammenlebens kann der Richter Unterhaltsbeiträge und den Betrag nach ZGB 164 für die Zukunft und ein Jahr vor dem Begehren festsetzen (ZGB 173). Bei Überschreitung der Vertretungsbefugnis kann diese entzogen oder beschränkt werden (ZGB 174; vgl. oben). Die Regelung des Getrenntlebens nach ZGB 176 steht dem Richter offen, wenn die Gatten zur Aufhebung des gemeinsamen Haushalts nach ZGB 175 berechtigt sind (Gefährdung der Persönlichkeit oder wirtschaftlichen Sicherheit des Antragstellers oder des Familienwohls), wenn sie ihn einvernehmlich aufheben,49 und wenn das Zusammenleben unmöglich ist, namentlich weil der andere es grundlos ablehnt (ZGB 176 II).50 Der Richter kann die Geldbeträge zwischen den Ehegatten festsetzen (Unterhalt oder ZGB 164), die Benützung der Wohnung regeln51 und/oder Gütertrennung anordnen, wenn es die Umstände rechtfertigen52 (ZGB 176 Ziff. 1-3). Haben die Gatten Kinder, kann der Eheschutzrichter Kindesschutzmassnahmen treffen (ZGB 176 III; 315a)53. Da meist die zwei Jahre bis zur Scheidung (ZGB 114) zu überbrücken sind, ist eine genaue Abklärung nötig („kleine Scheidung“). Der Unterhaltsbedarf erhöht sich i.d.R. durch die Begründung eines zweiten Haushalts, die Mehrbelastung ist auf die Gatten aufzuteilen.54 Zuerst ist der Bedarf der Gatten zu ermitteln, dann der verfügbare Betrag unter Anrechnung des hypothetischen Einkommens. Übersteigt der verfügbare Betrag den Bedarf, ist die Differenz i.d.R. auf die Gatten aufzuteilen. Oberste Grenze ist aber immer die Fortsetzung der bisherigen Lebenshaltung. Bei Mangelfällen ist dem Pflichtigen das Existenzminimum55 zu belassen.56 Anweisungen an bestimmte Schuldner (vor allem Arbeitgeber) sind möglich, wenn ein Ehegatte seine Unterhaltspflicht (ZGB 163; nicht für ZGB 164) gegenüber dem Ehegatten oder den Kindern nicht erfüllt (ZGB 177 I). Die Bemessung des Betrages der Anweisung entspricht den Bestimmungen zur Lohnpfändung.57 Die Beschränkung der Verfügungsbefugnis nach ZGB 178 ist möglich, wenn es die Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage der Familie oder die Erfüllung einer Verpflichtung aus der ehelichen Gemeinschaft erfordert (wenn z.B. nur so das Gewerbe der Familie gerettet oder das Substrat für Unterhaltszahlungen gesichert werden kann). Glaubhaftmachung reicht aus. Die Massnahmen können befristet werden. Ansonsten fallen sie dahin mit Wiederaufnahme des Zusammenlebens, mit Ausnahme der Gütertrennung und der Kindesschutzmassnahmen (ZGB 179 II). Bei Veränderung der Verhältnisse können die Massnahmen auf entsprechendes Begehren auch sonst aufgehoben werden (ZGB 179 I).

42 Zuständig sind die Bezirksjugendsekretariate unter Aufsicht der Bezirksjugendkommission, des kantonalen Jugendamtes und der Direktion. In der Stadt Zürich existiert die Zentralstelle Ehe- und Familienberatung (als Verein organisiert) und weitere private Stellen. Der Kanton kann solche Stellen gestützt auf JHG 28 subventionieren. 43 Zeitpunkt: Scheidung nach ZGB 111 und 112 mit Einreichung der Klage beim ER am BezGer (ZGB 136 I), Klagen nach ZGB 114 und 115 mit Klageanhebung (d.h. mit der ersten Handlung, mit der in bestimmter Form um Schutz des Richters nachgesucht wird; da in diesem Fall im Gegensatz zu ZGB 111 f. ein Sühnverfahren durchgeführt wird, mit Sühnbegehren, falls die Weisungsfrist eingehalten wird, vgl. VOGEL/SPÜHLER, 309).

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44 Dass die Bestimmungen über den Eheschutz im Rahmen von ZGB 137 sinngemäss anwendbar sind, heisst nicht, dass der Scheidungsrichter Unterhaltszahlungen für ein Jahr vor Begehren anordnen könnte: Seine Anordnungskompetenz reicht nur bis zum Beginn des Scheidungsverfahrens, für die Zeit vorher ist der Eheschutzrichter zuständig. Falls aber vorher gar kein Eheschutzverfahren hängig war, kann der Scheidungsrichter auch für diese Zeit Unterhaltszahlungen anordnen (BGE 129 III 60 mit Verweis auf diese zürcherische Praxis). 45 Letzteres z.B. in BGE 129 III 60 E. 1; auch BGE 127 III 476. 46 Nach der Rechtsprechung des BGer erwachsen aber vorsorgliche Regelungsmassnahmen (z.B. Unterhaltszahlungen) im Scheidungsprozess in beschränkte materielle Rechtskraft (BGE 111 II 103; 127 III 496). Es kann gegebenenfalls durch Revision beseitigt werden, soweit ein Revisionsgrund gegeben sei. Danach kann auch Schadenersatz für ungerechtfertigte vorsorgliche Massnahmen gefordert werden (OR 41 ff.). Anders bei vorsorglichen Sicherungsmassnahmen: Diese erwachsen nicht in beschränkte Rechtskraft und können daher in einem Schadenersatzverfahren in Frage gestellt werden, ohne dass sie zuerst durch Revision zu beseitigen wären. 47 Unterhaltsleistungen; eheliche Wohnung; Wahl und Ausübung eines Berufs oder Gewerbes usw. 48 ZGB 166 II, Zustimmung zur Vertretung in ausserordentlichen Bedürfnissen; 169 II, Zustimmung zur Verfügung über die eheliche Wohnung; 170 II, Auskunft; 173 f., Massnahmen während des Zusammenlebens; 176, Regelung des Getrenntlebens; 177 f., Anweisungen an die Schuldner; 185, Gütertrennung; 187, Wiederherstellung des früheren Güterstandes; 230 II, Zustimmung zur Annahme/Ausschlagung einer Erbschaft bei Gütergemeinschaft; 297 II, alleinige Zuweisung der elterlichen Sorge bei Aufhebung des gemeinsamen Haushalts. Die Massnahmen ausserhalb von ZGB 172 ff. nur mit Zurückhaltung. 49 Bei einvernehmlicher Aufhebung wird die Berechtigung nur auf Antrag eines Gatten geprüft und vorgemerkt. 50 Das Gericht prüft die Klagelegitimation bei ZGB 176, also die Berechtigung zur Aufhebung bzw. den Fall von ZGB 176 II, von Amtes wegen. Nur derjenige Gatte kann sich auf diese Umstände berufen, der sie nicht verschuldet hat. Die Berechtigung nach ZGB 175 ist sehr weit zu verstehen, denn sonst wäre der Gatte, der die Frist nach ZGB 114 abwarten will, weil sich dessen Gatte der Scheidung widersetzt, während der Wartefrist schutzlos, müsste also in der gemeinsamen Wohnung verbleiben und hätte damit de facto Mühe, die Trennung nach ZGB 114 nachzuweisen. 51 Massgebend ist v.a. das Kindeswohl, wenn Kinder da sind. 52 Das ist der Fall, wenn die Interessen, vor allem die finanziellen Interessen, des Gesuchstellers gefährdet sind. 53 Obhut; Besuchsrecht; Unterhalt. Auch im Abänderungsverfahren ist der Eheschutzrichter zur Regelung der Kinderbelange zuständig, sonst aber die Vormundschaftsbehörde, ZGB 315b. 54 Der das Zusammenleben grundlos verweigernde Gatte, ZGB 176 II, kann sich darauf nicht berufen. Lebt ein Gatte im Konkubinat mit einem Dritten, hat er sich alle Ersparnisse daraus anrechnen zu lassen; ev. entfällt ein Unterhaltsanspruch wegen Rechtsmissbrauchs (ZGB 2). 55 Berechnung: siehe FN 28. Kinderunterhalt: kann nach den Kindergrundbeträgen oder den Empfehlungen des kantonalen Jugendamtes durchgeführt werden. 56 Nach BGE 123 III 1 E. 3 kann bei der Bemessung der ehelichen Unterstützung allerdings insofern in das erweiterte Existenzminimum (Grundbetrag plus Zuschlag) eingegriffen werden, als von einem Zuschlag abgesehen werden kann, um die Gleichbehandlung der Ehegatten zu gewährleisten.

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